Der Bucheinband: Seine Technik und seine Geschichte

Part 2

Chapter 23,504 wordsPublic domain

Ziehen wir irgend einen Bogen aus einem Druckwerk heraus, so finden wir meist oberhalb des Textes die Seitenzahlen angegeben. Es würde aber dem Buchbinder einige Schwierigkeiten machen, aus den Seitenzahlen sogleich die als erste Seite des Bogens bezeichnete herauszufinden und demgemäß den Bogen in richtiger Seitenfolge zu falzen. Deshalb ist in der sogenannten +Signatur+, die der Setzer anbringt, eine Einrichtung getroffen, welche das vordere Blatt eines jeden Bogens sofort erkennen läßt. Der aufmerksame Arbeiter wird also nicht leicht »verfalzen« können. Die Signatur zeigt die Reihenfolge der Bogen mit 1, 2, 3 u. s. w. oder (früher) mit Buchstaben a, b, c etc. am Fuße der Seite rechts an und die Zahl des ersten Blattes wiederholt sich, mit einem Stern versehen, auf dem zweiten Blatte (die sog. falsche Signatur) an derselben Stelle.

Faltet man ein leeres Blatt Papier zusammen, so wird man Kante auf Kante richten. Bei bedrucktem Papier ist dies anders; der weiße Rand ist für den Falzer völlig Nebensache, seine Aufgabe ist vielmehr, die einzelnen Kolumnen des Druckes, d. h. die von dem Letternsatz eingenommenen Flächen, genau auf einander zu bringen, so daß sie sich, wenn man sie gegen das Licht hält, decken. Zu dem Ende legt man die zu falzenden Bogen in einem nicht zu dicken Stoße mitten vor sich auf den Werktisch und zwar so, daß die +rechte+ Signatur oben links auf der Unterseite, die +falsche+ Signatur oben rechts auf der Oberseite der Falzlage sich befindet. Die rechte Hand, welche zugleich ein Falzbein führt, greift den Bogen am rechten Rande etwa in der Mitte und schlägt denselben so nach links zusammen, daß die Ränder einander etwa gleich stehen. In dem Augenblicke aber, wo die rechte Hälfte des Bogens links ankommt, greift die Linke so zu, daß der Zeigefinger zwischen die Blätter in der Nähe der Kolumnenecken zu liegen kommt, während Daumen und Mittelfinger von außen zufassen, den Bogen etwa in Augenhöhe bringen und hier so richten, daß die Kolumnen sich ganz genau decken; bei dieser Arbeit hilft die Rechte durch Hin- und Herschieben der beiden Bogenhälften nach, ohne das Falzbein fortzulegen (Fig. 5). Sind die Kolumnen in richtiger Lage, so legt man den Bogen nieder, und während die Linke denselben noch hält, streicht die Rechte den zu bildenden Bruch kräftig und mit einem sicheren Strich nieder, und zwar von unten nach oben, indem das Falzbein mit der Spitze etwas schräg nach links oben gerichtet gehalten wird (Fig. 6). Damit sich die Bogen leicht aufgreifen lassen, streicht man über den Stoß dann und wann mit dem Falzbein halbrechts aufwärts, wodurch sich die obersten Bogen in dieser Richtung etwas über die anderen hervorschieben, so daß die Rechte sehr wohl, ohne daß die Augen folgen, den jeweiligen obersten Bogen greifen kann. Dies wäre das erste »Tempo«, um mit unseren deutschen Unteroffizieren zu reden, und es wäre wirklich nicht übel angebracht, diese Arbeit, die mit einiger Übung ungemein rasch auszuführen ist, in völlig militärischem Sinne »nach Zählen blind geladen« zu erlernen; einstweilen aber wollen wir uns bemühen, die zweite Bewegung zu machen und den Bogen fertig zu falzen.

Indem man das Falzbein in der Gegend des Mittelsteges unter den eben gemachten Bruch schiebt, ergreift man den Bogen mit Falzbein und Zeigefinger, und zwar so, daß man mit einer kurzen Drehung der Hand den Bogen zwischen Zeigefinger, Daumen und Mittelfinger fassen kann, oder besser gesagt, daß die beiden letzteren in dem Bogen um den ersteren herum einen Bruch formen können (Fig. 7). In diesem Augenblicke faßt die linke Hand mit dem Daumen den Bogen auf der anderen Seite, schlägt ihn gemeinschaftlich mit der Rechten zusammen, zieht denselben aber mit einem kurzen Griff nach dem Körper des Arbeiters zu, während die Rechte ihre Seite hochhebt und in Augenhöhe bringt, um die Seitenzahlen genau auf einander richten zu können. Es geschieht dies, indem das Auge von oben in den Bogen hineinsieht. Die Linke hat inzwischen den unteren Teil des Bogens verlassen und mit dem Zeigefinger zwischen dem Daumen und Mittelfinger außen am oberen Rande zugegriffen, um in derselben Weise, wie beim ersten Bruche beim Richten behilflich zu sein. Decken sich die Seitenzahlen genau, so werden noch die beiden oberen Kanten des Bogen genau aufeinander gerichtet, um in dieser Weise mit dem ersten Bruche einen genauen rechten Winkel herzustellen (Fig. 8). Der Bogen wird nun, wie oben, auf die Tafel niedergelegt und der Bruch von oben nach unten niedergestrichen, indem man das Falzbein mit der Spitze etwas nach links unten seitwärts hält. Bei Quartformat (8 Seiten) ist damit die Falzarbeit beendet, während bei Oktavformat (16 Seiten) sich die letzterwähnte Bewegung noch einmal wiederholt. Es sei dazu bemerkt, daß sich namentlich bei kräftigem Papier leicht die Luft in den zuerst zusammengefalteten Seiten fängt und bei raschem Niederstreifen dann Quetschfalten in dem Papier entstehen. Diesem Übelstande muß der Arbeiter durch Vorsicht zu begegnen suchen.

Der fertig gefalzte Bogen wird mit der linken Hand nach links beiseite gelegt, und zwar in derselben Lage, in der er sich zuletzt befand, also mit dem Rücken nach rechts, die Seitenzahlen oben. Waren die Druckbogen vor dem Falzen schon in Exemplaren kompletiert oder geordnet, so müssen sie umgekehrt, also auf dem Kopf stehend, doch ebenfalls mit dem Rücken nach rechts liegend weggelegt werden, anderenfalls würden die Bogen von hinten nach vorn gelegt erscheinen und müßten nachträglich neu geordnet werden.

Neuerdings wird die Falzarbeit auch mittelst Maschinen verrichtet; doch hat die Maschine die Menschenhand bei dieser Arbeit noch nicht voll ersetzen können, weil ihre Bedienung besondere Aufmerksamkeit erfordert und sie in Bezug auf Schnelligkeit der Arbeit einen geübten Falzer nur um weniges überholt.

Verhältnismäßig selten werden heutzutage kleinere Formate als Oktav-Größe gedruckt. Bei Duodez sind noch 8 Kolumnen (4 Blatt) mehr angedruckt, welche abgeschnitten und in den Bogen eingesteckt werden müssen. Entweder muß man zu diesem Zwecke den angedruckten Teil mit einem Bruch umfalzen oder, wie man zu sagen pflegt, »abbiegen« und mit dem Messer abschneiden, oder aber man nimmt die Bogen »auf Nadeln« und schneidet danach den betreffenden Teil ab. Zwischen Hauptbogen und Einsteckbogen befindet sich beiderseits je eine durchstochene Stelle, die sogenannte +Punktur+, welche die Druckpresse beim Durchziehen der Bogen über die Walze hervorbringt. Legt man den Bogen auf den Tisch oder ein Brett, und schlägt durch jedes der beiden Punkturlöcher eine kräftige Nadel senkrecht ein, so ist man sehr wohl im stande, alle Bogen ganz genau dem Drucke nach aufeinander zu bringen, wenn man sie einzeln auf diese Nadeln mit den Punkturen »aufsteckt«. Hat man in dieser Weise eine entsprechende Anzahl -- etwa 50 Stück -- so können mit scharfem Messer am eisernen Lineal her die Einsteckbogen sämtlich mit einem Schnitt vom Hauptbogen abgetrennt werden. Beide Teile werden nun für sich gefalzt, der kleinere in den größeren, oben genau gleich gerichtet eingesteckt.

Über das +Schneiden+ mit dem +Messer+ sind hier noch einige erläuternde Bemerkungen zu machen.

Man benutzt hierzu fast ausschließlich sogenannte +Papier-+ oder +Buchbindermesser+. Das Messer wird dicht an dem aufgelegten eisernen Lineal hergeführt, und zwar neigt man dasselbe mit dem Stiel soweit nach hinten, daß dessen Achse mit der Fläche des Papieres etwa einen halben rechten Winkel bildet, während die Klinge selbst senkrecht steht. Man achte besonders darauf, daß man das Papier nicht schräg unterschneidet, wodurch man einmal einen faserigen und welligen Schnitt erhalten, dann aber auch die zu unterst liegenden Blätter mehr oder weniger neben der beabsichtigten Stelle zerteilen würde. Eiserne +Lineale+ sind am meisten üblich; hölzerne, nicht zu dünne Schienen haben den Vorteil, daß sie fester auf dem Papier aufliegen und leichter sind, dagegen den Nachteil, daß sie dem Messer kaum einen Widerstand entgegenstellen und öfter abgerichtet werden müssen. Als Unterlage dient ein sogenanntes Schneidebrett von Birnbaum, Ahorn oder Weißbuchenholz. Alle weichen oder mit groben Adern versehenen Hölzer sind ungeeignet. In neuester Zeit sind auch Zinkplatten als Unterlage in Gebrauch gekommen.

Beim Falzen kommt es sehr häufig vor, daß der Buchbinder genötigt wird, die Fehler anderer zu verbessern; dies ist z. B. der Fall bei ungenau angelegten (»überdruckten«) Bogen. Am besten würde jeder schief gedruckte Bogen ausgeschieden; wo dies nicht angeht, muß man durch ein vermittelndes Zusammenfalzen den Fehler möglichst wenig sichtbar werden lassen, indem man die Richtungspunkte -- Seitenzahlen oder Kolumnenecken -- so aufeinander richtet, daß die passende Zahl genau zwischen die beiden nicht auf-, sondern nebeneinander stehenden gerichtet wird. Ist der Bogen sehr arg überdruckt, so zerschneidet man denselben in 4 Teile, falzt jedes Blatt besonders und steckt dieselben nach der Zahlenfolge genau ineinander.

Eine andere Korrektur, die dem Buchbinder zufällt, ist der +Karton+, d. h. ein besonders oder an den letzten, bez. den Titel-Bogen angedrucktes Blatt, das als Ersatz für ein anderes in dem Werke befindliches Blatt dient, dessen Entfernung wegen eines Fehlers oder aus irgend welchem Grunde dem Verfasser oder Verleger wünschenswert erscheint. Ist der Karton auf einzelne oder, wie gewöhnlich, auf Doppelblätter gedruckt, so werden diese entweder aufgenadelt oder zusammengefalzt und mit dem Messer am Lineal her durchgeschnitten. Ist der Karton an den letzten Bogen angedruckt, so muß er nach dem Falzen desselben abgeschnitten werden. Um die Kartonblätter +nun+ an ihre Stelle einzukleben, schmiert man etwa je 20, nachdem man sie aufgeschoben hat, auf einmal am Rücken ganz schmal mit Kleister an. Das +Aufschieben+, d. h. ein terrassenförmiges Übereinanderlegen der Blätter, wird auf einfache Weise dadurch bewirkt, daß sie mit der Spitze eines Falzbeines quer über die Kante her wiederholt gestrichen werden; die obersten Blätter ziehen sich zuerst nach rückwärts und die anderen folgen alsbald nach. Man legt nun ein Blatt Makulatur vor und schmiert mit Kleister die Ränder, die in keinem Falle breiter als etwa je 2 bis 3 mm aufgeschoben sein dürfen, gut an. Der Pinsel soll dabei ebenfalls nur quer über die Blattränder, aber nie parallel mit denselben geführt werden, da sonst Kleister zwischen die Blätter kommen würde. Damit nun während der Fortsetzung der Arbeit die angeschmierten Blätter mit den Rändern nicht aneinander kleben, macht man noch einige Striche mit dem Falzbein auf dem obersten Blatte nach hinten; durch diesen Handgriff gehen die Blätter ganz wenig auseinander, so daß sich die Kleisterränder nicht mehr berühren und nicht zusammenkleben können. Beim Anschmieren legt man die Blätter an die vordere Tischkante; ist dies geschehen, so werden sie zur weiteren Behandlung herumgedreht, so daß die Kleisterränder nicht mehr dem Arbeiter zugewendet sind, sondern nach hinten zu liegen kommen. Nun wird Blatt für Blatt ergriffen und an den betreffenden Bogen geklebt, aus dem vorher das Fehlblatt unter Zurücklassung eines kleinen Fälzchens, an welches der Karton anzukleben ist, herausgeschnitten wurde. Bei der Arbeit liegt mitten vor dem Arbeiter das, worauf man zu kleben hat, rechts liegen die angeschmierten Blätter und links werden die fertig geklebten Bogen »abgelegt«. Dies ist die Formel, nach der in allen Fällen verfahren wird, ob wir nun einen Karton zu kleben oder Teile eines Bogens anzufügen haben, wie überhaupt das Arbeiten von rechts nach links überall notwendig ist, besonders da, wo mehrere Personen sich gegenseitig in die Hand arbeiten müssen.

Hat man ein einzelnes Blatt ein- oder anzukleben, so legt man es an die Tischkante und ein Blatt Papier so darüber, daß ein schmales Rändchen stehen bleibt. Den Kleister trägt man dann mit dem Finger auf, und zwar mit dem rechten Mittelfinger, nicht mit dem Zeigefinger, den man zum Zugreifen bereit und deshalb von Kleister freihalten muß.

Nicht alle Druckwerke schließen mit ganzen Bogen glatt ab, sondern häufig finden sich am Anfang, besonders aber am Ende auch halbe und Viertel-Bogen, ja einzelne Blätter. Alle einfachen Blätter müssen angeklebt werden, ebenso die Doppelblätter, wenn das verwendete Papier nicht so stark ist, daß sie ohne Schaden mitgeheftet werden können.

Haben wir den rohen Druck gefalzt, so werden die Bogen fest eingepreßt, damit sich die Brüche gehörig niederdrücken, und die einzelnen Blätter gut aufeinandersetzen. Überhaupt darf man keine Gelegenheit, die halbfertigen Bücher einzupressen, ungenützt vorübergehen lassen, wenn man auf gute und schöne Arbeit Anspruch erheben will.

Vor dem Einpressen werden die Bogen selbstverständlich gleichgestoßen, indem man je einen Packen am Oberschnitt und dann am Rückenbruch auf den Tisch aufstößt. Es ist ratsam, die Päcke nicht zu groß zu nehmen; der Anfänger sollte zunächst nur 10 Bogen zusammen aufstoßen und danach je 5-6 Päcke wieder zusammen geradestoßen. Auch ist darauf zu achten, daß nicht einzelne Bogen stecken bleiben, was bei dünnem Papier leicht der Fall sein kann; diese müssen dann vorgezogen und mit den anderen geradegerichtet werden. Vor dem Geradestoßen werden die Bogen, je nach der Dicke derselben, zu je 50 oder je 100 abgezählt.

Wir haben die Bogen nun packweise zwischen je zwei Bretter, beziehungsweise zwischen je zwei Päcke ein Brett zu bringen, und dürfen dabei so viel übereinander schichten, als wir glauben in die Presse bringen zu können. Die Presse wird rechts neben uns so auf den Tisch gestellt, daß der eine Spindelkopf ein wenig über die Tischkante hervorragt, die Balken der Presse etwa im rechten Winkel mit der Richtung des Tisches zu stehen kommen, und die Presse ein wenig nach vorn neigt. Die rechte Hand hebt den oberen Balken, in der Mitte desselben zugreifend, hoch, die linke hebt den einzupressenden Bücherstoß samt den Brettern in die Presse.

Nun werden die Muttern so weit mit der Hand zugedreht, daß ein Herausfallen des Stoßes nicht mehr zu befürchten ist; alsdann wird die Presse vom Tische gehoben, zwischen die Beine genommen und mit dem Preßbengel (s. o. Seite 9) fest angezogen. Bei schweren oder hohen Stößen muß ein zweiter Arbeiter den Preßbalken »aufhalten« und beim Einpressen zur Hand gehen.

Daß oben und unten Querbretter vorliegen müssen, ist schon erwähnt worden. (S. Seite 9.)

Das »Auspressen«, d. h. das Herausnehmen der eingepreßten Stöße aus der Presse, ist eine ziemlich einfache Arbeit.

Die Presse nebst Inhalt wird, nachdem man die Muttern etwas gelockert hat, auf Tischhöhe gehoben und mit dem unteren Preßbalken so quer an die Tischkante angesetzt, daß der eingepreßte Stoß auf derselben aufsteht. Die Muttern werden nun mit der Hand ganz aufgedreht, der Stoß mit der Brust durch die Presse durch ganz auf den Tisch geschoben und mit der Linken gehalten, während die Rechte die Presse zur Erde stellt.

Immer aber bedenke man, daß +Einpressen+ vor +Auspressen+ geht, denn

gut gepreßt, ist halb gebunden.

3. Weitere Behandlung vor dem Heften.

Karten, Tafeln, durchgehende Bilder, Atlanten. -- Zusammentragen, Kollationieren. -- Schlagen, Walzen. -- Liniaturen. -- Alte Bücher, Ausflicken und Reinigen. --

Außer den Textbogen enthalten bekanntlich viele Bücher auch noch Bilder, Tafeln, Karten und dergleichen Zugaben, die man schlechtweg als +Kupfer+ bezeichnet, gleichviel ob es sich um wirkliche Kupferstiche oder um auf andere Art hergestellte Blätter handelt.

Diese Kupfer erfordern ihre besondere Behandlung, bevor das Buch zum Heften vorbereitet ist.

Die einzelnen Kupfer werden zunächst passend geschnitten und, wenn sie ihren Platz im Text haben sollen, im Rücken schmal eingeklebt. Ist das Papier sehr kräftig, so werden sie vorher an einen festen Papierfalz angehängt, der dann in den Rücken eingefügt wird. Bilder am Anfang und Ende eines Buches sollen nie angeklebt, sondern bei gewöhnlichen Banden »umgehängt«, bei feineren Bänden in einer besonderen Weise mit der ersten Lage verbunden werden, von der später die Rede sein wird. Doch sehen wir uns zuerst die Tafeln selbst an. Nach Form und Aussehen verschieden, lassen sie sich in folgende Arten einteilen, in Tafeln mit +einfachen+ rechteckigen Bildern in +Hoch+format, mit desgleichen in +Quer+format, mit Bildern in +doppelter+ Breite, sogenannten durchgehenden Bildern, mit Bildern +unregelmäßiger+ Form (anatom. Darstellungen, Maschinen etc.), mit Bildern, Karten oder anderen Darstellungen, welche +über das Format+ des Buches hinausgehen und diesem erst angepaßt werden müssen.

Einfache Tafeln in Hoch- oder in Querformat werden dem Texte so angepaßt, daß die Ränder des beschnittenen Buches genau parallel mit den Rändern des Bildes laufen, jedoch mit der Maßgabe, daß der Raum im Rücken, also der innere weiße Steg (Rand) etwa um ⅓ weniger breit ist als der äußere, der obere ebenfalls etwa um ⅓ weniger breit als der untere.[1] Zu diesem Zwecke ist es notwendig, die Höhe und die Breite des Textes je auf einen Streifen Papier zu übertragen; hat man viele Karten in ähnlicher Größe, so ist ein Streifen Karton oder ein dünnes hölzernes Lineal dazu sehr geeignet. Diesen Maßen entsprechend werden die Karten auf Größe abgerichtet. Man berechnet genau, wie breit später das Buch beschnitten werden muß, überträgt rechts und links vom Breitenmaß, oberhalb und unterhalb vom Höhenmaß die Breite des weißen Randes ebenfalls auf den Maßstab, so daß in dieser Weise jetzt die genaue Höhe und Breite des Bildes festgestellt ist mit den Vormerkungen für die Textgröße im Werke. Diesem Maße entsprechend wird das Bild +abgestochen+, d. h. abgemessen und das Maß mit einer Zirkel- oder Messerspitze angedeutet. Zu diesem Zwecke legt man den Maßstreifen mitten quer, bezw. auch in der Höhe quer über das Bild. Am Rücken wird das Maß zweimal übertragen, einmal oben und einmal unten und diesem entsprechend das Bild abgeschnitten; oben genügt +eine+ Marke, die Tafel wird hier einfach winkelig geschnitten; vorn und unten läßt man die Ränder stehen, da das Kupfer beim Beschneiden des ganzen Buches mitbeschnitten wird. Bei Hochformat ist die Lage, in der das Bild ins Buch kommt, von selbst gegeben, bei Querformat muß der untere Rand nach dem Schnitt, der obere nach dem Rücken zu gerichtet werden. Ebenso pflegt man, abgesehen von dem Titelkupfer, jedes Bild in das Buch +recto+ einzufügen, d. h. es deckt im aufgeschlagenen Buche die +rechte+ Seite.

Haben die Bilder doppelte Breite, also die Größe des aufgeschlagenen Buches, so werden sie dem Rande gemäß genau in der Mitte zusammengefalzt und nur oben auf Größe abgestochen; sie erhalten einen Papierfalz, mit dem sie in den Rücken eingefügt werden.

Am unbequemsten ist die Behandlung solcher Beigaben, welche wesentlich größer sind als das Format des Buches, und es lassen sich nicht einmal genaue Regeln für jeden einzelnen Fall vorschreiben. Nur vier Punkte sind es, die unter allen Umständen beachtet werden müssen. Erstlich darf der Spiegel der zusammengebrochenen Karte, bez. Zeichnung und Schrift beim Beschneiden nirgends vom Schnitt getroffen werden; zweitens sollen nie mehr Brüche gemacht werden, als unumgänglich nötig sind; drittens soll die durch das Zusammenbrechen gebildete Lage überall möglichst gleichdick sein; viertens soll in dem beschnittenen Buche von einer zusammengefalteten Beigabe möglichst wenig am Rande bemerkbar sein. Es erhellt hieraus, wie schwierig es ist, große Karten auf Buchgröße abzurichten, ohne daß beim Beschneiden ein Unglück passiert. Zum Glück bemühen sich die Verleger heutzutage um des besseren Aussehens willen alle Beigaben zu dem Texte so einzurichten, daß sie sich dem Formate des Buches bequem anschließen.

Eine Tafel, die in der Höhe oder in der Breite nur wenig über das Format hinausgeht, wird an dem unteren Ende, oder an der Vorderseite nur so viel eingeschlagen, als nötig ist, um beim Beschneiden nicht getroffen zu werden. Steht eine Karte nach beiden Richtungen über, so wird erst der untere Teil umbrochen, dann der seitliche; selbstverständlich müssen die beiden Brüche genau rechtwinkelig gemacht werden. Ist die Breite der Karte derart, daß ein einmaliges Zusammenbrechen noch nicht genügt, so muß sie so oft hin und wieder, d. h. einmal von rechts nach links, das nächste Mal von links nach rechts gebrochen werden, bis das Format erreicht ist. Schließlich bleibt dann mitunter noch ein Rest über, der nicht mehr die ganze Breite des Formates einnimmt; es ist deshalb gut, vorher den Zirkel zu nehmen und Höhe wie Breite einzuteilen, damit man möglichst glatt und gut auskommt. Jede derartige Beigabe wird, damit sie sich gut herauslegt und doch im Rücken genügende Befestigung findet, +an einen Falz gehängt+. Zuvor schneidet man an der Seite, welche in den Rücken eingeklebt wird, den Rand so aus, daß ein Streifen stehen bleibt, der nicht ganz die Länge der Formathöhe hat. Karten, die etwa die dreifache Höhe des Formates haben, werden von oben nach unten, dann von unten nach oben gebrochen, während am mittleren Teile der Falz zum Anhängen stehen bleibt. Das schließt jedoch nicht aus, daß die Tafel auch am oberen Ende angehängt werden kann; in diesem Falle bricht man die 2 unteren Teile nach oben, und zwar den mittleren zu-, den unteren aufklappend.

Nachstehende Schemata werden das Gesagte noch deutlicher machen.

Da die so zusammengebrochenen Karten das Buch in der Mitte aufbauschen würden, wenn sie im Rücken lediglich mit einem Falz in Papierstärke befestigt würden, so muß diesem Übelstande durch das Einheften blinder oder +Füllfälze+ abgeholfen werden; man versteht darunter Papierstreifen, die, in der Länge einmal zusammengebrochen, bis zur Gesamtstärke der Karte ineinander gesteckt und als besondere Lage mit eingeheftet werden.

Kommt in einem Werke eine einzelne Tafel vor, welche auf ein Papier gedruckt ist, das nicht stärker als die übrigen Blätter aufträgt, so wird sie im Rücken ohne Falz angeklebt. Bei Doppeltafeln muß immer ein Falz zur Vermittelung dienen; nur die sogenannten durchgehenden Bilder in Illustrationswerken und Zeitschriften machen eine Ausnahme. Diese Bilder, die allemal auf das mittlere Doppelblatt des Bogens, den inneren Steg mitbedeckend, gedruckt sind, werden nachdem der Bogen gefalzt ist, herausgeschnitten indem man mit einem scharfen Messer die Brüche aufschlitzt. Den durch die Mitte des Bildes gehenden Bruch schmiert man alsdann äußerlich ganz schmal mit Kleister an und klebt so das Bild in den Bogen selbst ohne Falz ein, muß dabei jedoch um etwa 3-4 mm zurückrücken, damit erstlich sich die beiden Teile des Bildes beim Öffnen des Buches frei auflegen und damit zweitens das Bild beim Heften nicht von der Heftnadel getroffen wird.