Der Ackermann aus Böhmen

Part 8

Chapter 83,656 wordsPublic domain

Den Druck _b_ habe ich im Originale gebrauchen können. Das wie es scheint einzige Exemplar befindet sich in der herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel sign. _19. Z. Eth._ Es enthält 18 Blätter; hinter dem dritten, achten und fünfzehnten fehlt je ein Blatt des Druckes, weshalb jedesmal ein weisses Blatt zu etwaigem Nachtrage des Fehlenden eingefügt ist. Ebenso fehlen das drittletzte und letzte Blatt, ohne dass Ersatzblätter eingeheftet wären. Somit entgeht uns vom Texte dieser Quelle das Ende von C. VII und Anfang von C. VIII, E. v. XVII und A. v. XVIII, E. v. XVIII und A. v. XXIX, E. v. XXXI und A. v. XXXII und E. v. XXXIV. Die letzten neun Zeilen des XXIII. C. befinden sich noch auf Blatt 12^b, worauf ein freier Raum von einer halben Seite folgt. Die Initialen sind bis C. XVIII incl. vorhanden, von C. XIX an fehlen sie.

Ueber die übrigen Drucke hat Herr Professor Martin mir gütigst Folgendes mitgetheilt.

›Von der ältesten Ausgabe (_a_) des Ackermannes konnte ich das Berliner Exemplar einsehn, welches aus dem Besitze v. Naglers in das k. Museum gekommen ist, und dort im Kupferstichcabinet unter Nummer _D x 12_ aufbewahrt wird.

Der Director dieser Abtheilung, Herr Dr. Lippmann, machte mich auf die Beschreibung dieser Ausgabe in der Bibliotheca Spenceriana von Dibdin, Vol. I, London 1814 aufmerksam, worin jedoch meist nach Camus, Mémoires de l’Institut app. vol. II p. 6-8 auf Grund eines in der k. Bibliothek zu Paris vorhandenen Exemplars berichtet wird. Ferner fand ich (Heinecken) Nachrichten von Künstlern und Kunst-Sachen Bd. II (Leipzig 1769) p. 21 angezogen, worin das Wolfenbüttler Exemplar kurz beschrieben ist. Dasselbe ist mit Boners Fabelbuch, welches bei Pfister zu Bamberg 1461 gedruckt ward, zusammengebunden, und stammt nach der Uebereinstimmung der Ausstattung aus derselben Druckerei und derselben Zeit.

Das Berliner Exemplar hat 23 Blätter, indem eins hinter Bl. 2 fehlt, das die Worte des III. Cap. von _gethan. Wegt es selber_ an bis gegen den Schluss des V. _wirdenloß und griß (gramig)_ enthielt.

Bl. 1^a ist leer. 1^b wird von einem Holzschnitt eingenommen, der wie alle in diesem Exemplar coloriert ist. In einer Halle sitzt der Tod gekrönt auf dem Thron, vor ihm ein Mann in der Kappe, von zwei Knaben begleitet; rechts (vom Beschauer) liegt eine Frau im Leichentuch auf einem Grabstein.

2^a (_G_, roth nachträglich eingemalt, wie alle Initialen) _rymmiger abtilger aller leut_ usw. Auf der Seite stehn 28 Zeilen.

3^a ist leer, 3^b Holzschnitt: In einer Halle sitzt hinten der Tod auf dem Thron, vor ihm steht der Ackermann; vorn kniet der Pabst und legt die dreifache Krone nieder, neben ihm ebenso ein weltlicher Herrscher, ein Mann mit einem Säckel, und noch ein vierter wird sichtbar.

8^b schliesst auf der fünften Zeile von unten.

9^a Holzschnitt: Oben jagt der Tod zu Pferd mit Pfeil und Bogen zwei Rittern in ein Burgthor nach; unten mäht der Tod mit der Sense junge Leute nieder; hinter ihm stehen Krüppel und Alte.

9^b _Des todes widerred das xiii. capitel._

_(W)asz poß ist das nenne gut. was gut ist das heiße_ usf.

16^b schliesst auf der fünften Zeile v. u.

17^a Holzschnitt: Oben thront der Tod im Freien, vor ihm steht der Ackermann. Unten links treten Mönche aus einer Klosterpforte, rechts in einem Garten bekränzt eine Frau einen Jüngling, eine zweite spricht mit einem andern.

17^b _Des clagers widerred das xxvii. capitel_ usf.

21^a stehn nur die letzten 10 Zeilen aus dem XXXII. Capitel.

21^b Fünfter Holzschnitt: Oben erscheint Gott von Wolken getragen, von zwei Engeln und von Sternen umgeben; er erhebt die Hände, auf denen Wundenmale sichtbar sind. Unten stehn, durch einen Baum getrennt, der Tod und der Ackermann (letzterer fehlt auf dem defecten Blatt des Berl. Exemplars).

22^b Zeile 5 ff.

_Do pitt der clager fur seiner frauen sele. Die grossen rotē puchstabē die nennē den clager. Vnd dies capitel stet eins gepetes weiß das xxxiiij. capitel._

_(I)mmer wachēder wachter_ ...

Z. 17 _mich (O) licht_ ...

Z. 24 _(H)eile und selde_ ...

Bl. 23^a, 8 ... (_E)wige lucern_ ...

Z. 17 ... _(S)chaz_ ...

Z. 21 ... _(A)ller_ ...

Z. 26 ... _(N)othelffer_ ...

23^b, 6 ... _(N)ahender_ ...

26^b, Z. 3. v. u. Schluss: _mit innkieit_ (so!) _sprechen amen._

Druckort und Jahr sind also nicht angegeben, ebenso fehlen Signaturen und Custoden.

Dieselben Lettern, dasselbe Format zu 28 Zeilen hat ein Druck ohne Holzschnitte (_b_), welcher bereits oben beschrieben worden ist.

Alle späteren Drucke stammen wol aus einer andern handschriftlichen Recension, welche _D_ sehr nahe stand: das beweist für die mir näher bekannten schon die Uebereinstimmung des Titels, sowie dass überall der Text beginnt _Grimmer_ (nicht _Grimmiger_), dass hinter _freisamer_ das Wort _morder_ fehlt, und anstatt _unsælden merunge_ es nun heisst _unselige m._

Nur aus Beschreibungen kenne ich

_c_: s. M. Jos. v. Rieder in (Jäck und Heller) Beiträge zur Kunst- und Literaturgeschichte, I. und II. Heft. Nürnberg 1822 S. CXXI-CXXVIII. Das Exemplar, damals im Besitze Jos. Hellers, hatte 24 Bl. 4^o in 3 Lagen, die beiden ersten zu 10, die 3. zu 4 Bl. Auf voller Seite standen 28 Zeilen Text. Auf der ersten Seite stand der Titel:

_HIe nach volgend ettliche zů mole kluoger und subtiler rede wissend Wie einer was genant der ackerman von böhem dem gar ein schœne liebe frowe sin gemahel gestorben was Beschiltet den dot vnd wie der dot im wider antwurt und setzet also ie ein cappittel vmb das ander der cappittel sind xxxij. vnd vahet der ackerman an also zů clagen._

Neben diesem Titel links und oben läuft eine Zierleiste hin; unter dem Titel steht ein Holzschnitt, einen Bauern mit Dreschflegel und den Tod mit einer Leichenbinde und von drei Schlangen umwunden darstellend. Derselbe Holzschnitt, nur dass oben noch Gott Vater mit erhobenen Händen erscheint, steht auch unter der Capitelüberschrift: _Der entscheit so got der herre dut zwuschen dem tod und dem ackerman._ Ein drittes Bild folgt S. 46: Auf einem Kirchhofe kniet der Bauer betend auf einem Grabstein, rechts vor ihm die Frau im offenen Grabe in Leintücher gehüllt, oben Gott Vater mit segnenden Händen.

Am Schluss steht die Zahl LXXIIII; also ist diese Ausgabe 1474 und wie a. a. O. vermutet wird, von Conrad Finer von Gerhausen zu Esslingen gedruckt.

Mit _c_ scheint sehr nahe zu stimmen _d_ eine von Merzdorf im Serapeum 1850 S. 19 beschriebene Incunabel der Oldenburger Bibliothek, allerdings ein defectes Exemplar. 33 Bl. 4^o zu 24 Zeilen ohne Signaturen. Merzdorf vermutet als Drucker: Sorg in Augsburg.

Selber vergleichen konnte ich auf der königl. Bibliothek zu Berlin (ebenso wie _f k l m_) den Druck _e_. o. O. u. _J._ und ohne Signaturen. 36 Bl. klein 4^o. Unter dem Titel, der von dem in _c_ nur in der Schreibung abweicht (_ze male ... tod_) steht ein Holzschnitt: die Frau todt auf einem Bette, vor ihr der Tod mit einem Bogen, hinter ihr der Ackermann mit einem Dreschflegel. Aus derselben Offizin stammen auch ein Streit der Seele und des Leibes u. a. Incunabeln der Berliner Bibliothek.

_f_: 18 Bl. 4^o gleichfalls ohne Ort und Jahr, aber mit Signaturen und einem eigentümlichen Titel: _Der Ackerman auss behme beclaget den tod seyner frawen_; darunter ein Holzschnitt: der Tod mit einer Sense hinter einem Sarg, vorn der Bauer mit seinem Dreschflegel. Blatt A II beginnt _(H)ienach_ u. s. f.

Die übrigen Ausgaben geben das Druckjahr an. Ueber die beiden zunächst folgenden entnehme ich meine Angaben aus Hain, Repertorium, wo auch _a b c_ verzeichnet sind.

_g_: 32 Bl. 4^o zu 22 Z. Am Schluss: _Hie endet sich der ackerman. Getruckt vn̄ vollendt durch Anthoni Sorgen zu Augspurg Am Freytage nach Martini In dem LXXXIII. Jar._

_h_: 20 Bl. 4^o zu 32 Z. Bl. 1 vorn leer, auf der Rückseite ein Holzschnitt. Am Schluss: _Gedruckt und volendet durch Heinrich Knobloczer zu Heydelberg am dunerstag vor sant Margarethe tag in dem LXXXX. Jar._

_i_ fand ich in einem Katalog der Berliner Bibliothek verzeichnet: Strassburg, Joh. Schott 1500.

_k_ und die folgenden Drucke haben wieder einen neuen Titel: _Schone red un widerred eins ackermans und des todes mit scharpffer entscheydung jrs kriegs das eim iegklichen vast nutzliche vnd kurtzweillig zů lesen ist. Pax legentibus._ Darunter ein Holzschnitt: Ein Sämann spricht mit dem Tod, dahinter eine Egge von zwei Pferden gezogen, auf dem einen ein Reiter mit Peitsche. Hinten Bauernhof. 18 Bl. 4^o; Rückseite des ersten und des letzten leer. Am Schluss: _Getruckt zů Strassburg von Mathis hüpfuff als man zalt von Christus geburt m.ccccc. vn zwey Jar._

_l_ ist ganz ähnlich. Der Titel ist erweitert _lesen, vnd auch gůt zu hœren ist_. Am Schluss: _Getruckt zů Strasburg durch den erbaren Martinum Flach. Als man zalt nach der gebůrt Christi. M. D. vnd. XX. Jare._

_m_ trägt einen ganz ähnlichen Titel wie _k_. Der Holzschnitt stellt den Tod mit Stundenglas und einen Mann im Pelzrock vor. Darunter _Zů Basel by Rudolff Deck 1547_. 20 Bl. 4^o; der Ackermann endet auf Bl. 17 (E) Rückseite; dann folgt _Der Seelen clag, wider den abgestorbnen Lyb_.

_(H)Ie vor in eyner winther zyt Bschach ein jæmerlicher strit_ u. ff.

Eine Umarbeitung des von Th. G. v. Karajan, Der Schatzgräber, Leipzig 1842 S. 128 mitgetheilten Gedichts‹.

Werth der Quellen.

Unter den Hss. sind deutlich drei Gruppen zu unterscheiden. Den besten und auch relativ vollständigsten Text bietet die erste Gruppe, vertreten durch die Hss. _A_ und _B_, die ohne Zweifel auf eine gemeinsame Vorlage zurückgehen. Es sind dies auch die ältesten Hss., denn auch die Entstehung von _B_ wird bald nach 1450 anzusetzen sein.

_A_ ist von einem gewissenhaften Schreiber geschrieben, nur selten hat sie ganz unverständliche Worte oder Constructionen. Die Interpolationen, deren es nur ganz wenige gibt, erstrecken sich meist nur auf einzelne Worte und sind leicht zu erkennen; auch steht in diesen Fällen die Hs. allein den andern gegenüber; so C. V (7, 9), C. XI (15, 8) u. a. Nur einmal, in C. XXXIII 54, 1-54, 12 haben wir es offenbar mit einer grössern Interpolation zu thun, die sich aber auch noch in _B_ und _D_ findet. Man vgl. die Anm. zu dieser Stelle. Auslassungen sind höchstens zwei- oder dreimal zu verzeichnen. (s. Lesearten.)

Die Hs. _B_ hat zwar die Spracheigenthümlichkeit des Verfassers gänzlich verwischt, entschädigt aber durch genauen Anschluss im Texte an _A_. Sie ist offenbar von einem gedankenlosen Schreiber geschrieben ohne Absicht zu ändern. Das zeigen die zahlreichen unverständlichen Worte, so wie die Gewohnheit, Stücke zwischen zwei gleichen oder gleichschliessenden Wörtern im Texte zu überspringen.

Eine zweite Gruppe bildet die Hs. _C_ mit den beiden Drucken _a_ und _b_. Der Text ist hier schon gekürzt, allerdings mit einer gewissen Kunst. Eine Lücke ist besonders auffallend: in C. XXVI 41, 5 bis 41, 18;[73] kleinere Auslassungen finden sich öfter; so C. IV (6, 5), C. IX (12,4), C. XXXII (51, 12) u. a. Aenderungen der Construction, so wie des Sinnes durch Einfügung von Worten und selbst Sätzen, Einsetzung von Wörtern ähnlicher Bedeutung sind häufig genug und zeigen die Absicht des Schreibers zu ändern; so C. I (1, 8), C. V (7, 5), C. X (13, 9), C. XI (15, 10), C. XVIII (26, 19) u. a.

Die dritte Gruppe wird vertreten durch die Hs. _D_, an die sich auch einige Drucke anschliessen (s. oben). Der Text in dieser Hs. ist fast als eine freie Wiedergabe des Originals zu bezeichnen. Umfassende, oft ohne Sinn durchgeführte Kürzungen und Aenderungen sind in Fülle vorhanden, so dass diese Ueberlieferung eigentlich nur zum Ausschlaggeben bei einer sonst zweifelhaften Leseart zu benutzen war. Eine sehr bedeutende Lücke ist in C. XXXIV (57, 3-57, 22).

Gegen den Schluss des Werkes, besonders in C. XXXIV, werden fast alle Quellen mangelhaft. _C_ und _b_ fehlen ganz, _D_ kürzt mehr als im Vorangehenden und selbst _A_ ist weniger sorgfältig als sonst.

Sprache der Handschriften.

Bei der Textherstellung habe ich mich besonders an die Hs. _A_ gehalten: denn diese hat die Spracheigenthümlichkeiten des Werkes am consequentesten durchgeführt. Am fernsten steht in dieser Beziehung die Hs. _B_, die auf allemannischem Gebiete geschrieben zu sein scheint.

Da ich hier die orthographischen Abweichungen der Hss. vom Texte angebe, glaubte ich sie unter den Lesearten nicht erwähnen zu müssen.

Was die Handschrift _A_ betrifft, so habe ich über deren Abweichungen nichts zu sagen, da ich mir dieselbe auch in Bezug auf die Orthographie zur Grundlage genommen habe. Die mitunter doch vorkommenden Varianten hätte ich der Reihe nach aufzählen müssen, habe sie daher lieber unter die Lesearten eingesetzt.

Handschrift _B_ hat folgende Abweichungen:

Für _u_ fast immer _o_ so _komer_ 1, 13; _sonne_ 2, 2; 8, 12; _gewonden_ 2, 12; _wonne_ 4, 17; _dorrem_ (f. _durrem_) 5, 4; _wonder_ 5, 11; _domer_ (= _tumer_) 11, 15; 13, 1 u. ö.

_â_ ist verdumpft zu _o_: _on_ 3, 13; 5, 5; _geton_ 4, 14; _hond_ 5, 15; _hon_ 5, 16; 7, 3; 11, 17 u. ö.

_û_ ist durchweg geblieben: _hus_ 1, 11; _grusam_ 2, 14; _lutbar_ 3, 3; _vsz_ immer; _tube_ 4, 13; _vff_ immer; _krut_ 9, 1; _truren_ 10, 1; _trurig_ 11, 18 u. ö.

_î_ meist nicht aufgelöst in _ei_, so _buschlin_ 1, 1; _sin_ und _min_ immer; _wip_ 1, 2; _by_ 1, 11; _syt_ 1, 12; _sye_ 1, 9; 3, 3; _glich_ 3, 9; doch auch _veintschafft_ 8, 6; _leib_ 10, 5; einmal findet sich _e_ in _dressig_ 1, 4.

Für _ei_ steht gewöhnlich _ai_: in _ain_ immer, _behendikait_ 1, 5; _fraissamer_ 1, 9; _laitten_ 1, 13; _boshait_ 2, 5; _schaiden_ 2, 9; _geschrai_ 2, 16; _laid_ 3, 3; 10, 9 u. ö.

Für _iu_ steht 1.) _u_: _vch_ 1, 11; 1, 13; 2, 1 u. ö.; _vwer_ 7, 16; _tuffeliches_ 7, 17; 2.) _ü_ in _lütte_ (= _liute_) 1, 8; 1, 9; 2, 7 u. ö.; _üch_ 1, 9; 1, 10; 1, 11 u. ö.; _üwer_ 2, 8; _nüw_ 2, 14; _rüwe_ 3, 15; _vszgerüttet_ 4, 12; _frünt_ 6, 8; _lüchtend_ 7, 2; _vernüwend_ 7, 12 u. ö.; 3.) _ui_ in _huit_ 8, 4; _gezuig_ 6, 7; _niuwe_ 9, 10; _abentuirlich_ 13, 18; _truiwe_ 43, 11; _gretruilich_ 42, 11; _vngehuir_ 25, 17; _tuifel_ 44, 10 u. ö.; 4.) _eu_ in _durchlewchtigeste_ 6, 14; _euir_ 1, 10; _euich_ 1, 12 u. ö.; häufig bleibt _iu_ ungeändert, so in _abentiur_ 27, 4; _getriuwen_ 17, 19; _gehiur_ 17, 19 u. ö.

_ie_ meist ungeändert; so in _ye_ 1, 3; _liecht_ 4, 11; _yeglich_ 5, 2; 11, 11; _nie_ 5, 12; _nieman_ 8, 9; _iemer_ 10, 1 u. ö. Daneben aber auch _i_: _ymer_ 1, 12; 3, 16; 4, 8; _nymer_ 7, 1; 7, 5 u. ö.

_ou_ bleibt gewöhnlich; so in _owen_ 2, 3; 13, 14; _roup_ 4, 14; _beroubt_ 4, 16; _frowe_ 6, 4; _ougenwaide_ 6, 14; _houpt_ 9, 7; _howe_ 9, 10 u. ö. Daneben findet sich _au_ in _glaube_ 8, 7; _augen_ 9, 11; _fraw_ 10, 3 u. ö. und auch _o_ in _winkoff_ 29, 20; _lofft_ 30, 5; _wettlofen_ 26, 18; _hopt_ 38, 17.

Für _öu_ tritt _ö_ ein in _fröde_ 4, 9; 4, 16; 5, 3; 7, 6; 12, 1 u. ö.

_uo_ ist wie in _A_ gewöhnlich zu _u_ oder _ü_ verwandelt: _verflüchet_ 1, 10; 5, 9; _fluchen_ 2, 4; _tust_ 3, 8; _buchstaben_ 4, 9; _schlug_ 8, 2; _suchen_ 10, 9; _musz_ 11, 18 u. ö. Doch bleibt es auch; so in _flůchens_ 2, 16; _tůn_ 8, 11; _gůtt_ 8, 12; _stůl_ 9, 8 u. ö.; oder wird zu _ue_: _bluemen_ 4, 11; _gefluechen_ 9, 13; _guetter_ 10, 6; _schlueg_ 23, 10 u. ö.

_üe_ wird _ü_; so in _betrübnusz_ 1, 13; _genüglich_ 3, 8; _brüffen_ 3, 10; _wüttend_ 3, 12; _wütte_ 4, 15; _betrübet_ 5, 4; _fürrender_ 7, 10 u. ö.; einmal erscheint _ö_ in _hönner_ (= _hüener_) 12, 6.

_b_ fehlt in _komer_ 1, 13; _bekümert_ 3, 14; _domer_ 11, 15; 13, 1 u. ö.

_h_ geht fast immer in _ch_ über. Es fehlt in _nit_ 1, 12; 3, 14; 8, 16 u. ö.; _it_ 4, 15.

_s_ geht hier übereinstimmend mit _C_ vor _w_ und _l_ in _sch_ über, so: _verschwindet_ 2, 6; _schwerlich_ 3, 9; _geschwechen_ 3, 16; _verschwige_ 4,1; _schwartz_ 5, 4; _schwach_ 10, 7; _schlug_ 8, 2 u. ö.

_t_ bleibt in _twingen_ 8, 14, geht aber in _z_ über in _bezwinge_ 2, 1; 3, 9; _zwenglich_ 4, 2. Ueber Verdopplung und Häufung der Consonanten, die in allen Handschriften sich findet, werde ich am Schlusse dieses Absatzes Einiges bemerken.

Handschrift _C_.

Für _u (v)_ steht _o_ in _sone_ 3, 2; _mogest_ 3, 16; _sollen_ 10, 13; _ongenugen_ 33, 12 u. ö.

_â_ verdumpft zu _o_ in _on_ fast immer, _vormolen_ 3, 4; _vnderlosz_ 5, 5; _do_ und _da_ wechseln; auch steht _ee_ in _steen_ 9, 9; _begeet_ 29, 7; _gedreet_ 45, 7.

Statt _ê_ steht _ee_ in _wee_ 14, 19; 19, 1; _ee_ 16, 12; 17, 18; _seele_ 48, 16.

_î_ ist fast immer in _ei_ aufgelöst: doch _ertrich_ 32, 20.

_û_ auch meist in _au_ aufgelöst. Doch _vff_ 8, 16 u. 17; 9, 7 u. ö.; _vsz_ 12, 6; 12, 15; 13, 8 u. ö.

Für _ei_ steht meist _ai_, so in _laid_ 1, 13; 3, 3; 3, 8; _schaiden_ 2, 9; _allain_ 3, 5; _rain_ 3, 7; _mainest_ 6, 11; _kaine_ 6, 11; _ain_ 8, 2 u. a., aber auch _einer_ 5, 15; 6, 1; _geiste_ 8, 14 u. a.

_iu_ ist immer aufgelöst in _eu (ew)_, so _lewt_ immer; ebenso _euch_ und _ew_; _rewe_, 3, 15; _trew_ 6, 8; _gehewr_ 6, 10; _hewtt_ 8, 4; _newe_ 9, 10 u. a.

Für _ie_ steht _i_ in _immer_ 3, 16; 4, 8; _fridel_ 6, 13; _nyndert_ 5, 8 u. a.; aber auch _yeglich_ 5, 2; 14, 8; _nyemer_ 5, 12; _nyemandt_ 7, 5 u. a.

_ew_ steht für _iu_ in _genewst_ 22, 9.

_ou_ ist constant in _au_ aufgelöst; so in _auch_ 2, 3; _augen_ 7, 4; _fraw_ 6, 4 u. 5; _berawb_ 7, 16; _hawbt_ 9, 7; _tawben_ 14, 9 u. a.

Für _uo_ meist _u_; so in _fluchen_ 2, 16; 9, 10; _tust_ 3, 8; 5, 13; _plumen_ 4, 11; _puchstaben_ 4, 9; 5, 16; 6, 2; _gutter_ 4,16; 6, 8; _musz_ 8, 5 u. a. Doch auch _ue_; so in _bluemen_ 13, 14; _muett_ 14, 17; _frue_ 17, 18; _begrueb_ 23, 14; _pluet_ 25, 18 u. a.

Auch für _üe_ tritt _u_ ein in _puchlein_ 1, 1; _betrubnusz_ 1, 13; _bruffen_ 3, 10; _guttig_ 6, 9; _mussen_ 8, 14; 8, 18; _genugen_ 9, 4 u. a.

_h_ geht meist vor _t_ auch in _ch_ über wie in der Hs. _A_.

=Handschrift= _D_.

_â_ verdumpft zu _o_ in _on_ 3, 13; 5, 5 und 8; _zergôn_ 11, 12; _hon_ 17, 10 u. ö.

_î_ ist durchweg wie in _A_ in _ei_ aufgelöst, ebenso ist auch _û_ meist in _au_ aufgelöst.

Für _ei_ gewöhnlich _ai_; so _laid_ 1, 13; _layttent_ 1, 13; _poszhait_ 2, 5; _schaide_ 2, 9; _ain_ 4, 6; 5, 12; aber doch auch _freysam_ 1, 9 u. a.

_iu_ ist immer in _eu_ (_ew_) aufgelöst.

_ie_ steht gewöhnlich; so in _ye_ 1, 3; _yeglicher_ 2, 7; _nie_ 5, 11; _liechter_ 7, 2; _nyemant_ 9, 17; 11, 9; _yeglich_ 11, 11; _geniessen_ 14, 5 u. a.; aber auch _ymmer_ 1, 12 und sonst auch regelmässig so und _nymer_ 7, 1.

_ou_ bleibt selten unverändert, wie in _ouch_ 8, 6; geht gewöhnlich in _au_ über.

Für _öu_ ist gewöhnlich _eu_; so _zerstrewen_ 7, 17; _hewschrickeln_ 9, 3; aber auch _ö_; so _fröden_ 12, 1; _fröe_ 12, 18.

_uo_ ist gewöhnlich verwandelt in _u_, daneben ist es aber auch unverändert; so in _tůst_ 3, 8; _pflůg_ 4, 7; _gůter_ 4, 16; _flůtt_ 5, 6; _geflůcht_ 5, 9; _slůg_ 8, 2 u. a.

_üe_ ist immer in _ü_ verwandelt.

_s_ vor _l_ und _w_ wird gewöhnlich zu _sch_; so _schwärlich_ 3, 14; _verschweig_ 4, 1; _geschlecht_ 9, 3; 14, 3; aber vereinzelt _swig_ 10, 6.

_z_ ist nicht immer zu _s_ geworden; so _waz_ 3, 3; _daz_ 7, 5; 8, 8; _jämerlichez_ 7, 7 u. a.

Allen Hss. gemeinsam ist die Verdoppelung und Häufung von Consonanten, z. B. _kunfftig_, _auff_, _cappittell_, _helffen_ u. a., worin jedoch keineswegs irgendwie Consequenz herrscht. Ich habe daher, wo möglich, eine Vereinfachung eintreten lassen, und nur da Doppelconsonanz gelassen, wenn dieselbe mit Consequenz und in allen Hss. durchgeführt war.

Dass ich für die gewöhnlichen Schreiberzeichen (_v_ für _u_, _u_ für _v_, _y_ für _i_ u. a.) die grammatisch richtigen gesetzt habe, wird wol nicht auffallend erscheinen.

Der Verfasser und sein Werk.

Ueber den Verfasser lässt sich mit Sicherheit nur das Wenige angeben, was er selbst in seinem Werke mitteilt. Seinen Vornamen =Johann= gibt er in akrostichischer Form im C. XXXIV selbst an. Er sei genannt ein =Ackermann=, sein Pflug sei aus =Vogelwaid= (s. darüber die Anmerkung), er wohne in =Böhmen= (C. III), so sagt er selbst. Aus C. IV erfahren wir, dass er in =Saaz= lebte.[74] Er war verheiratet, Vater mehrerer Kinder (C. IX, XVII, XIX, XXI, XXII); sein Weib hiess =Margaretha= (C. XXXIV) und starb ihm bei der Geburt eines Kindes an Petri Kettenfeste (1. August) des Jahres 6599 seit Anfang der Welt (C. XIV). Dieses Ereignis veranlasste ihn, vorliegendes Werk, eine bittere Anschuldigung und Verfluchung des Todes zu schreiben. Das Werk ist höchst wahrscheinlich noch in demselben Jahre verfasst. Dafür spricht die Stelle in C. IV (5, 15), wo der Tod sagt ›_nur neulich_‹ hätte er in Böhmen etwas zu thun gehabt; auch zeigt der ganze Inhalt des Werkes noch den frischen Schmerz, der ihn betroffen. Er gehörte offenbar dem gelehrten Stande an, weshalb seine eigene Angabe in C. III, er sei ein Ackermann, wol in symbolischem Sinne zu nehmen ist. Von der Gelehrsamkeit des Mannes gibt uns einen vollgültigen Beweis sein Werk. Dass er in der Bibel bewandert war, beweist theils die direkte Citierung einer Stelle: 24, 17 (= _Genes. II, 17_), theils Anspielungen und Anklänge an andere: 37, 14 ff. (= _Genes. I, 26_), 38, 14 (= _Genes. I, 26 u. 27_), 48, 3 (= _Epist. B. Joann. Apost. I, 2, 16_) und 53, 15 ff. (= _lib. Ecclesiastes II, 4 ff._), theils die Anführung biblischer Namen; so _Moises in Egiptenlant_ 26, 14, _der gedultig Job_ 49, 4, _Salomon, der weiszheit schrein_ 49, 5.

Aus dem klassischen Alterthume nennt er den _Aristoteles_ (33, 1),[75] _Plato_, von dem er eine Stelle citiert (50, 14), _Pythagoras_ (23, 15), den _Seneca_ (29, 16), aus späterer Zeit den _Boëtius_ (46, 12) und _Avicenna_ (49, 3). Er weiss von _Paris von Troi und Helena von Kriechen_ (48, 18 f.), von _Pyramus und Tysbe_ (48, 15), citiert Personen aus der alten Geschichte; so _Alexander_ (27, 1; 48, 17), Kaiser _Julius (Caesar)_ (27, 7), _Nero_ (27, 5). Neben dieser humanistischen Bildung hatte er aber auch Kenntnis der deutschen Litteratur und Sage. Er kennt die Sagen von _K. Karl_, _Markgraf Wilhalm_, _Dietrich von Bern_, _dem starken Poppen_ und _hörnen Seifrit_ (C. XXX).

Die Urkunden von Saaz, die Herr Director Dr. L. Schlesinger mir in einer Abschrift gütigst zur Verfügung gestellt hat, enthalten keine Persönlichkeit des Namens Ackermann. Wol aber kommen zwei Johannes vor, die unsern Anforderungen an den Verfasser entsprechen würden; freilich sind die Zunamen verschieden. Der eine ›_Johannes Tepla, rector scolarum et civitatis notarius_‹ lässt sich bis zum Jahre 1389 nachweisen, der andere ›_Johannes de Sytbor_‹, desselben Standes wie der vorige, wird zuerst 1404 erwähnt. Ein Schulmeister könnte sich wol mit gutem Rechte Acker- oder Sämann nennen.

Sein Werk verfasste er, wie schon bemerkt, im Jahre 6599. So haben die Hss. _A B D_ und der Druck _b_. _C_ und _a_ aber haben die Jahreszahl 6529. v. d. Hagen in seiner Ausgabe des Ackermanns[76] S. V seiner Einleitung und S. 63 in einer Anmerkung zu C. XIV hält die Zahl 6529 für ein Verderbnis der Hs. anstatt der Zahl 5429, und nimmt bis Christi Geburt die gewöhnliche Zählung von 4000 Jahren an, so dass nach seiner Meinung das Werk 1429 n. Ch. verfasst wäre. Dieser Berechnung folgt W. Wackernagel noch in seiner Gesch. d. deutschen Liter. S. 339. Anderer Ansicht ist er schon in seiner Abhandlung ›der Todtentanz‹ (kl. Schr. I S. 314 Anm.), wo er bis Chr. Geb. 5200 Jahre annimmt, und in einem Manuscripte erläutert er, diese Zählung rühre von Eusebius her und sei im Mittelalter ziemlich gebräuchlich gewesen.

Ein Einblick in die Werke des Eusebius bestätigt auch diese Angabe. In der Schöne’schen[77] Ausgabe heisst es Bd. II S. 95: ›_Reperiuntur itaque secundum Septuaginta virorum versionem ab Adamo usque ad diluvium anni MMCCXLII et a diluvio ad primum annum Abrahami DCCCCXLII, in universum anni MMMCLXXXIV_‹ und Bd. II S. 144: ›_Jesus Christus filius Dei Bethlehemi Judaeae nascitur. Simul colliguntur ab Abraham usque ad nativitatem Christi anni MMXV._‹ Durch Summierung ergibt sich die Zahl 5199.