Part 14
Nach diesen äussern und innern Beweisen wird es wol keinem Zweifel mehr unterliegen, dass das deutsche Werk als das Original anzusehen sei, aus dem der tschechische Verfasser schöpfte. Hiemit will ich aber keineswegs behaupten, dass das tschechische Werk eine blosse Uebertragung des deutschen sei: vielmehr sind die zahlreichen Excurse theils gelehrten Inhaltes, mitunter aber auch ganz gehaltlos, durchaus das Eigenthum des Nachbilders, die Form jedoch, sowie das Grundgerippe des tschechischen Werkes sind dem deutschen Originale entnommen. Zur nähern Beleuchtung dieser Thatsache will ich einen Theil des C. X (I. 65)[106] aus dem tschechischen Werke in wörtlicher Uebersetzung folgen lassen. Das Unglück spricht: ›Nach dem Geruche das Gewürze, nach der Wolle das Tuch, nach der Farbe den Unterschied, nach der Rede den Menschen können weise Leute unterscheiden. Das müssen auch wir dir, Tkadleček, sagen. Wir erkennen dies schon, hören und merken nach deiner Rede, dass du aus diesem Brunnen mit deinem gelehrten Sinne nicht getrunken hast, wie jene sieben Göttinnen im Heidenthume gethan haben, von denen der Meister Horaz, dieser Heide, erzählt, noch hast du vielleicht jemals von dem natürlichen Laufe irdischer Dinge gelesen, wovon ganz verständig Seneka erzählt und auch Aristoteles in seinen betreffenden Büchern, denn sonst könntest du wahrlich unsere Rede erwägen, da wir früher, wie jetzt schon so viel gesagt haben, und hättest dir sie tief in deinen Sinn und dein Herz geschrieben, und immerhin solch leichtfertige Reden, die zu nichts taugen, nie aus deinem Kopfe noch deinem Munde in so unverschämter Weise gelassen. Es sagte der Weise Pythagoras: Wer nicht schweigen kann, der weiss auch nicht, wann und wie er zu reden habe, und der Weise Sokrates sagt: So oft ein Mensch den andern schmäht und tadelt, denn vielleicht kann er von ihm nichts Gutes reden, so redet er nicht allein von dem Einen, sondern von Keinem etwas Gutes, denn er ist eben von dem Charakter, dass er nie von Jemandem etwas Gutes spricht. So thust du uns. Du verfluchst uns mit ungehörtem Fluche aus Zorn, rufst gegen uns Rache herab aus Hass, verlangst gegen uns Missgeschick aus Neid, wahrlich das thust du umsonst und ohne Noth. Und wenn es zum Aeussersten kommt, rede was du willst, rufe wie du willst, klage auf uns, so viel du können wirst, wir werden uns nichts darum kümmern, wir werden uns darum keine Sorgen machen. Wir sind schon an solche Rede, an solches Fluchen gewöhnt. Wahrlich uns ist dein Rufen, dein Geschrei wie das Geschrei des Gänserichs und das Geschnatter der Gans; dein Weinen gilt uns wahrlich so viel wie das Knarren und Knirschen eines nicht geschmierten Rades; drohen kannst du uns nicht, denn du bist zu schwach nicht mit deinen Kräften, sondern mit deinem Verstande. Wenn du hören willst wie, so höre, was Plato sagt: Unter allen Leuten sind die am stärksten, die ihren Zorn in ihrem Sinne überwältigen können. Da zeigt es sich schon, wie ohnmächtig und kraftlos du bist, weil du deinen Eifer und diesen Zorn gegen uns nicht überwältigen kannst; denn du zeigst an dir eine kindische Rede und eine solche Sprache, dass du den Verstand eines Kalbes an dir zu erkennen gibst und kindisches Gezänke zeigst du offen. Doch das wundert uns an dir, dass du dich nicht schämst. Doch es sagt der Weise Epikurus: Wer sich nicht zugestehen will, dass er schlecht handelt, der lässt sich auch nicht zurechtweisen, noch will er eine Zurechtweisung annehmen. Tkadleček, du ziehst ohne Noth den Hund am Schweife, ohne dass du ihn kennst; hüte dich, dass er dich nicht beisse; du streichelst ihn, während er schläft; wenn er dich fühlt, so wird er dich beissen; hüte dich, dass er dadurch nicht in Zorn geräth. Weisst du nicht, was der Weise Plato sagt? Aber wisse, also sprach er, dass unter allen Unvollkommenheiten, die ein Mensch an sich hat, der grösste Jammer mit dem ist, der gerne viel spricht und schändliche Reden führt. Es steht geschrieben: Willst du Frieden haben, so unterhalte kein Gezänk; willst du, dass man dich nicht schmähe, so reize ohne Noth keinen gegen dich. Willst du ohne Unannehmlichkeit leben, so kümmere dich nicht um das, was dich nichts angeht. Wir haben es dir schon früher eröffnet, was wir sagen, und das höre gut, und hast du vielleicht Ohren wie ein Kalb oder ein Esel, die sehr gross sind, mache sie gut auf und nimm immer unsre Rede sorgfältig zu Herzen. Weder Adel, noch Reichthum, noch Heldenmuth, noch Weisheit, noch Verrücktheit, noch irgend etwas, was auf Erden ist und in der Welt lebt und noch leben soll, hilft etwas: alles muss unsern Widerwärtigkeiten unterworfen sein und in unsere Macht fallen und durch unseren Stand gezüchtigt werden; nicht alt, nicht jung, nicht schön, nicht hässlich, nicht lieblich, nicht garstig, nicht Kaiser nicht König, nicht Kaiserin nicht Königin, nicht deren Herrschaften, nicht deren Kämmerer, nicht deren Hofmeister, nicht Marschälle, nicht Schenken, nicht Vorschneider, nicht Küchenmeister, nicht deren Städter, nicht deren Bauern: diese alle und andre gewöhnliche und vornehme Leute, die müssen insgesammt mit der Zeit vor uns weichen und uns freien Weg nach unsern Willen machen. Hast du je von einem König, Kaiser, Königin oder einem solchen Menschen aus hohen oder niedern Stande in Erfahrung gebracht, dass er ohne unsere Angriffe sei, und wenn du dies genau erfahren hast, so lass es uns sorgfältig wissen, und du wirst erfahren, dass wir (nicht?) getäuscht haben und nicht, dass diese genannten mächtigen und bekannten Leute ohne unsere Anfechtung waren. Und gewiss auch diese deine vollkommen freie, früher nicht freie, die ist uns noch nicht entgangen. Und wie willst du denn sagen, wie du es thust, dass all dein Gutes an ihr gelegen sei, da sie doch selbst nicht frei ist, noch frei sein wird; denn sie kann uns, das Unglück ebenso schnell bei sich haben, wie irgend ein Glück und gewiss noch früher, oder als irgend ein gutes Ereignis. Lies deshalb, guter Tkadleček, das Werk jenes Weisen Sokrates, der in seinen Büchern von der Natur des Menschen schreibt: Ein jeder Mensch eröffnet und verkündigt gleich bei seiner Geburt durch Weinen den Anfang seiner Leiden, die er auf der Welt haben soll, und da er noch nichts von den kommenden Dingen weiss, was er zu dulden hat oder was ihm begegnen wird, so fühlt die unwissende Seele blos die Widerwärtigkeiten, die auf der Welt sind, und diesem Menschen ist auf der Welt vielleicht Jammer und Weinen bestimmt. Weder ein Mensch aus vornehmem noch einer aus niederem Stande, weder Kaiser noch Bauer ist bei seiner Geburt ohne Weinen. Hör’ und sieh, was du lobst, wem du Lob zollst, sieh und merk’, wie viel Gutes an dieser deiner Heizerin, an deiner Auserwählten ist. Weil ein jeder Mensch, der geboren wird, gleich Anfangs bei seiner Geburt weint und jammert und vor seinem Elende erschrickt, so irrst du dich, wenn du etwa glaubst, dass diese deine Geliebte frei davon oder ohne Leiden war oder ohne Noth sein wird; und wenn es ihr so gehen soll wie jedem gewöhnlichen Menschen, was du nicht glaubst, wie soll denn dein Wohl an ihr liegen, die selbst jammerte und weinte, vor Noth, Arbeit und verschiedenen andern Unannehmlichkeiten auf der Welt Schrecken und Furcht empfand, bis sie in dieselben verfiel? Und du, Tkadleček, redest noch so viel von ihr, und schwatzest noch so viel über sie! Genug wäre dessen, wenn sie von Gott auserwählt oder vor der Zeit zu etwas ganz besonders Gutem bezeichnet worden wäre. Oder hältst du das für ein Geschenk, dass sie adelig war? Höre, Tkadleček, das ist sie nicht durch sich selbst, sondern durch die Verwandten, von denen sie abstammt. Denn läge es an ihr, so wäre sie lieber eine Fürstin als Vladikin, und wäre sie Fürstin, so wollte sie lieber Königin sein. Weil dies aber nicht an ihr liegt, was ist dir denn eingefallen, dass du von ihr nicht aufhören willst? Du sagst, sie sei reich an Ehren. Wundre dich nicht darüber, das bewirkt die angeborne Scham, die in dem jungen Blute liegt; warte nur, wenn du kannst, bis dieses jugendliche Blut verschwindet, dann schwindet auch die Scham, und schwindet die Scham, so wird sie vielleicht auch arm an Ehren. Wiederum sagst du, sie sei schön, lieblich; und was wunderst du dich denn darüber, als ob du früher nie derartiges gesehen oder gehört hättest. Wenn du ihr Alter abwartest, erwartest du auch, dass auch diese Schönheit mit dem Alter vergeht, dass all ihre Ueppigkeit verschwindet und zuletzt nichts von ihr sein wird, ausser was in ihrem Sinne ist; das wird sie zieren, das wird in Wahrheit Ehre und Zierde sein und wird ihr auch bleiben, zwar nicht immer, aber solange, als ihr Sinn sein wird. Tkadleček, scheint sie auch so schön zu sein und ist sie auch so schön, wie du sagst? Es kann sein, dass sie wirklich so schön war, oder dass sie nur so schön zu sein schien. Höre, was dazu Aristoteles der Weise sagt: Wenn die Leute Augen hätten wie ein Luchs, der so scharf sieht, dass er eine Wand durchblickt, dann möchten sie wohl inwendig diese Schönheit und Anmuth, die aussen ist oder als Zierde aufgetragen zu sein scheint, erblicken. Aber dass die Leute mitunter etwas für schön oder zierlich ansehen, das kommt nur daher, dass sie es nicht auch inwendig so deutlich sehen können, wie es sein sollte, und weil sie dies auch nicht sehen können, so irren sie sich, und das, was so erscheint, halten sie wirklich für so. Passend sagt dazu Aristoteles: Es ist unmöglich, das zu sein, was man nicht ist, und anderswo sagt er: Nicht Alles ist so, wie es zu sein scheint. Schweig, Tkadleček, rede nicht albern in deiner Rede; sehr kränkt es uns, dass du dich unsrer Rede nicht fügen willst. Höre doch, was dazu Aristoteles in seinen ersten Büchern Ethicorum sagt: Jeder beurtheilt das, was er kennt, gut. Wie willst denn du gut sprechen und es gut beurtheilen, dass sie schön, lieblich und anmuthig war, da du sie wahrlich nicht in ihrer Schönheit erkannt hast, woher sie dieselbe hat, oder was ihre Schönheit sei, oder woher sie gekommen und was für einen Zweck sie hat. Es betrübt uns sehr und schwer fällt es uns, zu hören, was du von ihr sagst, was du von ihr erzählst, anders, als du von uns hörst. Wir wollen dir etwas sagen und du höre dies! Im alten Testamente wurden vier Personen vor ihrer Geburt durch den Engel verkündet und deren Namen von den Engeln angegeben, von denen uns nicht so betrübendes widerfuhr, wie wir von dir genug misslicher Reden erfahren. Der eine, der durch den Engel verkündet wurde, war Ismaël, der Sohn Abrahams, von dem geschrieben steht in dem Buche Genesis im siebenzehnten Theile, der andre war Isak, von dem geschrieben steht in dem Buche Genesis im achtzehnten Theile, der dritte war Josias, von dem das Buch der Könige erzählt im dreiundzwanzigsten Theile, der vierte war Samson, von dem das Buch der Richter im vierzehnten Theile erzählt. Im neuen Testamente wurden zwei durch den Engel vorherverkündigt: Johann, der Täufer Gottes und Jesus, von denen im Buche des hl. Lukas im ersten Theile geschrieben ist. Und gleichwol haben wir nicht so viele Reden von diesen Guten gehört, wie wir von dir hören um diese deine Geliebte, die wenig und sehr wenig gilt im Vergleiche zu jenen Guten, die auch nicht ohne irdische Anfechtung blieben. Und weil diese nicht ohne Anfechtungen blieben, die in so glücklicher Weise vor ihrer Ankunft auf die Welt durch einen Engel vorher verkündet waren, wie willst denn du das erreichen und darum dich viel und heftig bemühen, damit deine Geliebte ohne Anfechtung oder du selbst ohne dieselben seiest, und du in ausserordentlichem Grade Gott theilhaftig seiest. Ei, Tkadleček, du kommst uns sehr lächerlich vor und ebenso lächerlich dein Jammer, weil du auch so kindisch mit uns redest und gerade, als ob du im Traume oder aus Leid etwas sinnest. Aber Leid und Wehmuth empfinden wir über dich, wohin es mit deinem natürlichen Verstande, mit deinem gelehrten Sinne, mit deinem Witze, deinen Beweisen und deinen Reden gekommen ist, womit du den thörichten Sinn andrer Leute überführt hast, und du willst schon selbst dies nicht mehr verstehen, dass du gegen dich selbst redest, dass deine Trösterin all deine Freude, dein Trost und deine ganze Fröhlichkeit sei. Und wenn dies auch der Fall gewesen wäre, hast du da nicht erfahren, was Aristoteles sagt: Unter allen Dingen, die auf der Welt sind, altert nichts früher dem Menschen als die Freude, das heisst: Unter allen Dingen schwindet bei dem Menschen nichts früher als die Freude und weltliche Lust. Ei sieh, was für eine Lust du gehabt hast, erwäge, was sie gewesen ist, was ihr mit Recht widerfahren ist, das verstehe und vergiss nicht, was daraus hätte entstehen können, was ihre Liebe Schlimmes und Unangenehmes hätte bringen können. Sieh an die Liebe und Milde Gottes, wie lange er Nachsicht gehabt, und erkenne selbst, worin du gefehlt und wie du dich schon selbst vergessen hast und soweit an dir selbst, dass du einen so thörichten, albernen und kindischen Sinn hast, zu glauben und zu meinen, wie wir dies aus deiner Rede hören und du sprichst und denkst, all dein Gut, deine Ehre, dein Glück, deine Lust liege nur allein an ihr, wofür du uns so grob zuredest wie wir gehört haben, und uns keine Ruhe geben willst. Und wenn du dies so wirklich in deinem ganzen Sinne und Herzen glaubst, wie du es im Munde führst und überall laut erzählst, so ist es uns wunderbar, sehr wunderbar: denn wir können uns nicht genug darüber wundern, wohin du deinen guten und vielseitigen Verstand gegeben oder wo du ihn gelassen. Der du so gern und viel gelesen hast, du hast das noch nicht gelesen, da du dessen vergessen hast. Höre, lieber Tkadleček, sage uns, warum du unter deinen andern Reden sagst, dass diese deine Geliebte ehrenreich und glücklich, und dass sie dazu ehrbar sei und dass sie deshalb ewig leben sollte. Wir wundern uns wahrlich darüber, woher du das erfahren oder gehört hast, oder was du damit meinst, dass du so viel von einer solchen sprichst, die nichts Anderes kannte noch etwas Anderes gelernt hatte, noch bei etwas Anderem gewesen ist, als dort wo ein Backofen, Ofen, Kalkofen oder Herd auszubrennen oder zu heizen war.‹
Dies ist etwa der vierte Theil des C. X.
Verbesserungen und Zusätze.
S. 1 in den Lesearten Zeile 3 v. u. ist die Ziffer 13. vor _wandrent_ zu setzen.
» » » » » » 1 » » » » » 15. zu streichen.
» 2 » » » » 2 v. o. » » » 2. vor _erden_ zu setzen.
» » » » » » 3 » » » » » 3. vor _gewilde_ zu setzen.
» » » » » » 10 » » » » » 7. in die vorhergehende Zeile vor _ieglicher sch._ zu setzen.
» » » » » » 11 v. o. ist die Ziffer 8. in die vorhergehende Zeile vor _blibent_ zu setzen.
» 3 » » » » 3 » » ist die Ziffer 3. vor _lutbar_ zu setzen.
» 5 » » » » 7 v. u. » » » 13. in die nächste Zeile vor _Behemer_ zu setzen.
» 6 » » » » 9 v. o. » » Ziffer 9. vor _gewerre_ zu setzen.
» 7 » » » » 6 » » » » » 6. vor _muge_ zu setzen.
» » » » » » 9 » » » nach _geschryen_ der Punkt zu streichen.
» 8 » » » » 8 v. u. ist die Ziffer 14. vor _künnen_ zu setzen.
» 11 » » » » 8 » » » nach _zergon_ ein C. zu setzen.
» » » » » » 7 » » » » _weinet_ » D. » »
» » » » » » 2 » » » statt 17. die Ziffer 18. zu setzen. » » » » » » 4 » » » statt _vernunftbait_ _vernunftlait_ zu setzen.
» 16 » » » » 4 v. o. » die Ziffer 3. vor _w belebent_ zu setzen.
» » » » » » 1 v. u. » » » 21. zu streichen.
» 19 » » » » 9 v. o. » » » 9. in die vorhergehende Zeile vor _Es ist_ ff. zu setzen.
» 30 » » » » 2 v. o. ist nach _mensch fehlt_ ein _D_ zu setzen.
» 32 » » » » 4 v. u. soll es für _eschöpffe_ _geschöpffe_ heissen.
» 36 » » » » 6 v. o. ist nach _nacket_ ein _D_ zu setzen.
ANMERKUNGEN.
[Footnote 1: 2, 5. (vgl. 7, 13) _=iemerig=_. Zu dieser Adjectivbildung von einem Adverbium der Zeit vgl. _nûic_ in einer Brünner Urkunde von 1328 (Rössler Rechtsdenkmäler 2, S. 404) _von gnaden ... unsers nuycgen kunig Johans_ und ebd. _mit den nuicgen und mit den alten gesworn schephen_. Martin.]
[Footnote 2: 2, 9. _=graw=_ (_grûwe_) sw, m. ›Grausen‹: s. Virginal hrsg. v. Zupitza im V. Bd. des Brl. Hb. 274, 10 und Anm. ›_mich bestuont der grœste griuwe_.‹]
[Footnote 3: 3, 1. _=ankreutung=_ zu dem st. n. _krot_ und sw. v. _kröten_, _kroten_ (auch _kruden_) gehörig, ein md. Wort: ›Anfechtung, Belästigung.‹]
[Footnote 4: 4, 6. _=von vogelwait ist mein pflug=_. _=pflug=_ hatte im mhd. auch die Bedeutung ›Geschäft, Erwerb, Beruf‹, wofür die Wörterbücher hinreichend Belege bieten. _=vogelwaide=_ war nicht blos der Ort, wo Vögel gefangen, sondern auch der, wo sie gepflegt wurden. Nach einer Vermuthung Prof. Martins wäre sonach die ganze Stelle in symbolischer Bedeutung aufzufassen: ›Mein Erwerb (d. h. das, was mir den Lebensunterhalt verschafft,) kommt von der Vogelweide‹, d. h. von der Feder. Dafür spricht auch die entsprechende Stelle im tschechischen Gegenstücke Cap. III: ›Ich bin ein Weber aus gelehrtem Stande, kann ohne Holz, ohne Rahmen und ohne Eisen weben. Mein Schiffchen, mit dem ich anzettele, ist aus =Vogelwolle=, mein Garn ist gemacht aus der Kleidung verschiedener Thiere; der Thau, der meinen Acker befeuchtet, ist nicht gewöhnliches Wasser, noch ungemischt, und beim Gebrauche sprenge ich ihn herauf, herab, hin und her‹. Wenn diese Vermuthung angenommen werden darf, so ist es um so wahrscheinlicher, dass einer der unten nachgewiesenen =Schulrectoren= und =Notare= von Saaz der Verfasser des Werkes sei.]
[Footnote 5: 4, 13. _=turkeltaube=_, auch _türkel-_ und _durkeltûbe_ findet sich: s. Lexer II, 1588. Dialektisch im westlichen Böhmen jetzt fast ausschliesslich im Gebrauche.]
[Footnote 6: 5, 4 ff. Vgl. Wolframs Parzival 57, 10 ff.:
_›ir freude vant den dürren zwîc, als noch diu turteltûbe tuot. diu het ie den selben muot: swenne ir an trûtscheft gebrast, ir triwe kôs den dürren ast.‹_
]
[Footnote 7: 7, 2. _=flutend=_ vielleicht zusammenhängend mit _vlœje_, _vlât_; also ›sauber, schön, glänzend‹?]
[Footnote 8: 8, 11 f. Evang. Matth. V, 45.]
[Footnote 9: 8, 15. _=bilbis=_ s. J. Grimm Mythologie^2 S. 441 ff. _=zauberin=_ ebend. 990 ff.]
[Footnote 10: 9, 10. _Papenfels_ vielleicht ebenso gebraucht wie unser Tripstrill, d. h. von einem unbekannten Orte gemeint. Man vergleiche dazu ›_Gouchesberc_‹ Freidank 82, 9, Boner 65, 55 und ›_Affenberc_‹ Docen Misc. II, 187. Die gleich folgenden Worte sind offenbar sprichwörtlich. Aehnliche Redensarten bei Wander (deutsches Sprüchwörter-Lexicon Leipzig 1876) Bd. IV S. 644: Nr. 4 ›Doar fall’t kên Spöön, se ward denn hau’t‹ (Süderdithmarschen); Nr. 7 ›Es fallen kein spän, man haw sie denn‹. Desselben Inhaltes sind Nr. 8, 9. Vgl. auch Zingerle die deutschen Sprichwörter im Mittelalter S. 64 unter ›Haupt‹.]
[Footnote 11: 10, 2, _=mein erenreicher valke, mein tugenthaftige fraw=_: diese Vergleichung scheint schon MSF. 10, 17 angedeutet. Weit häufiger ist der Falk das Bild für den geliebten Mann: s. Vollmöller, Kürenberg 17 ffg. Martin.]
[Footnote 12: 11, 14. Matth. VIII, 22.]
[Footnote 13: 12, 5. _=engelt=_ ›Ersatz‹. Grimm Wb. III, 541 übersetzt es mit ›_pretium_‹.]
[Footnote 14: 12, 10. _=nestlinge=_ in übertragener Bedeutung von den Kindern: s. Sanders Wb. d. d. Sp. II^1, 429, und zu 43, 4.]
[Footnote 15: 13, 17. _=entrisch=_ s. Schmeller b. W. I, 88. Hier ist es zusammengebracht mit ags. _ent_ Riese. Beóv. 1680, 2718, 2775 (3. Ausg. v. M. Heyne). Schmeller I, 77 erklärt _enderische_ (_entarisch_, _entrisch_) mit ›befremdlich, ungewöhnlich, nicht recht, nicht geheuer‹; es liege darinn immer der Begriff des Fremden, Andern.]
[Footnote 16: 15, 13. _zuchtiger_ ›Henker, Scharfrichter.‹ Schmeller IV, 247.]
[Footnote 17: 15, 14. _=wigen=_ ein mir unbekanntes Wort, vielleicht ein Marterwerkzeug. Dies wäre möglich, wenn es sich mit _weigan_ ›_vexare_‹ (s. Lachmann kl. Sch. 203 und Wb. III, 555^b f.) zusammenbringen liesse.]
[Footnote 18: 17, 6. Ein bekanntes Sprichwort, das auch im Mittelalter oft gebraucht wurde; so Hartm. Büchlein I, 496, Boner Edelstein 63, 53. Redensartlich: ›_schaden und schande gewinnen_‹ Erec^2 6741, Iw.^3 2029. s. Martin zur Kudrun 132, 4.]
[Footnote 19: 23, 5 ff. Zu vergleichen W. Wackernagel kl. Schr. I, 338 Anm. 130. Sollte wol eine Abbildung des Saturnus zu Grunde liegen? Man vergleiche, was Fulgentius (in Auctores Mythographi Latini. Cajus Julius Hyginus, Fab. Planciad. Fulgentius, Lactantius Placidus, Albricus Philosophus. Curante Augustino van Staveren. Lugd. Bat. et Amstelaed. 1742. S. 626) sagt: ›_Saturnus Pollucis filius dicitur, Opis maritus senior, velato capite falcem gerens..._‹ und Albricus (ebd. S. 869): ›_Saturnus pingebatur, ut homo senex, canus, prolixa barba, curvus, tristis, et pallidus, tecto capite, colore glauco; qui una manu, sed dextra, falcem tenebat..._‹
Noch besser würde zu der in unserem Werke gegebenen Schilderung die Darstellung des Jupiter Dolichenus passen, wie Prof. Dr. O. Benndorf mir freundlichst mitteilte. In Felix Hettners: De Jove Dolicheno S. 2 heisst es: ›_Deus sic fere solet sculpi: stat in tauro dextrorsum verso barbatus, caput vestitus pileo, lorica indutus, paludamento amictus, ocreatus, soccatus; in sinistra tenet fulmen, in dextra elevata bipennem; praeterea in plerisque monumentis fictae sunt aquila et Victoria deum coronatura._‹ Ein heidnisches _bilde_, welches den _tôt_ darstellt, wird zertrümmert Wolfdietrich D (B. Hb. IV) VI, 114 ffg.]
[Footnote 20: 24, 1. Genes. II, 17.]
[Footnote 21: 24, 9. Dieses Sprichwort ist auch heute noch gang und gäbe s. Wander III, 362 Nr. 24: ›Alter Mann, neue Mär; gelehrter Mann, unbekannte Mär.‹]
[Footnote 22: 26, 15. _=einen lewen an dem bein namest=_: wol Anspielung auf deutsche Sagen; s. König Rother (in Rückerts Ausgabe) 1146 ff. Martin.]
[Footnote 23: 26, 18. _=wetlauf, den du tettest mit dem hasen=_. s. Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm 3. Aufl. 3. Bd. S. 255 Nr. 187 ›Der Hase und der Igel‹. Martin.]
[Footnote 24: 27, 7. Bekannt ist der Ausspruch Caesars, auf den hier wol angespielt ist: ›Ἴθι ἔφη, γενναῖε, τόλμα καὶ δέδιθι μηδέν· Καίσαρα φέρεις καὶ τὴν Καίσαρος τύχην συμπλέουσαν‹ s. Plutarchs vitae. C. Julius Caesar Cap. XXXVIII.]
[Footnote 25: 27, 12. _=esel wefels weis getragen=_: so verbessert von Martin, _wefelsweis_ ›in der Weise eines Webers‹.]