Part 13
Die entsprechende deutsche Stelle ist in C. IX (12, 13 ff.): ›_Man rede, was man wolle; wen gott mit einem reinen, schonen und zuchtigen weibe begabet, die gabe heisset gabe vor aller irdischer auszwendiger gabe_‹. Dass diese Worte in sehr gutem Zusammenhange stehen, kann man sich leicht überzeugen; im tschechischen Werke aber treten die Worte ›Gewiss, ganz gewiss rede du oder wer immer u. s. w.‹ urplötzlich ausser allem Zusammenhange in den Text, es kehrt nämlich hiemit der tschechische Verfasser wieder von seinen langen Excursen zu dem Originale zurück, nimmt daraus ohne grosse Wahl eine Stelle, um daran neue Abschweifungen, neue Betrachtungen zu knüpfen. Denn man beachte nur die unmittelbar an die angeführte Stelle geknüpfte Fortsetzung: ›Du Unglück, erkenne es selbst: es gibt verschiedene Gaben auf der Welt und viele Tugenden, mit denen viele Jungfrauen und Frauen beschenkt sind, aber nicht mit allen zugleich, denn wir sehen, dass manche Jungfrauen und Frauen mit verschiedenen Geschenken beschenkt sind, aber immer nicht mit allen zugleich‹.
Das Wort ›Gabe‹ ist also hier die Naht, an die die nun folgenden ganz gehaltlosen Erweiterungen angeknüpft sind.
Aber auch die Vergleichung der in beiden Werken übereinstimmenden Stellen liefert mit einen Beitrag zum Beweise, dass der tschechische Verfasser das deutsche Original nachgeahmt habe. Im Ackermann heisst es: ›_wen gott mit einem reinen, schonen und zuchtigen weibe begabet_‹—im tschechischen Werke: ›wen Gott beschenkt mit einem guten, ehrbaren und edlen Weibe oder ehrbaren Geliebten‹. Weshalb liess denn da der Verfasser nicht die ersten Worte: ›mit einem guten, ehrbaren und edlen Weibe‹ aus? Er sah offenbar, dass der Besitz einer ›ehrbaren Geliebten‹ allein doch nicht so hoch gepriesen werden könne, wie er es im Folgenden thut, zumal nicht der Besitz (oder vielmehr Nichtbesitz) einer solchen Geliebten, wie die Adelheid unseres Tkadleček war. Da wäre es nun in der That ein höchst merkwürdiger Zufall, wenn der deutsche Verfasser schon das, was er bedurfte, in seinem Vorbilde gesammelt vorgefunden hätte, wenn dieses gleichsam nur eine Vorarbeit zu einer Nachbildung wäre.
In doppelter Hinsicht wichtig für diese Untersuchung ist die Stelle II, 24 des tschechischen Werkes. Das Unglück sagt: ›Daher beklage nicht, beweine nicht das, was vorüber ist, glaube nicht, du thust gut daran, dass du nicht aufhören willst, vertraue nicht, du könnest etwas gegen uns ausrichten, täusche dich nicht selbst mit deinem Vertrauen, wie jener weise Avicenna gethan hat, von dem Aristoteles und dessen Commentator im dritten Buche, das er geschrieben hat vom Himmel und der Welt, sagt: Drei Dinge brachten es oft dahin, dass Avicenna irre ging in natürlichen Dingen. Zuerst, dass er versuchte, wessen er nicht sicher war und was er noch nirgend gesehen hatte; zweitens, dass er auf seinen Verstand und seinen Scharfsinn in allen Dingen vertraute; drittens die Unkenntnis der Logik, das ist der Kunst, die die Wahrheit von der Unwahrheit unterscheiden kann‹. Auch im Deutschen findet sich jener Avicenna erwähnt: in C. XXX (49, 3), und hier steht er unmittelbar hinter Aristoteles. Aus diesem späten Anhänger der aristotelischen Lehren, der im 11. Jh. n. Ch. lebte, macht nun der tschechische Verfasser eine in den Werken des Aristoteles auftretende Persönlichkeit, von der er offenbar gar nichts wusste, denn das hier angeführte Citat lässt sich in Aristoteles nicht nachweisen, es ist eine blosse Fiction. Die Absicht ist klar: er wollte möglichst grosse Gelehrsamkeit entwickeln, und zu diesem Zwecke suchte er auch die gelehrten Anspielungen im deutschen Werke so viel als möglich auszunützen. Um sich nun den Schein von Selbständigkeit zu geben, änderte er die betreffenden deutschen Stellen, ohne jedoch darauf zu achten, ob die vorgenommene Aenderung Wahrscheinlichkeit besitze.
Eine weitere Stelle, die meine Behauptung, das tschechische Werk sei aus dem deutschen entstanden, begründet, ist II, 41. Der Kläger sagt: ›Unglück, du thust wie der Basilisk. Dieser tödtet nach seiner Natur die Leute mit seinem Blicke und richtet sie zu Grunde, wenn er sie ansieht, und wenn er einen Menschen vernichtet und mit seinem Blicke getödtet hat, so kommt er dann zu diesem Menschen und beweint ihn heftig, und voll Leid klagt er über ihn und bejammert ihn: so thust auch du mir, du hast mich all meines Trostes beraubt, der mit mir wie eines Sinnes war, und thust, als bemitleidetest du mich heftig‹.
Wie unwahr und übertrieben diese Schilderung des Basiliskes ist, bedarf wol keines Beweises; aber man sieht auch nicht, inwiefern das Unglück mit einem Basiliske verglichen werden kann; hier allerdings ist ein Vergleichungspunkt hinzugefügt: wie der Basilisk jammert und klagt, wenn er jemanden getödtet, so jammert das Unglück über den unglücklich Verliebten; doch eben diese Ausführung ist blosse Erfindung des tschechischen Verfassers, denn wer hätte noch je von ›Basiliskenthränen‹ oder ›Basiliskengejammer‹ gehört? Diese Vorstellung war dem Mittelalter fremd. Im Ackermann hingegen C. XVI (23, 14 ff.) sagt der Tod: ›_Pitagoras gleicht uns zu eines mannes schein, der het baseliscen augen, die wanderten an allen enden der welte, vor des gesichte sterben must alle lebendige creature_‹. Und diese Vergleichung des Todes mit einem Manne mit Basiliskenaugen, die alles vernichten, ist gewiss sehr treffend.
Ihren Ursprung aus dem deutschen Werke verrathen auch deutlich noch folgende Stellen des Tkadleček:
II, 50 sagt das Unglück: ›So geben wir uns dir zu erkennen und wollen uns bekannt geben; so höre schon: Wir sind ein Bote aus Gottes Hand, zu allen widerwärtigen Dingen ein jäher Vollstrecker, wir sind die biegsame Peitsche und der Stock und der Prügel für alle Geschöpfe des Schöpfers, wir sind der Mäher mit der stumpfen und ausgefeilten Sense, aller Wiesen, aller Anger sowohl der welken wie der frischen. Unsere Sendung, die wir vollstrecken, ist nicht umsonst. Wir sind das Peitschchen, dessen Schlag heftig stäupt, nach dem es heftig brennt, womit wir mit der Zeit keinen verschonen. Wir sind der Stock, der an Keinem sich abschlägt, an Keinem sich krümmt, noch bricht; und Niemand kann sich vor ihm sichern, wer sich ihm widersetzt. Niemandem verpflichten wir uns unter keiner Bedingung. Wir sind der Mäher, dessen Sense hin und her gefeilt ist, doch wird sie nie stumpfer, weder durch den Stein eines harten Sinnes, noch durch die weiche Scholle einer guten Rede, noch durch den Sand vieler Gedanken, noch durch die Graswurzeln grosser List‹. Anschliessend an diese Stelle ist die folgende:
II, 51: ›Da versteckt sich vor uns nicht Viola[102] mit ihrer Macht und ihrer lieblichen Farbe aller Beständigkeit, da entläuft uns nicht die Lilie in ihrer Schönheit und Reinheit mit ihrer guten Hoffnung, da entgeht uns nicht die rothe Rose mit ihrer Scharlachfarbe in brennender Liebe; da verbirgt sich vor uns nicht der Klee, noch Epheu, nicht Wolfsmilch, noch Immergrün, das im Anfange aller Liebe Führer ist, da kann die Feldrose mit ihrer röthlichen Farbe aller Heimlichkeit vor uns nicht entlaufen, da erhebt sich wider uns nicht die ausgedachte und gestohlene Farbe Grau, zusammengesetzt aus vielen mit ihrem hohen Sinne; da stellt sich uns nicht entgegen die himmelblaue Kornblume oder die Zichorie mit ihrer schlimmen Hoffnung oder ihrer Vollkommenheit; da hilft auch nicht gegen uns der Löwenzahn mit seinem Safte, mit seiner gelben Farbe, die man als Scham auslegt‹.
Man vergleiche damit die Stelle in dem deutschen Werke. C. XVI (22, 5 ff.) spricht der Tod: ›_Du fragest wer wir sein. Wir sein gottes hant, her Tot, ein rechter wurkender meder. Praun, grün, bla, gra, gel und allerlei glantzplumen und grasz hew ich fur sich nider, irs glantzes, irer kraft, irer tugend nichts geachtet. Do geneust der veiel nicht seiner schonen varbe, noch seines reichen ruches_‹.
Wie heut zu Tage, so war auch im spätern Mittelalter die Darstellung des Todes als Sensenmann etwas Gewöhnliches,[103] das Mähen als Zeichen der Vernichtung diesem Attribute, so wie dem Berufe des Todes vollkommen entsprechend: geradezu widersinnig ist es aber, auch dem Unglücke eine Sense als Attribut zu geben; soll es etwa den Beruf jenes anzeigen, oder soll man sich unter dem Mähen mit der Sense die Anfechtungen durch das Unglück denken? Da wäre der Phantasie der Leser gewiss zu viel zugemuthet! Diese Stelle lässt sich wieder nur daraus erklären, dass der tschechische Verfasser die Worte aus dem deutschen Werke herübernahm, ohne viel darauf zu achten, ob sie ihm in den Zusammenhang passen oder nicht.
Auch noch in zwei andern Stellen des Tkadleček erscheint das Unglück als Mäher mit einer Sense. Die eine II, 61, wo der Kläger sagt: ›Wie kommt es denn, das sage mir, dass du bei Verwaltung deines Amtes, zu dem du, wie du sagst, bestimmt bist, beim Mähen der Wiesen mit deinen Unannehmlichkeiten und Widerwärtigkeiten immer mit deiner Sense früher einen guten Menschen als einen schlimmen triffst und bewältigst und ihm mehr Unannehmlichkeiten bereitest als dem Bösen, unterweise mich darin und belehre mich‹.
Die andere Stelle ist II, 62: ›Nicht umsonst hast du dich in dem Stande, in dem du deine Macht ausübst, einen Mäher genannt. Denn wenn ein solcher die Wiesen mäht, was da guter Gräslein, riechender und anderer Blumen ist, das mäht er nieder und andere Pflanzen, als Disteln oder Weissdorn oder andere nicht sehr nützliche oder selbst schädliche Kräuter, die lässt er stehen‹.
Im deutschen Werke finden wir das Vorbild zu diesen Stellen im C. XVII (24, 15 ff.): ›_doch hewet ewer segensz neben recht. Mechtig plumen reut sie ausz, die distel lasset sie stan. Unkraut bleibt, die guten kreuter müssen verderben. Ir gicht, ewr segensz hawe fur sich. Wie ist dann dem, das sie mer distel dann gut plumen, mer meusz dann cameln, mer boser leut, dann guter unversert lest beleiben_‹.
II, 54 lässt der tschechische Verfasser das Unglück von sich erzählen, wie es einst in bildlicher Darstellung aufgefunden worden war: ›Erfahre, wie uns die Römer malten, die doch weise Leute waren, und diese haben uns gemalt, wie sie es verstanden und wie sie uns kannten, doch nicht vollkommen, wie wir in Person sind, sondern so wie sie uns beschrieben.
Höre! zur Zeit des Romulus, der Rom erbaute; dieser erbaute nach der Gründung Roms einen Tempel, in dem er verschiedene Götter, das ist Götzenbilder, aufstellen liess: unter allen seinen Göttern liess er uns nun so malen und darstellen, und dann liessen seine Nachkommen, die mit der Zeit mächtig geworden waren, uns aus Stein aushauen und zierlich und verständig ringsum bemalen; es war dies die Person oder Gestalt eines grossen Mannes, und dieser Mann sass auf einem Hirsche, dargestellt wie zum Laufe oder Sprunge. Dieser Mann, der auf dem Hirsche sass, hatte die Augen verbunden, dass er nichts sah. Diesem Manne sprühten aus dem Munde feurige Funken, und diese Funken flogen hierhin und dorthin, einige zündeten, wohin sie fielen, und breiteten sich weit aus, andre Funken erloschen und verschwanden. Dieser Mann hielt auch in jeder Hand einen beschriebenen Zettel: in der rechten Hand einen, auf dem also geschrieben stand: Mit mir ist Widerwärtigkeit, in der linken Hand auf dem andern Blatte stand geschrieben: Mit mir ist Trauer und Betrübnis. Ueber dem Kopfe dieses besagten Mannes war, wie in der Luft, über ihm ein Blatt, auf dem geschrieben stand: Ich bin die feindliche Macht und Gewalt; unter den Füssen dieses Mannes war ein Blatt, auf dem also geschrieben stand: Ich bin die Schnelligkeit und Hurtigkeit des Augenblickes. Dieser Mann zog auch hinter sich einen fetten Ochsen mit zehn Hörnern. Auf diesem Ochsen war anstatt eines Reisesackes ein geflochtenes Netz. Gegen diesen Mann waren viele Leute mit verschiedenen Waffen. Da war der Kaiser, da waren Könige, da waren Fürsten, da waren Grafen, Ritter und Herren, da waren verschiedene Leute mancherlei Standes, angreifend und sich vertheidigend mit verschiedenen Angriffs- und Vertheidigungswaffen, vom höchsten Stande bis zum niedrigsten. Da war auch eine Nonne mit ihrem Psalter und ihrem faltigen Schleier, da war der Mönch mit seinem Antifonenbuche und seiner kurzen Kutte, da war eine Städterin mit ihrem gesteiften Schleier, da war auch eine Hofdame in stolzem Sinne und kühnem Schritte mit ihrem Bande und ihrem....[104] Da war ein zahnloses Mütterchen, ein buckeliges, mit ihrem Spinnrocken. Alle diese Leute waren gegen diesen Mann, indem sie auf ihn hieben und schlugen, die Waffe auf ihn warfen, jeder mit dem, was er hatte, nach seinem Stande, aber nichts konnten sie ihm schaden. Und, wenn du, Tkadleček, von dieser Auslegung unserer Gestalt, die nicht wir, sondern die Römer von uns berichten, wissen willst, so lies den Fulgentius, diesen Meister, der in seinen Büchern von den Abbildungen, Gestalten und Personen verschiedener Tugenden und Untugenden schreibt, vielleicht findest du hier auch etwas von unserer Gestalt.‹
Die Vorlage, nach der er bei dieser Beschreibung gearbeitet, findet sich im deutschen Werke C. XVI. (23, 5 ff.) welche lautet: ›_wann man uns vand zu Rome in einen tempel an einer want gemalet, als ein man auf einem ochsen sitzend, dem die augen verbunden waren. Derselbe man furet ein hawen in seiner rechten hant unde ein schaufel in der linken. Domit vacht er auf dem ochsen. Gegen im slug, warf und streit ein michel menig volkes allerlei leut, igliches mensch mit seines hantwerks gezeuge. Do was auch die nunne mit deme psalter. Die slugen und wurfen den man auf dem ochsen. In unser gedechtnisz bestreit der tot unde begrub sie alle._‹ Dass hier wirklich eine Darstellung des Todes zu Grunde liege, ist wol nicht zu bezweifeln.
Wackernagel a. a. O. S. 337. Anm. 128 führt mehrere Beispiele des =reitenden= Todes an, und S. 338 wird der Tod erwähnt fahrend auf einem mit =Büffeln= bespannten Wagen.[105]
Eine Darstellung des Unglückes aber in der Weise, wie der tschechische Verfasser es thut, ist ganz ohne Sinn und Bedeutung. Ausserdem aber verräth sich die Stelle selbst als blosse Nachbildung des Deutschen, da dieselbe in ihren einzelnen Theilen sich widerspricht, was nur daraus zu erklären ist, dass der Verfasser Anfangs Zusätze macht, dann aber auch Stellen aus dem Originale mit hineinbezieht, die den früheren Zusätzen widersprechen.
Im Ackermann 23, 5 fg. heisst es: ›_wann man uns vand zu Rome in einen tempel an einer want gemalet._‹ Das erschien dem tschechischen Verfasser zu wenig gelehrt und so änderte er die Stelle in ›Höre zur Zeit des Romulus, der Rom erbaute; dieser erbaute, nachdem er zuerst Rom gegründet, einen Tempel‹ ... (s. o.), fügt aber gegen Schluss seiner Beschreibung (II, 55) ganz harmlos bei: ›Da war eine Nonne mit ihrem Psalter und ihrem faltigen Schleier, da war der Mönch mit seinem Antifonenbuche und seiner kurzen Kutte‹. Mönch und Nonne lebten also schon zur Zeit des Romulus! In dem deutschen Vorbilde fand er die Nonne; und in seiner Geschwätzigkeit fügt er den Mönch auch mit bei. Zwar liesse sich hier einwenden, dass der tschechische Verfasser die unrichtige Vorstellung gehabt hätte, als könnte zur Zeit des Romulus Mönch und Nonne d. h. das Christenthum gewesen sein. Dem aber widerspricht die oben angeführte Stelle selbst; es heisst nämlich dort: ›Dieser (Romulus) erbaute nach der Gründung Roms einen Tempel, in dem er verschiedene =Götter= das ist =Götzenbilder= aufstellen liess‹. Der Verfasser wusste mithin ganz gut, dass damals noch das Heidenthum herschte; es kann demnach diese Stelle nur gedankenlose Nachbildung des Deutschen sein.
Ganz deutlich ist aber die gewaltsame Aenderung, die sich der tschechische Verfasser mit der Stelle aus C. XVI (23, 18 ff.) des deutschen Werkes erlaubt. Dort sagt der Tod: ›_Wir sein von dem irdischen paradeise. Do tirmt uns gott unde nant uns mit unserm rechten namen, do er sprach: Welliches tages ir der frucht empeissent, des todes wert ir sterben._‹ Nun sehe man, was der tschechische Verfasser daraus macht. II, 56 sagt das Unglück von sich: ›Unsere erste Macht und unsere erste Widerwärtigkeit hat sich gezeigt an dem ersten Menschen Adam darin, dass er durch das Kosten des Apfels unserer Macht überliefert ward, damit er dem ewigen Tode übergeben werde. Da wurde auf unser Veranstalten Adam dem ewigen Tode übergeben, und bis heute sind wir Unglück in Gesellschaft des Todes.‹
Die Bibelstelle, auf die die Worte des Ackermannes sich beziehen, ist Genes. II, 17. Hier ist aber nicht im entferntesten eine Andeutung einer solchen Vermittlerrolle des Unglückes, wie der tschechische Verfasser darstellt. Aber dieser lässt sich nicht beirren: mit geschwätziger Breite schildert er die Coalition mit dem Tode und fügt dann mit entsprechenden Aenderungen abermals eine Stelle aus dem deutschen Werke an. Anschliessend an die oben angeführte Stelle heisst es weiter: ›Da wurde uns und dem Tode volle Macht und Recht gegeben über alle seine Nachkommen bis zum Ende der Welt, damit wir keinen mit unsrer Widerwärtigkeit übergehen und diese Macht haben wir von dem hohen Schöpfer Himmels und der Erde. Du selbst hast es uns vorgeworfen und gesagt, du glaubest, dass wir mit dem Tode verbündet seien. Wisse das ganz bestimmt, dass es oft geschieht, dass das, was wir beginnen, der Tod vollendet. Hast du jemals unsre grossen Widerwärtigkeiten oder grossen Ereignisse wahrgenommen, ohne dass der Tod gleich zu Hülfe geeilt wäre? Das ist wol selten der Fall. Und wenn vielleicht der Tod nicht gleich da ist, so wird er oft von vielen Leuten, die in unsre Widerwärtigkeit fallen, erwünscht. Die in unsre Macht gelangen, verlangen nach dem Tode und bedürfen ihn auch wirklich oft. Lies den Aristoteles, der in seinen Büchern von dem Tode und Leben schreibt: Leben und Tod sind allen gemein, und das siehst du wol selbst, dass es nicht eben sehr wunderbar ist, dass das, was geboren wird, auch wieder stirbt. Wir aber sagen, dass es ebenso auch von uns gilt, denn wie alles, was geboren wird, wieder sterben muss, so muss auch alles, was auf der Welt ist, unsrer Widerwärtigkeit untergeben sein. Das haben wir auch schon früher gesagt. Und deshalb schreiben wir uns wegen dieser Macht über alle Leute, aller Welt also auf unsern Zetteln: Wir Unglück, Gottes Wille, Macht und Herrschaft aller Widerwärtigkeiten auf der Erde und in der Luft vom Anfange der Welt bis zum Ende derselben, vom Aufgange der Sonne bis zum Mittag, vom Mittag bis zum Untergange der Sonne, bis zur Mitternacht und von Mitternacht bis wieder zum Aufgange der Sonne haben wir die ganze Welt in unsrer Zucht, alle Welt ist uns zu allen Widerwärtigkeiten vollständig in unsre Macht gegeben‹.
Was für eine breite Ausführung musste da der tschechische Verfasser geben, bevor er einen noch leidlichen Uebergang zu der Stelle erhielt, die im Deutschen unmittelbar an die oben angeführten Worte der Bibel anschliesst (24, 2): ›_Darumb wir uns also schreiben: wir Tot, herre und gewaltiger auf erden, in der luft und meres straum._‹