Das Buch der Bilder

Part 4

Chapter 42,994 wordsPublic domain

Ich las schon lang. Seit dieser Nachmittag, mit Regen rauschend, an den Fenstern lag. Vom Winde draußen hörte ich nichts mehr: mein Buch war schwer. Ich sah ihm in die Blätter wie in Mienen, die dunkel werden von Nachdenklichkeit, und um mein Lesen staute sich die Zeit.-- Auf einmal sind die Seiten überschienen, und statt der bangen Wortverworrenheit steht: Abend, Abend ... überall auf ihnen; ich schau noch nicht hinaus, und doch zerreißen die langen Zeilen, und die Worte rollen von ihren Fäden fort, wohin sie wollen.... Da weiß ich es: über den übervollen glänzenden Gärten sind die Himmel weit; die Sonne hat noch einmal kommen sollen.-- Und jetzt wird Sommernacht, soweit man sieht: Zu wenig Gruppen stellt sich das Verstreute, dunkel auf langen Wegen gehn die Leute, und seltsam weit, als ob es mehr bedeute, hört man das Wenige, das noch geschieht.

Und wenn ich jetzt vom Buch die Augen hebe, wird nichts befremdlich sein und alles groß. Dort draußen ist, was ich hier drinnen lebe, und hier und dort ist alles grenzenlos; nur daß ich mich noch mehr damit verwebe, wenn meine Blicke an die Dinge passen und an die ernste Einfachheit der Massen,-- da wächst die Erde über sich hinaus. Den ganzen Himmel scheint sie zu umfassen: der erste Stern ist wie das letzte Haus.

DER SCHAUENDE

Ich sehe den Bäumen die Stürme an, die aus laugewordenen Tagen an meine ängstlichen Fenster schlagen, und höre die Fernen Dinge sagen, die ich nicht ohne Freund ertragen, nicht ohne Schwester lieben kann.

Da geht der Sturm, ein Umgestalter, geht durch den Wald und durch die Zeit, und alles ist wie ohne Alter: die Landschaft, wie ein Vers im Psalter, ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.

Wie ist das klein, womit wir ringen, was mit uns ringt, wie ist das groß; ließen wir, ähnlicher den Dingen, uns so vom großen Sturm bezwingen,-- wir würden weit und namenlos.

Was wir besiegen, ist das Kleine, und der Erfolg selbst macht uns klein. Das Ewige und Ungemeine will nicht von uns gebogen sein. Das ist der Engel, der den Ringern des Alten Testaments erschien: Wenn seiner Widersacher Sehnen im Kampfe sich metallen dehnen, fühlt er sie unter seinen Fingern wie Saiten tiefer Melodien.

Wen dieser Engel überwand, welcher so oft auf Kampf verzichtet, der geht gerecht und aufgerichtet und groß aus jener harten Hand, die sich, wie formend, an ihn schmiegte. Die Siege laden ihn nicht ein. Sein Wachstum ist: Der Tiefbesiegte von immer Größerem zu sein.

AUS EINER STURMNACHT

ACHT BLÄTTER MIT EINEM TITELBLATT

TITELBLATT

Die Nacht, vom wachsenden Sturme bewegt, wie wird sie auf einmal weit,-- als bliebe sie sonst zusammengelegt in die kleinlichen Falten der Zeit. Wo die Sterne ihr wehren, dort endet sie nicht und beginnt nicht mitten im Wald und nicht an meinem Angesicht und nicht mit deiner Gestalt. Die Lampen stammeln und wissen nicht: Lügen wir Licht? Ist die Nacht die einzige Wirklichkeit seit Jahrtausenden....

In solchen Nächten kannst du in den Gassen Zukünftigen begegnen, schmalen blassen Gesichtern, die dich nicht erkennen und dich schweigend vorüberlassen. Aber wenn sie zu reden begännen, wärst du ein Lange vergangener, wie du da stehst, langeverwest. Doch sie bleiben im Schweigen wie Tote, obwohl sie die Kommenden sind. Zukunft beginnt noch nicht. Sie halten nur ihr Gesicht in die Zeit und können, wie unter Wasser, nicht schauen; und ertragen sie's doch eine Weile, sehn sie wie unter den Wellen: die Eile von Fischen und das Tauchen von Tauen.

In solchen Nächten gehn die Gefängnisse auf. Und durch die bösen Träume der Wächter gehn mit leisem Gelächter die Verächter ihrer Gewalt. Wald! Sie kommen zu dir, um in dir zu schlafen, mit ihren langen Strafen behangen. Wald!

In solchen Nächten ist auf einmal Feuer in einer Oper. Wie ein Ungeheuer beginnt der Riesenraum mit seinen Rängen Tausende, die sich in ihm drängen, zu kauen. Männer und Frauen staun sich in den Gängen, und wie sich alle aneinander hängen, bricht das Gemäuer, und es reißt sie mit. Und niemand weiß mehr, wer ganz unten litt; während ihm einer schon das Herz zertritt, sind seine Ohren noch ganz voll von Klängen, die dazu hingehn....

In solchen Nächten, wie vor vielen Tagen, fangen die Herzen in den Sarkophagen vergangner Fürsten wieder an zu gehn: und so gewaltig drängt ihr Wiederschlagen gegen die Kapseln, welche widerstehn, daß sie die goldnen Schalen weitertragen durch Dunkel und Damaste, die zerfallen. Schwarz schwankt der Dom mit allen seinen Hallen. Die Glocken, die sich in die Türme krallen, hängen wie Vögel, bebend stehn die Türen, und an den Trägern zittert jedes Glied: als trügen seinen gründenden Granit blinde Schildkröten, die sich rühren.

In solchen Nächten wissen die Unheilbaren: Wir waren.... Und sie denken unter den Kranken einen einfachen guten Gedanken weiter, dort, wo er abbrach. Doch von den Söhnen, die sie gelassen, geht der jüngste vielleicht in den einsamsten Gassen; denn gerade diese Nächte sind ihm, als ob er zum erstenmal dächte: Lange lag es über ihm bleiern, aber jetzt wird sich alles entschleiern,-- und: daß er das feiern wird, fühlt er....

In solchen Nächten sind alle die Städte gleich, alle beflaggt. Und an den Fahnen vom Sturm gepackt und wie an Haaren hinausgerissen in irgendein Land mit ungewissen Umrissen und Flüssen. In allen Gärten ist dann ein Teich, an jedem Teiche dasselbe Haus, in jedem Hause dasselbe Licht; und alle Menschen sehn ähnlich aus und halten die Hände vorm Gesicht.

In solchen Nächten werden die Sterbenden klar, greifen sich leise ins wachsende Haar, dessen Halme aus ihres Schädels Schwäche in diesen langen Tagen treiben, als wollten sie über der Oberfläche des Todes bleiben. Ihre Gebärde geht durch das Haus, als wenn überall Spiegel hingen; und sie geben--mit diesem Graben in ihren Haaren--Kräfte aus, die sie in Jahren gesammelt haben, welche vergingen.

In solchen Nächten wächst mein Schwesterlein, das vor mir war und vor mir starb, ganz klein. Viel solche Nächte waren schon seither: Sie muß schon schön sein. Bald wird irgendwer sie frein.

DIE BLINDE

_Der Fremde_: Du bist nicht bang, davon zu sprechen? _Die Blinde_: Nein. Es ist so ferne. Das war eine andre. Die damals sah, die laut und schauend lebte, die starb. _Der Fremde_: Und hatte einen schweren Tod? _Die Blinde_: Sterben ist Grausamkeit an Ahnungslosen. Stark muß man sein, sogar wenn Fremdes stirbt. _Der Fremde_: Sie war dir fremd? _Die Blinde_: --Oder: sie ists geworden. Der Tod entfremdet selbst dem Kind die Mutter.-- Doch es war schrecklich in den ersten Tagen. Am ganzen Leibe war ich wund. Die Welt, die in den Dingen blüht und reift, war mit den Wurzeln aus mir ausgerissen, mit meinem Herzen (schien mir), und ich lag wie aufgewühlte Erde offen da und trank den kalten Regen meiner Tränen, der aus den toten Augen unaufhörlich und leise strömte, wie aus leeren Himmeln, wenn Gott gestorben ist, die Wolken fallen. Und mein Gehör war groß und allem offen. Ich hörte Dinge, die nicht hörbar sind: die Zeit, die über meine Haare floß, die Stille, die in zarten Gläsern klang, und fühlte: nah bei meinen Händen ging der Atem einer großen weißen Rose. Und immer wieder dacht ich: Nacht und: Nacht und glaubte einen hellen Streif zu sehn, der wachsen würde wie ein Tag; und glaubte auf den Morgen zuzugehn, der längst in meinen Händen lag. Die Mutter weckt ich, wenn der Schlaf mir schwer hinunterfiel vom dunklen Gesicht, der Mutter rief ich: "Du, komm her! Mach Licht!" Und horchte. Lange, lange blieb es still, und meine Kissen fühlte ich verneinen,-- dann wars, als säh ich etwas scheinen: das war der Mutter wehes Weinen, an das ich nicht mehr denken will. Mach Licht! Mach Licht! Ich schrie es oft im Traum: Der Raum ist eingefallen. Nimm den Raum mir vom Gesicht und von der Brust. Du mußt ihn heben, hochheben, mußt ihn wieder den Sternen geben; ich kann nicht leben so, mit dem Himmel auf mir. Aber Sprech ich zu dir, Mutter? Oder zu wem denn? Wer ist denn dahinter? Wer ist denn hinter dem Vorhang?--Winter? Mutter: Sturm? Mutter: Nacht? Sag! Oder: Tag?... Tag! Ohne mich! Wie kann es denn ohne mich Tag sein? Fehl ich denn nirgends? Fragt denn niemand nach mir? Sind wir denn ganz vergessen? Wir?... Aber du bist ja dort; du hast ja noch alles, nicht? Um dein Gesicht sind noch alle Dinge bemüht, ihm wohlzutun. Wenn deine Augen ruhn und wenn sie noch so müd waren, sie können wieder steigen. ... Meine schweigen. Meine Blumen werden die Farbe verlieren. Meine Spiegel werden zufrieren. In meinen Büchern werden die Zeilen verwachsen. Meine Vögel werden in den Gassen herumflattern und sich an fremden Fenstern verwunden. Nichts ist mehr mit mir verbunden. Ich bin von allem verlassen.-- Ich bin eine Insel. _Der Fremde_: Und ich bin über das Meer gekommen. _Die Blinde_: Wie? Auf die Insel?... Hergekommen? _Der Fremde_: Ich bin noch im Kahne. Ich habe ihn leise angelegt-- an dich. Er ist bewegt: seine Fahne weht landein. _Die Blinde_: Ich bin eine Insel und allein. Ich bin reich.-- Zuerst, als die alten Wege noch waren in meinen Nerven, ausgefahren von vielem Gebrauch: da litt ich auch. Alles ging mir aus dem Herzen fort, ich wußte erst nicht wohin; aber dann fand ich sie alle dort, alle Gefühle, das, was ich bin, stand versammelt und drängte und schrie an den vermauerten Augen, die sich nicht rührten. Alle meine verführten Gefühle.... Ich weiß nicht, ob sie Jahre so standen, aber ich weiß von den Wochen, da sie alle zurückkamen gebrochen und niemanden erkannten.

Dann wuchs der Weg zu den Augen zu. Ich weiß ihn nicht mehr. Jetzt geht alles in mir umher, sicher und sorglos; wie Genesende gehn die Gefühle, genießend das Gehn, durch meines Leibes dunkles Haus. Einige sind Lesende über Erinnerungen; aber die jungen sehn alle hinaus. Denn wo sie hintreten an meinen Rand, ist mein Gewand von Glas. Meine Stirne sieht, meine Hand las Gedichte in anderen Händen. Mein Fuß spricht mit den Steinen, die er betritt, meine Stimme nimmt jeder Vogel mit aus den täglichen Wänden. Ich muß nichts mehr entbehren jetzt, alle Farben sind übersetzt in Geräusch und Geruch. Und sie klingen unendlich schön als Töne. Was soll mir ein Buch? In den Bäumen blättert der Wind; und ich weiß, was dorten für Worte sind, und wiederhole sie manchmal leis. Und der Tod, der Augen wie Blumen bricht, findet meine Augen nicht.... _Der Fremde_ (leise): Ich weiß.

REQUIEM

CLARA WESTHOFF GEWIDMET

Seit einer Stunde ist um ein Ding mehr auf Erden. Mehr um einen Kranz. Vor einer Weile war das leichtes Laub ... Ich wand's: und jetzt ist dieser Efeu seltsam schwer und so von Dunkel voll, als tränke er aus meinen Dingen zukünftige Nächte. Jetzt graut mir fast vor dieser nächsten Nacht, allein mit diesem Kranz, den ich gemacht, nicht ahnend, daß da etwas wird, wenn sich die Ranken ründen um den Reifen; ganz nur bedürftig, dieses zu begreifen: daß etwas nicht mehr sein kann. Wie verirrt in nie betretene Gedanken, darinnen wunderliche Dinge stehn, die ich schon einmal gesehen haben muß....

... Flußabwärts treiben die Blumen, welche die Kinder gerissen haben im Spiel; aus den offenen Fingern fiel eine und eine, bis daß der Strauß nicht mehr zu erkennen war. Bis der Rest, den sie nach Haus gebracht, gerade gut zum Verbrennen war. Dann konnte man ja die ganze Nacht, wenn einen alle schlafen meinen, um die gebrochenen Blumen weinen.

Gretel, von allem Anbeginn war dir bestimmt, sehr zeitig zu sterben, blond zu sterben. Lange schon, eh dir zu leben bestimmt war.

Darum stellte der Herr eine Schwester vor dich und dann einen Bruder, damit vor dir wären zwei Nahe, zwei Reine, welche das Sterben dir zeigten, das deine: dein Sterben. Deine Geschwister wurden erfunden, nur, damit du dich dran, gewöhntest und dich an zweien Sterbestunden mit der dritten versöhntest, die dir seit Jahrtausenden droht. Für deinen Tod sind Leben erstanden; Hände, welche Blüten banden, Blicke, welche die Rosen rot und die Menschen mächtig empfanden, hat man gebildet und wieder vernichtet und hat zweimal das Sterben gedichtet, eh es, gegen dich selbst gerichtet, aus der verloschenen Bühne trat.

... Nahte es dir schrecklich, geliebte Gespielin? war es dein Feind? Hast du dich ihm ans Herz geweint? Hat es dich aus den heißen Kissen in die flackernde Nacht gerissen, in der niemand schlief im ganzen Haus...? Wie sah es aus? Du mußt es wissen.... Du bist dazu in die Heimat gereist. * * * * * Du weißt, wie die Mandeln blühn, und daß Seen blau sind. Viele Dinge, die nur im Gefühle der Frau sind, welche die erste Liebe erfuhr, weißt du. Dir flüsterte die Natur in des Südens spätdämmernden Tagen so unendliche Schönheit ein, wie sonst nur selige Lippen sie sagen seliger Menschen, die zu zwein eine Welt haben und eine Stimme-- leiser hast du das alles gespürt,-- (o wie hat das unendlich Grimme deine unendliche Demut berührt). Deine Briefe kamen von Süden, warm noch von Sonne, aber verwaist,-- endlich bist du selbst deinen müden bittenden Briefen nachgereist; denn du warst nicht gerne im Glänze, jede Farbe lag auf dir wie Schuld, und du lebtest in Ungeduld, denn du wußtest: Das ist nicht das Ganze. Leben ist nur ein Teil ... Wovon? Leben ist nur ein Ton ... Worin? Leben hat Sinn nur verbunden mit vielen Kreisen des weithin wachsenden Raumes,-- Leben ist so nur der Traum eines Traumes, aber Wachsein ist anderswo. So ließest du's los. Groß ließest du's los. Und wir kannten dich klein. Dein war so wenig: ein Lächeln, ein kleines, ein bißchen melancholisch schon immer, sehr sanftes Haar und ein kleines Zimmer, das dir seit dem Tode der Schwester weit war. Als ob alles andere nur dein Kleid war, so scheint es mir jetzt, du stilles Gespiel. Aber sehr viel warst du. Und wir wußten's manchmal, wenn du am Abend kamst in den Saal; wußten manchmal: jetzt müßte man beten; eine Menge ist eingetreten, eine Menge, welche dir nachgeht, weil du den Weg weißt. Und du hast ihn wissen gemußt und hast ihn gewußt gestern.... Jüngste der Schwestern.

Sieh her, dieser Kranz ist so schwer. Und sie werden ihn auf dich legen, diesen schweren Kranz. Kann's dein Sarg aushalten? Wenn er bricht unter dem schwarzen Gewicht, kriecht in die Falten von deinem Kleid Efeu. Weit rankt er hinauf, rings rankt er dich um, und der Saft, der sich in seinen Ranken bewegt, regt dich auf mit seinem Geräusch; so keusch bist du. Aber du bist nicht mehr zu. Langgedehnt bist du und laß. Deines Leibes Türen sind angelehnt, und naß tritt der Efeu ein.... * * * * * Wie Reihn von Nonnen, die sich fuhren an schwarzem Seil, weil es dunkel ist in dir, du Bronnen. In den leeren Gängen deines Blutes drängen sie zu deinem Herzen; wo sonst deine sanften Schmerzen sich begegneten mit bleichen Freuden und Erinnerungen, wandeln sie wie im Gebet in das Herz, das, ganz verklungen, dunkel, allen offen steht. Aber dieser Kranz ist schwer nur im Licht, nur unter Lebenden, hier bei mir; und sein Gewicht ist nicht mehr, wenn ich ihn zu dir legen werde. Die Erde ist voller Gleichgewicht, deine Erde. Er ist schwer von meinen Augen, die daran hängen, schwer von den Gängen, die ich um ihn getan; Ängste aller, welche ihn sahn, haften daran. Nimm ihn zu dir, denn er ist dein, seit er ganz fertig ist. Nimm ihn von mir. Laß mich allein! Er ist wie ein Gast.... Fast schäm ich mich seiner. Hast du auch Furcht, Gretel?

Du kannst nicht mehr gehn? Kannst nicht mehr bei mir in der Stube stehn? Tun dir die Füße weh? So bleib, wo jetzt alle beisammen sind, man wird ihn dir morgen bringen, mein Kind, durch die entlaubte Allee. Man wird ihn dir bringen, warte getrost,-- man bringt dir morgen noch mehr.

Wenn es auch morgen tobt und tost, das schadet den Blumen nicht sehr. Man wird sie dir bringen. Du hast das Recht, sie sicher zu haben, mein Kind, und wenn sie auch morgen schwarz und schlecht und lange vergangen sind. Sei deshalb nicht bange. Du wirst nicht mehr unterscheiden, was steigt oder sinkt; die Farben sind zu, und die Töne sind leer, und du wirst auch gar nicht mehr wissen, wer dir alle die Blumen bringt.

Jetzt weißt du das andre, das uns verstößt, sooft wir's im Dunkel erfaßt; von dem, was du sehntest, bist du erlöst zu etwas, was du hast. Unter uns warst du von kleiner Gestalt, vielleicht bist du jetzt ein erwachsener Wald mit Winden und Stimmen im Laub.-- Glaub mir, Gespiel, dir geschah nicht Gewalt: dein Tod war schon alt, als dein Leben begann; drum griff er es an, damit es ihn nicht überlebte.

Schwebte etwas um mich? Trat Nachtwind herein? Ich bebte nicht. Ich bin stark und allein.-- Was hab ich heute geschafft?

... Efeulaub holt' ich am Abend und wand's und bog es zusammen, bis es ganz gehorchte. Noch glänzt es mit schwarzem Glanz. Und meine Kraft kreist in dem Kranz.

SCHLUSSSTÜCK

Der Tod ist groß. Wir sind die Seinen lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns.

INHALT

DES ERSTEN BUCHES ERSTER TEIL

Eingang Aus einem April Mondnacht Ritter Mädchenmelancholie Von den Mädchen I II Das Lied der Bildsäule Der Wahnsinn Die Liebende Die Braut Die Stille Musik Die Engel Der Schutzengel Martyrinnen Die Heilige Kindheit Aus einer Kindheit Der Knabe Die Konfirmanden Das Abendmahl

DES ERSTEN BUCHES ZWEITER TEIL

Initiale Zum Einschlafen zu sagen Menschen bei Nacht Der Nachbar Pont du Carrousel Der Einsame Die Aschanti Der Letzte Bangnis Klage Einsamkeit Herbsttag Erinnerung Ende des Herbstes Herbst Am Rande der Nacht Gebet Fortschritt Vorgefühl Sturm Abend in Skåne Abend Ernste Stunde Strophen Sturmnacht

DES ZWEITEN BUCHES ERSTER TEIL

Initiale Verkündigung Die heiligen drei Könige In der Certosa Das Jüngste Gericht Karl der Zwölfte von Schweden reitet in der Ukraine Der Sohn (und: So wurden wir verträumte Geiger) Die Zaren Der Sänger singt vor einem Fürstenkind Die aus dem Hause Colonna

DES ZWEITEN BUCHES ZWEITER TEIL

Fragmente aus verlorenen Tagen Die Stimmen Von den Fontänen Der Lesende Der Schauende Aus einer Sturmnacht Die Blinde Requiem Schlußstück

End of Project Gutenberg's Das Buch der Bilder, by Rainer Maria Rilke