Chapter 18
Mein Neffe Arthur hat mir auf alle meine vielen Briefe nicht geantwortet! Mein reicher Bruder beruft sich auf einen endgültigen Verzichtschein, den ich ihm einst ausstellte. So habe ich niemanden auf der Welt, als meinen einstigen größten Feind! Er wird mich, ich weiß es, nicht umsonst flehen lassen. Weisen Sie mir, ich bitte, hochverehrter Herr von Klamm, wöchentlich eine Summe an, bis ich in die Gruft gesenkt werde. Lange werde ich Ihnen nicht lästig fallen. Der mich behandelnde Arzt, Herr Doktor Ströber, wird Ihnen bestätigen, daß alles strenge Wahrheit, was ich Ihnen sage. Ich lege die Bescheinigung bei.
Ich segne Sie im voraus als Ihr dankbarer
Theodor Knoop.“
„Und was willst du thun?“ warf Ileisa hin und blickte ihren Mann fragend an.
„Ich werde seine Bitte erfüllen! Es giebt nur einen Richter, der das Recht besitzt, zu richten, und er wird ausnahmslos sanft und gütig vergeben. Sollte sein Geschöpf nicht um so mehr ohne Schwanken stets dazu bereit sein?“
Sie sah ihn an. Dann stand sie auf, näherte sich ihm und umschlang ihn. Sie sprach nicht, aber er wußte, was sie sagen wollte, und jenes Gefühl der Selbstachtung durchdrang ihn, das eines der glückseligsten und befriedigendsten ist, die in der menschlichen Brust emporzukeimen vermögen.
End of Project Gutenberg's Charaktere und Schicksale, by Herrmann Heiberg