Part 2
Ein anderer Schwärmer, den man im hellen Sonnenschein umherfliegen sehen kann, ist von dunkelblau-grüner Farbe mit sechs roten Flecken auf den Flügeln. Es ist das Blutströpfchen oder Widderchen (s. Abb. S. 21), dessen Kokons man im Mai an den langen Grashalmen der Wiese befestigt finden kann. Im August ist der Schmetterling ausgekrochen und fliegt von Blume zu Blume.
Auch einen Spinner werdet ihr wahrscheinlich gerne kennen lernen, weil seine Raupe sich zu einer Kugel zusammenballt, wenn man sie aufnimmt. Sie frißt gern vom Salat und Stachelbeersträuchern, und wenn sie sich verpuppen will, beißt sie ihre langen Haare ab und verwebt sie in den Kokon. Wenn der Spinner auskriecht, läuft er abends über die Blumenbeete und fliegt nicht sehr hoch. Er ist allgemein als Bärenspinner oder brauner Bär bekannt (vergleiche bunte Tafel II. 4) und ist der größte Spinner, den wir haben. Seine Vorderflügel sind hellgelb mit welligen dunkelbraunen Streifen. Die Hinterflügel sind hellrot und schwarzblau gefleckt. Die Brust hat ein hellrotes Band und sein Hinterleib ist scharlachrot mit schwarzen Querstreifen. Wenn man die Bärenraupe im frühen Sommer findet, sie in einem Kasten, der mit Draht vergittert ist, hält und fleißig mit Taubnesseln füttert, so kann man die Puppe und den prächtigen Bärenspinner daraus entstehen sehen.
Versuche einen Schwärmer, einen Glasflügler, einen Bärenspinner und die Puppe eines Ligusterschwärmers zu finden. Fange so viele Raupen und Puppen wie möglich und nimm immer etwas von der Pflanze mit, wovon sie sich nähren.
Lektion 4.
Bekannte Tagfalter.
Es gibt lange nicht so viele Tagfalter wie Schwärmer, Glasflügler, Eulen usw. Aber da die letzteren meist in der Dämmerung oder abends fliegen, kennen wir die Tagfalter, die sich im hellen Sonnenschein umhertummeln, am besten. Ihre Raupen sind nicht so schädlich im Garten wie die der anderen Schmetterlinge, mit Ausnahme von der des Kohlweißlings, über den wir im dritten Buche gesprochen haben.
Es ist sehr unterhaltend, im Frühling und im frühen Sommer die Raupen der gewöhnlichen Schmetterlinge zu sammeln und sie in einem Kasten zu halten, über den ein Stück grober Musselin gespannt ist, so daß man sie beobachten kann, bis die Schmetterlinge auskriechen.
Auf diese Weise wird man ihre Farben viel besser zu sehen bekommen, als wenn man sie fängt, da ihre Flügel nicht vom Wind und Regen beschädigt werden wie sonst oft beim Auskriechen. Und man braucht sie nicht zu töten. Nachdem man sie betrachtet hat, kann man sie frei lassen, damit sie den Sonnenschein genießen.
Es ist sonderbar, daß so viele Schmetterlinge ihre Eier auf die Blätter der Brennessel legen. Der Grund ist vielleicht der, daß Kühe und Schafe diese Pflanzen nicht fressen, und die Eier auf ihnen also sicher sind. Das Tagpfauenauge, der kleine Fuchs und der Admiral legen alle ihre Eier auf Nesseln. Dort findet man also ihre Puppen, und ich will euch erzählen, wie man sie unterscheiden kann.
Die Eier des Pfauenauges sind in Klümpchen unter die Nesselblätter geklebt, und im Juni kann man die kleinen schwarzen, weißpunktierten Raupen finden, wie sie in Gruppen an den Blättern fressen. Früh im Juli wird jede von ihnen eine kleine, seidige Wulst unter ein Blatt gesponnen haben, an welchem die merkwürdige steife Puppe mit dem Kopfe nach unten hängt; sie sieht aus wie eine bräunliche glänzende Muschel (vergleiche bunte Tafel I. 3).
Wenn man Raupe oder Puppe mit nach Hause nimmt, so wird man gegen Ende Juli einen prächtigen Schmetterling auskriechen sehen. Die Hinterflügel sind braun, die Vorderflügel rot und blau, und auf jedem der vier Flügel befindet sich ein großer glänzender Fleck, der aussieht wie die Augen in den Schwanzfedern des Pfaues. Der Körper ist ganz dunkel gefärbt, die Fühler am Kopfe sind lang und dünn und an den Enden keulenförmig verdickt. Wenn aber der Schmetterling seine Flügel schließt (siehe bunte Tafel I. 1 ~a~), so sind alle die glänzenden Farben verborgen, und er unterscheidet sich infolge der graubraunen Außenseite kaum von seiner Umgebung, so daß die Vögel ihn während der Ruhe nicht leicht sehen können.
Wenn ihr aber aus Versehen einmal eine andere Puppe von den Nesseln mit nach Hause bringt, so wird euch ein ganz anderer Schmetterling überraschen. Seine Flügel sind am Rande stark eingekerbt; sie sind samtschwarz mit roter Binde und weißen Flecken mit blauem Rande. Es ist der Admiral, dessen Puppe auch unter den Blättern der Brennnessel hängt. Ihr werdet euch nicht irren, wenn ihr die Raupe findet, denn sie ist nicht schwarz wie die des Tagpfauenauges, sondern grünlichgelb oder braunrot mit einer Reihe halbmondförmiger Flecke an jeder Seite und mit gelben ästigen Dornen. Sie nährt sich von Nesselblättern, die sie mit seidigen Fäden um sich befestigt. Ihr müßt euch nun merken, daß aus diesen Raupen ein Admiral wird.
An einer anderen Stelle findet ihr vielleicht ein Bündel von Nesselblättern, die mit Seide zusammengewebt sind, und in deren Innern eine Menge Raupen sitzen. Sie sind mit kurzen Dornen besetzt und haben einen schwarzen Leib mit gelben Streifen und Punkten. Aus ihren Puppen wird der kleine Fuchs auskriechen.
Die sicherste Art und Weise, diese drei Raupen gut kennen zu lernen, ist die, daß man sie alle mit nach Hause nimmt und dort aufbewahrt, bis die Schmetterlinge auskriechen. Dann wird man viele kleine Unterschiede bemerken, die hier nicht alle aufgezählt werden können.
Auf Disteln findet man eine andere Raupe, die sich in die Blätter einspinnt, und deren Puppe aschgrau, braun oder gelblich und mit mehreren Goldpunkten und Dornen besetzt ist. Aus ihr wird ein rotbrauner Schmetterling auskriechen, der Distelfalter. In manchen Jahren gibt es nur wenige von dieser Art, während sie in anderen Jahren sehr zahlreich ist.
Wir gehen nun an einer anderen Stelle auf die Suche, nämlich unter dem Kreuzdorn und Faulbaum am Flußufer, entweder im Vorfrühling oder gegen Ende Juli, da der nachbenannte Schmetterling zwei Flugzeiten hat.
Man muß unter den kleinen Zweigen nach einer hübschen, grünen, rotgefleckten Puppe suchen, die einer gerippten Muschel ähnlich sieht. Sie hängt wagerecht an einem feinen Seidenfaden (vergleiche bunte Tafel I. 5). Achte darauf, wie klug die Raupe ihn befestigt hat, so daß das schwere breite Ende dem langen, dünnen das Gleichgewicht hält. Dann schneide den Zweig ab und nimm ihn mit nach Hause. Aus der Puppe wird der Zitronenfalter auskriechen, dessen hellgelbe Flügel vier rote Flecke haben (Tafel I. 4). Ihr werdet ihn sehr gut kennen, denn er ist gewöhnlich der erste Schmetterling, der im Frühling fliegt.
Nun wollen wir einmal tief unten auf den Pflanzen, die auf Wiesen wachsen, suchen. Es sind weiße oder lila Blumen, deren Blumenkronblätter in der Form eines Kreuzes stehen. Sie heißen Schaumkraut und Bitterkresse. Wenn man unter ihren Blättern sucht, so findet man oft eine sehr sonderbare Puppe (siehe bunte Tafel I. 7), die an beiden Seiten zugespitzt und wie ein Boot geformt ist. Aus ihr wird der Aurorafalter auskommen, der breite orangerote Flecke an den Spitzen der weißen Vorderflügel hat. Dieser Schmetterling ist sehr bunt, wenn er fliegt, aber wenn er sich niederläßt (siehe bunte Tafel I. 8) und seine Flügel aufrecht stellt, kann er kaum auf den Blättern der Pflanzen, aus deren Blüten er Honig saugt, gesehen werden.
Ein anderer gewöhnlicher Schmetterling ist der Heufalter oder das Wiesenvögelchen (vergl. bunte Tafel I. 9), das man an einem schönen Tage im Juni oder September finden kann, wie es den Honig aus dem Heidekraute saugt. Die grüne Raupe nährt sich von weichen Grasarten, und der hübsche kleine Schmetterling ist gelbbraun mit runden Augenflecken.
Ihr wißt also nun, wie man nach Raupen, Puppen und Schmetterlingen suchen muß, und könnt das übrige dabei selbst lernen. Überall wo Ackerveilchen und Hundsveilchen wachsen, kann man die dornige Raupe der hübschen Perlmutterfalter finden. Bläulinge findet man vorzugsweise auf Kalkboden, doch ist der gemeine Bläuling fast überall zu Hause, und man kann ihn häufig in der Gesellschaft der kleinen dunkelbraunen Bläulinge antreffen, deren dunkel glänzende Flügel zwischen den hübschen Bläulingen lebhaft auffallen.
Wo man auch immer einen fliegenden Schmetterling sieht, sollte man versuchen, ihm zu folgen, bis er sich niederläßt; denn eine der lehrreichsten Beobachtungen, die man bei allen Schmetterlingen machen kann, ist die, wie die untere Färbung der Flügel ihnen hilft, sich zu verbergen, wenn sie ruhen, während die Farben der Oberseite hell und bunt sind.
Suche Raupen und Puppen und beobachte sie. Merke dir die Pflanze, von der sich die Raupe nährt. Vergleiche die Unterseite der Flügel mit den Pflanzen, worauf sie sich niederlassen.
Lektion 5.
Schädliche Käfer.
Alle lebenden Geschöpfe müssen nach Nahrung jagen, und Insekten fressen sehr viel im Verhältnis zu ihrer Größe. Sie fressen am meisten als Larven, aber einige, wie der Maikäfer und Sandkäfer, fressen fast ebensoviel, wenn sie voll entwickelt sind und Flügel haben.
Es gibt pflanzenfressende Käfer und Käfer, die sich von anderen Insekten und Tieren nähren. Im ganzen gibt es mehr als 3000 Käferarten in Deutschland. Es ist deshalb nötig zu wissen, was für eine Art von Nahrung der Käfer zu sich nimmt, denn einige sind nützlich für Feld und Garten, andere tun den Ernten großen Schaden.
Einer der bösartigsten ist der Maikäfer. Ihr kennt ihn sehr gut, wenn er euch am Abend umsummt oder euch ins Gesicht fliegt. Aber vielleicht kennt ihr ihn nicht als Larve, wenn er drei oder vier Jahre lang unter der Erde lebt und die Wurzeln von Gras, Korn und Gemüsen frißt. Sobald man sieht, daß Pflanzen in Feld und Garten gelb und kränklich aussehen und die Blätter hängen lassen, obwohl der Boden feucht ist, so ist es sehr wahrscheinlich, daß eine Larve unten an den Wurzeln sitzt, und diese Larve kann sehr wohl die eines Maikäfers sein.
Grabt die Pflanze aus, und ihr werdet ein häßliches Geschöpf finden (vergl. bunte Tafel III. 3), wie eine sehr große Made und fast so dick wie euer kleiner Finger mit gelblich-braunem Kopfe und sehr starken Kiefern. Sie hat sechs lange Beine mit fünf Gelenken, die an den Ringen hinter dem Kopfe wachsen, und ist so vollgefressen, daß sie kaum kriechen kann. Der letzte Ring ist viel größer als die anderen und sehr dick angeschwollen, und man kann die Atemlöcher an den Seiten sehr gut beobachten, weil der Körper so durch die Nahrung ausgedehnt ist. Ihr wißt, daß die Larve nicht durch den Mund atmet, und so kann sie fortwährend weiterfressen. Wenn ihr sie nicht gestört hättet, so würde sie von Pflanze zu Pflanze durch das ganze Feld gekrochen sein und hätte drei Jahre lang nichts getan als gefressen. Im Winter wühlt sie sich tiefer in den Erdboden, um sich während der Kälte warm zu halten.
Im Herbst des dritten Jahres endlich krümmt sie sich zusammen und hört fast acht Monate lang mit Fressen auf. Wenn man zu dieser Zeit einen Engerling findet, so kann man die Teile des wirklichen Maikäfers unter der durchsichtigen Haut liegen sehen. In den letzten Monaten ist es dann ein voll entwickelter, schlafender Maikäfer.
Wenn dann der Mai kommt, kriecht er aus der Erde hervor und fliegt in die Bäume, deren Blätter er ebenso gierig frißt, wie er vorher ihre Wurzeln fraß, als er noch eine Larve war. Dies ist die richtige Zeit, ihn zu fangen und zu töten, denn er lebt nur ungefähr vier Wochen lang, und während dieser Zeit legt das Weibchen die Eier, aus denen die Larven auskriechen.
Man ist überrascht, wenn man den Unterschied sieht, der zwischen dem Käfer und der unter dem Erdboden lebenden weißen Larve besteht. Es ist nun ein fliegendes Insekt daraus geworden, ungefähr 2,2 ~cm~ lang, mit braunen hornigen Flügeldecken, die ein Paar durchsichtiger, häutiger Flügel bedecken. Der Hinterleib endet in einer feinen Spitze; an dem Kopfe trägt er zwei Fühler, die in einem zierlichen Fächer enden, der beim Männchen aus 7 langen, beim Weibchen aus 6 kurzen Blättchen besteht.
Diese Blättchen sind beim männlichen Käfer (siehe bunte Tafel III. 1) sehr hübsch und viel größer als beim Weibchen (siehe bunte Tafel III. 2), und daran kann man das letztere erkennen. Man muß die Weibchen fangen und töten, wenn man seine Ernte retten will, und die barmherzigste Art, dies zu tun, ist, sie in kochendes Wasser zu werfen. Ein halb zertretener Käfer lebt oft noch lange aber das kochende Wasser tötet ihn augenblicklich.
Die Maikäfer ruhen bei Tage auf den von ihnen bevorzugten Bäumen, und wenn man ein Tuch darunter ausbreitet und die Zweige schüttelt, so kann man eine Menge fangen. Landleute suchen durch verschiedene Mittel auch die Larve in der Erde zu töten.
Eine andere sehr schädliche Larve ist die der Schnellkäfer, die auch Schmiede genannt werden (vergl. bunte Tafel III. 5). Alle Kinder kennen diese kleinen Käfer, obwohl sie vielleicht ihre Namen nicht wissen. Sie sind schmal und flach, ungefähr 1-2 ~cm~ lang und haben sehr kurze Beine. Einer der gewöhnlichsten, der Saatschnellkäfer, ist 10 ~mm~ lang, schwarzbraun und grau behaart. Knaben legen die Schnellkäfer gern auf den Rücken, denn sie schnellen sich dann mit Hilfe eines Bruststachels unter knipsendem Geräusch kräftig in die Höhe und kommen beim Herunterfallen meist auf die Beine. Manchmal fallen sie wieder auf den Rücken, dann ruhen sie sich etwas aus und springen wieder.
Die Larven dieser unterhaltenden kleinen Geschöpfe sind sehr schädlich. Wir kennen sie unter dem Namen Drahtwürmer. Wenn man eine solche Larve aufmerksam betrachtet, so wird man sehen, daß sie kein Wurm ist, sondern die sechs Beine an den Leibesringen hinter dem Kopfe hat; daran erkennt man, daß sie die Larve eines Insektes ist. Drahtwürmer nähren sich von den Wurzeln der meisten Pflanzen. Sie sind lang und dünn wie ein Stück Draht; ihre Farbe ist meistens gelblichrot, und sie haben eine sehr zähe Haut.
Der Schnellkäfer legt seine Eier zwischen Pflanzenwurzeln, und wenn der Drahtwurm ausgekrochen ist, frißt er oft fünf Jahre lang, ehe er sich in einen Käfer verwandelt. Daher müssen Schnellkäfer vernichtet und Salz und Kalk auf die Erde gestreut werden, um sie zu töten.
Unglücklicherweise sind auch die hübschen kleinen Rüsselkäfer sehr schädlich. Wir lasen in Buch I von dem Haselnußbohrer, und fast jede Pflanze und jeder Baum hat irgend einen Rüsselkäfer, der sie angreift. Da ist der Apfelblütenstecher (4), der im April ein Loch in die Knospe der Apfelblüte sticht, der Erbsenkäfer (1 u. 2), der Bohnenkäfer (3) und viele andere. Sie alle beginnen ihr Leben als kleine, weiche Larven mit keinen wirklichen Füßen; sie haben nur Bauchfüße, d. h. ungegliederte Fleischzapfen mit borstiger Sohle, einen hornartigen Kopf und scharfe Kiefer.
Man kann den vollendeten Rüsselkäfer an dem auffälligen Rüssel erkennen, der manchmal lang, manchmal breit ist. Es sind hübsche kleine Geschöpfe mit oft glänzenden Flügeln, die wie Juwelen funkeln, und hellen Augen; aber als Larven zerstören sie überall Blumen, Früchte und Schößlinge.
Zu den merkwürdigsten Käfern gehören die Zweigabstecher. Sie haben lange Rüssel und sehr scharfe Kinnbacken, und ihre Füße haben unten borstige Polster mit scharfen Klauen, so daß sie sich an glatten Stämmen und Zweigen festhalten können. An Pappeln kann man im Sommer einen hübschen Zweigabstecher finden mit goldglänzenden, grünen Flügeln, den Pappelblattstecher, und an Obstbäumen und Weinstöcken trifft man sicher einen stahlblauen Stecher an, der auch Rebenstecher genannt wird und seine Eier in ihre Schößlinge legt.
Wenn das Weibchen des Zweigabstechers Eier legen will, bohrt es ein Loch in einen jungen Schößling mit seinem Rüssel und preßt ein Ei hinein. Hat es nun auf diese Weise mehrere gelegt, so fängt es an, den Schößling mit den scharfen Kinnbacken abzubeißen. Dazu braucht es oft einige Wochen, und wenn ihr den herabhängenden Zweig abbrecht und ihn verbrennt, so werdet ihr die Larven vernichten. Wenn dieser aber zuletzt nur noch an einer Faser hängt, drückt das Weibchen ihn ganz hinunter, so daß er sich loslöst und auf den Boden fällt. Hier frißt dann die Larve ungestört, wenn sie ausgekrochen ist.
Versuche Maikäfer zu finden -- Männchen, Weibchen und Larve. Suche einen Schmied und einen Drahtwurm. Sammle so viele Rüsselkäfer wie möglich, ebenso Zweige, Blumen und Früchte, in denen Larven sitzen.
Lektion 6.
Nützliche Käfer.
Wir sind oft gezwungen, Käfer zu vernichten, wenn sie so zahlreich sind, daß sie unsere Ernten zerstören; da ist es angenehm zu wissen, daß es andere gibt, die uns so viel Gutes tun, daß wir nicht gegen sie ins Feld zu ziehen brauchen.
Die Sandlaufkäfer (vergl. bunte Tafel IV. 1) z. B. sind sehr hungrige Geschöpfe. Da sie sich von anderen Insekten nähren, vernichten sie die Maikäferlarven, Drahtwürmer und Raupen und retten so unsere Pflanzen. Sie sind nicht sehr groß (unser gewöhnlicher Sandlaufkäfer ist nicht mehr als etwa 1½ ~cm~ lang), aber ihre langen schlanken Beine sind sehr kräftig, und sie können sehr schnell fliegen.
Auf trocknen, sandigen Feldern und Äckern kann man im Sommer eine Menge von ihnen in der warmen Sonne umherlaufen sehen. Ihre Flügeldecken sind von einem schönen, glänzenden Grün mit einem kupferfarbigen Scheine und mit weißen oder gelblichen Flecken geziert. Sie laufen sehr behend und so schnell, daß man es sehr schwer finden wird, einen zu fangen. Gerade wenn man denkt, daß man den Käfer hat, hebt er plötzlich die Flügeldecken, entfaltet die zarten durchscheinenden Flügel und ist fort, ehe man es denkt.
Aber hat man einen gefangen, so wird man sehen, daß er große Augen hat, die aus beiden Seiten des Kopfes hervorstehen, und zwei scharfzackige Kiefer, mit denen er seine Beute zerreißen kann, während die Unterkiefer mit steifen Borsten besetzt sind, um sie halten zu helfen.
Und nun müssen wir nach der Larve suchen, die ein sehr sonderbares Geschöpf ist. Man findet sie am besten an einer weichen Stelle eines sandigen Feldes, wo man Sandkäfer hat umherlaufen sehen. Dann achte man auf kleine Löcher im Sande und versuche eins zu finden, das zu einem Gang im Erdboden führt. Die Larve des Sandkäfers sitzt an der Mündung dieses Ganges, um vorbeikommende Insekten zu fangen. Sie wird verschwinden, sobald man in ihre Nähe kommt, aber wenn man einen Grashalm in das Loch steckt und ihn hin- und herbewegt, so erfaßt die Larve denselben, und man kann sie daran herausziehen.
Dann kann man beobachten, welche Werkzeuge sie besitzt. Es ist eine lange, weiche Larve mit einem hornartigen Kopfe und sichelförmigen Kinnbacken; neben ihren sechs braunen, beborsteten Füßen hat sie zwei weiche Höcker auf dem Rücken des 5. Hinterleibringes, die mit kleinen Haken besetzt sind. Sobald die Larve im Erdboden ausgekrochen ist, bohrt sie einen Gang in den weichen Sand mit ihren borstigen Beinen und zieht sich dann bis an die Öffnung desselben hinaus, wo sie sich mit ihren Beinen und den Haken auf ihrem Rücken festhält. Ihr Kopf füllt gerade das Loch aus, und da sie ein armes schwaches Geschöpf ist, das sich nicht schnell bewegen kann, verhält sie sich ganz ruhig, bis irgend ein Insekt vorbeikommt; dann schnellt sie den Kopf hinaus und zieht ihr Opfer hinunter. Wenn man Geduld genug besitzt, um einige solche Gänge aufzusuchen, und dann still sitzt und sie beobachtet, so sieht man vielleicht, wie die Larve ihre Beute erfaßt.
Die Raubkäfer oder Kurzflügler (siehe bunte Tafel IV. 2), die wir in der ersten Lektion erwähnten, sind sehr nützlich durch das Vertilgen von Insekten, obwohl sie durchaus nicht schön sind. Aber die Laufkäfer, die oft nur sehr kleine, mitunter auch keine Flügel unter den Flügeldecken haben und selten fliegen, sind die besten Jäger. Man sieht oft einen ziemlich großen Käfer durch das Gras dahinrennen. Sein Körper ist schwarz mit violett bronzefarbenen, bläulich gerandeten Flügeldecken, die mit dichten, feinen, in Längsseiten stehenden Grübchen versehen sind. Das ist der violette Hain-Laufkäfer, der sich immer auf der Jagd nach Larven und Drahtwürmern befindet.
Es gibt noch einen sehr sonderbaren Käfer, der nicht schwer zu finden ist, und der euch sehr interessieren wird. Dies ist der Totengräber. Wenn ihr irgendwo auf dem Felde eine tote Maus oder einen toten Vogel findet, so hebt den Körper vorsichtig auf. Hat er schon einige Tage gelegen, so wird er schon einen schlechten Geruch haben, und man kann ziemlich sicher sein, zwei oder drei Käfer mit dickem Körper und starken Beinen darunter zu finden. Sie sind gewöhnlich schwarz mit roten Fühlern und zwei rotgelben Querbinden auf den Flügeldecken. Dies sind Totengräber (vergl. bunte Tafel IV. 3), die den toten Körper gewittert haben und oft aus ziemlicher Entfernung herbeifliegen, um ihn zu begraben.
Sie kratzen die weiche Erde darunter weg, bis der Körper hinuntersinkt und dann bedecken sie ihn mit Erde. Weshalb tun sie dies wohl? Weil der weibliche Käfer seine Eier in den toten Körper legen will, damit die Larven von dem Fleische fressen können. Er tut dies, sobald das Tier begraben ist, und in einigen Tagen kommen die Larven aus. Sie sind schmal, haben sechs Beine und eine Anzahl von Stacheln auf dem Rücken. Sie schlängeln sich in und durch das Fleisch und fressen darauf los, bis sie sich selbst in den Boden einwühlen, um sich in Käfer zu verwandeln.
Sehr viele Käfer werden uns dadurch nützlich, daß sie lebende und tote Tiere fressen. Unter diesen ist auch der kleine runde Marienkäfer, der seine Beine anzieht und sich tot stellt, wenn er berührt wird, und der Leuchtkäfer oder das Glühwürmchen, das so hell in Sommernächten in Hecken und Büschen leuchtet.
Ein guter Gärtner, der ein Glühwürmchen in einer Hecke sieht, wird es immer vorsichtig aufnehmen und es wenn möglich in seinen Garten setzen. Denn die weiche Larve des Glühwürmchens (3, S. 36) bohrt sich in die Gehäuse der kleinen Schnecken hinein und nährt sich von ihnen.
Wenn man ein trockenes Schneckenhaus mit einer weißen Larve darin findet, so wird diese wahrscheinlich die des Glühwürmchens sein. Man kann sie an einem Büschel weißer Fäden erkennen, die am Hinterleibsende sitzen, und die sie gebraucht, um den Schleim der Schnecke von ihrem Rücken abzubürsten.
Von den vollentwickelten Glühwürmchen kann man das Weibchen (1) sehr leicht bei Nacht finden, da es ein so helles Licht ausstrahlt. Es hat keine Flügel, und man könnte es für eine Larve halten, wenn nicht die sechs Beine wären. Das männliche Glühwürmchen (2) hat zwei leuchtende Punkte am Hinterleibsende. Aber es leuchtet nicht so hell wie das Weibchen. Es hat lange weiche Flügeldecken und breite Flügel, mit denen es oft in ein erhelltes Zimmer fliegt, wenn das Fenster geöffnet ist.