Auf Schneeschuhen durch Grönland. Erster Band

Part 20

Chapter 203,592 wordsPublic domain

Da +Danells+ oben besprochene Reisen scheinbar die Unmöglichkeit einer Landung an der Ostküste von Grönland nachgewiesen hatten, so liegt es sehr nahe, daß man bald auf den Gedanken kam, die Westküste zum Ausgangspunkt für Expeditionen am Lande entlang zu nehmen. Eine solche Anschauung finden wir bereits um das Jahr 1664 von +P. H. Resen+[70] und im Jahr 1703 von +Arngrim Vidalin+[70*] geäußert.

Wie bereits früher erwähnt, war +Hans Egede+, der Apostel Grönlands, der Ansicht, daß Österbygden an der Ostküste Grönlands liegen müsse. Schon im Jahr 1723 unternahm er eine Reise in südlicher Richtung von seinem Wohnort, nahe dem jetzigen Godthaab, um diese Kolonie in zwei Böten an der Küste entlang segelnd zu erreichen. Bei +Nanortalik+ auf dem 60° 8′ N. Br. in der Nähe von Kap Farvel sah er sich indessen am 26. August infolge der späten Jahreszeit und unzureichenden Proviants zur Rückkehr gezwungen. Später äußerte er jedoch die Meinung, daß Österbygden an der Ostküste am leichtesten an der Küste entlang und zwar wenn möglich in Eskimo-Frauenböten zu erreichen sei.

Ein Versuch, von Godthaab aus an der Küste entlang Österbygden zu erreichen, der im Jahre 1733 von +Mathias Jochimsen+ unternommen wurde, mißlang ebenfalls, indem man sich auf dem 61° N. Br. durch Eis am Vordringen gehemmt sah.

Erfolgreicher war der tüchtige +Peder Olsen Wallöe+, ein Bornholmer, der sich mehrere Jahre als Handelsmann auf Grönland aufhielt. Im August 1751 trat +Wallöe+ seine Reise von Godthaab aus in einem Frauenboot mit einer Besatzung von 4 Grönländerinnen und 2 Europäern an. Im ersten Jahr erreichte er den Distrikt des jetzigen Julianehaab, wo er Untersuchungen anstellte und überwinterte. Im folgenden Jahr wurde die Reise fortgesetzt, an Kap Farvel vorbei eine Strecke an der Ostküste entlang, bis man auf dem 60° 56′ N. Br. an eine Insel gelangte, die er „Nenese“ nennt; dort sah er sich jedoch am 8. August zur Umkehr gezwungen. Dies ist der erste Europäer, von dem man mit Sicherheit weiß, daß er die südliche Ostküste Grönlands betreten hat. Er erhielt jedoch einen schlechten Lohn für seine verdienstvolle Reise und lebte seither in den kümmerlichsten Verhältnissen in Dänemark. Er starb im Jahr 1793 in einem Alter von 77 Jahren im Armenhospital zu Kopenhagen.

Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wies +Eggers+ deutlich in einer im Jahre 1792 erschienenen Schrift nach, daß Österbygden auf der südlichen Westküste gelegen habe; wenn man es nach der Ostküste verlegt habe, so sei dies ein Irrthum von den Gelehrten der Vorzeit, welche die alten norwegischen Berichte völlig verkehrt gedeutet hätten.

In den Jahren 1829-30 unternahm der Kapitänlieutenant in der dänischen Flotte +W. A. Graah+ seine bedeutungsvolle Reise an der Ostküste entlang in einem zum größten Theil mit Grönländerinnen bemannten Frauenboot.[71]

Am 1. April erreichte man die Ostküste. Am 20. Juni auf dem 61° 47′ N. Br. faßte +Graah+ den kühnen Entschluß, sich von seinen europäischen Genossen, die zurückkehrten, zu trennen und allein mit dem einen der beiden Frauenboote und mit 6 Grönländern weiter zu gehen.

Am 27. Juni auf dem 63° 37′ N. Br. verließ ihn auch sein grönländisches Gefolge bis auf drei junge Mädchen, die er endlich dazu vermochte, ihm als Ruderer weiter das Geleite zu geben. Am 23. Juli erreichte er seinen nördlichsten Zeltplatz, eine Insel, die er +Vendom+ (Kehr um) nannte -- auf dem 65° 13′ N. Br., und am 18. August erbaute er auf seinem nördlichsten Punkt, auf der nördlich davon gelegenen +Dannebrogs Insel+ (65° 19′ N. Br.) eine Warte. Hier wurde er durch Eis am weiteren Vordringen gehindert.

Am 21. August trat er die Rückreise an, und am 1. Oktober bezog er bei einem Ort, den er +Nukarbik+ nennt (jetzt +Imarsivik+ auf dem 63° 22′ N. Br.) sein Winterquartier. Den Winter verbrachte er unter Krankheit und großen Entbehrungen. Als der Frühling kam, hatte er indessen den Muth nicht verloren, sondern machte am 5. April einen neuen Versuch, in nördlicher Richtung vorzudringen. Am 25. Juli mußte er jedoch nach den unglaublichsten Widerwärtigkeiten abermals umwenden, ohne so weit gelangt zu sein wie im vorhergehenden Jahre.

Am 16. Oktober langte er endlich in +Frederikshaab+ an, nachdem er viel erduldet hatte.

Die Frucht dieser merkwürdigen Reise waren gute Aufklärungen über die Ostküste Grönlands bis an den 65. Breitengrad. Ueberreste von Nordländern oder Ruinen von ihren Häusern fand +Graah+ dagegen auf der ganzen von ihm bereisten Strecke nicht, und damit schien die Unmöglichkeit nachgewiesen, daß Österbygden an der Ostküste gelegen haben könne. Das Einzige, was +Graah+ an europäischen Ueberresten fand, war eine Kanone, die bei Koremiut im +Uarket Fjord+ auf dem 61° 17′ N. Br. gefunden worden war. Diese muß wahrscheinlich von irgend einem Schiff herstammen, das im Eise gescheitert und an der Küste entlang getrieben ist.

Eine Nordländer-Ruine wurde indessen von dem Herrnhuter Missionär +Brodbeck+ im Jahr 1881 bei Narsak auf der nördlichen Seite des +Lindenow-Fjords+ oder +Kangerdlugsuatsiak+ (auf dem 60° 30′ N. Br.) gefunden, wohin er in einem Frauenboot eine Reise unternahm, also die dritte uns bekannte Reise an der südlichen Ostküste von Grönland. Es ist dies die einzige Nordländer-Ruine, von der man an der Ostküste weiß. Uebrigens hatte +Giesecke+, der die Grönländer davon hatte erzählen hören, bereits im Anfang des Jahres darüber berichtet.

Die letzte Reise an dieser Küste entlang ist die +dänische Frauenboot-Expedition+ unter Leitung von +G. Holm+, Kapitän in der dänischen Marine. Sie währte 3 Jahre, von 1883-85, und war ebenso wie +Graahs+ Expedition vom dänischen Staat ausgesandt worden. Sie bildete einen Theil der seit 1876 fortgesetzten „geologischen und geographischen Untersuchungen in Grönland“.

Die Expedition, die außer dem Führer, aus den Dänen Marinelieutenant +Garde+, dem Nächstkommandirenden, +Peter Eberlin+, einem Botaniker und Geologen, dem norwegischen Geologen +H. Knutsen+, sowie zwei dänischen Grönländern, den Gebrüdern +Petersen+, die als Dolmetscher fungirten, bestand, wurde in Frauenbooten mit grönländischer, meist aus Frauen bestehender Besatzung unternommen. Infolge der früheren Expeditionen hatte sich allmählich die Ueberzeugung, daß dies die einzige Art und Weise sei, wie man die Ostküste Grönlands bereisen könne, bei den dänischen Grönlandsfahrern eingebürgert.

Im ersten Sommer erreichte die gesammte Expedition mit 4 Frauenböten und 10 Kajaks zu Anfang August +Iluilek+ an der Ostküste (60° 52′ N. Br.). Hier wurde ein Depot für das folgende Jahr zurückgelassen, und am 10. August trat man abermals die Heimreise nach +Nanortalik+, westlich von Kap Farvel, dem Standquartier der Expedition an, wo überwintert wurde.

Im nächsten Jahr (1884) trat man die Reise an der Küste entlang mit 4 Frauenböten und 7 Kajaks an (im ganzen 31 Menschen außer den 6 Europäern). Ein Theil der Besatzung wurde am 18. Juli von +Karra akungnak+ aus wieder nach Hause gesandt.

Am 28. Juli erreichte man +Tingmiarmiut+. Von hier aus kehrte die Hälfte der Theilnehmer der Expedition unter Leitung von Lieutenant +Garde+ nach +Nanortalik+ zurück, auf dem Wege Untersuchungen vornehmend.

Kapitän +Holm+ mit dem übrigen Theil der Expedition, bestehend aus +H. Knutsen+ und dem Dolmetscher +Johan Petersen+, sowie 2 Grönländern und 6 Grönländerinnen und in 2 Frauenböten vertheilt, verließ am 30. Juli +Tingmiarmiut+ und zog gen Norden weiter, an der Küste entlang. Am 25. August kamen sie zu +Graahs+ nördlichstem Punkt auf der +Dannebrogs-Insel+, also einen ganzen Monat später als dieser.

Am 1. September erreichten sie +Angmagsalik+ bei Kap +Dan+, wo sie eine große bebaute Strecke mit ungefähr 400 Menschen fanden. Hier überwinterten sie.

Im nächsten Sommer (1885) zogen sie am 9. Juni abermals südwärts und stießen am 16. Juli bei +Umanak+ ungefähr auf dem 63° N. Br. mit den übrigen Theilnehmern der Expedition, die von Süden kamen, zusammen. Am 18. August erreichte die ganze Expedition Nanortalik und kehrte bald darauf nach Dänemark zurück.

Die wissenschaftliche Ausbeute dieser Expedition war überraschend groß; die Ostküste bis zum 66° N. Br. ist dadurch in Bezug auf die Bevölkerung und die natürlichen Verhältnisse gründlich untersucht worden, und die genauen Karten, welche sie von der Küste geliefert hat, haben es uns im wesentlichen ermöglicht, unsern Weg mit Sicherheit an derselben entlang zu finden.

Fußnoten:

[35] Die alten norwegischen Kolonien in Grönland lagen bekanntlich an der Westküste. Eine derselben „Østerbygden“ (Ostkolonie) lag weit südwärts in dem jetzigen Kristianshaab-Distrikt; die andere „Vesterbygden“ lag nördlicher, tiefer in die Bucht hinein bei dem jetzigen Godthaab.

[36] Ich habe nicht ausfindig machen können, auf welche Stelle von Grönlands Ostküste diese Beschreibung am besten paßt, obwohl sie sehr charakteristisch für das Land genannt werden muß.

[37] Es ist undenkbar, daß das Eis den ganzen Sommer die Küste blockirt haben sollte!

[38] An der ganzen Ostküste ist nur eine Nordländer Ruine bekannt; dieselbe liegt bei Narsak im Lindenows-Fjord. Siehe den Bericht weiter unten in diesem Kapitel.

[39] In den Sagen sind verschiedene Berichte über Schiffe enthalten die im Treibeis verunglückt sind.

[40] Eisberge.

[41] Daß die Eisverhältnisse in der Dänemarkstraße im Mittelalter dieselben waren wie jetzt, geht übrigens ganz deutlich aus einer isländischen Sage hervor, in der berichtet wird, wie ein Isländer auf den Berg stieg, um zu sehen, ob sich das Eis vom Lande loslösen wolle. (Nach einer Mittheilung von Professor +Storm+ an mich.) Das Eis reichte also bereits damals schon bis an die Küste von Island.

[42] Es ist nicht ganz sicher, ob dies die erste Expedition ist, welche zur Wiederentdeckung Grönlands ausgesandt wurde. Aus einer Proklamation von König +Frederik+ II. an die Grönländer vom 12. April 1568 ersieht man, daß ein gewisser +Kristiern Aalborg+ in diesem Jahr mit einem Schiff dorthin gehen sollte. Dagegen weiß man freilich nichts weiter von der Expedition. Von demselben König wurde später zu gleichem Zweck ebenfalls mit einem Russen, +Paul Nichetz+, verhandelt, welcher behauptete, daß er den Weg nach Grönland kenne (wahrscheinlich eine Verwechselung mit Spitzbergen oder Novaja Semlja), zu welchem Resultat aber die Unterhandlungen führten, weiß man nicht.

[43] Vergleiche: ~Norske Rigs-Registranter, Kristiania 1863~, Bd. II. S. 337.

[44] Gedruckt in: ~Grönlands historiske Mindesmærker~ (~Kopenhagen 1845~) Bd. III. Seite 641-647.

[45] +Aldays+ Expedition ist nicht die erste unter den uns bekannten, die nach dem Mittelalter Grönland in Sicht bekommen. Der Engländer +Martin Frobisher+ hatte bereits auf seinen drei Reisen (1576-78) zur Entdeckung der Nordwest-Passage die Südküste in Sicht bekommen. Er hielt sie für das Frisland der Zenier und nannte das Land „Neu-England“.

[46] +Mogens Heinessön+ war um die Zeit Bürger in Bergen; er war aber von norwegischen Eltern auf den Faröern geboren und gilt als zweiter faröerscher Nationalheld, der Erste war +Sigmund Bresteson+.

[47] ~Lyschander, Grönlands Chronica, Kjøbenhavn 1608.~

[48] Möglicherweise ist hierunter der magnetische Osten zu verstehen, also ungefähr rechtweisend Nord-Ost.

[49] Vor diesen Expeditionen war die Ostküste von Grönland bereits gefunden und von dem Engländer +John Davis+ betreten, der auf seinen drei Reisen 1585-87 das Land fand (er benannte es „~Land of desolation~“) und die Küste von dem südlichsten Theil bis zum 72° n. Br. bereiste. Er ist folglich der erste Europäer, von dem man weiß, daß er nach dem Mittelalter das Land betreten hat.

[50] Dieselbe ist in +Stenstrups+ Abhandlung: „Ueber Österbygden in den Mittheilungen von Grönland“, Kopenhagen 1889, Bd. 9, Seite 12-14, abgedruckt.

[51] Die einzige Mittheilung, die wir über diese Reise besitzen, ist ein Bericht an +Friedrich+ III., von einem gewissen +Christian Lund+ nach +Danells+ Tagebüchern verfaßt und in den alten Manuskriptsammlungen der königlichen Bibliothek zu Kopenhagen aufbewahrt. Im Jahre 1787 wurde von +John Eriksen+ ein Auszug dieses Berichts in Druck herausgegeben. Siehe übrigens auch: „Grönlands historische Denkmäler“, III., Seite 713-720.

[52] Ich habe nicht ausfindig machen können, woher Kapt. +A. Mourier+ die Nachricht genommen hat, daß +Danell+ „ein Vorgebirge auf dem 67° und eins auf dem 65½° N. Br.“ entdeckt haben soll. (Siehe seinen Artikel über „+Ingolfs+ Reise 1879“ in der „Geographischen Zeitschrift“, Kjöbenhavn Bd. 4, Seite 51, 1880.)

[53] +Danell+ hat in seinen Tagebüchern eine Reihe von Inseln beschrieben, die z. T. 3-4 Meilen vom Lande südlich von +Kap Dan+ liegen sollten, und von denen er der einen den Namen „Hvidsadlen“ und einer andern „Mastlös Skib“ gab. Es geht indessen deutlich aus der Beschreibung hervor, daß diese Inseln nur große Eisberge gewesen sind, deren es dort viele giebt und die +Danell+ unbekannt waren. Ich habe es selber erlebt, daß alte Eismeerschiffer Eisberge und Land verwechselt haben. Von fünf Inseln, in deren Nähe sie sich am 6. Juni befanden, heißt es, „daß sie fast ganz mit Eis überzogen waren, mit Ausnahme einer einzigen, welche ein schwärzliches Aussehen hatte, sehr hoch war und ungefähr eine Meile (?) im Umfang maß“. Alles sehr bezeichnend für Eisberge. Daß der eine Eisberg schwärzlich aussah, läßt darauf schließen, daß er den Schlamm und den Kies und die Steine der Moräne mit sich geführt hat, was durchaus nicht selten vorkommt. Ich traf selber im Jahre 1882 einen solchen Eisberg an Grönlands Ostküste auf dem 66° 50′ N. Br. und hielt ihn anfänglich für eine Insel. (Vergl. meinen Artikel darüber im „Neuen Magazin für Naturwissenschaft“, Kristiania 1883.)

Wenn +Graah+ im Jahre 1829 meinte, zwei oder drei von +Danells+ Inseln wiedergefunden zu haben, so sind dies wahrscheinlich die Gipfel von Kap Dan gewesen, die er am Horizont erblickt hat, wenn es nicht auch Eisberge waren, obwohl es kaum anzunehmen ist, daß ein so erfahrener Mann wie +Graah+ sich so irren sollte.

Ich kann mich Kapt. +Holms+ Auffassung (siehe Mittheilungen über Grönland Bd. 9, S. 201) nicht anschließen, wenn er meint, daß +Danells+ Insel Hvidsadlen der Felsgipfel oder Nunatak auf dem Inlandseise sein soll, den er so benennt. Ich habe selber diesen Nunatak in einer Entfernung von mehreren Meilen vom Treibeise aus gesehen, ich sah aber gleichzeitig das ganze Land mit dem Inlandseise, und es erscheint mir unmöglich, daß er für eine Insel gehalten werden kann, um so mehr, als +Danell+ nur drei Meilen von seiner Insel Hvidsadlen entfernt gewesen sein will. Da der Name indessen auf den Nunatak paßt, den +Holm+ ihm gegeben hat, sehe ich nicht ein, weshalb man ihn entfernen sollte.

[54] Gedruckt in den „Mittheilungen über Grönland“, Bd. 9. Kopenhagen 1889. Seite 28-29.

[55] Diese Versuche waren folgende: 1. Vom 1. bis zum 12. April. 2. Vom 8. bis 18. Mai (man erblickte Land). 3. Vom 8. Juni bis 3. Juli. 4. Vom 20. Juli bis 10. August. 5. Vom 26. bis 31. August. 6. Vom 11. bis 29. September.

[56] Da hier nur der südliche Theil der Ostküste Grönlands für uns von Interesse ist, erwähnen wir nicht weiter der verschiedenen Expeditionen, die den nördlichen Theil besucht haben, wie z. B. +Scoresby+, +Sabine+ und +Clavering+ im Jahre 1822 und 1823.

[57] Kapitän +A. Mourier+: Die Expedition des Marine-Schoners „Ingolf“ in der Dänemarksstraße im Jahre 1879. „Geographische Zeitschrift“, Bd. 4. Kopenhagen 1880. Seite 59.

Siehe auch über diese Expedition den Artikel +Wandels+ in den „Mittheilungen über Grönland“, Bd. 6. 1883.

[58] Siehe hierüber: An der Ostküste Grönlands entlang. „Geographische Zeitschrift“, Bd. 7. Kopenhagen 1884. Seite 76-79. Ebenfalls in diesem Buche Seite 1.

[59] Ueber diese Expedition Näheres später in diesem Kapitel.

[60] Einem isländischen Bericht zufolge sollen einige Fischerfahrzeuge im Jahre 1756 an der Ostküste Grönlands nordwestlich von Vestfirdir auf Island geankert haben. Dies scheint jedoch nicht sehr wahrscheinlich zu sein (siehe hierüber „Geographische Zeitschrift“, Kopenhagen, Bd. 7, Seite 117 und 176).

Daß Mehrere von den im Jahre 1777 Verunglückten die Küste erreichten, wird später erwähnt werden.

[61] Diese bestanden wahrscheinlich aus: 9 Hamburgern, 8 Engländern, 7 Holländern, 2 Schweden, 1 Bremenser und 1 Dänen.

[62] Hier kam es übrigens häufiger vor, daß Schiffe im Eise stecken blieben, ohne daß es ihnen so schlimm erging wie den Unglücklichen im Jahre 1777. Als Beispiel unter den vielen Fällen mag erwähnt werden, daß im Jahre 1769 vier Schiffe Anfang Juli ungefähr auf dem 76° N. Br. im Eise stecken geblieben und bis zum 16. und 19. November auf den 69° N. Br. hinabgetrieben sein sollen; alsdann arbeiteten sich zwei aus dem Eise heraus, während über das Schicksal der anderen beiden nichts verlautet.

[63] Hiervon waren wahrscheinlich 6 Holländer und 6 Deutsche (Hamburger). Die Mannschaft bestand größtentheils aus Dänen von den Inseln an der Westküste von Jütland und Schleswig, sowie aus Holsteinern.

[64] Zwei Schiffsbesatzungen retteten sich auf zwei Schiffe, die später glücklich aus dem Eise heraus kamen.

[65] Von einer Abtheilung von 160 Mann, die schon am 30. September auf dem 64° N. Br. ihre Zuflucht zum Eise und zu den Böten nehmen mußten, sollen ungefähr 24 Mann etwa auf dem 63° N. B. den Versuch gemacht haben, die Ostküste Grönlands zu erreichen, man hat aber später nie wieder von ihnen gehört.

[66] Wenn +Julius Payer+ in seiner übrigens sehr unkorrekten Notiz über diese Eisfahrt (+Payer+: „Die österreichisch-ungarische Nordpolexpedition in den Jahren 1872-1874 u. s. w.“, Wien 1876, Seite 481) glauben zu machen scheint, daß die geretteten Mannschaften (die er irrthümlich auf 12 schätzt) an der Westküste wie bei ihrer Heimkehr nach Europa schlecht aufgenommen und behandelt wurden, so entbehrt dies jeglicher Begründung und ist übrigens kräftig widerlegt und hoffentlich für immer niedergeschlagen durch Kapitän +C. Normann+ in seinem eingehenden Artikel, der in der „Geographischen Zeitschrift“ Bd. 2, Kopenhagen 1878, Seite 49-63 gedruckt wurde, und in welchem er eine Zusammenstellung und einen Auszug aus den zahlreichen älteren, hiervon handelnden Berichten giebt. Das Meiste des hier Angeführten ist diesem Artikel entnommen.

[67] Also ungefähr auf derselben Stelle, wo die Walfischfänger im Jahre 1777 stecken blieben.

[68] Die Art und Weise, wie dies geschah, glich sehr dem von uns Erlebten (29. Juli). Am 6. Mai hatte man noch keine Ahnung davon, daß man die Eisscholle bald würde verlassen können, und war daher nicht wenig erstaunt, als man am folgenden Tage nach dem Lande zu offenes Wasser erblickte, auch war man seit dem vorhergehenden Tage 8 Minuten oder 2 geographische Meilen nordwärts getrieben. Es scheinen auch damals in dieser Höhe Unregelmäßigkeiten in der Strömung geherrscht zu haben. Wie man sich erinnern wird, trieben auch wir während der letzten Nacht, ehe wir aus dem Eise heraus kamen, nicht wesentlich südwärts.

[69] Es scheint, als wenn die Geschwindigkeit der Strömung eine Strecke nördlich von Kap Dan bedeutend geringer ist als in der Nähe und südlich davon. Es ist auch unter den norwegischen Seehundsfängern, die in der Dänemarkstraße auf Fang ausgehen, ganz allgemein bekannt, daß die Strömung an Gewalt zunimmt, je mehr man sich dem Kap Dan nähert. Mehrere norwegische Seehundsfänger sind auch kürzere oder längere Zeit unterhalb der Küste im Eise stecken geblieben, die Bewegung des Eises ist aber, soweit ich es habe erfahren können, nicht bedeutend gewesen (vergl. auch oben die Fahrt des „Viking“ 1882).

[70] und [70*] Siehe hierüber „Mittheilungen über Grönland“, Bd. 9. Kopenhagen 1889, Seite 26.

[71] +W. A. Graah+: Entdeckungsreise an die Ostküste von Grönland 1828-31, Kopenhagen 1832.

Kapitel XI.

Nordwärts an der Ostküste entlang. Zusammentreffen mit Eskimos.

Das Erste, was wir thaten, nachdem wir glücklich das Eis überwunden hatten, war dem Lande zuzustreben; wir mußten ja so bald wie möglich Grönlands Felsenboden unter unsern Füßen fühlen, und außerdem hatte ich schon vor längerer Zeit versprochen, an dem Tage, an dem wir unsern Fuß auf festen Grund setzen würden, eine Festmahlzeit mit Schokolade anzurichten.

Gerade vor uns und zunächst lag die Insel +Kutdleck+ mit ihrer hohen, abgerundeten Kugelform. Dort konnten wir jedoch nicht landen, es würde uns zu weit von unserm Kurs abgeführt haben, der nordwärts ging. Wir steuerten deswegen lieber über das offene Wasser auf die nördlich gelegene Insel +Kekertarsuak+ zu.

Auf dem Wege dahin kamen wir an einen mächtigen Eisberg, der hier in dem offenen Wasser bis auf den Grund reichte. Auf seinem weißen Rücken saßen Unmengen von Möven, die gleich dunklen Punkten darüber hingestreut waren. Indem wir vorüberfuhren, fiel ein kolossales Stück Eis mit großem Getöse ins Wasser, Scharen von Möven wurden aufgeschreckt und umflatterten uns mit ihrem einförmigen Geschrei. Dies war ein ganz neues Leben, und wir empfanden es als eine große Wohlthat, ungehindert im offenen Wasser vorwärts rudern zu können.

Als wir eine Strecke weiter gekommen waren, entdeckten wir, daß doch noch allerlei Hindernisse zu überwinden seien, ehe wir das Land erreichten, denn wir stießen auf einen neuen Eisgürtel, der sich nach Süden zu am Ufer entlang erstreckte. Er war jedoch nicht breit und auch nicht sehr fest, so daß es uns nicht viel Mühe machte, ihn zu durchbrechen. Endlich glitten wir -- die Böte mit norwegischer und dänischer Flagge geschmückt -- unter eine steile Klippe, deren dunkle Wand sich in dem blanken Wasser spiegelte und dies fast kohlschwarz machte. Es gab einen Widerhall, wenn man sprach, -- das war ein feierlicher Augenblick. Hinter dieser Klippe fanden wir einen Hafen, wo wir mit den Böten anlegen konnten. Wir wetteiferten förmlich, ans Land zu springen und Steine, wirkliche Steine unter den Füßen zu fühlen. Wir kletterten auf die Klippen hinauf, um Umschau zu halten. Wir waren wie die Kinder: ein Stückchen Moos, ein Grashalm, geschweige denn eine Blume erregte einen ganzen Sturm von Gefühlen in uns. Es war alles so neu, der Uebergang so kraß und so plötzlich. Die Lappen verschwanden augenblicklich zwischen den Felsklippen, und es währte eine ganze Zeit, ehe wir ihrer wieder ansichtig wurden.

Nachdem sich die erste stürmische Freude gelegt hatte, mußten wir unsere Gedanken auf etwas Prosaischeres richten -- auf unsere Festmahlzeit. Der Kochapparat wurde auf eine Klippe unten beim Boot gestellt und in Wirksamkeit gebracht, um unsere Schokolade zu kochen. Es waren Hände genug da, die dies verrichten konnten, und da eine ganze Zeit darüber hingehen würde, so konnte ich ruhig dem Beispiel der Lappen folgen und eine kleine Gebirgstour unternehmen, um mich u. a. nach dem gen Norden führenden Wege umzusehen.

So stieg ich denn bergan, anfangs über einige kahle Klippen, dann über ein kleines Schneefeld und endlich durch Moos und Heidekraut über eine kleine Ebene, auf der große erratische Blöcke zerstreut umherlagen. Wie sonderbar war es nicht, einmal wieder einen weiten Gesichtskreis zu haben, das Meer und das Eis weit unter sich erglänzen zu sehen, rings umher Reihen hoher Felsengipfel zu erblicken, die, von einem Nebelschleier umgeben, im Sonnenschein dalagen, und dahinter das Inlandseis, das kaum so hoch war, wie der eigene Standpunkt.