Auf Großtierfang für Hagenbeck

Part 13

Chapter 133,634 wordsPublic domain

Schon gegen Abend sahen wir in der baumlosen Steppe große Herden Zebras auf die Tränkestellen zu äsen. Bei Einbruch der Dunkelheit ging ich mit meinem Assistenten, Herrn Pallenberg, nur mit Gewehr und verblendeter Laterne versehen, an den obengenannten Wassergraben. Stundenlang saßen wir und warteten. Der kalte Nordwind strich vom schneebedeckten Meruberg über die Grasebene herab. Wir hüllten uns dichter in unsere Mäntel, denn die Kühle machte sich recht unangenehm bemerkbar.

Es war gegen Mitternacht, und der Schlaf drohte uns zu übermannen, als wir dicht neben uns das Heulen einer Hyäne hörten. Dieselbe kam zum Graben, tränkte sich und war bald wieder in der Finsternis verschwunden. Kurze Zeit darauf vernahmen wir plötzlich in allernächster Nähe das Schnauben von einem Zebra. Langsam kamen mehrere, und ich konnte bald merken, daß eine große Herde herannahte. Laut donnerte der erste Schreckschuß durch die nächtliche Stille. Nun erhob sich von allen Seiten ein unheimliches Getöse, als ob die Hölle losgebrochen wäre. Eine zweite große Herde war hinter uns, oberhalb des Wassergrabens, an der Tränke gewesen und stürmte jetzt in wilder Flucht auf uns zu. Um von den Tieren nicht überrannt und zertrampelt zu werden, feuerte ich schnell noch einige Schüsse ab und Herr Pallenberg ergriff die Laterne und hielt sie hoch. Hunderte von Zebras sausten dicht an uns vorüber, einen Staub aufwirbelnd, daß man kaum die Augen offen halten konnte.

In Erwartung auf Erfolg rannten wir so schnell, als es in der stockdunklen Nacht möglich war, unserem Krale zu, und richtig vernahmen wir das Getrampel der Zebras in demselben. In größter Eile machten wir den Eingang dicht, und beim Morgengrauen sahen wir zu unserer größten Freude zehn prächtige Zebras im Sackkral. Die Tiere rannten wie toll umher und sprangen gegen die Wände an, um ihre Freiheit wieder zu erlangen. Ein alter Hengst war so schlau, daß er hinkniete, den Kopf durch eine schwache Stelle durchzwängte und mit voller Kraft den Zaun hochhob und sich so die Freiheit wieder verschaffte. Ehe ich dahin gelangen konnte, um die Tiere zurückzutreiben, waren acht weitere seinem Beispiele gefolgt, so daß nur noch ein einziges Tier übrigblieb.

Ich ließ alle Kralwände verstärken und aufs sorgfältigste dicht machen. Für kurze Zeit waren nun die Tiere verscheucht, und nur der Durst konnte sie zwingen, wiederzukommen; denn ein Zebra kann wohl 48 Stunden, aber nicht länger des Wassers entbehren.

So lag ich mit meinem Assistenten Truppel noch manche Nacht auf Wache, bis endlich eines Morgens, noch vor Anbruch der Dämmerung, eine Zebraherde in unseren Kral wechselte. Ich ließ erst etwas Zeit verstreichen, feuerte dann den Signalschuß ab und lief dem Eingange zu. Dem Getrampel nach zu urteilen, schien es erfreulicherweise eine große Herde zu sein. Nachdem der Eingang schleunigst dicht gemacht und bewacht worden war, konnten wir 60 Stück beim Mondenschein zählen. Ein unbeschreiblich wildes Bild boten die in ihrer Angst herumtollenden Tiere, von einer Wand der Schlucht zur anderen rennend, dann wieder in rasendem Galopp herumlaufend. Sand und Erde wirbelten von ihren Hufen in die Luft; bald war die ganze Umgebung von einem grauen Staubschleier überzogen. Alles wäre glücklich abgegangen, und die Tiere wären allmählich zur Ruhe gekommen, wenn nicht die Hunde einer naheliegenden Burenfarm rebellisch geworden wären. Diese hatten ihre Riemen, mit denen sie festgebunden waren, durchgebissen und stürzten dann mitten in die Herde hinein. Jetzt gab es keinen Halt mehr; die aufgeregten Zebras rannten wie toll umher. Auf einmal stürmte die ganze Herde wie auf Kommando in geschlossener Kolonne auf den Eingang zu, brach ungeachtet meiner Schreckschüsse die Einfriedigung nieder und setzte über alles hinweg. Ich konnte mich noch mit knapper Not vor ihren Hufen hinter einen Felsen retten. 15 Nachzügler kehrten vor den Schreckschüssen um, und da meine Leute rasch herbeieilten und den Eingang wieder dicht machten, konnten wir die 15 Zebras für uns retten. Wir trieben sie in das untere Ende der Schlucht, wo sich der Eingang zu einem kleinen Kral befand, der ihnen vorläufig als Aufenthaltsort diente. (Siehe Skizze.) Nun mußten sie anfänglich scharf bewacht werden und vor allem Wasser bekommen. Ich ließ von meinen Schwarzen mit Wasser gefüllte Eimer herbeischleppen und in den Kral hineinbringen. Dann versteckte ich mich in der Nähe, um zu sehen, ob die Zebras auch aus den künstlichen Wasserbehältern trinken würden. Sobald die Neger sich zurückgezogen hatten und die Zebras das Wasser witterten, kamen sie, vom Durst getrieben, scheu und vorsichtig heran; endlich wagte es ein Tier, das Maul einem Eimer zu nähern. Doch durch das Metall oder aus irgendeinem anderen Grunde erschreckt, fuhr es in die Höhe und lief davon; die anderen eilten ihm im wilden Galopp im Kreise herum nach; die Eimer flogen um und alles Wasser wurde verschüttet. Es blieb nichts übrig, als von der nächstliegenden Wasserstelle eine kleine Rinne zu ziehen und den gefangenen Tieren das Wasser auf dem Boden heranzuführen, worauf sie endlich ihren Durst löschen konnten und ruhiger wurden. Nachts wurden rings um den Kral Wachen aufgestellt und große Feuer unterhalten, da sonst die Löwen unseren Fangkral zu ihrem Futterkral gemacht hätten.

Einige Zeit später wurden diese 15 Zebras mit dem Lasso eingefangen und auf meine Tierzuchtfarm gebracht. Zehn von ihnen kamen später wohlbehalten nach Hamburg und bildeten eine Zierde des Stellinger Tierparkes.

Während der kleinen Regenzeit, die dieses Jahr (1911) nur sehr kurz war, verblieben wir auf unserer immer mehr aufblühenden Tierzuchtfarm. Aber allzu lange sollte die Ruhe, die wir hier genossen, nicht dauern, da ich noch möglichst bald die Gelegenheit wahrnehmen wollte, meine Tierkarawane, deren Abtransport im Frühjahr erfolgen sollte, durch den Fang von jungen Giraffen und Oryxantilopen zu vervollständigen. Ferner ging jetzt die Brutzeit der Strauße zu Ende, und so hatte ich gleichzeitig die beste Aussicht, eine Anzahl junger Vögel für meine Straußenzucht einzufangen.

Ich ging daher daran, anschließend an den Zebrafang in Oldonje-Sambu mehrere kleinere Krale herrichten zu lassen, um das neu eingefangene Jungwild hierselbst bis zum Abtransport unterzubringen und zu zähmen. Eine tatkräftige Hilfe fand ich hierbei wieder in meinem schon früher erwähnten Freund, Herrn Adrian de Beer und seiner Familie.

Zu den diesmaligen Fangzügen hatte ich die weit ausgedehnte Steppe zwischen dem Meru-, Longido- und Kitumbin-Berge im Norden unserer Kolonie ausersehen. Diese vielfach von Schluchten und Bodenwellen durchzogene Hochebene ist hauptsächlich mit Gras bestanden, doch finden sich auch hier und da Parklandschaften eingesprengt, Haine aus hohen, schattigen Mimosen oder Schirmakazien, in denen sich mit Vorliebe die Giraffenrudel aufhalten. Überhaupt ist diese Gegend ein wahres Dorado der afrikanischen Steppenfauna. Das hier herrschende Tierleben grenzt fast ans Fabelhafte. Auf kaum einige hundert Meter Entfernung sieht man große Herden von schwarz-weiß gestreiften Zebras, die, sobald sie den Jäger erblicken, im Galopp durch die Steppen sausen, eine mächtige Staubwolke hinter sich lassend. Immer wieder tauchen große Rudel von Kongonis, Gnus, Elen- und Oryxantilopen auf, und man wird unwillkürlich in den Glauben versetzt, man befände sich in Europa auf einer großen Koppel zwischen friedlich weidenden Haustierherden. Plötzlich ertönt der dumpfe dröhnende Balzruf des Straußenhahnes über die Steppe, ein Ton, der vom Neuling mit dem fernen Brüllen eines Löwen leicht verwechselt wird. Sporadisch erblickt man Warzenschweine, Hundsaffen, Schakale oder anderes Raubwild, unvergeßliche Anblicke für jeden Naturfreund.

In einem solchen Revier konnte ich mir für meinen Fangzug gute Resultate versprechen, zumal das Gelände eine ausgiebige Verwendung von Jagdpferden gestattete. Ich hatte mir hierfür gute südafrikanische Halbblutpferde gekauft und keinen schlechten Griff damit getan, denn der Erfolg hängt sehr von der Leistung der Pferde ab. Wer es nicht selbst erlebt hat, kann sich keine Vorstellung machen, welches Hochgefühl derjenige empfindet, der im taufrischen Morgen auf feurigem Renner hinter flüchtigen Oryxantilopen oder Zebras dahinfliegt. Reiterlust -- Jägerlust! Im roten Rock mit der Meute hinter dem Schwarzkittel zu reiten, ist gewiß herrlich; aber schöner ist es doch, in der afrikanischen Steppe den Löwen zu hetzen, wenn auch das Jagdgewand nur aus schlichtem Kaki besteht.

Angenehm begünstigt wird man hier auch durch die klimatischen Verhältnisse. Durch ihre Höhenlagen und kühlen Nachtwinde sind diese Gegenden ohne Moskitos und daher fieberfrei, und die Temperatur übersteigt nur sehr selten diejenige eines normalen Sommers in Deutschland.

Nachdem ich alle Vorbereitungen getroffen hatte, zog ich in Begleitung meiner Frau, meines Burenfreundes und meines Assistenten Truppel mit zwei Burenwagen hinaus in unser Fangrevier; über die Art und Weise des Reisens mit solchen Wagen werde ich mich weiter unten des näheren verbreiten. An geeigneten Stellen schlugen wir unser Lager auf und machten von denselben aus täglich weite Streifzüge. Der Erfolg ließ auch nicht lange auf sich warten, und von Tag zu Tag konnten wir unseren Tierkralen immer mehr neue Insassen zuführen. Manche interessante Episode wurde auf diesen Fangzügen erlebt. Da ich aber den Leser mit Einzelheiten nicht ermüden möchte, sehe ich von einer sich in Einzelheiten erschöpfenden Schilderung ab und begnüge mich damit, einen Überblick über meine Fangmethoden zu geben. Es sei in folgendem zunächst die Erbeutung der wilden Strauße geschildert, bei welcher zwei Fangarten in Betracht kommen:

~a~) Man sucht das Gelege auf, das sich in der Steppe einfach auf dem Boden im kurzen Grase befindet. Hierbei flüchten die Hennen und man umgibt die Nester mit einem kleinen Zaun aus Zweigen auf etwa 10 Meter Durchmesser in 30 Zentimeter Höhe. Über diesen Zaun kehrt das Elternpaar ohne Schwierigkeiten zum Brüten zurück. Nun revidiert man alle paar Tage, ob die Jungen ausgeschlüpft sind oder nicht. Der Zaun verhindert, daß die jungen Strauße gleich in den ersten Tagen mit den Eltern davonlaufen. Bei richtigem Aufpassen kann man dann, wenn die Jungen ein paar Tage alt sind, sie ohne Mühe wegnehmen. Bei der geringen Intelligenz des Straußes ist es nicht zu verwundern, daß er bei seiner Höhe und bei seinen langen Ständern nicht merkt, daß der niedrige Zaun die Jungen am Weglaufen hindert; er könnte sonst bei seinem Gewicht und seinen kräftigen Beinen mit Leichtigkeit die schwache Einfriedigung niedertreten.

~b~) Sind die jungen Strauße aber schon mit den alten auf Wanderschaft, und schon so groß wie ein ausgewachsenes Huhn, so können sie bereits sehr rasch laufen. Nun sieht man von weitem die kleinen Strauße überhaupt nicht, da sie richtige Schutzfarben haben, indem sie genau die Steppenfarben gelb und braun durch ihre abwechselnd gelb und schwarz gefärbten Federkiele nachahmen, an denen sich erst nach und nach die braunen Fahnen entwickeln. Oft sieht man ein Straußenpaar in der Ferne und kann sofort an seinem Benehmen erkennen, ob es Junge bei sich führt. Sobald nämlich die Vögel eine Gefahr merken, locken sie die Jungen herbei, wobei sie mit gespreizten Flügeln seltsame Tanzbewegungen ausführen. Dies ist für den erfahrenen Fänger das sicherste Zeichen, daß das Paar Junge bei sich hat. Wenn er von weitem mit bloßem Auge oder mit dem Glase diese tanzenden Bewegungen sieht, muß er zur Fangjagd ansetzen. Nun beginnt zu Pferde ein scharfer Galopp hinter den Straußen her. Zuerst laufen die Jungen wacker mit, sind sie jedoch schon etwa so groß wie ein Truthahn, so hat die Jagd keinen Zweck, da es nur mit ausgezeichneten Pferden und unter völliger Erschöpfung derselben möglich wäre, die jungen Vögel zu fangen. Sind aber die jungen Strauße noch klein, so suchen sie sich durch plötzliches Niederstrecken in das gelbe Gras zu verstecken und bleiben regungslos liegen. Ihre ausgezeichnete Schutzfarbe macht es dem Jäger, der durch das Reiten und Jagen erregt ist, fast unmöglich, die Tiere von ihrer Umgebung zu unterscheiden. Hat man aber sicher gesehen, daß die Vögel sich niedergelegt haben, so springt man rasch vom Pferde, ergreift einen, bindet ihm die Beine zusammen und läßt ihn liegen; so kann man oft mehrere ergreifen, während die anderen davonlaufen. Ein Gesperre zählt oft bis zu 30 Kücken. Ist das Pferd noch frisch, so wiederholt sich der Vorgang mehrere Male. Dann heißt es aber auf den Spuren zurückkehren und die gebundenen Jungen suchen, wenn die nachfolgenden Schwarzen sie noch nicht gefunden haben. Manchmal steht man direkt neben dem gebundenen Tier und kann es trotz angestrengten Suchens nicht finden, da es sich laut- und regungslos verhält, wenn es den Verfolger bemerkt. In diesem Falle muß man den jungen Straußen insofern nachahmen, als man sich selbst regungslos hinstellt. Nach einigen Minuten hebt der junge Vogel den Kopf, läßt ein rollendes Piepen ertönen und bewegt sich, so daß man ihn endlich bemerkt und aufnehmen kann. Ist das Gelände mit einigen Büschen versehen, so daß es dem Jäger möglich ist, sich darin zu verstecken, so kann er, wenn er sich ganz ruhig verhält, bemerken, daß nach einiger Zeit die alten Strauße zurückkehren, um die Jungen zusammenzulocken.

Zum Straußenfang gehört ein besonderer Erlaubnisschein der Kolonialregierung, der nur zum Zwecke der Straußenzucht erteilt wird. Die Hauptfeinde des Straußes sind, soweit ich feststellen konnte, Hyänen und Schakale, die sowohl die Gelege zerstören als auch die Jungen regelrecht jagen. Beim Straußenfang bemerkte ich einmal vier Schakale, die am hellen Tage jungen Straußen nachstellten und erst beim Herannahen unserer Pferde von ihrer Absicht abließen. Während unseres Jagdzuges in Oldonje-Sambu fingen wir im ganzen 28 Strauße.

Die eingefangenen Kücken werden so schnell wie möglich zur Zuchtfarm gebracht und dort mit Luzerne und Körnerfrüchten gefüttert. Man beauftragt hiermit immer denselben Wärter, so daß die Strauße sich an ihn gewöhnen. Nach einigen Tagen kann man ihn mit den jungen Straußen auf die Weide schicken, wobei er die Tiere beständig lockt und füttert. Bald sind die Vögel zahm, so daß sie von der Weide willig wieder ihrem Wärter nach Hause folgen. Bei guter Pflege wachsen die Strauße sehr rasch, und nach sechs Monaten kann man von ihnen schon die ersten Federn nehmen.

Das Gelände bei Oldonje-Sambu war auch zum Fang von Oryxantilopen gut geeignet. Stellenweise trifft man weite Flächen, auf denen weder Baum noch Strauch steht, sondern welche einen vollkommen reinen Grassteppencharakter besitzen. So beschaffene Terrains werden aber gerade von den genannten Antilopen als Äsungsplätze bevorzugt.

Die Oryxantilope oder Spießbock Deutsch-Ostafrikas (~Oryx callotis Thos.~) ist eine große, mit Ausnahme des weißen Bauches bräunlich gefärbte Antilope. An den Ohren befinden sich lange Haarpinsel. Beide Geschlechter tragen lange, meist gerade oder nur schwach nach hinten gekrümmte Hörner, die bei den Weibchen eine längere, aber dünnere, bei den Männchen aber eine kürzere, gedrungene Form aufweisen. In diesen Hörnern besitzen die Tiere furchtbare Waffen, die sie gegebenenfalls auch recht geschickt zu gebrauchen verstehen. Der Jäger, der sich einer angeschweißten Oryxantilope nähert, um ihr den Fangschuß zu geben, muß stets darauf gefaßt sein, daß ihn das kranke Tier plötzlich annimmt, um ihn mit seinen langen Spießen zu forkeln. Die Gattung Oryx ist ziemlich verbreitet. Nahe Verwandte der in Ostafrika lebenden Art (~callotis~) finden sich in Süd- und Südwestafrika, im Somaliland und in Arabien.

Wie bei den meisten größeren Vertretern der wild lebenden Tierwelt kommen auch bei den Oryxantilopen für den Fang nur die Jungen in Betracht. Drei bis vier Wochen nach der Setzzeit bietet sich die günstigste Gelegenheit, die Kälber einzufangen. Man verfährt hierbei gerade wie beim Zebrafang, um sich zu Pferde an das Wild heranzupirschen und die Jungen von der Herde abzusprengen. Ist man an die letzten herangekommen, so ist es äußerst schwer, ihnen wegen der schon ziemlich langen Hörner einen Lasso überzuwerfen. Ist dies aber geglückt, so hat man es hier mit dem widerspenstigsten Ziegenbock der Steppe zu tun. Die jungen Oryx gebärden sich wie toll und rennen mit gesenkten Hörnern gegen jeden an, der sich ihnen nähert. Die komischsten Szenen erlebt man bei diesem Fang. Beim Verfolgen eines jungen Oryx flüchtete dieses durch die Krone eines umgestürzten Mimosenbaumes, und mein Begleiter, der das Pferd nicht mehr ablenken konnte, sauste hinter ihm drein. Pferd und Reiter kamen durch die brechenden Dornzweige hindurch, während die schon ziemlich große Oryx in der Baumkrone hängen blieb.

Auch bei der Fütterung und Zähmung sind die Spießböcke die widerspenstigsten und undankbarsten Zöglinge und stellen die Geduld des Pflegers auf die stärksten Proben. Keine andere Antilopenart ist von so unzugänglichem Charakter.

Es ist eine äußerst anstrengende Arbeit, bis man dem beständig blökenden und bockenden Tiere Halfter und Fesseln angelegt hat. Im Laufe des Jagdzuges glückte es uns, zehn Stück Oryx zu fangen. So unangenehm und ermüdend der Oryxfang selber ist, so wunderbar schön ist der Anblick einer flüchtenden und dann seitwärts abbiegenden großen Herde dieser Antilopen, deren über einen Meter lange Hörner bei der Flucht bei langgestrecktem Halse wie auf dem Rücken zu liegen scheinen. Ein unauslöschlicher Eindruck verbleibt jedem, der dies gesehen hat und durch die flüchtende Herde mit dem Pferde gesprengt ist.

Beim Oryx-, Giraffen- und Zebrafang gilt genau das, was ich beim Elefantenfang von den Jagdhunden geschildert habe, auch für die Jagdpferde. Wie man auch die mutigsten Jagdhunde an das unbekannte Wild gewöhnen muß, ehe man sie mit Erfolg verwenden kann, so müssen ebenso die Jagdpferde die zu jagenden Tiere zuerst kennenlernen und an sie gewöhnt werden, da jedes Pferd vor einem ihm fremden Tiere eine instinktive Abscheu hat. Ist aber das zur Jagd zu verwendende Pferd richtig angeleitet, so lernt es bald seinen Herrn und dessen Absicht verstehen und hilft ihm, ja es gerät selbst in den höchsten Jagdeifer, sobald es verstanden hat, worum es sich handelt. Es ist mir vorgekommen, daß mein Jagdpferd so eifrig beim Zebrafang mitwirkte, daß es nach dem erreichten Zebra direkt biß. Beim Fang von Oryx, die die Gewohnheit haben, wenn sie verfolgt werden, in scharfen Winkeln mitten im Lauf abzubiegen, machte mein Pferd diese Wendungen so schnell von selbst mit, daß ich die größte Mühe hatte, hierbei nicht aus dem Sattel zu fliegen.

Dem Pferde am widerlichsten scheint das Warzenschwein zu sein. Diese Tiere leben in der Steppe in Erdlöchern, welche die Bachen mit ihren Frischlingen oft am hellen Tage verlassen, um auf Nahrungssuche zu gehen. Das Warzenschwein (~Phacochoerus aeliani massaicus Lönnberg~) ist etwa so groß wie unser Wildschwein und ein Allesfresser mit sehr starkem Gewaff, welches aus zwei scharfen Gewehren und zwei sehr stark entwickelten, weit aus dem Gebreche seitwärts hervorragenden Hadesern besteht; zweifellos ist es in seinem Äußern eines der häßlichsten der heute existierenden Tiere. Hat man eine Bache mit ihren Frischlingen gesichtet, so geht es in vollem Galopp hinter ihr drein. Einen komischen Anblick gewährt dabei die Alte mit ihrem beim Lauf steil nach oben gerichteten Bürzel. Die Sau sucht sofort eines der Erdlöcher zu erreichen und verschwindet dort mit ihren Jungen. Es heißt daher, eines oder mehrere Junge abzusprengen und zu verfolgen. Ist das junge Warzenschwein genügend ermüdet, so macht es kehrt und nimmt den Reiter an. Nun springt man schnell vom Pferde und sucht den Frischling zu ergreifen. Am besten packt man ihn beim Hinterlauf, während er mit aller Macht mit seinem langen Schädel und den schon scharfen kurzen Waffen um sich haut. Auch versucht er mit den scharfen Schalen seiner Füße angestrengt sich zu befreien, so daß wir oft mit zerfetzten Kleidern zurückkamen. Hierbei quieken diese widerlichen Tiere ohrenzerreißend, was auf die Nerven der bestdressierten Jagdpferde so wirkt, daß sie oft ausreißen, wenn man sie nicht festhalten kann. Vorteilhaft ist es, beim Warzenschweinfang leere Säcke mitzunehmen, um nun die gefangenen Tiere hineinzustecken.

In der Gefangenschaft werden diese urkomisch anzusehenden jungen Warzenschweine sehr zutraulich und bald gänzlich zahm.

Hieran anschließend möchte ich noch in Kürze des Fanges von Raubzeug Erwähnung tun. Die Großkatzen, Löwen, Leoparden und Geparden, fängt man in eigens hierzu konstruierten Kastenfallen, um sie unverletzt in seine Gewalt zu bekommen, denn nur völlig unversehrte Exemplare haben für den Tierhandel einen Wert. Am besten ist es, ganz junge Tiere zu fangen, da diese sich in ganz kurzer Zeit zähmen lassen und auch nur geringe Fang-, Futter- und Transportkosten verursachen. Beschränkt man sich auf den Fang junger Großkatzen, so kommt die Verwendung schwerer Kastenfallen, deren Transport in die Steppe und Aufstellung an geeigneten Plätzen immer eine sehr zeitraubende Arbeit ist, in Wegfall. Man schlägt vielmehr hierbei folgenden Weg ein: Durch Eingeborene wird das Revier abgespürt und es werden die Schlupfwinkel, in welchen sich die Alten mit ihrem Nachwuchs aufhalten, festgestellt. Ist dies geschehen, so sucht man sich der Jungen in einer Zeit zu bemächtigen, in welcher das Muttertier vom Lager abwesend ist. Trifft man die Alte aber in ihrem Schlupfwinkel an, so ist es natürlich notwendig, dieselbe zuerst zu erlegen, ehe man die Jungen mitnehmen kann.

Auf eine ganz andere, und zwar sehr einfache Art verfährt man bei dem Fang von Hyänen. Die hierbei anzuwendende Methode fußt auf der Tatsache, daß die Sprungfähigkeit dieser Raubtiere infolge ihrer verhältnismäßig kurzen Hinterbeine eine sehr beschränkte ist, was sich der Fänger folgendermaßen zunutze macht: Man läßt einen etwa 1,50 Meter tiefen und 1 Meter breiten Graben mit senkrechten Wänden ausheben, der kreisförmig ein Stück des Steppenbodens umschließt, das gleichsam wie eine Insel in seiner Mitte emporragt. Um den äußeren Grabenrand wird aus Buschzweigen ein kleiner Zaun von etwa 50 Zentimeter Höhe errichtet, der den Hyänen die Aussicht auf den Graben verdeckt. In der Mitte der Insel bringt man einen Köder an, der entweder aus Fleisch oder auch aus einer lebenden Ziege bestehen kann. In der Nacht kommen die Hyänen, vom Aasgeruch oder vom Meckern der angebundenen Ziege angelockt, herbei, setzen über den Zaun und stürzen in den Graben. In der Meinung, daß sie aus demselben herauslaufen können, rennen sie immerzu, ohne zu merken, daß sie sich beständig im Kreise herumbewegen. Es ist vorgekommen, daß ich manchmal in einer Nacht mehrere dieser Tiere in einer solchen Falle fing, bisweilen sogar mehr, als mir lieb war. Die Hyänen aus dem Graben herauszubringen, ist sehr einfach. Ein Kasten mit hochgezogener Schiebetür wird hinabgelassen, in blinder Wut stürzt sich das Raubtier hinein, die Falltür schließt sich, und nun wird der Fangkasten mit Inhalt wieder hochgehißt. Durch eine zwischen den Brettern befindliche Ritze wird das Tier in Augenschein genommen, und von dieser Besichtigung hängt das weitere Schicksal der Hyäne ab. Ist es ein altes, für Menageriezwecke unbrauchbares Exemplar, so schenkt man ihm gewöhnlich wieder die Freiheit, denn die Decke der Hyäne hat wenig Wert, und hier in der freien unbewohnten Steppe verursachen sie den Menschen keinen Schaden. Ist das gefangene Tier aber jung und kräftig, so wird es in einen Transportkasten gebracht. Transportkästen für Hyänen müssen immer mit Eisenblech ausgeschlagen sein, denn eine Hyäne ist imstande, eine zwei Zoll dicke Bretterwand in verhältnismäßig kurzer Zeit durchzubeißen.