Am Teich- und Flußufer

Part 1

Chapter 13,641 wordsPublic domain

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1910 so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert; fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht korrigiert.

Die Buchanzeigen wurden der Übersichtlichkeit halber am Ende des Texts gesammelt dargestellt. Die originale Titelseite weist auf ‚16 Illustrationen im Text‘ hin, obwohl nur neun vorhanden sind. Dieser Fehler wurde in der vorliegenden elektronischen Ausgabe korrigiert.

Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt; besondere Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet:

kursiv: _Unterstriche_ fett: =Gleichheitszeichen= gesperrt: +Pluszeichen+ Antiqua: ~Tilden~

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Kinderaugen in der Natur

Zweites Buch

Am Teich- und Flußufer

Von Arabella B. Buckley (Mrs. Fisher)

Einzige autorisierte Übertragung von Oberstudienrat ~Dr.~ Fritz Kriete in Halle und Oberstudiendirektor ~Dr.~ Otto Rabes in Nordhausen

Mit 8 bunten Vollbildern und 9 Illustrationen im Texte

Dritte Auflage (11.-14. Tausend)

Halle a. S.

Hermann Gesenius

Kinderaugen in der Natur

Erstes Buch Tiere und Pflanzen in Wald und Feld

Zweites Buch Am Teich- und Flußufer

Drittes Buch Pflanzenleben in Feld und Garten

Viertes Buch Aus dem Leben unserer Vögel

Fünftes Buch Bäume und Sträucher

Sechstes Buch Aus dem Leben der Insekten

Bisheriger Absatz ungefähr 50000 Stück

Vorwort.

Zur Einführung dieser Übersetzung sei hier kurz auf einige uns zusagende Eigentümlichkeiten dieser anspruchslosen Hefte hingewiesen, die uns veranlaßten, auf die Aufforderung der Verlagsbuchhandlung hin, sie ins Deutsche zu übertragen.

Überall ist versucht, Stil und Satzbau so klar und einfach zu gestalten, daß nach dieser Seite hin Kindern beim Lesen keine Schwierigkeiten erwachsen.

Die behandelten Stoffe aus dem Leben der Tiere und Pflanzen sind gut gewählt, dabei interessant -- nicht rein beschreibend -- gestaltet.

Vielmehr ist jeder einzelne Abschnitt, der stets ein in sich abgeschlossenes Ganzes bildet, so durchgeführt, daß er die kleinen Leser zu +eigenen+ Beobachtungen anregt.

Endlich sind die farbenschönen Abbildungen einheitlich und naturgetreu ausgeführt, so daß auch sie das Interesse der Kinder beleben helfen. Überhaupt stand für unsere Erwägungen der Gedanke im Vordergrunde, daß diese Bücher geeignet sein könnten, sich im Kampfe gegen die unsere Jugend verseuchende Schundliteratur als nützlich zu erweisen.

Kriete. Rabes.

Inhalt.

Vorwort 3

Lektion 1. Das Leben des Frosches 7

„ 2. Die Libelle und ihre Gefährten 10

„ 3. Tief unten 14

„ 4. Das Nest des Stichlings 18

„ 5. Der Eisvogel 21

„ 6. Die Wasserratte oder Wasserwühlmaus 24

„ 7. Das grünfüßige Wasserhuhn und das Bläßhuhn 27

„ 8. Wasserwanzen 31

„ 9. Am Flußufer 34

„ 10. Die Familie des Fischotters 38

„ 11. Blumen für die Ausstellung 41

„ 12. Gretes Wasserpflanzen 45

Zweites Buch.

Am Teich- und Flußufer.

Lektion 1.

Das Leben des Frosches.

(Erstes Vollbild.)

Quak, quak, quak lassen sich die Frösche im März hören. Sie machen in diesem Monat sehr viel Lärm, weil sie gerade aus ihrem Winterschlafe, den sie am Boden des Teiches gehalten haben, erwachen.

Die weiblichen Frösche legen ihre winzigen dunklen Eier ins Wasser. Ein solches Ei ist nicht größer als ein Sandkorn. Aber es hat eine gallertartige Umhüllung, und diese schwillt und schwillt im Wasser, bis sie so groß ist wie eine Erbse. Das Ei bildet dann einen kleinen schwarzen Punkt in der Mitte, und die gallertartigen Klumpen kleben alle zusammen. Man kann sie fast in jedem Teiche sehen, wo sie vom Winde ans Ufer getrieben werden. Bald wird der schwarze Punkt größer. An einem Ende wächst ein Kopf, am anderen ein Schwanz. Der Kopf hat ein Maul, aber noch keine Augen. Der Schwanz ist mit einer Flosse versehen, und bald wiegt sich die Kaulquappe in ihrem schleimigen Bette hin und her.

Nach einer Woche ungefähr schlängelt sie sich aus der Gallertmasse heraus und hängt sich mit dem Maule an eine Wasserpflanze (1). Dann wachsen ihr zwei sonderbare Büschel an beiden Seiten des Kopfes. Sie entnimmt damit dem Wasser die Luft zum Atmen. Man kann sie deutlich sehen, wenn man ein Glas in den Teich taucht und einige Kaulquappen fängt.

Um diese Zeit läßt die Kaulquappe die Wasserpflanze los und schwimmt umher. An ihrem Maule ist ein scharfer Schnabel gewachsen, den sie gebraucht, um Stückchen von den Wasserpflanzen zur Nahrung abzunagen. Nun entwickeln sich auch Augen und Nasenlöcher (2). Die Büschel schrumpfen zusammen und an ihrer Stelle entstehen unter der Oberfläche des Körpers Gebilde, die Fischkiemen ähnlich sehen. Die Kaulquappe zieht Wasser durch das Maul ein und stößt es durch eine seitliche Öffnung hinter den Kiemen wieder aus. Wenn es durch die Kiemen geht, nehmen diese Luft heraus, und so atmet sie.

Bald erscheinen nun zwei kleine Höcker an beiden Seiten des Körpers gerade da, wo der Schwanz beginnt. Sie werden größer und größer, bis endlich zwei Beine herauskommen. Diese Beine werden sehr lang und stark, und die Kaulquappe gebraucht dieselben zum Schwimmen. Auch zwei Vorderbeine wachsen heran, aber man kann sie nicht sehen, weil sie unter der Haut liegen. In einigen Tagen kommen auch sie zum Vorschein (3); sie sind kurz und gedrungen.

Unsere Kaulquappe hat nun vier Beine und einen Schwanz. Sie hat vier Zehen an den Vorderfüßen und fünf Zehen an den Hinterfüßen; zwischen denen der letzteren befindet sich eine Haut. So sind also die Hinterfüße mit einer Schwimmhaut versehen, die der Quappe beim Schwimmen hilft.

Sie kommt jetzt öfter an die Oberfläche des Wassers und läßt eine Luftblase aus dem Maule aufsteigen. Was meint ihr wohl, was geschehen ist? Die Öffnung hinter den Kiemen hat sich geschlossen, und an deren Stelle sind im Innern zwei Lungensäcke gewachsen. Deshalb kommt sie an die Oberfläche, um die Luft mit dem Maule einzuatmen, anstatt sie wie bisher aus dem Wasser durch die Kiemen aufzunehmen.

Nun liebt sie es, sich in den Schatten einer Wasserpflanze zu setzen. Sie braucht den Schwanz nicht mehr, da sie ganz gut mit den Beinen schwimmen kann. Deshalb wird der Schwanz allmählich aufgesogen, um den Körper zu ernähren.

Da habt ihr nun den kleinen Frosch (4). Wenn man die Sonne durch die Schwimmhaut des Fußes scheinen läßt, so kann man sehen, daß das Tier rotes Blut hat. Aber es ist kein warmes Blut wie das unsrige. Der Frosch ist immer kalt und schlüpfrig, weil sein Blut langsam fließt.

Er hat jetzt zahlreiche Zähne im Oberkiefer und eine ganz sonderbare Zunge. Sie ist vorn am Maule angewachsen, sonst frei beweglich. Die sehr klebrige Spitze kann bis in den Schlund zurückgelegt werden. Er frißt jetzt keine Pflanzen mehr, sondern Insekten und Larven, die er fängt, indem er seine Zunge hervorschnellen läßt und schnell wieder zurückzieht.

Der Frosch lebt während des Sommers hauptsächlich auf dem Lande. Wenn er nicht von Enten, Ratten oder Schlangen gefressen wird, läßt er sich bei Beginn der kalten Witterung auf den Boden des Teiches sinken, um dort im Schlamme seinen Winterschlaf zu halten.

Lektion 2.

Die Libelle und ihre Gefährten.

(Zweites Vollbild.)

Jedes Landkind sollte sich ein Teichnetz machen, wenn es etwas über Wassertiere lernen will. Man braucht nur einen Weidenzweig zu nehmen und daraus einen Reifen zu binden. Dann macht man einen Sack aus Musselin, näht unten einen kleinen Stein hinein und befestigt den Sack an dem Reifen. Aus einer Hecke schneidet man sich einen Stock und befestigt einen langen Bindfaden daran. Letzteren teilt man am unteren Ende und bindet die beiden Teile an den Seiten des Reifens fest. So hat man ein Netz, das man hinunterlassen und mit dem man Tiere von dem Grunde des Teiches heraufholen kann. Es ist auch gut, eine weithalsige Flasche mitzunehmen, in die alles, was man fängt, hineingesteckt wird. Ich kenne einen schattigen Teich in der Nähe eines Gutshofes, wo die Insekten an hellen sonnigen Tagen sehr geschäftig sind.

In einer Ecke des Teiches schwimmen die kleinen Taumelkäfer umher und beschreiben Kreise im Wasser. Ihre glänzenden schwarzen Rücken schimmern beinahe grün in der Sonne. Dann und wann springt einer in die Höhe, um ein Insekt aus der Luft zu fangen, und ein anderer taucht hinab, um eine Larve zu fressen. Taucht euer Netz ins Wasser, bringt es schnell unter einen Käfer, hebt ihn heraus und steckt ihn in die Flasche, so daß ihr ihn betrachten könnt.

Man könnte meinen, daß er vier Augen hat, denn jedes seiner beiden Augen ist in zwei Teile geteilt. Die eine Hälfte ist nach oben in die Luft gerichtet, die andere nach unten ins Wasser. Während er umherschwimmt, kann er also die Fliegen in der Luft und die Larven im Wasser sehen.

Mücken schweben über dem Teiche hin und her, und außerdem sehen wir ein Gewimmel von jenen Fliegen mit so feinen, durchsichtigen Flügeln, daß sie fast wie Gaze aussehen. Sie heißen Eintagsfliegen. Und jetzt erhebt sich ein weit prächtigeres Insekt, 7,5 ~cm~ lang mit vier großen Gazeflügeln, aus den Binsen und fliegt über den Teich.

Alle Kinder kennen wohl die Libelle oder Wasserjungfer. Ihre reizenden Flügel haben Längs- und Queradern, die zum Teil mit Luft gefüllt sind und zum Atmen dienen, und schillern in der Sonne in roten, blauen und grünen Farben. Sie hat einen langen Hinterleib, eine dicke Brust mit sechs Beinen und einen runden Kopf mit sehr großen Augen.

Jedes Auge hat mehr als zehntausend winzige Fenster, so daß sie nach oben und unten, nach rechts und links sehen kann, während sie dahinschießt und die Schmetterlinge und Motten, die ihr in den Weg kommen, fängt. Zuweilen setzt sie sich auf eine Pflanze oder einen Busch am Ufer und ruht, bis sie ihren Flug wieder aufnimmt.

Wenn man im April öfter zu einem Teich geht, wo sich Libellen finden, kann man vielleicht beobachten, wie sie ihr Leben in der Luft beginnt. Dies geschieht folgendermaßen.

Aus dem Wasser heraus kriecht ein großes Insekt auf den Stengel einer Pflanze. Es hat einen Körper mit sechs Beinen, der ebenso groß ist wie derjenige der Libelle. Aber es hat ein seltsames, schläfriges Aussehen, und an Stelle der Flügel sehen wir nur zwei kurze Stümpfe.

Langsam kriecht es am Stengel hinauf aus dem Wasser in die Luft. Dann ereignet sich etwas Seltsames. Die Haut auf dem Rücken zerreißt, und eine wirkliche Libelle kommt heraus.

Zuerst erscheint der Kopf, dann der Körper mit seinen sechs Beinen und vier weichen runzeligen Flügeln und endlich der Hinterleib. Die Libelle kann noch nicht fliegen. Sie sitzt neben ihrer alten leeren Haut und streckt ihre Flügel langsam der Sonne entgegen. In einigen Stunden sind sie lang, stark und fest. Dann ist sie fähig, über den Teich zu fliegen und zu fressen.

So kommt die Libelle in die Luft hinauf. Ihre Larve wird man nicht so leicht unter dem Wasser finden, aber wir wollen es in der nächsten Woche mit unserem Netz versuchen. Heute haben wir so viel auf der Oberfläche des Teiches gesehen, daß wir keine Zeit hatten, unten im Schlamme zu fischen.

Lektion 3.

Tief unten.

Heute wollen wir unser Netz gebrauchen. Halte den Stock recht fest und wirf das Netz in den Teich, wie ein Fischer die Angelfliege auswirft. Der Stein wird das Netz langsam zum Sinken bringen. Wenn man es nun vorsichtig durch den Schlamm und die Wasserpflanzen zieht, wird man sicher etwas fangen.

Bringe dann das Netz ans Land, leere es auf dem Grase aus und setze alles, was du findest, in das klare Wasser der Flasche. Man findet vielleicht einen kleinen Fisch, einige Kaulquappen oder Wasserschnecken. Es ist auch wohl eins von den sonderbaren Geschöpfen darin, die auf Seite 13, Fig. ~a~ abgebildet sind. Ihr werdet gewiß nicht glauben, daß dies die Larve der Libelle ist. Aber es ist doch so. Es ist ein langes Insekt, das aus lauter Ringen besteht, sechs Beine besitzt und Augen, die denen der Libelle gleichen. Es hat keine Flügel; eine sonderbare Art von Arm, mit Zangen am Ende, kommt unter der Unterlippe hervor.

Dieser Arm ist tatsächlich ein Teil der Unterlippe. Er wird Fangmaske genannt und besitzt Gelenke, so daß er unter die Unterlippe und zwischen die Beine zurückgeschlagen werden kann. Wenn die Larve nun Nahrung nötig hat, wartet sie ruhig im Schlamm, bis ein Käfer oder eine Wasserwanze vorbeikommt. Dann schnellt die Maske hervor und hält die Beute mit den Zangen fest.

Nun betrachte den Hinterleib, der entweder spitz oder in drei lappenförmige Anhängsel ausläuft. Durch die Öffnung am Leibesende läuft Wasser in diesen und die darin enthaltene Luft dient zum Atmen. Jenes wird wieder ausgestoßen, durch den dadurch erzeugten Stoß bewegt sich die Larve fort.

Diese Libellenlarve lebt zwei Jahre lang unten im Teich. Sie wechselt mehrere Male die Haut, und es wachsen ihr ein paar Flügelstümpfe. Dann kriecht sie an einem Stengel hinauf, wie wir in der letzten Lektion sahen, und wird eine Libelle.

Aber was ist dies hier in unserem Netz? Zuerst könnte man denken, es wäre ein Stückchen Holz oder Schlamm mit kleinen Steinen darin, oder ein paar verfilzte Grashalme. Und so ist es auch. Aber im Innern sitzt etwas Lebendiges. Wenn man aufmerksam zusieht, so wird man bemerken, daß ein Insekt den vorderen Körperteil mit sechs Beinen herausstreckt.

Es ist ein weiches kleines Geschöpf, die Larve der Köcherfliege. Wenn man die Stückchen Gras oder die kleinen Steinchen usw. wegnimmt, so findet man die weiche Larve im Innern. Sie hat sechs Beine und eine Anzahl von kleinen Büscheln an den Seiten des Körpers. Damit atmet sie, ebenso wie die Kaulquappe mit den Kiemen.

Man kann oft diese Larven der Köcherfliegen auf dem Grunde der Bäche kriechen sehen, wo sie wie kleine sich bewegende Bündel von Holzstückchen oder von Steinen erscheinen. Man kann sie aufnehmen, ohne ein Netz zu gebrauchen. Sie bauen diese Gehäuse um sich herum, um ihre weichen Körper zu schützen, die von Fischen gern gefressen werden.

Allmählich verwandeln sie sich in kleine gelbbraune Insekten, die wie Motten aussehen. Am Abend fliegen sie über dem Wasser auf und ab. Wir haben sie nicht mit den Eintagsfliegen und Mücken zusammengesehen, weil sie den Sonnenschein nicht lieben.

Ihr werdet wahrscheinlich noch viele kleine Wasserlarven mit eurem Netz herausfischen. Aber ihr müßt sorgfältig aufpassen, denn sie sind sehr klein. Einige von ihnen haben kleine Büschel an den Seiten. Dies sind die Larven der Mücken und Eintagsfliegen, die über dem Teiche fliegen. Sie alle leben einige Zeit im Wasser. Wenn letztere aber in die Luft herauskommen, leben sie nur noch kurze Zeit.

Lektion 4.

Das Nest des Stichlings.

Es war ein lieblicher Frühlingstag. Die Sonne schien hell auf das frische Grün des Grases, und die Büsche an den Ufern des Flusses waren mit jungen Blättern bedeckt.

In einer Ausbuchtung des Flusses baute ein kleiner Fisch sein Nest. Es war ein Stichling. Er war nicht länger als 5 ~cm~. Auf seinem Rücken standen drei Flossenstacheln empor. Knaben fangen diesen Fisch oft, halten ihn in Flaschen oder verkaufen ihn an Leute, die ein Aquarium haben.

Es war interessant, ihn zu beobachten, wie er im Schatten der Büsche bei der Arbeit war. Er brachte Stückchen von Wurzelfasern und feines Gras herbei und machte daraus ein kleines Gewebe in Form einer Schüssel am Boden des Flusses. Dann schleppte er andere Stücke herbei und klebte sie mit Speichel zusammen. Auf diese Weise baute er Seiten und ein rundes Dach. Als das Nest fertig war, hatte es die Größe einer dicken Stachelbeere.

Es lag ungefähr 15 ~cm~ unter dem Wasserspiegel und war an zwei Seiten offen. Wenn der Stichling den Kopf am einen Ende heraussteckte, so sah der Schwanz am anderen hervor. Aber er hatte es auch nicht gebaut, um darin zu wohnen. Er brauchte es für die Eier.

Es war ein hübscher kleiner Fisch mit glänzendem Rücken und leuchtendrotem Bauch. Seine Augen waren bläulich-grün und glänzten wie Juwelen.

Als das Nest fertig war, schwamm er fort, um eine Gefährtin zu suchen. Er kam bald mit einer solchen zurück, einem kleinen Fisch, der nicht so glänzend war wie er. Er spielte mit dem Weibchen, trieb es vor sich her und schmeichelte ihm, bis es zuletzt in das eine Loch des Nestes hineinschwamm und nach einer Weile am anderen Ende wieder herauskam.

Das Weibchen hatte eine Anzahl kleiner gelber Eier in das Nest gelegt. Dann schwamm es fort und kümmerte sich nicht mehr darum.

Der männliche Stichling schwamm nun in das Nest hinein und übernahm die Sorge für die Eier. Ein Ei war nicht größer als ein Mohnsamen, und das ganze Bündel war sehr klein. Er schüttelte das Nest auf und stieß die Eier in eine versteckte, sichere Ecke. Dann schwamm er vor dem Neste herum und bewegte lebhaft seine Brustflossen und erneuerte dadurch beständig die Atemluft in der Umgebung der Eier.

Manchmal schwamm er in das Nest hinein und brachte schmutzigen Sand im Maule heraus. Man sieht, er wollte das Nest rein halten.

Dies setzte er drei Wochen lang fort, bis die Brut ausgekrochen war. Eine Anzahl winziger Fischchen entschlüpfte den Eiern. Sie waren so klein und durchsichtig, daß man es nicht für möglich gehalten hätte, daß ein anderer Fisch sie sehen konnte. Aber der Stichling wußte es besser. Es gab eine Menge hungriger Fische, die der zarten Brut aufpaßten, um sie zu fressen. Die kleinen Fischlein waren sehr schwach und hatten noch dazu einen Dottersack unter ihrem Körper zu tragen, dem sie so lange Nahrung entnahmen, bis sie fressen konnten.

So richtete denn der tapfere kleine Stichling seine drei Flossenstacheln in die Höhe und schoß zornig auf die Fische los, die nach seinen Kleinen schnappten. Er packte sie bei den Flossen, schlug nach ihren Augen und trieb sie in die Flucht.

Dann machte er ein kleines rundes Loch im Sande auf dem Grunde des Flusses, sammelte die kleinen Stichlinge darin und bewachte sie. Selbst nachdem ihre Rückenstacheln gewachsen waren, und sie schon dreist umherschwammen, folgte er ihnen in den Fluß hinaus, um sie zu beschützen.

Man kann viele Nester von Stichlingen in Flüssen und Teichen finden, wenn man aufmerksam danach sucht. Man kann auch gefangene Stichlinge mit einer reichlichen Menge von Wasserpflanzen und Futter in ein kleines Aquarium setzen und wird dann sehen, wie sie ihr Nest bauen, und was für ein guter Vater ein Stichling ist.

Lektion 5.

Der Eisvogel.

(Drittes Vollbild.)

Still! Macht kein Geräusch! Da sitzt ein Eisvogel auf dem Zweige eines Weidenbaumes, der über den Fluß hinüberhängt. Wenn wir ihn erschrecken, wird er fortfliegen, und wir werden ihn nicht wiedersehen.

Wie hübsch er sich aus dem Hintergrunde der grauen Blätter abhebt. Mit seinem langen Schnabel und stumpfen Schwanz ist er nicht viel größer als ein Sperling; er scheint alle Farben des Regenbogens an sich zu tragen.

Er hat einen blauen Streifen auf dem Rücken, Kopf und Flügel sind meergrün, mit blauen Flecken auf den Spitzen der Federn. Der Schnabel ist schwarz, Hals und Kehle sind weiß. Am Auge hat er einen von weichen weißen Federn umgebenen roten Streifen, und die Brust ist rostrot. Selbst die Füße sind rot und sehen auf dem dunklen Zweige ganz bunt aus.

Er sieht in die ruhige, tiefe Stelle des Flußes unter der Weide hinunter und beobachtet die dort schwimmenden Fische. Da! jetzt schießt er hinab! Nun ist er wieder oben und trägt etwas im Schnabel. Es ist ein kleiner Weißfisch. Er schlägt ihn mit dem Kopfe gegen den Zweig und schlingt ihn hinunter, mit dem Kopfe voran.

Er fängt mehrere Fische in derselben Weise. Während er den letzten frißt, kommt ein anderer Eisvogel und setzt sich neben ihn. Es ist sein Weibchen, das in einiger Entfernung gefischt hat. Es ist nicht ganz so bunt wie das Männchen und hat einen kleinen roten Fleck unter der Kehle.

Nun fliegen sie fort und stoßen im Fluge einen scharfen Schrei aus, der wie „Tit-tit-tit“ klingt. Sie leben in den Büschen und Bäumen am Flußufer. Denn man muß nicht denken, daß Vögel immer in Nestern wohnen. Das Nest ist nur eine Wiege für ihre Eier und die Kleinen. Sobald sie fliegen können, verlassen es die jungen Vögel mit den Alten und wohnen in keinem Neste mehr, bis sie eins für ihre eigenen Eier bauen.

Da man das Nest eines Eisvogels nicht leicht findet, so will ich euch etwas davon erzählen. Wenn das Weibchen Eier legen will, höhlen die Eisvögel eine Röhre mit einem Kessel am Ende in dem steilen Ufer aus und schießen, wenn das Nest fertig ist, so schnell hinein, daß man nicht sehen kann, wo sie geblieben sind.

Aber wenn man wüßte, wo es wäre und es von oben her aufgraben könnte, so würde man einen behaglichen Raum finden, ungefähr einen halben Fuß im Quadrat. Den Boden desselben haben die alten Eisvögel mit Fischgräten ausgepolstert. Sie bilden einen hübschen durchbrochenen Fußboden, durch den das Wasser ablaufen kann.

Auf dem Boden liegen einige glänzend weiße Eier. Gewöhnlich legt das Weibchen sieben. Und bald sind sieben kleine Eisvögel in dem Neste, von denen jeder die hübschen Farben hat, von denen ich euch erzählt habe. Der einzige Unterschied zwischen ihnen und den alten Vögeln ist der, daß ihre Schnäbel kürzer sind.

Wenn es schwer ist, das Nest eines Eisvogels zu finden, so wird man doch häufiger junge Vögel auf dem Flusse sehen. Ich ging einmal mit einem Freunde zum Angeln, und während seine Angelrute über dem Wasser hing, flogen plötzlich zwei junge Eisvögel auf und setzten sich darauf. Sie ruhten einen Augenblick und flogen dann weiter. Dasselbe Schauspiel wiederholte sich noch einmal. Es waren augenscheinlich junge Vögel, die gerade aus dem Neste kamen und noch nicht weit fliegen konnten.

Die Eisvögel sind die buntesten Vögel, die man auf dem Flusse sehen kann. Sie sehen so hübsch aus, wenn sie zwischen den grünen Blättern über dem Wasser hin und her fliegen, daß man sie immer gern wieder sieht, wenn man sie einmal beobachtet hat.

Lektion 6.

Die Wasserratte oder Wasserwühlmaus.

(Viertes Vollbild.)

Habt ihr jemals eine Wasserratte gesehen? Ich meine nicht eine Landratte, die im Wasser schwimmt, sondern eine Wasserratte oder Wasserwühlmaus, wie sie genannt werden sollte, denn sie ist keine wirkliche Ratte. Ich beobachtete einmal eine solche unbemerkt. Was glaubt ihr, was sie machte? Sie saß auf den Hinterbeinen und hielt in den Vorderpfoten ein Blatt von der gelbblühenden Schwertlilie, die so dicht am Flußufer wächst. Es war das Stück des Blattes, das nahe an der Wurzel wächst und dick und saftig ist. Sie nagte so eifrig daran, daß sie mich zuerst gar nicht sah.