Alle guten Geister...: Roman

Part 31

Chapter 311,175 wordsPublic domain

Immer #ein# Wort mit versagender Stimme, schnell aufeinander, dann langsamer, deutlicher, dann kam mehr Stimme hinein.

Immer dasselbe -- »ewig -- ewig -- ewig.« Immer lauter, immer staunender wurde der Ton. »Ewig -- ewig -- ewig.« Sonst nichts. Sie versuchten ihn anzureden. Aber für den leisen Laut einer Menschenstimme war Joachim Cabisius nicht mehr da, er, der zu vergehen schien an etwas ganz Riesigem, ganz Unfaßbarem.

»Ewig -- ewig -- ewig.«

Es dauerte immer noch fort. Fast nicht zu tragen für die Zuhörenden, denen der Vorhang noch nicht gehoben ist, der #ihm# sich aufzurollen scheint. Es war so riesig, alles andere versank davor.

»Ewig -- ewig -- ewig.«

Sie waren ans Fenster getreten, dicht nebeneinander und hatten sich fest an den Händen gefaßt.

»Daß uns werde klein das Kleine, und das Große groß erscheine,« sagte Gertrud leise.

Dann nach und nach wurde es stiller, dann ganz still.

Waren auch ihm die Saiten zersprungen, als er in den vollen Chor einzustimmen versuchte?

Er hatte sein Lebenlang zu der stillen, schönen Gemeinde der »guten Geister« gehört, die in allerlei Sprachen und auf allerlei Weise, ein jeder nach seiner Art »loben Gott den Herrn« und deren Bundeslied, ob ihnen schon die Worte vielfach nicht bewußt sind, doch durch alles Geschaffene tönt:

»Alle die Schönheit Himmels und der Erden Ist verfaßt in dir allein.«

Wenn wir Ohren hätten.

Aber es wird so gut sein, wie es ist und wird gut werden, wie es wird.

* * * * *

Der Morgen graute ganz von ferneher. Kaum ein erstes, blasses Dämmern drang durch die Nacht. Die kleine Nachtlampe fing an zu flackern in dem kühlen Wind, der über die Berge herkam und draußen in den Bäumen rauschte und in die Stube hereinwehte. Da standen sie auf von ihren Sitzen und deckten ein weißes Tuch über das liebe, stille Gesicht.

»Ich gehe, Gertrud. Ich will mit dem Morgenzug reisen und meine Stunden halten, wie sonst. Morgen komme ich wieder.

Ich komme immer wieder, du weißt es. Dieses Haus ist mir eine Heimat gewesen und dieser Mann ein Vater, und du -- du bist mir eine Schwester. Meine einzige. Bist du es nicht?«

»Doch, Georg.«

Ihr bleiches, überwachtes Gesicht glänzte von einem inwendigen Licht.

Sie gaben sich die Hände.

Das leise Sausen draußen schwoll stärker und stärker an.

Als sie ihm die Haustür öffnete, stand der Morgenstern über dem Nachbarhaus:

»Wohlauf in den Tag hinein, so lang er währt. Ist er auch jetzt noch grau, er wird hell und heller werden wann die Sonne kommt.«

Vor ihnen lag das Leben. Sie hörten leise seine Ströme rauschen in der Morgenstille. Es würde schon Wege geben, hindurchzugehen.

Auf dem Dach, auf dem spitzen Giebel sang eine Amsel und sang die anderen Vögel wach. Wußten sie nicht, was heut nacht geschehen war? Sie sangen ihr altes Lied:

»Freude, Tochter aus Elysium, Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum.«

Sie können kein anderes. Es ist ihnen das Lied des Lebens, und wollte Gott, wir alle könnten, über Leid und Tod hinüber, alle nur das einzige, das Lied des Lebens, zu dem die Saiten in uns aufgespannt sind.

Urteile

über Anna Schieber, Alle guten Geister ...

=Kurt Aram= in der »#Frankfurter Zeitung#«: »Aus Württemberg wächst uns, wie es scheint, wieder einmal ein neues Erzählertalent von Bedeutung zu. Man wird sofort an die Erzählerart Wilhelm Raabes erinnert. In den letzten Jahren kamen mir eine ganze Menge von Romanen unter die Hände, die sich in der Art dieses Meisters versuchten, aber kläglich scheiterten, weil ihre Verfasser blutige Dilettanten waren. #Mit Anna Schieber jedoch versucht sich ein =Talent= in der Art Raabes, und zwar nicht nur, weil sie ihr besonders gut gefällt, sondern auch weil ihr diese Art innerlich entspricht.# Manche ihrer Gestalten erinnern direkt an Raabesche Figuren. #Und doch sind sie ihnen nicht einfach nachgemacht, sondern wirklich von ähnlicher seelischer Art, also keine imitierten Puppen, sondern tieflebendige Menschenkinder... Dies schöne Buch wird seinen Weg schon machen.#«

=Dr. Hch. Lhotzky= im »#Leben#«: »Ein ganz ungewöhnlicher Roman, fesselnd und erquickend zugleich. Niemals ist mir ein Buch vorgekommen, das ich so bedingungslos jedem in die Hand geben würde. Die Verfasserin ist ein Segensmensch und wahrscheinlich durch viel Einsamkeit und herbes Leid hindurchgegangen. »Sonst wüßte sie ja nicht zu trösten.« »Man muß allein gewesen sein, eh' man recht mit den andern gehen kann.« #Das ist weit hinausgewachsen über das übliche Christentum und steht im wahrhaft Menschlichen und Göttlichen. Menschen, die solches verstehen, habe ich mir immer ersehnt, und freue mich, daß sie erstehen.# Wer irgend jemandem ein liebes Buch schenken will, ein Buch zum immer wieder Lesen, schenke dieses. Aus ihm kann man sehen und hören lernen, was den Vielen meistens entgeht.«

=Dr. C. Busse= in Velhagen & Klasing's Monatsheften: »Mit heller Freude und daneben mit einem verwunderten Kopfschütteln muß ich heut von einem Buche erzählen, das anders ist als andere Bücher, das wie eine schöne Predigt ist und doch mehr als eine Predigt, das Menschen vor uns hinstellt, die wir zu Vätern, Brüdern, Schwestern, Freunden haben möchten, das alles Gute in uns anspannt, das uns fröhlich und getrost macht: Wie ein Märchen aus einer schönen, verlorenen Heimat ist das Buch, aber vielleicht wie jedes gute Märchen voll der höchsten Wahrheit.«

Verlag von Eugen Salzer in Heilbronn.

=Vortreffliche Erzählbücher!=

=Helene Christaller, Meine Waldhäuser.= Bilder aus einem Dorfe. 2. Aufl. Mk. 2.--, geb. Mk. 3.--.

=Fritz Philippi, Von der Erde und vom Menschen.= Bauerngeschichten. Mk. 3.--, geb. Mk. 4.--.

=Fritz Philippi, Unter den langen Dächern.= Neue Erzählungen vom Westerwald. 2. Aufl. Mk. 3.--, geb. Mk. 4.--.

=Fritz Philippi, Hasselbach und Wildendorn.= Erzählungen aus dem Westerwälder Volksleben. Mk. 2.40, geb. Mk. 3.20.

Die Erzählungen des Westerwälder Roseggers gehören zu der besten Heimatkunst.

=A. Supper, Leut'.= Schwarzwaldgeschichten. 1.-3. Aufl. Mk. 2.20, geb. Mk. 3.--.

=A. Supper, Da hinten bei uns.= Erzählungen aus dem Schwarzwald. 5. Aufl. Mk. 2.20, geb. Mk. 3.--.

=Türmer-Jahrbuch 1906:= »Diese Frau vereinigt mit scharfem Tiefblick in die Seele des Bauerntums eine starke Liebe zu dessen unverwüstlichen Kräften. =Ihr Buch gehört zu dem wertvollsten, was die Heimatkunst bislang hervorgebracht hat.=«

=Dr. Karl Storck.=

=A. Supper, Der schwarze Doktor.= Eine Erzählung aus Würzburgs düsterer Zeit. Mk. 2.20, geb. Mk. 3.--.

=A. Supper, Der Mönch von Hirsau.= 2. Aufl. Kart. Mk. 2.--, geb. Mk. 2.80.

=Grüß Gott:= »Wir können das Buch wohl Steinhausens »Irmela« und Webers »Dreizehnlinden« zur Seite stellen. Duftig wie das erste und dramatisch wirksam wie das zweite Stück -- so tritt der Mönch von Hirsau in die Reihe der neuromantischen Dichtungen, die religiöse Tiefe mit humaner Weitherzigkeit verbindend.«

* * * * *

=Aus der verlorenen Kirche.= Religiöse Lieder und Gedichte für das deutsche Haus. Gesammelt von R. #Günther#. Geb. Mk. 3.--.

=Lit. Rundschau f. d. evang. Deutschl.:= »Unter den Sammlungen religiöser Gedichte in weitestem Sinn ist dies die umfassendste und planvollste. Ein schönes Buch, das wir herzlich begrüßen, warm empfehlen für Haus und Schule.«

Anmerkungen zur Transkription

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