Part 7
Ernst. Dann werde, was will! Ich habe das Meinige getan und sorge für die Gräber. Aber es kann auch anders kommen. Der Fürst schlief nur in ihm, er war nicht tot. Warum hätt' er sonst nicht entsagt? Warum so auf dies Turnier gedrungen? Vielleicht erwacht er wieder, und dann--Es ist töricht, mit den gemeinen Leuten von Zauberei zu reden, wo ein Gesicht, das unser Herrgott zweimal angestrichen hat, alles erklärt, aber es ändert sich viel, wenn Himmel und Erde sich erst einmal wieder in solch ein Blendwerk von Mädchen geteilt haben, und nur noch ein Leichnam daliegt, der nicht mehr durch rote Lippen und frische Wangen an die Eitelkeiten der Welt, nur noch durch gebrochene Augen an die letzten Dinge mahnt!
Preising. Da brennt's! Oder nicht? Ja! ja!
(Man sieht in der Ferne ein Dorf in Flammen stehen.)
Ernst. Das ist er! So hat die Wut den Schmerz besiegt! Nun wird alles gut! (Rufend.) Nur zu, mein Sohn, nur zu! Je ärger, je besser!
Preising. Aber das wolltet Ihr ja eben verhüten!
Ernst. Ei, jetzt ist's ein Tag! Was in dem zerstört wird, bau ich schon wieder auf! Und verlaßt Euch darauf, der Kaiser hat seinen Adler schon fliegen lassen, und der wird ihm die Krallen zeigen, eh' er's denkt! Und dann--(Er erhebt seinen Herzogsstab.) Preising, Ihr werdet heut noch überrascht! (Da Preising sprechen will.) Kommt, kommt, zu Pferde! (Er ruft.) Otto von Bern!
(Ab mit Preising.)
Siebente Szene
Bauern, Männer, Weiber und Kinder tumultuarisch durcheinander rennend und schreiend.
Einige. Der Böhme! Der Böhme!
Andere. Der Kaiser!
Andere. Ingolstadt und Landshut!
Alle. Alle zusammen! Alle zusammen! Weh uns! Wohin?
Achte Szene
Albrecht erscheint mit vielen Kämpfenden, worunter sich auch Theobald befindet.
Albrecht (er tut bei jedem Ausruf einen Streich). Agnes Bernauer! Agnes Bernauer! Hei, daß ihr's wißt, eh' ihr umfallt, der Tod heißt heute Agnes Bernauer und kennt kein Erbarmen! Kein Geschlecht in Bayern, hoch oder niedrig, das morgen nicht weinen soll! Da liegt ein Haydeck, da ein Pienzenau, da ein Seyboltstorff! Aber noch immer lebt Pappenheim! Pappenheim, wo bist du? Räuber, Verräter, Schurke, versteckst du dich? Ihr alle, ruft mit mir, daß es über die ganze Erde schallt: Pappenheim, Räuber, Verräter, Schurke, hervor!
Pappenheim (tritt auf). Wer sucht mich?
Albrecht. Ich und der Teufel, wir beide zugleich! Aber erst komm ich! Zieh und laß sehen, ob ein ehrlich Eisen dir noch dient! (Er wirft Pappenheim zurück.)
Theobald (tritt hervor). Und ich? Ha, ha, ha! Ich glaube, ich fürchte mich, es wird mir ganz schwarz vor den Augen. Ei, ich mach sie zu und steche darauf los! Bring ich keinen um, so reiz ich doch wohl einen, daß er mich umbringt!
Albrecht (tritt wieder auf). Abgetan! Was nun? Oh, daß man mir ihn wieder lebendig machte, und daß ich ihn mit jedem Atemzug einmal niederhauen dürfte, von heute an bis zum Anbruch des Jüngsten Gerichts.
Theobald (tritt vor Albrecht hin.). Haut mich nieder!
Albrecht. Dich? Wofür? Ei, du bist's? Was fällt dir ein!
Theobald. Meint Ihr, daß ich mit einer solchen Nachlebt nach Augsburg zurück will?
Albrecht. Guter, treuer Mensch, bleib bei mir!
Theobald. Bei Euch? Bei Euch! Ha! Wenn Ihr nicht gewesen wärt--Da! (Er sticht nach Albrecht.) Der kommt auch von Agnes Bernauer! Und der! Und der!
Albrecht (wehrt ab). Bist du verrückt? Gib mir lieber die Hand! Du bringst mich nicht so weit, daß ich dir ein Leid zufüge!
Theobald (sticht wieder nach ihm). Ihr sollt aber!
Albrecht. So muß ich schon tun, was ich noch nie tat! (Er wendet ihm den Rücken.) Wem gehört denn das rote Gesicht? Das ist ein Degenberg, und an dem fehlt's noch! (Stürzt fort.)
Theobald. Alles soll sterben, alles, Freund und Feind! (Er wirft sich seinem eignen Trupp entgegen, der Albrecht folgen will.) Wohin? Halt! (Er wird durchbohrt.) So! Nun ist's genug! (Fällt und stirbt. )
Nothhafft von Wernberg (tritt auf). Sieg! Sieg! Wo ist der Herzog? Albrecht, sie laufen vor uns, als ob wir mehr als Menschen wären!
Albrecht. Aber sie sollen liegen! Ich will die Donau, die sie erstickt hat, mit Leichen wieder ersticken!
Nothhafft von Wernberg. Der im Bart wirft sich auf Straubing, Ihr sollt's betrachten, als ob er's schon hätte!
Albrecht. Daß er mir den Richter bloß fängt, und ihm kein Leid zufügt! In dessen Blut will ich mir den letzten Rausch trinken!
Rolf von Frauenhoven (tritt auf). Hurra! Hurra! Nun ist's aus! Wir haben ihn! (Zu Albrecht, wie er ihn bemerkt.) Wir haben Euren Vater, Ihr könnt ihm gleich guten Tag sagen! Eben ward er gepackt!
Albrecht. Wer hat das befohlen?
Frauenhoven. Wer hat's verboten? Seine eignen Leute rannten ihn über den Haufen, als er sich ihrer Flucht in den Weg stellte, und Hans von Läubelfing--Da bringt er ihn mit dem Kanzler! Seht!
Albrecht (wendet sich nach der entgegengesetzten Seite). Er soll ihn freilassen! Gleich!
Nothhafft von Wernberg. Ei, das kommt wohl morgen auch früh genug!
Albrecht. Gleich! sage ich. Mensch, fühlst du's denn nicht auch?
Nothhafft von Wernberg. Eh' er Urfehde geschworen und uns wenigstens die Köpfe gesichert hat?
Albrecht (stampft mit dem Fuß). Gleich! Gleich! Gleich!
Nothhafft von Wernberg. So sagt's ihm selbst!
Neunte Szene
Ernst tritt mit Preising auf, von Hans von Läubelfing und seiner Schar begleitet.
Ernst. Da steht mein Sohn! Wenn der den Degen seines Vaters will, hier ist er!
Albrecht. Ihr habt mir bei Alling das Leben gerettet! (Mit einer Handbewegung.) Fort! Fort!
Ernst. Ich tat bei Alling, was ich schuldig war, und begehre keinen Dank dafür!
Albrecht (indem er sich umkehrt). So komme diese Stunde über Euer Haupt! (Er bemerkt Preising.) Ha, da ist noch einer! Herr Kanzler, Ihr seid frei, Ihr mögt wollen oder nicht! Aber nur, um Eurem Gefährten, dem Marschall, gleich in die Hölle nachgeschickt zu werden! (Er zieht gegen Preising.) Oh, wär' auch der dritte da!
Ernst. Pfui! Willst du dich am Diener rächen, statt am Herrn? Mein Kanzler vollzog nur meinen Befehl, und ich mußte ihn zweimal geben, eh' er's tat!
Albrecht. So seid Ihr's wirklich allein? Ganz allein? So kann ich mich an niemanden halten, als an Euch? Und Ihr tretet mir noch in den Weg? Ihr weicht mir nicht aus?
Ernst. Warum sollt' ich? Ich habe meine Pflicht getan, in Straubing, wie in Alling, oder in Regensburg!
Albrecht. Eure Pflicht! Gott hat Euch in meine Hand gegeben! Zeugt er so für den, der seine Pflicht tat?
Ernst. Gott will dich versuchen! Hab wohl acht, daß du vor ihm bestehst! Er hat noch nie auf zwei Menschen herabgeschaut, wie jetzt auf dich und mich! (Er tritt Albrecht näher.) Mein Sohn, du hast dich mit meinem ärgsten Feind verbunden, mit deinem falschen Ohm, der dir zwar gern die Brandfackel vorantrug, als es galt, mein unschuldiges Land zu verheeren, der dir aber nicht das Schwert aus der Hand gerissen haben würde, wenn du es gegen dich selbst gezückt hättest! Kehre zu mir zurück, es ist besser. Ich mußte tun, was ich tat, du wirst es selbst dereinst begreifen, und wär's erst in deiner letzten Stunde, aber ich kann auch mit dir weinen, denn ich fasse deinen Schmerz!
Albrecht. Oh, sprecht nicht so! Laßt mich glauben, daß Ihr nicht mehr davon wißt, als der kalte Fluß, der sie verschlungen hat. Wenn ich Euch nicht fluchen soll, muß ich mir denken: ein neuer Tod ist in die Welt gekommen, um den alten abzulösen, und das ist dein eigner Vater! Ein Mensch konnte ihr kein Leid zufügen; nicht bei Tage, denn er hätte sie gesehen, nicht bei Nacht, denn er hätte sie gehört, und nur eins von beidem war nötig, um jeden zu entwaffnen! Sagt: ich bin kein Mensch und schickte auch keine Menschen, dann will ich mich vor Euch bekreuzen und fliehn!
Ernst. Ich bin ein Mensch, und hätt's wohl verdient, daß es mir erspart worden wäre. Aber wenn du dich wider göttliche und menschliche Ordnung empörst: ich bin gesetzt, sie aufrechtzuerhalten, und darf nicht fragen, was es mich kostet!
Albrecht. Göttliche und menschliche Ordnung! Ha, ha! Als ob's zwei Regenbogen wären, die man zusammengefügt und als funkelnden Zauberring um die Welt gelegt hätte! Aber die göttliche Ordnung rief sie ins Leben und ließ sie aus dem Staube hervorgehen, damit sie wieder erhöhe, was sich selbst erniedrigt, und erniedrigen was sich selbst erhöht hatte. Die menschliche--(Er tritt Ernst näher.) Die menschliche--(Er wendet sich rasch um gegen die Seinigen.) Vorwärts, Ihr Freunde, vorwärts, wer wird schon am Mittag feiern! Herzog Ernst ist frei, niemand krümme ihm ein Haar, er kann keine Agnes mehr töten, aber rasten wollen wir erst, wenn sein München in Flammen steht! (Will fort.)
Ernst. Recht so! Dann wird der Bayer sie doch gewiß verfluchen, sonst hätt' er sie vielleicht beweint. Ihre Brüder sind's, die du erwürgst, nicht die meinigen, und ob du die ganze Menschheit abschlachtest: in ihren Adern wird nicht ein Blutstropfe wieder warm davon! Aber dahin kannst du's bringen, daß ihr eigener Vater die Stunde vermaledeit, in der sie ihm geboren ward, und daß sie selbst sich aus dem Paradies, wenn sie's schon betreten hat, schaudernd und schamrot wieder hinausstiehlt, die erste und letzte, die's tut, ohne verdammt zu sein!
Albrecht (hält inne und senkt sein Schwert).
(Man hört Trompeten in der Ferne.)
Ernst. Das ist Ludwig von Ingolstadt! Der Würgengel wird ungeduldig! Folgt ihm doch, niemand kann besser zerstören, was ein andrer baute, als er! Aber laßt euch alle mahnen: es ist einer über euch im Himmel und auch auf Erden, und beide werden furchtbar mit euch ins Gericht gehen!
(Die Trompeten nähern sich.)
Stimmen. Platz! Platz dem Banner des Reichs!
Andere Stimmen. Ein Herold!
Zehnte Szene
Der Herold des Reichs tritt mit Gefolge auf, das Banner wird vor ihm hergetragen.
Der Herold (schwingt nach allen Weltgegenden sein Schwert). Bei Acht und Bann, kein blankes Schwert, als dies!
Alle Ritter (bis auf Albrecht stecken die Schwerter ein).
Der Herold. Albrecht von Wittelsbach, Herzog von Bayern, erscheint vor Kaiser und Reich!
Albrecht (tritt zögernd heran und steckt langsam sein Schwert ein). Ist hier die Schranke?
Der Herold. Sie ist überall, wo die Acht verkündet werden soll!
Nothhafft von Wernberg und Frauenhoven. Die Acht! Ist's schon so weit!
(Posaunenstöße.)
Preising (zu Ernst). Was ist das noch?
Ernst. Mehr, als ich verlangte, fürcht ich!
Stimmen. Ein Legat! Ein Legat des Heiligen Stuhls!
Der Herold. Und mit ihm der Bann der Kirche!
Viele Stimmen (von Rittern und Reisigen). Acht und Bann zugleich! Da ist's Zeit! (Sie werfen die Waffen von sich.)
Der Legat (tritt mit Gefolge auf, eine brennende Kerze wird vor ihm hergetragen, er stellt sich zur rechten Hand des Herolds).
Der Herold (entfaltet die Achterklärung). Wir Sigismund, von Gottes Gnaden erwählter römischer Kaiser, König von Ungarn, Böheim, Dalmatien, Slawonien und Bosnien, Markgraf von Mähren und Schlesien, Kurfürst von Brandenburg usw., Schirmvogt der Kirche, höchster Schiedsrichter auf Erden, tun kund hiemit: Nachdem Du, Albrecht von Wittelsbach, allbereits vor dritthalb Jahren zu Regensburg in offenem Aufstand den Frieden des Reichs gebrochen und schwere Acht auf Dein Haupt herabgezogen hast, die Wir damals, obgleich schon verhängt, auf Fürbitte Deines fürstlichen Herrn und Vaters noch zurückhielten; nachdem Du weiter, unwürdig solcher Fürbitte und Unserer Gnade, in Deinem Trotz wider menschliche und göttliche Ordnung beharrtest, anstatt, Unserer gerechten Erwartung gemäß, in reuiger Unterwürfigkeit Versöhnung und Vergebung zu suchen; nachdem Du endlich, um das Maß Deiner Frevel zu häufen, Unsere Langmut aber bis auf den Grund zu erschöpfen, zum zweiten Mal mit blanker Waffe rebellisch im Felde erschienen bist: So gebieten Wir Dir durch diesen Unseren offenen Brief, daß Du angesichts desselben Dein Schwert auf der Stelle zu den Füßen Deines Herrn und Vaters niederlegen und als sein freiwilliger Gefangener Unseren letzten Spruch in Demut abwarten sollst.--(Er setzt ab und sieht Albrecht an.)
Albrecht (bohrt sein Schwert in die Erde und stützt sich darauf).
Der Herold (fährt fort). Widrigenfalls setzen Wir Dich nunmehr aus Kaiserlicher Machtvollkommenheit aus dem Frieden in den Unfrieden, weisen Dich hinaus auf die vier Straßen der Welt und erklären Dich für vogelfrei-
Ernst. Willst du noch mehr hören, mein Sohn? Sag nein, und ich erhebe meinen Herzogsstab!
Frauenhoven. Jetzt kommt das von den Tieren des Waldes und den Vögeln unter dem Himmel und den Fischen im Wasser!
Nothhafft von Wernberg. Schau dich um! Sie gehen alle hinter sich! Keiner wird's mit dir tragen, als wir!
Albrecht. Wie sollten sie auch! Fangen doch die Berge zu wandeln an, um mich zu bedecken!
Ernst. Soll auch die Kirche den Mund noch öffnen? Soll die Kerze ausgelöscht, soll deine Seele dem ewigen Fluch übergeben, dein Name im Buch des Lebens getilgt werden?
Albrecht (zu Nothhafft von Wernberg und Frauenhoven). Geht von mir, daß ich antworten kann!
Frauenhoven. Haben wir das um Euch verdient? Teufel, es brennt!
Albrecht. Soll ich mich vor der Gewalt demütigen, weil ihr neben mir steht? Mich mag sie noch heute zermalmen!
Ernst. Gewalt? Wenn das Gewalt ist, was du erleidest, so ist es eine Gewalt, die alle deine Väter dir antun, eine Gewalt, die sie selbst sich aufgeladen und ein halbes Jahrtausend lang ohne Murren ertragen haben, und das ist die Gewalt des Rechts! Weh dem, der einen Stein wider sie schleudert, er zerschmettert nicht sie, sondern sich selbst, denn der prallt ab und auf ihn zurück. Oder bin ich's, der zu dir redet, ist's nicht das ganze deutsche Reich?
Albrecht. Sei's so! Ich wußte nicht, daß der Tod darauf steht, eine Perle aufzuheben, statt sie zu zertreten, aber ich hab's getan und will's büßen. Heran, Bär und Wolf, schießt auf mich herab, Adler und Geier, und zerfleischt mich! Nicht mit der Hand will ich mich wehren, wenn ihr tut nach des Kaisers Gebot!
Ernst. Hast du solche Eil, vor deinem Richter zu erscheinen? Noch hat er diese Toten und ihre Wunden nicht gezählt, und du weißt so gewiß, wie er dich empfangen wird?
Albrecht. Oh, ihn fürcht ich nicht, er wird's schon vergeben, daß ich sein liebstes Kind bei der Hand gefaßt habe, er weiß ja, wie schön und edel er's gemacht hatte!
Ernst. Mein Sohn, geh in dich! Es ist wahr, du kannst deine Schuld vergrößern, du kannst dir den Tod ertrotzen, oder dich, wer will's hindern, hinterrücks aus der Welt wegstehlen, du kannst aber auch alles wiedergutmachen! Tu's, o tu's, fasse einen Entschluß, daß du vor deinen Ahnen nicht zu erröten brauchst, füge dich! Dies Schlachtfeld wird einst furchtbar wider dich zeugen, sie alle, die hier blutig und zerfetzt herumliegen, werden dich verklagen und sprechen: wir fielen, weil Herzog Albrecht raste! Weh Dir, wenn sich dann nicht eine viel größere Schar für dich erhebt und deine Ankläger zum Verstummen bringt, wenn nicht Millionen ausrufen: aber wir starben in Frieden, weil er sich selbst überwand! Denn das hängt davon ab, daß du lebst, davon ganz allein!
Albrecht. Die Unschuldige sollte modern, und ich--Welch ein Schurke wär' ich, wenn ich auf Euch hörte!
Ernst. Du bist nicht, wie ein anderer, der die Gerechtigkeit dadurch versöhnen kann, daß er ihrem Schwert reuig den Hals darbietet, von dir verlangt sie das Gegenteil! Schau dies Banner an, es ist dein Bild und kann dich's lehren! Es ward aus demselben Faden gesponnen, woraus der letzte Reiter, der ihm folgt, sein Wams trägt, es wird einst zerfallen und im Wind zerstäuben, wie dies! Aber das deutsche Volk hat in tausend Schlachten unter ihm gesiegt, und wird noch in tausend Schlachten unter ihm siegen, darum kann nur ein Bube es zerzupfen, nur ein Narr es flicken wollen, statt sein Blut dafür zu verspritzen und jeden Fetzen heiligzuhalten! So ist's auch mit dem Fürsten, der es trägt. Wir Menschen in unsrer Bedürftigkeit können keinen Stern vom Himmel herunterreißen, um ihn auf die Standarte zu nageln, und der Cherub mit dem Flammenschwert, der uns aus dem Paradies in die Wüste hinausstieß, ist nicht bei uns geblieben, um über uns zu richten. Wir müssen das an sich Wertlose stempeln und ihm einen Wert beilegen, wir müssen den Staub über den Staub erhöhen, bis wir wieder vor dem stehen, der nicht Könige und Bettler, nur Gute und Böse kennt, und der seine Stellvertreter am strengsten zur Rechenschaft zieht. Weh dem, der diese übereinkunft der Völker nicht versteht, Fluch dem, der sie nicht ehrt! So greife dann endlich auch in deine Brust, sprich: Vater, ich habe gesündigt im Himmel und vor dir, aber ich will's büßen, ich will leben!
Albrecht. Hängt das von mir ab?
Ernst. Dies Wort ist mir genug! Gott wird dich stärken, und deine Witwe selbst wird für dich beten!
Albrecht. Meine Witwe!?
Ernst. Was ich ihr im Leben versagen mußte, kann ich ihr im Tode gewähren, und ich tu es gern, denn ich weiß, daß sie's verdient! Deine Gemahlin konnte ich nicht anerkennen, deine Witwe will ich selbst bestatten und für ewige Zeiten an ihrem Grabe einen feierlichen Totendienst stiften, damit das reinste Opfer, das der Notwendigkeit im Lauf aller Jahrhunderte gefallen ist, nie im Andenken der Menschen erlösche!
Albrecht. Ich will--Ich will, was ich noch kann! (Gegen den Herold.) Kaiserlicher Majestät meinen Respekt! (Zu Ernst.) Euch, mein Herr und Vater--(Er will ihm das Schwert überreichen.) Euch-
Ernst (öffnet die Arme und streitet ihm entgegen).
Albrecht (weicht zurück, und zieht). Nein, nein! Die Hölle über mich, aber Blut für Blut!
Ernst. Halt! Erst nimm den da! (Er reicht ihm den Herzogsstab, den Albrecht unwillkürlich faßt.) Der macht dich zum Richter deines Vaters! Warum willst du sein Mörder werden!
Preising. Herzog!
Ernst. So war's beschlossen! Und nicht bloß des Feierabends wegen! Ich brauch sein Ja! Kann er's mir in seinem Gewissen weigern, so steht's schlimm um mich!
Albrecht. Mich schwindelt! Nimm ihn zurück! Er brennt mir in der Hand.
Ernst. Trag ihn ein Jahr in der Furcht des Herrn, wie ich! Kannst du mich dann nicht lossprechen, so ruf mich, und ich selbst will mich strafen, wie du's gebeutst! Im Kloster zu Andechs bin ich zu finden!
Albrecht (will niederknien). Vater, nicht vor Kaiser und Reich, aber vor dir!
Ernst. Wart! wart! Mein Tagewerk war schwer, aber vielleicht leb ich noch übers Jahr! (Geht; zu Preising, als er folgen will.) Bleibt! An einem Mönch ist's genug!