Abessinien, das Alpenland unter den Tropen und seine Grenzländer

Chapter 9

Chapter 93,068 wordsPublic domain

Es giebt wol kein zweites Land, das so reich an _Tag-Raubvögeln_ ist wie Abessinien. Vermöge der höhern Lage der Plateaux bieten sich in den Felspartien günstige Lebensbedingungen für Adler, Geier und Falken, die hier ihre Horst- und Zufluchtsstätten finden. Die Vegetation prangt in außerordentlicher Fülle; in allen Thälern und Schluchten sprudeln Gebirgswasser; im dichten Gestrüpp und in den Gräsern hausen Reptilien in Menge, von der Pythonschlange und Naja bis zur kleinsten Baumschlange herab; Schildkröten weiden gemüthlich an Hecken und Teichen; an Säugethieren von der Größe der Feldmaus aufwärts ist Ueberfluß vorhanden, während schattige, fast undurchdringliche Waldpartien, abgelegene Schluchten, die selten eines Menschen Fuß betritt, und fast unersteigliche Felsen und kolossale Hochbäume den Raubvögeln jeden Schutz und Schirm gewähren. Da horstet denn der mächtige _Gyps Rüppellii_, der gemeine ostabessinische Mönchsgeier (_Neophron pileatus_), der Schmuzgeier (_N. percnopterus_), der Bartgeier (_Gypaëtos meridionalis_) und Schlangenadler (_Gypogeranus serpentarius_), die viele Schlangen verzehren und mäßig starke Wüstenschildkröten mit einem Schlag ihrer starken Fänge zerschmettern. Zahlreiche Weihen, Milane, Falken und Sperber machen den Beschluß der Tagraubvögel. Der unreinliche Mensch giebt den Schmuzgeiern tagtäglich neue Nahrung und damit neue Beschäftigung; deshalb vermißt man diese wohlthätigen Vögel an keinem Orte. Sie folgen den Herden wie den Handelszügen, umschweben die Dörfer und Schlachtplätze und räumen schnell allen Unrath auf. Der große, von Brehm zuerst genau beschriebene Rüppell’sche Aasgeier erscheint erst dann, wenn irgend ein Aas ihn heranlockt. In ungemessenen Höhen, wohin ihm des Menschen Auge nicht zu folgen vermag, zieht er dahin; aber sein Auge beherrscht ein weites Gebiet und die mächtigen Schwingen tragen ihn schnell nach dem Orte, wo ein Stück Wild verendet oder einem Schaf die Kehle durchschnitten wird. Kaum fließt das Blut, so ist auch der Aasgeier da; reiche Beute aber wird ihm zu Theil, wenn das Land weit und breit mit Menschenleichen übersäet ist, wenn die grausamen Bürgerkriege wüthen und den Zug der Heere gefallene Rinder und Schafe bezeichnen. Wo er erscheint, da fehlen auch selten seine kleineren Verwandten, der Schopf- und der Ohrengeier (_Vultur occipitalis_ und _V. auricularis_). Unter den Adlern begleitet der Augur, ein naher Verwandter unsers Bussards, den Zug der Reisenden, während der „_Himmelsaffe_“ oder Gaukler (_Helotarsus ecaudatus_) sowol durch die Kühnheit seines Fluges, als durch die Schönheit seines Gefieders jeden Beschauer in Entzücken versetzt. Unter allen Raubvögeln ist er der stolzeste Flieger: er jagt förmlich durch die Luft. Nur während des Fluges zeigt er seine volle Schönheit. Sitzend bläht er die Federn auf, sträubt Kopffedern und Halskrause und gestaltet sich in einen Federklumpen um. Eine der häufigsten Erscheinungen ist der Schmarotzer-Milan (_Milvus parasiticus_), dessen scharfem Auge nichts entgeht und der durch seine Allgegenwart an den Schlachtplätzen, wo kein Stückchen Fleisch vor ihm sicher ist, sich lästig macht oder durch die größte Frechheit, mit welcher er dem Menschen das Fleisch fast unter den Händen wegzieht, diese in Erstaunen versetzt. Auch der Singhabicht (_Melierax polyzonus_) kommt südlich vom 17. Grade in allen Steppenwaldungen häufig vor; er verweilt am liebsten auf einzelnstehenden Bäumen, hat jedoch keinen besonders schönen Flug und giebt ein langgezogenes, eintöniges Pfeifen, keineswegs aber einen melodischen Gesang von sich. Seine Hauptnahrung besteht in Insekten, vorzugsweise aber in Heuschrecken, an denen Abessinien eben nicht arm ist. Unsere Weihen vertritt der in Nordostafrika häufige Steppenweih (_Circus pallidus_); er meidet jedoch das Gebirge und zieht die breiten Niederungen mit kurzem Gestrüpp vor, aus welchem er auf kluge Weise das kleine Geflügel aufscheucht.

Unter den _Eulen_ finden wir unsere Schleiereule und den Kauz, die kurzöhrige Eule (_Otus brachyotus_) und die Zwergohreule (_Ephialtes Scops_). Im Gebirge haust ein Uhu (_Bubo cinerascens_), der zu den gemeinsten Eulen gehört. Dieser Uhu horstet am liebsten auf Bäumen und wird nicht wie unsere europäische Art von kleinern Vögeln verfolgt. In den Steppen wie im Gebirge trifft man auf die Ziegenmelker (Caprimulgusarten), jene unheimlichen Vögel mit leisem Fluge und eigenthümlichem Nachtgesange. Gleich großen Nachtfaltern umschweben sie die Wipfel der Bäume und die Dächer der Häuser, um ihrer Kerbthierjagd nachzugehen.

Reich vertreten sind die _schwalbenartigen Vögel_ (_Hirundo_, _Cypselus_). Die meisten derselben sind auch hier Zugvögel und kommen vor Beginn der Regenzeit, im Mai und Juni, um zu brüten.

Die Hausschwalbe ist _Hirundo_ oder _Cecrops rufifrons_; sie erscheint kurz vor den Sommerregen und beginnt, sobald diese letzteren die Erde etwas erweicht haben, aus Lehm ein sehr solides, rundes Nest zu bauen, das sie mit der Basis auf Dachsparren aufsetzt, nicht seitwärts anklebt wie unsere Schwalbe. Sie macht zwei bis drei Bruten und verläßt die Höhen erst im Dezember. – Durch schönen Flug zeichnet sich der abessinische Segler (_Cypselus abessinicus_) aus, der in den Bäumen nistet; er ist ein ausgezeichneter Flieger, wie alle seines Geschlechtes. An manchen Stellen vertritt ihn die Felsenschwalbe (_Cotyle obsoleta_), die ihr Nest in den Ritzen und Spalten der Felsen baut, doch nur an solchen Orten, wo die räuberischen Affen nicht hingelangen können.

Prächtig gefärbte Bewohner Abessiniens sind neben der Mandelkrähe (_Coracias abessinicus_) und dem Eisvogel (_Ispidina cyanotis_) vor allen andern die _Bienenfresser_ (_Merops Lafrenayi_) und die Narina (_Trogon Narina_), die lautlos über den Mimosenbüschen dahinschwebt, die Schmetterlinge oder andere Insekten fängt und durch ihr glänzendes Gefieder das Auge des Beobachters erfreut. Ihnen schließt sich der Wiedehopf (_Upupa_) an, der neben den Aasgeiern fleißig allen Unrath wegräumt und mit Recht in keinem guten Geruche steht. Seine Verwandten sind die Baumwiedehopfe (_Promerops erythrorhynchus_), die in Gesellschaften gleich Spechten auf den Bäumen umherklettern, die Ameisen aufsuchen und von dieser Nahrung einen durchdringenden Geruch annehmen. Den Kolibri vertreten in Abessinien die metallglänzenden _Honigsauger_ (_Nectarinia metallica_, _abessinica_, _affinis_), welche von den Arabern „Abu Risch“, Federträger, genannt werden und als die ersten Tropenvögel in Nordostafrika auftreten, auf welche man, aus kälteren Gegenden kommend, stößt. Die reizenden Vögelchen leben meist paarweise auf den Mimosen und ziehen im brennenden Sonnenstrahle von Blüte zu Blüte, um dort Insekten zu fangen, zu singen, die Federn zu sträuben, den Schwanz zu heben und das glänzende Gefieder im Sonnenlichte glänzen zu lassen.

Keineswegs fehlt es Abessinien an Sang und Klang in der Vogelwelt; neben dem glänzenden Gefieder findet auch der melodische Schmelz der Töne seine Vertretung. Im Rohre schmettert fröhlich der Buschschlüpfer (_Drymoica rufifrons_) oder die Caricola (_C. cisticola_), an welche sich die abessinische Baumnachtigall (_Aedon minor_) anschließt, die schon dem Wanderer entgegenschlägt, wenn er, vom Rothen Meere kommend, bei Massaua seinen Fuß ans Gestade setzt. An Steinschmätzern (Saxicola-Arten), Vertretern unserer Drosseln (_Thamnolaea_), Bachstelzen (_Motacilla alba_ und _flava_) ist kein Mangel. Zu letztern, uns aus der Heimat bekannten Arten gesellen sich die verwandten Schafstelzen (_Budytes_), niedliche Vögel, welche in großer Zahl den Herden folgen, deren treueste Begleiter sind und diesen das Ungeziefer ablesen. Im Hochgebirge, namentlich in Semién, lebt eine Drossel (_Turdus simensis_), welche unsrer Singdrossel sehr ähnelt, neben der als regelmäßige Wintergäste die Steindrosseln (_Petrocincla saxatilis_) erscheinen. Als guter Sänger wird der von Lichtenstein entdeckte Droßling (_Picnonotus Arsinoë_) bald der Liebling aller Reisenden, vor denen er sich durchaus nicht scheut. Anschließend hieran erwähnen wir aus der Familie der Fliegenfänger den Paradiesfänger (_Tchitrea melanogastra_), den Würgerschnäpper (_Dicrourus_), die zahlreich vertretenen Würger (_Lanius_) und unsre Nebelkrähe, die als Wintergast nach Abessinien kommt. Diese trifft als Verwandte hier den Wüstenraben (_Corax umbrinus_), ein Mittelglied zwischen Rabe und Krähe, der aber nicht blos in der Wüste vorkommt, sondern auch die Flecken und Dörfer besucht, wo er den Hunden und Geiern das Aas streitig macht, während er draußen nach Früchten, am Strande nach Muscheln sucht und eben Alles verschlingt, was sich ihm darbietet. Ein echter Gebirgsvogel ist der kurzschwänzige Rabe (_Corvus affinis_), der bis zu 11,000 Fuß aufsteigt und dort in großen Scharen weilt. Durch seinen kurzen Schwanz macht er sich vor allen Verwandten leicht kenntlich; er vertritt in Abessinien unsern Kolkraben, lebt nur paarweise und bedeckt Abends, wenn er zur Rast geht, oft große Felsblöcke. Die Staare sind durch mehrere Geschlechter, die dohlenartigen Felsenstaare (_Ptilonorhynchus_), Glanzdrosseln (_Lamprocolius_) und Glanzelstern (_Lamprotornis_) vertreten. Bei Weitem der interessanteste Vogel aus dieser Familie ist aber der afrikanische _Madenhacker_ (_Buphaga erythrorhyncha_), der von der Südspitze Afrika’s an bis nach Abessinien hinein vorkommt und der treueste Begleiter der Herden ist, sodaß es scheint, als könnten Rinder, Kameele, Pferde kaum ohne ihn leben. Da wo diese wunde Stellen haben, in welche die Fliegen ihre Eier legen, aus denen die Maden entstehen, erscheint auch die Buphaga, klettert an dem Thiere herum, wie ein Specht am Baume und sucht ihm die Maden ab. Das Thier kennt seinen Wohlthäter recht gut, aber die Abessinier hassen den Madenhacker, weil sie glauben, daß er durch sein Picken die aufgeriebenen Stellen reize.

Die _finkenartigen Vögel_ kommen gleichfalls in großer Menge vor. Reichlich treffen wir vorzüglich Amadina, Vidua, Estrelda, Serinus, alles gute Sänger, während der _Weber_ (_Textor alecto_) nur einen drosselartigen Ruf und unschönes Gezwitscher ertönen läßt. Dafür baut er aber ein zusammenhängendes Nest, in dem ganze Gesellschaften brüten. Es besteht aus dürrem Reisig, von dem eine große Masse, oft von 5 bis 8 Fuß Länge und 3 bis 5 Fuß Breite und Höhe, zwischen tauglichen Astgabeln der Baobab-Bäume aufgehäuft wird. In einem solchen sind 3 bis 8 Nester tief im Innern angelegt und diese mit feinem Gras und Federn ausgefüttert. Die Farbe der Eier wechselt zwischen rein weiß, roth, grün, braun mit allen möglichen Zeichnungen, sodaß man glaubt, Eier verschiedener Arten vor sich zu haben. Der Eingang zu dem unordentlichen Neste ist im Anfange so groß, daß man bequem mit der Faust eindringen kann, verengert sich aber und geht in einen Kanal über, gerade für den Vogel passend. Durch prachtvollen Federschmuck sind die Witwen (_Viduae_) ausgezeichnet, und leicht unterscheidet man das Männchen durch seine langen, am Fluge hindernden Schwanzfedern von dem Weibchen. Hat es aber im Winter das prächtige Gefieder abgelegt, dann fliegt es leicht dahin, ähnlich wie unsere Ammern. Als Haussperling tritt, unserm Spatz das Recht streitig machend, in Nordostafrika der rothrückige Sperling (_Passer rufidorsalis_) auf, dessen Sitten und Lebensweise ganz die unseres Haussperlings sind, nur ist er schöner gefärbt. Gemein, wie bei uns, ist auch in Abessinien die Haubenlerche (_Galerita abessinica_), welcher sich als Verwandte die seltenere Wüstenammerlerche (_Ammomanes deserti_) anschließt.

Haben wir bisher viele, unsern europäischen Arten verwandte Vögel gefunden, so treffen wir in der folgenden Familie, jener der Pisangfresser, durchaus auf fremdartige Gestalten. Da sind zunächst die Mäusevögel (_Colius_), die in dichten Büschen leben, durch die schmalsten Oeffnungen der Verzweigungen sich zwängen und im Klettern eine große Geschicklichkeit entwickeln. Der von Rüppell entdeckte Helmvogel (_Corythaix leucotis_) tritt erst da auf, wo die Kronleuchter-Euphorbie beginnt; er ist ein prächtiger, rastloser, unsern Hehern im Betragen ähnlicher Geselle, der die Sykomoren, Tamarinden und Aloëpflanzen gern besucht und auf diesen sich in großer Anzahl sammelt. Der eigentliche Pisangfresser (_Schizorhis zonurus_), der sich durch ein affenartiges Geschrei auszeichnet, hat Vieles mit seinen Verwandten, den Nashornvögeln überein, von denen mehrere kleine Arten (_Tockus erythrorhynchus_ und _nasutus_) häufige Bewohner der Steppen und des Urwaldes sind. Je mehr man in das Gebirge kommt, desto häufiger werden sie, desto öfter vernimmt man ihren charakteristischen Ruf. Weit größer als die nur anderthalb Fuß langen Nashornvögel, aber auch seltener sind die kräftigen, fast 4 Fuß langen, sehr scheuen Hornraben (_Bucorax abessinicus_).

Wenig ist aus der Ordnung der Klettervögel zu berichten. Die Papageien finden im abessinischen Gebirge keineswegs, wie in ganz Afrika, ergiebigen Boden, obgleich einige Arten von ihnen vorkommen. So liebt der Zwergpapagei (_Psittacula Tarantae_) die Kolkwal-Euphorbie, auf welcher er häufig anzutreffen ist, der Halsbandpapagei (_Palaeornis torquatus_) aber dichte Wälder, in welchen er in großen Familien und Flügen gewöhnlich mit den Affen zusammen erscheint. Die Bartvögel (_Pogonias Saltii_) kommen nur einzeln im dichtesten Gebüsche vor und sind still, bis auf den Perlvogel (_Trachyphonus margaritatus_), welcher im Verein mit dem Weibchen einen lustigen Gesang vorträgt und die Gärten der Dörfer belebt. Die Spechte treten nur als kleine Baumspechte (_Dendropicus Hemprichii_) auf.

Unter den _Kukuksarten_ spielt der _Honigvogel_ eine große Rolle in der Ornithologie der Abessinier; obgleich selten vorkommend, kennt ihn Jedermann, und schon die ältesten Nachrichten über das Land (so Ludolf in seiner „_Historia aethiopica_“) erwähnen der Eigenschaft dieses unscheinbaren Thierchens, den Menschen zu den Bienenstöcken zu führen. Die Honigvögel (_Indicator_) halten sich vorzüglich an baumreichen Bachufern auf, flattern von einem Baume zum andern und lassen dabei ihre starke, wohlklingende Stimme hören. Daß sie so rufend häufig zu Bienenschwärmen führen, weiß jeder Eingeborene Afrika’s vom Kap bis zum Senegal und von der Westküste bis nach Abessinien herüber, doch führt der Indicator den ihm folgenden Menschen ebenso häufig auf gefallene Thiere, die voller Insektenlarven sind; er verfolgt mit seinem Geschrei den Löwen und Leoparden, kurz Alles, was ihm auffällt; auch ist er dem Menschen gegenüber nichts weniger als scheu und trotz der unscheinbaren Größe und Färbung sind alle Arten an der eigenthümlichen Weise des Flugs leicht zu erkennen. In Nordostafrika giebt es vier Arten von Honigvögeln, von denen jedoch nur zwei (_Indicator minor_ und _albirostris_) in Abessinien vorkommen.

Ueberall wo man in Abessinien Vögel findet, wird man auch _Tauben_ wahrnehmen in den verschiedenartigsten schön gestalteten und gefärbten Formen. Die abessinische Taube (_Treron abessinica_) bewohnt in kleinen Familien die tieferen Gebirgsthäler, wo sie die Mimosen, Kizelien und Sykomoren sich zum schattigen Ruhesitz aussuchen, um ihre Liebesspiele zu treiben und gleich dem Papagei durch das Laub zu klettern. Unsere Felsentaube vertritt die blaurückige Taube (_Columba glauconotos_), als eigentliche Waldtaube tritt die Guineataube (_Stictoenas guinea_) auf; auch die Turteltaube (_Turtur auritus_), die Lachtaube (_T. risorius_) finden sich; eigenthümlich ist aber die Erscheinung der Erdtaube (_Chalcopelia afra_), die nicht über den 16. Grad nördlicher Breite hinaufgeht und friedlich das dichtverschlungenste Gebüsch an der Erde bewohnt, auf welcher sie auch, ihren Verwandten unähnlich, ihr Nest baut.

Von Hühnern tritt in zahlloser Menge das lautschreiende Perlhuhn (_Numida ptilorhyncha_), die Wachtel als Wintergast und an Stelle unserer Rebhühner die verschiedenen, schön gezeichneten und in Einweibigkeit lebenden Frankoline (_Francolinus rubricollis_, _Erkelii_ u. s. w.) auf; auch die Flughühner (_Pterocles_) sind vertreten und die Laufvögel beginnen mit der in den Steppen häufigen Trappe (_Otis arabs_), die nicht die Größe unserer großen Trappe erreicht, aber weniger scheu ist und besonders von Insekten lebt. Kommt der _Strauß_ (_Struthio Camelus_) auch nirgends im abessinischen Hochland vor, so umzieht er dasselbe doch ringsum in den Steppen und Wüsten.

Unter den Regenpfeifern und Kiebitzen fällt nur der Dickfuß (_Oedicnemus affinis_) wegen seiner nächtlichen, eulenartigen Lebensweise auf; an feuchten, fischreichen Stellen wimmelt es oft von Reihern, Storcharten, Schattenvögeln und Störchen und an den Küsten des Rothen Meeres sind Möven, Pelikane, Seeschwalben und Tölpel im Ueberfluß vorhanden. Reich an Wassergeflügel ist auch der Tanasee, dessen breite, mit Inseln durchzogene Fläche demselben einen günstigen Aufenthaltsort gewährt. Dort wimmelt es von Seeschwalben, Enten (_Anas clypeata_, _sparsa_ u. s. w.), Strandläufern, Kiebitzen, Regenpfeifern; da stehen unbeweglich der Riesenreiher und der schwarzkehlige Fischreiher (_Ardea Goliath_ und _A. atricollis_), auf Reptilien lauernd, da plätschern Wasserhühner, Gänse und Spornschwäne in der Flut.

Weil mehr mit dem Menschen im Verkehr und ihn als Raub-, Jagd- oder Hausthier meist näher angehend, fesselt auch das Reich der Säugethiere mehr unser Interesse als jenes der Vögel.

Abessinien mit seinen Grenzländern kennt etwa sechs bis acht _Affenarten_. Ruhig und gemüthlich verfließt das Leben der graugrünen _Meerkatze_ (_Cercopithecus griseo-viridis_), eines echten Baumaffen, der in starken Banden gesellig zusammenlebt und von der Höhe seines Aufenthaltes selten auf den Boden herabkommt, gleichviel ob er dort in Dornen der Mimosen oder im Laub der Sykomore sitzt. Seine Behendigkeit ist unglaublich groß und mit Hülfe des steuernden Schwanzes führt er die kühnsten Sprünge aus. Als unumschränkter Herr und Gebieter steht der lustigen Herde ein altes, geprüftes Männchen vor, das alle jungen Nebenbuhler von den seiner Obhut unterstehenden Damen fernhält. Diese zeigen gegen ihre häßlichen Sprößlinge eine außerordentliche Mutterliebe, welche sie durch fortwährendes Reinigen und Liebkosen des Kindchens bethätigen. Nur nebenbei verzehrt diese Meerkatze Heuschrecken und andere Insekten; Früchte, Knospen und Getreide sind ihre Lieblingsgerichte und wehe dem Durrah- oder Maisfelde, in das die verschmitzte Bande lüstern eindringt! Das Wenigste wird nur verzehrt, das Meiste unbarmherzig verwüstet und dann auf der Stätte des Diebstahls ein Tummelplatz freudiger Spiele für Alt und Jung bereitet. Vor Menschen weniger, wohl aber vor Hunden, Schlangen, Fröschen und ihrem besondern Feinde, dem Habichtsadler, fürchtet sich die Meerkatze sehr. Weit würdevoller als die Meerkatzen treten die Paviane auf, unter denen der _Silberpavian_ oder _Hamadryas_ (_Cynocephalus Hamadryas_) der häufigste ist. Dieses merkwürdige Geschöpf, dem schon die alten Aegypter Achtung zollten und das man auf ihren Denkmalen abgebildet findet, lebt zwischen 1000 und 7000 Fuß Meereshöhe und findet sich um so häufiger, je pflanzenreicher das Gebirge ist. Jede Bande behauptet im Gebirge ein bestimmtes Gebiet und zählt etwa fünfzehn bis zwanzig erwachsene und kampftüchtige Männchen, wahre Ungeheuer mit einem Gebiß, welches fast mit dem eines Löwen wetteifern kann, dasjenige des Leoparden jedoch übertrifft. Schon von Weitem unterscheidet man die Männchen an ihrem langen graugrünlichen Mantel und der hervorragenden Gestalt von den bräunlicher gefärbten Weibchen, die vollauf mit ihren übermüthigen Jungen zu thun haben. Greift auch der Pavian so leicht einen Mann nicht an, so ist er doch den Frauen ein Gegenstand des Entsetzens, von welchen eine größere Anzahl von Pavianen als von Löwen und Leoparden umgebracht wird. Der ärgste Feind des Silberpavians ist der Leopard, der ihm Tag und Nacht nachschleicht und sich ebenso listig wie kühn auf jedes von der Herde isolirte Thier stürzt.

Auch mit ihren Verwandten leben diese Paviane nicht immer auf gutem Fuße, namentlich mit den _Tscheladas_ (_Cercopithecus Gelada_), gegen welche sie in Semién oft förmliche Schlachten liefern. Letzterer Mantelpavian bewohnt einen Höhengürtel von 7–11,000 Fuß über dem Meere, während der Hamadryas mehr die Tiefen-Gegenden liebt; jedoch steigen die Tscheladas von ihren Bergen herab, um die unten liegenden Felder zu plündern, wobei dann die Schlachten mit den Silberpavianen stattfinden.

Der _schwarze Pavian_ (_Cercopithecus obscurus_) wurde erst 1862 von Heuglin entdeckt. Dieser stattliche Affe lebt in großen Rudeln auf 6 bis 10,000 Fuß Höhe meist an felsigen Schluchten. Man sieht ihn selten auf Bäumen, gewöhnlich auf Weideplätzen oder Felsen, von denen herab er nicht selten gegen seine Verfolger Steine schleudert. Die Nacht verbringt er in Gesellschaft in Klüften und Höhlen, steigt in der Morgensonne auf Hügel, wo er zusammengekauert sich erwärmt und zieht dann in die Thäler nach Nahrung, die aus Blättern zu bestehen scheint. Gewöhnlich führen zwei bis sechs alte Männchen gravitätischen Schrittes eine Herde von 20 bis 30 Weibchen und Jungen an, welche theils spielend um den Trupp sich tummeln, theils von den Müttern getragen und zuweilen tüchtig geohrfeigt werden. Naht Gefahr, so flüchtet auf ein leises Bellen des Warners die ganze Gesellschaft in Felsenschluchten. Der schönste Affe Abessiniens ist der von Rüppell entdeckte _Colobus Gueraza_, dessen durch den starken Kontrast von schwarz und weiß ausgezeichnetes Fell ein beliebtes Pelzwerk und eine Zierath für die Kriegsschilder liefert. Er lebt in der Waldregion der Kola auf den höchsten Bäumen.

Während Afrika im Allgemeinen reich an Flatterthieren ist, kommen dieselben in dem hier in Rede stehenden Gebiete weniger vor. Die Ursache davon hat Heuglin ergründet. Namentlich in den nördlichen Grenzländern Abessiniens, in Bogos u. s. w. wird starke Viehzucht getrieben, und die Herden kommen, wenn in ferneren Gegenden bessere Weide und mehr Trinkwasser sich finden, oft monatelang nicht zu den Wohnungen der Besitzer zurück. Die Rinder sind gewöhnlich mit Myriaden Fliegen bedeckt, die ihnen nachfolgen und wiederum die _Fledermäuse_, welche von letzteren leben, veranlassen, gleichfalls eine Wanderung zu unternehmen. Mit der letzten Rinderherde verschwinden auch die Fledermäuse spurlos, um mit dem Einrücken derselben in ihre alten Standquartiere auch wieder zu erscheinen. Die gemeinste Art der in Ostabessinien, namentlich um Massaua vorkommenden Fledermäuse ist der kleine von Rüppell entdeckte _Nyctinomus pumilus_. Auch häßliche Glattnasen (Phyllorina-Arten) kommen vor, die nicht nur in der Dämmerzeit, sondern die ganze Nacht hindurch fliegen. Der große _Pteropus schoensis_ zeigt sich auch am Tage und lebt von den Früchten der Feigen und Bananen.