21 Jahre in Indien. Erster Theil: Borneo.

Part 26

Chapter 263,516 wordsPublic domain

Nur schwer lässt sich aus der Sagenwelt der Dajaker weiter die Entwicklungsgeschichte der Urbewohner Borneos verfolgen; Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende lebten sie friedlich in den Wäldern, nährten sich von den Früchten der Bäume, Weichthieren, Insecten und später vom Wild des Waldes, in einzelnen Familien ohne jede staatliche Gemeinschaft; sie schützten sich mit dem Laub der Bäume vor den Unbilden des Wetters, und erst viel später (in historischer Zeit) bedeckten sie ihre Scham und gebrauchten Waffen. Erst die Einwanderer brachten den Bewohnern der Küste die Segnungen der Civilisation, welche nur langsam in das Innere der Inseln drangen, und bis heute nur theilweise die O. Punangs und Olo-Ott erreicht haben.

Die ersten Einwanderer waren die Chinesen; auf der Westküste erschienen sie bereits im 4.-6. Jahrhundert auf ihrer Pilgerfahrt nach Indien, um die Lehre von Buddha an der Quelle zu studiren, und zwar unter Fa Hiën (399 p. Ch.); im 7. Jahrhundert ist Phala = Brunei = Borneo proper bereits an China tributpflichtig.

Aber auch an der Südküste von Borneo scheinen die Chinesen schon seit den ältesten Zeiten sich angesiedelt zu haben, wie Valentyn mittheilt; sie haben sich jedoch auf die Staaten der Küste beschränkt und nicht, wie auf der Westküste, sich im Innern des Landes angesiedelt.

Wie Veth mittheilt, waren Araber die folgenden Einwanderer im Bandjermasingschen Reiche, obzwar es noch zweifelhaft ist, ob die Namen Mihradj und Sobormah, welche in arabischen Reisebeschreibungen vorkommen, thatsächlich die Insel Borneo andeuten.

Die erste Colonisation des Bandjermasingschen Reiches stricte dictu stammt von Java, und zwar im 14. Jahrhundert unter dem Klingalesen Lembong Mangkurat, welcher sich in Amuntay festsetzte. Der Sage nach soll er sich eine Zeit lang der Askese gewidmet haben, wodurch aus dem Schaum der See eine schöne, reizende Fürstin entstiegen sei: Putri Djundjong Buhi. Lembong Mangkurat hatte nämlich bei der Stiftung der Colonie einen Waringinbaum als ersten König und sich zu seinem Propheten auserkoren; als aber der Baum abzusterben begann, suchten sie einen Menschen, der durch seine hervorragenden Eigenschaften würdig sei, dem Waringinbaum zu folgen. Die schöne Prinzessin müsste jedoch einen ebenbürtigen Mann bekommen. Unter den Eingeborenen des Landes war dieser natürlich nicht zu finden, und so zogen die Aeltesten zu dem Sultan von Madjopahit (Java), dessen Sohn ein Krüppel war. Der Fürst von Madjopahit erlaubte nach langem Zögern seinem Sohne, dahin zu gehen. In der Mündung des Baritu stürzte er sich in den Fluss, und nach acht Tagen stieg er unter den Tönen einer Gamelang schön und wohlgebaut aus den Wellen. Als Pangeran Surja Nata wurde er Gründer und Stammvater des Reiches von Bandjermasing, welcher auch sofort eine Theilung in »Stände« veranlasste, und zwar in den eigentlichen Adel (O Bangsawan), Sclaven (Abdi), Bediente (Budak), Kriegsgefangene und Verwandte des Adels (Mardika).

13 Sultane hatte diese Dynastie der Hindus, welche sich jedoch auf die Küstenstaaten, und besonders auf die des Ostens, beschränkten; die Unterwerfung der Dajaker längs des Stromgebietes des Baritu ging nur sehr langsam vorwärts; denn nur so weit der Arm der bewaffneten Herrscher reichte, unterwarfen sich die Dajaker den Befehlen ihrer Fürsten auf Amunthay, später in Martapura und zuletzt in Bandjermasing. Ihre patriarchalische Regierungsform verleugneten sie selbst nicht einmal unter der Herrschaft der Europäer. Wie schon früher erwähnt, wurde der Islam unter Pangeran Samatra, einem Enkel des Akar Sungsang, am Ende des 16. Jahrhunderts eingeführt. Dieser hatte nach der Auflösung der Ehe mit seiner Mutter wieder geheirathet und vier Kinder bekommen. Seine Tochter Putri Kalarang verheirathete er mit einem Dajaker, und deren Sohn Pangeran Samatra ernannte er zu seinem Thronfolger. Dieser wurde also der Gründer der Hindu-Dajakschen Dynastie, welche bis zur Auflösung des Sultanats von Bandjermasing im Jahre 1864, also 256 Jahre lang den südöstlichen Theil von Borneo beherrschte und aussog.

Die Einführung des Islam geschah unter Sultan Surja Angsa 1608 mit Hülfe des Sultans von Demak (Java), dem die neue Dynastie tributpflichtig wurde; aber schon im Jahre 1642 ging zum letzten Male eine Gesandtschaft (unter Sultan Agun) nach Java, um dem Fürsten zu huldigen und den Tribut zu bezahlen.

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Unterdessen hatte schon so mancher Europäer vor Bandjermasing die Anker seines Schiffes fallen lassen. Während der +Portugiese+ Lorenzo de Gomez im Jahre 1518, der +Spanier+ Magellan im Jahre 1521 Borneo besucht hatten, im Jahre 1526 Don Jorge de Menges von Portugal zum Gouverneur der Molukken ernannt wurde und auf seiner Reise dahin auf Borneo gelandet war, und während schon im Jahre 1530 der Portugiese Gonsola Pereira von dem Sultan von Brunei gastfreundlich empfangen wurde, haben die +Holländer+ erst im Anfange des 17. Jahrhunderte mit Bandjermasing Handelsverbindungen angeknüpft. Im Jahre 1607 kam selbst nach Bantam (Java) die Trauermähr, vide Valentyn (»Alt- und Neu-Ost-Indien« III, Seite 244), dass Gillis Michielszoon, welcher von Jan Willemsz Verschoor den 14. Februar 1606 nach Bandjermasing geschickt worden war, von dem Sultan dieses Reiches ans Land gelockt und ermordet wurde. (Gleichzeitig, und zwar im Jahre 1609, sollen die Engländer im S. O. der Insel Borneo erschienen sein.) Sechs Jahre dauerte es, bis die Holländer (im Mai 1612) Bandjermasing dafür züchtigten und zerstörten. Die Residenz des Sultans wurde dann nach Martapura verlegt. Der Handel mit dem Pfeffer jedoch, welcher damals eine bedeutende Rolle spielte und viel Geld und Blut kostete, blieb in den Händen der chinesischen Kaufleute, da die Holländer, in Kriege mit dem Sultan von Bantam verwickelt, erst 14 Jahre später (1626) unter Jan de Coster und Adriaan de Marees mit zwei Schiffen (de Haen und de Fortuyn) wiederum mit dem Sultan des Bandjermasingschen Reiches einen Handelsvertrag schlossen, dem zufolge unter anderem der Pfeffer ausschliesslich an die N. Compagnie geliefert werden sollte, obwohl kurz vorher einige batavische Bürger auf ihrem Kreuzzug gegen die Spanier und Portugiesen ein bandjermasingsches Schiff erobert und dessen Bemannung nach Batavia gesendet hatten. Aber auch 2 Jahre später sah Martapura wieder ein holländisches Schiff in seinem Hafen, im Jahre 1629 (unter P. Croocq) und zwar das Schiff Velsen, und am 21. October 1630 den Rhederer Adolf Thomasz, welcher hier starb und durch Sebald Wonderaer ersetzt wurde. Dem Seeraub der Bandjeresen, welche die javanischen Fischer selbst bis zu den »nördlichsten Inseln von Batavia« verfolgten, machte zeitlich die »Tayovan« 1631 ein Ende.

Da Mattaram um diese Zeit seine Macht nur noch schwach gegen die holländische Compagnie vertheidigen konnte, schickte der Sultan von Bandjermasing den 2. September 1631 eine Gesandtschaft nach Batavia zum Zwecke eines Bündnisses, um die Javanen nicht mehr in sein Reich zuzulassen. Gerrit Corsz, welcher 5 Jahre später in Atschin (Sumatra) Handelsbeziehungen anknüpfte, ging am 18. Februar und im Juli 1633 nach Martapura, ohne grosser Erfolge sich erfreuen zu können, so dass die Maccau nur 235 Pikols Pfeffer (1 P = 62½ Kilo) den 20. November 1633 nach Batavia bringen konnten, weil die Macassaren den übrigen Vorrath bereits angekauft hatten. Martapura setzte sich unterdessen in Vertheidigungs-Zustand, und als Gysbert von Lodenstein mit sechs Schiffen nach Bandjermasing kam, stellte sich der Sultan mit 2-3000 Mann ihm entgegen. Vielleicht durch die +sechs+ Schiffe eingeschüchtert, sah er von jedem feindlichen Anfall ab und begab sich mit dem Gefolge auf das Schiff des Commandanten, den er um Hülfe nicht nur gegen die Javanen, sondern auch gegen die Macassaren bat. Zu gleicher Zeit wurden 1140 Picols Pfeffer und 2382 Bündel Rottang zum Verkaufe angeboten. Doch den 26. September liess die holländische Compagnie durch eine Gesandtschaft dem Sultan mittheilen, dass seine zweideutige Haltung ein Ende nehmen müsse. Der Sultan versprach dieses. Im Jahre 1635 sollte Martapura holländisches Geld (Ryksdaalders) aufnehmen und die spanischen Realen von sich abstossen. Die Silberarbeiter fanden jedoch dieses Silbergeld für feine Arbeiten nicht geschickt, und die holländisch-indische Regierung sah sich genöthigt, im September 1635 wieder die alten Realen dahin zu senden.

Unterdessen hatte der Sultan von Martapura sich die kleineren Fürsten von Mendawa, Pulu Laut, Kota-Waringin, Succadana, Landak Samba, und selbst die ganze Ostküste der Insel tributpflichtig gemacht.

Als daher den 24. Juli 1635 sein Gesandter auf dem holländischen Schiffe Manilla nach Batavia kam und den Holländern den ausschliesslichen Handel mit Pfeffer anbot, bewilligte die Regierung gern seine Gegenforderung, welche in der Hauptsache auf einen Vorschuss für den noch zu liefernden Pfeffer und auf die Entfernung der javanischen und macassarschen Kaufleute aus dem Reiche Pasir (Ostküste Borneos) sich bezogen.

Es scheint, dass die Portugiesen schon damals, und nicht erst nach 1669, die Südküste Borneos besucht hatten; sie trieben zwar nur auf der Insel Laut mit Gold und Sclaven einen ausgebreiteten Handel; aber die Bandjeresen gebrauchten sie gerne, um für ihren Vorrath an Pfeffer durch ihre Concurrenz grössere Preise von den Holländern zu erzielen.

In demselben Jahre (1635) waren jedoch auch englische Kaufleute unter Tewseling in Martapura erschienen, brachten einen Empfehlungsbrief und Geschenke vom englischen Präsidenten mit und boten gegen Gewährung von Freihandel dem Sultan so viel Geschütze und Pulver an, als er besitzen wollte. Auch von der holländischen Regierung erhielt der Sultan von Martapura zwei vollkommen ausgerüstete Kanonen mit einem Briefe, in welchem besonders auf das zweideutige Benehmen des Radja Itam hingewiesen wurde. Dieser liess nämlich den Engländern alle mögliche Hülfe zur Errichtung einer englischen Factory leisten. Der holländische Schiffscapitän Soop protestirte natürlich dagegen; der Sultan jedoch erklärte, dass der Handel mit Pfeffer von dem Freihandel ausgeschlossen werden würde und das Privilegium der hohen indischen Regierung bleibe.

Natürlich fuhr Martapura fort, trotz dieser schönen Versprechungen, einen ausgebreiteten Pfefferhandel mit Siam, China, Macassar, Cochinchina u. s. w. zu treiben.

Demungeachtet richtete sich die holländische Compagnie zum Zuge gegen Pasir und Kutei, und am 7. October 1635 ging der Sultan von Martapura an Bord eines der Schiffe, welche von Markus Heyndriksz commandirt wurden, nach der Ostküste Borneos, um Pasir von fremden Kaufleuten zu befreien. Den 8. November kamen sie nach Kutei, dessen Sultan jedoch durch geheime Boten davon verständigt wurde und also Zeit hatte, sich in Vertheidigungszustand setzen zu können. Der Führer der holländischen Flotte wagte es nicht, einen Anfall auf die zu stark befestigte Hauptstadt dieses Reiches zu unternehmen, und begnügte sich, Unterhandlungen mit dem Sultan anzuknüpfen. Es gelang ihm auch, mit ihm, der den langen Namen Ady Patty Cinom Pangy Amodappa Ingh Martapura führte, einen Vertrag zu schliessen, demzufolge sein Reich die Souveränität des Sultans von Martapura anerkannte, und er den Bandjeresen und Holländern freien ungehinderten Handel gewährte. Der Sultan von Pasir zeigte sich jedoch viel weniger gefügig, worauf die Stadt beschossen, in Asche gelegt und 50 grössere oder kleinere Schiffe, welche in dem Hafen lagen, vernichtet wurden. Als der König von Martapura dies erfuhr, gab er den 2. December dem Commandanten ein grosses Diner und einen schmeichelhaften Brief an den Gouverneur-General, in welchem er alle seine Versprechungen wiederholte. Darunter war das wichtigste Versprechen, dass er an England keinen Pfeffer liefern wolle und jeden Handel mit diesem unterdrücken würde.

Unterdessen hatte jedoch Wollebrand Geleinsz, während der König vor Kutei lag, mit seinen Vertretern Radja Itam und Retua dy Ratya so wenig Erfolg (weil diese die Engländer begünstigten), dass den 24. Januar 1636 Pool mit sechs Schiffen dahin zog, um einen bindenden Contract zu erhalten. Der Sultan war jedoch noch nicht in Martapura anwesend; die Flotte zog also vorläufig nach Celebes, um die »Feinde der Compagnie zu vernichten« in der Erwartung, bei ihrer Zurückreise den Sultan in Martapura zu treffen.

Auch mit Cochin-China trieben die Martapuresen in damaliger Zeit ausgebreiteten Handel, und es ist unbegreiflich, dass in den letzten Jahrzehnten, ja selbst seit mehr als 100 Jahren, der Handel des Bandjermasingschen Reiches so darniederlag, und selbst heute noch überhaupt kein Pfeffer exportirt wird.

Natürlich blieben die Martapuresen auch mit den Engländern, Javanen, Macassaren und Malayen in steten Handelsbeziehungen, obwohl ihr Sultan stets mit 3-4000 Realen bei der holländischen Regierung im Schuldenbuch stand. Ja noch mehr. Der Einfluss der Engländer wuchs mit jedem Tage, sie mochten selbst den Baritu aufwärts fahren, um direct mit dem Sohne des Sultans Handel treiben zu können.

Die Behinderung der Javanen an dem Handel auf der Ostküste Borneos verschaffte dem Sultan von Martapura neue Feinde, und zwar den Kaiser von Mattaram, den Sultan von Surabaya und den Fürsten von Cheribon (welche drei Staaten auf der Nordküste von Java lagen), so dass er sich stark genug fühlte, sein Reich gegen einen gemeinsamen Angriff dieser drei Reiche zu vertheidigen.

Auf sein Ersuchen wurde also in dem untersten Theil des Barituflusses ein holländisches Schiff stationirt, um eine Ueberrumpelung seiner Hauptstadt von Seiten der javanischen Fürsten unmöglich zu machen.

Die englische Partei auf seinem Hofe bekam jedoch wieder bald das Uebergewicht über die der Holländer. Radja Itam veranlasste den Sultan, nach Bandjermasing zu gehen und dieses zu befestigen. Wenn er auch schon nach kurzer Zeit diese Arbeit wieder einstellte und in Martapura wohnen blieb, so triumphirte in allem andern die englische Partei.

Den 16. April 1638 brachte ein atschinesisches Schiff die Nachricht nach Batavia, dass die ganze holländische Colonie in Martapura ausgemordet und das Schiff Hoogcarspel, welches in dem Barituflusse lag, verbrannt wurde.

Danach schloss der Sultan von Martapura mit dem Herrscher von Macassar ein Offensiv- und Defensivbündniss, welcher dem Bandjeresischen Gesandten Bahong mittheilte, dass »auch er die Holländer in sein Land zugelassen hätte, und dass er sie ebenfalls später, wenn sie genug Schätze erworben und ein schönes Haus erbaut haben würden, zu ermorden gedenke, um gerade wie sein guter Freund von Martapura auf diese Weise Reichthümer zu erwerben«.

Aber auch seinen Collegen von Kota Waringin überredete der Sultan von Martapura, ein gleiches Blutbad unter den Holländern anzurichten. Der »Oberkaufmann« Nicolaas Cloet (= Clut) wurde mit seiner Mannschaft zu einem Gastmahle auf das Land gelockt, ermordet und die 2 Schiffe »de kleine Maan« und der »indische Zwaan« überrumpelt und geplündert.

Natürlich sah Bandjermasing sehr bald (April 1638) die rächende Flotte an seinen Ufern. 27 gefangene Martapuresen wurden, an Ohren, Nase und Genitalien verstümmelt, nach der Hauptstadt gesandt, um Schrecken und Furcht unter der Bevölkerung zu verbreiten. Um seinen Unterthanen etwas Muth einzuflössen und zu verhindern, dass sie sich in die Urwälder flüchteten, liess der Sultan urbi et orbi verkündigen, dass ein sehr alter, in seinem Palaste verpflegter Heiliger bei einem Anfall der Holländer den ganzen Fluss 40 Tage hintereinander vergiften und auf diese Weise die Feinde zum Abzug zwingen werde. Zu gleicher Zeit liess er Schanzen und Verstärkungen anlegen, an welchen besonders die in Martapura anwesenden Chinesen sich betheiligen mussten.

Radja Ade Patty Tape-Sana hatte sich an dem Morde der Holländer nicht betheiligt, weil er mit ihrer Hülfe den Thron zu erobern suchte, und hielt sich auch bei diesen Befestigungsmaassregeln passiv.

Dieses benutzten die Holländer, um ihn zu einem Bündniss zu bewegen, die Mörder auszuliefern, um dann mit Hülfe der Holländer »als König über das ganze Land in Ruhe und Frieden regieren zu können«.

Martapura wurde also vorläufig blockirt, und zwar 3 Monate lang. Als die Schiffe nach 3 Monaten zurückkehrten, hatten sie 7 Bediente der Compagnie an Bord, welche früher zum Uebertritte zum Islam in ihrer Gefangenschaft gezwungen und gegen 7 Martapuresen ausgetauscht worden waren.

Als übrigens während der Blockade die Nachricht gekommen war, dass in Kota Waringin der letzte Rest der anwesenden Holländer ermordet wurde, mussten die übrigen gefangenen Martapuresen das Schicksal ihrer früheren Leidensgenossen theilen. Verstümmelt wurden sie ans Land gesetzt, um Furcht und Schrecken in der Hauptstadt des bandjeresischen Reiches zu erregen.

Da der Sultan vor einem günstigen Erfolg des Tape-Sama sich fürchtete, vielleicht auch, um den Zorn der holländisch-indischen Regierung zu besänftigen, liess er einen Brief mit Friedensvorstellungen nach Batavia schicken. Sein Ziel erreichte er jedoch nicht. Denn schon den 21. October desselben Jahres wurden 4 Schiffe nach Bandjermasing gesendet, »um den Mördern keine Erholung zu geben und ihre Flüsse fortwährend abgeschlossen zu halten«, die Auslieferung aller Mörder und Rädelsführer zu verlangen und für die grosse Expedition alle nothwendigen Maassregeln zu nehmen.

Unter den übrigen Nationen, welche auf der S. O. Küste Borneos Handel trieben, waren auch Dänen.

Gegenüber diesen und den Engländern sollte der Commandant Walravens nur mildere Saiten aufziehen.

Die Martapuresen liessen sich durch diese Blockade nicht die geringste Furcht einjagen; denn bei Nacht, und selbst bei Tage, konnten bequem kleine Kähne, beladen mit Nahrungsmitteln und Munition, von Macassar oder von Java die Blockade brechen, weil die grossen Schiffe der Holländer ohne günstigen Wind sich kaum bewegen konnten. Auch den Canal Kween hatten die Martapuresen so stark und so geschickt verbarricadirt, dass selbst das Einfahren (am 26. November) diesen grossen Schiffen unmöglich wurde.

Nur eines Erfolges konnte sich diese Expedition erfreuen. Das englische Schiff The Providence, dessen Capitän 20000 Realen von dem Sultan eincassiren wollte, musste unverrichteter Sache abziehen.

Als aber den 1. April Walravens wegen des ungünstigen Gesundheitszustandes seiner Matrosen unverrichteter Sache nach Batavia zurückkehrte, zog das englische Schiff de Coster mit »Flagge« und »Wimpel« bis Martapura.

Am 27. März 1641 wurde also Gillis van den Rande dahin gesendet, um die erbeuteten Kanonen und die schuldigen 50000 Realen, wenn auch nicht in Pfeffer, so doch mit Gold, Wachs, Rottang, Perlen und Diamanten bezahlen zu lassen.

Tapesana hatte im Jahre 1642 den Thron bestiegen und durch chinesische und malayische Handelsleute mit der holländischen Regierung Verbindungen angestrebt; da er sich jedoch zur Auslieferung der geraubten Kanonen und der Mörder nicht entschliessen konnte, blieb Batavia -- bei dem Drohen mit einem grossen Revanchekrieg. Dieser kam auch niemals zu Stande. Ja, noch mehr. Im Jahre 1660 wurde mit Martapura ein neuer Vertrag geschlossen, bei welchem dem Sultan die alte Schuld von 50000 Realen erlassen wurde!!

Wenn auch 1664 dieser Contract dahin erweitert wurde, dass der ganze Handel in den Händen der Holländer bleibe, erhielt Antonie Hurdt im Jahre 1665 doch nicht mehr als 36 Lasten Pfeffer. Unterdessen hatten die Engländer auch nicht müssig gesessen und alles zur Errichtung einer Factory vorbereitet. Es war nämlich im Jahre 1669 der holländische Bevollmächtigte ermordet worden, und der Sultan hatte den Wunsch geäussert, dass sein Nachfolger sich an dem Aufsuchen der Mörder betheiligen sollte. Aber auch diesen ermordeten die Martapuresen.

Endlich hatten die Martapuresen ihr Ziel erreicht und auch die Engländer in ihre Falle gelockt; diese errichteten im Jahre 1698 in Martapura eine Factory und erklärten diese Stadt als den Hauptplatz ihres indischen Gebietes. Zu diesem Zwecke wurden einige hundert Buginesen gemiethet, welche die Factory bewachen sollten, und während der Chef auf dem Flosse wohnte, wurde auf dem Lande eine kleine Redoute mit 10 kleinen Kanonen gebaut. Als zur selben Zeit eine englische Colonie in Kambodja angegriffen und geschlagen wurde, flüchteten sich die Reste nach Martapura, und dasselbe geschah in Siam, dessen Chef die Factory in Martapura übernahm. Sie betrugen sich mit so viel Stolz und Uebermuth, dass der Hof und die Einwohner von Martapura nur in stiller Wuth dieses ertrugen und endlich den Plan fassten, die englische Factory auszumorden. Die Engländer bekamen davon Wind und ergriffen die Offensive. Sie eroberten Bandjermasing, Tatas, Kaju Tinggi und Martapura, 7 Kanonen, 100 Gewehre und 20 Kojang Pfeffer.

Gegen eine Kriegsentschädigung von 3000 spanischen Matten gaben sie jedoch alles an die Martapuresen zurück. Im Jahre 1707 jedoch, und zwar am 1. November, schüttelten diese das verhasste und unerträgliche Joch der übermüthigen Engländer ab und ermordeten die ganze englische Factory bis auf ihren Chef Thiems, welcher auf einem holländischen Schiffe, und einen Schiffscapitän, welcher auf einem englischen Schiffe nach Batavia entkam. Der Sultan von Martapura erklärte jedoch, gegenüber dem Hass seiner Unterthanen gegen die Engländer ohnmächtig zu sein, in Zukunft zwar mit ihnen weiter Handel treiben zu wollen, aber niemals mehr die Errichtung einer englischen Factory zulassen zu können. Dieses dauerte jedoch nur bis zum Jahre 1746.

Nach dem Blutbade von 1669 sah Martapura 23 Jahre lang kein holländisches Schiff vor seinen Ufern. Nachdem im Jahre 1692 der Holländer Jacob Jansz wieder in diesen Hafen eingelaufen war, konnte er nur mit den Portugiesen und Engländern zugleich einigen Pfeffer erstehen, so dass vorläufig der holländische Handel untergraben blieb.

Im Jahre 1712 drohte Martapura mit Brunei in einen Krieg verwickelt zu werden, und beide riefen die ostindische Compagnie zur Hülfe. Zu Martapura befanden sich zwar seit dem vorigen Jahre (1711) holländische Schiffe unter N. van der Bosch und Abraham Poele, um den Chinesen den Handel mit Pfeffer zu entreissen; es gelang ihnen dies nicht, und doch blieben sie in dem Hafen, um nach erhaltenem Auftrag von Batavia ihre Hülfe gegen Brunei zu verlehnen. Der Sultan von Martapura jedoch drang darauf, ein Bündniss mit Batavia zu schliessen (1714), welches im Jahre 1733 erneuert wurde. Obzwar den Holländern der Alleinhandel versichert wurde, und diese gestatteten, dass jährlich ein Jonk mit Pfeffer nach China gehe, konnte Martapura mit allen möglichen Nationen und besonders mit China und England Handel treiben. Sobald ein holländisches Schiff ankam, waren alle möglichen Ausreden bei der Hand, um ihnen keinen Pfeffer zu verkaufen. Bald war eine schlechte Ernte, bald ein zu kleiner Vorrath, bald etwas anderes die Ursache, dass Martapura an die Holländer keinen Pfeffer liefern wollte.

Die Waffen mussten also im Jahre 1746 den Sultan von Martapura zwingen, sein immer und immer gegebenes Versprechen einzuhalten. Lieutenant Ackerveldt blockirte den Hafen und zwang alle Schiffe der Engländer, Chinesen u. s. w., die Insel zu verlassen; als nebstdem im nächsten Jahre (1742) van der Heyden mit sechs Schiffen vor der Mündung des Martapuraflusses erschien, schloss der Sultan, ohne eine Beschiessung der Stadt abzuwarten, denselben Contract als im Jahre 1664. Er übergab nämlich den ganzen Handel mit seinem Reiche an die Holländer und gestattete, dass diese zur Sicherstellung des Vertrages zwei Forts in seinem Reiche bauten, und zwar auf Tabenio und Tatas (bei Bandjermasing).

Dies ist der Anfang vom Ende des Bandjermasingschen Reiches mit einem Hindu-Dajakischen Fürsten.