Virgilio nel Medio Evo, vol. II

Part 14

Chapter 144,013 wordsPublic domain

Ain man ze Rôme saz alsus, Der was genant Virgilius, Der was ze Rôme alsô kluok, Daz er zaubers vant genuok, Als ich eu wil beschaiden, Er was ain rechter haiden, An rechtem glauben was er blint, Er was gar der helle kint, Ich wil eu sagen, wie er gewan, Virgilius der helbe man, Daz er kunde zaubers vil, Vor nieman ich daz heln wil, Ich sage eu ze rechte Von dem selben knechte, Wie er dâ daz zauber vant. Daz ist mir von im bekant: In ainem wein garten haut'er Vil gar nâch seines herzen ger, Vil vast er in die erde slouk, Daz ez deu hauwe kaum vertrouk; Sô grôz sein hauwen, sein slag was, Daz er kam auf ain glas, Daz was teuvel alsô vol, Daz ich sein nicht sagen sol; Daz glas er auz der erde nam: «Vil wurme ich in dem glase hân,» Sprach der selb' Virgilius «Ich wil ez hie behalten sus, Des hân ich vrum und êre, Swa ich in dem land' hin kêre.» Dô sprach der teuvel auz dern glas, Der dar in verslozzen was: «Virgilius, lâz uns varn, Wir wellen dich immer bewarn Vor aller hande laide: Lâz uns vam auf die haide, Wir wellen dich kunst lêren vil, Daz dû hâst vröude unde spil Immer unz an deinen tôt, In disem glas ist grôzeu nôt, Zwên und sibenzig ist unser schar, Wir sagen dir sicherleich vür wâr.» Dô sprach Virgilius der man: «ich mag mich nicht an euch gelân. Lêrt ir mich granze lêre, Sô swer ich eu des sêre, Daz ich daz glas zerbrechen wil; Lêrt ir mich kunst alsô vil, Daz ich sein vrum gewinnen mak, Ich swer eu noch an disem tak, Daz diz glas von meiner hant Zerbresten muoz sâ ze hant.» Ze hant die teuvel alle Lêrten in mit schalle Die zauber list ân' ârbait, Als sie noch in der Kristenhait Allenthalben umbe gât, Wer zaubern kan, ân' missetât. Dô er die kunst von in enpfie, Ze ainem staine er dô gie, Er brach daz glas, und lie sie varn, Die teuvel alle mit irn scharn. Ze hant gedâcht' Virgilius: «Ich mouz ir kunst versuochen sus, Seit die teuvel sint von hinnen, Nu getrauw' ich wol gewinnen, Baideu, êre unde guot, Wie wol daz meinem herzen tuot, Daz ich vrum und êre Gewinn' ân, herzen sêre!» Virgilius der selbe man Begunde nû ze Rôme gân Unt versuocht' sain maisterschaft, Ob ez waer' wâr der teuvel kraft. Er macht' ze Rôm' ain stainein wei, Von künste deu het ainen leip, Swann' ain schalk, ain bœser man Wolte ze ainem weibe gân, Daz er gie ze dem staine, Der bœse, der unraine, Daz im was bei des staines leip, Recht als ob er wær' ain weip. Nicht vür baz ich eu sagen sol, Mein mainung' wizt ir alle wol. Des zaubers traib er genuok, Er was ain man unmâzen kluok, Ich mag ez nicht gar gesagen, Der wârhait muoz ich vil verdagen, Wan ainez waiz ich vür wâr, Daz sag' ich eu offenbâr, Daz er umb ainer vrauwen min Warb, deu was ain burgærin Und was ze Rôm' in der stat Gesezzen, wan er sie dikke bat, Daz sie seinen willen tæte: Doch was deu vrauwe stæte, Daz sic in nicht wolte gewern, Des er an sie mochte gern. Doch liez er nicht sein werben, Er jach, er muest'ê sterben, «E daz ich von eu lâze; Eur minne kumt mir ze mâze.» Sie sprach: «euer unsin eu lait gebirt, Wan ich sag' ez meinem Wirt; Und wært ir schœner dann' Absolôn, Mein minne ist eu versaget schôn; Ich wil eu sein gar ze rain; Ez muesten bresten alle stain' E ich eu wærleich wolt' gewern, Des ir welt an mich begern. Gêt hin, lât mich âne nôt, Mein man tuot eu den tôt, Dem wil ich ez sagen sicherleich, Euwer red' ist gar unbilleich.» Virgilius sein nicht enliez, Silber, gold er ir gehiez, Der vrauwen sicherleiche, Er was ân' mâzen reiche. Dô er die vrauwen wol getân Von dem gewerb nicht wolte lân, Dô gie sie zuo irm wirt Und sprach: «ain weiser man ir birt, Unde seit nicht ze alt; Achtet nû, wie ich behalt' Meine weipleiche êr', Die ich von meiner kinthait her Mit züchten hân behalten; Mit êren muoz ich alten, Ob ez nû euwer wille ist. Nû râtet mir in kurzer vrist, Daz ich Virgiliô engê; Der tuot mir nôt unde wê Z'wâr umb meine minne; Nû nemt in euwer sinne, Wie ich sein kunst umbe gê, Daz mir mein êr' von im bestê.» Ir êleich man sprach ze hant: «Vrauw', dein laster und dein schant Wære mir von herzen lait; Swie vol er ist der kündikait, Sô wil ich trachten, vrauwe mein, Daz er muoz geschant sein. Nû volg', vrauw', meinem râte, Sende nâch im drâte, Und glob' im, liebeu vrauwe mein, Dû wellest gar den willen sein Laisten heint bei diser nacht, Des habest dû dich vil wol bedacht Dû solt im deu mæere Sagen, ich sei mit swære Von dir geriten und mit zorn, Dû habst mein huld umb sust verlorn. Sag' im, er müge nicht schier In daz haus komen zuo dir, Ich habe dich in starker huot; Sprich: «mich dunket guot, Daz ich eu liez' ainen korp ze tal, Dar in sô sizt ir âne schal; Deu sorge euch vil gar verbirt, Wan sein nie man innen wirt; Eurn willen tuon ich sicherleich, Auf zeuch ich euch vrôleich In den turn den ich hân, Euwern willen wil ich begân.» Sô er sicht den willen dein, Sô wil ich ân' angest sein. Swaz ir der wirt vor sprach, Deu vrauwe tet ez alleznâch: Sie sante nach Virgilium, Sie sprach: «seit ir ein degen vrum, Daz sült ir mir heint erzaigen: Ich gib' mich eu vür aigen Heinte bei diser nacht; Mein man hât sich nicht bedâcht, Wan er mich sêr geslagen hât: Dâ von sô ist daz mein rât, Daz ir heinte kumt ze mir, Des ir mich bit, daz tuon ich schier Heint bei dirre nachte zeit; Mir ist in den landen weit Nicht sô laides, sô mein man; Laides ich im vil wol gan.» Dô der her Virgilius Von der vrauwen hôrt' alsus Die rede die sie het getân, Er sprach: «sol ich heint zuo eu gân?» Sie sprach: «ich vürchte die huot, Ich râte, daz ir sô wol tuot: Lât euch in ainem korbe schier Her auf sicherleich zuo mir Ziehen, daz ist recht getân.» «Vil gerne, vrauwe» sprach der man. «Wan ich ez immer dienen sol, Ir seit aller tugent vol.» Des nachtes dô ez spate wart, Virgilius gie auf die vart Zuo dem selben turne hin, Er warf mit ainem stainlin In daz venster, daz ez erhal. Dô gie deu vrauwe âne schal Und entslôz daz venster schier, Ir êleich man gie mit ir; Sie sach her ab, und sprach alsus: «Seit ir dâ, her Virgilius?» Er sprach: «vrauwe wol getân, Den korb sült ir her abe lân. Dâ wil ich sizzen in.» — «Ir habt dar an weisen sin.» Ze hand sie den korb liez, Als sie Virgilius dâ hiez. Dâ saz schôn Virgilius in: «Ir habt dar an weisen sin.» Wan sie in auf mit sinne gar In den turn zôch z'wâr Wol dreier gadem hôch ; Nicht vür baz sie in auf zôch, Sie strikt' in zuo, und liez in hangen; Sein wille was nicht ergangen; Sie was ein vil reinez weip, Keusch und schœne was ir leip. Des morgens dô ez tagte, Den Rômern man ez sagte, Daz der weis' her Virgilius Wær' an ainen turn erhangen sus; Dô sprach vil manig man : «Ich glaub' sein nicht, ich seh' ez an; Wan z'wâre, sein weiser leip Ist weiser, denne man oder weip ; Dâ von ez nicht ergên mak, Sein leip ist weise nacht unt tak.» Dô sagt' man in deu mære, Daz ez deu wârhait wære ; Dô giengen die Rômære dar Und nâmen seiner nôt war. Ze jungest kam ir êleich man Schôn zuo im geriten dan, Sam er wær' von dannen gewesen. Virgilius mochte kaum genesen. Wan er het swær' und ungemach. Iegleich Rœmer zuo im sprach: «Wie ist daz komen, Virgilius, Daz ir hie hanget alsus?» Virgilius sprach in stille: «Ez was z'wâr mein wille.» Dô sprach der vrauwen êleich man: «Wer brâcht euch zuo dem turne dan, Daz ir hangt an meiner maur? Ich wæn', ez sei eu worden saur. Doch ist ez mir an eu lait, Ir habet erliten smâchait.» Der wirt ze hand den weisen man Liez in von dem turne dan, Daz in daz volk allez sach. Er het grôzen ungemach Unt vil grôzen smerzen An leibe und an herzen. Dô man Virgilium her ab geliez Als in des hauses wirt hiez, Dô begund' er sêre trachten Und in dem herzen achten, Wie er dem getæte Daz deu vrauwe stæte Von im laid gewünne, Und auch alz ir künne Von dem laid geschant würde, Daz was ain swæreu bürde. Dâ mit der ungeheure Schuof, daz daz veure Erlasch, daz in Rôme was; Wunder was, daz icht genas, Man mochte nicht gebachen, Noch ezzen gemachen, Man mocte nicht gebreuwen; Sie beten vil der reuwen, Sie wâren nâch des hungers tôt Da von sie liten grôze nôt. Dô die Rômære Liten grôze swære Dô begunden sie trachten, Wie sie daz gemachten, Daz sie gewunnen veuwer; Daz vas nie man sô teuwer, Der ez betrachten kunde. In der selben stunde Sprach ain Rômær' under in: «ich wil eu sagen meinen sin, Ich rât', daz man Virgilius Bite vleizikleich alsus, Der ist gar ain herre, Dem sagen wir, waz uns werre, Sô wirt unser ungemach Verkert» alsô der Rômêr sprach. Der rât begund' in allen Vil rechte wol gevallen; Dô giengen leicht' unde vrum, Alle vür Virgilium, Und sprâchen: «herre, euwern rât Suochen wir, umb ain missetât, Sie tuot uns alsô grôze nôt, Vor hunger wellen wir ligen tôt, Wir mügen nicht gebachen, Wir mügen nicht ezzen machen, Des muezen wir verderben Und hie ze Rôm' ersterben: Nû wizzen wir, her, dein weistuom, Der ist uns unmâzen vrum.» Virgilius sprach: «ich wil eu sagen, Ir mügt der rede stille dagen, Wan sag' ich eu die wârhait, Daz wurd' eu âne mazen lait, Ir litet ser und ungemach.» Alsus Virgilius gen in sprach. Dô sprâchen gar mit swære Die weisen Rômære: «Herre, sein ist nicht ze vil, Swaz dü, vreunt und herre, wil, Daz tuon wir gern mit sinnen, Daz wir veur gewinnen, E wir alsus verderben Unt hie ze Rôme sterben: Der hunger machet uns blint. Uns stirbet weib unde kint.» Er sprach: «ist eu der hunger lait, Sô sweret mir des ainen ait, Daz ich euch haize tuon in zeit, Daz ir da wider nimmer seit, Und daz ich euwer hulde Hab' umb die selben schulde, Wan ich durch euwern willen Wil hie daz veuwer vinden.» Dô wurden sie ze râte, Daz sie vruo und spâte Im nimmer wolten wider sein. Sie sprâchen: «wir wellen den willen dein Tuon vil gar, nâch deinem rât; Ob sich under uns ie man hât Versaumt gegen dir, daz lâz dû varn, Wir wellen uns gen dir vür baz bewarn. Er sprach: «daz swert mir hie ze stet» Alsus Virgilius gen in ret; Des swuoren sie im mit laide Iegleicher zwên' aide. — «Mit hulden ich ez sprechen sol, Euch bewart nie man sô wol, Der euch von laide schaide, Daz sag' ich eu bei mainem aide, Sô deu vrauwe sicherleich, Deu dâ ist in dem turne reich. Dâ ich mit nœten an hienk.» Vil maniger nâch der vrauwen gienk, Die ir mâge wâren, Die sach man nâch ir vâren. Ir man mit vlêge und mit bet'. Doch er ez ungerne tet, Wan er muost' in des günnen, Er und al sein künne, Daz sie zuo her Virgilio gie. Virgilius sie schôn enpfie; Er sprach: vrauwe wol getân, Welt ir daz land nicht lân zergân Und die leut' dar inne, Sô volget meinem sinne Unt tuot nâch meinem râte. So gewint ir veuwer drâte, Oder ir muezt verderben Und mit samt in sterben.» Sie sprach: lieber herre mein, Möcht' ez in euwern hulden sein, Sô bæte ich euch vil gern, Ob ir mich woltet gewern, Sô liezt ez sein ain ander spil: Ich hân doch von eu laides vil. Er sprach: vrauw', des mag nicht gesein, Ez muest ê trukken sein der Rein, Ob ich ez liez' an disem tak: An' euch, ez nie man geschaffen mak.» Deu vrauwe sprach: lât mich sehen, Swaz mir hie sülle geschehen.» Dâ mit Virgilius sprach, Dô er sie schône vor im sach: «Vrauwe, seht ir disen stain, Dar auf sült ir sten al ain, Daz gewant sült ir ab ziehen, Ab dem stain sült ir nicht vliehen, Ir sült nicht haben, wan ain hemde Ander klaider sint eu vremde, Und sült ir daz after muoder z'wâr Hinden auf heben gar, Und an allen vieren stân: Ze hand sô sol weib und man Zünden vor dem hinder tail. Swer dan gewinnet daz unhail, Der zuo dem andern zünden wil. Sô wirt in baiden nicht ze vil, Wan sie erleschent baid' daz liecht; Daz man ez nimmer brinnen sicht; Wellen sie aber veuwer hân Sô muezen sie hin wider gân Und muezen wider zünden, So beginnet der after lünden.» Dô sprach deu vrauwe wol getân: «Ê wolt' ich den leib lân, E ich hete solhe schant, Ich wolt' ê raumen alleu lant.» Dô sprach Virgilius der man: «Alsô mag ez nicht ergan, Im muoz anders geschehen: Weln sie vröud' und wunne sehen, Sie muezen euch dar zuo twingen, Sô mag in wol gelingen.» Dô daz erhôrten ir mâge, Dô heten sie manige vrâge; Auch sach ez ze hand ir man, Daz ez nicht anders mocht' ergân; Dô griffen sie an mit vleg' mit bet. Deu vrauwe ez ungerne tet, Wan sie schamt' sich sêre, Ir laides des ward mêre; Sie jach: «ich láz' mich tœten ê, Ê ez alsô an mir ergê.» Dô nicht half weder drô, noch bet', Nû hœret, wie ir wirt tet: Er wolt' des nicht erwinden, Er hiez die vrauwen binden, Daz gewand hiez er ir ab ziehen, Des mocht' sie nicht enpfliehen, Er stalt' sie nider auf den stain, Ir scham was da nicht klain: Dâ muost' deu vrauwe mit schal Daz veuwer geben über al, Wan sie muost' auf dem staine stân, Des wolte man sie nicht erlân; Der aine truog ain kerzen dar, Der ander unslit z' wâr, Der dritte truok ainen schaup, Der vierde ainen boschen laup, Der vünfte truog ain buechein her, Der sechste ainen brand swær'. Alsô zunten sie alle samt: Daz was der vrauwen ain bitter amt; Alsô muost' sie ez leiden Und mocht' ez nicht vermeiden, Sie muost' die scham und die nôt Leiden, sie was nâhen tôt. Dâ mit Virgilius drât Vuor von Rôm, und baut' ain stat, Als sie heute ist bekant, Die ward Napels genant, Mit listen er ez ane vie. Daz ez nâch seinem willen gie, Rechte als er wolde Und als er mit listen solde, Wan ez ze recht alsô ergienk; Die stat er an dreu eijer hienk, Daz ez von im noch hât die kraft Unt von seiner meisterschaft, Swer sie zerbraech, deu stat versünke, Daz volk vil gar ertrünke. Daz bewart man in der stat wol. Swer gegen dem eije greifen sol, Sô zittert deu stat über al Und die heuser âne zal. Dar nâch Virgilius der her Vant dennoch liste mêr, Er macht' ain bilde êrein, Daz bilde muost' von gold sein, An dem bilde was gegraben Mit guldeinen buoch staben: «Dâ ich hin zaig', daz ist ain hort; Swer in begreift, daz ist ain ort Seiner armuot ab bekomen.» Dô daz die leute heten vernomen, Dô kamen der leut' ain michel tail, Iegleicher versuocht' sein hail, Ob im der hord würde, Daz im der sorgen bürde Muest' dâ von geringet sein Und ganzeu vröude werden schein. Die ain band het daz bilde Geleit auf den bauch wilde; Der ander arm stuond gerakt, Des maniger dikke lacht', Daz bilde dâ zaigen began Mit seiner hand wol getân An ainen berg, der gegen im lak; Alsô zaigt' ez nacht unt tak; Mit dem vinger vür sich hin: Dâ suochte maniger den gewin Und gruoben den berg umbe, Der weise und der tumbe. Sein vinger im gerekket was Gegen dem berg, als ich ez las; Der ander vinger zaigen began Gegen dem bauch den hort an. Des verstuont sich nie man dâ: Sie vuoren nâch dem vinger sâ, Der dâ stuond nâch dem berk, Dar inne so worchten sie manig werk, Wan sie wânden, daz sie dort Vünden in dem berg den hort: Den hort dâ nie man gesach, Aines tages ain trunken man sprach: Wie lang sol uns daz bilde Effen an dem wilde? Ich wil die leut' an im rechen Un wil ez genzleich zerbrechen.» Seinen kolben er bei dem orte vie, Vil trunken er gegen im gie, Und sluog ez dâ an seinen nak, Daz ez auf der erden lak, Seinen hals und seinen nak, Dannoch schain nicht der tak, Wan ez bei der nacht was: Daz golt viel nider auf daz gras. Dar an sol man gesehen wol, Wer grôzez guot haben sol, Dem muoz ez werden beschaffen, Ez sein laijen oder pfaffen; Als dem trunken manne geschach, Der daz bilde dâ zerbrach, — Diz bild' sol nie man effent sein — Der west' nicht, daz daz guot was sein, Unz er daz golt truok von dan: Dâ ward er ain reicher man, Im wart beschert grôzez guot. Owê, wie sanft ez manigem tuot, Daz er gewinnet sæld' und hail. Owê, wurd' uns des auch ain tail! Des helf' uns Got von himel reich, Z'wâr, sô würden wir vröuden reich.

X.

ENRICO DA MÜGLIN

(Ved. vol. II, pag. 101).

1.

Venedig ist ein gute stat, die hôrt man lobin. dar in wâren edler herren vil, die wolten ziehen hin uber mer von kinden und von frouwen, si wolten gut gewinnen, dar nâch stund ir sin. ein schrîber hiez Virgilius der zôch mit in ûf einem kiel, der was sô wol erpouwen, si nâmen urloub sâ zehant. dô sprâchen si zu wiben und zu kinden: «und kumb wir wider her ze lant, wir trouwen Got, das wir ûch frôlich vinden.» hin an den kiel sô was in gâch. und ûf das mer mit alsô klûgen sinnen. Virgilius der volgt in nâch: «und wil er Got, wir wollen gut gewinnen, wan Got sol uns pfleger sîn, wô wir der land hin varn. Marîâ muter, reine meit bhut uns vor leit! wir sweben ûf wildes meres vlut, Got der sol uns bewarn.»

2.

Si nâmen gut mit in, als vil si wolten hân, zwên vogel, hiezen grîfen, fûrtens mit in dan, gar west versmitt mit keten zu dem kiele, si vûren jâr und tag wol ûf dem mere preit, si pâten das in hulfe Got und die reine meit zu dem agetstein, der in sô wol geviele, dô si den kiel gefulten gar, ir herz das wart mit jâmer gar umbfangen: geloubend sicherlich fur wâr, der kiel begund in an dem agtstein hangen, dô si nû mit der rîchen hab von dannen wolten schiffen, das geloubet: die grifen rizzen sich beide ab und vlugen hin, die herren wârn petoubet: «ach Got thu uns din hilfe schîn in disem jâmer swinde! soll wir hie lîden solche nôt und ligen tôt, wir komen nimer mêr hin heim zu wiben und zu kinden.»

3.

Virgilius der gieng hin ûf den perg gerecht, dâ vant er stân in einem glas des tiefels knecht, er sprach zu im: «wer hât dich her gesetzet?» der tiefel zu dem schriber sprach pald an der stat: «Virgilius lâst du mich ûs, ich gip dir rât, daz du der dinen sorgen wirst ergetzet.» Virgilius sprach sâ ze hant: «kanst du mir helfen ûf die rechten strâzen und wider pringen heim ze lant mich und mîne herren, ich wil dich selbst ûs lâzen.» der tiefel antwurt ûs dem glas: «gê ûf den perg, dâ vinst du ain besunder, der hât ein brief in siner nas, dâ leit ein tôter man ein puch dar under; und wirt dir das, sô pistu wis und kumbst ouch wol ze lande; dar in sint vil gesellen gut gar hoch gemut, die pringent dich und al dïn herren heim alsô ze lande.»

4.

Virgilius gieng fur paz ûf den perg hin dan, vii schier vant er den selben vînten vor im stân mit enim kolbin ob eins grabes grunde. der selbig vînt het einen brief in siner nas mit einem kolm er umb sich slug in grôzem has. zu mittem tag rast er ein kleine stunde, den brief zucket er im ûs der nas, dâ viel der tiefel nider zu sinen gnôzen. als im der tiefel vore las, das puch begund er an dem arme vazzen. als pald und er das puch ûf spart, dar ûs sô vûren vil der helle kunder, achtzigtûsent tiefel ûf der vart. Virgilius den nam des michel wunder, si sprâchen pald: «wâ soll wir hin, wir megen nicht lenger piten?» er sprach: «vart in den grûnen walt, und macht mir palt eine gute strâz, das man dar nâch muge varen und ouch riten.»

5.

Her wider kam das tieflische gesinde drât und in das puch, als in Virgilius gepôt. er slôz ez zu mit alsô klûgen sinnen. er gieng zu sînen herren an dem abend spât, si empfiengen in schôn und klagten im ir grôze nôt. si sprâchen all: «was soll wir hie beginnen?» Virgilius sprach sâ ze hant: «ich net û gern, und wolt ir min gedenken, ich bring ûch wider heim ze lant ân alles meil, dar an solt ir nicht wenken.» die herren globten im grôze gab, si sprâchen: «um das gut durft ir nit veilen. was wir hie pringen richer hab, das well wir alles frôlich mit û teilen. dâ mit solt in gerîchet sin, pringt ir uns heim ze lande» er sprach zu in: «ir herren gut sît wolgemut!» si vûren gên Venedig hin gar pald und sâ ze hande.

XI.

ANONIMO TEDESCO

(Ved. vol. II, pag. 130).

_Von einem pild ze Rôme daz den êprecherinnen die vinger ab peiz._

Virgilius die künste sin ze Rôme an einem pild wol liez werden schîn, daz er germachet het mit sînen handen: swelhe frowe zerprach in êr, sô het daz pild die kraft, die kunst und ouch die lêr, daz ez sî prâcht vor männiclich ze schanden, vil manige frowe zwên vinger muost dem pild ze wandel geben, die legt im man in sînen munt, die peiz ez dan den valschen ab und macht si wunt, daz si dan fürbaz muostn in schanden leben.

Nu hoert wie ez dar nâch ergienc, ein keiserin ze Rôm des pildes haz gefienc, wan si gedâcht wie si ez möcht zerstoeren, ir êr die hiet si gem zerprochn, sô forcht si niur daz pild liez ez nicht ungerochn, wie dem geschach, daz mugt ir gerne hoeren. die keiserin des nicht enliez, si prach ir wiplich êre mit einem rîtter daz geschach: alsâ zehant man an dem keiser wachsen sach ûz sînem houbt ein horn, daz muot in sêre.

Der keiser fuor hin ûf dem mer, pî im sô wâren riter und knecht ein grôzez her, die liez er al daz wunder ane schouwen. er chlagt vil manigem man sin nôt: er sprach «und wolt ez Got, sô waere ich lieber tôt. ich fürcht die scham trag ich von mîner frouwen.» der keiser het vil wîser raet, mit den begunder sprechen. dô frâgt er einen wîsen man, er sprach «nu gib mir rât, wie sol ichz grîfen an, daz ich mich môcht an miner frowen rechen?»

Der wîse man sprach wider in «waerlîchen, herre, ez dunket mich ein kluoger sin, wir sollen wider heim ze lande rîten. ich redez wol ân allen haz, doch solt ir iuch der maer ein teil erfaren paz.» der keiser sprach «ich wil niht langer piten. ich wil mîn frowen besprechen paz und frâgen umb die schulde. si hât unreht an mir getân, daz si einen andern hât zuo ir gelân: si hât verworcht ir êr und ouch mîn hulde.»