Zwei offene Briefe an Dr. J. Spaeth, Professor der Geburtshilfe an der k. k. Josefs-Akademie in Wien, und an Hofrath Dr. F. W. Scanzoni, Professor der Geburtshilfe zu Würzburg

Part 2

Chapter 2989 wordsPublic domain

Meine Lehre basirt unter anderem auch darauf, daß es mir in Folge meiner Lehre gelungen ist, von Mitte Mai 1847 bis 25. Mai 1861 an drei Anstalten, welche früher alljährlich von furchtbaren Pseudo-Kindbettfieber-Epidemien heimgesucht waren, die Sterblichkeit in dem Grade zu beschränken, daß die sich ereignete Sterblichkeit keine Epidemie genannt werden kann, und wenn ja manchmal die Sterblichkeit größer war, als selbe in meinen Anstalten zu sein pflegte, so konnte immer nachgewiesen werden, daß trotz meinen Maßregeln den Individuen zersetzte Stoffe von Außen eingebracht wurden, über welche Gegenstände Sie sich Herr Hofrath in meiner Schrift, Seite 111, Zeile 3 von unten Belehrung suchen können.

Meine Lehre basirt darauf, daß ~Dr.~ ~Bednar~ die ~Sepsis~ des Blutes bei Neugebornen im Wiener Findelhause nach Einführung der Chlorwaschungen seltener werden sah (Seite 69, Zeile 8 von oben).

Meine Lehre basirt darauf, daß an der ersten Geburtsklinik zu Wien, obwohl, wie wir im Briefe an Prof. ~Spaeth~ nachgewiesen, dort in 10 Jahren 1083 verhüthbare ~Infections~-Fälle von Außen vorgekommen sind, dennoch in eben den 10 Jahren 2982 Mütter gerettet wurden, und die Kinder, welche von den 2982 Müttern inficirt ebenfalls gestorben wären, weil in Folge meiner Lehre, obwohl immer nur Gegner von mir dort wirkten, dennoch die Sterblichkeit auf ein Drittel der früheren Sterblichkeit herabgedrückt wurde; gewiß ohne meiner Lehre würde sich die Sterblichkeit in dem Grade fortgesetzt haben, in welchem sich selbe während den sechs Jahren, wo die erste Klinik Klinik für die Aerzte war, ohne Chlorwaschungen, ereignete, es wären mithin in diesen 10 Jahren nicht 1491 sondern 4473 Wöchnerinen gestorben.

Meine Lehre basirt darauf, daß ~Michaelis~ schmerzlichen Angedenkens, meine Lehre im Gebärhause zu Kiel bestätigt gefunden.

Meine Lehre basirt darauf, daß der Gesundheitszustand der Wöchnerinen im Kopenhagener Gebärhause in Folge meiner Lehre ein günstiger ist, während er früher so ungünstig war, daß die Existenz des Gebärhauses, wie ~Michaelis~ uns erzählt, in Frage gestellt war, obwohl Prof. ~Levy~ nicht meiner Lehre, sondern andern, nicht stichhältigen Gründen, wie wir in unserer Schrift nachgewiesen, die Verbesserung des Gesundheitszustandes zuschreibt.

Ihre Lehre Herr Hofrath basirt auf den Leichen, aus Unwissenheit ermordeter Wöchnerinen, und nachdem ich den unerschütterlichen Entschluß gefaßt habe, dem Morden, so weit es in meiner Macht liegt, ein Ende zu machen, so richte ich an Sie, Herr Hofrath, folgende Aufforderung:

Es sind nur zwei Fälle möglich. Entweder halten Sie meine Lehre für falsch, oder Sie halten meine Lehre für wahr; ein drittes gibt es nicht.

Halten Sie meine Lehre für falsch, so fordere ich Sie hiermit auf, mir die Gründe mitzutheilen, warum Sie meine Lehre für falsch halten.

Ich habe zwar in meiner Schrift über Kindbett-Fieber 103 Druckseiten verwendet, blos um alle ihre Irrthümer und Täuschungen, von welchen Sie in Bezug auf das Kindbettfieber gefangen gehalten werden, zu widerlegen; sollten Ihnen meine Gründe nicht genügen, oder haben Sie neue Zweifel, so fordere ich Sie hiemit auf, mir selbe öffentlich mitzutheilen; ich werde Ihnen öffentlich die nöthige Belehrung ertheilen, weil es außer Ihnen noch Viele gibt, die einer Belehrung in Betreff des Kindbettfiebers benöthigen. Halten Sie meine Lehre für wahr, so fordere ich Sie hiermit auf, das öffentlich, ohne Rückhalt zu erklären, nicht um mir eine Genugthuung zu verschaffen, sondern um Ihre Schüler und Schülerinen, die Ihnen außerhalb des Gebärhauses die Leichen zur Bestätigung Ihrer Lehre liefern, der Wahrheit zuzuführen. Sollten Sie aber, Herr Hofrath, ohne meine Lehre widerlegt zu haben, fortfahren, für die Lehre des epidemischen Kindbettfiebers zu schreiben, und schreiben zu lassen. Sollten Sie aber, Herr Hofrath, ohne meine Lehre widerlegt zu haben, fortfahren, Ihre Schüler und Schülerinen in der Lehre des epidemischen Kindbettfiebers zu erziehen, so erkläre ich Sie vor Gott und der Welt für einen Mörder, und die »Geschichte des Kindbettfiebers« würde gegen Sie nicht ungerecht sein, wenn selbe Sie, für das Verdienst der Erste gewesen zu sein, der sich meiner lebenrettenden Lehre widersetzt, als medicinischen Nero verewigen würde.

Anhang.

In der am 19. April 1861 ausgegebenen 16-ten Nummer der »~Gazette Hebdomadaire~,« ist der Bericht einer Sitzung, gehalten am 20. Dezemb. 1860 der ~Société de Médecine du département de la Seine~ enthalten, aus welchem Berichte zwei Dinge zu entnehmen sind, erstens daß damals neuerdings in der »~Charité~« eine heftige ~Pseudopuerperal~-Fieber-Epidemie herrschte, zweitens daß die Aerzte, welche sich an der Discussion betheiligten, nicht die richtigen Ansichten über ~Puerperal~-Fieber äußerten.

In Folge dessen fand ich mich veranlaßt, der ~Société de Médecine du département de la Seine~, der ~Académie des Sciences~, der ~Académie de Médecine~, der ~Société médicale allemande de Paris~, und der ~Société de chirurgie~ je ein Exemplar meiner Schrift zuzusenden.

Und damit meine Lehre neuerdings auch in England einer Discussion unterzogen werden möge, habe ich nach England an die Doctoren und Professoren ~Routh~, ~Webster~, ~Copeland~, ~Simpson~ und ~Murphy~ mein Werk gesendet.

Fußnoten

[1] Die ~Aetiologie~, der Begriff und die ~Prophylaxis~ des Kindbettfiebers von Prof. ~Semmelweis~. Pest, Wien und Leipzig 1861.

[2] Die ~Aetiologie~ ~etc.~ Seite 147.

[3] Monatschrift für Geburtskunde. Berlin 1859. Band XIII, Seite 11.

[ Hinweise zur Transkription

Offensichtliche Satzfehler wurden korrigiert, sonst der Originaltext beibehalten. Änderungen sind in der nachstehenden Liste ausgewiesen.

Im Originaltext wurde mehrfach in der direkten Anrede »ihr« anstatt »Ihr« verwendet, dies wurde beibehalten.

Das Originalbuch ist zweischriftig gedruckt, nämlich

- Fraktur für deutschsprachige Wörter

- Antiqua für Mediziner-Namen, lateinische Fachbegriffe und französische Wörter: diese Stellen wurden im Text hervorgehoben.

Änderungen

Seitenangabe originaler Text geänderter Text

Seite 4 daß die ~puerperale~ Soune, welche in Wien daß die ~puerperale~ Sonne, welche in Wien

entstehen aber aus dem entmischten Blnte mehr entstehen aber aus dem entmischten Blute mehr

zersetzten thierisch-organischen Stoff entm schte Blut circulirt zersetzten thierisch-organischen Stoff entmischte Blut circulirt

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Seite 5 zersetzten thierisch-organischen Stoff entmischten Blnte zersetzten thierisch-organischen Stoff entmischten Blute

Seite 14 hat diese Erkraukungen nicht hervorgebracht hat diese Erkrankungen nicht hervorgebracht

Seite 15 endende ~puerperale~ Erkranknngen zur Behandlung kamen endende ~puerperale~ Erkrankungen zur Behandlung kamen

Seite 21 als medicinischen Nero verewigen würde.« als medicinischen Nero verewigen würde. ]