Part 4
Wie war der Winter doch so lang, Wie knapp ward da das Heu, Frau Urschel rief und seufzte bang: O komm, du schöner Mai!
Komm schnell und lindre unsre Noth, Der du die Krippe füllst; Wenn ich und meine Kuh erst todt, Dann komme, wann du willst.
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Daß der Kopf die Welt beherrsche, Wär zu wünschen und zu loben, Längst vor Gründen wär die närrsche Gaukelei in Nichts zerstoben.
Aber wurzelhaft natürlich Herrscht der Magen nebst Genossen, Und so treibt, was unwillkürlich, Täglich tausend neue Sprossen.
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Die laute Welt und ihr Ergötzen, Als eine störende Erscheinung, Vermag der Weise nicht zu schätzen. Ein Maulwurf war der gleichen Meinung. Er fand an Lärm kein Wohlgefallen, Zog sich zurück in kühle Hallen Und ging daselbst in seinem Fach Stillfleißig den Geschäften nach. Zwar sehen konnt er da kein Bissel, Indessen sein getreuer Rüssel, Ein Nervensitz voll Zartgefühl, Führt sicher zum erwünschten Ziel. Als Nahrung hat er sich erlesen Die Leckerbissen der Chinesen, Den Regenwurm und Engerling, Wovon er vielfach fette fing. Die Folge war, was ja kein Wunder, Sein Bäuchlein wurde täglich runder, Und wie das häufig so der Brauch, Der Stolz wuchs mit dem Bauche auch. Wohl ist er stattlich von Person Und kleidet sich wie ein Baron, Nur schad, ihn und sein Sammetkleid Sah Niemand in der Dunkelheit. So trieb ihn denn der Höhensinn, Von unten her nach oben hin, Zehn Zoll hoch, oder gar noch mehr, Zu seines Namens Ruhm und Ehr Gewölbte Tempel zu entwerfen, Um denen draußen einzuschärfen, Daß innerhalb noch einer wohne, Der etwas kann, was nicht so ohne. Mit Baulichkeiten ist es misslich. Ob man sie schatzt, ist ungewisslich. Ein Mensch von andrem Kunstgeschmacke, Ein Gärtner, kam mit einer Hacke. Durch kurzen Hieb nach langer Lauer Zieht er an's Licht den Tempelbauer Und haut so derb ihn übers Ohr, Daß er den Lebensgeist verlor. Da liegt er nun der stolze Mann. Wer thut die letzte Ehr ihm an? Drei Käfer, schwarz und gelb gefleckt, Die haben ihn mit Sand bedeckt.
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Ich schlief. Da hatt ich einen Traum. Mein Ich verließ den Seelenraum. Frei vom gemeinen Tagesleben, Vermocht ich leicht dahin zu schweben. So, angenehm mich fortbewegend, Erreicht ich eine schöne Gegend. Wohin ich schwebte, wuchs empor Alsbald ein bunter Blumenflor, Und lustig schwärmten um die Dolden Viel tausend Falter, roth und golden. Ganz nah auf einem Lilienstengel, Einsam und sinnend, saß ein Engel, Und weil das Land mir unbekannt, Fragt ich: Wie nennt sich dieses Land? Hier, sprach er, ändern sich die Dinge. Du bist im Reich der Schmetterlinge. Ich aber, wohlgemuth und heiter, Zog achtlos meines Weges weiter. Da kam, wie ich so weiter glitt, Ein Frauenbild und schwebte mit, Als ein willkommenes Geleite, Anmuthig lächelnd mir zur Seite, Und um sie nie mehr loszulassen, Dacht ich die Holde zu umfassen; Doch eh ich Zeit dazu gefunden, Schlüpft sie hinweg und ist verschwunden. Mir war so schwül. Ich mußte trinken. Nicht fern sah ich ein Bächlein blinken. Ich bückte mich hinab zum Wasser. Gleich faßt ein Arm, ein kalter blasser, Vom Grund herauf mich beim Genick. Zwar zog ich eilig mich zurück, Allein der Hals war steif und krumm, Nur mühsam dreht ich ihn herum, Und ach, wie war es rings umher Auf einmal traurig, öd und leer. Von Schmetterlingen nichts zu sehn, Die Blumen, eben noch so schön, Sämtlich verdorrt, zerknickt, verkrumpelt. So bin ich seufzend fortgehumpelt, Denn mit dem Fliegen, leicht und frei, War es nun leider auch vorbei. Urplötzlich springt aus einem Graben, Begleitet vom Geschrei der Raben, Mir eine Hexe auf den Nacken Und spornt mich an mit ihren Hacken, Und macht sich schwer, wie Bleigewichte, Und drückt und zwickt mich fast zunichte, Bis daß ich matt und lendenlahm Zu einem finstern Walde kam. Ein Jägersmann, dürr von Gestalt, Trat vor und rief ein dumpfes Halt. Schon liegt ein Pfeil auf seinem Bogen, Schon ist die Sehne straff gezogen. Jetzt trifft er dich in's Herz, so dacht ich, Und von dem Todesschreck erwacht ich Und sprang vom Lager ungesäumt, Sonst hätt ich wohl noch mehr geträumt.
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Der Winter ging, der Sommer kam. Er bringt auf's neue wieder Den vielbeliebten Wunderkram Der Blumen und der Lieder.
Wie das so wechselt Jahr um Jahr, Betracht ich fast mit Sorgen. Was lebte, starb, was ist, es war, Und heute wird zu morgen.
Stets muß die Bildnerin Natur Den alten Thon benützen, In Haus und Garten, Wald und Flur, Zu ihren neuen Skizzen.
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Ich schnürte meinen Ranzen Und kam zu einer Stadt, Allwo es mir im ganzen Recht gut gefallen hat.
Nur eines macht beklommen, So freundlich sonst der Ort: Wer heute angekommen, Geht morgen wieder fort.
Bekränzt mit Trauerweiden, Vorüber zieht der Fluß, Den jeder beim Verscheiden Zuletzt passiren muß.
Wohl dem, der ohne Grauen, In Liebe treu bewährt, Zu jenen dunklen Auen Getrost hinüber fährt.
Zwei Blinde, müd vom Wandern, Sah ich am Ufer stehn, Der eine sprach zum andern: Leb wohl, auf Wiedersehn.
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München. Druck von Knorr & Hirth, G.m.b.H.
Verlag von Fr. Bassermann in München.
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