Zu Guter Letzt

Part 3

Chapter 33,564 wordsPublic domain

Die Mutter plagte ein Gedanke. Sie kramt im alten Kleiderschranke, Wo Kurz und Lang, obschon gedrängt, Doch friedlich, bei einander hängt. Auf einmal ruft sie: Ei sieh da, Der Schwalbenschwanz, da ist er ja! Den blauen, längst nicht mehr benützten, Den hinten zwiefach zugespitzten, Mit blanken Knöpfen schön geschmückt, Der einst so manches Herz berückt, Ihn trägt sie klug und überlegt Dahin, wo sie zu schneidern pflegt, Und trennt und wendet, näht und misst, Bis daß das Werk vollendet ist. Auf die Art aus des Vaters Fracke Kriegt Fritzchen eine neue Jacke. Grad so behilft sich der Poet. Du liebe Zeit, was soll er machen? Gebraucht sind die Gedankensachen Schon alle, seit die Welt besteht.

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Als ich in Jugendtagen Noch ohne Grübelei, Da meint ich mit Behagen, Mein Denken wäre frei.

Seitdem hab ich die Stirne Oft auf die Hand gestützt Und fand, daß im Gehirne Ein harter Knoten sitzt.

Mein Stolz der wurde kleiner. Ich merkte mit Verdruss: Es kann doch Unsereiner Nur denken, wie er muss.

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Im Hochgebirg vor seiner Höhle Saß der Asket; Nur noch ein Rest von Leib und Seele Infolge äußerster Diät. Demüthig ihm zu Füßen kniet Ein Jüngling, der sich längst bemüht, Des strengen Büßers strenge Lehren Nachdenklich prüfend anzuhören. Grad schließt der Klausner den Sermon Und spricht: Bekehre dich, mein Sohn. Verlass das böse Weltgetriebe. Vor allem unterlass die Liebe, Denn grade sie erweckt auf's Neue Das Leben und mit ihm die Reue. Da schau mich an. Ich bin so leicht, Fast hab ich schon das Nichts erreicht, Und bald verschwind ich in das reine Zeit- raum- und traumlos Allundeine. Als so der Meister in Ekstase, Sticht ihn ein Bienchen in die Nase. Oh, welch ein Schrei! Und dann das Mienenspiel dabei. Der Jüngling stutzt und ruft: Was seh ich? Wer solchermaßen leidensfähig, Wer so gefühlvoll und empfindlich, Der, fürcht ich, lebt noch viel zu gründlich Und stirbt noch nicht zum letzten Mal. Mit diesem kühlen Wort empfahl Der Jüngling sich und stieg hernieder Ins tiefe Thal und kam nicht wieder.

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Nachbar Nickel ist verdrießlich, Und er darf sich wohl beklagen, Weil ihm seine Pläne schließlich Alle gänzlich fehl geschlagen.

Unsre Ziege starb heut Morgen. Geh und sag's ihm, lieber Knabe! Daß er nach so vielen Sorgen Auch mal eine Freude habe.

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Er war nicht unbegabt. Die Geisteskräfte Genügten für die laufenden Geschäfte. Nur hatt er die Marotte, Er sei der Papst. Dies sagt er oft und gern, Für jedermann zum Ärgerniss und Spotte, Bis sie zuletzt ins Narrenhaus ihn sperrn. Ein guter Freund, der ihn daselbst besuchte, Fand ihn höchst aufgeregt. Er fluchte: Zum Kuckuck, das ist doch zu dumm. Ich soll ein Narr sein und weiß nicht warum. Ja, sprach der Freund, so sind die Leute. Man hat an einem Papst genug. Du bist der zweite. Das eben kann man nicht vertragen. Hör zu, ich will dir mal was sagen: Wer schweigt, ist klug. Der Narr verstummt, als ob er überlege. Der gute Freund ging leise seiner Wege. Und schau, nach vierzehn Tagen grade Da traf er ihn schon auf der Promenade. Ei, rief der Freund, wo kommst du her? Bist du denn jetzt der Papst nicht mehr? Freund, sprach der Narr und lächelt schlau, Du scheinst zur Neugier sehr geneigt. Das, was wir sind, weiß ich genau. Wir alle haben unsern Sparren, Doch sagen thun es nur die Narren. Der Weise schweigt.

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Als Kind von angenehmen Zügen War Röschen ein gar lustig Ding. Gern zupfte sie das Bein der Fliegen, Die sie geschickt mit Spucke fing.

Sie wuchs, und größere Objekte Lockt sie von nun an in ihr Garn, Nicht nur die jungen, nein, sie neckte Und rupft auch manchen alten Narrn.

Inzwischen that in stillem Walten Die Zeit getreulich ihre Pflicht. Durch wundersame Bügelfalten Verziert sie Röschens Angesicht.

Und locker wurden Röschens Zähne. Kein Freier stellte sich mehr ein. Und schließlich kriegt sie gar Migräne, Und die pflegt dauerhaft zu sein.

Dies führte sie zum Aberglauben, Obwohl sie sonst nicht gläubig schien. Sie meinte fest, daß Turteltauben Den Schmerz der Menschen an sich ziehn.

Zwei Stück davon hat sie im Bauer, Ein Pärchen, welches zärtlich girrt; Jetzt liegt sie täglich auf der Lauer, Ob ihnen noch nicht übel wird.

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Ein Dornstrauch stand im Wiesenthal, An einer Stiege, welche schmal, Und ging vorüber irgend wer, Den griff er an und kratzte er. Ein Lämmlein kam daher gehupft. Das hat er ebenfalls gerupft. Es sieht ihn traurig an und spricht: Du brauchst doch meine Wolle nicht, Und niemals that ich dir ein Leid. Weßhalb zerrupfst du denn mein Kleid? Es thut mir weh und ist auch schad. Ei, rief der Freche, darum grad.

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Miezel, eine schlaue Katze, Molly, ein begabter Hund, Wohnhaft an demselben Platze, Hassten sich aus Herzensgrund.

Schon der Ausdruck ihrer Mienen, Bei gesträubter Haarfrisur, Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen Ist von Liebe keine Spur.

Doch wenn Miezel in dem Baume, Wo sie meistens hin entwich, Friedlich dasitzt, wie im Traume, Dann ist Molly außer sich.

Beide lebten in der Scheune, Die gefüllt mit frischem Heu. Alle beide hatten Kleine, Molly zwei und Miezel drei.

Einst zur Jagd ging Miezel wieder Auf das Feld. Da geht es bumm. Der Herr Förster schoß sie nieder. Ihre Lebenszeit ist um.

Oh, wie jämmerlich miauen Die drei Kinderchen daheim. Molly eilt, sie zu beschauen, Und ihr Herz geht aus dem Leim.

Und sie trägt sie kurz entschlossen Zu der eignen Lagerstatt, Wo sie nunmehr fünf Genossen An der Brust zu Gaste hat.

Mensch, mit traurigem Gesichte, Sprich nicht nur von Leid und Streit, Selbst in Brehms Naturgeschichte Findet sich Barmherzigkeit.

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Nachdem er am Sonntagmorgen Vor seinem Spiegel gestanden, Verschwanden die letzten Sorgen Und Zweifel, die noch vorhanden.

Er wurde so verwegen, Daß er nicht länger schwankte. Er schrieb ihr. Sie dagegen Erwidert: Nein, sie dankte.

Der Schreck, den er da hatte, Hätt ihn fast umgeschmissen, Als hätt ihn eine Ratte Plötzlich ins Herz gebissen.

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Ach, wie eilte so geschwinde Dieser Sommer durch die Welt. Herbstlich rauscht es in der Linde, Ihre Blätter mit dem Winde Wehen über's Stoppelfeld.

Hörst du in den Lüften klingend Sehnlich klagend das Kuru? Wandervögel, flügelschwingend, Lebewohl der Heimath singend, Ziehn dem fremden Lande zu.

Morgen muß ich in die Ferne. Liebes Mädchen, bleib mir gut. Morgen lebt in der Kaserne, Daß er exerziren lerne, Dein dich liebender Rekrut.

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Es war die erste Maiennacht. Kein Mensch im Dorf hat mehr gewacht. Da hielten, wie es stets der Fall, Die Thiere ihren Frühlingsball. Die Gans, die gute Adelheid, Fehlt nie bei solcher Festlichkeit, Obgleich man sie nach altem Brauch Zu necken pflegt. So heute auch. Frau Schnabel, nannte sie der Kater, Frau Plattfuß, rief der Ziegenvater; Doch sie, zwar lächelnd, aber kühl, Hüllt sich in sanftes Selbstgefühl. So saß sie denn in ödem Schweigen Allein für sich bei Spiel und Reigen, Bei Freudenlärm und Jubeljux. Sieh da, zum Schluß hat auch der Fuchs Sich ungeladen eingedrängelt. Schlau hat er sich herangeschlängelt. Ihr Diener, säuselt er galant, Wie geht's der Schönsten in Brabant? Ich küss der gnäd'gen Frau den Fittig. Ist noch ein Tänzchen frei, so bitt ich. Sie nickt verschämt: O Herr Baron! Indem so walzen sie auch schon. Wie trippeln die Füße, wie wippeln die Schwänze Im lustigen Kehraus, dem letzten der Tänze. Da tönt es vier mit lautem Schlag. Das Fest ist aus. Es naht der Tag, -- Bald drauf, im frühsten Morgenschimmer, Ging Mutter Urschel aus, wie immer, Mit Korb und Sichel, um verstohlen Sich etwas fremden Klee zu holen. An einer Hecke bleibt sie stehn: Herrjeh, was ist denn hier geschehn? Die Füchse, sag ich, soll man rädern. Das sind wahrhaftig Gänsefedern. Ein frisches Ei liegt dicht daneben. Ich bin so frei es aufzuheben. Ach, armes Thier, sprach sie bewegt. Dies Ei hast du vor Angst gelegt.

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Ach, wie vieles muß man rügen, Weil es sündlich und gemein, So, zum Beispiel, das Vergnügen, Zuzusehn bei Prügelein.

Noch vor kurzem hab ich selber Mir zwei Gockel angesehn, Hier ein schwarzer, da ein gelber, Die nicht gut zusammen stehn.

Plötzlich kam es zum Skandale, Denn der schwarze macht die Kur, Was dem gelben alle Male Peinlich durch die Seele fuhr.

Mit den Krallen, mit den Sporen, Mit dem Schnabel, scharf gewetzt, Mit den Flügeln um die Ohren Hat es Hieb auf Hieb gesetzt.

Manche Feder aus dem Leder Reißen und zerschleißen sie, Und zum Schlusse ruft ein jeder Triumphirend Kickriki!

Voller Freude und mit wahrem Eifer sah ich diesen Zwist, Während jedes Huhn im Harem Höchst gelassen weiter frisst.

Solch ein Weibervolk mit Flügeln Meint, wenn Gockel früh und spät Seinetwegen sich verprügeln, Daß sich das vonselbst versteht.

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Ich ging zur Bahn. Der Abendzug Kam erst um halber zehn. Wer zeitig geht, der handelt klug, Er kann gemüthlich gehn.

Der Frühling war so warm und mild, Ich ging wie neubelebt, Zumal ein werthes Frauenbild Mir vor der Seele schwebt.

Daß ich sie heut noch sehen soll, Daß sie gewiß noch wach, Davon ist mir das Herz so voll, Ich steh und denke nach.

Ein Häslein, das vorüber stiebt, Ermahnt ich: Lass dir Zeit, Ein guter Mensch, der glücklich liebt, Thut keinem was zu leid.

Von ferne aus dem Wiesenteich Erklang der Frösche Chor, Und überm Walde stieg zugleich Der goldne Mond empor.

Da bist du ja, ich grüße dich, Du traulicher Kumpan. Bedächtig wandelst du wie ich Dahin auf deiner Bahn.

Dies lenkte meinen Denkersinn Auf den Geschäftsverlauf; Ich überschlug mir den Gewinn. Das hielt mich etwas auf.

Doch horch, da ist die Nachtigall, Sie flötet wunderschön. Ich flöte selbst mit sanftem Schall Und bleib ein wenig stehn.

Und flötend kam ich zur Station, Wie das bei mir Gebrauch. O weh, was ist das für ein Ton? Der Zug der flötet auch.

Dort saust er hin. Ich stand versteint. Dann sah ich nach der Uhr, Wie jeder, der zu spät erscheint. So will es die Natur.

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Fritz, der mal wieder schrecklich träge, Vermuthet, heute giebt es Schläge, Und knöpft zur Abwehr der Attacke Ein Buch sich unter seine Jacke, Weil er sich in dem Glauben wiegt, Daß er was auf den Buckel kriegt. Die Schläge trafen richtig ein. Der Lehrer meint es gut. Allein Die Gabe wird für heut gespendet Mehr unten, wo die Jacke endet, Wo Fritz nur äußerst leicht bekleidet Und darum ganz besonders leidet. Ach, daß der Mensch so häufig irrt Und nie recht weiß, was kommen wird!

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Ein Mensch, der etwas auf sich hält, Bewegt sich gern in feiner Welt, Denn erst in weltgewandten Kreisen Lernt man die rechten Redeweisen, Verbindlich, aber zugespitzt, Und treffend, wo die Schwäre sitzt. Es ist so wie mit Rector Knaut, Der immer lächelt, wenn er haut. Auch ist bei Knaben weit berüchtigt Das Instrument, womit er züchtigt. Zu diesem Zweck bedient er nämlich, Als für den Sünder gut bekömmlich, Sich einer schlanken Haselgerte, Zwar biegsam, doch nicht ohne Härte, Die sich, von rascher Hand bewegt, Geschmeidig um die Hüfte legt. Nur wer es fühlte, der begreift es: Vorn schlägt er zu und hinten kneift es.

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Sag Atome, sage Stäubchen. Sind sie auch unendlich klein, Haben sie doch ihre Leibchen Und die Neigung da zu sein.

Haben sie auch keine Köpfchen, Sind sie doch voll Eigensinn. Trotzig spricht das Zwerggeschöpfchen: Ich will sein so wie ich bin.

Suche nur, sie zu bezwingen, Stark und findig, wie du bist. Solch ein Ding hat seine Schwingen, Seine Kraft und seine List.

Kannst du auch aus ihnen schmieden Deine Rüstung als Despot, Schließlich wirst du doch ermüden, Und dann heißt es: Er ist todt.

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Lange warst du im Gedrängel, Aller Dinge tief versteckt, Bis als einen kleinen Bengel Unser Auge dich entdeckt.

Schreiend hast du Platz genommen, Zum Genuß sofort bereit, Und wir hießen dich willkommen, Pflegten dich mit Zärtlichkeit.

Aber eh du recht empfunden, Was daheim für Freuden blühn, Hast dein Bündel du gebunden, Um in fremdes Land zu ziehn.

Leichte lustige Gesellen Finden sich an jedem Ort. Weiber schelten, Hunde bellen, Lachend zogst du weiter fort.

Sahst die Welt an beiden Enden, Hast genippt und hast genascht. Endlich fest mit Klammerhänden Hat die Liebe dich erhascht.

Und du zogst den Kinderwagen, Und du trugst, was dir bestimmt, Seelenlast und Leibesplagen, Bis der Rücken sich gekrümmt

Nur Geduld. Es steht ein Flieder An der Kirche grau und alt. Dort für deine müden Glieder Ist ein kühler Aufenthalt.

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Wahrlich, sagte meine Tante, Die fast alle Geister kannte, Keine Täuschung ist die Trud. Weißt du nicht, daß böse Seelen Nächtlich aus dem Leibe rücken, Um den Menschen zu bedrücken Und zu treten und zu quälen, Wenn er auf dem Rücken ruht? Lautlos durch verschlossne Thüren Immer näher siehst du's kommen, Zauberhaft und wunderlich. Und dir graust es vor dem Dinge, Und du kannst dich doch nicht rühren, Und du fühlst dich so beklommen, Möchtest rufen, wenn's nur ginge, Und auf einmal hat es dich. Doch wer klug, weiß sich zu schützen: Abends beim Zurruhegehn Brauchst du bloß darauf zu sehn, Daß die Schuhe mit den Spitzen Abgewandt vom Bette stehn. Außerdem hab ich gehört: Leichtes Herz und leichter Magen, Wie in andern Lebenslagen, Sind auch hier empfehlenswerth.

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Um acht, als seine werthe Sippe Noch in den Federn schlummernd lag, Begrüßt er von der Felsenklippe Bereits den neuen Frühlingstag.

Und wie die angenehme Sonne Liebreich zu ihm hernieder schaut, Da ist in süßer Rieselwonne Sein ganzes Wesen aufgethaut.

Es schmilzt die schwere Außenhülle. Ihm wird so wohl, ihm wird so leicht. Er schwebt im Geist als freier Wille Hinaus, so weit das Auge reicht.

Fort überthal, zu fernen Hügeln, Den Strom entlang, bis an das Meer, Windeilig, wie auf Möwenflügeln, Zieht er in hoher Luft einher.

Hier traf er eine Wetterwolke. Die wählt er sich zum Herrschersitz. Erhaben über allem Volke Thront er in Regen, Sturm und Blitz.

Oweh, der Zauber ist zuende. Durchweicht vom Hut bis in die Schuh, Der Buckel steif und lahm die Lende, So schleicht er still der Heimat zu.

Zum Trost für seine kalten Glieder Empfängt ihn gleich ein warmer Gruß. Na, hieß es, jetzt bekommst du wieder Dein Reißen in den Hinterfuß.

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Es war ein Mägdlein froh und keck, Stets lacht ihr Rosenmund, Ihr schien die Liebe Lebenszweck Und alles andre Schund.

Sie denkt an nichts, als an Pläsir, Seitdem die Mutter todt, Sie lacht und liebt, obgleich es ihr Der Vater oft verbot.

Einst hat sie frech und unbedacht Den Schatz, der ihr gefällt, Sich für die Zeit um Mitternacht Zum Kirchhof hinbestellt.

Und als sie kam zum Stelldichein, O hört, was sich begab. Da stand ein Geist im Mondenschein Auf ihrer Mutter Grab.

Er steht so starr, er steht so stumm, Er blickt so kummervoll. Das Mägdlein dreht sich schaudernd um Und rennt nach Haus wie toll.

Es wird, wer einen Geist gesehn, Nie mehr des Lebens froh, Er fühlt, es ist um ihn geschehn. Dem Mägdlein ging es so.

Sie welkt dahin, sie will und mag Nicht mehr zu Spiel und Tanz. Man flocht ihr um Johannistag Bereits den Todtenkranz.

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Das Pfäfflein saß beim Frühstückschmaus. Er schaut und zieht die Stirne kraus. Wer, fragt er, hat die Wurst gebracht? Die Köchin sprach: Es war die Liese, Die Alte von der Gänsewiese. Drum, rief er, sah ich in letzter Nacht, Wie durch die Luft in feurigem Bogen Der Böse in ihren Schlot geflogen. Verdammte Hex, Ich riech, ich schmeck's, Der Teufel hat die Wurst gemacht. Spitz, da geh her! -- Der Hund, nicht faul, Verzehrt die Wurst und leckt das Maul. Er nimmt das Gute, ohne zu fragen, Ob's Beelzebub unter dem Schwanz getragen.

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Es fand der geizige Bauer Kniep Im Grabe keine Ruhe. Die Sehnsucht nach dem Gelde trieb Ihn wieder zu seiner Truhe.

Die Erben wollten diesen Gast Im Haus durchaus nicht haben, Weil ihnen der Verkehr verhasst Mit Einem, der schon begraben.

Sie dachten, vor Drudenfuß und Kreuz Ergebenst verschwinden sollt er. Er aber vollführte seinerseits Nur um so mehr Gepolter.

Zum Glück kam gerade zugereist Ein Meister, der vieles erkundet. Der hat gar schlau den bösen Geist In einem Fass verspundet.

Man fuhr es bequem, als wär es leer, Bis an ein fließend Gewässer. Da plötzlich machte sich Kniep so schwer, Wie zehn gefüllte Fässer.

Gottlieb, der Kutscher, wundert sich. Nach rückwärts blickt er schnelle. Wumm, knallt der Spund. Der Geist entwich Und spukt an der alten Stelle.

Wie sonst, besucht er jede Nacht Die eisenbeschlagene Kiste Und rumpelt, hustet, niest und lacht, Als ob er von nichts was wüsste.

Kein Mittel erwies sich als probat. Der Geist ward nur erboster. Man trug, es blieb kein andrer Rath, Den Kasten zum nächsten Kloster.

Der Pförtner sprach: Willkommen im Stift Und herzlich guten Morgen! Was Geld und böse Geister betrifft, Das wollen wir schon besorgen.

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Ich bin ein armer Schreiber nur, Hab weder Haus noch Acker, Doch freut mich jede Kreatur, Sogar der Spatz, der Racker.

Er baut von Federn, Haar und Stroh Sein Nest geschwind und flüchtig, Er denkt, die Sache geht schon so, Die Schönheit ist nicht wichtig.

Wenn man den Hühnern Futter streut, Gleich mengt er sich dazwischen, Um schlau und voller Rührigkeit Sein Körnlein zu erwischen.

Maikäfer liebt er ungemein, Er weiß sie zu behandeln; Er hackt die Flügel, zwackt das Bein Und knackt sie auf wie Mandeln.

Im Kirschenbaum frisst er verschmitzt Das Fleisch der Beeren gerne; Dann hat, wer diesen Baum besitzt, Nachher die schönsten Kerne.

Es fallt ein Schuß. Der Spatz entfleucht Und ordnet sein Gefieder. Für heute bleibt er weg vielleicht, Doch morgen kommt er wieder.

Und ist es Winterzeit und hat's Geschneit auf alle Dächer, Verhungern thut kein rechter Spatz, Er kennt im Dach die Löcher.

Ich rief: Spatz komm, ich füttre dich! Er fasst mich scharf in's Auge. Er scheint zu glauben, daß auch ich Im Grunde nicht viel tauge.

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Frau Grete hatt ein braves Huhn, Das wusste seine Pflicht zu thun. Es kratzte hinten, pickte vorn, Fand hier ein Würmchen, da ein Korn, Erhaschte Käfer, schnappte Fliegen Und eilte dann mit viel Vergnügen Zum stillen Nest, um hier geduldig Das zu entrichten, was es schuldig. Fast täglich tönte sein Geschrei: Victoria, ein Ei, ein Ei! Frau Grete denkt: Oh, welch ein Segen, Doch könnt es wohl noch besser legen. Drum reicht sie ihm, es zu verlocken, Oft extra noch die schönsten Brocken. Dem Hühnchen war das angenehm. Es putzt sich, macht es sich bequem, Wird wohlbeleibt, ist nicht mehr rührig Und sein Geschäft erscheint ihm schwierig. Kaum daß ihm noch mit Drang und Zwang Mal hie und da ein Ei gelang. Dies hat Frau Greten schwer bedrückt, Besonders, wenn sie weiter blickt; Denn wo kein Ei, da ist's vorbei Mit Rührei und mit Kandisei. Ein fettes Huhn legt wenig Eier. Ganz ähnlich geht's dem Dichter Meier, Der auch nicht viel mehr dichten kann, Seit er das große Loos gewann.

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Wer einsam ist, der hat es gut, Weil Keiner da, der ihm was thut. Ihn stört in seinem Lustrevier Kein Thier, kein Mensch und kein Klavier, Und Niemand giebt ihm weise Lehren, Die gut gemeint und bös zu hören. Der Welt entronnen, geht er still In Filzpantoffeln, wann er will. Sogar im Schlafrock wandelt er Bequem den ganzen Tag umher. Er kennt kein weibliches Verbot, Drum raucht und dampft er wie ein Schlot. Geschützt vor fremden Späherblicken, Kann er sich selbst die Hose flicken. Liebt er Musik, so darf er flöten, Um angenehm die Zeit zu tödten, Und laut und kräftig darf er prusten, Und ohne Rücksicht darf er husten, Und allgemach vergisst man seiner. Nur allerhöchstens fragt mal Einer: Was, lebt er noch? Ei schwerenoth, Ich dachte längst, er wäre todt. Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen, Läßt sich das Glück nicht schöner malen. Worauf denn auch der Satz beruht: Wer einsam ist, der hat es gut.

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Man sagt, ein Schnäpschen, insofern Es kräftig ist, hat jeder gern. Ganz anders denkt das Volk der Bienen, Der Süffel ist verhasst bei ihnen, Sein Wohlgeruch thut ihnen weh. Sie trinken nichts wie Blüthenthee, Und wenn wer kommt, der Schnäpse trank, Gleich ziehen sie den Stachel blank. Letzthin hat einem Bienenstöckel Der brave alte Schneider Böckel, Der nicht mehr nüchtern in der That, Aus Neubegierde sich genaht. Sofort von einem regen Leben Sieht Meister Böckel sich umgeben. Es dringen giftgetränkte Pfeile In seine nackten Körpertheile, Ja manche selbst durch die nur lose Und leichtgewirkte Sommerhose, Besonders, weil sie stramm gespannt. Zum Glück ist Böckel kriegsgewandt. Er zieht sich kämpfend wie ein Held Zurück in's hohe Erbsenfeld. Hier hat er Zeit, an vielen Stellen Des Leibes merklich anzuschwellen, Und als er wiederum erscheint, Erkennt ihn kaum sein bester Freund. Natürlich, denn bei solchem Streit Verliert man seine Ähnlichkeit.

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Es grünte allenthalben. Der Frühling wurde wach. Bald flogen auch die Schwalben Hell zwitschernd um das Dach.

Sie sangen unermüdlich Und bauten außerdem Am Giebel rund und niedlich Ihr Nest aus feuchtem Lehm.

Und als sie eine Woche Sich redlich abgequält, Hat nur am Eingangsloche Ein Stückchen noch gefehlt.

Da nahm der Spatz, der Schlingel, Die Wohnung in Besitz. Jetzt hängt ein Strohgeklüngel Hervor aus ihrem Schlitz.

Nicht schön ist dies Gebahren Und wenig ehrenwerth Von Einem, der seit Jahren Mit Menschen viel verkehrt.

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Tugend will, man soll sie holen, Ungern ist sie gegenwärtig; Laster ist auch unbefohlen Dienstbereit und fix und fertig.

Gute Thiere, spricht der Weise, Mußt du züchten, mußt du kaufen, Doch die Ratten und die Mäuse Kommen ganz von selbst gelaufen.

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Frau Urschel theilte Freud und Leid Mit ihrer lieben Kuh, Sie lebten in Herzeinigkeit Ganz wie auf Du und Du.