Zu Guter Letzt

Part 1

Chapter 13,490 wordsPublic domain

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Zu guter Letzt

Zu guter Letzt

von

Wilhelm Busch.

Mit dem Portrait des Verfassers.

31stes bis 35stes Tausend.

München. Verlag von Fr. Bassermann. 1905.

Alle Rechte vorbehalten.

Halt dein Rösslein nur im Zügel, Kommst ja doch nicht allzuweit. Hinter jedem neuen Hügel Dehnt sich die Unendlichkeit.

Nenne Niemand dumm und säumig, Der das Nächste recht bedenkt. Ach, die Welt ist so geräumig, Und der Kopf ist so beschränkt.

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Dies für Den und Das für Jenen. Viele Tische sind gedeckt. Keine Zunge soll verhöhnen, Was der andern Zunge schmeckt.

Lasse Jedem seine Freuden, Gönn ihm, daß er sich erquickt, Wenn er sittsam und bescheiden Auf den eignen Teller blickt.

Wenn jedoch bei deinem Tisch er Unverschämt dich neckt und stört, Dann so gieb ihm einen Wischer, Daß er merkt, was sich gehört.

* * * * *

Nirgend sitzen todte Gäste. Allerorten lebt die Kraft. Ist nicht selbst der Fels, der feste, Eine Kraftgenossenschaft?

Durch und durch aus Eigenheiten, So und so zu sein bestrebt, Die sich lieben, die sich streiten, Wird die bunte Welt gewebt.

Hier gelingt es, da mißglückt es. Wünsche finden keine Rast. Unterdrücker, Unterdrücktes, Jedes Ding hat seine Last.

* * * * *

Der Fährmann lag in seinem Schiff Beim Schein des Mondenlichts, Als etwas kam und rief und pfiff Doch sehen that er nichts.

Ihm war, als stiegen hundert ein. Das Schifflein wurde schwer. Flink, Fährmann, fahr uns übern Rhein, Die Zahlung folgt nachher.

Und als er seine Pflicht gethan, Da ging es klinglingling, Da warf ein Goldstück in den Kahn Jedwedes Geisterding.

Husch, weg und weiter zog die Schar. Verwundert steht der Mann: So Seelen sind zwar unsichtbar Und doch ist etwas dran.

* * * * *

Ob er gleich von hinnen schied, Ist er doch geblieben, Der so manches schöne Lied Einst für uns geschrieben.

Unser Mund wird ihn entzückt Lange noch erwähnen, Und so lebt er hochbeglückt Zwischen hohlen Zähnen.

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Ein Künstler auf dem hohen Seil, Der alt geworden mittlerweil, Stieg eines Tages vom Gerüst Und sprach: Nun will ich unten bleiben Und nur noch Hausgymnastik treiben, Was zur Verdauung nöthig ist. Da riefen alle: Oh, wie schad! Der Meister scheint doch allnachgrad Zu schwach und steif zum Seilbesteigen! Ha! denkt er, dieses wird sich zeigen! Und richtig, eh der Markt geschlossen, Treibt er auf's neu die alten Possen Hoch in der Luft und zwar mit Glück, Bis auf ein kleines Mißgeschick. Er fiel herab in großer Eile Und knickte sich die Wirbelsäule. Der alte Narr! Jetzt bleibt er krumm So äußert sich das Publikum.

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Wenn die Tante Adelheide Als Logierbesuch erschien, Fühlte Fritzchen große Freude, Denn dann gab es was für ihn.

Immer hat die liebe Gute Tief im Reisekorb versteckt Eine angenehme Tute, Deren Inhalt köstlich schmeckt.

Täglich wird dem braven Knaben Draus ein hübsches Stück beschert, Bis wir schließlich nichts mehr haben Und die Tante weiter fährt.

Mit der Post fuhr sie von hinnen. Fritzchens Trauer ist nur schwach. Einer Tute, wo nichts drinnen, Weint man keine Thräne nach.

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Gestützt auf seine beiden Krücken, Die alte Kiepe auf dem Rücken, Ging durch das Dorf ein Bettelmann Und klopfte stets vergeblich an. Erst aus dem allerletzten Haus Kam eine gute Frau heraus, Die grad den dritten Mann begraben, Daher geneigt zu milden Gaben, Und legt in seines Korbes Grund Ein Brod von mehr als sieben Pfund. Ein schmaler Steg führt gleich danach Ihn über einen Rauschebach. Jetzt hab ich Brod, jetzt bin ich glücklich! So rief er froh, und augenblicklich Fiel durch den Korb, der nicht mehr gut, Sein Brod hinunter in die Fluth. Das kommt von solchem Übermuth.

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In der ersten Nacht des Maien Läßt's den Hexen keine Ruh. Sich gesellig zu erfreuen, Eilen sie dem Brocken zu.

Dorten haben sie ihr Kränzchen. Man verleumdet, man verführt, Macht ein lasterhaftes Tänzchen, Und der Teufel präsidiert.

* * * * *

Willst du gelobt sein, so verzichte Auf kindlich blödes Wesen. Entschließ dich, deine himmlischen Gedichte Den Leuten vorzulesen.

Die Welt ist höflich und gesellig, Und eh man dich beleidigt, Sagt wohl ein jeder leicht, was dir gefällig, Denn keiner ist beeidigt.

* * * * *

Sie ist ein reizendes Geschöpfchen, Mit allen Wassern wohl gewaschen; Sie kennt die süßen Sündentöpfchen Und liebt es, häufig draus zu naschen.

Da bleibt den sittlich Hochgestellten Nichts weiter übrig, als mit Freuden Auf diese Schandperson zu schelten Und sie mit Schmerzen zu beneiden.

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Ganz unverhofft, an einem Hügel, Sind sich begegnet Fuchs und Igel. Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht. Kennst du des Königs Ordre nicht? Ist nicht der Friede längst verkündigt, Und weißt du nicht, daß jeder sündigt, Der immer noch gerüstet geht? Im Namen seiner Majestät, Geh her und übergieb dein Fell. Der Igel sprach: Nur nicht so schnell. Lass' dir erst deine Zähne brechen, Dann wollen wir uns weiter sprechen. Und allsogleich macht er sich rund, Schließt seinen dichten Stachelbund Und trotzt getrost der ganzen Welt, Bewaffnet, doch als Friedensheld.

* * * * *

Der Bauer sprach zu seinem Jungen: Heut in der Stadt da wirst du gaffen. Wir fahren hin und seh'n die Affen. Es ist gelungen Und um sich schief zu lachen, Was die für Streiche machen Und für Gesichter, Wie rechte Bösewichter. Sie krauen sich, Sie zausen sich, Sie hauen sich, Sie lausen sich, Beschnuppern dies, beknuppern das, Und Keiner gönnt dem Andern was, Und essen thun sie mit der Hand, Und alles thun sie mit Verstand, Und Jeder stiehlt als wie ein Rabe. Paß auf, das siehst du heute. Oh Vater, rief der Knabe, Sind Affen denn auch Leute? Der Vater sprach: Nun ja, Nicht ganz, doch so beinah.

* * * * *

Zwiefach sind die Phantasieen, Sind ein Zauberschwesternpaar, Sie erscheinen, singen, fliehen Wesenlos und wunderbar.

Eine ist die himmelblaue, Die uns froh entgegen lacht, Doch die andre ist die graue, Welche angst und bange macht.

Jene singt von lauter Rosen, Singt von Liebe und Genuß; Diese stürzt den Hoffnungslosen Von der Brücke in den Fluß.

* * * * *

Rötlich dämmert es im Westen Und der laute Tag verklingt, Nur daß auf den höchsten Ästen Lieblich noch die Drossel singt.

Jetzt in dichtbelaubten Hecken, Wo es still verborgen blieb, Rüstet sich das Volk der Schnecken Für den nächtlichen Betrieb.

Tastend streckt sich ihr Gehörne. Schwach nur ist das Augenlicht. Dennoch schon aus weiter Ferne Wittern sie ihr Leibgericht.

Schleimig, säumig, aber stete, Immer auf dem nächsten Pfad, Finden sie die Gartenbeete Mit dem schönsten Kopfsalat.

Hier vereint zu ernsten Dingen, Bis zum Morgensonnenschein, Nagen sie geheim und dringen Tief ins grüne Herz hinein.

Darum braucht die Köchin Jettchen Dieses Kraut nie ohne Arg. Sorgsam prüft sie jedes Blättchen, Ob sich nichts darin verbarg.

Sie hat Furcht, den Zorn zu wecken Ihres lieben gnädgen Herrn. Kopfsalat, vermischt mit Schnecken, Mag der alte Kerl nicht gern.

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Schon viel zu lang Hab ich der Bosheit mich ergeben. Ich lasse tödten, um zu leben, Und bös macht bang.

Denn niemals ruht Die Stimme in des Herzens Tiefe, Als ob es zärtlich klagend riefe: Sei wieder gut.

Und frisch vom Baum Den allerschönsten Apfel brach ich. Ich biss hinein, und seufzend sprach ich, Wie halb im Traum:

Du erstes Glück, Du alter Paradiesesfrieden, Da noch kein Lamm den Wolf gemieden, Oh komm zurück.

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Wohl tausendmal schon ist er hier Gestorben und wiedergeboren, Sowohl als Mensch, wie auch als Thier, Mit kurzen und langen Ohren.

Jetzt ist er ein armer blinder Mann, Es zittern ihm alle Glieder, Und dennoch, wenn er nur irgend kann, Kommt er noch tausendmal wieder.

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Es giebt ja leider Sachen und Geschichten, Die reizend und pikant, Nur werden sie von Tanten und von Nichten Niemals genannt.

Verehrter Freund, so sei denn nicht vermessen, Sei zart und schweig auch du. Bedenk: Man liebt den Käse wohl, indessen Man deckt ihn zu.

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Auguste, wie fast jede Nichte, Weiß wenig von Naturgeschichte. Zu bilden sie in diesem Fache, Ist für den Onkel Ehrensache. Auguste, sprach er, glaub es mir, Die Meise ist ein nettes Thier. Gar zierlich ist ihr Leibesbau, Auch ist sie schwarz weiß gelb und blau. Hell flötet sie und klettert munter Am Strauch kopfüber und kopfunter. Das härtste Korn verschmäht sie nicht, Sie hämmert, bis die Schale bricht. Mohnköpfen bohrt sie mit Verstand Ein Löchlein in den Unterrand, Weil dann die Sämerei gelind Von selbst in ihren Schnabel rinnt. Nicht immer liebt man Fastenspeisen, Der Grundsatz gilt auch für die Meisen. Sie gucken scharf in alle Ritzen, Wo fette Käferlarven sitzen, Und fangen sonst noch Myriaden Insekten, die dem Menschen schaden, Und hieran siehst du außerdem, Wie weise das Natursystem. -- So zeigt er, wie die Sache lag. Es war kurz vor Martinitag. Wer dann vernünftig ist und kann's Sich leisten, kauft sich eine Gans. Auch an des Onkels Außengiebel Hing eine solche, die nicht übel, Um, nackt im Freien aufgehangen, Die rechte Reife zu erlangen. Auf diesen Braten freute sich Der Onkel sehr und namentlich Vor allem auf die braune Haut, Obgleich er sie nur schwer verdaut. Martini kam, doch kein Arom Von Braten spürt der gute Ohm. Statt dessen trat voll Ungestüm Die Nichte ein und zeigte ihm Die Gans, die kaum noch Gans zu nennen, Ein Scheusal, nicht zum Wiederkennen, Zernagt beinah bis auf die Knochen. Kein Zweifel war, wer dies verbrochen, Denn deutlich lehrt der Augenschein, Es konnten nur die Meisen sein. Also ade! du braune Kruste. Ja, lieber Onkel, sprach Auguste, Die gern, nach weiblicher Manier, Bei einem Irrthum ihn ertappt: Die Meise ist ein nettes Thier. Da hast du wieder recht gehabt.

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Von Fruchtomletts da mag berichten Ein Dichter aus den höhern Schichten. Wir aber, ohne Neid nach oben, Mit bürgerlicher Zunge loben Uns Pfannekuchen und Salat. Wie unsre Liese delikat So etwas backt und zubereitet, Sei hier in Worten angedeutet. Drei Eier, frisch und ohne Fehl, Und Milch und einen Löffel Mehl, Die quirlt sie fleißig durcheinand Zu einem innigen Verband. Sodann, wenn Thränen auch ein Übel, Zerstückelt sie und mengt die Zwiebel Mit Öl und Salz zu einer Brühe, Daß der Salat sie an sich ziehe. Um diesen ferner herzustellen, Hat sie Kartoffeln abzupellen. Da heißt es, fix die Finger brauchen, Den Mund zu spitzen und zu hauchen, Denn heiß geschnitten nur allein Kann der Salat geschmeidig sein. Hierauf so geht es wieder heiter Mit unserm Pfannekuchen weiter. Nachdem das Feuer leicht geschürt, Die Pfanne sorgsam auspoliert, Der Würfelspeck hinein geschüttelt, So daß es lustig brät und brittelt, Pisch, kommt darüber mit Gezisch Das ersterwähnte Kunstgemisch. Nun zeigt besonders und apart Sich Lieschens Geistesgegenwart, Denn nur zu bald, wie allbekannt, Ist solch ein Kuchen angebrannt. Sie prickelt ihn, sie stockert ihn, Sie rüttelt, schüttelt, lockert ihn Und lüftet ihn, bis augenscheinlich Die Unterseite eben bräunlich, Die umgekehrt geschickt und prompt Jetzt ihrerseits nach oben kommt. Geduld, es währt nur noch ein bissel, Dann liegt der Kuchen auf der Schüssel. Doch späterhin die Einverleibung, Wie die zu Mund und Herzen spricht, Das spottet jeglicher Beschreibung, Und darum endet das Gedicht.

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Stark in Glauben und Vertrauen, Von der Burg mit festen Thürmen Kannst du dreist herniederschauen, Keiner wird sie je erstürmen.

Lass sie graben, lass sie schanzen, Stolze Ritter, grobe Bauern, Ihre Flegel, ihre Lanzen Prallen ab von deinen Mauern.

Aber hüte dich vor Zügen In die Herrschaft des Verstandes, Denn sogleich sollst du dich fügen Den Gesetzen seines Landes.

Bald umringen dich die Haufen, Und sie ziehen dich vom Rosse, Und du mußt zu Fuße laufen Schleunig heim nach deinem Schlosse.

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Wie es scheint, ist die Moral Nicht so bald beleidigt, Während Schlauheit allemal Wüthend sich vertheidigt.

Nenn den Schlingel liederlich, Leicht wird er's verdauen; Nenn ihn dumm, so wird er dich, Wenn er kann, verhauen.

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Ich bin mal so, sprach Förster Knast, Die Flunkerei ist mir verhasst, Doch sieht man oft was Sonderbares. Im Frühling vor fünf Jahren war es, Als ich stockstill, den Hahn gespannt, Bei Mondschein vor dem Walde stand. Da läßt sich plötzlich flügelsausend Ein Kranichheer, wohl an die tausend, Ganz dicht zu meinen Füßen nieder. Sie kamen aus Egypten wieder Und dachten auf der Reise nun Sich hier ein Stündchen auszuruhn. Ich selbstverständlich, schlau und sacht, Gab sehr genau auf alles acht. Du, Hans, so rief der Oberkranich, Hast heut die Wache, drum ermahn ich Dich ernstlich, halt dich stramm und pass Gehörig auf, sonst giebt es was. Bald schlief ein Jeder ein und sägte. Hans aber stand und überlegte. Er nahm sich einen Kieselstein, Erhob ihn mit dem rechten Bein Und hielt sich auf dem linken nur In Gleichgewicht und Positur. Der arme Kerl war schrecklich müd, Erst fiel das linke Augenlid, Das rechte blinzelt zwar noch schwach, Dann aber folgt's dem andern nach. Er schnarcht sogar. Ich denke schon: Wie wird es dir ergehn, mein Sohn? So denk ich, doch im Augenblick, Als ich es dachte, geht es klick! Der Stein fiel Hänschen auf die Zeh, Das weckt ihn auf, er schreit auweh! Er schaut sich um, hat mich gewittert, Pfeift, daß es Mark und Bein erschüttert, Und allsogleich im Winkelflug Entschwebt der ganze Heereszug Ich rief hurrah! und schwang den Hut. Der Vogel der gefiel mir gut. Er lebt auch noch. Schon oft seither Sah man ihn fern am schwarzen Meer Auf einem Bein auf Posten stehn. Dies schreibt mein Freund, der Kapitän, Und was er sagt, ist ohne Frage So wahr, als was ich selber sage.

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Auf leichten Schwingen frei und flink Zum Lindenwipfel flog der Fink Und sang an dieser hohen Stelle Sein Morgenlied so glockenhelle. Ein Frosch, ein dicker, der im Grase Am Boden hockt, erhob die Nase, Strich selbstgefällig seinen Bauch Und denkt: Die Künste kann ich auch. Alsbald am rauhen Stamm der Linde Begann er, wenn auch nicht geschwinde, Doch mit Erfolg, empor zu steigen, Bis er zuletzt von Zweig zu Zweigen, Wobei er freilich etwas keucht, Den höchsten Wipfelpunkt erreicht Und hier sein allerschönstes Quacken Ertönen läßt aus vollen Backen. Der Fink, dem dieser Wettgesang Nicht recht gefällt, entfloh und schwang Sich auf das steile Kirchendach. Wart, rief der Frosch, ich komme nach. Und richtig ist er fortgeflogen, Das heißt, nach unten hin im Bogen, So daß er schnell und ohne Säumen Nach mehr als zwanzig Purzelbäumen, Zur Erde kam mit lautem Quack, Nicht ohne großes Unbehagen. Er fiel zum Glück auf seinen Magen, Den dicken weichen Futtersack, Sonst hätt er sicher sich verletzt. Heil ihm! Er hat es durchgesetzt.

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Geld gehört zum Ehestande, Hässlichkeit ist keine Schande, Liebe ist beinah absurd. Drum, du nimmst den Junker Jochen Innerhalb der nächsten Wochen. Also sprach der Ritter Kurt.

Vater, flehte Kunigunde. Schone meine Herzenswunde, Ganz umsonst ist dein Bemühn. Ja, ich schwör's bei Erd und Himmel, Niemals nehm ich diesen Lümmel, Ewig, ewig hass ich ihn.

Nun, wenn Worte nicht mehr nützen, Dann so bleibe ewig sitzen, Marsch mit dir in's Burgverließ. Zornig sagte dies der Alte, Als er in die feuchte kalte Kammer sie hinunterstieß.

Jahre kamen, Jahre schwanden, Nichts im Schlosse blieb vorhanden Außer Kunigundens Geist. Dort, wo graue Ratten rasseln, Sitzt sie zwischen Kellerasseln, Von dem Feuermolch umkreist.

Heut noch ist es nicht geheuer In dem alten Burggemäuer Um die Mitternacht herum. Wehe, ruft ein weißes Wesen, Will denn Niemand mich erlösen? Doch die Wände bleiben stumm.

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Sei es freundlich, sei es böse, Meist genügend klar und scharf Klingt des Mundes Wortgetöse Für den täglichen Bedarf.

Doch die Höchstgefühle heischen Ihren ganz besondern Klang; Dann sagt grunzen oder kreischen Mehr als Rede und Gesang.

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Wie hat sich sonst so schön der Hahn Auf unserm Thurm gedreht Und damit Jedem kund gethan, Woher der Wind geweht.

Doch seit dem letzten Sturme hat Er keinen rechten Lauf; Er hängt so schief, er ist so matt, Und Keiner schaut mehr drauf.

Jetzt leckt man an den Finger halt Und hält ihn hoch geschwind. Die Seite, wo der Finger kalt, Von daher weht der Wind.

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Er liebte sie in aller Stille. Bescheiden, schüchtern und von fern Schielt er nach ihr durch seine Brille Und hat sie doch so schrecklich gern.

Ein Mücklein, welches an der Nase Des schönen Kindes saugend saß, Ertränkte sich in seinem Glase. Es schmeckt ihm fast wie Ananas.

Sie hatte Haare, wie 'ne Puppe, So unvergleichlich blond und kraus. Einst fand er eines in der Suppe Und zog es hochbeglückt heraus.

Er rollt es auf zu einem Löckchen, Hat's in ein Medaillon gelegt. Nun hängt es unter seinem Röckchen Da, wo sein treues Herze schlägt.

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Ein eigner Kerl war Krischan Bolte. Er that nicht gerne, was er sollte. Als Kind schon ist er so gewesen. Religion, Rechtschreiben und Lesen Fielen für ihn nicht ins Gewicht: Er sollte zur Schule und wollte nicht. Später kam er zu Meister Pfriem. Der zeigte ihm redlich und sagte ihm, Jedoch umsonst, was seine Pflicht: Er sollte schustern und wollte nicht. Er wollte sich nun mal nicht quälen, Deßhalb verfiel er auf das Stehlen. Man fasst ihn, stellt ihn vor Gericht: Er sollte bekennen und wollte nicht. Trotzdem verdammt man ihn zum Tode. Er aber blieb, nach seiner Mode, Ein widerspänstiger Bösewicht: Er sollte hängen und wollte nicht.

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Durch das Feld ging die Familie, Als mit glückbegabter Hand Sanft erröthend Frau Ottilie Eine Doppelähre fand.

Was die alte Sage kündet, Hat sich öfter schon bewährt: Dem, der solche Ähren findet, Wird ein Doppelglück beschert.

Vater Franz blickt scheu zur Seite. Zwei zu fünf, das wäre viel. Kinder, sprach er, aber heute Ist es ungewöhnlich schwül.

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Suche nicht apart zu scheinen, Wandle auf betretnen Wegen. Meinst du, was die andern meinen, Kommt man freundlich dir entgegen.

Mancher, auf dem Seitensteige, Hat sich im Gebüsch verloren, Und da schlugen ihm die Zweige Links und rechts um seine Ohren.

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Es hat einmal, so wird gesagt, Der Löwe mit dem Wolf gejagt. Da haben sie vereint erlegt Ein Wildschwein stark und gut gepflegt. Doch als es an's Vertheilen ging, Dünkt das dem Wolf ein misslich Ding. Der Löwe sprach: Was grübelst du? Glaubst du, es geht nicht redlich zu? Dort kommt der Fuchs, er mag entscheiden, Was jedem zukommt von uns beiden. Gut, sagt der Wolf, dem solch ein Freund Als Richter gar nicht übel scheint. Der Löwe winkt dem Fuchs sogleich: Herr Doctor, das ist was für Euch. Hier dieses jüngst erlegte Schwein, Bedenkt es wohl, ist mein und sein. Ich fasst es vorn, er griff es hinten; Jetzt theilt es uns, doch ohne Finten. Der Fuchs war ein Jurist von Fach. Sehr einfach, spricht er, liegt die Sach. Das Vordertheil, ob viel ob wenig, Erhält mit Fug und Recht der König. Dir aber, Vetter Isegrimm, Gebührt das Hintertheil. Da nimm! Bei diesem Wort trennt er genau Das Schwänzlein hinten von der Sau. Indess der Wolf verschmäht die Beute. Verneigt sich kurz und geht beiseite. Fuchs, sprach der Löwe, bleibt bei mir. Von heut an seid Ihr Großvezier.

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Mein Sohn, hast du allhier auf Erden Dir vorgenommen, was zu werden, Sei nicht zu keck; Und denkst du, sei ein stiller Denker. Nicht leicht befördert wird der Stänker. Mit Demuth salbe deinen Rücken, Voll Ehrfurcht hast du dich zu bücken, Mußt heucheln, schmeicheln, mußt dich fügen, Denn selbstverständlich nur durch Lügen Kommst du vom Fleck. Oh, thu's mit Eifer, thu's geduldig, Bedenk, was du dir selber schuldig. Das Gönnerherz wird sich erweichen, Und wohl verdient wirst du erreichen Den guten Zweck.

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Wie standen ehedem die Sachen So neckisch da in ihrem Raum, Schwer war's, ein Bild davon zu machen, Und selbst der Beste konnt es kaum.

Jetzt, ohne sich zu überhasten, Stellt man die Guckmaschine fest Und zieht die Bilder aus dem Kasten, Wie junge Spatzen aus dem Nest.

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Er saß beim Frühstück äußerst grämlich, Da sprach ein Krümchen Brot vernehmlich: Aha, so ist es mit dem Orden Für diesmal wieder nichts geworden. Ja Freund, wer seinen Blick erweitert Und schaut nach hinten und nach vorn, Der preist den Kummer, denn er läutert. Ich selber war ein Weizenkorn. Mit vielen, die mir anverwandt, Lag ich im rauhen Ackerland. Bedrückt von einem Erdenkloß, Macht ich mich muthig strebend los. Gleich kam ein alter Has gehupft Und hat mich an der Nas gezupft, Und als es Winter ward, verfror, Was peinlich ist, mein linkes Ohr, Und als ich reif mit meiner Sippe, O weh, da hat mit seiner Hippe Der Hans uns rutschweg abgesäbelt, Und zum Ersticken festgeknebelt Und auf die Tenne fortgeschafft, Wo ihrer vier mit voller Kraft In regelrechtem Flegeltakte Uns klopften, daß die Schwarte knackte. Ein Esel trug uns nach der Mühle. Ich sage dir, das sind Gefühle, Wenn man, zerrieben und gedrillt Zum allerfeinsten Staubgebild, Sich kaum besinnt und fast vergisst, Ob Sonntag oder Montag ist. Und schließlich schob der Bäckermeister, Nachdem wir erst als zäher Kleister In seinem Troge baß gehudelt, Vermengt, geknetet und vernudelt, Uns in des Ofens höchste Gluth. Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut? Frischauf, du hast genug, mein Lieber, Greif zu und schneide nicht zu knapp Und streiche tüchtig Butter drüber Und gieb den Andern auch was ab.

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Man ist ja von Natur kein Engel, Vielmehr ein Welt- und Menschenkind, Und rings umher ist ein Gedrängel Von Solchen, die dasselbe sind.