Zimmerblattpflanzen

Chapter 2

Chapter 23,313 wordsPublic domain

Eine ganze Anzahl Pflanzen mit fleischigen oder dickadrigen Blättern lassen sich verhältnismäßig leicht durch Blattstecklinge vermehren. Es gehören hierher buntblättrige _Begonien_, _Peperomien_, _Gesneraceen_, _Bryophyllum_, _Sanseviera_ etc. Während Blätter normal keine Laubknospen bilden, besitzen die der genannten Pflanzen die Eigenschaft, unter bestimmten Verhältnissen Knospen und Wurzeln zu bilden. Diese Verhältnisse sind: gleichmäßig feuchte Luft und Erde und etwas erhöhte Temperatur. Die Vermehrung durch Blattstecklinge ist also nur in einem heizbaren Kasten auszuführen. Die Methoden der Vermehrung sind verschieden. Im einfachsten Falle steckt man das Blatt, dem man ein Stück des Blattstieles gelassen hat, in sandige Erde (_Peperomien_). Begonienblätter legt man entweder auf feuchten Sand, wobei der Blattstielstumpf in den Sand kommt, durchsticht die Hauptadern an den Gabelstellen und drückt die Blattfläche durch kleine /\ gebogene Holzstückchen fest an den Sand an. Oder man schneidet die Blattfläche bis auf ein kleines Dreieck von etwa 5 cm Länge fort und steckt dieses Dreieck in den Sand. Außer bei _Bryophyllum_ welches an den Kanten des Blattrandes Knospen bildet, entwickeln sich nach bald längerer, bald kürzerer Zeit an den Schnittflächen Knospen, welche, wenn sie bewurzelt sind, einzeln in kleine Töpfe gepflanzt werden.

5. KAPITEL. AUFZÄHLUNG DER BLATTPFLANZEN

In der folgenden Aufzählung der Blattpflanzen sind diejenigen, welche auch in sonnenlosen Zimmern noch gut gedeihen, durch einen Stern (*) bezeichnet. Diese Pflanzen können auch etwas weiter ab vom Fenster kultiviert werden. Man hüte sich aber, ihnen einen Platz zu geben, wo sie von der strahlenden Hitze des Ofen getroffen werden. Pflanzen, welche einen aufrechten Stamm bilden, sollte man niemals weit vom Fenster aufstellen, weil sie sich sehr nach dem Lichte ziehen und schief werden. Etwas hilft gegen das Schieswachsen ein tägliches Drehen der Pflanze um 90°, so daß jede Seite jeden fünften Tag dem Fenster zugewendet ist. Pflanzen, welche längere Zeit dieselbe Stellung inne hatten und infolgedessen schief geworden sind, vertragen nicht immer eine Umänderung der Stellung, sondern werfen die Blätter. Andere Arten dagegen richten sich auch dann noch nach dem Lichte. Als eine ziemlich allgemein gültige Regel gilt es, daß Pflanzen, deren Blätter außer grün noch eine andere Farbe, weiß, gelb, rot, zeigen, viel direktes Sonnenlicht brauchen, damit die Farben recht intensiv werden. Schattenpflanzen sind dagegen meistens _Farne_ und _Aroideen_. Während der heißen Sommermonate müssen die sonneliebenden Pflanzen während der heißen Mittagsstunden durch ein weißes Rouleau gegen die direkte Wirkung der Sonnenstrahlen geschützt werden.

Farne

Die Farnkräuter sind fast durchweg Schattenpflanzen, welche im Walde wachsen, wo sie wenig oder gar nicht direkt von den Sonnenstrahlen getroffen werden. Daraus ergibt sich ohne weiteres, daß wir sie nicht direkt in die Sonne stellen dürfen, sondern so ausstellen müssen, daß das sie treffende Licht durch das Laub davorstehender Pflanzen gedämpft worden ist. Andrerseits wollen die Farne doch reichlich Licht haben, sie dürfen also nicht in dunklen Ecken oder weit ab vom Fenster aufgestellt werden. Ferner verlangen die Farne in den meisten Fällen viel Luftfeuchtigkeit, deshalb sollen sie täglich wiederholt mit dem Zerstäuber besprengt werden. Nur die Gold- und Silberfarne sowie die Gleichenien sind gegen direkte Nässe an den Wedeln sehr empfindlich. Da aber auch diese feuchte Luft zum guten Gedeihen brauchen, so hält man sie am besten unter Glas und sorgt für Luftfeuchtigkeit durch ein in dem Kulturraume aufgestelltes mit Wasser gefülltes flaches Gefäß. Frei im Zimmer stehende Farne werden sich stets sehr schön entwickeln, wenn man sie des Nachts mit nasser Gaze bedeckt, die aber die Wedel nicht berühren darf. Die beste Erde für Farne ist eine Mischung aus 3 Teilen Heideerde und 1 Teil gutverrotteter Lauberde, der man etwas groben reinen Sand und, wenn möglich, kleine Holzkohlenstückchen zusetzt. Außerdem muß eine gute Scherbenunterlage für sehr guten Wasserabfluß gesorgt werden. Die Töpfe für Farne sollen stets mehr breit als tief sein, weil die Wurzeln sich flach ausbreiten. Aus diesem Grunde sind Schalen besser als Töpfe. Fehlen Schalen, so vermindert man den Raum. für die Erde in den Töpfen durch eine hohe Scherbenunterlage. Während der Wachstumperiode sind Farne für eine schwache flüssige Düngung sehr dankbar. Frei im Zimmer halten sich die Farne mit derben, lederartigen Blättern (»Wedeln«) am besten. Zu diesen gehören:

_*Cyrtomium falcatum Sw._, in Japan, China, am. Himalaya und an den Nilgherries, auf den Sandwichsinseln, Madagascar und in S.-Afrika heimisch, mit 30–60 cm langen, 15–22 cm breiten, einfach gefiederten Wedeln, deren Fiedern 10–15 cm lang, 2½–5 cm breit, eiförmig zugespitzt, sichelförmig sind.

_*Asplenum Nidus L._(1). Das Vogelnest, von den ostafrikanischen Inseln bis nach Japan, den Gesellschaftsinseln und Neukaledonien heimisch, ausgezeichnet durch einfache 60–120 cm lange, 7½–20 cm breite, lanzettliche, zugespitzte, lederartige, dunkelgrüne Wedel, welche so zusammenstehen, daß sie ein riesiges Nest zu bilden scheinen.

_*Polypodium aureum L._(2), ein in Ost-Amerika von der Halbinsel Florida bis Brasilien heimisches, prächtiges Farnkraut mit kriechendem, dicht mit rostbraunen Schuppen besetztem Wurzelstock, von dem sich die bei guter Pflege und genügender Wärme und Luftfeuchtigkeit bis mannshohen, bis einen halben Meter breiten, im Zimmer aber meist nur einen halben bis einen Meter hohen und einen viertel Meter breiten Wedel erheben. Die Wedel sind langgestielt, in eine lange Spitze ausgezogen und seitwärts bis nahe an den Mittelnerv in bald mehr bald weniger zahlreiche etwas gewellte Lappen eingeschnitten. Das schönste an diesen Wedeln ist die eigentümliche, köstlich blaugrüne, beduftete Farbe, von der sich an fruktifizierenden Wedeln die leuchtend orangegelben Fruchthäufchen äußerst wirkungsvoll abheben. Während die beiden zuerst genannten Arten im Winter kühl, möglichst bei 4–6° R. [5–7,5°C], stehen wollen, zieht dieses Farnkraut einen etwas wärmeren Standort vor.

Selten in Kultur, aber seiner Eigentümlichkeiten wegen sehr zu empfehlen ist das ganz harte Elephantenohr, *_Platycerium alcicorne Desv._, im gemäßigten Australien, auf den Mascarenen und Seychellen heimisch. In der Heimat wächst diese Pflanze an Baumstämmen, sie gedeiht bei uns aber auch im Topfe sehr gut. Ihren Namen hat die Pflanze nach den eigenartigen Wedeln, welche in Größe, Form und Farbe in der Tat sehr an Elephantenohren erinnern. Diese Wedel stehen aufrecht und bilden niemals Sporen. Außer ihnen treten nun noch vollständig anders geformte Wedel auf, welche 60 bis 90 cm lang werden und wiederholt gabelig geteilt sind. Die einzelnen Lappen hängen wie breite blaugrüne Lederstreifen herab und tragen bisweilen auf der Rückseite in der Nähe der Spitze ausgebreitete braune Sporenmassen. Auch dieses Farnkraut will im Winter nicht zu warm stehen.

Von den dünnblättrigen Farnen sind zunächst einige _Pteris_-Arten für das Zimmer sehr zu empfehlen. Sehr verbreitet ist _*Pteris cretica L._, eine in der warmen gemäßigten Zone beider Hemisphären heimische Art, welche 15–30 cm lange, zierliche, langgefiederte Wedel bildet. Wie bei vielen Farnen sind hier die sporentragenden, fertilen Wedel von den unfruchtbaren, sterilen, abweichend gebildet. Sehr hübsch ist eine aus Japan stammende weißgestreifte Form _albo-lineata_(3). Noch zierlicher ist der ebenfalls ganz harte _Pteris serrulata L. fil._(4) in China, Japan und Natal heimisch, dessen 25–50 cm lange, 15–25 cm breite Wedel in sehr feine Fiedern zerschlitzt sind und äußerst graziöse Büsche bilden. Beide Arten wollen im Winter kühl, bei 4 bis 6° R. [5–7,5°C] stehen. Etwas wärmer will _*Pteris quadriaurita Retz_, eine in den Tropen heimische Art, stehen. Sie gedeiht auch im geheizten Wohnzimmer, wenn für feuchte Luft gesorgt wird. Die gefiederten Wedel erreichen bei der Stammform bis zu 1 m Länge und 30 Cm, ja noch mehr Breite. Schöner sind einige Varietäten, von denen man eine mit breitem weißen Mittelbande als _Pteris argyraea Moore_ ziemlich häufig antrifft. Ganz besonders schön und dabei klein bleibend ist die Varietät _Pteris tricolor Linden_(5), deren Wedel auf grünem Grunde weiß und rot gezeichnet sind. Diese Form wird am schönsten im Glaskasten an einem sonnigen Fenster, wenn man die direkten Sonnenstrahlen durch Leinewand abhält.

Recht beliebt sind die *Frauenhaar-* oder _Adiantum_-Arten. Die Wedel derselben sind entweder ganz einfach, so bei dem etwas selteneren _Adiantum reniforme L._, aus Madeira, Teneriffa, Mauritius und Bourbon, oder einfach gefiedert oder doppelt gefiedert oder wiederholt gabelig geteilt und dann mit zahlreichen Fiedern an den einzelnen Zweigen besetzt. Alle _Adiantum_-Arten sind leicht an den zierlich dünnen Wedelstielen, den charakteristisch geformten keil- oder rautenförmigen Fiedern, der auffallend dünnen und dabei doch festen Textur derselben und den am Rande auf der Unterseite sitzenden etwa halbmondförmigen Fruchthäufchen sehr leicht zu erkennen. Wegen ihrer dünnen Textur vertragen sie alle keine trockene Luft und gedeihen am schönsten im hellen Glaskasten. Einige Arten lassen sich aber bei sorgsamer Pflege auch frei im Zimmer halten, wie _*Adiantum cuneatum_(6), _*A. Capillus Veneris L._(7), das *Venushaar*, welches über die ganze Erde verbreitet ist, und _*Adiantum pedatum L._, das *fußförmige Frauenhaar* aus Nordamerika und Südostasien, wenn man sie im Winter im kühlen Zimmer einziehen läßt und dann nur eben vor dem Vertrocknen schützt. Die beiden letzten Arten halten übrigens unter leichter Decke auch im Freien aus.

Die schönste Art ist _*Adiantum Farleyense Moore_, eine Gartenform des amerikanischen _Adiantum tenerum Swartz_ welche am besten im warmen Zimmer einzeln unter einer Glasglocke kultiviert wird. Schöne Exemplare erreichen bei guter Kultur bis einen halben Meter Durchmesser. Die Wedel dieser Art werden wegen der sehr großen. Fiedern am besten an dünnem steifem Draht festgebunden. Bemerkenswert ist etz, daß man von dieser Form nur sehr selten Fruchtwedel erhält. Ein neuerdings eingeführtes, sehr dankbares Farnkraut ist _Nephrolepis bostoniensis_ (8) mit sehr eleganten, langen Wedeln. Vergleiche über Farne auch Gartenbaubibliothek Band 8, Mönkemeyer, die Farne.

Selaginellen

Die Selaginellen, nahe Verwandte der Bärlappe, sind zum größten Teil nur unter Glas zu kultivieren, weil sie vor allem feuchte Luft brauchen.

Eine Ausnahme macht nur _*Selaginella Martensii Spring_ aus Brasilien, welche auch frei im Zimmer gehalten werden kann, wenn man sie recht häufig mit dem Zerstäuber benetzt. Alle Selaginellen verlangen eine sehr humusreiche lockere Erde und nicht zu starke Sonne, da sie in derselben rot werden. Im Glaskasten können einzelne zur Rasenbildung verwendet werden, wozu sich besonders schön die amerikanische _*Selaginella apus Spring_, ferner _*Selaginella denticulata Lk._ und die prächtige _*Selaginella uncinata Spring_ aus China mit hechtblauem Schimmer auf den Blättern, eignen; andere Arten bilden nach Art der schon genannten _Selaginella Martensii Spring_ schöne zierliche Büsche, wie _*S. Victoria h. Bull._ von den Inseln des Stillen Ozeans. Noch andere Arten endlich, wie _*S. erythropus Spring_ aus Brasilien klettern und eignen sich zur Bekleidung von Felsen. Eine sehr zierliche Art, welche vor einigen Jahren eingeführt wurde und sich im nicht zu warmen Zimmer ausgezeichnet hält, ist _S. Watsoniana_ (9), welche sehr dichte Büschchen bildet, deren Zweigspitzen silberweiß sind. — Die Vermehrung aller Selaginellen gelingt leicht durch Stecklinge, welche meist schnell wurzeln; jedoch lassen sich einzelne, wie _S. uncinata_ oft lange Zeit, bis sie zu wachsen beginnen.

Cycadeen

Von den Cycadeen oder Zapfenpalmen eignen sich nur die härteren Arten, wie _Cycas revoluta Thbg._ aus Japan und _Dioon edule Ldl._ aus Mexiko, zur Kultur im Zimmer ohne Schutz, während im Glaskasten auch die anderen Arten gut gedeihen, wenn man ihnen gleichmäßige Bodenwärme geben kann. Man stelle sie hell, aber nicht zu sonnig. Gute, nahrhafte, etwas schwere Erde sagt ihnen am besten zu. Die Anzucht aus Samen ist nicht schwierig, namentlich wenn man etwas Bodenwärme geben kann. _Cycas revoluta_ liefert Sago, _Dioon edule_ Stärkemehl.

Nadelhölzer

Unter den Nadelhölzern, welche, so weit sie für die Zimmerkultur in Betracht kommen, sämtlich im Winter einen kühlen Standort von höchstens 6–8° [7–9,5°C] verlangen, ist in neuerer Zeit besonders _*Araucaria excelsa R. Br._(10) von den Norfolk-Inseln wegen ihres überaus regelmäßigen Wuchses sehr beliebt. Man hüte sich, die Pflanze im Winter zu warm und zu naß zu halten, weil sie sonst leicht die Zweige hängen läßt. Ihres schönen Baues wegen steht sie am besten einzeln, aber nicht zu weit vom Fenster ab, weil sie sich sonst leicht schief zieht. Aus diesem Grunde ist sie häufig zu drehen. Auch die japanische _*Cryptomeria japonica Don_ ist ihres regelmäßigen Wuchses wegen sehr beliebt. Alle Nadelhölzer wollen eine humusreiche Haide- oder Torferde mit etwas Lehm und Sand gemischt und guten Wasserabzug. Vergl. auch Band 28 der Gartenbaubibliothek: Dammer, Nadelhölzer.

Pandanaceen

Wegen ihrer eigenartigen Blattstellung und ihres eleganten Wuchses sind die *Schraubenbäume* oder _Pandanaceen_ von jeher beliebt. Sie sind sämtlich in den Tropen der alten Welt heimisch, gedeihen aber teilweise frei im Zimmer ganz vorzüglich, wenn man ihnen die nötige Pflege zukommen läßt. Dieselbe besteht in reichlicher Bewässerung des gut durchlässigen Erdreiches, Umwickeln der unteren Stammpartie mit Moos, das stets feucht zu halten ist, Begießen mit *warmem* Wasser von etwa 20–25° R. [25–30°C], Reinhalten der Blätter von Staub und Ungeziefer und Bewahren der Wurzeln vor starken Temperaturschwankungen. Die Anzucht geschieht aus Samen, den man etwas warm stellt oder durch Stecklinge, welche bei etwas Bodenwärme leicht Wurzeln bilden.

Am härtesten ist _*Pandanus utilis Bory_ von Madagascar und Bourbon, der auch mitten im Zimmer sehr gut gedeiht, wenn das Zimmer hell ist. Er gehört zu den edelsten, dekorativsten Pflanzen. Etwas empfindlicher ist der zierliche _Pandanus nitidus Kurz_ (auch unter dem Namen _*Pandanus graminifolius_ verbreitet) aus Java, welcher dichte, reich verzweigte Büsche bildet. Eine prächtige, weiß gestreifte Art ist _Pandanus Veitchi Lem._ von den Inseln des Stillen Ozeans, welche aber viel Licht braucht und auch etwas empfindlicher ist.

Palmen

Unter den Palmen ist eine ganze Anzahl zur Kultur im Zimmer geeignet. Ihr eleganter Wuchs, ihre Widerstandsfähigkeit und ihre verhältnismäßig leichte Kultur machen sie zu bevorzugten Lieblingen des Pflanzenfreundes. Von den etwa 1200 bekannten Arten, welche zum größten Teil in den Tropen Amerikas und Asiens, zum Teil auch in den Tropen und Subtropen der übrigen Kontinente heimisch sind, vereinzelt auch bis in die warmen gemäßigten Zonen vordringen, sind ca. 600 Arten in Kultur. Etwa der vierte Teil dieser letzteren läßt sich frei im Zimmer kultivieren; die übrigen verlangen Glasbedeckung.

Alle Palmen wollen im Zimmer reichlich Licht, wenn auch nicht immer direkte Sonne; im Gegenteil gedeihen nicht wenige an einem sonnenfreien Platze besser als an einem sonnigen Fenster. Ferner brauchen sämtliche Palmen während der Vegetation sehr viel Wasser und reichlich Nahrung. Je nachdem die Wurzeln dick und wenig verzweigt oder dünn und reich verzweigt sind, gebe man den Palmen eine schwere oder eine leichte lockere humus-reiche Erde!(11). Palmen aus der gemäßigten Zone und aus den Subtropen wollen im Winter kühl bei 4–8° R. [5–10°C] stehen. Wohnzimmertemperatur schwächt diese Arten, sie werden davon dünnblättrig und kränkeln leicht. Am empfindlichsten sind die Palmen an den Wurzeln. Wenn irgend möglich, stelle man sie deshalb in einen Doppeltopf und fülle den Zwischenraum zwischen beiden Töpfen mit einem schlechten Wärmeleiter, wie Sägespänen, Torfmull etc. aus. Obgleich die Palmen während der Vegetationsperiode viel Wasser brauchen, darf die Erde doch nicht schlammig werden. Durch eine reichliche Scherbenunterlage muß also für guten Wasserabzug gesorgt werden. Palmen mit dicken Wurzeln, welche gern tief in die Erde eindringen, gibt man vorteilhaft Töpfe, welche noch einmal so lang wie breit sind. Beim Verpflanzen bringe man die Palmen mit Ausnahme der _Kentia_ und _Sabal_-Arten, welche schräg abwärts in den Boden wachsen, mit der Stammbasis bis auf die Erde. Palmenwurzeln, welche über der Erde stehen, sind in Moos einzuhüllen, welches beständig feucht zu halten ist. Die Vermehrung der Palmen erfolgt aus Samen, welche in Torfmull gleichmäßig feucht und warm zu halten sind. Die Samen liegen manchmal Monate lang, bis sie keimen, deshalb ist Anzucht aus angekeimten Samen vorzuziehen. Viele Palmen sind sehr empfindlich gegen frühzeitige Krümmung der Hauptwurzel. Man stecke die Samen deshalb in recht tiefe Töpfe. Ausführliche Anleitung zur Anzucht und Pflege der Palmen mit Aufzählung der meisten in Kultur befindlichen Arten, findet man in meinem Werke: Palmenzucht und Palmenpflege, Verlag von Trowitzsch und Sohn, Frankfurt a. O.

Je nach der Gestalt der Blätter, welche bei den Palmen wie bei den Farnen und Cycadeen Wedel genannt werden, unterscheidet man zwischen Fächer- und Fiederpalmen. In der Jugend ist dieser Unterschied meist nicht ausgeprägt, die jungen Blätter heißen deshalb Blätter, ausgebildete Wedel, auch charakterisierte Blätter oder Wedel. Unter den Fächerpalmen ist _*Livistona chinensis R. Br._ aus China, die verbreitetste Art. Sie geht auch unter dem Namen _Latania borbonica_ oder _Latania chinensis_. Die großen Fächer sind tief eingeschnitten, stehen auf langen, wehrlosen Stielen, welche sich frühzeitig ziemlich flach legen, so daß die Pflanze bald einen großen Umfang erreicht. Schöner ist die mehr aufrecht wachsende _*Livistona rotundifolia Mart._ aus Java und Celebes, deren Wedel kreisförmig sind und in auf aufrechten, bestachelten Blattstielen stehen. Ähnlich dieser sind _*Livistona oliviformis Mart._(12) aus Java, _*Livistona altissima Zoll_(13) aus Java und _*Livistona Hoogendorpi Teism._(14) aus Java, letztere mit besonders großen, breiten Stacheln an den Blattstielen. Alle sind gut im gewöhnlichen Wohnzimmer zu halten. _*Livistona australis Mart._, auch _Corypha australis_ genannt, aus Australien, ist besonders schön, aber etwas schwieriger in der Kultur. Fächerpalmen für kühle Uberwinterungsräume sind die _Chamaerops_ und _Trachycarpus_-Arten. Sie bilden schnell ansehnliche Pflanzen, die sich namentlich in reinem Lehm sehr kräftig entwickeln.

Ebenfalls für kühle Uberwinterungsräume geeignet sind _Pritchardia robusta_(15), _filifera_(16) und _Sonorae_(17), von denen namentlich die zuletztgenannte Art durch ihre langen, krausen Fäden an den Wedeln, besonders auffallend ist. Im kühlen hellen Zimmer ist endlich noch die prächtige blaugrüne _Erythea armata Wats._(18), auch _Brahea Roezli_ genannt, aus Nordmexiko und Californien, zu überwintern. Eine sehr dankbare Zimmerpalme, die frühzeitig einen dünnen Stamm bildet, ist _*Rhapis flabelliformis l’Hérit._(19) aus China und Japan, deren Fächerwedel auf langen, dünnen Stielen stehen. Die Fächer sind unregelmäßig in breite, vorn gezähnte oder gespaltene Stücke handförmig gespalten. Diese schöne Art wächst auch an weniger hellen Stellen gut. Sie verzweigt sich frühzeitig von unten und bildet später dichte Büsche.

Unter den *Fiederpalmen* nahmen früher die Verwandten der *Dattelpalme*, die _Phönix_-Arten den ersten Platz ein. Sie sind sehr zierlich, sehr dankbar, verlangen meist eine schwere Erde. Um sie in großer Vollkommenheit zu haben, ist es nötig, sie während des Winters kühl zu halten. In neuerer Zeit werden sie von anderen Fiederpalmen, welche meist unter dem Namen _Kentia_ oder _Areca_ gehen, verdrängt.

Von den echten _Kentia_-Arten ist _Kentia Mac Arthuri hort. Bogor._(20) die härteste Art, leicht zu erkennen an den vorn gezähnelten Fiedern. Sie verzweigt sich frühzeitig und wächst nicht sehr schnell. Sie gedeiht sowohl frei im Wohnzimmer, als auch in etwas kühleren Räumen, will aber hell stehen. Nahe verwandt mit dieser Art sind die beiden _Rhopalostylis_-Arten: _Rhopalostylis Baueri Wendl. et Dr._, auch als _Areca Baueri_ _Kentia Baueri_ und _Seaforthia robusta_ im Handel), welche auf den Norfolk-Inseln heimisch ist, und _R. sapida Dr._ (auch ale _Kentia Sapida_ und _Areca Sapida_ im Handel) aus Neu-Seeland, die am weitesten nach Süden (38° s. Br.) in der alten Welt vordringende Palme, welche in ihrer Heimat ohne Schaden Frost und Schnee verträgt. Beide Arten sind sehr schnellwüchsig und ausgezeichnet durch einen braunen schilfrigen Überzug der Blattstiele. Die Fiedern der ersteren Art sind breiter und stehen mehr horizontal ab, während diejenigen der zweiten Art mehr aufwärts gerichtet sind.

In diese Verwandtschaftsgruppe gehört endlich noch _Hedyscepe Canterburyana Wendl. et Drude_ (auch als _Kentia Canterburyana_ im Handel) von der Lord Howe-Insel, eine sehr gedrungen wachsende Palme von prächtigem Habitus. Zu den Kentien werden ferner häufig die beiden _Howea_- oder _Grisebachia_-Arten, _Howea Belmoreana Becc._ und _Howea Forsteriana Becc._ gerechnet, welche beide auf der Lord Howe-Insel zu Hause sind. Beide sind sehr schnellwüchsig und erreichen schon in wenigen Jahren sehr bedeutende Dimensionen. Die zierlichere ist _H. Forsteriana_ welche auch schneller wächst. —

Alle unter dem Sammelnamen _Kentia_ vereinigten Palmen wollen eine lockere, sehr nahrhafte Erde, während der Vegetationsperiode reichlich Wasser und infolgedessen einen sehr guten Wasserabzug. Im Winter stellt man sie am besten etwas kühl, doch vertragen sie auch ganz gut die Temperatur des geheizten Wohnzimmers. Größere Pflanzen stellt man am besten frei auf Einzelständer.

Zwei harte Fiederpalmen, die ebenfalls durch schnellen Wuchs und eleganten Habitus ausgezeichnet sind, sind _Archontophoenix Alexandrae W. et Dr._ und _A. Cunninghami W. et Dr._(21), erstere auch unter dem Namen _Ptychosperma Alexandrae_, letztere unter dem Namens _Seaforthia elegans_ im Handel, beide aus Neuseeland. Die letztere Art ist an den braunpunktierten Wedelstielen und Blattscheiden leicht zu erkennen. Sie wollen etwas schweren Boden und im Winter nicht zu warm stehen.

Sehr beliebt und mit vollem Rechte sind neuerdings wieder die _Chamaedorea_-Arten, weil sie meist sehr widerstandsfähig sind, trockene Zimmerluft gut vertragen und auch mit einem sonnenlosen Standorte zufrieden sind. Direktes Sonnenlicht ist ihnen geradezu schädlich. Während des Winters können sie ebensowohl kühl (6–8° [7–9,5°C]) als auch warm gehalten werden. Um sie zu voller Schönheit zu bringen und darin zu erhalten, ist es nötig, daß man ihnen eine sehr nahrhafte lockere humose Erde und während der Vegetation reichlich Wasser gibt. Sie bilden meist sehr frühzeitig einen schlanken Stamm, der bei den meisten Arten keine großen Dimensionen erreicht. Nur _Chamaedorea desmoncoides Wendl._(22) aus Mexiko wird selbst im Zimmer sehr hoch. Sie ist eine echte Palmliane und ihr dünner Stamm läßt sich deshalb leicht guirlandenartig ziehen.