Chapter 1
Zimmerblattpflanzen
by Udo Dammer
Edition 1 , (November 10, 2007)
*Zimmerblattpflanzen*
Von
*Prof. Udo Dammer*
Kustos des Kgl. Botanischen Gartens zu Dahlem-Berlin
Mit 48 Abbildungen
Zweite Auflage
*Berlin 1908*
INHALT
Vorwort Vorwort zur zweiten Auflage Register 1. Kapitel. Allgemeine Lebensbedingungen 2. Kapitel. Die Standorte für Zimmerpflanzen 3. Kapitel. Hilfsmittel für die Kultur 4. Kapitel. Anzucht und Vermehrung 5. Kapitel. Aufzählung der Blattpflanzen Farne Selaginellen Cycadeen Nadelhölzer Pandanaceen Palmen Araceen Bromeliaceen Commelinaceae Liliaceae Amaryllidaceae Musaceae Marantaceae Piperaceae Moraceae Celastraceae Begoniaceae Myrtaceae Melastomataceae Araliaceae Cornaceae Labiatae Acanthaceae Rubiaceae Caprifoliaceae Footnotes
VORWORT
Das vorliegende Bändchen soll dem Freunde der Zimmerblattpflanzen kurze Winke über die Kultur der Blattpflanzen geben. Auf ausführliche Beschreibungen glaubte Verfasser verzichten zu können, da diese in den Spezialbändchen der Bibliothek gegeben werden sollen. Hier kam es nur darauf an, die allgemeinen Lebensbedingungen der Blattpflanzen kurz zu erörtern, allgemeine Winke für die Kultur der Blattpflanzen zu geben und eine Auswahl von Blattpflanzen zu treffen, die der Laie auch wirklich im Zimmer kultivieren kann. Allerdings konnte ich es mir nicht versagen, auch einige Arten aufzunehmen, die man besser im Glaskasten als frei im Zimmer hält. Eigene Erfahrung hat mich aber belehrt, daß diese zarten Pflanzen sich bei sorgsamer Pflege, wozu vor allem gleichmäßige Feuchtigkeit und Temperatur des Erdballens gehören, auch längere Zeit frei im Zimmer halten lassen. Möge der Liebhaber, welcher schon andere Pflanzen längere zeit kultiviert hat, sich einmal an ihnen versuchen! Die Schönheit dieser Pflanzen, welche in unseren deutschen Gärtnereien leider fast vollständig verschwunden sind, lohnt wohl die doch immerhin geringe Mühe, welche sie bereiten. zu besonderem Danke bin ich der Firma *Haage & Schmidt* in Erfurt, eine der wenigen Gärtnereien in Deutschland, die noch seltenere Pflanzen kultiviert, verpflichtet für die Ueberlassung der Abbildungen. Die in diesem Werkchen besprochenen Pflanzen sind sämtlich in dieser Gärtnerei vorhanden.
*Groß-Lichterfelde*, im Frühjahr 1899.
* Udo Dammer. *
VORWORT ZUR ZWEITEN AUFLAGE
Die freundliche Aufnahme, welche die erste Auflage erfahren hat, hat eine neue Auflage des vorliegenden Bändchens nötig gemacht. Am Inhalte habe ich nur wenig zu ändern gehabt: einige neue Arten, welche sich als gut geeignet für das zimmer bewährt haben, wurden aufgenommen. Wünschenswert erschien es mir auch, auf einige neuere Hilfsmittel für die Kultur der Zimmerblattpflanzen hinzuweisen. Möge auch diese neue Auflage dem Anfänger in der Zimmerblattpflanzenkultur ein brauchbarer Ratgeber sein.
*Dahlem*, im Januar 1908.
* Udo Dammer. *
REGISTER
_Acanthaceae_ 85 _Adiantum Capillus Veneris_ 30 _Adiantum cuneatum_ 30 _Adiantum Farleyense_ 30 _Adiantum pedatum_ 30 _Adiantum reniforme_ 29 _Adiantum tenerum_ 30 _Aechmea_ 1 55 Agaven 65 Aloe 65 _Amaryllidaceae_ 65 _Ananas_ 55 _Anthurium crystallinum_ 54 _Araceae_ 50 _Aralia filicifolia_ 83 _Aralia japonica_ 82 _Aralia papyrifera_ 82 _Aralia Sieboldi_ 82 _Aralia Veitchi_ 83 _Araliaceae_ 80 _Araucaria excelsa_ 33 _Archontophoenix Alexandrae_ 46 _Archontophoenix Cunninghami_ 46 _Areca Baueri_ 43 _Areca sapida_ 43 _Asparagus Sprengeri_ 63 _Aspidistra elatior_ 64 _Asplenum Nidus_ 25 _Aucuba japonica_ 83 Bärlappe 31 Bananen 66 Baumepheu 82 _Begonia argyrostigma_ 74 _Begonia discolor_ 74 _Begonia heracleifolia_ 74 _Begonia maculata_ 74 _Begonia Rex_ 73 _Bcgonia ricinifolia_ 75 _Begonia smaragdina_ 75 _Bcgonia xanthina_ 73 _Begoniaceae_ 71 _Bertolonia guttata_ 78 _Bertolonia maculata_ 79 _Billbergia_ 55 Blaugummibaum 75 _Brahea Roezli_ 41 _Bromeliaceae_ 54 _Caladien_ 50, 51, 52 _Caladium Argyrites_ 52 _Calathea zebrina_ 68 _Caprifoliaceae_ 90 _Celastraceae_ 70 _Chamaedorea desmoncoides_ 47 _Chamaedorea Ernesti Augusti_ 48 _Chamaedorea geonomiformis_ 48 _Chamaedorea glaucifolia_ 48 _Chamaerops_ 39 _Chlorophytum comosum_ 57 _Chlorophytum Sternbergianum_ 57 _Cocos australis_ 49 _Cocos Datil_ 49, 66 _Cocos Weddelliana_ 49 _Coffea arabica_ 90 _Coleus Blumei_ 84 _Coleus laciniatus_ 84 _Coleus Verschaffelti_ 84 _Commelinaceae_ 56 _Cordyline australis_ 60 _Cordyline congesta_ 60 _Cordyline ferrea_ 62 _Cordyline ignea_ 62 _Cordyline indivisa_ 60 _Cordyline terminalis_ 62 _Comaceae_ 83 _Corypha australis_ 39 _Cryptomeria japonica_ 33 _Curculigo recurvata_ 66 _Cyanophyllum magnificum_ 79 _Cycadeen_ 32 _Cycas revoluta_ 32 _Cyrtomium falcatum_ 25 Dattelpalme 42 _Dieffenbachia_ 54 _Dioon edule_ 32 _Dracaena cannaefolia_ 63 _Dracaena fragans_ 62 _Dracaena Goldieana_ 62 _Dracaena marginata_ 63 _Dracaena Rothiana_ 62 Elephantenohr 26 Epheu 80 _Eranthemum igneum_ 88 _Eranthemum rubrovenium_ 88 _Eranthemum sanguinolentum_ 88 _Erythea armata_ 41 _Eucalyptus Globulus_ 75 _Eugenia_ 77 _Evonymus japonica_ 70 Färberröte 89 Farne 24 _Fatsia japonica_ 82 _Fatsia papyrifera_ 82 _Ficus elastica_ 69 _Ficus stipulata_ 69 Frauenhaar 29 Goldorange 83 _Grisebachia_ 44 Gummibaum 69 _Hedera colchica_ 80 _Hedera Helix_ 80 _Hedyscepe Canterburyana_ 44 _Howea Belmoreana_ 44 _Howea Forsteriana_ 44 Kaffeebaum 90 _Kentia Baucri_ 43 _Kentia Canterburyana_ 44 _Kentia Mac Adhuri_ 43 _Kentia sapida_ 43 Kletterfeige 69 Kornelkirsche 83 _Labiatae_ 84 Labkraut 89 _Latania borbonica_ 39 _Latania chinensis_ 39 _Laurus Tinus _ 90 _Liliaceae_ 56 _Livistona altissima_ 39 _Livistona australis_ 39 _Livistona chinensis_ 39 _Livistona Hoogendorpi_ 39 _Livistona oliviformis_ 39 _Livistona rotundifolia_ 39 _Maranta bicolor_ 68 _Maranta Lietzei_ 68 _Marantaceae_ 67 _Melastomataceae_ 77 _Monstera deliciosa_ 52 _Moraceae_ 69 _Musa Cavendishi_ 66 _Musa rosacea_ 66 _Musa zebrina_ 66 _Musaceac_ 66 _Myrtaceae_ 75 Myrte 75 _Myrtus communis_ 75 Nadelhölzer 33 _Nidularium_ 55 Palmen 36, 57 Palmlilien 58 _Pandanaceen_ 34 _Pandanus graminifolius_ 36 _Pandanus nitidus_ 36 _Pandanus utilis_ 36 _Pandanus Veitchi_ 36 Patschoulipflanze 84 _Peperomia argyraca_ 68 _Peperomia ariaefolia_ 68 _Peperomia marmorata_ 68 _Peperomia resedaeflora_ 68 Pfefferpflanze 68 _Philodendron bipinnatifidum_ 52 _Philodendron pertusum_ 52 _Phoenix_ 42 _Piperaceae_ 68 _Pitcairnia_ 55 _Platycerium alcicorne_ 26 _Plectogyne variegata_ 64 _Pogostemon Patschouli_ 84 _Polypodium aureum_ 25 _Pritchardia filifera_ 39 _Pritchardia robusta_ 39 _Pritchardia Sonorae_ 39 _Pteris argyraea_ 28 _Pteris cretica_ 27 _Pteris quadriaurita_ 28 _Pteris serrulata_ 27 _Pteris tricolor_ 28 _Ptychosperma Alexandrae_ 46 Reispapier 82 _Rhapis flabelliformis_ 41 _Rhopalostylis Baueri_ 43 _Rhopalostylis sapida_ 43 _Rubiaceae_ 89 _Ruellia maculata_ 87 _Sanchezia nobilis_ 87 Schiefblatt 71 Schraubenbäume 34 _Seaforthia elegans_ 46 _Seaforthia robusta_ 43 _Selaginclla apus_ 32 _Selaginella denticulata_ 32 _Selaginella erythropus_ 32 _Selaginella Martensii_ 31 _Selaginella uncinata_ 32 _Selaginella Victoria_ 32 _Selaginellen_ 31 _Sonerila Hendersoni_ 80 _Sonerila margaritacea_ 50 Spargel 63 Spindelbaum 70 _Strobilanthes Dyerianus_ 86 _Strobilanthes maculatus_ 87 _Stromanthe sanguinea_ 68 _Tetrapanax papyrifera_ 82 _Trachycarpus_ 39 _Tradescantia floribunda_ 56 _Tradescantia zebrina_ 56 Venushaar 30 _Viburnum Tinus_ 90 Vogelnest 25 Waldmeister 89 _Yucca alocifolia_ 59 _Yucca recurva_ 59 Zapfenpalmen 32 _Zebrina pendula_ 56
1. KAPITEL. ALLGEMEINE LEBENSBEDINGUNGEN
Um Blattpflanzen mit Erfolg im Zimmer kultivieren zu können, d. h. sie zur höchsten Entwickelung zu bringen, ist es nötig, daß man im Auge behält, daß es die Blätter sind, welche, und zwar nur im Lichte, die Hauptmasse der festen Pflanzensubstanz, den Kohlenstoff, aus der Luft in Gestalt von Kohlensäure, aufnehmen und aus dieser den Kohlenstoff abscheiden. Ohne Licht ist diese Arbeit der Blätter nicht möglich. Sie findet am intensivsten im Sonnenlichte, weniger stark im zerstreuten Tageslichte statt und vermindert sich in dem Maße, wie das Licht abnimmt. Im Zimmer erhält nun jede Pflanze sehr viel weniger Licht als im Freien. Schon in einer Entfernung von einem Meter vom Fenster hat die Pflanze nur noch ein Fünftel der Lichtmenge, welche eine Pflanze im Garten erhält. Sie kann also hier nur ein Fünftel der Arbeit verrichten. Je näher wir die Pflanze an das Fenster stellen, desto mehr Licht erhält sie, desto besser wird sie sich entwickeln.
Die Kohlensäure ist in der Luft nur in geringer Menge enthalten. In 10,000 Teilen Luft sind nur etwa 4 Teile Kohlensäure. Außerdem braucht die Pflanze aber noch aus der Luft Sauerstoff, ein Gas, von welchem in 100 Teilen Luft nur 21 Teile enthalten sind. Um der Pflanze diese beiden Bestandteile recht reichlich zuführen zu können, müssen wir ihr also recht viel frische Luft geben.
Die Hauptmasse der frischen Pflanze bildet Wasser. Ohne Wasser kann die Pflanze nicht leben. Die großen Blattflächen verdunsten beständig Wasser, um so mehr, je trockener die Luft ist. Zimmerluft ist, besonders im Winter im geheizten Zimmer, außerordentlich trocken. Die Wasser-Verdunstung der Pflanze ist dann eine besonders starke. Den durch die Verdunstung entstehenden Wasserverlust müssen wir durch Begießen ersetzen.
Mit dem Wasser nimmt die Pflanze aus dem Boden Nährstoffe auf, die sie während der Vegetationsperiode braucht. Während der Ruheperiode braucht die Pflanze diese Nährstoffe nicht oder nur in sehr beschränktem Maße. Deshalb müssen wir dafür sorgen, daß die Pflanze während der Ruheperiode möglichst wenig verdunstet, damit sie nicht gezwungen ist, mit dem Wasser viel Nährstoffe aufzunehmen. Die Verdunstung wird eingeschränkt durch feuchte Luft und niedere Temperatur. Wenn wir die Blätter häufig bespritzen, bildet sich um dieselben eine feuchte, kühle Luft. Außerdem können wir die Pflanzen dadurch vor zu starker Verdunstung bewahren, daß wir sie während der Nacht mit einem über einige Stäbe gebreiteten Stück nasser Leinwand, Gaze oder dergl. bedecken. Während der Vegetationsperiode müssen wir andererseits für reichliche Verdunstung und reichlichen Wasserersatz sorgen, damit die Pflanzen mit dem Wasser recht viel Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen. Die Wasseraufnahme erfolgt nur durch Wurzeln und zwar um so stärker, je wärmer die die Wurzeln umgebende Erde ist. Je kühler der Boden ist, desto geringer ist die Wurzeltätigkeit. Während der Vegetationsperiode begießen wir die Pflanzen deshalb mit Wasser, das wärmer ist als die Zimmertemperatur. Zartere kann man nach und nach an Wasser von 25 bis 30° R [31,25 bis 37,5° C] gewöhnen. Sie befinden sich dann dabei sehr wohl. Niemals sollte man Wasser zum Begießen verwenden, das kühler als die Zimmertemperatur ist.
Die Erde im Topfe soll stets eine bestimmte Menge Luft enthalten. Erde, welche dauernd so naß ist, daß keine Luft darin Platz hat, ist nicht geeignet für das Wachstum der Pflanzen. Die Wurzeln ersticken in solcher Erde und verfaulen, die Pflanze geht zu Grunde. Deshalb muß man dafür sorgen, daß das überschüssige Gießwasser schnell aus dem Topf abfließen kann. Das Loch im Boden des Topfes darf niemals durch Erde verstopft sein. Andrerseits darf die Erde nicht zu trocken werden, weil sonst die Pflanzen nicht genügend Wasser finden, ganz trockene Erde aber häufig nur sehr schwer wieder Wasser annimmt. Wenn die Pflanzen täglich mit zu wenig Wasser begossen werden, dann tritt nicht selten der Fall ein, daß die Erde im Topfe nach und nach von unten her trocken wird, während sie oben feucht ist. Die Wurzeln vertrocknen dann leicht. Pflanzen, deren Erde zu trocken geworden ist, stellt man mehrere Stunden bis an den Topfrand in eine Schüssel Wasser von etwa 30 Grad R [37,5° C]. Um eine gleichmäßige, nicht zu starke und nicht zu geringe Feuchtigkeit der Erde im Topfe zu erhalten, begießt man nur dann, wenn die Pflanze Wasser braucht, d. h. wenn die Blätter anfangen schlaff zu werden; dann aber gießt man so reichlich, bis das Wasser aus dem Abflußloche herausfließt. Wenn das Wasser sofort nach dem Begießen abfließt, dann ist das ein Zeichen, daß die Erde an einer Stelle so trocken ist, daß sie kein Wasser mehr annimmt. Der Topf ist dann sofort in Wasser zu stellen.
Alle Pflanzen brauchen zu ihrem Gedeihen eine bestimmte Temperatur. Jede Pflanze hat im Laufe des Jahres eine bestimmte Ruheperiode. Während dieser Periode kann die Temperatur niedriger sein, als während der Zeit der Wachstums. Je nach der Heimat der betreffenden Pflanze muß die Temperatur während der Ruheperiode kälter oder wärmer sein. Pflanzen der Tropen wollen auch während der Nuheperiode eine Temperatur von 12–15° R. [15–18°C], sie sind also im geheizten Wohnzimmer zu halten. Pflanzen der Subtropen und der diesem Klima entsprechenden tropischen Gebirge hält man am besten bei 6–10° R. [7–12°C], also in ungeheizten, aber mit geheizten Räumen in Verbindung stehenden Zimmern. Pflanzen der warmen gemäßigten Zone werden am besten bei 2 biz 4° R. überwintert, also im frostfreien hellen Keller, auf hellen Korridoren etc. Pflanzen der kalten gemäßigten Zone müssen im Winter ganz kalt stehen, leichter Frost ist ihnen nicht schädlich. Nur soll man die in Töpfen stehenden Pflanzen nicht zu strenger Kälte auösetzen.
2. KAPITEL. DIE STANDORTE FÜR ZIMMERPFLANZEN
Der beste Platz für die Zimmerpflanzen ist das Fensterbrett eines vorspringenden Erkers, der von drei Seiten Licht erhält. In einem solchen Erker können die Pflanzen auch noch ohne Schaden etwas vom Fenster entfernt stehen. Demnächst ist das Fensterbrett eines gewöhnlichen Zimmers am vorteilhaftesten. Für härtere Pflanzen, namentlich diejenigen des Kaplandes und Australiens, ist das Doppelfenster ein guter Platz. Leider sind die Fensterbretter und die Doppelfenster in unseren modernen Häusern so schmal, daß Pflanzen daselbst wenig Platz haben. Die Fensterbretter verbreitert man am einfachsten durch ein Brett, welches man durch zwei Streben stützt. Um die durch jedes Fenster eindringende kalte Luft von den Töpfen fern zu halten, legt man auf das Fensterbrett quer einige Stäbe und auf diese ein der Länge nach rechtwinklig gebogenes Stück Pappe, so, daß die hochstehende Hälfte dem Fenster zugewendet ist. Die kalte Luft fließt dann unter der Pappe ab.
Für den Erker sowohl als auch für das Zimmer am Fenster ist sodann der Blumentritt sehr zu empfehlen. Derselbe soll nicht zu schmale Stufen haben. Um das lästige Abtropfen beim Begießen zu vermeiden, werden auf die Stufen am besten flache Zinkkästen gesetzt. Blumentritte lassen sich mit Blattpflanzen sehr schön bestellen. Sie gewähren auf kleinem Raum einer großen Anzahl Pflanzen Platz.
Weniger empfehlenswert sind Blumentische. Ganz zu verwerfen sind die runden Tische, weil auf ihnen die Pflanzen nur teilweise Licht erhalten. Etwas besser sind lange, schmale Tische, auf denen die Pflanzen nur in einer, höchstens in zwei Reihen stehen können. Eine schöne Anordnung der Pflanzen auf solchen Tischen ist jedoch selten möglich. Besser sind da schon die Blumenständer für einzelne Pflanzen. Die denselben in der Regel mitgegebenen großen Töpfe aus Porzellan oder Majolika sind aber unbrauchbar, weil die Luft nicht an die hineingestellten Töpfe kommen kann.
Für ganz zarte Pflanzen, welche beständig feuchte Luft brauchen, kommt die Glasglocke und der Glaskasten in Anwendung. Glasglocken sollen keinen Knopf haben. Da aber größere Dimensionen derselben teuer sind, empfiehlt sich mehr der Glaskasten. Die einfachste Form desselben besteht aus 5 Scheiben, welche mit Papierstreifen und Eiweiß zusammengeklebt werden. Mit einem solchen Kasten bedeckt man Pflanzen, deren Töpfe in einem flachen Holz- oder Blechkasten stehen. Will man etwas mehr anwenden, so lasse man sich vom Klempner ein einfaches Gestell aus Zinkblech, in das Glasscheiben eingeschoben werden können, anfertigen. Das Gestell ist mit einem Blechkasten aus Zinkblech fest verbunden. In einem solchen Kasten kann man die empfindlichsten Blattpflanzen halten. Er läßt sich auch leicht heizen, wenn der Boden von Eisenblech ist. Als Heizmaterial verwendet man am einfachsten Brennöl. Ein Nachtlicht liefert genügend Wärme.
3. KAPITEL. HILFSMITTEL FÜR DIE KULTUR
Die den Pflanzen in den Töpfen gebotene Nahrung reicht gewöhnlich nicht lange aus, um sie zur höchsten Entwickelung zu bringen. Wir behelfen uns deshalb in der Weise, daß wir die Pflanzen häufiger in größere Töpfe pflanzen und ihnen bei dieser Gelegenheit frische, nahrhafte Erde geben, oder in der Weise, daß wir die Pflanzen düngen. Im Zimmer sind für die Düngung am besten die reinen Pflanzennährsalze geeignet und zwar in Gestalt von phosphorsaurem Kali und salpetersaurem Kali, welche man zu gleichen Teilen mischt. Man erhält diese beiden Salze in jeder Apotheke, sowie bei jedem Drogisten. Von dem Gemisch gibt man *ein halbes* Gramm in jedes Liter Gießwasser. Da es zu umständlich sein würde, jedesmal diese Menge abzuwiegen, fertigt man sich eine konzentrierte Vorratslösung an, von welcher man etwas zum Gießwasser zugießt. Bringt man z. B. in eine Weinflasche 75 Gramm des Gemisches und füllt die Flasche dann voll Wasser, so erhält man eine Zehntellösung. Um die richtige Verdünnung zu erhalten, muß man also jeden Kubikzentimeter mit 199 Kubikzentimeter reinem Wasser verdünnen. Man mißt zunächst den Inhalt der zum Begießen verwendeten Gießkanne aus. Soviel Liter Wasser die Kanne enthält, soviel mal fünf Kubikzentimeter der Vorratslösung muß man dem Gießwasser zusetzen. Da ein Kaffeelöffel etwa 3 Kubikzentimeter enthält, so kann man auch in jedem Liter Gießwasser zwei Kaffeelöffel der Vorratslösung zuschütten. Mit dieser Vorratslösung reicht man eine ganze Weile. Man gießt mit der Düngerlösung während der Vegetationsperiode anfänglich wöchentlich zweimal, später täglich und läßt allmählich nach, wenn die Pflanze zur Ruhe kommt. *Man hüte sich, mehr als die angegebene Menge zu geben, weil man der Pflanze durch ein Mehr nicht nützt, sondern ihr nur schadet.*
Zu einem guten Gedeihen der Blattpflanzen im Zimmer ist ein häufiges Überbrausen unbedingt erforderlich. Je feiner das Wasser zerstäubt wird, desto besser ist es. Man hat im Handel viele Zerstäuber, die aber meist den Fehler haben, daß sie leicht versagen oder zu grob zerstäuben, was für das Zimmer nicht vorteilhaft ist. Ich möchte deshalb auf die ganz aus Metall gearbeitete Zerstäuberspritze »Komplett« des Klempnermeisters *E. Hildebrandt* in Lankwitz-Berlin hinweisen, welche sich nach meinen Erfahrungen als absolut zuverlässig bewährt hat. Sie faßt etwa zwei Liter und zerstäubt sehr fein. Die ersten Anschaffungskosten sind zwar etwas hoch (17,50 Mk.); aber sie machen sich bald bezahlt, weil die Spritze nicht nur zum Zerstäuben von reinem Wasser, sondern auch zum Zerstäuben von Insekticiden vorzüglich zu brauchen ist. Als bestes Insekticid empfehle ich Thripsolin, das alle an Zimmerpflanzen auftretende Schädlinge schnell und sicher tötet. Es eignet sich, mit der Komplettspritze zerstäubt, auch vorzüglich zur Bekämpfung aller tierischen Schädlinge im Garten.
Zum Begießen der Pflanzen im Zimmer eignet sich am besten die Heinemann’sche Zimmergießkanne, welche etwa ein Liter Wasser faßt. Der Gummischlauch gestattet es, auch bei dicht stehenden Pflanzen jedem Topfe das nötige Wasser zu geben, ohne auch nur einen Tropfen Wasser daneben zu gießen. Ich habe die Kanne bereits über ein Jahrzehnt im täglichen Gebrauch. Zu beziehen ist die Kanne von *F. C. Heinemann* in Erfurt.
4. KAPITEL. ANZUCHT UND VERMEHRUNG
Die Anzucht der Blattpflanzen aus Samen bereitet in den meisten Fällen keine besonderen Schwierigkeiten. Sie hat nicht selten den Nachteil, daß es ziemlich lange dauert, bis man einigermaßen ansehnliche Pflanzen erlangt. Schneller kommt man im allgemeinen durch vegetative Vermehrung: Teilung oder Stecklinge zum Ziele. Leider lassen sich aber viele Blattpflanzen auf letztere Weise nicht vermehren.
Für die Anzucht aus Samen ist möglichst frischer Samen unbedingt notwendig. Man bestelle deshalb stets nur ganz frischen Samen und warte lieber mit der Aussaat, bis der Samenhändler frische Saat erhalten hat, als daß man alten Samen Verwendet. Das Geld für letzteren ist in weitaus den meisten Fällen fortgeworfen und alle aufgewendete Mühe umsonst. Die Keimung der Samen wird stets durch etwas erhöhte Temperatur beschleunigt. Samen von Pflanzen aus den Tropen brauchen sogar meist eine etwas erhöhte Bodentemperatur, um zu keimen. Will man sich seine Blattpflanzen aus Samen heranziehen, so ist es deshalb sehr vorteilhaft, wenn man sich einen kleinen Kasten baut, der heizbar ist. Am einfachsten verwendet man eine Kiste Von etwa 25 cm Höhe, in welche man ein Stück starkes Schwarzblech auf vier in den Ecken festgeschraubte Klötze von 8 cm Höhe aufnagelt. Die Kiste wird mit einer Glasscheibe bedeckt. Auf das Schwarzblech bringt man Erde, in welche man die Töpfe mit den Samen bis zum Rande einsenkt. Der Raum zwischen dem Schwarzblech und dem Boden der Kiste, der Heizraum, wird durch ein an einer Seite ausgesägtes Stück zugänglich gemacht und außerdem durch eine Anzahl Löcher von etwa 2–3 cm Durchmesser an allen vier Seiten ventiliert. Zum Heizen verwendet man ein Nachtlicht. Ein kleines Thermometer im oberen Raume ist zur Beobachtung der Temperatur notwendig. In einem solchen Wärmkasten kann man die zartesten Pflanzen aus Samen heranziehen.
Außer Wärme ist zur Keimung der Samen eine recht gleichmäßige, mäßige Feuchtigkeit notwendig. Die Erde, in der die Samen ruhen, darf *niemals* trocken werden. Deshalb bedeckt man die Töpfe, wenn sie frei im Zimmer stehen, mit einer Glasscheibe, wodurch ein zu schnelles Austrocknen der obersten Schicht vermieden wird. Ferner brauchen die Samen zur Keimung auch Luft. Aus diesem Grunde wird die Glasscheibe auf dem Topfe jeden Tag kurze Zeit abgenommen; die Samen aber werden nur so tief in die Erde gebracht, wie sie dick sind. Noch empfehlenswerter ist es, die Samen *auf* die Erde zu legen und mit zerriebenem Torfmoos leicht zu bedecken. Sehr feine Samen, z. B. von Begonien, streut man auf die zuvor mit einem Brettchen leicht angedrückte, völlig geebnete Erde und drückt sie dann leicht an. Sporen von Farnen streut man auf ein Stückchen glattgeschnittenen Moostorf (Insektenkastentorf), dessen Oberfläche man mit einem Hölzchen etwas gelockert hat und legt dann das Torfstück in ein mit etwas Wasser gefülltes Gefäß. Das Wasser ist von Zeit zu Zeit zu erneuern.
Stecklinge lassen sich von Zweigen und Blättern machen. Zweigstecklinge steckt man am besten in recht sandige Erde oder in Torfmull. Auch Kokosfaserabfall eignet sich sehr zur Stecklingsvermehrung. Der Steckling soll stets so geschnitten sein, daß die untere Schnittfläche durch den Blattknoten geht. Man steckt die Stecklinge möglichst nahe an den Rand des Topfes, weil sie sich hier erfahrungsgemäß leichter bewurzeln. Es scheint, als ob die durch die Topfwandung eindringende Luft die Wurzelbildung befördert; wenigstens deutet der Umstand, daß, wenn man in den Topf einen kleineren verkehrt stellt und ihn dann mit Erde füllt, Stecklinge an den Wandungen, sowohl denen des kleineren als auch des größeren leichter Wurzeln bilden als in der Mitte der Erde, darauf hin. Da die unterirdischen Stengel, die Rhizome, ebenfalls Zweige sind, so können auch sie zur Stecklingsvermehrung verwendet werden. Stets sollen die Stecklinge in einer gleichmäßig feuchten Luft gehalten werden. Kann man etwas Bodenwärme geben, so ist es um so besser.