Wissenschaft der Logik — Band 2

Chapter 7

Chapter 73,230 wordsPublic domain

Indem daher der Verstand die unendliche Kraft darstellt, welche das Allgemeine bestimmt, oder umgekehrt, dem an und für sich Haltungslosen der Bestimmtheit durch die Form der Allgemeinheit das fixe Bestehen ertheilt, so ist es nun nicht Schuld des Verstandes, wenn nicht weiter gegangen wird. Es ist eine subjektive _Ohnmacht der Vernunft_, welche diese Bestimmtheiten so gelten läßt und sie nicht durch die jener abstrakten Allgemeinheit entgegensetzte dialektische Kraft, d. h. durch die eigenthümliche Natur, nämlich durch den Begriff jener Bestimmtheiten, zur Einheit zurückzuführen vermag. Der Verstand giebt ihnen zwar durch die Form der abstrakten Allgemeinheit, so zu sagen, eine solche _Härte_ des _Seyns_, als sie in der qualitativen Sphäre und in der _Sphäre_ der Reflexion nicht haben; aber durch diese Vereinfachung _begeistet_ er sie zugleich, und schärft sie so zu, daß sie eben nur auf dieser Spitze die Fähigkeit erhalten, sich aufzulösen und in ihr Entgegengesetztes überzugehen. Die höchste Reife und Stufe, die irgend Etwas erreichen kann, ist diejenige, in welcher sein Untergang beginnt, Das Feste der Bestimmtheiten, in welche sich der Verstand einzurennen scheint, die Form des Unvergänglichen ist die der sich auf sich beziehenden Allgemeinheit. Aber sie gehört dem Begriffe zu eigen an; und daher liegt in ihr selbst die _Auflösung_ des Endlichen ausgedrückt, und in unendlicher Nähe. Diese Allgemeinheit _arguirt_ unmittelbar die Bestimmtheit des Endlichen, und _drückt_ seine Unangemessenheit zu ihr _aus_.--Oder vielmehr ist seine Angemessenheit schon vorhanden; das abstrakte Bestimmte ist als eins mit der Allgemeinheit gesetzt; eben darum als nicht für sich, insofern es nur Bestimmtes wäre, sondern nur als Einheit seiner und des Allgemeinen, d. i. als Begriff. Es ist daher in jeder Rücksicht zu verwerfen, Verstand und die Vernunft so, wie gewöhnlich geschieht, zu trennen. Wenn der Begriff als vernunftlos betrachtet wird, so muß es vielmehr als eine Unfähigkeit der Vernunft betrachtet werden, sich in ihm zu erkennen. Der bestimmte und abstrakte Begriff ist die _Bedingung_, oder vielmehr _wesentliches Moment der Vernunft_; er ist begeistete Form, in welcher das Endliche durch die Allgemeinheit, in der es sich auf sich bezieht, sich in sich entzündet, als dialektisch gesetzt und hiermit der _Anfang_ selbst der Erscheinung der Vernunft ist.

Indem der bestimmte Begriff in dem Bisherigen in seiner Wahrheit dargestellt ist, so ist nur noch übrig, anzuzeigen, als was er hiermit schon gesetzt ist.--Der Unterschied, welcher wesentliches Moment des Begriffs, aber im rein Allgemeinen noch nicht als solcher gesetzt ist, erhält im bestimmten Begriffe sein Recht. Die Bestimmtheit in der Form der Allgemeinheit ist zum Einfachen mit derselben verbunden; dieß bestimmte Allgemeine ist die sich auf sich selbst beziehende Bestimmtheit; die bestimmte Bestimmtheit oder absolute Negativität für sich gesetzt. Die sich auf sich selbst beziehende Bestimmtheit aber ist die _Einzelnheit_. So unmittelbar die Allgemeinheit schon an und für sich selbst Besonderheit ist, so unmittelbar an und für sich ist die Besonderheit auch _Einzelnheit_, welche zunächst als drittes Moment des Begriffes, insofern sie _gegen_ die beiden desselben in sich, und zugleich als der gesetzte Verlust seiner selbst zu betrachten ist.

_Anmerkung. Allgemeinheit, Besonderheit_ und _Einzelnheit_ sind nach dem Bisherigen die _drei_ bestimmten Begriffe, wenn man sie nämlich _zählen_ will. Es ist schon früher gezeigt worden, daß die Zahl eine unpassende Form ist, um Begriffsbestimmungen darein zu fassen, aber am unpassendsten vollends für Bestimmungen des Begriffs selbst; die Zahl, da sie das Eins zum Princip hat, macht die gezählten zu ganz abgesonderten und einander ganz gleichgültigen. Es hat sich im Bisherigen ergeben, daß die verschiedenen bestimmten Begriffe schlechthin vielmehr nur _Einer_ und derselbe Begriff sind, als daß sie in die Zahl aus einander fallen.

In der sonst gewöhnlichen Abhandlung der Logik kommen mancherlei _Eintheilungen_ und _Arten_ von Begriffen vor. Es fällt sogleich die Inkonsequenz daran in die Augen, daß die Arten so eingeführt werden: _Es giebt_ der Quantität, Qualität u. s. f. nach folgende Begriffe. _Es giebt_, drückt keine andere Berechtigung aus, als die, daß man solche Arten _vorfindet_ und sie sich nach der _Erfahrung_ zeigen. Man erhält auf diese Weise eine _empirische Logik_,--eine sonderbare Wissenschaft, eine _irrationelle_ Erkenntniß des _Rationellen_. Die Logik giebt hierdurch ein sehr übles Beispiel der Befolgung ihrer eigenen Lehren; sie erlaubt sich für sich selbst das Gegentheil dessen zu thun, was sie als Regel vorschreibt, daß die Begriffe abgeleitet und die wissenschaftlichen Sätze (also auch der Satz: es giebt so und so vielerlei Arten von Begriffen) bewiesen werden sollen. --Die kantische Philosophie begeht hierin eine weitere Inkonsequenz, sie _entlehnt_ für die _transcendentale Logik_ die Kategorien als sogenannte Stammbegriffe aus der subjektiven Logik, in welcher sie empirisch aufgenommen werden. Da sie Letzteres zugiebt, so ist nicht abzusehen, warum die transcendentale Logik sich zum Entlehnen aus solcher Wissenschaft entschließt, und nicht gleich selbst empirisch zugreift.

Um Einiges hiervon anzuführen, so werden die Begriffe vornehmlich nach ihrer _Klarheit_ eingetheilt, und zwar in _klare_ und _dunkle, deutliche_ und _undeutliche_, in _adäquate_ und _nicht-adäquate_. Auch können hierher die _vollständigen, überfließenden_ und andere dergleichen Überflüssigkeiten genommen werden.--Was jene Eintheilung nach der _Klarheit_ betrifft, so zeigt sich bald, daß dieser Gesichtspunkt und die sich auf ihn beziehenden Unterschiede aus _psychologischen_, nicht aus _logischen_ Bestimmungen genommen sind. Der sogenannte _klare_ Begriff soll hinreichen, einen Gegenstand von einem andern zu unterscheiden ein solches ist noch kein Begriff zu nennen, es ist weiter nichts als die _subjektive Vorstellung_. Was ein _dunkler_ Begriff sey, muß auf sich beruhen bleiben, denn sonst wäre er kein dunkler, er würde ein deutlicher Begriff.--Der _deutliche_ Begriff soll ein solcher seyn, von welchem man die _Merkmale_ angeben könne. Sonach ist er eigentlich der _bestimmte_ Begriff. Das Merkmal, wenn nämlich das, was darin Richtiges liegt, aufgefaßt wird, ist nichts Anderes als die _Bestimmtheit_ oder der einfache _Inhalt_ des Begriffs, insofern er von der Form der Allgemeinheit unterschieden wird. Aber das _Merkmal_ hat zunächst nicht gerade diese genauere Bedeutung, sondern ist überhaupt nur eine Bestimmung, wodurch ein _Dritter_ sich einen Gegenstand oder den Begriff merkt; es kann daher ein sehr zufälliger Umstand seyn. Überhaupt drücke es nicht sowohl die Immanenz und Wesentlichkeit der Bestimmung aus, sondern deren Beziehung auf einen _äußern_ Verstand. Ist dieser wirklich ein Verstand, so hat er den Begriff vor sich, und merkt sich denselben durch nichts Anderes, als durch das, _was im Begriffe ist_. Soll es aber hiervon unterschieden seyn, so ist es ein _Zeichen_ oder sonst eine Bestimmung, welche zur _Vorstellung_ der Sache, nicht zu ihrem Begriffe gehört.--Was der _undeutliche_ Begriff sey, kann als überflüssig übergangen werden.

Der _adäquate_ Begriff aber ist ein Höheres; es schwebt dabei eigentlich die Übereinstimmung des Begriffes mit der Realität vor, was nicht der Begriff als solcher, sondern die _Idee_ ist. Wenn das _Merkmal_ des deutlichen Begriffs wirklich die Begriffsbestimmung selbst seyn sollte, so würde die Logik mit den _einfachen_ Begriffen in Verlegenheit kommen, welche nach einer andern Eintheilung den _zusammengesetzen_ gegenübergestellt werden. Denn wenn vom einfachen Begriff ein wahres, d. i. ein immanentes Merkmal angegeben werden sollte, so würde man ihn nicht als einen einfachen ansehen wollen; insofern aber keines von ihm angegeben würde, wäre er kein deutlicher Begriff. Da hilft aber nun der _klare_ Begriff aus. Einheit, Realität und dergleichen Bestimmungen sollen _einfach_ Begriffe seyn, wohl nur aus dem Grunde, daß die Logiker nicht damit zu Stande kamen, die Bestimmung derselben aufzufinden, sich daher begnügten, einen bloß _klaren_ Begriff, d. h. gar keinen davon zu haben. Zur _Definition_, d. i. zur Angabe des Begriffs wird allgemein die Angabe der Gattung und der specifischen Differenz gefordert. Sie giebt also den Begriff nicht als etwas Einfaches, sondern in _zwei_ zählbaren _Bestandstücken_. Aber darum wird solcher Begriff doch wohl nicht _ein Zusammengesetztes_ seyn sollen.--Es scheint beim einfachen Begriffe die _abstrakte Einfachheit_ vorzuschweben, eine Einheit, welche den Unterschied und die Bestimmtheit nicht in sich enthält, welche daher auch nicht diejenige ist, die dem Begriffe zukommt. Sofern ein Gegenstand in der Vorstellung, insbesondere im Gedächtnisse ist, oder auch die abstrakte Gedankenbestimmung ist, kann er ganz einfach seyn. Selbst der in sich reichste Gegenstand: z. B. Geist, Natur, Welt, auch Gott ganz begrifflos in die einfache Vorstellung des ebenso einfachen Ausdruckes: Geist, Natur, Welt, Gott, gefaßt, ist wohl etwas Einfaches, bei dem das Bewußtseyn stehen bleiben kann, ohne sich die eigenthümliche Bestimmung oder ein Merkmal weiter herauszuheben; aber die Gegenstände des Bewußtseyns sollen nicht diese einfache, nicht Vorstellungen oder abstrakte Gedankenbestimmungen bleiben, sondern _begriffen_ werden, d. h. ihre Einfachheit soll mit ihrem innern Unterschied bestimmt seyn.--Der _zusammengesetzte_ Begriff aber ist wohl nicht mehr als ein hölzernes Eisen. Von etwas Zusammengesetztem kann man wohl einen Begriff haben; aber ein zusammengesetzter Begriff wäre etwas schlimmeres als der _Materialismus_, welcher nur die _Substanz der Seele_ als ein Zusammengesetztes annimmt, aber das _Denken_ doch als _einfach_ auffaßt. Die ungebildete Reflexion verfällt zunächst auf die Zusammensetzung als die ganz _äußerliche_ Beziehung, die schlechteste Form, in der die Dinge betrachtet werden können; auch die niedrigsten Naturen müssen eine _innere_ Einheit seyn. Daß vollends die Form des unwahrsten Daseyns auf Ich, auf den Begriff übergetragen wird, ist mehr, als zu erwarten war, ist als unschicklich und barbarisch zu betrachten.

Die Begriffe werden ferner vornehmlich in _konträre_ und _kontradiktorische_ eingetheilt.--Wenn es bei der Abhandlung des Begriffs darum zu thun wäre, anzugeben, was es für _bestimmte_ Begriffe gebe, so wären alle möglichen Bestimmungen anzuführen,--denn _alle_ Bestimmungen sind Begriffe, somit bestimmte Begriffe,--und alle Kategorien des _Seyns_, wie alle Bestimmungen des _Wesens_, wären unter den Arten der Begriffe aufzuführen. Wie denn auch in den Logiken, in der einen nach Belieben _mehr_, in der andern _weniger_, erzählt wird, daß es _bejahende, verneinende, identische, bedingte, nothwendige u. s. f._ Begriffe gebe. Da solche Bestimmungen _der Natur des Begriffes selbst_ schon im Rücken liegen, und daher, wenn sie bei demselben aufgeführt werden, nicht in ihrer eigenthümlichen Stelle vorkommen, so lassen sie nur oberflächliche Worterklärungen zu, und erscheinen hier ohne alles Interesse.--Den _konträren_ und _kontradiktorischen_ Begriffen,--ein Unterschied, der hier vornehmlich beachtet wird, liegt die Reflexions-Bestimmung der _Verschiedenheit_ und _Entgegensetzung_ zu Grunde. Sie werden als zwei besondere _Arten_ angesehen, d. h. jeder als fest für sich und gleichgültig gegen den andern, ohne allen Gedanken der Dialektik und der innern Nichtigkeit dieser Unterschiede; als ob das, was _konträr_ ist, nicht ebenso sehr als _kontradiktorisch_ bestimmt werden müßte. Die Natur und der wesentliche Übergang der Reflexions-Formen, die sie ausdrücken, ist an ihrer Stelle betrachtet worden. In dem Begriffe ist die Identität zur Allgemeinheit, der Unterschied zur Besonderheit, die Entgegensetzung, die in den Grund zurückgeht, zur Einzelnheit fortgebildet. In diesen Formen sind jene Reflexions-Bestimmungen, wie sie in ihrem Begriffe sind. Das Allgemeine erwies sich nicht nur als das Identische, sondern zugleich als das Verschiedene oder _Konträre_ gegen das Besondere und Einzelne, ferner auch als ihnen entgegengesetzt, oder _kontradiktorisch_; in dieser Entgegensetzung aber ist es identisch mit ihnen, und ihr wahrhafter Grund, in welchem sie aufgehoben sind. Ein Gleiches gilt von der Besonderheit und Einzelnheit, welche ebenso die Totalität der Reflexions-Bestimmungen sind. Weiter werden die Begriffe in _subordinirte_ und _koordinirte_ eingetheilt;--ein Unterschied, der die Begriffsbestimmung näher angeht, nämlich das Verhältniß von Allgemeinheit und Besonderheit, wo diese Ausdrücke auch beiläufig erwähnt worden sind. Nur pflegen sie gewöhnlich gleichfalls als ganz feste Verhältnisse betrachtet, und hiernach mehrfache unfruchtbare Sätze von denselben aufgestellt zu werden. Die weitläufigste Verhandlung darüber betrifft wieder die Beziehung der Kontrarietät und Kontradiktorietät auf die Sub- und Koordination. Indem das _Urtheil die Beziehung der bestimmten Begriffe_ ist, so hat sich erst bei demselben das wahre Verhältniß zu ergeben. Jene Manier, diese Bestimmungen _zu vergleichen_ ohne Gedanken an ihre Dialektik und um die fortgehende Änderung ihrer Bestimmung, oder vielmehr an die in ihnen vorhandene Verknüpfung entgegengesetzter Bestimmungen, macht die ganze Betrachtung, was in ihnen _einstimmig sey_ oder nicht, gleichsam als ob diese Einstimmigkeit oder Nichteinstimmigkeit etwas Gesondertes und Bleibendes sey, zu etwas nur Unfruchtbarem und Gehaltlosem.--Der große, in dem Auffassen und Kombiniren der tieferen Verhältnisse der algebraischen Größen unendlich fruchtbare und scharfsinnige _Euler_, besonders der trocken verständige _Lambert_ und Andere haben für diese Art von Verhältnissen der Begriffsbestimmungen eine _Bezeichnung_ durch Linien, Figuren und dergleichen versucht; man beabsichtigte überhaupt, die logischen Beziehungsweisen zu einem _Calcul_ zu _erheben_;--oder vielmehr in der That herabzusetzen. Schon der Versuch der Bezeichnung stellt sich sogleich als an und für sich nichtig dar, wenn man die Natur des Zeichens und dessen, was bezeichnet werden soll, mit einander vergleicht. Die Begriffsbestimmungen, Allgemeinheit, Besonderheit und Einzelnheit sind allerdings _verschieden_, wie Linien oder die Buchstaben der Allgebra;--sie sind ferner auch _entgegengesetzt_, und ließen insofern auch die Zeichen von plus und minus zu. Aber sie selbst und vollends deren Beziehungen,--wenn auch nur bei der _Subsumtion_ und _Inhärenz_ stehen geblieben wird, sind von ganz anderer wesentlicher Natur, als die Buchstaben und Linien und deren Beziehungen, die Gleichheit oder Verschiedenheit der Größe, das plus und minus, oder eine Stellung der Linien übereinander oder ihre Verbindung zu Winkeln und die Stellungen von Räumen, die sie einschließen. Dergleichen Gegenstände haben gegen sie das Eigenthümliche, daß sie einander _äußerlich_ sind, eine _fixe_ Bestimmung haben. Wenn Begriffe nun in der Weise genommen worden, daß sie solchen Zeichen entsprechen, so hören sie auf, Begriffe zu seyn. Ihre Bestimmungen sind nicht so ein Todtliegendes, wie Zahlen und Linien, denen ihre Beziehung nicht selbst angehört; sie sind lebendige Bewegungen; die unterschiedene Bestimmtheit der einen Seite ist unmittelbar auch der andern innerlich; was bei Zahlen und Linien ein vollkommener Widerspruch wäre, ist der Natur des Begriffes wesentlich.--Die höhere Mathematik, welche auch zum Unendlichen fortgeht, und sich Widersprüche erlaubt, kann für die Darstellung solcher Bestimmungen ihre sonstigen Zeichen nicht mehr gebrauchen für Bezeichnung der noch sehr begrifflosen Vorstellung der _unendlichen Annäherung_ zweier Ordinaten, oder wenn sie einen Bogen einer unendlichen Anzahl von unendlich kleinen geraden Linien gleichsetzt, thut sie weiter nichts, als die zwei geraden Linien _außereinander_ zu zeichnen, und in einen Bogen gerade Linien, aber als _verschieden_ von ihm ziehen; für das Unendliche, worauf es dabei ankommt, verweist sie an das _Vorstellen_.

Was zu jenem Versuche zunächst verleitet hat, ist vornehmlich das _quantitative_ Verhältniß, in welchem _Allgemeinheit, Besonderheit_ und _Einzelnheit_ zu einander stehen sollen; das Allgemeine heißt _weiter_ als das Besondere und Einzelne, und das Besondere _weiter_ als das Einzelne. Der Begriff ist das _Konkrete_ und _Reichste_, weil er der Grund und die _Totalität_ der früheren Bestimmungen, der Kategorien des Seyns und der Reflexions-Bestimmungen ist; dieselben kommen daher wohl auch an ihm hervor. Aber seine Natur wird gänzlich verkannt, wenn sie an ihm noch in jener Abstraktion festgehalten werden; wenn der _weitere Umfang_ des Allgemeinen so genommen wird, daß es ein _Mehreres_ oder ein größeres _Quantum_ sey, als das Besondere und Einzelne. Als absoluter Grund ist er die _Möglichkeit_ der _Quantität_, aber ebenso sehr der _Qualität_, d. h. seine Bestimmungen sind ebenso wohl qualitativ unterschieden; sie werden daher dann schon gegen ihre Wahrheit betrachtet, wenn sie unter der Form der Quantität allein gesetzt werden. So ist ferner die Reflexions Bestimmungen ein _Relatives_, in der ihr Gegentheil scheint; sie ist nicht im äußerlichen Verhältnisse, wie ein Quantum. Aber der Begriff ist mehr als alles dieses; seine Bestimmungen sind bestimmte _Begriffe_, wesentlich selbst die _Totalität_ aller Bestimmungen. Es ist daher völlig unpasssend, um solche innige Totalität zu fassen, Zahlen- und Raumverhältnisse anwenden zu wollen, in welchen alle Bestimmungen auseinander fallen; sie sind vielmehr das letzte und schlechteste Medium, welches gebraucht werden könnte. Naturverhältnisse, wie z.B. Magnetismus, Farbenverhältnisse, würden unendlich höhere und wahrere Symbole dafür seyn. Da der Mensch die Sprache hat, als das der Vernunft eigenthümliche Bezeichnungsmittel, so ist es ein müßiger Einfall, sich nach einer unvollkommnern Darstellungsweise umsehen und damit quälen zu wollen. Der Begriff kann als solcher wesentlich nur mit dem Geiste aufgefaßt werden, dessen Eigenthum nicht nur, sondern dessen reines Selbst er ist. Es ist vergeblich, ihn durch Raumfiguren und algebraische Zeichen zum Behufe des _äußerlichen Auges_ und eine _begrifflosen, mechanischen Behandlungsweise_, eines _Calculs_, festhalten zu wollen. Auch jedes Andere, was als Symbol dienen sollte, kann höchstens, wie Symbole für die Natur Gottes, Ahnungen und Anklänge des Begriffes erregen; aber wenn es Ernst seyn sollte, den Begriff dadurch auszudrücken und zu erkennen, so ist die _äußerliche Natur_ aller Symbole unangemessen dazu und vielmehr ist das Verhältniß umgekehrt, daß, was in den Symbolen Anklang einer höhern Bestimmung ist, erst durch den Begriff erkannt, und allein durch die _Absonderung_ jenes sinnlichen Beiwesens, das ihn auszudrücken bestimmt ist, ihm genähert werden sollte.

C. Das Einzelne.

_Die Einzelnheit_ ist, wie sich ergeben, schon durch die Besonderheit gesetzt; diese ist die _bestimmte Allgemeinheit_; also die sich auf sich beziehende Bestimmtheit, das _bestimmte Bestimmte_.

1. Zunächst erscheint daher die Einzelnheit als _die Reflexion_ des Begriffs aus seiner Bestimmtheit _in sich selbst_. Sie ist die _Vermittelung_ desselben durch sich, insofern sein _Andersseyn_ sich wieder zu einem _Andern_ gemacht, wodurch der Begriff als sich selbst Gleiches hergestellt, aber in der Bestimmung der _absoluten Negativität_ ist.--Das Negative am Allgemeinen, wodurch dieses ein _Besonderes_ ist, wurde vorhin als der Doppelschein bestimmt; insofern es Scheinen _nach Innen_ ist, bleibt das Besondere ein Allgemeines; durch das Scheinen nach Außen ist es _Bestimmtes_; die Rückkehr dieser Seite in das Allgemeine ist die gedoppelte, _entweder_ durch die _Abstraktion_, welche dasselbe wegläßt, und zur _höhern_ und _höchsten Gattung_ aufsteigt, _oder_ aber durch die _Einzelnheit_, zu welcher das Allgemeine in der Bestimmtheit selbst heruntersteigt.--Hier geht der Abweg ab, auf welchem die Abstraktion vom Wege des Begriffs abkommt, und die Wahrheit verläßt. Ihr höheres und höchstes Allgemeine, zu dem sie sich erhebt, ist nur die immer inhaltsloser werdende Oberfläche; die von ihr verschmähte Einzelnheit ist die Tiefe, in der der Begriff sich selbst erfaßt, und als Begriff gesetzt ist. Die _Allgemeinheit_ und die _Besonderheit_ erschienen einer Seits als die Momente des _Werdens_ der Einzelnheit. Aber es ist schon gezeigt worden, daß sie an ihnen selbst der totale Begriff sind, somit in der _Einzelnheit_ nicht in ein _Anderes_ übergehen, sondern daß darin nur gesetzt ist, was sie an und für sich sind. Das _Allgemeine_ ist _für sich_, weil es an ihm selbst die absolute Vermittelung, Beziehung auf sich nur als absolute Negativität ist. Es ist _abstraktes_ Allgemeines, insofern dieß Aufheben ein _äußerliches_ Thun, und hierdurch ein _Weglassen_ der Bestimmtheit ist. Diese Negativität ist daher wohl an dem Abstrakten, aber sie bleibt _außerhalb_, als eine bloße _Bedingung_ desselben; sie ist die Abstraktion selbst, welche ihr Allgemeines sich _gegenüber_ hält, das daher die Einzelnheit nicht in sich selbst hat, und begrifflos bleibt. --Leben, Geist, Gott,--so wie den reinen Begriff, vermag die Abstraktion deswegen nicht zu fassen, weil sie von ihren Erzeugnissen, die Einzelnheit, das Princip der Individualität und Persönlichkeit, abhält, und so zu nichts, als leb- und geistlosen, farb- und gehaltlosen Allgemeinheiten kommt.

Aber die Einheit des Begriffs ist so untrennbar, daß auch diese Produkte der Abstraktion, indem sie die Einzelnheit weglassen sollen, selbst vielmehr _einzelne_ sind. Indem sie das Konkrete in die Allgemeinheit erhebt, das Allgemeine aber nur als bestimmte Allgemeinheit faßt, so ist eben dieß die Einzelnheit, welche sich als die sich auf sich beziehende Bestimmtheit ergeben hat. Die Abstraktion ist daher eine _Trennung_ des Konkreten, und eine _Vereinzelung_ seiner Bestimmungen; durch sie werden nur _einzelne_ Eigenschaften oder Momente aufgefaßt; denn ihr Produkt muß das enthalten, was sie selbst ist. Der Unterschied aber dieser Einzelnheit ihrer Produkte, und der Einzelnheit des Begriffs, ist, daß in jenen das Einzelne als _Inhalt_, und das Allgemeine als _Form_ von einander verschieden sind;--weil eben jener nicht als die absolute Form, als der Begriff selbst, oder diese nicht als die Totalität der Form ist.--Diese nähere Betrachtung aber zeigt das Abstrakte selbst als Einheit des einzelnen Inhalts und der abstrakten Allgemeinheit, somit als _Konkretes_, als das Gegentheil dessen, was es seyn will.

Das _Besondere_ ist aus demselben Grunde, weil es nur das bestimmte Allgemeine ist, auch _Einzelnes_, und umgekehrt, weil das Einzelne das bestimmte Allgemeine ist, ist es ebenso sehr ein Besonderes. Wenn an dieser abstrakten Bestimmtheit fest gehalten wird, so hat der Begriff die drei besonderen Bestimmungen, das Allgemeine, Besondere und Einzelne; nachdem vorhin nur das Allgemeine und Besondere als die Arten des Besondern angegeben wurden. Indem die Einzelnheit als die Rückkehr des Begriffs als des Negativen in sich ist, so kann diese Rückkehr selbst von der Abstraktion, die darin eigentlich aufgehoben ist, als ein gleichgültiges Moment _neben_ die andern gestellt und gezählte werden.

Wenn die Einzelnheit als eine der _besonderen_ Begriffsbestimmungen aufgeführt wird, so ist die Besonderheit die _Totalität_, welche alle in sich begreift; als diese Totalität eben ist sie das Konkrete derselben, oder die Einzelnheit selbst. Sie ist das Konkrete aber auch nach der vorhin bemerkten Seite als _bestimmte Allgemeinheit_; so ist sie als die _unmittelbare_ Einheit, in welcher keines dieser Momente als unterschieden oder als das Bestimmende gesetzt ist, und in dieser Form wird sie die _Mitte des formalen Schlusses_ ausmachen.