Wissenschaft der Logik — Band 2

Chapter 31

Chapter 313,092 wordsPublic domain

Die zweite Bestimmung, die _negative_ oder _vermittelte_, ist ferner zugleich die _vermittelnde_. Zunächst kann sie als einfache Bestimmung genommen werden, aber ihrer Wahrheit nach ist sie eine _Beziehung_ oder _Verhältniß_; denn sie ist das Negative, _aber des Positiven_, und schließt dasselbe in sich. Sie ist also das _Andere_ nicht als von einem, wogegen sie gleichgültige ist, so wäre sie keine Anderes, noch eine Beziehung oder Verhältniß;--sondern das _Andere an sich_ selbst, das _andere eines Andern_; darum schließt sie _ihr_ eigenes Anderes in sich, und ist somit _als der Widerspruch die gesetzte Dialektik ihrer selbst._--Weil das Erste oder Unmittelbare der Begriff _an sich_, daher auch nur _an sich_ das Negative ist, so besteht das dialektische Moment bei ihm darin, daß der _Unterschied_, den es _an sich_ enthält, in ihm gesetzt wird. Das Zweite hingegen ist selbst das _Bestimmte_, der _Unterschied_ oder Verhältniß; das dialektische Moment besteht bei ihm daher darin, die _Einheit_ zu setzen, die in ihm enthalten ist.--Wenn deswegen das Negative, Bestimmte, das Verhältniß, Urtheil und alle unter dieß zweite Moment fallende Bestimmungen, nicht für sich selbst schon als der Widerspruch und als dialektisch erscheinen, so ist es bloßer Mangel des Denkens, das seine Gedanken nicht zusammenbringt. Denn das Material, die _entgegengesetzten_ Bestimmungen in _Einer Beziehung_, sind schon _gesetzt_, und für das Denken vorhanden. Das formelle Denken aber macht sich die Identität zum Gesetze, läßt den widersprechenden Inhalt, den es vor sich hat, in die Sphäre der Vorstellung, in Raum und Zeit herabfallen, worin das Widersprechende im Neben- und Nach-einander _außer einander_ gehalten wird, und so ohne die gegenseitige Berührung vor das Bewußtseyn tritt. Es macht sich darüber den bestimmten Grundsatz, daß der Widerspruch nicht denkbar sey; in der That aber ist das Denken des Widerspruchs das wesentliche Moment des Begriffes. Das formelle Denken denkt denselben auch faktisch, nur sieht es sogleich von ihm weg, und geht von ihm in jenem Sagen nur zur abstrakten Negation über.

Die betrachtete Negativität macht nun den _Wendungspunkt_ der Bewegung des Begriffes aus. Sie ist der _einfache Punkt der negativen Beziehung_ auf sich, der innerste Quell aller Thätigkeit, lebendiger und geistiger Selbstbewegung, die dialektische Seele, die alles Wahre an ihm selbst hat, durch die es allein Wahres ist; denn auf dieser Subjektivität allein ruht das Aufheben des Gegensatzes zwischen Begriff und Realität und die Einheit, welche die Wahrheit ist.--Das _zweite_ Negative, das Negative des Negativen, zu dem wir gekommen, ist jenes Aufheben des Widerspruches, aber ist so wenig als der Widerspruch ein _Thun einer äußerlichen Reflexion_, sondern das _innerste, objektivste Moment_ des Lebens und Geistes, wodurch ein _Subjekt, Person, Freies_ ist.--Die _Beziehung des Negativen auf sich selbst_ ist als die _zweite Prämisse_ des ganzen Schlusses zu betrachten. Die _erste_ kann man, wenn die Bestimmungen von _analytisch_ und _synthetisch_ in ihrem Gegensatze gebraucht werden, als das _analytische_ Moment ansehen, indem das Unmittelbare sich darin _unmittelbar_ zu seinem Andern verhält, und daher in dasselbe _übergeht_ oder vielmehr übergegangen ist;--obgleich diese Beziehung, wie schon erinnert, eben deswegen auch synthetisch ist, weil es ihr _anderes_ ist, in welches sie übergeht. Die hier betrachtete, zweite Prämisse kann als die _synthetische_ bestimmt werden, weil sie die Beziehung des _Unterschiedenen als solchen_ auf _sein Unterschiedenes_ ist.--Wie die erste das Moment der _Allgemeinheit_ und der _Mittheilung_, so ist die zweite durch die _Einzelnheit_ bestimmt, die zunächst ausschließend und als für sich und verschieden sich auf das Andere bezieht. Als das _Vermittelnde_ erscheint das Negative, weil es sich selbst und das Unmittelbare in sich schließt, dessen Negation es ist. Insofern diese beiden Bestimmungen nach irgend einem Verhältnisse als äußerlich bezogen genommen werden, ist es nur das vermittelnde _Formelle_; als die absolute Negativität aber ist das negative Moment der absoluten Vermittelung die Einheit, welche die Subjektivität und Seele ist.

In diesem Wendepunkt der Methode kehrt der Verlauf des Erkennens zugleich in sich selbst zurück. Diese Negativität ist als der sich aufhebende Widerspruch die _Herstellung_ der _ersten Unmittelbarkeit_, der einfachen Allgemeinheit; denn unmittelbar ist das Andere des Andern, das Negative des Negativen, das _Positive, Identische, Allgemeine_. Dieß _zweite_ Unmittelbare ist im ganzen Verlaufe, wenn man überhaupt _zählen_ will, das _Dritte_ zum ersten Unmittelbaren und zum Vermittelten. Es ist aber auch das Dritte zum ersten oder formellen Negativen, und zur absoluten Negativität oder dem zweiten Negativen; insofern nun jenes erste Negative schon der zweite Terminus ist, so kann das als _Dritte_ gezählte auch als _Viertes_ gezählt, und statt der _Triplicität_ die abstrakte Form als eine _Quadruplicität_ genommen werden; das Negative oder der _Unterschied_ ist auf diese Weise als eine Zweiheit gezählt.--Das Dritte oder das Vierte ist überhaupt die Einheit des ersten und zweiten Moments, des Unmittelbaren und des Vermittelten.--Daß es diese _Einheit_, so wie, daß die ganze Form der Methode eine _Triplicität_ ist, ist zwar ganz nur die oberflächliche, äußerliche Seite der Weise des Erkennens; aber auch nur diese, und zwar in bestimmterer Anwendung aufgezeigt zu haben, denn die abstrakte Zahlform selbst ist bekanntlich schon früh, aber ohne Begriff, und daher ohne Folge aufgestellt worden, --gleichfalls als ein unendliches Verdienst der kantischen Philosophie anzusehen. Der _Schluß_, auch das Dreifache, ist als die allgemeine Form der Vernunft immer erkannt worden, Theils aber galt er überhaupt als eine ganz äußerliche, die Natur des Inhalts nicht bestimmende Form, Theils da er im formellen Sinne bloß in der verständigen Bestimmung der _Identität_ sich verläuft, fehlt ihm das wesentliche, _dialektische_ Moment, die _Negativität_; dieses tritt aber in der Triplicität der Bestimmungen ein, weil das Dritte die Einheit der zwei ersten Bestimmungen ist, diese aber, da sie verschiedene sind, in Einheit nur _als aufgehobene_ seyn können.--Der Formalismus hat sich zwar der Triplicität gleichfalls bemächtigt, und sich an das leere _Schema_ derselben gehalten; der seichte Unfug und das Kahle des modernen philosophischen sogenannten _Konstruirens_, das in nichts besteht, als jenes formelle Schema, ohne Begriff und immanente Bestimmung überall anzuhängen, und zu einem äußerlichen Ordnen zu gebrauchen, hat jene Form langweilig und übel berüchtigt gemacht. Durch die Schaalheit dieses Gebrauchs aber kann sie an ihrem innern Werthe nicht verlieren, und es ist immer hoch zu schätzen, daß zunächst auch nur die unbegriffene Gestalt des Vernünftigen aufgefunden worden.

Näher ist nun das _Dritte_ das Unmittelbare aber _durch Aufhebung der Vermittelung_, das Einfache durch _Aufheben des Unterschiedes_, das Positive durch Aufheben des Negativen, der Begriff, der sich durch das Andersseyn realisirt, und durch Aufheben dieser Realität mit sich zusammengegangen, und seine absolute Realität, seine _einfache_ Beziehung auf sich hergestellt hat. Dieß _Resultat_ ist daher die _Wahrheit_. Es _ist ebenso sehr_ Unmittelbarkeit _als_ Vermittelung; --aber diese Formen des Urtheils: das Dritte _ist_ Unmittelbarkeit und Vermittelung, oder es _ist die Einheit_ derselben, sind nicht vermögend, es zu fassen, weil es nicht ein ruhendes Drittes, sondern eben als diese Einheit, die sich mit sich selbst vermittelnde Bewegung und Thätigkeit ist.--Wie das Anfangende das _Allgemeine_, so ist das Resultat das _Einzelne, Konkrete, Subjekt_; was jenes _an sich_, ist dieses nun ebenso sehr _für sich_, das Allgemeine ist im Subjekte _gesetzt_. Die beiden ersten Momente der Triplicität sind die _abstrakten_, unwahren Momente, die eben darum dialektisch sind, und durch diese ihre Negativität sich zum Subjekte machen. Der Begriff selbst ist, _für uns_ zunächst, _sowohl_ das an-sich-seyende Allgemeine, _als_ das für-sich-seyende Negative, als auch das dritte an- und für-sich-seyende, das _Allgemeine_, welches durch alle Momente des Schlusses hindurchgeht; aber das Dritte ist der Schlußsatz, in welchem er durch seine Negativität mit sich selbst vermittelt, hiermit _für sich_ als das _Allgemeine_ und _Identische seiner Momente_ gesetzt ist.

Dieß Resultat hat nun als das in sich gegangene und mit sich _identische_ Ganze sich die Form der _Unmittelbarkeit_ wieder gegeben. Somit ist es nun selbst ein solches, wie das _Anfangende_ sich bestimmt hatte. Als einfache Beziehung auf sich ist es ein Allgemeines, und die _Negativität_, welche die Dialektik und Vermittelung desselben ausmachte, ist in dieser Allgemeinheit gleichfalls in die _einfache Bestimmtheit_ zusammengegangen, welche wieder ein Anfang seyn kann. Es kann zunächst scheinen, daß dieß Erkennen des Resultates eine Analyse desselben seyn und daher diejenigen Bestimmungen und deren Gang wieder auseinander legen müsse, durch den es entstanden und der betrachtet worden ist. Wenn aber die Behandlung des Gegenstandes wirklich auf diese analytische Weise gemacht wird, so gehört sie der oben betrachteten Stufe der Idee, dem suchenden Erkennen, an, das von seinem Gegenstand nur angiebt, was ist, ohne die Nothwendigkeit seiner konkreten Identität und deren Begriff. Die Methode der Wahrheit aber, die den Gegenstand begreift, ist zwar, wie gezeigt, selbst analytisch, da sie schlechthin im Begriffe bleibt, aber sie ist ebenso sehr synthetisch, denn durch den Begriff wird der Gegenstand dialektisch und als anderer bestimmt. Die Methode bleibt an der neuen Grundlage, die das Resultat als der nunmehrige Gegenstand ausmacht, dieselbe, als bei dem vorhergehenden. Der Unterschied betrifft allein das Verhältniß der Grundlage als solcher; sie ist dieß zwar jetzt gleichfalls, aber ihre Unmittelbarkeit ist nur _Form_, weil sie zugleich Resultat war; ihre Bestimmtheit als Inhalt ist daher nicht mehr ein bloß Aufgenommenes, sondern _Abgeleitetes_ und _Erwiesenes_.

Hier ist es erst, wo der _Inhalt_ des Erkennens als solcher in den Kreis der Betrachtung eintritt, weil er nun als abgeleiteter der Methode angehört. Die Methode selbst erweitert sich durch dieß Moment zu einem _Systeme_.--Zunächst mußte für sie der Anfang in Ansehung des Inhalts ganz unbestimmt seyn; sie erscheint insofern als die nur formelle Seele, für und durch welche der Anfang ganz allein nur seiner _Form_ nach, nämlich als das Unmittelbare und Allgemeine bestimmt war. Durch die aufgezeigte Bewegung hat der Gegenstand eine _Bestimmtheit_ für sich selbst erhalten, die ein _Inhalt_ ist, weil die in die Einfachheit zusammengegangene Negativität die aufgehobene Form ist, und als einfache Bestimmtheit, ihrer Entwickelung, zunächst ihrem Gegensatze selbst gegen die Allgemeinheit, gegenübersteht.

Indem nun diese Bestimmtheit die nächste Wahrheit des unbestimmten Anfangs ist, so rügt sie denselben als etwas Unvollkommenes, so wie die Methode selbst, die von demselben ausgehend nur formell war. Dieß kann als die nunmehr bestimmte Forderung ausgedrückt werden, daß der Anfang, weil er gegen die Bestimmtheit des Resultats selbst ein Bestimmtes ist, nicht als Unmittelbares, sondern als Vermitteltes und Abgeleitetes genommen werden soll; was als die Forderung des unendlichen _rückwärts_ gehenden Progresses im Beweisen und Ableiten erscheinen kann; so wie aus dem neuen Anfang, der erhalten worden ist, durch den Verlauf der Methode gleichfalls ein Resultat hervorgeht, so daß der Fortgang sich ebenso _vorwärts_ ins Unendliche fortwälzt.

Es ist schon oft gezeigt worden, daß der unendliche Progreß überhaupt der begrifflosen Reflexion angehört; die absolute Methode, die den Begriff zu ihrer Seele und Inhalt hat, kann nicht in denselben führen. Zunächst können schon solchen Anfänge wie _Seyn, Wesen, Allgemeinheit_ von der Art zu seyn scheinen, daß sie die ganze Allgemeinheit und Inhaltslosigkeit haben, welche für einen ganz formellen Anfang, wie er seyn soll, erfordert wird, und daher als absolut erste Anfänge keinen weitern Rückgang fordern und zulassen. Indem sie reine Beziehungen auf sich selbst, Unmittelbare und Unbestimmt sind, so haben sie allerdings den Unterschied nicht an ihnen, der an einem sonstigen Anfange sogleich zwischen der Allgemeinheit seiner Form und seinem Inhalte gesetzt ist. Aber die Unbestimmtheit, welche jene logischen Anfänge zu ihrem einzigen Inhalte haben, ist es selbst, was ihre Bestimmtheit ausmacht, diese besteht nämlich in ihrer Negativität als aufgehobener Vermittelung; die Besonderheit von dieser giebt auch ihrer Unbestimmtheit eine Besonderheit, wodurch sich _Seyn, Wesen_ und _Allgemeinheit_ von einander unterscheiden. Die Bestimmtheit nun, die ihnen zukommt, ist ihre, wie sie für sich genommen werden, _unmittelbare Bestimmtheit_, so gut als die irgend eines Inhalts, und bedarf daher einer Ableitung; für die Methode ist es gleichgültig, ob die Bestimmtheit als Bestimmtheit der _Form_ oder des _Inhalts_ genommen werde. Es fängt deswegen in der That für die Methode keine neue Weise damit an, daß sich durch das erste ihre Resultate ein Inhalt bestimmt habe; sie bleibt hiermit nicht mehr noch weniger formell als vorher. Denn da sie die absolute Form, der sich selbst und Alles als Begriff wissende Begriff ist, so ist kein Inhalt, der ihr gegenüberträte, und sie zur einseitigen, äußerlichen Form bestimmte. Wie daher die Inhaltslosikgeit jener Anfänge sie nicht zu absoluten Anfängen macht, so ist es aber auch nicht der Inhalt, der als solcher die Methode in den unendlichen Progreß vor- oder rückwärts führte. Von einer Seite ist die _Bestimmtheit_, welche sie sich in ihrem Resultate erzeugt, das Moment, wodurch sie die Vermittelung mit sich ist, und _den unmittelbaren Anfang zu einem Vermittelten_ macht. Aber umgekehrt ist es die Bestimmtheit, durch welche sich diese ihre Vermittelung verläuft; sie geht _durch_ einen _Inhalt_ als durch ein scheinbares _Andere_ ihrer selbst, zu ihrem Anfange so zurück, daß sie nicht bloß denselben aber als einen _bestimmten_ wieder herstellt, sondern das Resultat ist ebenso sehr die aufgehobene Bestimmtheit, somit auch die Wiederherstellung der ersten Unbestimmtheit, in welcher sie angefangen. Dieß leistet sie als _ein System der Totalität_. In dieser Bestimmung ist sie noch zu betrachten.

Die Bestimmtheit, welche Resultat war, ist, wie gezeigt worden, um der Form der Einfachheit willen, in welche sie zusammengegangen, selbst ein neuer Anfang; indem er von seinem vorhergehenden durch eben diese Bestimmtheit unterschieden ist, so wälzt sich das Erkennen von Inhalt zu Inhalt fort. Vor's Erste bestimmt sich dieß Fortgehen dahin, daß es von einfachen Bestimmtheiten beginnt, und die folgenden immer _reicher und konkreter_ werden. Denn das Resultat enthält seinen Anfang, und dessen Verlauf hat ihn um eine neue Bestimmtheit bereichert. Das _Allgemeine_ macht die Grundlage aus; der Fortgang ist deswegen nicht als ein _Fließen_ von einem _Andern_ zu einem _Andern_ zu nehmen. Der Begriff in der absoluten Methode _erhält_ sich in seinem Andersseyn, das Allgemeine in seiner Besonderung, in dem Urtheile und der Realität; es erhebt auf jede Stufe weiterer Bestimmung die ganze Masse seines vorhergehenden Inhalts, und verliert durch sein dialektisches Fortgehen nicht nur nichts, noch läßt es etwas dahinten, sondern trägt alles Erworbene mit sich, und bereichert und verdichtet sich in sich.

Diese _Erweiterung_ kann als das Moment des Inhalts und im Ganzen als die erste Prämisse angesehen werden; das Allgemeine ist dem Reichthume des Inhalts _mitgetheilt_, unmittelbar in ihm erhalten. Aber das Verhältniß hat auch die zweite, negative oder dialektische Seite. Die Bereicherung geht an der _Nothwendigkeit_ des Begriffes fort, sie ist von ihm gehalten, und jede Bestimmung ist eine Reflexion in sich. Jede _neue Stufe des Außersichgehens_, das heißt der _weitern Bestimmung_, ist auch ein In-sich-gehen, und die größere _Ausdehnung_ ebenso sehr _höhere Intensität_. Das Reichste ist daher das Konkreteste und _Subjektiveste_, und das sich in die einfachste Tiefe Zurücknehmende das Mächtigste und Übergreifendste. Die höchste zugeschärfteste Spitze ist die _reine Persönlichkeit_, die allein durch die absolute Dialektik, die ihre Natur ist, ebenso sehr _Alles in sich befaßt_ und hält, weil sie sich zum Freisten macht, --zur Einfachheit, welche die erste Unmittelbarkeit und Allgemeinheit ist.

Auf diese Weise ist es, daß jeder Schritt des _Fortgangs_ im Weiterbestimmen, indem er von dem unbestimmten Anfang sich entfernt, auch eine _Rückannäherung_ zu demselben ist, daß somit das, was zunächst als verschieden erscheinen mag, das _rückwärts gehende Begründen_ des Anfangs, und das _vorwärts gehende Weiterbestimmen_ desselben in einander fällt und dasselbe ist. Die Methode, die sich hiermit in einen Kreis schlingt, kann aber in einer zeitlichen Entwickelung es nicht anticipiren, daß der Anfang schon als solcher ein Abgeleitetes sey; für ihn in seiner Unmittelbarkeit ist es genügend, daß er einfache Allgemeinheit ist. Insofern er dieß ist, hat er seine vollständige Bedingung; und es braucht nicht deprecirt zu werden, daß man ihn nur _provisorisch und hypothetisch_ gelten lassen möge. Was man gegen ihn vorbringen möchte,--etwa von den Schranken der menschlichen Erkenntniß, von dem Erforderniß, ehe man an die Sache gehe, das Instrument des Erkennens kritisch zu untersuchen,--sind selbst _Voraussetzungen_, die als _konkrete Bestimmungen_ die Forderung ihrer Vermittelung und Begründung mit sich führen. Da sie hiermit formell nichts vor dem _Anfange_ mit der Sache, gegen den sie protestiren, voraus haben, und vielmehr wegen des konkreten Inhalts einer Ableitung bedürftig sind, so sind sie nur für eitle Anmaßungen zu nehmen, daß auf sie vielmehr als etwas Anderes zu achten sey. Sie haben einen unwahren Inhalt, indem sie das als endlich und unwahr Bekannte zu einem Unumstößlichen und Absoluten machen, nämlich ein _beschränktes, als Form_ und _Instrument gegen_ seinen _Inhalt_ bestimmtes Erkennen; dieses unwahre Erkennen ist selbst auch die Form, das Begründen, das rückwärts geht.--Auch die Methode der Wahrheit weiß den Anfang als ein Unvollkommenes, weil er Anfang ist, aber zugleich dieß Unvollkommene überhaupt als ein Nothwendiges, weil die Wahrheit nur das Zu-sich-selbst-kommen durch die Negativität der Unmittelbarkeit ist. Die Ungeduld, die über das _Bestimmte_, es heiße Anfang, Objekt, Endliches, oder in welcher Form es sonst genommen werde, _nur_ hinaus, und unmittelbar sich im Absoluten befinden will, hat als Erkenntniß nichts vor sich, als das leere Negative, das abstrakte Unendliche;--oder ein _gemeintes_ Absolutes, das ein gemeintes ist, weil es nicht gesetzt, nicht _erfaßt_ ist; erfassen läßt es sich nur durch die _Vermittelung_ des Erkennens, von der das Allgemeine und Unmittelbare ein Moment, die Wahrheit selbst aber nur im ausgebreiteten Verlauf und im Ende ist. Für das subjektive Bedürfniß der Unbekanntschaft und deren Ungeduld kann wohl eine Übersicht des _Ganzen zum Voraus_ gegeben werden,--durch eine Eintheilung für die Reflexion, die von dem Allgemeinen nach der Weise des endlichen Erkennens das Besondere als ein _Vorhandenes_ und in der Wissenschaft zu Erwartendes angiebt. Doch gewährt dieß mehr nicht als ein Bild der _Vorstellung_, denn der wahrhafte Übergang vom Allgemeinen zum Besondern und zu dem an und für sich bestimmten Ganzen, worin jenes erste Allgemeine selbst nach seiner wahrhaften Bestimmung wieder Moment ist, ist jener Weise der Eintheilung fremd, und ist allein die Vermittelung der Wissenschaft selbst.

Vermöge der aufgezeigten Natur der Methode stellt sich die Wissenschaft als einen in sich geschlungenen _Kreis_ dar, in dessen Anfang, den einfachen Grund, die Vermittelung das Ende zurückschlingt; dabei ist dieser Kreis ein _Kreis von Kreisen_; denn jedes einzelne Glied, als Beseeltes der Methode, ist die Reflexion in-sich, die, indem sie in den Anfang zurückkehrt, zugleich der Anfang eines neuen Gliedes ist. Bruchstücke dieser Kette sind die einzelnen Wissenschaften, deren jede ein _Vor_ und ein _Nach_ hat,--oder genauer gesprochen, nur das Vor _hat_, und in ihrem Schlusse selbst ihr _Nach zeigt_.

So ist denn auch die Logik in der absoluten Idee zu dieser einfachen Einheit zurückgegangen, welche ihr Anfang ist; die reine Unmittelbarkeit des Seyns, in dem zuerst alle Bestimmung als ausgelöscht oder durch die Abstraktion weggelassen erscheint, ist die durch die Vermittelung, nämlich die Aufhebung der Vermittelung zu ihrer entsprechenden Gleichheit mit sich gekommene Idee. Die Methode ist der reine Begriff, der sich nur zu sich selbst verhält; sie ist daher die _einfache Beziehung auf sich_, welche _Seyn_ ist. Aber es ist nun auch _erfülltes_ Seyn, der sich _begreifende Begriff_, das Seyn als die konkrete, ebenso schlechthin _intensive_ Totalität.--Es ist von dieser Idee zum Schlusse nur noch dieß zu erwähnen, daß in ihr _erstlich_ die _logische Wissenschaft_ ihren eigenen Begriff erfaßt hat. Bei dem _Seyn_, dem Anfange ihres _Inhalts_ erscheint ihr Begriff als ein demselben äußerliches Wissen in subjektiver Reflexion. In der Idee des absoluten Erkennens aber ist er zu ihrem eigenen Inhalte geworden. Sie ist selbst der reine Begriff, der sich zum Gegenstande hat, und der, indem er sich als Gegenstand die Totalität seiner Bestimmungen durchläuft, sich zum Ganzen seiner Realität, zum Systeme der Wissenschaft ausbildet, und damit schließt, dieß Begreifen seiner selbst zu erfassen, somit seine Stellung als Inhalt und Gegenstand aufzuheben, und den Begriff der Wissenschaft zu erkennen.--_Zweitens_ ist diese Idee noch logisch, sie ist in den reinen Gedanken eingeschlossen, die Wissenschaft nur des göttlichen _Begriffs_. Die systematische Ausführung ist zwar selbst eine Realisation, aber innerhalb derselben Sphäre gehalten. Weil die reine Idee des Erkennens insofern in die Subjektivität eingeschlossen ist, ist sie _Trieb_, diese aufzugeben, und die reine Wahrheit wird als letztes Resultat auch der _Anfang einer andern Sphäre und Wissenschaft_. Dieser Übergang bedarf hier nur noch angedeutet zu werden.