Wissenschaft der Logik — Band 2

Chapter 30

Chapter 303,084 wordsPublic domain

Was hiermit als Methode hier zu betrachten ist, ist nur die Bewegung des _Begriffs_ selbst, deren Natur schon erkannt worden, aber _erstlich_ nunmehr mit der _Bedeutung_, daß der _Begriff Alles_, und seine Bewegung die _allgemeine absolute Thätigkeit_, die sich selbst bestimmende und selbst realisirende Bewegung ist. Die Methode ist deswegen als die ohne Einschränkung allgemeine, innerliche und äußerliche Weise, und als die schlechthin unendliche Kraft anzuerkennen, welcher kein Objekt, insofern es sich als ein Äußerliches, der Vernunft fernes und von ihr unabhängiges präsentirt, Widerstand leisten, gegen sie von einer besondern Natur seyn, und von ihr nicht durchdrungen werden könnte. Sie ist darum die _Seele und Substanz_, und irgend etwas ist nur begriffen und in seiner Wahrheit gewußt, als es der _Methode vollkommen unterworfen_ ist; sie ist die eigene Methode jeder Sache selbst, weil ihre Thätigkeit der Begriff ist. Dieß ist auch der wahrhaftere Sinn ihrer _Allgemeinheit_; nach der Reflexions-Allgemeinheit wird sie nur als die Methode für _Alles_ genommen; nach der Allgemeinheit der Idee aber ist sie sowohl die Art und Weise des Erkennens, des _subjektiv_ sich wissenden Begriffs, als die _objektive_ Art und Weise, oder vielmehr die _Substantialität_ der _Dinge_,--d. h. der Begriffe, insofern sie der _Vorstellung_ und der _Reflexion_ zunächst als _Andere_ erscheinen. Sie ist darum die höchste _Kraft_ oder vielmehr die _einzige_ und absolute _Kraft_ der Vernunft nicht nur, sondern auch ihr höchster und einziger _Trieb, durch sich selbst in Allem sich selbst_ zu finden und zu erkennen.--Hiermit ist _zweitens_ auch der _Unterschied der Methode von dem Begriffe als solchem_, das _Besondere_ derselben, angegeben. Wie der Begriff für sich betrachtet wurde, erschien er in seiner Unmittelbarkeit; die _Reflexion oder der ihn betrachtende Begriff_ fiel in _unser_ Wissen. Die Methode ist dieß Wissen selbst, für das er nicht nur als Gegenstand, sondern als dessen eigenes, subjektives Thun ist, als das _Instrument_ und Mittel der erkennenden Thätigkeit, von ihr unterschieden, aber als deren eigene Wesenheit. In dem suchenden Erkennen ist die Methode gleichfalls als _Werkzeug_ gestellt, als ein auf der subjektiven Seite stehendes Mittel, wodurch sie sich auf das Objekt bezieht. Das Subjekt ist in diesem Schlusse das eine und das Objekt das andere Extrem, und jenes schließt sich durch seine Methode mit diesem, aber darin für sich nicht _mit sich selbst zusammen_. Die Extreme bleiben verschiedene, weil Subjekt, Methode und Objekt nicht als _der eine identische Begriff_ gesetzt sind, der Schluß ist daher immer der formelle; die Prämisse, in welcher das Subjekt die Form als seine Methode auf seine Seite setzt, ist eine _unmittelbare_ Bestimmung und enthält deswegen die Bestimmungen der Form, wie wir gesehen, der Definition, Eintheilung u. s. f. als im _Subjekte vorgefundene_ Thatsachen. Im wahrhaften Erkennen dagegen ist die Methode nicht nur eine Menge gewisser Bestimmungen, sondern das An- und Für-sich-Bestimmtseyn des Begriffs, der die Mitte nur darum ist, weil er ebenso sehr die Bedeutung des Objektiven hat, das im Schlußsatze daher nicht nur eine äußere Bestimmtheit durch die Methode erlangt, sondern in seiner Identität mit dem subjektiven Begriffe gesetzt ist.

1. Das, was die Methode hiermit ausmacht, sind die Bestimmungen des Begriffes selbst und deren Beziehungen, die in der Bedeutung als Bestimmungen der Methode nun zu betrachten sind.--Es ist dabei _erstens_ von dem _Anfange_ anzufangen. Von demselben ist bereits bei dem Anfange der Logik selbst, wie auch vorhin beim subjektiven Erkennen gesprochen und gezeigt worden, daß wenn er nicht willkürlich und mit einer kategorischen Bewußtlosigkeit gemacht wird, zwar viele Schwierigkeiten zu machen scheinen kann, jedoch von höchst einfacher Natur ist. Weil er der Anfang ist, ist sein Inhalt ein _Unmittelbares_, aber ein solches, das den Sinn und die Form _abstrakter Allgemeinheit_ hat. Er sey sonst ein Inhalt des _Seyns_ oder des _Wesens_ oder des _Begriffes_, so ist er insofern ein _Aufgenommenes, Vorgefundenes, Assertorisches_, als er ein _Unmittelbares_ ist. _Vor's Erste_ aber ist er nicht ein Unmittelbares _der sinnlichen Anschauung_ oder _der Vorstellung_, sondern des _Denkens_, das man wegen seiner Unmittelbarkeit auch ein übersinnliches, _innerliches Anschauen_ nennen kann. Das Unmittelbare der sinnlichen Anschauung ist ein _Mannigfaltiges_ und Einzelnes. Das Erkennen ist aber begreifendes Denken, sein Anfang daher auch _nur im Elemente des Denkens_; ein _Einfaches_ und _Allgemeines_.--Von dieser Form ist vorhin bei der Definition die Rede gewesen. Bei dem Anfang des endlichen Erkennens wird die Allgemeinheit als wesentliche Bestimmung gleichfalls anerkannt, aber nur als Denk- und Begriffsbestimmung im Gegensatze gegen das Seyn genommen. In der That ist diese _erste_ Allgemeinheit eine _unmittelbare_, und hat darum ebenso sehr die Bedeutung des _Seyns_; denn das Seyn ist eben diese abstrakte Beziehung auf sich selbst. Das Seyn bedarf keiner andern Ableitung, als ob es dem Abstrakten der Definition nur daraus zukomme, weil es aus der sinnlichen Anschauung oder sonst woher genommen sey, und insofern es monstrirt werde. Dieses Monstriren und Herleiten betrifft eine _Vermittelung_, die mehr als ein bloßer Anfang ist, und ist eine solche Vermittelung, die nicht dem denkenden Begreifen gehört, sondern die Erhebung der Vorstellung, des empirischen und raisonnirenden Bewußtseyns, zu dem Standpunkte des Denkens ist. Nach dem geläufigen Gegensatze von Gedanken oder Begriff und Seyn erscheint es als eine wichtige Wahrheit, daß jenem für sich noch kein Seyn zukomme, und daß dieß einen eigenen, vom Gedanken selbst unabhängigen Grund habe. Die einfache Bestimmung von _Seyn_ ist aber so arm an sich, daß schon darum nicht viel Aufhebens davon zu machen ist; das Allgemeine ist unmittelbar selbst dieß Unmittelbare, weil es als Abstraktes auch nur die abstrakte Beziehung auf sich ist, die das Seyn ist. In der That hat die Forderung, das Seyn aufzuzeigen, einen weitern innern Sinn, worin nicht bloß diese abstrakte Bestimmung liegt, sondern es ist damit die Forderung der _Realisirung des Begriffs_ überhaupt gemeint, welche nicht im _Anfange_ selbst liegt, sondern vielmehr das Ziel und Geschäft der ganzen weitern Entwickelung des Erkennens ist. Ferner indem der _Inhalt_ des Anfangs durch das Monstriren in der innern oder äußern Wahrnehmung gerechtfertigt und als etwas Wahres oder Richtiges beglaubigt werden soll, so ist damit nicht mehr die _Form_ der Allgemeinheit als solche gemeint, sondern ihre _Bestimmtheit_, wovon gleich zu sprechen nothwendig ist. Die Beglaubigung des _bestimmten Inhalts_, mit dem der Anfang gemacht wird, scheint _rückwärts_ desselben zu liegen; in der That aber ist sie als Vorwärtsgehen zu betrachten, wenn sie nämlich zum begreifenden Erkennen gehört.

Der Anfang hat somit für die Methode keine andre Bestimmtheit, als die, das Einfache und Allgemeine zu seyn; dieß ist selbst die _Bestimmtheit_, wegen der er mangelhaft ist. Die Allgemeinheit ist der reine, einfache Begriff, und die Methode als das Bewußtseyn desselben weiß, daß die Allgemeinheit nur Moment und der Begriff in ihr noch nicht an und für sich bestimmt ist. Aber mit diesem Bewußtseyn, das den Anfang nur um der Methode willen weiter führen wollte, wäre diese ein Formelles, in äußerlicher Reflexion Gesetztes. Da sie aber die objektive, immanente Form ist, so muß das Unmittelbare des Anfangs _an ihm selbst_ das Mangelhafte, und mit dem _Triebe_ begabt seyn, sich weiter zu führen. Das Allgemeine gilt aber in der absoluten Methode nicht als bloß Abstraktes, sondern als das objektiv-Allgemeine, d. h. das _an sich_ die _konkrete Totalität_, aber die noch nicht _gesetzt_, noch nicht _für sich_ ist. Selbst das abstrakte Allgemeine als solches, im Begriffe, d. i. nach seiner Wahrheit betrachtet, ist nicht nur das _Einfache_, sondern als _Abstraktes_ ist es schon _gesetzt_ als mit einer _Negation_ behaftet. Es _giebt_ deswegen auch, es sey in der _Wirklichkeit_ oder im _Gedanken_, kein so Einfaches und so Abstraktes, wie man es sich gewöhnlich vorstellt. Solches Einfache ist eine bloße _Meinung_, die allein in der Bewußtlosigkeit dessen, was in der That vorhanden ist, ihren Grund hat.--Vorhin wurde das Anfangende als das Unmittelbare bestimmt; die _Unmittelbarkeit des Allgemeinen_ ist dasselbe, was hier als das _Ansichseyn_ ohne _Fürsichseyn_ ausgedrückt ist.--Man kann daher wohl sagen, daß mit dem _Absoluten_ aller Anfang gemacht werden müsse, so wie aller Fortgang nur die Darstellung desselben ist, insofern das _Ansichseyende_ der Begriff ist. Aber darum, weil es nur erst _an sich_ ist, ist es ebenso sehr _nicht_ das Absolute, noch der gesetzte Begriff, auch nicht die Idee; denn diese sind eben dieß, daß das _Ansichseyn_ nur ein abstraktes, einseitiges Moment ist. Der Fortgang ist daher nicht eine Art von _Überfluß_; er wäre dieß, wenn das Anfangende in Wahrheit schon das Absolute wäre; das Fortgehen besteht vielmehr darin, daß das Allgemeine sich selbst bestimmt, und _für sich_ das Allgemeine, d. i. ebenso sehr Einzelnes und Subjekt ist. Nur in seiner Vollendung ist es das Absolute.

Es kann daran erinnert werden, daß der Anfang, der _an sich_ konkrete Totalität ist, als solcher auch _frei_ seyn, und seine Unmittelbarkeit die Bestimmung eines _äußerlichen Daseyns_ haben kann; der _Keim_ des _Lebendigen_ und der _subjektive Zweck_ überhaupt haben sich als solche Anfänge gezeigt, beide sind daher selbst _Triebe_: Das Nicht-Geistige und Nicht-Lebendige dagegen ist der konkrete Begriff nur als _reale Möglichkeit_; die _Ursache_ ist die höchste Stufe, in der der konkrete Begriff als Anfang in der Sphäre der Nothwendigkeit ein unmittelbares Daseyn hat; aber sie ist noch kein Subjekt, das als solches sich auch in seiner wirklichen Realisirung erhält. Die _Sonne_ z.B. und überhaupt alles Nichtlebendige sind bestimmte Existenzen, in welchen die reale Möglichkeit eine _innere_ Totalität bleibt, und die Momente derselben wieder in subjektiver Form in ihnen _gesetzt_ sind, und insofern sie sich realisiren, eine Existenz durch _andere_ Körper-Individuen erlangen.

2. Die konkrete Totalität, welche den Anfang macht, hat als solche in ihr selbst den Anfang des Fortgehens und der Entwickelung. Sie ist als Konkretes _in sich unterschieden_; wegen ihrer _ersten Unmittelbarkeit_ aber sind die ersten Unterschiedenen zunächst _Verschiedene_. Das Unmittelbare ist aber als sich auf sich beziehende Allgemeinheit, als Subjekt, auch die _Einheit_ dieser Verschiedenen.--Diese Reflexion ist die erste Stufe des Weitergehens, --das Hervortreten der _Differenz, das Urtheil_, das _Bestimmen_ überhaupt. Das Wesentliche ist, daß die absolute Methode die _Bestimmung_ des Allgemeinen in ihm selbst findet und erkennt. Das verständige endliche Erkennen verfährt so dabei, daß es von dem Konkreten das, was es bei dem abstrahirenden Erzeugen jenes Allgemeinen weggelassen, nun ebenso äußerlich wieder aufnimmt. Die absolute Methode dagegen verhält sich nicht als äußerliche Reflexion, sondern nimmt das Bestimmte aus ihrem Gegenstande selbst, da sie selbst dessen immanentes Princip und Seele ist.--Dieß ist es, was _Plato_ von dem Erkennen forderte, die _Dinge an und für sich selbst zu betrachten_, Theils in ihrer Allgemeinheit, Theils aber nicht von ihnen abzuirren, und nach Umständen, Exempeln und Vergleichungen zu greifen, sondern sie allein vor sich zu haben, und was in ihnen immanent ist, zum Bewußtseyn zu bringen.--Die Methode des absoluten Erkennens ist insofern _analytisch_. Daß sie die weitere Bestimmung ihres anfänglichen Allgemeinen ganz allein in ihm _findet_, ist die absolute Objektivität des Begriffes, deren Gewißheit sie ist.--sie ist aber ebenso sehr _synthetisch_, indem ihr Gegenstand, unmittelbar als _einfaches Allgemeines_ bestimmt, durch die Bestimmtheit, die er in seiner Unmittelbarkeit und Allgemeinheit selbst hat, als ein _Anderes_ sich zeigt. Diese Beziehung eines Verschiedenen, die er so in sich ist, ist jedoch das nicht mehr, was als die Synthese beim endlichen Erkennen gemeint ist; schon durch seine ebenso sehr analytische Bestimmung überhaupt, daß sie die Beziehung im _Begriffe_ ist, unterschiedet sie sich völlig von diesem Synthetischen.

Dieses so sehr synthetische als analytische Moment des _Urtheils_, wodurch das anfängliche Allgemeine aus ihm selbst als das _Andere seiner_ sich bestimmt, ist das _dialektische_ zu nennen. Die _Dialektik_ ist eine derjenigen alten Wissenschaften, welche in der Metaphysik der Modernen, und dann überhaupt durch die Popularphilosophie, sowohl der Alten als der Neuern, am meisten verkannt worden. Von _Plato_ sagt Diogenes Laertius, wie Thales der Urheber der Natur-Philosophie, Sokrates der Moral-Philosophie, so sey Plato der Urheber der dritten zur Philosophie gehörigen Wissenschaft, der _Dialektik_ gewesen;--ein Verdienst, das ihm vom Alterthume hiermit als das Höchste angerechnet worden, das aber von solchen oft gänzlich unbeachtet bleibt, die ihn am meisten im Munde führen. Man hat die Dialektik oft als eine _Kunst_ betrachtet, als ob sie auf einem subjektiven _Talente_ beruhe, und nicht der Objektivität des Begriffes angehöre. Welche Gestalt und welches Resultat sie in der kantischen Philosophie erhalten, ist an den bestimmten Beispielen ihrer Ansicht schon gezeigt worden. Es ist als ein unendlich wichtiger Schritt anzusehen, daß die Dialektik wieder als der Vernunft nothwendig anerkannt worden, obgleich das entgegengesetzte Resultat gegen das, welches daraus hervorgegangen, gezogen werden muß.

Außerdem, daß die Dialektik gewöhnlich als etwas Zufälliges erscheint, so pflegt sie diese nähere Form zu haben, daß von irgend einem Gegenstande, z.B. Welt, Bewegung, Punkt u. s. f. gezeigt wird, es komme demselben irgend eine Bestimmung zu, z.B. nach der Ordnung der genannten Gegenstände, Endlichkeit im Raume oder der Zeit, an _diesem_ Orte seyn, absolute Negation des Raumes; aber ferner ebenso nothwendig auch die entgegengesetzte, z.B. Unendlichkeit im Raume und der Zeit, nicht an diesem Orte seyn, Beziehung auf den Raum, somit Räumlichkeit. Die ältere elatische Schule hat vornehmlich ihre Dialektik gegen die Bewegung angewendet, Plato häufig gegen die Vorstellungen und Begriffe seiner Zeit, insbesondere der Sophisten, aber auch gegen die reinen Kategorien und Reflexions-Bestimmungen; der gebildete spätere Skepticismus hat sie nicht nur auf die unmittelbaren sogenannten Thatsachen des Bewußtseyns und Maximen des gemeinen Lebens, sondern auch auf alle wissenschaftlichen Begriffe ausgedehnt. Die Folgerung nun, die aus solcher Dialektik gezogen wird, ist überhaupt der _Widerspruch_ und die _Nichtigkeit_ der aufgestellten Behauptungen. Dieß kann aber in doppeltem Sinne Statt haben,--entweder im objektiven Sinne, daß der _Gegenstand_, der solchermaßen sich in sich selbst widerspreche, sich aufhebe und nichtig sey;--dieß war z.B. die Folgerung der Eleaten, nach welcher z.B. der Welt, der Bewegung, dem Punkte die _Wahrheit_ abgesprochen wurde;--oder aber im subjektiven Sinne, daß _das Erkennen mangelhaft sey_. Unter der letztern Folgerung wird nun entweder verstanden, daß es nur diese Dialektik sey, welche das Kunststück eines falschen Scheines vormache. Dieß ist die gewöhnliche Ansicht des sogenannten gesunden Menschenverstandes, der sich an die _sinnliche_ Evidenz und die _gewohnten Vorstellungen_ und _Aussprüche_ hält,--zuweilen ruhiger, wie Diogenes der Hund, die Dialektik der Bewegung durch ein stummes Auf- und Abgehen in ihrer Blöße zeigt, oft aber in Harnisch darüber geräth, es sey bloß als über eine Narrheit, oder wenn es sittlich wichtige Gegenstände betrifft, als über einen Frevel, der das wesentliche Feste wankend zu machen suche, und dem Laster Gründe an die Hand zu geben lehre,--eine Ansicht, die in der sokratischen Dialektik gegen die sophistische vorkommt, und ein Zorn, der umgekehrt wieder selbst dem Sokrates das Leben gekostet hat. Die pöbelhafte Widerlegung, die, wie Diogenes that, dem Denken das _sinnliche Bewußtseyn_ entgegensetzt, und in diesem die Wahrheit zu haben meint, muß man sich selbst überlassen; insofern die Dialektik aber sittliche Bestimmungen aufhebt, zur Vernunft das Vertrauen haben, daß sie dieselben, aber in ihrer Wahrheit und dem Bewußtseyn ihres Rechts, aber auch ihrer Schranke, wieder herzustellen wissen werde. --Oder aber das Resultat der subjektiven Nichtigkeit betrifft nicht die Dialektik selbst, sondern vielmehr das Erkennen, wogegen sie gerichtet ist; und im Sinne des Skepticismus, ingleichen der kantischen Philosophie, das _Erkennen überhaupt_.

Das Grundvorurtheil hierbei ist, daß die Dialektik _nur ein negatives Resultat_ habe, was sogleich seine nähere Bestimmung erhalten wird. Zunächst ist über die angeführte _Form_, in der sie zu erscheinen pflegt, zu bemerken, daß sie und ihr Resultat nach derselben den _Gegenstand_, der vorgenommen wird, oder auch das subjektive _Erkennen_ betrifft, und dieses oder den Gegenstand für nichtig erklärt, dagegen die _Bestimmungen_, welche an ihm als einem _Dritten_ aufgezeigt werden, unbeachtet bleiben, und als für sich gültig vorausgesetzt sind. Auf dieß unkritische Verfahren ist es ein unendliches Verdienst der kantischen Philosophie, die Aufmerksamkeit gezogen, und damit den Anstoß zur Wiederherstellung der Logik und Dialektik, in dem Sinne der Betrachtung der _Denkbestimmungen an und für sich_, gegeben zu haben. Der Gegenstand, wie er ohne das Denken und den Begriff ist, ist eine Vorstellung oder auch ein Name; die Denk- und Begriffsbestimmungen sind es, in denen er ist, was er ist. In der That kommt es daher auf sie allein an; sie sind der wahrhafte Gegenstand und Inhalt im Unterschiede von ihnen versteht, gilt nur durch sie und in ihnen. Es muß daher nicht als die Schuld eines Gegenstands oder des Erkennens genommen werden, daß sie durch die Beschaffenheit und eine äußerliche Verknüpfung sich dialektisch zeigen. Das eine und das andere wird auf diese Weise als ein Subjekt vorgestellt, in das die _Bestimmungen_ in Form von Subjekten, Eigenschaften, selbstständigen Allgemeinen so gebracht seyen, daß sie als fest und für sich richtig erst durch die fremde und zufällig Verbindung in und von einem Dritten, in dialektische Verhältnisse und in Widerspruch gesetzt werden. Ein solches äußerliches und fixes Subjekt der Vorstellung und des Verstandes, so wie die abstrakten Bestimmungen, statt für _Letzte_, sicher zu Grunde liegen bleibende angesehen werden zu können, sind vielmehr selbst als ein Unmittelbares, eben ein solches Vorausgesetztes und Anfangendes zu betrachten, das, wie vorhin gezeigt, an und für sich selbst der Dialektik unterliegen muß, weil es als Begriff _an sich_ zu nehmen ist. So sind alle als fest angenommenen Gegensätze, wie z.B. Endliches und Unendliches, Einzelnes und Allgemeines, nicht etwa durch eine äußerliche Verknüpfung in Widerspruch, sondern sind, wie die Betrachtung ihrer Natur gezeigt, vielmehr an und für sich selbst das Übergehen; die Synthese und das Subjekt, an dem sie erscheinen, ist das Produkt der eigenen Reflexion ihres Begriffs. Wenn die begrifflose Betrachtung bei ihrem äußerlichen Verhältnisse stehen bleibt, sie isolirt und als feste Voraussetzungen läßt, so ist es vielmehr der Begriff, der sie selbst ins Auge faßt, als ihre Seele sie bewegt und ihre Dialektik hervorthut.

Dieß ist nun selbst der vorhin bezeichnete Standpunkt, nach welchem ein allgemeines Erstes _an und für sich betrachtet_ sich als das Andere seiner selbst zeigt. Ganz allgemein aufgefaßt, kann diese Bestimmung so genommen werden, daß hierin das zuerst _Unmittelbare_ hiermit als _Vermitteltes, bezogen_ auf ein Anderes, oder daß das Allgemeine als ein Besonders gesetzt ist. Das _Zweite_, das hierdurch entstanden, ist somit das _Negative_ des Ersten; und indem wir auf den weitern Verlauf zum Voraus Bedacht nehmen, das _erste Negative_. Das Unmittelbare ist nach dieser negativen Seite in dem Andern _untergegangen_, aber das Andere ist wesentlich nicht das _leere Negative_, das _Nichts_, das als das gewöhnliche Resultat der Dialektik genommen wird, sondern es ist das _Andere des Ersten_, das _Negative_ des _Unmittelbaren_; also ist es bestimmt als das _Vermittelte,--enthält_ überhaupt die _Bestimmung des Ersten_ in sich. Das Erste ist somit wesentlich auch im Andern _aufbewahrt_ und _erhalten_.--Das Positive in _seinem_ Negativen, dem Inhalt der Voraussetzung, im Resultate festzuhalten, dieß ist das Wichtigste im vernünftigen Erkennen; es gehört zugleich nur die einfachste Reflexion dazu, um sich von der absoluten Wahrheit und Nothwendigkeit dieses Erfordernisses zu überzeugen, und was die _Beispiele_ von Beweisen hierzu betrifft, so besteht die ganze Logik darin.

Was hiermit nunmehr vorhanden ist, ist das _Vermittelte_, zunächst oder gleichfalls unmittelbar genommen auch eine _einfache_ Bestimmung, denn da das Erste in ihm untergegangen, so ist nur das Zweite vorhanden. Weil nun auch das Erste im Zweiten _enthalten_, und dieses die Wahrheit von jenem ist, so kann diese Einheit als ein Satz ausgedrückt werden, worin das Unmittelbare als Subjekt, das Vermittelte aber als dessen Prädikat gestellt ist, z.B. _das Endliche ist unendlich, Eins ist Vieles, das Einzelne ist das Allgemeine_. Die inadäquate Form solcher Sätze und Urtheile aber fällt von selbst in die Augen. Bei dem _Urtheile_ ist gezeigt worden, daß seine Form überhaupt, und am meisten die unmittelbare des _positiven_ Urtheils unfähig ist, das Spekulative und die Wahrheit in sich zu fassen. Die nächste Ergänzung desselben, das _negative_ Urtheil müßte wenigstens ebenso sehr beigefügt werden. Im Urtheile hat das Erste als Subjekt den Schein eines selbstständigen Bestehens, da es vielmehr in seinem Prädikate als seinem Andern aufgehoben ist; diese Negation ist in dem Inhalte jener Sätze wohl enthalten, aber ihre positive Form widerspricht demselben; es wird somit das nicht gesetzt, was darin enthalten ist; was gerade die Absicht, einen Satz zu gebrauchen, wäre.