Wissenschaft der Logik — Band 2
Chapter 25
Die _Idee des Geistes_ dagegen, welche _logischer_ Gegenstand ist, steht schon innerhalb der reinen Wissenschaft; sie hat daher ihn nicht den Gang durchmachen zu sehen, wie er mit der Natur, der unmittelbaren Bestimmtheit und dem Stoffe oder der Vorstellung, verwickelt ist, was in jenen drei Wissenschaften betrachtet wird; sie hat diesen Gang bereits hinter sich, oder, was dasselbe ist, vielmehr vor sich,--jenes insofern die Logik, als die _die letzte_ Wissenschaft, dieses insofern sie als _die erste_ genommen wird, aus welcher die Idee erst in die Natur übergeht.
In der logischen Idee des Geistes ist Ich daher sogleich, wie es aus dem Begriffe der Natur als deren Wahrheit sich gezeigt hat, der freie Begriff, der in seinem Urtheile sich selbst der Gegenstand ist, _der Begriff als seine Idee_. Aber auch in dieser Gestalt ist die Idee noch nicht vollendet.
Indem sie der zwar freie, sich selbst zum Gegenstande habende Begriff ist, so ist sie _unmittelbar_, ebendarum weil sie unmittelbar ist, noch die Idee in ihrer _Subjektivität_, und damit in ihrer Endlichkeit überhaupt. Sie ist der _Zweck_, der sich realisiren soll, oder es ist die _absolute Idee_ selbst noch in ihrer _Erscheinung_. Was sie _sucht_, ist das _Wahre_, diese Identität des Begriffs selbst und der Realität, aber sie sucht es nur erst; denn sie ist hier, wie sie _zuerst_ ist, noch ein _Subjektives_. Der Gegenstand, der für den Begriff ist, ist daher hier zwar auch ein gegebener, aber er tritt nicht als einwirkendes Objekt, oder als Gegenstand, wie er als solcher für sich selbst beschaffen sey, oder als Vorstellung in das Subjekt ein, sondern dieses verwandelt ihn in _eine Begriffsbestimmung_; es ist der Begriff, der im Gegenstand sich bethätigt, darin sich auf sich bezieht, und dadurch, daß er sich an dem Objekte seine Realität giebt, _Wahrheit_ findet.
Die Idee ist also zunächst das eine Extrem eines Schlusses als der Begriff, der als Zweck zunächst sich selbst zur subjektiven Realität hat; das andere Extrem ist die Schranke des Subjektiven, die objektive Welt. Die beiden Extreme sind darin identisch, daß sie die Idee sind; erstlich ist ihre Einheit die des Begriffs, welcher in dem einen nur _für sich_, in dem andern nur _an sich_ ist; zweitens ist die Realität in dem einen abstrakt, in dem andern in ihrer konkreten Äußerlichkeit.--Diese Einheit wird nun durch das Erkennen _gesetzt_; sie ist, weil es die subjektive Idee ist, die als Zweck von sich ausgeht, zunächst nur als _Mitte_.--Das Erkennende bezieht sich durch die Bestimmtheit seines Begriffs, nämlich das abstrakte Fürsichseyn, zwar auf eine Außenwelt; aber in der absoluten Gewißheit seiner selbst, um die Realität seiner an sich selbst, diese formelle Wahrheit zur reellen Wahrheit zu erheben. Es hat an seinem Begriff die _ganze Wesenheit_ der objektiven Welt, sein Proceß ist, den konkreten Inhalt derselben für sich als identisch mit dem _Begriffe_, und umgekehrt diesen als identisch mit der Objektivität zu setzen.
Unmittelbar ist die Idee der Erscheinung _theoretische_ Idee, das _Erkennen_ als solches. Denn unmittelbar hat die objektive Welt die Form der _Unmittelbarkeit_ oder des _Seyns_ für den für sich seyenden Begriff, so wie dieser zuerst sich nur als der abstrakte noch in ihm eingeschlossene Begriff seiner selbst ist; er ist daher nur als _Form_; seine Realität, die er an ihm selbst hat, sind nur seine einfachen Bestimmungen von _Allgemeinheit_ und _Besonderheit_; die Einzelnheit aber oder die _bestimmte Bestimmtheit_, den Inhalt erhält diese Form von Außen.
A. Die Idee des Wahren.
Die subjektive Idee ist zunächst _Trieb_. Denn sie ist der Widerspruch des Begriffs, sich zum _Gegenstand_ zu haben und sich die Realität zu seyn, ohne daß doch der Gegenstand als _anderes_ gegen ihn Selbstständiges wäre, oder ohne daß der Unterschied seiner selbst von sich zugleich die wesentliche Bestimmung der _Verschiedenheit_ und des gleichgültigen Daseyns hätte. Der Trieb hat daher die Bestimmtheit, seine eigene Subjektivität aufzuheben, seine erst abstrakte Realität zur konkreten zu machen, und sie mit dem _Inhalte_ der von seiner Subjektivität vorausgesetzten Welt zu erfüllen.--Von der andern Seite bestimmt er sich hierdurch so: der Begriff ist zwar die absolute Gewißheit seiner selbst; seinem _Fürsichseyn_ steht aber seine Voraussetzung einer _an sich_ seyenden Welt gegenüber, deren gleichgültiges _Andersseyn_ aber für die Gewißheit seiner selbst den Werth nur eines _Unwesentlichen_ hat; er ist insofern der Trieb, dieß Andersseyn aufzuheben, und in dem Objekte die Identität mit sich selbst anzuschauen. Insofern diese Reflexion-in-sich der aufgehobenen Gegensatz und die _gesetzte_, für das Subjekt bewirkte _Einzelnheit_ ist, welche zunächst als das vorausgesetzte _Ansichseyn_ erscheint, ist es die aus dem Gegensatz hergestellte Identität der Form mit sich selbst,--eine Identität, welche damit als gleichgültig gegen die Form in deren Unterschiedenheit, bestimmt und _Inhalt_ ist. Dieser Trieb ist daher der Trieb der _Wahrheit_, insofern sie im _Erkennen_ ist, also der _Wahrheit_ als _theoretischer_ Idee, in ihrem eigentlichen Sinne.--Wenn die _objektive_ Wahrheit zwar die Idee selbst ist, als die dem Begriffe entsprechende Realität, und ein Gegenstand insofern an ihm Wahrheit haben kann oder nicht, so ist dagegen der bestimmtere Sinn die Wahrheit dieser, daß sie es _für_ oder _im_ subjektiven Begriff, im _Wissen_ sey. Sie ist das Verhältniß des _Begriffsurtheils_, welches als das formelle Urtheil der Wahrheit sich gezeigt hat; in demselben ist nämlich das Prädikat nicht nur die Objektivität des Begriffes, sondern die beziehende Vergleichung des Begriffs der Sache und der Wirklichkeit derselben.--_Theoretisch_ ist diese Realisirung des Begriffs, insofern er als _Form_ noch die Bestimmung eines _subjektiven_, oder die Bestimmung für das Subjekt hat, die seinige zu seyn. Weil das Erkennen die Idee als Zweck oder als subjektive, ist, so ist die Negation der als _an sich seyend_ vorausgesetzten Welt die _erste_; der Schlußsatz, worin das Objektive in das Subjektive gesetzt ist, hat daher zunächst auch nur die Bedeutung, daß das Ansichseyende nur als ein Subjektives, oder in der Begriffsbestimmung nur _gesetzt_, darum aber nicht so an und für sich sey. Der Schlußsatz kommt insofern nur zu einer _neutralen_ Einheit, oder einer _Synthesis_, d. h. einer Einheit von solchen, die ursprünglich geschieden, nur äußerlich so verbunden seyen.--Indem daher in diesem Erkennen der Begriff das Objekt als _das seinige_ setzt, giebt sich die Idee zunächst nur einen Inhalt, dessen Grundlage _gegeben_ und an dem nur die Form der Äußerlichkeit aufgehoben worden. Dieß Erkennen behält insofern in seinem ausgeführten Zwecke noch seine _Endlichkeit_, es hat in ihn denselben zugleich _nicht_ erreicht, und ist _in seiner Wahrheit_ noch _nicht_ zur _Wahrheit_ gekommen. Denn insofern im Resultate der Inhalt noch die Bestimmung eines _gegebenen_ hat, so ist das vorausgesetzte _Ansichseyn_ gegen den Begriff nicht aufgehoben; die Einheit des Begriffs und der Realität, die Wahrheit, ist somit ebenso sehr auch nicht darin enthalten.--Sonderbarer Weise ist in neueren Zeiten diese Seite der _Endlichkeit_ festgehalten und als das _absolute_ Verhältniß des Erkennens angenommen worden;--als ob das Endliche als solches das Absolute seyn sollte! Auf diesem Standpunkte wird dem Objekte eine unbekannte _Dingheit-an-sich hinter_ dem Erkennen zugeschrieben, und dieselbe und damit auch die Wahrheit als ein absolutes _Jenseits_ für das Erkennen betrachtet. Die Denkbestimmungen überhaupt, die Kategorien, die Reflexions-Bestimmungen, so wie der formale Begriff und dessen Momente erhalten darin die Stellung, nicht daß sie an und für sich endliche Bestimmungen, sondern daß sie es in dem Sinne sind, als sie ein Subjektives gegen jene leere _Dingheit-an-sich_ sind; dieß Verhältniß der Unwahrheit des Erkennens als das wahrhafte anzunehmen, ist der zur allgemeinen Meinung neuerer Zeit gewordene Irrthum. Aus diese Bestimmung des endlichen Erkennens erhellt unmittelbar, daß es ein Widerspruch ist, der sich selbst aufhebt;--der Widerspruch einer Wahrheit, die zugleich nicht Wahrheit seyn soll;--eines Erkennens dessen, was ist, welches zugleich das Ding-an-sich nicht erkennt. In dem Zusammenfallen dieses Widerspruchs fällt sein Inhalt, das subjektive Erkennen und das Ding-an-sich zusammen, d. h. erweist sich als ein Unwahres, Aber das Erkennen hat durch seinen eigenen Gang seine Endlichkeit und damit seinen Widerspruch aufzulösen; jene Betrachtung, welche wir über dasselbe machen, ist eine äußerliche Reflexion; es ist aber selbst der Begriff, der sich Zweck ist, der also durch seine Realisirung sich ausführt, und eben in dieser Ausführung seine Subjektivität und das vorausgesetzte Ansichseyn aufhebt.--Es ist daher an ihm selbst in seiner positiven Thätigkeit zu betrachten. Da diese Idee, wie gezeigt, der Trieb des Begriffes ist, sich _für sich selbst_ zu realisiren, so ist seine Thätigkeit, das Objekt zu bestimmen, und durch dieß Bestimmen sich in ihm identisch auf sich zu beziehen. Das Objekt ist überhaupt das schlechthin Bestimmbare, und in der Idee hat es diese wesentliche Seite, nicht an und für sich gegen den Begriff zu seyn. Weil dieß Erkennen noch das endliche, nicht spekulative ist, so hat die vorausgesetzte Objektivität noch nicht die Gestalt für dasselbe, daß sie schlechthin nur der Begriff an ihr selbst ist, und nichts Besonderes für sich gegen ihn enthält. Aber damit, daß sie als ein an-sich-seyendes Jenseits gilt, hat sie die Bestimmung der _Bestimmbarkeit durch den Begriff_ darum wesentlich, weil _die Idee_ der für sich seyende Begriff und das schlechthin in sich Unendliche ist, worin das Objekt _an sich_ aufgehoben, und der Zweck nur noch ist, es _für sich_ aufzuheben; das Objekt ist daher zwar von der Idee des Erkennens als _an sich seyend_ vorausgesetzt, aber wesentlich in dem Verhältniß, daß sie ihrer selbst und der Nichtigkeit dieses Gegensatzes gewiß, zu Realisirung ihres Begriffes in ihm komme.
In dem Schlusse, wodurch sich die subjektive Idee nun mit der Objektivität zusammenschließt, ist die _erste Prämisse_ dieselbe Form der unmittelbaren Bemächtigung und Beziehung des Begriffs auf das Objekt, als wir in der Zweckbeziehung sahen. Die bestimmende Thätigkeit des Begriffs auf das Objekt ist eine unmittelbare _Mittheilung_ und widerstandslose _Verbreitung_ seiner auf dasselbe. Der Begriff bleibt hierin in der reinen Identität mit sich selbst; aber diese seine unmittelbare Reflexion-in-sich hat ebenso die Bestimmung der objektiven Unmittelbarkeit; das was _für ihn_ seine eigene Bestimmung ist, ist ebenso sehr ein _Seyn_, denn es ist die _erste_ Negation der Voraussetzung. Die gesetzte Bestimmung gilt daher ebenso sehr als eine nur _gefundene_ Voraussetzung, als ein _Auffassen_ eines _Gegebenen_, worin die Thätigkeit des Begriffs vielmehr nur darin bestehe, negativ gegen sich selbst zu seyn, sich gegen das Vorhandene zurückzuhalten und passiv zu machen, damit dasselbe nicht bestimmt vom Subjekte, sondern sich, wie es in sich selbst ist, _zeigen_ könne.
Dieß Erkennen erscheint daher in dieser Prämisse nicht einmal als eine _Anwendung_ der logischen Bestimmungen, sondern als ein Empfangen und Auffassen derselben als Vorgefundener, und seine Thätigkeit erscheint als darauf beschränkt, nur ein subjektives Hinderniß, eine äußerliche Schaale von dem Gegenstande zu entfernen. Dieß Erkennen ist das _Analytische_.
a. Das analytische Erkennen.
Den Unterschied des analytischen und synthetischen Erkennens findet man zuweilen so angegeben, daß das eine vom Bekannten zum Unbekannten, das andere vom Unbekannten zum Bekannten fortgehe. Es wird aber, wenn man diesen Unterschied näher betrachtet, schwer seyn, in ihm einen bestimmten Gedanken, vielweniger einen Begriff zu entdecken. Man kann sagen, das Erkennen fange überhaupt mit der Unbekanntschaft an, denn etwas, womit man schon bekannt ist, lernt man nicht kennen. Umgekehrt auch fängt es mit dem Bekannten an; dieß ist ein tautologischer Satz;--das, womit es anfängt, was es also wirklich erkennt, ist eben dadurch ein Bekanntes; was noch nicht erkannt worden, und erst später erkannt werden soll, ist noch ein Unbekanntes. Man muß insofern sagen, daß das Erkennen, wenn es einmal angefangen hat, immer vom Bekannten zum Unbekannten fortgehe.
Das Unterscheidende des analytischen Erkennens hat sich bereits dahin bestimmt, daß ihm als der ersten Prämisse des ganzen Schlusses die Vermittelung noch nicht angehört, sondern daß es die unmittelbare, das Andersseyn noch nicht enthaltende Mittheilung des Begriffes ist, worin die Thätigkeit sich ihrer Negativität entäußert. Jene Unmittelbarkeit der Beziehung ist jedoch darum selbst Vermittelung, denn sie ist die negative Beziehung des Begriffs auf das Objekt, die sich aber selbst vernichtet und sich dadurch einfach und identisch macht. Diese Reflexion-in-sich ist nur ein Subjektives, weil in ihrer Vermittelung der Unterschied nur noch als der vorausgesetzte _ansichseyende_, als Verschiedenheit _des Objekts_ in sich, vorhanden ist. Die Bestimmung, die daher durch diese Beziehung zu Stande kommt, ist die Form einfacher _Identität_, der _abstrakten Allgemeinheit_. Das analytische Erkennen hat daher überhaupt diese Identität zu seinem Princip und der Übergang in Anderes, die Verknüpfung Verschiedener ist aus ihm selbst, aus seiner Thätigkeit ausgeschlossen.
Das analytische Erkennen nun näher betrachtet, so wird von einem _vorausgesetzten_, somit einzelnen, _konkreten_ Gegenstande angefangen, er sey nun ein für die Vorstellung schon _fertiger_ oder er sey eine _Aufgabe_, nämlich nur in seinen Umständen und Bedingungen gegeben, aus ihnen noch nicht für sich herausgehoben und in einfacher Selbstständigkeit dargestellt. Die Analyse desselben kann nun nicht darin bestehen, daß er bloß in die besonderen _Vorstellungen_, die er enthalten kann, _aufgelöst_ werde; eine solche Auflösung und das Auffassen derselben ist ein Geschäft, das nicht zum Erkennen gehörte, sondern nur eine nähere _Kenntniß_, eine Bestimmung innerhalb der Sphäre des _Vorstellens_ beträfe. Die Analyse, da sie den Begriff zum Grunde hat, hat zu ihren Produkten wesentlich die Begriffsbestimmungen, und zwar als solche, welche _unmittelbar_ in dem Gegenstande _enthalten_ sind. Es hat sich aus der Natur der Idee des Erkennens ergeben, daß die Thätigkeit des subjektiven Begriffs von der einen Seite nur als _Entwickelung_ dessen, _was im Objekt schon ist_, angesehen werden muß, weil das Objekt selbst nichts als die Totalität des Begriffs ist. Es ist ebenso einseitig, die Analyse so vorzustellen, als ob im Gegenstande nichts sey, was nicht in ihm _hineingelegt_ werde, als es einseitig ist, zu meinen, die sich ergebenden Bestimmungen werden nur aus ihm _herausgenommen_. Jene Vorstellung spricht bekanntlich der subjektive Idealismus aus, der in der Analyse die Thätigkeit des Erkennens allein für ein einseitiges _Setzen_ nimmt, jenseits dessen das _Ding-an-sich_ verborgen bleibt; die andere Vorstellung gehört dem sogenannten Realismus an, der den subjektiven Begriff als eine leere Identität erfaßt, welche die Gedankenbestimmungen _von Außen_ in sich _aufnehme_.--Da das analytische Erkennen, die Verwandlung des gegebenen Stoffes in logische Bestimmungen, sich gezeigt hat, beides in Einem zu seyn, ein _Setzen_, welches sich ebenso unmittelbar als _Voraussetzen_ bestimmt, so kann um des letztern willen das Logische als ein schon im Gegenstande _Fertiges_, so wie wegen des erstern als _Produkt_ einer bloß subjektiven Thätigkeit erscheinen. Aber beide Momente sind nicht zu trennen; das Logische ist in seiner abstrakten Form, in welche es die Analyse heraushebt, allerdings nur im Erkennen vorhanden, so wie es umgekehrt nicht nur ein _Gesetztes_, sondern ein _An-sich-seyendes_ ist.
Insofern nun das analytische Erkennen die aufgezeigte Verwandlung ist, geht es durch keine weiteren _Mittelglieder_ hindurch, sondern die Bestimmung ist insofern _unmittelbar_ und hat eben diese Sinn, dem Gegenstand eigen und an sich anzugehören, daher ohne subjektive Vermittelung aus ihm aufgefaßt zu seyn.--aber das Erkennen soll ferner auch ein _Fortgehen_, eine _Entwickelung von Unterschieden_ seyn. Weil es aber nach der Bestimmung, die es hier hat, begrifflos und undialektisch ist, hat es nur einen _gegebenen Unterschied_, und sein Fortgehen geschieht allein an den Bestimmungen des _Stoffes_. Nur insofern scheint es ein _immanentes_ Fortgehen zu haben, als die abgeleiteten Gedankenbestimmungen von Neuem analysirt werden können, insofern scheint es ein _immanentes_ Fortgehen zu haben, als die abgeleiteten Gedankenbestimmungen von Neuem analysirt werden können, insofern sie noch ein Konkretes sind; das Höchste und Letze dieses Analysirens ist das abstrakte höchste Wesen,--oder die abstrakte subjektive Identität, und ihr gegenüber die Verschiedenheit. Dieses Fortgehen ist jedoch nichts Anderes, als nur die Wiederholung des einen ursprünglichen Thuns der Analyse, nämlich die Wiederbestimmung des schon in die abstrakte Begriffsform Aufgenommenen als eines _Konkreten_ und hierauf die Analyse desselben, dann von Neuem die Bestimmung des aus ihr hervorgehenden Abstrakten als eines Konkreten und sofort.--Die Gedankenbestimmungen scheinen aber in ihnen selbst auch einen Übergang zu enthalten. Wenn der Gegenstand als Ganzes bestimmt worden, so wird davon allerdings zur _andern_ Bestimmung: _des Theils_; von der _Ursache_ zur andern Bestimmung der _Wirkung_ u. s. f. fortgegangen. Aber dieß ist hier insofern kein Fortgehen, als Ganzes und Theile, Ursache und Wirkung, _Verhältnisse_ sind, und zwar für dieses formale Erkennen so _fertige_ Verhältnisse, daß die eine Bestimmung an die andere wesentlich geknüpft _vorgefunden_ wird. Der Gegenstand, der als _Ursache_ oder als _Theil_ bestimmt worden, ist damit durch das _ganze_ Verhältniß, schon durch beide Seiten desselben bestimmt. Ob es schon _an sich_ etwas Synthetisches ist, so ist dieser Zusammenhang für das analytische Erkennen ebenso sehr nur ein _Gegebenes_, als anderer Zusammenhang seines Stoffes, und gehört daher nicht seinem eigenthümlichen Geschäfte an. Ob solcher Zusammenhang sonst als ein Priorisches oder Aposteriorisches bestimmt werde, dieß ist dabei gleichgültig insofern er als ein _vorgefundener_ gefaßt wird, oder wie man es auch genannt hat, als eine _Thatsache_ des Bewußtseyns, daß mit der Bestimmung: _Ganzes_ die Bestimmung: _Theil_ verknüpft sey und so fort. Indem Kant die tiefe Bemerkung von _synthetischen_ Grundsätzen a priori aufgestellt und als deren Wurzel die Einheit des Selbstbewußtseyns, also die Identität des Begriffes mit sich, erkannt hat, nimmt er doch den _bestimmten_ Zusammenhang, die Verhältnißbegriffe und synthetischen Grundsätze selbst, _von der formalen Logik_ als _gegeben_ auf; die Deduktion derselben hätte die Darstellung des Übergangs jener einfachen Einheit des Selbstbewußtseyns in diese ihre Bestimmungen und Unterschiede seyn müssen; aber die Aufzeigung dieses wahrhaft synthetischen Fortgehens, des sich selbst producirenden Begriffs, hat Kant sich erspart, zu leisten.
Bekanntlich wird die _Arithmetik_ und die allgemeineren _Wissenschaften der diskreten Größe_ vorzugsweise _analytische Wissenschaft_ und _Analysis_ genannt. Die Erkenntnißweise derselben ist in der That am immanentesten analytisch und es ist kürzlich zu betrachten, worauf sich dieß gründet.--Das sonstige analytische Erkennen fängt von einem konkreten Stoffe an, der eine zufällige Mannigfaltigkeit an sich hat; aller Unterschied der Inhalts und das Fortgehen zu weiterem Inhalt hängt von demselben ab. Der arithmetische und algebraische Stoff dagegen ist ein schon ganz abstrakt und unbestimmt Gemachtes, an dem alle Eigenthümlickeit des Verhältnisses getilgt, dem somit nun jede Bestimmung und Verknüpfung ein Äußerliches ist. Ein solches ist das Princip der diskreten Größe, das _Eins_. Dieß verhältnißlose Atome kann zu einer _Vielheit_ vermehrt und äußerlich zu einer Anzahl bestimmt und vereinigt werden, dieses Vermehren und Begrenzen ist ein leeres Fortgehen und Bestimmen, welches bei demselben Princip des abstrakten Eins stehen bleibt. Wie die _Zahlen_ ferner zusammengefaßt und getrennt werden, hängt allein von dem Setzen des Erkennenden ab. Die _Größe_ ist überhaupt die Kategorie, innerhalb welcher diese Bestimmungen gemacht werden;--was die _gleichgültig_ gewordenen Bestimmtheit ist, so daß der Gegenstand keine Bestimmtheit hat, welche ihm immanent, also dem Erkennen _gegeben_ wäre. Insofern sich das Erkennen zunächst eine zufällige Verschiedenheit von Zahlen gegeben hat, so machen sie nun den Stoff für eine weitere Bearbeitung und mannigfaltige Verhältnisse aus. Solche Verhältnisse, deren Erfindung und Bearbeitung, scheinen zwar nichts dem analytischen Erkennen Immanentes, sondern ein Zufälliges und Gegebenes zu seyn; wie denn auch diese Verhältnisse und die sich auf sie beziehenden Operationen gewöhnlich _nacheinander_ als _verschiedene_ ohne Bemerkung eines innern Zusammenhanges vorgetragen werden. Allein es ist leicht, ein fortleitendes Princip zu erkennen, und zwar ist es das Immanente der analytischen Identität, die am Verschiedenen als _Gleichheit_ erscheint; der Fortschritt ist die Reduktion des Ungleichen auf immer größere Gleichheit. Um ein Beispiel an den ersten Elementen zu geben, so ist die Addition das Zusammenfassen ganz zufällig _ungleicher_ Zahlen, die Multiplikation dagegen von _gleichen_, worauf noch das Verhältniß der _Gleichheit_ von der _Anzahl_ und der _Einheit_ folgt, und das Potenzen-Verhältniß eintritt.
Weil nun die Bestimmtheit des Gegenstandes und der Verhältnisse eine _gesetzte_ ist, so ist die weitere Operation mit ihnen auch ganz analytisch, und die analytische Wissenschaft hat daher nicht sowohl _Lehrsätze_, als _Aufgaben_. Der anlytische Lehrsatz enthält die Aufgabe schon für sich selbst als gelöst, und der ganz äußerliche Unterschied, der den beiden Seiten, die er gleich setzt, zukommt, ist so unwesentlich, daß ein solcher Lehrsatz als eine triviale Identität erscheinen würde. Kant hat zwar den Satz 5+7=12 für einen _synthetischen_ Satz erklärt, weil auf einer Seite Dasselbe, in der Form von Mehreren, von 5 und 7, auf der anderen in der Form von Einem, von 12, dargestellt ist. Allein wenn das Analytische nicht das abstrakt Identische und Tautologische 12=12 bedeuten und ein Fortgang in demselben überhaupt seyn soll, so muß irgend ein Unterschied vorhanden seyn, jedoch ein solcher, der sich auf keine Qualität, keine Bestimmtheit der Reflexion und noch weniger des Begriffs gründet. 5+7 und 12 sind durchaus ganz derselbe Inhalt; in jener Seite ist auch die _Forderung_ ausgedrückt, daß 5 und 7 in _Einen_ Ausdruck zusammengefaßt, das heißt, daß wie fünf ein Zusammengezähltes ist, wobei das Abbrechen ganz willkürlich war, und ebenso gut weiter gezählt werden konnte, nun auf dieselbe Weise fortgezählt werden soll mit der Bestimmung, daß die hinzuzusetzenden Eins sieben seyn sollen. Das 12 ist also ein Resultat von 5 und 7 und von einer Operation, welche schon gesetzt, ihrer Natur nach auch ein ganz äußerliches, gedankenloses Thun ist, daß es daher auch eine Maschine verrichten kann. Hier ist im Geringsten kein Übergang zu einem _Andern_; es ist ein bloßes Fortsetzen, d. h. _Wiederholen_ derselben Operation, durch welche 5 und 7 entstanden ist.