Wissenschaft der Logik — Band 2

Chapter 24

Chapter 243,205 wordsPublic domain

Weil nun das Verhältniß der Gattung die Identität des individuellen Selbstgefühls in einem solchen ist, welches zugleich ein anderes selbstständiges Individuum ist, ist es der _Widerspruch_; das Lebendige ist somit wieder Trieb.--Die Gattung ist nun zwar die Vollendung der Idee des Lebens, aber zunächst ist sie noch innerhalb der Sphäre der Unmittelbarkeit; diese Allgemeinheit ist daher in _einzelner_ Gestalt _wirklich_; der Begriff, dessen Realität die Form unmittelbarer Objektivität hat. Das Individuum ist daher _an sich_ zwar Gattung, aber es ist die Gattung nicht _für sich_; was für es ist, ist nur erst ein anderes lebendiges Individuum; der von sich unterschiedene Begriff hat zum Gegenstande, mit dem er identisch ist, nicht sich als Begriff, sondern einen Begriff, der als Lebendiges zugleich äußerliche Objektivität für ihn hat, eine Form, die daher unmittelbar gegenseitig ist.

Die Identität mit dem andern, die Allgemeinheit des Individuums ist somit nur erst _innerliche_ oder _subjektive_; es hat daher das Verlangen, dieselbe zu setzen und sich als Allgemeines zu realisiren. Dieser Trieb der Gattung aber kann sich nur realisiren durch Aufheben der noch gegen einander besonderen, einzelnen Individualitäten. Zunächst insofern es diese sind, welche _an sich_ allgemein die Spannung ihres Verlangens befriedigen und in ihre Gattungsallgemeinheit sich auflösen, so ist ihre realisirte Identität die negative Einheit der aus der Entzweiung sich in sich reflektirenden Gattung. Sie ist insofern die Individualität des Lebens selbst, nicht mehr aus seinem Begriffe, sondern aus der _wirklichen_ Idee _erzeugt_. Zunächst ist sie selbst nur der Begriff, der erst sich zu objektiviren hat, aber _der wirkliche Begriff;--der Keim eines lebendigen Individuums_. In ihm ist es für _die gemeine Wahrnehmung vorhanden_, was der Begriff ist, und daß der _subjektive Begriff äußerliche Wirklichkeit_ hat. Denn der Keim des Lebendigen ist die vollständige Konkretion der Individualität, in welcher alle seine verschiedenen Seiten, Eigenschaften und gegliederte Unterschiede in ihrer _ganzen Bestimmtheit_ enthalten und die zunächst _immaterielle_, subjektive Totalität unentwickelt, einfach und nichtsinnlich ist; der Keim ist so das ganze Lebendige in der innerlichen Form des Begriffes. Die Reflexion der Gattung-in-sich ist nach dieser Seite dieß, wodurch sie _Wirklichkeit_ erhält, indem das Moment der negativen Einheit und Individualität in ihr _gesetzt_ wird,--die _Fortpflanzung_ der lebenden Geschlechter. Die Idee, die als Leben noch in der Form der Unmittelbarkeit ist, fällt insofern in die Wirklichkeit zurück, und diese ihre Reflexion ist nur die Wiederholung und der unendliche Progreß, in welchem sie nicht aus der Endlichkeit ihrer Unmittelbarkeit heraustritt.

Aber diese Rückkehr in ihren ersten Begriff hat auch die höhere Seite, daß die Idee nicht nur die Vermittelung ihrer Processe innerhalb der Unmittelbarkeit durchlaufen, sondern eben damit diese aufgehoben, und sich dadurch in eine höhere Form ihres Daseyns erhoben hat.

Der Proceß der Gattung nämlich, in welchem die einzelnen Individuen ihre gleichgültige, unmittelbare Existenz in einander aufheben und in dieser negativen Einheit ersterben, hat ferner zur andern Seite seines Produkts die _realisirte Gattung_, welche mit dem Begriffe sich identisch gesetzt hat.--In dem Gattungs-Proceß gehen die abgesonderten Einzelnheiten des individuellen Lebens unter; die negative Identität, in der die Gattung in sich zurückkehrt, ist, wie einer Seits das _Erzeugen der Einzelnheit_, so anderer Seits _das Aufheben derselben_, ist somit mit sich zusammengehende Gattung, die _für sich werdende Allgemeinheit_ der Idee. In der Begattung erstirbt die Unmittelbarkeit der lebendigen Individualität; der Tod dieses Lebens ist das Hervorgehen des Geistes. Die Idee, die als Gattung _an sich_ ist, ist _für sich_, indem sie ihre Besonderheit, welche die lebendigen Geschlechter ausmachte, aufgehoben, und damit sich eine _Realität_ gegeben hat, welche _selbst einfache Allgemeinheit_ ist; so ist sie die Idee, welche _sich zu sich_ als _Idee verhält_, das Allgemeine, das die Allgemeinheit zu seiner Bestimmtheit und Daseyn hat;--die _Idee des Erkennens_.

Zweites Kapitel. Die Idee des Erkennens.

Das Leben ist die unmittelbare Idee, oder die Idee als ihr noch nicht an sich selbst realisirter _Begriff_. In ihrem _Urtheil_ ist sie das _Erkennen_ überhaupt.

Der Begriff ist als Begriff _für sich_, insofern er _frei_ als abstrakte Allgemeinheit oder als Gattung existirt. So ist er seine reine Identität mit sich, welche sich so in sich selbst unterscheidet, daß das Unterschiedene nicht eine _Objektivität_, sondern gleichfalls zur Subjektivität oder zur Form der einfachen Gleichheit mit sich befreit, hiermit der Gegenstand des Begriffes, der Begriff selbst ist. Seine _Realität_ überhaupt ist die _Form seines Daseyns_; auf Bestimmung dieser Form kommt es an; auf ihr beruht der Unterschied dessen, was der Begriff an _sich_, oder als _subjektiver_ ist, was er ist in die Objektivität versenkt, dann in der Idee des Lebens. In der letztern ist er zwar von seiner äußerlichen Realität unterschieden und _für sich_ gesetzt, doch dieß sein Fürsichseyn hat er nur als die Identität, welche eine Beziehung auf sich als versenkt in seine ihm unterworfene Objektivität oder auf sich als inwohnende, substantielle Form ist. Die Erhebung des Begriffs über das Leben ist, daß seine Realität die zur Allgemeinheit befreite Begriffsform ist. Durch dieses Urtheil ist die Idee verdoppelt, in den subjektiven Begriff, dessen Realität er selbst, und in den objektiven, der als Leben ist.--_Denken, Geist, Selbstbewußtseyn_ sind Bestimmungen der Idee, insofern sie sich selbst zum Gegenstand hat, und ihr _Daseyn_, d. i. die Bestimmtheit ihres Seyns ihr eigener Unterschied von sich selbst ist.

Die _Metaphysik des Geistes_, oder wie man sonst mehr gesprochen hat, der _Seele_ drehte sich um die Bestimmungen von Substanz, Einfachheit, Immaterialität;--Bestimmungen, bei welchen die _Vorstellung_ des Geistes aus dem _empirischen_ Bewußtseyn als Subjekt zu Grunde gelegt, und nun gefragt wurde, was für Prädikate mit den Wahrnehmungen übereinstimmen;--ein Verfahren, das nicht weiter gehen konnte, als das Verfahren der Physik, die Welt der Erscheinung auf allgemeine Gesetze und Reflexions-Bestimmungen zu bringen, da der Geist auch nur in seiner _Erscheinung_ zu Grunde lag; ja es mußte noch hinter der physikalischen Wissenschaftlichkeit zurückbleiben, da der Geist nicht nur unendlich reicher als die Natur ist, sondern da auch die absolute Einheit des Entgegengesetzem im _Begriffe_ sein Wesen ausmacht, so zeigt er in seiner Erscheinung und Beziehung auf die Äußerlichkeit den Widerspruch in seiner höchsten Bestimmtheit auf, daher für jede der entgegengesetzten Reflexions-Bestimmungen eine Erfahrung angeführt, oder aus den Erfahrungen auf die entgegengesetzten Bestimmungen nach der Weise des formalen Schließens muß gekommen werden können. Weil die an der Erscheinung unmittelbar sich ergebenden Prädikate zunächst noch der empirischen Psychologie angehören, so bleiben eigentlich nur ganz dürftige Reflexions-Bestimmungen für die metaphysische Betrachtung übrig. --_Kant_ in seiner Kritik der _rationalen Seelenlehre_ hält diese Metaphysik daran fest, daß, insofern sie eine rationale Wissenschaft seyn soll, durch das Mindeste, was man von der Wahrnehmung zu der _allgemeinen Vorstellung_ des Selbstbewußtseyns _hinzunähme_, sich jene Wissenschaft in eine _empirische_ verwandelte und ihre rationale Reinigkeit und Unabhängigkeit von aller Erfahrung verderbt würde.--Es bleibe somit nichts als die einfache, für sich an Inhalt ganz leere, Vorstellung: _Ich_, von der man nicht einmal sagen kann, daß sie ein _Begriff_ sey, sondern ein _bloßes Bewußtseyn_, das _alle Begriffe begleitet_. Durch dieses _Ich_, oder auch _Es (das Ding)_, welches denket, wird nun nach den weiteren kantischen Folgerungen nichts weiter als ein transcendentales Subjekt der Gedanken vorgestellt = x, welches nur durch die Gedanken, die seine _Prädikate_ sind, erkannt wird, und wovon wir, abgesondert, _niemals_ den _mindesten Begriff_ haben können; dieß Ich hat dabei, nach Kants eigenem Ausdruck, die _Unbequemlichkeit_, daß _wir_ uns jederzeit _seiner schon bedienen müssen_, um irgend etwas von ihm zu urtheilen; denn es ist nicht sowohl _eine Vorstellung_, wodurch ein besonderes Objekt unterschieden wird, sondern eine _Form_ derselben überhaupt, insofern sie Erkenntniß genannt werden soll.--Der _Paralogismus_, den die rationale Seelenlehre begehe, bestehe nun darin, daß _Modi_ des Selbstbewußtseyns im Denken zu _Verstandesbegriffen_ als von einem _Objekte_ gemacht, daß jenes: Ich _denke_ als ein _denkendes Wesen_, ein _Ding-an-sich_ genommen werde; auf welche Weise daraus, daß Ich im Bewußtseyn immer als _Subjekt_ und zwar als _singulares_, bei aller Mannigfaltigkeit der Vorstellung _identisches_, und von ihr als äußerlicher mich unterscheidendes vorkomme, unberechtigt abgeleitet wird, daß Ich eine _Substanz_, ferner ein qualitativ _Einfaches_, und ein _Eins_, und ein von den räumlichen und zeitlichen Dingen _unabhängig Existirendes_ sey.-Ich habe diese Darstellung ausführlicher ausgezogen, weil sich sowohl die Natur der vormaligen _Metaphysik über die Seele_, als besonders auch _der Kritik_, wodurch sie zu Grunde gegangen ist, bestimmt daraus erkennen läßt.--Jene ging darauf, das _abstrakte Wesen_ der Seele zu bestimmen; sie ging dabei von der Wahrnehmung ursprünglich aus und verwandelte deren empirische Allgemeinheit und die an der Einzelnheit des Wirklichen überhaupt _äußerliche_ Reflexions-Bestimmung in die Form von den angeführten _Bestimmungen des Wesens_.--Kant hat dabei überhaupt nur den Zustand der Metaphysik seiner Zeit vor sich, welche vornehmlich bei solchen abstrakten, einseitigen Bestimmungen ohne alle Dialektik stehen blieb; die wahrhaft _spekulativen_ Ideen älterer Philosophen über den Begriff des Geistes beachtete und untersuchte er nicht. In seiner _Kritik_ über jene Bestimmungen folgte er nun ganz einfach der humeschen Manier des Skepticismus; daß er nämlich das festhält, wie Ich im Selbstbewußtseyn erscheint, wovon aber, da das _Wesen_ desselben, _das Ding an sich_, erkannt werden solle, alles Empirische wegzulassen sey; nun bleibe nicht übrig, als diese Erscheinung des: _Ich denke_, das alle Vorstellungen begleite,--wovon man _nicht den geringsten Begriff_ habe.--Gewiß muß es zugegeben werden, daß man weder von Ich, noch von irgend Etwas, auch von dem Begriff selbst den mindesten Begriff hat, insofern man nicht _begreift_, und nur bei der einfachen, fixen _Vorstellung_ und dem _Namen_ stehen bleibt. --Sonderbar ist der Gedanken,--wenn es anders ein Gedanke genannt werden kann,--daß Ich mich des Ich schon _bedienen_ müsse, um von Ich zu urtheilen; das Ich, das sich des Selbstbewußtseyns als eines Mittels _bedient_, um zu urtheilen, dieß ist wohl ein x, von dem man, so wie vom Verhältnisse solchen Bedienens, nicht den geringsten Begriff haben kann. Aber lächerlich ist es wohl, diese Natur des Selbstbewußtseyns, daß Ich sich selbst denkt, daß Ich nicht gedacht werden kann, ohne daß es Ich ist, welches denkt,--eine _Unbequemlichkeit_ und als etwas Fehlerhaftes einen _Cirkel_ zu nennen;--ein Verhältniß, wodurch sich im unmittelbaren empirischen Selbstbewußtseyn die absolute, ewige Natur desselben und des Begriffes offenbart, deswegen offenbart, weil das Selbstbewußtseyn eben der _daseyende_, also _empirisch wahrnehmbare_, reine _Begriff_, die absolute Beziehung auf sich selbst ist, welche als trennendes Urtheil sich zum Gegenstande macht und allein dieß ist, sich dadurch zum Cirkel zu machen.--Ein Stein hat jene _Unbequemlichkeit_ nicht; wenn er gedacht oder wenn über ihn geurtheilt werden soll, so steht er sich selbst dabei nicht im Wege;--er ist der Beschwerlichkeit, sich seiner selbst zu diesem Geschäfte zu bedienen, enthoben; es ist ein Anderes außer ihm, welches diese Mühe übernehmen muß.

Der Mangel, den diese barbarisch zu nennenden Vorstellungen darein setzen, daß bei dem Denken des Ich dasselbe als _Subjekt_ nicht weggelassen werden könne, erscheint dann umgekehrt auch so, daß Ich _nur_ als _Subjekt des Bewußtseyns_ vorkomme, oder Ich mich nur als _Subjekt_ eines Urtheils _brauchen_ könne, und die _Anschauung_ fehle, wodurch es als ein _Objekt gegeben_ würde; daß aber der Begriff eines Dings, das nur als Subjekt existiren könne, noch gar keine objektive Realität bei sich führe.--Wenn zur Objektivität die äußerliche, in Zeit und Raum bestimmte Anschauung gefordert, und sie es ist, welche vermißt wird, so sieht man wohl, daß unter Objektivität nur diejenige sinnliche Realität gemeint ist, über welche sich erhoben zu haben Bedingung des Denkens und der Wahrheit ist. Aber allerdings wenn Ich begrifflos als bloße einfache Vorstellung nach der Weise genommen wird, wie wir im alltäglichen Bewußtseyn Ich aussprechen, so ist es die abstrakte Bestimmung, nicht die sich selbst zum Gegenstand habende Beziehung seiner selbst;--es ist so nur _Eins_ der Extreme, einseitiges Subjekt ohne seine Objektivität, oder es wäre auch nur Objekt ohne Subjektivität, wenn nämlich die berührte Unbequemlichkeit hierbei nicht wäre, daß sich von dem Ich als Objekt das denkende Subjekt nicht wegbringen läßt. Aber in der That findet dieselbe Unbequemlichkeit auch bei der erstern Bestimmung, dem Ich als Subjekte, Statt; das Ich denkt _etwas_, sich oder etwas Anderes. Diese Untrennbarkeit der zwei Formen, in denen es sich selbst entgegensetzt, gehört zur eigensten Natur seines Begriffs und des Begriffs selbst; sie ist gerade das, was Kant abhalten will um nur die sich in sich nicht unterscheidende, und somit ja nur die _begrifflose Vorstellung_ fest zu erhalten. Ein solches Begriffloses darf sich nun zwar wohl den abstrakten Reflexions-Bestimmungen oder Kategorien der vorigen Metaphysik gegenüberstellen;--denn an Einseitigkeit steht es auf gleicher Linie mit ihnen, obwohl diese doch ein Höheres des Gedankens sind; dagegen erscheint es desto dürftiger und leerer gegen die tieferen Ideen älterer Philosophie vom Begriff der Seele oder des Denkens, z.B. die wahrhaft spekulativen Ideen des Aristoteles. Wenn die kantische Philosophie jene Reflexions-Bestimmungen untersuchte, so hätte sie noch mehr die festgehaltene Abstraktion des leeren Ich, die vermeinte Idee des Dings-an-sich untersuchen müssen, das sich eben um seiner Abstraktion willen vielmehr als ein ganz Unwahres zeigt; die Erfahrung der beklagten Unbequemlichkeit ist selbst das empirische Faktum, worin die Unwahrheit jener Abstraktion sich ausspricht.

Nur des mendelssohnschen Beweises von der Beharrlichkeit der Seele erwähnt die kantische Kritik der rationalen Psychologie, und ich führe ihre Widerlegung desselben noch um der Merkwürdigkeit desjenigen willen an, was ihm entgegengestellt wird. Jener Beweis gründet sich auf die _Einfachheit_ der Seele, vermöge der sie der Veränderung, _des Übergehens in ein Anderes_ in der Zeit nicht fähig sey. Die qualitative Einfachheit ist die oben betrachtete Form der _Abstraktion_ überhaupt; als _qualitative_ Bestimmtheit ist sie in der Sphäre des Seyns untersucht und bewiesen worden, daß das Qualitative als solche sich abstrakt auf sich beziehende Bestimmtheit vielmehr eben darum dialektisch und nur das Übergehen in ein Anderes ist. Beim Begriffe aber wurde gezeigt, daß wenn er in Beziehung auf Beharrlichkeit, Unzerstörbarkeit, Unvergänglichkeit betrachtet wird, er vielmehr darum das An- und Fürsichseyende und Ewige ist, weil er nicht die _abstrakte_, sondern _konkrete_ Einfachheit, nicht sich auf sich abstrakt beziehendes Bestimmtseyn, sondern die Einheit _seiner selbst und seines Andern_ ist, in das er also nicht so übergehen kann, als ob er sich darin veränderte, eben darum, weil das _andere_, das Bestimmtseyn, er selbst ist, und er in diesem Übergehen daher nur zu sich selbst kommt.--Die kantische Kritik setzt nun jener _qualitativen_ Bestimmung der Begriffseinheit die _quantitative_ entgegen. Obgleich die Seele nicht ein mannigfaltiges Außereinander sey und keine _extensive_ Größe enthalte, so habe das Bewußtseyn doch _einen Grad_, und die Seele wie _jedes Existirende_ eine _intensive Größe_; dadurch sey aber die Möglichkeit des Übergehens in Nichts durch das _allmählige Verschwinden_ gesetzt.--Was ist nun diese Widerlegung anders, als die Anwendung einer Kategorie _des Seyns_, der _intensiven Größe_, auf den Geist?--einer Bestimmung, die keine Wahrheit an sich hat, und im Begriffe vielmehr aufgehoben ist.

Die Metaphysik,--auch selbst die, welche sich auf fixe Verstandesbegriffe beschränkte und sich zum Spekulativen, und zur Natur des Begriffes und der Idee nicht erhob, hatte zu ihrem Zwecke, _die Wahrheit zu erkennen_, und untersuchte ihre Gegenstände danach, ob sie ein _Wahrhaftes_ seyen oder nicht, Substanzen oder Phänomene. Der Sieg der kantischen Kritik über dieselbe besteht aber vielmehr darin, die Untersuchung, welche das _Wahre_ zum Zwecke hat, und diesen Zweck selbst zu beseitigen; sie macht die Frage, die allein Interesse hat, gar nicht, ob ein bestimmtes Subjekt, hier das _abstrakte Ich der Vorstellung_, an und für sich Wahrheit habe. Es heißt aber auf den Begriff und die Philosophie Verzicht leisten, wenn man bei der Erscheinung und bei demjenigen stehen bleibt, was sich im alltäglichen Bewußtseyn für die bloße Vorstellung ergiebt. Was darüber hinausgeht, heißt in der kantischen Kritik etwas Überfliegendes, und zu dem die Vernunft keineswegs berechtigt sey. In der That überfliegt der Begriff das Begrifflose, und die nächste Berechtigung, darüber hinauszugehen, ist eines Theils er selbst, andern Theils nach der negativen Seite die Unwahrheit der Erscheinung und der Vorstellung, so wie solcher Abstraktionen, wie die Dinge-an-sich und jenes Ich ist, das sich nicht Objekt seyn soll.

In dem Zusammenhang dieser logischen Darstellung ist es die _Idee des Lebens_, aus der die Idee des Geistes hervorgegangen, oder was dasselbe ist, als deren Wahrheit sie sich erwiesen hat. Als dieses Resultat hat diese Idee an und für sich selbst ihre Wahrheit, mit der dann auch das Empirische oder die Erscheinung des Geistes verglichen werden mag, wie es damit übereinstimme; das Empirische kann jedoch selbst auch nur durch und aus der Idee gefaßt werden. Von dem _Leben_ haben wir gesehen, daß es die Idee ist, aber es hat sich zugleich gezeigt, noch nicht die wahrhafte Darstellung oder Art und Weise ihres Daseyns zu seyn. Denn im Leben ist die Realität der Idee als _Einzelnheit_, die _Allgemeinheit_ oder die Gattung ist das _Innere_; die Wahrheit des Lebens als absolute negative Einheit ist daher, die abstrakte, oder was dasselbe ist, die unmittelbare Einzelnheit aufzuheben, und _als Identisches_ mit sich identisch, als Gattung sich selbst gleich zu seyn. Diese Idee ist nun der _Geist_. --Es kann aber hierüber noch bemerkt werden, daß er hier in derjenigen Form betrachtet wird, welche dieser Idee als logische zukommt. Die hat nämlich noch andere Gestalten, die hier beiläufig angeführt werden können, in welchen sie in den konkreten Wissenschaften des Geistes zu betrachten ist, nämlich als _Seele, Bewußtseyn und Geist als solcher_.

Der Name: _Seele_ wurde sonst vom einzelnen endlichen Geiste überhaupt gebraucht, und die rationale oder empirische _Seelenlehre_ sollte so viel bedeuten als _Geisteslehre_. Bei dem Ausdruck: _Seele_ schwebt die Vorstellung vor, daß sie ein _Ding_ ist, wie die anderen Dinge; man fragt nach ihrem _Sitze_, der _räumlichen_ Bestimmung, von der aus ihre _Kräfte_ wirken; noch mehr danach, wie dieses Ding _unvergänglich_ sey, den Bedingungen der _Zeitlichkeit_ unterworfen, der Veränderung darin aber entnommen sey. Das System der _Monaden_ hebt die Materie zur Seelenhaftigkeit herauf; die Seele ist in dieser Vorstellung ein Atom wie die Atome der Materie überhaupt; das Atom, das als Dunst aus der Kaffeetasse aufsteige, sey durch glückliche Umstände fähig, sich zur Seele zu entwickeln, nur die _größere_ Dunkelheit seines Vorstellens unterscheide es von einem solchen Dinge, das als Seele erscheint.--_Der für sich selbst seyende Begriff_ ist nothwendig auch in _unmittelbarem Daseyn_; in dieser substantiellen Identität mit dem Leben, in seinem Versenktseyn in seine Äußerlichkeit ist er in der _Anthropologie_ zu betrachten. Aber auch ihr muß jene Metaphysik fremd bleiben, worin diese Form der _Unmittelbarkeit_ zu einem _Seelending_, zu einem _Atom_, den Atomen der Materie gleich wird.--Der Anthropologie muß nur die dunkle Region überlassen werden, worin der Geist unter, wie man es sonst nannte, _siderischen_ und _terrestrischen_ Einflüssen steht, als ein Naturgeist in der _Sympathie_ mit der Natur lebt, und ihre Veränderungen in _Träumen_ und _Ahnungen_ gewahr wird, dem Gehirn, dem Herzen, den Ganglien, der Leber u. s. w. inwohnt, welcher letztern nach Plato der Gott, damit auch der _unvernünftige_ Theil von seiner Güte bedacht und des Höhern theilhaftig sey, die Gabe des _Weissagens_ gegeben habe, über welche der selbstbewußte Mensch erhoben sey. Zu dieser unvernünftigen Seite gehört ferner das Verhältniß des Vorstellens und der höhern geistigen Thätigkeit, insofern sie im einzelnen Subjekte dem Spiele ganz zufälliger körperlicher Beschaffenheit, äußerlicher Einflüsse und einzelner Umstände unterworfen ist.

Diese unterste der konkreten Gestalten, worin der Geist in die Materiatur versenkt ist, hat ihre unmittelbar höhere im _Bewußtseyn_. In dieser Form ist der freie Begriff als _fürsichseyendes_ Ich zurückgezogen aus der Objektivität, aber sich auf sie als _sein Anderes_, als gegenüberstehenden Gegenstand beziehend. Indem der Geist hier nicht mehr als Seele ist, sondern in der _Gewißheit_ seiner selbst die _Unmittelbarkeit_ des _Seyns_ vielmehr die Bedeutung _eines Negativen_ für ihn hat, so ist die Identität, in der er im Gegenständlichen mit sich selbst ist, zugleich nur noch ein _Scheinen_, indem das Gegenständliche auch noch die Form eines _Ansichseyenden_ hat.

Diese Stufe ist der Gegenstand _der Phänomenologie des Geistes_, --einer Wissenschaft, welche zwischen der Wissenschaft des Naturgeistes und des Geistes als solches inne steht, und den _für sich_ seyenden Geist zugleich in seiner _Beziehung auf sein Anderes_, welches hierdurch sowohl, wie erinnert, als _an sich_ seyendes Objekt wie auch als negirtes bestimmt ist,--den Geist also als _erscheinend_ am Gegentheil seiner selbst sich darstellend betrachtet.

Die höhere Wahrheit dieser Form ist aber _der Geist für sich_, für welchen der dem Bewußtseyn _an sich_ seyende Gegenstand die Form seiner eigenen Bestimmung, der _Vorstellung_ überhaupt hat; dieser Geist, der auf die Bestimmungen als auf seine eigenen, auf Gefühle, Vorstellungen und Gedanken, thätig ist, ist insofern in sich und in seiner Form unendlich. Die Betrachtung dieser Stufe gehört der eigentlichen _Geisteslehre_ an, die dasjenige umfassen würde, was Gegenstand der gewöhnlich _empirischen Psychologie_ ist, die aber, um die Wissenschaft des Geistes zu seyn, nicht empirisch zu Werke gehen, sondern wissenschaftlich gefaßt werden muß.--Der Geist ist auf dieser Stufe _endlicher_ Geist, insofern der _Inhalt_ seiner Bestimmtheit ein unmittelbarer gegebener ist; die Wissenschaft desselben hat den Gang darzustellen, worin er sich von dieser seiner Bestimmtheit befreit, und zum Erfassen seiner Wahrheit, des unendlichen Geistes, fortgeht.