Wilhelm Hauffs sämtliche Werke in sechs Bänden. Bd. 6
Part 33
»Wie? Seid denn Ihr die Gräfin Sandau, die so viel an mir und meiner Mutter getan? Und dies ist das Schloß Mayenburg, wohin ich wandern wollte? Wie danke ich dem gütigen Geschick, das mich so wunderbar mit Euch zusammentreffen ließ; so habe ich Euch doch durch die Tat, wenn auch in geringem Maß, meine große Dankbarkeit bezeigen können!«
»Du hast mehr an mir getan,« erwiderte sie, »als ich je an dir hätte tun können; doch so lange ich lebe, will ich dir zu zeigen suchen, wie unendlich viel wir alle dir schuldig sind. Mein Gatte soll dein Vater, meine Kinder deine Geschwister, ich selbst will deine treue Mutter sein, und dieser Schmuck, der dich zu mir führte in der Stunde der höchsten Not, soll meine beste Zierde werden, denn er wird mich immer an dich und deinen Edelmut erinnern.«
So sprach die Gräfin und hielt Wort. Sie unterstützte den glücklichen Felix auf seinen Wanderungen reichlich. Als er zurückkam, als ein geschickter Arbeiter in seiner Kunst, kaufte sie ihm in Nürnberg ein Haus, richtete es vollständig ein, und ein nicht geringer Schmuck in seinem besten Zimmer waren schön gemalte Bilder, welche die Szenen in der Waldschenke und Felix' Leben unter den Räubern vorstellten.
Dort lebte Felix als ein geschickter Goldarbeiter, der Ruhm seiner Kunst verband sich mit der wunderbaren Sage von seinem Heldenmut und verschaffte ihm Kunden im ganzen Reiche. Viele Fremde, wenn sie durch die schöne Stadt Nürnberg kamen, ließen sich in die Werkstatt des berühmten Meisters Felix führen, um ihn zu sehen, zu bewundern, wohl auch ein schönes Geschmeide bei ihm zu bestellen. Die angenehmsten Besuche waren ihm aber der Jäger, der Zirkelschmied, der Student und der Fuhrmann. So oft der letztere von Würzburg nach Fürth fuhr, sprach er bei Felix ein; der Jäger brachte ihm beinahe alle Jahre Geschenke von der Gräfin, der Zirkelschmied aber ließ sich, nachdem er in allen Ländern umhergewandert war, bei Meister Felix nieder. Eines Tages besuchte sie auch der Student. Er war indessen ein bedeutender Mann im Staat geworden, schämte sich aber nicht, bei Meister Felix und dem Zirkelschmied ein Abendessen zu verzehren. Sie erinnerten sich an alle Szenen der Waldschenke, und der ehemalige Student erzählte, er habe den Räuberhauptmann in Italien wiedergesehen; er habe sich gänzlich gebessert und diene als braver Soldat dem König von Neapel.
Felix freute sich, als er dies hörte. Ohne diesen Mann wäre er zwar vielleicht nicht in jene gefährliche Lage gekommen, aber ohne ihn hätte er sich auch nicht aus Räuberhand befreien können. Und so geschah es, daß der wackere Meister Goldschmied nur friedliche und freundliche Erinnerungen hatte, wenn er zurückdachte an das _Wirtshaus im Spessart_.
Gesamt-Inhaltsverzeichnis.
Seite
Band 1. Hauffs Leben von Alfred Weile 5
Gedichte 13
Novellen. Erster Teil.
Vertrauliches Schreiben an Herrn W. A. Spöttlich 57
Othello 63
Die Bettlerin vom Pont des Arts 104
Jud Süß 200
Band 2. Novellen. Zweiter Teil.
Das Bild des Kaisers 5
Die letzten Ritter von Marienburg 88
Des Verfassers eigene Kritik über diese Novelle 144
Die Sängerin 145
Phantasien im Bremer Ratskeller 190
Band 3. Lichtenstein. Romantische Sage 5
Band 4. Mitteilungen aus den Memoiren des Satans.
I. Einleitung 5
Die Studien des Satan auf der berühmten Universität ...en 30
Unterhaltungen des Satan und des ewigen Juden in Berlin 60
Der Fluch. Novelle 83
Satans Besuch bei Herrn von Goethe 100
Der Festtag im Fegefeuer 113
II. Vorspiel 132
Der Fluch. Novelle (Fortsetzung) 142
Mein Besuch in Frankfurt 203
Der Festtag im Fegefeuer. (Fortsetzung) 236
Inhaltsverzeichnis 258
Band 5. Der Mann im Monde. Roman 5
Kontroverspredigt über H. Clauren und den Mann im Monde 193
Skizzen.
Die Bücher und die Lesewelt 225
Freie Stunden am Fenster 240
Der ästhetische Klub 264
Ein paar Reisestunden 267
Hochzeitgruß an Karl Grüneisen 278
Band 6. Märchen.
Märchen als Almanach 5
Die Karawane 10
Der Scheik von Alessandria und seine Sklaven 102
Das Wirtshaus im Spessart 184
Inhaltsverzeichnis 4
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Darstellung der Ellipse wurde angepasst.
Da dieser Band keine eigene Titelseite im Original besaß, wurde diese aus Band 4 rekonstruiert.
Korrekturen:
S. 38: mit → mit ihm wollte schon {mit ihm} davoneilen
S. 80: Sizah → Sizah, zu Ali {Sizah, zu}, auch seine Geschichte
S. 127: Köche → Küche überhaupt dich meiner {Küche} annehmen
S. 223: hast → bist Du {bist} dem Flegel begegnet
S. 241: frei → frei ausgehen Mörder darf {frei ausgehen} aus den Händen
S. 263: schrie → schritt durch die Buden {schritt} und rief
S. 313: zu → zu zweit dritten haben wir {zu zweit} leichtes
S. 314: aufzuheben → auszuheben um mich und meine Leute {auszuheben}
S. 317: vierte → dritte wer der {dritte} sei, welcher sie begleitete