Wilhelm Hauffs sämtliche Werke in sechs Bänden. Bd. 1

Part 2

Chapter 23,542 wordsPublic domain

Sinket nieder, Schwestern, Brüder, Fleht zu dem, der Mutterlieb' gekannt, Der _sie_ schuf, sein reinstes Seelenband. Fleht mit uns, ihr Geister unsrer Lieben, Tragt es aufwärts, unser kindlich Flehn, Tragt's hinauf zu jenen Sternenhöh'n, Werft euch nieder vor des Vaters Thron, Fallet nieder vor der Mutter Sohn, Daß auf uns er seine Gnade senke Und den süßen Trost uns immer schenke -- Das segensvolle Heiligtum der Liebe, Der Mutterliebe!

An die Freiheit.

Was mir so leise einst die Brust durchbebte, Als ich zuerst zum Jüngling war erwacht, Was sich so hold in meine Träume webte, Ein lieblich Bild aus mancher Frühlingsnacht; Und was am Morgen klar noch in mir lebte, Was dann, zur lichten Flamme angefacht, Mit kühner Ahnung meine Seele füllte -- Es wären nur der Täuschung Luftgebilde?

Was ich geschaut im großen Buch der Zeiten, Wenn ich der Völker Schicksal überlas, Was ich erkannt, wenn ich die Sternenweiten Der Schöpfung mit dem trunknen Auge maß, Was ich gefühlt bei meines Volkes Leiden, Wenn sinnend ich am stillen Hügel saß -- Ich fühle es an meines Herzens Glühen, Es war kein Traumbild eitler Phantasieen!

Du, stille Nacht, und du, o meine Laute! Nur euch, ihr Trauten, hab ich es gesagt; Ertönt's noch einmal, was ich euch vertraute, Erzählt's dem Abendhauch, was ich geklagt, O sagt's ihm, was ich fühlte, was ich schaute, Und was mein ahnend Herz zu hoffen wagt; O Freiheit, Freiheit, dich hab' ich gesungen, Und meiner Ahnung Lied hat dir geklungen!

Die müde Sonne ist hinabgegangen, Der Abendschein am Horizont zerrinnt, Doch du, o Freiheit, spielst um meine Wangen, Stiegst du hernieder mit dem Abendwind? Nach dir, nach dir ringt heißer mein Verlangen, Ich fühl's, du schwebst um mich, so mild, so lind. O weile hier, wirf ab die Adlerflügel! Du schweigst? Du meidest ewig Deutschlands Hügel?

Wohl lange ist's, seit du so gerne wohntest Bei unsern Ahnen in dem düstern Hain: Dünkt dir, wie gern du auf den Bergen throntest Vom eis'gen Belt bis an den alten Rhein? Mit Eichenkränzen deine Söhne lohntest? Das schöne Land soll ganz vergessen sein? Noch denkst du sein; es wird dich wiedersehen, Wird auch dein Geist dann längst mein Grab umwehen.

Zur Feier des 18. Junius 1824.

I.

Seid mir gegrüßt im grünen Lindenhain, Seid mir gegrüßt, ihr meine deutschen Brüder; Auf! sammelt euch in festlich frohen Reihn, Stimmt fröhlich an des Sieges Jubellieder; Daß heut der stolze Adler niedersank, Daß sich mein Volk einlöste mit dem Schwerte Sein Heldentum, der Freiheit Ruhm, die deutsche Erde, Trag's zu den Wolken, donnernder Gesang!

Trübt auch die Wolke unsres Festes Glanz, Sind auch zerschlagen schon des Siegs Altäre, Die jüngst noch, in dem jungen Siegerkranz, Der Deutsche weihte seines Volkes Ehre: Mög' Arglist auch und Trug mit finstrem Bann Dem Siegervolke noch die Zunge binden, -- Begeisterung, des Jünglings Dank, soll's laut verkünden: »Wer _dort_ gekämpft, fiel nicht für einen Wahn!«

Denn auferstehen soll ein neu Geschlecht, Wir fühlen Kraft in uns, uns dran zu wagen, Zu kämpfen für die Freiheit und das Recht, Um deutsch zu sein wie in der Vorzeit Tagen! Ein hoher Sinn stieg auf aus blut'gem Streit, Es kehrt der biedre Geist der Väter wieder, Und stolzer stehn, in deutscher Kraft und frei, o Brüder, _Wir_ auf den Trümmern der vergangnen Zeit!

Drum tretet mutig in die Kämpferbahn, Noch gilt es ja, das Ziel uns zu erringen! Fürs liebe Vaterland hinan, hinan! Doch nur von innen kann das Werk gelingen, Und nicht durch Völkerzwist, durch Waffenruhm, Nein, unser Weg geht durch Minervas Hallen; Laßt uns vereint zum Ideal, zum Höchsten wallen, Erschaffen uns ein echtes Bürgertum!

Ja, so ersteht ein freies Vaterland; O Bruderbund, dies hast du dir erkoren! Hebt in die Lüfte auf die treue Hand, Dem Vaterlande sei es fest geschworen! O schöne Saat! Der junge Stamm erblüht, Und schützend ragt er auf wie Deutschlands Eichen; Blüh', schöner Stamm, die Sonne kommt, die Schatten weichen, Und fern dahin die dunkle Wolke zieht.

II.

1823.

Ferne in der fremden Erde Ruhet ihr bei euerm Schwerte In des Todes sichrer Hut; Heil'ger Frieden Lohnt euch Müden, Nach des Tages heißer Glut.

Frankreichs Adler saht ihr fallen, Hörtet Siegesdonner schallen, Als der Tod das Auge brach. Heil euch Lieben, Träumet drüben Von der Freiheit goldnem Tag.

Selig preis' ich eure Lose In der Erde kühlem Schoße. Ach, ihr saht der Freiheit Licht, Saht sie steigen Ueber Leichen -- Doch sie sinken saht ihr nicht.

Fern von eurem Siegestale Denken wir beim Todesmahle Innig eurer Siegerschar, Und wir gießen, Euch zu grüßen, Tränen auf den Festaltar.

III.

1824.

So nahst du wieder, holde Siegesfeier, Die unsre Brust mit süßen Träumen füllt, Die mit der Freude dichtgewebtem Schleier Das trübe Bild der Gegenwart verhüllt: Du nahst -- und alle Herzen schlagen freier, Gesang und Jubel tönet durchs Gefild, Und meiner Brüder frohe Blicke sagen: »Es war _mein_ Volk, das diese Schlacht geschlagen!«

Es war _mein_ Volk, und nicht die frohen Binden Von Eichlaub sollten schmücken das Gelag; Wohl sollten wir Zypressenkränze winden Um mancher Hoffnung frühen Sarkophag; Doch -- den Gefallnen laßt uns Kränze winden, Und einmal noch am frohen Siegestag, Weil rings um uns des Sieges Früchte welken, Laßt uns in der Erinnrung Träumen schwelgen.

Drum grüß' ich dich, du Feld, wo sie gefallen, Wo froh ihr Aug' im Siegesdonner brach! Drum grüß' ich euch in euern Wolkenhallen, Ihr Tapfern, die ihr tilgtet unsre Schmach! Euch, tapfern Sängern, euch, ihr Helden, allen, Euch tönen unsre Liebesgrüße nach, Und euch, die ihr dem Auge schnell entschwunden, Der jungen Freiheit kurze Frühlingsstunden!

Und hätte man den Denkstein euch zerschlagen Und eure Kränze in den Staub gedrückt: Die Blumen haben in des Frühlings Tagen Der Helden Grab mit neuem Grün geschmückt. So keimt auch unsre Hoffnung unter Klagen; Denn ob der Sturm sie Blatt für Blatt zerpflückt, Neu sproßt sie aus dem Hügel eurer Leichen, Und Gott wird wachen über ihren Zweigen.

IV.

1824.

Wo _eine_ Glut die Herzen bindet, Wo Aug' dem Auge nur verkündet, Was Sehnsucht in dem Herzen spricht; Wo, wenn der Sturm die Form zerspaltet, Die Gottheit in den Trümmern waltet, Kennt man der Liebe Trennung nicht.

Heran, ihr Brüder! Nord und Süden, Ob euch des Herrschers Wink geschieden, Laßt uns _ein_ Volk von Brüdern sein; Schließt ja in Schönbunds weiten Auen Von allen Strömen, allen Gauen _Ein_ Rasen unsre _Brüder_ ein.

Wohl ist der Siegsgesang verklungen, Ganz anders wird jetzt vorgesungen, Ganz andre Weisen spielt man vor; Doch tönt, von Wehmut fortgetragen, _Ein_ Ton noch aus den bessern Tagen Und schlägt an manch empfänglich Ohr.

Hört ihr auf Frühlings leichten Schwingen Den alten Ton herüberklingen Von unsrer Brüder Schlachtgefild? Der _Einklang_ ist's von tausend Tönen, Der mächtig in Germanias Söhnen Zu der Begeistrung Wogen schwillt.

Turnerlust.

Was zieht dort unten das Tal entlang? Eine Schar im weißen Gewand; -- Wie mutig brauset der volle Gesang! Die Töne sind mir bekannt. Sie singen von Freiheit und Vaterland, Ich kenne die Scharen im weißen Gewand. Hurra! Hurra! Hurra! Die Turner ziehen aus.

Die Turner ziehen ins grünende Feld Hinaus zur männlichen Lust; Daß Uebung kräftig die Glieder stählt, Mit Mut sich füllet die Brust: Drum schreiten die Turner das Tal entlang, Drum tönet ihr mutiger froher Gesang: Hurra! Hurra! Hurra! Du fröhliche Turnerlust!

O sieh, wie kühn sich der Blick erhebt, Wenn der Arm den Gegner umfaßt! Und frei, wie der Aar durch die Lüfte schwebt, Fliegt auf der Turner am Mast; Dort schaut er weit in die Täler hinaus, Dort ruft er's froh in die Lüfte hinaus: Hurra! Hurra! Hurra! Du fröhliche Turnerlust!

Es ist kein Graben zu tief, zu breit, Hinüber mit flüchtigem Fuß! Und trennt die Ufer der Strom so weit, Hinein in den tosenden Fluß! Er teilt mit dem Arm der Fluten Gewalt, Und aus den Wogen sein Ruf noch schallt: Hurra! Hurra! Hurra! Du fröhliche Turnerlust!

Er schwingt das Schwert in der starken Hand, Zum Kampfe stählt er den Arm; O dürft' er's ziehen fürs Vaterland! Es wallt das Herz ihm so warm. Und sollte sie kommen, die herrliche Zeit, Sie fände den tapfern Turner bereit. Hurra! Hurra! Hurra! Wie ging's dann mutig in Feind!

So wirbt der Turner um Kraft und Mut Mit Frührots freundlichem Strahl, Bis spät sich senket der Sonne Glut Und die Nacht sich bettet im Tal; Und klingt der Abendglockenklang, Dann ziehn wir nach Haus mit fröhlichem Sang Hurra! Hurra! Hurra! Du fröhliche Turnerlust!

Das Burschentum.

Wenn die Becher fröhlich kreisen, Wenn in vollen Sangesweisen Tönt so manches Helden Ruhm, Ja, da muß man dich auch singen, Muß auch dir die Becher schwingen, Dir, du altes Burschentum!

Fragt ihr, wo die Freiheit wohne? Auf Europas weiter Zone Habt ihr nimmer sie gesehn; Nur bei alter, treuer Sitte, In der Burschen froher Mitte Mag ihr Tempel noch bestehn.

Froh und frei, wie's unsre Alten Einst zu ihrer Zeit gehalten, Leben wir, so lang es gilt; Freuen uns -- mit leerer Tasche, Wenn uns nur aus voller Flasche Klar der braune Nektar quillt.

Nicht in marmornen Trophäen Kann die späte Nachwelt sehen, Was wir Brüder hier getan! Doch zum Denkstein unsern Siegen Häufen wir aus leeren Krügen Hohe Pyramiden an.

Mit dem Humpen in der Linken Wollen wir dein Wohlsein trinken, Altes, frohes Burschentum! Mit dem Hieber in der Rechten Wollen wir dich kühn verfechten, Freies, tapfres Burschentum!

Trinklied.

Wer seines Leibes Alter zählet Nach Nächten, die er froh durchwacht, Wer, ob ihm auch der Taler fehlet, Sich um den Groschen lustig macht, Der findet in uns seine Leute, Der sei uns brüderlich gegrüßt, Weil ihn, wie uns, der Gott der Freude In seine sanften Arme schließt.

Wenn von dem Tanze sanft gewieget, Von Flötentönen sanft berauscht, Fein Liebchen sich im Arme schmieget, Und Blick um Liebesblick sich tauscht, Da haben wir im Flug genossen Und schnell den Augenblick erhascht, Und Herz an Herzen festgeschlossen, Der Lippen süßen Gruß genascht.

Den Wein kannst du mit Gold bezahlen, Doch ist sein Feuer bald verraucht, Wenn nicht der Gott in seine Strahlen, In seine Geisterglut dich taucht; Uns, die wir seine Hymnen singen, Uns leuchtet seine Flamme vor, Und auf der Töne freien Schwingen Steigt unser Geist zum Geist empor.

Drum, die ihr frohe Freundesworte Zum würdigen Gesang erhebt, Euch grüß' ich, wogende Akkorde, Daß ihr zu uns herniederschwebt! Sie tauchen auf -- sie schweben nieder, Im Vollton rauschet der Gesang, Und lieblich hallt in unsre Lieder Der vollen Gläser Feierklang.

So haben's immer wir gehalten Und bleiben fürder auch dabei, Und mag die Welt um uns veralten, Wir bleiben ewig jung und neu. Denn, wird einmal der Geist uns trübe, Wir baden ihn im alten Wein Und ziehen mit Gesang und Liebe In unsern Freudenhimmel ein.

Reiters Morgengesang.

(Nach einem schwäbischen Volkslied.)

Morgenrot, Leuchtest mir zum frühen Tod? Bald wird die Trompete blasen, Dann muß ich mein Leben lassen, Ich und mancher Kamerad!

Kaum gedacht, War der Lust ein End' gemacht. Gestern noch auf stolzen Rossen, Heute durch die Brust geschossen, Morgen in das kühle Grab!

Ach, wie bald Schwindet Schönheit und Gestalt! Tust du stolz mit deinen Wangen, Die mit Milch und Purpur prangen? Ach! die Rosen welken all!

Darum still Füg' ich mich, wie Gott es will. Nun, so will ich wacker streiten, Und sollt' ich den Tod erleiden, Stirbt ein braver Reitersmann.

Soldatenmut.

Soldatenmut siegt überall, Im Frieden und im Krieg, Bei Flöten- und Kanonenschall Erkämpft er sich den Sieg; Sei's um ein Küßchen mit der Maid, Sei's mit dem Feind um Blut, Da ist er schnell zum Kampf bereit, Da siegt Soldatenmut! Hurra! Da siegt Soldatenmut!

Wenn sich der Tanz im Wirbel schwingt Und Aug' in Auge blickt, Der Arm sich um die Hüfte schlingt Und Hand in Hand sich drückt, Da ist die Maid in kurzer Frist Dem schlanken Burschen gut; Wer lange fragt, hat nie geküßt, Da siegt Soldatenmut, Hurra! Da siegt Soldatenmut!

Und wenn am heißen Sommertag Den Marsch die Hitze drückt, Und wenn das rasche Roß erlag Und müd' zur Erd' sich bückt, Hat der Soldat sich aufgerafft, Er singet wohlgemut, Wirbt durch Gesang sich neue Kraft; So siegt Soldatenmut! Hurra! So siegt Soldatenmut!

Und wenn im Tal die Banner wehn Und Heer an Heer sich schließt, Und uns von den Batt'rieen Höhn Kanonendonner grüßt: Da reißt uns durch den Waffenplan Des Kampfes wilde Glut, Da mit dem Schwert, Mann gegen Mann, Da siegt Soldatenmut: Hurra! Da siegt Soldatenmut!

Und wenn mein Stündlein kommen sollt', So bin ich frisch zur Hand; Ich sterb' ja nicht für eitles Gold, Ich fall' fürs Vaterland. Was ich gesollt, hab' ich getan, Und hab's gelöst mit Blut: So lebt, so stirbt für seine Fahn', So _siegt_ Soldatenmut! Hurra! So _siegt_ Soldatenmut!

Prinz Wilhelm.

Prinz _Wilhelm_, der edle Ritter, Ritt hinaus ins Schlachtgewitter, Ritt mit aus in blut'gen Strauß; Denn als man die Trommel rührte Und nach Frankreich abmarschierte, Blieb der _Kronprinz_ nicht zu Haus.

Durch des Rheines wilde Wogen Ist er schnell hindurchgezogen, Ziehet weiter ohne Ruh'. Auf die Feinde durch die Wälder, Durch die eisbedeckten Felder, Auf die Feinde eilt er zu.

Bei _Brienne_, im dunkeln Walde Unser Jägerhorn erschallte, Unsre Trommeln wirbeln drein; In den Feind durch Sumpf und Graben Stürmt der Prinz mit seinen Schwaben, Daß der Sieg muß unser sein.

Und bei _Montereaus_ blut'ger Brücken, Als der Feind wollt' schier erdrücken Unsre kleine, treue Schar, Hat er gegen Sturmsgewalten Ritterlich den Paß gehalten, Bis sein Volk gerettet war.

An der _Aube_, am _Marne_strande, An der _Seine_ weitem Lande Kennt man Wilhelm und sein Schwert; _Epinal_ auf blut'gen Wegen, _Troyes'_ heißer Kugelregen Haben seinen Stamm bewährt.

Ja, wo treue Schwaben stritten, War auch in des Kampfes Mitten Unser Kronprinz stets dabei; Ja, so stritt im Schlachtgewitter Prinz _Wilhelm_, der edle Ritter, _Furchtlos_, wie sein Wort, _und treu_.

Schlaget ein, ihr Kameraden! Wenn zum Krieg die Trommeln laden, Strömen freudig wir herbei: Denn als König zieht der Ritter Nun voraus im Schlachtgewitter, _Furchtlos_, wie sein Wort, _und treu_.

Soldatentreue.

Wohl dem, der geschworen Zur Fahne den Eid, Der sich zum Schmuck erkoren Des Königs Waffenkleid!

Sei Treue verraten, Sei Ehre verbannt, Doch gehn mit dem Soldaten Sie beide Hand in Hand.

Es grüßt ja zur Seite Sein Säbel ihm zu Und ruft ihm aus der Scheide: »_So treu_ wie Stahl seist _du_!«

Die Büchse, sie winket So freundlich und rein; So rein als wie sie blinket, Soll seine Ehre sein.

Das tönt ihm so süße, Das schwellt ihm den Arm, Das macht, wie Liebchens Küsse, Soldatenherz so warm!

Drum auf! Es ertönen Trompeten voll Mut! In Vaterlandessöhnen Wallt treues Heldenblut!

Die Welt mag zerreißen Die Schwüre wie Spreu; Ich weiß ein Wort wie Eisen, Es heißt: Soldatentreu'.

Soldatenliebe.

Steh' ich in finstrer Mitternacht So einsam auf der fernen Wacht, So denk' ich an mein fernes Lieb, Ob mir's auch treu und hold verblieb?

Als ich zur Fahne fort gemüßt, Hat sie so herzlich mich geküßt, Mit Bändern meinen Hut geschmückt Und weinend mich ans Herz gedrückt!

Sie liebt mich noch, sie ist mir gut, Drum bin ich froh und wohlgemut! Mein Herz schlägt warm in kalter Nacht, Wenn es ans treue Lieb gedacht.

Jetzt bei der Lampe mildem Schein Gehst du wohl in dein Kämmerlein Und schickst dein Nachtgebet zum Herrn Auch für den Liebsten in der Fern'!

Doch wenn du traurig bist und weinst, Mich von Gefahr umrungen meinst! -- Sei ruhig, bin in Gottes Hut, Er liebt ein treu Soldatenblut.

Die Glocke schlägt, bald naht die Rund' Und löst mich ab zu dieser Stund'; Schlaf wohl im stillen Kämmerlein Und denk' in deinen Träumen mein.

Hans Huttens Ende.

Laut rufet Herr Ulrich, der Herzog, und sagt: »Hans Hutten, reite mit auf die Jagd, Im Schönbuch weiß ich ein Mutterschwein, Wir schießen es für die Liebste mein.«

Und im Forst sich der Herzog zum Junker wandt': »Hans Hutten, was flimmert an deiner Hand?« »Herr Herzog, es ist halt ein Ringelein, Ich hab' es von meiner Herzliebsten fein.«

»Herr Hans, du bist ja ein stattlicher Mann, Hast gar auch ein güldenes Kettlein an?« -- »Das hat mir mein herziger Schatz geschenkt Zum Zeichen, daß sie noch meiner gedenkt.«

Und der Herzog blicket ihn schrecklich an: »So? Das hat alles dein Schatz getan? Der Trauring ist es von meinem Weib, Das Kettlein hing ich ihr selbst um den Leib.«

O Hutten, gib deinem Rappen den Sporn, Schon rollet des Herzogs Auge im Zorn! Flieh, Hutten! es ist die höchste Zeit, Schon reißt er das blinkende Schwert aus der Scheid'!

»Dein Schwert raus, Buhler, mich dürstet sehr, Zu sühnen mit Blut meines Bettes Ehr'!« Flugs, Junker, ein Stoßgebetlein sprich, Wenn Ulrich haut, haut er fürchterlich.

Es krachen die Rippen, es bricht das Herz; Ruhig wischet Ulrich das blutige Erz, Ruhig nimmt er des ledigen Pferdes Zaum Und hänget die Leich' an den nächsten Baum.

Es steht eine Eiche im Schönbuchwald Gar breit in den Aesten und hochgestalt; Zum Zeichen wird sie Jahrhunderte stahn, Hier hing der Herzog den Junker dran.

Und wenn man den Herzog vom Lande jagt, Sein Nam' bleibt ihm, sein Schwert; er sagt: »Mein Nam', er verdorret ja nimmermehr, Und gerächet hab' ich des Hauses Ehr'.«

Entschuldigung.

Kam einst ein englischer Kapitan Zu Stambul in dem Hafen an, Der wollte nach der langen Fahrt Sich gütlich tun nach seiner Art Und in Stambuls krummen Gassen Vor den Leuten sich sehen lassen. Hatte auch weit und breit gehört, Wie die Türken so schöne Pferd', Reiche Geschirr' und Sättel haben; Wollte auch wie ein Türke traben, Und bestellt auf abends um vier Ein recht feurig arabisch Tier. Ziehet sich an im höchsten Staat, Rotem Rock, mit Gold auf der Naht, Schwärzt den Bart um Wange und Maul Und steigt Punkt vier Uhr auf den Gaul. Drauf, als er reitet durch das Tor, Kam es den Türken komisch vor, Hatten noch keinen Reiter gesehn Wie den englischen Kapitän; Die Knie' hatt' er hinaufgezogen Und seinen Rücken krumm gebogen, Die Brust mit den Tressen eingedrückt, Auch den Kopf tief herabgebückt; Saß zu Pferde wie ein armer Schneider. Doch der Schiffskapitän ritt weiter, Glaubte getrost, die Türken lachen Aus lauter Bewundrung in ihrer Sprachen. So ritt er bis zum großen Platz, Da macht der Araber einen Satz Und steigt; der englische Kapitän Ergreift des Arabers lange Mähn', Gibt ihm verzweiflungsvoll die Sporen Und schreit ihm auf englisch in die Ohren; Das Roß den Reiter nicht verstand, Setzt wieder und wirft ihn in den Sand. Die Türken den Rotrock sehr beklagen, Haben ihn auch zu Schiff getragen, Und seinem Dragoman, einem Scioten, Haben sie hoch und streng verboten, Er dürf's nimmer wieder leiden, Daß der Herr den Araber tät reiten. Als sie verlassen den Kapitan, Befiehlt er gleich dem Dragoman, Ihm auf englisch auszudeuten, Was er gehört von diesen Leuten. Der Grieche spricht: »Es ist nichts weiter, Sie glauben, Ihr seid ein schlechter Reiter, Wollen, Ihr sollt in Stambuls Gassen Nimmer zu Pferd Euch sehen lassen.« Des hat sich der Kapitän gegrämt Und vor den Türken sehr geschämt. Spricht zum Dragoman: »Geh hinein Und sage den Türken: es kommt vom Wein; Der Herr ist sonst ein guter Reiter, Aber heut an der Tafel, leider, Hat er sich ziemlich in Sekt betrunken, Da ist er im Rausche vom Pferd gesunken.« Der Grieche ging zum Hafentor Und trug den Türken die Sache vor. Doch diese hörten ihn schaudernd an: »Wir glaubten Gutes vom roten Mann Und dachten, er sitze schlecht zu Pferd, Weil's ihn sein Vater nicht besser gelehrt; Aber wie, von Wein betrunken, Ist er im Rausche vom Pferd gesunken? Pfui dem Giaur und seinem Glas, Allah tue ihm dies und das!« Da sprach ein alter Muselmann: »Glaubt's nicht, Leute, höret mich an! Nicht, weil der Frank' zu viel getrunken, Ist er schmählich vom Roß gesunken. Hab' gleich gedacht, es wird so gehn, Als ich ihn habe reiten sehn, Die Knie' hoch hinaufgezogen, Den Rücken krumm und schief gebogen, Die Brust mit Tressen eingedrückt, Kopf und Nacken niedergebückt. Denk' ich, wenn sein Rößlein scheut, Ihn sein Reiten gewiß gereut. Aber nein, ich will euch sagen, Warum er wollte den Wein verklagen Und stellte sich lieber als Säufer gar, Denn als ein schlechter Reiter dar: Das macht des Menschen Eitelkeit, Die ihn zu Trug und Lug verleit't. Will mancher lieber ein Laster haben, Hätt' er nur andere glänzende Gaben; Und mancher lieber eine Sünd' gesteht, Eh' er eine Lächerlichkeit verrät; Ein dritter will gar zur Hölle fahren, Um sich ein falsch Erröten zu sparen. So auch der fränkische Kapitan, Schämt sich und lügt uns lieber an, Will lieber Säufer sich lassen schelten, Als für einen schlechten Reiter gelten.«

Jesuitenbeichte.

(Nach dem Französischen.)

Ich liebte zwanzig Mädchen nach der Reihe, Und jeder war mein ganzes Herz geweiht, Und jede schwur mir heute ew'ge Treue Und brach schon morgen ihren heil'gen Eid. Da schwur und flucht' ich, keinem Weib zu trauen. »Mein Sohn, wer flucht, der sündiget. Allein Die Schuld liegt diesmal wirklich an den Frauen; Du sollst versöhnet und entschuldigt sein.«

Weil ich Bestechung haßte wie die Hölle, Fand mein Minister mich zu ungeschickt, Und einem feilen Kerl gab er die Stelle, Der sich vor seinem Kammerdiener bückt; Da wünschte ich Herrn C... zum Teufel. »Mein Sohn, welch rohe Leidenschaft! Allein Bei kaltem Blut bereust du ohne Zweifel; Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.«

Mit schönen Worten, blendendem Versprechen Hat ein bekannter Herr mich arm gemacht, Und um mich für die Tausende zu rächen, Um die mich der Verräter hat gebracht, Schalt ich Herrn V... einen Beutelschneider. »Mein Sohn, das Wort war freilich grob. Allein Die Welt nennt ihn mit diesem Namen, leider; Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.«