Part 3
Herrlich ist der Orient übers Mittelmeer gedrungen; Nur wer Hafis liebt und kennt, Weiß, was Calderon gesungen.
"Was schmückst du die eine Hand denn nun Weit mehr als ihr gebührte?" Was sollte denn die Linke tun, Wenn sie die Rechte nicht zierte?
Wenn man auch nach Mekka triebe Christus' Esel, würd' er nicht Dadurch besser abgericht, Sondern stets ein Esel bliebe.
Getretner Quark Wird breit, nicht stark.
Schlägst du ihn aber mit Gewalt In feste Form, er nimmt Gestalt. Dergleichen Steine wirst du kennen. Europäer Pise sie nennen.
Betrübt euch nicht, ihr guten Seelen! Denn wer nicht fehlt, weiß wohl, wenn andre fehlen; Allein wer fehlt, der ist erst recht daran, Er weiß nun deutlich, wie sie wohl getan.
"Du hast gar vielen nicht gedankt, Die dir so manches Gute gegeben!" Darüber bin ich nicht erkrankt, Ihre Gaben mir im Herzen leben.
Guten Ruf mußt du dir machen, Unterscheiden wohl die Sachen; Wer was weiter will, verdirbt.
Die Flut der Leidenschaft, sie stürmt vergebens Ans unbezwungne feste Land: Sie wirft poetische Perlen an den Strand, Und das ist schon Gewinn des Lebens.
Vertrauter
Du hast so manche Bitte gewährt, Und wenn sie dir auch schädlich war; Der gute Mann da hat wenig begehrt, Dabei hat es doch keine Gefahr.
Wesir
Der gute Mann hat wenig begehrt, Und hätt ich's ihm sogleich gewährt, Er auf der Stelle verloren war.
Schlimm ist es, wie doch wohl geschieht, Wenn Wahrheit sich nach dem Irrtum zieht. Das ist auch manchmal ihr Behagen: Wer wird so schöne Frau befragen? Herr Irrtum, wollt er an Wahrheit sich schließen, Das sollte Frau Wahrheit bald verdrießen.
Wisse, daß mir sehr mißfällt, Wenn so viele singen und reden! Wer treibt die Dichtkunst aus der Welt?
--Die Poeten!
Buch des Timur
Timur Nameh: Buch des Timur Der Winter und Timur
So umgab sie nun der Winter Mit gewaltgem Grimme. Streuend Seinen Eishauch zwischen alle, Hetzt' er die verschiednen Winde Widerwärtig auf sie ein. über sie gab er Gewaltkraft Seinen frostgespitzten Stürmen, Stieg in Timurs Rat hernieder, Schrie ihn drohend an und sprach so: "Leise, langsam, Unglücksel'ger! Wandle, du Tyrann des Unrechts! Sollen länger noch die Herzen Sengen, brennen deinen Flammen? Bist du der verdammten Geister Einer: wohl! ich bin der andre. Du bist Greis; ich auch! Erstarren Machen wir so Land als Menschen. Mars, du bist's! Ich bin Saturnus; übeltätige Gestirne, Im Verein die schrecklichsten. Tötest du die Seele, kältest Du den Luftkreis: meine Lüfte Sind noch kälter, als du sein kannst. Quälen deine wilden Heere Gläubige mit tausend Martern: Wohl! in meinen Tagen soll sich, Geb es Gott! was Schlimmres finden, Und, bei Gott! dir schenk ich nichts. Hör es Gott, was ich dir biete! Ja, bei Gott! von Todeskälte Nicht, o Greis, verteidigen soll dich Breite Kohlenglut vom Herde, Keine Flamme des Dezembers!"
An Suleika
Dir mit Wohlgeruch zu kosen, Deine Freuden zu erhöhn, Knospend müssen tausend Rosen Erst in Gluten untergehn.
Um ein Fläschchen zu besitzen, Das den Ruch auf ewig hält, Schlank wie deine Fingerspitzen, Da bedarf es einer Welt.
Einer Welt von Lebenstrieben, Die in ihrer Fülle Drang Ahneten schon Bulbuls lieben, Seelerregenden Gesang.
Sollte jene Qual uns quälen, Da sie unsre Lust vermehrt? Hat nicht Myriaden Seelen Timurs Herrschaft aufgezehrt?
Buch Suleika--1
Suleika Nameh: Buch Suleika
Ich gedachte in der Nacht, Daß ich den Mond sähe im Schlaf, Als ich aber erwachte, Ging unvermutet die Sonne auf.
Einladung
Mußt nicht vor dem Tage fliehn; Denn der Tag, den du ereilest, Ist nicht besser als der heutge: Aber wenn du froh verweilest, Wo ich mir die Welt beseitge, Um die Welt an mich zu ziehen, Bist du gleich mit mir geborgen: Heut ist heute, morgen morgen. Und, was folgt und was vergangen, Reißt nicht hin und bleibt nicht hangen, Bleibe du, mein Allerliebstes, Denn du bringst es und du gibst es.
Daß Suleika von Jussuf entzückt war, Ist keine Kunst. Er war jung, Jugend hat Gunst. Er war schön; sie sagen: zum Entzücken, Schön war sie, konnten einander beglücken. Aber daß du, die so lange mir erharrt war, Feurige Jugendblicke mir schickst, Jetzt mich liebst, mich später beglückst, Das sollen meine Lieder preisen, Sollst mir ewig Suleika heißen.
Da du nun Suleika heißest, Sollt ich auch benamset sein. Wenn du deinen Geliebten preisest, Hatem! das soll der Name sein. Nur daß man mich daran erkennet, Keine Anmaßung soll es sein: Wer sich Sankt Georgenritter nennet, Denkt nicht gleich Sankt Georg zu sein. Nicht Hatem Thai, nicht der alles Gebende, Kann ich in meiner Armut sein; Hatem Zograi nicht, der reichlichst Lebende Von allen Dichtern möcht ich sein: Aber beide doch im Auge zu haben, Es wird nicht ganz verwerflich sein: Zu nehmen, zu geben des Glückes Gaben, Wird immer ein groß Vergnügen sein. Sich liebend aneinander zu laben, Wird Paradieses Wonne sein.
Hatem
Nicht Gelegenheit macht Diebe Sie ist selbst der größte Dieb; Denn sie stahl den Rest der Liebe, Die mir noch im Herzen blieb.
Dir hat sie ihn übergeben, Meines Lebens Vollgewinn, Daß ich nun verarmt, mein Leben Nur von dir gewärtig bin.
Doch ich fühle schon Erbarmen Im Karfunkel deines Blicks Und erfreu in deinen Armen Mich erneuerten Geschicks.
Suleika
Hochbeglückt in deiner Liebe Schelt ich nicht Gelegenheit, Ward sie auch an dir zum Diebe. Wie mich solch ein Raub erfreut!
Und wozu denn auch berauben? Gib dich mir aus freier Wahl, Gar zu gerne möcht ich glauben: Ja, ich bin's, die dich bestahl.
Was so willig du gegeben, Bringt dir herrlichen Gewinn; Meine Ruh, mein reiches Leben Geb ich freudig: nimm es hin!
Scherze nicht! Nichts von Verarmen! Macht uns nicht die Liebe reich? Halt ich dich in meinen Armen, Jedem Glück ist meines gleich.
Der Liebende wird nicht irre gehn
Der Liebende wird nicht irre gehn, Wär's um ihn her auch noch so trübe. Sollten Leila und Medschnun auferstehn, Von mir erführen sie den Weg der Liebe.
Ists möglich
Ists möglich, daß ich, Liebchen, dich kose, Vernehme der göttlichen Stimme Schall! Unmöglich scheint immer die Rose, Unbegreiflich die Nachtigall.
Suleika
Als ich auf dem Euphrat schiffte, Streifte sich der goldne Ring Fingerab in Wasserklüfte, Den ich jüngst von dir empfing.
Also träumt ich; Morgenröte Blitzt ins Auge durch den Baum. Sag, Poete, sag, Prophete, Was bedeutet dieser Traum?
Hatem
Dies zu deuten, bin erbötig! Hab ich dir nicht oft erzählt, Wie der Doge von Venedig Mit dem Meere sich vermählt?
So von deinen Fingergliedern Fiel der Ring dem Euphrat zu. Ach, zu tausend Himmelsliedern Süßer Traum, begeisterst du!
Mich, der von den Indostanen Streifte bis Damaskus hin, Um mit neuen Karawanen Bis ans Rote Meer zu ziehn,
Mich vermählst du deinem Flusse, Der Terrasse, diesem Hain, Hier soll bis zum letzten Kusse Dir mein Geist gewidmet sein.
Suleika
Kenne wohl der Männer Blicke, Einer sagt: "Ich liebe, leide! Ich begehre, ja verzweifle!" Und was sonst ist, kennt ein Mädchen. Alles das kann mir nicht helfen, Alles das kann mich nicht rühren; Aber, Hatem, deine Blicke Geben erst dem Tage Glanz. Denn sie sagen: "Die gefällt mir, Wie mir sonst nichts mag gefallen, Seh ich Rosen, seh ich Lilien, Aller Gärten Zier und Ehre, So Zypressen, Myrten, Veilchen, Aufgeregt zum Schmuck der Erde, Und geschmückt ist sie ein Wunder, Mit Erstaunen uns umfangend, Uns erquickend, heilend, segnend, Daß wir uns gesunder fühlen, Wieder gern erkranken möchten." Da erblicktest du Suleika Und gesundetest erkrankend Und erkranketest gesundend, Lächeltest und sahst herüber, Wie du nie der Welt gelächelt. Und Suleika fühlt des Blickes Ewge Rede: "Die gefällt mir, Wie mir sonst nichts mag gefallen."
Gingo biloba
Dieses Baums Blatt, der von Osten Meinem Garten anvertraut, Gibt geheimen Sinn zu kosten, Wie's den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen, Das sich in sich selbst getrennt? Sind es zwei, die sich erlesen, Daß man sie als eines kennt?
Solche Fragen zu erwidern, Fand ich wohl den rechten Sinn: Fühlst du nicht an meinen Liedern, Daß ich eins und doppelt bin?
Suleika
Sag, du hast wohl viel gedichtet, Hin und her dein Lied gerichtet, Schöne Schrift von deiner Hand, Prachtgebunden, goldgerändet, Bis auf Punkt und Strich vollendet, Zierlich lockend, manchen Band? Stets, wo du sie hingewendet, War's gewiß ein Liebespfand?
Hatem
Ja, von mächtig holden Blicken Wie von lächelndem Entzücken Und von Zähnen blendend klar, Wimpernpfeilen, Lockenschlangen, Hals und Busen reizumhangen, Tausendfältige Gefahr! Denke nun, wie von so langem Prophezeit Suleika war.
Suleika
Die Sonne kommt! Ein Prachterscheinen! Der Sichelmond umklammert sie. Wer konnte solch ein Paar vereinen? Dies Rätsel, wie erklärt sich's wie?
Hatem
Der Sultan konnt es, er vermählte Das allerhöchste Weltenpaar, Um zu bezeichnen Auserwählte, Die Tapfersten der treuen Schar.
Auch sei's ein Bild von unsrer Wonne! Schon seh ich wieder mich und dich, Du nennst mich, Liebchen, deine Sonne; Komm, süßer Mond, umklammre mich!
Komm, Liebchen, komm
Komm, Liebchen, komm! umwinde mir die Mütze! Aus deiner Hand nur ist der Tulbend schön Hat Abbas doch auf Irans höchstem Sitze Sein Haupt nicht zierlicher umwinden sehn!
Ein Tulbend war das Band, das Alexandern In Schleifen schön vom Haupte fiel Und allen Folgeherrschern, jenen Andern, Als Königszierde wohlgefiel.
Ein Tulbend ist's, der unsern Kaiser schmücket, Sie nennen's Krone. Name geht wohl hin! Juwel und Perle! sei das Aug entzücket! Der schönste Schmuck ist stets der Musselin.
Und diesen hier, ganz rein und silberstreifig, Umwinde, Liebchen, um die Stirn umher! Was ist denn Hoheit? Mir ist sie geläufig! Du schaust mich an, ich bin so groß als er.
Nur wenig ists, was ich verlange
Nur wenig ists, was ich verlange, Weil eben alles mir gefällt, Und dieses Wenige, wie lange, Gibt mir gefällig schon die Welt!
Oft sitz ich heiter in der Schenke Und heiter im beschränkten Haus; Allein sobald ich dein gedenke, Dehnt sich mein Geist erobernd aus.
Dir sollten Timurs Reiche dienen, Gehorchen sein gebietend Heer, Badakschan zollte dir Rubinen, Türkise das Hyrkan'sche Meer.
Getrocknet honigsüße Früchte Von Bokhara, dem Sonnenland, Und tausend liebliche Gedichte Auf Seidenblatt von Samarkand.
Da solltest du mit Freude lesen, Was ich von Ormus dir verschrieb Und wie das ganze Handelswesen Sich nur bewegte dir zulieb;
Wie in dem Lande der Brahmanen Viel tausend Finger sich bemüht, Daß alle Pracht der Indostanen Für dich auf Woll und Seide blüht;
Ja, zur Verherrlichung der Lieben, Gießbäche, Soumelpours durchwühlt, Aus Erde, Grus, Gerill, Geschieben Dir Diamanten ausgespült;
Wie Taucherschar verwegner Männer Der Perle Schatz dem Golf entriß, Darauf ein Divan scharfer Kenner Sie dir zu reihen sich befliß.
Wenn nun Bassora noch das Letzte, Gewürz und Weihrauch, beigetan, Bringt alles, was die Welt ergetzte, Die Karawane dir heran.
Doch alle diese Kaisergüter Verwirrten doch zuletzt den Blick; Und wahrhaft liebende Gemüter Eins nur im andern fühlt sein Glück.
Hätt ich irgend wohl Bedenken
Hätt ich irgend wohl Bedenken, Balch, Bochara, Samarkand, Süßes Liebchen, dir zu schenken, Dieser Städte Rausch und Tand?
Aber frag einmal den Kaiser, Ob er dir die Städte gibt? Er ist herrlicher und weiser; Doch er weiß nicht, wie man liebt.
Herrscher, zu dergleichen Gaben Nimmermehr bestimmst du dich! Solch ein Mädchen muß man haben Und ein Bettler sein wie ich.
Die schön geschriebenen
Die schön geschriebenen, Herrlich umgüldeten Belächelst du, Die anmaßlichen Blätter, Verziehst mein Prahlen Von deiner Lieb und meinem Durch dich glücklichen Gelingen, Verziehst anmutigem Selbstlob.
Selbstlob! Nur dem Neide stinkt's, Wohlgeruch Freunden Und eignem Schmack!
Freude des Daseins ist groß, Größer die Freud am Dasein. Wenn du, Suleika, Mich überschwenglich beglückst, Deine Leidenschaft mir zuwirfst, Als wär's ein Ball, Daß ich ihn fange, Dir zurückwerfe Mein gewidmetes Ich: Das ist ein Augenblick! Und dann reißt mich von dir Bald der Franke, bald der Armenier.
Aber Tage währt's, Jahre dauert's, daß ich neu erschaffe Tausendfältig deiner Verschwendungen Fülle, Auftrösle die bunte Schnur meines Glücks, Geklöppelt tausendfadig Von dir, o Suleika!
Hier nun dagegen Dichtrische Perlen, Die mir deiner Leidenschaft Gewaltige Brandung Warf an des Lebens Verödeten Strand aus, Mit spitzen Fingern Zierlich gelesen, Durchreiht mit juwelenem Goldschmuck. Nimm sie an deinen Hals, An deinem Busen, Die Regentropfen Allahs, Gereift in bescheidener Muschel!
Lieb um Liebe, Stund um Stunde
Lieb um Liebe, Stund um Stunde, Wort um Wort und Blick um Blick, Kuß um Kuß vom treusten Munde, Hauch um Hauch und Glück um Glück. So am Abend, so am Morgen. Doch du fühlst an meinen Liedern Immer noch geheime Sorgen: Jussufs Reize möcht ich borgen, Deine Schönheit zu erwidern.
Suleika
Volk und Knecht und überwinder, Sie gestehn zu jeder Zeit: Höchstes Glück der Erdenkinder Sei nur die Persönlichkeit.
Jedes Leben sei zu führen, Wenn man sich nicht selbst vermißt; Alles könne man verlieren, Wenn man bliebe, was man ist.
Hatem
Kann wohl sein, so wird gemeinet, Doch ich bin auf andrer Spur: Alles Erdenglück vereinet Find ich in Suleika nur.
Wie sie sich an mich verschwendet, Bin ich mir ein wertes Ich; Hätte sie sich weggewendet, Augenblicks verlör ich mich.
Nun mit Hatem wär's zu Ende, Doch schon hab ich umgelost: Ich verkörpre mich behende In den Holden, den sie kost.
Wollte, wo nicht gar ein Rabbi, Das will mir so recht nicht ein, Doch Ferdusi, Montanabbi, Allenfalls der Kaiser sein.
Hatem
Wie des Goldschmieds Bazarlädchen Vielgefärbt geschliffne Lichter, So umgeben hübsche Mädchen Den beinah ergrauten Dichter.
Mädchen
Singst du schon Suleika wieder! Diese können wir nicht leiden,; Nicht um dich--um deine Lieder Wollen, müssen wir sie neiden.
Denn wenn sie auch garstig wäre, Macht'st du sie zum schönen Wesen, Und so haben wir von Dschemil Und Boteinah viel gelesen.
Aber eben, weil wir hübsch sind, Möchten wir auch gern gemalt sein, Und, wenn du es billig machest, Sollst du auch recht hübsch bezahlt sein.
Hatem
Bräunchen, komm! es wird schon gehen Zöpfe, Kämme, groß und kleine, Zieren Köpfchens nette Reine, Wie die Kuppel ziert Moscheen.
Du, Blondinchen, bist so zierlich, Aller Weis und Weg so nette; Man gedenkt nicht ungebührlich Alsogleich der Minarette.
Du da hinten hast der Augen Zweierlei, du kannst die beiden Einzeln nach Belieben brauchen. Doch ich sollte dich vermeiden.
Leichtgedrückt der Augenlider Eines, die den Stern bewhelmen, Deutet auf den Schelm der Schelmen, Doch das andre schaut so bieder.
Dies, wenn jen's verwundend angelt, Heilend, nährend wird sich's weisen; Niemand kann ich glücklich preisen, Der des Doppelblicks ermangelt.
Und so könnt ich alle loben, Und so könnt ich alle lieben: Denn so wie ich euch erhoben, War die Herrin mit beschrieben.
Mädchen
Dichter will so gerne Knecht sein, Weil die Herrschaft draus entspringet; Doch vor allem sollt' ihm recht sein, Wenn das Liebchen selber singet.
Ist sie denn des Liedes mächtig, Wie's auf unsern Lippen waltet? Denn es macht sie gar verdächtig, Daß sie im Verborgnen schaltet.
Hatem
Nun, wer weiß, was sie erfüllet! Kennt ihr solcher Tiefe Grund? Selbstgefühltes Lied entquillet, Selbstgedichtetes dem Mund.
Von euch Dichterinnen allen Ist ihr eben keine gleich: Denn sie singt mir zu Gefallen, Und ihr singt und liebt nur euch.
Mädchen
Merke wohl, du hast uns eine Jener Huris vorgeheuchelt! Mag schon sein! wenn es nur keine Sich auf dieser Erde schmeichelt.
Hatem
Locken, haltet mich gefangen In dem Kreise des Gesichts! Euch, geliebten braunen Schlangen, Zu erwidern hab ich nichts.
Nur dies Herz, es ist von Dauer, Schwillt in jugendlichstem Flor; Unter Schnee und Nebelschauer Rast ein ätna dir hervor.
Du beschämst wie Morgenröte Jener Gipfel ernste Wand Und noch einmal fühlet Hatem Frühlingshauch und Sommerbrand.
Schenke her! Noch eine Flasche! Diesen Becher bring ich ihr! Findet sie ein Häufchen Asche, Sagt sie: Der verbrannte mir.
Suleika
Nimmer will ich dich verlieren! Liebe gibt der Liebe Kraft. Magst du meine Jugend zieren Mit gewaltger Leidenschaft!
Ach! wie schmeichelt's meinem Triebe, Wenn man meinen Dichter preist! Denn das Leben ist die Liebe Und des Lebens Leben Geist.
Buch Suleika--2
Laß dein süßen Rubinenmund
Laß deinen süßen Rubinenmund Zudringlichkeiten nicht verfluchen! Was hat Liebesschmerz andern Grund, Als seine Heilung zu suchen?
Bist du von deiner Geliebten getrennt
Bist du von deiner Geliebten getrennt Wie Orient vom Occident, Das Herz durch alle Wüsten rennt; Es gibt sich überall selbst das Geleit, Für Liebende ist Bagdad nicht weit.
Mag sie sich immer ergänzen,
Mag sie sich immer ergänzen, Eure brüchige Welt, in sich, Diese klaren Augen, sie glänzen, Dieses Herz, es schlägt für mich!
O daß der Sinnen doch so viele sind
O daß der Sinnen doch so viele sind! Verwirrung bringen sie ins Glück herein. Wenn ich dich sehe, wünsch ich taub zu sein, Wenn ich dich höre, blind.
Auch in der Ferne dir so nah!
Auch in der Ferne dir so nah! Und unerwartet kommt die Qual. Da hör ich wieder dich einmal; Auf einmal bist du wieder da!
Wie sollt ich heiter bleiben
Wie sollt ich heiter bleiben, Entfernt von Tag und Licht? Nun aber will ich schreiben, Und trinken mag ich nicht.
Wenn sie mich an sich lockte, War Rede nicht im Brauch, Und wie die Zunge stockte, So stockt die Feder auch.
Nur zu! geliebter Schenke, Den Becher fülle still! Ich sage nur: Gedenke! Schon weiß man, was ich will.
Wenn ich dein gedenke
Wenn ich dein gedenke, Fragt mich gleich der Schenke: "Herr, warum so still? Da von deinen Lehren Immer weiter hören Saki gerne will."
Wenn ich mich vergesse Unter der Zypresse, Hält er nichts davon; Und im stillen Kreise Bin ich doch so weise, Klug wie Salomon.
Buch Suleika
Ich möchte dieses Buch wohl gern zusammenschürzen, Daß es den andern wäre gleichgeschnürt. Allein, wie willst du Wort und Blatt verkürzen, Wenn Liebeswahnsinn dich ins Weite führt?
An vollen Büschelzweigen
An vollen Büschelzweigen, Geliebte, sieh nur hin! Laß dir die Früchte zeigen, Umschalet stachlich grün.
Sie hängen längst geballet, Still, unbekannt mit sich; Ein Ast, der schaukelnd wallet, Wiegt sie geduldiglich.
Doch immer reift von innen Und schwillt der braune Kern; Er möchte Luft gewinnen Und säh die Sonne gern.
Die Schale platzt, und nieder Macht er sich freudig los; So fallen meine Lieder Gehäuft in deinen Schoß.
Suleika
An des lustgen Brunnens Rand, Der in Wasserfäden spielt, Wußt ich nicht, was fest mich hielt; Doch da war von deiner Hand Meine Chiffer leis gezogen; Nieder blickt ich, dir gewogen.
Hier, am Ende des Kanals Der gereihten Hauptallee, Blick ich wieder in die Höh, Und da seh ich abermals Meine Lettern fein gezogen: Bleibe! bleibe mir gewogen!
Hatem
Möge Wasser, springend, wallend, Die Zypressen dir gestehn: Von Suleika zu Suleika Ist mein Kommen und mein Gehn.
Suleika
Kaum daß ich dich wieder habe, Dich mit Kuß und Liedern labe, Bist du still in dich gekehret; Was beengt und drückt und störet?
Hatem
Ach, Suleika, soll ich's sagen? Statt zu loben, möcht ich klagen! Sangest sonst nur meine Lieder, Immer neu und immer wieder.
Sollte wohl auch diese loben; Doch sie sind nur eingeschoben, Nicht von Hafis, nicht Nisami. Nicht Saadi, nicht von Dschami.
Kenn ich doch der Väter Menge, Silb um Silbe, Klang um Klänge, Im Gedächtnis unverloren; Diese da sind neu geboren.
Gestern wurden sie gedichtet. Sag, hast du dich neu verpflichtet? Hauchest du so froh verwegen Fremden Atem mir entgegen,
Der dich eben so belebet, Eben so in Liebe schwebet, Lockend, ladend zum Vereine So harmonisch als der meine?
Suleika
War Hatem lange doch entfernt; Das Mädchen hatte was gelernt. Von ihm war sie so schön gelobt; Da hat die Trennung sich erprobt. Wohl, daß sie dir nicht fremde scheinen; Sie sind Suleikas, sind die deinen!
Behramgur, sagt man
Behramgur, sagt man, hat den Reim erfunden; Er sprach entzückt aus reiner Seele Drang; Dilaram schnell, die Freundin seiner Stunden, Erwiderte mit gleichem Wort und Klang.
Und so, Geliebte, warst du mir beschieden, Des Reims zu finden holden Lustgebrauch, Daß auch Behramgur ich, den Sassaniden, Nicht mehr beneiden darf: mir ward es auch.
Hast mir dies Buch geweckt, du hast's gegeben; Denn was ich froh aus vollem Herzen sprach, Das klang zurück aus deinem holden Leben, Wie Blick dem Blick, so Reim dem Reime nach.
Nun tön es fort zu dir, auch aus der Ferne, Das Wort erreicht, und schwände Ton und Schall: Ist's nicht der Mantel noch gesäter Sterne? Ist's nicht der Liebe hochverklärtes All?
Deinem Blick mich zu bequemen
Deinem Blick mich zu bequemen, Deinem Munde, deiner Brust, Deine Stimme zu vernehmen, War die letzt und erste Lust.
Gestern, ach! war sie die letzte, Dann verlosch mir Leucht und Feuer; Jeder Scherz, der mich ergetzte, Wird nun schuldenschwer und teuer.
Eh es Allah nicht gefällt, Uns aufs neue zu vereinen, Gibt mir Sonne, Mond und Welt Nur Gelegenheit zum Weinen.
Suleika
Was bedeutet die Bewegung? Bringt der Ost mir frohe Kunde? Seiner Schwingen frische Regung Kühlt des Herzens tiefe Wunde.
Kosend spielt er mit dem Staube, Jagt ihn auf in leichten Wölkchen, Treibt zur sichern Rebenlaube Der Insekten frohes Völkchen.
Lindert sanft der Sonne Glühen, Kühlt auch mir die heißen Wangen, Küßt die Reben noch im Fliehen, Die auf Feld und Hügel prangen.
Und mich will sein leises Flüstern Von dem Freunde lieblich grüßen, Eh noch diese Hügel düstern, Sitz ich still zu seinen Füßen.
Und so kannst du weiter ziehen; Diene Freunden und Betrübten. Dort, wo hohe Mauern glühen, Find ich bald den Vielgeliebten.
Ach, die wahre Herzenskunde, Liebeshauch, erfrischtes Leben Wird mir nur aus seinem Munde, Kann mir nur sein Atem geben.
Hochbild
Die Sonne, Helios der Griechen, Fährt prächtig auf der Himmelsbahn, Gewiß, das Weltall zu besiegen, Blickt er umher, hinab, hinan.
Er sieht die schönste Göttin weinen, Die Wolkentochter, Himmelskind, Ihr scheint er nur allein zu scheinen; Für alle heitre Räume blind,
Versenkt er sich in Schmerz und Schauer, Und häufiger quillt ihr Tränenguß: Er sendet Lust in ihre Trauer Und jeder Perle Kuß auf Kuß.
Nun fühlt sie tief des Blicks Gewalten Und unverwandt schaut sie hinauf: Die Perlen wollen sich gestalten; Denn jede nahm sein Bildnis auf.
Und so, umkränzt von Farb und Bogen, Erheitert leuchtet ihr Gesicht, Entgegen kommt er ihr gezogen: Doch er, doch--ach! erreicht sie nicht.
So, nach des Schicksals hartem Lose, Weichst du mir, Lieblichste davon; Und wär ich Helios, der Große, Was nützte mir der Wagenthron?
Nachklang
Es klingt so prächtig, wenn der Dichter Der Sonne, bald dem Kaiser sich vergleicht; Doch er verbirgt die traurigen Gesichter, Wenn er in düstern Nächten schleicht.
Von Wolken streifenhaft befangen, Versank zu Nacht des Himmels reinstes Blau; Vermagert bleich sind meine Wangen Und meine Herzenstränen grau.
Laß mich nicht so der Nacht, dem Schmerze, Du Allerliebstes, du mein Mondgesicht! O du mein Phosphor, meine Kerze, Du meine Sonne, du mein Licht!
Suleika
Ach, um deine feuchten Schwingen, West, wie sehr ich dich beneide! Denn du kannst ihm Kunde bringen, Was ich in der Trennung leide.
Die Bewegung deiner Flügel Weckt im Busen stilles Sehnen; Blumen, Augen, Wald und Hügel Stehn bei deinem Hauch in Tränen.
Doch dein mildes sanftes Wehen Kühlt die wunden Augenlider; Ach, für Leid müßt ich vergehen, Hofft ich nicht zu sehn ihn wieder.
Eile denn zu meinem Lieben, Spreche sanft zu seinem Herzen, Doch vermeid, ihn zu betrüben, Und verbirg ihm meine Schmerzen!
Sag ihm, aber sag's bescheiden: Seine Liebe sei mein Leben! Freudiges Gefühl von beiden Wird mir seine Nähe geben.
Wiederfinden
Ist es möglich! Stern der Sterne, Drück ich wieder dich ans Herz! Ach, was ist die Nacht der Ferne, Für ein Abgrund, für ein Schmerz! Ja, du bist es, meiner Freuden Süßer, lieber Widerpart! Eingedenk vergangner Leiden Schaudr ich vor der Gegenwart.