Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan

c. Trinkgeld, Mehrforderungen ignoriert man; den Bettlern im Vorhofe

Chapter 269,191 wordsPublic domain

nichts geben!--Nun wende man sich westl. durch eine der Querstraßen zum *=Paukenturm= (_Ku-lou_ [Gú-lŏū]), von Kublai Khan erbaut, dann abgebrannt und in vergrößertem Maßstabe von Yung Lo aus Ziegelsteinen neu errichtet (früher nur Holzbau). Die großen Pauken wurden früher als Alarmsignale geschlagen; eine bronzene Wasseruhr ist seit 1900 verschwunden. Schöne *Aussicht über ganz Peking, doch des schlechten Abstiegs wegen nur schwindelfreien Personen zu empfehlen. -- Gleich nördl. davon der _Glockenturm_ (Chung-lou [Djúng-lŏū]), vom Kaiser Ch'ien Lung 1740 erbaut, um eine der berühmten fünf Riesenglocken des Ming-Kaisers Yung Lo darin aufzuhängen; die Glocke wird nicht mehr geschlagen. Von der obern Terrasse gleichfalls schöne Aussicht, doch unbequemer Aufstieg. -- Nun folge man der breiten Straße, die südl. zum _Tor des irdischen Friedens_ (_Ti-an-mên_ [Di-an-mönn]) oder Hintertor (_Hou mên_ [Hŏū-mönn]) der =Kaiserstadt= führt; wenn man am Ende der Straße den Ahnentempel (Pl. 1) erreicht, biege man l., vorbei an den Leichenhallen der kaiserlichen Familie (r.; Pl. 12) und der kaiserlichen Nebenfrauen (l.; Pl. 13), zur =Reichsuniversität= (chines. _Ta-hsüeh-t'ang_ [Dà chüĕ-táng]), ein Alumnat für 500 Studenten, geleitet von einem Rektor und 7 Prorektoren für 7 Fakultäten, einige deutsche, englische, amerikanische und französische Dozenten neben vielen eingebornen Professoren, die größtenteils im Auslande studiert haben; Bibliothek, Sammlungen und Druckerei. Zur Universität gehört das _Dolmetscherseminar_ nahe dem »Östlichen Friedenstor« (1910 eröffnet für 300 Studenten). -- Westl. von der Universität erhebt sich der =Ching-shan= (Dying-schan), »Aussichtsberg«, von den Fremden nach einer alten chinesischen Sage _Kohlenhügel_ genannt, weil er angeblich aus Kohlen besteht, die für den Fall einer Belagerung Pekings dort aufgestapelt liegen sollen; in Wahrheit besteht er aus den Erdmassen, die bei Anlage der künstlichen Teiche in den Kaiserl. Westgärten ausgehoben worden sind. An einem inzwischen abgestorbenen Baum am Ostabhange des Hügels erhängte sich 1644 der letzte Mingkaiser Ch'ung Chêng (Tschúng-djong), als der Rebellenführer Li Tzĕ-ch'êng [Li Dsĕ-tschóng] die Westmauer der Tatarenstadt erstürmt hatte. Das Gebiet des Chingshan gehört zur Verbotenen Stadt und ist für Besucher unzugänglich. -- Sw. liegen die gleichfalls unzugänglichen =Kaiserlichen Westgärten= (_Hsi yüan_ [Chi-yüen]) mit den _Ssan-hai_, oder »Drei Meeren«, d. h. drei Lotosteichen. Am Nordteich der berühmte _Lamatempel_ (Pl. 23) mit Kolossalfigur eines tausendarmigen Bodhisattva Avalokitêsvara und eine Halbinsel mit weithin sichtbarer weißer _Pagode_, in deren Nähe ein Altar der Schutzgottheit des Seidenbaues errichtet ist, an dem die Kaiserin nach altem Herkommen mit den Damen des Hofstaates alljährlich einmal opfert. -- An der Südwestecke des Mittelteiches lag der seinerzeit vom Feldmarschall Grafen von Waldersee bewohnte _Palast der Kaiserinregentin_, der am 18. April 1901 einer Feuersbrunst zum Opfer fiel. An seiner Stelle stehen jetzt geschmacklose Gebäude, in denen die verstorbene Kaiserinregentin Tzĕ-hsi das diplomatische Korps in Audienz empfing. Inmitten des Südteiches liegt der von den Fremden so genannte _Inselpalast_, (Pl. 8), in dem der Kaiser Kuang Hsü 1898-1900 von der Kaiserinregentin gefangen gehalten wurde; er diente später gelegentlich zu Audienzzwecken. Die Westgärten gehören zur Verbotenen Stadt und sind nicht zugänglich. -- Zwischen Nord- und Mittelteich führt die _Marmorbrücke_ (Pl. 9) zu einer breiten Allee, die durch das »Westliche Friedenstor« aus der Kaiserstadt in die Mandschustadt führt; an der breiten Allee, von den Franzosen 1901 angelegt und Avenue Voyron genannt, liegt r. (nördl.) *_Peitang_ [Bétang], der Sitz des französischen Erzbischofs und der Lazaristenmission mit der Kathedrale _St.-Sauveur_ und mehreren Klöstern und Schulen, die während der Belagerungszeit 1900 von einer Handvoll französischer und italienischer Matrosen tapfer gegen den chinesischen Pöbel verteidigt wurden.

Die =Rote Verbotene Stadt= (unzugänglich) ist mit einer 3584 m langen rotbraunen Mauer umgeben (s. oben) und durch einen 30 m breiten Wassergraben von der Kaiserstadt getrennt; nur vier Brücken, je eine von jeder Seite, führen über den Graben. Die europäischen Truppen haben 1900 arg in der Roten Stadt gehaust und viele kostbare Kunstwerke zerstört. Gebäude, Tempel und Gärten stammen meist aus der Zeit der großen Mandschukaiser (1662-1796), doch reicht die ursprüngliche Anlage bis auf Kublai Khan (1260-95) zurück; sie haben geschweifte, reichverzierte Dächer mit gelben Ziegeln, deren Giebel mit goldenen Drachen gekrönt sind.--Am Westende der Gesandtschaftsstraße gelangt man südl. zum _Chêng-yang-men_ [Djòng-yang-mönn], dem »Tor der senkrecht gegenstehenden Sonne«, d. h. _Südtor_, von den Fremden =Kaisertor=, volkstümlich _Tchiën-mönn_, »Vorderes Tor«, genannt; die im Juni 1900 abgebrannten Turmaufbauten sind 1905/07 wiederhergestellt. Diesem mittlern Südtor der Mandschustadt liegt im N. das Haupteingangstor des Kaiserpalastes _Da-Tching-mönn_, d. h. »Tor der Großen Mandschu-Dynastie«, unmittelbar gegenüber. Weiter nach N. zu folgt dahinter ein langer Vorhof bis zum Südtor der Kaiserstadt, »Tor des himmlischen Friedens« genannt; von da führt noch ein weiterer Vorhof zwischen Anlagen und durch das »Tor der Erhabenheit«, neben dem l. der »Altar der Götter des Landes und der Feldfrüchte« (Pl. 3), r. der _Ahnentempel des Kaisers_ (Pl. 2) steht, über eine reichgeschmückte Brücke und durch das _Mittagstor_ (_Wumönn_) in die Rote Verbotene Stadt. Die großen Mittelplätze sind durch Tore und Hallen abgeteilt. Man gelangt durch das »Tor der Eintracht« (_Taihomönn_) in die »Halle der höchsten Eintracht«(_T'ai-ho-tien_ [Taì-hōŏ-dién]), dann in die »Halle der mittlern Eintracht« (_Chung-ho-tien_ [Djung-hōŏ-dién]) und schließlich in die »Halle der beschützten Eintracht« (_Pao-ho-tien_ [Bào-hōŏ-dién]); diese Hallen dienen lediglich als Repräsentationsräume bei bestimmten Staatsaktionen, so der T'ai-ho-tien zur Neujahrs- und Geburtstagsgratulation vor dem Kaiser, der Chung-ho-tien zur Aufbewahrung der Staatssiegel und der Bao-ho-tien als Prüfungshalle beim Palastexamen. Vom nördl. Vorhof der letzten Halle führt das »Tor der himmlischen Reinheit« (Pl. 3) in den _Palast der himmlischen Reinheit_ (_Ch'ien-ch'ing-kung_ [Tchiĕn-tching-gúng]), worin in der Morgenfrühe die fünf Mitglieder des Staatsrats dem Kaiser oder dem Regenten Vortrag halten. In dieser Halle finden auch seit 1901 die großen Audienzen statt, die fürstlichen Gästen oder dem diplomatischen Korps erteilt werden. Bestimmte Wohnungen des Kaisers etc. gibt es nicht. Die ewige Attentatfurcht bewirkt, daß schon seit alten Zeiten die Mitglieder der kaiserl. Familie in den weiten Palastgründen tageweise von Haus zu Haus ziehen. Die verstorbenen Majestäten wohnten in einem der Pavillons der Westgärten oder des Sommerpalastes; östl. von den Wohnungen der Nebenfrauen des Kaisers, getrennt durch das »Tor des Kriegsgottes« (Pl. 4), liegen die Wohnungen und Paläste der kaiserlichen Frauen und südl. davon die Wohnungen der kaiserlichen Kinder. Außerdem liegen im nördl. Teile der Verbotenen Stadt die Wohnungen der Dienerinnen, Eunuchen, die Seidenlager, Pelzlager, Theatersäle, Pagoden und verschiedene andre Paläste.

*_Spaziergänge auf der Südmauer_ der Mandschustadt sind sehr zu empfehlen; 1910 ist vom diplomatischen Korps ein Promenadenweg mit Ruhebänken zwischen Tchiën-mönn und Hada-mönn angelegt. Ein Aufgang zur Mauer liegt am Südende der Sodenstraße, die gegenüber der _St.-Michelkathedrale_ von der Gesandtschaftsstraße südl. führt, ein zweiter westl. vom Wassertor hinter der Russisch-Asiatischen Bank. Man geht westl. auf der Mauer bis zum Wassertor und Tchiën-mönn; östl. gelangt man über das Hadamönntor auf der Mauer am deutschen Friedhof vorbei bis zum SO.-Eckturm, dann noch 3/4 km nördl. bis zur _Kaiserlichen Sternwarte_ (_Kuanhsiang t'ai_ [G'wàn-chiang-taí]), erbaut 1279 unter Kublai, geleitet im 14.-17. Jahrh. von arabischen Astronomenfamilien, dann von den Jesuiten, deren berühmter Astronom P. Verbiest (gest. 1688 in Peking) die alten mongolisch-arabischen Instrumente durch kunstvolle, zeitgemäßere Armillarsphären, Azimutalkreise, Sextanten und einen Himmelsglobus ersetzte. Einige dieser Instrumente wurden 1901 nach Potsdam gebracht; der Himmelsglobus ist 1905 durch eine (allerdings nur 1/3 so große) Nachbildung ersetzt worden. Die Franzosen haben die von ihnen seinerzeit fortgenommenen Instrumente 1905 zurückgegeben. (Von der frühern Existenz der in Deutschland befindlichen zeugen nur die leeren Steinsockel.)--Dicht nördl. von der Sternwarte lagen die _Großen Prüfungshallen_ (_Kung-yüan_ [Ging-yüan]) mit mehreren tausend Zellen, wo alle drei Jahre aus dem ganzen Reiche die bereits doppelt geprüften Anwärter ihr Staatsexamen und »den Doktor machten«, d. h. den Titel »Chü-jên« [Dyü-jön] erwarben, der Anrecht auf die Beamtenlaufbahn gab (die alten Examina sind 1905 abgeschafft worden). Das Gebäude wurde 1900 von den fremden Truppen zerstört und wird gegenwärtig zum Bauplatz für das 1912 zu eröffnende Parlament hergerichtet. Ein deutscher Architekt baut hier das Oberhaus (_Schang-i-yüan_) und das Unterhaus (_Chia-i-yüan_) des modernen China.

Zum Besuch der =Chinesenstadt= fährt man mit Rikscha durch das Tchiën-mönn südl. in die breite, gepflasterte Tchiën-mönn-Straße, an der 2,5 km vom Tor r. der von den Fremden so genannte =Ackerbautempel=, chines. _Hsien-nung-t'an_ [Chièn-nung-tán], »Altar des ersten Ackerbauers«, d. h. des sagenhaften Kaisers Shên-nung [Schönnung] (2838-2698 v. Chr.) liegt, eine große, mit prächtigem Park und einer 3450 m langen Mauer umgebene Anlage, die vom Kaiser Chia Ch'ing [Dyiá-tching] der Ming-Dynastie (1522-67) erbaut und unter Kaiser Ch'ien Lung [Tchien-lúng] (1736-96) der regierenden Mandschudynastie erneuert wurde.

Es bestehen vier Kultusstätten: der eigentliche Altar des Shên-nung, eine Tempelhalle des Jahresgottes (Tai-sui-tien [Tai-ssōē-dién]), eine ebensolche des Planeten Jupiter (Mu-hsing-tien [Mù-ching-dién]) und die Halle Pei-tien [Bé-tièn], wo der Kaiser in jedem Frühjahr seine Kultushandlungen beginnt. Vor einer Terrasse das Feld, das der Kaiser an einem bestimmten Tag im Frühjahr mit den Prinzen des kaiserlichen Hauses, den höchsten Beamten der Stadtverwaltung und einer Anzahl der ältesten Greise Pekings eigenhändig bestellt; der Kaiser zieht mit dem Pfluge drei, die übrigen Teilnehmer an der feierlichen Handlung je eine Furche und streuen symbolisch Reis-, Weizen- und Hirsekörner darüber. Der früher benutzte kunstvolle Bronzepflug ist 1900 verschwunden und jetzt durch einen plumpen, gelb angestrichenen Holzpflug ersetzt worden. Während der Okkupation von 1900/01 diente die Tempelanlage den amerikanischen Truppen unter General Chaffee als Quartier.--Priester gibt es hier, wie in allen kaiserlichen Tempeln, nicht, da der Kaiser in diesen der einzige Priester ist. (Trinkgeld an die führenden Aufseher 10-20 c.)

Gegenüber liegt der schönste und großartigste Tempel Pekings, der von den Fremden sogen. *=Himmelstempel=, chines. _T'ien-t'an_ [T'ien-tán], »Altar des Himmels«, eine gewaltige Anlage von einer 5750 m langen Mauer umgeben, unter der Regierung des Mingkaisers Yung Lo (1403-25) erbaut; sie diente dem Kult des Himmels und der Erde, bis Kaiser Ch'ien Lung im 18. Jahr seiner Herrschaft (1754) einen besondern »Altar der Erde« (Ti-t'an [Di-tán]) im Norden Pekings vor dem Tore An-ting-mên [An-ding-mönn] erbaute.

Durch das nördl. Tor der äußern Westmauer gelangt man durch eine Allee schöner alter Zypressen zum Tore der innern Mauer. Hinter diesem erblickt man zunächst r. ein von einem Graben umzogenes Gebäude, die _Halle der Enthaltsamkeit_ (Chai-kung [Djaí-gung]), woselbst der Kaiser die Nacht vor dem Opfer fastet; sehenswerter Thronsessel im Hauptraume. -- Dann sö. zum _großen Hauptaltar_, chines. _Yüan-ch'iu_ [Yüĕn-tchió], »Runder Hügel« oder Nán-t'an, =Südaltar= genannt, ganz aus weißem Marmor erbaut und von Marmorbogen umgeben. Hier opfert der Kaiser als »Sohn des Himmels« alljährlich zur Zeit der Wintersonnenwende als Hoherpriester seines Volkes und erfleht den Segen des Himmels für das kommende Jahr. Auf der obersten Plattform werden zur Zeit des Opfers eine Anzahl Zelte aus dunkelblauem Tuch errichtet, in die auf vergoldeten hölzernen Thronsesseln die Seelentafeln des »Allerhöchsten Himmlischen Herrschers«, des Jahres, der Gestirne, der Sonne, des Mondes und der 8 kaiserlichen Ahnen des regierenden Hauses stehen. Vor allen Tafeln stehen Opfertische mit den verschiedensten Sorten von Fleisch, Wildbret, Fischen, Sämereien, Früchten und Backwerk. Während der Kultushandlung, die die kaiserliche Kapelle auf eigenartigen, kunstvoll gearbeiteten Instrumenten mit einer uralten Sakralmusik begleitet, kniet der Kaiser allein auf der obersten Plattform, während die übrigen Terrassen und der Hof mit den Prinzen und den höchsten Würdenträgern besetzt sind. Insgesamt nehmen an dem 3/4 St. vor Sonnenaufgang beginnenden Opfer mehrere hundert Personen teil, die sich schon am vorhergehenden Tag aus der Stadt dorthin begeben und teils in den ausgedehnten Wohnhausanlagen, teils in Zelten übernachtet haben. Dieser Südaltar ist der eigentliche »Altar des Himmels« und der Hauptpunkt der ganzen Anlage. Die oft gehörte Behauptung, die Chinesen hielten ihn für den Mittelpunkt der Erde, gehört ins Gebiet der vielen Fabeln, die sich während der Okkupationszeit von 1900/01 gebildet haben. -- Am Fuße des Altars stehen neun große eiserne Becken, je eins beim ersten Opfer eines jeden Kaisers der regierenden Dynastie gestiftet, in denen grobe weiße Seidenstoffrollen verbrannt werden. -- Nahe sö. vom Altar ein aus grünglasierten Ziegeln erbauter Brandopferofen (liáo-lu), in dem jedesmal ein schwarzer Stier verbrannt wird. Die zur Tempelwirtschaft gehörende Herde schwarzer Stiere kann man oft auf den weiten Grasflächen weiden sehen. -- Wenig nördl. vom Südaltar ein Pavillon, in dem die Kultusgeräte aufbewahrt werden. (Kein Zutritt!)

Man wende sich nun nördl. Auf einer mit mächtigen Steinquadern belegten breiten Terrasse gelangt man zum *=Nordaltar=, chines. _Ch'i-ku-t'an_ [Tchi-gu-tán], »Getreideopfer-Altar«, genannt; auf ihm erhebt sich ein stattliches rundes Gebäude, einer der schönsten Bauten Pekings, _Ch'i-nien-tien_ [Tchi-niĕn-dién], »Jahresopfer-Halle«, genannt. Hier pflegte der Kaiser ehemals alljährlich im Frühjahr um eine glückliche Ernte zu beten. Seitdem das Gebäude aber 1852 infolge eines Blitzschlags abbrannte, ist das Ernteopfer stets gleichfalls auf dem Südaltar abgehalten und die an Stelle der alten neuerbaute Halle nie benutzt worden. Der Pavillon nördl. davon enthält die Kultusgeräte.--Bei der Besetzung im Jahre 1900 lag die britisch-indische Kavallerie des Generals Gaselee im Himmelstempel. -- (Trinkgeld an den führenden Aufseher je 10-20 c.)

Außerdem sind in der Chinesenstadt sehenswert die Hauptgeschäftsstraße Dà-schĭ-lărl, die Buchhändlerstraße _Liu-li-ch'ang_ [Lèo-li-tscháng] mit Kuriositätenläden und sw. davon der _Buddhatempel Fà-yüan-ssé_, der älteste Tempel Pekings, 645 erbaut.--Nahe der Buchhändlerstraße ist eine sehenswerte Cloisonnéfabrik (S. 284).

Ausflug zu den kaiserlichen Sommerpalästen und in die Westberge.

Etwa 2-3 Tage, mit Nachtlager in den Klöstern am »Tempel der blaugrünen Wolke« und am Miaofengschan. Der alte Sommerpalast allein ist eine kleine Tagestour. Alle größern Ausflüge suche man in Gesellschaft zu machen, Herren zu Pferde (tägl. $ 2), Damen in Maultiersänfte (tägl. $ 4); oder in Tragstühlen, die der Gasthof besorgt; dazu nehme man Reitknechte nach Bedarf, einen Führer (tägl. $ 2), einen Koch (tägl. $ 0,75) sowie eine Pekingkarre (tägl. $ 2) mit Mundvorrat und Getränk sowie Matratzen und Decken mit. Die Gasthöfe besorgen die Ausrüstung. Unterwegs regelt der Führer alle Ausgaben. Chinesische Herbergen trifft man unterwegs.

Man verläßt die Mandschustadt durch das nordöstliche Tor, _Andingmönn_, und gelangt, den _Tempel der Erde_ (_Di-tan_) r. lassend, zum *=Gelben Tempel= (_Huang-ssĕ_), etwa 25 Min. nördl. von der Stadtmauer, einer großen Tempelanlage mit prachtvollen Marmorbauten inmitten alter Parkanlagen, von Kaiser Ch'ien Lung zu Ehren des ihn zu seinem 70. Geburtstage 1780 besuchenden Tashi Lama erbaut; er besteht aus drei Teilen; das mittlere, arg zerfallene Gebäude in halb tibetischem Stil diente dem heiligen Mann aus Tibet, der im Rang nur dem Dalai Lama nachsteht, zur Wohnung, die östl. Tempelanlage _Tung-huang-ssĕ_ [Dùng-huang-ssĕ] als Privatkapelle.

Als der Heilige 1781 an den Blattern starb, ließ der Kaiser seine Kleider westl. des Wohnpalastes beisetzen und darüber aus weißem Marmor eine schöne Pagode errichten, während der Leichnam in einem vergoldeten Sarge nach Tibet geschickt wurde. Pagoden sind buddhistische Grabdenkmäler, die in ihren fünf Hauptabschnitten die fünf Elemente darstellen und die Auflösung des Körpers in die fünf Elemente versinnbildlichen sollen. An der Pagode schöne Reliefs, die wunderbare Geburt des Heiligen, seine Lehrtätigkeit, Tod und Wiedergeburt als Buddha darstellend, 1900 leider von japanischen Soldaten arg verstümmelt. --Der Gelbe Tempel war 1861 das Hauptquartier Lord Elgins, als die Engländer und Franzosen das Tor An-ding-mèn bombardierten, durch das sie später einzogen.--Dicht östl. vom Gelben Tempel das von der chinesischen Regierung für den Dalai Lama gebaute Absteigequartier (_Dalai-lama chĭng-yung_), wo der tibetische Heilige im Jahre 1908 wohnte. Zu sehen: seine Reisewagen, sein Altar, von ihm gesegnete Gegenstände. Eintritt gegen Trinkgeld erlangbar.

10 Min. nördl. davon der kleine, unscheinbare Tempel _Tsan-tan-ssĕ_ mit den Leichen der im Yung-ho-yung verstorbenen Mönche, die hier in viereckigen, ca. 1 qm großen Holzkisten in einer der Stellung des Embryo im Mutterleibe entsprechenden Körperhaltung (buddhistische Lehre der ewigen Wiedergeburt!) aufgestapelt und gelegentlich im Vorhofe verbrannt werden. Die Aschensäcke hängen an den Wänden der Haupthalle in groben gelben Beuteln; sie werden gelegentlich nach dem Wallfahrtsort Wu-tai-schan in der Provinz Schansi geschickt und dort beigesetzt. Nur für starke Nerven, namentlich bei warmer Witterung!

Vom Oktober bis Februar pflegen die nach Peking aus der Mongolei kommenden Tributgesandtschaften in den großen Karawansereien beim Gelben Tempel abzusteigen. Daher heißt diese ganze Gegend der =Mongolenmarkt=.

Zwischen dem Gelben Tempel und der Stadt Peking liegt der alte Exerzierplatz der mandschurischen Bannertruppen, wo die kriegerischen großen Kaiser K'ang Hsi, Yung Chêng und Ch'ien Lung von einem noch zu erkennenden Sandhügel in der Mitte Heerschau hielten. Zurzeit wird hier der Bau der neuen Reichsuniversität vorbereitet (Alumnat mit Colleges nach amerikanischem Vorbild).

Zu Pferde etwa 20 Min. wnw. weiter erreicht man den =Tempel der Großen Glocke= (_Ta-chung-ssĕ_ [Dá-djung-ssĕ]) mit einer der 5 Riesenglocken, die der Ming-Kaiser Yung Lo (1403-25) gießen ließ, 1578 erbaut. Sie ist innen und außen mit dem Text einer Hymne auf Amitabha Buddha in chinesischen und Sanskritschriftzeichen bedeckt. Den besten Eindruck von der gewaltigen Größe der Glocke erhält man, wenn man sich unter sie stellt.

Wer den Umweg von 2-3 St. über den Gelben Tempel und den Tempel der Großen Glocke scheut, gelangt am besten zu den Sommerpalästen, wenn er Peking durch das Nordtor der Westmauer, das _Hsi-dschi-mönn_ [Chí-dji-mönn] verläßt. [Wer Eile hat und sich mit derselben Straße zum Hin- und Rückweg begnügt, fährt im Automobil oder Wagen die neue große Chaussee über _Hai-dien_.]--10 Min. westl. von Hsi-dschi-mönn der 1907 eröffnete _Botanische_ und _Zoologische Garten_ mit europäischem Restaurant, Teehaus und einem Absteigequartier der verstorbenen Kaiserin-Regentin. (Eintritt in die botanische und zoologische Abteilung pro Person je 8 Kupfercents, Besichtigung des kaiserlichen Hauses pro Person 20 c.; auf guter Straße in Wagen, Auto oder Rikscha bequem zu erreichen.) Vor dem Tor überschreitet man die Mongolische Bahn (S. 280). L. von einer über einen Kanal führenden Steinbrücke liegen die Bootshäuser für die kaiserlichen Dschunken, in denen sich die Majestäten auf dem Kanal von einem kleinen Raddampfer zum Sommerpalast schleppen ließen. Am vielfach gewundenen Kanal entlang schöner Weg bis zu dem von einem indischen Buddhistenmissionar in hindustanischem Stil erbauten Tempel _Wù-t'a-ssĕ_ (»Fünf-Pagoden-Tempel«), jetzt verfallen und verlassen. Nach etwa 1/2 St. neben einer Schleuse der nach 1900 wieder schön hergerichtete Tempel _Wan-shou-ssĕ_ [Wăn-shŏū-ssĕ] mit sehenswerten Höfen und Hallen.--Unmittelbar westl. daneben das Absteigequartier der Majestäten _Hsing-kung_ [chíng-gung], die hier auf der Fahrt nach dem Sommerpalast rasteten und der Schleuse wegen die Boote wechselten; sehenswert, da alle Wohnräume vollständig eingerichtet und die Höfe gegen Trinkgeld zugänglich sind.--Da der weitere Weg am Kanal entlang bald durch Militärposten versperrt wird, verlasse man den Kanalweg und biege durch den westl. vom kaiserlichen Absteigequartier gelegenen Torbogen nach N. ab. Bei dem Marktflecken _Hai-tien_ [Hai-diĕn] erreicht man die von Peking zum Sommerpalast führende Straße und gelangt auf ihr, an den neuen Kasernen der Gardedivision und den Sommersitzen der Prinzen und hohen Würdenträger vorbei, zum (15 km) sogen. *=Alten Kaiser-Sommerpalast=, _Yüàn-ming-yüán_ (»Park des Vollendeten Glanzes«), einst die Sommerresidenz des großen Ch'ien Lung (1736-96), der hier 1793 die erste englische Gesandtschaft unter Lord Macartney empfing. Der Palast wurde 1861 zur Strafe für die Gefangennahme und Ermordung der englischen Parlamentäre von den verbündeten Engländern und Franzosen gänzlich ausgeplündert (ganze Schiffsladungen von Kunstwerken gingen nach Europa) und in barbarischer Weise zerstört; die Ruinen geben nur ein schwaches Bild der vergangenen Pracht. Für den Europäer interessant sind die Überreste der von den französischen Jesuitenmissionaren nach Vorbildern von Trianon und Versailles erbauten Rokokobauten, Labyrinthe u. dergl. Der schöne Park ist »heimlich« gegen Trinkgeld von einer Seitentür an der Westmauer wieder zugänglich.-- An verschiedenen prinzlichen Sommersitzen vorbei führt die große Steinstraße weiter zum sogen. =Neuen Sommerpalast=, _I-ho-yüan_ [I-hōă-yüán, »Park des Alterfriedens«], von den Fremden nach dem in ihm liegenden Hügel _Wan-shou-shan_ [Wàn-schŏū-schăn, »Kaisersgeburtstagsberg«] genannt (Wan-shou heißt eigentlich »10000 [mal] hohes Alter«), weil der Begründer dieses Sommersitzes, Kaiser K'ang Hsi (1662-73), zum Andenken an den 60. Geburtstag seiner Mutter auf der Spitze des Hügels einen Tempel erbauen ließ. Auch diese Sommerresidenz wurde 1861 von den Engländern und 1900 von den verbündeten Truppen zerstört und ausgeplündert; sie ist neuerdings zum Teil aufgebaut und dient dem Hofe während der wärmern Monate zum Aufenthalt. (Besichtigung am 5., 15. und 25. jedes chinesischen Monats gestattet, man melde sich spätestens drei Tage vorher bei der Gesandtschaft an, der Eintritt nur gegen auf Namen des Inhabers lautende Karte gestattet; Trinkgeld pro Person $ 1, Kahnführer extra.)--Etwas westl. liegt der ebenfalls von Kaiser K'ang Hsi angelegte älteste der kaiserlichen Sommergärten _Ching-ming-yüan_ [Dyìng-ming-yüăn, »Park des ungetrübten Glanzes«], gleichfalls 1861 und 1900 zerstört, mit dem Hügel _Yü-ch'üan-shan_ [Ü-tchüen-schăn, »Berg der Nephritquelle«]. Auf der Spitze des Hügels die weithin sichtbare Pagode _Yü-fîng-t'a_ [Ü-fong-tá], von wo man eine herrliche *_=Aussicht=_ über die kaiserlichen Sommergärten, die Pekinger Ebene und in die nahen Westberge hat. Der Eintritt ist gegen Trinkgeld 50 c. (für 1-2 Pers.) unschwer zu erlangen und solchen zu empfehlen, denen Besuch des Sommerpalastes wegen Zeitmangel unmöglich.

Am Fuße des Hügels entspringt unterhalb eines Tempelchens die =Nephritquelle=, die die künstlichen Teiche der kaiserlichen Gärten, den nach Peking führenden Kanal und die Stadtgräben und Teiche der Hauptstadt bewässert, deren weiterer Abfluß dann der in den _Peiho_ [Bai-hōŏ, »Weißer Fluß«] mündende _T'ung-chou-_ [Túng-djŏū-] _Kanal_ ist. Über der Quelle die von Kaiser K'ang Hsi verfaßte Inschrift »Erste Quelle der Welt« und ein Lobgedicht des Herrschers über die Köstlichkeit des Quellwassers. -- Südl. vom Quellteiche die noch erkennbaren Grundmauern des Sommerpalastes der Kaiser der Chin [Dyin-] Dynastie (1115-1234).

Westl. vom Yü-ch'üan-shan-Hügel erblickt man in den Schluchten der =Westberge= (_Hsi-shan_ [Chi-schan]) zahlreiche malerisch gelegene Klöster und die bis zu den Berggipfeln laufenden Mauern des kaiserlichen =Jagdparkes Ch'ing-i-yüan= [Tching-yi-yüan, »Park des lautern Behagens«], gleichfalls 1861 und 1900 arg mitgenommen, aber mit seinen Ruinen und Gartenanlagen immer noch sehr sehenswert. Der anschließende Berg heißt =Hsiang-shan= [Chiáng-schan, »Duftberg«]; die Sage berichtet, daß auf diesem Berge Shun, der letzte Sproß der Liao-Dynastie, die 1125 von den Chin vernichtet wurde, begraben ist.--Unweit nördl. liegt das Kloster *=Pi-yün-ssĕ= [Bi-yün-ssĕ, »Kloster der nephritgrünen Wolken«], reich an herrlichen Marmorbauten; es wurde zur Zeit der mongolischen Yüan-Dynastie (1280-1364) gegründet, doch stammen die schönen Bauten meist aus dem 18. Jahrh., wo das Kloster ein Lieblingsaufenthalt der großen Mandschukaiser war. Einen sonderbaren Eindruck macht die _Halle der 500 Lo-han_ [Lōŏ-han], das sind buddhistische Heilige; 500 überlebensgroße, aus Lehm geformte und vergoldete Figuren sitzen an den Wänden und in der Mitte einer ausgedehnten Halle. In einer Seitenhalle sind Hölle und Paradies in Tonfiguren dargestellt, die 18 Martern und 9 Belohnungen im Jenseits. Am Fuß der Berge von Pi-yün-ssĕ und Hsiang-shan ein Besichtigungsplatz der alten Mandschutruppen mit Pavillon des Kaisers, Beobachtungsterrasse der Kommandanten am Ende der Bogenschießbahn und einer Stadtmauersilhouette für Eskaladierübungen.--NW. von Pi-yün-ssĕ, von Bäumen halb verdeckt, liegt das schöne Kloster _Yü-huang-t'ing_.

Weiter nö. liegt in einem Seitental das =Kloster Wo-fo-ssĕ= [Wōŏ-fōŏ-ssĕ], das »Kloster des liegenden Buddha« mit der Kolossalfigur des Buddha moribundus, die den geschichtlichen Gautama Buddha Sakhyamûni in dem Augenblick seines Eingehens in das Nirwana darstellt. -- Nö. das Kloster =Yi-kuan-ssĕ= [Yi-gūăn-ssĕ], in dessen Nähe das Grab des nicht anerkannten Ming-Kaisers Ching Ti [Dyíng-di], der sich 1450-57 der Herrschaft bemächtigt hatte, nachdem sein Bruder, der Kaiser T'ien Shun [Tiĕn-schún] in der Schlacht bei T'u-mu-pu als Gefangener in die Hände der Mongolen gefallen war. -- Nw. von Yi-kuan-ssĕ in einer Schlucht das sehenswerte Kloster =Pao-tsang-ssĕ= [Bào-dsang-ssĕ], 1439 von einem Lama aus Tibet gegründet, Sommerquartier der Eunuchen des Palastes. -- Auf den anliegenden Bergabhängen fallen einige sonderbare Bauwerke in tibetischem Stil auf; sie sind von Kaiser Ch'ün Lung errichtet, bevor er die Eroberung Tibets begann, damit sich seine Gardetruppen im Erstürmen hochgelegener tibetischer Häuser üben sollen. Die Chinesen nennen diese Bauten _Hsi-tsang-tien_ [Chi-dsung-diĕn, »Tibetische Hallen«].

Südl. von allen bisher genannten Klöstern liegt am Abhange der Westberge die Klosteranlage =Pa-ta-ch'u= [Bà-da-tschú] mit den Sommerquartieren der englischen Gesandtschaft.

Hat man mehrere Tage zur Verfügung, so empfiehlt sich auch folgende Tour:

1. Tag: Von Peking an den kaiserlichen Sommergärten vorbei über _Wang-êrh-shan_ [Wàng-örl-schan] (schwieriger Paß! sonst Umweg um den Berg herum) nach _Hei-lung-t'an_ [Hè-lung-t'án, »Teich des Schwarzen Drachen«] mit Tempel und hübschem Quellteich. Hier Frühstück. Dann weiter über das Kloster _Wên-ch'üan-ssĕ_ [Wö̆n-tchüĕn-ssĕ, »Tempel der warmen Quellen«] mit heißen Schwefelquellen und primitiven Badeeinrichtungen, nach dem schönen Kloster _Ta-chüeh-ssĕ_ [Dá-dyüĕ-ssĕ, »Tempel der großen Erleuchtung«], früher Sommerquartier der deutschen Gesandtschaft.

2. Tag: Zu Fuß mit Führer auf ziemlich beschwerlichem Bergpfad (zweimaliger Auf- und Abstieg) in etwa 4-6 St. nach dem berühmten Wallfahrtsort =Miao-fêng-shan= [Miāŏ-fong-schăn], wo man am besten übernachtet; rüstige Fußgänger können auch nach Ta-chüeh-ssĕ zurückkehren.

3. oder 4. Tag: Zurück nach Peking.

Empfehlenswert ist auch die folgende oft erprobte Tour:

1. Tag: Entweder zu Pferde von Peking über _T'áng-shan_ (Besichtigung der Quellen, des kaiserlichen Gartens und Frühstück) nach _Ch'an-p'ing-chou_ [Tschàng-ping-djŏū], wo leidliches chinesisches Gasthaus, oder mit der Mongolischen Bahn nach _Nankou_ und von dort zu Fuß oder mit Esel nach _Ch'ang-p'ing-chou_.--2. Tag: Besichtigung der _Ming-Gräber_ (S. 296). Frühstück am besten mitnehmen und Picknick bei den Gräbern. Dann am Fuße der Berge entlang nach _Nankou_ (S. 295).--3. Tag: Durch den sogen. _Nankou-Paß_ bis zur _Großen Mauer_ (S. 296). Aufstieg auf der l. Seite, da r. die Mauer teilweise zerstört ist. Frühstück in einem der Türme, dann zurück nach (ca. 20 km) _Nankou_. --4. Tag: Mit der Bahn zurück nach Peking oder zu Pferde am Fuße der Westberge entlang nach dem Kloster _Ta-chüeh-ssĕ_ (s. oben).-- 5. Tag: An den kaiserlichen Sommergärten vorbei zurück nach Peking (vgl. oben).

Ausflug nach der Großen Chinesischen Mauer und den Minggräbern.

Vgl. den Karton auf Karte S. 275.

Man rechne 2-3 Tage. 1. Tag: =Eisenbahn= (Mongolische Bahn, 1909 bis Kaigan, 1911 bis Suiyüen, 510 km von Peking, eröffnet. In Kalgan _Railway Hotel_ wie in Nankou; Fahrzeit 11 St., Fahrpreise Peking-Kalgan: I. Klasse $ 8,10, II. Kl. $ 5,40; Bahnhof vor dem NW.-Tor Hsi-dschi-mönn, wohin mit Auto, Wagen oder Rikscha) tägl. früh etwa 8,40 Uhr (Fahrplan ändert oft!) in 3 St. bis _Ching-lung-chiao_ (Tching-lung-tchiāo) am Fuße der Großen Mauer (der Aussicht wegen stelle man sich auf die vordere Plattform, die Lokomotive schiebt, mehrere Tunnels). Von hier geht man etwa 1/2 St. bis zum Tor der Mauer. Rückfahrt mit der Bahn 6,43 Uhr Nm. ab Ching-lung-chiao (oder auf von Nankou aus vorausgeschickton Eseln) nach (44 km von Peking) =Nankou=, wo man im _Railway Hotel_ (gelobt, Pens. $ 6) übernachtet. -- 2. Tag: Früh 1/2-5 Uhr auf Eseln zu den Minggräbern, zum Tiffin ins Hotel zurück und 12,30 Uhr Mitt. Eisenbahn zurück nach Peking. -- Ausrüstung wie S. 291 beschrieben.

Der Ausflug führt in das nordwestl. von Peking sich hinziehende Gebirge, den _Nankouschan_, das infolge der rostförmigen, durch Bruchbildung entstandenen Anordnung seiner Höhen dem Verkehr und im besondern der großen Karawanenstraße, die von Peking über Kalgan durch die Gobi nach Urga, der Hauptstadt der Mongolei, und weiter über Kjachta nach Sibirien (und Europa) führt, große Schwierigkeiten bereitet. Auch der Bau der Bahn von Peking über den Nankoupaß nach Kalgan hat technisch große Schwierigkeiten verursacht. Anderseits besitzt Peking im Nankouschan eine starke natürliche, durch die Große Mauer noch künstlich verstärkte Sicherung. Der Warenaustausch zwischen China und der Mongolei, der früher ausschließlich und auch heute noch größtenteils durch Kamelkarawanen, erfolgt, ist sehr bedeutend; die Mongolei liefert an China vor allem die Produkte ihrer Viehzucht, China der Mongolei in erster Linie Tee. -- Bis Nankou ist die Gegend eine einförmige Ebene, dann beginnt ein landschaftlich schönes Tal. Die Berge sind baumlos.

Man verläßt die Mandschustadt durch das NW.-Tor _Têschêng-mên_ [Dōĕ-schong-mönn, »Tor der siegreichen Tugend«], am Gelben Tempel (S. 291) und weiter nördl. am alten Mongolenwall _T'u-ch'êng_ [Tú-tschong] des Khan Balik vorbei durch sandige Gegend über (10 km) _Ching-ho_ [Tsching-hōŏ], nw. nach (23 km) =Sha-hô= [Schá-hōŏ, »Sandfluß«], mit chinesischer Herberge; vorher über eine schöne Marmorbrücke und hinter dem Ort eine siebenbogige Brücke. Die Straße, auf der man malerische mongolische Kamelkarawanen sieht, führt nnö. weiter, vorbei an (36 km) =Ch'ang-p'ing-chou= [Tschăng-ping-djŏū] (gute chinesische Gasthäuser), einer großen, alten, mit hohen Mauern umgebenen Kreishauptstadt.--Von hier aus kann man auf bequemem Weg (7 km nördl.) die _Minggräber_ (S. 296) erreichen, doch empfiehlt es sich, zunächst über (44 km) Stat. =Nan-kou= [Nán-kŏū] (210 m; Quartier im neuen _Railway Hotel_, am Bahnhof, gelobt, Pens. $ 6) zu fahren. Die Bahn fährt weiter; nach dem ersten Drittel des Passes vorbei an der Talsperre =Chü-yung-Kuan= [Dyü-yung-gwan] (200 m); dort ein Torturm (1258 erbaut), auf dem Hindureliefs, Buddhafiguren und siebenköpfige Schlangen und zwei Inschriften von 1345 in sechs Schriften: Sanskrit, Tibetanisch, Mongolisch, Uigurisch, Nuchên und Chinesisch.--Etwa 4 km aufwärts liegt die zweite Talsperre =Shang-kuan= [Scháng-kwan] (450 m). Etwas weiter aufwärts tauchen die ersten Bruchstücke der Großen Mauer auf. Vom Bahnhof _Ching-lung-chiao_ (s. oben) erreicht man zu Fuß in ca. 1/2 St. die Paßhöhe =Pataling= (=Nankoupaß=) [Bà-da-ling, »die acht großen Berggipfel«], 633 m ü. M., wo die _Große Mauer_ den Paß kreuzt.

Die =Große Chinesische Mauer= (_Wanlitschangtschöng_ = Mauer von 10000 Li, d. h. chinesischen Meilen, mongolisch _Jagan Kerme_ = weiße Wand), das mächtigste Bauwerk der Erde, 2450 km lang, ist in drei Zeitabschnitten erbaut, zuerst zur Zeit der Punischen Kriege (von dieser Mauer sind nur Reste übrig), dann zur Zeit Karls des Großen als »äußere Mauer« von Schanhaikuan (S. 329) bis zum Hoangho, den sie auf nahezu 40° nördl. Br. an der Grenze der Mongolei erreicht, von wo sie in sehr unregelmäßiger Linie westl. läuft und jenseit Kantschou auf etwa 39° nördl. Br. und 100° östl. L. in der Provinz Kansu endet. Diese Mauer ist nw. und nördl. von Peking doppelt (die Mauer bei Pataling ist im 15. Jahrh. von den Ming gebaut), so daß man etwa 130 km nw. von Pataling bei _Kalgan_ nochmals auf eine Mauer trifft, von der aber nur noch Ruinen der Wachttürme erhalten sind. Außerdem lief eine zur Zeit Rudolfs von Habsburg von einem Mingkaiser erbaute, jetzt gänzlich verschwundene »innere Mauer« von Schanhaikuan nö. durch die Mandschurei als Palisadenwall. Die Mauer ist überall etwa 16,5 m hoch, unten 8 m, oben 5 m und mehr breit, mit guter Straße auf ihrer Plattform, mannshoher Brüstung auf beiden Seiten und regelmäßige Zinnen, Basteien und etwa alle 100 m Wachttürme; die Mauer windet sich malerisch über Bergkämme (bis 1700 m ü. M.), durch Täler und Abgründe. Jetzt stehen die Tore der Mauern offen und unbewacht; stellenweise liegen alte Geschützrohre in den Wachttürmen. Zweck der Mauer war der Schutz gegen Einfälle der Hunnen und Mongolen.

Man besteige die Mauer westl. (l.) vom Tor, Aufstieg bei der eingestürzten Stelle, gehe dann etwa 1/2 St. bis zum höchsten Wachtturm, von dem man prächtige *Aussicht über die Mauer, den Engpaß und die Gebirge hat. Etwa 4 km nö. unterhalb der Mauer liegt die ummauerte Stadt =Ch'a-tao= [Tschá-dao] (491 m; Herberge), wo man zur Not übernachten kann.

Von da führen die Eisenbahn und eine Karawanenstraße nach =Kalgan= (_Tschangkiakou_; 200 km von Peking), 825 m ü. M., etwa 70000 Einw.; Kalgan ist wichtiger Handelsplatz an der äußern Doppelmauer, an der Handelsstraße nach _Kjachta_, dem alten Überlandweg von Europa nach Peking. Die Mongolische Bahn, die durch die Mongolei hindurch an das sibirische Eisenbahnnetz angeschlossen werden soll, war Mitte 1911 bis _Suiyüen_, 290 km über Kalgan hinaus, betriebsfertig.

Nach Besichtigung der Mauer kehre man nach _Nankou_ zurück (20 km von Pataling), wie oben angegeben, übernachte hier und reite am nächsten Morgen am Fuß der Berge östl. 8 km zu den *=Minggräbern= (_Mingling_). Sie liegen, je etwa 1 km voneinander entfernt, in einem halbkreisförmigen Tal am Fuße der dieses einschließenden Berge. Die Straße dorthin ist prachtvoll geschmückt durch Marmortore und überlebensgroße Marmorstatuen.

Der erste *Torbogen (1541 erbaut) gilt als einer der schönsten Chinas und ist mit sehr feinen Marmorskulpturen geschmückt. Jenseits einer halbverfallenen Brücke erreicht man einen großen roten Torbogen, _Ta-hung-mên_ [Dà-hung-mö̆nn, »Großes Rotes Tor«]. Von hier führt ein mit Steinfliesen belegter Weg (1537 angelegt) zum dritten Torbogen, der von 4 Drachensäulen getragen wird (1426 erbaut); hinter ihm beginnt eine seltsame, mit Steinbildern besetzte Straße, zwischen jedem Paare sind etwa 50 Schritt Zwischenraum; den Anfang machen 4 Löwen, 4 Einhörner, 4 Kamele, 4 Kilin (Fabeltiere) und 4 Pferde, dann folgen 12 Menschenfiguren, und zwar 4 Militärmandarine, 4 Zivilmandarine und 4 Priester. Wieder schließen sich Torbogen an; dahinter liegt mitten zwischen hohen Bäumen der große Grabtempel *=Ch'ang-ling= [Tschang-ling] des Kaisers Yung Lo [Yung Lōŏ], 1403 bis 1425, von hoher Mauer umgeben (Einlaß $ 1 dem Wächter). Zwölf andre, kleinere Kaisergräber und viele Gräber kaiserlicher Frauen, Nebenfrauen, Prinzen u. Prinzessinnen (zus. über 30) liegen, ebenfalls mit Grün geschmückt, in der Umgebung des großen Grabtempels. Der Eingang zum Tschang-ling, ein dreifaches Tor, führt in einen Vorhof, von dem Marmortreppen durch Torbogen in eine riesige Tempelhalle mit 40 rotlackierten, 10 m hohen und 1,3 m dicken Holzsäulen führen, in deren Mitte eine Ahnentafel steht. Dahinter liegt noch ein Hof mit Torbogen und Altar sowie mehreren Blumenvasen und Marmorkandelabern, an dessen Hinterwand ein viereckiger Turm vor einem runden Grabhügel steht. Das Grab liegt vermauert in einem kleinen hohen Tempel mit geschweiftem Dach; von beiden Seiten führen ansteigende Marmorgalerien empor zum ersten Stock des Tempels, der über dem Grab ein Gemach mit Riesengedächtnissäule trägt.

Rückweg nach Nankou (Rückfahrt nach Peking oder Weiterfahrt nach Chinglungchiao oder Kalgan mit Bahn) oder, falls Reittier oder Sänfte zur Verfügung, bis zum ersten Torbogen, dann südl. etwa 7 km auf bequemem Weg nach _Ch'ang-ping-chou_ (S.295), wo man übernachten kann, falls man nicht Zeit hat, noch bis _Schaho_ (Bahnstation 20 km südl. von den Minggräbern) zu reiten.--Lohnend ist auch am vierten Tage der Weg von Ch'ang-ping-chou sw. nach (etwa 15 km) =T'ang-shan= (»Berg der warmen Quelle«), Dorf am Fuß des gleichnamigen Berges, Quartier im Dorftempel. Dabei liegen die Gärten und Ruinen eines Palastes des Kaisers King Hsi, in denen eine heiße Schwefelquelle von mehr als 50° C entspringt; die Quelle ergießt sich in zwei mit Marmorbalustraden umgebene Becken, in denen man baden kann. In der Nähe sehenswerte Reste des Palastes. --Rückweg über Schaho (von da mit Bahn) oder direkt nach (etwa 45 km) _Peking_, Andingmönn (S. 291).

Ausflug nach Jehol (Tschöngtöfu).

Vgl. die Karte bei S. 271.

Man rechne etwa 10 Tage, sorge in Peking für gute Reittiere und kräftige Zugtiere für die Gepäckkarren, nehme Feldbetten, reichlich Konserven und Getränke mit; als Geld Peking-Dollars und Kleingeld.--Die Unwegsamkeit des Gebirgslandes im N. und W. von Peking tritt auf diesem Ausfluge noch weit stärker in Erscheinung als auf dem Wege nach dem Nankoupaß.

_=1. Tag=_: früh 6 Uhr Aufbruch, durch das Nordosttor der Tatarenstadt Peking, Tungtschimönn, auf staubiger, schlechter Kunststraße in nnö. Richtung durch eintönige Gegend in 4 St. nach (14 km) _Sunho_ (Frühstücksrast); 2 km hinter Sunho über den Fluß _Wenyüho_, dann r. an der ummauerten Kreisstadt (30 km) _Schunyi_ vorbei zur Kleinstadt (37 km) _Niulanschan_, wo die Berge, die die Pekinger Ebene nach N. abschließen, näher an die Straße herantreten; Nachtquartier im chinesischen Gasthaus des Dorfes (48 km) _Taloschan_ (_Da-lo-schan_).

_=2. Tag=_: 7 Uhr Aufbruch, auf schlechtem Weg, der sich den östl. Bergen nähert, zur Kreisstadt (60 km) _Miyün_, durch deren Osttor man weiter nach (72 km) _Mengtschiaying_ (_Mudsia-yü_) gelangt (Mittagsrast bis 2 Uhr); Nm. erreicht man die Berge und passiert den ersten Rücken. Der Weg bleibt nahe westl. vom Fluß _Tscháuho_. Nachtquartier im chinesischen Gasthaus der ummauerten Kleinstadt (93 km) _Schihsiatschĕng_ (158 m ü. M.).

_=3. Tag=_: 6 Uhr Aufbruch, durch das Nordtor auf steinigem Weg; viel Geröll und sehr steile Hohlwege, so daß die Karren mit Mühe hinaufkommen; nach 3 St. Eintritt in das Gebirge _Heischan_, auf dessen Kamm man die Türme der =Großen Chinesischen Mauer= (S. 296) erkennt. Der Weg führt bergan durch großartige Landschaft über einen Paß (232 m), dann bergab zum Tal des Flusses Tscháuho: 15 km von Schihsiatschĕng tritt der Weg an das r. Ufer, man setzt mit Fähre über den hier 3/4 km breiten Tscháuho und erreicht nach weitern 2 km die malerisch am steilen l. Ufer gelegene ummauerte Kleinstadt (111 km) *=Kupeikou= (_Gubei-kóu_); hier Frühstücksrast. Unmittelbar hinter der nördl. Vorstadt von Kupeikou tritt die Große Mauer im Engpaß dicht an beide Flußufer heran; man kann ihre großartigen Windungen über den Gebirgskamm weithin überschauen, trotzdem sie teilweise stark zerfallen ist. Durch die Mauer dicht am l. Flußufer führt die Straße in die Mongolei, deren Südostzipfel staatlich zur chinesischen Provinz Tschili rechnet. Durch ein steiniges, kahles Tal, von mächtigen Bergen eingeschlossen, belebt von Kamelkarawanen, Reihern und Raubvögeln, gelangt man vorbei am zerfallenen chinesischen Schloß _Lienhsienfeng_ nach (143 km) _Schanschykoa_; hier Nachtquartier in einfacher Herberge.

_=4. Tag=_: 6 Uhr Aufbruch, auf felsiger Straße steil (bis 30 und 35° Steigung) bergan in engem Tal; neben der Straße führt der Telegraph nach Jehol. Bei einem schwierigen Paß in der wilden Landschaft muß die Karre abgeladen, das Gepäck getragen werden; dann wird ein freundlicheres Tal durchquert und wieder ein steiler Paß in felsiger Landschaft (898 m hoch) überschritten. Weiter bergab und bergauf, an tief eingeschnittenem Flußbett entlang und durch großartige Schluchten nach der Kreisstadt (178 km) _Lwanping_; hier Nachtquartier im chinesischen Gasthaus. Vor der Stadt ein europäisches Steindenkmal für Missionare (1900 ermordet). Nachts hört man die Glocken durchziehender Karawanen.

_=5. Tag=_: 6-1/2 Uhr Aufbruch durch das Osttor; gleich hinter der Stadt überschreitet man den Fluß _Lwanho_ auf 80 m langer, primitiver Brücke. Dann führt die in den Felsen eingeschnittene Straße in großartiger Berglandschaft sehr steil bergauf über einen Paß und ebenso steil bergab (Karrenräder feststellen!) durch Wald in ein gut bebautes Tal. Gegen 10 Uhr sichtet man den kaiserlichen Park, der Jehol krönt, nach 1 St. erreicht man (206 km) =Jehol= (_Dschehol_, chin. _Tschöngtöfu_), sehr alte Präfekturstadt mit angeblich 250000 Einw., Sitz eines Tatarengenerals und eines Futai (beiden schicke man Visitenkarte); die frühere Sommerresidenz der Mandschukaiser, ein prächtiger Palast in großem Park mit herrlichen Bäumen auf einer Anhöhe über der Stadt, ist nicht zugänglich. Sehr sehenswert ist der gut erhaltene großartige =Lamatempel=, vom Kaiser K'ang Hsi (1662-1722) im Stil des Palasttempels von Potala in Lhassa (Tibet), der Residenz des Dalai Lama, erbaut; die Dächer der Tempelanlage sind teils vergoldet, teils mit kaiserlichen gelben Ziegeln gedeckt; die gut erhaltenen Wände sind mattrot. (Der Besuch dieses Tempels entschädigt reichlich für die Mühen der Reise; vgl. _O. Franke_, Beschreibung des Jehol-Gebiets [Leipzig 1902].)

_=Rückreise=_: Reittiere und Karren schickt man am besten nach Peking zurück, um selbst in offenem Boot (tägl. $ 5) mit Platz für ein Feldbett, 3 Ruderknechte und einen Diener (Boy) zurückzureisen. Das Boot mietet man in Jehol (oder 10 km sö. am Fluß Lwanho beim Ort _Wang-ba-gr_, an begangener Karawanenstraße). Die Bootsfahrt talwärts des Lwanho ist sehr interessant, führt anfangs durch enge Felsschluchten (ähnlich dem Yangtse oberhalb Itschang, vgl. S. 262), passiert die Große Mauer beim Dorf _Pantsiakou_ mit starken Windungen, gelangt dann in ein breiteres Tal, vorbei an der ummauerten Stadt _Tsienan_; unterhalb der großen Stadt _Yungpingfu_ treten die Berge wieder dicht an den Fluß, der bei Lwantschou die Küstenebene erreicht. Je nach Wasserstand und Stromgeschwindigkeit gelangt man in 3-6 Tagen zur Bahnstation _Lwantschou_ (S. 329) der Nordchinesischen Bahn, von wo man in etwa 4 St. nach Tientsin (S. 275) fährt.

Von Peking nach Hankau.

(Vgl. die Karten bei S. 271 u. 215.)

Die =Peihan-Eisenbahn= (_Imperial Peking Hankow Railway_, auch _Ching-Han Railway_ genannt), 1209 km, tägl. Frühzug (gegen 7 Uhr) in 12-1/4 St. bis Tschangtöfu (von da Frühzug in 10-3/4 St. bis Tschoumatien, von da wieder Frühzug in 10 St. bis Hankau, also 3 Reisetage). Jeden Di. Expreßzug mit Schlafwagen in 30 St., ab Peking früh 9,20, an Hankau Mi. 3 Uhr Nm.; Fahrpreis für den Expreßzug Peking-Hankau I. Kl. $ 65,40, II. 43,60; für gewöhnliche Züge I. Kl. $ 43,50, II. 29. Abfahrt vom Bahnhof der Ching-Han [Dying-Han], d. h. Peking-Hankau-Bahn, westl. vom Kaisertor.

Die Bahnlinie führt am Westrande der Großen Ebene entlang, nahe dem mauergleichen Randabfalle des westl. Gebirgslandes, der bis zum Hoanghodurchbruch südwärts als _Taihangschan_ bezeichnet wird; er ist dadurch entstanden, daß der östl. Teil des einst weiter ausgedehnten Gebirgslandes in die Tiefe sank; die Große Ebene befindet sich jetzt an seiner Stelle. Der Gebirgsrand wird von den Flüssen in engen Schluchten durchbrochen und bereitet dem Verkehr zwischen dem Westen und dem Osten (auch dem Bau der Bahn nach Tayüenfu) große Schwierigkeiten; als Verkehrsweg sehr wichtig ist infolgedessen der _Hoanghodurchbruch_, der zwar der Schiffahrt wenig Nutzen, aber Raum für eine große Verkehrsstraße bietet und jetzt auch schon von einer Bahnlinie benutzt wird. Die Große Ebene greift hier in einem spitzen Winkel ins Gebirgsland ein. Wie die Berge waldlos und kahl, so ist auch die Ebene in ihrem nördl. Teil steppenhaft und außerhalb der zahlreichen Dörfer fast baumlos. Je weiter man aber nach S. kommt, um so freundlicher wird die Landschaft; schon in der Gegend des Austritts des Hoangho aus dem Gebirge, einer der fruchtbarsten und dichtest besiedelten in ganz China, wechseln die Felder der Chinesen vielfach mit Baumgruppen, Obstpflanzungen, Gräberhainen u. dgl., dann werden am südl. Honan die subtropischen Hartlaubpflanzen immer häufiger, Teestrauch und Bambus erscheinen, und das Landschaftsbild nähert sich dem Südchinas immer mehr. Die Bahn führt hier an den östl. Ausläufern des Tsinlingschan (S. 300) entlang und übersteigt schließlich das Hwaigebirge (Hwaijangschan), das, wie S. 215 angegeben, als Fortsetzung des Tsinlingschan das östl. Nord- und Südchina scheidet, und erreicht bald darauf Hankau.

Die Bahn tritt aus der Chinesenstadt beim Tore _Hsipienmön_ (Chí-biĕn-mö̆nn) zwischen dem _Tempel des himmlischen Friedens_, T'iĕn-ning-ssĕ, (l.) mit zwölfstöckiger Pagode, der ältesten in Peking, in schönem Park, und dem taoistischen _Kloster der Weißen Wolken_, To-yün-kuan, (r.), fährt bei (7 km) _Wanghailóŭ_ am Rennplatze (l.) vorbei und überschreitet auf 450 m langer, 15bogiger Brücke den Hunho; l. sieht man in 5 km Abstand die sogen. *=Marco Polo-Brücke=, von dem berühmten venezianischen Reisenden Marco Polo zuerst beschrieben (chines. _Lu-kou-ch'iao_ [Lú-gōŭ-tschiáo, »Schiffgrabenbrücke«]), 1189-94 aus Marmor erbaut; sie hat 11 Bogen und trägt auf dem Steingeländer je 140 Säulchen mit Löwenfiguren auf jeder Seite; die Brückenköpfe bilden zwei Pavillons mit gelben Ziegeldächern, unter denen kaiserliche Inschriften auf Tafeln stehen. -- Bei (21 km) _Ch'ang-hsin-tien_ (Tschàng-chin-diĕn) sind die Eisenbahnwerkstätten. --Von hier Ausflug auf Eseln in 3 St. zum _Kloster Chich-tai-sze_ [Dyīĕ-tai-ssĕ], aus der Zeit der Tang-Dynastie (8. oder 9. Jahrh.), mit breiten Terrassen, alten Bäumen und interessanten Tempeln am Gebirgshang; es ist jetzt Sommerquartier der deutschen Gesandtschaftswache. (Von hier 2 St. zu Esel zum Kloster _Tan-chê-sze_ [Tàn-djōĕ-ssĕ].) Eisenbahn weiter über (31 km) _Lianghsiang-hsien_ [Liang-chiang-chiĕn], Kreishauptstadt, und über (64 km) _Cho-chou_ [Djōŏ-djŏū], eine sehr alte, um 200 v. Chr. gegründete Stadt mit großen Mauern, nach (84 km) _Kao-pei-tien_ [Gàŏ-bê-diĕn].

=Zweigbahn= von hier nach (35 km) _Liang-yu-chuang_ ([Liàng-yō-djwáng]; bei diesem Tempel steht der Sarg des 1908 verstorbenen Kaisers Kuang Hsü bis zur endgültigen Beisetzung vorläufig aufgebahrt. Das ca. 6 km davon gelegene Mausoleum [sehr interessante Bauart!] soll in etwa 4 Jahren fertig sein); dann zu Esel etwa 1 St. nach *=Hsiling= [_Chi-ling_], den »Westgräbern« der herrschenden Dynastie (Besichtigung gestattet), wo man beim Kommandanten Meh-dajen gegen Gastgeschenk (Wein, Kaffee, Sekt, Zigaretten) gute, saubere Unterkunft im Fremdenzimmer findet; zum eignen Gebrauch Feldbett und in der heißen Zeit Moskitonetz mitnehmen. Wer Zeit hat, sollte im Frühling oder Herbst mehrere Tage auf den sehr lohnenden Ausflug verwenden. Dann mit Pony durch schöne Landschaft bergan zum _Tze-ching-kuan_ [Dsĕ-dying-gwăn] mit Gasthaus und Tempel; von der Mauer des Passes (501 m) *Aussicht auf die Große Mauer (S. 296). Hier fanden am 28. und 29. Okt. 1900 Gefechte deutscher Truppen unter Major v. Förster statt. (Von Hsi-ling bis Tze-ching-kuan und zurück sind 40 km, also eine anstrengende Tagestour; nur mit Pony, den man aus Peking mitbringen muß.)

Die _=Hauptlinie=_ läuft von Kaopeitien über (92 km) _Tinghsinghsien_ und (122 km) _An-su-hsien_ nach (146 km) =Paotingfu= [_Báu-ding-fu_], Hauptstadt der Provinz Tschili, mit 80000 Einw.; die Stadt ist seit 1402 mit Mauern umgeben und hat seit 1901 eine Universität.-- Eisenbahn weiter über (178 km) _Wangtuhsien_ nach (262 km) =Tschöngtingfu= [_Dschĕng-ding-fu_], einer großen, mit Mauern umgebenen Kreisstadt, Sitz eines Bischofs der katholischen Lazaristenmission und des sehenswerten Klosters _Tafouo_, erbaut 586, mit großem bronzenen Buddhastandbild, einer großen Gebetmühle, sehr alten Wandgemälden und einem Standbilde der Göttin der Fruchtbarkeit.

=Zweigbahn.= Von Schikiatschwang bei Tschöngtingfu führt eine schmalspurige Gebirgsbahn (_Cheng-Tai Railway_) durch den Südzweig der Großen Mauer in etwa 1000 m Paßhöhe und durch die malerischen Landschaften des unwegsamen Taihangschan über _Pingtingtschou_ (950 m) und _Schouyang_ (1480 m) nach (243 km) =Taiyüenfu= (930 m), mit etwa 250000 Einw., am Fönnho, einem Nebenfluß des Hoangho, am Nordrand eines fruchtbaren, lößerfüllten Talbeckens, Hauptstadt der Provinz Schansi, mit berühmten Unterrichtsanstalten, Kunststickereien, Weinbau und Waffenfabriken.

Die =Provinz Schansi= enthält gewaltige Eisen- und Kohlenlager, die aber aus Mangel an Verkehrsmitteln noch fast nicht ausgebeutet werden können; auch der Ackerbau steht wegen der hohen Meereslage nicht sehr in Blüte. Trotzdem wohnen in Schansi die reichsten Leute Chinas, da seine Bewohner den Warenaustausch zwischen Südchina und der Mongolei vermitteln (eine wichtige Handelsstraße, auf der unaufhörlich Kamel- und Maultierkarawanen mit Salz, Tabak, Mehl etc. verkehren, durchzieht die Provinz von N. nach S.) und dadurch einen sehr regen Handelsgeist erworben haben; sie leben daher in ganz China als Bankiers (Angehörige der »Schansigilde«) und kehren später als reiche Leute zurück. Landschaftlich ist die Gegend von Taiyüenfu schon richtiges, gelbes Lößland.

Die _=Hauptlinie=_ fährt von Tschöngtingfu über _Schuntöfu_, eine alte, mit Mauern umgebene Stadt, dann über (507 km) _Tschangtöfu_ und _Weihweifu_, kreuzt bei (614 km) _Hsinhsiang_ die Bahnlinie von Taokou nach _Tsinghua_, den Kohlengruben der Provinz Schansi, und erreicht nahe vor (694 km) _Tschöngtschou_ (_Chengchow_) den _Hoangho_, der auf einer 2700 m langen Brücke überschritten wird. In Tschöngtschou kreuzt die Hauptbahn die Bahnlinie von Kaiföngfu nach Honanfu (_Pienlo Railway_ genannt, der Anfang der großen chinesischen Mittellandbahn [_Central Trunkline_], die ostwärts nach Tschinkiang [S. 255], westwärts über Tschöngtu [S. 263] und Suifu [S. 263] bis Yünnan geführt werden soll).

Tschöngtschou liegt an der Stelle, wo der Hoangho, der oberhalb zwischen hohen senkrechten Lößwänden fließt, von diesen verlassen wird, wo also die untere, durch die häufigen Laufverlegungen berüchtigte Strecke des Stromes beginnt. Hier war es denn auch, wo am 28. Sept. 1887 der angeschwollene Hoangho den rechtsseitigen Deich ganz unvermutet durchbrach und sich durch die Talebene des Schaho dem Hwaiho zuwälzte, halb Honan u. Ngauhwei unter Wasser setzend.

=Abstecher nach Honan und Kaiföng.= Von Tschöngtschou auf der Piënlo-Eisenbahn _=westwärts=_ am Nordrande des bis 2665 m hohen Gebirges _Sungschan_ entlang über (20 km) _Yungtsō_ und (60 km) _Kunghsien_ nach (120 km) =Honanfu= (165 m), am Loho, dem r. Nebenfluß des Hoangho, als alte Kaiserresidenz früher _Loyang_ genannt; in ihrer Umgebung viele prächtige Gartenanlagen und Grabmäler alter chinesischer Kaiser. -- Von Tschöngtschou _=ostwärts=_ führt die Piënlo-Linie über (30 km) _Tschungmou_ nach (60 km) =Kaiföng= (_Piëntschöng_), Hauptstadt der reichen, fruchtbaren Provinz Honan mit 160000 Einw., 15 km südl. vom Hoangho in gut bewässerter Ebene gelegen, mit Mauern von 14 km Umfang. Der 40 km lange Außendeich, der die Stadt umgibt, obgleich auch die Hoangho-Ufer eingedeicht sind, bezeugt eindringlich die stete große Gefahr, in der diese fruchtbare Gegend beständig schwebt. Im nördl. Teil der Stadt liegt ein ummauertes Mandschuviertel. Kaiföng hat zahlreiche Pagoden, sechs Moscheen und Reste einer einst blühenden (chinesisch-)jüdischen Gemeinde. Der Gouverneur von Honan und viele Provinzialbehörden residieren in Kaiföng; wichtig ist der Handel mit Getreide und Salz.

Über (901 km) _Tschumatien_ und _Hsinyangtschou_ (von hier Verbindungsbahn über Föngyang nach der Tientsin-Pukou-Bahn [S. 275] im Bau) tritt die Bahn in das Gebirge _Hwaiyangschan_, in dessen Granit sie auf 50 km Länge eingeschnitten ist; in 200 m Meereshöhe durchbricht ein 350 m langer Tunnel das Gebirge und erreicht dann bald (1209 km) =Hankau= (vgl. S. 259).

15. Von Berlin nach Moskau und auf der Sibirischen Bahn über Charbin nach Wladiwostok, Dairen und Peking.

Vgl. die Karten bei S. 301, 215 und 271.

=Reiseweg= von Berlin über Thorn, Alexandrowo, Warschau, Moskau (oder über Wirballen, St. Petersburg, Jekaterinburg), Tscheljabinsk, Irkutsk, Mandschuria nach Charbin; von hier östl. weiter nach Wladiwostok (Dampfer nach Japan) und südl. über Mukden nach Dairen (S. 323; Dampfer nach Tsingtau und Schanghai) oder Peking (S. 328) oder Söul (S. 331).

=Fahrzeiten=: Berlin-Moskau (1949 km) 37 oder 40 St.; Moskau-Mandschuria (6532 w) 8 Tage; Mandschuria-Wladiwostok (1605 w) 1-1/2 Tag, insgesamt (401 km und 8137 w) mit Aufenthalt rund 11 Tage. Expreßzüge bis Peking in 12 Tagen von Berlin; bei günstigem Dampferanschluß in Dairen kann man die Reise Berlin-Tsingtau in etwa 13 Tagen, nach Schanghai in 14 Tagen machen.

=Fahrkarten=: Von Berlin nach Moskau Nordexpreß nur I. 130,50 M., Berlin-St. Petersburg I. 115,05 M.; von Moskau nach Irkutsk I. Kl.-Fahrkarte mit allen Gebühren 167,70 Rubel, II. Kl. 110,50 Rubel. Von Moskau bis Charbin I. 279,25, II. 182,39 Rubel; bis Wladiwostok I. 328,50, II. 213,82 Rubel. Beim Lösen der Fahrkarte ist anzugeben, ob man »Raucher«, »Nichtraucher«, »Damenabteil« und »untern Schlafplatz« oder »obern« haben will.

Die Schlafwagengesellschaft gibt folgende _direkte Fahrkarten_ aus: Berlin-Charbin (über Moskau I. 581,20, II. 367,40 M.), Berlin-Wladiwostok (über Moskau I. 673, II. 424,75 M.), Berlin-Nagasaki (über Moskau und Wladiwostok I. 785,35, II. 537,05 M.), Berlin-Schanghai (über Moskau und Dairen I. 847,95, II. 599,75 M.). Die direkten Fahrkarten über St. Petersburg kosten I. ca. 35, II. ca. 22 M. mehr. Direkte Fahrkarten Berlin-Peking und Berlin-Tsingtau werden demnächst eingeführt.

=Nordexpreß und Schlafwagen.= Di. geht ein Nordexpreß von Berlin, Bahnhof Friedrichstr., frühmorgens nach Warschau in 10 St., bis Moskau in 37 St. Speisewagen und Schlafwagen laufen zwischen Berlin und Alexandrowo sowie Alexandrowo-Warschau und Warschau-Moskau, ferner Moskau-Irkutsk. Do. u So. je ein Nordexpreß von Berlin über Königsberg, Wirballen nach (1641 km) St. Petersburg mit Speise- und Schlafwagen in 30 St. Näheres, auch wegen Vorausbestellung der Schlafplätze und Fahrkarten, bei den Agenturen der Internationalen Schlafwagengesellschaft in Berlin (Unter den Linden 57/58), Warschau (Wolowa-Straße 42), St. Petersburg (Newsky-Prospekt 22), Moskau (Semlianoj Val, Jakovlevsky, Periulok, Haus Roop log 4), Irkutsk (Ecke Troitzkoje-Straße und Spasso Luterianskoe), Charbin, Wladiwostok, Mukden, Peking (Grand Hôtel des Wagons-Lits), Dairen, Tschimulpo und Söul: Rondon & Co.

=Die Sibirischen Luxuszüge= (_Transsibérien-Expreß_) gehen Mi. und Mo. abds. ab _Moskau_, und zwar Mi. mit Luxuswagen der Schlafwagengesellschaft, Mo. mit guten Salonwagen der russischen Staatsbahn (Kronswagen genannt). Ankunft der Züge in _Irkutsk_ Di. und Fr. Ein Kronszug geht Sa. Vm. ab St. Petersburg über Tscheljabinsk, an in Irkutsk Fr.

Von _Irkutsk_ laufen wöchentl. drei Luxuszüge nach _Charbin_ und _Wladiwostok_; ab Irkutsk Fr. So. Di.; in Charbin Mo. Mi. Fr.; in Dairen Di. Do. Sa.; in Peking Mi. Fr. Sa.; in Wladiwostok Mo. Mi. Fr. Ausführliche Angaben und den neuesten Fahrplan dieser Luxuszüge enthält der »Guide français et russe du Transsibérien-Express«, zu haben bei den Agenturen der Internationalen Schlafwagengesellschaft, bei denen man auch Plätze vorausbestellt. Im Frühling und Sommer sind die Züge so besetzt, daß man gut tut, _einige Wochen vorher_ Plätze bei der Internationalen Schlafwagengesellschaft vorauszubestellen! Das _Deutsche Reichskursbuch_ (Nr. 608) enthält den Fahrplan für diese Züge bis Wladiwostok, Dairen und Peking. Abfahrten von Berlin Di. früh mit Nordexpreß, Fr. abds. mit Schnellzug über Moskau, Do. abds. mit Nordexpreß über St. Petersburg.

Wer gemächlicher, interessanter und billiger (von Berlin bis Wladiwostok für ca. 200 M.) reisen und unterwegs das russisch-sibirische Volksleben kennen lernen will, benutze auf der Sibirischen Bahn den dem Lokalverkehr dienenden, aber von Tscheljabinsk bis Irkutsk durchfahrenden =Postzug= (je 1 Zug tägl.). Er bietet gleichfalls Schlafgelegenheit, und durch Verständigung mit dem Schaffner kann man es ganz bequem haben. Auf allen größern Stationen werden gute Eßwaren feilgehalten. Die Benutzung dieses Postzugs ist jedoch nur Russisch Sprechenden zu empfehlen.

=Wagenwechsel= in Alexandrowo, Warschau (Nordexpreß nicht, Bahnhofwechsel vgl. S. 304), Moskau (Bahnhofwechsel vgl. S. 305), Irkutsk; für Dairen noch in Changchun (S. 324), für Peking noch in Mukden.

=Einrichtungen der Wagen.= I. Kl. ist blau, II. gelb, III. grün. Die russischen Schlafwagen sind besser als die deutschen. Waschraum ist überall vorhanden, aber oft mangelhaft; im Speisewagen des Sibirischen Luxuszuges befindet sich auch eine Badekammer. Gummiwaschbecken, Wasserkanne, Handtuch und Seife, Wäsche, Kopfkissen, wollene Decke, zuverlässige Handlaterne halte man selbst bereit. Man tut gut, sich durch Zahlung von 1/2 Fahrkarte, 1/2 Schnellzugzuschlag und einem vollen Schlafwagenzuschuß ein kleines Abteil (nur in I. Kl.) für sich zu nehmen, was viele Vorteile hat, auch am besten gegen Diebstahl etc. sichert, da man das Abteil verschließen kann. Auf der Sibirischen Bahn wird sehr viel gestohlen; insbesondere achte man auf Brieftaschen und Pässe. Während der Mahlzeiten im Speisewagen lasse man vom Schaffner sein Abteil verschließen. Alleinreisende Damen müssen in jeder Hinsicht, auch gegen fremde Mitreisende, _sehr vorsichtig_ sein! In der Mandschurei entferne man sich nicht zu weit vom Bahnhofe. Geld nehme man wenig mit, sondern Kreditbriefe an deutsche Firmen oder Banken, z. B. Deutsch-Asiatische Bank in Schanghai. Kunst & Albers in Wladiwostok etc. Vorausbestellung der Plätze ist anzuraten (s. oben). Die Lüftung der Wagen läßt oft viel zu wünschen übrig.

=Eisenbahnzeit= ist für die russischen Fahrpläne bis nach Wladiwostok Petersburger Zeit, d. h. 1 St. 1 Min. vor gegen M. E. Z., ebenso auf den Bahnhöfen bis Mandschuria, von da ab Charbiner Zeit, d. h. 7 St. 25 Min. vor gegen M. E. Z.

=Bahnpersonal= ist sehr höflich und auch meist zuverlässig; die Schaffner verstehen zuweilen etwas Deutsch, ebenso die Kellner des Speisewagens. Unter den mitreisenden Russen werden stets einige Deutsch verstehen und liebenswürdig Hilfe leisten bei Verständigungsversuchen. Fahrtunterbrechungen muß man sofort dem Stationsvorstand melden, außerdem vor Fortsetzung der Reise die Fahrkarte am Schalter abstempeln lassen.

=Verpflegung= soll im Speisewagen des Luxuszugs gut sein, in den Kronszügen besser (gut bürgerlich und preiswürdig), aber da die Bedienung knapp, muß man _frühzeitig bestellen_ und doch oft länger als 1 St. warten. Wenn der Zug stark besetzt ist, wird Frühstück und Mittag in zwei Folgen gereicht; bei der Folge, mit der man anfängt, bleibt man für die ganze Reise. Auf Stationen mit _größerm Aufenthalt_ (nur wenige) kann man in russischen Delikatessen: Kohlsuppe, Kaviar, Stör, Lachs, Sardellen etc., schwelgen. Empfehlenswert ist gelegentlich ein echter Wodka (Regierungsschnaps); unabgekochtes Wasser meide man wie Gift. Für die Fahrt durch die Mandschurei und China halte man Vorrat an Konserven, Kakes, Schokolade, Rotwein, Zitronen oder Fruchtsaft; dazu Geschirr.

Reiseapotheke ist im Speisewagen; ein Schlafwagenführer jedes Zugs ist als Krankenwärter ausgebildet. Ärztliche Hilfe telegraphisch auf großen Stationen bestellen.

=Gepäck= nehme man so wenig wie möglich mit, da die Gepäckfracht sehr teuer ist, man auch sehr viel Scherereien beim Zoll und beim Umsteigen hat; man schicke großes Gepäck 4-6 Wochen früher mit Frachtdampfer (der Hamburg-Amerika Linie oder des Norddeutschen Lloyd) voraus nach dem zweckmäßigsten ostasiatischen Hafenplatz. Gepäck aus Deutschland nach Moskau vorausschicken, ist sehr unzweckmäßig, teuer, macht auch große Zollschererei. Freigepäck 50 kg auf Fahrkarten, die außerhalb Rußlands gelöst sind, in Rußland nur 24-1/2 kg. Zuschlag für je 4 kg von Moskau nach Wladiwostok 2,69 Rubel, bis Schanghai 2,89 Rubel. Handgepäck wird viel in die russischen Schlafwagen mitgenommen.

=Zolldurchsicht= ist meist sehr streng, erfolgt auf Hinfahrt in Alexandrowo (russisch) und Mandschuria (chines.), auf Rückfahrt in Mandschuria (russisch) und Alexandrowo (deutsch). Gepäckträger besorgt das aufgegebene Gepäck an die Zollschranke, wenn man ihm den Gepäckschein gibt. Um Schwierigkeiten zu vermeiden, nehme man nur bereits getragene Kleider, Wäsche, Stiefel, Handschuhe etc. mit; man meide das Mitnehmen von Zeitschriften und Zeitungen, da diese zur Zensur zurückbehalten werden; sogar zum Einwickeln benutze man kein Zeitungspapier. Zigarren (bis 100 Stück) und Tabak sind nur in angebrochener Kiste zollfrei, ebenso Mundvorrat an Wein etc. Waffenerlaubnis ist durch die Kaiserliche Botschaft in St. Petersburg mindestens einen Monat vorher einzuholen; für Fahrrad oder Automobil ist der Zoll an der Grenze zu hinterlegen, er wird bei späterm Nachweis der Wiederausfuhr zurückerstattet. Spielkarten, Schießpulver u. a. werden mit Beschlag belegt.

=Paß= muß in Deutschland vom russischen Konsul visiert sein und gilt sechs Monate. Die Paßvorschriften in Rußland sind sehr streng: an der Grenzstation Alexandrowo wird der Paß von einem Gendarmen abgenommen, nach der Zollbesichtigung des Gepäcks fordert man sich den Paß zurück. Wer keinen vorschriftsmäßigen Paß hat, muß sofort nach Deutschland zurück. Für Israeliten gelten besondere Vorschriften. In jeder Stadt, wo man sich aufhält, muß der Paß zur Polizei geschickt werden zur Anmeldung. Man trage ihn stets bei sich und fordere sofort den Beistand des deutschen Konsuls, wenn man Schwierigkeiten mit russischen Behörden hat. Für längern Aufenthalt als sechs Monate in russischem Gebiet gelten besondere Vorschriften; man reicht den Paß der Gouvernementskanzlei ein, erhält dafür einen russischen Aufenthaltsschein für ein Jahr. Auch muß der Paß durch die Polizeibehörde vor der Abreise aus russischem Gebiet mit Erlaubnisvermerk versehen sein, daß man abreisen darf; wer einen russischen Aufenthaltsschein hat, muß vor der Abreise einen Reisepaß lösen. Wer aus Deutschland nach Ostasien oder umgekehrt nur durch Rußland hindurchfährt, bedarf außer dem Eintrittsviso des russischen Konsuls (in Deutschland oder Ostasien) keiner Erlaubnis zum Verlassen Rußlands; der Vorweis einer durchgehenden Fahrkarte Berlin-Peking etc. genügt.

=Geld.= Man rechnet in ganz Rußland nach _Rubel_ zu 100 _Kopeken_. 100 Rubel Papier kosten 215-216 M. Geprägte Münzen laufen um: in Gold 15, 10, 7-1/2, 5 Rubel (15 und 7-1/2 sind selten); in Silber l Rubel und 50, 25, 20, 15, 10, 5 Kopeken; in Kupfer 5, 3, 2, 1 Kopeken. Papiergeld: 500, 100, 50, 25, 5, 3 und 1 Rubel. Die Moskauer Banken zahlen auf Schecks nur nach Eingang des Avis; außerdem sind sie So. und noch in der Woche an sehr vielen russischen Feiertagen geschlossen. Wer nicht längern Aufenthalt in Moskau nimmt, lasse sich also kein Geld dahin zur Auszahlung überweisen.

=Entfernungsangaben= in Rußland nach _Werst_ (abgekürzt »w«) = 1,067 km.

=Russische Sprache.= Die Mitnahme von _Meyers Russischem Sprachführer_ (3 M.) ist dringend anzuraten. Da die Sprache sehr schwierig ist, tut man gut, außerdem vorher in Deutschland einige Stunden Unterricht in Lesen und Aussprache zu nehmen.

Von Berlin nach Moskau.

=Eisenbahn= von Berlin über Thorn, Alexandrowo und (627 km) Warschau nach Moskau 1949 km in 37 (Nordexpreß, s. S. 302) und 40 St.

Von _Berlin_ nach (401 km) _Alexandrowo_ (Bahnwirtschaft, gut), russischem Grenzplatz; Paß- und Zolldurchsicht, etwa 1-1/4 St. Aufenthalt. Nun Fahrt durch die öde Weichselebene Polens über (34 w von Alexandrowo) _Wloclawek_ (Bahnwirtschaft), alte Stadt mit 30000 Einw., und (86 w) _Kutno_(Bahnwirtschaft) nach (148 w) _Skierniewice_, Ort der Dreikaiserzusammenkunft im Jahre 1884 im Schloß südl. der Bahn; dann

(211 w) =Warschau=, Hauptstadt Polens mit 764054 Einw.; Ankunft auf dem _Wiener Bahnhof_ am r. Weichselufer. Nur der Nordexpreß (S. 302) wird auf Verbindungsbahn nach dem Brester (Moskauer) Bahnhof überführt; zu den Schnellzügen muß man mit Droschke (ca. 1/2 St. Fahrt) zum andern Bahnhof fahren. Das nach Moskau oder weiterhin aufgegebene Gepäck geht stets bis Moskau durch, ebenso umgekehrt.

=Gasthöfe=: _Hôtel Bristol_;--_Hôtel de l'Europe_, 235 Z. 1,50-15 R.;--_Hôtel Brühl_, Kotzebuestr. 12; 65 Z. 1,50-4,50, F. 0,40, Dej. 1, T.d'h. 1,25 R., und viele andre.--=Cafés=: _Nitsche_ im Hôtel Bristol; _Lourse_ im Hôtel de l'Europe; _Jackowski_ im Sächsischen Garten u. a. --=Post=: Wareckiplatz; =Tel.=: Kotzebuestraße 3.--=Droschken= nach Tarif.-- =Generalkonsulate=: _Deutsches Reich_, Aleja Jerozolimskaja 45, Freiherr von Brück; _Österreich-Ungarn_, Aleja Jerozolimskaja 23, Konsul Maurig v. Sarnfeld. --=Agentur= der Schlafwagengesellschaft im Hotel Bristol.--=Sehenswert=: Königl. Schloß; Krakauer Vorstadt mit Kirche der heil. Anna, Denkmal Adam Mickiewiez'; Sächsischer Platz mit Alexander-Newskij-Kathedrale, Sächsischem Schloß, Brühlschem Palais und *Sächsischem Garten (mit Sommertheater). Das Lustschloß *Lazienki mit schönem Park und allenfalls noch das Lustschloß Belvedere.

Abfahrt von Warschau vom Brester Bahnhof durch waldige Gegend über (246 w) _Nowo-Minsk_, (295 w) _Siedlec_ (Bahnwirtschaft), (321 w) _Lukow_ (Bahnwirtschaft), nach (410 w) _Brest-Litowsk_ (Bahnwirtschaft), Stadt mit 53300 Einw. (zur Hälfte Israeliten); wichtiger Bahnknotenpunkt und Festung. Nun durch die Wälder »Weißrußlands« über (502 w) _Beresa_ (Bahnwirtschaft) und (599 w) _Baranowitschi_ nach (731 w) _Minsk_ (Bahnwirtschaft), Hauptstadt des Gouvernements Minsk, mit 107600 Einw. (zur Hälfte Israeliten); wichtige Handelsstadt mit Messe im März.--(807 w) _Borissow_ (Bahnwirtschaft), längs der Rückzugstraße des französischen Heeres und jenseit der Station auf langer Brücke über die _Beresina_, nahe der Stelle, wo Napoleon I. auf dem Rückzug am 25.-29. Nov. 1812 mit schweren Verlusten sein Heer bei _Studjenka_ über den Fluß setzte.--(931 w) _Orscha_ (Bahnwirtschaft).--(1043 w) _Smolensk_ (Bahnwirtschaft), Hauptstadt des Gouvernements Smolensk, mit 57100 Einw., in malerischer Lage am Dnjepr, die Bahnhöfe am r. Ufer; die sehr alte Stadt war Schauplatz vieler Kämpfe und zeigt noch alte Mauern.--(1101 w) _Jarzewo_ (Bahnwirtschaft).--(1207 w) _Wjasma_ (Bahnwirtschaft mit berühmtem Honigkuchen), Stadt mit 20000 Einw.--(1266 w) _Gshatsk_ (Bahnwirtschaft).--(1322 w) _Borodino_ (Bahnhofsmuseum), am Schlachtfelde vom 7. Sept. 1812, der »Schlacht an der Moskwa«.--(1332 w) _Moshaisk_ (Bahnwirtschaft), an der Moskwa, vorbei am _Ssawin-Storoschewskij-Kloster_ am hohen Moskwa-Ufer, dann bei _Kunzewo_ über diesen Fluß. Nun erscheinen die Kuppeln der »heiligen Stadt«, man erreicht (1435 w) _Moskau_.

Moskau.

Vgl. beifolgenden Plan

=Ankunft=: Brester Bahnhof im NW. der Stadt; Omnibus der Gasthöfe zur Stelle. Nur der Nordexpreß (S. 302) wird Mi. abds. auf Verbindungsbahn zum Kursker Bahnhof überführt, wo der sibirische Zug bereitsteht, ebenso umgekehrt. Bei Ankunft mit Schnellzug muß man vom Brester nach dem Kursker Bahnhof fahren. Der sibirische Zug fährt vom Kursk-Nishnij-Nowgoroder Bahnhof ab, etwa 5 km östl. vom Brester Bahnhof.

=Gasthöfe=: _Hôtel Métropole_ (Pl. a), Theaterplatz.--_Hôtel National_ (Pl. b), Ecke Twerskaja u. Mochowaja (nahe dem Kreml, für Damen am geeignetsten); 170 B. von 3 (mit Bad 6) R. an, F. 0,75, Gab.-F. 1,50, Mitt. 2,25, Omn. 1 R.: ZH.--_Hôtel Berlin_ (Schweizer Wirt), Roschdestwenka, deutsches Familienhaus; 150 Z. 2-4,50, F. 0,60, Gab.-F. 0,75, Mitt. 1,75, Omn. 0,75 R.; ZH.-- _Hôt. Billo_ (Pl. c), Bolschaja Lubjanka 9; II. Ranges, aber gut, deutsche Bedienung, Faßbier, deutscher Verkehr u. a. --=Restaurants=: _Eremitage_, Trubnajaplatz. Ferner im _Hôtel Billo_, _Hotel Berlin_, _Hôtel National_ und _Praga_ (Arbol). --=Café=: _Filippow_, Ecke Twerskaja und Glinitschtschewskij Per.

=Hauptpost=: Mjaßnitzkaja; =Telegraph= daneben.--=Wagen=: Droschken. (Iswoschtschik), zweisitzig, vom Bahnhof zur Stadt 60-80 Kop.; außerdem Lichatschi, Kaleschen, Troiken und Landauer. --=Straßenbahnen= nach allen Richtungen, jede Teilstrecke 5 Kop.

=Banken=:_J. W. Junker & Co._, Kusnezkij Most, für Reisende besonders empfohlen.--_Nordische Bank_, Iljieka, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft. --_St. Petersburger Internationale Handelsbank_, Korresp. der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig.

=Theater=: Die _kaiserlichen Theater_; das _Große_, _Kleine_ und _Neue_, alle drei am Theaterplatz; _Theater Korsch_; verschiedene Varietétheater. _Zirkus Salamonski_, Zwetnoi-Boulevard.

=Konsulat=: _Deutsches Reich_, Konsul Dr. Kohlhaas, Archangelski Pereulok, Haus Konstantinow; 11-3 Uhr: Vizekonsul Dr. Hauschild.--_Österreich-Ungarn_, Generalkonsul Ritter v. Puscariu, Moltschowska, Serebranny Perenlok. --_Schweiz_, Konsul Luchsinger, Stary Gostinny Dwor.--=Polizei=: Twerskoi-Boulevard.--=Ärzte=: DDr. _Rein_; _Taube_; _Goldendach_; Chirurg: Dr. _v. Schiemann_; Augenarzt: Dr. _Engelmann_; Zahnarzt: _Adelheim_.--=Apotheke=: _Ferrein_, Nikolskaja.--=Krankenhaus=: Evangel. Hospital (deutsch).

=Buchhandlung=: _Lang_, Kusnezkij Most.--=Photographien=: _Avanzo_; _Daziaro_, beide Kusnezkij Most.--=Pelzhändler=: _Ssorokoumowskij & Söhne_, Iljinka; _Bjelkin_, Kusnezkij Most (wer im Winter durch Sibirien reist, muß mit Pelzen versehen sein!).--=Russische Holzarbeiten=: _Sojus_, Neglinnaja, Ecke Kusnezkij Most, Deutsch gesprochen.

=Zeiteinteilung.= 1. u. 2. Tag: Kreml, Jungfernkloster, Sperlingsberge, Neßkutschnypark; 3. Tag: Besuch der Stadt, Rumjanzewmuseum, Erlöserkirche und Tretjakowgalerie.

=Geschichtliches.= Moskau wird schon 1147 erwähnt; 1328 wurde es Hauptstadt des Großfürsten Iwan Danilowitsch Kalita, der die Stadt befestigte. 1382 verbrannte der Tatarenchan Tochtamysch die Stadt, die erst unter Iwan III. (1462-1503) zur aufblühenden Hauptstadt des Moskowiterreichs wurde, aber unter Iwan IV., dem Schrecklichen (1533-84), viel durch Feuer und tatarische Überfälle (letzter 1591) zu leiden hatte. Moskau blieb Hauptstadt auch unter den Romanows, bis Peter I., der Große, 1703 St. Petersburg gründete und sein Hoflager 1711 dahin verlegte. Am 14. und 15. Sept. 1812 besetzte Napoleon I. Moskau; schon am 14. steckten die Russen die Stadt in Brand, die bis zum 21. zu drei Viertel niederbrannte; am 19. Okt. mußte Napoleon aus Mangel an Lebensmitteln den Rückzug antreten.

_Moskau_ (142 m), alte russische Hauptstadt und zweite kaiserliche Residenz, die bedeutendste Handelsstadt Rußlands und Hauptsitz der russischen Industrie, mit 1459800 Einw. (darunter über 15000 Deutsche), liegt an der Moskwa und ist Sitz eines Generalgouverneurs, zweier Korpskommandos, einer Universität und vieler andrer hoher Schulen etc. Die Mitte der Stadt bildet der _Kreml_ (S. 307); von ihm laufen strahlenförmig die meist krummen Straßen (mit meist nur zweistöckigen Häusern) aus, die durch drei Ringstraßen verbunden werden. Nö. vom Kreml liegt das Stadtviertel _Kitajgorod_ (d. h. Chinesenstadt), Sitz des Großhandels; Kreml und Kitajgorod bilden die innere Stadt (»Gorod« = Stadt) und sind noch mit der 1534 erbauten weißen Mauer umgeben, nach der der neue, die innere Stadt umschließende Stadtteil _Bjelojgorod_ (d. h. Weiße Stadt) benannt ist, der vornehmste Stadtteil mit vielen öffentlichen Gebäuden und Palästen. Um die »Weiße Stadt« schließt sich der Stadtteil _Semljanojgorod_ (d. h. Erdstadt), nach dem alten Erdwall benannt, auf dem jetzt die Sadowaja (d. h. Gartenstraße) angelegt ist, die diesen Stadtteil nach außen begrenzt. Außerhalb davon liegen die Vorstädte, in denen Fabriken, Kasernen, Bahnhöfe und die Wohnungen der ärmern Bevölkerung liegen. Moskau hat 434 Kirchen, 82 Kapellen, 14 Mönchs-, 7 Nonnenklöster und 23 Friedhöfe. Das russische Volksleben ist in Moskau viel ursprünglicher und »russischer« als in St. Petersburg, das Straßenleben ist lebhaft, der Besuch der Märkte sehr zu empfehlen.

_=Rundfahrt.=_ Hauptziel ist der *_Kreml_. Man fahre vom Theaterplatz (wo das Hôtel Métropole liegt) durch die _Iberische Pforte_, zwei spitztürmige Torwege, zwischen denen die sehr heilige _Kapelle der Iberischen Mutter Gottes_ mit berühmtem wundertätigen Heiligenbild steht (Vorsicht vor Taschendieben!). Innerhalb der Pforte liegt r. das _Historische Museum_ (11-3 Uhr, außer Sa. und an Festtagen). Sö. der _Kraßnaja-_ oder _Rote Platz_ mit dem _Denkmal Minins und Knjas Poscharskijs_ und der _Schädelstätte_ (_Lobnoje Mjesto_), Hinrichtungs- und Empfangsplatz etc.; sö. die _Basiliuskathedrale_ (1679 vollendet); an der Ostseite des Platzes die _Handelsreihen_ mit etwa 1000 Geschäftsräumen. (In der Seitenstraße l., Warwarka, liegt das _Haus des Bojaren Romanow_, worin der erste Romanow, Zar Michail, geboren wurde.)--Von der Basiliuskathedrale südl. über den Waßiljewskajaplatz längs der Kremlmauer zur _Moskwaretzkijbrücke_ und über diese r. auf den _Sophienkai_ (Ssofijskaja Nabereshnaja), von beiden bester *Überblick über den Kreml. Weiter über die große Kamennijbrücke, dann r. durch den schönen _Alexandergarten_ längs der Westseite des Kreml, an dem die riesige _Stadtmanege_ liegt, die als Exerzierhaus, Ausstellungs- und Festraum dient; dahinter die _Kaiserliche Universität_ (1755 begründet), mit gegen 10000 Studenten, Sternwarte, Bibliothek, Botanischem Garten und Zoologischem Museum. Dann r. um die Nordspitze des Kreml herum, am Historischen Museum vorbei, nochmals über den Roten Platz zum Haupteingang des

*=Kreml=, die Stadtburg und ältester Teil von Moskau, 43 m über dem l. Steilufer der Moskwa, umgeben von einer 1487 erbauten, 2 km langen, 20 m hohen Zinnenmauer mit 5 Toren und 18 Türmen. Es ist ein besonderer Stadtteil, »das Nationalheiligtum der Russen, dessen Gesamteindruck an Originalität die kühnsten Erwartungen übertrifft; Kirchen, Paläste und Klöster reihen sich in bunten Farben aneinander, keine Kuppel gleicht der andern; von seltener Pracht, einem kolossalen Gold- und Bilderreichtum ist das Innere der Kirchen«. (Elisabeth v. Öttingen.)

Man betritt den Kreml durch die »heilige Pforte« (Sspáßkija Woróta), auch _Erlösertor_ genannt, über dessen Eingang als Heiligtum des Kremls ein Erlöserbild angebracht ist ([Hand] beim Durchschreiten des Tores nehme man den Hut ab!), und das auf den _Zarenplatz_, den Hauptplatz des Kremls, führt; hier r. die _Michaelskirche_, mit Relief des heil. Georg mit dem Drachen (Schutzpatron [und Wappen] von Moskau); dahinter das _Wosneßenskij-Nonnenkloster_ (Himmelfahrtskloster), 1389 von der Großfürstin Eudoxia begründet; dann die blau gestrichene _Katharinenkirche_ und im Klosterhof die _Wosneßenskij-Kathedrale_ mit fünf goldenen Kuppeln (1519 erbaut), mit zahlreichen Grabmälern von Zarinnen und Großfürstinnen. Dann folgt r. das _Kleine Palais_, erbaut von Katharina II. L. gegenüber das große _Denkmal Alexanders II._ (1898), dahinter die _Konstantinkirche_. Westl. ans Kleine Palais schließt sich die _Alexiuskirche_, darin in silbernem Sarkophag die wundertätigen Gebeine des heil. Alexei; anstoßend das _Tschudowkloster_ (Kloster der Wunder), 1358 vom Metropolitan Alexei gegründet, mit roten Mauern; und im Klosterhof die _Kirche des Erzengels Michael_ von 1503. Am Westende des Zarenplatzes der fünfstöckige, 97 m hohe Glockenturm *_Iwan Welikij_ mit vergoldeter Kuppel, im Erdgeschoß zwei Kirchen; Besteigung des Turms bei klarem Wetter sehr zu empfehlen (doch nicht, wenn an Feiertagen die 33 Glocken des Turms geläutet werden!); man spende 20 Kop. in die Sammelbüchse; die *_=Aussicht=_ über ganz Moskau ist märchenhaft fremdartig. Vor dem Turm steht die Riesenglocke _Zar-Kolokol_, 400 Zentner schwer, 8 m hoch, mit 20 m Umfang, am Unterrand 56 cm dick (größte Glocke der Erde: vgl. S. 153); daneben das 1737 beim Absturz der Glocke herausgesprungene Stück (über 2 m hoch).

Hinter eisernem Gitter der _Kathedralenplatz_, dessen Hauptkirche die *_Uspenskij-(Mariä Himmelfahrts-)Kathedrale_, 1475-79 vom Bologneser Fioraventi erbaut, mit großer Mittelkuppel und vier kleinen Kuppeln; in ihr werden die Zaren gekrönt und die Metropoliten geweiht. Das Innere bunt und prächtig, aber geschmacklos. Südl. die _Archangelskij-Kathedrale_ (des Erzengels Michael), mit den Grüften aller Großfürsten u. Zaren bis vor Peter d. Gr. Westl. auf der Höhe des Kremls die _Blagowjeschtschenskij-(Mariä Verkündigungs-)Kathedrale_, 1397 erbaut, die Tauf- und Trauungskirche der Zaren, mit dem *_Großen Palast_ (Besichtigungserlaubnis erteilt der Polizeimeister, man nehme den Paß mit, im Notfall genügt Visitenkarte) verbunden, der, 1838-49 erbaut, drei große Paradesäle und 700 Zimmer enthält. Zum Großen Palast gehören: der _Terem-(Belvedere-)Palast_, 1636 erbaut; die _Granowitaja Palata_ (Facettenpalast), 1491 erbaut, jetzt Bankettsaal bei der Kaiserkrönung; die *_Schatzkammer_ (_Oruscheinaja Palata_, d. h. Rüstkammer; Mo. Mi. Fr. 10-1 Uhr) mit den Kronjuwelen, Rüstungen, Waffen etc.; im Hof die _Spaßnaboru-_ (Erlösers am Walde-)_Kirche_, älteste Kirche des Kremls (13. Jahrh.). Südl. von der Schatzkammer das _Borowizkija-Tor_, durch das Napoleon I. 1812 einzog. Nördl. der _Marstall_ und der grün gestrichene _Potjeschnij Dworez_ (Vergnügungspalast), jetzt Kommandantur; gegenüber im _Kavalierhaus_ die Kanzlei des Polizeimeisters. Dann folgt r., gegenüber dem _Troizkija-Tor_, die große _Kremlkaserne_, vor der 20 alte Kanonen stehen, darunter r. das »Einhorn«, 1670 gegossen, etwa 240 Zentner schwer, und l. die riesige »Zar-Puschka«, 1586 gegossen, 780 Zentner schwer, Kaliber ca. 1 m.

Zwischen der Kaserne und dem großen Palast liegen die Häuser der Hofgrenadiere, die Hofküche, das Offizierhaus und östl. davon das große _Synodalgebäude_, 1450 als Patriarchenpalast gebaut, darin (2. Stock) die Zwölf-Apostelkirche, die Apostel-Philippskirche (darin ein Stück vom Kreuz und Rock Christi) und die Bibliothek. Nördl. das _Arsenal_, vor dem 875 eroberte Kanonen lagern (darunter 123 preußische und 366 französische); gegenüber das _Gerichtsgebäude_, 1771 von Katharina II. erbaut. Davor in der Mitte des Platzes ein Denkmal für den hier 1905 ermordeten Großfürsten Sergius Alexandrowitsch. Nördl. das _Nikolskija-Tor_, durch das man den Kreml verläßt und wieder auf den Roten Platz gelangt.

Andre Sehenswürdigkeiten sind das *_Rumjanzewmuseum_ (Di. bis Sa. 11-3 Uhr; 20 Kop.), sw. vom Alexandergarten, ein stattlicher Säulenbau mit der Inschrift: »Dem Wohle der Aufklärung«; enthält Bibliothek (700000 Bände), Gemäldegalerie, Münzsammlung, *Nationaltrachten, Altertümer.--Sw. die *_Erlöserkirche_, 1839 bis 1883 von Thon erbaut, die schönste Kirche der Stadt, mit fünf vergoldeten Kuppeln, die Hauptkuppel 102 m hoch; ein Prachtbau mit reichem und schönem Schmuck.--Von da sw. durch die Pretschistenka und die Bolschaja Zarizynskaja, in der r. das _Jungfernfeld_ (wo angeblich dem Tatarenchan die als Tribut zu liefernden Jungfrauen vorgeführt wurden), jetzt Volksfestplatz, auf dem die großen _Universitätskliniken_ stehen.--Am Ende der Straße das *_Nowo Djewitschij-(Jungfern-)Kloster_, umgeben von hoher Mauer mit Schießscharten, Zinnen und Türmen, 1524 erbaut. Peter d. Gr. sperrte hier seine herrschsüchtige Schwester Sophie ein und ließ vor ihrem Fenster 300 Strelitzen aufhängen; Napoleon I. besuchte das Kloster 1812 und wollte die Kirche sprengen lassen, in der die Grabmäler von Eudoxia, der ersten Frau Peters d. Gr., und die seiner Schwestern Sophie und Katharina sind.--Dann fahre man südl. zur Fähre an der Moskwa, setze nach dem rechten Ufer über und steige in 20 Min. auf die *_Sperlingsberge_ (_Worobjewy Gory_); oben bei dem guten Gasthaus Krynkin die schönste *Aussicht über die Stadt Moskau; Napoleon I. betrachtete von hier 14. Sept. 1812 zuerst die Stadt.--Von hier (event. mit der Straßenbahn) durch die Kaluschskaja zum *_Neßkutschnypark_, dem schönsten Park Moskaus, in dem das kaiserliche _Alexandraschloß_ liegt.--Weiter nö. durch die Kaluschskaja über den Kaluschskajaplatz und durch die Bolschaja Jakimanka zur Kleinen Kamennybrücke, von der r., in die Wodootwodnaja einbiegend, in der fünften Quergasse r. die berühmte *_Tretjakowgalerie_ (10-3 Uhr, außer Mo. und an hohen Feiertagen) in der Lawruschinskijgasse liegt; sie enthält viele Bilder russischer Maler, so von W. Wereschtschagin, Schischkin, Aiwasowskij, Ssurikow (franz. Katalog 40 Kop.). Weiter östl. über die _Tschugunnybrücke_ und _Moskworezkijbrücke_, dann r. durch die Moskworezkaja zum _Kaiserlichen Findelhaus_ (Do. u. So. 1-4 Uhr), 1764 von Katharina II. erbaut, erzieht auf Dörfern etwa 30000 Kinder und nimmt selbst etwa 2500 auf.--Nun nördl. über den Warwarskaja und _Iljinskajaplatz_, vorbei an der Plewnakapelle und dem _Polytechnischen Museum_, dann über den _Lubjanskajaplatz_ zurück zum Theaterplatz.

=Umgebung=: Zum *Petrowskijpark (5-6 km nw. vom Theaterplatz) entweder mit Straßenbahn oder zu Wagen von der Iberischen Pforte nw. durch die 3 Werst lange _Twerskaja_, eine Hauptgeschäftsstraße Moskaus mit schönen Läden, vorbei am Palast des Generalgouverneurs (l.); beim Twerskija-Tor l. das _Puschkindenkmal_ und r. gegenüber das _Sstrastnoi-Nonnenkloster_ (1654 erbaut). Weiter durch die eintorige Triumphpforte zu Ehren Alexanders I. auf der St. Peterburgskoje Chaussee, vorbei am Rennplatz (l.) und dem großen _Chodynskojefeld_ (wo beim Volksfest der Krönung Nikolaus' II. 1400 Menschen ums Leben kamen) zum *=Petrowskijpark=; Endpunkt der Straßenbahn vor dem _Petrowskijschloß_, umgeben von hoher Mauer mit Schießscharten und Türmen. Der Park hat sehr besuchte Restaurants (_Mauretania_, gut, aber teuer, ebenso _Yard_, _Strelna_), Sommertheater, Badehäuser und Landhäuser.

Von Moskau nach Charbin.

Die =Sibirische Bahn=. Von den großen Verkehrswegen, die Europa mit Ostasien verbinden, ist der Landweg ostwärts durch den asiatischen Kontinent hindurch der bei weitem kürzeste, aber trotzdem der jüngste. Seine späte Anlage ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, als was für ein unwirtliches, wenig versprechendes Land Sibirien früher galt, und wie große Kosten der Bau einer so langen Bahnlinie, die größtenteils durch wenig kultiviertes Gebiet führte, erfordern mußte. Als sich die russische Regierung zu dem gewaltigen Werk entschloß, hatte sie zwar, außer strategischen Zwecken, die Belebung des direkten Warenverkehrs zwischen Rußland und dem »fernen Osten« viel mehr im Auge als die wirtschaftliche Hebung Sibiriens und die Schaffung einer neuen Personenverkehrslinie; aber infolge der Verschiebung der politischen Verhältnisse durch den russisch-japanischen Krieg hat die Bahn für den Warenverkehr heute nur geringe Bedeutung, um so größern Wert dagegen für die wirtschaftliche Erschließung und Besiedelung der durchfahrenen Länderstrecken und für den Personen- und Postverkehr nach China und Japan erlangt.

_=Landschaftlich=_ bietet die Sibirische Bahn nicht allzuviel; große Strecken müssen sogar als sehr einförmig bezeichnet werden, vor allem führt fast der ganze Westteil der Bahnstrecke bis ostwärts zum Ob, abgesehen von der Durchquerung des Uralgebirges, durch einförmiges Flachland, das nur durch die von den Flüssen geschaffenen breiten Täler ein wenig gegliedert wird. Das r. Steilufer der Wolga, dem man von Sysran bis Samara nahebleibt, bildet mit seinem etwa 300 m hohen Abfall die größte Unregelmäßigkeit im Relief dieser ganzen Strecke. Die Flußsysteme konnten in diesen großen Flachländern eine ungewöhnlich mächtige Ausbildung erfahren, und so bilden die großen Ströme, die man in Rußland wie in Westsibirien mehrfach zu überschreiten hat, die wichtigste Abwechselung in dem Einerlei der Landschaft. Die Überbrückung dieser breiten Ströme wurde durch den im Frühjahr einsetzenden Eisgang, der oft ein großartiges, wildes Schauspiel bietet, ganz besonders erschwert. Der Ostteil der Sibirischen Bahn führt großenteils durch Gebirgsland, das meist Mittelgebirgscharakter hat; nur die Gebirgsumrandung des Baikalsees ist ziemlich wild.

Im größten Teil ihres Verlaufs, von Moskau bis Tschita, schwankt die _=Breitenlage=_ der Bahn nur innerhalb enger Grenzen, die von denen Norddeutschlands kaum abweichen: der nördlichste Punkt, Atschinsk in Mittelsibirien, liegt etwas nördl. vom 56.°, der südlichste, im Chiloktal in Transbaikalien, etwas nördl. vom 51.° Erst von Tschita an wendet sich die Bahn südostwärts und erreicht schließlich südeuropäische Breite.

Trotz dieser gleichmäßigen Breitenlage ändert sich das _=Klima=_ längs der Bahn sehr stark, was sich am besten an den Mitteltemperaturen des wärmsten und des kältesten Monats erkennen läßt. Diese betragen: in Berlin 18,1° und -0,4°, in Warschau 18,8° und -3,4°, in Moskau 18,9° und -11,0°, in Tomsk in Westsibirien (etwas nördl. von der Bahnlinie) 18,7° und -19,6°, in Irkutsk 18,4° und -20,8°, in Nertschinskij Sawod (im transbaikalischen Bergland, 660 m ü. M.) 18,5° und -29,7°. Die Sommerwärme nimmt also ostwärts eher noch zu, während die Winterkälte viel strenger wird; das Klima wird also ostwärts immer extremer, immer kontinentaler. Das sibirische Klima ist übrigens bei weitem nicht so schlimm als sein Ruf, denn die Winterkälte ist leicht zu ertragen infolge der Windstille und Trockenheit der Luft bei meist klarem, heiterm Himmel und kräftigem Sonnenschein.

Auch das _=Pflanzenkleid=_ Sibiriens verrät wenig von den strengen Wintern, abgesehen von dem Fehlen der meisten Laubbäume. Je länger der Frost die Vegetation zur Ruhe verurteilt, um so kräftiger laufen die Lebensvorgänge im kurzen Sommer ab. Schon im Ural sind viele unsrer Wiesenpflanzen viel üppiger als bei uns entwickelt, und die Gegend von Irkutsk wie auch Transbaikalien sind berühmt wegen ihres fast die ganze warme Jahreszeit über andauernden Blütenflors. Das von der Bahn durchfahrene Gebiet eignet sich, soweit die Bodenbeschaffenheit es zuläßt, überall zum Getreidebau.

Wie schon oben erwähnt wurde, hat die Sibirische Bahn einen ungeahnten Aufschwung in der _=Besiedelung=_ Südsibiriens hervorgerufen, das sich bei weitem wertvoller und kulturfähiger erwiesen hat, als man noch vor kurzem geglaubt hatte. Die russischen Bauern strömen, seitdem sie nicht mehr mühselig auf dem »Großen sibirischen Trakt«, der alten Straße nach Sibirien, ostwärts wandern müssen, scharenweise in Russisch-Asien ein, zurzeit vor allem in dem äußerst fruchtbaren westsibirischen Schwarzerdebezirk und in Transbaikalien; aber auch in die Küstenprovinz am Stillen Ozean sucht die Regierung recht viele Einwanderer zu ziehen. Die wirtschaftliche Entwickelung Westsibiriens hat daher jetzt einen geradezu stürmischen Charakter, was sich am besten in dem raschen Anwachsen von Orten wie Omsk und Nowo Nikolajewsk erkennen läßt. Eine starke Verschleuderung natürlicher Schätze Sibiriens und der östlichen Länder, vor allem des Waldreichtums, geht mit der raschen Besiedelung leider Hand in Hand. Auch die ursprüngliche, meist nomadische Bevölkerung Sibiriens wird immer weiter zurückgedrängt, zum Teil auch vom Russentum aufgesogen, und der eilige Reisende wird von ihr wenig mehr zu sehen bekommen als die Burjäten des Baikalgebiets, die sich am besten der neuen Kultur anpassen. Ebenso ist Sibirien lange nicht mehr in dem Maße wie früher Sträflingsland. Nicht nur treten die Deportierten an Zahl gegenüber den freien Ansiedlern immer mehr zurück, sie werden jetzt auch nach entferntern Gegenden, besonders Sachalin, verschickt. Trotzdem bilden die Gefängnisse noch heute wichtige Gebäude in den meist dorfähnlich gebauten sibirischen Städten.

_=Baugeschichte.=_ Die Sibirische Bahn, mit 8137 Werst (8682 km) die längste, etwa ein Drittel des Erdumfangs messende Bahnlinie der Welt (die Union Pacific 5357 km), wurde von der russischen Regierung 1891 begonnen; 1892 war die Strecke Ufa-Slatoust fertiggestellt; 1894 folgte die Überführung der Bahn über den Ural bis nach Tscheljabinsk, 1897 die Fortsetzung bis Tomsk, 1899 bis Irkutsk; 1897 wurde auch die Ussuribahn zwischen Chabarowsk und Wladiwostok fertig. In der Gebirgsgegend des Baikalsees entstanden große Schwierigkeiten; man führte die Bahn zunächst von Irkutsk zum Baikalsee, baute gleichzeitig vom gegenüberliegenden Ufer bei Myssowaja die Bahn weiter bis nach Strjetensk. Nun war die erste Verbindung bis Wladiwostok fertig, die zwar überall durch russisches Gebiet führte, aber noch mehrere Dampferstrecken einschloß: der Baikalsee wurde auf Dampfern gekreuzt, von Strjetensk führten flache Flußdampfer die Schilka abwärts in den Amur und von da bis Chabarowsk, dann fuhr man mit der Ussuribahn nach Wladiwostok. Aber die Unregelmäßigkeiten im Flußwasserstand machten diese Reise sehr langwierig. Ein 1896 mit China geschlossener Vertrag ermöglichte es den Russen, die Amurfahrt auszuschalten und die Mandschurische Bahn quer durch die Mandschurei über Charbin nach Wladiwostok zu bauen, mit der Abzweigung von Charbin über Mukden und Yinkou nach Dairen; letztere Strecke wurde am 1. August 1903 eröffnet. Die 3109 Werst (3317 km) lange Strecke von Sysran bis Kraßnojarsk ist in 11 Jahren, die 4016 Werst (4284 km) lange Strecke Kraßnojarsk-Dairen in 4 Jahren erbaut worden. Die Baukosten sollen durchschnittlich 100000 Rub. für 1 Werst, in Summa über 800 Mill. Rub. betragen. Spurweite ist die russische Normalspur von 1,524 m, die Strecke ist eingleisig, mit Steigungen bis 1:17. Während des russisch-japanischen Krieges wurde die Bahn um das Südende des Baikalsees (Baikalgürtelbahn, 244 Werst) herumgeführt, um das lästige Überführen der Reisenden und der Fracht über den mehrere Monate fest gefrornen See zu vermeiden. Seit 1906 ist die Strecke wesentlich verbessert; viele Ausweichestellen sind geschaffen, ein zweites Gleis ist zwischen Ufa-Slatoust und Omsk-Irkutsk im Bau. Ferner ist im Bau die Linie Tjumen-Omsk, wodurch direkte Verbindung nach St. Petersburg geschaffen wird. Nach dem Krieg ist die Strecke Changchun-Dairen als Südmandschurische Bahn (S. 323) unabhängig von Rußland geworden und steht unter japanischer Leitung.

Der _sibirische Luxuszug_ (S. 302) verläßt Moskau auf dem Kursk-Nishnij-Nowgoroder Bahnhof (nahe dem Ostende der Ssadowaja); wegen Vorausbestellung des Platzes vgl. S. 302. Der Zug besteht nur aus einem Wagen I., zwei Wagen II. Kl. und einem Speisewagen und ist im Frühling und Herbst meist stark besetzt. -- Nach der Abfahrt sieht man r. das malerische _Andronow-Mönchskloster_ auf dem Steilufer der Jausa, 1366 vom Metropoliten Alexei begründet, mit fünf Kirchen. Der Zug fährt durch fruchtbares Land über (93 w) _Sserpuchow_ (Bahnwirtschaft) nach (182 w) =Tula= (_Bahnwirtschaft_), Hauptstadt des Gouvernements Tula, mit 132000 Einw., Silberindustrie (Tulasilber ist kaukasisch und hier weniger als in Moskau zu haben) und Fabriken für Samowars und Zuckerbrot; Gewehrfabrik; Kreml aus dem 16. Jahrh. -- Weiter (240 w) _Uslowaja_ (Bahnwirtschaft). Die Bahn tritt in das Gebiet der südrussischen fruchtbaren »Schwarzerde«, der Wald tritt zurück. -- (380 w) _Rjashsk_ (Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 5000 Einw., an der Chupta. -- An reichen Dörfern (mit berühmten Gestüten) vorüber. -- (502 w) _Morschansk_ (Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 26000 Einw., an der Zna.-- Durch fruchtbares Land nach (753 w) =Pensa= (_Bahnwirtschaft_), Hauptstadt des Gouvernements Pensa, mit 67900 Einw., an der Mündung der Pensa in die Ssura schön gelegen; berühmt wegen der schönen Tücher aus Ziegenwolle; deutsch-luther. Kirche. -- Hinter (989 km) _Sysran_ (Bahnwirtschaft) nähert sich die Bahn der Wolga, tritt bei (1003 w) _Batraki_ dicht an deren r. Ufer, das sogen. Bergufer, und kreuzt 8 w weiter die Wolga auf der mächtigen, 1435 m langen _Alexanderbrücke_ (1876-80 erbaut). Der breite Strom ist stets von Dampfern, Kähnen und großen Holzflößen belebt, die bis zum Kaspischen Meere fahren. Am Ufer sind Behälter für Petroleum und Naphtha, die Heizstoff für Dampfer und Lokomotiven abgeben. -- Auf dem flachen l., sogen. Wiesenufer weiterfahrend, erreicht man nach einigen Stunden (1120 w) =Samara= (_Bahnwirtsch._; Gasthof: _Bolschaja Zentrálnaja_ in der Dworjanskaja 125; deutscher Vizekonsul W. Koenitzer), Hauptstadt des Gouvernements Samara mit 96400 Einw., am l. Wolga- und r. Samaraufer, mit deutsch-luther. Kirche, lebhaftem Getreidehandel und berühmten _Kumys-Kuranstalten_ auf den Hügeln in der Umgegend. -- Die Bahn führt nun durch das Tal der Samara, das r. Berge zeigt, nach (1158 w) _Kinel_ (Bahnwirtschaft); hier Abzweigung der Bahn über Orenburg, Taschkent, Samarkand und Merw nach Kuschk an der afghanischen Grenze.--Dann an mehreren unbedeutenden Stationen vorbei durch zum Teil sandiges Steppenland, außer von Russen auch von Baschkiren, Tataren, Kalmücken und Kirgisen bewohnt, und auf 640 m langer Brücke über die _Bjelaja_ nach (1609 w) =Ufa= (_Bahnwirtschaft_: Verkauf uralischer Halbedelsteine; Vorsicht vor Gesindel in der Umgegend des Bahnhofs!), Hauptstadt des Gouvernements Ufa mit 58800 Einw., im 16. Jahrh. zum Schutz gegen die Baschkiren gegründet, am r. Steilufer der Bjelaja gelegen (schöner Landschaftsblick von der steilen Höhe über dem Birkenwäldchen beim Bahnhof); dicht beim Bahnhof viele Naphthabehälter, in der Nähe Herden der Baschkirennomaden. Die hölzernen Häuser der Stadt sind wie Schwalbennester an steile Hügel gesetzt, Treppen führen von Haus zu Haus. Ufa hat 27 Kirchen, 38 Schulen, 6 Banken, 3 Zeitungen und 1 Theater. --Hinter Ufa tauchen im O. die Vorberge des Ural auf, bedeckt von Tannenwäldern mit eingesprengten Birkenhainen; je mehr man sich dem Gebirge nähert, um so wilder wird die Gegend. -- (1707 w) _Ascha-Balaschewskaja_ (Bahnwirtschaft). -- Vorbei an vielen Eisenhütten in malerischer Gegend durch das Tal des Sanjabachs, an dem sich im Halbkreis das große Dorf _Menjardi_ hinzieht. Wilder Hochwald mit Anemonen, Dotterblumen, Himmelsschlüsseln von in Mitteleuropa unbekannter Üppigkeit begleitet die Bahn bergaufwärts; zwischen hohen Felseinschnitten gelangt man über (1793 w) _Wjasowaja_ (323 m; Bahnwirtschaft) auf die Höhen des Uralgebirges nach -- (1909 w) =Slatoust= (392 m; _Bahnwirtschaft_; mäßige Unterkunft bei _Lusgin_ oder Frau _Semjonowa_, Z. 1 Rub., vorausbestellen!), hübscher Bergstadt (etwa 2 w vom Bahnhof) an dem Flüßchen Aï, das hier die Hauptkette des südl. Ural, den Taganai, durchbricht; 21000 Einw. Kaiserliche Eisen-, Gußstahl- und Waffenfabriken, von deutschen Schmiedemeistern eingerichtet. Arsenal (wochentags 9-3 Uhr Besichtigung gestattet). Deutsch-luth. Kirche.--Von Slatoust steigt die Bahn an Bergseen und schön mit Tannen bewaldeten Abhängen vorbei nach (1927 w) _Urshum_ (564 m); etwa 1/4 w weiter steht r. der _Grenzobelisk_ mit der Inschrift »Europa-Asia« (hier jedoch nur geographische, keine Verwaltungsgrenze!) auf dem höchsten Punkte der Bahn. Nun eilt der Zug in die westsibirische Ebene hinab, vorbei an (1970 w) _Miaß_ am _Ilmenskijsee_, mit Goldgruben in der Nähe, und erreicht den eigentlichen Anfangspunkt der Sibirischen Bahn

(2060 w) =Tscheljabinsk= (232 m; _Bahnwirtschaft_; _Hôtel Eremitage_), wo von l. die direkte Bahn von St. Petersburg (vgl. S. 301) über Perm und Jekaterinburg einmündet. Die Stadt, mit 39400 Einw., 4 w vom Bahnhof; am Bahnhof Auswandererbaracken für russische Bauern, die nach Sibirien übersiedeln. Viele Tataren, Sarten und Baschkiren betteln am Bahnhof. Lebhafter internationaler Verkehr; auf dem Markt (wohin man mit zweisitzigen kleinen Wagen, Tarantás, fährt) hat man Gelegenheit zum Einkaufen von Edelsteinen aus dem Ural (jedoch Vorsicht! vieles ist gefälscht); Volkstheater.

Von Tscheljabinsk fährt man zuerst durch die unwirtliche »Gorkaja«, unkultiviertes Steppenland mit Mooren und Salzseen; nach einiger Zeit beginnt aber fruchtbares, großenteils schon mit russischen Bauern besiedeltes Schwarzerdeland. Über (2177 w) _Schumicha_ (Bahnwirtschaft) und _Syrjanka_, wo die Verwaltungsgrenze zwischen dem europäischen und dem asiatischen Rußland überschritten wird, nach (2301 w) _Kurgan_ (Bahnwirtschaft), rasch aufblühender Stadt am l. Ufer des Tobol, 1-1/2 w vom Bahnhof; Kotzebues Verbannungsort 1800; lebhafter Butterhandel, von Dänen ins Leben gerufen. -- Etwa 6 w weiter auf 470 m langer Brücke über den _Tobol_, dann durch Sumpfgegend nach (2550 w) =Petropawlowsk= (138 m; _Bahnwirtschaft_), 3 w vom Bahnhof die Kreisstadt Petropawlowsk mit 37900 Einw. (viele Mohammedaner), am r. Ufer des _Ischim_, 1752 begründet zum Schutz gegen die Kirgiskosaken. In der Stadt ein Tauschhof mit zahlreichen kleinen Läden; lebhafter Vieh- und Fellhandel, Schlächtereien, Gerbereien, Wollwäschereien; hübscher Stadtgarten; deutscher Apotheker. Viele kirgisische Nomadenkarawanen kommen aus der Steppe nach Petropawlowsk. -- Nun folgt einförmige Steppe; (2677 w) _Isil-Kul_ (Bahnwirtschaft). -- Weiterhin über den _Irtysch_ (Nebenfluß des Ob) auf 685 m langer Brücke.

(2806 w) =Omsk= (87 m; _Bahnwirtschaft_; Zweigbahn stündl. nach der 3 w südl. gelegenen Stadt; Tarantás dahin 50 Kop., _=Gasthöfe=_: _Hotel Rossija_, _Saizew_, Dworzowaja; _Schtschepanowskij_, Nikolskajaplatz), aufblühende Stadt mit 84400 Einw., Sitz der Verwaltung des Generalgouvernements der Steppe, mit starker Garnison, hat ein ethnographisches _Museum_ auf dem Basarplatz; deutsch-luther. Kirche; deutscher Vizekonsul Oskar Nolte, Moskauer Reihe. -- Handel mit Butter, Konserven aus Flußfischen, Getreide und Mehl. In Omsk verbüßte der Dichter Dostojewski 1849-53 seine Haft. In der Umgegend viele Kosakendörfer.

=Dampfer= von Omsk auf dem Irtysch abwärts in 4-5 Tagen nach =Tobolsk= (Gasthof _Kommertscheskaja_), Hauptstadt des Gouvernements Tobolsk mit 22000 Einw. und ethnographischem Museum im Jermakgarten. -- Von Omsk den Irtysch aufwärts in 4-5 Tagen nach =Semipalatinsk=, Hauptstadt der gleichnamigen Steppenprovinz mit 31800 Einw. (die Hälfte Mohammedaner) und geographischem Museum; von hier Poststraße nach Taschkent.

Die Bahn führt von Omsk durch Malariagegend (gegen Mücken und Moskitos Schutzfenster schließen, Moskitonetz beim Schlafen benutzen!). -- (2964 w) _Tatarskaja_ (Bahnwirtschaft). -- (3109 w) _Kainsk_ (Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 6000 Einw., meist verbannten Israeliten, 12 w nördl. vom Bahnhof; Ackerbau, Viehzucht, Branntweinbrennerei und Gerberei. -- Hinter (3384 w) _Kriwoschtschekowo_ auf 792 m langer Brücke über den _Ob_ nach (3392 w) =Nowo-Nikolajewsk= (_Bahnwirtschaft_) am r. Obufer, mit angeblich über 60000 Einw., mit amerikanischer Schnelligkeit wachsender Umschlagsplatz zwischen dem Verkehr auf der Sibirischen Eisenbahn und dem Dampferverkehr auf dem Ob. Dampfer laufen von hier nach Tomsk, Barnaul (Hauptort des altaischen Minenbezirks mit 30000 Einw., zahlreichen Hüttenwerken, Oberbergamt und Bergbauschule) und Biisk. Der Ob bildet ungefähr die Ostgrenze des Steppenlandes. Die Bahn führt, zum Teil durch dichten Urwald, nach (3606 w) _Tajga_ (257 m; Bahnwirtschaft).

=Zweigbahn= in 3-1/2 St. nach (74 w) _Mescheninowka_, wo man aussteigt, weil der Stadt Tomsk näher als der Bahnhof (82 w) von Tomsk.

=Tomsk= (148 m; _Hôtel Rossija_, empfohlen; _Hôtel de l'Europe_; Iswoschtschik bis 75 Kop.; _Post_ und _Tel._; Potschtamskaja; Russisch-Asiat. Bank), Hauptstadt des Deutschland an Größe gleichkommenden Gouvernements Tomsk mit ca. 100000 Einw., am r. Steilufer des _Tom_, die einzige Universitätsstadt Sibiriens (etwa 600 Studenten), mit tüchtigen, vielfach in Deutschland ausgebildeten Lehrkräften, verschiedenen Museen, technologischem Institut und andern modernen Fachschulen; Bischofssitz mit 20 russ. Kirchen. Die Stadt ist mit amerikanischer Regelmäßigkeit gebaut, hat einige große Geschäftshäuser (darunter mehrere deutsche), jedoch großenteils dorfartiges Aussehen. Lebhafter Flußverkehr. Im nahen _Kolywanschen Erzgebirge_ am Ob, 368 m ü. M., ein Steinschleifwerk für Porphyr, Jaspis, Marmor.

Von Tajga (s. oben) weiter durch mit Urwald (russisch »Tajgá«) bedecktes kohlenreiches (aber noch nicht ausgebeutetes) Hügelland über (3745 w) _Mariinsk_ (Bahnwirtschaft) nach (3933 w) _Atschinsk_ (Bahnwirtschaft), Stadt mit 7000 Einw., die nördlichste von der Sibirischen Eisenbahn erreichte Stelle (in der Breitenlage des mittlern Jütlands), am Tschulym und an der Poststraße, die südl. nach (330 w) _Minussinsk_ (Gasthof; Mittelpunkt des Getreidegebiets und Minenbezirks des südl. Gouvernements Jenisseisk) führt.

Das Hügelland geht in Gebirgsland, die Ausläufer des Sajanischen Gebirges, über, die Fahrt wird malerischer. Die niedrige (ca. 315 m hohe) Wasserscheide zwischen Ob und Jenissei überschreitet man erst ganz kurz vor letzterm Fluß bei der Station _Katscha_ und erreicht bald darauf

(4100 w) =Kraßnojarsk= (d. h. »Rote Klippe«; 160 m; _Bahnwirtschaft_; _Hôtel Rossija_; _Métropole_, Familienhotel, Deutsch gesprochen; Iswoschtschik zur Stadt 40 Kop.; _Internationales Telegraphenamt_ für Telegramme in europäischer (nicht russischer) Sprache; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt des Gouvernements Jenisseisk am l., rotgefärbten Steilufer des Jenissei mit 30500 Einw., technische Eisenbahnschule, Stadtpark mit Wirtschaft, Museum; lutherische Kirche. Wichtiger Flußhafen für die Dampferfahrt auf dem Jenissei. Die Stadt (halbwegs zwischen Moskau und Wladiwostok) war früher großenteils mit Verbrechern besiedelt. In der Datsche Tarakanowka hat der Besitzer Judin eine Bibliothek von 100000 Bänden, insbesondere Literatur über Sibirien.

Der =Jenissei=, mit 4750 km Länge der größte Strom Sibiriens, entsteht in der nordwestlichen Mongolei und fließt als Ulukhem nw. zur russischen Grenze, wo er, das Sajanische Gebirge in Katarakten und Stromschnellen durchbrechend, sich nordwärts zum Eismeer wendet. Bei Kraßnojarsk ist der Jenissei durchschnittlich vom Mai bis Mitte November eisfrei. Schiffbar ist der fischreiche Strom, und mit Barken, Segelschiffen und Dampfern bis zur Mündung befahren, von Minussinsk an auf 2966 km. Die bedeutendsten Städte am Jenissei sind: Minussinsk, Kraßnojarsk, Turuchansk u. Dudinsk; der nördlichste dauernd bewohnte Ort ist Krestowsk, r. an der Mündung.

Von Kraßnojarsk führt eine prächtige, 925 m lange Brücke mit sechs Bogen über den Jenissei und dann durch moskitoreiche Gegend über (4327 w) _Kansk_ (Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 8000 Einw. und Goldwäschereien, am _Kan_, und über diesen Fluß auf 255 m langer Brücke nach (4353 w) _Ilanskaja_ (Bahnwirtschaft) und (4434 w) _Kljutschinskaja_ (388 m), dann über die goldführende _Birjussa_ nach (4633 w) _Nishne-Udinsk_ (413 m; Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 6000 Einw., mitten in den Ausläufern des Sajanischen Gebirges, an der Uda. -- Nun steigt die Bahn durch fruchtbares Land, von fleißigen buddhistischen Burjäten bevölkert, nach (4743 w) _Tulun_ (498 m; Bahnwirtschaft), dem höchsten Punkte der Strecke Tscheljabinsk-Irkutsk. -- Hinter (4873 w) _Sima_ auf 468 m langer Brücke über die _Oka_ und dann durch schwarzgrünen Tannenwald mit *Ausblick r. nach S. auf die schneebedeckten Berge des Sajanischen Gebirges (Grenzgebirge zwischen Sibirien und der Mongolei), über (5012 w) _Polowina_ (538 m; Bahnwirtschaft; Kohlengebiet) ins Tal der Angara, des Ausflusses des Baikalsees, und talauf, vorbei am (r.) _Wosneßenskij-Mönchskloster_ (1672 gegründet), nach

(5108 w) =Irkutsk= (445 m; _Bahnwirtschaft_; _Grand Hôtel_ [Agentur der Internationalen Schlafwagengesellschaft]; _Métropole_; Iswoschtschik zur Stadt 75 Kop.; _Internationales Telegraphenamt_ für Telegramme in europäischer [nicht russischer] Sprache; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements, unter 52° 17' nördl. Br. (etwas südlicher als Berlin), am l. Ufer der Angara, in die hier der Irkut mündet, mit 84000 Einw. Irkutsk hat sehr rauhes Klima (bei einem Sommer wie Paris steigt die Winterkälte nicht selten bis-37°, das Jahresmittel beträgt nur-0,4°), breite Straßen, 23 griechisch-katholische (darunter schöne Kathedrale der Mutter Gottes von Kasan), eine römisch-katholische und eine deutsch-lutherische Kirche, Gymnasium, 3 höhere Mädchenschulen, 2 Technische Schulen, 1 Seminar, 2 Militärschulen, Theater, 5 Zeitungen, Arbeits- und Findelhaus, Stadtkrankenhaus (mit deutschem Leiter, Dr. v. Bergmann) und bedeutenden Handel zwischen Ostasien und Rußland. Im Dezember Messe. Irkutsk, das eine Sektion der Russischen Geographischen Gesellschaft mit vielen Sammlungen besitzt, gilt als geistiger Mittelpunkt Sibiriens.--Der Ort wurde 1652 als Handelsposten durch Kosaken begründet, wuchs schnell, hat aber, seit die Verschiffungen von chinesischem Tee nach baltischen Häfen zunahmen, an Bedeutung verloren. Durch eine Feuersbrunst wurde Irkutsk 1879 fast zerstört, ist aber schöner wieder aufgebaut. -- Die Stadt gilt als sehr unsicher. Vom Bahnhof hat man den besten Überblick über die Stadt, zu der eine große Schwimmbrücke führt.

In Irkutsk beginnt die _=Transbaikalbahn=_, daher Wagenwechsel (die Strecke Irkutsk-Mandschuria ist von der Russisch-chinesischen Bahngesellschaft an die Schlafwagengesellschaft für die Expreßzüge verpachtet; auf dieser Strecke sollen häufig alte schmutzige Wagen laufen, auch Verspätungen um mehr als 6 St. bis Wladiwostok nicht selten sein.) Die Bahn bleibt jenseit Irkutsk am r. Ufer der aus dem Baikalsee kommenden Angara und erreicht bei (5170 w) _Baikal_ den Baikalsee.

Der =Baikalsee= (russ. _Swjátoje More_, mongol. _Dalai Nor_, »heiliges Meer«), der drittgrößte Binnen- und größte Gebirgssee Asiens, 476 m ü. M., 623 km lang, 15-82 km breit, hat 34180 (Sachsen u. Württemberg zusammen 34507) qkm Fläche. Der langgestreckte, durchschnittlich 250 m tiefe See besteht aus zwei Becken, deren südlichstes bis 1430 m tief ist, so daß der Grund des Sees bis gegen 1000 m unter den Meeresspiegel hinabreicht. Der Baikalsee ist durch Einbruch entstanden; er wird von schroffen, 1400 m hohen Felswänden umrahmt, im W. vom Baikalgebirge, im O. vom 1800 m hohen Bauntigebirge, die in vielen Vorgebirgen in den See vorspringen. Von den in den See mündenden Flüssen verläßt die schiffbare untere Angara den See am SW.-Ufer wieder. Das Wasser des Sees hat im Juli in 4 m Tiefe eine Temperatur von 5°. An Fischen ist der See sehr reich, namentlich an Herbstlachsen (Salmo omul), die durch Jenissei und Angara aus dem Eismeer heraufkommen, und von denen jährlich etwa 500000 Stück gefangen werden (daher der tatarische Name Baikul, d. h. Reicher See). Von größern Wassertieren findet man eine Seehundsart (Callocephalus), deren Auftreten, 1000 km von der nächsten Meeresküste entfernt, sehr merkwürdig, aber auch heute noch nicht endgültig geklärt ist. Man neigt zu der Annahme, daß der See, der auch sonst eine sehr eigenartige Fauna beherbergt, mit dem heutigen Eismeer nicht in früherer Verbindung gestanden hat, sondern daß die Seehunde den Lachsen bis hier herauf nachgegangen sind. Der tektonische Ursprung des Sees bekundet sich durch häufige Erdbeben, so 1861 u. 1862. Die Schiffahrt wird durch heftige Winde gefährdet, doch verkehren Dampfer während der achtmonatigen eisfreien Zeit; der lebhafteste Verkehr findet aber im Winter auf der 1-1,5 m starken Eisdecke statt.

Während früher die Reisenden mit Fährdampfern (im Winter mit Schlitten) nach Myssowaja am Südufer des Sees übergesetzt wurden, führt seit 1906 die Baikalgürtelbahn um das felsige Südufer des Sees; sie ist mit großen Schwierigkeiten und sehr hohen Kosten hergestellt; allein auf der 85 km langen Strecke vom Bahnhof Baikal bis nach Kultuk sind 32 Tunnel von zusammen 6 km Länge und 210 Kunstbauten (Brücken, Durchlässe, Überführungen) errichtet. Man fährt von Baikal über (5359 w) _Tanchoi_ (auf allen Bahnhöfen besonders dieser Strecke hüte man sich vor Diebstählen!) nach (5413 w) _Myssowaja_ (477 m), auch _Myssowsk_ genannt; die Bahn bleibt noch bis (5458 w) _Possolskaja_ in der Nähe des Baikalsees und steigt dann im Tale der Selenga nach (5567 w) _Werchne-Udinsk_ (544 m; Bahnwirtschaft; Gasthof), Kreisstadt mit 8000 Einw., mit großer Garnison und wichtiger Teemesse.

Von hier führt die alte _=Poststraße=_ (nebst Telegraph) im Selengatal weiter aufwärts nach _Troizkossawsk_ und (185 w) =Kjachta= (732 m), russische Grenzstadt und von 1689-1860 einziger russischer Grenzhandelsplatz, über den der Karawanentee aus der nur 200 m südlicheren chinesischen Grenzstadt =Maimatschin= geführt wurde. Die Poststraße, jetzt wenig benutzt, führt weiter über _Urga_ (1290 m) durch die Wüste _Gobi_ und über _Kalgan_ (S. 296) nach _Peking_. Eine Bahn längs der Poststraße nach Kalgan ist geplant.

In romantischer Landschaft steigt die Bahn nun im Tale der _Uda_, dann südöstl. abbiegend weiter bis (5701 w) _Petrowski sawod_ (803 m; Bahnwirtschaft), vorbei an Mongolen- und Burjätendörfern, dann im malerischen Tale des _Chilok_ zu den sanftsteigenden Höhen des _Jablonoi_ oder Apfelgebirges über (5840 w) _Chilok_ (805 m; Bahnwirtschaft) und durchläuft hinter (5993 w) _Sochondo_ (944 m) einen Tunnel, der am Westende die Inschrift: »Zum Atlantischen Ozean«, am Ostende: »Zum Großen Ozean« trägt, da der Bergkamm die Wasserscheide bildet zwischen dem Nördlichen Eismeer und dem Stillen Ozean (Jenissei und Amur). Nun senkt sich die Bahn über (6016 w) _Jablonowaja_ (846 m; Bahnwirtschaft) durch das enge _Ingodatal_ nach

(6086 w) =Tschita= (656 m; _Bahnwirtschaft_; _Hôtel Métropole_; Iswoschtschik zur Stadt 50 Kop.; Russisch-Asiatische Bank), 1851 gegründete Hauptstadt Transbaikaliens mit 55500 Einw., Maschinenwerkstätten und *Museum; die hübsche Umgebung erinnert an Heidelberg. -- Dann fährt man über den Fluß Tschita auf 160 m langer Brücke und im Ingodatal abwärts über (6142 w) _Makkawejewo_ (Bahnwirtschaft) nach (6180 w) _Karimskaja_ (605m; Bahnwirtschaft), Bahnknotenpunkt.

=Amurfahrt Strjetensk-Chabarowsk= (2116 w). Von _Karimskaja_ führt eine ältere Bahnlinie im Ingoda- und Schilkatal abwärts über (183 w) _Nertschinsk_ (Bahnwirtschaft), das jetzt bedeutungslose, früher aber durch seine Blei- und Silberbergwerke berühmte, als Sträflingsort berüchtigte Städtchen, nach (266 w) =Strjetensk= (_Bahnwirtschaft_; _Gasthof Dalnij Wostok_; _Mikulitsch_, beide nahe der Dampferlandestelle; Iswoschtschik 1 Rub.; Banken: Sibirische Bank; Russisch-Asiatische Bank), Stadt mit 10000 Einw., am l. Ufer der Schilka. Von Strjetensk laufen Postdampfer auf der untern Schilka und dem Amur von Mai bis September alle 5 Tage in 6 Tagen bis =Blagowjeschtschensk= (_Grand Hôtel_; Banken: _Kunst & Albers_; Sibirische Bank; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt der Provinz Amur mit 57500 Einw., am l. Ufer des =Amur= an der Sejamündung; von dort mit größern, bequemen Dampfern in 5 Tagen bis _Chabarowsk_ (S. 333). Die Fahrt stromauf von Chabarowsk bis Strjetensk dauert etwa 12-13 Tage und ist nicht zu empfehlen. Der _Amur_ entsteht aus dem Zusammenfluß der _Schilka_ mit dem _Argun_ beim _Fort Ustj Strjelka_; er bildet streckenweise die Grenze gegen China und mündet nach 4480 km langem Lauf unterhalb Nikolajewsk, gegenüber dem Nordende der Insel Sachalin. Geplant ist der Bau einer Amurbahn von Strjetensk nach Chabarowsk.

Die Transbaikalbahn führt von Karimskaja über einen 885 m hohen Bergrücken nach (6229 w) _Burjatskaja_ (Bahnwirtschaft), dann durch gewelltes, ödes Steppenland, den Nordzipfel der Mongolei, von Kosaken und Burjäten bewohnt, über (6274 w) _Aga_ (Bahnwirtschaft) und an einem buddhistischen Burjätenkloster vorbei über (6319 w) _Olowjannaja_ (Bahnwirtschaft) und (6412 w) _Borsa_ und über die russisch-chinesische Grenze nach

(6532 w) =Mandschuria= (_Mandschuli_; 650 m; _Bahnwirtschaft_; _Gasthof Zentralnaja_, nahe dem Bahnhof), chinesischer Grenzstadt mit 12000 Einw. (in der Mehrzahl Russen); hier bei der Hinfahrt chinesische, bei der Rückfahrt russische Zolldurchsicht. -- Mandschuria ist der Anfang der in russischen Händen befindlichen _=Ostchinesischen Bahn=_ (_Chinese Eastern Railway_), deren Gebiet die Mandschurei bis zur russischen Grenzstation Pogranitschnaja (S. 320), ferner die südliche Linie von Charbin bis Changchun (S. 324) mit Zweigbahn nach Kirin umfaßt und deren Bahnhöfe gegen die häufigen Angriffe der Chunchusen-(chinesischen Räuber-) Banden von russischen Soldaten bewacht werden und zum Teil befestigt sind. Von hier an wird nach _Charbiner Zeit_ gerechnet, die 6 St. 24 Min. vor gegen Petersburger und 7 St. 25 Min. vor gegen M.E.Z. ist. Die Bahn führt durch gleichmäßiges Steppenland (man sieht Pferdeherden, Kamelkarawanen) über (6708 w) _Chailar_ (Hailar; Bahnwirtschaft) und (6785 w) _Jakschi_, Wachtposten, allmählich das _Chingangebirge_, den Grenzwall zwischen der Mongolei und der Mandschurei, hinan; bei (6872 w) _Irekte_ (875 m) wird noch eine Lokomotive vorgespannt wegen der nun starken Steigung, durch enge Täler nach (6881 w) _Chingan_; 4 w weiter führt ein 3 km langer Tunnel, 961 m ü. M., durch den höchsten Gebirgskamm unter dem 1060 m hohen Dschedynpaß; dann geht es steil abwärts nach (6904 w) _Buchedu_ (Pu-ha-to; 673 m; Bahnwirtschaft), im Tale des _Jali_. Bevor man die Steppe wieder erreicht, noch malerische Ausblicke auf die Berge bei Barim. Dann durch größere Dörfer bei Tschalantun über (7049 w) _Nin-zy-schan_ (264 m) und über den _Nonni_ nach (7155 w) Stat. _Zizikar_ (_Tsitsihar_ oder _Buchoi_; Bahnwirtschaft; Gasthof) selbst, die Hauptstadt der chinesischen Außenprovinz Holungkiang, mit 80000 Einw., liegt 25 w nördl. am Nonni und ist durch Kleinbahn mit der Station verbunden. [Hier soll das chinesisch-amerikanische Bahnprojekt von Aigun (vom r. Amurufer nahe Blagowjeschtschensk in der Mandschurei) nach Kintschou (S. 318, an der Bahnlinie Mukden-Tientsin) von N. nach S. die Mandschurei durchschneiden.] -- Dann durch wildreiche, fast unbewohnte Steppe mit unbedeutenden Haltestellen, aber vor Charbin durch gut bebautes Land und schließlich auf 948 m langer Brücke mit 8 Bogen über den mächtigen, von zahlreichen Dampfern belebten (auf 1180 km Länge schiffbaren) _Súngari_ nach

(7408 w) =Charbin= (_Harbin_; 152 m; gute _Bahnwirtschaft_; _Grand Hôtel_; _Métropol Hôtel_; _Orient Hôtel_, sämtlich in der Neustadt, die beiden ersten nahe dem Bahnhof; _Hôtel Sibir_; _Hôtel de Commerce_, in der Geschäftsstadt, Verpflegung überall gut, Unterkunft mäßig; Bankgeschäft von _Kunst & Albers_; Russisch-Asiatische Bank [Korrespondent der Deutschen Bank]; Agentur der Internationalen Schlafwagengesellschaft: im Grand Hôtel; Direktion der [russischen] Ostchinesischen Bahn [Präsident General Horváth], Zweigbureau der Südmandschurischen Bahn; chinesischer Zollkommissar [Watson]; _deutscher Konsul_: L. Heintze; _Handelshäuser_: Kunst & Albers; Tschurin & Co.; Samsonowitsch & Agéjeff; _Kommissionsgeschäft_: Comptoir belge d'importation et d'éxportation; _Spediteur_ A. G. Roubinraut), internationale Handelsstadt in der chinesischen Mandschurei, am r. Ufer des Sungari, 1896 gegründet als Eisenbahnknotenpunkt, früher ein Dorf, jetzt eine Stadt von über 50000 Einw. (buntgemischte Bevölkerung, in der die Russen und Chinesen überwiegen). Die Stadtverwaltung liegt in den Händen der Ostchinesischen Bahn. Die vollkommen russischen Charakter tragende Stadt zerfällt in drei Teile: die _Altstadt_, sö. vom Bahnhof, die erste Niederlassung aus Lehmhäusern für den Bahnbau, wozu einige Handelshäuser und eine kleine Kirche kamen. Die moderne _Neustadt_ (_Nowoje Charbina_), westl. vom Bahnhof, auf einer vor dem Fluß geschützten Hochfläche, noch in der Entwickelung; für die Eisenbahnverwaltung, P u. T, Hospitäler, Beamtenwohnungen, Gasthöfe etc. bestimmt. Die Straßen und die sanitären Verhältnisse sind noch sehr schlecht. In der _Hafenstadt_ (_Pristan_) hinter der Eisenbahnbrücke am Fluß sind Fabriken und Werkstätten für die Eisenbahn, kaufmännische Niederlassungen, der Sitz der Polizei etc.; hier herrscht das meiste Leben. Östl. vom Pristan liegt das durch den Pestausbruch 1910 berüchtigte Chinesenviertel _Fudsjadjan_ (_Fudatien_). Haupthandel und Ausfuhr in Ölbohnen. Im russisch-japanischen Krieg war Charbin Hauptstützpunkt der russischen Armee.--Dampfer verkehren auf dem Sungari von Charbin talwärts bis Chabarowsk (S. 323) und bergwärts bis Kirin (S. 324).

Von Charbin nach Wladiwostok.

Vgl. die Karte bei S. 301.

Der sibirische Luxuszug (S. 302) führt vom Hauptbahnhof (smaragdgrün in einer Art von Sezessionsstil) in _Charbin-Neustadt_ östl. über (9 w) Hst. _Alt-Charbin_ durch weite Strecken gut (vor allem mit Rüben) bebauten Ackerlandes über (58 w) _Aschichö_, mit Zuckerfabrik, dann an einem Marmorbruch vorbei, durch Sumpfstellen mit mannshohem Wollgras und durch von Fasanen bevölkerte Gehölze nach (153 w) _Imjampo_, beliebtem Sommeraufenthalt mit Datschen (Landhäusern), guter Brauerei und Jagdgelegenheit auf Hochwild, weiter über den Gebirgszug Tschangkwanhai nach (255 w) _Chandaochezy_ (Bahnwirtschaft), Ort mit 10000 Einw.; dann auf 300 m langer Brücke über den _Mutankiang_ (nicht weit südl. die chinesische Handelsstadt _Ninguta_ mit etwa 20000 Einw.; T) und nun ansteigend in schroffen Tälern des in der Nähe der Bahn schon großenteils entwaldeten ostmandschurischen Mittelgebirges durch drei Tunnel bis 640 m ü. M., dann wieder hinab nach (402 w) _Mulin_ (Bahnwirtschaft). Die Landschaft wird immer schöner, bis man, die Mandschurei verlassend, den russischen Grenzort (512 w) _Pogranitschnaja_ (460 m; Bahnwirtschaft; russische Zollbesichtigung), Endpunkt der Ostchinesischen und Anfang der _=Ussuribahn=_, erreicht; letztere führt durch sechs Tunnel abwärts über die Grenzfestung (538 w) _Grodekowo_ in grüner Ebene nach (628 w) _Ketrizewo_ (Bahnwirtschaft), Knotenpunkt, wo l. die Bahn nach Chabarowsk abzweigt; in 2 w Abstand sieht man die Kuppeln der Kathedrale von =Nikolsk-Ussuriisk= (_Gasthof Koslow_; Russisch-Asiatische, Sibirische Handelsbank; Warenhaus von _Kunst & Albers_), Kreisstadt mit 23000 Einw. und stärkster Garnison des Amurgebiets, in sehr fruchtbarer Gegend, mit guter Jagd auf Wildschweine, Maralhirsche etc. Dann steigt die Bahn im Felsental des _Suifun_ in dichtbewaldete Höhenzüge; an einer scharfen Biegung erster *_=Blick auf die Amurbucht=_; l. hinter _Nadeschdinskaja_ liegen Kohlenbergwerke; dann führt die Bahn am Strande der Amurbucht entlang, l. an den Datschen (Landhäusern) der reichen Wladiwostoker vorbei und durch die Chinesenstadt zu dem ganz nahe dem Hafenkai gelegenen Hauptbahnhof von

(730 w) =Wladiwostok= (_Bahnwirtschaft_), am Japanischen Meer. Der Bahnhof trägt die Aufschrift: »Von St. Petersburg bis Wladiwostok 9876 Werst« (Entfernung von Moskau 8137 w).

=Ankunft zur See.= Die Postdampfer steuern die Insel _Askold_ mit rotem Leuchtturm an, laufen dann auf den weißen Leuchtturm der Insel _Skrypleff_ zu und steuern durch den _Östlichen Bosporus_ zwischen _Kasakewitsch_ (Russeninsel) und dem Murawiew-Vorgebirge hindurch, biegen dann r. in eine der Kieler Förde sehr ähnliche, durch viele Küstenbefestigungen geschützte Bucht, in deren innerstem, nach O. gekrümmtem Teil, dem _Goldenen Horn_, der gegen Wind und Seegang geschützte Hafen von Wladiwostok liegt. An seiner Westseite ist nahe am Bahnhof ein Kai mit Liegeplätzen für etwa acht Dampfer. Die Postdampfer der _Freiwilligen Flotte_ haben eignen Kai. Dampfer, die keinen Platz am Kai bekommen, ankern nahe vor der Stadt, Ausschiffung der Reisenden erfolgt dann mit Booten an bequemen Landungsbrücken.

=Gasthöfe=: _Hotel d'Allemagne_ (_Deutsches Hotel_), Mitte der Stadt, Ecke der Kitaiskaja- und Pekinskaja-Straße, modern eingerichtet, Pens. 8-9 Rubel, gelobt. -- _Grand Hôtel_, am Bahnhof. -- _Goldenes Horn_, Aleutskaja 45.--_Zentralnaja_, Swetlanskaja.--=Restaurants=: _Deutsches Restaurant Müller_, Swetlanskaja, gelobt. -- _Unterberger_; _Goldenes Horn_; _Swetlanka_, sämtlich Swetlanskaja. -- =Cafés=: _Kokin_. -- _Jegorow_, Swetlanskaja.

=Post u. Tel.= an der Swetlanskaja. Telegraphenkabel nach Nagasaki. -- =Wagen=: Iswoschtschik vom Bahnhof zur Stadt 25 Kop. (Gepäck 20 Kop.), einzelne Fahrt 25 Kop., in die Vorstadt 50 Kop.; stündl. 80 Kop. Nachts doppelte Taxe. -- =Eisenbahn= über Charbin nach Europa (S. 309): Expreßzüge: Mi. ab Wladiwostok der _Transsibirien-Expreß_ in 9-1/2 Tagen bis _Moskau_, mit Anschluß an den _Nordexpreß_ (S. 302) Moskau-Berlin (Fahrzeit 37 St.); außerdem So. ab Wladiwostok ein Zug bis Irkutsk (Wagenwechsel) mit Anschluß nach Moskau und ein Zug Fr. ab Wladiwostok wie vorher, doch mit Anschluß nach St. Petersburg; sämtlich Züge der Internationalen Schlafwagengesellschaft; nach Chabarowsk, S. 323; nach Dairen, S. 323; nach Peking, S. 328. -- =Dampfer=: _Hamburg-Amerika Linie_ über Hongkong monatlich (Agentur: Kunst & Albers); -- _Nippon Yusen Kaisha_ nach Nagasaki, Korea, Port Arthur und Schanghai wöchentlich; -- _Russische Freiwillige Flotte_ Do. und Sa. in 2 Tagen nach _Tsuruga_ (Japan); -- Sa. über _Nagasaki_ (2 Tage) nach _Schanghai_ in 4 Tagen; -- _Osaka Shosen Kaisha_ Di. in 2 Tagen nach Tsuruga (Reichskursbuch 705).

=Banken=: _Kunst & Albers_, Swetlanskaja, Korresp. der Deutschen Bank.-- _Russisch-Asiatische Bank_, Aleutskaja, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft, der Deutschen Bank und der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig.--=Theater=: 3 russische und 3 chinesische; Singspielhalle im »Goldenen Horn« u. a.--Agent der Internationalen Schlafwagengesellschaft: _Marcerou & Schreter_, Swetlanskaja 60. --=Konsulate=: _Deutsches Reich_, Swetlanskaja, Konsul Dr. Stobbe.--_Deutscher Gesangverein_ (es leben viele Deutsche in angesehenen Stellungen in Wladiwostok).--=Polizeiamt=: Pekinskaja. --=Zollamt=: Swetlanskaja.-- =Städtisches Krankenhaus.=--=Warenhaus= großen Stils von _Kunst & Albers_, liefert jegliche Reiseausrüstung u. a.

_Wladiwostok_ (»Beherrscherin des Ostens«, früher Port May) wurde 1860 gegründet, war 1868-1901 Freihafen und hat 90162 Einw. (davon über ein Drittel Chinesen, Japaner und Koreaner). Die Stadt liegt auf 43° 7' nördl. Br. (etwas südlicher als Florenz) auf der Halbinsel zwischen der Ussuribucht und der Amurbucht in malerischer Landschaft, deren natürliche Bergumwallung sehr stark befestigt ist (1500 Geschütze, die auf 80 km verteilt sind), da die Stadt der einzige gute Seehafen und Flottenstützpunkt Rußlands in Ostasien ist, denn überall weiter nördl. bis zur entlegenen Amurmündung ist die Küste durch das mauerähnliche Sichotaalingebirge vom Binnenlande völlig abgeschlossen und fast hafenlos. Nur hier am Südende der russischen Küstenprovinz ist der Küstengebirgsbogen unterbrochen und öffnet sich das Land mit einer buchtenreichen Küste (Riasküste) frei zum Meer. Leider ist der Hafen von Wladiwostok 4 Monate durch Eis gesperrt; als Kriegs- und Handelshafen ist er gut ausgerüstet. Längs der Nordküste des Goldenen Horns zieht sich die Hauptstraße _Swetlanskaja_; die Häuser sind meist aus Stein, nur zum Teil noch aus Holz gebaut. Die Neubauten zeigen modernern Renaissancestil, z. B. das Admiralitätsgebäude, der Palast des Gouverneurs, das Geschäftshaus von Kunst & Albers und das reichhaltige _Museum_ (Di. Fr. So. 10-4 Uhr geöffnet). An der Südseite der Swetlanskaja liegt in hübschem Garten das Haus des Chefs der Marinestation, weiter östl. der _Marineklub_, mit Bootslandungsbrücken am Hafen. In der Hauptstraße die _Uspenskij-Kathedrale_. Das _Institut für Ostasiatische Sprachen_ liegt an der Puschkinskaja; ebenda die deutsch-lutherische Kirche. Bei den Landungsbrücken am Hafen steht das Denkmal des Admirals Newelskoi, der die Amurmündung am 13. Aug. 1850 auf eigne Faust besetzte, mit der Inschrift: »Wo die russische Flagge weht, da soll sie nie wieder sinken« (Ausspruch des Zaren Nikolaus I.). Gegenüber dem Warenhaus der in ganz Ostasien bekannten deutschen Firma _Kunst & Albers_ an der Swetlanskaja liegt ein schönes Wohnhaus für den Leiter des Geschäfts, mit großem Speisezimmer für die Angestellten des Geschäfts, mit Billards etc. In der Marinevorstadt das Marinehospital, daneben die großen Trockendocks und Werftanlagen der Marine.--Die Gewerbtätigkeit beschränkt sich auf Holzschneidemühlen, Ziegeleien, Maschinenwerkstätten, Brauereien. Der deutsche Einfuhrhandel ist sehr beträchtlich, es verkehren mehr deutsche als englische Schiffe im Hafen; ausgeführt werden Felle, Sauerkraut, Seekohl, Bauholz, Salzfische, Lebertran.--Das _Goldene Horn_ ist etwa von Mitte Dezember bis Mitte April zugefroren, doch halten Eisbrecher eine Fahrrinne frei; aber außerhalb des Hafens behindern dann oft große Treibeismassen die Schiffahrt. Die Witterung entspricht etwa der von St. Petersburg, trotzdem Wladiwostok auf etwa derselben geographischen Breite wie Florenz liegt; Luftwärme im Januar-15° C, im Jahresmittel 4,3° C; im Sommer kommen etwa +30° C, im Winter etwa-30° C vor.--_=Rundgang.=_ Man fahre durch die Swetlanskaja und besteige dann die steile Anhöhe oberhalb des _Observatoriums_, von wo prächtiger *Fernblick über das Goldene Horn, Stadt und Hafen; man sieht bis zur Insel Askold, die im SO. auftaucht. Dann besuche man den Wochenmarkt an der Amurbucht, am Westende der Swetlanskaja, und mache mit kleinem Hafendampfer eine _Hafenrundfahrt_ (zweimal tägl., Fahrzeit etwa 2-1/2 St.), die bis zur Insel _Kasakewitsch_ führt; auch lohnt eine Fahrt mit Dampfer oder Segelboot bei gutem Wetter nach der Insel _Askold_, wo die sibirischen Maralhirsche gehegt und gefüttert werden und Goldbergwerke im Betrieb sind.--Die Umgegend bietet Gelegenheit zu Fahrten in die landschaftlich sehr schönen Berge und Wälder; vor der Stadt ist eine gemütliche deutsche Brauerei.

=Von Wladiwostok nach Chabarowsk= führt die Ussuribahn in etwa 16 St. über (102 w) _Ketrizewo_ (S. 320), von da nö. im Tale des Suifun, dann durch Steppenland und auf 255 m langer Brücke über den _Ussuri_ nach (340 w) _Murawjew-Amurskij_ (Bahnwirtschaft). Hinter der 255 m langen _Imanbrücke_ bei (387 w) _Iman_ (Bahnwirtschaft) tritt die Bahn in schöner Hügellandschaft dicht an die Grenze der Mandschurei und läuft im Tale des Ussuri r. über (498 w) _Bikin_ (Bahnwirtschaft) durch Wald und über viele Brücken nach (716 w) =Chabarowsk= (96 m; _Bahnwirtschaft_; Gasthöfe: Deutsches Hotel und Restaurant von _Peter Moller_, empfohlen; _Hotel Chabarowsk_; _Rossija_; Iswoschtschik zur Stadt 60 Kop.; Banken: _Kunst & Albers_; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt der Seeprovinz des russischen Amurgebiets, mit 25000 Einw. (1/4 Chinesen), am r. Steilufer des Amur, noch 800 km oberhalb seiner Mündung, zum Teil auf Felsterrassen erbaut. Nahe dem Palais des Generalgouverneurs liegt das *_Museum_ der Russischen Geographischen Gesellschaft (Do. So. 12-4 Uhr); nahebei im _Stadtgarten_ das Standbild des Grafen Murawjew-Amurskij. Die Stadt hat Kadettenschule, Eisenbahnschule und treibt wichtigen Pelzhandel (besonders Zobelfelle). Warenhaus: _Kunst & Albers_.

=Postdampfer= von Chabarowsk Mitte Mai bis Anfang Oktober (andre Dampfer unregelmäßig): a) in 4 Tagen auf dem Amur abwärts nach (940 w) =Nikolajewsk= (_Gasthof_; Warenhaus: _Kunst & Albers_), Seehafenstadt mit 8000 Einw., nahe der Mündung des Amur in den Amurgolf; b) auf dem Amur aufwärts über _Blagowjeschtschensk_ nach _Strjetensk_, vgl. S. 317.

Von Charbin nach Dairen.

Vgl. die Karten bei S. 215 u. S. 271.

Von Charbin zweigt eine Linie der =Ostchinesischen Bahn= nach S. ab (von den Russen bis Port Arthur, S. 327, gebaut, jetzt nur bis Changchun noch russisch; die Südstrecke ist im Frieden von Portsmouth 1905 an Japan abgetreten und bildet jetzt das Hauptstück der =Südmandschurischen Bahn=. Von den sibirischen Expreßzügen (S. 316) wird ein Wagen in Charbin abgezweigt und läuft durch bis Changchun; Durchreisende können in diesem Wagen in Charbin übernachten. Fahrzeit Charbin-Changchun 9 St., Changchun-Mukden 6-1/2 St., Mukden-Dairen 8 St. Über diese Strecke geht zurzeit der Hauptpersonenverkehr zwischen Europa und China (besonders nach Peking, Hankau, Schanghai, Tsingtau etc.), aber auch ein großer Teil des Verkehrs nach Japan (besonders nach Nagasaki). Über direkte Fahrkarten vgl. S. 302.

Vom _Charbin_-Hauptbahnhof (S. 318) führt die Bahn durch fruchtbares Land mit Weizen-, Kartoffel-, Raps- und Maisfeldern; zahlreiche Wachttürme schützen die Bahnstrecke; bei (115 w) _Dalatschao_ führt eine 735 m lange Brücke über den Sungari. -- (152 w) _Jaomönn_ (Bahnwirtschaft). Nahe hinter der russischen Grenzstation _Kwangtschöngtse_ mit russischer Garnison erreicht man (222 w) =Changchun= (_Tschangtschun_; _Yamato Hotel_, komfortabel, Pens. 9-12 Yen, gegenüber Bahnhof, mit Büfett; -- _Yokohama Specie Bank;_ -- _Russisch-Asiatische Bank_), Knotenpunkt der Ostchinesischen, Südmandschurischen und Kirin-Changchun-Bahn. Von Charbin kommend hier umsteigen in den bereitstehenden Expreßzug der _=Südmandschurischen Bahn=_ (I. Kl. vorzügliche Pullman-Wagen, II. Kl. entspricht der III. Kl. in europäischen Zügen). Zeitwechsel, südmandschurische Zeit ist 23 Min. später als Charbinzeit (S. 318). Die alte Stadt mit 130000 Einw., 6 w südl. vom Bahnhof, mit lebhaftem Vieh- und Bohnenhandel. Changchun hat chinesische Garnison; die neue, von den Japanern am Bahnhof angelegte Stadt in europäischem Stil entwickelt sich schnell und hat japanische Garnison. [Zweigbahn östl. nach (120 w) _Kirin_, wichtigster Handelsstadt der Mandschurei für Holz, Bohnen, Tabak, mit 100000 Einw., von Mauern umgeben, am Sungari.]

Hinter Changchun treten l. die Vorberge der Ostmandschurischen Gebirge an die Bahn; bei (39 M = Miles von Changchun) _Gungchuling_ steigt die Bahn bis 209 m ü. M., senkt sich aber wieder bei (145 M) _Tiahling_, Handelsstadt mit 50000 Einw., am _Liauho_, und erreicht

(189 M) =Mukden= (chines. _Fengtien_), alte Hauptstadt des frühern mandschurischen Reiches (mit etwa 175000 Einw.) und daher Stammsitz der bisher in China herrschenden Mandschudynastie, deren erste Kaiser hier noch zeitweise residierten.

=Gasthöfe=: _Astor House Hotel_, in der innern Stadt, deutsche Leitung, 10 Z., recht gelobt, gute Küche, Pens. $ 8.--_Yamato Hotel_, japanische Leitung, im japanischen Stationsgebäude, Pens. 9-12 Yen.

=Wagen=: Droschken, Rikschas, chinesische Karren.--=Pferdebahn= bis zur innern Mauer.

=Eisenbahnen=: _Südmandschurische Bahn_ (japanisch) nach Changchun (und mit der Ostchinesischen Bahn weiter nach Charbin), nach Dairen und nach Antung (von wo weiter nach Söul, Fusan); _Nordchinesische Bahn_ (chinesisch) nach Tientsin und Peking. Japanischer wie chinesischer Bahnhof liegen 5 km westl. von der Stadt entfernt.

=Bank=: _Yokohama Specie Bank_ (Korrespondent der Deutschen Bank) in der innern Stadt.

=Deutsches Konsulat=, Konsul Dr. _Heintges_, Dolmetscher Dr. _Siebert_.

Mukden ist Sitz des Generalgouverneurs (Vizekönigs) der Mandschurei, der zugleich Gouverneur der Provinz _Fengtien_ ist, und eines Bannergeneralleutnants. Starke Garnison moderner Truppen. Rings um Mukden fanden Ende Februar und Anfang März 1905 die blutigen Kämpfe statt, in denen die Russen durch die Japaner zum Rückzuge nach dem Norden gezwungen wurden. Die äußere Stadt ist von einem 18 km langen Lehmwall, die innere von einer starken Mauer, mit je 8 Toren, umgeben. In der Nähe des japanischen Bahnhofs eine der vier Eckpagoden der Stadt von indischem Charakter, -- Die größte Sehenswürdigkeit ist der *=Kaiserpalast=; er liegt in der innern Stadt, in der Nähe des Astor House Hotels. Der letzte Kaiser, der ihn zeitweilig noch bewohnt hat, war Chienlung (1736-96). Der Palast ist in den Jahren 1907-09 wieder vollständig neu aufgebaut worden. Im Thronsaal steht noch der alte, in Holz geschnitzte Thron. In einem besondern Gebäude wird die Chronik des kaiserlichen Hauses aufbewahrt, die aber unzugänglich ist; gezeigt werden einzelne Stücke aus dem kaiserlichen Schatz: Gewänder, Helme, Waffen des Kaisers Chienlung, Stickereien, Gemälde, Porzellane, Nephritsachen u. a., ferner in einer besondern Abteilung eine große Menge Porzellan des kaiserlichen Haushalts. Einlaßpässe sind durch die Konsulate zu besorgen. Östlich schließt sich an den Palast ein Pavillon, in dem die Kaiser Audienz erteilten, mit den zugehörigen Gebäuden an.

=Ausflüge=: Nach dem =nördlichen Kaisergrab Peiling=, etwa 6 km nördl. der Stadt, mit Droschke oder Rikscha, Einlaßpässe durch die Konsulate. Das Grab liegt in einem Walde, der hinter der Anlage schöne Nadelholz- und Eichenbestände hat. Durch die ziemlich verfallene äußere Tierallee zu dem meist verschlossenen Südtor, das mit seinen lebhaften Farben in der grünen Umgebung sehr malerisch wirkt. Man fährt nach l. um die Umfassungsmauer herum zum Westeingang, durch den man den von Strandkiefern gebildeten düstern *_Grabhain_ betritt, in die innere, mit Platten belegte Tierallee, die an dem Südtor (s. oben) beginnt und von steinernen Säulen und Tierfiguren, Himmelshunden, Pferden, Kamelen und Elefanten, eingefaßt wird. Den Abschluß der Allee bildet ein Gebäude mit schöner Kassettendecke, das eine riesige, aus einem Kalkmarmorblock gehauene Schildkröte enthält, die auf ihrem Rücken einen zweiten Monolithen trägt, in den die Lebensgeschichte des hier ruhenden Kaisers Taitsung (gest. 1643), des Vaters des ersten chinesischen Kaisers aus der Mandschudynastie, in Mandschurisch, Mongolisch und Chinesisch eingehauen ist. -- Durch ein von einem turmartigen Aufbau gekröntes Tor in den innern Hof, der von einer hohen, breiten Steinmauer mit Ecktürmen umgeben ist. Die Dächer sämtlicher Gebäude sind aus den gelben Ziegeln kaiserlicher Bauten hergestellt. R. und l. auf dem innern Hof einige Gebäude für Mitglieder des kaiserlichen Hauses. In der Mitte auf erhöhter Terrasse, zu der eine Drachentreppe führt, die _Ahnenhalle_ mit den Tafeln Taitsungs und seiner Familie.

Dahinter vor dem Eingang zum eigentlichen Grabe steht die sogen. _Geistermauer_ mit aus Stein gefertigtem Opfergeräten; dann durch einen Gang durch die Mauer des innern Hofes zu dem vermauerten Eingang des Grabhügels. Man steigt nun auf die Mauer und gelangt zu einer Halle mit kassettierter Decke, die einen Stein mit dem Namen Taitsungs in den oben erwähnten drei Sprachen enthält. -- Nach N. hat man den mit einem Rundgang versehenen _Grabhügel_ vor sich; er ist von einem verkrüppelten Baum gekrönt, der eine alte Familienlegende des kaiserlichen Hauses versinnbildlicht; im Hintergrund eine künstliche, mit Bäumen bepflanzte Erdhügelkette, die den Einfluß der bösen Geister des Nordens abhalten soll. -- Auf der Mauer geht man dann zum Eingang des innern Hofes zurück.

Das =Ostgrab Tungling= in der Nähe des Dorfes _Tungling_ ist von Mukden etwa 18 km entfernt und nur sehr beschwerlich zu Pferde oder mit chinesischer Karre zu erreichen. Die Anlage ist ähnlich wie die des »Peiling«, nur wirkt die ganze Umgebung malerischer durch die Lage auf natürlichen Hügeln und durch die Nähe des Hunho (Fluß). Begraben ist dort der Vater Taitsungs, Tientsung (gest. 1636).

Die Südmandschurische Bahn führt dicht hinter Mukden auf 736 m langer Brücke über den _Hunho_, Nebenfluß des Liauho nach (199 M) _Suchiatun_ [von hier Zweigbahn über _Chienchinchai_ nach (34 M) _Fushun_ am Hunho, wo die großen Kohlengruben der Südmandschurischen Bahn mit modernen Einrichtungen bis zu 5000 t täglich Kohlen fördern; 1/4 St. vom Bahnhof, jenseit des Hunho, liegt die alte Stadt Fushun]. Weiterhin über den _Shaho_, an dessen l. Ufer (205 M von Changchun) _Shaho_, kleine, aus dem japanisch-russischen Krieg bekannte Stadt. [Von hier Ausflug zu Fuß ostwärts 3 St. am Shaho entlang zum Besuch der Schlachtfelder vorbei am Nowgorod- und Putilow-Hügel bis an den Fuß des Taschan (Turm- oder Pagodenberg genannt), dort fahre man von Station der Kleinbahn Mukden-Antung nach Mukden zurück.] Die Bahn führt weiter über (216 M) _Yentai_, dessen Kohlengruben, 10 km vom Ort, von der Bahngesellschaft ausgebeutet werden, nach (230 M) _Liaoyang_ (Bahnwirtschaft), ältester Stadt der Mandschurei mit 55000 Einw. und schönem *_Lama-Turm_, erbaut im 3. Jahrh. n. Chr.; 1372 wurde die Stadt mit Mauern umgeben; berühmte Branntweinbrennerei (Samschu); Hauptquartier der japanischen Bahntruppen. In der Schlacht bei Liaoyang, 30. Aug. bis 4. Sept. 1905, führte Kuropatkin seinen berühmten Rückzug aus.-- Weiter über Haicheng nach (256 M) _Tangkangtzu_ (Stadt mit heißen Quellen; _Gold Spring Hotel_).

=Ausflug= (sehr lohnend) von Tangkangtzu etwa 16 km östl. von der Bahn zum Kloster *=Chienshan= (_Tschienschan_) mit etwa 60 sehr alten buddhistischen Tempeln auf felsigen Hügeln in sehr malerischer Landschaft; besonders sehenswert ist die Tempelanlage der Drachenquelle (_Lungtschuankuan_) und der Tempel der Mildtätigkeit (_Wuliangkuan_), beide mitten in Waldeseinsamkeit. Schon der Kaiser Taisung (627-649) der Tang-Dynastie soll die Naturschönheit des Tschienschan bewundert haben.

Weiter nach (288 M) _Tashihchiao_ (_Daschitschau_; Bahnwirtschaft). Hier Zweigbahn r. nach (13-1/2 M) _Yingkou_ (S. 328), nur bis ans l. Ufer des Liao, dort übersetzen (bei Eisgang im Winter zuweilen unmöglich) zum Anschluß an die Nordchinesische Bahn.

Die Bahn führt über (306 M) _Kaiping_ (_Kaitschou_), Stadt mit wichtigem Handel in Puppen der wilden Seidenraupe und Seide, tritt nahe an die Küste des Liaotunggolfs und läuft am Westabhang der Gebirge der Liaotunghalbinsel entlang über (326 M) _Hsiungyuehcheng_ (ganz guter japanischer Gasthof; heiße Quellen im Flußbett des Hsiungyueh), weiter, die Halbinsel schräg durchquerend, über (359 M) _Teliszu_ (Niederlage des Generals Stackelberg 15. Juni 1904 gegen General Oku) und (371 M) _Wafangtien_ (Bahnwirtschaft), zur unbedeutenden Hafenbucht (388 M) _Pulantien_ (früher Port Adams) am Liaotunggolf, Grenzort des japanischen Südwestzipfels der Liaotunghalbinsel. --(414 M) _Chinchou_ (_Kintschou_) an der gleichnamigen Bucht am Liaotunggolf, wo 26. Mai 1904 die erste Schlacht stattfand, die Port Arthur vom russischen Heer abschnitt, und weiter über den Isthmus, der zur Kwangtunghalbinsel führt, an der Bucht von _Talienwan_ über (429 m) _Choushuitzu_, Zweigbahn nach Port Arthur (S. 327), nach

(436 M) =Dairen= (früher _Dalny_), wichtigem japanischen Handelshafen auf 38° 56' nördl. Br. (wie Kalabrien), an der großen Bucht Talienwan (Dairenwan) der Koreabai, mit etwa 60000 Einw. (die Hälfte Chinesen). Der Platz ist wichtig als Endpunkt der Südmandschurischen Bahn und für den Postdampferverkehr nach China und Japan im unmittelbaren Anschluß an die Expreßzüge der Sibirischen Bahn. Vgl. beifolgenden Plan.

=Gasthöfe=: _Yamato Hotel_ der Südmandschurischen Bahn, komfortabel, sehr gelobt, Pens. 9-12 Yen; _Rioto-Hotel_; _Iwaki-Hotel_ u. a.--=Post u. Telegraph.= --=Wagen=: Droschken, Hotelwagen, Rikschas.

=Straßenbahnen= (elektr.) durchziehen die ganze Stadt.

=Eisenbahnen=: Südmandschurische Bahn (S. 324) nach Mukden und Port Arthur.

=Dampfer= der Südmandschurischen Bahn (_South Manchurian Railway Co._ in Dairen: Tel.-Adr.: »Mantetsu-Dairen«), Anschluß an jeden Expreßzug von Moskau nach Schanghai; _Osaka Shosen Kaisha_ und _Nippon Yusen Kaisha_, Anschluß nach Korea, Nordchina und Japan mehrmals wöchentlich; _Reichspostdampfer der Hamburg-Amerika Linie_ nach Tsingtau, Schanghai und Tientsin (S. 265).

=Geld= wie in Japan s. S. 342.--=Bank=: Zentrale der _Yokohama Specie Bank_ für die Mandschurei.

=Deutsches Konsulat= geplant.

=Klubs=: Internationaler Dairen Club; Dairen Golfing Association; Seemannsheim.

=Ärzte=, tüchtige, Deutsch sprechende japanische Ärzte im modern eingerichteten Central Railway Hospital.

_Dairen_, von den Russen nach großartigem Plan unter Aufwendung großer Geldmittel, aber erst in den Grundzügen angelegt, ist zwar in den letzten Jahren unter japanischer Verwaltung als Hauptausfuhrhafen für die Südmandschurei stark aufgeblüht, doch macht auch heute noch ein großer Teil des Stadtgebiets mit den breiten, nur mit vereinzelten Häusern besetzten Straßen einen recht öden Eindruck. Nur die vom Hauptplatz ausstrahlenden zehn modernen Straßen sind voll bebaut und belebt. Hauptsächlich werden Kohlen und Bohnen ausgeführt. Schon 1909 führte Dairen etwa die Hälfte der mandschurischen Bohnenernte (geschätzt auf 1 Million Tonnen) aus; die Bohnen und Bohnenkuchen gehen nach Japan, Amerika und England in solchen Mengen, daß der Weltschiffahrtsmarkt der Trampdampfer bereits stark durch die Bohnenausfuhr beeinflußt wird. In Dairen sind die Generaldirektion und Werkstätten der Südmandschurischen Bahn. Die Stadt hat elektrische und Gasbeleuchtung sowie gute Straßen. Der Hafen ist mit Trockendock und modernen Kaianlagen ausgestattet, aber den Nordwinden ausgesetzt und noch nicht genügend ausgebaggert. Zementfabrik und große Bohnenmühlen nahe Choushuitzu, auch andre Fabriken. Mehrere ausländische Firmen, auch einige deutsche, sind in Dairen ansässig. Das Klima ist gesund, im Juli bis 33°, im Januar bis -17°. Außerhalb der eigentlichen Stadt liegen das Chinesenviertel und zwei Vergnügungsplätze für japanischen Geschmack: Fushimipark und Yoshiwara. Die Umgegend von Dairen bietet Seebäder am Gelben Meer im Sommerbadeort _Star Beach_ (Strandhotel der Südmandschurischen Bahn, billig, gelobt), mit Sommerhäusern. Etwa 5 km sö. von Dairen liegt die Sommerfrische _Laohutan_ (Roko-tan), etwa 8 km sw. _Kokusekisho_ (Blackstone Rock), am Fuß des Berges Dairen Fuji, an sehr schönem Strand mit phantastischen Felsformen; gute Fahrwege führen zu diesen Plätzen.

=Von Dairen nach Port Arthur= führt die Bahn über (7 M) _Choushuitzu_ u. (15 M) _Hsiachiahotzu_ (_Kakakashi_) mit sehr schönem Badestrand am Tschiligolf.

(39 M) _Port Arthur_ (japanisch _Ryōjunkō_; Gasthöfe: _Yamato Hotel_ der Südmandschurischen Bahn in der Neustadt, komfortabel, gelobt, Pens. 9-12 Yen; _Astor House_; _Asahi Hotel_; _Seirinkan_. --_Yokohama Specie Bank_; Droschken, Hotelwagen, Rikschas zu haben; japanische Dampfer nach Tschifu), starkbefestigter Kriegshafen (Photographieren und Zeichnen in der Nähe von Befestigungen ist streng verboten!) auf der Kwangtunghalbinsel, mit nur noch etwa 15000 Einw., davon 10000 Chinesen, aber fast keine Europäer, vom chinesischen Vizekönig Lihungtschang um 1880 angelegt, vom japanischen Heer unter Oyama am 24. Nov. 1894 erstürmt, dann 1895 an China zurückgegeben, 1898 von Rußland »gepachtet« und durch neue, fast sturmfreie Forts stark befestigt, im russisch-japanischen Krieg von den Japanern unter General Nogi seit 6. Juni 1904 belagert und nach schweren verlustreichen Kämpfen am 2. Jan. 1905 zur Übergabe gezwungen (General v. Stössel war der Führer, General Kondratenko [gefallen 1. Dez. 1904] die Seele der Verteidigung), wobei 546 Geschütze u. 20 Kriegsschiffe (darunter 4 Schlachtschiffe) erbeutet wurden. Jetzt ist die Stadt Sitz des japanischen Generalgouvernements und aller Militär- und Marinebehörden für das Kwangtunggebiet. Port Arthur liegt in einer tiefen Einbuchtung des Gelben Meeres mit nur 300 m breiter Einfahrt, auf 38° 48' nördl. Br. (etwa wie Lissabon). Der 4 qkm große, innere, das ganze Jahr eisfreie Hafen ist von Bergen umgeben, die nach der Seeseite starke Befestigungen tragen; er ist jetzt zum Teil als Handelshafen für Ausfuhr der Fushunkohlen (S. 325) freigegeben. Die Neustadt mit dem europäischen Stadtteil und Regierungsgebäuden liegt westl. vom Bahnhof (der dicht am Hafen liegt), ist aber jetzt fast völlig verödet, der Handel hat fast aufgehört; die Altstadt, zumeist Chinesenstadt, liegt östl. davon. In den Läden der Altstadt Kriegserinnerungen zu haben. Die Umgebung, insbesondere die Küsten, sind reich an schönen Landschaftsbildern. Die im Krieg von den Japanern erstürmten Befestigungen, besonders das Nordfort des _Tungchikuanshan_ (Osthahnenkamm und der 203 m-Hügel sind sehr sehenswert. Nahe der Stadt ein japanisches Kriegsmuseum mit vielen Modellen und Erinnerungen; westl. davon das japanische Kriegerdenkmal, als Leuchtturm gebaut u. mit Tempel, und weiter nw. jenseit der Bahn das russische Denkmal (englischer Führer mit Karte: _Descriptive and historical sketch of Port Arthur_ im Gasthof zu haben). Die teilweise nicht wieder aufgebaute Hauptlinie der Befestigungen wird, von Militärs aller Länder viel besucht. Nur die Seefront darf nicht besichtigt werden.

Von Charbin nach Peking.

Vgl. die Karten bei S. 215 und S. 271.

=Ostchinesische Bahn= von Charbin nach _Changchun_ und von hier =Südmandschurische Bahn= nach _Mukden_, vgl. S. 324. Von Mukden nach (524 M) _Peking_ zweigt die =Nordchinesische Eisenbahn= (_Imperial Railways of North China_) westwärts ab; Schnellzüge ab südmandschurischer Bahnhof in Mukden im Anschluß an die Expreßzüge von Charbin (S. 323), Fahrzeit Mukden-Peking 23 St., Fahrpreise I. $ 31,70, II. 19,85, Zuschlag für Luxusexpreß $ 7 bzw. 5. --Über direkte Fahrkarten Berlin-Peking (rund 11090 km) vgl. S. 302.

Bahnfahrt von Charbin nach Mukden vgl. S. 324. Von Mukden fährt die Nordchinesische Bahn in westl. Richtung durch die steppenartige Liaoebene, die nicht besonders fruchtbar, aber wichtig durch ihre riesigen Schweineherden ist, die bis Peking exportiert werden, und überschreitet den Liaoho. Dann südwestl. weiter in der Liaohoebene nach _Koupangtze_.

=Zweigbahn= südl. nach =Yingkou=, _Inkau_, _Niutschwang_ (_Hotel Manchuria House_; 30 Z., Pens. $ 8), dem wichtigsten Handelsplatz der südl. Mandschurei, auf 40° 44' nördl. Br., etwa 26 km oberhalb der Mündung des Liaoflusses in den Golf von Liaotung in der mandschurischen Provinz Schöngking; Yingkou hat etwa 52000 Einw. und ist seit 1858 dem Fremdhandel geöffnet, aber nur für kleinere Seeschiffe erreichbar. Landungsbrücken für Seeschiffe bei der europäischen Niederlassung am l. Ufer. Der Bahnhof der chinesischen Nordbahn liegt am r. Ufer, der Bahnhof der südmandschurischen Bahn (die 30 km östl. bei _Tashihchiao_ in die Hauptlinie Charbin-Mukden-Port Arthur [S. 326] mündet) am l. Ufer. _Russisch-Asiatische Bank_; _Yokohama Specie Bank_ (Korrespondent der Berliner Disconto-Gesellschaft), beide Korrespondenten der Deutschen Bank.--_Deutsches Konsulat_ (Vizekonsul J. Jaspersen).-- _=Dampfer=_ der _Nippon Yusen Kaisha_ nach Taku, Tschifu, Tschimulpo, Nagasaki, Moji etc.; _China Merchants-Dampfer_ nach Taku, Tschifu und Schanghai wöchentlich Agenten des _Norddeutschen Lloyd_: Bandinel & Co. --Der Liaofluß ist für Flußfahrzeuge bis nach Mukden schiffbar. An ihm liegt 48 km stromaufwärts die alte Chinesenstadt _Niutschwang_ (Ying-tse-kou), mit bedeutendem Handel.

Die Hauptbahn läuft von Koupangtze südwestl. weiter über _Kintschou_ (_Chinchowfu_, vgl. S. 318) und _Ningjuen_ durch die schmale, zwischen der Nordwestseite des Golfs von Liaotung und dem Gebirge sich entlangziehende hügelige Küstenebene (Liaohsi), die als einzige bequeme Verbindung zwischen der Mandschurei und der Großen Ebene eine wichtige Rolle in der Geschichte Chinas gespielt hat (vgl. unten).

(261 M) =Schanhaikuan= (_Railway Hotel_), nahe am Meer, stark befestigte, 1368 erbaute chinesische Grenzstadt; hier beginnt die große Chinesische Mauer (S. 296) und steigt in malerischen Zickzacklinien, mit Wachttürmen besetzt, auf die Kämme der Hügelketten im Hinterlande; Höhe der Mauer etwa 10 m, Breite oben 8 m und mehr. Die ebenfalls ummauerte Stadt liegt westl., also innerhalb der Großen Mauer. Einen bessern Schutz bieten jetzt fünf moderne Forts. Der Bahnhof liegt vor dem Südtore der Stadt und etwa 4 km vom Meer.

Mehrfach sind Völkerstämme, aus Norden und Nordosten stammend, in der =Liaoebene= zeitweise seßhaft geworden, dort erstarkt und später durch Liaohsi nach China vorgedrungen. So eroberte um 900 n. Chr. der Stamm der _Kitan_, tungusischer Herkunft, Nordchina und begründete dort die von 905-1125 regierende Liaodynastie, der bis 1234 die stammverwandte Kin-Dynastie folgte. Die später in China zur Herrschaft gelangten Mongolenkaiser suchten daher die schmalste Stelle von Lioahsi durch eine das Ostende der Großen Mauer bildende Befestigungsanlage, das »Große Tor« (_Schanhaikuan_) gegen weitere Einfälle vom Liaotale her zu schützen. Trotzdem wurde Liaohsi noch einmal die Einfallspforte für fremde Eroberer, nämlich für den jetzt noch in China herrschenden tungusischen Stamm der _Mandschu_, die 1584 ins Liaotal kamen, 1616 Mukden und 1644 an Stelle von Mukden Peking zu ihrer Hauptstadt machen konnten.

Bei (281 M) Stat. _Tangho_ liegt =Tshinwangtau= (_Resthouse Hotel_, bequem, 9 Z., Pens. $ 5), seit 1898 dem Fremdhandel geöffneter kleiner Hafen mit guter Landungsbrücke, 5000 Einw.; im Winter (November bis März), wenn die Takubarre gefroren ist, landen hier die für Tientsin bestimmten Postdampfer.--Die Bahn entfernt sich nunmehr von der Küste und geht über _Peitaiho_ (Seebad) und _Tschangli_ nach =Lwantschou= (_Lanchow_), alter Hauptstadt der Han-Dynastie, am r. Ufer des Lwanho, an dem etwa 160 km flußauf Jehol (S. 298) liegt. [Etwa 17 km nördl. von Lwantschou liegt die alte große Stadt Yungpingfu.]--Dann folgt _Kaiping_ und (355 M) =Tangschan=, Stadt mit 40000 Einw. und wichtigen Kohlenbergwerken der chinesischen Regierung. Nun weiter über _Lutai_ und _Peitang_ nach (394 M) =Tongku=. Weiterfahrt nach Peking S. 280 und 277.

16. Korea.

Vgl. die Karten bei S. 271 und 337.

Die =Halbinsel Korea=, im NW. durch das wegen seiner rostförmigen Gliederung schwer überschreitbare Gebirgsland von Liaotung und den Yalufluß, im NO. durch die bis 2450 m hohe Schranke des Tschangpaischan wirksam vom asiatischen Festland abgeschlossen, war seit alter Zeit ein Zankapfel zwischen China und Japan und zuletzt Rußland gewesen, hat sich aber meist selbständig erhalten, bis es 1910 japanische Kolonie geworden ist. Die ganze Ostseite der Halbinsel fällt steil, felsig und fast buchtenlos ins Japanische Meer ab, die Süd- und Westseite sind niedriger, offen, stark gegliedert und inselreich, aber schwer zugänglich, da alle die Felseninselchen und Buchtenränder in einen dicken Schlammantel gehüllt sind. Die Halbinsel hat drei verkehrsreiche Hafenplätze, Tschimulpo im W., Fusan im S., Gensan im O. Das Innere ist meist mit Hügel- und Gebirgsland erfüllt; von der Ostküste aus erhebt sich steil ein Gebirgszug, der nicht über 1500 m hoch ist und nach S. niedriger wird, aber wegen hoher (900-1000 m) Pässe auf große Strecken schwer überschreitbar ist. Nach W. fällt er in einem buckligen, einförmigem Berg- und Hügelland langsam ab. Größere _=Flüsse=_ konnten sich auf der Halbinsel nicht entwickeln, und die auf der Westseite vorhandenen kommen als Wasserstraßen höchstens so weit in Betracht, als die hohen Gezeitenwellen des Gelben Meeres in ihnen aufwärtsdringen. Dazu ist ihre Wasserführung sehr schwankend, und die nördlichen frieren im Winter zu. Dies gilt auch für den Yalu, den 800 km langen Grenzfluß gegen NW., der sich an seiner Mündung auf 4 km verbreitert, aber nur auf 60 km schiffbar (auf eine viel größere Strecke allerdings flößbar) ist.

Korea liegt in der Breite Unteritaliens und Algeriens, aber der Winter ist in Mittelkorea keineswegs so mild wie in Algier oder Malta, sondern so rauh wie in Königsberg. Freilich ist er in der Mandschurei und im Liaotale noch viel strenger, die Winterkälte nimmt südwärts rasch ab (Januartemperatur in Charbin-18,7°, in Mukden -13,6°, in Tschimulpo-2,6° [Königsberg i. Pr.-2,9°], in Fusan 4,2°; dagegen in Malta und Algier 11,9°). Nordkorea ist den ganzen Winter über in Schnee gehüllt, im S. fällt Schnee nur auf den Bergen. Die Sommer sind in ganz Korea, Nordchina und der Mandschurei ungefähr gleich heiß, mit einer Mitteltemperatur des Juli oder August von etwa 24-25°, und zugleich die Zeit der Hauptniederschläge, die von Juli bis September fallen.

Das _=Pflanzenkleid=_ der Halbinsel wechselt vom S. zum N. stark wegen der Verschiedenheit in der Strenge der Winter. Im Südteile erscheinen schon immergrüne Pflanzen, wie Kamelien und Bambus. Das Waldkleid der Berge ist aber schon sehr stark gelichtet, und im trocknen Winter sieht daher ganz Süd- und Mittelkorea steppenartig kahl aus, während der warmfeuchte Sommer eine üppige Vegetation hervorbringt. Wald- und wildreich sind noch die Gebirge des Nordteils der Halbinsel und besonders des Nordostens; sie tragen unten Laub-, oben Nadelwälder.

Die _=Bevölkerung=_ ist, entsprechend der zentralen Lage der Halbinsel zwischen der Mandschurei, China und Japan, eine mongolische Mischrasse von sehr alter, aber stark herabgekommener Kultur. Das einst hochstehende Kunstgewerbe (Porzellan und Metall) ist ganz verschwunden. Die Kleidung der untern Stände ist weiß, die der Vornehmen farbig; die Frauen leben streng abgeschlossen. Die obern und untern Stände unterscheiden sich sehr scharf durch Typus, Kleidung und Kasten. Die Vornehmen haben schöne, feine Gesichtszüge und für Mongolen stattliche Körpergröße und tragen bunte Gewänder; die Gesichtszüge des niedern Volkes, das helle Kleider tragen muß, sind viel gröber, im N. tungusenähnlich mit flacher Nase und vorstehenden Backenknochen.

Die Koreaner haben eine eigne mehrsilbige _=Sprache=_ mit chinesischen Lehnwörtern, aber Buchstabenschrift (vgl. _Imbault-Huart_: »Manuel de la langue coréenne parlée«; Paris 1889). Die Sittenlehre des Kungfutsze ist weit verbreitet, doch auch der Buddhismus hat noch Bedeutung. Viele Mönchs- und Nonnenklöster findet man in den Gebirgen. Das Unterrichtswesen gleicht dem japanischen; die Kunst des Lesens und Schreibens ist allgemein verbreitet.

Die Grundlage der koreanischen _=Volkswirtschaft=_ bildet der Ackerbau, weniger die Viehzucht, sowie an der Küste der Fischfang. Da der Ackerbau ganz im Gegensatz zum chinesischen in sehr primitiver Weise betrieben wird, so ist die Volkszahl nicht groß; sie beträgt jetzt auf 218650 qkm 9-3/4 Mill. Menschen (davon 126168 Japaner, 12332 Chinesen, 464 Amerikaner, 153 Engländer, 87 Franzosen, 33 Deutsche, 40 andre Europäer). Angebaut werden vor allem Reis, Hülsenfrüchte und Getreide sowie im N. die vor allem in China als Allheilmittel sehr geschätzte Ginsengwurzel. Der Teestrauch wird nicht kultiviert, da die Koreaner, im Gegensatz zu den Chinesen und Japanern, keine Teetrinker sind; dagegen wird die Seidenraupe gezogen, und von Nutzpflanzen sind die Baumwolle und der Tabak im S. verbreitet.

_=Geschichte.=_ Die Legende vom Ursprung des Königreichs Korea greift bis 2333 v. Chr. zurück; später bestanden verschiedene, sich befehdende Königreiche, bis Korea von 109 v. Chr. bis 314 n. Chr. zum erstenmal unter chinesische Gewalt fiel. Seit 37 v. Chr. bis 668 n. Chr. kämpften drei Königreiche um ihre Unabhängigkeit gegen China und Japan, später mit Japan gegen China. Von 668-935 blühte das Land geeinigt auf; von 918-1392 wurde es von der eingebornen Wang-Dynastie beherrscht, wobei die buddhistischen Priester und der Adel zu großem Einfluß gelangten, was viele Aufstände erzeugte; gleichzeitig wurden die Herrscher durch Heiraten von Mongolenprinzessinnen allmählich zu Mandschus. Kriegsschauplatz fremder Mächte war Korea zuerst 1268-1280, als Kublai Chan gegen Japan kämpfte. Seit 1392 gelangte infolge eines Palastaufstandes eine ältere Dynastie zur Herrschaft, die das Land Tschausian nannte; 1394 wurde Söul Hauptstadt. 1592-98 blutiger Krieg mit den gelandeten Japanern; 1627 und 1637 überfielen die Mandschu das Land und brachten es in Abhängigkeit zur Tsing-Dynastie. Trotzdem verstand Korea sich nach außen abzuschließen. Erst 1876 wurden für Japan einige Häfen geöffnet, 1884 auch für europäische Staaten. 1894 wurde das Land japanischer Kriegsschauplatz gegen China (wobei 1895 die Mutter des Kaisers von Korea von Japanern ermordet wurde), 1904 gegen Rußland. Seit 1910 ist Korea japanische Kolonie unter dem Namen Chosen (spr. tschosön, d. h. Land der Morgenröte). Der Generalgouverneur residiert in Söul. Die führende Aristokratie wurde dem japanischen Adel angegliedert, der Kaiser von Korea nach Japan ins Exil geführt. Der Besitz Koreas war für Japan eine Lebensfrage; es braucht das wenig bevölkerte Land als Siedelungskolonie.

Von Mukden nach Söul.

NB. Bester Weg für Japanreisende, welche die Seefahrt scheuen, vgl. S. 334.

Mit der =Südmandschurischen Bahn= (S. 324) von Mukden nach _Antung_, 186 M, Fahrzeit 7 St., von da mit der =Koreanischen Bahn= (_Korean Railway_) über die seit 1912 betriebsfertige Eisenbahndrehbrücke über den Yalu nach _Söul_, 312 M von Antung, Fahrzeit 12 St.

Die Strecke Mukden-Antung, während des russisch-japanischen Kriegs als Kleinbahn schnell gebaut, ist inzwischen auf normale Spurweite ausgebaut; durchgehende Züge von Mukden (wie für die Strecke nach Dairen, vgl. S. 324) sollen seit 1912 im Betrieb sein. Es wird empfohlen, sich für die Bahnfahrt mit Lebensmitteln für drei Tage und reichlich mit warmen Decken zu versehen. Sie führt durch das Gebirgsland des nördl. Liaotung, das, aus den verschiedensten Gesteinen aufgebaut, eine entsprechende Mannigfaltigkeit der Oberflächenformen zeigt und, um als landschaftlich schön bezeichnet werden zu können, nur des Waldmantels großenteils entbehrt.

Die Bahn führt von Mukden südostwärts, schneidet die Kohlenbahn nach _Fushun_ (S. 325), dann über (47 M) _Penchihu_, eine ruhige Kleinstadt mit Kohlenfeldern in der Nähe, tritt ins Gebirge _Föngschuiling_ mit sehr malerischer Landschaft zwischen (58 M) _Chiaotou_ und (84 M) _Lienshankuan_; 16 km westl. davon der im Kriege hart umstrittene Paß _Motienling_.--In (98 M) =Tsaohokou= (Gasthöfe: _Nisshin_, japanisch, teuer; außerdem ein chinesischer, beide mäßig) bleibt der Zug liegen bis zum nächsten Morgen, dann über (120 M) _Chiumuchuang_ und (136 M) _Chikuanshan_ in steilem Gelände nach (150 M) =Fenghuangcheng=, Stadt mit 8500 Einw., in deren Landschaft man den vielgipfeligen _Phönixberg_ (Fenghuang = Phönix) erblickt.--Bei (172 M) _Wulungpei_ werden heiße Quellen passiert, dann erreicht man (186 M) =Shahochen=, chinesische Stadt mit 21490 Einw., und daneben, nur durch einen Graben von der alten Stadt getrennt, (189 M) =Antung= (_Anju_, _Ngantung_), die neue japanische Hafenstadt mit 5264 Einw., am r. Ufer, 8 km oberhalb der Yalu-Mündung; der Hafen wird von Dschunken und kleinen Küstendampfern viel besucht. Gasthöfe: _Kikuya Hotel_; _Gempokan_; _Yokohama Specie Bank_. _=Konsulate=_: Amerika, England und Japan sind vertreten. Chinesische Zollstation. Aus dem waldigen Hinterland werden auf dem Yalu große Mengen Holz herabgeflößt; Antung ist der Sitz der _Yalu Timber Co._ (japanisch-chinesischer Betrieb).--Das Flußgebiet des Yalu (Japan. Amunyoku Kan) ist mit Urwald bestanden und 90 km aufwärts von Antung bis Chanson (Changseng) für Küstendampfer, 370 km aufwärts bis Maserhshan trotz Stromschnellen für kleine Dschunken schiffbar.

=Von Antung nach Söul.= Die Koreanische Staatsbahn (Expreßzug nur an bestimmten Tagen, mit Speisewagen, Fahrpreis Antung-Söul etwa 20 Yen; koreanische Bahnzeit ist 30 Min. später als südmandschurische, vgl. S. 324), die dem japanischen Generalgouverneur in Söul unterstellt ist, führt von Antung (s. oben) über die neue Yalu-Brücke nach _Shin-Gishu_ (_New Wiju_) am l. Yalu-Ufer, Stadt mit etwa 15000 Einw., davon 1/3 Japaner; Handel mit Goldsand, Fellen und Ginseng (Kraftwurzel); Hafen für Küstenfahrzeuge; in der Nähe Goldwäschereien. Bei _Pingyang_ (_Phyöngyang_), Provinzialhauptstadt mit 43000 Einw., am r. Ufer des hier nur für kleine Fahrzeuge schiffbaren Taitongkang; von hier Zweigbahn nach dem Seehafen _Chinampo_ an der wattenreichen Mündung des Taitongkang mit etwa 1000 Einw., dem Fremdhandel seit 1897 geöffnet, aber von geringer Handelsbedeutung; japanische Dampferlinien nach koreanischen, japanischen und nordchinesischen Häfen.--Die Hauptlinie führt über _Kaiseng_ und _Lungshan_ nach (312 M von Antung) =Söul= (S. 333).--[Hand] _=Anschlußstrecke=_ _Söul-Fusan_ nebst Dampferanschluß nach _Shimonoseki_ s. S. 337.

Tschimulpo.

=Ankunft zur See.= Von _Tschifu_ (S. 278) kommend, fährt man an Weihaiwai (S. 278) vorbei und dann auf die bis 125 m hohen Inseln zu, die der koreanischen Küste auf etwa 37-1/2° nördl. Br. vorgelagert sind; man steuert dann durch schwieriges, klippenreiches Fahrwasser zwischen vielen Inseln hindurch auf die Reede, wo die großen Dampfer etwa 4 km sw. vom Hafen ankern, während kleine im innern Hafen nicht weit von der Landungsbrücke für die Boote ankern.

Man benutzt Sampan oder Dampfboot zum Landen, Preis etwa 1 Yen. Zollamt an der Landungsbrücke.

=Gasthöfe=: _Yinsen Club Hotel_.--_Steward Hotel._--=Post u. Tel.=--=Rikschas=, Tragstühle, Reitpferde sind zu haben. --=Eisenbahn= nach Söul, 7 Züge tägl. in 1-1/2 St.; Bahnhof im europäischen Stadtteil am Hafen. Agent der Internationalen Schlafwagengesellschaft für die Sibirische Bahn: _L. Rondon & Co._

=Dampfer=: _Hamburg-Amerika Linie_ nur gelegentlich.--_Nippon Yusen Kaisha_ 14tägig über Fusan, Nagasaki nach Kobe und nach Tschifu.--Andre japanische Dampferlinien nach Japan, Tschifu, Dairen, Port Arthur.--Agentur des _Norddeutschen Lloyd_ und der _Hamburg-Amerika Linie_ im Hause Karl Wolter & Co.

=Geld= wie in Japan, vgl. S. 342.

=Banken=: _Karl Wolter & Co._, Korresp. der Deutschen Bank, der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Chartered Bank of India, Austr. & China.--_Hongkong & Shanghai Banking Co._--=Sprache=: s. S. 330.

Englisches _Missionshospital_ und japanische _Krankenhäuser_.--Größtes Handelshaus ist die deutsche Firma _Karl Wolter & Co._--_Tschimulpo Club._

_Tschimulpo_ (Japan. _Chemurupo_), als Seehafen für die Hauptstadt Söul die wichtigste Hafenstadt Koreas, ist seit dem russ.-japanischen Kriege bedeutend gewachsen und hat jetzt etwa 30500 Einw. (15000 Koreaner, 13100 Japaner, 2000 Chinesen, 50 Europäer), ist seit 1883 dem Fremdhandel geöffnet und war vorher ein armseliges Fischerdorf. Jetzt sind hier eine japanische, eine chinesische sowie eine internationale Niederlassung im Aufblühen. Letztere ist die größte, sie nimmt einen Teil der Wasserseite, wo der Bau eines mit Schleuse geschlossenen Hafenbeckens geplant ist, sowie das ganze Hinterland ein; hier liegt auf einem Hügel mitten in schönen Gartenanlagen das schloßartige Haus des Hrn. Wolter, Chefs des Handelshauses _Karl Wolter & Co._, sowie das neue stattliche Haus eines Engländers. Von der Höhe *Aussicht auf Stadt und Hafen. Die Umgebung ist gebirgig, doch gut bebaut. Die Flußfahrt nach Söul ist langwierig, doch stellenweise sehr malerisch. Etwa 10 km sö. von Tschimulpo liegt die alte Stadt _Intschön_, deren Mauern aus der Zeit vor Christi Geburt stammen.

=Eisenbahn Tschimulpo-Söul= (1-1/2 St. für I. 1,41, II. 0,94 Yen; Gepäck 15 sen für 20 Pfund, dann 5 sen für je 20 Pfund mehr). Abfahrt vom Hafenbahnhof in Tschimulpo; Hst. _Saalij_ am SO.-Ende der Stadt, hinter der französischen Kirche, für das koreanische Viertel. Dann Fahrt durch die Ebene über _Pup-hyöng_ nach (30 km) _Eitoho_, wo r. die Südkoreanische Bahn (S. 336) nach Fusan abzweigt. Hinter (34 km) _Nodol_ auf einer Brücke mit 10 Bogen über den _Hangangfluß_. -- (37 km) _Yungsan_, wichtiger Flußhafen, mit katholischer Kirche; dann mehren sich die Dörfer, die Bahn läuft in die Hauptstadt. _Nandaimun_ am Südtor und weiter zur (42 km) Endstat. _Saidaimun_ am Westtor, dicht an der Stadtmauer von

=Söul= (sprich schaul, ssaul oder siul), d. h. Hauptstadt, japanisch _Keijo_, chinesisch _Wangking_.

=Gasthöfe=: _Sontag Hotel_, in der Legation Street, nahe den Konsulaten und gegenüber dem Club; 25 Z., französische Küche, Pens. 7-8 Yen. -- _Astor House Hotel_ (früher Station Hotel), am Bahnhof; 20 Z., Pens. 6-1/2-8 Yen.

=Post u. Tel.= japanisch. --_Rikschas_ (50 sen stündl.), Sänften, Reitpferde sind zu haben. -- =Straßenbahnen=: 1. Von der Westvorstadt durch die Hauptstraße und das Osttor zum Grabe der Kaiserin; 2. Von Tjongno nach Ryong-san. -- =Eisenbahnen=: nach _Tschimulpo_ (s. oben); Südbahn nach _Fusan_ 750 km; Nordbahn über Pingyang nach Antung (S. 332) mit Anschluß an die Mukden-Antung-Linie der Südmandschurischen Bahn (S. 324) und damit an die Sibirische Bahn (S. 316). Bester Reiseweg für Japanreisende, die das Seefahren nicht vertragen und auf diesem Wege, indem sie von Söul mit Bahn weiter bis Fusan (S. 336) fahren, nur die kurze Überfahrt von Fusan nach Shimonoseki, _etwa 7 St. Seefahrt_, durchzumachen brauchen. Im Bau Zweigbahnen nach _Kunsanpo_ und _Mokpo_ in Südwestkorea sowie die strategische Linie Söul-Gensan (Wönsan). Geplant ist eine Querbahn von Pingyang nach Gensan. -- =Geld= wie Japan (S. 342).--_Banken_: _Bank von Korea_, mehrere japanische. -- =Sprache=: S. 330. -- =Konsulate=: _Deutsches Reich_, Generalkonsul Dr. Krüger. -- Internationaler _Club_. -- Japanisches _Krankenhaus_. -- Zeitung: »Seoul Preß« (Regierungsorgan). -- Europäische Geschäfte und Agenturen.

_Söul_ ist seit 1394 Hauptstadt und geistiger Mittelpunkt Koreas; es liegt auf etwa 37,5° nördl. Br. (wie Sevilla), etwa 4 km nördl. vom rechten Ufer des Hangang in einer kesselförmigen Mulde und ist von Bergen bis zu 800 m Höhe eingeschlossen, auf deren Abhängen sich die mächtigen steinernen Stadtmauern von mehr als 20 km Länge hinziehen. Innerhalb der Stadtmauern erhebt sich der steile, 400 m hohe _Nordberg_ (_Puksan_) und der 260 m hohe, dichtbewaldete _Südberg_ (_Namsan_), an dessen Fuß das japanische Stadtviertel liegt. Außerhalb der 8 Tore von Söul liegen noch große Vororte. Die Stadt ist sehr weitläufig gebaut, zwei Hauptstraßen führen von N. nach S. und von O. nach W. hindurch. Die Stadt hat 230939 Einw. (davon 35000 Japaner, 2000 Chinesen und 100 Europäer). Das Klima ist kontinental, bis 36° C im Sommer, -15° C im Winter; beste Jahreszeit zum Besuch sind Frühjahr und Herbst, da dann auch die Landschaft besonders schön und regenfrei ist.--_=Rundfahrt.=_ Man besichtigt zunächst bei der Einfahrt vom Bahnhof die mächtige _Stadtmauer_ nebst Torpagode des Südwesttors mit tiefer Torwölbung. Von dem Platz, auf dem der Himmelsaltar (_Wenku_) steht, gelangt man zum _Neuen Kaiserpalast_, mit Seitenflügeln, zwischen denen die Anfahrtstraße zum Haupteingang liegt; die Stirnwand hat 3 Torbogen, vor denen 2 riesige, bizarre Steinlöwen stehen; das geschwungene Dach hat dunkelgrüne Ziegel; im innern Hof l. ein Gartenpalast, r. Beamtenwohnungen (Adelsgenossenschaft).--Man fahre dann an den Häusern der fremden Gesandtschaften vorbei zum Westtor, bei dem nördl. der _Maulbeerpalast_ (_Kjenghökung_) steht, 1616 erbaut, jetzt eine ausgebrannte Ruine.--Von da durch die östl. Hauptstraße zum _Glockenpavillon Tjongno_, dessen Glocke 1396 gegossen wurde und seitdem abends und morgens das Schließen und Öffnen der Stadttore ankündete; die Glocke hat etwa 3 m Durchmesser und 3-1/2 m Höhe. Der Glockenpavillon liegt in der Mitte der Stadt im koreanischen Geschäftsviertel; dort sind große Basare und die besten Kramläden. In der Nähe die alte weiße _Marmorpagode_ mit 13 Stockwerken (14. Jahrh.) und im Hofe eines Hauses ein alter Grabstein auf dem Rücken einer Schildkröte.--Dann folgt man der östlichen Hauptstraße bis zum Ahnentempel _Htaimyo_, biegt dann l. und gelangt zum _*Alten Kaiserpalast_ (_Tschyangkekkung_), dessen riesige Anlage sich bis zu den Hügeln beim Nordtor ausdehnt und viele prächtige Granitbauten in einem schönen Park enthält (zum Besuch vorher Erlaubnis durch den deutschen Konsul auswirken); der Palast ist der glänzendste Bau rein koreanischen Stils und enthält eine prachtvolle Audienzhalle, einen schönen Thronsaal und geschmackvolle Pavillons an den Lotosteichen des Parks. In dem Kiefernpark wurde auf einer Stelle, die einem Musikpavillon ähnelt, die Leiche der von den Japanern ermordeten Kaiserinmutter 1895 verbrannt.-- Nö. vom Alten Palast liegt der 1764 erbaute Tempel _Kyengmokung_ und nördl. von diesem der aus dem 14. Jahrh. stammende _Kungfutszetempel_ (_Munmyo Munsyeng Wangmyo_), mit uralten Bäumen im Hofe.--In wenigen Minuten gelangt man nun zum prächtigen Nordosttore der Stadt, vor dem in dem Bonzenheim _Höngtyen_ in einem Nebensaale sehenswerte Gemälde der buddhistischen Hölle (_myeng pu tyen_) sind.--Nur wenig weiter liegt das Grabmal einer Königin, _Tjöngröng_, die 1396 starb und 1409 dort beerdigt wurde, ein merkwürdiger Bau in schöner Lage.--Außerhalb der Stadtmauern liegen viele Königsgräber in entzückender Landschaft. Sehr lohnend ist ein Ausflug (3 St.) auf der westwärts laufenden Südmauer der Stadt bis an ihren höchsten Punkt; dort *Aussicht über Stadt, Gebirge und bis Tschimulpo.

=Ausflüge= in die landschaftlich reizvolle Umgebung zu Pferde, besonders nach den fünf Präfekturfestungen, werden sehr empfohlen. Nach _Pukhan_ etwa 12 km nördl. vom Westtor; nach _Kwangdschu_ (Zitadelle von _Namhan_) etwa 25 km sö. vom Südosttor von Söul auf einem Berge, 1626 erbaut, mit neun Klöstern kriegerischer Bonzen, einem Königspalast, verschiedenen Yamen und Tempeln. Man braucht 2 Tage, übernachte (gegen Geldgeschenk) in einem der gastfreien Klöster.

Der Ausflug in die =*Diamantberge= erfordert etwa 8-14 Tage Zeit, Ausrüstung mit Reitpferd und etwa 2 Packpferden nebst Führer und Mundvorrat, Bettzeug etc. (Nach Fertigstellung der südl. Bahnstrecke der Linie Söul-Gensan benutze man diese bis Kimsöng.) Man reitet auf der großen Landstraße, die von Söul nordostwärts nach _Gensan_ führt (Bahn im Bau), am 1. Tage 50 km bis _Yongpöng_, am 2. Tage etwa 60 km bis _Kimsöng_ (d. h. Goldstadt), ein verfallener Ort. [Von hier 30 km wnw. lag das Goldbergwerk =Tangkukae= eines deutschen Syndikats in waldigen, wasserreichen Bergen, seit 1906 wieder aufgelassen.]--Von Kimsöng wende man sich zu Fuß östl. in die Berge über mehrere steile Pässe zum reißenden Fluß _Thaetsingang_, dann im Tale von dessen Nebenfluß nach NO.; bald führt ein schmaler Felspfad über eine Bergkette und wieder hinab in ein enges Tal, bis man auf dessen Paß die gewaltige Bergmasse der Diamantberge von Korea, mit dem höchsten Gipfel =Kimkangsan= (1830 m), erblickt, zu denen man auf ausgetretenen, aber doch oft schwierigen, von vielen Pilgern besuchten Felspfaden gelangt. Mehr als 100 buddhistische Tempel und Pagoden sind auf den Hängen und in den Tälern der Diamantberge, meist in sehr malerischer Lage. Die koreanischen Mönche, die dort teils als Einsiedler, meist aber in großen Klöstern hausen (sie griffen 1592 zu den Waffen und halfen die Japaner aus dem Lande schlagen), sind sehr gastfrei (aber arm und anspruchslos) und dienen gern als Führer. --Von Kimsöng bis zum Kloster =Tschanganso= (Tempel des ewigen Friedens) kann man Packpferde mitführen. Dort übernachte man und klettere am nächsten Morgen (in starken koreanischen Leinenstrümpfen mit zähen Bastschuhen und festem Bergstock) mit Führern am Bergstrom bergauf, zum Teil an fast senkrechten Felswänden empor und am Kloster _Piohunsa_ (Tempel der Erklärung der Gebote) vorbei. An der Felswand hoch über dem Weg haust in einem Tempelchen eine alte Nonne. Nach 3 St. Steigen gelangt man zu einem Kloster im Urwald. Bei einer Lichtung sieht man eine Buddhafigur an hoher Felswand, aus dem Felsen herausgehauen. Bald erreicht man den 1340 m hohen Kamm der Kette, der 790 m über dem Kloster Tschanganso liegt; einige felsige Kuppen in der Nähe sind noch höher. Wunderbare *_=Aussicht=_ bis zum Japanischen Meer und über die Gebirgsketten. Anstrengender Abstieg durch prächtige Eichen- und Buchenwälder, vorbei an einem buddhistischen Friedhof in einer runden Lichtung, in dessen Nähe das größte und älteste Kloster *=Yüchömsa= (Tempel der Ulmenberge) liegt, wo man übernachtet.--Am 5. Tage auf bequemem Wege zurück nach _Tschanganso_, am 6. nach _Kimsöng_, am 8. oder 9. nach _Söul_.--Auf Gasthofsverpflegung muß man in dieser wilden Natur verzichten. (Nach Dr. _O. Franke_.)

Von Söul nach Fusan und Shimonoseki.

Mit der =Südkoreanischen Bahn= (_Fusanbahn_) nach _Fusan_, 445 km, Fahrzeit etwa 10 St., Fahrpreis I. 14,70, II. 10,29 Yen, gute Expreßzüge mit Speisewagen.--Von Fusan mit =Dampfer= der japanischen Staatsbahnen nach _Shimonoseki_, täglich früh und abends, 122 Seem., Überfahrtszeit 7-10 St.; große, bequeme Schiffe, direkter Anschluß. --Söul-Shimonoseki, Fahrzeit 22 St.; Fahrpreis I. 26,70, II. 17,29 Yen; Söul-Kobe, Fahrzeit 37 St. für I. 32,70, II. 21,79 Yen; Söul-Tōkyō, Fahrzeit 53 St., für I. 41,98, II. 26,46 Yen. Rückfahrkarten für diese Strecken 20 % weniger als das Doppelte.

Von Söul (Saidaimun, s. S. 333) führt die Bahn über (12 km) _Eitoho_ (Abzweigung der Linie nach Tschimulpo, s. S. 333), (50 km) _Suigen_, ummauerte Stadt am Fuße bewaldeter Hügel, (93 km) _Seikwan_, mit Schlachtfeld aus dem japanisch-chinesischen Krieg von 1894; hinter der Stadt setzt die Bahn auf 116 m langer eiserner Brücke über den Anjogawa, weiter über (211 km) _Shinsen_, Sommerfrische mit 72 m hohem, schmalem Wasserfall, erreicht in (243 km) _Shufurei_ den höchsten Punkt im Gebirge, dann (323 km) =Taiku=, große ummauerte Stadt mit etwa 46000 Einw. (davon 1000 Japaner).-- Weiterhin folgt (428 km) _Sanroshin_.

=Zweigbahn= über den breiten Fluß _Rakutōko_ nach (24 km) =Masanpho= (japanischer Gasthof), wichtigem, im Ausbau begriffenen japanischen Kriegshafen mit Marinewerft, Trockendocks, mit etwa 40000 Einw., in einer malerischen Förde, von Bergen umschlossen, mit vorzüglicher Reede.

Die Hauptlinie erreicht (445 km) =Fusan= (_Pusan_), den zweitwichtigsten Seehafen Koreas mit 46000 Einw. (die Hälfte Japaner); _Hotel Oike_, _Hotel Fusan_, in beiden Pens. etwa 6 Yen; zwei japanische Banken. Japanische Dampferlinien nach Shimonoseki, Nagasaki, Wladiwostok, koreanischen und nordchinesischen Häfen. Das deutsche Handelshaus Karl Wolter & Co. ist in Fusan vertreten; außerdem viele japanische, chinesische und einzelne europäische Firmen. In der japanischen Stadt Militärhospital, PT. Fusan ist mit saubern Straßen gut angelegt, mit Wasserleitung, elektrischer Beleuchtung, schönen Läden, großen Reisspeichern versehen und besitzt ein sehenswertes *_Handelsmuseum_. Ein Telegraphenkabel führt nach der japanischen Insel Kyūshū. Der Hafen ist durch Inseln geschützt, im Binnenhafen sind Anlegebrücken für die Postdampfer. Ausfuhr umfaßt hauptsächlich Reis und Bohnen. Das Klima ist sehr gesund, die Temperatur schwankt zwischen 35° und -5° C; Taifune sind selten. Fusan ist beliebt als Seebad. Die bergige Umgegend ist sehr malerisch; 2 km nördl. von der Stadt liegt nahe der Bahn bei _Fusan-Chin_ ein ummauertes koreanisches Schloß aus dem 17. Jahrh.

=Von Fusan nach Shimonoseki= (Dampferverbindung vgl. S. 336) läuft der Dampfer mit osö. Kurs quer durch die 120 Seem. breite =Koreastraße=, die Verbindungsstraße zwischen Japanischem und Ostchinesischem Meer, passiert r. _Maru saki_, das Nordende der bis 666 m hohen Inselgruppe _Tsushima_, in deren Nähe 27. und 28. Mai 1905 die russische Flotte vom japanischen Admiral Togo fast völlig vernichtet wurde, und erreicht nach 7-10stündiger Fahrt (122 Seem.) =Shimonoseki= (S. 355).

Japan.

Das Kaiserreich =Japan= im äußersten Osten Asiens, das =Nippon= oder =Nihon= der Japaner, bei Marco Polo _Zipangu_ genannt, chines. _Dschipönnkwo_, das »Land der aufgehenden Sonne«, erstreckt sich in einer langen, aus drei großen Bogen mit 3850 großen und kleinen Inseln und Klippen bestehenden Reihe zwischen den verhältnismäßig flachen ostasiatischen Randmeeren und dem rasch zu außerordentlich großen Tiefen (bis 8500 m) absinkenden Stillen Ozean über 30 Breitengrade, von Formosa bis Schumschir, der nördlichsten der Kurilen. Die Inselreihe gliedert sich in sechs Gruppen: 1) _Alt-Japan_ zwischen Colnett- und Tsugarustraße, in ältester Zeit _Ō-yashima_ (»die großen acht Inseln«) genannt, die Inseln Hondo (Honshū), Kyūshū, Shikoku, Awaji, Sado, Okishima, Iki und Tsushima umfassend. 2) Die Insel _Yezo_ (_Yeso_), seit der Restauration _Hokkaidō_ genannt, nördl. von Hondo zwischen der Tsugaru- und der Lapérousestraße. 3) Die _Kurilen_ (Japan. _Chishima_, »Tausendinseln«), 36 größere Inseln zwischen Yezo und Kap Lopatka. 4) Die _Ryū-kyū-Inseln_ (_Luchu_, _Liukiu_), amtlich _Okinawa_, zwischen der Colnettstraße und der Insel Formosa. 5) Die Insel _Taiwan_ oder _Formosa_ (S. 245) und die _Pescadores_ (S. 245). 6) Die _Bonininseln_, jetzt _Ogasa-wara-shima_ genannt, im Stillen Ozean. Hierzu kommen seit 1905 die Halbinsel _Kwangtung_ mit _Dairen_ (Dalny) und Port Arthur, die südliche Hälfte von _Sachalin_, sowie neuerdings _Korea_. --Die Gesamtfläche des Landes beträgt 454868 qkm (Deutsches Reich 540742 qkm).--Für den Besuch seitens der Weltreisenden kommt im allgemeinen nur der Süden und die Mitte von Alt-Japan, bis nordwärts zur Mitte von Hondo, in Betracht. Auf diese allein bezieht sich daher die nachfolgende kurze Schilderung der Landesnatur. --Alt-Japan ist ganz vorwiegend ein Gebirgsland von sehr mannigfaltiger Gesteinszusammensetzung u. sehr verwickeltem Bau, der schon in der unregelmäßigen und zerrissenen Gestalt der Inseln zum Ausdruck kommt. An dem Aufbau des Landes haben außer Massen- und Schichtgesteinen aller Altersstufen auch jungvulkanische Ablagerungen einen bedeutenden Anteil, Vulkankegel beherrschen im mittlern Hondo die Landschaft. In dem vulkanischen Gürtel, der den Stillen Ozean umgibt, bildet Japan ein wichtiges Glied mit etwa 20 ab und zu noch tätigen und Hunderten von erloschenen Vulkanen. Von erstern liegen Asotake und Kirishima (Ausbruch 1896) auf Kyūshū, Asamayama, Shirane-san und Bandaisan im mittlern Hondo, Komagatake auf Yezo. Zu den erloschenen oder ruhenden gehören viele Gipfel auf Hondo, wie der berühmte _Fuji-no-yama_, dessen beschneiter Gipfel in die Lüfte ragt (S. 384). _Erdbeben_ sind sehr häufig und ein Zeichen dafür, daß die Verschiebungen in der Erdrinde, denen auch die Vulkane ihr Dasein verdanken, hier am Außenrande des asiatischen Festlandsockels noch fortdauern. In Hondo erreicht das Land in einigen vulkanischen Gipfeln (_Fuji-san_ oder _Fuji-no-yama_ 3778, _Ontake_ 3185 m) seine höchste Erhebung und in der Meridiankette zwischen den Provinzen Shinano und Hida, den »japanischen Alpen«, den großartigsten Gebirgscharakter; mauerartig ansteigender Granit und zerklüftete Porphyrmassen erheben sich hier im _Yatsugatake_, bis 2932 m, während die Paßübergänge (1800-1900 m) fast nie ganz schneefrei werden. Gipfel von 2200 m Höhe und mehr sind im mittlern Hondo zahlreich; dagegen bleiben alle Berge der Hauptinsel westl. des Biwasees und der Bucht von Owari unter 2000 m.

Das =Klima= ist gesund. Es steht, wie in ganz Ostasien, unter der Herrschaft der Monsunwinde, also warmer, feuchter Südwinde im Sommer, kalter und lebhafter NW.-Winde im Winter. Von dem Klima des benachbarten Festlands unterscheidet es sich aber vorteilhaft durch wärmere Winter, die in erster Linie dem mildernden Einfluß der Meeresumgebung verdankt werden. Die _=Niederschläge=_ sind nicht in dem Maße wie in Nordchina auf wenige Sommermonate zusammengedrängt, sondern mehr über das ganze Jahr verteilt und anderthalb bis dreimal so reichlich wie in Deutschland. Hauptregenzeiten sind Mitte Juni bis Mitte Juli sowie September und Oktober. Die dazwischen liegenden anderthalb Monate sind trockner und heiß (Mitteltemperatur des August im Süden und in der Mitte von Alt-Japan 25,5-27°, die Maxima erreichen etwa 37°). Die tiefsten im Winter vorkommenden Kältegrade sind durchaus mäßig (in Nagasaki-5°, in Kyoto -12°), aber für die Japaner in ihren unheizbaren Holzhäuschen immerhin empfindlich. Januar und Februar sind in Hondo etwa so warm, wie in Süddeutschland der März, in Kyūshū noch wärmer. Der Winter ist also bedeutend kühler als in den in gleicher Breite liegenden Mittelmeergebieten und bringt dem südl. Kyūshū (auf gleicher Breite mit dem Nildelta) gelegentlich noch Frostnächte und Schnee, den Gebirgen überall und im N. auch dem Flachlande große Schneemassen, doch keine hohen Kältegrade. Die Temperaturverhältnisse der Hauptbesuchsmonate April und Mai entsprechen etwa denen des Mai und Juni in Mittel- u. Süddeutschland. Der September ist erheblich wärmer, der Oktober nur wenig kühler als unser Juli.

Das =Pflanzenkleid= Japans ist infolge der milden Winter und feuchtheißen Sommer üppiger als sonst irgendwo unter gleicher Breite. Die Vegetation der niedrigeren Teile von Kyūshū, Shikoku und der Südhälfte Hondos trägt subtropischen Charakter, gegen die Südspitze hin mit Anklängen an die Tropen. Immergrüne Sträucher (Kamelien, Teestrauch, Rhododendren, Buchsbaum etc.) und Bäume walten hier vor, daneben spielen Nadelbäume --Kiefern und die schönen Kryptomerien sowie der merkwürdige Gingkobaum --eine wichtige Rolle, außerdem der Lackbaum und im Süden der Bambus. Zwergpalmen kommen auf der Westküste von Hondo nordwärts bis Tōkyō fort, eigentliche Palmen nur im Süden am Kyūshū. Das Waldkleid ist zwar in der untern, subtropischen Zone bis auf schöne Tempelwälder großenteils beseitigt, aber in den Gebirgen noch überall erhalten.

Die =Bevölkerung= betrug im eigentlichen Japan, ausschl. Formosa 1910: 50751919 Ew. Die Japaner sind, wenn man von den Ainu, den Ureinwohnern der Insel Yezo (vgl. S. 343), absieht, heute ein einheitliches Volk nach Sprache, Sitte und Lebensweise, ursprünglich aber wohl ein Mischvolk, da sich außer der mongolischen Grundmasse auch mancherlei malaiische Einflüsse nachweisen lassen. Sie sind von kleinem, kräftigem Wuchs. Wie in Korea kann man einen feinern, vornehmen und einen gröbern, gewöhnlichen Typus deutlich unterscheiden. In der Entwickelung des Volkes spielte die Trennung nach _=Ständen=_ eine wichtige Rolle. Diesen Ständen nach gab es 1903: 5055 Kwazoku (Edle), 2167389 Shizoku (alte Kriegerkaste, Samurai) und 44560397 Heimin (spr. hēmin, gewöhnliches Volk). Die _Kwazoku_ (»Blume der Familien«) sind entstanden aus der Vereinigung des frühern Hofadels (Kuge) mit dem Feudaladel (Daimyō). Nach der Beseitigung des Feudalwesens wurden 1884 fünf Adelsrangstufen geschaffen; danach gab es im Jahre 1908: 15 _Kō_ oder Fürsten, 36 _Kō_ oder Marquis, 100 _Haku_ oder Grafen, 374 _Shi_ oder Vicomtes und 379 _Dan_ oder Barone, im ganzen 904 (man sagt _Kōshaku_, _Hakushaku_ etc.) Adelsfamilien. Die _Shizoku_ (moderner Name für _Samurai_) waren bis zum Anfang der Meijizeit die Beamten und erblichen Krieger der Feudalherren, zu deren Vorrechten das Schwertertragen und das Bauchaufschlitzen (Harakiri oder Seppuku) als freiwilliger Selbstmord nach Ehrverletzung und als reinigende Selbstbestrafung nach verübtem Verbrechen gehörten; heute stellen sie zum Teil die Offiziere und höhern Staatsbeamten. Das gewöhnliche Volk, für das erst seit 1868 der Name _Heimin_ im Gegensatz zu den Shizoku üblich ist, war in der Tokugawaperiode (1600-1868) in drei Klassen geteilt, dem Range nach von oben nach unten: _Hyakushō_ (Bauern), _Shokunin_ (Handwerker) und _Akindo_ (Kaufleute). Unter dem Volk stand noch eine verachtete Pariaklasse, die _Eta_ (Abdecker, Gerber, Lederarbeiter, Totengräber).--Die Japaner besitzen hervorragende geistige Eigenschaften. Zu rühmen sind der Reinlichkeitssinn (Waschen und heißes Baden ist sehr beliebt) und natürliche Anstand, das im allgemeinen höfliche Benehmen, das heitere Familienleben, die Ehrerbietung der Kinder gegen Eltern, die Freude an den Schönheiten der Natur, das hohe Bildungsstreben und die bewunderungswürdige Vaterlandsliebe. --Das japanische _=Haus=_ macht mit seiner leichten, luftigen Bauart, den Eindruck, als ob es einem wärmeren Klima entstamme, denn es hat nur dünne Holzwände, keine richtige Heizung (nur Kohlenbecken) und anstatt fester Zimmerwände verschiebbare Mattenwände. Der Hausbau ist somit besser an die häufigen Erdbeben als an die klimatischen Bedingungen angepaßt. Der Hausrat beschränkt sich auf Schränke und wenige Gebrauchs- und Schmuckgegenstände (Matten; Vasen, Hängebilder). Große Brände sind in den Städten häufig.--Der Japaner lebt mäßig. _=Nahrungsmittel=_ sind vornehmlich in Wasser gekochter Reis, Hirse (im Gebirge), Hülsenfrüchte, Knollengewächse und Pilze, ferner Fische, Krusten- und Weichtiere; Brot, Milch, Butter und Käse waren unbekannt, Fleischspeisen wenig in Gebrauch. Zur Würze dienen Sojabohnen und Curry, gesalzene Rettiche (_Daikon_), Früchte der Eierpflanze (_Nazu_), Gurken u. a., als Genußmittel grüner Tee ohne Zutat, Reisschnaps (_Sake_) und Tabak, den beide Geschlechter gern rauchen.--Die _=Kleidung=_ der Landbevölkerung, aus Baumwollenstoff und mit Indigo gefärbt, besteht oft nur aus einem Kittel und engen Hosen; bei Regenwetter trägt der Bauer einen eigentümlich aussehenden Mantel aus Stroh. Bei den Wohlhabenden spielen hellfarbige, schön gemusterte Baumwollen- und Seidenstoffe die Hauptrolle. Ein schlafrockähnliches Oberkleid, der _Kimono_, wird von Männern und Frauen getragen, er ist das eigentliche Nationalgewand und nur im Schnitt der Ärmel und im Gürtel bei beiden Geschlechtern verschieden. Zur bessern Kleidung gehört eine weite Hose (_Hakama_) und ein halblanger paletotartiger Überwurf (_haori_); Schüler und Schülerinnen tragen gleichfalls Hakama. Die Füße sind entweder nackt, oder bei besserer Bekleidung in ganz kurze, nur bis zu den Knöcheln reichende weiße oder dunkelviolette Strümpfe (_Tabi_) gehüllt; als Schuhwerk dienen Holzschuhe (_Geta_) und Strohsandalen (_zōri_ und _waraji_), deren Riemen vorn zwischen der großen und der zweiten Zehe festgehalten werden, weshalb bei den Tabi auch die große von den übrigen Zehen getrennt ist. Die vornehmere männliche Bevölkerung, besonders die Beamten, tragen mehr und mehr europäische Tracht. Ein unentbehrlicher Gebrauchsgegenstand der Frauen ist der Fächer.

=Religion.= Die Japaner haben sich schon früh vom Natur-zum Ahnenkult erhoben, der in der göttlichen Verehrung der _Kami_ oder Geister berühmter Fürsten, Helden, Gelehrter neben zahlreichen untergeordneten Göttern besteht. Im Gegensatz zu dem vom Ausland eingeführten Buddhismus (_Butsu-dō_) hat man der ursprünglichen Nationalreligion den Namen _Shintō_ (»Weg der Götter«, _shin_ = _kami_) gegeben. Eine bestimmte Glaubens- und Sittenlehre fehlt dem Shintō ursprünglich; seine Sittenlehre ist vermischt mit der Moralphilosophie des Kungfutsze und andrer chinesischer Weisen. Die Shintōtempel oder »Schreine« (_Miya_, _Yashiro_, _Jinja_) reinen Stils, einfach und schmucklos, aus naturfarbenem oder rotgestrichenem Holz erbaut, bestehen aus zwei Teilen, dem _Honden_ (_Shinden_) oder Sanktuarium mit dem Sinnbild der Gottheit, und dem _Haiden_ (»Gebetshalle«). Auf dem Altartisch und anderswo stehen _Gohei_, Stöckchen mit zickzackförmigen weißen Papierstreifen, eigentlich symbolischer Ersatz für Opfergaben; vor den Schreinen galgenförmige Portale, _Torii_. Der in vielen Miya sichtbare Metallspiegel ist dem Buddhismus (Shingonsekte) entlehnt. Den Göttern werden Speise- und Trankopfer dargebracht; die Tempelfeste (_Matsuri_) sind vielfach große Volksfeste. Wer sich durch Tapferkeit, Gelehrsamkeit oder Wohltätigkeit auszeichnet, kann nach seinem Tod unter die Götter versetzt werden. Die Shintōpriester haben nur im Amt besondere Tracht, es gibt für sie kein Zölibat und keine Klöster; ihre Würde ist erblich. 1903 zählte man 196400 Shintōtempel und etwa 100000 Shintōpriester bei zwölf verschiedenen Sekten. Mächtigen Einfluß auf den Kamidienst hat der Buddhismus ausgeübt, der in der Mitte des 6. Jahrh. n. Chr. nach Japan gelangte, sich schnell verbreitete u. im 13. Jahrh. zur höchsten Macht entfaltete. 1903 gab es in Japan zwölf buddhistische Sekten mit 72000 Tempeln und gegen 200000 Bonzen. Hauptsitz der buddhistischen Hierarchie ist Kyōto (S. 369). Zwischen Shintōismus und Buddhismus bestand früher keine scharfe Scheidung, da der _Shintō_, wenige Kultstätten wie Yamada in Ise und Kizuki in Izumo ausgenommen, sich mit dem Buddhismus amalgamiert hatte (_Ryōbu-Shintō_). Erst seit der Meijizeit (S. 344) ist wieder eine reinliche Trennung vorgenommen und der Shintō zur Staatsreligion erklärt worden. Doch herrscht trotzdem kein Gewissenszwang. Der Kaiser ist als theoretischer Nachkomme der höchsten Shintōgottheit, der Sonnengöttin _Ama-terasu_, der shintōistische Oberpriester des Landes und fungiert als solcher bei gewissen Staatsfesten, die in der Heiligen Halle (Kashiko-dokoro) des Palastes stattfinden. -- Eine prägnante Darstellung des Wesens des Shintō von _Florenz_ und des japanischen Buddhismus von _Haas_ in »Kultur der Gegenwart«, Abteilung Orientalische Religionen (Leipzig, Teubner, 1906). -- Das Christentum wurde bereits 1549 durch den Jesuiten Franz Xavier nach Japan gebracht und verbreitete sich schnell, wurde aber, nachdem auch hier wie in China die Dominikaner und Franziskaner Unfrieden gestiftet hatten, bis 1638 wieder ausgerottet und bei Todesstrafe verboten. Jetzt werden der christlichen Mission keine Hindernisse bereitet, aber die Bekehrten gehören meist dem niedern Volk an, und man darf sagen, daß dem Christentum in Japan kaum eine Zukunft blüht.

=Japanische Kunst.= Am wenigsten entwickelt ist die Architektur. Die buddhistischen Tempel gehen auf chinesische Vorbilder zurück; die Shintō-Schreine reinen Stils, wie die von Ise, Kizuki etc. lehnen sich dagegen an die Struktur des primitiven japanischen Hauses an. Die Wohnhäuser sind meist aus Holz, Geflechten aus Bambusrohr und Fachwerk, mit Papierfenstern und Schiebetüren, bisweilen auf gemauertem Unterbau. Auch die Plastik hat sich, abgesehen von den Bildern buddhistischer Gottheiten, auf die Kleinkunst in Bronze, Ton, Elfenbein, Holz etc. beschränkt.--Ihre höchste Blüte hat die japanische Kunst in der Malerei erreicht, sowohl selbständig als für dekorative Zwecke (Porzellan, Fayence, Lackarbeiten), deren Anfänge vor mehr als 1000 Jahren aus China hierher gelangt sind. Die Raum- und Luftperspektive sind dem japanischen Maler fast unbekannt. Ferner fehlt das Verständnis für das Helldunkel. Das natürliche Spiel der Lichter und Schatten gibt der Japaner nicht wieder, er kennt keine Glanzlichter und Reflexe, sondern sucht durch konventionelle Schatten und Hilfsmittel den Gegenständen die Wirkung des Plastischen zu geben. Da er in einem schwarzen Gegenstand, einem Gewand, einem Vogel, nicht durch Abtönung des Schattens und Lichtes zu modellieren weiß, wird den Faltenlinien ein weißer Grund gegeben, oder es werden die Innern Umrisse weiß ausgespart. Der japanische Maler malt nur auf Seide und Papier, und zwar mit Tusche oder Wasserfarben, die mit Leim versetzt sind. Nach der Form teilt man die Bilder in _Kakemono_ (hängende Dinge), in _Makimono_ (gerollte Dinge) und in _Oribon_ (Klappbücher). Auch die faltbaren Wandschirme (_Byōbu_) haben in der Malerei eine Rolle gespielt. Das Kakemono ist ein schmaler und hoher Papier- oder Seidenstreifen, der auf zähes Papier geklebt und oft mit farbigen Brokatstoffen umrahmt ist. Die Makimono sind niedrige Streifen von beliebiger Länge, die aufgerollt bewahrt werden.--Die Malerei steht im innigsten Zusammenhange mit dem Kunstgewerbe, das von ihr befruchtet wird und ebenfalls aus China gekommen, aber durch die höhere Intelligenz des japanischen Volkes künstlerisch verfeinert worden ist. Vornehmlich werden die Lackmalerei, die in Japan ihre überhaupt höchste Ausbildung erfahren hat, die Keramik, das Email, die Bronzeindustrie, die Waffenschmiedekunst, die Schnitzerei in Holz, Elfenbein, Knochen und Stein, die Weberei und Färberei gepflegt. Von den Porzellanen sind die aus der Provinz Kaga, aus der Provinz Hizen, nach dem Ausfuhrhafen »Imari-Ware« genannt, das Seladonporzellan aus Sanda und die Setoware, von den Fayencen das durch seine durchsichtige Glasur ausgezeichnete Steingut aus Satsuma beliebt. Ihren reich entwickelten Farbensinn haben die Japaner in der Dekoration von Gefäßen etc. aus Porzellan, Steingut und Kupfer mit Schmelzfarben (Zellenschmelz, Email cloisonné), in der Färbung von Kupferlegierungen durch Beizen und im Tauschieren von Bronzen und Eisenarbeiten mit Silber, Gold und farbigen Legierungen bewährt. Eine Spezialität der Metallindustrie sind die oft reich geschmückten Schwertzieraten (Tsuba = Stichblätter etc.), die eifrig gesammelt werden. (Vgl. _Brinckmann_, Kunst und Handwerk in Japan, Berlin 1889; _Münsterberg_, Japanische Kunstgeschichte, 3 Bände, 1907; _Cohn_, Stilanalysen, 1908; _Seidlitz_, Geschichte des japanischen Farbenholzschnitts, 1897; _Kurth_, Utamaro, 1907, Harunobu 1910, Sharaku 1910; _Brockhaus_, Netsuke, 1910.) [Hand] Einkäufe japanischer Kunsterzeugnisse führt man am besten in Kyōto und Tōkyō aus.

=Sprache.= Die japanische Schrift- und Umgangssprache ist aus einem heimischen Idiom, der _Yamato-Kotoba_, durch Beimischung vieler chinesischer Lehnwörter (in verdorbener Aussprache) hervorgegangen, ähnlich wie das moderne Englisch aus dem Angelsächsischen unter Beimischung normannisch-französischer Bestandteile entstanden ist. Die Japaner bedienen sich zum Schreiben der chinesischen Wortzeichen (ji, kanji), haben diese aber durch eine eigene Silbenschrift (_Kana_, zwei Systeme, aus chinesischen Zeichen abgeleitet) ergänzt. Die in den letzten Jahrzehnten wiederholt aufgetretenen Bestrebungen zugunsten der Einführung der europäischen (lateinischen) Schrift haben bislang wenig Erfolg aufzuweisen.-- Auch wer nur wenige Wochen in Japan zubringt, sollte sich die Mühe geben, einige Redensarten zu lernen, um außerhalb der großen Städte sich verständlich zu machen. Für längern Aufenthalt sind einige, übrigens leicht zu erwerbende Sprachkenntnisse unbedingt nötig. Zu empfehlen hierfür sind _Plauts Japanische Konversations-Grammatik_ (Heidelberg 1904), _Der kleine Toussaint-Langenscheidt, Japanisch_ (Berlin 1910) sowie die englischen _Kelly und Walsh's Handbooks_ im Taschenformat. Grammatiken gibt es von _J. Hoffmann_ (1877, veraltet); _B. H. Chamberlain_, A Handbook of Colloquial Japanese, 1908; _Lange_ (2. Aufl., Berl. 1906); Wörterbücher von _Hepburn_ (1886), _Brinckley_ (1896), _Jukichi Inouye_ (1909) und viele andre kleine, auch japanisch-deutsche Wörterbücher, meist wenig befriedigend.

=Wirtschaftsleben.= Die Grundlage der japanischen Volkswirtschaft bildet der _=Ackerbau=_, und zwar im Klein- und Zwergbetrieb. 41 Proz. der Bodenfläche dienen ihm. Hauptfrucht ist der _Reis_, dessen Kultur durch die reichlichen Frühsommerregen und die darauffolgende Hitze sehr begünstigt wird. Außerdem baut man Getreide und Bohnen, Obst und Südfrüchte, allerlei Industriepflanzen (Baumwolle, Papiermaulbeerbaum, Indigo etc.).

Wichtig ist die Kultur des Teestrauches und des Maulbeerbaumes zur Zucht der Seidenraupe. -- Die _=Viehzucht=_ nimmt zwar neuerdings rasch zu, ist aber noch gering, und man bekommt nur wenig frische Milch und Fleisch zu kaufen. -- Die _=Waldbestände=_ Japans sind noch sehr groß und reich an Steineichen, Tschujabäumen, Kampferbäumen und Kryptomerien. Ein neues Forstgesetz steuert dem frühern Raubbau. -- Der _=Bergbau=_ fördert vor allem Kupfer, außerdem Gold, Silber, Eisen, Schwefel, Steinkohlen u. a. Auch Petroleum wird gewonnen. -- Die _=Fischerei=_, besonders die Seefischerei, ist wichtig für die Volksernährung. -- Die _=Jagd=_ spielt keine Rolle. -- Die _=Industrie=_ blühte, solange Japan nach außen abgeschlossen war, hauptsächlich als Kunsthandwerk. Massenproduktion und Großindustrie haben sich aber seit der Öffnung des Landes dank der Gelehrigkeit der Japaner und dem unüberlegten Entgegenkommen der Weißen rasch entwickelt, und Japan strebt in vielen Industeriezweigen jetzt schon nach Selbständigkeit. Die Herstellung von Seiden- und Baumwollenstoffen, Porzellan, Lackwaren, Stahl- und Kupferarbeiten steht in hoher Blüte. Die Hauptfabrikstädte sind Tōkyō, Kyōto, Hyōgo, Nagasaki, Kanazawa, Nagoya und Ōsaka. -- _=Handel.=_ Dem fremden Verkehr geöffnete Vertragshäfen sind Yokohama, Nagasaki, Hakodate, Niigata, Hyōgo (Kobe) und Osaka, wo fremde Konsulate bestehen. Haupteinfuhrartikel: Baumwolle, Ölkuchen, Reis, Zucker, Petroleum, Wollengewebe, Eisenwaren, Maschinen etc., in Summa 1909: 394,2 Mill. Yen; Hauptausfuhrartikel: Rohseide und Seidenwaren, Baumwollengarn, Baumwollwaren, Kohlen, Kupfer, Tee etc., in Summa 1909: 413,1 Mill. Yen. Der Haupthandelsverkehr geht nach Großbritannien, Britisch-Indien, den Vereinigten Staaten, China, Deutschland etc.

=Münzwesen.= In Japan besteht seit 1897 Goldwährung, doch bekommt man Goldmünzen selten zu sehen; _1 Yen_ (Gold) hat 100 _sen_; _1 sen_ hat _10 rin_. 1 Yen nach Berliner Kurswert ungefähr 2,09 M. Im Verkehr sind an Goldmünzen: 20, 10 u. 5 Yen; Silbermünzen: 50, 20, 10 sen; Nickelmünzen: 5 sen; Kupfermünzen: 2, 1, 1/2 sen. Papiergeld (viel im Umlauf) 1, 5, 10, 100 Yen und größere Scheine.

Falsches Geld ist selten. Bei Reisen über Land fern von großen Städten nehme man hauptsächlich Papiergeld mit, aber nicht größere Scheine als 10 Yen, weil das Wechseln in kleinern Städten oft sehr schwierig ist. Fremde Banknoten kann man nur bei Bankgeschäften und Geldwechslern in Nagasaki, Kōbe und Yokohama wechseln.

=Staatsverfassung.= Japan ist seit 11. Febr. 1889 eine konstitutionelle erbliche Monarchie, deren Haupt »Tennō« (veralteter Name Mikado) in Tōkyō residiert. Der Kaiser hat die Entscheidung über Organisation des Heeres, der Flotte und der Zivilverwaltung und übt mit den zehn Ministern und einem Geheimen Rat (_Sūmitsu-in_) die vollstreckende Gewalt aus. Der Landtag (_Kokkai_) besteht aus einem Herrenhaus (_Kizoku-in_) und einem Abgeordnetenhaus (_Shūgi-in_). Das Herrenhaus (364 Mitglieder) bestand im Dezember 1910 aus 200 Mitgliedern des Adels (von ihren Standesgenossen gewählt), nämlich 14 Prinzen von Geblüt, 13 Fürsten, 30 Marquis, 17 Grafen, 70 Vicomtes, 56 Baronen, ferner 121 vom Kaiser Ernannten und 43 Vertretern der höchsten Steuerzahler. Das Abgeordnetenhaus zählt 379 Mitglieder, die bezirksweise von allen männlichen Untertanen, die wenigstens 10 Yen Steuern zahlen, öffentlich zu wählen sind. Nicht wählbar sind Offiziere, Priester und die meisten Beamten. Die Landtagsmitglieder erhalten Diäten (2000 Yen pro Jahr).--In der Verwaltung bestehen Tōkyō, Osaka und Kyōto als Großstadtbezirke (Fu), außerdem 43 Landbezirke (Ken) unter Gouverneuren (Hokkaidō und Ōkinawa nicht eingeschlossen); diese Bezirke zerfielen Ende 1908 in 538 Gun oder Kōri (Kreise) mit 61 Städten, 1140 Landstädtchen (Flecken) und 10751 Dörfern. Die Namen der frühern Provinzen sind jedoch noch vielfach in Gebrauch.-- Die Rechtspflege (früher willkürlich und grausam) ist jetzt nach europäischen Rechtsgrundsätzen umgestaltet. Die Richter werden vom Kaiser oder vom Justizminister ernannt und sind unabsetzbar.

_=Heer und Flotte.=_ Der Kriegsdienst war früher ein Vorrecht der Samurai, seit 1889 besteht allgemeine Wehrpflicht nach deutschem Muster; das Oberkommando führt der Kaiser, Bewaffnung nach europäischem Muster. Stärke der japanischen Armee 1911: 9820 Offiziere im Frieden, wozu im Krieg 12200 Reserve- und Landwehroffiziere treten; 255000 Mannschaften im Frieden, 740000 im Krieg außer Reserveformationen; 24000 Pferde (Kriegsstärke nicht bekannt); 990 Feldgeschütze im Frieden, Kriegsstärke etwa 1400.--Die vorzügliche Flotte verfügte 1911 über 13 Linienschiffe, 13 Panzerkreuzer, 2 Küstenpanzerschiffe, 12 geschützte Kreuzer, 4 Avisos, 58 Torpedobootszerstörer, 69 Torpedoboote, 12 Unterseeboote; im Bau waren noch 3 Linienschiffe, 4 Panzerkreuzer, 3 geschützte Kreuzer. Personal der Flotte 48000 Mann. Heer und Flotte haben ihre offensive Kraft im Kriege gegen Rußland bewährt.

=Geschichte.= Von den ältesten Bewohnern Japans haben sich nur geringe Spuren in Form von Wohngruben erhalten. Jünger sind schon die Ainu, Verwandte der weißen Rasse, die mindestens ganz Hokkaido bewohnten, bis sie durch Einwanderer mongolischer Rasse, die von Korea herüberkamen, zurückgedrängt wurden. Die politische Einigung erfolgte im 7. Jahrh. v. Chr. durch _Jimmu Tennō_, den Stammvater des heute noch regierenden Herrscherhauses. Der Tennō wurde unumschränkter Herrscher, die Provinzen wurden von Statthaltern verwaltet; Hauptstadt war 719-784 Nara, 794-1868 Kyōto. Der Mikado, mit dem chinesischen Titel »Tenshi« (Himmelssohn) und »Tennō« (himmlischer Herrscher), überließ aber allmählich die Regierungsgeschäfte ganz seinen Beamten und zog sich von der Öffentlichkeit zurück, so daß die Macht der Statthalter wuchs, die vielfach untereinander kämpften; seit dem 12. Jahrh. verwüsteten Bürgerkriege fünf Jahrhunderte das Land, der Kaiser wurde Spielball der Parteien. Gegen Ende des 12. Jahrh. vereinigte _Yoritomo_ aus der Minamotofamilie die gesamte Zivil- und Militärgewalt in seiner Hand (Sitz in Kamakura), ließ sich vom machtlosen Mikado 1186 zum Polizeiminister, 1192 zum Sei-i-tai Shōgun (der die Barbaren besiegende große Feldherr) machen; diese Würde des Shōgunats blieb erblich. Aber nach Yoritomos Tod wiederholte sich am Hofe des Shōguns wie vorher am Hofe des Mikado die Erscheinung des Hausmeiertums, die Shikken (die ersten Beamten der Shōgune) rissen die Macht an sich. Erst im 14. Jahrh. gelang es _Ashikaga Takauji_, das mächtige Shōgunat der Ashikaga zu begründen, das von 1335-1573 dauerte; der Mikado war nur Schattenkaiser. Gegen Ende des 15. Jahrh. bildete sich unter den Territorialfürsten, den _Daimyō_, ein starker Kriegsadel (Buke), der die Ursache vieler Bürgerkriege wurde. In der 2. Hälfte des 16. Jahrh. gelang es _Ōta Nobunaga_ und _Toyotomi Hideyoshi_, die Ruhe im Lande herzustellen, die Macht des letzten Ashikaga-Shōgun und den Übermut der buddhistischen Bonzen zu brechen. Spätere Fehden zwischen den Daimyō endeten mit der Schlacht bei Sekigahara 1600; der Sieger, _Tokugawa Ieyasu_, begründete das Shōgunat der Tokugawa, das bis 1868 bestand. Fortan lag der Schwerpunkt der japanischen Politik in Yedo (jetzt Tōkyō), wo die Tokugawa-Shōgune regierten. Unter der Herrschaft der Tokugawa entwickelte sich die japanische Kultur in langem Frieden zu hoher Blüte, die Stände nahmen die S. 339 gegebenen Formen an. Aber das Drängen der fremden Mächte auf Öffnung des Handels mit dem bisher gänzlich abgeschlossenen Japan wurde für die Shōgune verhängnisvoll; nach Abschluß der Handelsverträge mit den Vereinigten Staaten und den europäischen Mächten (1854-61) verlangten die Gegner des unfähigen Shōguns Iesada die Vertreibung der fremden Barbaren und versicherten sich dabei der Zustimmung des Mikado. Gewaltakte der Daimyō von Satsuma und von Chōshū wurden 1864 durch die Beschießung von Kagoshima durch eine englische Flotte und von Shimonoseki durch eine englisch-französisch-holländisch-amerikanische Flotte gerächt, wobei die Daimyō ihre Machtlosigkeit gegen die fremden Barbaren erkannten, aber nun erst recht alle Mittel anwandten, um die alte Mikadoherrschaft wiederherzustellen. Am 9. Nov. 1867 gab der letzte Shōgun freiwillig seine Gewalt dem damals kaum 15jährigen Mikado Mutsuhito zurück. Nun richtete der Mikado am 6. Nov. 1868 eine moderne Regierung, die Periode der Erleuchteten Regierung (Meiji) ein, nach der seitdem die Jahre amtlich gezählt werden, also 1912 = 45. Jahr Meiji; am 26. Nov. 1868 verlegte der Mikado seine Residenz von Kyōto nach Yedo, das seitdem Tōkyō (Hauptstadt des Ostens) heißt. Aus dem bisherigen mittelalterlichen Feudalstaat ging ein neuzeitlicher Beamtenstaat mit monarchischer Spitze hervor. Die alte Ständeordnung wurde aufgehoben, der Adel reformiert, Eisenbahnen, Telegraphen, Dampferlinien wurden begründet, Heer und Flotte europäisch bewaffnet und geschult, Schulzwang eingeführt, Universität und wissenschaftliche Institute wurden begründet. Unzufrieden waren nur die 400000 Samuraifamilien, die die Aufhebung ihrer Privilegien, besonders des Schwertertragens, als persönliche Schmach empfanden, und die, ebenso wie die großen Daimyō, mit 10 Proz. ihrer frühern Einkünfte abgefunden wurden. So entstanden mehrere Aufstände, deren gefährlichster, der Satsuma-Aufstand 1877, unter dem tapfern _Saigō Takamori_, erst nach 8 Monaten unterdrückt werden konnte und die Staatsfinanzen gänzlich erschöpfte. Um den Samurai Mitwirkung bei der Regierung zu gewähren, wurde 1889 das japanische Parlament eingerichtet und 1890 zuerst eröffnet. Noch bessere Gelegenheit, die Unzufriedenheit der patriotischen Samurai zu beheben, boten die siegreichen Kriege gegen China 1894 und 1900 sowie besonders gegen Rußland 1904, die für Japan großen Gebietszuwachs (Formosa, Korea, Sachalin, Kwangtunghalbinsel mit Port Arthur und Dalni) brachten. Seit dem Abschluß des Bündnisses mit England (am 30. Jan. 1902) rechnet Japan zu den Großmächten; durch den Sieg über Rußland ist Japans politische Bedeutung als ostasiatische Vormacht zur vollsten Geltung gelangt.

Die =Literatur= enthält Arbeiten über Reichsgeschichte, große Enzyklopädien, Länderbeschreibungen etc. und erzeugt geschichtliche, moralische, geographische Werke, Gedichte, Romane und Novellen, Schauspiele etc. in Menge, zum Teil illustriert. Vgl. _K. Florenz_, Geschichte der japanischen Literatur (Leipzig, 2 Bände, 2. Aufl. 1910); _Aston_, Japanese Literature, London 1899; _B. H. Chamberlain_, Japanese Poetry, London 1910; _K. Florenz_, Dichtergrüße aus dem Osten; Weißaster, ein Epos; Japanische Dramen (sämtlich Leipzig, Amelangs Verlag, illustriert und in Japan hergestellt).-- _=Zeitungen=_: Die erste Tageszeitung erschien 1872; 1900 betrug die Zahl der Zeitungen und Zeitschriften 944. Es besteht nominell Preßfreiheit, doch sind die Gesetze sehr streng und gestatten leicht die Unterdrückung einer Zeitschrift.

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=Reisepläne für Japan.= _=Auf 14 Tage.=_ 1. Tag: Kōbe; 2. Tag: Nara; 3. u. 4. Tag: Kyōto; 5. Tag: Bahnfahrt über Nágoya nach Miyanóshita; 6. Tag: Miyanóshita und Hakonesee; 7. Tag: Bahnfahrt über Enóshima und Kamákura nach Yokohama; 8. Tag: Bahnfahrt über Tōkyō nach Nikkō; 9. Tag: Nikkō; 10. Tag: Bahnfahrt nach Tōkyō; 11. u. 12. Tag: Tōkyō; 13. u. 14. Tag: Yokohama. Bei sehr knapper Zeit mag man auf Osaka und Kōbe verzichten und für Yokohama nur 1 Tag ansetzen. Einkäufe japanischer Kunsterzeugnisse besorge man in Kyōto und Tōkyō.

_=Auf 3 Wochen.=_ 1. Tag: Nagasaki; 2. Tag: Bahnfahrt u. Fähre nach Shimonoseki; 3. Tag: Bahnfahrt nach Kōbe mit Unterbrechung in Miyajima (oder 2. u. 3. Tag Dampferfahrt durch die Binnenlandsee nach Kōbe); 4. Tag: Hyōgo u. Kōbe; 5. Tag: Ōsaka; 6. Tag: Nara; 7. u. 8. Tag: Kyōto; 9. Tag: Biwasee und Stromschnellen; 10. Tag: Bahnfahrt nach Nagoya; 11. u. 12. Tag: Miyanóshita und Hakonesee; 13. Tag: Bahnfahrt über Enóshima u. Kamákura nach Yokohama; 14. Tag: Bahnfahrt nach Nikkō; 15. u. 16. Tag: Nikkō; 17. Tag: Bahnfahrt nach Tōkyō; 18. u. 19. Tag: Tōkyō; 20. u. 21. Tag: Yokohama.

_=Auf 4 Wochen=_: 1. u. 2. Tag: Nagasaki; 3. u. 4. Tag: Fahrt nach Kōbe (s. vorher), 1/2 Tag in Miyajima; 5. u. 6. Tag: Hyōgo und Kōbe; 7. Tag: Ōsaka; 8. Tag: Nara; 9. u. 10. Tag: Kyōto; 11. Tag: Biwasee u. Stromschnellen; 12. Tag: Bahnfahrt nach Nagoya; 13. u. 14. Tag: Miyanóshita u. Hakonesee; 15. Tag: Bahnfahrt über Enóshima und Kamákura nach Yokohama; 16. Tag: Bahnfahrt nach Nikkō; 17. u. 18. Tag: Nikkō; 19. Tag: Chuzenjisee; 20. Tag: Bahnfahrt nach Maebashi und Pferdebahn nach Ikao; 21. Tag: Ikao; 22. Tag: zu Fuß nach Harunasee und Haruna; 23. Tag: zu Fuß nach Myōgi und Bahnfahrt nach Tōkyō; 24., 25. u. 26. Tag: Tōkyō; 27. u. 28. Tag: Yokohama.

_=Auf 5 Wochen=_: wie vorher, nach dem 14. Tage schalte man eine Besteigung des Fuji mit Fußwanderungen in dessen Umgebung ein, wozu 7 Tage bequem ausreichen.

=Reisezeit.= Um Japan mit Ruhe kennen zu lernen, empfiehlt sich ein Aufenthalt von mehreren Monaten. _=Beste Reisezeit=_ für Japan ist der Frühling, die Zeit der Kirschblüte, oder der Spätherbst von Mitte Oktober bis Mitte Dezember, die Zeit der Chrysanthemumblüte. Sommer und Spätsommer sind regnerisch, ersterer auch heiß. Des Seeklimas wegen muß man auch im Spätfrühling zwischen wunderbar schönen Tagen noch mit stürmischem und regnerischem Wetter rechnen. Ins Hochgebirge gehe man nicht vor Mai. Februar und März sind am wenigsten zu empfehlen.

=Führer.= Wer nur wenige Wochen für Japan Zeit hat, sollte sich, um möglichst viel zu sehen, für die ganze Zeit einen Führer nehmen; Vermittelung von Führern (auch Deutsch sprechenden) durch die Hotels oder die Welcome Society of Japan (s. unten). Man bestellt den Führer an den ersten Ort, an dem man Japan betritt.-- Führer tägl. etwa 4 Yen (außer der Fahrt). Gasthofspreise 8-10 Yen tägl.; Vorausbestellung von Zimmern in der Reisezeit ratsam.

=Welcome Society of Japan= (_Kihin kai_), eine vornehme Gesellschaft zur Unterstützung des Fremdenverkehrs, begründet 1893, mit der Präsidialstelle in Tōkyō (Adresse Tōkyō-Handelskammer, Nr. 1, Itchome, Yuraka-cho, Kojimachi-ku) und Zweigstellen in Yokohama und Kōbe (Präsident Marquis Hachisuka, Vizepräsident Baron E. Shibusawa) nimmt fremde Reisende gegen 3 Yen Gebühr als Mitglieder auf und gibt mit der Mitgliedskarte eine Karte, das vorzügliche Reisebuch »Guidebook of Japan« (5. Aufl. 1910) und andre Veröffentlichungen in englischer Sprache aus. Die Mitgliedschaft erwirkt Zutritt zu manchen Sehenswürdigkeiten, Behörden und Unterrichtsanstalten in Tōkyō, Kyōto etc., die Nichtmitgliedern unzugänglich sind. Für längern Aufenthalt empfiehlt es sich sehr, der Gesellschaft beizutreten. Die Gesellschaft verschafft auch zuverlässige Führer, Dolmetscher und gut erzogene japanische Gesellschafterinnen für reisende Damen.

=Gasthöfe.= In allen größern Städten gibt es europäisch eingerichtete Hotels (Pensionspreis tägl. 4-10 Yen und mehr). In kleinern Landstädten findet man halb europäische oder sehr gute japanische Gasthöfe, meist sehr sauber, oft mit etwas europäischer Kost. Im japanischen Gasthof zahlt man 1-3 Yen für Abendbrot, Schlafraum und Frühstück; es ist üblich, kurz nach Ankunft im japanischen Gasthof 1-2 Yen Trinkgeld (chadai = Teegeld) zu geben, wonach der Gast eingeschätzt wird. Auch in _Rasthäusern_, einfachen Häuschen oder Hütten an schönen Landschaftspunkten, zahlt man etwas chadai, z. B. für eine Schale Tee 10-20 sen.

=Verkehrsmittel.= Die _=japanischen Eisenbahnen=_ sind ordentlich; das Bahnnetz besteht zwar aus Schmalspurbahnen, ist aber weitverzweigt (8000 km Länge, fast alles Staatsbahnen), so daß man alle sehenswerten Orte mit der Bahn oder im Anschluß an die Bahn mit Dampfern erreichen kann. Man kaufe stets den monatl. erscheinenden _Tedzuka's Railway and Steamship Guide_ (30 sen); in den großen Städten geben die Touristenagenturen oder Gasthöfe europäisch gedruckte (aber häufig falsche) Fahrpläne heraus. -- _=Eisenbahnzeit=_ ist die Zeit des 135.° östl. L., mithin 8 St. vor gegen Mitteleuropäische Zeit; sie gilt für ganz Japan. -- _=Fahrkarten=_ der _Tōkaidōbahn_, der _Sanyō-_ und der _Kwansei-Eisenbahn_ gelten für 50-100 Miles 2 Tage, darüber für je 100 Miles einen Tag länger; Fahrpreis I. Kl. etwa 4 sen für 1 Mile. Verkehrssteuerzuschlag (_Tsūkō-zei_) zu den Fahrpreisen I. (II.) Kl. bis 50 Miles 5 (3), bis 100 Miles 20 (10), bis 200 Miles 40 (20), über 200 Miles 50 (25) sen; Schnellzugzuschlag bei den Hauptschnellzügen I. Kl. bis 50 Miles 1 Yen, über 150 Miles 1,50 Yen; II. Kl. 60 sen und 1 Yen. Europäer fahren meist I. Kl.; in II. Kl. hat man oft Gelegenheit, japanische Sitten genauer kennen zu lernen, was aber, wenn die Hitze groß und Kinder im Abteil, nicht immer nach jedermanns Geschmack ist. Abteile für Nichtraucher sind selten vorhanden. -- _=Schlafwagen=_ (mäßig) findet man nur in den Schnellzügen der Sanyōeisenbahn, der Tōkaidōbahn und der Nihonbahn (Tōkyō nach Aomori). Auf der Sanyō- und Tōkaidōbahn kostet im gewöhnlichen Schlafwagen ein Bett für die Nacht 4 Yen außer der I. Klasse-Fahrkarte, im kombinierten I. Klasse- und Schlafwagen auf der Sanyō-, Tōkaidō- und Nihonbahn 3 Yen; auf der Sanyōbahn im kombinierten II. Klasse- und Schlafwagen wird für ein Unterbett 20 sen, für ein Oberbett 40 sen als Zuschlag zur Fahrkarte II. Kl. erhoben. Schlafwagenbillette möglichst 2-3 St. vor Abfahrt bestellen! -- _=Speisewagen=_ führen die Schnellzüge der Sanyō-, Tōkaidō- und Nihonbahn, Speisen à la carte oder Table d'hôte sowie Getränke. Auf der Kwanseibahn sind zwischen Osaka und Nagoya Verkäufer europäischer Gerichte und Getränke im Zuge. Wenn kein Speisewagen im Zuge ist (man erkundige sich), geben die Gasthöfe gute Proviantschachteln mit. -- _=Bahnwirtschaften=_ europäischer Art nur in _Kameyama_; aber fast auf jedem Bahnhof sind Verkäufer von Lebensmitteln in saubern kleinen Holzschachteln (10 sen und mehr; »bentō« genannt) mit Papierserviette, Eßstäbchen und Holzlöffel; man erhält eingemachte Früchte, gesalzene Fische, Wurzelgemüse, Reis. Flaschenbier (teuer), Tee und Limonade (man hüte sich vor Eiswasser!) sind überall zu haben. -- _=Gepäck=_ bis 100 Pfund in I., 60 in II. ist frei, Überfracht nach Taxe; man achte darauf, daß das Gepäck mit dem richtigen Zettel versehen und der Zettel gut festklebt! Auch auf dem Ankunftsbahnhof kümmere man sich um sein Gepäck! Gepäckträger haben rote Mützen (daher _akabōshi_ genannt).

Neben den Eisenbahnen ist die sehr gut ausgebildete _=Küstenschiffahrt=_ das Hauptverkehrsmittel. Auf den _=Landstraßen=_ kommt man mit Hilfe der von Kulis gezogenen _=Rikschas=_ auf ebenem Gelände überraschend schnell vorwärts.

=Feiertage= für alle Ämter, Banken, Schulen etc. sind: 1., 3., 5. Jan.: Neujahrsfest (Shiunen Shuku-jitsu); 30. Jan.: Todestag des verstorbenen Kaisers (Kōmei Tennō-sai); 11. Febr.: Thronbesteigung des ersten Kaisers Jimmu Tennō (Kigen-sétsu); 21. März: Frühlingsgleiche (Shunki Kōrei-sai); 3. April: Todestag von Jimmu Tennō (Jimmu Tennō-sai); 23. Sept.: Herbstgleiche (Shūki Kōrei-sai); 17. Okt.: Herbstdankesfest (Kanname-matsuri); 3. Nov.: Kaisers Geburtstag (Tenchō-setsu); 23. Nov.: Herbstfest (Niiname-matsuri). Ortsfeiertage sind später erwähnt.

=Reisen in Japan.= Reisezeit s. S. 345. Für den Sommer braucht man leichte Kleidung, für den Winter warme wie in Deutschland; Tropenhelm, Sonnenschirm und Moskitoschleier sind im Sommer zu gebrauchen. Die Gasthäuser im Innern Japans haben selten Heizung. Leichtes Schuhzeug in den Ortschaften, und nur solches, das man schnell und bequem aus- und anziehen kann (also nicht zum Schnüren), weil man bei jedem Besuch eines Hauses oder Tempels die Schuhe ausziehen muß, um die japanischen Sitzmatten nicht schmutzig zu machen. Man würde einen groben Verstoß begehen und sich Unannehmlichkeiten aussetzen, wenn man diese Sitte nicht beachtet. Die japanischen Strohsandalen sind empfehlenswert auf glattem Gestein; doch muß man die dazu passenden Socken tragen und den Strang mit Baumwolle bewickeln, der zwischen die große und zweite Zehe geklemmt wird. Wer von Reis, Eiern und Fisch allein nicht leben kann, muß sich ins Innere Lebensmittel mitnehmen; auch Wein ist nicht zu bekommen, doch mäßiges Bier in den meisten Städten. Currypulver und Soya macht die Reisgerichte schmackhafter. Wasser sollte man stets nur abgekocht trinken, besser aber nur Tee.--In der Ebene benutze man Rikschas (jap. _Jinrikĭsha_ oder _Kuruma_), die Wege sind gut. Mit Reit- und Packpferden hat man viel Schwierigkeiten. Im Gebirge gehe man zu Fuß und nehme Träger für das Gepäck. Radfahren ist nur auf einzelnen Landstraßen zu empfehlen; für Automobile sind nur wenige Landstraßen mäßig geeignet. Man sorge für wenig Gepäck in kleinen Stücken, mit Ölpapier gegen Regen geschützt für Bergbesteigungen. Man nehme einen zuverlässigen, empfohlenen Führer (s. oben) oder Diener an. Bei Reisen ins Innere nehme man Insektenpulver, Kampfer, Seife, reichlich Lichte und Laterne, Handtücher, Decken, ein Kopfkissen mit. Man beachte, daß warme Bäder den Europäern in Japan besser bekommen als kalte. Heiße Bäder werden viel und fast überall genommen. Man sei auch unterwegs stets mit Visitenkarten versehen; selbst in kleinen Landstädtchen wird man gelegentlich Deutsch sprechende Ärzte, Apotheker und Techniker finden. [Hand]Man sei stets höflich und zuvorkommend und nie ungeduldig; Heftigkeit macht keinen Eindruck auf die Japaner. Man verschaffe sich Empfehlungen an Behörden und versäume nie, Besuche auch bei Japanern im Gesellschaftsanzug zu machen. Frackanzug ist unentbehrlich. [Hand]_In den japanischen Häfen und Befestigungen sowie 12 km im Umkreis außerhalb davon ist das Photographieren streng verboten_; dazu gehören Nagasaki, Moji, Shimonoseki, Miyajima, Amanohashidate, Kamakura und Hakodate etc. (Die Karte der Welcome Society, Preis 50 sen, gibt genaue Auskunft.)

=Reiseliteratur für Japan=: _Joseph Lauterer_, Japan, das Land der aufgehenden Sonne (Leipzig 1907); _Franz Doflein_, Ostasienfahrt (Leipzig und Berlin 1906); _Basil Hall Chamberlain_, Things Japanese (London 1898); _Murray_, Handbook for Travellers in Japan (London 1907); A Guide-book for Tourists in Japan, herausgegeben von der _Welcome Society of Japan_ (5. Aufl., Tōkyō 1910).

17. Von Schanghai nach Nagasaki, durch die Binnenlandsee nach Kōbe, über Ōsaka, Kyōto nach Yokohama, Tōkyō und Nikkō.

Vgl. die Karte bei S. 337.

=Reichspostdampfer des Nordd. Lloyd= (S. 247) von _Schanghai_ alle 14 Tage in 1 Tag nach (412 Seem.) _Nagasaki_ für I. Kl. 77, II. Kl. 48,40, III. Kl. 22 M.; weiter nach (389 Seem.) _Kōbe_ und (719 Seem.) _Yokohama_. Außerdem ein Zweigdampfer der Austral-Japan-Linie des Nordd. Lloyd monatl. einmal von _Hongkong_ in 6 Tagen nach (1600 Seem.) _Yokohama_, von da nach 1 Tag Aufenthalt in 1-1/2 Tag nach (346 Seem.) _Kōbe_, oder umgekehrte Folge. --=Österreich. Lloyd= von _Schanghai_ monatl. einmal in 5-6 Tagen direkt nach (1031 Seem.) _Yokohama_, von da in 1-1/2 Tag nach (346 Seem.) _Kōbe_.-- =Messageries Maritimes= von _Schanghai_ alle 14 Tage in 3-4 Tagen nach (755 Seem.) _Kōbe_, von da in 1-1/2 Tag nach (346 Seem.) _Yokohama_.--=Peninsular and Oriental Steam Navig. Co.= (Zwischendampfer) unregelmäßig etwa alle 14 Tage bis 4 Wochen von _Hongkong_ über _Schanghai_ nach _Yokohama_.-- =Canadian Pacific Railway and Steamship Line= alle 14 Tage von _Hongkong_ über _Schanghai_, _Nagasaki_ und _Kōbe_ nach _Yokohama_.--=Pacific Mail S. S. Co.= und =Tōyō Kisen Kaisha= gemeinschaftlich abwechselnd alle 7-10 Tage von _Hongkong_ über _Schanghai_, _Nagasaki_ und _Kōbe_ nach (2002 Seem.) _Yokohama_. (Für die Fahrpreise beachte S. 411 u. 423.)--=Japanische Dampfer.= Nippon Yūsen Kaisha: monatl. von _Hongkong_ über _Schanghai_, _Moji_, _Kōbe_ nach (1101 Seem.) _Yokohama_; _Ōsaka Shōsen Kaisha_ monatlich von _Schanghai_ nach _Japan_.

Von _Schanghai_ (Ausfahrt S. 266) führt der kürzeste Seeweg mit ONO.-Kurs quer durch das Ostchinesische Meer (s. unten und S. 246) zwischen den Inseln l. _Torishima_ und r. _Meshima_ (shima = Insel) hindurch nach _Nagasaki_ (S. 349); oder mit östlichem Kurs durch die _Van Diemenstraße_ zwischen den Inseln _Kyūshū_ und _Tanegashima_ hindurch, dann nö. bis vor den _Kiikanal_ (_Linschotenstraße_) und durch diese nördl. in die _Ōsakabucht_ nach _Kōbe_ (S. 361); oder schließlich nö. bis zur nördlichsten der _Sieben Inseln_ (_Shichi-tō_), die _Ōshima_ oder _Miharayama_ heißt, und dann nördl. durch den _Uragakanal_ in die _Tōkyōbucht_ nach _Yokohama_ (S. 388).

Das =Ostchinesische Meer= (_Tunghai_) erstreckt sich von der Formosastraße bis zur Koreastraße; seine Nordgrenze gegen das _Gelbe Meer_ (_Hwanghai_) liegt zwischen der nördlichen Yangtsemündung und der Insel _Quelpart_, seine Ostgrenze nach dem Stillen Ozean hin (von dem es ein Randmeer ist) bilden die _Ryū-kyū-Inseln_. Es ist überall tief und frei von besondern Gefahren für die Schiffahrt, abgesehen von den _Taifunen_ (S. 220 u. 246). Das Gebiet, in dem diese entstehen, liegt zwischen den Marshallinseln und den Philippinen sowie auch zwischen den Bonininseln und den Ryū-kyū-Inseln. Ziemlich selten beginnen sie aber auch nahe westl. von den Philippinen. Gegen Anfang und Ende des Jahres halten sie sich mehr im südl. Gebiet, in der Haupttaifunzeit mehr im mittlern und nördl. Gebiet. Nördl. von der Linie zwischen der Yangtseinündung, der Van Diemenstraße und den Bonininseln sind die Bahnrichtungen der Taifune in der Hauptzeit nördl. bis nö. Regeln zum Erkennen der Bahnrichtung eines Taifuns sowie zum Manövrieren, um der sehr gefährlichen Sturmmitte zu entgehen, sind in den deutschen Seehandbüchern des Reichsmarineamts und der deutschen Seewarte enthalten (diese Bücher sind an Bord aller deutschen Dampfer). Über _Sturmwarnungsdienst_ in Ostasien vgl. S. 252 unter Zikawei. In allen japanischen Häfen besteht ein sehr gut geregelter Wetterbeobachtungs- und Sturmwarnungsdienst; vorzügliche tägliche Wetterkarten für die ostasiatischen Gewässer werden vom Meteorologischen Institut in Tōkyō herausgegeben, auf denen Wetterdepeschen von der chinesischen Küste, von Formosa und den Philippinen mit verwertet werden. Das internationale Zusammenwirken zum Schutze der Seefahrenden ist in Ostasien wesentlich weiter entwickelt als in Europa, dank der Tätigkeit der Jesuitenväter in Zikawei und Manila sowie der japanischen, englischen (Hongkong) und der deutschen (Tsingtau) Regierung.--Die Linie Yangtsemündung-Van Diemenstraße bezeichnet ungefähr die Nordgrenze des _Monsungebiets_; man trifft daher bei der Reise von Schanghai nach japanischen Häfen veränderliche Winde, und zwar im Winter vorwiegend mäßige bis frische NW.-Winde, die viel Kälte aus dem Innern Asiens bringen, im Sommer vorwiegend schwache Südwinde. Die _Meeresströmung_ ist auf der westl. Hälfte des Weges schwach und veränderlich, auf der östl. nordöstlich unter dem Einfluß des _Kuro-shiwo_ (Schwarzstrom), eines warmen Stroms, der am stärksten längs der Süd- und Ostküste der japanischen Inseln, aber auch vor Nagasaki und im südl. Teil der Koreastraße fühlbar ist und sich durch blaues Wasser auszeichnet, während die aus dem Golf von Petschili von November bis April ausströmende kalte, südl. gerichtete chinesische Küstenströmung trübes, gelbliches Wasser führt.

Auf der Dampferfahrt sieht man bei der Annäherung an die japanische Küste zuerst l. die bergigen _Gotoinseln_, deren größte und südwestlichste, _Fukae_, etwa 460 m hoch ist und an ihrer SW.-Spitze den Leuchtturm von _Ose Saki_ trägt; nach etwa 3 St. Fahrt kommen die Berge der Hauptinsel _Kyūshū_ in Sicht, man steuert auf den Leuchtturm von _Iwo Shima_ zu, der auf einem kahlen Gipfel steht; die Insel bleibt r., sie zeigt bis 107 m hohe Hügel. Nun führt östl. Kurs auf die äußere Einfahrt der Förde von _Nagasaki_ zu, zwischen den Inseln _Kamino Shima_ und _Papenberg_ (_Takaboko_), beide l., und _Kagenoo_, r. hindurch. Auf _Naginata Saki_, der Nordspitze von Kagenoo, steht wieder ein Leuchtturm. Etwa 2 km nö. liegt die eigentliche, nur 550 m breite Einfahrt in die nach NO. etwa 3,5 km tief einschneidende Hafenbucht von _Nagasaki_. Das Landschaftsbild zeigt eine neue Welt: reich gegliederte Küste mit Felsen und Bergen, deren Abhänge Nadelwälder bedecken; dazwischen verstreut liegen am Strande Fischerdörfer, einzelne Hütten, auf den Höhen Tempel und zierliche Landhäuser. Man glaubt auf einem Gebirgssee zu fahren. Überraschend wirkt bei Sonnenschein die Buntheit der japanischen Ansiedelungen zwischen dem grünen Gehölz. Im Hintergrund r. liegt die Stadt in einem Seitentale, zieht sich aber auch an den Anhöhen hinauf; gegenüber, l., liegen Schiffswerften und große Trockendocks (_Mitsubishi Dock Yards_).

Nagasaki.

Vgl. beifolgenden Plan.

=Ankunft.= Die Dampfer ankern sw. von der frühern Insel _Deshima_, etwa 5-10 Min. Bootsfahrt nach der Landungsbrücke beim Zollamt; Ausschiffung geschieht meist stündlich auf kleinen Dampfbooten gratis, sonst jederzeit mit Sampan (Ruderbooten): 1 Pers. ohne Gepäck 20 sen, je ein Gepäckstück 5 sen; man landet beim Zollamt. Die _=Zolldurchsicht=_ ist streng, man hüte sich, etwas zu verheimlichen; getragene Kleider etc sowie gebrauchte Sportsachen, Fahrräder, Kameras zum eignen Gebrauch sind zollfrei, auch wird üblich je eine Kiste Zigarren und Zigaretten zollfrei durchgelassen, aber sonst darf Tabak, weil Staatsmonopol, nicht eingeführt werden; alle Handelssachen müssen verzollt werden. An japanischen Festtagen (S. 346) ist das Zollamt geschlossen.

=Gasthöfe=: _Cliff House_, Pens. tägl. 4-6 Yen.--_Bellevue_, 3-5 Yen.--_De France_, 2,50-4 Yen.--_Du Japon_, 3,50-5 Yen.

=Restaurants.= Europäisches Essen: in obigen Gasthöfen.--Japanisches Essen: _Fukiro_ in Suwa Matsunomori; --_Koyote_ in Kami Chikugo Machi;--_Fujite_ in Ima Machi. Als Getränk zu empfehlen: Sake (Reiswein), warm; sonst Bier.

=Post und Telegraph= am Bund (Hafenstraße). Das japanische Postwesen ist nach europäischem Muster eingerichtet. --=Telephon= 5 sen für 5 Min. innerhalb der Stadt.

=Rikschas= (_Kuruma_): 1 St. mit 1 Kuli 25 sen, jede St. mehr 7-1/2 sen; 1 Tag 1 Yen; für 2. Kuli doppelter Preis; auf schlechten Wegen 10 sen mehr stündl. --=Sänften= (_Kago_), unbequem, doch für Damen bei Bergbesteigungen brauchbar; =Tragstühle= (_Chairs_) etwas bequemer. --=Reitpferde.=

=Eisenbahn= nach (262 km) _Moji_, an der Shimonosekistraße, in 7-10 St., I. 5,30 Yen, II. 3,18 Yen; hat durch Fährdampfer nach Shimonoseki Anschluß an das Bahnnetz von Nippon, also nach Miyajima, Kōbe, Ōsaka, Yokohama etc.; nach Kagoshima und Oita auf Kyūshū.

=Dampfer= (vgl. S. 347) nach Schanghai wöchentl. einigemal;--_Ōsaka Shōsen Kaisha_ und _Nippon Yūsen Kaisha_ nach Moji, Kōbe und Yokohama wöchentl. einigemal; nach Formosa (Kilung) 14tägig; nach Korea (Fusan, Tschimulpo, Gensan), Dairen (Dalny), Port Arthur (Ryōjunkō) monatl. 4mal; nach Tschifu, Taku etwa 14tägig; nach Niutschwang 2mal wöchentlich; nach Wladiwostok wöchentlich. Außerdem kleine Dampfer mit wechselndem Fahrplan nach den Nachbarhäfen und Inseln, z. B. nach den Gotōinseln wöchentl., nach Sasebo tägl.; nach Kagoshima 2mal wöchentlich etc.-- Dampferagenturen: _Norddeutscher Lloyd_: H. Ahrens & Co. Nachf. (Tel.-Adr.: »Nordlloyd«);--_Hamburg-Amerika Linie_: C. E. Boeddinghaus (Tel.- Adr.: »Paketline«); außerdem mehrere englische, amerikanische, russische und japanische Linien.--Abfahrt und Ankunft aller Dampfer werden in der »Nagasaki Press« tägl. angezeigt.

=Banken=: _Deutsch-Asiatische Bank_, --_Hongkong-Shanghai-Bank_; beide Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig.--_Yokohama Specie Bank_ (_Shōkin-Ginkō_), Korresp. der Deutschen Bank.

=Theater=: _Maizuru-za_, Shin-Daikumachi.

=Fremdenführer= durch Vermittelung der Gasthöfe; sie erhalten etwa 2-1/2 Yen tägl. für 1-2 Pers., 1/2 Yen für jede Person mehr, dazu Verpflegung und freie Fahrt. Wer etwas Japanisch versteht, tut besser, einen Diener (Boy), der kochen kann, auf Reisen ins Innere mitzunehmen.

=Konsulate=: _Deutsches Reich_, Amt am Bund, Konsul Dr. Ohrt; ferner britisches, amerikanisches und russisches Konsulat.

=Vereine=: _Nagasaki Club_, am Bund; _International Club_ in Deshima.

=Ärzte=: Ein amerikanischer Arzt. Von den japanischen haben einige in Deutschland studiert.--Katholisches _Krankenhaus St. Bernard_.

=Zeitung=: »_Nagasaki Press_«, täglich.

=Photographen=: _Tamemasa_, Moto Kago-machi; _Ueno_ in Deshima; _Tenyōkwan_ in Shikkui Machi.

=Geschäftsadressen=: Hauptgeschäftsstraßen sind die Moto Kago-machi und deren Verlängerung bis zur Moto Shikkui Machi sowie deren Querstraßen Hamano Machi, wo alle Spezialitäten Nagasakis käuflich sind: Schildpattwaren bei _Yesaki_ in Imauwono Machi und _Sakata_ in Moto Kago-machi u. a. (man hüte sich vor Nachahmungen aus Kuhhorn!); Lackrahmen bei _Yamamoto_ in Moto Kago-machi; Porzellan bei _Koransha_ in Deshima; japanische Curios (Raritäten) bei _Sato_ in Moto Kago-machi und _Ikeshima_ in Togiya Machi. Es empfiehlt sich aber, mit Einkäufen bis Kōbe, Kyōto, Yokohama und Tōkyō zu warten, wo Auswahl reicher und Preise häufig billiger.

[Hand] _Photographieren_ ist in Nagasaki streng verboten! Vgl. S. 347.

=Nagasaki= (_Nangasaki_), Hauptstadt der Provinz Hizen und des Regierungsbezirks (ken) Nagasaki, dem Fremdenverkehr geöffneter Hafen an der Westküste der Insel Kyūshū, unter 32° 43' nördl. Br. (etwa wie Jerusalem), am Ende einer langen, schmalen Bucht prächtig gelegen, einer der tiefsten und sichersten Häfen von Japan, auf drei Seiten von 300-400 m hohen Hügeln, auf der vierten, westlichen, durch die Insel Takaboko geschützt, von deren steiler Höhe nach einer Legende einst viele hundert Christen hinabgestürzt worden sein sollen, von den Holländern deshalb Papenberg (»Pfaffenberg«) genannt. Die Stadt hat (1909) 177000 Einw., darunter 300 Europäer und Amerikaner und 700 Chinesen; die Straßen sind eng, auch im Chinesenviertel, doch ist das Fremdenviertel an der Küste und auf den Hügelabhängen geräumig und sauber. Öffentliche Anstalten: Hospital, medizinische Schule, zwei Handelsschulen, Taubstummen- und Blindenanstalt, Schiffswerft (drei große Trockendocks der Mitsubishi-Gesellschaft), Gefängnis, Land- und Oberlandesgericht, mehrere Missionsgesellschaften. Der Handel tritt jetzt gegen den von Yokohama, Moji und Kōbe weit zurück. Die Einfuhr besteht hauptsächlich aus Ölkuchen und Knochen (als Dungmittel), Rohbaumwolle, Reis, Maschinen, Schiffbaumaterial und Petroleum (über 8 Mill. Yen). Die Ausfuhr umfaßt Meereserzeugnisse (ohne Fische) und Pilze nach China, Kohle und Holzkohle, Kartoffeln und Gemüse sowie Papier. Der Hafen war zuerst den Portugiesen, seit 1639, und bis 1859 nur den Holländern und Chinesen geöffnet. Die erstern hatten auf der künstlichen, jetzt infolge Aufschüttungen im Innern der Stadt liegenden ehemaligen Insel _Deshima_ ihre Warenlager nebst Gefängnis, während die chinesische Faktorei, von einer Mauer umschlossen, im Innern der Stadt lag.--_=Rundfahrt.=_ Von der Landestelle oder vom Gasthof fahre man mit Rikscha am _Bund_ (Hafenstraße) entlang, wo europäische Häuser (Konsulate, Geschäftshäuser etc.) stehen, nach _Deshima_ oder durch die Hauptgeschäftsstraße _Moto Kago-machi_, entweder gleich zum Ō-Suwa-Tempel oder, wenn hinreichend Zeit, zunächst nach der nahen _Tera Machi_ (Tempelstraße), an der eine Reihe buddhistischer Tempel liegen, dahinter am Hang des Kasagashirabergs malerische alte Friedhöfe. Der Aufstieg durch die Grabanlagen bis zum Berggipfel (schönster *Ausblick in Nähe der Stadt) ist außerordentlich lohnend; er liegt auf dem Weg zum berühmtem, viel besuchten *=Ō-Suwa-Tempel= und Park. Dieser Shintōtempel, der gegenüber Kasagashira über den Terrassenstraßen der Stadt am Hange des Kompiraberges im Hintergrund des Hafens liegt, wird auf mächtiger Freitreppe unter prächtigen _Torii_ (Tempeltoren) aus Stein und Bronze erreicht; man steigt hinauf zum Tempelgarten, der wie der untere Tempelhain durch sehr alte Kampferbäume und Kiefern beschattet ist.--Von der ersten Terrasse gelangt man r. zum _Matsunomoritempel_ (mit berühmten Holzschnitzereien).--Bei weiterm Aufstieg über die Freitreppe sieht man auf dem Tempelhof vor dem Ō-Suwa-Tempel ein großes bronzenes Pferd, Weihgeschenk eines Daimyō, dabei allerhand Kriegstrophäen; die Tempelanlage zeigt verschiedene Hallen und Nebengebäude, Priesterwohnungen, Opferplätze etc. Das letzte Tor führt zu einem einfachen Hauptgebäude nach Art eines Shintōtempels; dahinter und l. liegt der _Ō-Suwa-Park_ mit guter *Aussicht über den Hafen. Unterhalb des Parks liegt das sehenswerte _Handelsmuseum_. Tempelfeste, die in Nagasaki durch feierliche Umzüge besonders prunkvoll begangen werden, sind: das _Suwa no Matsuri_ oder _Kunichi_, am 7., 8. und 9. Okt., mit Tänzen von Kindern und Geishas; das _Bon Matsuri_, ein Totenfest (Allerseelen) auf den Kirchhöfen an den Berghängen im August mit charakteristischen Laternenprozessionen; das _Gion Matsuri_ im Juli. Interessant ist auch das nicht religiöse _Drachenfest_ im April auf dem Gipfel des _Kompira-yama_, zu dem man vom Ō-Suwa-Tempel in 3/4 St. hinaufsteigt; *Rundblick oben noch schöner und umfassender.

=Ausflüge=: 1) Mit Rikscha (2 Kulis, 2 Yen) in etwa 1-1/2 St. nach (8 km sö.) *=Mogi= (_Gasthof Katsutaro_, F. 1, Lunch u. Dinn. je 1,50, Z. 3,50 Yen, und _Nagasaki-Hotel_), einem malerischen Fischerdorf am _Golf von Obama_. Der Weg führt über einen Bergsattel (oben Teehaus) mit schöner Aussicht auf den Hafen, dann bergab durch ein schönes Tal. Von Mogi fährt ein kleiner Dampfer tägl. in 3 St. nach =Obama= (_Hotel Ikkaku-rō_, Pens. 3 Yen; _Obama Hotel_), einem hübschen Fischerort an der Ostküste des Obamagolfs. Von Obama Besteigung des =Unzen-dake= (oder _Onsenga-take_, 1483 m); zuerst 1-1/2 St. steil bergan zu einem Teehaus, dann in 1-1/2 St. auf ebenerm Wege nach _Shinyu-Unzen_ (Yumei- u. Shinyu-Hotel, Pens. 3 Yen), einem kleinen Badeort mit heißen Schwefelquellen, umgeben von Wald.

Von da in etwa 4 St. beschwerlicher Aufstieg auf meist schlechtem Wege auf einen der drei Gipfel des Unzen-dake, mit Vorliebe auf den Fugen-dake. Die Besteigung fordert 2 Tage Zeit: 1. Tag bis Shinyu-Unzen, 2. Tag Aufstieg und zurück nach Obama.--2) Fahrt nach (9 km) =Aba= über den Bergpaß des *_Himitoge_, etwa 5 km östl. von Nagasaki, mit schöner Aussicht über den Golf von Obama (1-1/2 St. Spaziergang dorthin schon lohnend). Vom Fischerdorf Aba gelangt man in 1 St. über Yagami zum _Kwannontempel_, mit einem durch seine Azaleenblüte berühmten Park und Wasserfall. Ein schöner, aber beschwerlicher Weg führt in 3 St. nach Mogi.

* * * * *

=Eisenbahn Nagasaki-Moji (und Kagoshima)= 262 km in 7 St.--Der Bahnhof in Nagasaki liegt am innersten Ende des Hafens. Man fährt über (5 km) _Michinoo_ (in der Nähe das Solbad _Urakami no Onsen_ in hübscher Gegend, wo in _Narutaki_ der Japanforscher v. Siebold lebte) nach (29 km) _Isahaya_ am SO.-Zipfel der Ōmurabucht, dann an deren Ostküste entlang über (42 km) _Ōmura_, das früher Sitz eines Daimyō war und noch dessen Schloß zeigt, ferner über (77 km) _Haiki_ (von hier Zweigbahn nach [9 km] _Sasebo_, wichtigem Kriegshafen mit Marinewerft), dann (96 km) _Arita_ (alte Porzellanindustrie mit Verkaufsläden, deren Erzeugnisse, _Arita-yaki_, vom 13 km entfernten Hafen _Imari_ ausgeführt werden, daher _Imari-Porzellan_ genannt) nach (104 km) =Takeo= (Gasthöfe: _Tōkyō-ya_; _Tōyōkwan_; _Hill-side Hotel_), Stadt mit heißen Quellen und öffentlichen Bädern, von schönen Bergen umgeben. Dann über (123 km) _Ushizu_ (Zweigbahn zum Kohlenausfuhrhafen _Karatsu_ [Gasthof Hakataya; tägl. Dampfer nach Fusan, Korea] mit heißen Seebädern) nach (132 km) =Saga= (_Gasthof Matsukawaya_), alte Stadt mit Ahnenschloß des Nabeshimageschlechts und dem schönen _Shimbabapark_ mit Mausoleen und Lotosteichen. --(156 km) _Tosu_.

_=Zweigbahn=_ (Kyūshū-Südbahn) von Tosu über _Kumamoto_ (Gasthof Togiya; 60000 Einw., Hauptstadt einer Präfektur; östl. der 1500 m hohe Vulkan Aso-take mit 20 km langem Ringwall nach (200 km) =Kagoshima= (Gasthöfe: _Okabe_; _Ikebata_; europ. Speisehaus _Kakumeikwan_), Hauptstadt eines Ken und der japan. Provinz Satsuma, an der SW.-Küste der schönen Bai von Kagoshima gelegen, Sitz eines Gerichtshofs; Fabriken für weltberühmte Fayence und Waffen, Baumwollspinnerei und 63700 Einw. Früher Residenz des mächtigen Daimyō von Satsuma, Shimazu, wurde es 1864 durch eine englische Flotte beschossen und fast ganz zerstört. Die Umgebung der Stadt bietet schöne Spaziergänge. Die Umgebung des Kagoshimagolfs ist ein ganz vulkanisches Gebiet und als das Nordende des vulkanischen »Kurilenbogens« zu betrachten. Nö. des Golfs, von der Bahn durchschnitten, erhebt sich das Vulkangebirge des _Kirishima-yama_ (1688 m) mit Kratern, Solfataren usw.; im Golfe selbst, der Stadt gegenüber, liegt die aus einem Vulkan bestehende Insel _Sakura_ (900 m), und am Westausgange des Golfs der Vulkan _Kaimon_ (920 m). Südl. der Bucht das sogen. _Satsumameer_, in dem eine Anzahl z. T. erst zwischen 1780 und 1800 entstandener Vulkaninseln liegt. Heiße Quellen nahebei.

_=Hauptbahn.=_ Von Tosu nordwärts durch Hügelland nach (171 km) _Futsukaichi_, Station für die historisch berühmte Pilgerstadt *=Dazaifu=, 2 km nördl. vom Bahnhof, mit alten Shintō-Tempelanlagen, _Temmangū_ (sehenswerte Bronzefiguren), früher Hauptstadt der Generalstatthalter der Insel Kyūshū, deren berühmtester, Sugawara-no-Michizane, hier 903 als exilierter Kanzler gestorben, noch jetzt als Gott der Kalligraphie unter dem Namen Tenjin verehrt wird. (Sein Bild auf den Zehn-Yen-Scheinen.) Die Bahn erreicht dann wieder die Küste bei--(186 km) =Hakata= (Gasthof _Matsushimaya_, mit europ. Essen), Hafenstadt der alten Stadt _Fukuoka_ mit schönem alten Schloß und Stadtpark sowie berühmten Seidenwebereien (für _Hakata-ori_ und _E-ori-komi_, Bild-Einweberei), Takatoriporzellan, Tonfiguren Hakata ningyō; Medizinschule. Im Stadtpark ein Denkmal zum Andenken an den 6. Shikken von Kamakura, Hōjō Tokimune, unter dessen Regentschaft 1274 und 1281 die Angriffe des mongolischen Eroberers Kublai-Chan (japan. Koppitsu-retsu) abgeschlagen wurden. Etwa 2 km vom Park liegt der prächtige Shintōtempel _Hakozaki Hachiman-gū_; etwa 5 km weiter ein sehr alter Tempel, der Göttin Benzaiten geweiht, an prächtigem Aussichtsplatz; am Strand unterhalb des Tempels liegen Bruchstücke einer versteinerten Kiefer, der Sage nach die Masten der Dschunke der Kaiserin Jingō, die hier bei der Rückkehr aus dem siegreichen Feldzug gegen Korea um 200 n. Chr. Schiffbruch erlitten haben soll. Auf dem Rückwege besuche man den buddhistischen Tempel _Sōfukuji_.-- Nach dem Besuch des Hakozaki Hachimantempels mit großem steinernen Torii und schönem Nadelwald kann man zur Weiterfahrt die Bahnstation (190 km) _Hakozaki_ benutzen; die Bahn bietet sehr schöne Blicke aufs Meer (_Genkai Nada_) zwischen der Insel Ikishima und der Shimonosekistraße und steigt zwischen (218 km) _Akama_ und (230 km) _Ongagawa_ bis 90 m ü. M. über einen Bergkamm mit schönen Aussichten r. und gelangt dann über (250 km) _Kokura_, eine lebhafte Geschäftsstadt, früher Daimyōsitz (Abzweigung der _Kyūshūbahn_, fertig bis Usa, im Bau bis =Oita= [Gasthof _Yaoya_], einem beträchtlichen Handelsplatz und Seehafen, in dessen Nähe in schöner Landschaft die heilkräftigen heißen Bäder von _Beppu_ [Gasthof Hinako] liegen), nach (262 km) =Moji= (S. 355).

Von Nagasaki durch die Binnenlandsee nach Kōbe.

Die *=Fahrt durch die Binnenlandsee= ist ein Glanzpunkt der Reise in Japan.--=Dampfer=, vgl. S. 349. Fahrzeit der großen Dampfer 28-32 St.; lohnender, aber zeitraubender (bis zu 6 Tagen) ist die Fahrt mit japanischen Küstendampfern, die viele Häfen der Binnenlandsee anlaufen. Fahrpläne geben die japanischen Zeitungen in Nagasaki und Kōbe sowie die Agenturen der Nippon Yūsen Kaisha und Ōsaka Shōsen Kaisha.

Aus dem Hafen von _Nagasaki_ (S. 349) dampft man zunächst mit nw. Kurs längs der Küste von Kyūshū an mehreren hohen Klippen und den Inseln _Ikeshima_ und _Hikishima_, beide l., vorbei bis zu der mit Kiefern bestandenen und gut bebauten Insel _Matsushima_, die r. bleibt. Nun führt NW.-Kurs zwischen den Inseln _Sakitoshima_ r. und _Ōdateshima_ l. und nahe r. am Leuchtturm auf der gefährlichen Klippe _Fukuse_ vorbei auf die Südspitze der großen Insel _Hiradoshima_ zu, die von den Dampfern meist r. gelassen wird, trotzdem an ihrer Westküste oft heftiger Seegang steht. Aber die zwar gut geschützte _Hirado-_ oder _Spexstraße_ zwischen der Ostküste der Insel Hirado und der Westküste von Kyūshū hat eine sehr enge, vieler Klippen wegen gefährliche Stelle an ihrem Nordende, die nur bei hellem Tage und mit sehr erfahrenen Lotsen benutzt werden kann; die meisten Dampfer ziehen den kleinen Umweg westl. um Hiradoshima vor. Die Insel _Hirado_ ist wegen ihres blauweißen Porzellans berühmt und war im 16. u. 17. Jahrh. der Sitz holländischer und englischer Handelsfaktoreien. Die Stadt _Hirado_, am Nordende der Spexstraße, zeigt noch die malerischen Ruinen eines Daimyōschlosses. An der Westküste der Insel Hirado durchläuft man die kaum 400 m breite _Obreestraße_ (_Ikutsuki no Seto_), die die Südspitze der Insel Ikutsuki vom Kap _Tobusaki_ der Insel Hirado trennt; diese nur sehr kurze Enge liegt 53 Seem. von Nagasaki. Mit NO.-Kurs wird das Nordende von Hirado umsteuert, wobei die Inseln _Dōshima_ und _Atsushi no Ōshima_ l. bleiben. Man gelangt nun in den mit vielen Inseln besetzten östl. Teil der _Koreastraße_, den Schauplatz der Seeschlacht bei _Tsushima_ am 27. und 28. Mai 1905, in der die russische Flotte unter Admiral Roshestwenski vom japanischen Admiral Tōgō nahezu vernichtet wurde; dann dampft das Schiff durch die Ikistraße zwischen _Ikishima_ l. und _Madarashima_ und andern Inseln r. längs der NW.-Küste von Kyūshū, allmählich östl. Kurs aufnehmend; viele Fischerfahrzeuge beleben die See. Im NO. erhebt sich eine dunkle Bergkette, man sieht weiße Leuchttürme auf den Inseln _Rokuren_, _Takenoko_ und _Manaita Iwa_, das Fahrwasser zwischen den Inseln wird enger, große Leuchttonnen bezeichnen die Fahrrinne zwischen Sandbänken; man nähert sich der _Meerenge von Shimonoseki_, die zwischen den Inseln Kyūshū und dem Westende von Nippon oder Hondo die stark befestigte Westeinfahrt zur Binnenlandsee bildet. Über die entzückende Landschaft dieser Straße schreibt _Hans Meyer_: »Allmählich löste sich die scheinbare Landmauer in einen Haufen von Inseln auf, die sich wie Kulissen hintereinanderschoben und durch die Aufeinanderfolge von bunten, niedlichen See- und Küstenbildern, von kleinen lachenden Buchten, netten Dörfchen und Wäldchen ganz den Eindruck gelungener Theaterdekorationen machten; eine Miniaturlandschaft, wie sie naiver und freundlicher nur vorgestellt werden konnte, wenn man sommerliche Farben aufgetragen dachte. Nach einer weitern halben Stunde erreichten wir die Einfahrt zur Inlandsee, einen Meereskanal, der völlig einer bewaldeten Bergpartie der Mosel oder des Neckars gleicht. Und von nun ab folgte eine Menge unbeschreiblich schöner Landschaftsbilder so schnell, daß man nur immer zu schauen und wieder zu schauen hatte und doch nicht müde wurde, denn alles ist wie aus Einem Guß, nichts ist unverständlich, nichts düster.«--Bald öffnet sich die Enge zu einer breitern Bucht, der Dampfer ankert mitten zwischen den Hafenstädten Moji und Shimonoseki, 150 Seem. von Nagasaki.

=Moji= (Gasthof _Ishidaya_; man suche lieber das Sanyō-Hotel in Shimonoseki zu erreichen), rasch aufblühende Hafenstadt am Nordende der Kyūshū-Eisenbahnen (Nagasaki-Moji, s. S. 353), in der Nähe große Kohlenlager; Ausfuhr von Kohlen. Die Umgegend ist stark befestigt, um die Binnenlandsee zu sperren. Von der Reede von Moji aus beschoß 1864 die Flotte der verbündeten Engländer, Nordamerikaner, Franzosen und Niederländer das Dorf Dan-no-ura und Fort Maeda (jetzt englisches Konsulat auf einem Berg) an der Binnenlandsee bei Shimonoseki als Strafe für die Zerstörung eines amerikanischen Handelsschiffs und zur Erzwingung von Handelsverträgen.

=Shimonoseki= (Photographieren verboten!), auch _Bakan_ genannt (Gasthöfe: _Sanyō Railway Hotel_, europ., gelobt; _Daikichi_, _Shumpanrō_), am Nordufer der Meerenge, mit starken Küstenbefestigungen. _Deutsches Konsulat_, Konsul Dr. W. Müller. Eisenbahnfährdampfer in 15 Min. nach Moji. Die Umgegend bietet hübsche Waldspaziergänge. Hier wurde 17. April 1895 der Friede zwischen Japan und China geschlossen.--Shimonoseki ist westl. Endpunkt der Sanyōeisenbahn, die auf der Hauptinsel Hondo meist längs der Nordküste der Binnenlandsee bis Kōbe läuft; Bahnfahrt Shimonoseki-Kōbe vgl. S. 358.

Die *=Japanische Binnenlandsee= (_Seto no uchi_ [d. h. »Zwischen den Meerengen«] oder _Naikai_) wird von den Inseln Hondo (Nippon), Kyūshū und Shikoku umschlossen, steht einerseits durch die Shimonoseki- (oder Van der Kapellen-) Straße mit der Koreastraße, anderseits durch die Bungostraße und den Kiikanal (Linschotenstraße) mit dem Stillen Ozean in Verbindung, ist sehr seicht und mit vielen, meist vulkanischen Inseln besät. Sie ist wahrscheinlich durch Einbruch während der Tertiärzeit entstanden. Die Japaner teilen die Binnensee in fünf offene, durch Inselketten oder Meerengen voneinander geschiedene Seeflächen, die von W. an heißen: _Suwō Nada_, von der Shimonosekistraße östl. bis zur Insel Iwaishima; _Iyo Nada_, nö. bis Nakashima; _Mishima Nada_, nö. bis Ōshima; _Bingo Nada_, nö. bis Shōzushima; _Harima Nada_, östl. bis Awajishima; östl. davon liegt als sechste Teilsee der Golf von Ōsaka, auch _Izumi Nada_ genannt. Die Inseln der Binnenlandsee sind meist gebirgig und reich bewaldet, ebene Stellen sind mit Städten, Dörfern, Gehöften, Tempeln, Daimyōburgen und Reisfeldern besetzt; viele Berghänge sind urbar gemacht und terrassenförmig bebaut. Unzählige Fischerboote beleben das Inselmeer, oft zu ganzen Flottillen vereint, die den Dampfern die Durchfahrt erschweren; Dschunken treiben lebhafte Küstenfahrt. -- Der Dampfer steuert aus der Shimonosekistraße mit SO.-Kurs in die _Suwō Nada_, wobei man r. die bis 1600 m hohen Gebirge der NO.-Küste von Kyūshū erblickt. Etwa 13 Seem. von Shimonoseki, d. h. etwa nach 1 St., wird der Kurs osö., man läßt _Himeshima_ r. und hält auf _Yashima_ zu. Von der Südspitze dieser Insel (63 Seem. von Shimonoseki) wird der Kurs onö., man gelangt in die _Iyo Nada_, hat l. viele malerische Inseln in nächster Nähe und erreicht bald (92 Seem. von Shimonoseki) den Ankerplatz von

=Mitsugahama=, auch _Mitsu_ genannt (Gasthof _Kubota_, Pens. 5 Yen; Eisenbahn stündl. nach Matsuyama in 1/2 St., Dampfer nach Beppu [S. 354], Oita, Hiroshima [S. 359], Ōsaka etc.), auf der Insel Shikoku, Hafenplatz für die Antimonausfuhr aus dem nahen Bergwerk von _Ichi-no-kawa_, während die Kupferausfuhr aus dem alten Bergwerk von _Besshi_, das jährlich etwa 5000 Tonnen liefert, meist über den kleinen Hafen _Niihama_ geht, der etwa 28 Seem. östl. von Mitsugahama liegt. Nahe östl. von Mitsu liegt der geschütztere Hafen _Takahama_ (Gasthof _Yūshinsha_), Endpunkt der Iyobahn. Man fahre mit der kleinen Bahn nach

(5 km) =Matsuyama= (Gasthöfe: _Kidoya_, 30 Z. 1, F. 0,50, Lunch 1, Din. 1,50 Yen; _Shioya_), stille, alte Hauptstadt der Provinz Iyo der Insel Shikoku, sehr sauber, 37842 Einw. Mitten in der Stadt erhebt sich eine alte *_Daimyōburg_, 1603 von dem Geschlecht der _Hisamatsu_ erbaut und vorzüglich erhalten; Erlaubnis zum Besuch vorher bei der Präfektur (Kenchō) einholen! Der nur zum Reiten oder Sänftetragen bestimmte Weg führt steil auf den mit prächtigen Kiefern bewachsenen Burgberg; auf halber Höhe liegt ein schöner Tempel, von dessen Haupteingang eine Prachttreppe zur Stadt hinabführt. Auf dem Berggipfel steht man plötzlich vor einer etwa 15 m hohen schrägen Zyklopenmauer, um die man herumgeht, um den Eingang, etwa fünf im Zickzack hintereinander gelegene Tore, zu finden; hinter jedem Tor ein Vorhof, umschlossen von hohen Mauern. Dann erst gelangt man in den Hofraum der Burg, der in der Höhe der Krone der Umfassungsmauern liegt; im Hofe liegen die Wohngebäude der Samurai, der Vasallen des Daimyō, inmitten von Obstpflanzungen, Gärten und Feldern. An der Südecke erhebt sich auf einer zweiten, gleichhohen Zyklopenmauer der Prachtbau des Daimyōschlosses in mehreren Stockwerken, mit turmartigen Ecken verziert. Prachtvolle *Aussicht vom Schloß auf die Binnenlandsee und die Gebirge von Shikoku.

2 km östl. von Matsuyama liegt das älteste japanische Mineralbad =Dōgo= (gute Gasthöfe: _Funaya_; _Chakin_) mit hübschem Park und öffentlichen Bädern; man benutze nur das schwächste Mineralbad _Ichi-no-yu_ für Gesunde (die andern sind für Hautkranke). In Dōgo kauft man das hübsche weiße Fayence Tobeyaki.

Von Mitsugahama durch die Meerenge östl. von der Insel _Gogo Shima_, während der Hauptdampferweg zwischen Shimonoseki und Kōbe durch die _Tsuru Shima Seto_, eine Enge zwischen Gogo Shima r. und den Insebi _Naka_, _Musuki_ und _Nokotsuna_ (l.) hindurch in die _Mishima Nada_ führt. Mit nö. Kurs an der Nordwestküste von Shikoku entlang bis _Mitarai_, einem engen, landschaftlich schönen Schutzhafen zwischen den Inseln _Ōsakishima_ oder _Mitarai_ und _Okamura_. Von hier mit SO.-Kurs bis zum Kap _Ōsumi Bana_; dann gelangt man mit sö. und südl. Kurs durch die mit vielen Inseln besetzte Enge _Kurushima no Seto_ in die _Bingo Nada_, an deren Westende auf Shikoku die Hafenstadt =Imabaru= oder =Imabari= (Gasthof _Asahiya_) mit altem Schloß (1602 vom Daimyō Tōdō Takatora erbaut) sehr malerisch liegt. Nun führt onö. Kurs zwischen den Inseln _Takaikami_ (l.) und _Oki Shima_ (r.) hindurch und in das dichte Inselgewirr hinein, das am Ostende der Bingo Nada die Fahrt landschaftlich reizvoll, aber nautisch schwierig macht; man fährt dabei dicht unter der Südküste der Insel _Hiro Shima_ (nicht zu verwechseln mit der Stadt Hiroshima, S. 359) entlang. Hier liegt an der Nordküste von Shikoku r. vom Dampferkurs

=Tadotsu= (Gasthof _Hanabishi_; Dampfer tägl. in 2-1/2 St. zur Bahnstation _Onomichi_, S. 360), lebhafte Hafenstadt; in einigen Stunden erreicht man von hier mit Rikscha _Byōbu-ga-Ura_, den vermutlichen Geburtsort des berühmten Buddhapriesters Kōbō Daishi (*Aussicht). -- Die Eisenbahn führt von Tadotsu nach (13 km) =Kotohira= oder _Kompira_ (gute Gasthöfe: _Toraya_; _Bizenya Hotel_, 12 Z., Pens. 3 Yen), Pilgerstadt mit dem berühmtesten Heiligenschrein von Shikoku und der _Goldenen Halle_ (_Kondō_), von Kōbō Daishi im 9. Jahrh. gegründet, jetzt aber zum Shintōtempel mit dem Namen _Asahi no Yashiro_ (»Schrein der aufgehenden Sonne«) umgetauft, eine großartige Tempelanlage mit vielerlei Sehenswürdigkeiten, das Ziel vieler Wallfahrten. Tempelfeste sind am 8.-10. Sept. (Shiogawa Matsuri) und am 10. und 11. Okt. (Hauptfest, sehr sehenswert), außerdem kleinere am 10. jeden Monats. -- Eine zweite Bahnlinie führt von Tadotsu über (5 km) _Marugame_ (Gasthof _Tamagawa-rō_), Stadt mit Daimyōburgruine nahe dem Bahnhof und kleinem Seehafen, nach

(32 km) =Takamatsu= (_Takamatsu Hotel_; Dampfer nach vielen Plätzen der Binnenlandsee), Hafenstadt und Hauptstadt der Provinz Sanuki, mit 37430 Einw., Daimyōburgruine am Strand; in der südl. Vorstadt der schöne Landschaftsgarten *_Kuri-bayashi Kōen_ mit phantastischen Kiefern. Lohnender Ausflug auf den *_Yashimayama_ (etwa 4 km) an der Ostseite des Hafens, ein Vorgebirge, wo im 12. Jahrh. eine große Seeschlacht zwischen den Anhängern der Minamoto und Taira geschlagen wurde; eine Dampferfahrt in 1 St. nach der idyllischen Bucht _Uchi no Umi_ auf der Insel _Shōzu-(Shōdo-)Shima_ ist sehr empfehlenswert.

Der Hauptdampferweg führt um die Südküste der Insel _Shōzu-Shima_ herum in die _Harima Nada_ und durch diese mit nö. Kurs durch die Meerenge _Akashi no Seto_ am Nordende der Insel _Awaji Shima_ in den schönen _Golf von Ōsaka_ (Idzumi Nada) und dort längs der Küste von Hondo zur Reede von _Kōbe_ (S. 361), 234 Seem. von Shimonoseki.

Eisenbahn von Shimonoseki nach Kōbe.

=Eisenbahn.= Die _Sanyōbahn_ läßt von Shimonoseki nach Kōbe tägl. einen Schnellzug laufen; er legt die Strecke von 350 km in 14-1/2 St. zurück; die Durchgangswagen haben elektrisches Licht und Dampfheizung; Speisewagen in den Schnellzügen, Schlafwagen in den Nachtzügen. In jedem Wagen ist ein »Boy« zur Bedienung der Reisenden. --Die Reisenden I. und II. Kl. der Dampfer der _Nippon Yūsen Kaisha_ können diese Bahn ohne Mehrkosten benutzen, wenn sie vorher eine Austauschfahrkarte (interchangeable ticket) lösen. Dasselbe Vorrecht genießen die Reisenden der Great Northern S. S. Co. und Tōyō Kisen Kaisha zwischen Kōbe u. Nagasaki. [Hand] Man gebe das Gepäck auf für die _Sannomiyastation_ in Kōbe und beachte, ob man richtig verstanden ist!

Die Bahn folgt dem altberühmten _Tokkaido_, der »alten Heerstraße«, durch das Hügelland des südl. Küstengebiets von _Chiogoku_, wie die westl. Halbinsel von Hondo heißt. In Chiogoku, das Mittelgebirgscharakter hat, fehlen jungvulkanische Gesteine fast ganz.

Der Schnellzug (r. sitzen!) verläßt _Shimonoseki_ (S. 355) in nö. Richtung, gegenüber _Dan-no-ura_, dem Orte der größten Seeschlacht in den japanischen Geschlechterkämpfen 1185, wo Yoshitsune die bisher allmächtigen Taira besiegte. Dann folgt (14 km) =Chōfu= oder _Toyoura_ (Gasthof _Shin-ichi_), Grabstätte des Mikado Chū-ai Tennō, gest. 201, dessen Frau Jingō Kōgō, die japanische Semiramis, nach seinem Tode Korea erobert haben soll.--(69 km) _Ogōri_; von hier erreicht man mit elektr. Bahn in 1-1/2 St. (11 km) =Yamaguchi= (Gasthof _Fujimara_) mit Daimyō Mōri-Schloß und den heißen Quellen von _Yuda_, Mittelpunkt des japanischen Christentums gegen Ende des 16. Jahrh. Auf dem Hügel Kameyama ein Park mit Reiterstatuen der Familie Mōri.--Dann (87 km) _Mitajiri_ (guter Gasthof _Kashiwagi_ am Bahnhof), ein hübscher Hafenort, in dessen Nähe, in _Miyaichi_ (Gasthof _Fujimura_, mit Rikscha zu erreichen), der _Matsu-zaki-jinja_, ein berühmter Schrein des Gottes Tenjin auf malerischem Hügel mit *Aussicht, liegt.--Die Bahn folgt nun der Küste, führt über (114 km) _Tokuyama_ (Gasthof _Matsumasa_) mit Brikettfabrik für die japanische Marine, zu dem malerischen Hafen (150 km) _Yanaitsu_, dann immer dicht am Strande, zum Teil auf einem Damm und über den Nishikigawa nach (183 km) _Iwakuni_ (Gasthof _Komehei_), lebhafter Gewerbestadt mit schönem Park und Tempel, berühmt wegen der 230 m langen und 24 m hohen seltsamen Bogenbrücke _Kintaikyō_, zuerst 1673 vom Daimyō Kikkawa Motonobu erbaut und stets in alter Form erneuert.

(203 km) *=Miyajima= (_Mikado Hotel_, europäisch, Pens. etwa 8 Yen; _Momiji Hotel_; Gasthof _Iwaso_; auf der Insel, mit Sampan in 20 Min., mit Dampfboot in 10 Min. zu erreichen), eine heilige Insel dicht am Strand, auch _Itsukushima_ (d. h. heilige Insel) genannt, gehört zu den _Sankei_ (den drei Hauptsehenswürdigkeiten Japans). [Hand] Von Kōbe kann man auch mit Dampfer der Osaka-Shimonoseki-Linie der Osaka Shōsen Kaisha in etwa 22 St. für I. Kl. 5,30, II. 3,15 Yen (jede europäische Mahlzeit 1 Yen extra) die Fahrt hierher machen, die infolge Anlaufens von elf kleinen Zwischenplätzen (darunter Takamatsu, Onomichi und Kure) sehr lohnend ist.

=Miyajima= ist etwa 550 m hoch, felsig und dicht bewaldet, mit prächtigen Aussichtspunkten und malerischen Tälern; viel zahme Hirsche; Teehäuser und Fischerdörfer; früher durfte niemand auf der Insel geboren werden oder sterben. Jetzt beliebte Sommerfrische mit Seebad und Wallfahrtsplatz. Die *_Tempel_ der Insel sind meist den drei Töchtern des (schintoistischen) Meergottes Susanoo geweiht, weshalb die Torii (Tempeltore) und auch die Tempelanlagen vielfach im Meere stehen. Der erste Tempel wurde im 6. Jahrh. erbaut. Die Tempel sind sehr sehenswert, enthalten groteske Schnitzereien und alte Bilder. Interessant ist das Anzünden aller Opferlaternen gegen Abend (man bestelle es bei einem Bonzen für etwa 2-4 Yen). Die große Tempelhalle _Senjōjiki_ auf einer Anhöhe l. vom Haupttempel soll Hideyoshi aus einem einzigen Kampferbaum erbaut haben; sie diente seinem Kriegsrat vor dem großen Seezug gegen Korea am Ende des 16. Jahrh. In einem Tempel auf einem Berggipfel wird das von Kōbō Daishi (S. 357) angezündete heilige Feuer gehütet.

Die Bahn fährt von Miyajima weiter längs der Küste;

(225 km) =Hiroshima= (Gasthöfe: _Kikkawa_; _Mizoguchi_, in beiden europäisches Essen), Hauptstadt der Provinz Hiroshima, mit 121196 Einw., eine sehr lebhafte Gewerbestadt (für Lack, Bronze und andres Kunsthandwerk) an der Mündung des Ōtagawa sehr malerisch gelegen; Eisenbahn nach dem (5 km) Hafenort _Ujina_ (Gasthof _Naganuma_; Dampfer 3mal tägl. nach Takahama, S. 356). Rundfahrt durch die Stadt mit Rikscha zunächst zum Landschaftspark *_Sentei_ des Asanogeschlechts, in dessen Nähe ein fünfstöckiger Wartturm (tenshu) fast der einzige Rest des alten Daimyōschlosses ist (Zutritt verboten); neben dem alten Schloß liegt der Stadtpark Kōen mit der Tempelanlage _Nigi-tsu-Jinja_. Überall sieht man das Wappen der Asano, zwei gekreuzte Falkenfedern, nach dem auch der Hügel _Futabayama_ (oben schöne *Aussicht und kleine Teehäuser) hinter dem Tempel benannt ist. -- Ausflug mit Dampfer nach _Kure_ (Gasthof Miyoshi), etwa 8 Seem. ssö. von Ujina, einer wichtigen Marinestation und Kriegswerft (Erlaubnis zur Besichtigung nur durch den Marineminister zu erwirken); auf der kleinen Insel _Etajima_ die kaiserliche Marineschule.

Hinter Hiroshima verläßt die Bahn die Küste und läuft durch gebirgiges Land über (250 km) _Hachi-kon-matsu_ und (274 km) _Kōchi_, erreicht dann die Küste wieder bei (296 km) _Mihara_ (Gasthof Go-un-rō), Stadt mit Daimyōburgruine, und läuft längs der Meerenge, die die vorgelagerte Insel _Mukōjima_ bildet, nach -- (307 km) =Onomichi= (Gasthof _Hamakichi_; Dampfer nach Tadotsu tägl. in 3 St.), lebhaftem Hafenplatz mit schönen alten Tempeln, deren schönste _Senkōji_ und *_Saikokuji_ (auf dem Gipfel eines steilen Hügels, auf den eine schier endlose Treppe führt; oben *Aussicht). -- Dann verläßt die Bahn kurze Zeit die Küste und erreicht -- (328 km) =Fukuyama= (Gasthöfe: _Kurisada_; _Yoshino-Kadan_, am Bahnhof, 7 Z., Pens. 3 Yen), Hauptstadt der Provinz Bingo mit *_Daimyōburg_ (Besichtigung erlaubt); etwa 10 km südl. liegt der malerische Hafen _Tomo_ (Gasthof _Marutsune_), geeignet zu Bootsausflügen nach _Abuto_ (Tempel der Kwannon) und nach den Inseln _Benten-jima_ und _Sensuitō_ (Seebad), gegenüber vom Kwannon-Tempel, 4,5 km westl. von Tomo. -- Weiterhin berührt die Bahn die Küste nur bei (343 km) _Kasaoka_ und erreicht dann -- (386 km) =Okayama= (Gasthöfe: _Miyoshi-Kadan_, nahe beim Bahnhof; _Jiyūsha_; Zweigbahn nach _Tsuyama_), Hauptstadt der Provinz Bizen, mit 81025 Einw.; neben dem alten, jetzt als Schule benutzten Daimyōschloß (die »Rabenburg«) der weitberühmte Garten *_Kōraku-en_, eine echt altjapanische Anlage mit Hügeln, Seen, zahmen Kranichen, Brücken und Pavillons; Gymnasium (Kōtōgakkō), Medizinschule und das größte Waisenhaus Japans.

=Ausflug= von _Samban_, dem Hafenort für Okayama (3 km südl.), mit Dampfer in 1-1/2 St., dazu 1/2 St. Bootsfahrt nach der großen Insel _Shōdoshima_, wo man einen Tag zubringt, um mit Rikscha und zu Fuß einige der 88 heiligen Plätze der Insel, z. B. die Felsen von _Kankake_, den Wasserfall _Nishi no taki_, die Höhle der Göttin Beuten in _Gōtō_, zu besuchen. Auskunft und Führer besorgt die Agentur der Dampfer (funa-donya) an der Landungsbrücke. Gelegenheit zum Übernachten in den Hauptorten _Tonoshō_ und _Fuchizaki_.--Über _Uchi no Umi_ vgl. S. 358.

Hinter Okayama bleibt die Bahn der Küste fern und führt über unbedeutende Plätze durch bergige Landschaft nach--(475 km) =Himeji= (Gasthof _Akamatsu_; europ. Speisehaus: _Daishika_; _Toyo_, Bierhalle; Zweigbahn nach _Ikuno_, mit Silberminen, und nach den heißen Quellen von _Kinosaki_, auch _Yushima_ genannt [Gasthof Ōmeikan], schöne Sommerfrische), Hauptstadt der Provinz Harima mit 36509 Einw. und lebhaftem Handel; sehenswerte *_Daimyōburg Rojō_, vorzüglich erhalten, fünfstöckig, oben *Aussicht (Erlaubnis zum Besuch beim Kenchō, Präfektur, in Himeji oder Kōbe vorher einholen), gegründet 1339 von _Akamatsu Sadanori_, geschichtlich berühmt, jetzt Kaserne einer Division.--Hinter Himeji ist bei (483 km) _Sone_ (_Amida_) Gelegenheit zu Ausflügen mit Rikscha nach den Stranddörfern _Sone_ und _Takasago_ (Gasthof _Shikataya_); in der Nähe die sehr alten, heiligen Kiefern _Ai-oi no Matsu_ (die »zusammenwachsenden Kiefern«, als Symbole der Langlebigkeit und der ehelichen Treue in der japanischen Poesie oft genannt) und andre in Literatur oder Geschichte berühmte Örtlichkeiten (z. B. das Tal _Ichi-no-tani_, wo 1184 große Schlacht zwischen den Minamoto und Taira) sowie ein Tenjintempel; man erreicht nach kurzer Rundfahrt die Bahn wieder bei (491 km) _Kakogawa_. Nun nähert sich die Bahn der Küste und erreicht sie bei (511 km) _Akashi_ (Gasthof _Yebisuya_; europ. Speisehaus: _Jiyūtei-Restaurant_), mit hübschem Shintōtempel zu Ehren des alten Dichters Hitomaro und großer Daimyōburgruine, auch Nullmeridian für die japanische Zeit.--Dann folgen die hübschen Seebäder (515 km) _Maiko_ (Gasthof Manki-rō); (520 km) _Shioya_ (Oriental's Seaside Villa) und (523 km) _Suma_ (Gasthof Hoyōin), wo viele Europäer aus Kōbe Sommerwohnung haben.--Nun folgen die Vorstadt (525 km) _Takatori_, dann (528 km) _Hyōgo_ und _Kōbe-Hauptbahnhof_ und schließlich (530 km) Bahnhof _Sannomiya_ von Kōbe.

Kōbe-Hyōgo.

Vgl. beifolgenden Plan.

=Ankunft zur See.= Von _Shimonoseki_ durch die Binnenlandsee kommend, vgl. S. 356; von _Schanghai_ außen herum vgl. S. 347. In die Linschotenstraße steuert man mit südlichem Kurs hinein, wobei das hohe Kap _Murotosaki_ und die bergige Landspitze _Hi no Misaki_ (mit Leuchtturm) die besten Landmarken sind. Weiter innen erkennt man bald die scharfen Gipfel von _Numashima_, _Tomagashima_ und die Kuppe des _Takayama_, des höchsten Berges im südlichen Teile der Insel Awaji. Durch die mit zwei Inseln besetzte _Izumistraße_ (_Tomagashima suido_) steuert man dann in die _Izumi Nada_ (den _Golf von Ōsaka_) ein und ankert nach kaum 2 St. auf der schönen malerischen Reede von =Kōbe=, hinter deren flachen Küste sich die bis 914 m hohen Berge erheben. Ausschiffung mit Dampfbooten der Schiffsagenturen oder Hotels 1-2stündl. frei oder mit Sampan, etwa 20-50 sen für eine Person je nach Entfernung (Tarif auf Tafel der Landungsbrücke). Zolldurchsicht (S. 349) für Schiffsreisende, die aus dem Auslande kommen, im Zollamt der _East Hatoba_ (östl. Bootshafen) beim Fremdenviertel.

=Gasthöfe=: _Tor Hotel_ (deutscher Leiter), Prachtbau I. Ranges, auf dem Hügel schön gelegen, Garten, Pens. von 8 Yen an; sehr zu empfehlen, Auto zur Stadt frei. -- _Oriental_, Kyō-Machi 80 (Neubau am Bund), Pens. von 8 Yen an. -- _Mikado_, in der Nähe des Kōbe-Bahnhofs, 15 Min. Rikschafahrt von der Fremdenniederlassung, II. Ranges; ebenso _Pleasanton_, _California_ u. a. -- =Restaurants=: _Grill Room_ im Oriental Hotel sowie bei Sannomiya und Kōbe-Station; japanisch: _Nishimura_, Gotō. -- _Tokiwa-Kadan_, beim Kōbe-Bahnhof, oder _Nishi-Tokiwa_, beim Suwayama, Teehäuser für japanische Gastmahlzeit mit Tanz (vorauszubestellen, teuer).

=Post= (_Sannomiya Postoffice_) in der Fremdenniederlassung Nr. 33. -- =Telegraph= neben der Sannomiya-Bahnstation (s. oben). -- =Rikschas= 1 St. 25 sen mit 1 Kuli, 50 sen mit 2 Kulis; jede Stunde mehr 20 sen, für 2 Kulis doppelt; 1/2 Tag 1 Yen, 1 Tag 1,50 Yen; bei Dunkelheit 20 Proz., bei Regenwetter 30 Proz. mehr; innerhalb der Stadt kleinere Taxe, für die man an den Bahnhofsausgängen Tickets lösen kann.

=Wagen= (Mikado Hotel): Einspänner 1/2 Tag 3 Yen, 1 Tag 5 Yen; Zweispänner (3-4 Pers.) 1/2 Tag 5 Yen, 1 Tag 9 Yen.

=Elektrische Stadtbahn= vom Bahnhof Hyōgo nach Kōbe am Settlement vorbei; vom Hyōgo-Bahnhof nach Suma, alle 5-10 Min.

=Eisenbahnen=: Hauptbahnhof am Südende der Stadt, nahe bei Hyōgo; für die Fremdenniederlassung ist der Bahnhof _Sannomiya_ am nächsten, weshalb man Fahrkarte stets nach dieser Station lösen soll. Von Kōbe fährt die Sanyōbahn nach _Shimonoseki_ (S. 355), die Tōkaidōstaatsbahn nach _Tōkyō_ (S. 393).

=Dampfer=: _Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd_ (Agentur H. Ahrens & Co. Nachf., Bund Nr. 10, Tel.-Adresse »Nordlloyd«), 14tägig mit Dampfer der Europa-Linie über Nagasaki oder Tsingtau nach Europa sowie nach Yokohama; mit Dampfer der Austral-Japan-Linie jede 4. Woche nach Australien über Hongkong, Manila und Neuguinea, oder nach Yokohama. -- _Hamburg-Amerika Linie_ (Agentur C. Illies & Co.). -- _Österreichischer Lloyd_ (Agentur Samuel, Samuel & Co.), monatl. nach Schanghai. -- _Messageries Maritimes_ (Agentur G. Abily, Mayemachi Nr. 8), 14tägig nach Yokohama und Europa über Schanghai.

--_Peninsular & Oriental Co._ (Itomachi Nr. 109).--_Nippon Yūsen Kaisha_ (Agentur gegenüber American Hatoba), 14tägig nach Hongkong, zweimal wöchentlich nach Schanghai und Yokohama. --_Canadian Pacific R. & O. St. S._ (Agentur Mayemachi Nr. 14), 1-2mal monatl. nach Vancouver bzw. nach Schanghai und Hongkong über Nagasaki. --_Pacific Mail_ und _Tōyō Kisen Kaisha_ (Agentur Kyōmachi Nr. 83 u. 81), abwechselnd etwa 3mal monatl. nach Yokohama, Honolulu, San Francisco, Nagasaki, Schanghai, Hongkong und Manila.--_Nippon Yūsen Kaisha_ fährt an der Küste; auch nach Europa, Australien und Seattle (Vereinigte Staaten).--_Ōsaka Shōsen Kaisha_ im japanischen Binnenmeer und nach Formosa und Dalny (Port Arthur).-- _Agentur der Russischen Freiwilligen Flotte_: Samuel, Samuel & Co.

=Banken=: _Deutsch-Asiatische Bank_, Kyōmachi 25.--_Yokohama Specie Bank_, Sakaye Machi 8.--_Chartered Bank of India, Australia & China_, alle drei Korr. der Deutschen Bank.-- _Hongkong & Shanghai Bank_, Bund 2, Korr. der Allgem. Deutschen Creditanstalt in Leipzig. Alle vier Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.

=Theater=: _Daikokuza_.--_Bentenza_ in Hyōgo auf dem Minatogawa; ebenda Kinematographen und Vergnügungsplätze.

=Fremdenführer=: _Oriental Guides Society_, 163 Kitanagasa Nichōme. (Führer tägl. 4 Yen für 1-3 Pers., 1 Yen für jede Person mehr); _Kōbe Kaiyūsha_, 4 Sannomiya-chō, Nichōme, Preis ebenso.

=Deutsches Konsulat=: Higashi Machi Nr. 115; Konsul _Thiel_.--=Deutscher Klub= _Concordia_ (gutes Lesezimmer), am Ostende der Fremdenniederlassung (Settlement);--_Kōbe Club_ (international), ebenso. Tennis, Cricket, Rowing und Athletic Club. Cricket- u. Tennisplatz. --_Deutscher Arzt_: Dr. _Quosig_, Ahashi Machi Nr. 39 in Kōbe; internationales =Krankenhaus=.--Deutsche =Apotheke=, Harimamachi Nr. 7 im Kōbe Building.

=Polizei= am Nordende der Fremdenniederlassung; Hafenpolizei an der American Hatoba.

=Buchhandlungen=: _Thompson & Co._, Division Street 3 (für Kelly & Walsh, Schanghai): für deutsche Bücher: _Kawase_, Motomachi.--=Zeitungen= (in englischer Sprache): _Japan Chronicle_; _Kōbe Herald_.--=Photographen=: _Ichida_ (für Porträte), Motomachi, 2 chōme.-- _Tamamura_ (für Landschaften, Volksszenen), Uramachi, Nordende der Fremdenniederlassung.

=Geschäftsadressen.= Japan. Kunstsachen: _Harishin_;--_Hamada_, beide Motomachi, 2 chōme.--Silbersachen: _Nambu_ und _Chodaisha_, Motomachi, 2 chōme.--Porzellan: _Shintō Kaisha_, Motomachi, 2 chōme; _Taniguchi_ u. a., ebendaselbst.--Bambusarbeiten: _Iwamoto_, nahe beim Nankotempel.--Seide: _Matsumoto_, Motomachi, 3 chōme.-- Lackwaren: _Nakamura_ (roter Loochoo-Lack), Motomachi.

=Spediteur=: _J. A. Christensen & Co._, Nakamachi 38, gegenüber der Post.

=Kōbe=, erster Einfuhrhafen Japans und Hauptstadt des Hyōgo-Ken (Präfektur) in der Provinz Settsu, an der Südküste der Hauptinsel (Hondo), 36 km westl. von Ōsaka, mit dem es durch Eisenbahn sowie durch elektrische Bahn verbunden ist, bildet mit dem westlicher gelegenen _Hyōgo_ eine Doppelstadt von 387915 Einw. _Kōbe_ ist eine neue Stadt mit tiefem, in großartigem Ausbau begriffenem Hafen, an dem entlang das Fremdenviertel (_Settlement_) mit seinen Geschäftshäusern und Villen und 3328 (davon etwa 250 Deutsche und 2000 Asiaten) eingewanderten Fremden sich ausbreitet, die nahen Hügellehnen hinansteigend. _Hyōgo_, die ältere Stadt, mit rein japanischem Charakter, ist ein sehr alter Seehafen, der schon im 12. Jahrh. blühte. 1868 dem Fremdenhandel eröffnet, hat es seitdem großen Aufschwung genommen, ist Sitz vieler Handelsgesellschaften (122 europäische und amerikanische Firmen, 4 europäische Banken), hat viele Reisschälmühlen, eine große Baumwollspinnerei, viele Zündhölzerfabriken und andre Fabriken.

Die Mitsu Bishi Co. besitzt zwei große Docks in Wada bei Hyōgo, die Kawasaki Co. Docks und Schiffsbauanstalt in Kōbe. Die Einfuhr umfaßt Rohbaumwolle, Musselin, Eisenwaren, Maschinen, Petroleum, Zucker, die Ausfuhr Reis, Tee, Baumwollengarn, Seide, Fische, Kampfer, Zündhölzer, Porzellanwaren, Schirme. Die Stadt ist sehr gesund für Europäer, die Umgebung sehr reizvoll. Die deutsche Einfuhr betrug 1910 rund 50 Mill. Mk.--_=Rundfahrt.=_ Von Kōbe zunächst durch das Fremdenviertel und über den _Bund_ zum *_Ikutatempel_, oberhalb des Bahnhofs Sannomiya zwischen Kampferbäumen und Kryptomerien versteckt, erbaut im 3. Jahrh. von der Kaiserin Jingō Kōgō nach ihrem Sieg über Korea; von da nach den Wasserfällen Nunobiki (s. unten) und zurück zum Fremdenviertel, dann nach W. durch die Hauptgeschäftsstraße Motomachi nach dem Hauptbahnhof Kōbe zu. Wenig sehenswert ist der _Nanko_-(_Minatogawa_-) _Tempel_ nördl. vom Hauptbahnhof, in dessen Nähe ein Aquarium und ein Basar liegen.--Dann fahre man über eine der Brücken nach _Hyōgō_ zum *_Nōfukujitempel_, berühmt durch den großen _Bronzebuddha_, japan. _Daibutsu_, eine riesige Bronzefigur von 16 m Höhe und 26 m Leibumfang (1891 vom Papierfabrikanten Nanjo Shōbei gestiftet); im Innern des 2,5 m langen Gesichts, durch Treppen zugänglich, ein Altar für den Lichtgott Amida; wie im großen Tempel, hängen auch im Innern des Daibutsu viele Metallspiegel, Weihgeschenke frommer Stifter.--In der Nähe der _Shinkōjitempel_ mit künstlerischer Bronzefigur des Amida vor einem Lotosteich. Gegenüber ein _Denkmal des Kiyomori_ aus dem Tairageschlecht, des einst allmächtigen Premierministers (gest. 1181). --In der Nähe liegt der _Seifukujitempel_, und 10 Min. südl. die Landzunge _Wada no Misaki_, mit schönem Blick aufs Meer.--Auf der Rückfahrt besichtige man den Shintōtempel _Wada no Myōjin_.-- Auch ein _Handelsmuseum_ (_Shōhin Chinretsujo_) ist in Kōbe neben dem Sannomiyatempel.

=Ausflüge=: Vom Fremdenviertel nördl. auf der breiten Takemichistraße in 20 Min. zu den beiden hübschen Wasserfällen von _Nunobiki_, der untere _Men-daki_ (weiblicher Wasserfall), der obere _On-daki_ (männlicher Wasserfall) genannt, beide mit Teehäusern; weiter durch ein Tor in 10 Min. zu einem schönen Stausee. Auch auf dem Hügel _Suwayama_, 8 Min. westl. vom Tor Hotel, liegt ein Teehaus mit *Aussicht.-- 300 m östl. vom obern Fall auf schmalem Bergpfad (schwer zu finden!) oder 20 Min. weiter östl. hinter dem Friedhof Kasugano auf breitem Weg weitergehend, gelangt man in etwa 2 St. zum höchsten Gipfel bei Kōbe, den *=Mayasan= (750 m), auf dem ein Tempel der Maya (Buddhas Mutter), irrtümlich _Mondtempel_ genannt, steht; prächtige *_=Fernsicht=_ über den Golf von Ōsaka; Teehäuser beim Tempel. Abstieg in 1-1/2 St. bis Kōbe.--Bequemer ist der Aufstieg auf den Bergkamm hinter dem _Suwayama_ (etwa 1/2 St.), auch auf Bergpfaden hinter dem Tor Hotel zu erreichen; *Aussicht.--Im Tale westl. vom Suwayama steigt man in etwa 1 St. zum *=Futatabi-san= (500 m), mit schöner Tempelanlage auf dem Gipfel und vorzüglicher *Aussicht.--Ausflüge nach _Akashi_ (S. 360), _Maiko_ (S. 361), _Shioya_ (S. 361).

Mit Rikscha (2 Mann) in 40 Min. nach Gomotera, dann zu Fuß oder mit Tragstuhl (3 Mann zu je 60 sen) auf den Kamm des =Rokkosan= (850 m), 8 km lang (Bergrücken westl. hinter Kōbe, oben 60 Sommerhäuser der Fremden, Golfklub und schlechte Teehäuser. Im Sommer auch zu Pferd (1,30 Yen) oder zu Fuß von Oishi (elektr. Bahnstation) über _Gomo_ nach Rokkosan.

_=Elektr. Eisenbahn=_ über _Nishinomiya_ und dann mit Rikscha; oder Eisenbahn über (26 km) _Kanzaki_ (s. unten), dann Zweigbahn in 3/4 St. nach =Takarazuka= (_Takarazuka Hotel, Tansan Hotel_), Sommerfrische mit vorzüglichen heißen Bädern und dem berühmten Tansanmineralwasser. Von der nächsten Bahnstation _Namaze_ (hübscher, aber beschwerlicher) oder auch von Sanda mit Rikscha in 1-1/4 St. nach =Arima= (_Arima Hotel_; einf. Gasthöfe: _Sugimoto_; _Masuda_), Sommerfrische der Fremden von Kōbe, etwa 430 m ü. M., in hübscher Landschaft gelegen; heiße Bäder; Ausflüge zum _Takotori_ mit schöner Aussicht über das japanische Binnenmeer; ferner elektrische Bahn über _Nishimomiya_ zum _Kabutoyama_ (Bismarckhügel genannt wegen vier einsamer auf seinem runden Gipfel aufragender Bäume) und lohnender Fußweg von _Oishi_ (Station der elektr. Bahn) über _Gomo_ nach _Rokkosan_ (s. oben).

Von Kōbe über Ōsaka und Nara nach Kyōto.

Die Tōkaidō-_=Staatsbahn=_ führt vom Bahnhof Sannomiya in _Kōbe_ über (26 km) _Kanzaki_ durch Flußniederung nach

(33 km) =Ōsaka= (früher _Naniwa_), zweite Stadt des Reiches und mit Tōkyō und Kyōto eine der drei Fu oder großen Hauptstädte, an der Mündung des Yodogawa in die Idzumi Nada (Golf von Ōsaka).

=Gasthöfe=: _Ōsakahotel_, 12 Z., aber mäßig, Pens. etwa 7 Yen, im Nakanoshimapark, 10 Min. vom Tōkaidōstaatsbahnhof. --_Nippon-Hotel._-- =Restaurants=: europäische: _Shinkaite_, _Naniwa_, empfohlen; japanische: _Hanaya_ u. a. -- =Stadtbahn= umgibt die Stadt, mit vielen Stationen, darunter _Umeda_ (nahe dem Ōsakahotel), der Hauptbahnhof für Kōbe, Shimonoseki, Kyōto, Nagoya und Yokohama; _Minatomachi_-Bahnhof für Nara, Nagoya; _Namba_-Bahnhof für Sakai, Hamadera, Wakayama und der Hafenbahnhof _Ajikawaguchi_. -- =Eisenbahnen= nach _Kōbe_, _Kyōto_, _Wakayama_, _Maizuru_ und _Nara_. -- =Elektr. Bahnen= 50 km Stadtbahnnetz; Fernbahn nach Kyōto (Keihandensha) und nach Takarazuka mit Zweiglinie nach dem Ahorndorf _Mino_. -- =Dampfer= der Nippon Yūsen Kaisha und der Ōsaka Shōsen Kaisha nach allen japanischen, koreanischen und chinesischen Häfen. -- =Banken=: nur japanische. -- =Theater= (gut): Fünf große im Dōtombori-Stadtviertel; Geishavorstellungen. -- =Photographische Apparate=: _Kuwada_, Shinsaibashi. -- =Geschäftsadressen.= Satsumaporzellan: _Yabu Meizan_, 197 Naka Nichōme, Dōjima; -- Seidenstoffe: _Takashimaya_, Shinsai-bashi-suji; -- Kunstsachen: _Yamanaka_, Kōraibashi und Naniwabashi-dōri. -- Gute Geschäfte aller Art in Shinsai-bashi-suji; auch die Basare (Kwankoba), besonders _Furitsu Hakubutsu-jō_ nahe Umedabahnhof, sind gut.

_Ōsaka_ liegt in der Deltaebene des Jodogawa und wird von vielen Kanälen durchschnitten (»japanisches Venedig«), hat berühmte Tempel, ein schön gebautes, aber unbedeutendes Fremdenviertel in Kawaguchi, die Ruine eines alten Schlosses und (1910) 1226590 Einw. Für den Binnenverkehr ist Ōsaka die erste Handelsstadt des Reiches, namentlich für Reis, Baumwolle und Seidenwaren. Neuerdings verliert Ōsaka seinen spezifisch japanischen Charakter aber sehr rasch, obgleich wenig Europäer hier wohnen, und entwickelt sich immer mehr zu einer von hastigem Leben erfüllten rauchigen Industriestadt; große Textilindustrie (Baumwollspinnereien, Teppichwebereien) und Zündholzfabriken.

Im J. 1909 zerstörte ein Brand mehrere Stadtviertel zwischen Nakanoshima und Umeda-Bahnhof. Ein großer _Hafen_ ist fertig, muß aber wegen Versandung jährlich gebaggert werden und wird vorläufig meist nur von kleinen Dampfern angelaufen. Die Stadt ist wegen ihres Sumpfgrundes nicht gesund, Epidemien sind nicht selten. -- _=Rundfahrt.=_ Vom Gasthof fahre man mit Rikscha über die große _Naniwa-bashi Brücke_ (r. schwimmende Teehäuser im Fluß) zum *_Temmangū_ (Tempel des Gottes _Tenjin_), im 10. Jahrh. erbaut, dessen kleiner Heiligentempel _Taishi_ schöne Bronzen und Schnitzereien enthält, auch eine fünfstöckige Pagode und ein Tempel der Kwannon (Göttin der Gnade), ein Teich mit Schildkröten und Störchen. Tempelfeste am 25. Juli und 25. Okt. -- Eine andre große Tempelanlage, _Sakura-no-miya_, ist gegenüber der großen _Kaiserlichen Münze_ (_Zōheikyoku_; Besuch interessant). -- Sö. davon liegt die Hauptsehenswürdigkeit, die große Daimyōburg *=O-shiro= (Erlaubnis zum Besuch erteilt das _Ōsaka Fu_, Stadtamt, 1/4 St. vom Gasthof; So. geschlossen, Sa. nur bis mittags), ein mächtiges, finsteres, fünfstöckiges Schloß (tenshu) mit gewaltigen Granitmauern, jetzt Riesenkaserne, früher Shōgunsitz, 1538 von Hideyoshi erbaut, zugänglich durch ein einziges Bronzetor; von der obersten Plattform schöne *Aussicht über Stadt und Umgebung. -- Von der Burg fährt man mit 2 Kulis durch Tee- und Maulbeerpflanzungen zur Tempelanlage von *=Tennōji=, im SO. der Stadt, um 600 begründet; durch das Südtor eintretend, liegt r. der _Taishi-dō_ (Schrein des Gründers, des Kronprinzen _Shōtoku-taishi_, der sich in der Regierungsära der Kaiserin Suiko um Einführung des Buddhismus und der chinesischen Kultur hochverdient machte), gegenüber l. der Schrein mit der Seelengeleitglocke (Indō no kane), weiterhin eine Halle mit Steinbecken, in das aus steinerner Schildkröte Wasser fließt; dahinter ein Teich mit Schildkröten, daneben eine Tanzbühne, die zum _Rokuji-dō-Tempel_ führt. In der Nähe eine fünfstöckige Pagode mit sehr urwüchsigen Holzschnitzereien, ebensolche im Bethaus daneben.--Rückfahrt durch das Vergnügungsviertel _Dōtombori_, das nachts besonders belebt ist; Schaustellungen aller Art, Seiltänzer, Schießbuden, Zuckerbäckerbuden, Affenbuden, eine Straße voller Theater etc. (das St. Pauli von Ōsaka!). -- Nicht weit davon liegen in Shinsai-bashi-suji zwei Tempel der buddhistischen Hongwanji-Sekte: _Higashi Hongwanji_, 1615 erbaut, und _Nishi Hongwanji_, mit schönem Torweg (Chrysanthemumarabesken!) und Amida-Altar. Unterwegs besichtige man eine Werkstätte der Satsuma-Porzellanmaler und besteige den siebenstöckigen Turm _Ryō-un Kaku_. Sehenswert sind auch die Shintōtempel _Kōzu-no-miya_ und _Ikudama Jinja_ sowie der Blumengarten von _Kichisuke_, besonders im November zur Chrysanthemumausstellung (Kwangiku-en, Chrysanthemumschaugarten).

=Ausflüge= mit der Nankaibahn vom Bahnhof _Namba_ nach (5 km) =Sumiyoshi= mit berühmtem, den drei Meergöttern geweihtem und besonders von Seeleuten und Fischern aufgesuchtem Tempel; ferner nach (10 km) =Sakai= mit schönem Seestrand (Teehäuser) und (63 km, 2-1/2 St. Fahrt von Ōsaka) =Wakayama= (_Gasthof Fujigen_; europ. Speisehaus _Shugatei_) mit schöner *_Daimyōburg_ (Eintrittsgeld), dem Tempel von *_Kimii-dera_, 770 erbaut, mit prächtiger Aussicht auf den Strand von *_Waka-no-ura_, ein nach japanischem Geschmack, der sich mehr für das Sanftliebliche als für das Wildromantische u. Gewaltige entscheidet, idealschönes Landschaftsbild; man fährt mit Rikscha dahin zunächst nach _Ashibe-no-ura_ (Gasthof); andre Lieblingspunkte von Waka-no-ura sind: _Imose-yama_, _Shio-gama_, _Tamatsu-shima_, _Tengu-yama_ (*Aussicht), der Hügel von _Dejima_ und _Gongen-yama_ (*Aussicht).

Vom Bahnhof Minatomachi in _Ōsaka_ fährt man durch liebliche Landschaft (an Thüringen erinnernd) über (11 km) _Yao_ (mit berühmtem Tempel auf dem Hügel _Shigi-sen_) nach (24 km) _Ōji_ (Zweigbahn nach _Takada_ und _Sakurai_); dann folgt

(41 km) =Nara= (_Nara Hôtel_, 75 Z., prächtig gelegen, im Winter geschlossen; halbeurop. Gasthof: _Kikusui-rō_, am Park, recht gelobt; Teehaus _Musashino_, mit europ. Küche), jetzt eine stille Stadt, altertümlich und idyllisch, mit 34000 Einw., die rote Lacksachen, Tusche und Waffen anfertigen; früher, von 709-784 Hauptstadt Japans, während der Glanzzeit des japanischen Buddhismus, daher die prächtigen, gut erhaltenen Tempel. -- Zahllose Läden mit Reiseandenken, da Nara von Japanern sehr viel besucht wird. -- _=Rundfahrt=_ vom Gasthof in den riesigen _Naturpark_, in dem die Hügel Mikasa und Wakakusa liegen und vorzügliche Wege von Tempel zu Tempel führen. An der Südseite des Mikasayama führt ein Weg in urwaldähnlichen Forst. Tausendjährige Baumriesen säumen die Wege ein und beschatten die Tempelanlagen; Kryptomerien, andre Kiefern, Kampferbäume, Steineichen, Glyzinien in prächtigen Formen; Rudel von kleinen Hirschen folgen der Rikscha und lassen sich mit flachen Kuchen, die Verkäufer feilbieten, füttern. Zahlreiche Bronze- und Steinlaternen bezeichnen die Tempelanlagen, deren Bauten alle rot lackiert sind. Zuerst besucht man den 767 erbauten Tempel *_Kasuga-jinja_, am obern Ende einer romantischen Schlucht (Tempelfest am 17. Dez.); r. vom Haupttempel, am Ende einer langen Laternenallee, steht der *_Wakamiyatempel_, wo stets junge Mädchen bereit sind, unter Aufsicht und Musikbegleitung alter Priester (für 1,50 Yen »Opfergeld«) den uralten *Tempeltanz »Kagura« in seltsamer Tracht zu tanzen. Auf dem Hofe des Haupttempels verschiedene Heiligtümer, darunter ein Wunderbaum, der an einem Stamme sieben Pflanzen, Kamelien, Kirschen, eine Wistaria u. a., dicht verwachsen miteinander, trägt. (Wer Zeit hat, steige [180 m Steigung] auf den Gipfel des Mikasa-yama hinter dem Kasugatempel, oben bei einem Stein schöne *Aussicht.) Vom Kasugatempel gelangt man zu dem halbverfallenen Tempel _Tamuke-yama no Hachiman_ und zu dem schönen Tempel _Ni-gwatsu-dō_, schon 752 erbaut und der Göttin Kwannon geweiht, 1898 erneuert; in der Nähe im Tempelhof _Tōdaiji_ die 732 gegossene *_Riesenglocke_ von 37 Tonnen Gewicht (das Anschlagen kostet 5 sen). Hügelabwärts gelangt man dann zu einer Tempelanlage, in deren Haupthalle große Buddhafigur aus Bronze, _Daibutsu_, von über 16 m Höhe, 749 erbaut (der älteste in Japan), der Kopf im 16. Jahrh. erneuert, die Göttin Roshana (Skr. Vairochana) darstellend; im Vorhof schöne Bronzelaterne. Hinter dem Daibutsu im Gehölz das frühere kaiserliche Vorratshaus *_Shōsō-in_, jetzt durch sein Alter zum Archäologischen Museum geworden (Besichtigung nur ausnahmsweise gestattet). Man gelangt vom Daibutsu durch die Tore _Nitenmon_ und _Niō-mon_ (mit Riesenfiguren der _Ni-ō_, der beiden Tempelwachtgötter Indra und Brahma, gegen 1095 vom Künstler Kwaikei geschnitzt) zum *Museum (_Hakubutsu-kwan_) mit vielen wertvollen Altertümern. Dahinter liegt am Wege l. der Tempel *_Kōfukuji_, 710 begründet, doch 1717 zum Teil verbrannt.

=Ausflüge von Nara.= Nach dem berühmten romantischen Waldkloster *=Kōya-san=: 3 St. Bahnfahrt bis _Kōya-guchi_ an der Linie nach Wakayama, dann Rikscha über den Fluß zum Fuß des Bergs und 4 St. Aufstieg; oben Übernachten als Klostergast (gegen 4-6 Yen Gastgeschenk!). Die Sehenswürdigkeiten des Klosters _Kongō-buji_ (816 gegründet von Kōbō Daishi) beanspruchen 1/2 Tag Zeit (sehr lohnend). Wer Zeit hat und gut zu Fuß ist, wandere zurück durch prächtige wilde Wälder über _Dorogawa_ (58 km) und _Yoshino_ (Gasthof _Kadoya_), berühmt zur Kirschblüte, die man von _Hitome Senbon_ (d. h. 1000 Bäume mit einem Blick) genießt; nahebei der Bergtempel _Zōōdō_.

Ausflug in 1/2 Tag nach _Hōryūji_ (Station der Bahn nach Ōsaka), dem ältesten Buddhatempel in Japan, 607 von Shōtoku-taishi erbaut; wertvolle Tempelschätze; Ausflug von Hōryūji in 3/4 St. Rikschafahrt nach dem Tempel _Yakushi-ji_, wo einige prachtvolle alte Bronzen koreanischer Arbeit.

Von Nara läuft die Kyōto-Nara-Bahn in 2 St. durch sehr gut angebaute hügelige Landschaft mit Teepflanzungen (die in der wärmern Jahreszeit zum Schutz gegen den Sonnenbrand mit Bastmatten überdeckt werden; der beste Tee Japans wird hier gewonnen), Bambus- und Maulbeerwäldchen und vielen hübschen Dörfern zum (42 km) Bahnhof _Shichijo_ (gute Bahnwirtschaft) von _Kyōto_.

Kyōto.

Vgl. beifolgenden Plan.

=Gasthöfe=: _Miyako Hôtel_ (E3), Awata-guchi, mit herrlicher Aussicht über nördl. Stadt und Gebirge, europäisch, mehr für den Sommer, gut geführt; Informationsbureau und Handbuch für Reisende im Hotel; Deutsch gesprochen; 100 Z. von 2 Yen an, F. 1, Lunch 1,50, Dinn. u. Sup. je 2, Pens. von 6 Yen an.--_Kyōto Hôtel_ (C3), gegenüber dem Rathaus, in Kawara Machi, mehr für den Winter, hat Zimmer mit Bad; Pens. von 6 Yen an, F. 1, Lunch u. Din. 1,50 Yen. Beide schicken Vertreter zum Bahnhof.-- Japanische Gasthöfe: _Nakamura-rō_, Gion.--_Tawaraya_; _Hiiragiya_ und _Sawabun_, sämtlich in Fuyachō (C3, 4).

=Restaurants=, europäische, zahlreich; japanische: _Tawaraya_; _Hachi-shin_; _Hirano-ya_ u. a.

=Post, Tel., Fernspr.= (BC3, 4), Sanjō-dōri Higashi-no-Tōin.--=Rikschas= haben Polizeitaxe, die auf jedem Zahlzettel (Ticket) steht; diese Zettel erhält man nur am Bahnhof.

=Wagen= (Landauer und Victoria) im Kyōto- und Miyako-Hotel.

=Straßenbahnen= durch die Stadt und nach Fushimi, vgl. den Plan. Fahrpreis für jede Teilstrecke von etwa 0,8 km ist 2 sen.--=Eisenbahnen=, vier Staatsbahnlinien: Nach Maipuru, Ōsaka, Nara und Tōkyō (S. 393). Neue Bahn über Ayabe nach Maipuru (für Ama-no-Hashidate). --=Elektrische Bahnen= nach Ōsaka und nach Arashiyama fertig, nach Ōtsu und dem Biwasee im Bau.

=Banken=: _Kyōto Shōko Ginkō_, _Kyōto Ginkō_, _Dai-ichi Ginkō_, _Nippon Ginkō_ und andre.

=Theater=: Mehrere gute in Shin-Kyōgoku u. eins in Shijō Hashizume.

=Fremdenführer=: Durch die Gasthöfe erhält man Führer der _Oriental Guides Society_ (_Tūyū tsūben kyūkwai_) zu 4 Yen tägl. für 1-2 Pers., 50 sen für jede Pers. mehr; dazu die Reisekosten. Ausführliche Beschreibung von Kyōto und Umgegend enthält das Buch: _Kyōto, Japan_, zusammengestellt vom Stadtrat von Kyōto, und die guten Handbücher (englisch) des Kyōto- und Miyako-Hotels. Vgl. S. 345.

=Reisebureau= in Furumonzen, Telegrammadresse »Advisory«. Vgl. S. 345.

=Polizei= im Präfekturgebäude (B2), Shimodachiuri, westl. vom Kaiserpark.

=Buchhandlung=: _Daikokuya_, gegenüber dem Kyōto-Hotel; _Nankōdō_, in Sanjōdōri, westl. der Brücke; _Maruzen_, östl. vom Postamt, in Sanjōdōri.-- =Zeitungen=: Fünf japanische.

=Photographen=: _Nakai_, beim Giontempel. --_Hori Marumi_, Tera Machi.-- Photographische Apparate: _Asanuma & Co._, Minami Bukkoji Machi.

=Geschäftsadressen.= Porzellan: _Kinkōzan Sōbei_, Sanjō, östl. von Shirakawabashi; _Yasuda_, am Shirakawa. --Stickereien: _Nishimura Sozaemon_, Sanjō, Karasu-maru; _Iida Shinshichi_, Karasumaru, Takatsuji.--Cloisonné-Sachen: _Namikawa Yasuyuki_, Sanjō, Kita-ura, Shirakawa-bashi; _Kin-un-ken_, Sanjō-dōri, Shirakawa-bashi.--Bronzen und Stahl: _Kuroda_, Tera Machi Shijō sagaru; _Jōmi Eisuke_, Tera Machi, Shijō; _Nogawa Noboru_, Shijō, östl. von Tera Machi; _Komai Otojiro_, Furumonzen, Yamato-ōji; _Inouye_, neben Kinkōzan. --Lackwaren: _Nishimura Hikobei_, Tera Machi Ayanokōji.--Fächer: _Hirano Kyūgoro_, Tominokōji, Gojō; _Nishida_, Higashi-no-Tōin, Shichijō-- Puppen: _Shimizu Katsuzō_, Tominokōji, Shijō.--Farbenholzschnitte: _Matzuki_, Shimmonzen.--Alte Kunstsachen: _Ikeda Seisuke_, Shimmonzen 114; *_Benten Co._, Shimmonzen; _Hayashi Shinsuke_, Furumonzen 39; _Yamanaka_, Sanjō Goten mae. Viele andre in der Straße Manjūji-dōri.--Man besuche in Kyōto die Hauptwerkstätten der größern Geschäfte!

=Zeiteinteilung=: 1. Tag: Kaiserpalast, Nijōburg und Katsura-rikyū-Sommerpalast. --2. Tag: Tempel Higashi-Hongwanji, Nishi-Hongwanji, Sanjūsangendō, Hōkōji, Yasakapagode, Giontempel. --3. Tag: Hōzugawa-Stromschnellen, Arashiyama, Kinkakuji, Kitano Tenjin.--4. Tag: Shugakuin-Sommerpalast, Hiyeisan, Chūdōkloster, Sannōtempel, Sakamoto-Karasaki-Ōtsu. --5. Tag: Museum, Gewerbeausstellung, Sporthalle, Kaufläden in der Stadt.--6. Tag: Tempel: Inari, Kiyomizudera, Chion-in, Awatapalast, Maruyamapark.--7. Tag: Keage, Nanzenji, Eikwandō, Ginkakuji; Shinnyodō, Yoshidayama, Kurodani; abds. Shijōbrücke und Kyōgoku.-- [Hand]Bei nur kurzem Aufenthalt nehme man einen Führer, gebe ihm aber genau an, was man sehen will, damit man durch allzuviele Tempelbesichtigungen nicht ermüdet wird; die im Text mit * bezeichneten Tempelanlagen genügen, um ein Bild des japanischen Rom zu geben.

=Festlichkeiten und Sehenswürdigkeiten nach der Jahreszeit.= Beste Besuchszeit für Kyōto ist Anfang März bis Ende Mai sowie von Mitte September bis Mitte November; Pflaumenblüten sieht man Anfang März in Momoyama, in Fushimi, im Kaiserpark; dann folgt bis Mitte April die Pfirsichblüte im Maruyamapark, in Momoyama; in der *_Kirschblütenzeit_ im April besuche man den Kaiserpark, den Maruyamapark, Arashiyama, den Hiranotempelgarten und andre Plätze sowie das Theater, um den »Kirschblütentanz« zu sehen. Im Mai Päonien- und Azaleenblüte, im Herbst Chrysanthemumblüte. --_Gewerbe- und Kunstausstellung_ in Okazakichō ist 2 Monate im Frühjahr geöffnet.--*_Miyako-odori_ (Residenztanz) findet in der Sing- und Tanzschule Kaburenjō in Hanami-kōji, Gion Machi vom 1. April an 4 Wochen lang tägl. von 5 Uhr Nm. bis 10 Uhr abds. statt; 36 Geisha tanzen in seltsamen Kostümen, andre Mädchen spielen dazu »shamizen« und »tsuzuki«.-- _Kamogawa-odori_, ein ähnlicher Tanz im Teehausviertel zwischen Shijō und Sanjō, beginnt 1. Mai und dauert 16 Tage.--*_Aoifest_ der Kamotempel am 15. Mai ist die größte Shintōfeierlichkeit (besteht seit dem 6. Jahrh.); 8 Uhr morgens Prozession in alten Kostümen vom Haupttor des Kaiserpalastes; bei Ankunft des Festzugs in Shimo-gamo religiöses Konzert mit Tempeltanz, später ebenso in Kami-gamo.--Andre _Tempelfeste_ am 15. März (Gedächtnistag Buddhas), 8. April (Geburtstag Buddhas), Anfang Mai zweitägiges _Inarifest_, am 3. März das Puppenfest (_Hina-matsuri_) für Mädchen, am 5. Mai das Knabenfest (_Tango-sekku_).--Im Juli und August Lotosblüte im Kaiserpark, Ogurasee, Tōji.--Im Sommer die beliebte Volksunterhaltung _Shijō-Suzumi_, am Westufer des Kamogawa auf hölzernen Plattformen im Flusse gesellige Zusammenkünfte mit Geishatänzen. --In _Arashiyama_ Bauerntänze 14.-16. Aug.--Am 17. und 24. Juli *_Gionfest_ (seit 870 jährlich) im Tempelbezirk der innern Stadt.--Am Abend des 16. Aug. Illumination (Daimonji) der Berghöhe Nioi-ga-dake östl. von Kyōto.--Auch der Herbst ist sehr schön in Kyōto. _Vollmondfest_ im September oder Oktober, in Momoyama, Arashiyama oder Uji. 15. Sept. _Hachimanfest_, Otokoyama; 1.-4. Okt. _Zuikifest_ im Kitanotempel; 12. Okt. _Ochsenfest_ in Uzumasa; 20. Okt. _Ebisufest_ in Kenninji Machi.--_Heianjingūfest_ mit historischem Festzug am 22. Okt.-- *_Chrysanthemumblüte_ im Oktober und November.--_Neujahrsfest_ dauert sieben Tage, manche Tempelfeste währen sogar zehn Tage.--_Sportklub_ (E3), Nm. belebt; Bogenschießen; Schwerterfechten und Jūjitsu.

=Kyōto=, Hauptstadt der Provinz Yamashiro, mit (1908) 408410 Einw., Hauptsehenswürdigkeit Japans, liegt in einer fruchtbaren Ebene, durchflossen vom Kamogawa, über den mehrere schöne Brücken führen. Die Stadt ist sehr regelmäßig gebaut, hat gerade, reinliche Straßen, innerhalb des Weichbildes 82 Shintō-Schreine und 878 vielfach verfallene Buddhatempel (Kyōto wird das »Rom Japans« genannt), zwei große hölzerne Paläste des Mikado und der Shōgune und bedeutende Industrie in Seidengeweben, Silber-, Bronze- und Emailwaren, Porzellan und Steingut, die den ersten Rang in Japan behauptet. Kyōto ist die geeignetste Stadt zum Studium japanischer Kunst und Kultur sowie der feinsten Erzeugnisse des Kunsthandwerks, daher auch am geeignetsten zum Einkauf guter (meist freilich kostbarer) Japansachen.--Kyōto gilt als eine der gesündesten Städte Ostasiens, mit mildem Klima. Das Straßenleben ist noch altjapanisch, ebenso das Sommerleben an und auf dem Flusse Kamogawa. Die Umgebung der Stadt ist reich an schönen Landschaftsbildern, die Bevölkerung im allgemeinen fremdenfreundlicher als z. B. in Tōkyō und Ōsaka.

=Geschichtliches.= Kyōto war von 794 n. Chr. bis 1868 Residenz des Mikado von Japan, ehe dieser nach Tōkyō übersiedelte, von 1336-1572 auch Residenz der Shōgune aus dem Hause Ashikaga, denen es die Blüte seiner Metall-, Papier- und Lackindustrien verdankte. Bei den Portugiesen und Holländern hieß Kyōto im 16. und 17. Jahrh. _Meaco_ (Japan. _Miyako_ = Hauptstadt). Nach der Verlegung der Residenz des Mikado nach Yedo, das deshalb den Namen Tōkyō (»Ostresidenz«) erhielt, kam für Kyōto die Bezeichnung Saikyō (»Westresidenz«) in Anwendung. 1895 fand in Kyōto eine Landesausstellung statt. 1899 wurde dort eine Universität gegründet.

_=Rundfahrt.=_ Wer den Erlaubnisschein hat, ausgestellt vom kaiserl. Hausministerium in Tōkyō, für Deutsche auf Empfehlung ihrer Botschaft in Tōkyō oder von Konsulaten in Japan (Antrag mit Angabe der Namen der Schlösser, deren Besichtigung erbeten wird, _schriftlich frühzeitig_ stellen!), besucht zunächst den *=Kaiserpalast= (_Gosho_; BC2) im nördl. Teil Kyōtos, eine große Anlage hölzerner, einstöckiger Bauten, umgeben von Gärten und Plätzen mit Bäumen. Die Palastanlage ist mit einer hohen Mauer mit Ziegeldach umgeben, die ringsum das Abzeichen der kaiserlichen Parkmauern, fünf weiße Linien, trägt; die Mauern umschließen ein 250 m breites und 450 m langes Viereck mit sechs Toren. Durch den Erlaubnisschein erhält man bei der Schloßverwaltung einen Führer, der zu einem der kleinen Westtore führt (_Mi Daidokoro Gomon_), wo man im alten Wartezimmer der Daimyō sich im Palastfremdenbuch einschreibt und die Führung durch die Paläste, Hallen und Pavillons beginnt.

Dem Südtor (_Kenreimon_) zunächst liegt der große Thronsaal =Shishinden=, wo 1868 der jetzige Kaiser gekrönt wurde: in der Mitte der Thron mit Silberdraperien, an der Hinterwand die Bilder von 32 chinesischen Gelehrten. Dr. G. Wegener empfiehlt, alle Bilder im Palast nach japanischer Art auf den Matten sitzend zu beschauen, weil sie für niedrigen Augenpunkt bestimmt sind.--Dann zur Festhalle =Seiryō-den=; im Mittelraum _Hirugoza_ ein Thron mit Seidenvorhängen, in den Nebenräumen des Kaisers Schlafkammer, Eßzimmer, Baderaum etc. nach alten Vorbildern eingerichtet mit seidenen Paneelen und schönen Malereien.--Nun folgt =Tsune-goten=, »gewöhnliche Residenz« (die in der Regel nicht gezeigt wird), der Wohnpalast vieler Generationen von Mikados seit dem 13. Jahrh. (der Neubau von 1854 entspricht genau der alten Bauweise), dessen Mittelraum drei übereinander liegende Zimmer hat, das oberste für den Mikado, die untern für die Leibdienerinnen, an die sich jeder erst wenden mußte, um den Herrscher zu sprechen. Alle diese und die Nebenräume sind reich an stilvollen Wandschirmgemälden. Das Schlafzimmer des Mikados zeigt Bambus-Tigerdekoration. --Ein langer Gang führt nun zum =Ko-Gosho=, dem »kleinern Palast« für Empfänge von Fürsten und intime poetische Festlichkeiten; darin sind drei sehr geschmackvoll geschmückte Räume, mit Aussicht auf einen Landschaftsgarten.-- Nun folgt das _O Gakumon-jo_, des Mikados Arbeitszimmer, mit reichen Malereien; dann _Goryōden_, eine Speisehalle, und _On Mima_, »erlauchte drei Zimmer«, die Halle für den Hofstaat, mit Gemälden im Tosastil; schöner Blick auf den Garten mit Lotosteich, reichgeschmückten Pavillons und Felsenhügel. --Am nördlichsten liegt der =Palast der Kaiserin=, am Tor _Sakuheimon_; auch in dessen vornehm-einfachen Räumen bilden die Wandschirmgemälde den Hauptschmuck.-- Im östlichen Teil des Parks liegt der Palast =Sentō-Gosho= (C 2), seit 1629, zuerst vom Mikado Go-Mi-no-o benutzt, für abgedankte Herrscher bestimmt; der *Park zeigt hier mächtige Baumriesen, einen See mit Inseln und Brücken und Felsen mit Wasserfällen, eine wildromantische Anlage.--In der Nähe liegt der Palast _Ōmiya-Gosho_. --Andre Bauten in der Umgebung des Kaiserpalastes sind die Paläste des Prinzen Kuni no miya im W., des Prinzen Katsura no miya im N.; die Verwaltung der kaiserlichen Schlösser im SW. und im S. das meteorologische Observatorium (C 2, 3).

Sw. vom Kaiserpalast liegt das berühmte Shōgunschloß =*Nijō no Shiro= (_Nijō-jō_; AB 3), 1603 von Tokugawa Ieyasu erbaut, in dem die Beherrscher des Mikados hausten. In den ersten Jahren nach der Restauration wurde es zu Verwaltungszwecken benutzt und die künstlerische Ausschmückung vielfach rücksichtslos beschädigt; 1883 aber wurde es unter dem Namen _Nijō no Rikyū_ (Nijō-Sonderpalast) in die Zahl der kaiserlichen Schlösser aufgenommen und seitdem sorgfältig erhalten. Eine hohe steinerne Zyklopenmauer nebst 10 m breitem Graben umgibt die Nijōburg. Das Haupttor an der Ostseite (_Higashi Otemon_) ist von dunkeln Pinien beschattet und mit reichvergoldeter Schnitzerei geziert (Kraniche, Schmetterlinge, Drachen, Phönixe und Päonien-Ornamentik). Innen ist noch eine zweite Mauer, _Ninomarū_ mit Bauten, deren Haupttor _Karamon_ aus der Palastruine auf dem Momoyama (S. 379) stammt und nach S. liegt; seine reichen Schnitzereien und Metallzierate sind vom Künstler Hidari Jingorō. Der zweite innere Eingang, _Okuruma-yose_, ist grotesk gemalt.

_=Cäcilie von Rodt=_ schreibt über den Stil dieser prächtigen Burg:

»In dem Palast sind es die Ramma, eine Art Fries, die Seitenwände und Decke verbindet, die meine volle Bewunderung erregten. Aufs reichste und durchsichtigste geschnitzt, zeigen sie auf der einen Seite eine Pfauengruppe, auf der andern einen Päonienzweig, und das, ohne die eine oder andre Zeichnung im mindesten zu beeinträchtigen oder zu verwirren. Die Wände leuchten in Goldgrund. Tiger stürzen aus hohen Bambusbüschen hervor, lebensgroße Adler thronen auf weitästigen Matsu, Palmen scheinen ihre Federkronen leise zu neigen, Reiher gravitätisch einherzuwandeln. Alles ist in kühnen, großen Zügen entworfen, ganz verschieden von der gewohnten japanischen Miniaturmalerei. Saal reiht sich an Saal, Zimmer an Zimmer, überall Goldmalerei, überall vergoldete Beschläge, denen meistens noch die drei Asarumblätter, das Wappen der Tokugawa-Shōgune, eingraviert sind. Die Decken sind alle kassettiert und aus dem dunkeln schönen Holze der Kryptomerien gefügt.«

Die Gemälde stammen meist von _Kanō Tan-yū_ und seinen Schülern. Der 1. Palast ist der größte, neben dem obern Saal ist ein Jungpinienzimmer und ein Lotoszimmer. -- Im 2. Palast bilden große Pinien und wilde Tiere den Schmuck.--Im 3. Palast ist die Empfangshalle _Ohiroma_, wo auf dem toko (erhöhtem Fußboden) der Shōgun die Daimyō empfing. Die Ramma der Halle ist hervorragend. Daneben liegt das Sagopalmenzimmer. -- Der 4. Palast ist der prächtigste; in der erhöhten »Schwarzen Halle«, _Kuroshoin_, fanden große Empfänge statt. -- Der 5. Palast am Nordende war die Wohnung des Shōguns. Hauptraum ist die »Weiße Halle«, _Shiroshoin_, mit Landschaften von Kanō Sadanobu; daneben liegen vier ähnliche Zimmer, in deren einem das berühmte Bild »die schlafenden Finken« ist. -- Der prächtige Garten hat schöne Kaskaden. -- Der Hauptwachtturm _Hommaru_ liegt westl. von der Mauer Ninomaru: in seiner Nähe ist der Palast der Prinzessin Katsura-no-miya. Vgl. die Angaben über Japanische Kunst, S. 340.

Man fahre nun südl. zur Anlage des Tempels =Honkokuji= (AB 5), der als Hauptsitz der Hokke- oder Nichirensekte im 14. Jahrh. von Kamakura hierher verlegt wurde; in der Haupthalle ein Schrein mit dem heiligen Kanon der Sekte, von ihrem Gründer Nichiren geschrieben, auf dem Altar Buddha und andre Götter; im Tempelpark der Schrein des tapfern Kriegshelden Katō Kiyomasa, daneben die Gräber seiner Frau und seiner Tochter. Im Kloster am Nordende die uralte Bibliothek _Kyōzō_ mit sämtlichen heiligen Schriften des Buddhismus (_Issaikyō_). Hauptschatz des Tempels ist ein mythologisches Bild, _Mandara_, mit Mandarinenten (oshidori), dessen Brokatfassung von einem Kleid der berühmten chinesischen Favoritin Yōki Hi stammen soll. -- Südl. gegenüber liegt der prachtvolle Doppeltempel *=Nishi-Hongwanji= (d. h. Westlicher H.) (AB 5), der, 1272 von der Tochter des Stifters Shinran-Shōnin der Shin- oder Montosekte erbaut, einen Stadtteil mit schönen Anlagen für sich bildet; die Haupthalle _Hondō_ enthält im Hauptschrein ein Bild des Buddha Amida, daneben Inschriften mit den Namen des Kaisers und seines kaiserlichen Vaters. In der Tempelhalle _Daishidō_, 1645 erbaut, ist ein Bild des Kenshin-Daishi (diesen Titel erhielt Shinran-Shōnin nach seinem Tode), daneben hängen die Bilder aller Erbäbte des Tempels. In der großen Halle (mit 300 Matten) _Ohiroma_ hält der Abt (jetzt Graf Otani) Empfänge. Die einflußreiche Shinsekte strebt vor allem den Zusammenschluß aller Buddhisten in China, der Mongolei und Tibet, Hinterindien etc. unter japanischer Führung an und entfaltet zu diesem Zweck eine umfangreiche Missionstätigkeit. Sehenswert ist der Naturpark _Tekisui-en_ in der SO.-Ecke der Tempelanlage; über ihrem Teich erhebt sich der dreistöckige »Pavillon der treibenden Wolken« _Hiunkaku_ mit schönem Bild des Berges Fuji im Oberstock. -- Östl. liegt die Tempelanlage *=Higashi-Hong-wanji= (B 5), deren Riesenbauten mit geschweiften Doppeldächern schon bei der Ankunft am Bahnhof auffallen; die Haupthalle ist der größte Tempel Japans, 64 m lang, 58 m breit und 38 m hoch und ruht auf 96 mächtigen Holzsäulen von 0,5 m Durchmesser. Die innere Halle, _Sakunai_ (d. h. »innerhalb der Absteckung«), ist nur für die Priester und Betende hohen Ranges, das Volk muß außerhalb des Geländers, im _Gwaijin_, bleiben. Im innersten Allerheiligsten, _Naijin_, ist eine kleine geschnitzte Figur des Kenshin-Daishi in einem goldenen Schrein; der Altar zeigt Bilder der Erbäbte. _Hondō_, die kleinere Tempelhalle, hat eine geschnitzte Amidafigur auf dem Mittelaltar. Der Tempel ist seit dem ersten Bau von 1602 viermal vom Feuer zerstört, aber stets schöner aufgebaut worden; zum letzten Bau wurde von frommen Frauen Haar zu mehreren Tauen gestiftet, mit denen die mächtigen Balken hochgezogen wurden; eins dieser Taue aus Frauenhaaren, das im Tempel gezeigt wird, ist 110 m lang und hat 40 cm Umfang! Östl. vom Haupteingang zur Tempelanlage liegt der hübsche Park _Shōsei-en_, meist _Kikokutei_ (C 5) genannt, umgeben von einer Kikokuhecke. -- Nun fahre man über die südlichste Kamogawabrücke zum Kwannontempel *=Sanjūsangendō= (CD 6), »Halle der 33 Ken oder Zwischenräume« (zwischen den Pfeilern der langgestreckten Halle, Länge 121 m, Breite 17,5 m), erbaut 1132 vom abgedankten Mikado Goshirakawa in seinem Palastviertel mit 1001 Statuen der 1000äugigen und 1000händigen Kwannon. Der erste Tempel verbrannte 1248 und wurde 1266 vom Mikado Kameyama wieder erbaut und 1662 vom Shōgun Ietsuna erneuert. In Reih' und Glied (elf Reihen hintereinander) stehen jetzt gut ausgerichtet auf schräg ansteigendem Podium in der düstern Halle tausend 5 Fuß hohe vergoldete Statuen der sogen. elfgesichtigen 1000händigen Kwannon; zählt man die kleinen Götzen in den Heiligenschreinen, auf Stirn und Händen der großen mit, so soll man auf 33333 Bilder kommen. Die 5 m hohe sitzende Mittelfigur stellt ebenfalls die 1000händige Kwannon dar; um sie herum steht ihr Gefolge von 28 Untergöttern (_Bushū_). Früher trieben die Samurai Bogenschießsport in der langen Halle; ihre Treffertafeln hängen noch im Tempeleingang. -- Neben diesem seltsamen Tempel liegt das *=Kaiserliche Museum= (_Teikoku Kyōto Hakubutsukwan_; CD 5), ein moderner Bau von 1895, mit sehr alten historischen Kunstschätzen, tägl. geöffnet von 8-4 Uhr im Winter, 7-1/2-5-1/2 im Sommer, außer am 10., 20. und Letzten jeden Monats und 20. Dez. bis 1. Jan.; im Vorraum alte buddhistische Figuren und Masken, im nächsten Raum hölzerne und bronzene Statuen; l. vom Eingang Stickereien und Verschiedenes; r. vom Eingang alte Lacksachen, Porzellan; in den andern Räumen: kaiserliche Gewänder, Sänften, der Mikadothron Michōdai, Musikinstrumente, Münzen, Priester- und Schauspielerroben, Teezeremoniegerätschaften, Rüstungen und Waffen, besonders Schwerter; alte Handschriften, Kakemonos und Wandschirme. -- Westl. vor dem Museum liegt der runde, mit Steinmonument gekrönte _Mimizuka_, »Ohrenhügel«, wo Tausende von Koreanern abgeschnittene Ohren aus dem Feldzug von Hideyoshi (1592 u. ff.) ruhen. Östl. hinter dem Museum liegt der Shintōtempel _Toyokuni-jinja_ (D 5), in dem der Geist des berühmten Taikō Toyotomi Hideyoshi verehrt wird (geb. 1535, unterwarf die rebellischen Provinzen, wurde Regent, eroberte Korea und starb 1598). -- Nahebei liegt die Tempelanlage *=Hōkōji= (CD 5), 1586 von Hideyoshi gegründet, mit riesiger *_Buddhabüste_ aus Holz, 13 m hoch, die Nase 2 m lang, eine geschmacklose, unvollendete Schnitzarbeit. Im Vorhof hängt eine *_Riesenglocke_; das Läuten mit Schwingklotz kostet 2 sen für jede Person. -- Nördl. liegt die *_Yasakapagode_ (D 5), fünfstöckig, 50 m hoch auf einer Anhöhe in schöner Landschaft am Ostende der Stadt (Aufstieg unbequem, oben *Aussicht auf die Stadt), 1618 erbaut mit sehr originellem Dach; sie diente früher als Wachtturm und enthält ein sehr altes Bild Shakas. -- Etwas nördl. liegt der berühmte *=Giontempel= (D 4; richtiger _Yasakajinja_ genannt), 869 gegründet, in dem _Susano-o no Mikoto_, der unbändige Bruder der Sonnengöttin Ama-terasu, verehrt wird. Dieser buddhistisch beeinflußte Shintōtempel ist der besuchteste von Kyōto, daher von vielen Verkaufsbuden umgeben; Tempelfeste am 1. und 15. jedes Monats, das große Gionfest am 17. und 24. Juli. Der Haupttempel, 1654 erbaut, hat in der SO.-Ecke eine _Kagura-dō_ (Halle für die an Götterfesten aufgeführten Pantominen, den Tanz Kagura). Im Anbau am Westende, _Ema-dō_, hängen Weihbilder für die Götter. Im Tempelpark steht zwischen alten Bäumen ein großer heiliger Kirschbaum. -- Das Stadtviertel in der Umgebung des Tempels, _Gion Machi_, ist voller Vergnügungshäuser, Teehäuser etc. -- Nahe nö. vom Giontempel liegt der *=Chion-in-Tempel= (DE 4), eine der größten Tempelanlagen der Gegend, nördl. vom Maruyamapark, errichtet von der Jōdosekte, begründet 1211 von Enkō Daishi, und von Tokugawa Ieyasu und Iemitsu zur jetzigen Anlage ausgebaut. Die Haupthalle _Hondō_ enthält im Mittelschrein ein geschnitztes Buddhabild; hinter ihr die Versammlungshalle _Senjōjiki_ (»Halle der 1000 Matten«); östl. davon das Kloster Hōjō, durch einen prächtigen Garten in zwei Teile geteilt; seine Zimmer sind nach den sie schmückenden Meisterbildern der Kanōschule (Storch, Kranich, Pflaume, Chrysanthemum etc.) benannt. Die Gänge, _uguisu-bari_ (Nachtigallfluren), geben beim Gehen melodische Geräusche. _Seishidō_ ist der ursprüngliche Chion-in-Tempel, _Soshi-byō_ das Grab des Gründers; im _Kwachōbunko_ sind die Tempelschätze aufbewahrt. Im _Gongendō_ sind Bilder von Shōgunen. Der Glockenturm enthält die 1633 gegossene größte *Glocke Japans, 5,5 m hoch, 3 m Durchmesser, 30 cm dick und 7400 kg schwer. Das Haupttor _Sammon_ des Tempels ist reich geschmückt; von seiner Galerie *Aussicht auf Stadt und Umgegend. Der Tempelgarten ist voller Kirschbäume. -- Nördl. vom Chion-in-Tempel liegt der kleine _Shōren-in-Tempel_ (D 4), dessen Leiter früher stets ein Prinz als Haupt der Tendaisekte war; viele alte Schriftstücke von Mikados sind im Schatze des Tempels. -- Nahebei liegt der _Awatapalast_ (E 4), erbaut 879 und bis 1868 von einem kaiserlichen Prinzen als Abt bewohnt. -- Nahe nördl. unterhalb des Miyakohotels liegt der _Zoologische Garten_ (E 3), ferner ein stets geöffnetes _Gewerbemuseum_, _Shōhin-shinretsujō_ (E 3; Malereien, Stickereien, Porzellan-, Bronze- und andre meist neue Kunstsachen mit Angabe des Preises und Verkäufers), die neue städtische Bibliothek und das Gebäude der jährlich im April und Mai geöffneten *_Gewerbeausstellung_ (E 3). Zwischen beiden die _Sporthalle des Sportklubs_ Bushū-Kwai (Präsident ein kaiserl. Prinz), wo Bogenschießen, Schwerterfechten, Jūjitsu geübt wird; Nachm. sehr belebt, Eintritt erlaubt; vom 4.-7. Mai dort große Wettkämpfe. Nahebei die große Anlage des _Daikyoku-den_ oder _Heian-jingū_, eine getreue Nachbildung des Tempels im ersten Kaiserpalast zu Kyōto vor 1100 Jahren. -- Weiter nördl. die Gebäude der _Kaiserlichen Universität_ (D 2; mit vier Fakultäten: Medizin, Literatur, Rechts- und Ingenieurwesen) und andrer Schulen im alten Samuraiviertel Yoshida, dabei der niedrige _Yoshidayama_ mit Shintōtempeln und prächtigem Rundblick.--Östl. davon liegt am Fuße des Daimonjiyama der =Ginkaku-ji= (E 1) am NO.-Ende der Stadt, 1479 als Landsitz vom abgedankten Shōgun Ashikaga Yoshimasa erbaut (dort entwickelte er das heute noch übliche Teezeremoniell, _Cha-no-yu_, zur höchsten Vollendung), nach seinem Tode 1490 in einen buddhistischen Tempel umgewandelt. Im alten Gebäude _Tōkyū-dō_ ist der berühmteste Teezeremoniellraum Japans (nach dem Kanon 4-1/2 Matten groß); Wände und Schieber tragen berühmte Gemälde von Kanō Motonobu, Ōkyo, Sōami und Kanō Einō. Im Mittelraum Bilder der Kwannon und des Yoshimasa in Priestergewändern. Paneele von Buson und Taigadō in andern Räumen; prächtige Kakemonos, Kuriositäten und Zeremoniellteegerät in einem Pavillon. Daneben eine Buddhahalle. -- Im südlichen Garten steht der feine Silberpavillon _Ginkaku_, eine Nachbildung des von Yoshimitsu (Großvater Yoshimasas) erbauten _Kinkaku_, in einem der schönsten Landschaftsgärten Japans mit Teich, Insel, Brücken, ausgewählten Pflanzen und Felsen.

Zwischen Ginkaku-ji und dem Miyakohotel liegen am östl. Bergrand die sehenswerten Tempelanlagen von _Shishigatani_, _Eikwandō_ und _Nanzenji_; bei letzterm _Keage_, die schiefe Ebene zwischen dem obern und untern Kanal, wo Boote auf Schienen hinaufgezogen werden. Zwischen dem östl. Bergrand und dem Yoshidayama die schönen Anlagen der Tempel _Kurodani_ (»dunkles Tal«, ein Kloster, im 12. Jahrh. von Hōnen Shōnin gegründet, mit der historischen Fichte _Yoroikake no Matsu_) und _Shinnyodō_ (mit wertvollen Gemälden). Um den Yoshidayama viele Grabhügel früherer Kaiser (Misasagi).

Am Abhange des _Higashi-yama_ (E 4, 5) liegt nahe südl. vom Awatapalast der reizende =Maruyamapark= (D 4) mit vielen Teehäusern und mehreren Tempeln.--Südl. liegt in malerischer Landschaft auf Pfahlunterbau am Berghang der größte Kwannontempel *=Kiyomizudera= (DE 5), 780 vom Priester Enchin gegründet; durch das rote Haupttor _Niō-mon_ steigt man auf Treppen hinauf, beim obern Tor *Aussicht auf die Stadt. Zwei dreistöckige Pagoden und eine grüne große Glocke stehen neben dem Tor. Die Haupthalle, _Hondō_, steht auf hohem Holzpfeilergerüst; in ihrem Schrein ist das Bild der elfgesichtigen, 1000händigen und 1000äugigen Kwannon; eine breite Veranda, _Butai_, schwebt über dem Abhang. Östl. vom Haupttempel der schöne Park _Nan-en_ oder _Shin Takao_ mit Wasserfall zum Baden der Wallfahrer, an der Nordseite der Garten _Hoku-en_, beide mit vielen schönen Plätzen; die Straße zum Tempel enthält lauter Porzellanläden. --Etwa 3 km südl. liegt der =Inaritempel= (kaiserlicher Shintōtempel 2. Grades), mit der elektr. Straßenbahn bequem zu erreichen; um die ganze Anlage zu sehen, ist über 1 St. Weg durch Torii zu machen, doch kann man abkürzen. Der Tempel ist der Reisgottheit _Inari_ geweiht, 711 gegründet und das Urbild aller andern Inaritempel des Landes, die, wie er, sämtlich rot gestrichen sind. Sein Park erstreckt sich über einen Hügel mit zahllosen Heiligtümern und einigen Fuchsbauten. Am innern Eingang zwei große steinerne Füchse (Diener und Boten Inaris). Vom Gipfel *Aussicht auf Stadt und Umgegend. Die Tempelfeste im Februar und April sind sehr sehenswert.--Der _Tōji-in_ oder _Osttempel_ mit Pagode rührt noch aus der Zeit der Stadtgründung her.

Vor dem Nordende der Stadt liegt nicht weit vom Kaiserpark der alte Shintōtempel =Shimogamo= (Unterer Kamo, eigentlich _Kamo-Mi-oya-jinja_, »Schrein der Kamo-Ahnen«, CD 1), vom kaiserl. Haushalt unterhalten, eine vornehme Anlage, gegründet 677, mit prächtigem uralten Park, worin zwei heilige, durch einen Ast miteinander verwachsene Sakakibäume von Frauen viel besucht werden, um Ehefrieden zu erflehen.--Eine schöne Kiefernallee führt zu dem 3 km nördlichern Tempel =Kamigamo= (Oberer Kamo), der in der Kirschblüte viel besucht wird. Das große Aoifest wird am 15. Mai in Shimogamo und Kamigamo glänzend gefeiert.

Vor dem NW.-Ende der Stadt liegt dicht am Hanazonobahnhof der große Tempel =Myōshinji= (1 der Umgebungskarte) der Zensekte, früher Altenteil des Mikado Hanazono im 14. Jahrh. Die Tempelhallen enthalten wertvolle Wandschirme, Kakemonos, Lackbüchsen etc.; im Park stehen prächtige alte Kiefern, eine vom Jahre 1462. -- In der Nähe der =Kitano Temmangū= (_Tenjin_), kaiserlicher Tempel (2 der Umgebungskarte), 947 gegründet, 1605 neugebaut, architektonisch schön mit heiligem Garten. -- Gegenüber der sehr alte Shintōtempel =Hirano-jinja= (3 der Umgebungskarte), fünf Göttern geweiht, mit zur Kirschblütenzeit vielbesuchtem Park. -- Nahe nördl. liegt in waldgrüner Umgebung der _Goldene Pavillon_, *=Kinkakuji= (eigentlich _Rokuon-ji_), 1397 vom abgedankten Shōgun Ashikaga Yoshimitsu erbaut als Buen retiro, dann buddhistischer Tempel der Zensekte, steht zum Teil im Wasser eines Sees in schönem Garten und hat eine dreistöckige Pagode mit vergoldeten Statuen von Amida, Kwannon und Seishi, von Unkei geschnitzt, in der Mitte des Unterstocks. Mönchsstatuen des Musōkokushi und Yoshimitsu auf den Seitenaltären. Im Mittelstock eine Kwannonfigur und vier Dämonenkönige. Der Oberstock war innen ganz vergoldet, wovon nur noch Spuren sichtbar. Reizender Blick vom Pavillon auf den Garten; der »Spiegelsee« (_Kyōko_) ist mit dichtem Gehölz umgeben. Man beachte die von den größten Meistern gemalten Schiebetüren, Faltschirme und Kakemono. Auf dem Hügel im nördlichen Garten steht ein Teezeremonienhäuschen vorbildlichen Stils, das _Sekka-tei_.

Ausflüge von Kyōto.

Vgl. Karte auf dem Plan von Kyōto.

1) =Über den Hiyei-zan zum Biwasee=, lohnende Tagestour, etwas Mundvorrat mitnehmen. Vom Kyōtohotel (C 3) fährt man mit Rikscha über die *_Sanjōbrücke_ (CD 3/4; hölzern mit Steinpfeilern in rein japanischem Stil), vorbei an der Universität und durch das Dorf _Shirakawa_ (E 1/2) auf gutem Weg, etwa 6 km zum kaiserlichen Sommerschloß =Shūgakuin-rikyū= (nur mit Erlaubnisschein, wie Kaiserpalast, S. 371, zu besichtigen, der Schein gilt nur für die Schlösser, die auf ihm verzeichnet sind!), 1629 dem abgedankten Mikado Gomizunoo vom Tokugawa-Shōgunat angewiesen. In dem prächtigen Park liegen drei feine kleine Paläste, _Ochaya_ (»erlauchte Teehäuser«, wegen ihres Baustils) genannt, jedes mit Garten für sich. Das mittlere ist am reichsten mit Kunstschätzen ausgestattet. Das oberste liegt nahe dem Drachenteich, _Yokuryōchi_, umgeben von einem Labyrinth von Inseln, Halbinseln, Klippen, Brücken, Gehölzen. In den reizenden Anlagen mit Treppen und Pavillons am Berghang sieht man den größern »männlichen« und den »weiblichen« Wasserfall, _Odaki_ und _Medaki_. Eine Hofdame leitete die Anlage des Parks. -- Nö. von den Sommerpalästen steigt man steil zu Fuß oder mit Tragstuhl mit zwei Kulis, etwa 4 km auf den Gipfel des *=Hiyei-zan= (580 m), wo prachtvolle *Aussicht auf den Biwasee und das Tal von Kyōto (oben sollte man frühstücken!). Die Steinfigur auf dem Berggipfel stellt den ersten buddhistischen Abt von Hiyei-zan, _Dengyo Daishi_, dar (lebte um 800), der nach dem Kaiserpalast in Kyōto hinstarrt. Bei ungünstigem Wetter Unterkunft in einer Teehütte auf dem Abstieg nach Sakamoto; östl. vom Gipfel liegen die alten buddhistischen Klöster _Kompon-chūdō_ und _Kōdō_, deren Mönche in den Bürgerkriegen des Mittelalters so mächtig waren, daß der Mikado Shirakawa den Ausspruch tat: »Nur dreierlei in meinem Reich kann ich nicht meistern: die Gewässer des Kamogawa, Glücksspiele und die Bergmönche!« In Kyōto zwangen die bewaffneten Mönche den Hofstaat, ihre Forderungen anzunehmen. Die alten Bergtempel sind nur noch zum Teil erhalten. -- Auf dem Abstieg nach Sakamoto (5 km vom Hiyei-zan) trifft man auf die große Shintōtempelanlage _Sannō_ (_Hiyoshi_), in stiller, romantischer Lage. Einige Minuten weiter erreicht man das Dorf =Kami Sakamoto= (Speisehaus Fuyō-en) und südl. davon am Biwasee das Dorf _Shimo Sakamoto_. Von da südl. weiter längs des Westufers des *=Biwasees= (_Biwa-ko_), von der Größe des Genfer Sees, etwa 100 m ü. M., ein Einbruchsbecken füllend, berühmt durch landschaftliche Schönheit. [Die japanische Poesie spricht von den acht Schönheiten von Ōmi (_Ōmi Hak-kei_) des Landes, worin der Biwasee liegt: Herbstmond vom Ishiyama gesehen; Abendschnee auf dem Hirayama; Abendrot zu Seta; Abendglocke von Miidera; von Yabase zurücksegelnde Boote; heller Himmel mit Brise in Awazu; Nachtregen in Karasaki; Wildgänseflug in Katata.] Kleine Dampfer verkehren auf dem Biwasee zwischen den Ortschaften.

Etwa 2 km südl. vom Dorf Shimo Sakamoto steht beim Dorfe =Karasaki= eine tausendjährige heilige Riesenkiefer von 11 m Umfang und 88 m Ausdehnung der Zweige, doch nur 27 m Höhe. Hütte (Genji-no-ma) der Dichterin Murasaki Shikibu (lebte um das Jahr 1000) und Teehaus nahebei. Weiter längs des Seeufers 4 km nach =Ōtsu= (Gasthof: _Hakkeikan_, halbeurop.), größte Stadt am Biwasee, mit 39595 Einw., an der Tōkaidōstaatsbahn (1/2 St. Fahrt bis Kyōto), Bahnhof _Baba_ am Ostende der Stadt. Auf einem Hügel westl. der Stadt steht der buddhistische Tempel *=Miidera=, 675 begründet und der Kwannon geweiht. Oberhalb davon ein Kriegerdenkmal (Obelisk) aus dem Satsuma-Aufstand 1877; dort *Aussicht über den See. Die Glocke im Tempelpark soll einst ein Riese auf den Hiyei-zan getragen haben.-- Von Ōtsu führt der 1885-94 vom Baron Kitagaki erbaute, 11 km lange _Biwaseekanal_ nach Kyōto durch einen 2436 m langen und zwei kürzere Tunnel. Die etwa 1-1/4stündige Bootsfahrt auf dem Kanal von Ōtsu nach Kyōto ist zu empfehlen; oder man fahre mit Rikscha (10 km) auf der alten Heerstraße _Tōkaidō_ in 2 St., vorbei am Grabhügel des Kaisers Tenji, bewachsen mit Kiefern, mitten in Reisfeldern, dann südl. am Kanal entlang nach Kyōto zurück. Statt der Bergtour über den Hiyei-zan kann man auch mit Rikscha (2 Mann) nach (15 km) Miidera fahren, von da zur (4 km) Karasaki-Kiefer (s. oben), auf dem See mit Dampfer nach _Ishiyamadera_, mit schöner *Aussicht vom Tempelplatz auf hohem Felsabhang; dann mit Rikscha oder zu Fuß zum (5 km) Bahnhof Ishiyamadera und zurück mit Bahn.

2) =Zu den Stromschnellen des Hōzugawa= (früher meist _Katsuragawa_ genannt). Man fahre mit Rikscha zum Bahnhof Nijō(A 3, 4) am Westende der Stadt, von da mit _=Eisenbahn=_ durch sehr malerisches Gelände in etwa 3/4 St. nach _Kameoka_, dann in 10 Min. mit Rikscha zum Dorfe _Hōzu_, wo man ein Boot besonderer Bauart mit 4-5 Ruderern für 6,50 Yen (für 6 Pers.) mietet (Nm. für jeden Mann 50 sen mehr!). Über die Fahrt schreibt _Julius Meurer_: »Die Fahrt selbst ist hochinteressant, aber nicht ganz harmlos, denn der Wildbach ist reißend und sein Bett voller Felsblöcke und Steine, zwischen denen hindurchzusteuern nur der Kraft und Geschicklichkeit der japanischen Bootsführer, dieser gebornen Schiffer, möglich ist. Es soll bei diesen tollen Fahrten fast nie ein Unglück vorkommen. Landschaftlich ist die Fahrt entzückend, wir glaubten uns in unsre Alpen versetzt.«

Man fährt etwa 1-1/2 St. bis zu dem dreistöckigen Teehause _Sangenya-Arashiyama_ (gute Küche). Von hier Rückfahrt mit Rikscha (zwei Kulis) in 1 St. nach Kyōto oder in 1/4 St. zum Bahnhof _Saga_, von da mit Bahn nach Nijōbahnhof oder mit der Elektrischen zum Westende der Stadt. Wenn Zeit, lasse man sich mit dem Boot zur Bergseite hinübersetzen, wo hübsche Teehäuser liegen.

3) Zum kaiserlichen Sommerpalast *=Katsura no Rikyū=, nahe dem untern Hōzugawa, fährt man in etwa 1 St. von Kyōto auf der Straße westl. vom Nishi Hongwanjitempel (S. 373; Erlaubnis wie für den Kaiserpalast erforderlich!), mit prachtvollem Landschaftspark, umgeben von uralten Bäumen und Bambuswald. Die Sommerhäuser im Park sind im vornehmsten Cha-no-yu-Stil (Teezeremoniell) ausgeführt. Durch drei Tore gelangt man in die Empfangshalle _Okuruma-yose_, dann zur alten Halle _Kosho-in_, dann zur Mittelhalle _Chūsho-in_, mit feinstem Bilderschmuck in drei Räumen. Unter den Pavillons sind der des »glitzernden Mondes« (_Geppa-rō_), der der »Blumenbewunderung« (_Shōkwa-tei_), der der »Harfe in der Kiefer« (_Shōkin-tei_), dann die Wartehalle _Machiai_ und der Inselpavillon _Enrin-dō_ sowie die Villa _Shōiken_ zu bewundern. Der Park gilt als schönste Zieranlage Japans, er enthält 7 Pavillons, 16 Brücken, 25 Steinlaternen.

4) Zum =Momoyama= fährt man von Kyōto, Shichijōbahnhof (B 6), in 1/2 St. nach =Fushimi=, der Flußhafenvorstadt von Kyōto, oder besser bis zum Bahnhof _Momoyama_; noch besser benutzt man die Elektrische, die von der Gojōbrücke nach Ōsaka fährt. Man besteigt den kleinen Hügel, auf dem früher ein großes Kaiserschloß lag; _Kinjō-Kaku_ (Pavillon des Goldenen Schlosses) auf dem Gipfel des =Momoyama= ist noch teilweise erhalten, von hier *Aussicht. In der Nähe nw. der Grabhügel des Kaisers Kwammu, Gründers von Kyōto.

5) Vom Bahnhof Nijō (A 3) in 3 St. nach =Maizuru= (Photographieren verboten!), Marinestation am Japanischen Meer, von da mit Dampfer in 1 St. (Fahrpreis 50 sen), oder mit Rikscha in 2-1/2 St. auf schönen (der Riviera ähnlich) Wegen nach =Miyazu= (_Hotel Araki_), gutem Seehafen, in dessen Nähe (2 km) eins der drei berühmtesten Landschaftsbilder Japans liegt, die *=Ama no Hashidate=, »Himmelsbrücke«, eine schmale, mit Bäumen bewachsene felsige Riffbrücke; man fahre mit Boot (60 sen) von Miyazu nach _Ichinomiya_ und steige 10 Min. nach _Ipponmatsu_ hinauf, dort beste *Aussicht.

Eisenbahn von Kyōto nach Yokohama.

Die Bahn Kyōto-Nagoya kreuzt das Becken des Biwasees, übersteigt sodann den Bergzug, der die nur 90 km breite Einschnürung Hondos zwischen der Wakasa- und der Owaribai nordsüdl. durchzieht und erreicht die Deltaebene des Kisogawa, in der Nagoya liegt. -- Mit der Tōkaidōstaatsbahn fährt man (l. sitzen!) vom Kyōtohauptbahnhof _Shichijō_ (Bahnwirtschaft) über (3 km) _Inari_ (S. 376), (8 km) _Yamashina_ nach (16 km) _Baba_, Bahnhof für _Ōtsu_ (S. 378), dann über das Südende des Biwasees, wobei man r. die alte berühmte lange Brücke (_Seta no Nagahashi_) bei _Seta_ sieht, dann nordöstl. nahe dem Seeufer über (26 km) _Kusatsu_ und (66 km) _Hikone_ (Gasthof Rakuraku-tei, mit europäischem Essen) mit Daimyōburg l. auf bewaldetem Hügel, weiter durch schöne Berglandschaft mit vielen Ausblicken auf den Biwasee nach (72 km) _Maibara_, wo die Bahn den See verläßt, sich östl. ins Gebirge wendend.

=Zweigbahn=: Von Maibara nördl. in 2 St. nach (67 km) =Tsuruga= (_Tsuruga Hôtel_), einem sehr lebhaften, wichtigen Seehandelshafen, von wo dreimal wöchentlich Dampfer der Ōsaka Shōsen Kaisha und der Russischen Freiwilligen Flotte (Agentur N. Federoff, Tel.-Adr. »Flot«) nach Wladiwostok laufen, mit Anschluß an die Sibirischen Luxuszüge (S. 301); Fahrkarten für alle europäischen Hauptstädte sind in der Agentur Tsuruga zu bekommen. (Fahrzeit bis Wladiwostok zwei Nächte und einen Tag.) Sehenswert ist in Tsuruga der große Shintōtempel _Kebi-jinja_ mit schönem Torii; Ausflüge zum _Kanagasaki-jinja_ und zur Insel _Bentenjima_ (4 km).

Von Maibara weiterfahrend, sieht man l. öfter den Gipfel des _Ibuki-yama_ (etwa 1300 m), eines der »Sieben hohen Berge« Mitteljapans. Starke Steigung bis (83 km) _Nagaoka_, dann bergab bis (94 km) _Seki-ga-hara_ (altes Schlachtfeld und Sperrfeste der Heerstraße) und weiter in ebenem, gut bebautem Lande über (108 km) _Ogaki_, mit Daimyōburg r. und Blick auf den fernen _Hakusan_ (2680 m) l., nach

(122 km) =Gifu= (Gasthöfe: _Tamaiya_; _Tsu-no-kuni-ya_, beide 20 Min. vom Bahnhof), Hauptstadt der Provinz Gifu mit 40168 Einw., berühmt durch seine Fabrikation von Papierlaternen und Papier (Minogami); vom Hügel nö. der Stadt *Aussicht; in der Umgegend viel Seidenraupenzucht. In der Nähe, auf dem Nagarafluß, *Fischfang mit Kormoranen. -- Hinter Gifu kreuzt die Bahn den _Kisogawa_ und läuft durch fruchtbare Reisfelder nach

(153 km) =Nagoya= (_Nagoya Hôtel_, 30 Z., Pens. 6-10 Yen tägl., europ., gut; jap. Gasthof _Shinachū_; schöne Teehäuser: _Tōyō-kwan_; _Shin Kimpa_; Theater: _Misono-za_, _Suehiro-za_; Porzellan: _Tashiroya_, _Suzuki_, _Katō_; Cloisonnéarbeiten: _Hayashi_, _Kumeno_, _Andō_, _Kawaguchi_; Curios: _Nakarin_, _Asahina_), Hauptort des Aichi Ken und der Provinz Owari, an der seichten Bucht von Owari, Bahnknotenpunkt, in der Tokugawazeit Sitz der Daimyō von Owari. Die Stadt hat ein großes Schloß des frühern Daimyō (jetzt Kaserne), Präfektur, Hospital, Postamt in europäischem Baustil, großen Tempel und nahezu 400000 Einw., die Rohseide, schöne Stickereien, Emaillierung von Kupfer und Porzellan anfertigen, auch das Porzellan von Seto vertreiben.

_=Rundfahrt.=_ Mit Rikscha zur großartigen *=Daimyōburg= _Rikyū_ (_O Shiro_), umgeben von Zyklopenmauern mit seltsam bedachtem, fünfstöckigem Hauptbau, 1610 erbaut, eine der Hauptsehenswürdigkeiten Japans. Die geschweiften Dächer sind gekupfert, der Bau ist aus Holz. Oben *Aussicht auf Stadt und Meer. Wer mit Erlaubnisschein (S. 371) versehen, kann die kaiserlichen Gemächer besichtigen, mit kostbaren Goldlackschiebewänden, Alkoven (Tokonoma), Wandschirmen, Kakemono erster Künstler, mit geschnitzten Kasten etc. aus Kampfer- und Kamelienholz, und schönsten Bronzekunstwerken (Malerei meist Kanōschule). Den von Tan-yū mit chinesischen Szenerien dekorierten prächtigsten Raum benutzte der Shōgun, wenn er den Daimyō des Owarigeschlechts besuchte. Die Anlage der Burg erkennt man vom Oberstock; im Schloßgraben wird zahmes Wild gehegt. (Trinkgeld wird vom Schloßwart meist nicht angenommen.)-- Sehenswert ist auch der vornehm-stolze buddhistische Tempel *_Higashi Hongwanji_, abgeschlossen von hohen Mauern, mit uralten Kiefern im Tempelhof. Das doppeldachige Torhaus hat drei reichgeschmückte Portale, die Haupthalle ist ein Meisterwerk modernen Tempelbaues mit vielen Kunstschätzen im Innern. -- An der NO.- Grenze der Stadt liegt der Tempel der _Go-hyaku Rakan_, beachtenswert wegen einer ergötzlichen Sammlung von 500 etwa 60 cm hohen Holzfiguren, Jünger Buddhas (Rakan) darstellend, auf einer Hintergalerie aufgestellt, alle in Ausdruck, Haltung und Attributen voneinander verschieden.

=Ausflug nach Yamada= (=Ise=) nach S., entlang der Westseite der großen Owaribucht. Mit der Kwansaibahn 60 km bis _Kameyama_ (Wirtschaft Arakiya am Bahnhof, mit europ. Essen); dann umsteigen in die Sangubahn nach

(117 km) =Yamada= (_Gonikaihotel_, ganz gut; _Yamadahôtel_, beide 10 Min. vom Bahnhof, europäisch, Pens. 4-5 Yen; Japan. Gasthof _Aburaya_; Museum, Besuch empfohlen; schöne Teehäuser, dort graziöse und religiöse Tänze »Ise Ondo« 3,50 Yen, »Shō Kagura« 5 Yen, »Dai Kagura« 10 Yen, »Dai-dai Kagura« 20 Yen; in den Straßen wird »O Sugi O Tama« für 5 sen getanzt), stark besuchter Wallfahrtsort mit 29000 Einw., den am 17. Febr., 14. Mai, 17. Juni, 14. und 17. Okt., 23. Nov., 17. Dez. Tausende von Pilgern besuchen. Reinigungsfest (_Ō-barai_) am Letzten jeden Monats. Man nehme Rikscha für den ganzen Tag (etwa 1,70 Yen), fahre vom Gasthof zum *=Gekū= (»äußerer Schrein«), einer großen shintōistischen Tempelanlage in schönem Park, der Erd- und Nahrungsgöttin _Ukemochi-no-Kami_ geweiht, mit vielen Heiligtümern; die Hallen zeigen noch die älteste und einfachste japanische Tempelbauart, unbeeinflußt vom chinesischen Stil. ([Hand] Man hüte sich, den weißen Vorhang an dem strohgedeckten Tor, gegenüber dem Eingangstor, zu berühren, durch den Vorhang dürfen nur Mitglieder der Kaiserfamilie gehen; der japanische Minister Freiherr Mori hob den Vorhang 1888 mit seinem Stock und wurde deshalb in Tōkyō kurz darauf von dem strengen Shintōisten Nishino Buntarō ermordet; das Grab des sofort erschlagenen Mörders aber ist eine Pilgerstätte ihm Gleichgesinnter geworden.) Die ganze Tempelanlage wird alle 20 Jahre abgebrochen und nebenan auf freiem Platz wieder aufgebaut (letzter Neubau und Einweihung [_Sengū_] im Oktober 1909). Die eigentliche Tempelanlage liegt hinter der Halle für die Kaguratänze. Die Pilger, die täglich Lebensmittel als Opfer bringen, erhalten Amulette, --Vom Tempel fährt man weiter auf bequemem Weg etwa 8 km nach *=Futami-ga-ura= (Gasthöfe: _Taiyōkan_, _Futami Hotel_, 50 Z. mit Seebad), Dorf in malerischster Lage an der Owaribucht; hier sieht man die Klippen _Me-oto-ishi_ (Mann und Frau Fels), verbunden durch ein Strohseil, das die eheliche Vereinigung symbolisiert, aber auch Seuchen fernhalten soll.--Nach erfrischendem Seebad 8 km weiter auf schönem, hügeligem Weg nach =Toba= (Gasthöfe: _Ōsaka-ya_, 20 Z., einfach; _Kinbokan_), stillem Hafenstädtchen, von wo man den nicht hohen *_Hiyori-yama_ besteigt, dessen Aussicht über das Meer, den Fuji-no-yama, Hakusan und viele andre Berge berühmt ist.-- Gegenüber von Toba, auf der Insel _Tōshi-jima_, wie auch an andern Orten derselben Inselprovinz, sind die Weiber als Taucherinnen tätig, um Quallen und Seegras zu fischen.--Gute Fußgänger sollten auf dem Rückweg den *_Asama-yama_ (400 m) besteigen; auf dem Gipfel, beim Teehaus _Tōfuya_, wundervolle Aussicht auf Meer und die Berge Mitteljapans. Man steige bis zum _Oku-no-in_ des heiligen Berges, der Aussieht wegen, dann sehr schöner Abstieg, wieder am Teehaus vorbei, in der Richtung auf das Dorf _Uji_ zu und zum *=Naigūtempel=, dem heiligsten Tempel Japans, der Sonnengöttin Amaterasu geweiht, mitten in einem *Hain alter Kryptomerien u. Kampferbäume am Isuzuflüßchen. Eine große, in Weihaiwei erbeutete Kanone liegt dort als Weihgeschenk für die Göttin. Die Tempelanlage ist ähnlich dem Gekūtempel, aber größer; sie wurde 1909 umgebaut.

Ausflug in die Japanischen Alpen.

Die sogen. =Japanischen Alpen= (der Ausdruck ist insofern recht unglücklich, als das Gebirge weder im Aufbau noch nach den äußern Formen mit unsern europäischen Alpen Ähnlichkeit hat) sind für den Geologen und Geographen besonders interessant, weil sie in dem Teile Hondos liegen, wo die »sinische« und die »sachalinische« Streichrichtung in der Gebirgsauffaltung einander begegnen. Die ältern Gesteine von Nordhondo sind von Kräften zusammengepreßt und aufgefaltet, die von W. und O. her wirkten, so daß nordsüdlich verlaufende Gebirgszüge entstanden; in Westhondo wirkten die gebirgsbildenden Kräfte in andrer Richtung, so daß hier von WNW. nach OSO. (wie in Südchina, daher sinische Streichrichtung) gerichtete Bergzüge entstanden. Sehr verwickelt ist die Gestaltung des Gebirgsbaues natürlich in Mittelhondo, zwischen Nagoya und Tōkyō, um so mehr, als in diesem Gebiet auch eine sehr starke vulkanische Tätigkeit einsetzte. Von den unten genannten Hauptgipfeln der Japanischen Alpen sind der Ontake und der Norikura aus jungvulkanischem Gestein (Trachyt) aufgebaut, der Yarigatake im Hidagebirge aus Granit. Auch pflanzengeographisch ist das hohe Gebirgsland im N. von Nagoya sehr interessant. Die höchsten Gipfel und selbst die hohen Pässe werden selten ganz frei von Schnee, doch gibt es keine Gletscher.

Man fährt mit der neuen Nakasendōbahn nordostwärts durch hügeliges Gelände über eine niedrige Wasserscheide ins Tal des Kisogawa und in diesem aufwärts über _Nakatsu-gawa_ und Oukushima, dann über einen Paß ins Tal des Saikawa nach _Shiojiri_ (Gasthof Kawakami), dort schließt die Kōbulinie an, die über _Kōfu_ (Präfekturstadt mit 44188 Einw.) laufend in Tōkyō, Bahnhof Iidamachi, endet. Gute Unterkunft in _Fukushima_ (Gasthöfe: Tawaraya und Tsudaya); von hier schöner Weg (9 km) nach _Agematsu_ (Gasthof Hakuchi) in sehr schöner Berglandschaft; von hier oder von Fukushima über _Ōtaki_ Ersteigung des *=Ontake= (3185 m), des zweithöchsten Gipfels Japans; Entfernung von Fukushima bis zur Unterkunftshütte nahe beim Gipfel etwa 37 km, bei Frühaufbruch in einem Tag zu machen. Im Juli bis September (beste Zeit zur Besteigung) sind viele Hütten für Pilger auf dem Bergweg, ähnlich wie auf dem Fuji-no-yama (vgl. wegen Ausrüstung etc. S. 384). Ein andrer schöner Weg führt von _Tsumagō_ bei Nakatsugawa über _Hirose_ und _Ōdaira-tōge_ über einen Gebirgszug nach _Iida_ (Gasthöfe: Shōgodō, Ryūshi-kwan), eine blühende Landstadt; von da mit Rikscha (10 km) nach _Tokimata_ (Gasthof _Umenoya_); dann mit Boot die *_Tenryugawa-Stromschnellen_ in großartiger Landschaft in 10-20 St. etwa 150 km stromab bis nahe zur Stat. _Hamamatsu_ (Gasthof Ōgomeya) der Tōkaidōbahn. Besonders großartig, aber beschwerlich, nur im Sommer und mit wenig Gepäck ausführbar ist die Partie durch das Herz der Japanischen Alpen: 1. Tag: Von Shimashima bei Matsumoto (nördl. von Shiojiri im Saikawatal; Gasthof Marumo, gelobt) über _Shirahone_ und den _Abotōge_ (1840 m) nach dem Badeort _Hirayu_, mit Besteigung des _Norikura_ (3075 m, sehr lohnend); 2. Tag: Von Hirayu nach _Funatsu_ (Nakaya Hotel, Gasthof Ōya); von hier Rikschaweg nach _Toyama_ (Toyama Hotel) an der Westküstenbahu; 3. Tag: Von Funatsu nach (28 km) _Gamada_; 4. Tag: Von Gamada nach _Kamikoji_ (mit Besteigung des Yarigatake und Hodakayama); 5. Tag: Von Kamikoji über den Tokugotōge (2400 m) nach Shimashima zurück. Näheres vgl. _W. Weston_, Mountaineering and Exploring in the Japanese Alps 1891 till 1894, Preis 0,50 sen.

Von Nagoya führt die Bahn durch wildes Gebirge mit vielen Tunneln, häufig Fernblicke auf den Fuji, nach (193 km) _Okazaki_, Geburtsort des großen Shōguns Ieyasu; zwischen (225 km) _Toyohashi_ und (231 km) _Futagawa_ steht ein Bronzebild der Kwannori l. auf einer Felsenspitze. Bei (241 km) _Maizaka_ erreicht die Bahn die hier flache Küste, l. liegt eine große Lagune, im Hintergrund Berge, r. sieht man die Brandung des Stillen Ozeans. Dann über (261 km) _Hamamatsu_ (gute Gasthöfe am Bahnhof) und (290 km) _Kakegawa_ nach

(354 km) =Shizuoka= (_Daitōkwan Hotel_, europ., gelobt, Pens. 7 Yen tägl.; _Kiyō-kwan_), Hauptstadt der Provinz Suruga mit 48744 Einw. und bedeutender Lackindustrie, Bambusflechtwerk und Teebau in der Umgegend. Sehenswert sind die buddhistischen Tempel _Rinzaiji_, _Sengen_ (von dessen 105 Stufen hohem Oku-no-in *Aussicht) u. _Hodai-in_.

Ausflug mit Rikscha nach (12 km) *=Kunō-zan=, einer sehr alten Tempelanlage auf einem Hügel, nicht weit vom Meere, zu der etwa 1000 steile Stufen hinaufführen (bei heißem Wetter trotz des Baumwuchses unbequem). Man glaubt eine Bergfestung zu sehen; Führer ist für den Zickzackweg nötig. Oben großartige *Aussicht. Die erste Tempelhalle ist der Stall des heiligen (hölzernen) Pferdes, davor ein heiliger Brunnen, weiter r. ein Trommelturm, l. ehemaliger Standort einer von den Shintōeiferern entfernten fünfstöckigen Pagode; noch höher der Kaguratanzplatz und die Schatzkammer mit kostbaren Rüstungen und Priestergewändern, dann die außen rote Haupthalle, innen gold und schwarz, mit Bildern der 36 Dichterheiligen (die Bonzen erwarten Geldgeschenke). Auf der höchsten Höhe der achteckige Grabstein des Shōguns Ieyasu, der hier begraben lag, ehe das Mausoleum zu Nikkō für ihn errichtet wurde.--Abstieg zum Dorf _Nekoya_ (Gasthof Ishibashi), dann mit Rikscha 11 km zum Bahnhof =Okitsu= (_Tōkai Hotel_, halbeurop.).

Von _Shizuoka_ mit der Bahn weiter über _Okitsu_ (s. oben) längs der Küste der schönen *_Surugabucht_ über (364 km) _Kambara_, dann durch Zuckerrohrfelder und bei (368 km) _Iwabuchi_ über die Brücke des _Fuji-kawa_ (hier schönster *Anblick des Fuji) durch Marschland längs des Strandes bis (393 km) _Numazu_ (Seebad); dann biegt die Bahn nördl. nach (402 km) _Sano_ (1,6 km vom Bahnhof ein Gasthof am schönen Wasserfall _Sano-no-taki_) und erreicht

(417 km) =Gotemba= (_Gasthof Furokan_, am Bahnhof _Gotembakwan_; beide europ. Essen), alte Stadt in dem Plateau, das vom Fuji-no-yama zum Hakonegebirge herüberführt, Station für die Besteigung des Fuji (von Yokohama mit der Bahn in 3 St. zu erreichen).-- Der berühmte Vulkan *=Fuji-no-yama= (oder =Fuji-san=, kurz _Fuji_; das von den Fremden allgemein gebrauchte Wort _Fuji-yama_ ist unjapanisch!), der höchste und heiligste Berg Japans, oft als Motiv der japanischen Malerei (Hokusai) und Dekorationskunst verwendet, erhebt sich als regelmäßige Pyramide mit abgestumpfter Spitze bis 3778 m. Die ebenmäßige Form des Berges wird nur durch einige kleine parasitäre Krater und durch radiale Wasserrinnen etwas gegliedert. In den Gipfel ist ein Krater von 500 m Durchmesser und 180 m Tiefe eingesenkt. Seit 1708 ruht der Vulkan, darf aber keineswegs als ganz erloschen gelten. Der letzte Ausbruch von 1707/08 war sehr heftig und lieferte in der Hauptsache Asche, die namentlich das ganze südwärts gelegene Gebiet bis 3 m hoch bedeckte. An der Südostseite des Berges öffnete sich eine Spalte, der Lava entquoll; sie bildete den parasitären Kegel _Hōei-zan_, an dem man beim Aufstieg von Gotemba aus vorüberkommt. Die Kultur steigt in Suruga auf der Südseite (viel Teebau) 600-700 m hoch; dann folgt blumenreiches, baumloses Gebiet (Hara) bis 1500 m, Wald bis 2400 m, dann die Krummholzregion bis 2600 m und schließlich die Region der Hochgebirgsflora, die aus arktischen und alpinen Pflanzenarten gemischt ist. Der Gipfel ist nur im Juli und August schneefrei und wird dann jährlich von 16-20000 buddhistischen Pilgern erstiegen. Der Berg und Umgebung sollen in einen Staatspark umgewandelt werden. Der Fuji-no-yama ist der auffallendste Gipfel in einer Reihe von Vulkanen und aus jungvulkanischem Material aufgebauten Bergen, die sich, längs einer Gebirgsspalte emporgequollen, durch Mittelhondo von SW. nach NO. hindurchzieht und südwestwärts bis zu den Bonininseln und den Marianen zu verfolgen ist. In nächster Nähe des Fuji-san gehören zu diesen vulkanischen Erhebungen der Ashitakayama und das Hakonebergland, weiterhin die Halbinsel Izu zwischen der Suruga- und der Odawarabucht und die Shitshito (7 Inseln) südl. der letztern, von denen mehrere tätige Vulkane sind.

Die =Besteigung des Fuji= von Gotemba aus erfordert zwei Tage Zeit; nur vom 15. Juli bis 10. Sept. sind die Unterkunftshütten (Nachtlager 1 Yen) geöffnet; beste Zeit 25. Juli bis 10. Aug. Europäische Lebensmittel: Konserven, Tee, Schokolade, Hartbrot und Wein bringe man aus Kōbe oder Yokohama reichlich mit (weil man bei Nebel tagelangen Aufenthalt haben kann); auch warme Kleidung und Wolldecken (letztere kann man auch in Gotemba mieten, aber sie sind vielbenutzt!). Auf dem Gipfel friert es nachts im heißesten Sommer! Führer (gōriki) tägl. 1-1/2-3 Yen, Träger, Pferde mit europ. Sattel erhält man in Gotemba (von Gotemba ein Pferd bis Umagaeshi 1,50, bis Tarōbō 2,10, bis Nigōme 2,50 Yen). Wenn Zeit, braucht man nicht in Gotemba zu übernachten, sondern kann mit Straßenbahn noch 10 km weiter nach _Subashiri_, am Osthang des Fuji, fahren, von wo der Aufstieg etwas bequemer sein soll. Sowohl von Gotemba als von Subashiri breche man sehr früh (gegen 2 Uhr) auf, um beim Aufstieg den Sonnenaufgang zu genießen. Von Gotemba reitet man bis _Tarōbō_ (1830 m) oder bis _Nigōme_ (d. h. »Zweite Station«); von Subashiri reitet man bis zum _Umagaeshi_ (d. h. »Pferde zurücklassen«), läßt die Pferde dort, die besonders nach dem anstrengenden Abstieg auf dem Rückweg sehr zustatten kommen. Am meisten benutzt wird jetzt der Weg von Gotemba über _Nakabata_ und Tarōbō; er ist in zehn Stationen geteilt, Tarōbō (16 km von Gotemba) ist Nr. 1 in etwa 1830 m ü. M. In Tarōbō rüste man sich mit Bergstock (Fujistock), hohen Gamaschen, Strohsandalen (unter die eignen Bergschuhe gebunden!) und bei unsicherm Wetter mit Strohregenmantel (Bauerntracht) aus. Nun langsam stetiger Aufstieg. Man beachte, daß die besten Unterkunftshütten des Gotembaweges auf Nr. 5, 6, 8 und 10 (Gipfelstation) sind (Übernachten kostet 1-1,20 Yen). Station Nr. 3 liegt 2160 m ü. M., von da über Nr. 4 (2420 m) bis Nr. 5 (2640 m) führt der Weg um den _Hōei-zan_-Gipfel; auf Nr. 5 halte man Mittagsrast. Nun beginnt der mühsame und steile Aufstieg; statt der bisher feinkörnigen Lava steigt man über große lose Brocken; bei Nr. 6 (2840 m) führt ein Seitenweg auf den _Hōei-zan_ (nicht verlaufen!). Bei Hütte Nr. 8 (3230 m) stärke man sich mit heißem Tee für den letzten, anstrengendsten Aufstieg über lose Asche und Lavablöcke; in den Spalten findet man Schneereste, Schneefelder fehlen. Auf Nr. 10 (3778 m), dem Gipfel, sind drei bequeme steinerne Hütten, wo man sich sofort Schlafplätze sichere; sind alle besetzt, muß man um den Gipfel herum nach der Subashiri-Wegseite, etwa 1/2 km nördl. gehen, um dort Schlafplätze zu suchen. Wenn Zeit, steige man noch in den Krater hinab, wo noch heißes Wasser fließt und Dämpfe aufsteigen. Der Abstieg in den Krater erfordert 1/2 St., der Aufstieg 3/4 St.; man nehme Führer mit! Vor Sonnenuntergang ziehe man warme Kleidung in der Hütte an und beobachte dann von einer Kuppe den Sonnenuntergang, ebenso den Sonnenaufgang am nächsten Morgen. Bester Aussichtspunkt (auch für den Sonnenaufgang) ist der höchste Gipfel _Kenga-mine_; die *_=Aussicht=_ auf Hakonesee (S. 386), Fujikawa, Surugabucht etc. ist großartig.--Dann Abstieg (nicht rutschen, wie die Japaner!) auf demselben Wege in 5 St. über _Tarōbō_ (Pferde besteigen) nach Gotemba.-- Auf dem Subashiriweg sind die besten Stationen _Chujiki-ba_, 1 km unterhalb Nr. 1, ferner Nr. 2, 6 und der Gipfel. Bei Nr. 9 ist der Heiligenschrein _Mukai-Sengen_ (»Willkommen heißende Sengen [Göttin des Fuji-Berges]«).

Von _Gotemba_ führt die Bahn im Bogen um das Hakonegebirge durch wilde Gebirgslandschaft mit vielen Tunneln und Brücken über (436 km) _Yamakita_ (Gasthof Asahiya; 1/2 St. vom Bahnhof der 60 m hohe Wasserfall _Hirayama-no-taki_), dann bergab im Tal des Sakawa-gawa nach

(452 km) =Kōzu= (Gasthof _Kōzu-kwan_), Ort am Strande der schönen _Odawarabucht_ (von Yokohama 1-1/2 St. Fahrzeit), r. die Halbinsel _Izu_, im Meere die Vulkaninsel _Ōshima_ und l. das Küsteninselchen _Enoshima_ (S. 392). -- Man fährt von hier mit elektrischer Straßenbahn in 1 St. auf der alten Heerstraße Tōkaidō vorbei an dem freundlich am Seebadestrand gelegenen, aus einer ganzen Häusergruppe bestehenden Gasthof _Shōtō-en_ (jap. und europ.) und über die Brücke des breiten _Sakawa-gawa_ zur geschichtlich berühmten Seestadt =Odawara= (Gasthof _Koiseya_), wo die Straßenbahn vor der Mauerruine der alten Burg hält. Im malerischen Burghain liegt ein 1900 erbautes Schloß des Kronprinzen (kein Zutritt). 10 Min. weiter im Hayakawatal erreicht die Bahn =Yumoto= (Gasthof _Fukuzumi_, zum Übernachten wähle man den Gasthof _Suzuki_, 45 Z., Pens. 3-5 Yen, im benachbarten Dorfe Tōnosawa, 1/2 km talaufwärts, beide Orte mit heißen Bädern). Nun mit Rikscha in 1 St. (mit zwei Kulis etwa 50 sen) oder zu Fuß, Gepäck tragen lassen, in anmutiger Berglandschaft, zuletzt mit starker Steigung über _Dōgashima_ (heiße Quellen und Wasserfall) nach

=Miyanoshita= (420 m; _Fujiya Hôtel_, europ., gut, Pens. tägl. 7 Yen, für 2 Pers. 11 Yen, heiße Bäder frei, sehr geeignet zum Erholungsaufenthalt; _Hôt. Naraya_; _Umeya Hotel_, jap.; Photograph _Shima_, neben Fujiya Hôtel), beliebter Sommerfrische für Europäer im Talkessel des _Hayakawa_, in schöner Umgebung mit vielen Spazierwegen, reinster Luft, schwach salzhaltigen heißen Quellen (für Rheumatiker).

Miyanoshita liegt mitten im =Hakone-Gebirge=, das durch den Sattel von Gotemba mit dem Fuji-no-yama zusammenhängt. Wie unsre Karte sehr schön zeigt, besteht es in der Hauptsache aus einem großen Ringwall, einer alten Vulkanruine, in dem wieder ein kleineres Vulkangebirge aufsteigt, ähnlich wie der heutige Vesuvgipfel innerhalb der Somma. Der ringförmige Graben zwischen beiden ist im W. vom Hakonesee ausgefüllt. Nach O. gegen Odewara hat der Ringwall eine Öffnung, durch die die Straße über Yumoto heraufführt.

=Umgebung von Miyanoshita.= Nach _Kiga_ (1/4 St. talauf) zum _Goldfischteehaus_, oberhalb davon an steilem Hang das Teehaus _Miharashi_, d. h. »schöne Aussicht«; 1/4 St. weiter das Dorf _Miyagino_ an beiden Ufern des Hayakawa; auf den *_Sengenyama_ hinter dem Fujiya Hôtel 1/4 St. bis zum Gipfel (mit Teehaus u. *Aussicht); nach _Kowaki-dani_ (Mikawaya Hôtel, halbeurop., 78 Z., Pens. von 5 Yen an, verhältnismäßig gute Küche, Schwefel- u. Eisenbäder; Kaikatei Hotel) 1/2 St.; nach _Gora_ (heiße Quellen). -- =Ausflüge= (1/2 Tag}: Auf den _Myōjōgatake_ (_Mukōyama_) gegenüber Miyanoshita (anstrengend). -- Auf den *_Kamiyama_ (1440 m), den höchsten Gipfel des _Hakone_-Gebirges; Aufstieg 2-1/2 St., zum Teil ohne Weg (für Damen nicht geeignet); großartige *Aussicht auf die Surugabucht, die Sagamibucht und den Fuji. -- Auf den _Otome-tōge_ (Jungfernpaß) zu Pferd (1/2 Tag 2 Yen, 1 Tag 3 Yen), in Sänfte (mit 4 Kulis hin und zurück 3,20 Yen) oder zu Fuß 12 km bergauf über das Dorf _Sengoku_ (von hier Aufstieg in 1 St. zum _Kintokisan_ mit schöner Aussicht), wo der Aufstieg zum Paß beginnt; oben Blick auf die Ebene vor dem Fuji.

NB. Wer von Miyanoshita aus den Fuji besteigen will, reitet über diesen Paß nach Gotemba (S. 384).

=Von Miyanoshita über den Hakonesee nach Atami= (Pferd 3-1/2 Yen, Kuliträger je 1,50 Yen, Fußgänger nehmen Strohsandalen unter die Stiefel), etwa 25 km, wofür 7 St. Zeit mit Ruhepausen nötig. Der steile Bergpfad führt an _Kowaki-dani_ und am _Bentenyama_ (*Aussicht) vorbei nach (6 km) =Ashinoyu= (874 m; Gasthöfe: _Matsuzakaya_, europ. Betten und Essen; _Kinokuniya_), besuchter Badeort mit heißen Schwefelquellen (gegen Hautleiden und Rheumatismus), öde Umgebung, kühl und nebelreich im Sommer. --Der Weg ist weiterhin eben, l. drei Steindenkmäler für die beiden Nationalhelden Gebrüder Soga und die schöne Kurtisane Tora Gozen, und nahebei r. halb vom Gebüsch verdeckt ein Felsblock mit den Bildern der *_Ni-jū-go Bosatsu_ (25 buddhistische Heilige), 1293 in den Stein gehauen. Etwas weiterhin liegt am Wege ein Felsen mit dem Riesenrelief *_Rokudō no Jizō_ (Schutzheiliger der Reisenden etc.), vor dem am 23. Aug. ein Fest gefeiert wird.--Nun bergab zum

*=Hakonesee= (_Ashi no ko_), ein 6 km langer Bergsee am SW.-Abhang des Kamiyama (s. oben); man erreicht zuerst das kleine Dorf =Moto-Hakone= (Gasthof _Matsuzakaya_ auf einer Terrasse am See, europ., empfohlen; Pens. 4-5 Yen tägl., in dessen Nähe am Tōkaidō Teehäuser und der japanische Gasthof _Tsujiya_. Dann auf einer hügeligen Halbinsel ein kaiserliches Sommerschloß (Rikyū) in europ. Bauart (kein Zutritt), mit bestem Blick über den See zum Fuji. Die Kryptomerienallee des Tōkaidō führt vom Schloß zum Ort *=Hakone-machi= (725 m; _Hakone Hôtel_, halb europ.), mit fleißigen Holzschnitzkünstlern, in herrlicher Lage am See, 11 km von Miyanoshita. Man suche die See-Ecke, in der sich der Fuji spiegelt (_Hakone no saka-Fuji_) auf. Europäische Familien nehmen Sommerwohnung im Ort, führen Hausstand mit eigner Dienerschaft. --Seitwärts vom Tōkaidō liegt 1/4 St. von Hakone der stimmungsvolle Tempel *_Gongen_, zu dem Stufen mit prächtiger Kryptomerienallee hinanführen, in uraltem Wald von Pinien, Eichen, Föhren, Ahorn, Kastanien, mit Farren; viele Torii und Steinlaternen. Unterhalb des Tempels stand am Tōkaidō bis 1871 das alte Straßensperrtor (_Hakone no seki_), wo die nach Yedo (Tōkyō) Reisenden (auch der erste europäische Japanreisende Kaempfer 11. März 1691) die Pässe vorzeigen mußten. --Von Hakone kann man auf dem alten Tōkaidō über das Dorf _Hata_ (Wirtschaft) zu Pferd oder in Sänfte bequem in 4 St., zuletzt durch schöne Landschaft zurück nach _Yumoto_ (S. 386), gelangen. Auf dem Hakonesee Bootsfahrten.

Nach der Mittagsrast in Hakone südl. bergauf und bergab (Führer unentbehrlich) zum *=Jikkoku-tōge= (Zehnprovinzenpaß), 980 m, mit prächtiger *Aussicht auf den Stillen Ozean und zehn japanische Provinzen sowie auf den Fuji. Die Paßhöhe liegt etwa 10 km von Hakone, etwas weiter unterhalb ein Teehaus; dann folgt steiler Abstieg etwa 4 km nach =Atami= (_Atami Hôtel_, europ.; _Fujiya_ und andre jap.), besuchtem Badeort (Hauptzeit im Winter) an der Meeresküste, mit heißen Quellen und einem *_Geiser_ (_Oyu_); er sprudelt alle 4 St. mitten im Ort aus der Erde hoch, ist aber gefaßt und hat eine Inhalationshalle (Kyūkikwan) für Kehlkopf- und Lungenleidende. Der Geiser wurde schon 749 vom buddhistischen Abt Mangwan besucht. Vor Atami liegt die Insel _Ōshima_ mit Vulkan. --Von Atami am nächsten Tage mit Kleinbahn (_Keiben Tetsudō_) in etwa 3 St. 28 km längs der _Japanischen Riviera_ an der gebirgigen Küste der schönen Odawarabucht, vorbei an den malerischen Fischerdörfern _Izusan_, _Yugawara_ (4 km landein heilkräftige Thermen gleichen Namens), _Yoshihama_, _Fukuura_, _Manazuru_ (am gleichnamigen Kap), _Enoura_, _Nebukawa_ und _Komekami_ (sämtlich mit Teehäusem zum Erfrischen) nach _Odawara_ (S. 385): von da in 1/2 St. mit elektr. Straßenbahn nach _Kōzu_.

Von _Kōzu_ (S. 385) führt die Tōkaidōstaatsbahn über (484 km) _Ōfuna_ (Zweigbahn nach Kamakura, S. 391) nach (502 km) _Yokohama_ (S. 388), wo Fernschnellzüge nicht am Hauptbahnhof, sondern auf dem Vorortbahnhof _Hiranuma_, 3 km nördl. von der Stadt, halten.

* * * * *

=Dampferfahrt Kōbe-Yokohama= in etwa 28 St. Von _Kōbe_ (S. 361) mit SW.-Kurs durch die Idzumi Nada (S. 358) und die malerische _Yurastraße_ zwischen dem Ostkap von _Awaji-shima_ und der kleinen Insel _Tomoga-shima_ hindurch, dann südl. bis Kap _Hiino Misaki_, von da durch den Kiikanal sö. längs der Küste nach (100 Seem.) Kap _Shiwo Misaki_ mit Leuchtturm; nahebei die mit Fischerdörfern dicht besetzte Insel _Ōshima_, Mittelpunkt des japanischen Walfischfanges, von der ab durch den Stillen Ozean auf Kap _Irosaki_ (Südspitze der Halbinsel Izu an der Ostseite des Surugagolfs) mit ONO.-Kurs gesteuert wird, bis der Leuchtturm der (174 Seem.) Felseninsel _Mikomoto_ umsteuert ist; diese Fahrt wird oft durch Seegang unbequem. Nun läuft der Dampfer zwischen der Ostküste von Izu und der vulkanischen _Vriesinsel_ (_Oshima_) mit dem 760 m hohen, stets rauchenden Vulkan _Mihara_ durch und mit nö. Kurs in den Uragakanal ein, der in den Golf von Tōkyō führt; in ihm liegt der (348 Seem.) Hafen von Yokohama.

Yokohama.

Vgl. den beifolgenden Plan.

=Ankunft zur See.= Von _Kannonsaki_, dem Kap am NW.-Ende des Uragakanals, in dessen Nähe die Seestadt _Uraga_ (S. 392) liegt, steuert man am Kriegshafen _Yokosuka_ (S. 392) l. vorbei mit nw. Kurs in den Hafen Yokohama, wobei man öfter den Fuji (S. 384) sieht. Der Dampfer läuft dann durch die großartigen Molenbauten in den gut geschützten Hafen. Die Postdampfer des Nordd. Lloyd und der Canadian Pacific legen an dem neuerbauten Kai und neuen Zollschuppen (Zolldurchsicht; vgl. S. 349) der Nippon Hatoba, die der Messageries Maritimes an der etwa 600 m langen Pier im südl. Teil des Hafens an, was bequemes Ausschiffen der Reisenden ermöglicht; Aus- und Einbooten fällt weg. An der Wurzel dieser Brücke liegt an der _English Hatoba_ (Bootshafen) das alte _=Zollamt=_ (hier Zolldurchsicht für an der Pier anlegende Dampfer). Ausschiffung mit Sampan von nicht am Kai oder Pier anlegenden Dampfern etwa 25 sen 1 Pers., mit Gepäck 50 sen.

=Ankunft mit der Bahn=, von Kōbe kommend (S. 361), am Hauptbahnhof der Tōkaidōbahn nahe der Nippon Hatoba und der neuen Zollschuppen; Fernschnellzüge halten nur auf dem Vorortsbahnhof _Hiranuma_.

=Gasthöfe=: _Oriental Palace Hôtel_, Bund 11 (Pl. a, E 3), gut eingerichtet, gutes Essen; 80 Z. mit Bad, Ged. 1, 1,50 u. 2, Pens. von 7 Yen an; Dampfpinasse zu jedem Dampfer, Wagen zu haben. -- _Grand Hôtel_ (A.-G., amerikan. Manager), Bund 18-20 (Pl. b, E 3), Dampfpinasse zu jedem Dampfer, Pens. 7-10 Yen. -- _Club Hôtel_, Bund 5 (Pl. c, D 3), älter und weniger gut eingerichtet (Neubau beabsichtigt), Pens. 5-10 Yen; Dampfpinasse zu jedem Dampfer. -- _Royal_, Mainstreet 87 (Pl. a, E 3); 50 Z., Pens. 4-5 Yen; Kegelbahn. -- _De Paris_, Mainstreet 80 (Pl. d, D 3), gute Küche, deutscher Verkehr. -- _Wright's Hotel_, Waverley House Nr. 40 (Pl. f, D 3); 30 Z., Pens. 4,50-6 Yen; Dampfpinasse zu jedem Dampfer. -- _The Pleasanton_, Nr. 17 (Pl. g, E 3). -- _Windsor_, Nr. 32. -- _Imperial_ (A. Richter), Yama-shita-cho 133a (Pl. h, D 3), 10 Z. zu 1, F. 0,80, Ged. 1,20, Pens. 4 Yen; bescheiden (Seeleute). -- _Bluff Hôtel_, Bluff 2 (Pl. i, E 5). -- _Mankako_, Sakai-chō 36, japan., billig.

=Restaurants= in den meisten Gasthöfen; außerdem am Hauptbahnhof, 1 Treppe. -- Japanisches Essen: _Chitose_, in Sumiyoshi-chō, Roku-chōme und _Yaomasa_, in Aioi-chō, San-chōme. -- =Teehaus= »Zu den 101 Stufen«, sehenswerte Fremdenbücher; altberühmt.

=Brauerei=: _Kirin_, Bluff 123, die bedeutendste Brauerei Japans, deutscher Braumeister (E. Eichelberg).

=Post, Telegr. und Fernspr.=: Hauptamt und Präfektur (Kenchō) im Raum zwischen dem Fremdenviertel und der japanischen Stadt, nahe beim Zollamt. -- Kabel über Bonininseln nach Guam (Marianen).

=Rikschas= nach fester Taxe, stündl. 30 sen mit 1, 60 sen mit 2 Kulis. -- =Straßenbahnen= mehrere Linien, eine über Kanagawa bis Tōkyō, vgl. den Plan. -- =Reitpferde= zu haben.

=Eisenbahnen.= Die Tōkaidōstaatsbahn führt nach Tōkyō und Kōbe mit Zweiglinie nach Yokosuka und Anschlüssen an das japanische Bahnnetz; vgl. S. 345.

=Dampfer=: _Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd_ alle 14 Tage Sa. über Kōbe und Nagasaki oder Tsingtau nach Schanghai und Europa; Agentur: H. Ahrens & Co. Nachf., Waterstreet 29; (Tel.-Adresse: Nordlloyd); Spediteure: Helm Brothers, Bund 43, und Nickel & Co., Nr. 40. -- _Hamburg-Amerika Linie_ (Agentur: C. Illies & Co.), Tel.-Adr.: »Paketline«. -- _Österreichischer Lloyd_, monatlich über Kōbe nach Europa; Agenten Samuel Samuel & Co., Nr. 27. -- _Messageries Maritimes_, alle 14 Tage über Kōbe nach Europa; Agent P. de Champmorin, Bund 9. -- _Chargeurs Réunis_, etwa alle vier Wochen nach San Francisco, Mexiko etc.; Agent Oppenheimer Co., Yamashita-chō 167. -- _Peninsular & Oriental Co._, etwa alle 14 Tage bis 4 Wochen über Schanghai nach Europa; Agent Abbot, Bund 15. -- _Canadian Pacific Railway & Ocean Steamship Service_, je alle 14 Tage über Kōbe, Nagasaki und Schanghai bis Hongkong u. nach Vancouver; Agent Payne, Bund 14. -- _Pacific Mail S. S. Co._, u. _Tōyō Kisen Kaisha_, abwechselnd alle 7-10 Tage über Kōbe, Nagasaki und Schanghai bis Hongkong und über Honolulu nach San Francisco; Agent Howard, Waterstreet 4 (wegen der Fahrpreise beachte S. 347). -- _Nippon Yūsen Kaisha_ (Billettagentur Bund 10), jeden 3. Tag nach Otaru, anlaufend alle Häfen der japanischen Westküsten, und nach Kōbe; alle 14 Tage nach Europa über Schanghai, nach San Francisco u. nach Australien; monatlich nach Bombay. -- _Great Northern S. S. Co._, über Manila nach Hongkong u. nach Seattle; Agentur Nippon Yūsen Kaisha, Bund 10. -- Abfahrtszeiten aller Dampfer enthalten die Tageszeitungen!

=Gepäck= kann gut und sicher gegen geringe Abgabe in dem eisernen Schuppen der Neuen Kaianlage (Nippon Hatoba) gelagert werden; man wende sich an die Landungsagenten des Norddeutschen Lloyd.

=Banken=: _Deutsch-Asiatische Bank_, Nr. 180. -- _Yokohama Specie B. Ltd._ (japan. _Shōkin-Ginkō_), Minami Nakadōri; beide Korr. der Deutschen Bank. -- _Hongkong & Shanghai Bank_, Nr. 2. -- _Chartered Bank of India, Australia & China_, Nr. 179. Alle vier Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft. -- _Russo-Asiatic Bank_, Nr. 77, und viele andre. Alle nur von 10-3 Uhr, Sa. nur 10- 12 geöffnet.

=Theater=: _Minato-za_, Sumiyoshi-chō. -- _Hagoromo-za_, Hagoromo-chō. -- Singspielhallen in Basha-michi-dōri und Isezaki-chō. -- Europäische =Konzerte= und Theateraufführungen gelegentlich im Gaiety Theatre, Bluff 257.

=Polizei=: Hauptamt im Kenchō. -- =Fremdenführer= der _Oriental Guides Society_, Tōyō Tsūben Kyōkwai, Yamashita-chō 32, erhalten 2,50 Yen tägl. für 2 Pers., 50 sen tägl. mehr für jede weitere Pers., dazu freie Reise und Verpflegung. -- _Kaiyūsha_ (Guides' Association), Motomachi, Itchōme 76 (Telephon Nr. 829), 3 Yen tägl. für 1-2 Pers., 50 sen für jede Pers. mehr, dazu Reise- und Verpflegungskosten.

=Reisebureau=: _Thos. Cook & Son_, Water Street 32. -- _International Sleeping Car Co._, Bund 6.

=Konsulate=: _Deutsches Reich_, Bund Nr. 17; Generalkonsul v. Syburg. -- _Österreich-Ungarn_, Konsul Koller. -- =Deutscher Klub=: _Germania_, Mainstreet Nr. 235; Einführung durch ein Mitglied; Lesezimmer, Kegelbahn, Billards. -- _Yokohama United Club_, Bund 4b. -- Freimaurerloge (_Masonic Temple_), Mainstreet 78.

=Ärzte=: Dr. _Reidhaar_ und Dr. _Paravicini_ (Office: Mainstreet 74). -- =Zahnarzt:= Dr. _F. Wolf_, Mainstreet 50 I, 9-5 Uhr. -- =Deutsche Apotheke= (_Normal Dispensary Ltd._), Mainstreet 77, _L. Kiefer_. -- _Bretts Pharmacy_ von _Brett & Co._, Mainstreet 60. -- _North & Rae_, Mainstreet 79.

=Buchhandlungen=: _Geiser u. Gilbert_, Mainstreet 77; deutsches Haus. -- _Kelly & Walsh_, Mainstreet 60. -- _Maruya_, Benten-dōri. -- =Zeitungen=: _Deutsche Japanpost_, Redaktion Yamashita-chō 60 (Mainstreet), wöchentlich, jede Nr. 40 sen. -- Tagesblätter: _Japan Daily Advertiser_ (jetzt in Tōkyō herausgegeben), _Japan Gazette_, _Japan Herald_, _Japan Mail_, _Japan Times_ (in Tōkyō). -- Wochenschriften: _Box of Curios._ -- =Photographen=: _Tamamura_, Benten-dōri 2. -- _Kimbei_, Honchō-dōri. -- _Farsari_, Waterstreet 32.

=Geschäftsadressen= (man kaufe in Yokohama Seide, Altertümer, Elfenbein): Europ. Reiseausrüstung: _Lane, Crawford & Co._, Mainstreet 59. -- Mundvorräte für Reisen: _Curnow_, Mainstreet 82, _Langfeldt Co._, Mainstreet 71, _Lane Crawford_. -- Ausfuhr von Japan. Pflanzen und Samen: _L. Boehmer & Co._, Bluff 28; -- _Nursery Company_, Nakamura Bluff. -- Huthandlung: _Omiya & Co._, Sakaichō 24, 25, 32. -- Japanische Kunstsachen (Curio Dealers): _Arthur & Bond_, Waterstreet 38, _Samurai Shōkwai_, Honchō Itchōme, und viele andre. -- Seide: _Iida Takashimaya_, Mainstreet 81; -- _Nozawaya_, Benten-dōri; -- _Yamamoto_, Benten-dōri 1 und Honchō-dōri 17; -- _Shieno_; Honchō-dōri 19; _Iwata_, Honchō, und viele andre. -- Cloisonné-Sachen: _Gotō_, Uchida-machi. -- _Musashiya_, Honchō-dōri. -- Bronze: _Katō_, Benten-dōri, _Hashimoto_, Ōtamachi. -- Porzellan: _Tashiroya_, Benten-dōri; -- _Watano_, Benten Bashi 8; -- _Matsuishiya u, Echigoya_, Honchō-dōri. -- Spielsachen: _Nagai_, Honchō-dōri. -- Bambussachen: _Moriyasu_, Benten-dōri; -- _Tanabe_, Motomachi. -- Papierwaren: _Hasegawa_, Hōrai-chō; -- _Ishii_, Ōtamachi.

=Yokohama=, bedeutendster Ausfuhrhafen Japans, liegt auf 35° 36' nördl. Br. (etwa wie Tanger), inmitten der wichtigsten Tee- und Seidebezirke, an der SO.-Küste der Insel Hondo, am SW.-Ufer der _Yokohama-Bai_, einem westlichen Einschnitt der _Tōkyō_- oder _Yedobai_, 37 km von der Einfahrt in diese durch die Uragastraße und ist durch Eisenbahn mit dem 22 km nnö. gelegenen Tōkyō verbunden. Es hat eine gute Reede und ein großes Hafenbecken, das von zwei Wellenbrechern mit durch zwei Leuchttürme gekennzeichneter Einfahrt eingeschlossen ist und an dem ein 600 m langer Hafendamm (Pier), große neue Kais mit geräumigen Lager- und Zollschuppen, drei Trockendocks und ein Schwimmdock (Yokohama Dock Co.) etc. angelegt sind. An den breiten Kai mit kleinern Wellenbrechern, die die _English Hatoba_ (»Hafen«) und _French Hatoba_, letztere nur für kleine Fahrzeuge bestimmt, bilden, schließt sich die regelmäßig angelegte Stadt, die in drei Teile geschieden ist. Im östlichen liegen die großen europäischen Waren- und Bankhäuser, Gasthöfe und Klubhäuser, im mittlern die Präfektur, das Stadthaus, Hauptpost- und Telegraphenamt (besondere Gebäude für die Auslandpost), Zollhaus etc. in großen Gebäuden; im westlichen die japanische Stadt aus den üblichen Holzhäusern, dazwischen hier und da die mit dicken Lehmwänden gepanzerten feuersichern Speicher (_Dozō_), worin bei Feuersbrünsten alle wertvolle Habe untergebracht wird. Die Stadt, bis 1855 ein kleines Fischerdorf, wurde damals infolge der mit dem Ausland geschlossenen Verträge dem fremden Handel geöffnet und entwickelte sich seitdem zur ersten Handelsstadt Japans mit (1911) 419630 Einw., darunter 9923 Fremde (6217 Chinesen, 1590 Engländer, 813 Amerikaner, 436 Deutsche, 258 Franzosen, 138 Portugiesen, 114 Schweizer). Es ist Sitz einer Handelskammer, eines kaiserlichen Laboratoriums für Hygiene und hat mehrere Kirchen, eine deutsche Schule und Kirche im »Deutschen Haus« (Bluff 25), mehrere englische Schulen sowie das _St. Joseph's College_ (von franz. Patres geleitet); ferner mehrere japanische Krankenhäuser, das _Yokohama General Hospital_ für Europäer (Bluff 82) und je ein deutsches, englisches und amerikanisches Marinelazarett. -- Die Ausfuhr umfaßt Seide und Seidenstoffe, Tee, Kupfer, Holzwaren, Porzellan, Streichhölzer, Lackwaren; die Einfuhr Baumwollengarne, Woll- und Baumwollenstoffe, Zucker, Petroleum, Alkohol, Indigo, Metallwaren.

_=Rundfahrt.=_ Man fahre durch die Waterstreet und Mainstreet der Fremdenniederlassung (_Yamashita-chō_), wo sich die besten Läden zu Einkäufen, wie Seidenstoffe und Seidenstickereien, Lacksachen, Bronzen, Cloisonné, Satsuma- und andres Porzellan, japanische Altertümer und Kunstsachen, Elfenbeinschnitzereien etc., befinden. Zu billigern Einkäufen hat man bessere Gelegenheit im japanischen Stadtteil, Honchō-dōri und Benten-dōri. Am _Bund_, der Hafenstraße, liegen das deutsche Konsulat, der United Club und die größten Hotels. Nachmittags fahre man auf den _Bluff_ (_Yamate-chō_), am Südende der Stadt, wo in hübschen Gärten die Villen der Europäer und Amerikaner liegen; dort auch das deutsche Marinelazarett (Bluff 40). Am Südende der Mainstreet gelangt man über die Brücke _Maita Bashi_ zur 101-Stufentreppe, die steil auf den Bluff führt, oben bei einem altberühmten Teehaus schöne *Aussicht über Stadt und Hafen. Vom Bluff schöne Spazierfahrten südl. über _Kitagata_ zur _Mississippibucht_; mehrere gute Teehäuser am _Mandarin-Bluff_; in _Hommoku_ viele Teehäuser und guter Badestrand, auch in _Takigashira_ dicht am Strande, in lebhaften Fischerdörfern; an der Mississippibucht schön gelegen ein deutsches Gartenrestaurant (an Stelle des 1911 abgebrannten Makado-Hotels, Besitzer C. Hahn). Weiterhin um den Rennplatz herum (bei Negishi) ein schön bewaldeter Weg mit lieblichen Landschaftsbildern; zurück über _Nakamura_ oder _Kuraki_.

Seitentour: Yokohama-Kamakura-Enoshima-Kanazawa-Uraga.

Man rechne für Kamakura und Enoshima und zurück nach Yokohama 1 Tag, außerdem für Kanazawa 1 Tag, Uraga 1 Tag, Misaki 2 Tage.

Mit der Tōkaidōbahn vom Hauptbahnhof in Yokohama sö. über (4 km) _Hodogaya_ und (13 km) _Totsuka_ nach (18 km) _Ōfuna_, wo man meist in die Zweiglinie umsteigen muß, die in die Sagami-Halbinsel nach Yokosuka führt; erste Station ist *=Kamakura= (_Kaihin-in-Hôtel_, gelobt, großartiger Neubau, europ., in einem Piniengehölz in _Yuigahama_, 1/4 St. mit Rikscha oder Hoteldroschke, am schönen Strand der Sagamibucht; _Mitsuhashi_, Japan. Gasthof, ebenfalls gut), alte Hauptstadt Ostjapans im 12.-15. Jahrh., jetzt ein stilles Dorf und beliebter Sommerausflug, berühmt durch den *_Daibutsu_, eine große und schöne, sitzende Buddhafigur aus Bronze, 15 m hoch, 30 m Umfang, Gesichtslänge 2,6 m, Nasenlänge 1,1 m; die Figur ist 1252 erbaut, ihr Tempelumbau ist zweimal, 1369 und 1494, durch Erdbebenflutwellen zerstört worden und seitdem nicht erneuert; im Innern Altäre und eine Treppe bis zu halber Höhe der Statue (Trinkgeld dem führenden Bonzen). Der Daibutsu steht in einem schönen Tempelpark mit Bambus, Kiefern, Kirschbäumen u. dgl.; seitwärts ein hübscher Lotosteich. Ein Seitenweg führt auf eine Anhöhe mit schöner *Aussicht zum _Kwannontempel_ (_Hase no Kwannon_), mit braungoldiger Figur der Göttin in einer dunkeln Nische, die der führende Bonze mit Kerzen beleuchtet; dicht beim Tempel ist der steile Abhang _Inamura-ga-saki_. Der _Hachimantempel_ (Tempel des Kriegsgottes), 1073 von Minamoto Yoriyoshi in Yuigahama erbaut, wurde 1193 von Yoritomo auf den Hügel _Tsuru-ga-oka_ verlegt, wo er jetzt steht. Vom Strand aus führt eine prächtige Kiefernallee und breite Steintreppe mit drei Torii hinauf. In der Nahe ein 1000jähriger Ichōbaum (Gingko biloba, eine Konifere, scheinbar Blätter tragend) von fast 6 m Umfang, neben dem der Shōgun Sanetomo 1218 ermordet wurde. Hinter dem Hachimantempel eine reichhaltige Waffensammlung. -- Unter den vielen kleinern Tempeln im Gelände von Kamakura ist der _Ennōji_ erwähnenswert, mit berühmter Holzfigur (_Arai-no-Emma_) des Höllenfürsten _Emma-Ō_, geschnitzt von Unkei; die Figur wird nur auf besonderes Verlangen vom Bonzen (gegen Trinkgeld) gezeigt. Auch ein heiligen Tauben geweihter _Tempel_, dessen Tauben so zahm sind wie auf dem Markusplatz in Venedig, ist sehenswert.

Von Kamakura fährt man mit elektr. Straßenbahn etwa 6 km erst durch eine malerische Schlucht, dann längs des Strandes der prächtigen Sagamibucht durch die Dörfer _Koshigoe_ und _Katase_ zur heiligen Insel *=Enoshima= (Gasthöfe: _Iwamoto-in_ u. _Ebisuya_ im Dorfe; _Kinkirō_ höher über dem Dorfe, besser), die bei Niedrigwasser durch eine trockene Sandbank mit dem Lande verbunden ist; eine schmale, hölzerne Brücke führt zur Insel. Auf ihr das malerische Fischerdorf _Enoshima_ (Seebad), wo Muscheln, Korallen und maritime Seltenheiten feilgeboten werden; ferner ein Wäldchen, Tempelhaine und Gärten. Die Insel ist der Glücksgöttin Benten geweiht (welche die Insel von einem Drachen befreite, indem sie ihn heiratete!). In der 113 m langen und im Eingang 9 m hohen Höhle an der Seeseite (in der der Bentendrache hauste) stehen Verkaufsbuden und kleine Shintōschreine. -- Den Rückweg von Enoshima kann man mit Rikscha oder elektr. Bahn über das Seebad _Kugenuma_ (Gasthof Kōshōkwan) nach (4 km) Stat. _Fujisawa_ und von da mit Bahn nach Yokohama nehmen.

Von Yokohama kann man auch mit Rikscha (2 Mann) auf 10 km ebenem und dann 8 km hügeligem Weg über den Ort _Seki_ nach Kanazawa fahren; hinter Seki, beim Orte _Tanaka_, führt r. ein Seitenweg von 3 km auf den Hügel _Mine_, oben prächtige *Aussicht; dann führt der Weg von Tanaka durch liebliche Landschaft (»Plains of Heaven«, Himmelsebenen von den Fremden genannt) zum Teehaus _Nokendo_, das unter der »Pinsel-Wegwerfe-Kiefer« _Fude-sute-matsu_ steht (nach der japanischen Legende vom Künstler, der einst seinen Pinsel verzweifelt hier fortwarf, weil er die allzu schöne Landschaft nicht malen konnte). Bald wird das Seebad =Kanazawa= (Gasthöfe: _Chiyo-moto_; _Azumaya_) an der kleinen Mutsurabucht erreicht, berühmt durch das *Landschaftsbild _Hakkei_ vor dem Dorfe. In der Nähe, bei _Nojima_, liegt ein besuchter Päoniengarten (mit 300jährigen Pflanzen). Von Kanazawa kann man mit Rikscha längs der Küste der Tōkyōbucht nach Yokohama zurückgelangen, etwa 30 km.

An der Ōfunazweigbahn (S. 391) ist die nächste Station hinter Kamakura _Zushi_, der Bahnhof für das reizende Seebad _Hayama_ (Gasthöfe: _Hirayama Hotel_; _Chōjaen_), das 2,5 km sw. von Zushi an der Sagamibucht liegt. Etwa 3 km sö. von Hayama liegt das vorzügliche Seebad *_Chōjasaki_ mit gutem Gasthof; in der Nähe ein Winterschloß des Kronprinzen. Endstation der Ōfunazweigbahn ist =Yokosuka= (Photographieren verboten! Gasthof: _Mitomiya_; europ. Restaurant: _Kaiyō-ken_, nahe der Marinewerft), wichtige Marinestation mit großer Werft und Stadt von 25000 Einw.; auf dem Hügel 1/2 St. vom Bahnhof *Aussicht und Grab von Will. Adams, des ersten Engländers, der von 1600 bis 1620 in Japan lebte. Von Yokosuka fährt man mit Rikscha auf schönem Wege (halbwegs in _Ōtsu_ eine Wirtschaft an gutem Badestrand) 7 km bis =Uraga= (_Gasth. Tokudaya_ in Higashi-Uraga), Hafenstadt an beiden Seiten einer schönen, schmalen Bucht, mit zwei großen Trockendocks und lebhaftem Schiffsverkehr; Dampfergelegenheit nach Tōkyō täglich; Fahrzeit 4 St. Von Uraga Ausflug mit Rikscha 16 km nach =Misaki= (_Gasth. Aoyagi_) am Südende der Sagamihalbinsel; etwa 3 km nördl. davon liegt das Maritimbiologische Laboratorium (_Misaki Rinkai Jikken-jō_) der kaiserlichen Universität von Tōkyō. -- Von hier kann man längs der Küste der Sagamibucht mit Rikscha 20 km nach _Chōjasaki_ (s. oben) und dann über _Zushi_ nach _Yokohama_ zurückgelangen.

* * * * *

=Eisenbahn Yokohama-Tōkyō= (29 km), die älteste Bahnstrecke Japans, 1872 eröffnet, jetzt zur Tokaidōbahn gehörig; Fahrzeit 28-54 Min. Vom Hauptbahnhof über die Vorstadt (3 km) _Kanagawa_ (das einst an Stelle des jetzigen Yokohama dem Fremdhandel diente) _Higashi-Kanagawa_ (Zweigbahn nach _Hachiōji_), _Tsurumi_, _Kawasaki_, _Kamata_ (Irisgärten), _Ōmori_ nach (24 km) _Shinagawa_ (umsteigen, wer die Vorortbahn oder die Nordbahnen von Tōkyō benutzen will). Die Fahrt bietet l. schöne Ausblicke auf den Fuji (S. 384), auf Dörfer, Brücken, Reisfelder und Kirschbaumpflanzungen (während der Blütezeit ein liebliches Bild). Kurz vor Tōkyō r. Ausblick auf die Tōkyōbucht und die Hafenbefestigungen (alte, von Niederländern gebaute Forts). Dann durch Vorstädte mit vielen Fabrikschornsteinen und vorbei am Shibapark und dem Sommerpalast Hama Rikyū zum Hauptbahnhof (_Shimbashi_) von (29 km) _Tōkyō_.

Tōkyō.

Vgl. beifolgenden Plan.

=Ankunft mit der Bahn=, von Yokohama kommend am Shimbashibahnhof, von Nikkō kommend am Uenobahnhof, 7 km nördl. von ersterm; über Stadtbahn s. unter Eisenbahnen.

=Gasthöfe=: _Imperial_, japanisch _Teikoku Hotel_ genannt (A.-G.; Pl. a), unter japanischer Leitung, nahe dem Kaiserpalast, dem Shibapark und den Gesandtschaften in Uchiyamashitachō, 5 Min. mit Rikscha vom Shimbashibahnhof; 100 Z. 4-15, F. 1, Lunch 1,50, Dinn. 2, Pens. 7-20 Yen; vergrößerter Neubau in der Nähe, für 250 Z., beabsichtigt. -- _Central_ (im Fremdenviertel), Tsukiji 12 (europ. Leitung); 25 Z., Pens. 5-8 Yen. -- _Seiyōken_, in Tsukiji, Uneme-chō 33 und im Uenopark. -- _Atago_ (Tōkyō Hôtel) auf dem Atago-Berge (berühmte Fernsicht), sehr gut, Pens. 5 Yen.

=Restaurants=: Europäisches Essen: _Shimbashi-Bahnwirtschaft_ (eine Treppe hoch im Bahnhof). -- _Yūraku-en_, gegenüber dem Bahnhof, von europäischen Kaufleuten besucht, gutes Essen.-- _Fūgetsu-dō_, Minami Nabe-chō, bei der Ginza-Straße. --_Seiyōken_, im Uenopark, gut. -- _Kwagetsu Kwadan_, am Ende der Mukōjima-Allee. -- _Sanen-tei_, im Shibapark. -- _Fujimi-ken_, auf dem Kudanhügel (gegenüber Shōkonshapark), mit Zweighaus nahe der britischen Gesandtschaft. -- _Matsumoto-rō_, Hibiyapark. -- Japanisches Essen: _Shin-Kira_, Kobiki-chō, Nähe des Shimbashibahnhofs. -- _Yaozen_, in San-ya, Asakusa. -- _Yaomatsu_, in Mukōjima; _Hirasei_, in Fukagawa. -- _Tokiwaya_, in Hamachō, Kyū Hana-Yashiki.

=Post, Telegr. u. Fernspr.=: Hauptamt Yedo-bashi, Nebenämter in jedem Stadtteil.

=Wagen=: _Tōkyō Basha Kaisha_, beim Shimbashibahnhof; _Toda_, im Grundstück des Imperial Hôtel; andre Gesellschaften in Tsukiji und Kanda. Preise: Victoria einspänn. 1/2 Tag 3,50, 1 Tag 6 Yen; zweispänn. 1/2 Tag 5, 1 Tag 7-8 Yen; Landau zweispänn. 1/2 Tag 5,50-6, 1 Tag 9-10 Yen. -- =Automobile=: _Ōkura Motor Car Co._, _Tōkyō Motor Car Co._ (Yūraku-chō 1, chōme 3), _Yamaguchi_, Tsukiji, sehr teuer, für Fahrten innerhalb der Stadt wenig empfehlenswert. -- =Rikschas= werden allgemein benutzt. Preise stündl. wenigstens 20 sen mit 1 Kuli, 40 sen mit 2 Kulis (vorher ausmachen); das Imperial Hôtel hat bestimmten gedruckten Tarif für Entfernungen. Zweckmäßig ist es, am Shimbashibahnhof eine Rikschafahrkarte mit Preisangabe für die betreffende Strecke zu nehmen und Kuli rufen zu lassen. -- =Straßenbahnen= in zahlreichen Linien fast nach allen Punkten der Stadt (sehr zu empfehlen), von Shimbashi ohne Umsteigen nach Ueno, Asakusa, Shinagawa etc.; Fahrpreis überallhin 5 sen (Fahrscheinhefte mit Ermäßigung; man verlange vom Schaffner Umsteigebillett, _nori-kae-gippu_, wo erforderlich).

=Eisenbahnen=: Vom _Shimbashibahnhof_ die Tōkaidōbahn nach Yokohama und Kyōto. Von der _Gofuku-bashi-Station_ im Zentrum der Stadt (unweit Nippon Ginkō) die Ringbahn, die innerhalb der Stadt als Hochbahn läuft, nach der Karasumori-Station beim Shimbashibahnhof, von da durch die Vororte nach (26 km) Akabane an der Nordbahn und von da nach dem Ueno- Bahnhof. -- Von der _Yorozuyobashi-Station_ (Kanda, bei Suda-chō) die Stadtbahn nach Shinjiku (Anschluß an die Ringbahn), von da nach Kōfu. -- Vom _Ueno-Bahnhof_ die Nordbahn nach Nikkō und (735 km) Aomori sowie nach Mito (Ostküstenbahn) und Sendai. -- Vom _Ryōgoku-Bahnhof_ eine Linie nach Chiba, Ohara etc.; vom _Asakusa-Bahnhof_ über Kanegafuchi nach Ashikaga und Isezaki (Tōbubahn). -- Fahrpläne in den Hotels. -- _The East Asiatic Commercial Intelligence Institute of the South Manchuria Railway Company_, in Tōkyō, Azabu-Mamiana Nr. 4, gibt Auskunft über die unter japanischer Verwaltung stehende Südmandschurische Bahn, vgl. S. 324.

=Dampfer= (klein und unbequem) tägl. nach Yokosuka, Uraga (S. 392) und allen Plätzen im Golf von Tōkyō.

=Banken=: _Yokohama Specie Bank_ (Korresp. der Deutschen Bank, der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig); _Nippon Ginkō_ (»Bank von Japan«) und viele andre.

=Theater=: _Kabukiza_ (Pl. 22), Kobiki-chō. -- _Meijiza_, Hama-chō. -- _Hongō-za_, Haruki-chō. -- _Tōkyō-za_, Misaki-chō. -- _Shintomi-za_, Shintomi-chō. -- Ganz in europäischem Stil das _Yūraku-za_ und das 1911 eröffnete moderne Theater _Teikokuza_, in der Yūraku-chō (Zentrum der Stadt, unweit Imperial Hôtel, gegenüber der Rückseite des Kaiserpalastes. Ringkampfspiele bei _Ekō-in_, Honjō, je 10 Tage im Frühling und Winter. -- =Teehäuser= (mit Tanzaufführungen): _Kōyō-kwan_ (_Red Maple Club_) im Shibapark, Einführung besorgt der Gasthofsbesitzer. -- _Nakamura-rō_, in Ryōgoku. -- (NB. Die großen Theater mit berühmten Schauspielern sind im Sommer geschlossen; in jedem Theater spielen entweder nur Männer oder [seltener] nur Frauen, man frage vorher.)

=Reisebureaus:= _T. Minami & Sons_, Tourist Agency, Rogetsu-chō 3, Shibaku (Fernsprecher: Amt Shimbashi, Nr. 3370), besorgt Fahrkarten für alle Dampferlinien und Bahnen; stellt Reiseführer, besorgt Post, Telegramme, Bankgeschäfte, Gepäck; hält Reisehandbücher vorrätig, gibt »_The Excursion Journal_« heraus (beachtenswert!). -- _Welcome Society_, Yūrakuchō Itchōme 1 (in der Tōkyō-Handelskammer; vgl. S. 345). -- »_Guide-Book for Tourists of Japan_« der Welcome Society, 5. Aufl. 1910 (gut). -- _The Musashino_, Monatsschrift für Fremdenverkehr, herausgegeben vom Imperial Hôtel (ein Heft 10 sen). -- =Fremdenführer:= _G. Iguchi_, Meguro Shinfuji 1; Liste andrer, auch Deutsch sprechender Führer im Hotel; vgl. auch S. 345.

=Gesandtschaften:= _Deutsches Reich_ (Pl. 1), Botschafter _Graf Rex_. -- _Österreich-Ungarn_ (Pl. 2): Botschafter _Freih. Call v. Rosenburg_. -- _Schweiz:_ Gesandter _de Salis_.

=Polizei= in jedem Stadtviertel.

=Arzt:= Dr. _Teusler_ im _St. Luke's_ Hospital. -- Die Professoren der medizinischen Fakultät der kaiserl. Universität sprechen sämtlich Deutsch und sind fast alle in Deutschland ausgebildet; darunter sind gute Spezialisten.

=Buchhandlungen:= _Z. P. Maruya & Co. Ltd._ (_Maruzen Kabushiki Kaisha_), Nihombashi, Tōri Sanchōme. -- _Geiser u. Gilbert_, deutsch, Kanda-ku, Kaji-chō 23. -- _Kyōbunkwan_ (Methodist Publishing House), Ginza Shichōme. -- _Nankōdō_, Hongō, deutsche Bücher. -- _Hasegawa_, Shitaya-ku, Kami-Nogishi 17 (jap. Kunstdrucksachen); für farbige Holzschnitte: _Kobayashi_, Asakusa Komakata. -- =Zeitungen:= _Japan Times_ (tägl.; jap.); _Japan Advertiser_ (amerik.-engl.); vgl. auch Yokohama, S. 389.

=Klubhaus= der _deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens_: Kanda, Imagawa-kōji Itchōme 8, unterm Kudanhügel. Daselbst sehr wertvolle Bibliothek über Ostasiatica.

=Deutsche Stube= mit Bücherei und Leseraum ist im Seminar für fremde Sprachen eingerichtet.

=Photographen:= _Oka_, Kojimachi, Dotei sambancho 8 (spricht Deutsch). -- _Maruki_, Azabu. -- _Okamoto_, Ginza, Sanchōme (nahe dem Shimbashibahnhof); auch Kakemonoverkauf und Dunkelkammer verfügbar. -- _Ogawa_, Kyōbashi Hiyoshi-chō 13. -- Photographische Artikel: _Asanuma & Co._, Honchō Nichōme. -- _Kimbei_, Takekawa-chō, Ginza.

=Geschäftsadressen:= Basare (_Kwan-kōba_) mit festen Preisen an der Shimbashibrücke, im Shibapark, im Uenopark (_Shōhin Chinretsu-jō_) etc. -- Europäische Lebensmittel: _Kameya_, Ginza Takekawa-chō. -- Japanische Kunstsachen (Curio dealer): _Ikeda_, Owari-chō Nichōme 13; _Jōkō_, Kyōbashi Yomi-chō; _Kōko-Dō_, Nakabashi Izumichō, und viele andre in Naka-dōri (parallel zur Hauptstraße zwischen Kyōbashi und Nihombashi). -- Elfenbeinschnitzereien: _Maruki_, Sukiya-chō Nihombashi 6; _Toyama Shōten_, Ginza, Nichōme, Kyōbashiku; _Kaneda_, Naka-dōri. -- Cloisonné-Sachen: _Ando_, Motosukiya-chō Ginza; _Namikawa & Co._, 8 Shin-Yemoncho, Nihombashi; _Ueda_, 2 Saegi-chō, Kyōbashi. -- Porzellan: _Mikawaya_, Owari-chō, Itchōme; _Kōno_, 18 Shiba Tamachi, Shichōme (für Satsuma). -- Bronzewaren: _Mikawaya_, Sotokanda, Hatago-chō Itchōme; _Miyao_, 1 Nihombashi, Hon-Shirokane-chō. -- Silberwaren: _Miyamoto Shoko_, Kyōbashi, Yazaemon-chō 2. -- Gemälde, Kakmonos, Farbenholzschnitte etc.: _Suwa_, Tatami-chō 2, nahe Kyōbashi; _Shimbi Shein_, Shinsakawa-chō 13. -- Lacksachen: _Kuhei Hayashi_, Nihombashi, Muromachi; _Kuroeya_, Tōri Itchōme. -- Bambusarbeiten: _Fujimura_, Kojimachi Itchōme. -- Seidenstoffe: _Iida, Takashimaya_, 1 Nishikonya-chō, Kyōbashiku; _Mitsukoshi_, Nihombashi, Suruga-chō; _Shirokiya_, an der Nihombashibrücke; _Mizushima_, Honchō Itchōme; _Hattori_, nahe Imperial Hôtel; _Nishimura_ u. a. -- Alte Seidenstickereien: _Shimizu_, 1 Inabachō, Higashi-Naka-dōri; _Iwamoto Denshichi_, Naka-dōri; _Morita_, Nihombashi Sanai-chō 8. -- Fächer: _Haibara_, 1 Nihombashi, Tōri Itchōme. -- Spielsachen: _Jikkendana_ (Ausstellung am 3. März, Mädchenfest, und 5. Mai, Knabenfest).

=Zeiteinteilung=: 1. Tag: Shōkonshatempel, Uenopark nebst Museum, Asakusa-Kwannontempel. -- 2. Tag: Shibapark, Red Maple Club und Gräber der 47 Rōnin. -- 3. Tag: Geschäftsstraßen, Atagoyama, Mukōjima und Yoshiwara. (Das altberühmte ist aber im Frühjahr 1911 durch Brand vollständig vernichtet worden. Man richte sich nach der Jahreszeit, wegen der Blüten- und Tempelfeste.)

=Festlichkeiten=: Von den vielen Tempel- und Volksfesten sind die sehenswertesten: am 17. u. 18. jedes Monats _Kwannonfest_ im Asakusatempel; 9. April _Feuergang (Hiwatari)_ im Ontake-jinja, Imagawa-kōji, Kanda; 17. April: _Tōshōgūfest_ im Shiba- und Uenopark; 18. April: _Sanja Matsurifest_ in Asakusa; etwa 20. April: _*Sakura- (Kirschblüten-)Fest_ im Kaiserpark (Einladungen bewirkt die Botschaft, Anzug: Gehrock und Zylinder oder Uniform, Damen elegante Promenadentoilette); 6.-8. Mai: Shōkonsha-Fest mit Rennen und Ringkämpfen etc. in Kudan; 3.-14. Juni: _Tennō Matsurifest_ in Shinagawa, Yotsuya, Asakusa; Mitte Juli (oder Anfang August): _Kawa-birakifest_, Eröffnung des Sumida-gawa, in Ryōgoku; 9. u. 10. Juli: _Shiman Rokusen Nichifest_ im Asakusatempel; 15. Sept. _Kanda Myōjin_ in Kanda; 17. Sept.: _Feuergang (Hiwatari)_ im Ontaketempel; 11.-20. Sept.: _Shimmei Matsuri_ im Shibapark; 12. u. 13. Okt.: _O Eshikifest_ in Ikegami und Hori-no-uchi. Anfang November: _Chrysanthemumfest_ im Aoyamapalast des Kronprinzen (nur auf Einladung); 3. Nov: Geburtstag des Kaisers, Parade auf dem Rempeiba; 22.-28. Nov.: _O kō Mairi_ und im November _Tori no Machi_ beim Asakusatempel. -- _=Messen=_ (_ichi_) am 17. und 18. Dez. im Asakusatempelbezirk, am 22. und 23. in Shiba; Näheres gibt die »Japan Times« bekannt.

=Tōkyō= (auch _Tōkei_, spr. _tōkē_, »Osthauptstadt«), Hauptstadt des japanischen Reiches und Residenz des Kaisers, früher _Yedo_ genannt, am NW.-Ende der seichten _Tōkyōbucht_ (Yedobucht; daher Yokohama die Hafenstadt von Tōkyō trotz dessen Lage am Meer) und am Südende der größten Ebene Hondos, an der Mündung des Sumidagawa, über den fünf große Brücken (Azuma-, Umaya-, Ryō-goku-bashu, Ōhashi, Eitai-bashi) führen, durchschnitten von Kanälen, Ausgangspunkt von Bahnen nach sechs Richtungen. Die Stadt, mit 2186079 Einw., wird von dem Sumidagawa in zwei Teile geschieden, einen kleinern östlichen, der bis zum Nakagawa reicht, und einen größern westlichen, den eine Mauer bis zum Fluß und zur Tōkyōbucht umgibt, und der den _Palast des Kaisers_ (S. 397) enthält. Diesen Stadtteil umschließt ringsum die eigentliche Stadt, zum größten Teil noch aus einstöckigen Holzhäusern bestehend, daher sehr ausgedehnt und oft durch Feuersbrünste heimgesucht. Die Geschäftshäuser in den Hauptstraßen bestehen daher gewöhnlich aus feuersichern Lehm- oder Backsteinspeichern, und auch die vornehmern Privatwohnungen sind meist mit solchen Dozō versehen (ähnlich im ganzen Lande). Unter den seltenen großartigern Gebäuden japanischer Bauart sind zu nennen einige prächtige buddhistische Tempel mit kunstvoller, vergoldeter Holzschnitzerei, Klöster, Grabdenkmäler der letzten Shōgune in Shiba und Ueno (S. 398). Im westl. Teil der Stadt wohnen die Botschafter von Deutschland (Pl. 1), England (Pl. 3), Rußland etc., und hier steht unweit Shimbashi der _Palast Hamagoten_, der für fremde fürstliche Gäste des Kaisers bestimmt ist. Tōkyō ist Sitz der Regierung, des höchsten Gerichtshofs, des kaiserlichen Gardekorps und der ersten Division der Armee und der geistige Mittelpunkt des Reiches. Außer einer kaiserlichen Universität (_Teikoku Daigaku_, in Hongō gelegen) besitzt es mehrere stark besuchte Privatuniversitäten, ein Realgymnasium (Erste Kōtō-Gakkō), eine höhere Normalschule, Blinden- und Taubstummenanstalt, Handelsakademie, Gewerbeschule, Ackerbau- und Forstschule, Musikschule, zahlreiche Mittelschulen, Lehrerseminare etc., eine kaiserl. Akademie der Wissenschaften mit 60 vom Kaiser ernannten Mitgliedern, eine Kunstschule und ein Museum im Uenopark, eine öffentliche Bibliothek von 300000 Bänden, eine zweite von 30000 Bänden in europäischen Sprachen, Geographische Gesellschaft, 316 Zeitungen und Zeitschriften, darunter die »Transactions of the Asiatic Society of Japan« und die »Mitteilungen der deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens«. Die sehr bedeutende Industrie erzeugt namentlich Seiden- und Lackwaren, Fayence, Porzellan, Email; es bestehen große Schiffswerften und Maschinenbauwerkstätten. Der Handel mit dem Inland ist sehr bedeutend, während der mit dem Ausland meist über Yokohama geht. Die Stadt ist seit 1869 dem Fremdenverkehr geöffnet. -- _Yedo_ ist aus einem Fischerdorf entstanden, bei dem 1456 Ōta Dōkwan ein großes Schloß baute; die Stadt blühte erst auf, als der erste Tokugawa Shōgun Ieyasu 1603 seine Residenz hierher verlegte.

_=Rundfahrt.=_ Vom Shimbashibahnhof, hinter dem nach der Seeseite der kaiserliche Sonderpalast _Hama-Rikyū_ liegt, wo gegen Ende April jedes Jahres das kaiserliche Kirschblüten-Gartenfest abgehalten wird (Einladungen dazu, wie im November zum Chrysanthemumfest im Akasaka-Palast, vermitteln die Botschafter bei rechtzeitiger Meldung), fahre man mit Rikscha l. und nördl. in das Stadtviertel, in dem die Ministerien (in nüchternem, europäischen Stil erbaut) liegen; man fährt am Stadtgraben entlang bis zum _Tōkyō-Klubhaus_ (Pl. 5), gegenüber dem Imperial Hôtel. Nahe beim Hotel der weite, erst in neuester Zeit angelegte Stadtpark =Hibiya-Kōen= mit Restaurants _Matsumoto-rō_ und _Sankyōtei_, sowie der _Hibiya Daijingū_, eine Nachbildung des Großen Schreins von Ise. Auf einem Hügel liegt r. der _Palast des Marquis Nabeshima_, des frühern Daimyō von Hizen, lange Oberzeremonienmeister des kaiserlichen Hofes. Gegenüber auf bewaldeter Anhöhe steht der _Sannōtempel_. -- Neben ihm beginnt das vornehmste Stadtviertel _Nagata-chō_, mit den Palästen der Prinzen Kitashirakawa und Arisugawa, den Gebäuden des Auswärtigen Amts, des Generalstabs (Pl. 6) und der fremden Gesandtschaften. Innerhalb dieses sogen. _Daimyōviertels_ (_Daimyō Kōji_) liegt auf niedrigem Hügel, mit breitem Wassergraben und zyklopischen Mauern umgeben, das =O-Shiro= oder =Schloß= mit dem =Kaiserpalast=, das Schatzamt und andre Ministerien, Wohngebäude und prachtvolle Gärten, wo einst die frühern Daimyōs mit Gefolge residierten. Der Kaiserpalast (Zutritt nur bei Audienzen und Festlichkeiten durch Vermittelung der Botschaft, sonst dem Publikum unzugänglich), 1889 neu erbaut, hat viele Empfangsräume, meist durch Kristallglasschiebetüren getrennt, mit Seidentapeten und reichgemalten Holzdecken, viele Räume vornehm-einfach, andre, z. B. die Banketthalle, reich vergoldet. Die Möbel stammen zum Teil aus Deutschland. Der Park ist reich an Kirschbäumen. -- Auf dem Platze gegenüber der Schloßbrücke Nijūbashi steht das 1900 errichtete Bronzestandbild des kaisertreuen Feldherrn _Kusunoki Masashige_ (gest. 1336). -- In der Nähe das 1910 errichtete Denkmal des Marquis Itō (berühmter Staatsmann und 1906 bis zu seiner Ermordung [1909] Generalgouverneur von Korea). In der Nähe die sehenswerte Regierungsdruckerei _Insatsu Kyoku_ (Pl. 12) und mehrere Ministerien. -- Nahe nördl. von der Nordbrücke, die zum Kaiserpalast führt, liegt der *_Shōkonshatempel_ (»Schrein zur Einladung der abgeschiedenen Geister«, auch _Yasu-kuni-jinja_, »Schrein des friedlichen Landes«, genannt) auf dem flachen _Kudanhügel_, ein 1869 erbauter Shintōtempel reinen Stils, in welchem die Manen der im Restaurationsjahr 1868, in der Saga-Unruhe 1874 und in der Satsuma-Rebellion 1877 auf kaiserlicher Seite Gefallenen, sowie der im chinesisch-japanischen (1894/95) und russisch-japanischen (1904/05) Feldzuge gebliebenen Krieger von Staats wegen verehrt werden; vor ihm ein riesiger bronzener Torii; hinter ihm ein schöner Park. Gleich r. vom Tempel liegt das Waffenmuseum, *_Yūshūkwan_ (geöffnet von 8-4 Uhr im Sommer, 9-3 Uhr im Winter, Eintritt 3 sen), mit sehenswerter Sammlung altjapanischer Waffen, besonders prächtiger Schwerter, Rüstungen, Schloßmodelle, und vielen Beutestücken aus dem chinesischen und dem russischen Kriege. Die den Rennplatz vor dem Tempel durchziehende Doppelreihe granitener Laternen wurde 1878 vom japanischen Adel gestiftet; hier steht auch die Bronzestatue des Patrioten Ōmura, das erste in Japan errichtete Denkmal (1892) dieser Art. Am Fuße des Hügels Kudanzaka steht der _Ontakeschrein_ (Pl. 11), in dem der Feuergang am 9. April und 17. Sept. ausgeführt wird. -- Nun über den äußern Graben zum _Hōhei Kōshō_ (Arsenal, Gewehrfabrik) im Koishikawa-Distrikt. Zutritt nur mit Erlaubnis der Militärbehörden. Zum Arsenal gehört der schönste Landschaftsgarten Tōkyōs, der *_Kōraku-en_, einst Besitztum des Fürsten von Mito, im 17. Jahrh. von einem chinesischen Literaten, der beim Zusammenbruch der Ming-Dynastie in Japan Zuflucht fand, angelegt. -- Nicht weit davon die _Jūjitsu_-Schule des Prof. Kanō; im N. des Distrikts der *_Botanische Garten_ (_Shokubutsu-en_) der kaiserl. Universität, ebenfalls ein alter Daimyōpark mit schönen Landschaftsbildern (täglich bis 4 Uhr geöffnet; Pflanzenverkauf).--Im äußersten NW. des Koishikawa-Distrikts liegt der Buddhatempel _Gokoku-ji_ mit Priesterseminar der Shingon-Sekte; der Hauptschatz des Tempels, ein ungeheures Kakemono von Kanō Yasunobu (Buddhas Eingang ins Nirvana), wird nur im April gezeigt. Dahinter die neuen Begräbnisplätze der kaiserlichen Familie (nicht zugänglich). -- Östl. vom Botanischen Garten im Hongōdistrikt die _kaiserliche Universität_ (_Teikoku Daigaku_), mit (Sept. 1909) 5699 Studenten, verteilt in sechs Fakultäten: Medizin, Rechts- und Staatswissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Mathematik und Naturwissenschaften, Philosophie, Geschichte, Literatur, Agrikultur (letztere hat ihre weit ausgedehnten Grundstücke in der Vorstadt Komaba). Vorlesungen in japanischer Sprache, die fremden Professoren und Lektoren dozieren aber in deutscher (deutsche Literatur und deutsches Recht), englischer und französischer Sprache; ebenda die Universitätskliniken. -- Nö. davon die Blumengärten von _Dango-zaka_ (große Chrysanthemenausstellung im November). Darstellungen aus der japanischen Geschichte mit lebensgroßen Puppen in Chrysanthemumkleidern). -- Von der Universität fährt man um den Lotosteich *_Shinobazu no Ike_ herum zum südlichen Haupteingang in den *=Uenopark=, beliebten Ausflugsort, besonders während der Kirschblüte; vor dem Hügel führt r. eine Treppe auf eine Anhöhe, von der schöne Aussicht nach dem Asakusatempel hin und über die Stadt; l. ein kleiner buddhistischer Kwannontempel. -- Dann zurück zum Hauptweg, der durch die berühmte *_Kirschenallee_ führt; l. liegt der Lotosteich, auf dessen kleiner Halbinsel ein Heiligenschrein der Göttin Benten. -- Etwas weiterhin das *_Seiyōken-Hotel und Speisehaus_ mit schönem Blick über den Teich und die Universitätsbauten. Dicht neben dem Speisehaus ist ein _Daibutsu_, ein Bronzebuddha von 6,5 m Höhe aus dem Jahre 1660. -- Weiterhin l. ein Tor mit Kugelspuren aus der Schlacht im Uenopark 1868; dahinter eine große Steinlaterne (eine der drei größten Japans) aus dem 17. Jahrh. -- In der schönen Kryptomerienallee eine alte Pagode und am Ende einer Reihe von Steinlaternen der den Manen des Ieyasu geweihte _Tōshōgū_-Schrein. Das prachtvolle, geschnitzte und vergoldete Tor davor ist 1890 restauriert worden; das gleiche soll mit dem Tempel geschehen. Der Hauptweg führt zum *=Ueno-Museum= (_Hakubutsukwan_), geöffnet 8-5 Uhr im Sommer, 9-4 Uhr im Winter, geschlossen 25. Dez. bis 4. Jan. und alle Montage; Eintritt 5 sen.

Im _=Eingang=_ Riesentrommel, Palankine etc.; r. naturhistorische Sammlung (Tosahähne mit 4,4 m langen Schwanzfedern!), darüber im _=1. Stock=_ schöne Kakemono und Wandschirme. -- L. vom Eingang _historische Sammlung_: 1. Zimmer: alte Handschriften und Drucke, Karten etc.; 2. Zimmer: Tempelgebrauchssachen (goldene _tokko_), auch sehr alte Handschriften und alte christliche Erinnerungen; 3. Zimmer: (Endraum) prähistorische Funde: Steinpfeilspitzen etc., Kupferglocken und -spiegel, Rüstungen, alte Topfwaren; im Nebenraum prähistorische _maga-tama_ und _kuda-tama_ (Schmucksachen). -- Im _=Treppenhaus=_ alte kaiserl. Staatskarren für Ochsengespann und Modell der _Tenchi Maru_ (Staatsbarke der Shōgune); im Mittelraum alte kaiserliche Gewänder, Thronhimmel; l. in Nebenräumen Kunstsammlung: Kakemono, Makimono, Fächer, Masken, Bilder und Zeichnungen, Lack-, Bronze- und Porzellankunstsachen (schöne Stücke!). -- Im Endraum Musikinstrumente, Zubehör für das Teezeremoniell und Spiele; dahinter Waffen, alte Büchsen, Miniaturpagoden (_Hachiman-tō_) u. a.

Der einzeln stehende schöne _=Neubau=_, l. vom Eingang, genannt _Hyōkei-kwan_, ist eine Stiftung des Volkes für den Kronprinzen zur Vermählung. Das _=Untergeschoß=_ enthält eine hochinteressante Sammlung japanischer, chinesischer und koreanischer Töpfereien, das Obergeschoß häufig gewechselte wertvolle Malereien, besonders Kakemono und Faltschirme.

Vom Museum führt r. ein Weg zur _Kunstschule_ (_Bijutsu Gakkō_), Eintritt nur auf Empfehlung gestattet. In der Nähe die staatliche _Musikschule_, die jährlich mehrmals größere europäische Konzerte veranstaltet, und an der auch europäische (meist deutsche) Musiklehrer wirken; eine _Volksbibliothek_ und _Lesehalle_ (Toshokwan) und die Gelehrtenakademie _Gakushi Kwai-in_ sowie ein kleiner _Zoologischer Garten_ (_Dōbuts-en_, Eintritt 4 sen). -- Von der Lesehalle führt r. eine Allee zu den _Shōgungräbern_ (_Go Reiya_): Haupttor geschlossen, l. führt eine Seitenpforte zum Priesterhaus, wo ein Priester gegen Spende in die prächtigen Tempelgebäude hineinführt, die reich an Malereien sind und hinter denen die Grabmäler von sechs Shōgunen der Tokugawafamilie (des 4., 5., 8., 10., 11. und 13. Shōguns) liegen. -- Im Uenopark auch der Basar _Shōhin Chinretsu-jō_, mehrere Hallen für moderne Kunstausstellungen sowie der buddhistische Tempel _Ryō Daishi_ (_Jigen-dō_). -- Östl. vom Uenobahnhof liegt die große Tempelanlage _Higashi Hongwanji_ (volkstümlich _Monzeki_) der buddhistischen Montosekte, 1657 erbaut, jetzt mit eisernem Netzwerk zum Schutz gegen Feuerbrandstücke aus der Umgebung; der Haupttempel ist innen und außen mit Schnitzereien reich geschmückt. -- Etwas nö. davon steht der große buddhistische Tempel _Sensōji_, meist *=Asakusa Kwannon= genannt; die goldene Statuette der Gnadengöttin Kwannon im Tempel wurde nach der Legende im 6. Jahrh. an der Sumidagawamündung aufgefischt (die Statuette wird nie gezeigt, sie soll nur 5 cm groß sein; eine größere neuere Nachbildung steht vor dem Hauptaltar und wird am 23. Dez. gezeigt. Der Tempel ist sehr volkstümlich, mehr »Wurstelprater« als Heiligtum, stets stark besucht: vor dem Tempel Buden mit tauchenden Meerjungfern, Ziege mit fünf Beinen, Akrobaten, Momentphotographen, dressierten Affen, Zweikampfspielen, dann Verkaufsbuden mit Taubenfutter (die Tauben sind zahm wie auf dem Markusplatz in Venedig), Quacksalbermedizinen, Zuckerzeug, Spielsachen, Eßwaren aller Art etc. (Vorzügliche Gelegenheit, das Volksleben zu beobachten.) So. Nm. und am 17. und 18. jedes Monats ist der Tempel am stärksten besucht. Vor dem zweistöckigen Tempeltor sind Figuren der Tempelwächter (Ni-ō) hinter Holzgittern; l. ist ein Fudōschrein, und davor ein Jizōschrein mit Gebetsrad (goshō-guruma) ähnlich den tibetanischen, doch im Gebrauch verschieden. Im Tempelhofe steht r. auf einer Anhöhe die _Asakusaglocke_, deren Ton die Gottheit anruft. In der Haupthalle des Tempels sind so viele Laternen, Fahnen, Götzenbilder, chinesische Trommeln, daß man im Hintergrunde kaum die Figur der Kwannon entdecken kann; der Zugang zu deren *Hochaltar ist gegen Spende durch einen der Bonzen zu erreichen; auf der Rückseite des Hochaltars (Ura Kwannon) sind schöne Wandgemälde (selten!) auf Lackgrund. In der Ecke r. im Haupttempel ist die berühmte sitzende Figur des Helfers und Heilers aller Kranken, des Gottes _Binzuru_ (als Verehrer des Weibes wird er meist außerhalb des Allerheiligsten aufgestellt).

L. von den Tempelgebäuden steht auf dem öffentlichen Platze, _Asakusa Kōenchi_, der zwölfstöckige, 67 m hohe Turm *_Ryō-un-kaku_ (Pl. D 2), im Volksmund _Jū-ni-kai_ (zwölf Stock) genannt, 1890 erbaut, von dem man großartige *Aussicht über die Stadt hat. -- Etwa 1/2 km nördl. liegt das weltbekannte *=Yoshiwara= mit ganzen Straßen von zwei- und dreistöckigen »Mädchenhäusern«, nach der Straße mit Gittern, hinter denen man die Huldinnen in den verschiedensten altjapanischen Kostümen bewundern kann (auch für Damen sehenswert!). In dem Stadtteil herrscht vorzügliche Ordnung und Polizeiaufsicht. _Yoshiwara_, d.h. »Schilfgefilde«, ist der individuelle Name nur dieses Freudenviertels (generelle Bezeichnung _yūkaku_) in Tōkyō. Im Frühjahr 1911 ist das ganze Yoshiwara ein Raub der Flammen geworden. Es ist zwar neu im Entstehen begriffen, wird aber nie wieder die alte Pracht erreichen.--Am l. Ufer des Sumidagawa, gegenüber von Asakusa Kwannon, läuft die berühmte *_Kirschbaumallee von Mukōjima_ etwa 2 km nordwärts; am Anfang der _Satake Yashikigarten_, ein Muster japanischer Landschaftsgärtnerei, ehemals einem Daimyō, jetzt der Dai Nihon-Bierbrauerei gehörig, ferner der »Garten der 100 Blumen« (sehenswert). Am Ende der Allee gutes europäisches Restaurant (_Kwagetsu Kwadan_); am Ufer des Flusses hübsche Teehäuser; dort Volksfest während der Kirschblüte.

Vom Shimbashi-Bahnhof führt eine lange, enge Straße, anfangs _Hikage-chō_, dann _Shimmei-mae_ genannt, mit vielen Läden, zum Haupttor (_Daimon_) des **=Shibaparks= (_Shiba Kōenchi_), an dem r. der _Kwankōba_, einer der besten Basare Tōkyōs (mit festen Preisen) liegt. Der Park hat prächtige uralte Kryptomerien und ist mit Bronze- und Steinlaternen geschmückt. Die sechs buddhistischen _Shibatempel_ rechnen zu den Hauptwerken der japanischen Kunst; sie enthalten die Grabdenkmäler von sechs Shōgunen aus dem Tokugawageschlecht, sind reich ausgestattet mit Schnitzereien, Seidenstickereien, Stoffmalereien und Lackkunstsachen, besonders in Goldlack. (Man widme den Vormittag eines schönen Tages der Besichtigung.) Die Todesjahre der hier begrabenen Shōgune sind 1632 (Shōgun Hidetada), 1713 (Ienobu), 1716 (Ietsugu), 1761 (Ieshige), 1853 (Ieyoshi) und 1866 (Iemochi). -- Unmittelbar gegenüber vom Basar (Kwankōba) liegt der Eingang zum Grabmal der Shōgune _Ietsugu_ und _Ieshige_; ein prächtiges Tor (_Ni-ten Mon_) führt in einen Hof mit von Daimyōs gestifteten Steinlaternen, am andern Ende ist das Tor der kaiserlichen Tafel (_Choku-gaku Mon_), mit Goldinschrift; Drachen umringeln das Tor, durch das man in den innern Tempelhof mit 212 Bronzelaternen gelangt, wo r. ein Glockenturm, l. eine Zisterne mit heiligem Wasser liegt. Ein drittes Tor (_O Kara Mon_) mit Galerien und einer Kolonnade schwarzer Pfeiler führt zum Tempeltor, das prächtige Schnitzereien (den auf- und absteigenden Drachen, _Nobori-ryū_ und _Kudari-ryū_ zeigt. Eintritt in die Tempelhalle (Schuhe ausziehen!) gegen Spende von 20 sen an den Wächter. Jede Halle ist dreiteilig: äußeres Oratorium (_Haiden_), Korridor (_Ai-no-ma_) und Allerheiligstes (_Honden_); alles reich in Gold und Farben. Der Altar besteht aus Goldlack und Bronze mit Figuren der Shōgune (die nie gezeigt werden) und Götterfiguren (Kwannon, Benten, Shi-Tennō). Überall als Ornament das Dreiblattwappen _Kamo-aoi_ der Tokugawafamilie. -- Dann gelangt man durch einen schönen Hof mit Bronzelaternen zu einer Steintreppe, die zu den pagodenähnlichen, einfachen Grabmälern führt. Die Särge sollen 6 m unter den Denkmälern liegen. -- Man verläßt diesen Tempel durch das Tor Chokugaku Mon, gelangt dann r. durch eine Reihe Steinlaternen wieder an ein prächtig geschnitztes Tor, hinter dem ein ähnlicher Tempel mit den Grabmälern der Shōgune _Ienobu_, _Ieyoshi_ und _Iemochi_ liegt (wer Zeit hat, besichtige auch diese Anlage, da sie noch prächtigern Kunstschmuck zeigt). -- Eine kleine Seitentür r. führt von da in den Hauptweg, in dem l. hinter dem alten großen Tore (_Sammon_) der =Zōjōjitempel= liegt; eine steile Treppe führt in den Oberstock des Tempels, worin Figuren von Shaka (= Buddha) mit Fugen und Monju in Gold, zu den Seiten buntfarbige Figuren der 16 Heiligen (Rakan) stehen. Die große Glocke r., Priesterwohnungen l. Die Haupthalle (Hondō) des Tempels ist leider am 3. März 1910 infolge fahrlässiger Brandstiftung darunter nächtigender Bettler ein Raub der Flammen geworden. -- Der kleine Tempel dahinter, _Gokoku-den_, enthält die vom Shōgun Leyasu hochverehrte »Schwarze Statue« (_Kuro-Honzon_) des Amida (Amitābha) von Eshin, eingeschlossen in Goldschrein. -- Aus der Zōjōjianlage gelangt man durch eine Tür r. zum Totentempel _Ten-ei-in_, mit prächtig vergoldetem Allerheiligsten, worin die Schreine der Gemahlinnen und einer Genossin der Shōgune stehen. -- Von diesem Tempel gelangt man zum *=Tempel des Shōgun Hidetada=, dessen Allerheiligstes mit feenhafter Pracht ausgeschmückt ist, ebenso wie die von Goldlack strotzende achteckige Halle *_Hakkaku-dō_, die das Grabmal Hidetadas enthält, in dessen Schrein aber nur ein Bild des Shōgun und seine Totentafel, während sein Leib unter dem Pflaster ruht. -- Kehrt man nun zum Hauptweg zurück, so gelangt man r. bald zu einem großen Tor, das zum _Tempel Ankoku-den_ führt, dessen Halle schöne Gemälde zeigt. Obwohl der Bauart nach buddhistisch, wird der Tempel als Shintōschrein betrachtet, was durch die _Gohei_ (Papierstreifen, shintōistisches Emblem) gekennzeichnet wird. Am 17. jedes Monats wird hier der Shōgun Ieyasu als Shintōgott Tōshōgū verehrt; dann wird sein hölzernes Bildnis gezeigt. -- Hinter dieser Tempelanlage erhebt sich der kleine Hügel *_Maruyama_, von dem schöne *Aussicht über die Tōkyōbucht. -- Neben der geschlossenen _Pagode_ am Abhang des Hügels steht das Standbild des Kartographen _Inō Chūkei_; von da geht man zum kleinen Tempel der Benten auf dem Inselchen des Lotosteiches und weiterhin zum *_Red Maple Club_ (_Kōyō-kwan_), ein japanisches Teehaus und Restaurant, bekannt durch vorzügliches japanisches Essen und schöne Tanzaufführungen (auf Bestellung _Kōyō-odori_ »Rotahorntanz«, 10-35 Yen). Auch der Shibapark ist am schönsten während der Kirschblüte. -- Nicht weit vom Maple Club liegt der kleine Hügel *_Atagoyama_, zu dem eine steile »Männertreppe« (_Otoko-zaka_) und eine bequeme »Frauentreppe« (_Onna-zaka_) hinaufführen; oben steht das europäische _Atago-Hotel_ (Tōkyō-Hotel) und ein *Aussichtsturm, von dem man den Fuji, das Hakonegebirge und die Tōkyōbucht überblickt. -- In der Nähe liegt _Ōkura's Kunstmuseum_, das bedeutendste Privatmuseum Japans (Erlaubnis zum Eintritt erbitten). -- Etwa 2 km südl. vom Red Maple Club, halbwegs nach Shinagawa hin, liegen auf dem Friedhof des buddhistischen Tempels _Sengakuji_ die _Gräber der 47 tapfern Rōnin_ (_Shi-jū-sh'chi Shi_), Nationalhelden Japans, die in echter Vasallentreue den Tod ihres Herrn rächten und dann das Todesurteil des Shōgun -- Harakiri (Bauchaufschlitzen) -- vor dem Grabe ihres Herrn im Jahre 1701 an sich vollzogen. Alljährlich wandern noch heute Tausende zu den Gräbern und ehren die Helden durch Verbrennen von Weihrauch und Abgabe ihrer Visitenkarten. Innerhalb des Tempeltors werden die Schwerter und Rüstungen der Rōnin gezeigt; die Gräber liegen an der r. Seite eines kleinen viereckigen Hofs. Im westl. Teil der Stadt liegt der ganz in europäischem Stil gebaute und ausgestattete _Akasakapalast_, die Residenz des Kronprinzen. In dem sich daran anschließenden herrlichen Landschaftsgarten wird im November, der Zeit der Kikublüte und des roten Ahorns, das kaiserliche Chrysanthemum-Gartenfest abgehalten. Daneben liegt der _Aoyamapalast_. -- Weiter hinaus gegen W. gelangt man zum großen Paradeplatz (_Aoyama Rempeijō_) und den weitausgedehnten Aoyamafriedhöfen.

Man versäume nicht, durch die Hauptgeschäftsstraße _Ginza_ zu fahren, die etwas nördl. vom Shimbashi-Bahnhof bis zur Brücke _Kyōbashi_ führt, und durch ähnliche breite Straßen über die neugebaute massive _Nihombashi_ (r. davon die _Yedobashi_, woselbst das Hauptpostamt) zur _Suda-chō_ (wichtiger Kreuzungspunkt der elektrischen Bahnen) und weiter bis zum _Uenopark_ und Uenobahnhof fortgesetzt wird; die Geschäftsstraße _Naka-dōri_ mit vielen Altläden läuft der Fortsetzung der Ginza parallel. In der Nähe das _Handelsmuseum_ des Handels- und Ackerbauministeriums (Kōbiki-chō; geöffnet vom 8. Jan. bis 24. Dez., außer an Tagen nach nationalen Festtagen, von 9-4 Uhr, 10. Juli bis 10. Sept. von 8-2 Uhr; Eintritt frei). Morgens ist auch der Fischmarkt in _Nihombashi_ (Pl. 9) sehenswert; von da östl. gelangt man zur größten Brücke Tōkyōs, _Ryōgokubashi_, die über den Sumidagawa zum buddhistischen Tempel _Ekō-in_ führt; hier das Amphitheater _Kokugi-kwan_, wo im Januar und Mai große Ringwettkämpfe stattfinden. Etwa 1,5 km nördl. davon liegt der Shintōtempel _Kameido_ (ein _Temman-gū_, d. h. Schrein des vergöttlichten Sugawara-no-Michizane) mit sehr schönem Park, besonders sehenswert Ende April, wenn die Glyzinien (Wistarias, japanisch _Fuji_) blühen; im Teich werden Karpfen und Schildkröten gefüttert. In der Nähe der Pflaumengarten von Kameido (_Ume-yashiki_), Anfang März viel besucht. Nicht weit davon beginnt die Kirschenallee von Mukōjima (S. 400).--Von der Azumabrücke stromaufwärts erreicht man mit Rikscha in 40 Min. _Horikiri_, sehenswert zur Zeit der Irisblüte. -- Bei _Ōji_ (zweite Station vom Uenobahnhof, 15 Min. Fahrt) der _Taki-no-gawa_ mit herrlichen roten Ahornbäumen (November). -- Im W. von Tōkyō: _Ōkubo_ (30 Min. mit Bahn von Iidamachi-Station) zur Zeit der Azaleenblüte; _Koganei_ (1-1/2 St. von Iidamachi-Station), herrliche Kirschblütenalleen, etwa eine Woche später als Uenopark zu besuchen. -- Im SW. _Meguro_ (an der Ringbahn) mit Fudōtempei, angenehm im Sommer. -- Im S. _Ōmori_, zweite Bahnstation von Shimbashi, 15 Min., mit bekanntem Pflaumengarten, _Hakkei-en_, von wo schöne Aussicht über die Tōkyōbucht; von da etwa 1,5 km nach _Ikegami_, einem der schönsten Punkte in der Umgebung Tōkyōs. Im Kloster Hommon-ji daselbst starb 1282 der buddhistische Heilige Nichiren; großes Volksfest zu Ehren des Heiligen am 12. und 13. Okt. (Teehäuser _Tamba-ya_ und _Akebono-rō_). -- Wer buddhistisches Leben näher kennen lernen will, mache einen Ausflug nach =Narita= (etwa 2-1/2 St. mit der Sōbubahn vom Bahnhof Ryōgoku-bashi) zum Fudōtempei _Shinshōji_ (Gasthof _Wakamatsu-ya_).

Von Tōkyō nach Nikko.

=Eisenbahn=, Abfahrt mit der Nordbahn (_Nippon Tetsudō_) vom Uenobahnhof, Fahrpreis I. 3,40 Yen, II. 2,04 Yen, Fahrzeit etwa 5 St. L. sitzen! -- Man fährt über (10 km) _Akabane_, hier Anschluß der Ringbahn für Reisende, die, von Yokohama kommend, in Shinagawa in die Ringbahn (Suburban Railway) umgestiegen sind. Die Bahn folgt meist der alten Landstraße _Ōshu Kaidō_, deren alte Kiefern- und Zedernalleen man vom Zuge aus sieht; l. der Fuji, r. der stets dampfende Asama. Über (20 km) _Urawa_ und (27 km) _Ōmiya_ (Gasthof _Takashimaya Banshorō_, Ōmyia machi), mit schönem Shintōtempel Hikawa Jinja, gelangt man nach (54 km) _Kurihashi_, wo eine schöne eiserne Brücke über den _Tonegawa_ führt. Dann über (61 km) _Koga_, einem alten Daimyōsitz, nach (77 km) =Oyama= (_Gasthof Izukura_; Zweigbahnen nach Maebashi, S. 408, und nach Mito); und über (92 km) _Ishibashi_ nach (106 km) =Utsunomiya= (_Gasthof Shirokiya_), alter Daimyōstadt mit großem Shintōtempel _Nikkō Daimyōjin_. Hier _=umsteigen=_ (im Sommer auch ein durchgehender Zug) in die Zweigbahn nach Nikkō, die über (112 km) _Togami_ und (120 km) _Kanuma_, dann mit Blick auf die Gebirge von Nikkō meist längs der alten Kaiserstraße _Reiheishi Kaidō_ über (129 km) _Fubasami_, bergauf über (140 km) _Imaichi_ nach (146 km) _Hachiishi_, dem Bahnhof von _Nikkō_ führt.

Nikkō.

Vgl. den Plan S. 405.

=Ankunft.= Vom Bahnhof fährt man mit Rikscha durch das lange Dorf _Hachiishi_ bergauf in etwa 20 Min. durch herrliche Baumalleen und die mit Läden dicht besetzte Dorfstraße, dann über den rauschenden Bergstrom Dayagawa, über den zwei Brücken führen, von denen aber die rote _Mihashibrücke_ nur vom Kaiser benutzt werden darf, 4 km bis zum Fuße des Tempelbergs, wo das Nikkō Hotel liegt.

=Gasthöfe=: _Kanaya Hotel_, 15 Min. vom Bahnhof, in prächtiger Lage, vortrefflich, gute Küche; 80 Z., F. 1, Lunch 1,50, Dinn. 2, Supp. 1,25, Pens. von 6 Yen an; heiße und kalte Bäder, Telephon Nr. 1. -- _Nikkō Hotel_, 20 Min. vom Bahnhof, am Fuß der Tempel in schöner Lage, gelobt; 57 Z., Pens. von 4,50 Yen an; Tel.-Adr.: »Arai Nikkō«. -- Japanische Gasthöfe: _Konishiya_; _Kamiyama_.

=Rikschas= und für die Bergwege Sänften (kago), Tragstühle (Chairs) und Reitpferde nach fester Taxe zu haben. -- =Führer= in den Hotels zu haben, tägl. 2 Yen, für Ausflüge 2,50 Yen; sie besorgen die Einlaßkarten für die Tempel (Eintritt 80 sen). Mitglieder des _Hokō-kwai_ (Nikkō Preservation Society, 5 Yen Jahresbeitrag) haben stets freien Zutritt zu allen Tempeln. Die Grabdenkmäler der Shōgune sind von 8-4 Uhr offen, man muß beim Betreten der Hallen die Schuhe ausziehen. -- =Tempelfeste= am 17. April, 1. und 2. Juni und 17. Sept.

=Geschäftsadressen=: Kunstsachen (Spezialität: Aquarellmalereien, Tischdecken, Landschaften etc.): _Kobayashi Sasaya_, Kobayashi Shōichiro, bei der roten Kaiserbrücke; _Otake_, Shōbikwan. Viele Läden mit Photos, Holzschnitzereien, Gemälden und Fellen.

=Nikkō= (610 m), Stadt mit 3500 Einw. in der Provinz Shimotsuke, ist ein berühmter Wallfahrtsort mit herrlichen Tempeln in reizender, vielbesuchter Umgebung am Abhänge des vulkanischen Gebirges _Nikkōzan_ (Berge des Sonnenglanzes) oder Nikkogebirges, am Fuße des erloschenen Vulkans Nantaisan. Die Tempelstadt stammt aus dem 8. Jahrh. und wurde vom 2. Shōgun der Tokugawafamilie zur Grabstätte seines berühmten Vaters _Ieyasu_ (gest. 1616) gewählt; 1651 wurde hier noch der 3. Shōgun, _Iemitsu_, begraben. Nikkō ist beliebter Sommeraufenthalt und zeigt Anfang November prächtige Laubfärbung der Ahornbäume. Ein japanisches Sprichwort sagt: Brauche nicht das Wort großartig, bevor Du Nikkō gesehen! (»Nikkō wo minai uchi wa, kekkō to iu na!«).

_=Rundgang.=_ Man besucht zuerst den Palast (_Hombō_) des Abtes, meist =Mangwanji= (auch _Rinnōji_) genannt; l. an der Allee der Westseite dieser Anlage steht ein kleiner Palast _Chōyōkwan_, Sommeraufenthalt der kaiserlichen Prinzessinnen Tsune-no-Miya und Kaneno-Miya. In der Mangwanjianlage steht die »Halle der drei Buddhas« (_Sambutsu-dō_) mit großen vergoldeten Figuren des Lichtgottes Amida in der Mitte, r. die 1000händige Kwannon und l. die pferdeköpfige Kwannon. Dahinter im Landschaftsgarten die kupferne Pfeilersäule *_Sōrintō_, 1643 gegen den Einfluß böser Geister errichtet. Breite Stufen führen zu dem 1618 vom Daimyō von Chikuzen gestifteten granitenen Torii und zum *=Ieyasutempel=, vor dem l. eine 31 m hohe, fünfstöckige Pagode steht.

Durch das Tor _Ni-ō-mon_ (die buddhistischen Ni-ō sind aber durch die shintōistischen Ama-inu und Koma-inu ersetzt worden) gelangt man in den Tempelhof; oben am Tore sieht man das Fabeltier _Baku_, das gegen böse Träume schützt, und andre Tierschnitzereien: Löwen, Einhörner, _Takujū_ (sprachbegabte Fabeltiere, die nur in der Ära tugendhafter Fürsten erscheinen sollen), Elefantenköpfe, Tapire, Tiger etc. Im Hof stehen Vorratshäuser für Festgerät und Tempelschätze. L. vom Tor eine große Kōyamakikonifere, die Ieyasu als kleine Topfpflanze gepflegt und auch auf Reisen stets bei sich getragen haben soll. Daneben der Stall für den heiligen Schimmel, dessen Tor die Affenschnitzerei (_Sambiki-saru_) zeigt. Sehr schön ist das Weihwasserbecken (_On Chōzuya_) aus einem Granitstück mit Drachendachschmuck. Dahinter steht eine Archivhalle, _Kyōzō_ (_Warai-dō_), mit buddhistischen Schriften in prächtigen Rotlackbüchergestellen. Im Innern Engelsbilder. Mitten im Hof ein bronzenes Torii mit dem Tokugawawappen in Gold. Treppenstufen führen zum zweiten Hof, in dem zwei Steinlöwen, ein Glockenturm und eine Glocke sowie Bronzelaternen aus Korea, ein holländischer Kandelaber und ein Trommelturm stehen. -- Am Ende l. steht der _Yakushitempel_, der innen sehr farbenprächtig ist. Von hier führen Treppenstufen zu dem prächtigen Tore _Yōmeimon_, von dem ein Pfeiler absichtlich, um den Neid der Götter zu meiden, fehlerhaft geformt ist; er heißt _Ma-yoke no Hashira_ (Böses abhaltender Pfeiler). Verschiedene Säulenkapitelle und Architrave zeigen Einhorn- und Drachenköpfe, das Balkongeländer zeigt spielende Kinder (_Karako-asobi_). Durch dieses Tor gelangt man in den Festhof, in dem l. die Halle zur Aufbewahrung der schweren Palankine, worin die Geister von Ieyasu, Hideyoshi und Yoritomo bei Prozessionen umhergetragen werden; daneben ist eine Reliquienausstellung; r. hat man die Bühne für den heiligen _Kaguratanz_ (vgl. S. 368), der sehr sehenswert ist und gegen Geldopfer von der Priesterin ausgeführt wird.

Einige Stufen führen durch das Chinesische Tor (_Kara-mon_) zum Vortempel (_Haiden_; Schuhe ausziehen!) mit Shintōgerät, Gohei und rundem Spiegel, und von da durch prächtige Korridore zum _Honden_ (Allerheiligsten), dessen Seitenkapellen aber geschlossen sind. Zu *=Ieyasus Grabmal= gelangt man vom Kara-mon und an der Kagura-dō (Tanzbühne) vorbei an ein Tor an der Ostseite mit der berühmten Schnitzerei von Hidari Jingorō, »die schlafende Katze« (_Nemuri no Neko_); dann führt eine lange Steintreppe von etwa 200 Stufen zu dem Hügelgrab. Das Grabmal ist sehr einfach, ein hellfarbiger Bronzeguß, der einer kleinen Pagode ähnelt. Davor steht ein niedriger Steintisch, worauf ein riesiger bronzener Storch steht, der im Schnabel einen Messingleuchter trägt; daneben ein Rauchopferanzünder und eine Vase aus Bronze, mit Lotosblüten und Blättern geziert. -- Nachdem man das Mausoleum des Ieyasu wieder verlassen hat, wendet man sich r. und gelangt durch die Allee und einen Torii zum Shintōtempel =Futaara Jinja=, begründet 782 und dem Friedensgott Ōnamuji geweiht, in dessen _Honden_ alte Schwerter, Lacksachen, Magatama (S. 399), Kostüme etc. zu sehen sind. In einer Ecke des Tempelhofs steht die Bronzelaterne _Bakemono Tōrō_, 1292 geschenkt, die nachts öfters Teufelsgestalt annahm, bis ein tapferer Krieger ihr den noch sichtbaren Schwerthieb über den Deckel gab. -- Nach l. hinabsteigend, erreicht man zwei rotlackierte buddhistische Tempel (_Futatsu-dō_), durch gedeckte Galerie verbunden, deren größerer Amida geweiht ist. Innen viele buddhistische Bildnisse sowie die Gebeine von Yoritomo (daher der Tempel auch _Yoritomo-dō_ heißt); ein zweites Grab von Yoritomo ist aber in Kamakura (S. 391). -- Durch die Galerie gelangt man in eine Allee, die zum Grabe des Abtes _Jigen Daishi_ (auch _Tenkai Daisōjō_ genannt) führt, das indische Stupaform hat und von lebensgroßen Steingötzen bewacht wird; l. davon führt eine Treppe zu den einfachen Gräbern der 13 Prinzäbte von Nikkō. -- R. vor der großen Steintreppe liegt das Priesterhaus _Ryūkō-in_, dessen erstes Tor, ein _Ni-ō-mon_ (mit zwei Paaren Ni-ō, das eine Paar aus dem obenerwähnten Ni-ō-mon des Ieyasu-Tempels hierher versetzt) zum =Grabmal des Iemitsu= führt, vorbei an einem granitenen Wasserbecken mit Drachendach, dann eine Steintreppe hinauf zum Tore _Niten-mon_; drei Treppen höher liegt das Teufelstor _Yasha-mon_, dahinter der Grabtempel, von dem r. eine Treppe auf den Grabhügel führt. Das Grabmal ist aus Bronze, ähnlich dem des Ieyasu; die Bronzetore tragen Sanskritinschriften.

Die _=Umgebung=_ von Nikkō ist reich an schönen Spazierwegen, für die meist Führer nicht erforderlich sind.

=Ausflüge=: 1) Zum *=Chūzenjisee=, der beliebteste Ausflug, im Mai und Oktober besonders schön; zu Fuß 4-1/2-5 St. (zurück 2-1/2-3 St.), zu Pferde (2-1/2 Yen) oder in Rikscha (3 Kulis 3-1/2 Yen), mit Sänfte (4 Kulis 4 Yen) in 3-1/2 St. Unterwegs mehrere Teehäuser zum Rasten. Diesen Ausflug (am 4. Okt. 1904) beschreibt _Karl, Prinz von Hohenzollern_: »In der erquickenden Morgenkühle schritten wir rüstig einher auf gutem Sträßchen, l. den schäumenden Dayagawa und bewaldete Höhen, r. schroffere Hänge, von bewaldeten Schluchten durchzogen. Das Sträßchen führt 1-1/2 St. in mäßiger Steigung aufwärts bis zum ersten Teehaus (_Misawa_). Nun verengt sich die Schlucht, und an Stelle der grünen Hänge treten schroffe Abhänge und Felswände, von denen Wasserfälle ihre Sprühregen erfrischend herabsenden. Die Steigung wird größer, und bei einer Biegung haben wir zum erstenmal den Blick auf die kupferrot bis violett gefärbten Flanken des 2483 m hohen _Nantaizan_. Wir verlassen den über kleinere Felsabsätze sich donnernd überstürzenden Dayagawa und biegen in die trümmererfüllte Schlucht des _Hannyabaches_ ein; eine starke und kurze Steigung, und wir stehen senkrecht 60 m über dem Hannya auf der Felsterrasse des zweiten Teehauses (_Naka no Chaya_). Worte können den herrlichen Blick, der sich dem Auge bietet, schwer schildern; er ist lieblich, ernst und großartig zugleich. Nach N. blicken wir in zwei Felsschluchten, deren Bäche sich uns zu Füßen vereinigen. Die eine zerreißt die Hänge des 1560 m hohen, in scharfem Horn endenden _Tanzaiyama_, der oben eine Rasenkappe trägt; in dieser stürzt der Hannyabach 40 m über eine senkrechte Wand, den _Hannyadaki_ (Wasserfall) bildend; 300 m l. davon, durch bewaldeten Rücken getrennt, hat sich der _Hodobach_ eine noch großartigere Schlucht in die Felsflanken des Nantaizan gegraben, in der er vor seiner Vereinigung mit dem Hannyabach den wasserreichen, sehr hübschen _Hododaki_ bildet. Im W. rauschte mehr als 100 m unter uns der Dayagawa in seiner Felsschlucht. Auf ordentlich gehaltenen Wegen geht es mäßig steigend durch schönen Wald, Tannen und Bergahorn, aufwärts an den Ausläufern des Nantaizan empor, bis wir in 1 St. das dritte Teehaus erreichen. Der Blick in die Dayagawaschlucht ist großartig; fast 600 m unter uns sieht man den Fluß wie eine milchige Masse zwischen finstern Tannen und Felswänden hindurchrasen, und der Steilabsturz des Tanzaiyama scheint ihm den weitern Weg versperren zu wollen. Doch aufwärts! Nach 100 m weitern Steigens befinden wir uns auf einem Sattel, und dumpfes Donnern schlägt an unser Ohr. In lichtem Walde schreiten wir fast eben rüstig vorwärts und biegen (l.) auf einen Fußpfad ab, der sehr steil uns auf eine mit Geländer versicherte Felskanzel führt. Wir stehen vor einem herrlichen Schauspiel. Vor uns stürzt in einem gewaltigen Sprunge (80 m tief) der Dayagawa als Ausfluß des Chūzenjisees in einen Felskessel. _Kegon-no-taki_ heißt dieser herrliche Wasserfall. Noch 1/4 St. haben wir zu gehen, und wir stehen am blauen Spiegel des Sees von Chūzenji.«

=Chūzenji= (_Lake Side Hotel_, gute europ. Küche, Mitt. 1-1/2 Yen, Pens. von 5 Yen an, Privattelephon zum Kanaya Hotel in Nikkō; jap. Gasthof _Komeya_; europ. Boote auf dem See tägl. 2 Yen, 1 St. 50 sen; jap. Boote stündl. 40 sen), Ort am gleichnamigen See, 1316 m ü. M., eingebettet zwischen Bergen von 1600-2483 m Höhe, beliebte Sommerfrische für Europäer, im Juli und August von etwa 10000 buddhistischen Pilgern besucht, die den erloschenen Vulkan =Nantaizan= (2483 m) besteigen. Der Aufstieg führt durch das Tempeltor am Ende des Dorfes (den Japanerinnen ist der heilige Berg verboten!), ist sehr steil und erfordert 3 St., oben besonders bei Sonnenaufgang wundervolle Aussicht. Man beginne mit Laternen zu steigen und nehme Strohsandalen unter die Stiefel! Bei klarem Wetter kann man den Fuji sehen.

Ausflug zum =Yumotosee=, von Chūzenji mit Rikscha (2 Mann, 2 Yen) in 2 St. oder zunächst in 1 St. im Boot über den 6 km langen und 2,5 km breiten malerischen =Chūizenjisee= nach _Shōbu-no-Hama_, von da zu Fuß in 10 Min. zum Drachenkopfwasserfall (_Ryūzu-ga-taki_) und quer durch die große Schlachtfeldheide (_Senjō-ga-hara_), auf dem 1389 die Ashikaga-Shōgune gegen die südliche Mikadodynastie kämpften, eine von Wäldern eingefaßte Einöde, in 1-1/2 St. vorbei am »heißen« Wasserfall _Yu-no-taki_ zum schönen

=Yumotosee=, an dessen Nordende das Dorf =Yumoto= (1520 m; _Namma Hotel_, europ., Pens. 3,50-5 Yen, und andre japanische), mit zehn heißen Schwefelquellen, alles öffentliche Bäder. -- Von Yumoto Aufstieg zum (1889 noch tätigen) Vulkan =Shiranesan= (2680 m), in 4-1/2 St. mit Führer, sehr steil und beschwerlich; 1 voller Tag erforderlich zur Besteigung, da die Gipfelbesichtigung Zeit fordert; Lebensmittel und Wasser mitnehmen! -- Von Yumoto kann man auch bequemer als von Chūzenji in 4-1/2 St. auf den Gipfel des _Nantaizan_ (S. 407) gelangen, doch nur mit Führer.

Der Rückweg von Chūzenji nach Nikkō dauert kaum 2-1/2 St.

2) Zum =Kirifuri-no-taki=. Von der roten Kaiserbrücke _Mihashi_ steigt man zunächst am r. Ufer des Dayagawa bis zu dem Stromwirbel _Gamman-ga-fuchi_, wo an schroffer Felswand das Sanskritwort _Hâmmam_ steht; in der Nähe mehrere luftige Teehäuser und 40 Amidafiguren in einer Reihe; von da zurück zur nächsten Brücke und durch den zierlichen Landschaftsgarten _Dainichi-dō_ um den Fuß des Hügels _Toyama_ (Aufstieg in 3/4 St., oben prächtige *Aussicht) herum in 1-1/4 St. zum fast 100 m hohen Staubnebelwasserfall _Kiri-furi-no-taki_. Vom Teehaus auf dem Hügel über dem Wasserfall schöner Blick auf den Fall und von dem Felsblock über dem Teehaus großartige *Aussicht; ein rauher, steiler Pfad führt zum Fuße des Wasserfalls.

3) Die Besteigung des =Nyohō-zan= (2470 m) erfordert von Nikkō aus einen vollen Tag, sehr früher Aufbruch nötig; der bequemste Weg führt über den _Fujimi-tōge_; man kann bis zu den Torii am Berghang reiten (Träger für Mundvorrat und Wasser etc. mitnehmen, Strohsandalen, warme Decken). Von Nikkō führt der Weg bis zum ersten Hause r. unterhalb _Urami_ und ist dann auf 6 km Strecke sehr schlecht (im Dunkeln nicht zu machen), dann mehrere Kilometer durch Wald, der 2 km vom Fuße des Nyohō-zan zauberhaft schön wird. Nach 3 St. erreicht man die Torii, dann windet sich der Pilgerpfad meist unter dem Schatten schöner Bäume in 2-1/2 St. zum Gipfel des Nyohō-zan, auf dem ein Schrein des Gottes Onamuji steht. Prächtige *Aussicht über das Gebirge. Abstieg in 3 St. -- Ein andrer Weg führt von Nikkō über die »Sieben Wasserfälle« (_Nana-taki_), er ist beschwerlicher, aber noch schöner, erfordert 5-1/2 St. Zeit zum Aufstieg. (Nur bis Nana-taki und zurück kann der Weg in 5-6 St. gemacht werden.) Zur Besteigung auf jedem der beiden Wege ist ein zuverlässiger Führer erforderlich.

Von Nikkō nach Ashio, Ikao, Haruna, Myōgi und Karuizawa.

A. Entweder auf der _=Eisenbahn=_ (in etwa 6 St.) von Nikkō über _Utsunomiya_, nach (69 km) _Oyama_ (S. 403), dort umsteigen in den Zug der Ryōmōlinie nach (151 km) =Maebashi= (Gasthof _Shiroiya_; europ. Speisehaus _Akagi-tei_), wichtige Handelsstadt für Rohseide mit 34000 Einw., am l. Ufer des _Tonegawa_, alter Daimyōsitz. -- Von hier mit _=Rikscha=_ in 15 Min. bis zum Endpunkt der _=Straßenbahn=_ (die auf Vorausbestellung bei der »Basha Tetsudō Kwaisha« auch Wagen am Bahnhof bereitstellt), dann mit dieser in etwa 1-1/2 St. bis _Shibukawa_, von da in 2 St. mit _=Rikscha=_ (2 Kulis) bergauf nach _Ikao_ (s. unten).

B. Oder _zu Fuß_ frühmorgens (mit Gepäckträger als Führer) von Nikkō in 2 Tagen (67 km Fußmarsch) sw. längs des Abfalls des Nikkōgebirges durch das Tal des Watarasegawa; am 1. Tag auf schlechten Wegen über den (13 km) _Hosootōge_ mit 1250 m Paßhöhe. Beim Dorfe _Miko-uchi_ folge man der l. abbiegenden Bergwerksbahn, weil deren Weg meist besser sein soll; man erreicht gegen Mittag (30 km) =Ashio= (700 m; _Hotel Chōwakwan_, 24 Z., Pens. 4-7 Yen, europ. Küche), Ort mit berühmtem Kupferbergwerk, in einem tiefen Tal. Die drei Bergwerke sind: _Honzan_, das größte, nördl. von Ashio; _Kotaki_ westl. und _Tsudo_ dicht beim Gasthof. Der Betrieb ist lebhaft und modern, in Privatbesitz (_Furukawa & Co._, Tōkyō) und sehenswert. Man übernachte in Ashio nach Besichtigung des nächsten Bergwerks.

Wenn man 1 Tag länger in Ashio bleiben kann, besteige man den =Kōshin-zan=, dessen Klippen etwa 10 km nw. von Ashio, bei _Bessho_, 1370 m ü. M., sehr sehenswert sind. Von _Mi-harashi_ schöner Blick in die Tiefe. Die Klippen tragen Namen: _Sanjū-sangen_ sind der Kwannon geweihte Abhänge; _Kinoko-seki_, die Pilzklippe; _Yagura-seki_, die Mauertürme; (_Urami-ga-taki_, ein Wasserfall); _Goshiki no seki_, die Fünffarbenklippe etc. Auf dem Gipfel _Oku-no-in_ (1660 m) sind 3 Höhlen mit Heiligenschreinen. Abstieg von da in 2-1/2 St. Nur Schwindelfreie können den anstrengenden Weg, der oft an Abgründen vorbeiführt, machen.

Von Ashio frühmorgens Wanderung durch das romantische Tal des _Watarase-gawa_ abwärts über (40 km) _Sōri_ (Gasthof) nach (49 km) _Gōdo_ (Gasthof Tamaya, Mittagessen). Nm. weiter über (53 km) _Hanawa_ (Gasthof) nach (67 km) =Ōmama= (_Hotel Hayashi-rō_, am Bahnhof; _Toyoda-kwan_, in der Stadt), einer langgestreckten Stadt am Fuße des Akagisan. -- Von hier mit _=Eisenbahn=_ (25 km) in 3/4 St. nach (92 km) _Maebashi_ (S. 408); von da mit Rikscha, wie oben beschrieben, nach.

=Ikao= (_Ikao Hotel_, europ.; _Budayu_; _Ishizaka_, europ. Küche, u. a., jap.; gutes Teehaus), kleiner Bergstadt am NO.-Abhang des Harunasan, 760-826 m ü. M. Die malerische Hauptstraße besteht aus Treppenstufen; westl. hinter den Häusern liegt der steile Abhang _Yusawa_, wo ein Gießbach schäumt. Ikao ist beliebte Sommerfrische, reich an schönen Aussichten auf das Nikkōgebirge und das Tal des Tonegawa und besitzt heiße, eisenhaltige Quellen von 45° C. Spaziergänge in prächtiger Gegend nach _Yumoto_ (1/4 St.); auf den _Kompirasan_ (1/4 St.); nach _Mushi-yu_ (3/4 St.); über (1/4 St.) _Nanae-no-taki_ (siebenfacher Wasserfall) zum (1 St.) _Benten-daki_; nach _Mizusawa no Kwannon_ (3/4 St.).

Von Ikao steil bergauf 7 km zum =*Harunasee= (etwa 1000 m), einem Kratersee zwischen Felswänden mit vorzüglichen Lachsen. Am Südufer entlang (gutes Teehaus, wo man übernachten kann) und l. 1/2 km hinauf gelangt man zum _Tenjin-tōge_, einer Paßhöhe von etwa 1100 m mit schöner *Aussicht, wo ein kleines Teehaus _Haruna_ liegt. 4 km steil abwärts steht in prächtigem Wald in freundlichem, idyllischem Tal der kleine =*Tempel von Haruna= mit kunstvollen Holzschnitzereien.

Etwas unterhalb des Tempels ragt die merkwürdig geformte Klippe _Kurakake-iwa_, auf; einige Minuten weiter liegt das Dörfchen, wo die Frauen und Kinder der Priester wohnen. -- Nun bergab auf schönem Wege über _Sannokura_ nach (32 km von Ikao) _Matsuida_ (Bahnhof der Karuizawabahn); von da mit Rikscha etwa 4 km in das kleine Dorf =Myōgi= (Gasthöfe: _Hishiya_, 25 Z., Pens. 1-3 Yen), in prächtiger Felsengegend am Fuße steiler, bewaldeter Bergzacken; über dem Dorfe nahe dem Gasthof eine alte malerische _Tempelanlage_ aus dem 10. Jahrh.; von der Haupthalle führt eine Steintreppe zum _Oku-no-in_ (Allerheiligsten). Von da steigt der Fels steil an.

Tüchtige Felskletterer können mit zuverlässigem Führer (aus Myōgi) und Strohsandalen nebst Bergstock zu dem an langer Stange befestigten Buchstaben (chines. dai = groß), der wie A aussieht, hinaufklettern, der auf dem Bergzacken =Haku-un-zan= (Gipfel _Myōgi Jinja Chōjō_ genannt) aus Bambusstangen aufgerichtet ist. Die Kletterei ist gefährlich und ohne Anseilen nicht anzuraten; man braucht gut 2-1/2 St. bis zum Gipfel und muß lange Strecken von Baum zu Baum hochklettern; zuletzt ist ein enger Kamin zu überwinden. Auf der Haku-un-zan-Spitze prachtvolle *Aussicht über Berge und Wälder des _Myōgi-san_ bis nach Haruna. Der Abstieg ist schwieriger als der Aufstieg. -- Weniger gefährlich ist der Aufstieg zum =Daikoku-san=, 2-1/2 St. von Myōgi (Führer nötig), und zum =Kinkei-san=, ungefährlich, erst 1 St. eben nach dem Dorfe _Sugawara_, dann 1-1/2 St. steiler Aufstieg.

Rückweg von Myōgi nach _Matsuida_, von da mit der Bahn über (6 km) _Yokokawa_ nach (19 km) =Karuizawa= (_Mikaza Hotel_, _Karuizawa Hotel_, _Mampei Hotel_, _Auston Hotel_, sämtl. Pens. 3-9 Yen), Dorf und beliebte Sommerfrische für Europäer aus Yokohama und Tōkyō auf einer Hochebene 1150 m ü. M.; im Sommer Klubs, Konzerte, Bälle. Von hier sehr lohnende, aber anstrengende Besteigung des höchsten aktiven japanischen Vulkans, des =*Asama-yama= (Führer erforderlich); man reitet in 2-1/2 St. (Pferd mit europ. Sattel 3 Yen) zum Fuße (18 km); in _Oiwake_, etwa 10 km unter dem Krater, ist im Sommer Unterkunftsstation im Betrieb; das Donnern des Lavastroms wird als großartig geschildert. Zurück mit der Bahn über (25 km) _Takasaki_ (Gasthof am Bahnhof), eine blühende Gewerbestadt am Karasugawa, alter Daimyōsitz, und (96 km) _Ōmiya_ (S. 403) nach (125 km) _Tōkyō_ (S. 393) und von da zurück nach _Yokohama_ (S. 388).

18. Von Yokohama über Honolulu nach San Francisco.

=Dampfer= der _Pacific Mail Steamship Co._ in San Francisco und der _Toyo Kisen Kaisha_ in Yokohama, Generalagent in Hamburg: Rud. Falck, Amerikahaus, abwechselnd etwa alle 7-10 Tage von _Yokohama_ in etwa 10 Tagen nach (3400 Seem.) _Honolulu_ und von da nach 12-24 St. Aufenthalt in etwa 6 Tagen nach (2100 Seem.) _San Francisco_; Gesamtweg 5500 Seem. Fahrpreis von Yokohama (oder von Manila, Hongkong, Schanghai, Nagasaki und Kobe) nach London, Liverpool oder Southampton I. Kl. £ 71,10; Rückfahrkarte I. Kl. für 6 Monate £ 120, für 2 Jahre £ 125.

[Hand] Die in Japan gemachten Einkäufe schicke man direkt nach Europa, da deren Einführung in Amerika hoher, rigoroser Besteuerung unterliegt.

Der =Stille Ozean= (_Pacific_) hat seinen Namen 1521 von Ferd. Magalhães erhalten, der ihn vom Feuerland bis zu den Philippinen in etwa 100 Tagen durchquerte, ohne stürmisches Wetter zu erleben. Schon 1513 hatte Bilbao ihn die _Südsee_ genannt, ein Name, der noch jetzt für den südlicheren inselreichen Teil des Ozeans bei den Seefahrern allgemein üblich ist. Der Stille Ozean ist das größte Weltmeer; er bedeckt fast ein Drittel der Erdoberfläche. Seine größte bisher aufgefundene Tiefe von 9636 m liegt sw. der Marianen. Zwischen Japan und dem gegenüberliegenden Teil Nordamerikas beträgt die Meerestiefe im allgemeinen 5000-5500 m, bei der Annäherung an Nordamerika sinkt sie etwas, östl. der japanischen Inseln erreicht sie dagegen im »Kurilengraben« auf große Strecken mehr als 6000 m. Unter den _=Winden=_, die über dem Stillen Ozean wehen, ist der wichtigste der _Nordostpassat_, dessen Nordgrenze im Sommer etwa unter 33°, im Winter unter 25° nördl. Breite liegt. Die Passatwinde (engl. trade-winds; der Name Passat kommt vom span. passata = Überfahrt) wehen in den Meeren zu beiden Seiten des Äquators gegen die Zone der stärksten Erhitzung hin; dort steigt die erwärmte Luft auf und von beiden Seiten wird beständig Luft zum Ersatz herangesaugt, so daß zwei Zonen sehr gleichmäßig gegen den (thermischen) Äquator wehenden Windes vorhanden sind. Die Passatluftströmung wird aber durch die Erddrehung abgelenkt und tritt daher auf der Nordhalbkugel nicht als reiner Nordwind, sondern als NO.-Wind auf. Da die Zone der größten Erwärmung mit dem Sonnenstande wandert, so verschiebt sich auch die Zone des Passats vom Nordsommer zum Nordwinter südwärts. Innerhalb der Passatzone weht ein zuweilen recht kräftiger, aber stetiger Wind, der der Schiffahrt, auch der Dampfschiffahrt, natürlich viel willkommener ist als die unregelmäßigen Windverhältnisse der weiter nördlicher liegenden Zone mit ihren wandernden Luftdruckwirbeln und den diese begleitenden Stürmen. So ist es erklärlich, daß die _=direkte Strecke=_ von San Francisco nach Yokohama, die, 4530 Seem. lang, im _größten Kreise_ den Ozean überschreitet und ostwärts nur etwa 14 Tage, westwärts (wegen östl. Stromversetzung durch den Kuro Siwo, s. unten) 17 Tage beanspruchen würde, von den Dampferlinien gemieden wird; denn sie erreicht unter 170° westl. Länge eine höchste Breite von 48° (nur 300 Seem. südl. der Alëuten) und führt durchweg durch das meist windige, häufig stürmische Gebiet außerhalb der Passatgrenze. Dagegen macht der Seeweg über Honolulu zwar einen Umweg nach S. zu, erreicht aber im Sommer schon in etwa 145° östl. L. die Zone des NO.-Passats und verbleibt in ihr bis etwa 130° westl. L.; im Winter, in dem die Nordgrenze des Passats südlicher liegt, hat man zwar auf dem ersten Drittel des Wegs von Yokohama nach Honolulu mit stürmischen Westwinden zu rechnen, kommt aber weiterhin meist durch ruhige und vor allem auch warme Gebiete, so daß der Weg über Honolulu in jeder Jahreszeit empfehlenswert ist.

An _=Meeresströmungen=_ trifft man östl. von Japan auf die mächtige warme Strömung des _Kuro Siwo_, das pazifische Gegenstück zum Golfstrom. Weiter östl. ist auf der südl. Route von Meeresströmungen nicht viel zu bemerken, da man sich in dem neutralen Gebiet zwischen dem westwärts gerichteten Nordäquatorialstrom und der östl. Fortsetzung des Kuro Siwo bewegt.

Die _=Oberflächentemperatur des Meerwassers=_ ist auf dem größten Teile der Fahrt im Jahresmittel höher als 20° C, erst gegen die kalifornische Küste hin nimmt sie rasch ab, da hier kaltes Auftriebwasser aus der Meerestiefe zur Oberfläche empordringt. Die Lufttemperatur ist auch im Winter nicht sehr rauh; in Hawaii erreicht man ja noch einmal die Tropen.--Das durchfahrene Gebiet ist reich an Walen und andern Seetieren, besonders Schweinsfischen (Delphine, Tümmler), sowie an Albatrossen und Seeschwalben.

* * * * *

Von _Yokohama_ (S. 388) steuert man aus der Tōkyōbucht, wie S. 388 beschrieben; vom Südkap _Noshima saki_, der Einfahrt in den Uragakanal, dampft das Schiff mit etwa Süd-zu Ostkurs in den Stillen Ozean, bis man die =Datumgrenze=, 180° L., in etwa 30° nördl. Br. schneidet.

Der 180. Längengrad (östl. u. westl. von Greenwich, dem Nullmeridian für die Seekarten) ist die Zeitrechnungsgrenze der Erdbewohner. Wer der Sonne entgegenfährt, also ostwärts reist, hat wegen seiner Eigenbewegung auf der Erdkugel in östl. Richtung kürzere Tage und würde beim Schluß der Reise einen Tag früher nach Europa kommen, als dort der Kalender angibt, weil er infolge seiner Erdumsegelung eine Umdrehung der Erde um die Sonne, also einen Tag mehr erlebte als die zu Hause Gebliebenen; deshalb wird der Tag, an dem man, ostwärts fahrend, den 180. Längengrad überschreitet, zweimal gerechnet, um die Übereinstimmung mit der Kalenderrechnung wiederherzustellen. Wer westwärts reist, muß einen Tag ausfallen lassen, wenn er den 180. Längengrad überschreitet, um mit dem Kalender in Übereinstimmung zu bleiben. Die Datumgrenze war bisher auf vielen Inseln des Stillen Ozeans verschieden, je nachdem die ersten Entdecker von O. (Spanier) oder von W. (Portugiesen) die Inseln erreicht hatten; so stimmte z. B. das Datum auf den Philippinen noch bis Ende 1844 mit dem Datum Amerikas überein; Verkehrsrücksichten führten dann zur Annahme des ostasiatischen Datums (vgl. die Zeittafel, S. 14).

Vom 180. Längengrad führt osö. Kurs gut nördlich an kleinen Koralleninseln und Riffen entlang, deren westlichste, die Insel _Kuré_ oder _Ocean Island_, auf 28° 26' nördl. Br. und 178° 30' westl. L. ein unbewohntes Korallenatoll von etwa 5 Seem. Durchmesser ist. Etwa 50 Seem. östl. liegt das etwas größere Korallenatoll _Midway Island_, bewohnt, mit Leuchtturm auf etwa 14 m hoher Düne, Telegraphenstation und Landungsplatz des großen amerikanischen Kabels, das von San Francisco über Honolulu, Midway Island und Guam nach den Philippinen führt. Fast 80 Seem. östl. liegt das Atoll _Hermes-Riff_ (_Pearl Reef_) von etwa 15 Seem. Länge. 145 Seem. sö. davon liegt die von großen Korallenriffen umgebene _Lisiansky-Insel_ (unbewohnt) und 120 Seem. östl. von dieser die bis 15 m hohe, 2 Seem. lange _Laysaninsel_ (bewohnt) mit kleinem Leuchtfeuer, das aber nur im Winter brennt. Weiter nach OSO. liegen das _Maroriff_, die 50 m hohe _Gardnerinsel_, dann eine 37 m hohe Inselklippe, die von großen, gefährlichen Riffen umgeben ist und _French Frigate Shoal_ genannt wird. Östl. davon liegt auf 23° 36' nördl. Br. und 164° 40' westl. L. die bis 90 m hohe _Neckerinsel_, eine vulkanische, etwa 1/2 Seem. lange und sehr schmale Felseninsel mit meist steilen Küstenabhängen (unbewohnt). Der Kurs des Dampfers führt zuweilen nicht weit nördl. von dieser Insel vorbei und dann nahe südl. von der etwa 210 Seem. östlichern, fast ebenso langen, aber 275 m hohen Insel _Nihoa_ (oder _Modu Manu_, auch _Bird Island_ genannt) vorbei, deren Westgipfel, _Millers Pik_, nach W. fast senkrecht 275 m steil ins Meer abfällt; auch die Nordseite der Insel ist sehr steil, während man an der Südseite in der Adamsbucht landen kann. Etwa 190 Seem. osö. von Nihoa erscheint die westlichste Insel der Hawaii-Inseln, _Niihau_; zwischen dieser und der Insel _Kauai_ führt die _Kumukahistraße_ an der Waimeabucht (S. 420) vorbei, um die Südspitze von Oahu nach _Honolulu_ (S. 416).

Die =Hawaii-= oder =Sandwichinseln= liegen auf etwa zwei Drittel des Weges zwischen Japan und den Vereinigten Staaten, 2000 km von der nächsten Inselgruppe und 4000 km vom nächsten Festland entfernt, zwischen 18° 57'-22° 16' nördl. Br., also wenig südl. vom Wendekreis, nahe der Nordgrenze der Tropen, und 154° 49'-160° 33' westl. L. Sie bestehen aus acht größern, bewohnten Inseln: _Niihau_, _Kauai_, _Oahu_, _Molokai_, _Lanai_, _Maui_, _Kahulaui_ (_Kahoolawe_) und _Hawaii_, und einigen kleinern, unbewohnten Felseilanden, und umfassen insgesamt 16702 qkm Landfläche (Baden 15068 qkm), die Hauptinsel Hawaii allein zwei Drittel davon. Die Inseln sind gebirgig und erheben sich auf Maui bis 3058 m und auf Hawaii bis 4208 m (Mauna Kea). Sie sind ein Werk vulkanischer Kräfte und längs einer in der Längsrichtung des Archipels verlaufenden Spalte emporgequollen. Die Gesteine sind fast durchaus jungvulkanisch, nur an einzelnen Stellen tritt Korallenkalkstein auf. Auch Korallenriffe sind nicht stark ausgebildet, am wenigsten an den Küsten der Hauptinsel Hawaii, die überhaupt den Eindruck macht, als sei sie die jüngste Insel der Gruppe.

Trägt sie doch auch die beiden einzigen heute noch tätigen Vulkane der Gruppe, den Mauna Loa (4168 m) und den Kilauea (1231 m). -- Mit Hawaii betritt der Weltreisende noch einmal ein tropisches Land. Das _=Klima=_ ist mild und angenehm; das ganze Jahr hindurch weht der Nordostpassat (vgl. S. 411), der im Winter durch südliche (»kranke«) Winde geschwächt ist. Die Niederschlagsverhältnisse wechseln auf den Inseln sehr stark und oft auf ganz geringe Entfernungen. Die dem Passat zugewendeten Ostabhänge erhalten sehr viel Regen, und zwar am meisten im Winter. Dagegen sind die im Windschatten liegenden Inselteile, also vor allem die Süd- und Westseiten, im allgemeinen trocken, ja zum Teil wüstenhaft. So hat auch Honolulu selbst wenig Regen und seine Umgebung ist von Natur ziemlich kahl; dagegen wird die hinter der Stadt aufsteigende Gebirgswand durch den jeden Tag auftretenden Seewind genügend befeuchtet. Oberhalb einer von 600-1200 m wechselnden Höhe bis höchstens 2400 m aufwärts sind die Berge der hawaiischen Inseln meist in Wolken (»Passatwolken«) gehüllt, über diese Wolkenschicht ragen die großen Vulkane Hawaiis in die klare Luft hinaus. Soweit die Inseln gut befeuchtet sind, tragen sie ein üppiges _=Pflanzenkleid=_ von tropischem Charakter und großer Eigenart; neun Zehntel aller vorkommenden Pflanzenarten sind endemisch. Auf die tropischen Niederungen, die an der Küste Kokospalmen, Pandanus etc. tragen, folgt von 300-2000 m die Waldzone, die am schönsten in ihrem mittlern Teil zwischen 700 und 1800 m ist, wo sie viele Baumfarne enthält. Andre bekannte Bestandteile des Waldes sind die _Koa_ (Acacia Koa) und der fast ausgerottete _Sandelholzbaum_ (Santalum album). Die im Regenschatten liegenden Teile der Inseln tragen eine sehr dürftige Vegetation, zum Teil sind sie fast wüstenartig. -- Auch ein großer Teil der _=Tierwelt=_ Hawaiis ist endemisch; dazu kommen polynesische und amerikanische Formen. Unter den Vögeln sind der berühmte, fast flügellose Moho ganz, der Mamo fast ganz ausgerottet; beide lieferten das Material zu den schönen gelben Federmänteln der Eingebornenhäuptlinge. Säugetiere waren auf den Inseln mit Ausnahme einer Fledermaus ursprünglich nicht vorhanden. -- Die _=Bevölkerung=_ der Inselgruppe wurde 1910 auf 191900 geschätzt, darunter 1/5 Eingeborne, 1/20 Mischlinge, 3/20 Chinesen, 2/5 Japaner, 1/5 Weiße. Die Chinesen und Japaner sind meist als Arbeiter im Lande; die hohe Zahl der Japaner bereitet der amerikanischen Regierung große Sorgen. Wegen des Überwiegens männlicher Chinesen und Japaner sind 2/3 der Gesamtbevölkerung männlichen, nur 1/3 weiblichen Geschlechts. Die eingeborne Bevölkerung, die 1779: 300000 Seelen gezählt haben soll und sich 1823 noch auf 142000 belief, nimmt schnell ab (1900 nur noch 30000) und wird in absehbarer Zeit wohl ganz ausgestorben sein. Die _Hawaiier_, meist _Kanaken_ genannt, sind ein schönes polynesisches Volk, von dem nicht sicher bekannt ist, wann und von woher es nach dem entlegenen Archipel gelangt ist. Es hatte zurzeit der Ankunft der Weißen eine achtungswerte Kultur erreicht, verstand z. B. durch Anlage von Kanälen das Wasser aus den Bergen in die trocknen Ebenen zu leiten und diese ertragfähig zu machen. Die Kanaken bauen Taro, süße Kartoffeln, Yams, Zuckerrohr, Bananen, Kürbisse, früher auch den Papiermaulbeerbaum zur Herstellung des Rindenstoffes Tapa und die Kawapflanze (Piper methysticum) zur Bereitung des bei allen Polynesiern beliebten berauschenden Getränks. Außerordentlich geschickt sind sie als Schiffer und Fischer. Sie waren ein kriegerisches Volk und lieben heute noch Faust- und Ringkämpfe, Wettläufe, das Brandungsschwimmen, Musik, Gesang und Tanz. Sonst aber ist von ihren alten Sitten und Eigenarten nicht viel übrig; sie tragen europäische Kleidung und sind »zivilisiert« und »Christen« geworden. Der Schulbesuch ist obligatorisch; es bestanden 1908: 205 Schulen mit 694 Lehrern und 23445 Schülern. Man zählte 1908 etwa 200 Kirchen; ein anglikanischer und ein katholischer Bischof residieren in Honolulu. Wichtigste _=Erwerbszweige der=_ auf den Inseln ansässigen _=Weißen=_ sind Plantagenbau sowie Schaf- und Rindviehzucht. Etwa der 20. Teil der Inseln ist kulturfähig; der Lavaboden wird durch Verwitterung sehr fruchtbar; die fast ganz in deutschen Händen befindliche Insel Kauai zeichnet sich besonders aus. Gebaut wird namentlich Zuckerrohr auf 51 Zuckerplantagen mit 40500 Arbeitern; 1906 wurden 426000 Longtons Zucker ausgeführt. Das Zuckerrohr wird 2-11 m hoch und bis 8 cm dick. Da es auf der SW.-Seite von Oahu (wo Honolulu liegt) an Regen fehlt, so sind zahlreiche große Pumpwerke angelegt; die deutsche Firma Hackfeld treibt täglich 300000 hl Wasser 190 m hoch hinauf. An zweiter Stelle steht der Reisbau, von Chinesen, und der Kaffeebau, von Japanern betrieben; ferner werden Bananen und köstliche Ananas gezogen, und aus der Sisalagave wird sogen. Manilahanf hergestellt. Der _=Handel=_ richtet sich vorwiegend nach den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Einfuhr besteht in Manufakten, Eßwaren, Bauholz, Maschinen, Tabak, Metallwaren, Spirituosen, Kali (aus Staßfurt), Ammoniak u. a.; die Ausfuhr in Zucker (1908 für 39,8 Mill. $), Kaffee, Reis, Bananen, Ananas, Häuten, Fellen, Wolle, Honig u. a. Fast der ganze Handel geht über Honolulu. _=Eisenbahnen=_ bestehen auf Hawaii (ca. 150 km), Maui (25 km), Oahu (175 km) und Kauai (19 km), zusammen ca. 370 km, Telegraphen und Telephon finden sich auf den Hauptinseln, die jetzt auch durch drahtlose Telegraphie untereinander verbunden sind. Kabel nach den Vereinigten Staaten und nach Manila.

_=Geschichte.=_ Die Inselgruppe wurde 1527 zuerst von strandenden Spaniern, dann 1555 von Juan Gaetano entdeckt; Cook suchte sie 1778 auf und benannte sie nach seinem Gönner, dem Grafen John Sandwich (Cook wurde auf Hawaii 14. Febr. 1779 erschlagen). Damals war die Gruppe unter drei Staaten verteilt, die nach langen Kriegen durch Kamehameha von Hawaii, den »Napoleon der Südsee«, 1795 zu Einem Staat vereinigt wurden. Kamehameha I., der Große (1781-1819), hob den Handel, ordnete die Verwaltung und bereitete die Einführung der christlichen Lehre vor, die unter seinem Sohn Kamehameha II. (1819-24) erfolgte. Die ersten (protestantischen) Missionare kamen 1820 von Amerika. Kamehameha III. (1824 bis 1854) gab dem Lande 1840 eine Konstitution. Mit Kamehameha V. starb 1872 der letzte männliche Nachkomme des ersten Kamehameha; man wählte zum Nachfolger Lunalilo, einen Enkel Kamehamehas I., und nach dessen Tod David Kalakaua (1874-91), unter dem das Reich zwar Fortschritte machte, sich aber auch große Schulden aufbürdete. Als er kinderlos starb, folgte ihm seine Schwester Liliuokalani. Ihr Versuch, die Verfassung abzuändern, hatte 1893 eine Revolution zur Folge: 17. Jan. wurde Hawaii zur Republik erklärt; doch bereits 1897 vollzog sich der von der amerikanischen Partei auf Hawaii längst erstrebte, von Japan vergeblich bekämpfte Anschluß an die Union (Flaggenheißung 1898), und seit 14. Juni 1900 ist Hawaii ein Territorium der Vereinigten Staaten, mit einer Volksvertretung, die aus einem Senat von 15 Mitgliedern und einem Repräsentantenhaus von 30 Mitgliedern besteht. Der Gouverneur, sein Sekretär und die Richter aller Gerichtshöfe werden vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt. Die Exkönigin erhielt 1903 von der Union eine Entschädigung zugebilligt. Hauptstadt und Regierungssitz sowie Haupthafen ist _Honolulu_ auf Oahu; der einige Kilometer nw. davon gelegene _Pearl Harbour_ ist zu einem wichtigen Stützpunkte für die Flotte der Vereinigten Staaten ausgebaut (s. S. 420).

Honolulu.

=Ankunft zur See.= Von Yokohama kommend, steuert man durch die Kaulaka-Straße längs der Südküste der Insel Kauai auf die Südküste der etwa 120 Seem. osö. gelegenen Insel _Oahu_ zu; von San Francisco kommend, steuert man mit SW.-Kurs auf die SO.-Spitze der Insel Oahu zu und durch die _Kaiwi_-Straße an die Südseite der Insel. In beiden Fällen erblickt man schon von weitem den 1228 m hohen Gipfel des _Kaala_ an der Westküste der Insel und erkennt beim Näherkommen das schroffe Vorgebirge _Diamond Head_, einen alten Vulkan (233 m) mit Leuchtturm an der Südspitze der Insel, etwa 7 km sö. von Honolulu. Vor der Hafeneinfahrt sieht man die schöne Gartenstadt sich terrassenförmig am Berghang erheben, r. liegt der _Puowaina_ oder _Punch Bowl Hill_, fast 150 m hoch, ebenfalls ein alter Vulkan; hinter der Stadt erheben sich die Gipfel _Konahuanui_ (946 m) und _Lanihuli_ (846 m). Die enge Einfahrt durch das Korallenriff ist schwierig und sehr interessant; die tiefe Rinne ist kaum 100 m breit, so daß dicht r. und l. vom Schiff gewaltige Brandung (auch bei gutem Wetter) über das Riff rauscht und schäumt. Fahrwassertonnen und Baken bezeichnen die Ränder der Riffe. Nach wenigen Minuten gelangt der Dampfer in ruhiges Wasser und ankert in dem vorzüglich geschützten Hafen direkt an der Werft oder festen Landestelle. _=Zollbehandlung=_ wie in amerikanischen Häfen (II. Teil, S. 1). Mit Schiffsbooten oder Booten der Kanaken werden die Reisenden nur bei Quarantäne gelandet.

=Gasthöfe:= _Pleasanton Hotel_ (Besitzerin Witwe des deutschen Konsuls H. A. Isenberg; Direktor E. G. Duisenberg), Ecke Punahou Street und Wilder Avenue, mit Logierhaus in herrlichem Park, feines Haus, von Deutschen sehr gelobt, Schwimmbad (Süßwasser), deutsche Küche; Pens. von $3 an (für Monat Ermäßigung). -- _Moana Hotel_ (deutscher Direktor J. H. Hertsche), am Strand von Waikiki (mit elektr. Straßenbahn 30 Min. Fahrt), Seebad in großartiger Brandung, Seesteg und schöne Terrassen; 150 Z., Pens. von $5 an. -- _Alexander Young Hotel_ (dieselbe Leitung wie Moana und Royal Hawaiian), mitten in der Stadt, modern und feuerfest, mit Dachgarten (Aussicht); 250 Z. von $2 an, keine Pension. -- _Royal Hawaiian Hotel_ (Leitung wie vorher), nahe dem vorigen, mit schönem Garten; 125 Z. von $1,50 an, keine Pension. -- Einfacher: _Seaside Hotel_, am Strand von Waikiki (elektr. Straßenbahn in 30 Min.), Pens. von $2,50 an. -- _Boarding Houses_ sehr zahlreich: _Hau Tree_, Waikiki, Pens. von $2,50, Woche von $15 an. -- _Cassidy_, Waikiki; _Cressaty's_, ebenda; _The Donna_, Beretania Street; -- _Vida Villa_, _Mrs. Gray_, _Mrs. McDonald_, sämtlich King Street, ähnliche Preise. _Möblierte Zimmer_: Woche $3-7, Monat 10-25; Nachweis im Reisebureau (s. unten). -- =Restaurants:= _Alexander Young Café_ und _Union Grill_, King Street (nahe Fort Street); Lunch 50 cts.

=Post:= Ecke Bethel Street und Merchant Street; vgl. den Plan. -- =Telegraph:= _Intern. Island Wireless Telegraph Co._, Fort Str., zwischen Queen und Merchant Str. -- _Commercial Pacific Cable Co._, im Alexander Young Building, Bishop Str. -- =Telephon= fast nach jedem Privathaus. -- Telegraphenkabel nach San Francisco und über Midway Island und Guam nach Manila, Japan, Schanghai, Menado etc.

=Wagen= (Droschken) und =Automobile= nach (hoher) Taxe. -- =Straßenbahn= (elektrisch, 5 cts.) führt mehrere Linien durch die weitläufig gebaute Stadt überallhin, zum Kapiolanipark und nach Waikiki. -- =Reitpferde:= $2,50 für 1/2 Tag.

=Eisenbahn= (Bahnhof am Nordende der Stadt) längs der Südküste und Westküste der Insel Oahu und um deren Nordkap bis zur Laiebucht; etwa 110 km; Zweigbahn von Pearl Harbour nach Wahiawa in der Mitte der Insel.

=Dampfer:= _Pacific Mail Steamship Co._ und _Toyo Kisen Kaisha_ alle 7-10 Tage nach Japan, China, Manila und San Francisco. -- _Matson Navigation Co._ etwa 14tägig nach San Francisco. -- _Oceanic S. S. Co._ alle 20 Tage nach San Francisco. -- _Canadian-Australian Royal Mail S. S. Co._ monatlich nach Vancouver und über Suva (Fidschi-Inseln) nach Australien.

=Geld= wie Nordamerika, vgl. II. Teil, S. 2. =Banken:= _Bishop & Co._; _Yokohama Specie Bank_ (beide Korr. der Disconto-Gesellschaft, Berlin); _Bank of Hawaii_ u. a. -- =Deutsches Geschäftshaus:= _H. Hackfeld & Co._ u. a.

=Reisebureau:= _The Hawaii Promotion Committee_ (Sekretär Wood) gibt bereitwilligst jede Auskunft über Ausflüge, Dampferfahrpläne etc., auch in deutscher Sprache.

=Sprache:= Englisch wird fast allgemein verstanden.

=Theater:= vorhanden. -- =Konzerte= einer guten hawaiischen Kapelle unter Leitung eines deutschen Kapellmeisters tägl. außer Fr. im Stadtpark.

=Konsulate:= _Deutsches Reich_, Konsul W. Pfotenhauer. -- _Österreich-Ungarn_, Konsul). -- =Vereine=: _Pacific Club_; _Commercial Club_; _University Club_. -- =Polizei=: _Police Station_ schräg gegenüber dem Postamt in Merchant Street.

=Ärzte=: Dr. _G. F. Straub_ (Deutscher) und 40-50 andrer Nationalität. -- =Krankenhaus= am Ostende der Stadt.

=Zeitungen:= _Pacific Commercial_; _Advertiser_; _Hawaiian Star_; _Evening Bulletin_; erscheinen täglich.

=Zeitteilung=: 7 Tage Honolulu. -- Ausflüge nach den Inseln Kauai (Waimea) und Hawaii (Hilobucht, Kilauea) sind abhängig vom Fahrplan der sechs Dampfer der hawaiischen _Inter-Island Steam Navigation Co._ und erfordern etwa je 4-7 Tage.

=Honolulu=, Hauptstadt der Hawaii-Inseln, unter 21° 18' nördl. Br. und 157° 50' westl. L., an der Südküste der Insel Oahu, deren vorgelagerte Korallenriffe einen für die größten Schiffe brauchbaren Hafen bilden, liegt sehr schön, von Laub- und Fruchtwäldern umrahmt und von schön geformten Bergen überragt. Es ist Sitz der Regierung, eines anglikanischen und eines katholischen Bischofs, hat breite, mit Lava oder Korallenkalk belegte und mit Mangobäumen, Akazien, Mimosen, Palmen eingefaßte Straßen, einen 1882 vollendeten königlichen Palast, jetzt Regierungssitz (Kapitol), ein großes Parlamentsgebäude, viele Schulen, Waisenhaus, amerikanisches Missionsseminar, Wasserleitung, elektrische Straßenbeleuchtung, Feuerwehr, 7 Zeitungen und etwa 45000 Einw. (davon 10000 Weiße). Die Industrie (Eisengießerei, Maschinenwerkstätten, Schiffbau) und der sehr bedeutende Handel liegen in den Händen der Weißen. Honolulu ist eine wunderbar schöne Gartenstadt, _einer der schönsten Punkte der Erde_, und verdient unbedingt einen Besuch, wenn es auch eigentliche Sehenswürdigkeiten wenig gibt. Es ist zu einem Erholungsaufenthalt sehr geeignet und wegen seines milden, fast das ganze Jahr gleichbleibenden Klimas (Mitteltemperatur des Januar 21,2°, des August 25,3°, höchste im Jahr durchschnittlich eintretende Temperatur 30°, niedrigste 13° C; Niederschlagsmenge gering) ein besuchter Luftkurort für Lungenkranke. Die Vegetation weist alle Arten von Palmen auf, in langen Hecken blüht die »Königin der Nacht« und im Wasser zahllose Lotosblumen. Charakteristisch für Honolulu ist der Sonnenregen; bei schönstem Sonnenschein fällt feiner Wasserstaub, der wie Millionen Perlen glänzt. -- _=Rundfahrt.=_ Da Droschken teuer, benutze man die verschiedenen Linien der elektrischen Straßenbahn, um die weitläufig gebaute Stadt, deren Straßen meist reizende Gärten zeigen, kennen zu lernen. Vor dem alten Königspalast (einem einfach-stattlichen Verandenbau) steht ein Denkmal des Königs Kamehameha I., des Großen. Sehenswert ist das _Polynesische Museum_ (_Bernice Pauahi Bishop Museum_) mit ethnographischer Sammlung, das ein vollständiges Bild der Kanakenkultur gewährt. Von da fahre man zum _Kapiolanipark_ am Meeresstrand, in dessen Nähe das Strandhotel Moana liegt. Dann zu Fuß auf den etwa 150 m hohen _Punch Bowl Hill_, einen alten Vulkan, der guten Überblick über Stadt und Umgebung gewährt. Lohnende Ausflüge zu Pferd auf den 600 m hohen _Mount Tantalus_ (oben prachtvolle *Aussicht) oder nach dem Vorort _Kaimuki_ zwischen Bergen hinter Diamond Head.

Vor dem Kapiolanipark am Strand von Waikiki (die elektrische Bahn führt in 20 Min. [5 cts.] dahin) liegt das hochinteressante =Aquarium=, mit tropischer Meeresfauna. -- Lohnend ist eine Rundfahrt (Wagen oder Auto) um den _Diamond Head_ (230 m), einen alten Krater, auf dem der Leuchtturm und starke Befestigungswerke zum Schutz der Hafeneinfahrt liegen. -- Den Abend verbringe man im Seebad von _Waikiki_ (Moana Hotel).

=Ausflüge=: 1) Zur *=Palischlucht= mit Auto, Wagen oder zu Pferd, erfordert 1/2 Tag; man fährt im _Nuuanutal_ etwa 11 km bergauf; das Tal ist reich an Farren und Bäumen (Bananen, Königspalmen); oben prachtvolle *Aussicht. Der Paß ist eine tiefe Felsschlucht, die dadurch eine traurige Berühmtheit erlangt hat, daß Kamehameha I. bei den Kämpfen um die Aufrichtung seiner Alleinherrschaft über die Inseln das Heer der Oahuleute über den Steilabsturz in den Tod jagte. Heute führt eine gute Straße zwischen den steilen, rötlichen, bis 900 m hohen Felswänden durch. Die Zunahme der Niederschlagshöhe vom Stadtgebiet zum Paß beträgt auf 9 km Entfernung nicht weniger als 2800 mm (von 850 mm auf 3650 mm). Auf der Nordostseite steil bergab zur Nordküste der Insel nach dem kleinen Fischerdorf und Hafen _Kaneohe_, 16 km von Honolulu, umgeben von Zuckerrohrpflanzungen am klippenreichen Strand.

2) Nach *=Haleiwa= mit der _Oahu Railway_ morgens gegen 9 Uhr oder Nm. gegen 3 Uhr, Fahrzeit 2-1/2 St. rings um die Süd- und Westküste der Insel, stets dicht am Strand entlang, vorbei an grünen Tälern (mit Reisfeldern, Sisal- und Bananenpflanzungen) nach (56 M) =Haleiwa= (_Haleiwa Hotel_), reizend gelegenem feinen Strandhotel mit Seebad, Pens. $ 3-4, wöchentl. $ 21; für Ruhebedürftige zu längerm Aufenthalt sehr empfohlen. Rückweg mit Wagen (im Hotel zu haben) in 1-1/2 St. durch die größten _Ananaspflanzungen_ der Erde im Mitteltal der Insel nach (18 M) _Wahiawa_, dann mit der Bahn in 1 St. nach Honolulu. Sehr lohnend ist der Ausflug nach Haleiwa mit Automobil, als =Rundfahrt um die Insel= (1 Tag erforderlich; 1-4 Pers. $ 50, jede Person mehr $ 5) auf guten Straßen, hin über die Palischlucht (s. unter 1), Lunch im Haleiwa Hotel, dann zurück über Wahiawa, Besichtigung des im Ausbau begriffenen, schon für große Kriegsschiffe benutzbaren Kriegshafens =Pearl Harbour=, wo große Trockendocks und Marinewerften im Bau sind; er gilt als Flottenstützpunkt gegen Japan.

3) Zur =Insel Kauai= fährt ein Dampfer in 16 St. von Honolulu Di. Nm. nach den Häfen _Nawiliwili_, _Koloa_, _Eleele_, _Makaweli_ und _Waimea_ (Fahrpreis $ 7); in letzterm landet man mit Eingebornenboot auf dem Strande (zuweilen nasse Fahrt). Dann Wagenfahrt durch das malerische Waimeatal, wo deutsche Zuckermühlen und Zuckerrohrpflanzungen. -- =Kauai=, die nordwestlichste und älteste Insel der Hawaiigruppe, 48 km lang, 42 km breit, 1515 qkm groß, mit etwa 23000 Einw., darunter viele Deutsche, in deren Händen viele Pflanzungen sind. Kauai, das mit der von zahllosen Seevögeln bevölkerten Nachbarinsel _Nihoa_ oder _Niihau_ früher eine einzige Insel gebildet zu haben scheint, besteht aus Basalt, dessen Verwitterungsboden sehr fruchtbar ist; neuere vulkanische Erscheinungen fehlen. Die Insel hat herrliche Waldungen, üppigen Pflanzenwuchs (»Garteninsel«) und steigt in den breiten, mit sumpfigen Waldungen bedeckten _Waialeale_ zu 2000 m auf. Die teilweise mit Korallenriffen besäumte Küste hat gute Häfen: im S. _Waimea_ (_Bay View Hotel_; sehenswert _Olokele Canyon_, eine großartige Felsschlucht, das »russische Fort« über dem Hafen, der _Manawaiopuna_, ein Wasserfall bei Hanapepe etc.; in _Lihue_ [_Hotel Fairview_] die _Wailua-Fälle_ u. a.) und _Koloa_, im N. die _Hanaleibucht_ (in Hanalai: _Deverill's Hotel_, Seebad, in sehr schöner Landschaft; Ausflug nach Wainiha, den Haena-Höhlen und nach Hanakapiai). Gebaut werden Zuckerrohr, Reis, Ananas, Bananen; auch Viehzucht. Eine gute Fahrstraße führt fast um die ganze, landschaftlich sehr schöne Insel. Wo kein Gasthaus, findet man meist gute Unterkunft bei den sehr gastfreien Bewohnern.

Seitentour: Honolulu-Hawaii.

=Dampfer= der »Inter Island Steam Navigation Co.« (Queen Street, nahe Fort Street) von Honolulu Di. Mitt. in 22 St. nach _Hilo_, an Mi. Vorm. 10 Uhr; Lunch im Hotel; Besuch des Wasserfalles. -- =Eisenbahn= ab Hilo 2-1/4 Uhr Nm. nach _Glenwood_; von Glenwood Omnibus ab 4 Uhr Nm. zum _Hotel Volkano House_, Ankunft 7 Uhr abds. -- Zurück Fr. Vm. nach Glenwood und Hilo; Dampfer nach Honolulu an Sa. Vm. -- Rundtour $ 42, dafür I. Klasse Dampfer, Bahn, Omnibus und 2 Nächte und 1 Tag im Hotel _Volcano House_.

=Hawaii=, die größte und südöstlichste der Hawaii-Inseln, ist 150 km lang, 120 km breit, 10398 qkm groß und hat 46843 Einw. Die NO.-Küste ist zwar den herrschenden Winden ausgesetzt, besitzt aber in der Hilobucht die beste Reede der Insel. Die Westküste hat leidlich gute Häfen bei _Kealakeakua_ (wo Cook am 14. Febr. 1779 erschlagen wurde, jetzt dort ein Denkmal für ihn), _Kailua_ und _Kawaihae_. Das völlig vulkanische Inselland steigt vom schmalen Küstensaum schnell zu einer Lavahochebene an, aus der sich fünf vulkanische Bergmassen erheben. Zwei dieser Vulkane können als ganz erloschen gelten: der 1678 m hohe _Kohala_ im N., von dem nur noch Ruinen vorhanden sind, und die höchste Erhebung der Insel, der 4200 m hohe _Mauna Kea_. Der im W. liegende Hualalei hat 1801 seinen letzten Ausbruch gehabt. Noch heute sind in kurzen Zwischenräumen tätig der 4168 m hohe _Mauna Loa_ und der _Kilauea_ (1231 m), beide im S. der Insel. Was diese Vulkane von allen andern Vulkanen der Erde unterscheidet, ist die Ruhe, mit der ihre Eruptionen vor sich gehen (Seltenheit von Erdbeben), und die große Dünnflüssigkeit ihrer basaltischen Lava sowie das fast völlige Fehlen von Tuffen und Aschen. Die Dünnflüssigkeit der Lava hat zur Folge, daß die Vulkanberge Hawaiis nur flachschildförmig sind im Gegensatz zu den viel steileren Kegelbergen etwa des Fuji-no-yama oder der Vulkane von Java. Indem die Lava sich weit ausbreitete, füllte sie die Zwischenräume zwischen den einzelnen Vulkanen zum Teil aus, so daß das Innere von Hawaii ein einheitliches, etwa 1200 m hohes Tafelland bildet, das nur gegen die Küsten meist steil abfällt. Ebenso sitzt der Kilauea der SW.-Seite des Mauna Loa als schwache Erhebung auf, obgleich seine Ausbrüche mit denen des Loa gar nichts zu tun haben. Die Ausbruchstätigkeit unterscheidet sich beim Mauna Loa und beim Kilauea sehr scharf dadurch, daß ersterer Lavaströme aussendet, letzterer aber nicht. Die Lavaströme des Loa, die an den Seiten des Gipfels austreten, bewegen sich infolge ihrer Dünnflüssigkeit sehr rasch vorwärts, selbst auf ganz schwach geneigter Unterlage, und erreichen bis zu 45 km Länge. Ganz anders ist die Tätigkeit des vielbesuchten =Kilauea=; er zeichnet sich gerade dadurch aus, daß die vulkanische Tätigkeit sich auf den Raum des Kraters selbst beschränkt, daß (mit geringen Ausnahmen) auch in den Ausbruchsperioden weder Lava nach außen abfließt, noch Asche oder Bomben ausgeworfen werden, so daß die Vorgänge im Krater aus nächster Nähe gefahrlos beobachtet werden können. In dem flachen Gipfel des Kilauea ist ein großer steilwandiger länglicher Krater eingesenkt, die Mündung des in die Tiefe führenden, der flüssigen Lava zum Aufsteigen dienenden Schachtes. Nur selten, in Zeiten starker Tätigkeit, ist ein größerer Teil der Kraterinnenfläche von frisch aufgestiegener, glutflüssiger Lava angefüllt und bildet einen einzigen Glutsee. Für gewöhnlich aber nimmt den Kraterraum eine Erstarrungskruste aus erkalteter Lava ein, die man gefahrlos bis an den Rand der kesselförmigen Vertiefungen (in der Gegenwart nur der 80 m tiefe, 370 m lange und 305 m breite _Halemaumau_, d. h. Haus des Feuers) begehen kann, in denen die flüssige Lava auf und ab wogt.

Vom niederschlagsreichen NO.-Abhang der Insel ziehen viele Bäche, häufig Wasserfälle bildend, zum Meer; dieser Teil der Insel wie auch die Südküste sind sehr fruchtbar (Kokospalmen, Mangobäume, Bananen, Bambus); die trockne Westküste sowie das mit Lava bedeckte Innere sind unfruchtbar, zum Teil wüstenhaft, doch findet man auch dort viele verwilderte Schweine, Ziegen und Rinder. Große Zucker-, Kaffee- und Orangenpflanzungen bedecken die Küstenlandschaften.

Man fährt von Honolulu längs der Südküste der Inseln _Molokai_ (mit Niederlassung [in _Kalaupapa_, wo der Dampfer Post abgibt] für Aussätzige, Leprakranke, unter denen ein französischer Priester in freiwilliger Abgeschlossenheit für Lebenszeit wirkt), dann durch die Auaustraße zwischen Molokai und dem Westende von Maui l. und der Nordküste der Insel _Lanai_ r., dann längs der SW.-Küste von _Maui_ und durch die Alakeikistraße zwischen Maui l. und der kleinen Insel _Kahoolawe_ r. nach _Upolu Point_, dem Nordkap der großen Insel Hawaii, dann längs deren Nord- und NO.-Küste nach der Hafenbucht von _Hilo_ (_Byronbai_), 190 Seem. von Honolulu, die durch vorgelagerte Riffe einigermaßen gegen Seegang geschützt ist.

=Hilo= (_Hilo Hotel_) ist der Hauptort der Insel Hawaii, mit etwa 4500 Einw. (meist Chinesen und Japaner). In der Umgebung Zuckerrohrbau. Etwa 3 km westl. von Hilo ist der berühmte, 25 m hohe Regenbogenwasserfall des _Wailuku_.

=Ausflüge=: Zum =Kilauea= (1231 m). Man nehme wärmere Wollkleidung (da morgens und abds. kühl), Regenmantel und Schirm mit. Von Hilo (Lunch im Hotel) mit Kleinbahn in 1 St. nördl. über (20 km) _Olaa_, eine große Zuckerrohrpflanzung. Vom Endpunkte der Bahn, _Glenwood_, fährt man mit vierspännigem Omnibus durch Baumfarnwälder bergan, mit Ausblicken nach dem 35 km östl. liegenden Vulkan Mauna Loa zum _Hotel Volcano House_ (für längern Aufenthalt geeignet), wo man übernachtet. Das Hotel liegt nahe dem NO.-Ende des Kilaueakraters (vgl. S. 421), dessen Rand hier nicht mit einem einzigen Steilabsturz, sondern treppenförmig absinkt, so daß die Kraterinnenfläche bequem zu erreichen ist. Von hier zu Fuß (Reitweg; Pferd $ 2, für Damen ratsam) in 1-1/4 bis 1-1/2 St. nach dem Lavasee _Halemaumau_. -- 1/2 St. östl. vom Volcano House liegt der Einsturzkessel _Kilauea-iki_, mit 230 m hohen, bereits üppig bewachsenen Rändern.-- [Hand] Das Hinabsteigen in den Kilaueakessel ist ohne Führer nicht ratsam! -- Lohnend soll ein eintägiger Fußmarsch oder Ritt rings um den Krater sein. Ein Automobilweg (»Jack Atkinson Road«, scherzhaft »Road to Hell« = Höllenweg, genannt) führt vom Volcano House Hotel um den Krater herum bis zum Halemaumau. Dicht beim Hotel liegen die sogen. _Schwefelbänke_ (_Sulphur banks_), wo aus roter Erde _flüssiger Schwefelstrom_ aufquillt und sich an der Luft verdichtet; die Kristalle funkeln _seltsam_ im Sonnenschein. Tagesausflug vom Volcano House nach den _Sechs Kratern_ (_The Twins_, Zwillingskrater; _Pun Huluhulu_ mit prächtiger Aussicht auf Mauna Kea und Mauna Loa; _Two Orphans_, zwei kleine Krater im Wald; *_Kamakaopuhi_, Aalauge, der interessanteste); Rückweg durch schattigen Wald 12 km nach Volcano House.

Die Besteigung des =Mauna Kea= (4210 m) und des =Mauna Loa= (4170 m) erfordert gründliche Vorbereitungen, Anwerbung von Trägern etc., ist daher kostspielig und zeitraubend.

Von Honolulu nach San Francisco.

Die etwa 6tägige Dampferfahrt von Honolulu nach San Francisco, die meist von gutem Wetter begünstigt ist, führt um Diamond Head (S. 420) herum längs der SW.-Küste der Insel Oahu durch die _Kaiwi_-Straße zwischen _Makapuu Point_, dem Ostkap von Oahu, und _Kalaau_, dem Westkap von Molokai hindurch und dann mit ungefähr onö. Kurs durch den östl. Stillen Ozean auf die 48 km westl. von der San Francisco-Bai gelegenen _Farallones-Inseln_ (»Pfeilerfelsen«) zu, drei granitische Felsen, 81 Hektar groß, Niststätte zahlloser Vögel, deren Eier für den Markt in San Francisco gesammelt werden. Vor den Farallones sichtet man die hohen Berge der kalifornischen Küste des amerikanischen Festlandes bei klarem Wetter schon aus 50 Seem. Abstand vom Lande. An der Nordseite des Golfes ist die _Reyes-Huk_ ein auffälliges Hochland. Ferner erkennt man den 1330 m hohen _Helenaberg_ (30 Seem. landwärts) und den 1180 m hohen _Diabloberg_ (30 Seem. onö. vom Goldenen Tor); vgl. II. Teil, S. 25. Von dem _Tamalpais-_ oder _Tafelberg_ (s. II. Teil, S. 33) erkennt man drei Gipfel, wovon der westliche am höchsten, der mittlere am niedrigsten und der östliche am schärfsten ist. Auch die kegelförmige Insel Südost-Farallon, deren Gipfel (_Sugarloaf_ = Zuckerhut) 100 m hoch ist und einen 9 m hohen, kegelförmigen Leuchtturm trägt, ist leicht zu erkennen; sie bleibt l., man läuft dann auf das Feuerschiff vor der Barre von San Francisco zu, läßt es r. und steuert durch das berühmte *_Goldene Tor_ (_Golden Gate_, II. Teil, S. 25), eine Meerenge (vgl. den Plan II. Teil, S. 26), in die herrliche *Bai von San Francisco (II. Teil, S. 31); l. kahle Berge, r. Cliff House (II. Teil, S. 33) hinter mächtigen Klippen, auf denen sich Seelöwen sonnen. Dann dreht der Dampfer r. in den Hafen von =San Francisco= (II. Teil, S. 25).

* * * * *

=Von Yokohama nach Vancouver= laufen Schnelldampfer der Empressklasse der _Canadian Pacific Steamship Line_ (in Montreal; Agent: Karl Flügge, Hamburg, Alsterdamm 8) im Sommer alle drei, im Winter alle vier Wochen in 12 Tagen von _Yokohama_ nach _Vancouver_ (4300 Seem.), vgl. Reichskursbuch Nr. 704, als schnellste Verbindung zwischen Ostasien und Nordamerika und weiter über die Canadian Pacificbahn auch mit Europa. Sofort nach Ankunft der »Empress«-Dampfer von Yokohama fährt der »Overseas Limited« (ein Sonderzug der Canadian Pacific R. R.) mit den Passagieren I. Kl. von _Vancouver_ nach _Quebec_, im Sommer, oder nach _St. John_, N. B., im Winter ab, zum Anschluß an die Atlantischen »Empress«-Dampfer, auf denen man _Liverpool_ nach 22 Tagen Fahrt von Yokohama ab erreicht. (Ebenso in umgekehrter Richtung.) Fahrpreise I. Kl. von Yokohama (oder Kobe, Nagasaki, Schanghai, Hongkong, Manila) und über Kanada nach Liverpool (Southampton oder London) £ 71,10 (1480 M); Rückfahrkarte auf 6 Monate I. Kl. £ 120, auf 2 Jahre £ 125; II. Kl. (12 Monate gültig) über Kanada £ 74, über New York £ 78. Eine Reise um die Welt: London, Liverpool oder Southampton nach Quebec, Montreal, New York, Boston, Halifax oder St. John, N. B.: von dort Canad. Pacific R. R. nach Vancouver, Dampfer nach Yokohama, Schanghai oder Hongkong; dann mit Dampfer des Norddeutschen Lloyd oder P & O Line über Colombo und Suezkanal zurück; Preis der Rundreise, 2 Jahre gültig, £ 131,10 ohne, 137,10 mit Verpflegung und Schlafplatz auf der Canadian Pacific R. R.

=Von Yokohama nach Seattle=, der kürzeste Dampferweg zwischen Japan und Nordamerika, laufen Dampfer der _Nippon Yusen Kaisha_ in Tōkyō 14tägig (Fahrpreise von Yokohama über Kanada nach London I. Kl. £ 56, II. Kl. £ 39; Agent: P. Günther, Hamburg, Mattentwiete 1) und der _Great Northern Steamship Co._ in St. Paul (Minn.) monatlich (Fahrpreis von Yokohama oder Hongkong etc. nach London I. Kl. £ 71,10; Rückfahrkarte für 6 Monate Landaufenthalt £ 115,10, für 2 Jahre gültig £ 121; Agent wie vorher). -- Die Schiffe haben gleichen Kurs wie die nach Vancouver und laufen auch in die San Juan de Fuca-Straße ein, l. die Insel Vancouver, r. der Mount Olympus (2480 m). Dann geht das Schiff nach _Vancouver_ (II. Teil, S. 188) nördl., das nach _Seattle_ (II. Teil, S. 146) durch den Pugetsund südl.; Fahrzeit etwa 15 Tage. -- Außerdem die _Osaka Shosen Kaisha_ in Ōsaka, etwa monatlich nach _Tacoma_ (II. Teil, S. 147; Fahrzeit: Hongkong bis Takoma 32-38 Tage! Billige Linie).

Register.

A.

Aba 353.

Abessinien 37.

Abu Ail, Durchfahrt 35. -- Road Station 66.

Abuto 360.

Acheen Head 155.

Acht Grad-Kanal 105.

Adamsbrücke 124. 106.

=Adams Peak 121.= 106.

Adamwahanbrücke 81.

Addis-Abeba 37. -- -Alam 37.

Adelé 37.

=Aden 38.= 105; Golf 40.

Adoni 100.

Adriatisches Meer 22.

Adschmer, s. Ajmer.

Affenberg 159.

Aga 318.

=Agra 83.=

Agudo, Monte 234.

Ahmedabad 65.

Ai-oi no Matsu 360.

Ajer-Mantjoer Wasserfall 159.

Ajmer 67.

Akaba, Golf 30. 32.

Akabane 403.

Akama 354.

Akashi 360. -- no Seto 358.

Alakeikistraße 422.

Albay 235.

Alëuten 412.

Alexanderbrücke 312.

Alexandrowo 304.

Aligarh 83.

Ali Sabiet 37.

=Allahabad 89.=

Alongbucht 187.

Alt-Delhi 73.

Alu Vihara 119.

Alwar 70.

Amarapura 153. 154.

Ambabo 36.

Ambarawa 206.

Ambepussa 115.

Amber 69. 68.

Amida 360.

Aming-Kang 242.

=Amoy 241.=

Amritsar 76.

Amur und Amurfahrt 317. 323.

Amurbucht 320. 323.

Anambas-Inseln 214.

Anantpur 132.

Anei-Kloof 159.

Angara 315.

Angkor-Thom 185. -- -Wat 185.

=Annam 185.= 178.

Antung 332.

=Anuradhapura 119.=

Apo 235.

Arabisches Meer 40.

Arashiyama 379.

Arcot 132.

Argun 317.

Arima 360.

Arita 353.

Arkonam 100. 132.

Asamayama 411. 382.

Aschichö 319.

Aschrafi-Riffe 32.

Ashibe-no-ura 367.

Ashinoyu 386.

Ashio 409.

Askold 320. 323.

Asmara 35.

Asoka-Säule 89.

Assab 35.

Atami 387.

Äthiopien 37.

Atschinsk 314.

Attock 79.

Atushi no Ōshima 354.

Ava 153.

Avalanche Hill 130.

Avisawella 124.

Awaji Shima 358. 387.

Ayanur 132.

Ayuthia 177.

B.

Baba 379.

Bab el-Mandeb, Straße 30. 35. 36.

Badasam 143.

Badulla 123.

Bagan Serai 161.

Baguio 240.

Bahawalpur 81.

=Baikalsee 316.=

Balangoda 123.

Balapilli 100.

Balasore 133.

Balipitham 104.

Bambusinseln 279.

Bandara 64.

Bandarawela 123.

Bandar Baharu 164.

Bandoeng 203.

Bangalore 131.

Bangka 191.

=Bangkok 171.=

Bang Koläm 170.

Banker's Glen 244.

Bankipur 95.

Baramula 79.

Baranowitschi 305.

Baroda 65.

Barrackpur 139.

Basilan 253.

Bassein (Birma) 155. -- (Indien) 64.

Batam 189.

Batang-Harau 160.

=Batavia= (Java) =195.=

Bataviabai 190.

Baticalia 124.

Batok 211.

Batraki 312.

Battambang 185.

Batticaloa 124.

Batu 164.

Bawa Malang 41.

Belawan-Deli 158.

Beliaghatta Stat. 134.

Beliholoya 123.

=Benares 90.=

Benares-Calcutta 95.

Bengalen, Golf von 134. 143.

Benguet 240.

Benkoelen 160

Bentendaki 409.

Benten-jima 360.

Bentenyama 386.

Beppu 354.

Berber 33.

Berenice-Berge 32.

Beresa 305.

Beresina 305.

Berhampore 133.

Berlin-Moskau-Wladiwostok 301.

Besshi 356.

Bezwada Junction 132.

Bhadrak 133.

Bhamo 153.

Bharoch 65.

Bhayandar 64.

Bhubaneswar 133.

Bienhoa 182.

Bijapur 98.

Bikin 323.

Billiton 191.

Bingo Nada 356. 357.

Binh-dinh 186.

=Binnenlandsee, Japanische 356.= 354.

Bintang 189.

Birjussa 315.

=Birma 143.=

Bismarckberg 269.

Bitragunta 132.

Bitterseen 28.

Biwasee und Kanal 378.

Bjelaja 312.

Blagowjeschtschensk 317. 323.

Blakan Mati 168.

Blitong 190.

Bocca Tigris 225.

Bogoola 139.

Bohol 235.

Bolaram 99.

=Bombay 53.=

Bombay-Calcutta 63.

Bombay-Madras 96.

Bonhaminsel u. Straße 246.

Bonifacio und Straße 25.

Bonininseln 337.

Bore Ghat 97.

Borissow 305.

Boro-Boedoer 206.

Borodino 305.

Borsa 318.

Bowringpet Junction 132.

Brahmaputra 140.

Brest-Litewsk 305.

Brindaban 83.

Brindisi 23.

Brindisi-Bombay 23.

Brindisi-Colombo 105.

Broach 65.

Bromo 211.

Brüder, Die 34.

Buchedu 318.

Buchoi 318.

Buckingham Canal 104.

Buddh Gaya 95.

=Buitenzorg 200.=

Bukit Gantang 163.

Bulusan 235.

Burjatskaja 318.

Butulan 235.

Byobu-ga-Ura 357.

C.

(vgl. auch unter K).

=Calcutta 134.=

Calcutta-Darjeeling 139.

Calcutta-Rangoon 143.

=Cambodja 179.=

Cam-giang 188.

Camiguin 235.

Camp John Hay 240.

Camp One 240.

Cam-ranh 186.

Canloon 235.

Cantonment Station 74.

Capi di Faro (Peloro) 24.

Capri 24.

Cauvery 128. 131.

Cavite 240. 235.

=Cawnpore 88.=

Cebu 235.

Cécir de Mer 219.

=Ceylon 106.=

Chabarowsk 323. 317.

Chagoti 79.

Chailar 318.

Chakang 143.

Chandaochezy 319.

Chandernagore 96. 139.

Changchun 324.

Ch'ang-hsin-tien 299.

Changling 297.

Ch'ang-p'ing-chou 295. 297.

=Charbin 318.=

Charbin-Dairen 323.

Charbin-Peking 328.

Charbin-Wladiwostok 319.

Ch'a-tao 296.

Chemor 163.

Chiabhanjon 142.

Chiaotou 332.

Chidambaram 128.

Chienchinchai 325.

Chienshan 326.

Chilka-See 133.

Chilok 317.

Chimpiddi 121.

China Bakir 155.

Chinchou 326.

=Chinesische Mauer, Große 296.=

Chingan u. Gebirge 318.

Chinglepul 104.

Chingleput 128.

Chittagong 139.

Chochou 300.

Chofu 358.

Chojasaki 392.

Cholon 182.

Choushuitzu 326.

Churja-Murja-Inseln 41.

Chü-yung-kuan 295.

Chuzenji u. See 407. 408.

Cocanada 133.

=Cochinchina 178.=

Coimbatore 129.

Colaba Point 56.

Col de Nuages 186. -- du Harr 37.

Coleroon 128. 131.

=Colombo 110.=

Colombo-Kandy 115.

Colombo-Madras-Calcutta 125.

Colombo-Singapore 155.

Comorin, Kap 105.

Confucius, s. Kungfutsze.

Conjeeveram 104.

Coonor 129.

Corregidor 235.

Cotaboto 235.

Crag Hill 157.

Cua-cam 187.

Cua-Nam-trieu 187.

Cuddalore 128.

Cuddapah 100.

Cuttack 133.

D.

Dacca 139.

Dädalus-Riff 34.

Dagupan 240.

Dahlak-Inseln 34.

Daibutsu 391.

Daikokusan 410.

Daimyo 343.

=Dairen= (Dalny) =326.=

Dal, Dalgate 79.

Dalatschao 324.

Dalhousie 76.

Dalny, s. Dairen.

Daman, Daman Road 64.

Dambulla 119.

Damukdia Ghat 139.

Danera 76.

Da-no-ura 358.

Daouanlé 37.

=Darjeeling 141.=

Daulatabad 62.

Dazaifu 353.

=Delhi 70.=

Delhi-Simla 74.

Dentam 142.

Deshima 349. 352.

Dhubri Ghat 140.

Diamantberge 335.

Diamond Harbour 134. -- Head (Honolulu) 416. -- -- (Calcutta) 134.

Dibrugarh 140.

Dickoya 121.

Dieng 206.

Dimbula 121.

Dindigul 127.

Dindings 155.

Diré Daua 37.

Djebel Atakah 32. -- Churruz 35. -- ed-Dêr 32. -- Katherina 32. -- Musa 32. -- Schamschan 30. -- Sugur 35. -- Tair 34. 35.

Djesiret es-Sawahib 36.

=Djibouti 36.=

Djobal-Straße 32.

Djokjakarta 205.

Djomblang 207.

Dogali 35.

Dogashima 386.

Dogo 357.

Domel 79.

Donabew 154.

Donkia Ri 142.

Donnaifluß 178. 183.

Doshima 354.

Do-Son 187.

Drachenfluß 241.

Dschaipur, s. Jaipur.

Dschehol, s. Jehol.

Dschidda 33.

Dulai 79.

Dum-Dum 139.

Dusun Tua 164.

Dutch Folly 228.

Dwars in den Weg 160.

E.

Eitoho 333.

Elba-Berge 34.

Elephanta 61. 56.

Elephant Pass 118.

El-Kantara 27.

El-Lid 35.

Ellora 61. 62.

Ellore 133.

Emmahaven 159.

Enggov 163.

Enoshima 392. 385.

Eritrea 34.

Erode Junction 128.

Eselsohren 219.

Etajima 359.

Etampitiya 123.

Etawah 88.

Everest, Mount 142.

F.

Faitsilong-Archipel 187.

Fangtse 272.

Farallones-Inseln 422.

Fasaneninsel 257.

Fatehpur-Sikri 86.

Fati, Insel 232.

Fenghuangcheng 332.

Fêngtai 277.

Fengtien 324.

Ferozabad 88.

Firozabad 73.

Foochow, s. Futschou.

Formosa, Insel 245. 337.

Formosastraße 245. 241.

Fort Canning 168. -- de Kock 159. -- Nossa Senhora da Guia 232. -- van der Capellen 159.

Fubasami 403.

Fuchizaki 360.

Fujikawa 384.

Fujimitoge 408.

=Fuji-no-yama 337.=

Fujisawa 392.

Fujiyama, s. Fuji-no-yama.

Fukae 349.

Fukiën-Straße 245.

Fukuoka 353.

Fukuse 354.

Fukushima 383.

Fukuyama 360.

Fünffingerspitze 270.

Fusan 336.

Fushimi 379.

Fushun 332.

Futabayama 359.

Futagawa 383.

Futami-ga-ura 382.

Futatabisan 364.

=Futschou 243.=

Futsukaichi 353.

=G.=

Gadaladenya 118.

Gadok 201.

Gairsoppa Fall 132.

Gampola 124.

Ganges 91.

Gangesdelta 134. 136.

Gap-Klippe 219.

Gardnerinsel 413.

Garhi 79.

Garoet 203.

Gasparstraße 191.

Gaya 95.

Gedeh, Vulkan 202.

Gegutempel 382.

Gelbes Meer 348. 277.

Geloenggoeng 204.

Gemas 166.

Gensan 335.

Genua 23.

Genua-Bombay 23.

Genua-Colombo 104.

=Georgetown 156.=

Gersoppa-Fälle 132.

Gharapuri 61.

Ghoom 141.

Ghorbandar 64.

Ghubbet Charab 36.

Gia-lam 188.

Gifu 380.

Gilimale 123.

Giri 211.

Giridh 96.

Goalanda Ghat 139.

Gobi, Wüste 317.

Godaveryfluß 133.

Goenoeng-Goentoer 204.

Gogo Shima 357.

Gokteik Gorge 150. 153.

Goldenes Horn (Wladiwostok) 320. 322.

Goldinsel 255.

Golkonda 99.

Gomo 364.

Gondang-wetan 211.

Gooty 100.

Goregaon 64.

Gotemba 384.

Goto 360.

Gotoinseln 349.

Great Catwick 219.

Green Island 220.

Grodekowo 320.

Gshatsk 305.

Guardafui, Kap 105.

Gubei-kóu 298.

Gudur 132.

Gujranwala 78.

Gulbarga 98.

Gulmarg 79.

Gungchuling 324.

Gunong-Hijan 163. -- Rapat 163.

Guntakal 100.

Gute Hoffnung, Kap 241.

Gützlaffinsel 246.

Guzerat 65.

Gwalior 87.

H.

Habesch 37.

Hachi-hon-matsu 359.

Hachiishi 403.

Haidarabad, s. Hyderabad.

Haïduong 188.

Haiki 353.

Haikwan-Tael 219.

Haining 253.

=Haiphong 187.=

Haitanstraße u. Insel 243.

Hakata 353.

Hakgala 123.

Hakkei 392.

Hakone u. See 386.

Hakonegebirge 386.

Hakone-machi 387.

Hakozaki 354.

Hakusan 380.

Haku-un-zan 410.

Halcon 235.

Haldamulla 123.

Haleiwa 420.

Halemaumau 422.

Hamamatsu 383.

Hambantota 124.

Hanaleibucht 420.

Han-Fluß 241.

Hangangfluß 333.

Hangman Point 134.

Hangtschou 252.

Hangtschou-Bai 245.

Hangtschou-Bucht 245.

Hanho 270.

Hanisch-Inseln 35.

=Hankau 259.=

Hankau-Itschang-Tschungking 261-263.

=Hanoi 188.= 186.

Hanoi-Yünnanfu 189.

Hanwella 124.

Hanyang 259.

Happy Valley 224.

Haputale 123.

Harapa 81.

Harima Nada 356. 358.

Harrar 37.

Hata 387.

Hatti 79.

Hatton 121.

Hauki-Insel 279.

=Hawaii-Inseln 413.=

Hayama 392.

Heischan 298.

Helenaberg 423.

Henaratgoda 115.

Henzada 154.

Heongschan 233.

Heramitipana 124.

Hermes-Riff 413.

Hieschan 246.

Hikishima 354.

Hikone 379.

Hilo u. Bucht 422.

Himeji 360.

Himeshima 356.

Himitoge 353.

Hino Misaki 361. 387.

Hirado u. Insel 354.

Hirayu 383.

Hiro Shima 357.

Hiroshima, Stadt 359.

Hiyei-zan 377.

Hiyori-yama 382.

Hodêda (Hodeida) 35.

Hodogaya 391.

Höhlentempel 62. 97.

Hokeon 190.

Hokkaido 337.

Hōko-rettō 245.

Hoktschiu 243.

Holinkiang 190.

Honam 232.

Honanfu 301.

Hon-dau 187.

Hondo 337.

Hongay 187.

Hongham Bay 224.

Hongkiu 247. 250.

=Hongkong 220.= 219.

Hongkong-Kanton 224.

Hongkong-Macao 232.

Hongkong-Manila 234.

Hongkong-Schanghai 240.

=Honolulu 410.=

Honolulu-Hawaii 421.

Honolulu-San Francisco 422.

Hooghly 134. 137. 143. -- Junction Stat. 96.

Horawa potana 121.

Horton Plains 123.

Hosootoge 409.

Hotgi Junction Stat. 98.

Hozu Hozugawa 378.

Hsiachiahotzu 327.

Hsiaho 270.

Hsiho 276.

Hsiku 277.

Hsiling 300.

Hsingti 261.

Hsinho 280.

Hsinyantschou 301.

Hsipaw 151.

Huangpu 225. -- Fluß 246.

Huangschan 255.

Huangtschoufu 259.

Huangtsun 277.

=Hué 185.=

Hugli, s. Hooghly.

Hukau 258.

Hunho 276. 282. 325.

Huonggiang 186.

Huoschangkiao 258.

Hwaijangschan 301.

=Hyderabad 98.=

Hyderabad (Sindh) 81.

=Hyōgo 361.=

I.

Ibukiyama 380.

Ichi-no-kawa 356.

Ichi-no-tani 360.

Igatpuri 62.

Ihelum 78.

Ikao 409.

Ikeshima 354. 355.

Ikutski 354.

Ilanskaja 315.

Ilmenskijsee 313.

Iltisberg 269.

Iltisfriedhof 277.

Imabari (Imabaru) 357.

Iman u. Brücke 323.

Inari 379.

=Indien 42.=

=Indochina 178.=

Ingodotal 317.

Inkau, s. Yinkou.

Ipoh 163.

Irawaddy 143. 154.

Irekte 318.

Irenenbaude 270.

=Irkutsk 315.=

Irosaki 387.

Irtysch 313.

Isahaya 353.

Ischim 313.

Ishibashi 403.

Isil-Kul 313.

Ismailia 28.

Itawah 88.

Itschang 262.

Itsukushima 359.

Ituhien 262.

Iwabuchi 384.

Iwakuni 358.

Iwo Shima 349.

Iyo Nada 356.

Izu 385.

Izumi Nada 356. 358.

Izumistraße 361.

J.

Jablonoigebirge 317.

Jablonowaja 317.

Jaeschke, Kap 266.

Jaffna 118. 124.

=Jaipur= (Dschaipur) =68.=

Jai Sing's-Sternwarte 69.

Jakschi 318.

Jalarpat Junction 132.

Jali 318.

Jalpaiguri 140.

Jamrud, Fort 80.

Janbo el-Bahr 33.

Jaomönn 324.

=Japan 387.=

=Japanische Binnenlandsee 356.= 354. -- Riviera 387.

Jarzewo 305.

Ja-tschou 263.

=Java 191.=

Jehol 298.

Jemen 35.

Jenissei 315.

Jezo, Insel 337.

Jikkokutoge 387.

Jitschöng 256.

Jogeshwar 61. 64.

Jog-Fall 132.

Johor-Bahru 169.

Joss House Hill 260.

Jumna-Brücke 88.

Jungfu 244.

K.

Kabutoyama 365.

Kadugannawa 115.

Kaduwella 124.

Kageno 349.

Kagoshima 353.

Kahovlawe 422.

Kahulaui 413.

Kaiföng 301.

Kailua 421.

Kaimon 353.

Kainsk 314.

Kaiping 326.

Kaipong, Inseln 219.

Kaira 65.

Kaisergräber von Peiling 325.

Kaiserkanal 255. 276.

Kaitschou 326.

Kaiwistraße 416. 422.

Kajoe-Tanam 159.

Kakchioh 241.

Kakogawa 360.

Kalaau 422.

Kalawewa 119.

Kaigan 296. 317.

Kalimasfluß 210.

Kalithora 143.

Kalka 75.

Kalkutta, s. Calcutta.

Kalyan 61. 96.

Kamakura 391.

Kamaran, Hafen, Paß, Insel 35.

Kamata 393.

Kambara 384.

Kameyama 381.

Kamino Shima 349.

Kami Sakamoto 378.

Kamiyama 386.

Kampong Malacca 168. -- Saigon 168.

Kamunting 161.

Kan 315.

Kanagasaki-jinja 380.

Kanagawa 393.

Kanazawa 392.

Kanchanjanga 141.

Kandang-Badaq 202.

=Kandy= (Ceylon) =115.=

Kandy-Anuradhapura 118.

Kandy-Nuwara-Eliya 121.

Kaneohe 420.

Kanhari 61. 64.

Kankesanturai 124. 118.

Kannonsaki 388.

Kanpur, s. Khanpur.

Kansk 315.

=Kanton 225.=

Kantonfluß 219. 225. 232.

Kanuma 403.

Kanzaki 365.

Kao-pei-tien 300.

Kap Bulus 161. -- Buru 161. -- Gute Hoffnung 241. -- Jaeschke 266. -- Laboha 169. -- Liant 169. -- Padaran 219. -- Saint Jacques 217. -- Varella 186.

=Karachi 82.=

Karasaki 378.

Karatsu 353.

Karbouwengat 139.

Karimskaja 317.

Karli, Karli Cave 97.

Karnatak 126.

Kartairi-Wasserfall 129.

Karuizawa 410.

Kasakewitsch 320. 323.

Kasaoka 360.

Kasara 62.

Käsch 219.

Kaschmir 79.

Kasi 90.

Katha 153.

Katpadi 132.

Katscha 315.

Katsuragawa 378.

Katsura-no Rikyu 379.

Katugastota 226.

Kauai 420. 413.

Kaulun 222. 224.

Kaumi 271.

Kawa Kemodjang 204. -- Oepas 203. -- Ratoe 203.

Kawaihae 421.

Kawasaki 393.

Kealakeakua 421.

Kedoengdjatti 207.

Kedoetal 206.

Keijo 333.

Kekerawa 119.

Kelaniya 114.

Keneh 32.

Kescho 188.

Ketrizewo 320. 323.

Khaiber-Paß 80.

Khandala 97.

=Khanpur 88.=

Kharagpur 133.

Khasia-Gebirge 140.

Khôn 185.

Khurda Road 133.

Kialingkiang 263.

Kiangschanki 258.

Kiangyin 255.

=Kiautschou 266.=

Kiikanal 348.

Kilauea 422.

Kimkangsan 335.

Kimsöng 335. 336.

Kinel 312.

Kinghsien 257.

Kingtsechan 258.

Kinkeisan 410.

Kintaikyo 359.

Kintokisan 386.

Kintschau 261.

Kintschou, s. Chinchou.

Kirifuri-no-taki 408.

Kirigalpolla 106.

Kirin 324.

Kirinde 124.

Kisogawa 380.

Kistna 99.

Kityan 241.

Kiukiang 258.

Kiulungkiang 241.

Kjachta 317. 296.

Klang 164.

Kljutschinskaja 315.

=Kōbe-Hyōgo 361.= 362.

Kōbe--Ōsaka--Nara--Kyōto 365.

Kōbe--Nagasaki 358-354.

Kōbe--Shimonoseki (Eisenbahn) 361-258.

Kōbe--Yokohama 387.

Kochi 359.

Kock, Fort de 159.

Koeripanfall 203.

Kofu 383.

Koga 403.

Kohala 79.

Kokura 354.

Kolywansches Erzgebirge 314.

Kompira 357.

Kompirasan 409.

Kompong Luong 184.

Konahuanui 417.

Koninginnen-Bai 159.

=Korea 330.=

Koreastraße 354.

Korfu 22.

Korsika 25.

Koshinsan 409.

Koslande 123.

Kossêr 32.

Kota-Gedang 159.

Kotohira 357.

Kowaki-dani 386.

Kowloon, s. Kaulun.

Koya-san 369.

Kōzu 385.

Krakatau 160.

Kraßnojarsk 315.

Kreta 22. 24.

Krian Road Station 161.

Krishna 99.

Kriwoschtschekowo 314.

Krungkao 177.

Kuala Kangsar 163. -- Kubu 164. -- Lipis 164. -- Lumpur 164. -- Pilah 165.

Kuangtetschou 257.

Küfu 273.

Kugenuma 392.

Kuhpaß 270.

Kulangsu 242.

Kuliang 244.

Kumamoto 353.

Kumbakonam 128.

Kumukahistraße 413.

Kundah 130.

Kunfuda 35.

Kungfutsze 273. 217.

Kungkungtau-Inseln 278.

Künliangtschöng 280.

Kunō-zan 383.

Kupeikou 298.

Kure 359.

Kuré 413.

Kurgan 313.

Kurihashi 403.

Kurilen 337.

Kurla 61.

Kuro-shiwo 348.

Kurseong 140.

Kurunegala 118.

Kurushima no Seto 357.

Kusatsu 379.

Kuschan u. Gebirge 244.

Kutab Minar 74.

Kutno 304.

Kwala Belawan 158.

Kwangdschu 335.

Kwang Tschou 178.

Kwangtschöngtse 324.

Kwantung 337.

=Kyōto 369.=

Kyōto--Yokohama 379.

Kyūshū 348.

L.

Laboean--Deli 158.

Lac-dao 188.

Ladronen-Inseln 219.

Laguna de Bay 240.

Laguna encantada 240.

=Lahore 76.=

Lahore--Karachi 80.

Lakhnau 88.

La Monja 235.

Lamputan-Tempel 242.

Lanai 413. 422.

Landi Kotal 80.

Langfang 277.

Langschanhügel 255.

Lanihuli 417.

Lanka Telika 118.

Lantao, Insel 225. 232.

Laokay 190.

Laos-Staaten 178. 185.

Laotse 217.

Lashio 151.

Lashkar 87.

Lat-Säule 73.

Lauschangebirge 270. 266.

Lauting 270. 266.

Lavinia, Mount 114.

Laysan-Insel 413.

Leitschikloster 244.

Lembang 203.

Letpadan Junction 155.

Leyte 235.

Lianghsianghsien 300.

Liang-yu-chuang 300.

Liaoyang 326.

Liauho 324.

Liautunggolf 279.

Lienshankuan 332.

Lihungtschang 258.

Lingga-Archipel 191.

Ling-gan-san 253.

Lingting-Insel 219.

Linguetta, Kap 22.

Lining 253.

Lin-ngan 190.

Linschotenstraße 345.

Liparische Inseln 25.

Lissa 22.

Litsun 270.

Liukiu 337.

Lofa 277.

Lohêja 35.

Lohogarh 97.

Lonauli 97.

Lopburi 176.

Los Baños 240.

Losing 243.

Lotosteich 272.

Lo-vek 184.

Luang-prabang 185.

=Lucknow 88.=

Lukow 305.

Lungtschuankwan 326.

Lungwang-tung 262.

Lutai 329.

Luzon, Insel 234.

Lwauping 298.

Lwantschou 329.

Lyemun-Paß 241.

M.

=Macao 238.=

Macclesfield Bank 219. 220.

Machiapu 277.

Madarashima 355.

Maddur 181.

Madhuban 96.

Madhupur 96.

Madioen 207.

=Madras 100.= 125.

Madras-Calcutta 132.

Madura 126. -- Insel 208.

Madurastraße 208.

Maebashi 408. 409.

Magdala 35.

Magelang 206.

Mahabaleshwar 97.

Mahabalipuram 104.

Mahamokam Tank 128.

Mahara 115.

Mahavili Ganga 106.

Mahim 62.

Maho 118.

Mahwan, Insel 225.

Maibara 379.

Maiko 361.

Maimatschin 317.

Maisur 137.

Maizaka 383.

Maizuru 379.

Makapuu Point 422.

Makkawejewo 317.

Makung 246.

Malabar Hill 56. 60. 41.

Malacca Town 165.

=Malakka = u. Straße =155.=

Malang 211.

Malutun 235.

Malvalli 131.

Mamuna Pik 123.

Manaar, Insel 124, Golf 125. 106.

Manaita Iwa 355.

Manazuru 387.

=Mandalay 151.=

Mandalay-Bhamo 153.

Mandapam 124.

Mandschurei 318. 329.

Mandschuria 318.

=Manila 236.=

Manindjan-See 159.

Maniyachi 126.

Manmad (Manmar) 62.

Manova 82.

Maos 204.

Marco Polo 61. -- -- -Brücke 299.

Mariinsk 314.

Marikuppam 132.

Maroriff 413.

Marseille 24.

Marseille-Bombay 24.

Marseille-Colombo 105.

Martaban, Golf 143.

Marugame 357.

Marusaki 337.

Masanpho 336.

Masbate 235.

Maskeliya 121.

Massaua 34.

Matale 119.

Matang Fort 163.

Matara 125. 114.

Matheran 96.

Mathura 83.

Matipolliam 129.

Matsuida 410.

Matsushima 356.

Matsuyama 356.

Maubin 155.

Maui 413. 422.

Mauna Kea 422. 421. -- Loa 422. 421.

Mayasan 364.

Maymyo 153.

Mayon 235.

Mecklenburghaus 270.

=Medan 158.=

Medina 33.

Mehmadabad 65.

Mekka 34.

Mekong 178.

Mengtse 274. 217.

Menjardi 312.

Menzale-See 27.

Merapi (Java) 206. -- (Sumatra) 159.

Merbaboe 206.

Mescheni nowka 314.

Meshima 347.

Messina 24. 25.

Mettupalaium 128.

Miass 313.

Michinoo 353.

Midway Island 413.

Mihara 359. 387.

Miha-rashi 409.

Miharayama 348.

Mihashi 408.

Mihintale 121.

Mikomoto 387.

Miko uchi 409.

Millers Pik 413.

Minbu 154.

Mindanao 235.

Mindoro 235.

Mine 392.

Minfluß 243.

Minggrab (b. Nanking) 257.

Minggräber (Peking) 296.

Minhla 154.

Minicoi 105.

Minsk 305.

Minussinsk 314.

Mirsa Schêch Barud 32.

Misaki 393.

Mishima Nada 356.

Mitajiri 358.

Mitarai 357.

Mitsu 356.

Mitsugahama 356.

Miyagino 386.

Miyaichi 358.

Miyajima 359.

Miyako 371.

Miyanoshita 385.

Miyazu 379.

Miyün 297.

Mocha 35.

Modji 287. 286.

Modjokerto 207.

Modu Manu, Insel 413.

Moenggal-Paß 211.

Möngtse 190.

Moentilan 206.

Mogi 352.

Mogok 154.

Moji 355. 354.

Mokka, s. Mocha.

Molokai 413. 422.

Momoyama 379.

Monte Agudo 234.

Montpezir 61.

Mooltan 81.

Moon Plains 123.

Morschansk 312.

Mosesquelle 30. 32.

Moshaisk 305.

=Moskau 305.=

Motienling, Paß 332.

Moto-Hakone 387.

Mount Abu 67. -- Diablo 423. -- Everest 142. -- Lavinia 114.

Mughal Sarai Junction, Station 90. 95.

=Mukden 324.=

Mukojima 360.

Mulin 319.

Munok 190.

Murawjew-Amurskij 323.

Murkurti Peak 130.

Murotosaki, Kap 361.

Murree 78.

Musuki 357.

Mutankiang 319.

Muttra 83.

Myanoung 154.

Myingyan 150. 154.

Myitkyina 153.

Myōgi 410.

Myohaung Junction 150. 153.

Mysore 137.

Myssowaja (Myssowsk) 317.

My-tho 183.

N.

Naba Junction 153.

Nadeschdinskaja 320.

Nagaoka 380.

=Nagasaki 349.=

Nagasaki-Binnenlandsee-Kōbe 354.

Nagasaki-Moji 353.

Naginata Saki 348.

Nagoya 380.

Naigutempel 382.

Naka 357.

Nakatsugawa 383.

Nalande 119.

Nalwar 99.

Namsan 334.

Nandaimun 333.

Nanga-Parbat 79.

Nangasaki, s. Nagasaki.

Nanhai 220.

Naniwa 365.

Nanjangud 131.

=Nanking 256.=

Nank'ou 295.

Nankoupaß 296.

Nanling 257.

Nanlungkou 270.

Nantaisan 407.

Nantai Wuschan-Pagode 241. 242.

Nanuoya 122.

Nara 368.

Narita 403.

Narutaki 353.

Nasik 62.

Nattore 140.

Naulawasserfall 123.

Navsari 64.

Neapel 23. 105.

Neapel-Bombay 23.

Neapel-Colombo 104.

Neckerinsel 413.

Negombo 114.

Negrais, Kap 143.

Negros 235.

Nekoya 384.

Nellore 132.

Nertschinsk 317.

Neun Grad-Kanal 105.

Ngadisari 212.

Nganking 258.

Nha-Trang 186.

Nihoa-Insel 413.

Nihou 337.

Niihama 356.

Niihau 413.

=Nikko 404.=

Nikobaren 134.

Nikolajewsk 323.

Nikolsk-Ussuriisk 320.

Nimrodsund 244.

Ningjuen 329.

Ningganschan-Pagode 256.

Ningkuofu 257.

Ningpo 244.

Ningteh 244.

Ninguta 319.

Nippon (Japan) 337.

Nishimomiya 365.

Nishne-Udinsk 315.

Niulanschan 297.

Niutschwang, s. Yinkou.

Nodol 333.

Noesa Kembangan 205.

Nokotsuna 357.

Nonni 318

Nordchina 264-265.

North Saddle 253.

Norwayinseln 187.

Noshima saki 412.

Nowo-Minsk 305.

Nowo-Nikolajewsk 314.

Nui-Chuachan 182.

Numashima 361.

Numazu 384.

Nunobiki 364.

Nun-yüan 277.

Nurelia 122.

=Nuwara Eliya 122.= 106.

Nyohozan 408.

O.

Oahu 413.

Ob 314.

Obama u. Golf 352.

Obock 36.

Obreestraße 354.

Ockseuinseln 245.

Odateshima 354.

Odawara 385.

Oedjoeng 208.

Ofuna 387. 391.

Ogaki 380.

Ogasawarashima 337.

Ogori 358.

Oita 354.

Oiwake 411.

Oji 368.

Oka 315.

Okamura 357.

Okayama 360.

Okazaki 383.

Okinawa 337.

Oki Shima 357.

Okitsu 384.

Oku-no-in 409.

Olaa 422.

Omama 409.

Omiya 403. 411.

Omori 393.

Omsk 313.

Omura 353.

Ongagawa 354.

Ongole 132.

Onomichi 360. 357.

Ontake 383.

Ootacamund 129.

Ooty 129.

Orscha 305.

=Ōsaka 365.= -- Golf 361. 365. 356. 358. 348.

Ōsakishima 357.

Ose Saki 349.

Oshima 348. 385. 387.

Oshu Kaido 403.

Ostchinesisches Meer 348. 246.

Östlicher Bosporus 320.

=Ostindien 48.=

Osumi Bana 357.

Otometoge 386.

Ōtsu 378. 392.

Ou-dong 184.

Oyama 403. 408.

Oya-shima 337.

P.

=Padang 159.=

Padang-Batavia 160.

Padang-Galanggang 159.

Padang-Pandjang 159.

Padang-Rengas 163.

Padangsches Oberland 159.

Padaran, Kap 186.

Pagan 154.

Pagodenreede 243.

Paikarifluß 130.

Paja-Kombo 139.

Pak-moun 185.

Paknam 170.

Paklat 170.

Paktsim 214.

Palabaddala 124.

Palatupana 124.

Palawan 220.

Palischlucht 420.

Palkstraße 106.

Pambam 124.

Pamiongchi 142.

Panay 235.

Pangerango 202.

Panipat 74.

Pankulam 121.

Pantsiakou 298.

Paoschan-Pagode 255.

Paotingfu 300.

Papaudajan 204.

Papenberg 349.

Paracel-Inseln 219. 220

Parasnath-Gebirge 96.

Parbatipur 140.

Parell 56. 61.

Parit Buntar 161.

Pashoke 143.

Pasoeroean 210.

Pasrepan 211.

Pataling 296.

Pathankot 76.

Patna 95.

Pattaniapura 151.

Pazundaung Creek 148.

Pedjagolan 204.

Pedrotallagalla 106, 123.

Pegu 150.

Pegufluß 148.

Peiho 228.

Peiling 325.

Peitaho 329.

Peitang 329.

Peitsang 277.

=Peking 280.=

Peking-Chinesische Mauer 298.

Peking-Hankau 299.

Peking-Jehol 297.

Peking-Kjachta 317.

Pellaro, Kap 24.

Penandjaan 212.

=Penang 156.=

Penang, Insel 155.

Penang-Singapore 160.

Penang-Sumatra 157.

Penchihu 332.

Pengtse 258.

Pensa 312.

=Peradeniya 117.= 115.

Perim, Insel 35. 31.

Perlfluß 214.

Perur 129.

Pescadores 337.

Pescadoresinseln 245.

Peshawar 80. -- Cantonment Stat. 80.

Petropawlowsk 313.

Petrowski sawod 317.

Petschili, Straße u. Golf 279.

Pettah 113.

Phalut 142.

=Philippinen 235.=

Phrabat 176.

Pidauru Talagala 123.

Pinggit-Paß 206.

Pingshanhien 263.

Piohunsa 336.

Pirie 246.

Piting 246.

Pnom-Penh 184. 179.

Podanur 128.

Poeloe Rakata 160. -- Weh 153.

Poentjak 202.

Poespo 211.

Pogranitschnaja 319.

Point de Galle 125. 114. -- Pedro 124.

Pola 22.

Polgahawela 115.

Polowina 315.

Pondichery 128.

Ponghau 246.

Ponneri 132.

Pont Doumer 188.

Poona 97.

Poradaha Junction 139.

=Port Arthur 327.= -- Berenice 32. -- Dickson 160. 164. -- May 322. -- Saïd 25. 24. 23. 105. -- Sudan 32. 33. -- Swettenham 160. 164. -- Tewfik 28. -- Weld 160. 163.

Porto Novo 128.

Poschan 272.

Possolskaja 317.

Poyangsee 258.

Prabat 176.

Prai 161.

Prambanan 205.

Preanger-Regentschaften 202.

Prinzental 270.

Probolinggo 212.

Prome 154.

Prongs Leuchtturm 56.

Psiloriti 24.

Pukhan 335.

Puksan 334.

Pulo Condor 177.

Pulubrani 168.

=Pulu Pinang 156.=

Puna 97.

Punjab 44. 81

Pup-hyöng 333.

Purana Kila 73.

Puri Jagganath 133.

Pushkar 67.

Pussella 124.

Q.

Quangtri 186.

Quelpart 348.

Quinhon 177.

R.

Radschputana-Ebene 67.

Ragama 115.

Raichur 100.

Rajahmundry 133.

Rakutōko 336.

Rambha 133.

Ramboda 124.

Rambodapaß 123.

Rambukkana 115.

Rameswaram 124.

Ramnagar 95.

Rampur 79.

Ranaghat Junction 139.

Randapola 123.

=Rangoon 145.= 155.

Rangoon-Calcutta 145-143.

Rangoon-Oberbirma 150.

Rangoonfluß 143. 145. 148.

Raniganj 96.

Ranipet 132.

Râs Bab el-Mandeb 30. -- Benas 32. -- el-Bir 36. -- Gharib 32. -- Safarana 32. -- Sijan 36.

Ratnapura 123.

Rawal Pindi 78.

Rawang 164.

Reggio 24.

Renigunta 100.

Riang 143.

Ridi Vihare 118.

Rinchinpong 142.

Riouw-Archipel 191.

Riouw-Inseln 161.

Rjashk 312.

Rohri 81.

Rokkosan 364.

Rokuren 355.

Rompin 166.

Roter Fluß 178.

Rotes Meer 30. 105.

Ryojun Ko 327.

Ryu-Kyu-Inseln 348. 337.

S.

Saalij 333.

Sabang 155. 158.

Sachalin 337.

Saddle Islands 253.

Sa-dec 184.

Safarana 32.

Saga 353. 379.

Sagaing 153.

Sagallo 36.

Sagamibucht 392.

Sagar 132.

Sahati 35.

Saidaimun 333.

=Saïgon 179.=

Saïgon--Pnom-Penh--Angkor--Thom 185.

Saïgon--Haiphong--Hanoï 185.

Saïgon--Singapore 177.

Saïgonfluß 178.

Saint John-Insel 34.

Sakai 367.

Sakava-gawa 385.

Sakitoshima 354.

Sakura 353.

Sakurai 368.

Sálak-Vulkan 202.

Salsette, Insel 55. 61.

Samalkot Junction 133.

Samar 235.

Samara 312.

Samarang 207.

Samban 360.

Sandakphu 142.

=Sandwich-Inseln 413.=

Sankei 359.

Sankt Nikolaas-Huk 160.

San Mateo 235.

Sano 384.

Sanroshiu 336.

Santuan 244.

Sanyoeisenbahn 358.

Sara Ghat 140.

Sardinien 25.

Sarkhej 66.

Sarnath 95.

Sasebo 353.

Saten 224.

Sauakin 33.

Saugor 134.

Sawah-Loentoe 159.

Schadwan-Insel 32.

Schamien 225.

=Schanghai 246.= 255.

Schanghai--Hankau (Yangtsefahrt) 254.

Schanghai--Hongkong 245-240.

Schanghai--Japan 347.

Schanghai--Tsingtau--Tientsin--Peking 265.

Schanhaikuan 329.

Schansi 300.

Schanstaaten 144.

=Schantung 271.=

Schantungvorgebirge 277.

Schaschi 261.

Schaweischan 266.

Schiwuiyao 258.

Schnikou 244.

Schoa 37.

Schuangschywu 270.

Schumicha 313.

Schuntöfu 300.

Schunyi 297.

Sealdah 139.

Sebajir-Inseln 35.

Sechs Brüder 36.

Secunderabad 99.

Seikwan 336.

Seki 392.

Seki-ga-hara 380.

Semeroe 211. 191.

Semipalatinsk 314.

Sengenyama 386.

Sengoku 386.

Sensuito 360.

Sentei 359.

Serampore 96.

Seremban 165.

Serendah 164.

Serendib 106.

Seringapatam 131.

Seta 379.

Seulawai Agam 155.

Shah-Dara 77.

Sha-ho 295. 326.

Shahocheu 332.

Shalimar 78. -- Bagh 79.

Shang-fang-san 254.

Shanghai, s. Schanghai.

Shang-kuan 296.

Shêchan 260.

Shibukawa 408.

Shichijo 369.

Shichi-to 348.

Shillong 140.

Shimoga 131.

Shimonoseki 355.

Shimonoseki--Kōbe (Eisenbahn) 358.

Shimo Sakamoto 378.

Shinagawa 393.

Shinsen 336.

Shinyu-Unsen 352.

Shiojiri 383.

Shioya 361.

Shirakawa 377.

Shiranesan 408.

Shiwo Misaki 387.

Shizuoka 383.

Shodoshima 360.

Sholapur 98.

Shoto-en 385.

Shozushima 360. 358.

Shufurei 336.

Shukaltirth 65.

=Siam 170.=

Siaukuschan 258.

=Sibirische Bahn 301.=

Sieben Inseln 348.

Siedlec 305.

Siem-reap 184.

Sierra de Mariveles 234.

Sigiri 119.

Sigur 130.

Sikandarah 86.

Sikiang 215. 233.

Silberinsel 255.

Siliguri 140.

Sima 315.

Simla 75.

Sinai 30.

Sinaihalbinsel 29. 32.

Sindanglaja 202. 201.

Sindukphu 142.

=Singapore 167.= 161.

Singapore-Bangkok 169.

Singapore-Batavia 190.

Singapore-Hongkong 219.

Singapore-Saïgon 177.

Singgalang 159.

Singhala 106.

Singkarah 159.

Single Tree Hill 123.

Sinhgarh 97.

Sischanhügel 259.

Sitoe Bagendit-See 204. -- Batoe 202. -- Goenoeng 202.

Sivasamudram 131.

Siwalli 64.

Skierniewice 304.

Skrypleff 320.

Slatoust 313.

Smolensk 305.

Sochondo 317.

Soekaboemi 202.

Soekapoera 212.

Soengai-Poear 159. -- -Tanang 159.

=Soerabaja 207.=

Soerakarta 207.

Sokotra 41. 105.

Solo 207.

Solok 159.

Sone 360.

Songkoi 178. 190.

Sori 409.

=Söul 333.=

Sperlingsberge 309.

Spexstraße 354.

Srinagar 79.

Sri Rangam 127.

Srirangapattam 131.

Sserpuchow 311.

Steamer Point 38.

Steepinsel 246.

=Straits Settlements 155.=

Strjetensk 317. 323.

Stromboli 24.

Studjenka 305.

Suakin (Sauakin) 33.

Suantuau 244.

Sua-Son-Lek-Tin 170.

Subic 234.

Suchiatun 325.

Su-chou 248.

=Südchina 215.=

Südchinesisches Meer 220. 169. 177.

Südsee 411.

Suez 29. 105, Golf 32. 105.

=Suezkanal 26.= 105.

Suifu 263.

Suifun 319.

Suigen 336.

Sulphur-Durchfahrt 220.

Sultanpur 75.

Suma 361.

=Sumatra 157.= 158.

Sumidagawa 396.

Sumiyoshi 367.

Sundastraße 160.

Sungari 318.

Sungsi-Kaia 163. -- Siput 163.

Sunho 297.

Suradjnagar 79.

Surat 64.

Surugabucht 384.

Sutschou 253.

Suwayama 364.

Suwo Nada 356.

Swatau 241.

Swatoje More 316.

Syfang II 271.

Syrivun 149.

T.

Tachienlu 263.

Tadjura 36.

Tadotsu 357.

Tadpatri 100.

Tafelberg 423.

Taianfu 273.

Taiku 336.

Taiping 257. 161.

Taipingkanal 261.

Taipo 224.

Tair, Djebel 34. 35.

Tairen Wan, s. Dairen.

Taischan 273.

Taitungtschen 270.

Taiwan (Formosa) 337.

Taiyuenfu 300.

Tajga 314.

Taj Mahal 85.

Takaboko 349. 351.

Takada 368.

Takahama 356.

Takaikami 357.

Takamatsu 358.

Takarazuka 365.

Takasago 360.

Takasaki 411.

Takatori 361.

Takayama 361.

Takenoko 355.

Takeo 353.

Taku, Takuforts 279.

Talawakele 122.

Talgappe 132.

Talienwan 326.

Taloschan 297.

Tanaka 392.

Tanchoi 317.

Tandikat 159.

Tandjong-Pandang 191.

Tandjong-Priok 195.

Tandschur, s. Tanjore.

Tandur 98.

Tanegashima 348.

Tangfang 329.

Tangho 329.

Tangkangtzu 326.

Tangkoeban-Prahoe 203.

Tangkukae 335.

T'ang-shan 297.

Tanjore 127.

Tapah Road 164.

Taragarh-Hügel 67.

Tarna 176.

Tasik-Malaja 204.

Tatarskaja 314.

Tatung 257.

Tawaji, Bai 39.

Teesta Bridge 143. -- -Tal 143.

Telaga Bodas 204. -- Warna 202.

Teliszu 326.

Telok Anson 160. 164.

Temerloh 166.

Tempelpaß 270.

Tengger 211. -- Vulkan 211.

Tenggeresen 212.

Teng-gol 169.

Tengyau 270.

Tenjintoge 409.

Tenoyugawa-Stromschnellen 383.

Thabeitkyin 154.

Thaetsingang 335.

Thana 61.

Thazi Junction 150.

The Straits 161.

Thudau mot 183.

Tiahling 324.

=Tientsin 275.=

Tientsin--Peking 277.

Tientsin Settlement 280. 276.

Tiger Hill 141.

Timsah-See 28.

Tinghai 244.

Tioman 169.

Tirapane 119.

Tirukalikundrum 104.

Tirumala 100.

Tirupati 100.

Tissamaharama 124.

Tjandi 208.

Tjangkoewang-See 204.

Tjiampelas 203.

Tjiandjoer 202.

Tjibatoe 203.

Tjibodas 203.

Tjilatjap 205.

Tjipanas 202. 204.

Tjiseroepan 204.

Tjisokanfluß 203.

Tjitaroemfluß 203.

Tjitis 204.

Tjitjalengka 203.

Tjoeroeg 203.

Toba 382.

Tobol 313.

Tobolsk 314.

Tobusaki 354.

Todas 130.

Todestal 204.

To-Fluß 155.

Togami 403.

Tokaido 378.

Tokuyama 358.

=Tōkyō 393.=

Tōkyō--Nikkō 403.

Tōkyō, Golf 388. 390. 396. 348.

Tolohafen 224.

Tomagashima 387.

Tomo 360.

=Tomsk 314.=

Tongku 279.

Tongschan 329.

Tongting 246.

=Tonkin 188.= 178.

Tonosho 360.

Tor (Sinai) 32.

Torishinia 347.

Tosari 211.

Toshi-jima 382.

Tosu 353.

Totapolla 106.

Totsuka 391.

Tourane 186. 177.

Toyama 408.

Toyohashi 383.

Toyoura 358.

Trian 183.

Trichinopoly 127. 128.

Triest 22. 23.

Triest--Bombay 22.

Triest--Colombo 106.

Trimalgiri 99.

Trincomalie 124. 121. 106.

Trivalur 104.

Trombay, Insel 55.

Tsachokou 332.

Tsangkou 271.

Tschalientau 266.

Tschanganso 335. 336.

Tschangli 329.

Tschanglo 272.

Tschangscha 261.

Tschangschan-Durchfahrt 279.

Tschangtöfu 300.

Tschangtschun 324.

Tschánho 296.

Tschautschoufu 241.

Tscheljabinsk 313.

Tschengtan 270.

=Tschifu 278.=

Tschikiang 262.

Tschimtschun 224.

=Tschimulpo 333.=

Tschinglungtse 272.

Tschingwantau 329.

Tschinhai 244.

Tschinkiang 255.

Tschita 317.

Tschiu-schui 270.

Tschöngtingfu 300.

Tschöngtou 263.

Tschop-Dollar 219.

Tschouhsien 274.

Tschoutsun 272.

Tschukiang 219.

Tschumatien 301.

Tschungking 263.

Tschusanarchipel 244. 253.

Tschusanpagode 255.

Tsientangkiang 253.

=Tsinanfu 272.=

=Tsingtau 267.=

Tsingtau--Tsinanfu 271.

Tsingtschoufu 272.

Tsinkiang 262.

Tsinling-Gebirge 215.

Tsumago 383.

Tsungming 255.

Tsuruga 379.

Tsurumi 393.

Tsuru Shima Seto 357.

Tsushima 337.

Tughlakabad 74.

Tula 311.

Tulun 315.

Tundla 88. -- Junction 83.

Tunghai 348.

Tungling, Ostgrab 325.

Tungliu 258.

Tungscha-Feuerschiff 246.

Tungtingsee 261.

Tuni 133.

Turnaboutinsel 245.

Tuticorin 125.

Twin Peaks 240.

U.

Uchino Umi 358.

Uda 317.

Udvada 64.

Ufa 312.

Uji 382.

Ujina 359.

Umballa 74. 75.

Undavilli 133.

Unzentake 352.

Upolu Point 422.

Uraga 392. 388.

Uragakanal 348. 388. 390. 412.

Urakamino Onsen 353.

Uralgebirge 312.

Urami 408.

Urawa 403.

Urga 317.

Uri 79.

Urshum 313.

Ushizu 353.

Uslowaja 312.

Ussuribahn 323. 320.

Ussuribucht 322.

Ussurifluß 323.

Ustj Strjelka 317.

Uti 129.

Utsunomiya 403. 408.

V.

Van Diemenstraße 348.

Varella, Kap 186.

Vellore 132.

Victoria (Hongkong) 223. -- Peak 222.

Victoriasee 149.

Vidjajapura 98.

Villupuram 128.

Vinh-long 184.

Vizagapatam 133.

Vizianagram 133.

Vorderindien 42.

Vriesinsel 387.

W.

Wackelstein 242.

Wadi Junction Stat. 99.

Wafangtien 326.

Wahiawa 420.

Waikiki 420.

Waimea 422.

Waka-no-ura 367.

Wakayama 367.

Waltair 133.

Wanaradja 204.

Wang-ba-gr 298.

Wangking 333.

Wanshien 262.

=Warschau 304.=

=Weihaiwei 278.=

Weihsien 272.

Weißer Hirsch- u. Tigertempel 242.

Wellawaya 123.

Wellesley 155.

Wellington 129.

Werchne-Udinsk 317.

Westberge 293.

Westgräber 300.

West-Lamma-Durchfahrt 219-220.

Whampoa 225.

Widodaren 211.

Wjasma 305.

Wjasowaja 313.

=Wladiwostok 320.=

Wladiwostok-Chabarowsk 323.

Wloclawek 304.

Wolga 312.

Wönsan 334.

Wöntschou 244.

Woodlands 169.

World's End 123.

Wosnessenskij-Kloster 315.

Wuhu 257.

Wulungpei 332.

Wusüeh 258.

Wusung 246. 245.

Wutschang 259.

Y.

Yamada 381.

Yamaguchi 358.

Yamakita 385.

Yamashina 379.

Yanaitsu 358.

Yandoon 154.

=Yangtsefahrt 254.=

Yangtsekiang 246. 254.

Yangtsun 277.

Yankintaung 153.

Yao 368.

Yapahu 118.

Yashima 356.

Yashimayama 358.

Yatsugatake 338.

Yaumati 224.

Yedobai 390.

Yenangyaung 154.

Yentai 326

Yeso, s. Yezo.

Yezo, Insel 337.

Yingkou 328.

Yitsching 256.

Yodogawa 365.

=Yokohama 388.=

Yokohama-Kōbe 387.

Yokohama-Kyōto 387-379.

Yokohama-San Francisco 423.

Yokohama-Tōkyō 393.

Yokohamabai 390.

Yokosuka 392. 388.

Yongpöng 335.

Yotschau 261.

Yüchömsa 336.

Yuda 358.

Yünnan, Prov. 189.

=Yünnanfu 190.=

Yumoto 385. -- und See 408. 409.

Yunfukloster 244.

Yungfluß 244.

Yungpingfu 298.

Yungsan 333.

Yunuisan 266.

Yurastraße 387.

Z.

Zikawei 252.

Zizikar 318.

Zushi 392.

Druck vom Bibliographischen Institut in Leipzig.

Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig.

_Für Reise und Haus._

_Arabisch_ _geb._ 3 _M._ _Dän.-Norwegisch_ - 3 - _Englisch_ - 2,50 - _Französisch_ - 2,50 - _Italienisch_ - 2,50 - _Neugriechisch_ - 2,50 - _Portugiesisch_ - 3,50 - _Russisch_ - 5 - _Schwedisch_ - 3 - _Spanisch_ - 3 - _Türkisch_ - 3 -

* * * * *

=Meyers Sprachführer= bieten als Verschmelzung von _Konversationsbuch_ und _Taschenwörterbuch_ den großen Vorzug, daß man sich mit ihrer Hilfe in der Sprache fremden Landes ohne besondere Vorkenntnis ausdrücken und eine jedermann verständliche Unterhaltung führen kann. Man findet _im Nu_ das gewünschte Wort, daneben Warnung vor üblichen _Sprachfehlern_, _grammatische_ Anweisungen, lehrreiche Winke über _Sitten_ und _Gebräuche_ und eine Fülle _zusammengehöriger_ Vokabeln und Redewendungen. Korrekt in der Sprache und praktisch in der Anlage, sind diese Führer vortreffliche Helfer _auf der Reise und im Haus_.

Münzen-Umrechnungstabelle.

========================================================================== | Man erhält ungefähr für Name des |-------+---------+---------+--------+-------+--------+--------+ Landes |Wert in| 1 Mark | 1 Tael |1Pfd.St.|1 Frank|1 Lira |1 Gold- | | |=deutsch=|=chines.=|=eng- = |=fran-=|=itali-=| Yen | | |=deutsch=|=chines.=|=lisch= |= zös.=|= en.=|=japan.=| ----------+-------+---------+---------+--------+-------+--------+--------+ =Deutsch-=|Mark zu| | | | | | | =land= |100 Pf.| -- |M. 3,10 |M. 20,40|M. 0,80|M. 0,80 |M. 2,10 | ----------+-------+---------+---------+--------+-------+--------+--------+ =China[A]=|Tael zu| | | | | | | |1000 | Tael | | Tael | Tael | Tael | Tael | | Cash | 0,323 | -- | 6,580 | 0,258 | 0,258 | 0,674 | ----------+-------+---------+---------+--------+-------+--------+--------+ |Pfd. | | | | | | | | Sterl.| | | | | | | =England= |zu 20 | | | | | | | |Shill. | 1 sh. |3 sh. 2d.| -- |9-1/2d.|9-1/2 d.|2 sh.1d.| |zu 12d.| | | | | | | ----------+-------+---------+---------+--------+-------+--------+--------+ |Frank | | | | | | | =Frank-= |zu 100 |Fr. 1,25 |Fr. 3,875|Fr.25,50| -- Fr. 1,00|Fr.2,612| =reich= |Centi- | | | | | | | |mes | | | | | | | ----------+-------+---------+---------+--------+-------+--------+--------+ |Lira zu| | | | | | | =Italien= |100Cen-| L. 1,25 |L. 3,875 |L. 25,50|L. 1,00| -- |L. 2,612| |tesimi | | | | | | | ----------+-------+---------+---------+--------+-------+--------+--------+ =Japan= |Gold- | | | | | | | | Yen | | | | | | | |zu 100 |Yen 0,48 |Yen 1,48 |Yen 9,76|Yen0,38|Yen 0,38| -- | | Sen | | | | | | | ----------+-------+---------+---------+--------+-------+--------+--------+ =Nieder-= |Gulden | | | | | | | =lande= |zu 100 | | | | | | | |Cents |Fl.0,585 |Fl.1, 92 |Fl.12,00|47 cts.| 47 cts.|Fl.1,225| ----------+-------+---------+---------+--------+-------+--------+--------+ =Nord-= |Dollar | | | | | | | =amerika= |zu 100 | 23,5 | 73 Cents| Doll. | 18,8 | 18,8 | 48 | |Cents | Cents | | 4,80 | Cents | Cents | Cents | ----------+-------+---------+---------+--------+-------+--------+--------+ =Österr.-=|Krone | | | | | | | =Ungarn= |zu 100 |Kr. 1,176|Kr. 3,845|Kr.24,00|Kr.0,94|Kr. 0,94|Kr.2,457| ----------+-------+---------+---------+--------+-------+--------+--------+ =Ost-= |Rupie | | | | | | | =Indien= |zu 16 | | | | | | | |Annas |11 Annas |2 Rupies |14Rupies|9 Annas|9 Annas |1 Rupie | |zu 12 | | | | | | | |Pies | 5 Pies |3 A. 5 P.|9 A.1 P.| | |4A. 11P.| ----------+-------+---------+---------+--------+-------+--------+--------+ =Portugal=|Milreis| | |4 Mil- | | | | |zu 1000| | | reis | 176 | |459-4/5 | | Reis | 220 Reis| 682 Reis|493 Reis| Reis |176 Reis| Reis | ----------+-------+---------+---------+--------+-------+--------+--------+ |Rubel | | | | | | | =Rußland= |zu 100 |46,3 Kop.|1,43 Rub.| 9,49 | 37 | 37 Kop.| 97 Kop.| |Kopeken| | | Rub. | Kop. | | | ----------+-------+---------+---------+--------+-------+--------+--------+ |Peseta |1 Peseta |3 Pesetas| | | | 2 | =Spanien= |zu 100 | 25 Cts. |87,5 Cts.| 25,5 | 1 | 1 | Pesetas| |Cente- | | | Pes. | Peseta| Peseta | 61,25 | |simas | | | | | | Cts. | ----------+-------+---------+---------+--------+-------+--------+--------+ =Türkei= |Piaster|5 Piaster| 17 | |4 | 4 | 11 | |zu 40 |22 Para | Piaster |113,3 P.|Piaster| Piaster| Piaster| |Para | | 8 Para | |18 Para| 18 Para| 24 Para| ----------+-------+---------+---------+--------+-------+--------+--------+

========================================================================= | Man erhält ungefähr für Name des |-------+----------+---------+---------+-----------+----------+ Landes |Wert in| 1 Gulden |1 Dollar | 1 Krone | 1 Rupie | 1 Milreis| | | =nie- = |=ameri-= |=öster-= | =indisch= | =portu-= | | | =derl. = |=kan. = |=reich.= | | =gies. = | ----------+-------+----------+---------+---------+-----------+----------+ =Deutsch-=|Mark zu| | | | | | =land= |100 Pf.| M. 1,70 | M. 4,25 | M. 0,85 | M. 1,40 | M. 4,54 | ----------+-------+----------+-------------------------------+----------+ =China[A]=|Tael zu| | | | | | |1000 | Tael | Tael | Tael | Tael | Tael | | Cash | 0,550 | 1,370 | 0,275 | 0,452 | 1,465 | ----------+-------+----------+---------+---------+-----------+----------+ |Pfd. | | | | | | | Sterl.| | | | | | =England= |zu 20 | 20 d. | 4sh. | 10 d. | 1 sh. 4 d.| 4 sh. | |Shill. | | 2 d. | | | 5-1/2 d.| |zu 12d.| | | | | | ----------+-------+----------+---------+---------+-----------+----------+ |Frank | | | | | | =Frank-= |zu 100 | Fr. 2,12 | Fr. 5,30|Fr. 1,065| Fr. 1,75 | Fr. 5,675| =reich= |Centi- | | | | | | |mes | | | | | | ----------+-------+----------+---------+---------+-----------+----------+ |Lira zu| | | | | | =Italien= |100Cen-| L. 2,12 | L. 5,30 | L. 1,065| L. 1,75 | L. 5,675 | |tesimi | | | | | | ----------+-------+----------+---------+---------+-----------+----------+ =Japan= |Gold- | | | | | | | Yen | | | | | | |zu 100 | Yen 0,80 | Yen 2,04| Yen 0,40| Yen 0,76 | Yen 2,16 | | Sen | | | | | | ----------+-------+----------+---------+---------+-----------+----------+ =Nieder-= |Gulden | | | | | | =lande= |zu 100 | -- |Fl. 2,50 | 50 cts. | 82,5 cts. | Fl. 2,67 | |Cents | | | | | | ----------+-------+----------+---------+---------+-----------+----------+ =Nord-= |Dollar | | | | | | =amerika= |zu 100 | 40 Cents | -- | 20 Cents| 33 Cents |106,8 Cts.| |Cents | | | | | | ----------+-------+----------+---------+---------+-----------+----------+ =Österr.-=|Krone | | | | | | =Ungarn= |zu 100 | Kr. 2,00 | Kr. 5,00| -- | Kr. 1,65 | Kr. 5,34 | ----------+-------+----------+---------+---------+-----------+----------+ =Ost-= |Rupie | | | | | | =Indien= |zu 16 | | | | | | |Annas | 1 Rupie | 3 Rupies| 10 Annas| -- |3 Rupies | |zu 12 | 5 A. 6 P.| 7 Pies | 9 Pies | |3 A. 10 P.| |Pies | | | | | | ----------+-------+----------+---------+---------+-----------+----------+ =Portugal=|Milreis| | | | | | |zu 1000| 374 Reis | 936 Reis| 187 Reis| 308 Reis | -- | | Reis | | | | | | ----------+-------+----------+---------+---------+-----------+----------+ |Rubel | | | | | | =Rußland= |zu 100 | 78 Kop. |1,96 Rub.| 39 Kop. | 65 Kop. | 2,1 Rub. |Kopeken| | | | | | ----------+-------+----------+---------+---------+-----------+----------+ |Peseta | | 5 | | | 5 | =Spanien= |zu 100 |2,12 Pes. | Pesetas | 1,062 | 1,75 Pes. | Pesetas | |Cente- | | 30 Cts. | Pes. | | 67,5 Cts.| |simas | | | | | | ----------+-------+----------+---------+---------+-----------+----------+ =Türkei= |Piaster| 9 | 23 |4 Piaster| 7 Piaster | 25 | |zu 40 | Piaster | Piaster |28,75 | 30 Para | Piaster | |Para | 17 Para | 24 Para | Para | | 9 Para | ----------+-------+----------+---------+---------+-----------+----------+

================================================== | Man erhält ungefähr für Name des |-------+----------+---------+---------+ Landes |Wert in| 1 Rubel |1 Peseta |1 Piaster| | | |=spa-= |=tür-= | | | =russ. = |=nisch= |=kisch= | ----------+-------+----------+---------+---------+ =Deutsch-=|Mark zu| | | | =land= |100 Pf.| M. 2,16 | M. 0,80 | M. 0,18 | ----------+-------+----------+---------+---------+ =China[A]=|Tael zu| | | | |1000 | Tael | Tael | Tael | | Cash | 0,71 | 1,370 | 0,275 | ----------+-------+----------+---------+---------+ |Pfd. | | | | | Sterl.| 2 sh. | | | =England= |zu 20 | 2 d. | 9-1/2 d.| 2-1/3 d.| |Shill. | | | | |zu 12d.| | | | ----------+-------+----------+---------+---------+ |Frank | | | | =Frank-= |zu 100 | Fr. 2,68 | Fr. 1,00|Fr. 0,225| =reich= |Centi- | | | | |mes | | | | ----------+-------+----------+---------+---------+ |Lira zu| | | | =Italien= |100Cen-| L. 2,68 | L. 1,00 | L. 0,225| |tesimi | | | | ----------+-------+----------+---------+---------+ =Japan= |Gold- | | | | | Yen | | | | |zu 100 | Yen 1,05 | Yen 0,38| Yen 0,08| | Sen | | | | ----------+-------+----------+---------+---------+ =Nieder-= |Gulden | | | | =lande= |zu 100 | Fl. 1,229| 47 cts. |Fl. 0,105| |Cents | | | | ----------+-------+----------+---------+---------+ =Nord-= |Dollar | | | | =amerika= |zu 100 | 49 Cents | 18,8 | 4,25 | |Cents | | Cents | Cents | ----------+-------+----------+---------+---------+ =Österr.-=|Krone | | | | =Ungarn= |zu 100 | Kr. 2,54 | Kr. 0,94|Kr. 0,212| ----------+-------+----------+---------+---------+ =Ost-= |Rupie | | | | =Indien= |zu 16 | | | | |Annas | 1 Rupie | 9 Annas | 2 Annas | |zu 12 | 5 A. 8 P.| | 1 Pies | |Pies | | | | ----------+-------+----------+---------+---------+ =Portugal=|Milreis| | | | |zu 1000| 476 Reis | 176 Reis| 39-13/20| | Reis | | | R. | ----------+-------+----------+---------+---------+ |Rubel | | | | =Rußland= |zu 100 | -- | 37 Kop. | 8 Kop. | |Kopeken| | | | ----------+-------+----------+---------+---------+ |Peseta | 2 | | | =Spanien= |zu 100 | Pesetas | -- | 22,5 | |Cente- | 61 Cts. | | Cts. | |simas | | | | ----------+-------+----------+---------+---------+ =Türkei= |Piaster| | 4 | | |zu 40 | 12 | Piaster | -- | |Para | Piaster | 18 Para | | ----------+-------+----------+---------+---------+

FUSSNOTEN

[1] Nach Berechnung oder Schätzung.

[A] Der in den chinesischen Küstenplätzen umlaufende =Mexikanische Dollar= hat ungefähr den Wert eines japanischen Gold-Yen (s. unten).

Anmerkungen des Bearbeiters:

Unterschiedliche Schreibweisen von (z.B.) Hotel und Hôtel resultieren aus unterschiedlichen Sprachen. U.a.: Deutsch, Englisch, Französisch, etc.

Fettdruck markiert durch: =...=

Kursivschrift markiert durch: _..._

Gesperrter Text markiert durch: _=...=_

Die inkonsistente Verwendung von Bindestrichen im Original wurde beibehalten.

^ beschreibt das darauf folgende Zeichen als Exponenten.

[Hand] beschreibt eine zeigende Hand auf den darauf folgenden Text.