Welt- und Lebenanschauungen; hervorgegangen aus Religion, Philosophie und Naturerkenntnis

Part 46

Chapter 463,607 wordsPublic domain

Endlich die vierte Klasse, die Verbindung der psychischen Tätigkeiten miteinander. Häckel sagt geradezu: „Jede Psychomform kann in eine andere übergeführt werden“. Also Umwandlung der psychischen Energien ineinander. Hierfür scheint manches zu sprechen. Wir haben die Empfindung „Hunger“; wir essen, und allmählich schwindet diese Empfindung, und es wächst die Empfindung „satt“ heran, die bis zu „übersatt“ steigen kann, die eine oder andere als Äquivalent für die verlorene Empfindung Hunger. So wandelt sich auch mitunter das Gefühl der Verehrung in das der Gleichgültigkeit oder gar der Verachtung, das der Liebe in Haß usf. Indessen kennen wir auch Fälle, in denen von einer Umwandlung des einen in das andere doch wohl nicht die Rede sein kann. Es scheint, als ob die Seelentätigkeiten in Gruppen zu teilen sind, die sich getrennt voneinander halten, sich nicht ineinander wandeln. Worin soll sich das Bewußtsein wandeln, da es doch überall dabei sein muß und, wie das Auge die Gegenstände, so die anderen Seelentätigkeiten wie ganz außer und über ihnen betrachtet? Wer Kategorien, wie die Kausalität, anerkennt, wird auch wegen ihrer in Verlegenheit sein. Sie sind die Regulative für alle inneren Seelentätigkeiten, wie Wahrnehmen, Denken usf. Nehmen wir noch ein handgreiflicheres Beispiel. Es meint ein Mensch, aus Unwissenheit oder aus Aberglauben, oder aus besonderer Stimmung heraus, ein Gespenst zu sehen. Es ist eine innere Wahrnehmung. Bangen, Furcht und Angst ergreifen ihn und dauern mit der Wahrnehmung. Eine Umwandlung der Wahrnehmung in diese Gefühle hat nicht stattgefunden, die Wahrnehmung kann diese Gefühle sogar überdauern. Aus solchen und ähnlichen Beispielen glaube ich entnehmen zu sollen, daß auch die psychischen Energien, um wieder energetisch zu reden, sich nur auslösen, und daß die Umwandlungen nur scheinbar sind, indem immer ein anderes dazwischen tritt, so der Reiz, den die Speisen ausüben, der die eine Empfindung, Hunger, aufhebt und die andere, „satt“ oder „übersatt“, auslöst, neue Wahrnehmungen über den Gegenstand der Verehrung oder Liebe usf. Daß aber außerdem, auch hier wie bei der dritten Klasse, Erscheinungen auftreten, Regulierungen, die keiner physischen Energie zukommen.

Überblicken wir alles bisher Gesagte, so ergibt sich folgendes:

1. Werden die Seelentätigkeiten als physische Energien betrachtet, so hat man sie als auslösende Energien anzusehen. Sie können dann ihr Äquivalent nur ineinander finden, was allgemein nicht zutrifft. Oder sie haben ihr Äquivalent in den physischen Energien der betreffenden Nervenzellen (Ganglien und Ganglienanhäufungen im Gehirn, Rückenmark, Sonnengeflecht), im ~Psychoplasma~, wie Häckel sagt. Das letztere zu behaupten sind die Materialisten und Energetiker naturgemäß am meisten geneigt. Aber haben sie die Behauptung auch schon experimentell bewiesen? Man kann darauf nur mit Nein antworten. Die feststehende Tatsache, auf die sie sich immer berufen, daß Körper und Geist sich stets beeinflussen, ist kein Beweis. Es ist richtig, daß das Gehirn eines müden Menschen durch Dissimilation gewisse Stoffe mehr enthält und andere weniger als das eines nicht müden. Müssen darum diese Umwandlungen Äquivalente der Gedanken- oder Gefühlsenergien sein, können sie nicht indirekt entstanden sein? Man denke an folgenden Fall. Der Wille zwingt einen Muskel, sich zusammenzuziehen oder zu strecken. Während des Zustandes der Kontraktion oder Streckung bildet sich im Muskel als störender Stoff Milchsäure aus, und der Muskel ermüdet und zehrt zuletzt gewissermaßen den Willen auf. Aber unter wie anderen Ernährungsverhältnissen steht der kontrahierte oder gestreckte Muskel gegenüber dem normal liegenden! Diese Änderung der Ernährungsverhältnisse hat die Änderung in der Zusammensetzung des Muskels herbeigeführt, die Änderung ist kein Äquivalent des Willens. Ähnlich ist kaum eine Seelentätigkeit ohne Beeinflussung des Herzens und anderer Teile des Körpers vorhanden. Die dadurch herbeigeführten physischen Änderungen müssen auch die Ernährung der Zellen ändern. Dies alles kann man, wie ich glaube, mit großem Rechte jener apodiktischen Behauptung so lange entgegenhalten, als nicht Beweise im einzelnen beigebracht sind. Und diese fehlen noch, wenn auch zugestanden werden kann, daß die Untersuchung namentlich der Stromschwankungen in den Nerven und der Stoffumsetzungen in den Ganglien einiges in Aussicht stellen mag.

2. Die Seelentätigkeiten bieten Erscheinungen, die bei keiner physischen Energie anzutreffen sind, indem sie namentlich, zur Entwicklung und Erhaltung des Körpers als ~lebenden~ Gegenstandes, auch ~regulierend~ wirken. Hierüber ist nach dem Gesagten nichts hinzuzufügen.

3. Es gibt Seelentätigkeiten, denen der Charakter von Energien beizumessen nicht angängig ist. Dahin gehört vor allem die Anschauung der Zeit und gehören die Kategorien, wie namentlich die Kausalität, Regulative des inneren Lebens und des Lebens in und mit der äußeren Welt. Auch das Bewußtsein würde ich hierher rechnen als Organ zur ~Wahrnehmung~ des inneren Lebens.

Endlich bedenke man noch folgendes: Was haben wir von den physischen Erklärungen der psychischen Tätigkeiten noch außerdem zu verlangen?

4. Alle physischen Vorgänge müssen sich zusammengefaßt als ein ~Gesamtes~ erkennen; es entspricht das unserem Bewußtsein von unserem Ich und dem was auf S. 455 f. davon und von den Ostwaldschen Reaktionsfolgen gesagt ist.

5. Jeder physische Vorgang muß sich außerdem für sich ~in sich~ erkennen.

6. Jeder physische Vorgang muß ~jeden anderen~ Vorgang kennen und erkennen, da jeder jeden anderen hervorruft und korrigiert, zum Beispiel die Empfindung Schmerz den Willen Schreien.

7. Kein physischer Vorgang darf durch Hinzutreten neuer Vorgänge oder durch Schwinden vorhandener ~gestört~ werden. Das könnte man physisch noch am ehesten verstehen.

8. Jeder physische Vorgang muß andere Vorgänge, beliebiger Art, selbst entgegengesetzte, ~voraussehen~, denn wir kennen unsere inneren und äußeren Handlungen und wissen, was auf jeden Vorgang in uns folgt, bis zu bestimmter Vorstellung oder gar Wahrnehmung.

Wer das alles von physischen Vorgängen glaubt zugestehen zu können, mag die Welt der Psyche der Welt der Physis gleich machen. Ich persönlich halte ein solches Zugeständnis für ganz undenkbar. Automaten, selbst solche unseres phantastischesten Dichters E. T. A. Hoffmann wird wohl niemand mehr als Beispiele anführen. Oberflächliche Analogien kann man überall finden. Darum handelt es sich nicht. Um bestimmte Verständlichmachung handelt es sich, daß man mit Einsicht sagen kann: Jawohl, so kann es sich in der Tat verhalten. Davon aber sind Mechanistik und Energetik unendlich weit entfernt, selbst wenn man von den Widersprüchen absieht, in die sie sich gegen sich selbst verwickeln und von denen der bedeutendste der der Gegenwirkung des physischen und des psychischen Regulativs ist. Die physikalisch-chemischen Gesetze wirken im Leben ganz so wie in der unbelebten Welt. Aber sie sind im Leben nicht die einzigen Gesetze, es kommen noch andere Gesetze hinzu, namentlich regulierende, die in der unbelebten Welt nicht bestehen, soviel wir wissen, und deren Aufgabe in Gegenwirkungen gerade gegen jene physikalischen Gesetze besteht. Auch die physikalisch-chemischen Erscheinungen erschöpfen das Leben nicht; es sind im Leben noch andere Erscheinungen vorhanden, die wir in der unbelebten Welt nicht treffen, wie die wunderbaren der phylogenetischen und ontogenetischen Entwicklung aus den unzähligen Möglichkeiten (S. 448 ff.). Das Leben enthält eben mehr als das Unbelebte, und zwar Eigenes, Besonderes.

Nun noch einige Worte. Die physischen Anschauungen bringen es anscheinend mit sich, daß weder von Gott noch von Freiheit oder Unsterblichkeit gesprochen werden kann. Ich will nur über das letztere etwas sagen, die Unsterblichkeit. Als Ganzes kommt sie physisch nicht in Betracht. Aber vielleicht zum Teil? Wir wissen, daß in der Natur Wärme unsterblich ist. Alle Vorgänge in der Natur sind irgendwo mit Wärmeentwicklung verbunden. Wärme ist nur beschränkt in andere Energie verwandelbar, also muß insgesamt immer eine Wärmezunahme erfolgen. Und so steigt die Menge Wärme im Weltall zu bestimmtem Höchstbetrag, der dann bleiben muß (vgl. jedoch S. 440). Wenn in den psychischen Energien solche vorhanden sein sollten, die gleichfalls nur beschränkt verwandelbar sind, so müssen diese stetig zunehmen. Ohne Umwandlungen sind solche Energien Leben ohne Tätigkeit; also dieses Leben muß im Weltall stetig wachsen. Am Ende sind diese Energien allein von allen psychischen Energien vorhanden, und wir haben nur Leben ohne Tätigkeit, kein anderes. Das erinnert frappierend an das buddhistische Nirwana-Leben. Es ist ein Leben, nur ohne Tätigkeit. Und sollten etwa gar selbst die sonst beschränkt verwandelbaren Energien der Natur diesen psychischen Energien gegenüber unbeschränkt verwandelbar sein, was ja in keiner Weise ausgeschlossen ist, so würden überhaupt die letzten Energien nur Leben sein, ohne Tätigkeit. Das Nirwana-Leben würde in den Äther versinken, wo es zum Beginn der Welt war und durch einen gewaltigen Akt in physisches Leben übergeführt worden ist, um am Ende der Tage in den Äther zurückzukehren. Kaum brauche ich hervorzuheben, daß diese Unsterblichkeitslehre nicht die spiritualistische ist, die sich ja auf das Individuum bezieht, während es sich hier um das Gesamte handelt, wofür Häckel in seinem Psychom-Erhaltungsgesetz sie unmittelbar feststellt. Aber etwas Individuelles haftet ihr doch auch an, wenn die Psychome eben nur beschränkt verwandelbar sind. Fast ist es schade, daß man eine Theorie ablehnen muß, die zu so bedeutenden Unsterblichkeitsfolgerungen führen kann. Aber gegenwärtig scheint mir jede Anschauung auf rein physischer Grundlage aussichtslos.

In letzter Stunde ist mir eine Schrift von ~Felix Auerbach~ bekannt geworden, „Ektropismus oder die physikalische Theorie des Lebens“. Der zweite Titel hätte besser fortgelassen werden sollen, denn eine physikalische Theorie des Lebens wird nicht gegeben, nicht einmal angedeutet. Nur daß der Verfasser der Ostwaldschen Energetik anhängt, möchte aus der Schrift hervorgehen. Doch spricht er von Geist und Willen wie von etwas Besonderem -- er nennt sie das „Göttliche“ im Menschen -- gegenüber den Erscheinungen in der unbelebten Natur. Es handelt sich also nur um den Ektropismus. Ektropismus nun ist der Gegensatz zum Entropismus. Letzterer bedeutet, wie wir wissen, und Auerbach namentlich feststellt, die ~Ausgleichung~, ~Zerstreuung~ und ~Entwertung~ der Energie. ~Ektropismus~ bezieht sich also auf ~Sonderung~, ~Konzentrierung~ und ~Werthebung~ der Energie. Von selbst tritt allein Entropismus ein, Ektropismus dagegen immer nur durch Wirkung von außen. So ist der Vorgang des Falles schwerer Körper entropisch, die Körper fallen von selbst. Das Steigen schwerer Körper aber ist ektropisch, in jeder höheren Lage haben sie mehr Energie. Und von selbst steigen sie nicht, sie müssen von außen gehoben oder heraufgedrückt werden. Auerbach ist nun der Ansicht, daß die belebten Wesen ektropisch wirken. Das ist an sich nicht neu; denn daß die lebenden Wesen Energien vor der Zerstreuung wahren und aufspeichern, z. B. die Pflanzen in ihrem Körper, wer weiß es nicht? Aber Auerbach gibt dieser Tatsache eine höhere Bedeutung, und zwar analog derjenigen der Regulation (S. 451). Das Leben ist eine Regulation gegen den Tod des Weltalls, der nach dem Entropieprinzip unvermeidlich eintreten soll; ist es kein absolut abhelfendes Prinzip -- verstehe ich Auerbach recht, so möchte er sogar so weit gehen -- so ist es doch jedenfalls ein retardirendes. Daß Anfang und Ende aufs genaueste zusammenhängen, stellt auch er fest, und so will ich seinen Hauptsatz, soweit er hier in Betracht kommt, im Wortlaut anführen. Er setzt einen Urzustand etwa im Sinne Eugen Dührings voraus, Chaos nennt er ihn, in dem also alle Energie entropisch war (oder war gar keine Energie da?), da keine Vorgänge bestanden. Dieser Urzustand wurde plötzlich durch einen Schöpfungsakt zur höchstmöglichen Ektropie gebracht: „Am Anfange wurde aus dem Chaos der Kosmos (also die Welt der Vorgänge). Das Chaos war schlaff und träge, der Kosmos ist gespannt und bewegt. Das Chaos ist leer, der Kosmos ist gefüllt mit Energie. Ihre Quantität bleibt immer dieselbe, aber ihre Qualität unterliegt fortwährendem Wandel; und was die Rolle der Wandlungen durchgemacht hat, ist für den Kosmos verloren. Spannung und Bewegung lassen nach, die Energie wird gebunden und zerstreut, verwirrt und entwertet, die Energie strebt einem Maximum zu. Da tritt eine neue Erscheinung auf den Plan: das Leben. In der leblosen Natur herrscht der Ablauf, nur schwach gedämpft durch den Aufzug. In der lebendigen Natur herrscht die Entwickelung, und sie versucht, dem auch hier tätigen Ablauf die Spitze zu bieten. Der Versuch gelingt nur allmählich und nur in bescheidenen Grenzen. Aber die ordnende, auslösende und ektropische Begabung kommt und reift mählich und heimlich. Und im Menschengeschlechte feiert sie mit strahlendem Glanze das Fest ihrer Befreiung.“ Das Leben ist wie ein „Wächter“, der unablässig eingreift und das „Schädliche“ (das Entropische) „absiebt“. Wenn der Leser das in unsere einfache Sprache überträgt, so findet er es nicht weit von den hier geäußerten Ideen, wenigstens nach ~einer~ Richtung, denn die anderen, fast noch bedeutungsvolleren Regulationen kommen bei Auerbach nicht zur Behandlung. Eigenartig ist noch, daß Auerbach an die Entstehung des Kosmos aus dem Chaos die Entstehung auch der größten Ordnung anschließt, die allmählich entropisch in die Un-Ordnung übergeht (S. 441). Das Leben greift wieder regulierend ein, es schafft Ordnungen aus den Un-Ordnungen. Wie das Leben dieses tut, wie es überhaupt den Kampf gegen den Entropismus durch Ektropismus führt, darüber sagt der Verfasser nichts Bestimmtes. Aus einigen Nebenäußerungen möchte man schließen, daß er das Leben in gewissen selektiven Eigenschaften der protoplasmatischen Stoffe sucht, analog etwa der selektiven Eigenschaft mancher als halbdurchlässig bezeichneten Stoffe, die zum Teil von einer Zuckerlösung wohl das Wasser, aber nicht den Zucker durchlassen. Aber freilich sollte die grobe Mechanistik seinem System sehr fern stehen. Wegen der weiteren Schlüsse in bezug auf das Verhalten des Menschen und der Menschheit, darf ich auf die sehr interessante Schrift verweisen. Der Satz „Der Kosmos -- und mit ihm sein Vertreter, der Staat -- hat ein direktes Interesse nur an dem starken und ektropischen Individuum“, klingt ganz nach Nietzsche.

Alles was in diesem Abschnitt ausgeführt ist, hängt mit dem ~Vitalismus~ und ~Neuvitalismus~, z. B. nach ~Reinke~, zusammen. Ich habe diese Bezeichnungen zu benutzen vermieden; ihre Bedeutung geht nach der einen Seite, nach der physischen, zu weit, nach der anderen Seite, nach der psychischen, hier geistigen, viel zu sehr in die Enge. Man soll auch keine Worte auffrischen, die nun einmal, und mit Recht, eine so unwissenschaftliche Nebenbedeutung bekommen haben wie der Vitalismus. Ich schließe dieses Buch mit einigen Bemerkungen über die Welträtsel im allgemeinen.

~Du Bois-Reymond~, in seiner berühmt gewordenen Ignorabimusrede, die Häckel einer psychologischen Metamorphose zuschreibt, die aber aus einer allmählich gewachsenen Erkenntnis geflossen ist, daß der Materialismus in keiner Form ausreicht, die „Welträtsel“ zu lösen, wie sie ja bei vielen anderen Forschern gleichfalls allmählich sich geltend machen mußte, hat sieben solche Welträtsel aufgestellt. Drei davon sollen überhaupt unlösbar, „transzendent“ sein: der Ursprung der Materie und der Kraft, der Ursprung der Bewegung, die Entstehung der einfachen Sinnesempfindung und des Bewußtseins. Drei andere sollen lösbar sein, wenn auch schwer: die Entstehung des Lebens, die (anscheinend absichtsvolle) Zweckmäßigkeit der Natur, das vernünftige Denken und der Ursprung der damit verbundenen Sprache. Eines bleibt unentschieden: die Frage nach der Willensfreiheit. Hat die spätere Entwicklung der physischen Anschauungen dem Manne Unrecht gegeben? Ich glaube nein! Im Gegenteil, mir scheint sie die Rätsel noch mehr transzendent gemacht zu haben als er sie auffaßte. Wir sehen, selbst mit den bei weitem besseren Mitteln der Energetik kommt man der Lösung jener Rätsel nicht einen Schritt näher, höchstens, daß man sie auf andere Dinge bezieht, etwa das erste Welträtsel statt auf Materie und Kraft, auf Energie mit seinen beiden Faktoren; das zweite Rätsel statt auf Bewegung auf Energieumwandlung. Nur das Ignorabimus möchte ich ablehnen. Es ist gar kein Ignorare, wenn man sich davon überzeugt hat, daß es in der Welt doch etwas mehr gibt als ein Einzelnes im ewigen Einerlei der Existenz und des Wechsels. Wir suchen zwar überall nach Vereinfachung und sollen danach suchen. Wenn aber Vereinfachungen zu nichts führen als zu Redewendungen, ohne die Einsicht in das Wesen der Sache irgend zu fördern, und nur Rätsel und Unverständliches zu Rätseln häufen, so sind sie kein Gewinn und müssen fallen gelassen werden, sobald ihre Untauglichkeit erkannt ist. Bei den rein physischen Anschauungen ist dieses, glaube ich, der Fall. Die rein materialistische mag schon kein Mensch mehr. Die energetische, so bestechend sie ist, wird, davon bin ich überzeugt, ihr Schicksal teilen. Spinozas Anschauung in Verbindung mit Kants Transzendentalismus, scheint mir allem am besten gerecht zu werden, soweit menschliche Voraussicht und Einsicht etwas behaupten darf. Sie bietet noch den ungeheuren Vorteil, daß wir sie so leicht fortführen und erweitern können, wie Häckels Beispiel zeigt. In der Tat müssen wir jetzt schon sagen, daß der allgemeinen Substanz für unsere Welt mindestens drei Attribute zukommen: Geist, Energie, Materie (oder was für Materie stehen kann). Die allgemeine Substanz soll ja unendlich viele Attribute haben. So ist es durch nichts ausgeschlossen, daß unsere Welt in der Tat diese drei oder vielleicht noch mehr Attribute ausmacht. Und andere Welten, von denen schon die Alten träumten, können mit diesen noch andere Attribute bedeuten in beliebiger Zahl. Wer also ein Ding-an-sich mit unendlich vielen Attributen annimmt, muß unendlich viele Welten zugestehen und vielleicht noch Übergänge und Überdeckungen zwischen ihnen. Und er darf sogar die Leben-Reihe (S. 221) durch diese verschiedenen Welten führen. Auch eine solche Auffassung bildet einen Monismus und gehörte in die Anschauungen des so umfassenden ~Monistenbundes~. Aber freilich verirrt sich schon manches ins Mystische, wohin Kant auch seine „Träume eines Geistersehers“ geführt haben, da wir von nichts wissen als allein von unserer Welt.

Namen- und Sachregister.

A

Aberglaube 27, 434.

Abspiegelung, die Welt als 300, 379.

Abwehrformeln 190.

Achamoth 273 ff.

Adam 150.

Adam von Bremen 93.

Afrika 20 ff., 57 ff. u. a. a. O.

Agnostizismus 420.

Agrippa Cornelius 312.

Ägypter 100 ff., 129, 132, 155, 158, 165, 180, 184, 188, 198, 219, 228 u. a. a. O.

Ahnenkult 43 ff., 46 u. a. a. O.

Aion 271 u. a. a. O.

Akademie 248, 355.

Akzidens 289.

Alanus 303.

Albertus Magnus 294.

Alchemie 290.

d’Alembert 435.

Allegorie 98.

Alte vom Tage 291.

Altruismus 437 u. a. a. O.

Amerika 17 ff. u. a. a. O.

Ammonios Sakkâs 277.

Amulett 40.

Ananke, ἀνάγκη 250, 352, 422.

Anaxagoras 243, 269, 423.

Anaximandros 237, 269.

Anaximenes 236.

Andrée 164.

Animismus 36 ff. u. a. a. O.

Anschauungsformen 360 ff., 475 f. u. a. a. O.

Anselm 300.

Antinomien 363 ff.

Apokastase 253.

Apollonios von Tyana 256.

A posteriori 360 ff.

Appetition 341 ff.

A priori 360 ff.

Araber 108, 208.

Archeus 329.

Archonten 257, 273.

Archytas 242.

Ariost 18.

Aristoteles 249 ff. u. a. a. O.

Arkesilaos 355.

Arnobios 269.

Arrhenius 179, 448.

ἀρχαί 7 ff.

Aschariten 288.

Äschylos 185.

Assimilation 372, 473.

Assoziationsprinzipe 359, 400, 411, 415, 418.

Assyrier 108 ff.; s. a. Babylonier.

Astrologie 109, 188, 290.

Atheismus 154.

Äther 465 f.

Atomistik 422 ff., 465 f. u. a. a. O.

Attribute 335, 392 ff., 461 f., 484 u. a. a. O.

Auerbach, Felix 463, 482 f.

Auferstehung 192 ff.

Aufklärungsphilosophie 347, 434 ff.

Augustinus 281, 315.

Australien 17 u. a. a. O.

Automatisches 419, 428, 479 u. a. a. O.

Averroes 288, 295.

Avicebrol 291.

Avicenna 288.

Avidyia 350.

Awatars 169.

B

Babylonier 108 ff., 130, 134, 153, 158, 160, 161, 178, 183, 196.

Bacon Roger 299.

-- von Verulam 402 ff.

Barden 95.

Basilides 268 ff.

Bastian Adolf 66 ff.

Baur 267.

Begriffsgottheiten 141 f.

Belebung 32 ff., 424, 436 u. a. a. O.

Beneke 413.

Berkeley 356 ff.

Bernhardy 426.

Bernouilli 441.

Beschwörung 54, 190.

Beseelung 36 ff., 319, 382 ff., 390, 424, 436 u. a. a. O.

Besessene 56.

Bessarion 309.

Bewegungsmoment 459.

Bewußtsein 400, 474 ff. u. a. a. O.

Bewußtseinsleiter 399.

Bewußtseinsschwelle 399.

Bhagavad-Gîtâ 115 u. a. a. O.

Bibel 106 f., 157, 177, 184 u. a. a. O.

Biogenetisches Grundgesetz 449.

Blavatsky, Helene Petrowna 330.

Böhme, Jakob 323 ff. u. a. a. O.

Boltzmann 440.

Bonaventura 303.

Boyle, Robert 434.

Brahmaismus 120.

Brugsch 100, 146 u. a. a. O.

Bruno Giordano 317 ff. u. a. a. O.

Büchner 438.

Buddha 215 u. a. a. O.

Buddhismus 120, 122, 214.

Bürger 55.

C

Calvin 315.

Campanella 322.

Cartesius 333 ff.

Cäsar 88 f., 94, 97, 216.

Centrosom 450.

Chachma 266.

Chamberlain 83.

Chauvinismus 83.

Cherubim 280.

Chinesen 120 f., 143, 164, 210, 235.

Christian Science 257.

Chromatin 450.

Chrysippos 233.

Cicero 99, 253.

Civitas dei 294.

Claudius, Kaiser 95.

Clausius 441.

Comte 40, 415 ff.

Condillac 411.

Constant, Benjamin 29.

Contemplatio 304.

Cooper 23.

Curtis 50 f.

Cusanus, Nikolaus 306.

Czolbe 438.

D

Dämonenglaube 43 ff., 53, 257.

Dante 206, 297.

Darwin 445 ff., 450 ff.

Deismus 253 ff.

Delitzsch, F. 153.

Demiurg 268 f. u. a. a. O.

Demokritos 423 f.

Dennis 205.

Derwische 261.

Descartes 333 ff. u. a. a. O.

Deszendenzlehre 445 ff., 449.

Determinismus 296.

Dharma 215.

Diderot 435.

Diels 352 u. a. a. O.

Dies fasti et nefasti 191.

Ding-an-sich 365, 390 ff., 461 ff. u. a. a. O.

Diogenes von Apollonia 236.

Dionysios Areopagita 280.

Dissimilation 372, 455.

Doketen 276.

Driesch 343, 370, 450 f.

Droßbach 345.

Dualismus 13, 148, 267, 458 ff. u. a. a. O.

Dubois Reymond 438, 471, 483.

Dühring, Eugen 416 ff., 463, 481.

Duns Scotus 298.

E

Eckehart, Meister 303.

Edda 93 f.

Egoismus 435.

Ei 450 ff.

εἴδωλον 37, 193.

Einheitlichkeit der Welt 16 ff.

Eklektiker 261.

Ektropie 480 ff.

Eleaten 351 u. a. a. O.

Elemente 423.

Elysium 204.

Emanationslehre 253 ff., 263 f., 278 u. a. a. O.

Empedokles 220, 423.

Empirismus 376, 401 ff., 454 ff., 483.

Endlichkeit 363 f., 464 f.

Energetiker 454, 483.

Energie 421 ff., 454 ff. u. a. a. O.

-- psychische 455 ff.

Energismus 420 ff.

Engel 261 u. a. a. O.

Entelechie 250 u. a. a. O.

Entropie 440 u. a. a O.

Entwicklungslehre 443 ff.

Enzyklopädismus 435.

Epigenesis 448.

Epikuros 425.

Eranier 110, 131, 139, 148, 159, 162, 166, 174, 202, 216.

Erhaltungsprinzipe 440.

Eristik 354.

Eschatologie 71 ff., 192 ff.

Eschmunazar, König 108.

Essäer 276.

Ethische Gottheiten 138 f.

Etrusker 205.

Eucken 390.

Euemeros 52, 97.

Eukleides aus Megara 354.

Euripides 96 f., 183, 244.

Evolution 258, 269, 282, 295, 420, 447 f., 452.

F

Fakire 261.

Fananybrauch 42.

Fatalismus 138, 234, 437.

Faust 54, 266.

Fechner 398 f.

Fegefeuer 192 ff.

Ferment 329.

Fervers 111, 208.

Fetische 39 ff., 90, 104 u. a. a. O.

Fetischismus 36 ff.

Feuerbach, Ludwig 438.

Feuth, Ludwig 113.

Fichte 358, 373 f.

Flammarion 399.

Florenz, Karl 124.

Fludd 329.

Flutsagen 161 ff.

Fohi 121.

Foismus 122.

Formen 249, 383 u. a. a. O.

Frank, Sebastian 316.

Franziskus der Heilige 300.

Freiheit 182 ff., 367, 393, 479 u. a. a. O.

Fresnel 441.

Frobenius 5, 42, 57 ff., 74, 79.

Frohars 111, 208.

Funktionsübertragung 453.

G

Ganglien 455, 473.

Gassendi 431.

Gastrulation 450.

Gegengottheiten 148 f.