Wegweiser durch das sächsisch-böhmische Erzgebirge
Part 5
Man kann über Mariaschein nach dem gleichnamigen Bahnhof gehen und mit dem Dampfwagen (in ¼ St.) nach +Teplitz+ fahren; genussreicher aber ist es, in Graupen den Tollysteig zu erfragen und sich durch den Probstauer Garten und den Turner Park nach +Teplitz+ zu begeben.
+Graupen+, Stadt 980 F. ü. M., mit 1600 E. Alterthümliche Bauart; die Bewohner treiben Bergbau und Strumpfwirkerei. -- An die Rosenburg knüpft sich eine Erzählung von der Gräfin Dohna und dem Ritter Gotsche (Schaf-Gotsche).
+Mariaschein+, Dorf mit Jesuitenkloster und Seminar. Die im Renaissancestyle erbaute Kirche enthält ein wunderthätiges Marienbild, zu welchem jährlich Tausende aus Böhmen, Schlesien und der Lausitz wallfahrten.
+Teplitz+, Stadt an der Saubach, 643 F. ü. M., mit 8000 E. Im breiten fruchtbaren Bielathale, welches das Mittelgebirge vom Erzgebirge scheidet, am Fusse des Wachholderberges reizend gelegen. Die Nähe trefflicher Parkanlagen, die Anwesenheit aussichtsvoller Höhenpunkte und der Anblick mehrerer Gipfel des Erz- und des Mittelgebirges machen die Gegend äusserst angenehm. -- Die heissen Quellen[8], (21--38½ °R.), schon um 762 entdeckt, werden fast nur zum Baden benutzt und mit besonderem Erfolg gegen Rheumatismus, Gicht und Lähmung angewandt. Als Bäder sind zu nennen: das Stadtbad, das Fürstenbad, das Sophien- oder Judenbad, das Stephansbad, das Steinbad und das Sand-(Militair-)Bad, wozu in dem angrenzenden Dorfe +Schönau+ noch das Schlagenbad und Neubad kommen. An schönen Gartenanlagen und aussichtsvollen Punkten ist Teplitz, wie schon erwähnt, sehr reich. Man besuche daher den Schlossgarten (Besitzer: Fürst von Clary-Aldringen), wo sich Mittags zum Concert die Badewelt zu versammeln pflegt, das Schiesshaus und die Schlackenburg, mit origineller künstlicher Ruine, ferner die Königshöhe, den Hügel bei der protestantischen Kirche und den Mont de Ligne und endlich den Schlossberg (1221´) mit den umfassenden Trümmern der Burg Daubrawskahora, welche einst dem Grafen Kinsky, dem Schwager Wallensteins, gehörte. -- Als weiterer Ausflug ist besonders ein Besuch des Milleschauers (2600´) zu empfehlen. -- In Teplitz noch sehenswerth: der Gottesacker mit dem Grabe J. G. Seume's († 1810).
VI. Route: Vom =Mückenthürmchen= nach =Stift Osseg=.
Vom Mückenthürmchen über +Obergraupen+ nach +Graupen+; Besuch der Rosenburg und Wilhelmshöhe (Siehe Route V., S. 76); nach +Mariaschein+ und dann am Fusse des Gebirges hin über Judendorf, Dreihunken, Wistritz, Zuckmantel, Tischau, Doppelburg u. +Kosten+ nach +Klostergrab+; von hier über Grünsdorf nach Stift +Osseg+.
+Obergraupen+, +Graupen+ u. +Mariaschein+ s. R. V., S. 76.
Die Jagdschlösser +Doppelburg+ und +Kosten+ werden wegen ihrer tiefen Waldeinsamkeit häufig von Teplitzer Badegästen besucht. Doppelburg, in der Form eines Sternes gebaut, gewährt in angebrachten Durchhauen angenehme Fernsichten nach dem Borzen (bei Bilin), dem Milleschauer und dem Schlossberge; bei Kosten sehenswerther Thiergarten. -- Weiter oben an der Strasse nach Altenberg liegt +Eichwald+ (mit dem Schweissjäger), eine echte Sommerfrische.
+Klostergrab+, Bergstädtchen, 1087 F. ü. M. mit 1000 E. Hinter dem Rathhause noch Reste jener protestantischen Kirche, deren vom Prager Bischof Lohelius anbefohlene Niederreissung zum Ausbruche des 30jährigen Krieges beitrug.
Stift +Osseg+, (der Name kommt von osekati d. i. abhauen), grosse Cisterzienserabtei, hatte in den Hussitenkriegen arg zu leiden und zeigt darum neuere Gebäude. Die an Gemälden sehr reiche Kirche ist von italienischen Meistern erbaut. Bildergalerie, Bibliothek. -- Gute Aussichtspunkte sind: Riesenburg (s. Route VII.) u. Salesiushöhe.
VII. Route: Von =Altenberg= nach =Oberleitensdorf=.
Von Altenberg über Neu- und Altgeorgenfeld nach Zaunhaus und von da über die Jägerhäuser auf den +Glöselsberg+, welcher eine prächtige, wenn auch nach Norden hin etwas beschränkte, Aussicht darbietet. Nach +Niklasberg+; über die Grundmühle nach +Klostergrab+; dann nach +Osseg+ und über Bruch nach +Oberleitensdorf+.
+Altenberg+ s. R. III., S. 72.
+Niklasberg+, Städtchen 1819 F. ü. M., mit 745 E. Bergbau auf Silber und mühsame Feldwirthschaft.
+Klostergrab+ und +Osseg+ s. R. VI., S. 78.
+Oberleitensdorf+, Flecken mit 4580 E. -- Tuch- und Casimirfabrikation.
VIII. Route: Von =Stift Osseg= nach =Sayda=.
In Osseg wendet man sich den Bergen zu und geht beim Forsthause rechts den schönen Waldgrund hinauf. Man kommt nach Dorf Riesenberg und von da, an der Kapelle vorbei, auf die grossartige Ruine. Einer der vier vorhandenen Thürme ist zur Warte vorgerichtet und bietet eine reizende Aussicht auf das gesegnete Biliner Thal, auf das Mittelgebirge und auf nahe trefflich bewaldete Höhen. Nach genossener Umschau leitet ein steiler aber schattiger Weg hinauf nach +Langewiese+. Von hier mit Führer auf den +Wieselstein+ (2944´), dessen Spitze geebnet ist und eine Aussicht gewährt, wie kaum ein anderer Punkt des Erzgebirges. Im Südosten erblicken wir das Mittelgebirge mit dem Milleschauer, vor ihm Schwaaz u. Dux; weiter rechts Bilin und den Borzen; noch weiter rechts Brüx und die Holtschitzer Höhen und vor diesen Georgenthal, neben welchem nach Westen hin das Eisenberger Schloss aus dem waldigen Saume des Erzgebirges hervorleuchtet. Ueber Brüx hinaus schweift der Blick ins mittlere Egerthal, d. h. in die Gegend von Postelberg u. Saatz; über Eisenberg her winken die Höhen von Karlsbad und daneben aus blauer Ferne die Spitzen des Fichtelgebirges; etwas mehr rechts, aber nicht so weit, sieht man das Reckenpaar, den Fichtel- und Keilberg; und davor den Hassberg; dann folgen der Pöhlberg, die Gegend von Marienberg, Freiberg und Tharandt, worauf die Tellkoppe, der Kahleberg, der Luchstein und die Nollendorfer Höhe nebst dem in weiter Ferne schimmernden Iserkamm den Kreis vollenden. Beim Heruntersteigen lassen wir uns den Weg nach dem Forsthause +Georgenhöhe+ zeigen, und wenn wir dieses erreicht haben, (hier noch einmal nach dem richtigen Weg zu fragen, ist gut!) schreiten wir auf einem breiten Holzwege (Schneisse) dem in stiller Einsamkeit gelegenen Jagdschlosse +Lichtenwaldstein+ zu. Von hier wenden wir uns nach Böhmisch- und Deutsch-Georgenthal und gehen dann über Kämmerswalde nach Sayda.
+Langewiese+, Dorf mit 380 Einwohnern. -- Hutung und Waldarbeit.
+Sayda+, s. R. 4. S. 75.
IX. Route: Von =Oberleitensdorf= nach =Olbernhau=.
Von Oberleitensdorf über Hammergrund hinauf nach Kreutzweg und von da nach Böhmisch-Einsiedel, wo man sich für das lange Emporsteigen durch eine herrliche Rückschau auf das Böhmerland belohnt sehen wird. Nun geht es über Deutsch-Einsiedel, Heidelberg (mit Bad) und Heidelbach, an dem Abhange des Schwartenberges hin, nach Schloss +Purschenstein+, bei welchem man das Flöhathal erreicht. Von Neuhausen, welches neben Purschenstein liegt, führt der Weg über Dittersbach und Mörtelgrund nach Niederseifenbach, dann im anmuthigen Flöhathal hin, an der Einmündung der Schweinitz vorbei, in das Brandauer (Kohlen-) Becken, welches einerseits von der Flöha und andrerseits von der +Natschung+ bespült wird. Man wendet sich beim Eintritt in das Becken etwas rechts und gelangt über Oberneuschönberg und Hammerwerk +Grünthal+ nach +Olbernhau+.
Die Dörfer +Heidelbach+ (136 E.), +Heidelberg+ (1945 E.), +Neuhausen+ (1337 E.) und +Niederseifenbach+ (553 E.) gehören zu dem Bezirke der Holzspielwaarenfabrikation, für welche das benachbarte Seifen (1483 E.) Hauptort ist. Man kann behaupten, dass ⅚ der dortigen Bevölkerung von diesem Industriezweige leben. Alt und Jung, Männer und Frauen, Knaben und Mädchen sind bei Herstellung von Knöpfen, Puppengeschirr, Feder- und Nadelbüchsen, Pfeifen, Brummkreiseln, Holzsoldaten, Jagden, Schäfereien, Noahkästen, Kinderflinten u. s. w. u. s. w. -- in den Handlungsbüchern giebt es 2000 Nummern Spielzeug -- beschäftigt. Was wird da gedrechselt, geschnitzt, geleimt und gemalt! Die Arbeitstheilung ist streng durchgeführt: es giebt Drechsler, Schnitzer, Maler und Packer; und jeder macht Jahr aus Jahr ein ein und dieselbe Arbeit. Die schwierigste Aufgabe fällt dem Drechsler zu, weil er auf der Drehbank sogenannte Kränze oder Reifen herzustellen hat, welche durch Zerspalten sofort ein Schock Pferde, Kühe oder andere Thiere liefern.
Schloss +Purschenstein+ gehört den Herren von Schönberg; im Park ein rein gothisches Grabmal.
Im Hammerwerk +Grünthal+ (165 E.) wurde früher »gesaigert« d. h. Schwarzkupfer von dem noch darin befindlichen Silber befreit; jetzt sind daselbst nur Walzwerke. -- In Grünthal befindet sich ein Schwefelbad.
+Olbernhau+, Flecken a. d. Flöha, 1362 F. ü. M., mit 3257 E. -- Reizende Lage. Strumpfstuhlbauerei, bedeutender Handel in Spielwaaren.
X. Route: Von =Teplitz= nach =Rothenhaus=.
Von Teplitz mit Eisenbahn nach +Dux+ (II. Kl. 41 Xr., III. Kl. 27 Xr.), Besichtigung des Schlosses; mit Bahn weiter über +Ratschitz-Oberleitensdorf+ und +Brüx+ nach +Holtschitz-Seestadtl+ (II. Kl. 84 Xr., III. Kl. 55 Xr.). Wir gehen durch Seestadtl hindurch und steigen zu dem auf halber Bergeshöhe malerisch gelegenen Schlosse +Eisenberg+ empor. Auch hier herrliche Aussicht auf das Mittelgebirge, das Bielathal, die Abhänge des Erzgebirges, die Karlsbader Höhen, sowie die reich mit Weilern, Dörfern und Städten besäete Saatzer Ebene. Nachdem wir den Park, den Thiergarten und das Gewächshaus besucht haben, wenden wir uns unten rechts und wandern am Fusse des Erzgebirges hin nach Schloss +Rothenhaus+, welches fast gleichen Genuss wie Eisenberg darbietet.
+Dux+, Flecken mit 1348 E. -- Das Schloss gehört dem Grafen Waldstein, welcher von einem Nebenzweige des Herzogs von Friedland abstammt. Es enthält eine Gemäldegalerie, mit dem berühmten Bildnisse Wallensteins von van Dyck, einen Waffensaal, worin man den Halskragen, welchen Wallenstein am Tage seiner Ermordung trug, und die Partisane zeigt, mit welcher Deveroux den Todesstoss vollführte, und eine Bibliothek von 24,000 Bänden, deren einstiger Verwalter der Abenteurer Casanova war. Das Bassin im Schlosshofe hat der Friedländer aus eroberten schwedischen Kanonen giessen lassen. -- Die Stadt hat mehrere gewerbliche Anstalten, als eine Zuckerfabrik und Glashütte. -- Südlich von Dux liegt die Stadt +Bilin+ mit 3100 E. Das daselbst befindliche Lobkowitz'sche Schloss enthält eine äusserst werthvolle Mineraliensammlung. Bei Bilin ein berühmter Sauerbrunnen, von welchem jährlich über 100,000 Flaschen versandt werden. Der schon mehrfach genannte Biliner Stein (Borzen) ist schwer zugänglich, bietet aber eine Aussicht dar, welche A. v. Humboldt für eine der schönsten der Welt erklärt haben soll.
+Brüx+, Stadt mit 4000 E. -- Viel Fabrikthätigkeit. Schönes Rathhaus. -- In der Nähe Püllna mit berühmtem Bitterwasser.
+Oberleitensdorf+, s. S. 79.
+Seestadtl+, 800 E.; in der Nähe lag ehemals der grosse, nunmehr aber ausgetrocknete Kummerer See.
Die mit herrlichen Parkanlagen umgebenen Schlösser +Eisenberg+ und +Rothenhaus+ sind beide in neuester Zeit restaurirt worden; jenes gehört dem Fürsten Lobkowitz, dieses der Gräfin Trautmannsdorf.
XI. Route: Von =Rothenhaus= nach =Klösterle=.
Von Rothenhaus durch die gewerbreiche Stadt +Görkau+ nach dem Bahnhofe +Udwitz+, um mit nach +Kommotau+ zu fahren. Wem die Abfahrtszeit nicht passt, der wandere von Görkau, wo man hinter dem Gottesacker weggeht, über die Alaunhütten nach Kommotau. In letzterer Stadt besuche man den Marktplatz, den Felsenkeller und das Schiesshaus. Nun geht es (Eisenbahnbenutzung bis Priesen empfiehlt sich nicht) über Czernowitz und Kralup nach dem unter vielen Obstbäumen gelegenen +Brunnersdorf+. Hier theilt sich die Strasse. Man kann rechts über Niklasdorf direct nach +Klösterle+ gehen; gerathener aber ist es, links nach dem alterthümlichen +Kaaden+ zu wandern und sich von da durch einen angenehmen Fussweg, dicht an der Eger hin, nach Klösterle führen zu lassen. -- Die Route ist angenehm und voller Abwechslung. Allerwärts hat man prächtige Garten- und Obstanlagen und rechts immer zur Seite die wallartig sich abdachenden, aber schön geformten Abhänge des Erzgebirges. Bei Brunnersdorf schaut von der Rückwand eines Waldthales die Ruine +Hassenstein+ hervor und darüber auf dem Gebirgskamme thront die stattliche neue Kirche von +Sonnenberg+. Und wenn man der Stadt Klösterle sich nähert, sieht man das Egerthal von gut bewaldeten Bergkegeln umsäumt, von denen einige mit Burgen gekrönt sind. Links erscheint die Ruine Leskau und rechts die Ruine Schönburg. -- Für die bald zu eröffnende Eisenbahn +Kommotau-Karlsbad+ werden Kaaden und Klösterle Stationsorte.
+Görkau+, Stadt an der Biela, mit 2000 Einwohnern. -- Ackerbau und Gewerbthätigkeit. -- Die dasigen Baumwollspinnereien sind von sächsischen Unternehmern gegründet. -- Protestantische Kirche.
+Kommotau+, Stadt mit 7200 E. -- Getreidehandel; Obst- und Gartenbau; Maschinenfabrikation, Braunkohlenbergbau. -- In der Dechanteikirche das merkwürdige Ziskabild, welches die Verheerung der Stadt durch die Hussiten darstellt. -- Die Stadt als Knotenpunkt der Eisenbahnen Annaberg-Kommotau, Kommotau-Karlsbad, Kommotau-Teplitz und Kommotau-(Priesen)-Prag in entschiedenem Aufschwung begriffen.
+Kaaden+, Stadt an der Eger mit 5000 E. -- Zählt zu den ältesten Städten des Egerthals. Bemerkenswerth: Das altertümliche Stadtthor, das Rathhaus (aus dem 15. Jahrh.), das Franziskanerkloster und das Kloster der Urselinerinnen.
+Klösterle+, Stadt an der Eger mit 2250 E. -- Grosse gräflich Thun'sche Porzellanfabrik. -- Am Marktbrunnen neben katholischen Heiligen mehrere mythologische Figuren. Das gräfl. Thun'sche Schloss, 1856 durch Feuer zerstört, ist vollständig wieder aufgebaut.
XII. Route. Von =Klösterle= nach =Hauenstein=.
Von Klösterle folgt man westwärts der rechts von der Eger sich hinziehenden Chaussee und gelangt so nach +Pirschstein+ (400 E.) und +Mühlengrund+. Nach Durchschreitung des letzten Ortes führt ein, an den Telegraphenstangen kenntlicher Weg über eine Anhöhe, welche einen prächtigen Rückblick auf die bewaldeten Berge und die Ruinen bei Klösterle, sowie auf die fruchtbare Ebene bei Saatz gestattet. Auf demselben Wege gelangt man bergab nach +Wotsch+ (250 E.) und dann auf der Strasse nach +Wartha+, von wo in nicht grosser Ferne rechts ein angenehmes Seitenthal zu einem Besuche von +Hauenstein+ einladet.
+Hauenstein+, zur Herrschaft Pressnitz gehörig, stellt ein wahres Idyll dar. In der Mitte des Oertchens befindet sich eine hochgelegene Kapelle, rings um dasselbe ziehen sich reizende Anlagen hin, die sich bis zum Eichelberg erstrecken. Auf dem Rücken dieses Berges geniesst man die Aussicht auf die fernen Bergketten des Fichtel- und die nahen des Erzgebirges, dann auf die Burgen Engelhaus, Himmelstein und Schönburg und auf das zwischen bewaldeten Höhen sich hinziehende Egerthal. Wer in Hauenstein übernachten will -- die Morgen sind hier besonders schön -- muss ziemlich zeitig eintreffen, weil daselbst (beim herrschaftlichen Gärtner) nur wenige Fremde logiren können. Bemerkenswerth ist, dass ein Dachshund sehr geschickt den Führer nach den Hauptpunkten (Parapluie, Koppe, Eichelberg) der Umgebung macht.
XIII. Route. Von =Sayda= nach =Zschopau=.
Von Sayda (s. S. 75) folgt man der Chaussee über Pillsdorf (137 E.) nach +Dörrnthal+ (1283 E.) und zwar bis zum Gasthof »Zum Feldschlösschen« an der Sayda-Freiberger Strasse. Bei diesem Gasthause hat man eine herrliche Aussicht über einen Theil des oberen Erzgebirges, indem man in südöstlicher Richtung den Fichtel- und Keilberg, den Pöhlberg, den Hassberg, den Bärenstein, den Scheibenberg und den Auersberg erblickt. Noch schöner ist die Aussicht, wenn man vom Feldschlösschen, 10 Minuten weit in der Richtung nach Voigtsdorf, auf die Dörnthaler Höhe geht. Es öffnet sich dann noch eine Fernsicht nach Nord und Nordost, so dass man in ersterer Richtung Freiberg und in letzterer Frauenstein sammt den im Hintergrunde liegenden Höhen bei Pulsnitz sieht. Bei hellem Wetter kann auch deutlich der Kolmberg bei Oschatz erkannt werden. -- Vom Feldschlösschen führt der Dorfweg durch Dörnthal nach dem an letzteres sich anschliessenden Haselbach (701 E.) und von hier ein Fusspfad so nach Forchheim (1448 E.), dass man vom Gasthofe »Stadt Karlsbad«, am Schlosse des Freiherrn v. Biedermann vorüber, auf die Strasse nach Lengefeld gelangt, welche vor Erreichung dieses Ortes noch Görsdorf (515 E.) im anmuthigen Flöhathal und jenseits der Flöha den Gasthof »Zum Marterbüschel« berührt. Von +Lengefeld+ geht die Strasse zunächst nach Wünschendorf (768 E.). Rechts des Weges erhebt sich malerisch über dem linken Ufer der Flöha, auf hoch gelegenem Felsen, die kleine Burg Rauenstein, zu welcher von unten aus ein überwölbter Zugang führt. Weiterhin geht der Weg durch Wald nach Börnchen, von wo man sich entweder über +Krummhermersdorf+ (2280 E.) oder über +Waldkirchen+ nach Zschopenthal (199 E.) und +Zschopau+ wendet.
+Lengefeld+, Stadt, unfern der Flöha, 1507´ ü. M., mit 3288 E. Viel Weberei (400 Meister).
+Waldkirchen+, Dorf, 1556´ ü. M., mit 1635 E., Fabrikation von Holzwaaren, besonders von Haus- und Küchengeräthen.
+Zschopau+, Stadt am gleichnamigen Flusse, 1204´ ü. M., mit 7821 E. Treibt Wollen- und Baumwollenweberei; in der Nähe viele Spinnmühlen. Das Schloss »Wildeck«, dessen runder Thurm noch aus den Zeiten Heinrichs I. herrühren soll, ist jetzt Sitz des Gerichts- und des Forstamtes. Zu der Martinskirche führt von der Vorstadt eine 70 Stufen enthaltende Felsentreppe. Prächtiges Seminargebäude. Am Schiesshause köstliche Aussicht.
XIV. Route: Von =Olbernhau= nach =Rothenhaus= und =Eisenberg=.
1. Von Olbernhau (s. S. 82.) folgt man südöstlich der Chaussee bis +Grünthal+, geht in diesem Orte über die Flöhabrücke und wendet sich auf einem Wiesenpfade, welcher unmittelbar hinter dem Walzwerk hinführt, dem Dorfe +Rothenthal+ (737 E., Holzdrechselei) zu. Am Ende dieses Dorfes überschreitet man die wildschäumende Natschung und gelangt so an den, auf österreichischem Gebiet gelegenen Eingang in das Natschungthal, welches, weil weiter oben der Teltschbach in die Natschung mündet, meist Teltschthal genannt wird. Neben der Einsamkeit und würzigen Waldluft gefällt die Bildung des Thales. Die Thalsohle ist oft so schmal, dass sie kaum Raum hat für den Fluss und die daneben angelegte Strasse; die Thalwände werden häufig von schroffen Felsen unterbrochen, so dass man an hohem bastionsähnlichen Gemäuer vorüberzugehen meint; das Thal selbst macht die vielfachen Windungen der Natschung mit und bietet so von Strecke zu Strecke veränderte Ansichten dar. Naturfreunde behaupten daher mit Recht, dass sich das Teltschthal wohl mit dem berühmten Schwarzathal in Thüringen vergleichen lasse. -- Nach einer Wanderung von 1½ Stunden, wobei man an einer im Schweizerstyle erbauten Gartenwirthschaft vorüber gekommen ist, macht man mit dem Teltschbach eine Biegung nach links und erreicht bald darauf ein Eisenwerk, welches nach der früheren Besitzerin, der Gräfin Gabriele v. Boucquoi auf Rothenhaus, +Gabrielahütte+ genannt wird. Von hier führt eine gut gebaute Strasse -- nur muss man beim Verlassen des Waldes rechts gehen -- nach dem Dorfe +Kallich+ (850 E.), wo sich noch grössere, ebenfalls zur Herrschaft Rothenhaus gehörige Eisenwerke befinden. Während +Kallich+ auf einem Hochplateau ziemlich kahl und reizlos gelegen ist, bietet der nicht weit hinter diesem Dorfe beginnende südliche Abhang des Gebirges um so mehr Abwechslung und Genuss dar. Von hier führt die Strasse fast immer im Tannenwalde bergab nach dem 1½ St. entfernten +Göttersdorf+ (460 E.), senkt sich dann in einem Buchenhaine noch weiter hinunter und mündet zuletzt am Fusse des Gebirges in eine der schönsten und gesegnetsten Gegenden von ganz Böhmen. Dicht vor uns liegt auf einem Bergvorsprunge das Schloss +Rothenhaus+ mit seinen Garten- und Parkanlagen und dahinter breiten sich die fruchtbaren Gefilde des Biela- und Egerthales aus.
Nachdem man in Rothenhaus den Park, das Schloss und den Schlossgarten -- hier vergesse man den Gartensalon mit dem interessanten Fremdenbuch nicht! -- besucht hat, begiebt man sich über +Hohnofen+ (¾ Std.) und Dorf +Eisenberg+ (¼ Std.) nach Schloss +Eisenberg+, welches durch seine malerische Lage, seine trefflichen Gemächer und seine reichhaltigen Treibhäuser berühmt ist.
2. Man kann auch zuerst Schloss Eisenberg besuchen. Dann wendet man sich, sobald man von Gabrielenhütte den Wald passirt hat, nicht rechts nach Kallich, sondern links hinauf nach +Katharinenberg+. Von dieser Bergstadt (1700 E., Feldwirthschaft, Bergbau, Strumpfwirkerei) geht man auf dem Plateau hin nach +Nickelsdorf+, dann aber steigt man (am besten mit Führer) auf steilem, doch schattigem Waldpfade hinab nach Schloss Eisenberg. -- Der Weg von Eisenberg nach Rothenhaus über Hohnofen ist nicht zu verfehlen.
3. Wem ein Ausflug von Olbernhau nach Rothenhaus oder Eisenberg zu weit ist, der besuche wenigstens die Basaltfelsen zwischen dem Schweinitz- und Natschungsthale, welche früher das »+Steinerlt+« hiessen, neuerdings aber die »+Luisensteine+« genannt werden. Man geht zu dem Zwecke in dem Dorfe +Brandau+ bis zur Kirche und wendet sich da rechts auf einen Fahrweg, welcher sanft ansteigend in den Wald und dann ziemlich steil, unter stämmigen Fichten hin, auf den Bergrücken führt. Nach Ueberschreitung einer Waldblösse sehen wir die »Luisensteine,« zwei nur einige hundert Schritt von einander entfernte Felsgruppen, vor uns stehen. Wir besteigen die höhere, indem wir uns ihr von rückwärts nähern, und geniessen eine wundervolle Aussicht. Zu unseren Füssen liegt das grüne Schweinitzthal, umsäumt von bewaldeten Abhängen und schön geformten Bergkuppen. Gegenüber bemerken wir den Schwartenberg, mit den an seiner Böschung sich hinziehenden Häusern von +Heidelbach+ und +Heidelberg+, und mehr zurück zeigen sich Stadt +Sayda+, Burg +Frauenstein+ und Schloss +Lichtenwaldstein+. Weiter rechts sehen wir hinab auf die Dächer und Strassen von Katharinenberg und darüber hinaus auf das gesegnete Böhmerland mit dem Milleschauer, dem Borzen und anderen Spitzen des Mittelgebirges. Und auf der entgegengesetzten Seite erscheint das Flöhathal, das Städtchen +Lengefeld+, die +Augustusburg+ und weit im Hintergrunde der Rochlitzer Berg.
XV. Route: Von =Zschopau= über den =Greifenstein= nach =Geyer=.
Man geht in Zschopau (s. S. 88.) über die steinerne Brücke und wendet sich, am Bahnhofe vorbei, dem Wege zu, welcher, den Fluss rechts lassend, thalaufwärts führt. Hinter der Bodemer'schen Fabrik treten die meist bewaldeten Thalwände nahe an den Fluss heran: der Weg steigt empor und leitet fast in der Mitte des Abhanges dahin. Links vom Wege trifft man eine Ruhebank, und dabei eine Tafel mit der Inschrift: »Heinrich Cotta, geboren den 30. Oktober 1763«. Gegenüber, am andern Gelände, sieht man von frischem, wohlbeschnittenen Tannengebüsch die Buchstaben »H. C.« gebildet, welche gleichfalls auf den berühmten Forstmann hindeuten. Die hohe Felsenecke, welche später an unserer Linken erscheint, heisst die Kanzel und gewährt eine prächtige Rückschau auf das Zschopauthal. Nach 1½stündiger Wanderung folgen wir einem steilen Pfade hinab nach dem Dorfe +Scharfenstein+[9] (748 E.), in welchem sofort das alte Schloss die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dieses liegt auf einem sich weit hervorstreckenden Felsenrücken, der auf 3 Seiten von der Zschopau umflossen und quer von der Eisenbahn durchschnitten wird. Auch ein Stollen führt unter dem Felsen hin, um das Flusswasser mit recht viel Fall zu der Fiedler-Lechla'schen Spinnerei zu leiten. Auf dem Schlossberg hat man eine gute Aussicht. Von der Burg interessiren am meisten der Wartthurm und die tief in den Felsen eingearbeiteten Keller und Gefängnisse. Das Schloss gehört seit 1427 denen von Einsiedel, und hat in dem Bauern- und in dem 30jährigen Kriege mehrfache Gefahren zu bestehen gehabt.