Wegweiser durch das sächsisch-böhmische Erzgebirge

Part 4

Chapter 43,291 wordsPublic domain

4. Tag. Ueber +Oberhals+, +Schmiedeberg+ u. +Weipert+ nach +Annaberg+.

XIX. Von =Annaberg= über den =Greifenstein nach der Prinzenhöhle=.

1. Tag. Zu Fuss über +Schönfeld+ nach +Ehrenfriedersdorf+; auf den +Greifenstein+; über +Geyer+ nach +Zwönitz+.

2. Tag. Ueber +Lössnitz+ nach +Aue+; mit Eisenbahn nach +Schloss Stein+; zu Fuss nach +Hartenstein+.

3. Tag. Ueber die +Prinzenhöhle+ retour nach Schloss Stein; mit Eisenbahn nach Schwarzenberg. Zu Fuss über Wildenau nach dem Fürstenberg; Besuch der Oswaldkirche; nach +Elterlein+, +Hermannsdorf+ und +Annaberg+.

XX. Von =Annaberg= nach dem =Teltschthal= bei =Olbernhau=.

1. Tag. Zu Fuss über +Geiersdorf+, +Mildenau+ u. +Arnsfeld+ nach +Oberschmiedeberg+; durch den Wald auf die Marienberg-Reitzenhainer Strasse; vor Reitzenhain links ab nach +Kühnhaide+; über +Böhmisch-Kühnhaide+ und +Heinrichsdorf+ nach +Kallich+; über +Gabrielenhütte+ und +Teltsch+ nach +Brandau+.

2. Tag. Ueber +Grünthal+ nach +Olbernhau+; dann nach +Zöblitz+, +Marienberg+ u. +Wolkenstein+; mit Eisenbahn nach +Annaberg+.

XXI. Von =Olbernhau= nach =Rothenhaus=.

1. Tag. Zu Fuss nach Grünthal; über +Oberneuschönberg+, Seifen, +Deutsch-+ u. +Böhmisch-Einsiedel+, +Kreuzweg+ u. Johnsdorf nach +Obergeorgenthal+.

2. Tag. Ueber +Eisenberg+ nach +Görkau-Rothenhaus+.

3. Tag. Ueber +Göttersdorf+ nach +Kallich+; über +Gabrielenhütte+, +Teltsch+ u. +Rothenthal+ nach +Olbernhau+.

XXII. Von =Schwarzenberg= nach dem =Auersberg.=

1. Tag. Zu Fuss über +Erla+ und +Antonshütte+ nach +Johanngeorgenstadt+; nach +Wildenthal+.

2. Tag. Besteigung des +Auersberges+; mit Führer über +Zimmersacher+ nach +Eibenstock+. Abstecher nach +Schönhaider Hammer+ und +Schönhaide+.

3. Tag. Ueber +Unterblauenthal+ u. das +Schindlersche Blaufarbenwerk+ nach +Bockau+; über die +Kattunfabrik+, +Schmelzhütte+ und +Geitners Argentanfabrik+ nach +Aue+; mit Eisenbahn nach +Schwarzenberg+.

XXIII. Von =Zwickau= nach dem =oberen Mulden-= und =Zwotathal.=

1. Tag. Mit Eisenbahn nach +Auerbach+; zu Fuss über +Schönhaide+ nach +Eibenstock+.

2. Tag. Ueber +Rautenkranz+, +Tannebergsthal+ und +Brundöbra+ nach +Klingethal+.

3. Tag. Ueber +Hammerwerk-Zwotenthal+ und +Kottenhaide+ nach +Schöneck+; mit Post nach +Falkenstein+; mit Eisenbahn nach +Zwickau+.

C. Nebentouren.

XXIV. Von =Zwickau= in die =voigtländische Schweiz=.

1. Tag. Mit Eisenbahn nach +Reichenbach+. Zu Fuss nach der +Göltzschthalbrücke+; das +Göltzschthal+ entlang nach +Greiz+.

2. Tag. Im +Elstergrunde+ bis +Elsterberg+; durchs Steinicht, über die +Lochmühle+ nach +Liebau+ und +Joketa+; Besuch der +Elsterbrücke+; über +Chrieschwitz+ nach +Plauen+.

3. Tag. Ueber +Neuensalz+ und +Thosfell+ nach +Treuen+; dann über +Pfaffengrün+ und +Buchwald+ nach +Netzschkau+; mit Eisenbahn nach Zwickau.

XXV. Von =Döbeln= auf den =Rochlitzer Berg=.

1. Tag. Zu Fuss über +Technitz+ nach +Klosterbuch+; mit Eisenbahn nach +Leisnig+; weiter mit Eisenbahn nach +Tanndorf+; zu Fuss zur Vereinigung der beiden Mulden bei +Klein-Sermuth+; nach +Colditz+.

2. Tag. An der Zwickauer Mulde hinauf bis +Rochlitz+; auf den +Rochlitzer Berg+.

3. Tag. Ueber +Grossmilkau+ nach +Erlau+; mit Eisenbahn nach Döbeln.

XXVI. Von =Döbeln= nach =Schloss Kriebstein=.

1. Tag. Zu Fuss über +Technitz+ nach Schloss +Schweta+; zur Vereinigung der +Zschopau+ und +Freiberger Mulde+; an der +Zschopau+ hinauf nach +Waldheim+.

2. Tag. Auf dem linken Zschopauufer nach Schloss +Kriebstein+; über +Ehrenberg+ u. +Schönberg+ retour nach +Waldheim+; mit Eisenbahn nach Döbeln.

XXVII. Von =Waldheim= in das =Muldenthal= zwischen =Rochlitz= und =Waldenburg=.

1. Tag. Mit Eisenbahn nach +Erlau+. Mit Post nach +Rochlitz+; Besteigung des +Rochlitzer Berges+; zu Fuss nach +Wechselburg+.

2. Tag. Ueber +Göhren+, +Lunzenau+ und +Rochsburg+ nach +Penig+; über +Wolkenburg+ und +Kaufungen+ nach +Waldenburg+.

3. Tag. Ueber +Remissen+ nach +Glauchau+; mit Eisenbahn nach +Waldheim+.

Routen.

Die nachverzeichneten Routen sind meist +an einem+ Tage zurückzulegen; nimmt eine Route mehr Zeit in Anspruch, so ist dies besonders angegeben.

I. Route: Von =Dresden= nach dem =Mückenthürmchen= (2 Tage).

1. +Ueber Pirna+, +Gottleuba+, +Schönwalde+. -- Von Dresden mit Eisenbahn nach +Pirna+ (II. Kl. 10 Ngr.; III. Kl. 7 Ngr). Zu Fuss zur Zehistaer Strasse; links ab in den +Rottwernsdorfer Grund+, wo in anliegenden Steinmetzhütten Cottaer und Naundorfer Sandstein zugerichtet wird. Von Rottwernsdorf verfolgt man einen sandigen Fahrweg und wendet sich dann links zur +Cottaer+ Kirche. Besteigung des Cottaer +Spitzberges+, welcher eine schöne Aussicht bietet. Man sieht den Sattelberg bei Schönwalde, das Mückenthürmchen, den Geising, den Kahlenberg, die Tellkoppe, den Luchberg, den Wilisch, die goldene Höhe, Dresden, die Berge der sächsischen Schweiz und das ganze Elbsandsteingebirge. Zur Kirche zurückgekehrt, hält man sich links, gelangt zur Fahrstrasse von Pirna und auf dieser nach +Berggieshübel+, von wo man noch über +Giessenstein+ nach +Gottleuba+ geht, um daselbst Nachtquartier zu nehmen. -- Die Tour +Pirna-Gottleuba+ kann auch mit Post zurückgelegt werden. Fahrzeit 2 St. 15 M.; Preis 9 Ngr. -- Am nächsten Morgen über Hellendorf zur böhmischen Landesgrenze, welche man kurz vor dem Dorfe +Peterswalde+ überschreitet. Man geht durch den langen Ort hindurch und wendet sich links über +Jungferndorf+ nach der »+Nollendorfer Höhe+« (bekannt aus dem Jahre 1813), wo sich dem Auge eine prachtvolle Aussicht darbietet. Im Osten erblickt man die Spitzen des Elbsandsteingebirges, des Lausitzer- und Isergebirges; im Süden das Mittelgebirge mit dem kleinen und grossen Milleschauer; während nach anderen Richtungen hin das nahe Gebirge die Aussicht versperrt. -- Von Jungferndorf zurück nach +Schönwalde+, um den Spitz- oder Sattelberg zu besteigen. An der nördlichen Seite ist dieser Basaltkegel am zugänglichsten; sein Gipfel, auf welchem ein Crucifix mit starkem Postamente steht, gewährt die Aussicht auf das Mückenthürmchen, den Geising, den Luchberg, den Wilisch und andere Höhen des anliegenden Erzgebirges. Nun geht es über +Streckenwalde+ und +Ebersdorf+ nach dem +Mückenthürmchen+, womit das Ziel des Tages erreicht ist. -- Nachtquartier in dem gut eingerichteten Gasthause.

Das Mückenthürmchen gehört zu den lohnendsten Aussichtspunkten des Erzgebirges. Am Abhange liegt in enger Schlucht das Bergstädtchen Graupen mit den Trümmern der Rosenburg, tief unten im Thale breiten sich Teplitz und zahlreiche Ortschaften aus und dahinter erheben sich die stattlichen Kegel des Mittelgebirges; auch schweifen die Blicke über das Mittelgebirge hinweg, hin zu dem im Blau des Himmels sich verlierenden Bergen der Lausitz und der Umgegend von Prag.

+Pirna+, Stadt an der Mündung der Gottleube in die Elbe, 350 Fuss über d. Meeresspiegel, mit 8410 Einwohnern. Treibt Elbhandel und Schiffsbau und liefert Siderolith- und Töpferwaaren. Am bekanntesten ist es durch den »Pirnaer« Sandstein, welcher bei Posta, Copitz und Postelwitz und andern benachbarten Orten gebrochen wird. Aus diesem Sandstein sind beispielsweise der Magdeburger Dom und das Berliner Schauspielhaus gebaut. Hart über der Stadt erhebt sich der +Sonnenstein+, welcher in früherer Zeit zur Vertheidigung des Elbpasses diente. Während er im 15. Jahrhundert den Hussiten widerstand, wurde er (1639) im 30jähr. Kriege von den Schweden (Baner) erstürmt; die angerichtete Verwüstung war so arg, dass seit jener Zeit »Pirnaisches Elend« sprichwörtlich geworden ist. Seit 1811 befindet sich auf dem Sonnensteine eine Heil- und Verpflegungsanstalt für Geisteskranke. -- In Pirna sind die Vorverhandlungen für den 1635 geschlossenen +Prager Frieden+ gewesen. Der Ablasskrämer +Tetzel+ stammte aus Pirna.

+Grosscotta+ und +Kleincotta+, Dörfer; jenes mit 434 und dieses mit 286 E. Liefern Sandstein, welcher sich trefflich zu Bildhauerarbeiten eignet. -- Cottaer Spitzberg.

+Berggiesshübel+, Stadt an der +Gottleube+, 953 F. ü. M., mit 1007 Einwohnern. Verdankt seinen Namen uralten Giesshütten und hat noch jetzt zwei grosse Eisenwerke. Das mit schönen Anlagen versehene Bad (Johanngeorgenbad) wird nur wenig besucht; vormals haben die Dichter +Gellert+ und +Rabener+ hier öfters geweilt; der Weg, auf dem sie zu lustwandeln pflegten, heisst noch der Poetengang, und über einer Bank liest man die Worte:

Der Sänger frommen Lied's, der heit're Fabeldichter, Und Deutschlands Juvenal, der feine Sittenrichter, Sie pflegten hier zu ruh'n, nach Zwiesprach ernst und traut.

Lohnende Ausflüge sind: Grosshorn oder die Panoramahöhe; Zwieselgrund und Zwieselmühle; Gersdorf mit Ruine und der Napoleonstein, so genannt, weil Napoleon I. bei den häufigen Gefechten in jener Gegend ihn wiederholt besucht hat.

+Gottleuba+, Stadt an der Einmündung der Fuhde in die Gottleube, 1414 F. ü. M., mit 812 E. Prächtig gelegen im tiefen Thal, zwischen hohen Felsen. -- Unfern Gottleuba bildet der +Langhennersdorfer Bach+ einen ansehnlichen Wasserfall.

Bei dem böhmischen Dorfe +Peterswalde+ fanden die Vorkämpfe zur Schlacht bei Kulm (29. u. 30. August 1813) statt. Der russische General Ostermann hatte einen Sturm auf die Peterswalder Höhen befohlen, um die Franzosen vom Egerthal fern zu halten. Aber Vandamme trieb die Angreifer zurück und folgte ihnen, voll Ungestüms, über Nollendorf hinab in den Thalkessel. Er erobert Kulm; die Russen (8000 Mann) können nur durch mörderischen Kampf (dem General Ostermann riss eine Kanonenkugel die linke Hand weg) ihre Stellung behaupten. Unterdessen hatte sich der preussische General Kleist genähert, um dem Feinde den Rückzug abzuschneiden. Am nächsten Tag erneuert sich die Schlacht: die Russen und ein zu ihnen gestossener österreichischer Heerhaufen leisten den tapfersten Widerstand; Kleist zieht nach Nollendorf, fällt dem französischen Korps in den Rücken und zwingt es, sich zu ergeben.

2. +Ueber Mügeln+, +Glashütte+, +Lauenstein+. (2 Tage). -- Von Dresden mit Eisenbahn bis +Mügeln+ (II. Kl. 6 Ngr., III. Kl. 4½ Ngr.) Zu Fuss nach +Dohna+, durch den +Sürsener Grund+ nach +Maxen+, herab nach +Mühlbach+; nun das schöne Müglitzthal hinauf: über +Schlottwitz+ nach +Glashütte+ und weiter durch +Bärenhecke+ und +Bärenstein+ nach +Lauenstein+, wo man übernachtet. Wer die Strasse nicht liebt, kann eine Stunde oberhalb Schlottwitz links den Fussweg über Dittersdorf und Börnchen nach Lauenstein einschlagen. -- Die Post fährt von Mügeln bis Lauenstein 4 St. 25 M.

Am folgenden Tag begiebt man sich über +Löwenhain+, +Fürstenau+ und +Voigtsdorf+ auf das Mückenthürmchen, wo man wegen des sich darbietenden Naturgenusses Station macht.

+Mügeln+, Dorf mit 444 E., unfern des Einflusses der Müglitz in die Elbe. -- Zwischen Mügeln und Pirna +Gross-Sedlitz+, königliches Schloss mit schönem Garten.

+Dohna+, Stadt an der Müglitz, 544 F. ü. M., mit 1683 E. War einst der Sitz mächtiger Burggrafen, die aber wegen ihrer Befehdungen zu Anfang des 15. Jahrhunderts vertrieben wurden. -- Im Mittelalter hatte der Ort einen berühmten Schöppenstuhl, +Dohnaisches Mal+ u. +Ritterding+ genannt.

+Maxen+, Dorf mit 694 E., hat grosse Kalk- und Marmorbrüche. Hier lebte der Stifter der Schillerlotterie, Major von Serre. In der Nähe fand 1759 der Finkenfang d. i. die Gefangennahme des preussischen Generals Fink v. Finkenstein mit 10,000 Mann durch die Oesterreicher statt.

+Glashütte+, Stadt am Einflusse des Briesnitzbaches in die Müglitz, 1003 F. ü. M., mit 1573 E. Verdankt Entstehung und Namen dem Bergbau auf Glaserz, welches auch verhüttet wurde. Seit dem 30jährigen Kriege ist der Bergbau zum Erliegen gekommen. Jetzt blüht im Orte die Fabrikation von Taschenuhren. Die Kirche enthält einige werthvolle Glas- und Oelgemälde. Vor der Stadt zeigt man eine Felsenhöhle, in welcher im 15. Jahrhundert der Räuber Wittich hauste, bis er vom Ritter Weinhold von Bärenstein erschlagen wurde.

+Bärenstein+, kleinste Stadt Sachsens, mit 551 E.

+Lauenstein+, Stadt, 1634 F. ü. M., mit 819 E. Enthält ein altes Schloss mit Rittersaal, Rüstkammer und Burgverliess. In der Kirche werthvolles Denkmal ihres Erbauers, des +Günther von Bünau+. Zwischen Bärenstein und Lauenstein nimmt die Müglitz das Altenberger Wasser auf und wird dadurch ziegelroth gefärbt. Die rothe Farbe rührt von den Eisentheilen her, welche in den Pochwerken aus den Zinnerzen mit fortgespült werden.

+Fürstenau+, Dorf, mit 481 E. In der protestantischen Kirche ein Marienbild, zu welchem viele Katholiken aus Böhmen ungestört wallfahrten.

3. +Ueber Mügeln+, +Liebstadt+, +Schönwalde+. (2 Tage) -- Wieder mit Dampfwagen von Dresden bis Mügeln (II. Kl. 6 Ngr., III. Kl. 4½ Ngr.). Zu Fuss über +Dohna+ und +Weesenstein+ nach Burkhardtswalde; dann links ab über Nenntmannsdorf nach +Liebstadt+, von wo man über +Börnersdorf+ nach Breitenau gelangt, was sich zum Nachtquartier eignet. -- Nach Liebstadt kann man von Pirna aus auch in 2 St. p. Post gelangen. -- Nächsten Morgen begiebt man sich durch den +Oelsengrund+ auf den +Sattelberg+ und schliesst sich bis zum Mückenthürmchen an die S. 64 angegebene Route an.

+Mügeln+ und +Dohna+ s. S. 67.

+Weesenstein+, Dorf an der Müglitz, mit 311 E. Das Schloss Privateigenthum des Königs von Sachsen. Ein Saal enthält sämmtliche Portraits der königlichen Familie seit August dem Starken.

+Liebstadt+, Stadt in einem Seitenthale der Gottleube, 1480 F. ü. M., mit 881 E. Hat wie die ganze Umgegend viel Strohflechterei.

Das +Strohflechten+ wird von Altenberg bis über Dohna hinaus und von Gottleuba bis in die Gegend von Dippoldiswalde getrieben und beschäftigt gegen 20,000 Menschen. Man gebraucht dazu Weizenstroh, welches in der gewünschten Art auf dortigem Boden wächst. Das Getreide wird sorgfältig eingeerntet und namentlich vor Nässe geschützt. Dann trennt man die Aehren ab und zerschneidet die Halme so, dass die Knoten herausfallen. Nunmehr wird das Stroh geschwefelt und zum Mürbewerden in's Wasser gelegt. Nachdem man noch die erweichten Halme mittelst eines scharfen Instrumentes in schmale Streifen gespalten hat, beginnt endlich das Flechten. Es ist eine höchst mühsame Arbeit, bei welcher jedoch die geschmeidigen Finger der Kinder oft ebensoviel, als die geübten Hände der Erwachsenen leisten.

II. Route: Von =Dresden= nach =Dippoldiswalde=.

1. Von +Dresden+ mit Eisenbahn durch den Plaueschen Grund (II. Kl. 8 Ngr., III. Kl. 6 Ngr.) nach Tharandt. In Tharandt wird ausgestiegen, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt und Umgebung in Augenschein zu nehmen; dann geht man an der wilden Weisseritz herab bis zur +Hainsberger+ Mühle und lässt sich in der Nähe derselben von einem Wegweiser auf den Fusspfad »Nach der Rabenauer Mühle« und damit in das Thal der rothen Weisseritz leiten. Der Fluss tost in steinigem Bette dahin, auf der einen Seite jähe Felsen, auf der anderen schönbewaldete Abhänge bespülend. Der Weg bleibt auf letzterer Seite und führt zur Rabenauer Mühle, welche von prächtigen Felspartien umgeben ist. Da das Thal nur noch eine kurze Strecke begangen werden kann, so verlässt man hier dasselbe und wendet sich links nach +Rabenau+; und von da über +Klein-+ und +Grossölsa+ nach +Wendisch-Carsdorf+, um auf der Dresdener Strasse +Dippoldiswalde+ zu erreichen.

Der +Plauesche Grund+ ist berühmt durch seine Naturschönheit[7], durch seinen Kohlenreichthum und seine vielen gewerblichen Etablissements, von denen besonders die Gussstahlfabrik zu Döhlen, die einzige Sachsens, zu nennen ist.

+Tharandt+, Stadt am Vereinigungspunkte zweier Seitenthäler mit dem Thale der wilden Weisseritz, 752 F. ü. M., mit 2384 E. Liebliche Lage. Der Bergvorsprung zwischen den drei Thälern trägt die Trümmer einer Burg, welche 1568 vom Blitze getroffen und seitdem dem Verfalle überlassen worden ist. Ausser dieser +Ruine+ sind sehenswerth: Der +Forstgarten+ mit Cotta's Grab und die »+heiligen Hallen+« d. h. grosse von majestätischen Buchen gebildete Laubgewölbe. -- Tharandt ist der Sitz der 1816 errichteten Forstakademie; hat auch ein Bad.

+Rabenau+, Stadt am Oelsenbache, mit 1151 E. Sitz der Stuhlbauerei; man fertigt allda jährlich 5--6000 Dutzend Stuhlgestelle.

+Dippoldiswalde+, Stadt an der rothen Weisseritz, 1094 F. ü. M., mit 2994 E. Sehenswerth: Pfarr- und Friedhofkirche (Nikolaikirche), Schloss. Spaziergänge: nach der im Walde gelegenen Ruine der Barbarakapelle und dem nicht weit davon entfernten Einsiedlerbrunnen; nach den Sandsteinbrüchen am Rabenauer Wege und nach dem ohnweit der Stadt befindlichen Tartarengrab, d. h. dem Grabmal eines im 7jährigen Kriege gefallenen Uhlanenofficiers.

2. Von Dresden zu Fuss über +Räcknitz+, (Denkmal des Generals Moreau!) +goldene Höhe+ und +Possendorf+ nach +Wendisch-Carsdorf+; hier links ab nach +Hermsdorf+, um den basaltischen +Wilisch+ zu besteigen. Nach genossener Aussicht auf das Elbthal, die Sächsische Schweiz und die Altenberger und Frauensteiner Höhen zurück nach Hermsdorf; dann über Reinberg (Riemrig) und Oberhäslich nach +Dippoldiswalde+.

III. Route: Von =Dippoldiswalde= nach dem =Mückenthürmchen=.

Von Dippoldiswalde bis +Schmiedeberg+ auf der Strasse; bei der Mühle über dem Hohofen den Langengrund hinaus zur prächtig gelegenen Oberförsterei +Bärenburg+; von hier mit Führer auf die +Tellkoppe+ und dann Wanderung auf der Strasse nach +Altenberg+. Weil die Aussicht auf dem +Geising+ durch Bäume zu sehr versperrt ist, besteigt man den +Kahlenberg+ und wendet sich über +Hinter-+ und +Vorderzinnwald+ nach dem +Mückenthürmchen+. -- Wer will, kann von Zinnwald mit Führer noch den +Lugstein+ besuchen; Aussicht ähnlich wie vom Mückenthürmchen (s. S. 64--65.)

Von +Bärenburg+ (2252 F. ü. M.) aus soll der König von Sachsen seiner Gemahlin in Pillnitz »Gute Nacht« gewünscht haben. Er liess bei eintretender Dunkelheit auf der Tellkoppe eine Rakete steigen; eine andere von Pillnitz antwortete: es war Gruss und Gegengruss!

+Schmiedeberg+, Flecken am Einfluss des Pöbelbaches in die rothe Weisseritz, mit 525 E. -- Ausser Hohofen auch Eisenhammer. In früherer Zeit waren die Bergknappen gute Sänger und mussten oft bei Hoffesten erscheinen.

+Altenberg+, Stadt am südwestlichen Abhange des Geisingberges, 2298 F. ü. M., mit 2366 E. -- Die Stadt verdankt ihre Entstehung dem Bergbau. Im Jahre 1458 wurde in dortiger Gegend Zinn fündig, auf welches man heute noch baut; freilich ist die dermalige Ausbeute kaum die Hälfte der früheren (2248 Centner gegen 5000).

Die Erze kommen hier nicht gangförmig, sondern in umfänglichen Massen, d. i. bergmännisch ausgedrückt, in »Stockwerken« vor. Diese werden ausgehauen, und so erhält man grosse Weitungen, welche durch stehenbleibende Gesteinswände (Bergvesten) gestützt werden. Bisweilen erweisen sich aber die Wände für die darauf ruhende Last als zu schwach und es entstehen Einsenkungen, sogenannte Tagesbrüche oder +Bingen+. Der bedeutendste Einsturz fand im Jahre 1624 statt: ein Stockwerk von 450 Ellen Tiefe und 900 Schritten Umfang -- der Schauplatz war die +grosse+ Binge -- brach in sich zusammen; die Wucht des herabfallenden Gesteins war so furchtbar, dass die Bodenerschütterung bis Dresden hin verspürt wurde! -- Die meisten Zinngruben gehören jetzt der Gewerkschaft +Vereinigt Feld im Zwitterstock+; dieselbe hat allein 20 Wäschen und Pochwerke, welche theils durch Wasser-, theils durch Dampfkraft getrieben werden.

Ausser Bergbau hat Altenberg +Strohflechterei+, für welche es sogar Hauptort ist. -- Im Galgenteiche bei Altenberg entspringt die +rothe+ Weisseritz; die +wilde+ Weisseritz hat ihre Quelle hinter Zaunhaus auf böhmischer Seite.

Fast östlich von Altenberg liegen +Alt-+ und +Neugeising+, mit 1336 E. Beide Orte treiben wie Altenberg Bergbau und Strohflechterei.

IV. Route: Von =Dippoldiswalde= nach =Sayda=.

1. Von Dippoldiswalde über Ober-Carsdorf, Sadisdorf und Hennersdorf nach +Frauenstein+; mit Post über Bienmühle und Clausnitz nach +Sayda+ (Passagiergeld: 14 Ngr.)

2. Ein anderer Weg ist: von Dippoldiswalde nach Schmiedeberg und dem reizenden Bärenburg, dann nach Schellerhau, (Besteigung des Pöbelknochens) und über Dorf Sayda, Schönfeld und Reichenau nach +Frauenstein+; von hier mit Post nach (Stadt) +Sayda+.

+Frauenstein+, Stadt zwischen der Gimlitz und Bobritzsch, 2018 F. ü. M., mit 1435 E. -- 1869 durch grossen Brand heimgesucht. -- Hohe, freie Lage mit umfassender Aussicht. Grossartig ist die Ruine der +alten+ Burg, dicht hinter dem jetzigen Schlosse. Auf dem Thurm des Burgverliesses, der »dicke Märten« genannt, hält man Umschau. Man sieht den ganzen Tharandter Wald, die Stadt Freiberg, die Augustusburg, den Greifenstein, den Fichtelberg, den Kamm des östlichen Erzgebirges, die sächsische Schweiz, das Elbthal, die Pulsnitzer Berge, und zwischen all' diesen Hauptpunkten viele Thäler und Gründe, Abhänge und Höhen, Dörfer und Flecken. -- Frauenstein war eine uralte Grenzburg gegen Böhmen. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts kam es in Besitz der Burggrafen zu Meissen und 1428 ging es als meissnisches Lehen an Heinrich von Plauen über. Da dieser sich aber ungehorsam gegen Friedrich den Sanftmüthigen erwies, so wurde die Stadt und Burg erobert und das Lehen eingezogen. Im Jahre 1473 verkauften die Brüder Ernst und Albert Frauenstein an die Herren von Schönberg, die es nun besassen, bis 1647 der Rückkauf durch das Kurhaus erfolgte.

Aus dem Dorfe +Kleinbobritzsch+ bei Frauenstein stammt der berühmte Orgelbauer +Silbermann+. Er war der Sohn eines Zimmermanns und sollte Buchbinder werden; dazu hatte er aber keine Lust und so begab er sich nach Strassburg, um von einem dort wohnenden Vetter die Orgelbaukunst zu erlernen. Später kehrte er nach Sachsen zurück. 47 noch vorhandene Orgelwerke verkündigen seinen Ruhm; seine bedeutendste Schöpfung mag die Orgel im Strassburger Münster sein.

Die Strasse, welche von Frauenstein nach Dresden führt, heisst die +Butterstrasse+, weil auf ihr die erzgebirgischen Bauern ihre Butter nach der sächs. Hauptstadt zu bringen pflegen. -- Die Gegend hat ausser guter Viehzucht trefflichen Flachsbau, weshalb auch zu Oberbobritzsch, Mulda und Lichtenberg Flachsbereitungsanstalten eingerichtet worden sind.

+Sayda+, Stadt, 2092 F. ü. M., mit 1639 E. -- 1842 bis auf wenige Häuser niedergebrannt, doch seitdem sauber wieder aufgebaut. -- Im Mittelalter war Sayda ein wichtiger Speditionsort für Waaren, welche von Leipzig nach Böhmen gingen. Zu jener Zeit wurde es von vielen Juden, die ein besonderes Viertel, die sogenannte Judenstadt, inne hatten, bewohnt. Die damaligen Festungswerke sind längst verschwunden. -- Auf einer Höhe vor der Stadt gute Aussicht in das Obergebirge.

V. Route: Vom =Mückenthürmchen= nach =Teplitz=.

Vom Mückenthürmchen nicht auf der bequemen Chaussee, sondern auf steilem Fusswege, welcher die Halden von Zinnbergwerken berührt, hinab nach +Obergraupen+, dem Abbilde eines ächten Gebirgsdorfes, und dann nach der Stadt +Graupen+, welche in einem malerischen Engpass gelegen ist. Die Bergstadt Graupen ist eine der lohnendsten Partien im ganzen Erzgebirge und bietet prächtige Aussichtspunkte dar. Von der Ruine +Rosenburg+ hat man einen überraschend schönen Blick auf Graupen, Mariaschein, Kulm, Teplitz, das Mittelgebirge und die Thalwände des westlichen Erzgebirges. Aehnlich, immerhin aber etwas verändert, wird man die Rundschau auf +Wilhelmshöhe+ (Andenken an die öfteren Besuche Friedrich Wilhelm des III.) und +Heinrichsruhe+ finden. Nur 10 Minuten unterhalb Graupen liegt die stattliche und berühmte Wallfahrtskirche +Mariaschein+.