Wanderbilder aus Central-Amerika. Skizzen eines deutschen Malers

Part 3

Chapter 33,307 wordsPublic domain

Den See kreuzend, gelangten wir nach Whitehall, malerisch in einer Schlucht gelegen, an der Mündung des Sees, wo ein Canal ihn mit dem Hudson in Verbindung setzt. Durch diesen Canal kommen die Produkte des fernsten Westen über den Ontario, den Sanct-Lorenzstrom, den Champlainsee und Hudson bis New-York, ein Weg von vier- bis fünftausend engl. Meilen, welchen die verschiedenen Handelsgegenstände zurücklegen, ohne das Schiff zu verlassen, in das sie in Detroit oder Michican geladen worden sind. Außerdem laufen noch zwei andere Canalwege südlich nach demselben Punkt, von drei Hauptbahnlinien und zahllosen Canälen und Zweigbahnen nach anderen Staaten durchkreuzt, wo ein ähnlicher Stand der Dinge herrscht, und führen die Güter dem Orte ihrer Bestimmung zu. Fast alle diese Riesenwerke sind erst in den letzten fünfzig Jahren entstanden und ohne daß der Staat als solcher auch nur einen Dollar dazu gegeben. Das sind die Segnungen einer gesetzlichen Freiheit, wie die ungesetzliche Freiheit und Anarchie der Fluch der Völker ist! -- Eine, im Verhältniß zu dem ungeheuren Territorium schwache Bevölkerung, hat diese Werke vollführt und vollführen können, weil ihrer Entwickelung nach allen Seiten hin ein unbegränztes Feld offen stand, weil der kühne Unternehmungsgeist der Einen, wie der Fleiß und die Thätigkeit Anderer nicht eingezwängt wird von veralteten Zunftgesetzen, der Erwerb nicht geschmälert und aufgezehrt wird vom Zahn des alles verschlingenden Monopolwesens. Doch ist das Alles ja von so vielen Anderen viel besser gesagt und beleuchtet worden, als ich es zu thun vermöchte, und wollte ich das Lob Amerikas mit vollen Backen posaunen, so gliche dies einer Abhandlung über den wohlthätigen Einfluß des Sonnenlichts.

Auf unserm Wege begegneten wir überall Werkstätten voll rüstiger und thätiger Arbeiter, welche den Mineralreichthum der Berge in den verschiedensten Formen der Welt übergeben, oder die Riesen des Waldes, zu Brettern, Latten, Kisten, Kasten, Fässern, Geräthen aller Art zerschnitten und verarbeitet, ihre Reisen zum Markt antreten lassen. Ueberall zeigt sich dies Land dem aufmerksamen Beschauer wie eine Art von Riesenkind, das oft Riesenwerke spielend verrichtet, daneben aber wieder Manches, das ihm zu tief dünkt, bei Seite wirft für spätere Zeiten, immer aber wachsend, sich kräftigend und Wunder für die Zukunft versprechend.

Die Gegend, durch die wir mußten, ist mit Blut getränkt; hier war der Schauplatz von Kämpfen ohne Zahl, zuerst mit den Indianern, um ihnen das Land abzugewinnen, dann die langen Fehden zwischen den Eingeborenen, den französischen und britischen Heeren. Namen wie Ticonderoga, Fort-Edward, Fort-William, Fort-Henri, rufen blutige Greuelscenen vor das Gedächtniß und selbst unser Jahrhundert hat bereits dergleichen blutige Spuren hinterlassen, im Jahre 1812 bei Plattsburg, wo viertausend Briten ihr Leben auf der Wahlstatt aushauchten.

Wir durchkreuzten auch den Boden, wo Cooper's letzter der Mohicans spielt. Bei Fort-Edward hielten wir an und wanderten hinüber nach Gleen-Falls. Dort stürzt der Hudson, noch ein unbändiger Knabe, wild durch zerklüftetes Gestein hinab, zu beiden Seiten der kleinen Insel, auf welche Lederstrumpf den Major Howard und die Töchter Monrooes führte. Wollt Ihr eine genaue Beschreibung der Localität, so les't Cooper's meisterhaften Roman, der Platz ist darin nach der Natur geschildert. An der Stelle, wo Nahuga den verfolgenden Indianern entschlüpfte, ist jetzt ein Marmorbruch; die Höhle, in welcher die Schwestern die Nacht zubrachten, ist ziemlich von Treibholz verstopft, doch kann man noch hineingelangen. Da, wo Hawkeye den Indianer vom Baume herunterschoß, stehen eine Menge Mühlen, statt des todten Kriegers, fallen jetzt Abschnitzel von Brettern in die schäumende Fluth, und die Spitze, welche zu erreichen zwei Kriegern das Leben kostete, wo Unca's Messer den Major vom Tomahawk des Feindes rettete, ist jetzt bloßgelegt von Wasser, was den Fällen durch einen Canal für den Betrieb der Mühlen entzogen wird.

Von hier ging es nach Saratoga, ehedem der heilige Platz des rothen Mannes, jetzt der Badeort =par excellence= für die elegante Welt. Noch springt die Quelle, die Hawkeye wieder aus dem Boden grub, doch statt der Calabasse, aus der die ermüdeten Jäger den Durst löschten, gewährt eine elegante Trinkhalle einen bequemen Raum, und da, wo früher in der heiligen Waldesruhe die Mineralquelle dem rothen Thonboden entsprang, wandelt jetzt der Fuß schöner Frauen, dem Stutzer auf Spaziergängen kokettirende Blicke zuwerfend.

Nicht zieht mehr der rothe Krieger an die heilige Quelle, um zu seinen Göttern zu beten, aber dennoch wallfahrten die neuen Kinder des Landes allsommerlich in Schaaren fashionabler Zugvögel hierher, um anderen Götzen zu opfern, um entweder in den Tanz- und Spielsälen Gesundheit und Vermögen zu zerrütten, oder die erstere in Kurhäusern wieder zusammenzuflicken. Verdrehtes Leben der sogenannten feinen Welt, die kokettirend, brillirend, raffinirend, intriguirend dahin zieht, denjenigen am meisten bewundernd, der es am besten versteht, durch die größte Modethorheit ihre Aufmerksamkeit so lange zu fesseln, bis eine andere, noch größere, sie schnell wieder in Vergessenheit bringt. =C'est tout comme chez nous!=

Als wir aber durch Saratoga kamen, sahen wir von alle dem nichts mehr; die Saison war zu Ende, das Kurhaus geschlossen, und außer einigen schläfrigen »Niggers«, die sich in den Hausthüren herumlümmelten, Alles todt und öde. Die Blätter fielen, die Schwalben zogen südwärts und die Maler heimwärts in ihr Atelier, beutelleer, aber beuteschwer, Geld, wie Farben und Leinwand aufgebraucht.

Ein Jahr in Central-Amerika.

I.

Vorwort. -- Zweck der Reise. -- Allgemeine Bemerkungen über Central-Amerika -- Canalproject zur Verbindung des atlantischen und des stillen Oceans.

Am Bord der Brigg Rogelin, im atlantischen Ocean, Junius 1851.

Ehe ich angelangt bin in jenen Tropenländern, welche für die nächste Zukunft mein Aufenthalt sein sollen, halte ich es für angemessen, einige erläuternde Worte, sowohl in Bezug auf den Zweck meiner Reise, als in Bezug auf mich selbst vorauszuschicken.

Glückliche Zufälligkeiten hatten mich in New-York in Verbindung mit Herrn Squier gebracht, einem Mann, welcher sich bereits durch seine Verdienste um archäologische Forschungen in Nord- und Central-Amerika, so wie durch seine ehrenhafte Thätigkeit in einer Angelegenheit, die tief eingreift in die Handelsinteressen fast des ganzen Erdenrundes, einen bedeutenden Ruf erworben.

Herr Squier war mehre Jahre Gesandter der Vereinigten Staaten von Nordamerika bei den verschiedenen Republiken von Central-Amerika, und hatte während dem die beste Gelegenheit, einen großen Theil dieser Länderstriche genau zu erforschen. Das Ergebniß dieser Forschungen ist ein Werk, mit dessen Beendigung Herr Squier jetzt eben beschäftigt ist, während ich, nach getroffener Uebereinkunft mit ihm, vorausgegangen bin, um mich einstweilen mit dem tropischen Klima und der Lebensweise jener Länder vertraut zu machen, bis Herr Squier sofort nach Beendigung und Publikation jenes Werkes mir nachfolgen wird, um seine Forschungen in Gemeinschaft mit mir in den bis jetzt fast noch gar nicht bekannten Strichen Central-Amerikas fortzusetzen. Gestalten sich die Umstände diesem Unternehmen günstig, so soll dessen Resultat ein zweites Werk Squier's sein, an welchem ich mich nur in Bezug auf dessen artistische Ausstattung mit landschaftlichen Ansichten betheiligen werde.

Was nun mich betrifft und dasjenige von meinen persönlichen Reiseerlebnissen, was vielleicht vorher und ganz unabhängig von dem projektirten Werke zur Oeffentlichkeit gelangt, so nöthigt mich die tadelnde Aufnahme, welche Herrn Fröbel's Nachrichten über Central-Amerika zu Theil wurden, zu folgenden Bemerkungen.

Ich bin Künstler, und habe nur als solcher die Reise unternommen, aus Liebe zur Kunst und aus Freude an wissenschaftlichen Forschungen. Es kann nicht in meiner Absicht liegen Reiseberichte zu schreiben, welche diesen oder jenen Strich Landes in zu günstigen Farben schildern und welche vielleicht Veranlassung werden könnten, einen größeren oder kleineren Theil der Auswanderung nach irgend einem bestimmten Punkt der neuen Welt zu lenken. Der Widerspruch, den oberwähnte Berichte mehrseitig erweckt, beweist klar genug, wie überaus schwer es ist, eine feste Meinung über irgend ein Land als unbedingt maßgebend aufzustellen. Das Schicksal des Auswanderers hängt überall von zu vielen Nebenumständen ab, und durchschnittlich gehen an jedem Platze eben so viele zu Grunde, als andere wiederum den Grund zu ihrer Existenz, zu Wohlhabenheit oder gar zu Reichthum legen, wenn nicht gar der ersteren Zahl die überwiegende ist. Jedenfalls sind stets Personen genug vorhanden, welche triftigen Grund haben, Lob oder Tadel eines Landes, je nach individuellen Umständen, übertrieben zu finden.

Ich werde meine Zeit während meines Aufenthaltes in Central-Amerika wohl anderweit bedürfen, als dieselbe mit Entgegnungen von derlei Einwürfen hinzubringen, wenn überhaupt solche mir zu Gesicht kommen sollten, bemerke also im voraus, daß das, was ich etwa in dieser Beziehung zu sagen haben könnte, eben nur individuelle Ansichten und Wahrnehmungen sind, die ich unbefangen und wie sie sich meiner unmittelbaren Anschauung darstellen wiedergebe. Sollte ich wichtige Thatsachen zu berühren haben, so werde ich mich bemühen, stets die Quellen anzugeben, aus denen ich geschöpft.

Bin ich übrigens etwa irgendwo im Irrthume, soll mir's lieb sein, wenn sich Jemand findet, der es besser weiß und seine Ansicht ausspricht.

Was die etwaigen naturhistorischen und archäologischen Entdeckungen betrifft, welche während der vereinigten Expedition von Herrn Squier und mir gemacht werden sollten, so bemerke ich, daß das hier von mir zu Sagende nicht als wissenschaftliche Doctrine anzusehen ist. Dieses Feld bleibt einer geschickteren Feder überlassen als der meinigen, der meines Freundes Herrn Squier. Ich selbst sehe ab von allem und jedem System, wünsche nichts als die Eindrücke wiederzugeben, welche Natur, Menschen und Kunstwerke, als in engster Verbindung mit einander stehend, auf mich als Mensch und Künstler hervorrufen, und fühle mich hierzu veranlaßt durch die Ansicht, daß es Pflicht eines Reisenden in wenig bekannten Länderstrichen ist, seine Beobachtungen zur Kenntniß des Publikums zu bringen, um so, wenn auch nur in einem Minimum, seinen Tribut zum Schatz des menschlichen Wissens beizusteuern.

Nebenbei fühle ich mich gegenwärtig hierzu noch besonders durch den Umstand veranlaßt, daß die Schaubühne von Herrn Squier's und meinen Forschungen sich auf einem Theil des amerikanischen Continents befindet, welcher für diesen Welttheil eine ähnliche Bedeutung hat wie Aegypten und Assyrien für die alte Welt, und ich fühle mich freudig erhoben in dem Gedanken, einen wenn auch noch so kleinen Theil zur Entwicklungs- und Kunstgeschichte des Landes beizutragen, das den Fremden gastlich auf seinem Boden aufgenommen.

Weder Hr. Squier noch ich sind die ersten, welche diesen Gedanken erfaßt: der vorzüglichste Pionier der Neuzeit, im erhabenen Sinne des Worts, der große Humboldt ist es! Viele namhafte Gelehrte und Künstler haben seitdem mannichfaches Licht über jene Gegenden verbreitet, und die letzten Veröffentlichungen Herrn Squier's haben dasselbe vermehrt. Doch noch viel, sehr viel bleibt zu thun übrig, und speciell in den Staaten Nicaragua, Honduras, St. Salvador und Guatemala hemmen unendliche Schwierigkeiten die Fortschritte des wißbegierigen Sammlers. Wie weit unser Unternehmen dieselben überwinden kann, bleibt Gott anheimgestellt; mögen die Resultate indeß sein wie sie wollen, ich werde mich stets dem Schicksal dankbar verpflichtet fühlen, das mir gestattet, meine Thätigkeit mit der eines gleichgesinnten Mannes zu einer so schönen und edlen Unternehmung zu vereinigen.

Es scheint mir zuvörderst dienlich einige topographische Mittheilungen in Bezug auf den zukünftigen Schauplatz unseres Unternehmens und seine Verhältnisse zu machen, zu denen ich die Mittheilungen benutze, welche mein würdiger Freund, Hr. Squier, bereits früher dem amerikanischen Publikum übergeben.

Geographisch ist Nicaragua der größte und bedeutendste Theil von Central-Amerika. Es dehnt sich aus von einem Ocean zum andern, und umfaßt in seinen Gränzen die großen Seen von Nicaragua und Managua, durch welche, wie jetzt einstimmig festgestellt ist, die einzig mögliche Linie für einen Schifffahrtscanal über diesen Theil des amerikanischen Continents (Isthmus) führt. Die Nordgränze ist eine unregelmäßige Linie vom Golf di Fonseca am stillen Ocean zum Cap Gracias a Dios am atlantischen, die Südgränze hingegen eine gerade Linie von der Spitze des Golfs von Nicoga zu einem Punkt inmitten der Mündung des San Juan und dem Hafen von Matina in Costarica am atlantischen Ocean.

Der Grund und Boden hat ein mannichfaltiges Aeußere und eine unbegränzte Fruchtbarkeit. Das große Becken der Seen besteht aus Ebenen und sanft ansteigendem Hügelland, abwechselnd begränzt und unterbrochen durch hohe steile Vulcane, und bietet alle Produkte der Tropenländer im reichsten Maße dar. Die nördlichen Departements Segovia und Choutales sind höher gelegen, gebirgiger, besitzen einen Ueberfluß an Metallen und bringen eine Menge Früchte der gemäßigten Zone hervor; die Temperatur ist vergleichsweise kühl und frisch.

Die atlantische oder, wie sie zumeist genannt wird, Mosquito-Küste ist im ganzen flach, der fast das ganze Jahr sich ergießende Regen höchst beschwerlich, die Atmosphäre drückend heiß und weniger zuträglich als in andern Theilen des Staates. Die ziemlich dünne Bevölkerung besteht aus Indianern vom Stamm der Charibs, entlaufenen Negern von den westindischen Inseln und einer Mischlingsrace zwischen beiden. Der größte Theil der Bevölkerung von Nicaragua jedoch bewohnt den Abhang gegen den stillen Ocean hin. Hier ist der Boden nicht nur überaus fruchtbar und leicht zu bearbeiten, sondern auch das Klima unendlich gesünder und angenehmer. Es giebt hier nur zwei Jahreszeiten: die Regenzeit, von Mitte Mai's bis Mitte Novembers, und die trockene, während welcher sehr selten Regen fällt. Die Temperatur ist ziemlich gleichmäßig, etwa zwischen 70 und 82° Fahrenheit, und schwerlich dürfte sich eines der Tropenländer eines angenehmeren Klima's, einer günstigeren Lage zu erfreuen haben.

Der Staat Nicaragua ist in fünf Departements eingetheilt und hat, trotz seiner großen Ausdehnung, eine Bevölkerung von nur 250,000 Einwohnern, die jedoch hauptsächlich die Städte bewohnen. Die Hauptstadt und der Sitz der Regierung ist Leon, mit 25 bis 30,000 Seelen; die zweite Masaya, eine fast durchaus indianische Stadt, bemerkenswerth durch ihre Manufacturen, die dritte Granada, am See von Nicaragua, durch welche ein großer Theil des Verkehrs des Landes über den See und den Fluß St. Juan geht, mit 12 bis 14,000 Einwohnern. Außerdem sind Managua, Sitz der gesetzgebenden Versammlung, und Rivas schon ziemlich bedeutende Plätze.

Der nichtindianische Theil der Bevölkerung stammt von den ersten spanischen Eroberern her, und ist an Sitte und Charakter seinem Stammblut ziemlich treu geblieben. Ein näheres Eingehen hierauf behalte ich mir noch einer persönlichen Bekanntschaft mit den edlen Dons und Sennores vor.

Der bedeutendste Hafen am stillen Ocean ist der von Realejo, zwischen welchem und St. Francisco sich bereits ein lebhafter Verkehr entwickelt. Zweifelsohne wird Central-Amerika binnen Kurzem für Californien und das Oregon-Gebiet was die westindischen Inseln für die Union waren. Zucker, Tabak, Reis, Cacao, Baumwolle, Indigo, Mais und fast alle tropischen Früchte sind in Nicaragua in bester Art wie im größten Ueberfluß zu finden, und bieten Millionen fleißiger Menschen noch reichliche Quellen des Lebensunterhaltes dar. Eine ungeheure Anzahl von Hornvieh ist vorhanden, und Häute, Indigo, Kaffee und kostbare Nutzhölzer bilden den Haupt-Export.

Die Verfassung von Nicaragua ist entschieden liberal, und die freundschaftlichsten Gesinnungen für die Vereinigten Staaten überall und durch alle Classen der Bevölkerung vorherrschend; überall sprechen sich Güte und Gastfreundlichkeit aus. Die Regierung besteht aus einem obersten Director, alljährlich wählbar, einem Haus der Repräsentanten und einem Senat, letzterer für zwei Jahre, ersteres für ein Jahr wählbar. Die ersten Staatsbeamten in San Salvador und Honduras sind Präsidenten benannt.

Seit der Eroberung von Californien ist der Plan für Eröffnung einer directen Canalverbindung zwischen dem atlantischen und stillen Ocean, über San Juan und den See von Nicaragua, nicht nur erneuert worden, sondern man hat sich auch ernstlich mit seiner praktischen Ausführbarkeit beschäftigt; eine große Menge Contracte sind bereits darüber aufgesetzt worden, leider aber noch keine Resultate erfolgt.

General Taylor war sofort nach seiner Präsidentenwahl auf das Lebhafteste mit diesem wichtigen Unternehmen beschäftigt, und eine der ersten Handlungen seiner Verwaltungsperiode war die Absendung einer Spezial-Gesandtschaft in der Person des Hrn. Squier nach Nicaragua, mit Vollmacht in Unterhandlung mit diesem Staat zu treten. Eine Compagnie bildete sich in New-York unter dem Namen: =The American Antlantic and Pacific Canal Company= im August 1849, und im folgenden September unterzeichneten Hr. Squier und die Bevollmächtigten von Nicaragua den (am 27. d. M. auch von der Regierung dieses Staates ratificirten) Vertrag, welcher die Neutralität dieses Canals, freien Durchgang jedes amerikanischen Bürgers und seines Eigenthums durch denselben für ewige Zeiten garantirt, ingleichen die unbeschränkte Freiheit aller Häfen des Landes, und selbige Bestimmungen sollten auf alle Nationen, welche später dem Vertrag beitreten wollten, ausgedehnt werden.

Dieser Vertrag wurde vom General Taylor geprüft und dem Senat der Vereinigten Staaten zur Ratificirung übersendet; es ist jedoch bis jetzt nichts weiter in dieser Sache gethan worden. Ebenso erfolglos ist ein später zwischen Hrn. Clayton, Staatssecretär der Vereinigten Staaten, und Sir Henry Bulwer, Gesandten Ihrer großbritannischen Majestät, entworfener Vertrag zum Zweck der Zusicherung gegenseitigen Schutzes beider Nationen für jeden Communicationsweg, welcher je über diesen Continent eröffnet werden wird, geblieben, und hier mag wohl das Haupthinderniß in den Territorial-Ansprüchen liegen, welche England unter dem Namen eines Protectorats auf das Reich des ziemlich imaginären Mosquito-Königs, und mithin auf die in dessen Gränzen gelegenen Mündung des San Juan, erhebt.

Was nun aber die Hauptsache, d. h. den projectirten Canal selbst betrifft, so würde nach der Schätzung des Hn. Squier, laut officiellem Bericht an das Staatsdepartement, die ganze Länge der vorgeschlagenen Wasserlinie betragen:

=a)= Länge des San Juan-River 90 =Miles=, =b)= Länge des zu passirenden Theils des Sees von Nicaragua 110 " =c)= Länge des Tipitapa-River 18 " =d)= Länge des Sees von Managua 50 " =e)= Vom See nach Realejo 45 " ------------- 313 =Miles=,

oder nach Wegfall der 160 Miles =sub b= und =d= -- 153 Miles eigentlicher Fluß- und Canalfahrt. Aber auch von dieser Summe würden noch 25 Miles wegfallen, wenn man die Canalmündung nach Tamarinda verlegte. Einige andere Projecte lasse ich unerwähnt.

Schon vor dem Jahr 1838 hatte Herr Bailey, englischer Officier in Halbsold, im Auftrag der central-amerikanischen Regierung einen ähnlichen Plan ausgearbeitet, und dessen Kosten auf 20 bis 25 Millionen Dollars veranschlagt -- eine Summe, welche, der Wichtigkeit und Großartigkeit dieses Unternehmens gegenüber, nur gering erscheint, und deren Aufbringen, wenn nur erst obige Hindernisse beseitigt wären, gewiß keine so große Mühe erheischen würde. Geschieht dies aber, so verwirklichen sich nach drei und einem halben Jahrhundert die Plane, welche unausgesetzt den Geist eines der größten Männer seines Jahrhunderts, Christoph Columbus, beschäftigen, deren Ausführung sein Leben geweiht war, und an deren Verwirklichung er noch in seinen letzten Jahren gearbeitet.

II.

Abreise von New-York. -- Die Brig Rogelin. -- Ansicht von Haiti. -- Eintritt in die Wendekreise. -- Unbewohnte Insel. -- Mosquitoküste. -- San Juan di Nicaragua. -- Deutsches Gasthaus. -- Lebensweise.

San Juan de Nicaragua, 19. Jun. 1851.

Am 28. Mai 1851 früh 9 Uhr lichtete die Brig Rogelin die Anker, und mit einer leichten Südsüdwest-Brise glitten wir den Hudson hinab über die Bay von New-York. Das Land, das bei seinem ersten Anblick solch angenehmen Eindruck auf mich gemacht, dünkte mir jetzt, beim Scheiden auf unbestimmte Zeit, noch einmal so lieblich. Die freundlichen Ufer von New-Jersey, der Castle-Garden, dessen Bäume sich eben mit dem frischen Frühjahrsgrün geschmückt hatten, Staten-Island mit seinen reizenden Landhäusern, wo ich noch den letzten Tag in Gesellschaft von Freund Schmidt und seiner lieben Familie verlebt -- alles schien mir ein freundliches Lebewohl zuzurufen, und als das schöne Glockenspiel von Trinity-Church aus der Ferne herüber klang in wohlbekannter Weise, war mir's als ob »der Freund des Freundes Hand noch wärmer drückt, wenn er sie lassen soll.«

Unsere Brig war just nicht größer als nöthig um auf der See nicht zu sehr beengt zu sein; Passagiere waren außer mir nur einer, Hr. D., welcher nach Segovia zurückkehrte, wo er mit einem Compagnon eine Silbermine betreibt, unser Capitain, ein gemüthlicher Neu-Engländer, beides Leute mit denen es sich gut einige Wochen aushalten ließ, mithin keine schlimmen Aussichten. Das einzige Ungemach das ich zu leiden hatte, war eine sehr kurze bewegte See, die mich während 36 Stunden recht unangenehm seekrank machte, nachdem ich aber recht weidlich H. Ulrich um Hülfe angeschrieen, kehrte mein Wohlbefinden zurück, und hat mich bis zur Landung nicht verlassen.

Am 1. Junius durchschnitten wir den Golfstrom mit Nordost, und befanden uns schon am 4. südlich vom Cap Henry, doch hielten uns von da widrige Winde und Windstille auf bis zum 11. Morgens, wo uns ein heftiger Südost-Sturm bei Turks-Island, bekannt durch seine Salzfabrication, in den Handkerchief-Paß der westindischen Inseln trieb. Um Mitternacht war östlich abermals Land sichtbar, und bei Sonnenaufgang waren wir in Sicht der Nordwestspitze von Haiti -- eine Ansicht von langgestreckten Berglinien, unterbrochen von einigen Spitzen, ähnlich den Bergen am Lake Champlain und in Böhmen. So weit durch das Glas erkennbar, waren die Berge mit kurzem Gesträuch bedeckt, hie und da Gruppen von großen Bäumen, stellenweise felsiges Gestein, am Fuß der Berge ein langer flacher Landstrich, theils Sand, theils mit Gebüsch bedeckt, bewohnte Plätze nirgend sichtbar.

Am 12. Jun. waren wir westlich vom Cap Donna Maria, welches mit hohen schönen Gebirgen bedeckt ist, deren höchste Spitze, gegen 6000 Fuß, ganz in Gewitter eingehüllt war.