Wanderbilder aus Central-Amerika. Skizzen eines deutschen Malers

Part 13

Chapter 133,099 wordsPublic domain

Am andern Morgen sah die ganze Landschaft aus wie eine =Fata morgana=; die graue Pergamentfarbe vom vorigen Tage war wie durch einen Zauberschwamm weggewaschen und liebliches, sanftes Grün erlabte ringsum das Auge. So etwas war mir noch in meinem Leben nicht vorgekommen: dem Boden, der noch gestern für ewige Zeiten der Vegetation erstorben schien, waren über Nacht zwei Zoll lange Grashalme entsprossen, und Blätter von beträchtlicher Größe hatten sich in Zeit von kaum zwölf Stunden vollkommen entwickelt.

Ich machte mit Herrn R....... einen Spaziergang durch seine Werke, die wohl ergiebiger sein mögen als die von Dipilto und Yuscaran, deren Betrieb sich aber in nichts von jenen unterscheidet.

Von einem Burschen, der des Weges daher kam, hörten wir, daß die beiden Reiter, die ich am Tage vorher überholt, vom Blitze getroffen worden waren, der eine nebst dem Pferde getödtet, der andere schwer beschädigt. Wie froh war ich, ihren Worten kein Gehör gegeben zu haben! Mit dem vielen Metallgeräthe, das ich an mir trug, Büchse, Pistolen, Schwert u. s. w., hätte ich, gleich einem alten Ritter in der Rüstung, einen ganz herrlichen Blitzableiter abgegeben!

Die Minen von St. Martin rechtfertigen ihren Ruf allerdings in hohem Grade; ich sammelte hier die reichsten Stufen; allein wie alle Bergwerksbesitzer klagte auch Mr. R. sehr über Mangel an hinreichenden und sachverständigen Arbeitern und die daraus erwachsende Unmöglichkeit eines ausgedehnteren Betriebes. Eine Compagnie, die während einiger Jahre 5000 bis 10,000 Dollars für Einführung des verbesserten Bergbaues verausgaben könnte, würde ohne allen Zweifel sehr brillante Geschäfte machen.

Ein Ruhetag, ein Abschied und weiter ging's dann, denn von jetzt an stellten sich jeden Nachmittag Gewitter ein, weshalb ich nur kurze Tagemärsche zurücklegen konnte. Die erste Nacht kam ich bis Choluteca, 3 bis 4 Miles von den Ufern des Golfs von Fonseca gelegen, am Flusse gleiches Namens, der hier in der Ebene ziemlich eine halbe (englische) Meile breit, aber nicht sehr tief ist und sich leicht zu Pferde passiren läßt. Der Ort selbst ist traurig und todt und bietet jetzt keinerlei Vortheil, als in seiner Umgebung gutes Acker- und Weideland, auf dem schönes Rindvieh graset. Einwohner mögen höchstens 2000 da sein. Am Abend warf ich vom Thurme der kleinen Kirche noch einen letzten Blick auf den schönen, lieblichen Golf und die wilden, zackigen Gebirge, die mich so weidlich in Schweiß gebracht hatten. Ich schlief im Hause des Mayor, eines jovialen Kauzes, mit dem ich ein Glas trefflichen Burgunders leerte, das ich hier wahrlich nicht zu finden erwartet hätte.

Am andern Morgen, als ich mich eben in den Sattel schwingen wollte, kaufte ein Indianer in seinem Laden 1 Vara (etwa 2 Ellen) Baumwollenstoff; der würdige Magistrat machte mich darauf aufmerksam und meinte lachend, wenn ich ein Buch über Central-Amerika schreiben wollte, möchte ich ja nicht vergessen, Choluteca als bedeutenden Handelsplatz mit anzuführen. Je nun, was nicht ist, könnte wohl noch werden, wenn erst die große Welthandelsbahn rings um den Erdball Central-Amerika durchschneidet und dessen reichen Bodenschatz der Mühe des Ausbeutens werth macht.

Von Choluteca aus geht der Weg durch fettes, herrliches Weideland, meist flach und nur an den ersten zwei Tagen hier und da von niedrigen Hügeln unterbrochen. In vielen der kleinen Flüßchen, die bis dahin trocken gelegen, fing schon an Wasser zu rieseln, und trotzdem nur erst wenig Regen gefallen, mußten sich die armen Thiere doch an einigen sumpfigen Stellen schon arg quälen.

Der erste bedeutendere Fluß, über den ich kam, war der Rio negro, welcher in den Estero real fällt. Von da an ist das Land so eben wie ein Tisch. Den Estero real überschritt ich am andern Morgen ungefähr 10 Meilen höher, als Mr. Belcher, der englische Ingenieur, mit seinem Schiff gekommen war. Selbst da noch hat der Fluß 200 bis 250 Fuß Breite; das Wasser war jetzt freilich noch spärlich, kaum 3 Fuß tief, allein die Ufer sind sehr hoch und von sehr starken, gerad nach dem Wasser sich absenkenden Wurzeln, gleich einem festen Pfahlwerke, geschützt, so daß die Natur die Anlegung und Vertiefung eines schiffbaren Kanals zum großen Theil selbst vorgearbeitet hat.

Nachdem ich das fragliche Terrain in mannichfachen Richtungen durchstreift und untersucht, steht auch bei mir die Ueberzeugung fest, daß der Atlantic-Pacific-Ship-Kanal entweder an dieser Stelle nach dem Golf von Fonseca zu führen, oder überhaupt in eine ganz andere Richtung zu verlegen ist. Erlaubt es meine Zeit, so werde ich späterhin eine genauere technische Erörterung dieser Frage versuchen.

Das Ende dieses Gebirgsausfluges ist kurz beschrieben. Ich zog am Fuße des Viejo hin, bis zu einem Engpaß zwischen diesem Vulkane und dem Teliva, und stieg von da endlich in die Ebene von Leon hinab, wo ich gegen Ende Mai anlangte, mit leichtem Herzen, noch viel leichterem Beutel, als ich es verlassen, und mit schauderhaft zerfetzter Garderobe, übrigens aber mich einer so trefflichen Gesundheit erfreuend, wie seit lange nicht, fett wie ein Bär im Herbste und geistig im besten Humor. Meinen Mozo hatte ich die letzte Tagereise zu Fuß machen lassen, denn auf sein Maulthier hatte ich einen starken Hirsch und ein halbes Dutzend Pavon real geladen, ein herrlicher Vogel, bedeutend größer als der Truthahn, von schönem Gefieder und noch köstlicherem Geschmack, deren der Viejo und die Ufer des Estero real in ungeheuerer Menge beherbergen, und welches Wildpret ich zum Geschenk für meine Freunde bestimmte, die mich nach fast dreimonatlicher Abwesenheit mit alter Herzlichkeit willkommen hießen.

XIV.

Glücklicher Zufall. -- Abschied von Leon. -- Ein Jahr Unterschied. -- =Stars and Stripes!= -- Verändertes Aussehen von St. Juan di Nicaragua. -- Abschied von Central-Amerika. -- Allgemeine Bemerkungen und Warnungen für Auswanderer.

Am Bord des Steamers Illinois auf der Höhe von Cuba, Juli, 1852.

So war denn, für jetzt wenigstens, die mir gestellte Aufgabe in Central-Amerika erledigt, da manche unvermuthete Zwischenfälle die von Squier und mir projectirte Exploration der noch unbekannten Striche desselben auf eine entferntere Zeit zu verschieben nöthig machen. Meine Bestimmung rief mich wieder nach New-York zurück, aber in meiner jetzigen Lage war eine Reise von mehr als 3000 Miles ein Kunststückchen, über dessen Lösung ich mir wohl vergebens hätte den Kopf zerbrechen können, wenn nicht der liebe Gott und mein sehr geehrter Freund und Gönner, Mr. Kerr, Gesandter der Vereinigten Staaten in Central-Amerika, mir eine gute Gelegenheit geboten hätten, dies zu bewerkstelligen, und Letzterm zugleich einen Dienst zu erweisen: zwei wichtige ratificirte Traktate waren nach Washington zu überbringen, welche Mission Mr. Kerr mir anvertraute.

Meine Sachen waren bald gepackt, mein alter Schimmel hatte sich in der Zwischenzeit auf guter Weide von den Entbehrungen der trockenen Jahreszeit recht wacker wieder erholt und ward mir von seinem jetzigen Besitzer freundlichst zu diesem letzten Ritt geliehen; das Maulthier eines neuen Sancho Pansa trug mein ziemlich umfängliches Gepäck, und nach kurzem, herzlichem Abschiede von Land und Leuten befand ich mich bald in Gesellschaft meines gütigen Arztes und Gastfreundes =Dr.= L., den ebenfalls Geschäfte nach den Vereinigten Staaten riefen, auf dem Wege nach Granada. Während wir durch die klare tropische Mondnacht dahintrabten, sandten uns noch die Glocken der ehrwürdigen Kathedrale, das morgende Frohnleichnamsfest einläutend, den letzten Scheidegruß nach, und in dem leisen Wellengemurmel, mit dem der stille Ocean einstimmte, verklang der Schlußaccord meines Lebens in den Tropen.

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Nach scharfem zweiundzwanzigstündigen Ritt (für 110 Miles) langten wir in Granada an, wo =Dr.= S., einer meiner früheren Bekannten, sofort einen seiner kleinen Schooner segelfertig machen ließ; bald waren wir mit meinen Skizzen und Sammlungen an Bord, und eine günstige Brise trieb uns in 36 Stunden über den See. In St. Carlos war uns der Duanendirector, der sich lachend meines Champagnerschusses vom vorigen Jahre erinnerte, behilflich, schnell ein Boot für den Fluß fertig zu machen, und nach abermals 36 Stunden waren wir in St. Juan.

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Daß meine vor einem Jahre ausgesprochenen Prophezeiungen in Bezug auf den St. Juan River und den Platz gleiches Namens so schnell in Erfüllung gehen würden, hätte ich wahrlich nicht gedacht. Die Veränderung war fast wunderbar; da, wo noch vor'm Jahre (ich passirte die Stelle am selben Tage und fast zur selben Stunde) die Ruinen von Castillo Viejo einsam im Walde vergraben lagen, flatterten jetzt lustig die =Stars and Stripes= (Sterne und Streifen, die Flagge der Vereinigten Staaten) über einem entstehenden Wohnplatz; die alte Festung und die sie beschattenden Bäume waren verschwunden, ein großes Hotel und eine Anzahl hölzerner Wohnhäuser lugten wundersam neugierig hinüber in die jungfräulichen Wälder; über den Rapids lag ein kleiner Steamer, unterhalb noch einer, am Serapique River wieder einer, und zwei kleine Schlepp-Steamer gingen eben letztern Fluß hinauf, um Ladungen von Kaffee aus Costa Rica zu holen. Das kleine Dampfboot, das voriges Jahr, kurz vor meiner Ankunft, an dem Machucha-Rapids gestrandet war, hing zwar immer noch an derselben Stelle, seiner völligen Zertrümmerung entgegenharrend, aber eine Menge Treibholz war an dasselbe angeschwemmt, und hatte schon angefangen, eine kleine Insel zu bilden, auf der Büsche lustig grünten. In St. Juan hatte der größte Theil der Schilfhütten hübschen hölzernen Wohnhäusern Platz gemacht, was dem pittoresken Aussehen zwar Abbruch that, das Leben aber denn doch bedeutend angenehmer machte. Manche der alten Bekannten waren noch da und freuten sich meines Wiedersehens, und wie in Leon die Glocken der Kathedrale, so ward mir hier beim frohen Mahle im Klange der Gläser das Abschiedsgeläute von Central-Amerika.

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Die große Bedeutung, welche diese Länderstriche gewiß binnen Kurzem für den Welthandel erhalten müssen, versprechen ihnen eine reiche, gedeihliche Zukunft, werden aber auch viele Ansiedler aus europäischen Ländern hierherlocken, zumal Deutsche, und zu ihrem Nutz und Frommen sei es mir hier noch verstattet, einige auf eigene Erlebnisse und Anschauungen gegründete allgemeine Bemerkungen anzuschließen.

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Wer es irgend vermag, der vermeide hier, zumal im Innern, das Alleinreisen, das tausend Beschwerlichkeiten und Verlegenheiten bereitet, und versorge sich mit einem Mozo, einem Packthiere und wo möglich mit einem Hammock, sowie auch mit Lebensmitteln, denn nicht nur, daß man alle Sorge für Satteln, Packen und Füttern des Pferdes übernehmen muß, bieten selbst viele der sogenannten Gasthäuser, außer einer Bettstelle mit roher Ochsenhaut überzogen, nur höchst spärliche Mahlzeiten, ja jenseits Leon hören sie sogar ganz auf. Besonders lästig dabei ist die Verpflegung des Pferdes, da das nöthige Futter meist schwierig aufzutreiben ist, und man, selbst bis zum Tode ermattet, das müde Thier oft noch eine Stunde weit nach dem Protero bringen muß.

Was die Preise der Lebensmittel anlangt, so sind diese durchgängig billig, ausgenommen wenn eben ein starker Durchzug nach Californien die große Heerstraße etwas theuer macht, und nur aus dem Umstande, daß Herr Thiele, derselbe, welcher so heftig gegen Fröbel's Berichte auftrat, nie weiter als nach dem Hafen von St. Juan di Nicaragua gekommen, wohin allerdings die Lebensmittel theils von Granada, theils von Bluefield, über 30 Meilen die Küste entlang, gebracht werden müssen, lassen sich dessen übertriebene Preisangaben der Lebensmittel erklären, wie z. B. ein Ei 1 Media (etwa 2 Silbergroschen), ein Pfund Rindfleisch 1 Real, u. s. w. Ich kann versichern, daß ich selbst an Plätzen, wie Massaya und Managua, wo nach den Landesbegriffen höchst luxuriöse Gasthäuser sind, sogar in Begleitung eines Dieners nie mehr als 1 Dollar für Nachtessen (bestehend aus gebratenem Huhn, Fisch, Eiern, Käse und Chocolade), Nachtlager und Frühstück, incl. des Futters für zwei Pferde, bezahlt habe. Auch die schädlichen Einflüsse des Klimas werden diejenigen nicht zu befürchten haben, welche sich meine Erfahrungen in dieser Beziehung zu Herzen nehmen und dergleichen Extravaganzen vermeiden, wie ich sie mir unvorsichtigerweise zu Schulden kommen ließ.

Die Hauptschwierigkeiten, welche sich, meines Erachtens, dem Einwanderer entgegenstellen, sind: _Erstens_ die wenig consolidirte Stellung, welche der Fremde hier noch einnimmt, theils infolge der politischen Zerrüttungen des Landes, theils infolge der Kurzsichtigkeit der Einwohner, deren ganzes Bestreben nur dahin gerichtet ist, vollauf Bananen und Tortillas essen zu können, und welche sich gewissermaßen fürchten, zu einer angestrengtern Thätigkeit genöthigt zu werden, sobald kräftige, arbeitsame Einwanderer ihnen als Concurrenten gegenüberstehen. Aus diesem Grunde allein werden sie, statt, wie in der Union, durch eine zweckmäßige Gesetzgebung dem neuen Ankömmlinge Erleichterungen zu verschaffen, und durch günstige Bedingungen fleißige Hände herbeizuziehen, welche sich bemühen, dieser in jeder Beziehung fast unerschöpflichen Natur einen stärkern Tribut aufzuerlegen, als ihre jetzigen Gebieter es thun, im Gegentheil noch durch allerhand Einschränkungen und Schwierigkeiten dem Ansiedler sein saures Geschäft noch saurer zu machen sich bestreben.

Die oben erwähnten politischen Zerrüttungen leisten natürlich dieser, theils indolenten, theils böswilligen Opposition der kurzsichtigen Landesbevölkerung noch bedeutenden Vorschub, und so lange es nicht einer ebenso verständigen, humanen, wie energischen Regierung gelingt, eine stabilere Ordnung einzuführen und kräftig aufrecht zu erhalten, dürfte es auch einer fremden Colonisation kaum möglich werden, mit glücklichem Erfolge gegen alle jene Hemmnisse anzukämpfen.

Ebenso kann man endlich auch noch als den schlimmsten Feind, den der europäische Einwanderer, und vor Allem der Deutsche, zu begegnen hat, _ihn selbst_ und seine Landsleute bezeichnen. Auswandern ist an und für sich selbst keine Kleinigkeit, das nehme sich Jeder zu Herzen, der seine Heimath verläßt, er möge sich wenden, wohin er wolle, zumal aber hierher. Dazu kommt aber noch, daß in Deutschland der Unterthan fast in Bezug auf jede staatliche und communliche Einrichtung fortwährend unter Leitung zahlreicher Regierungsbehörden steht, die, so lästig und einengend sie ihm auf der einen Seite auch erscheinen mag, auf der andern Seite aber auch ebenso viele Anlehnungspunkte und Bequemlichkeiten bietet. Im neuen Lande fällt dies nun plötzlich weg, der Auswanderer hüpft wie ein Springteufelchen aus der Dose, alle die Institutionen, Verordnungen und Gesetze, an welche er gewöhnt ist und zu denen er bei jeder vorkommenden Gelegenheit seine Zuflucht nahm, fehlen ihm nun hier plötzlich. Unwissend und ohne Erfahrung, wie eine neue Gesellschaft in einem neuen Lande zu bilden sei, und statt sein Bestes für das Gemeinwohl, auf dem ja das Wohl des Einzelnen mit beruht, zu thun, verharrt der Einwanderer, bei aller körperlichen Uebermühung und einer Menge unnützer Anstrengungen, geistig in einer gewissen Trägheit, und überläßt aus alter Gewohnheit die Organisation des Ganzen denjenigen, welche Selbstaufopferung oder Ehrgeiz genug besitzen, es zu übernehmen, oder auch von Sonderinteressen dazu getrieben werden. Sind nun alle jene getroffenen Anordnungen nicht nach Wunsch, oder entspricht der neue Zustand nicht vollkommen dem Bilde, welches sich der Ansiedler zuvor davon entworfen, so bricht er, statt den Grund in sich selbst zu suchen und sein Möglichstes zur Abhilfe des Uebels beizutragen, in maßloses Schimpfen über das elende Land und die Schurken aus, die ihn ins Verderben gelockt. Dies sind meines Erachtens die Ursachen, warum so viele Pläne von deutschen Colonien, in der Union sowohl als anderwärts, gescheitert sind, dies und die unglückliche Theorienreiterei, welche schon daheim einen vollständigen Plan ausarbeitet, bis auf die Gartenbeete womöglich, ob sie Zwiebeln oder Spargel tragen sollen, gleichviel, ob der Plan ausführbar ist oder nicht.

Haben sich diese Betrachtungen schon in der Union als richtig und begründet erwiesen, wo doch so Manches zur Erleichterung des Einwanderns gethan wird, so wird dies hier um so mehr der Fall sein, wo dem Fremdlinge im Gegentheil eine Menge Erschwernisse in den Weg kommen, und so sehe ich denn auch in dem neuerlichen Versuche der Gründung einer deutschen Colonie in Central-Amerika, so aufrichtig ich demselben auch den besten Erfolg wünsche, kein sonderliches Heil erblühen. Ich setze voraus, daß die Principien dieser Gesellschaft liberaler und praktischer sein werden, als die des Mainzer Schutzvereins in Texas; es kann dieselbe auch schon aus andern Gründen wohl nicht so ganz scheitern wie jene Colonie; dennoch kann ich kaum glauben, daß eine größere Anzahl von Leuten so viel Thatkraft und Resignation besitzt, die namenlosen Mühseligkeiten einer Ansiedelung hier im Lande gemeinsam zu bewältigen, nur um _ihren Kindern_ ein besseres Loos zu bereiten, als _sie selbst_ dabei erwartet. Solche Gesinnung gehört aber unbedingt dazu, soll der Ansiedler frohen Muthes über das Ungemach hinwegkommen, das überall sein Beginnen begleitet. Geschieht dies jedoch und kommt die junge Colonie nur erst glücklich über die Kinderjahre hinaus, so wird ganz gewiß diese herrliche, üppige Natur dem gut angewandten, redlichen Fleiße einen reichen Lohn nicht versagen.

_Druckfehler-Verzeichniß._

Seite 7 Zeile 9 v. u. lies: _Müller_ statt Moore. " 25 " 12 v. o. " _Schusse_ st. Schlusse. " 28 " 4 " " _von meinen_ st. von meiner. " 90 " 5 " " _erhoben_ st. erhob. " 105 " 10 v. u. " _junger_ st. ganzer. " 112 " 8 " " _Giuseppe_ st. Giuseppa. " 133 " 7 " " _Becher_ st. Beche. " 137 " 6 v. o. " _Protero_ st. pastura. " 141 " 12 " " _Granadiner_ st. Leoneser. " 141 " 15 " " _Leoneser_ st. Granadiner. " 150 " 4 " " _Chamorro_ st. Chamorra. " 152 " 7 v. u. " _Heeren_ st. Herren. " 157 " 6 " " _Chichigalpa_ st. Chidrigalpa. " 196 " 11 v. o. " _Holftern_ st. Halftern.

Druck von _Ferber & Seydel_ in Leipzig.

[Hinweise zur Transkription

Das Buch ist ursprünglich in Fraktur gesetzt. Fremdsprachige Abschnitte, die abweichend in Antiqua gesetzt wurden, sind in der Transkription markiert, ausgenommen römische Zahlen.

Sofern in den Kapitelüberschriften Punkte fehlten, wurden diese ergänzt.

Der Text des Originalbuches wurde generell beibehalten, einschließlich uneinheitlicher und ungebräuchlicher Schreibweisen, mit folgenden Ausnahmen:

Geändert wurden

entsprechend dem bucheigenen "Druckfehler-Verzeichniß" von Seite 264,

Seite 7: "Moore's" geändert in "Müller's" (Nach Freund Müller's Aussagen gleicht der)

Seite 25: "Schluße" geändert in "Schusse" (aber so im Schusse war, daß ich mich nicht)

Seite 28: "meiner" geändert in "meinen" (ich fand nichts als einen Brief von meinen Lieben)

Seite 90: "erhob" geändert in "erhoben" (Jeder brachte schweigend und erhoben sein Glas)

Seite 105: "ganzer" geändert in "junger" (süßer junger Mais die Thiere erquickte)

Seite 112: "Giuseppa" geändert in "Giuseppe" (blieb er für mich nur Signor Giuseppe)

Seite 133: "Beche" geändert in "Becher" (Zwei Becher gewürzter)

Seite 137: "pastura" geändert in "Protero" (sich das seinige selbst im =Protero= (Weideplatz) suchen mußte)

Seite 141: "Leoneser" geändert in "Granadiner" (scheint mir die Granadiner Partei insofern im Rechte)

Seite 141: "Granadiner" geändert in "Leoneser" (während die Leoneser eine Art von Sonderbündelei im Schilde führen)

Seite 150: "Chamarro" geändert in "Chamorro" (an den commandirenden General Don Fruto Chamorro verwies)

Seite 152: "Herren" geändert in "Heeren" (mit den Heeren der kriegführenden Mächte von Central-Amerika)

Seite 157: "Chidrigalpa" geändert in "Chichigalpa" (zurück, bis Chichigalpa, und war erst dort)

Seite 196: "Halftern" geändert in "Holftern" (zwei an Stelle der Holftern)

und zusätzlich,

Seite XV: "Chinaudega" geändert in "Chinandega" (Gefecht von Chinandega)

Seite 8: "mittlen" geändert in "mittlern" (einige Bilder mittlern Formats)

Seite 38: "Platz, ist" geändert in "Platz ist" (der Platz ist darin nach der Natur geschildert)

Seite 72: "Inseeten" geändert in "Insecten" (und von Insecten eine wahre Fülle vorhanden ist)

Seite 94: "Begräbniß. --" geändert in "Begräbniß." (Fleiß der Indianer. -- Massaga. -- Indisches Begräbniß.)

Seite 106: "Halsstarrigket" geändert in "Halsstarrigkeit" (indianische Halsstarrigkeit gegen alle und jede Verbesserung)

Seite 109: "errreichte" geändert in "erreichte" (Fünf Miles von Massaga erreichte ich)

Seite 126: "zur" geändert in "zu" (Selbsthülfe zu rechter Zeit.)

Seite 133: "Chocolode" geändert in "Chocolade" (gewürzter Chocolade mußte ich also)

Seite 143: "Chinaudega" geändert in "Chinandega" (Gefecht von Chinandega)

Seite 156: "zuverlässiigen" geändert in "zuverlässigen" (die neuesten zuverlässigen Nachrichten)

Seite 158: "Lopez, sogar" geändert in "Lopez sogar" (jetzt leugnete General Lopez sogar dessen Existenz)

Seite 159: "Mißhelligkeitrn" geändert in "Mißhelligkeiten" (dieser steten Erneuerung der Mißhelligkeiten)

Seite 237: "Cerro die Ule" geändert in "Cerro di Ule" (die vom Cerro di Ule war zu ausgedehnt für ein Bild)]

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