Part 7
Gordon. Ich hab mich keiner Gunst von ihm erfreut. Fast zweifl' ich, ob er je in seiner Größe Sich eines Jugendfreunds erinnert hat-- Denn fern von ihm hielt mich der Dienst, sein Auge Verlor mich in den Mauern dieser Burg, Wo ich, von seiner Gnade nicht erreicht, Das freie Herz im stillen mir bewahrte. Denn als er mich in dieses Schloß gesetzt, War's ihm noch Ernst um seine Pflicht; nicht sein Vertrauen täusch ich, wenn ich treu bewahre, Was meiner Treue übergeben ward.
Buttler. So sagt, wollt Ihr die Acht an ihm vollziehn, Mir Eure Hilfe leihn, ihn zu verhaften?
Gordon. (nach einem nachdenklichen Stillschweigen kummervoll). Ist es an dem--verhält sich's, wie Ihr sprecht-- Hat er den Kaiser, seinen Herrn, verraten, Das Heer verkauft, die Festungen des Landes Dem Reichsfeind öffnen wollen--Ja, dann ist Nicht Rettung mehr für ihn--Doch es ist hart, Daß unter allen eben mich das Los Zum Werkzeug seines Sturzes muß erwählen. Denn Pagen waren wir am Hof zu Burgau Zu gleicher Zeit, ich aber war der ältre.
Buttler. Ich weiß davon.
Gordon. Wohl dreißig Jahre sind's. Da strebte schon Der kühne Mut im zwanzigjähr'gen Jüngling. Ernst über seine Jahre war sein Sinn, Auf große Dinge männlich nur gerichtet. Durch unsre Mitte ging er stillen Geists, Sich selber die Gesellschaft; nicht die Lust, Die kindische, der Knaben zog ihn an; Doch oft ergriff's ihn plötzlich wundersam, Und der geheimnisvollen Brust entfuhr, Sinnvoll und leuchtend, ein Gedankenstrahl, Daß wir uns staunend ansahn, nicht recht wissend, Ob Wahnsinn, ob ein Gott aus ihm gesprochen.
Buttler. Dort war's, wo er zwei Stock hoch niederstürzte, Als er im Fensterbogen eingeschlummert, Und unbeschädigt stand er wieder auf. Von diesem Tag an, sagt man, ließen sich Anwandlungen des Wahnsinns bei ihm spüren.
Gordon. Tiefsinn'ger wurd'er, das ist wahr, er wurde Katholisch. Wunderbar hatt' ihn das Wunder Der Rettung umgekehrt. Er hielt sich nun Für ein begünstigt und befreites Wesen, Und keck wie einer, der nicht straucheln kann, Lief er auf schwankem Seil des Lebens hin. Nachher führt' uns das Schicksal auseinander Weit, weit! Er ging der Größe kühnen Weg, Mit schnellem Schritt, ich sah ihn schwindelnd gehn, Ward Graf und Fürst und Herzog und Diktator, Und jetzt ist alles ihm zu klein, er streckt Die Hände nach der Königskrone aus Und stürzt in unermeßliches Verderben!
Buttler. Brecht ab. Er kommt.
Dritter Auftritt
Wallenstein im Gespräch mit dem Bürgermeister von Eger. Die Vorigen.
Wallenstein. Ihr wart sonst eine freie Stadt? Ich seh, Ihr führt den halben Adler in dem Wappen. Warum den halben nur?
Bürgermeister. Wir waren reichsfrei, Doch seit zweihundert Jahren ist die Stadt Der böhm'schen Kron' verpfändet. Daher rührt's, Daß wir nur noch den halben Adler führen. Der untre Teil ist kanzelliert, bis etwa Das Reich uns wieder einlöst.
Wallenstein. Ihr verdientet Die Freiheit. Haltet euch nur brav. Gebt keinem Aufwieglervolk Gehör. Wie hoch seid ihr Besteuert?
Bürgermeister. (zuckt die Achseln) Daß wir's kaum erschwingen können. Die Garnison lebt auch auf unsre Kosten.
Wallenstein. Ihr sollt erleichtert werden. Sagt mir an, Es sind noch Protestanten in der Stadt? (Bürgermeister stutzt.) Ja, ja. Ich weiß es. Es verbergen sich noch viele In diesen Mauern--ja! gesteht's nur frei-- Ihr selbst--Nicht wahr? (Fixiert ihn mit den Augen. Bürgermeister erschrickt.) Seid ohne Furcht. Ich hasse Die Jesuiten--Läg's an mir, sie wären längst Aus Reiches Grenzen--Meßbuch oder Bibel! Mir ist's all eins--Ich hab's der Welt bewiesen-- In Glogau hab ich selber eine Kirch' Den Evangelischen erbauen lassen. --Hört, Bürgermeister--wie ist Euer Name?
Bürgermeister. Pachhälbel, mein erlauchter Fürst.
Wallenstein. Hört--aber sagt's nicht weiter, was ich Euch Jetzt im Vertraun eröffne. (Ihm die Hand auf die Achsel legend, mit einer gewissen Feierlichkeit.)
Die Erfüllung Der Zeiten ist gekommen, Bürgermeister. Die Hohen werden fallen, und die Niedrigen Erheben sich--Behaltet's aber bei Euch! Die spanische Doppelherrschaft neiget sich Zu ihrem Ende, eine neue Ordnung Der Dinge führt sich ein--Ihr saht doch jüngst Am Himmel die drei Monde?
Bürgermeister. Mit Entsetzen.
Wallenstein. Davon sich zwei in blut'ge Dolchgestalt Verzogen und und verwandelten. Nur einer, Der mittlere blieb stehn in seiner Klarheit.
Bürgermeister. Wir zogen's auf den Türken.
Wallenstein. Türken! Was? Zwei Reiche werden blutig untergehen Im Osten und im Westen, sag ich Euch, Und nur der lutherischen Glaub' wird bleiben. (Er bemerkt die zwei andern.) Ein starkes Schießen war ja diesen Abend Zur linken Hand, als wir den Weg hieher Gemacht. Vernahm man's auch hier in der Festung?
Gordon. Wohl hörten wir's, mein General. Es brachte Der Wind den Schall gerad von Süden her.
Buttler. Von Neustadt oder Weiden schien's zu kommen.
Wallenstein. Das ist der Weg, auf dem die Schweden nahn. Wie stark ist die Besatzung?
Gordon. Hundertachtzig Dienstfähige Mann, der Rest sind Invaliden.
Wallenstein. Und wieviel stehn im Jochimstal?
Gordon. Zweihundert Arkebusierer hab ich hingeschickt, Den Posten zu verstärken gegen die Schweden.
Wallenstein. Ich lobe Eure Vorsicht. An den Werken Wird auch gebaut. Ich sah's bei der Hereinfahrt.
Gordon. Weil uns der Rheingraf jetzt so nah bedrängt, Ließ ich noch zwei Pasteien schnell errichten.
Wallenstein. Ihr seid genau in Eures Kaisers Dienst. Ich bin mit Euch zufrieden, Oberstleutnant. (Zu Buttlern.) Der Posten in dem Jochimstal soll abziehn Samt allen, die dem Feind entgegenstehn. (Zu Gordon.) In Euren treuen Händen, Kommendant, Laß ich mein Weib, mein Kind und meine Schwester. Denn hier ist meines Bleibens nicht; nur Briefe Erwart ich, mit dem frühesten die Festung Samt allen Regimentern zu verlassen.
Vierter Auftritt
Vorige. Graf Terzky.
Terzky. Willkommne Botschaft! Frohe Zeitungen!
Wallenstein. Was bringst du?
Terzky. Eine Schlacht ist vorgefallen Bei Neustadt, und die Schweden blieben Sieger.
Wallenstein. Was sagst du? Woher kommt dir diese Nachricht?
Terzky. Ein Landmann bracht' es mit von Tirschenreit, Nach Sonnenuntergang hab's angefangen, Ein kaiserlicher Trupp von Tachau her Sie eingebrochen in das schwed'sche Lager, Zwei Stunden hab' das Schießen angehalten, Und tausend Kaiserliche sei'n geblieben, Ihr Oberst mit, mehr wußt' er nicht zu sagen.
Wallenstein. Wie käme kaiserliches Volk nach Neustadt? Der Altringer, er müßte Flügel haben, Stand gestern vierzehn Meilen noch von da; Das Gallas Völker sammeln sich zu Fraunberg Und sind noch nicht beisammen. Hätte sich Der Suys etwa so weit vorgewagt? Es kann nicht sein. (Illo erscheint.)
Terzky. Wir werden's alsbald hören, Denn hier kommt Illo fröhlich und voll Eile.
Fünfter Auftritt
Illo. Die Vorigen.
Illo. (zu Wallenstein) Ein Reitender ist da und will dich sprechen.
Terzky. Hat's mit dem Siege sich bestätigt? Sprich! Wallenstein. Was bringt er? Woher kommt er?
Illo. Von dem Rheingraf, Und was er bringt, will ich voraus dir melden. Die Schweden stehn fünf Meilen nur von hier, Bei Neustadt hab' der Piccolomini Sich mit der Reiterei auf sie geworfen, Ein fürchterliches Morden sei geschehn, Doch endlich hab' die Menge überwältigt, Die Pappenheimer alle, auch der Max, Der sie geführt--sei'n auf dem Platz geblieben.
Wallenstein. Wo ist der Bote? Bringt mich zu ihm. (Will abgehn. Indem stürzt Fräulein Neubrunn ins Zimmer, ihr folgen einige Bediente, die durch den Saal rennen.)
Neubrunn. Hilfe! Hilfe!
Illo und Terzky. Was gibt's?
Neubrunn. Das Fräulein!--
Wallenstein und Terzky. Weiß sie's?
Neubrunn. Sie will sterben. (Eilt fort. Wallenstein und Terzky mit Illo ihr nach.)
Sechster Auftritt
Buttler und Gordon.
Gordon. (erstaunt) Erklärt mir. Was bedeutete der Auftritt?
Buttler. Sie hat den Mann verloren, den sie liebte, Der Piccolomini war's, der umgekommen.
Gordon. Unglücklich Fräulein!
Buttler. Ihr habt gehört, was dieser Illo brachte, Daß sich die Schweden siegend nahn.
Gordon. Wohl hört' ich's.
Buttler. Zwölf Regimenter sind sie stark, und fünf Stehn in der Näh', den Herzog zu beschützen. Wir haben nur mein einzig Regiment, Und nicht zweihundert stark ist die Besatzung.
Gordon. So ist's.
Buttler. Nicht möglich ist's, mit so geringer Mannschaft Solch einen Staatsgefangnen zu bewahren.
Gordon. Das seh ich ein.
Buttler. Die Menge hätte bald das kleine Häuflein Entwaffnet, ihn befreit.
Gordon. Das ist zu fürchten.
Buttler. (nach einer Pause) Wißt! Ich bin Bürge worden für den Ausgang, Mit meinem Haupte haft ich für das seine, Wort muß ich halten, führ's wohin es will, Und ist der Lebende nicht zu bewahren, So ist--der Tote uns gewiß.
Gordon. Versteh ich Euch? Gerechter Gott! Ihr könntet--
Buttler. Er darf nicht leben.
Gordon. Ihr vermöchtet's?
Buttler. Ihr oder ich. Er sah den letzten Morgen.
Gordon. Ermorden wollt Ihr ihn?
Buttler. Das ist mein Vorsatz.
Gordon. Der Eurer Treu vertraut!
Buttler. Sein böses Schicksal!
Gordon. Des Feldherrn heilige Person!
Buttler. Das war er!
Gordon. O was er war, löscht kein Verbrechen aus! Ohn' Urtel?
Buttler. Die Vollstreckung ist statt Urtels.
Gordon. Das wäre Mord und nicht Gerechtigkeit, Denn hören muß sie auch den Schuldigsten.
Buttler. Klar ist die Schuld, der Kaiser hat gerichtet, Und seinen Willen nur vollstrecken wir.
Gordon. Den blut'gen Spruch muß man nicht rasch vollziehn, Ein Wort nimmt sich, ein Leben nie zurück.
Buttler. Der hurt'ge Dienst gefällt den Königen.
Gordon. Zu Henkers Dienst drängt sich kein edler Mann.
Buttler. Kein mutiger erbleicht vor kühner Tat.
Gordon. Das Leben wagt der Mut, nicht das Gewissen.
Buttler. Was? Soll er frei ausgehn, des Krieges Flamme, Die unauslöschliche, aufs neu entzünden?
Gordon. Nehmt ihn gefangen, tötet ihn nur nicht, Greift blutig nicht dem Gnadenengel vor.
Buttler. Wär' die Armee des Kaisers nicht geschlagen, Möcht' ich lebendig ihn erhalten haben.
Gordon. O warum schloß ich ihm die Festung auf!
Buttler. Der Ort nicht, sein Verhängnis tötet ihn.
Gordon. Auf diesen Wällen wär' ich ritterlich, Des Kaisers Schloß verteidigend, gesunken.
Buttler. Und tausend brave Männer kamen um!
Gordon. In ihrer Pflicht--das schmückt und ehrt den Mann; Doch schwarzen Mord verfluchte die Natur.
Buttler. (eine Schrift hervorlangend) Hier ist das Manifest, das uns befiehlt, Uns seiner zu bemächtigen. Es ist an Euch Gerichtet, wie an mich. Wollt Ihr die Folgen tragen, Wenn er zum Feind entrinnt durch unsre Schuld?
Gordon. Ich, der Ohnmächtige, o Gott!
Buttler. Nehmt Ihr's auf Euch. Steht für die Folgen ein! Mag werden draus was will! Ich leg's auf Euch.
Gordon. O Gott im Himmel!
Buttler. Wißt Ihr andern Rat, Des Kaisers Meinung zu vollziehen? Sprecht! Denn stürzen, nicht vernichten will ich ihn.
Gordon. O Gott! Was sein muß, seh ich klar wie Ihr, Doch anders schlägt das Herz in meiner Brust.
Buttler. Auch dieser Illo, dieser Terzky dürfen Nicht leben, wenn der Herzog fällt.
Gordon. O nicht um diese tut mir's leid. Sie trieb Ihr schlechtes Herz, nicht die Gewalt der Sterne. Sie waren's, die in seine ruh'ge Brust Den Samen böser Leidenschaft gestreut, Die mit fluchwürdiger Geschäftigkeit Die Unglücksfrucht in ihm genährt--Mag sie Des bösen Dienstes böser Lohn ereilen!
Buttler. Auch sollen sie im Tod ihm gleich voran. Verabred't ist schon alles. Diesen Abend Bei eines Gastmahls Freuden wollten wir Sie lebend greifen und im Schloß bewahren. Viel kürzer ist es so. Ich geh sogleich, Die nötigen Befehle zu erteilen.
Siebenter Auftritt
Vorige. Illo und Terzky.
Terzky. Nun soll's bald anders werden! Morgen ziehn Die Schweden ein, zwölftausend tapfre Krieger. Dann grad auf Wien. He! Lustig, Alter! Kein So herb Gesicht zu solcher Freudenbotschaft!
Illo. Jetzt ist's an uns, Gesetze vorzuschreiben Und Rach' zu nehmen an den schlechten Menschen, Den schändlichen, die uns verlassen. Einer Hat's schon gebüßt, der Piccolomini. Ging's allen so, die's übel mit uns meinen! Wie schwer trifft dieser Schlag das alte Haupt! Der hat sein ganzes Leben lang sich Abgequält, sein altes Grafenhaus zu fürsten, Und jetzt begräbt er seinen einz'gen Sohn!
Buttler. Schad ist's doch um den heldenmüt'gen Jüngling, Dem Herzog selbst ging's nah, man sah es wohl.
Illo. Hört, alter Freund! Das ist es, was mir nie Am Herrn gefiel, es war mein ew'ger Zank, Er hat die Welschen immer vorgezogen. Auch jetzo noch, ich schwör's bei meiner Seele, Säh' er uns alle lieber zehnmal tot, Könnt' er den Freund damit ins Leben rufen.
Terzky. Still! Still! Nicht weiter! Laß die Toten ruhn! Heut gilt es, wer den andern niedertrinkt, Denn Euer Regiment will uns bewirten. Wir wollen eine lust'ge Faßnacht halten, Die Nacht sei einmal Tag, bei vollen Gläsern Erwarten wir die schwed'sche Avantgarde.
Illo. Ja, laßt uns heut noch guter Dinge sein, Denn heiße Tage stehen uns bevor. Nicht ruhn soll dieser Degen, bis er sich In österreich'schem Blute satt gebadet.
Gordon. Pfui, welche Red' ist das, Herr Feldmarschall, Warum so wüten gegen Euren Kaiser--
Buttler. Hofft nicht zu viel von diesem ersten Sieg. Bedenkt, wie schnell des Glückes Rad sich dreht, Denn immer noch sehr mächtig ist der Kaiser.
Illo. Der Kaiser hat Soldaten, keinen Feldherrn, Denn dieser König Ferdinand von Ungarn Versteht den Krieg nicht--Gallas? Hat kein Glück Und war von jeher nur ein Heerverderber. Und diese Schlange, der Octavio, Kann in die Fersen heimlich wohl verwunden, Doch nicht in offner Schlacht dem Friedland stehn.
Terzky. Nicht fehlen kann's uns, glaubt mir's nur. Das Glück Verläßt den Herzog nicht; bekannt ist's ja, Nur unterm Wallenstein kann Östreich siegen.
Illo. Der Fürst wird ehestens ein großes Heer Beisammen haben, alles drängt sich, strömt Herbei zum alten Ruhme seiner Fahnen. Die alten Tage seh ich wiederkehren, Der große wird er wieder, der er war-- Wie werden sich die Toren dann ins Aug' Geschlagen haben, die ihn jetzt verließen! Denn Länder schenken wird er seinen Freunden Und treue Dienste kaiserlich belohnen. Wir aber sind in seiner Gunst die nächsten. (Zu Gordon.) Auch Eurer wird er dann gedenken, wird Euch Aus diesem Neste ziehen, Eure Treu In einem höhern Posten glänzen lassen.
Gordon. Ich bin vergnügt, verlange höher nicht Hinauf: wo große Höh', ist große Tiefe.
Illo. Ihr habt hier weiter nichts mehr zu bestellen, Denn morgen ziehn die Schweden in die Festung. Kommt, Terzky. Es wird Zeit zum Abendessen. Was meint Ihr? Lassen wir die Stadt erleuchten, Dem Schwedischen zur Ehr', und wer's nicht tut, Der ist ein Spanischer und ein Verräter.
Terzky. Laßt das. Es wird dem Herzog nicht gefallen.
Illo. Was! Wir sind Meister hier, und keiner soll sich Für kaiserlich bekennen, wo wir herrschen. --Gut Nacht, Gordon. Laßt Euch zum letztenmal Den Platz empfohlen sein, schickt Runden aus, Zur Sicherheit kann man das Wort noch ändern. Schlag zehn bringt Ihr dem Herzog selbst die Schlüssel, Dann seid Ihr Eures Schließeramtes quitt, Denn morgen ziehn die Schweden in die Festung.
Terzky. (im Abgehen zu Buttler): Ihr kommt doch auch aufs Schloß?
Buttler. Zu rechter Zeit. (Jene gehen ab.)
Achter Auftritt
Buttler und Gordon.
Gordon. (ihnen nachsehend) Die Unglückseligen! Wie ahnungslos Sie in das ausgespannte Mordnetz stürzen In ihrer blinden Siegestrunkenheit!-- Ich kann sie nicht beklagen. Dieser Illo, Der übermütig freche Bösewicht, Der sich in seines Kaisers Blut will baden!
Buttler. Tut, wie er Euch befohlen. Schickt Patrouillen Herum, sorgt für die Sicherheit der Festung; Sind jene oben, schließ ich gleich die Burg, Daß in der Stadt nichts von der Tat verlaute!
Gordon. (ängstlich) O eilt nicht so! Erst sagt mir--
Buttler. Ihr vernahmt's, Der nächste Morgen schon gehört den Schweden. Die Nacht nur ist noch unser, sie sind schnell, Noch schneller wollen wir sein--Lebet wohl.
Gordon. Ach Eure Blicke sagen mir nichts Gutes. Versprechet mir--
Buttler. Der Sonne Licht ist unter, Herabsteigt ein verhängnisvoller Abend-- Sie macht ihr Dünkel sicher. Wehrlos gibt sie Ihr böser Stern in unsre Hand, und mitten In ihrem trunknen Glückeswahne soll Der scharfe Stahl ihr Leben rasch zerschneiden. Ein großer Rechenkünstler war der Fürst Von jeher, alles wußt' er zu berechnen, Die Menschen wußt' er, gleich des Brettspiels Steinen, Nach seinem Zweck zu setzen und zu schieben, Nicht Anstand nahm er, andrer Ehr' und Würde Und guten Ruf zu würfeln und zu spielen. Gerechnet hat er fort und fort, und endlich Wird doch der Kalkul irrig sein; er wird Sein Leben selbst hineingerechnet haben, Wie jener dort in seinem Zirkel fallen.
Gordon. O seiner Fehler nicht gedenket jetzt! An seine Größe denkt, an seine Milde, An seines Herzens liebenswerte Züge, An alle Edeltaten seines Lebens, Und laßt sie in das aufgehobne Schwert Als Engel bittend, gnadeflehend fallen.
Buttler. Es ist zu spät. Nicht Mitleid darf ich fühlen, Ich darf nur blutige Gedanken haben. (Gordons Hand fassend.) Gordon! Nicht meines Hasses Trieb--Ich liebe Den Herzog nicht und hab dazu nicht Ursach'-- Doch nicht mein Haß macht mich zu seinem Mörder. Sein böses Schicksal ist's. Das Unglück treibt mich, Die feindliche Zusammenkunft der Dinge. Es denkt der Mensch die freie Tat zu tun, Umsonst! Er ist das Spielwerk nur der blinden Gewalt, die aus der eignen Wahl ihm schnell Die furchtbare Notwendigkeit erschafft. Was hälf's ihm auch, wenn mir für ihn im Herzen Was redete--Ich muß ihn dennoch töten.
Gordon. O wenn das Herz Euch warnt, folgt seinem Triebe! Das Herz ist Gottes Stimme, Menschenwerk Ist aller Klugheit künstliche Berechnung. Was kann aus blut'ger Tat Euch Glückliches Gedeihen? O aus Blut entspringt nicht Gutes! Soll sie die Staffel Euch zur Größe bauen? O glaubt das nicht--Es kann der Mord bisweilen Den Königen, der Mörder nie gefallen.
Buttler. Ihr wißt nicht. Fragt nicht. Warum mußten auch Die Schweden siegen und so eilend nahn! Gern überließ ich ihn des Kaisers Gnade, Sein Blut nicht will ich. Nein, er möchte leben. Doch meines Wortes Ehre muß ich lösen. Und sterben muß er, oder--hört und wißt!-- Ich bin entehrt, wenn uns der Fürst entkommt.
Gordon. O solchen Mann zu retten--
Buttler. (schnell) Was?
Gordon. Ist eines Opfers wert--Seid edelmütig! Das Herz und nicht die Meinung ehrt den Mann.
Buttler. (kalt und stolz) Er ist ein großer Herr, der Fürst--Ich aber Bin nur ein kleines Haupt, das wollt Ihr sagen. Was liegt der Welt dran, meint Ihr, ob der niedrig Geborene sich ehret oder schändet, Wenn nur der Fürstliche gerettet wird. --Ein jeder gibt den Wert sich selbst. Wie hoch ich Mich selbst anschlagen will, das steht bei mir. So hoch gestellt ist keiner auf der Erde, Daß ich mich selber neben ihm verachte. Den Menschen macht sein Wille groß und klein, Und weil ich meinem treu bin, muß er sterben.
Gordon. O einen Felsen streb ich zu bewegen! Ihr seid von Menschen menschlich nicht gezeugt. Nicht hindern kann ich Euch, ihn aber rette Ein Gott aus Eurer fürchterlichen Hand. (Sie gehen ab.)
Neunter Auftritt
Ein Zimmer bei der Herzogin. Thekla in einem Sessel, bleich, mit geschloßnen Augen. Herzogin und Fräulein von Neubrunn um sie beschäftigt. Wallenstein und die Gräfin im Gespräch.
Wallenstein. Wie wußte sie es denn so schnell?
Gräfin. Sie scheint Unglück geahnt zu haben. Das Gerücht Von einer Schlacht erschreckte sie, worin Der kaiserliche Oberst sei gefallen. Ich sah es gleich. Sie flog dem schwedischen Kurier entgegen und entriß ihm schnell Durch Fragen das unglückliche Geheimnis. Zu spät vermißten wir sie, eilten nach, Ohnmächtig lag sie schon in seinen Armen.
Wallenstein. So unbereitet mußte dieser Schlag Sie treffen! Armes Kind!--Wie ist's? Erholt sie sich? (Indem er sich zur Herzogin wendet.)
Herzogin. Sie schlägt die Augen auf.
Gräfin. Sie lebt!
Thekla. (sich umschauend) Wo bin ich?
Wallenstein. (tritt zu ihr, sie mit seinen Armen aufrichtend) Komm zu dir, Thekla. Sei mein starkes Mädchen! Sieh deiner Mutter liebende Gestalt Und deines Vaters Arme, die dich halten.
Thekla. (richtet sich auf) Wo ist er? Ist er nicht mehr hier?
Herzogin. Wer, meine Tochter?
Thekla. Der dieses Unglückswort aussprach--
Herzogin. O denke nicht daran, mein Kind! Hinweg Von diesem Bilde wende die Gedanken.
Wallenstein. Laßt ihren Kummer reden! Laßt sie klagen! Mischt eure Tränen mit den ihrigen. Denn einen großen Schmerz hat sie erfahren; Doch wird sie's überstehn, denn meine Thekla Hat ihres Vaters unbezwungnes Herz.
Thekla. Ich bin nicht krank. Ich habe Kraft, zu stehn. Was weint die Mutter? Hab ich sie erschreckt? Es ist vorüber, ich besinne mich wieder. (Sie ist aufgestanden und sucht mit den Augen im Zimmer.) Wo ist er? Man verberge mir ihn nicht. Ich habe Stärke gnug, ich will ihn hören.
Herzogin. Nein, Thekla! Dieser Unglücksbote soll Nie wieder unter deine Augen treten.
Thekla. Mein Vater--
Wallenstein. Liebes Kind!
Thekla. Ich bin nicht schwach, Ich werde mich auch bald noch mehr erholen. Gewähren Sie mir eine Bitte.
Wallenstein. Sprich!
Thekla. Erlauben Sie, daß dieser fremde Mann Gerufen werde! daß ich ihn allein Vernehme und befrage.
Herzogin. Nimmermehr!
Gräfin. Nein! Das ist nicht zu raten! Gib's nicht zu!
Wallenstein. Warum willst du ihn sprechen, meine Tochter?
Thekla. Ich bin gefaßter, wenn ich alles weiß. Ich will nicht hintergangen sein. Die Mutter Will mich nur schonen. Ich will nicht geschont sein. Das Schrecklichste ist ja gesagt, ich kann Nichts Schrecklichers mehr hören. Gräfin und Herzogin (zu Wallenstein) Tu es nicht!