Part 5
Wallenstein. Wohl, wohl gesprochen. Fahre hin! Ich bin Noch immer reich an Freunden, bin ich nicht? Das Schicksal liebt mich noch, denn eben jetzt, Da es des Heuchlers Tücke mir entlarvt, Hat es ein treues Herz mir zugesendet. Nichts mehr von ihm. Denkt nicht, daß sein Verlust Mich schmerze, oh! mich schmerzt nur der Betrug. Denn wert und teur waren mir die beiden, Und jener Max, er liebte mich wahrhaftig, Er hat mich nicht getäuscht, er nicht--Genug, Genug davon! Jetzt gilt es schnellen Rat-- Der Reitende, den mir Graf Kinsky schickt Aus Prag, kann jeden Augenblick erscheinen. Was er auch bringen mag, er darf den Meutern Nicht in die Hände fallen. Drum geschwind, Schickt einen sichern Boten ihm entgegen, Der auf geheimem Weg ihn zu mir führe. (Illo will gehen.)
Buttler. (hält ihn zurück) Mein Feldherr, wen erwartet Ihr?
Wallenstein. Den Eilenden, der mir die Nachricht bringt, Wie es mit Prag gelungen.
Buttler. Hum!
Wallenstein. Was ist Euch?
Buttler. So wißt Ihr's nicht?
Wallenstein. Was denn?
Buttler. Wie dieser Lärmer Ins Lager kam?--
Wallenstein. Wie?
Buttler. Jener Bote--
Wallenstein. (erwartungsvoll) Nun?
Buttler. Er ist herein.
Terzky und Illo. Er ist herein?
Wallenstein. Mein Bote?
Buttler. Seit mehrern Stunden.
Wallenstein. Und ich weiß es nicht?
Buttler. Die Wache fing ihn auf.
Illo. (stampft mit dem Fuß) Verdammt!
Buttler. Sein Brief Ist aufgebrochen, läuft durchs ganze Lager--
Wallenstein. (gespannt) Ihr wißt, was er enthält?
Buttler. (bedenklich) Befragt mich nicht!
Terzky. Oh--Weh uns, Illo! Alles stürzt zusammen!
Wallenstein. Verhehlt mir nichts. Ich kann das Schlimmste hören. Prag ist verloren? Ist's? Gesteht mir's frei.
Buttler. Es ist verloren. Alle Regimenter Zu Budweis, Tabor, Braunau, Königingrätz, Zu Brünn und Znaym haben Euch verlassen, Dem Kaiser neu gehuldigt--Ihr selbst Mit Kinsky, Terzky, Illo seid geächtet. (Terzky und Illo zeigen Schrecken und Wut. Wallenstein bleibt fest und gefaßt stehen.)
Wallenstein. (nach einer Pause) Es ist entschieden, nun ist's gut--und schnell Bin ich geheilt von allen Zweifelsqualen, Die Brust ist wieder frei, der Geist ist hell: Nacht muß es sein, wo Friedlands Sterne strahlen. Mit zögerndem Entschluß, mit wankendem Gemüt Zog ich das Schwert, ich tat's mit Widerstreben, Da es in meine Wahl noch war gegeben! Notwendigkeit ist da, der Zweifel flieht, Jetzt fecht ich für mein Haupt und für mein Leben. (Er geht ab. Die andern folgen.)
Elfter Auftritt
Gräfin Terzky. (kommt aus dem Seitenzimmer) Nein! Ich kann's länger nicht--Wo sind sie? Alles Ist leer. Sie lassen mich allein--allein In dieser fürchterlichen Angst--Ich muß Mich zwingen vor der Schwester, ruhig scheinen Und alle Qualen der bedrängten Brust In mir verschließen--Das ertrag ich nicht! --Wenn es uns fehlschlägt, wenn er zu dem Schweden Mit leerer Hand, als Flüchtling, müßte kommen, Nicht als geehrter Bundesgenosse, stattlich, Gefolgt von eines Heeres Macht--Wenn wir Von Land zu Land wie der Pfalzgraf müßten wandern, Ein schmählich Denkmal der gefallnen Größe-- Nein, diesen Tag will ich nicht schaun! und könnt' Er selbst es auch ertragen, so zu sinken, Ich trüg's nicht, so gesunken ihn zu sehn.
Zwölfter Auftritt
Gräfin. Herzogin. Thekla.
Thekla. (will die Herzogin zurückhalten) O liebe Mutter, bleiben Sie zurück!
Herzogin. Nein, hier ist noch ein schreckliches Geheimnis, Das mir verhehlt wird--Warum meidet mich Die Schwester? Warum seh ich sie voll Angst Umhergetrieben, warum dich voll Schrecken? Und was bedeuten diese stummen Winke, Die du verstohlen heimlich mit ihr wechselst?
Thekla. Nichts, liebe Mutter!
Herzogin. Schwester, ich will's wissen.
Gräfin. Was hilft's auch, ein Geheimnis draus zu machen! Läßt sich's verbergen? Früher, später muß Sie's doch vernehmen lernen und ertragen! Nicht Zeit ist's jetzt, der Schwäche nachzugeben, Mut ist uns not und ein gefaßter Geist, Und in der Stärke müssen wir uns üben. Drum besser, es entscheidet sich ihr Schicksal Mit einem Wort--Man hintergeht Euch, Schwester. Ihr glaubt, der Herzog sei entsetzt--der Herzog Ist nicht entsetzt--er ist--
Thekla. (zur Gräfin gehend) Wollt Ihr sie töten?
Gräfin. Der Herzog ist--
Thekla. (die Arme um die Mutter schlagend). O standhaft, meine Mutter!
Gräfin. Empört hat sich der Herzog, zu dem Feind Hat er sich schlagen wollen, die Armee Hat ihn verlassen, und es ist mißlungen. (Während dieser Worte wankt die Herzogin und fällt ohnmächtig in die Arme ihrer Tochter.)
Dreizehnter Auftritt
Ein großer Saal beim Herzog von Friedland.
Wallenstein. (im Harnisch) Du hast's erreicht, Octavio--Fast bin ich Jetzt so verlassen wieder, als ich einst Vom Regenspurger Fürstentage ging. Da hatt' ich nichts mehr als mich selbst--doch was Ein Mann kann wert sein, habt ihr schon erfahren. Den Schmuck der Zweige habt ihr abgehauen, Da steh ich, ein entlaubter Stamm! Doch innen Im Marke lebt die schaffende Gewalt, Die sprossend eine Welt aus sich geboren. Schon einmal galt ich euch statt eines Heeres, Ich einzelner. Dahingeschmolzen vor Der schwed'schen Stärke waren eure Heere, Am Lech sank Tilly, euer letzter Hort; Ins Bayerland, wie ein geschwollner Strom, Ergoß sich dieser Gustav, und zu Wien In seiner Hofburg zitterte der Kaiser. Soldaten waren teuer, denn die Menge Geht nach dem Glück--Da wandte man die Augen Auf mich, den Helfer in der Not, es beugte sich Der Stolz des Kaisers vor dem Schwergekränkten: Ich sollte aufstehn mit dem Schöpfungswort Und in die hohlen Läger Menschen sammeln. Ich tat's. Die Trommel ward gerührt. Mein Name Ging wie ein Kriegsgott durch die Welt. Der Pflug, Die Werkstatt wird verlassen, alles wimmelt Der altbekannten Hoffnungsfahne zu-- --Noch fühl ich mich denselben, der ich war! Es ist der Geist, der sich den Körper baut, Und Friedland wird sein Lager um sich füllen. Führt eure Tausende mir kühn entgegen, Gewohnt wohl sind sie, unter mir zu siegen, Nicht gegen mich--Wenn Haupt und Glieder sich trennen, Da wird sich zeigen, wo die Seele wohnte. (Illo und Terzky treten ein.) Mut, Freunde, Mut! Wir sind noch nicht zu Boden. Fünf Regimenter Terzky sind noch unser Und Buttlers wackre Scharen--Morgen stößt Ein Heer zu uns von sechzehntausend Schweden. Nicht mächt'ger war ich, als ich vor neun Jahren Auszog, dem Kaiser Deutschland zu erobern.
Vierzehnter Auftritt
Vorige. Neumann, der den Grafen Terzky beiseite führt und mit ihm spricht.
Terzky. (zu Neumann). Was suchen Sie?
Wallenstein. Was gibt's?
Terzky. Zehn Kürassiere Von Pappenheim verlangen dich im Namen Des Regiments zu sprechen.
Wallenstein. (schnell zu Neumann) Laß sie kommen. (Neumann geht hinaus.) Davon erwart ich etwas. Gebet acht, Sie zweifeln noch und sind noch zu gewinnen.
Fünfzehnter Auftritt
Wallenstein. Terzky. Illo. Zehn Kürassiere, von einem Gefreiten geführt, marschieren auf und stellen sich nach dem Kommando in einem Glied vor den Herzog, die Honneurs machend.
Wallenstein. (nachdem er sie eine Zeitlang mit den Augen gemessen, zum Gefreiten) Ich kenne dich wohl. Du bist aus Brügg' in Flandern, Dein Nam' ist Mercy.
Gefreiter. Heinrich Mercy heiß ich.
Wallenstein. Du wurdest abgeschnitten auf dem Marsch, Von Hessischen umringt und schlugst dich durch, Mit hundertachtzig Mann durch ihrer tausend.
Gefreiter. So ist's, mein General.
Wallenstein. Was wurde dir Für diese wackre Tat?
Gefreiter. Die Ehr', mein Feldherr, Um die ich bat, bei diesem Korps zu dienen.
Wallenstein. (wendet sich zu einem andern) Du warst darunter, als ich die Freiwilligen Heraus ließ treten auf dem Altenberg, Die schwed'sche Batterie hinwegzunehmen.
Zweiter Kürassier. So ist's, mein Feldherr.
Wallenstein. Ich vergesse keinen, Mit dem ich einmal Worte hab gewechselt. Bringt eure Sache vor.
Gefreiter. (kommandiert) Gewehr in Arm!
Wallenstein. (zu einem dritten gewendet) Du nennst dich Risbeck, Köln ist dein Geburtsort.
Dritter Kürassier. Risbeck aus Köln.
Wallenstein. Den schwed'schen Oberst Dübald brachtest du Gefangen ein im Nürenberger Lager.
Dritter Kürassier. Ich nicht, mein General.
Wallenstein. Ganz recht! Es war Dein ältrer Bruder, der es tat--du hattest Noch einen jüngern Bruder, wo blieb der?
Dritter Kürassier. Er steht zu Olmütz bei des Kaisers Heer.
Wallenstein. (zum Gefreiten) Nun so laß hören.
Gefreiter. Ein kaiserlicher Brief kam uns zu Handen, Der uns--
Wallenstein. (unterbricht ihn) Wer wählte Euch?
Gefreiter. Jedwede Fahn' Zog ihren Mann durchs Los.
Wallenstein. Nun denn zur Sache!
Gefreiter. Ein kaiserlicher Brief kam uns zu Handen, Der uns befiehlt, die Pflicht dir aufzukündigen, Weil du ein Feind und Landsverräter seist. Wallenstein. Was habt ihr drauf beschlossen?
Gefreiter. Unsre Kameraden Zu Braunau, Budweis, Prag und Olmütz haben Bereits gehorcht, und ihrem Beispiel folgten Die Regimenter Tiefenbach, Toscana. --Wir aber glauben's nicht, daß du ein Feind Und Landsverräter bist, wir halten's bloß Für Lug und Trug und spanische Erfindung. (Treuherzig.) Du selber sollst uns sagen, was du vorhast, Denn du bist immer wahr mit uns gewesen, Das höchste Zutraun haben wir zu dir, Kein fremder Mund soll zwischen uns sich schieben, Den guten Feldherrn und die guten Truppen.
Wallenstein. Daran erkenn ich meine Pappenheimer.
Gefreiter. Und dies entbietet dir dein Regiment: Ist's deine Absicht bloß, dies Kriegeszepter, Das dir gebührt, das dir der Kaiser hat Vertraut, in deinen Händen zu bewahren, Östreichs rechtschaffner Feldhauptmann zu sein, So wollen wir dir beistehn und dich schützen Bei deinem guten Rechte gegen jeden-- Und wenn die andern Regimenter alle Sich von dir wenden, wollen wir allein Dir treu sein, unser Leben für dich lassen. Denn das ist unsre Reiterpflicht, daß wir Umkommen lieber, als dich sinken lassen. Wenn's aber so ist, wie des Kaisers Brief Besagt, wenn's wahr ist, daß du uns zum Feind Treuloserweise willst hinüberführen, Was Gott verhüte! ja, so wollen wir Dich auch verlassen und dem Brief gehorchen.
Wallenstein. Hört, Kinder--
Gefreiter. Braucht nicht viel Wort. Sprich Ja oder nein, so sind wir schon zufrieden.
Wallenstein. Hört an. Ich weiß, daß ihr verständig seid, Selbst prüft und denkt und nicht der Herde folgt. Drum hab ich euch, ihr wißt's, auch ehrenvoll Stets unterschieden in der Heereswoge; Denn nur die Fahnen zählt der schnelle Blick Des Feldherrn, er bemerkt kein einzeln Haupt, Streng herrscht und blind der eiserne Befehl, Es kann der Mensch dem Menschen hier nichts gelten-- So, wißt ihr, hab ich's nicht mit euch gehalten; Wie ihr euch selbst zu fassen angefangen Im rohen Handwerk, wie von euren Stirnen Der menschliche Gedanke mir geleuchtet, Hab ich als freie Männer euch behandelt, Der eignen Stimme Recht euch zugestanden--
Gefreiter. Ja, würdig hast du stets mit uns verfahren, Mein Feldherr, uns geehrt durch dein Vertraun, Uns Gunst erzeigt vor allen Regimentern. Wir folgen auch dem großen Haufen nicht, Du siehst's! Wir wollen treulich bei dir halten. Sprich nur ein Wort, dein Wort soll uns genügen, Daß es Verrat nicht sei, worauf du sinnst, Daß du das Herr zum Feind nicht wollest führen.
Wallenstein. Mich, mich verrät man! Aufgeopfert hat mich Der Kaiser meinen Feinden, fallen muß ich, Wenn meine braven Truppen mich nicht retten. Euch will ich mich vertrauen--Euer Herz Sei meine Festung! Seht, auf diese Brust Zielt man! Nach diesem greisen Haupte!--Das Ist span'sche Dankbarkeit, das haben wir Für jene Mordschlacht auf der alten Feste, Auf Lützens Ebnen! Darum warfen wir Die nackte Brust der Partisan' entgegen, Drum machten wir die eisbedeckten Erde, Den harten Stein zu unserm Pfühl; kein Strom War uns zu schnell, kein Wald zu undurchdringlich, Wir folgten jenem Mansfeld unverdrossen Durch alle Schlangenkrümmen seiner Flucht, Ein ruheloser Marsch war unser Leben, Und wie des Windes Sausen, heimatlos, Durchstürmten wir die kriegbewegte Erde. Und jetzt, da wir die schwere Waffenarbeit, Die undankbare, fluchbeladene, getan, Mit unermüdet treuem Arm des Krieges Last Gewälzt, soll dieser kaiserliche Jüngling Den Frieden leicht wegtragen, soll den Ölzweig, Die wohlverdiente Zierde unsers Haupts, Sich in die blonden Knabenhaare flechten--
Gefreiter. Das soll er nicht, solang wir's hindern können. Niemand als du, der ihn mit Ruhm geführt, Soll diesen Krieg, den fürchterlichen, enden. Du führtest uns heraus ins blut'ge Feld Des Todes, du, kein andrer, sollst uns fröhlich Heimführen in des Friedens schöne Fluren, Der langen Arbeit Früchte mit uns teilen--
Wallenstein. Wie? denkt ihr euch im späten Alter endlich Der Früchte zu erfreuen? Glaubt das nicht. Ihr werdet dieses Kampfes Ende nimmer Erblicken! Dieser Krieg verschlingt uns alle. Östreich will keinen Frieden; darum eben, Weil ich den Frieden suche, muß ich fallen. Was kümmert's Östreich, ob der lange Krieg Die Heere aufreibt und die Welt verwüstet, Es will nur wachsen stets und Land gewinnen. Ihr seid gerührt--ich seh den edeln Zorn Aus euren kriegerischen Augen blitzen. O daß mein Geist euch jetzt beseelen möchte, Kühn, wie er einst in Schlachten euch geführt! Ihr wollt mir beistehn, wollt mich mit den Waffen Bei meinem Rechte schützen--das ist edelmütig! Doch denket nicht, daß ihr's vollenden werdet, Das kleine Heer! Vergebens werdet ihr Für euren Feldherrn euch geopfert haben. (Zutraulich.) Nein! Laßt uns sicher gehen, Freunde suchen, Der Schwede sagt uns Hilfe zu, laßt uns Zum Schein sie nutzen, bis wir, beiden furchtbar, Europens Schicksal in den Händen tragen Und der erfreuten Welt aus unserm Lager Den Frieden schön bekränzt entgegenführen.
Gefreiter. So treibst du's mit dem Schweden nur zum Schein? Du willst den Kaiser nicht verraten, willst uns Nicht schwedisch machen?--sieh, das ist's allein, Was wir von dir verlangen zu erfahren.
Wallenstein. Was geht der Schwed' mich an? Ich haß ihn, wir Den Pfuhl der Hölle, und mit Gott gedenk ich ihn Bald über seine Ostsee heimzujagen. Mir ist's allein ums Ganze. Seht! Ich hab Ein Herz, der Jammer dieses deutschen Volks erbarmt mich. Ihr seid gemeine Männer nur, doch denkt Ihr nicht gemein, ihr scheint mir's wert vor andern, Daß ich ein traulich Wörtlein zu euch rede-- Seht! Fünfzehn Jahr schon brennt die Kriegesfackel, Und noch ist nirgends Stillstand. Schwed' und Deutscher! Papist und Lutheraner! Keiner will Dem andern weichen! Jede Hand ist wider Die andre! Alles ist Partei und nirgends Kein Richter! Sagt, wo soll das enden? wer Den Knäul entwirren, der, sich endlos selbst Vermehrend, wächst--Er muß zerhauen werden. Ich fühl's, daß ich der Mann des Schicksals bin, Und hoff's mit eurer Hilfe zu vollführen.
Sechzehnter Auftritt
Buttler. Vorige.
Buttler. (in Eifer) Das ist nicht wohlgetan, mein Feldherr.
Wallenstein. Was?
Buttler. Das muß uns schaden bei den Gutgesinnten.
Wallenstein. Was denn?
Buttler. Es heißt den Aufruhr öffentlich erklären!
Wallenstein. Was ist es denn?
Buttler. Graf Terzkys Regimenter reißen Den kaiserlichen Adler von den Fahnen Und pflanzen deine Zeichen auf.
Gefreiter. (zu den Kürassieren). Rechts um!
Wallenstein. Verflucht sei dieser Rat, und wer ihn gab! (Zu den Kürassieren, welche abmarschieren.) Halt, Kinder, halt--Es ist ein Irrtum--Hört-- Und streng will ich's bestrafen--Hört doch! Bleibt. Sie hören nicht. (Zu Illo.) Geh nach, bedeute sie, Bring sie zurück, es koste was es wolle. (Illo eilt hinaus.) Das stürzt uns ins Verderben--Buttler! Buttler! Ihr seid mein böser Dämon, warum mußtet Ihr's In ihrem Beisein melden!--Alles war Auf gutem Weg--Sie waren halb gewonnen-- Die Rasenden, mit ihrer unbedachten Dienstfertigkeit!--O grausam spielt das Glück Mit mir! Der Freunde Eifer ist's, der mich Zugrunde richtet, nicht er Haß der Feinde.
Siebzehnter Auftritt
Vorige. Die Herzogin stürzt ins Zimmer. Ihr folgt Thekla und die Gräfin. Dann Illo.
Herzogin. O Albrecht! Was hast du getan!
Wallenstein. Nun das noch!
Gräfin. Verzeih mir, Bruder. Ich vermocht' es nicht, Sie wissen alles.
Herzogin. Was hast du getan!
Gräfin. (zu Terzky) Ist keine Hoffnung mehr? Ist alles denn Verloren?
Terzky. Alles. Prag ist in des Kaisers Hand, Die Regimenter haben neu gehuldigt.
Gräfin. Heimtückischer Octavio!--Und auch Graf Max ist fort?
Terzky. Wo sollt er sein? Er ist Mit seinem Vater über zu dem Kaiser. (Thekla stürzt in die Arme ihrer Mutter, das Gesicht an ihrem Busen verbergend.)
Herzogin. (sie in die Arme schließend). Unglücklich Kind! Unglücklichere Mutter!
Wallenstein. (beiseite gehend mit Terzky). Laß einen Reisewagen schnell bereit sein Im Hinterhofe, diese wegzubringen. (Auf die Frauen zeigend.) Der Scherfenberg kann mit, der ist uns treu, Nach Eger bringt er sie, wir folgen nach. (Zu Illo, der wiederkommt.) Du bringst sie nicht zurück?
Illo. Hörst du den Auflauf? Das ganze Korps der Pappenheimer ist Im Anzug. Sie verlangen ihren Oberst, Den Max zurück, er sei hier auf dem Schloß, Behaupten sie, du haltest ihn mit Zwang, Und wenn du ihn nicht losgebst, werde man Ihn mit dem Schwerte zu befreien wissen. (Alle stehen erstaunt.)
Wallenstein. Sagt' ich's nicht? O mein wahrsagend Herz! Er ist noch hier. Er hat mich nicht verraten, hat es nicht Vermocht--Ich habe nie daran gezweifelt.
Gräfin. Ist er noch hier, o dann ist alles gut, Dann weiß ich, was ihn ewig halten soll! (Thekla umarmend.)
Terzky. Es kann nicht sein. Bedenke doch! Der Alte Hat uns verraten, ist zum Kaiser über, Wie kann er's wagen, hierzusein?
Illo. (zum Wallenstein) Den Jagdzug, Den du ihm kürzlich schenktest, sah ich noch Vor wenig Stunden übern Markt wegführen.
Gräfin. O Nichte, dann ist er nicht weit!
Thekla. (hat den Blick nach der Türe geheftet und ruft lebhaft) Da ist er!
Achtzehnter Auftritt
Die Vorigen. Max Piccolomini.
Max. (mitten in den Saal tretend). Ja! Ja! da ist er! Ich vermag's nicht länger, Mit leisem Tritt um dieses Haus zu schleichen, Den günst'gen Augenblick verstohlen zu Erlauern--Dieses Harren, diese Angst Geht über meine Kräfte! (Auf Thekla zugehend, welche sich ihrer Mutter in die Arme geworfen.) O sieh mich an! Sieh nicht weg, holder Engel. Bekenn es frei vor allen. Fürchte niemand. Es höre, wer es will, daß wir uns lieben. Wozu es noch verbergen? Das Geheimnis Ist für die Glücklichen; das Unglück braucht, Das hoffnungslose, keinen Schleier mehr, Frei unter tausend Sonnen kann es handeln. (Er bemerkt die Gräfin, welche mit frohlockendem Gesicht auf Thekla blickt.) Nein, Base Terzky! Seht mich nicht erwartend, Sicht hoffend an! Ich komme nicht zu bleiben. Abschied zu nehmen, komm ich--Es ist aus. Ich muß, muß dich verlassen, Thekla--muß! Doch deinen Haß kann ich nicht mit mir nehmen. Nur einen Blick des Mitleids gönne mir, Sag, daß du mich nicht hassest. Sag mir's, Thekla. (Indem er ihre Hand faßt, heftig bewegt.) O Gott!--Gott! Ich kann nicht von dieser Stelle. Ich kann es nicht--kann diese Hand nicht lassen. Sag, Thekla, daß du Mitleid mit mir hast, Dich selber überzeugst, ich kann nicht anders. (Thekla, seinen Blick vermeidend, zeigt mit der Hand auf ihren Vater; er wendet sich nach dem Herzog um, den er jetzt erst gewahr wird.) Du hier?--Nicht du bist's, den ich hier gesucht. Dich sollten meine Augen nicht mehr schauen. Ich hab es nur mit ihr allein. Hier will ich, Von diesem Herzen freigesprochen sein, An allem andern ist nichts mehr gelegen.
Wallenstein. Denkst du, ich soll der Tor sein und dich ziehen lassen Und eine Großmutsszene mit dir spielen? Dein Vater ist zum Schelm an mir geworden, Du bist mir nichts mehr als sein Sohn, sollst nicht Umsonst in meine Macht gegeben sein. Denk nicht, daß ich die alte Freundschaft ehren werde, Die er so ruchlos hat verletzt. Die Zeiten Der Liebe sind vorbei, der zarten Schonung, Und Haß und Rache kommen an die Reihe. Ich kann auch Unmensch sein, wie er.
Max. Du wirst mit mir verfahren, wie du Macht hast. Wohl aber weißt du, daß ich deinem Zorn Nicht trotze, noch ihn fürchte. Was mich hier Zurückhält, weißt du! (Thekla bei der Hand fassend.) Sieh! Alles--alles wollt' ich dir verdanken, Das Los der Seligen wollt' ich empfangen Aus deiner väterlichen Hand. Du hast's Zerstört, doch daran liegt dir nichts. Gleichgültig Trittst du das Glück der Deinen in den Staub, Der Gott, dem du dienst, ist kein Gott der Gnade. Wie das gemütlos blinde Element, Das furchtbare, mit dem kein Bund zu schließen, Folgst du des Herzens wildem Trieb allein. Weh denen, die auf dich vertraun, an dich Die sichre Hütte ihres Glückes lehnen, Gelockt von deiner gastlichen Gestalt! Schnell, unverhofft, bei nächtlich stiller Weile Gärt's in dem tück'schen Feuerschlunde, ladet Sich aus mit tobender Gewalt, und weg Treibt über alle Pflanzungen der Menschen Der wilde Strom in grausender Zerstörung.