Part 27
Als die Tür hinter dem Fürsten fiel, drin alles still geworden war, die Mantuanerin sanft und scheu ihm Konfekt bot, fragte er: »Ist er hinaus?« Sie wollte, die Silberschale auf den Wandbord stellend, wissen, ob es schlimm sei, was der Geheimrat gemeldet habe. Er biß sich den Schnurrbart, stieß ein Lachen aus, das ihm gelang, elastisch aufstehend ging er herum über den blauen weichen Teppich zu dem silbernen Delphin an einem Pfeiler der Fensterwand, der Wasser in ein Kupferbecken sprudelte: »Es ist nicht schlimm. Es ist schwer für mich. Es hat etwas -- Unertragbares für mich. Zu viel, Eleonore.« Die Damen, halbabseits an der Tür, hielten die Fächer geöffnet, geduckt, die Gesichter verborgen. Er setzte sich am Becken neben sie: »Mein Heiland, wie gut, daß ich dich habe. Ich bin ein alter Mann.« Seine Schultern zitterten. Und jetzt drang es durch die Kehle, er schluchzte tonvoll, weinte gegen den Delphin gedreht, hörte sich klagen. Seine Brust schnürte sich in Krämpfen zusammen, leidend, mit einer verschwimmenden Lust, folgte er den schlagenden Bewegungen seines Körpers; wie konnte er sich ergehen. Diese Fülle, diese Öffnung. Er dachte von fern an die vergangenen Jahre und was jetzt auf ihn gelegt war. Was hatte er verbrochen. Dicht hinter der Stirn, bandartig um die Augen, rings um den Kopf war ihm sanft schwindlig. Eleonore brach in Tränen aus. Ihren nackten rechten Arm legte sie über den Rand des Beckens, das Wasser unten verzerrte ihr hergebeugtes zusammengezogenes Gesicht; sie fürchtete, die Damen möchten sie sehen, denen sie versprochen hatte, nicht mehr zu weinen.
Er bat abwinkend, nicht zu fragen. Und blieb dabei, sie zu küssen und fiebernd zu drücken.
Wie sonderbar aber, daß, als er in der Nacht einschlief, immer wieder in ihm der Gedanke wiederkehrte, daß er sich an Wallenstein rächen würde. Immer wieder zog an seinen Augen vorbei, daß er sich Genugtuung von ihm holen würde. Der Gedanke beruhigte, sättigte ihn. Mit Zähneknirschen wiederholte er ihn, ohne ihn zu verstehen. Der Gedanke gab seiner schnaufenden Atmung Ruhe, ließ ihn in den traumlosen Schlaf fallen.
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Eggenberg gab auf die Frage des stierblickenden geknechteten Ferdinand zurück: man müsse den General halten. Das waren die, die ihm einmal einen Dolch auf die Brust gesetzt hatten. Er war matt, wollte nicht mit ihnen kämpfen.
Er sah voraus, daß er werde viel Wein trinken müssen. Entsetzt dachte er: nicht wieder im Keller, nicht wieder mit dem Zwerge.
Er fragte: was Lamormain meine.
-- Die heilige Kirche und das Haus Habsburg hätten gemeinsame Interessen. -- Erwischt den Herrn Lamormain, jauchzte es einen Augenblick in ihm; pfui, pfui, der Menschen. Aber er wurde zurückgescheucht von den ernsten stummen vergewaltigenden Mienen der andern. Er duckte sich, die Unsicherheit in ihm verwirrte verschlang alles. Der Kaiser schloß den Mund.
Den Abgesandten der mährischen und schlesischen Stände, die sich in Wien aufhielten, wurde die Teilnahme des Kaisers für ihre Leiden ausgesprochen; der Kaiser lehnte ab, sie noch einmal zu empfangen; er wies bedauernd auf die Schattenseiten der Kriegsführung im allgemeinen, daß sein General gehalten sei, strenge Zucht zu üben; sie möchten nicht die Staatsraison aus den Augen lassen.
In seinem Palast auf dem Hradschin empfing Wallenstein den Erlaß, der ihm den Dank des Kaisers für seine erwiesene Vorsicht und Tatkraft aussprach, dem Vertrauen Ausdruck gab, daß seine Liebden im kommenden Jahr eine starke wohlausgestattete Armada aus den Winterquartieren gegen die furchtbar rüstenden Übeltäter und Friedensbrecher führen werde.
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Auf die Niederlage des Mansfelders antwortete England, seinen König zwingend, mit einem Vertrage mit den Generalstaaten; es erklärte unter keinen Umständen die Sache des Kurfürsten von der Pfalz und des Schutzes seines Rechtes aufgeben zu wollen, ferner nicht tatenlos der vom deutschen Kaiserhaus und Spanien mit ungeheurer Macht geplanten Ausrottung der Gewissensfreiheit zuzusehen. Es schloß mit den Niederlanden ein Bündnis gegen Spanien. Wie der Winter vorrückte und ungeheure Gerüchte von habsburgischen Rüstungen herüberdrangen, wurde auch der stolze englische König tief unruhig; es bedurfte nicht des Zudrängens des Parlaments, um ihn zu bewegen. Die Lords Buckingham Kensington Dudley Koxleton wurden bestimmt nach dem Haag zu gehen. Kamerarius, der Resident des Pfälzers, empfing sie melancholisch; der Mansfelder sei tot, Bethlen Gabor verschwunden; was solle er von Deutschland sagen -- es sei dahin, dahin. Die Engländer aber, begleitet von dem tapferen kleinen Johann Joachim von Rußdorf, hielten die Nacken steif; sie führten in Kisten mit sich dreihunderttausend Pfund Sterling in Goldplatten und Edelsteinen. Von Frankreich erschienen Gesandte; auf den Straßen von Haag ritten neben den mageren Engländern mit den strengen braunen Gewändern, den hohen steifen Filzhüten, die lockenwallenden Franzosen, die freien feinen Gesichter, in losen fliegenden Kleidern, farbenstrahlend, von Hunden umtanzt. Ihre Berichterstatter und Sendboten saßen in Straßburg Ulm Nürnberg. Konnetabel Lesdighieres und Marquis Vieuvillier erklärten sich bereit, Subsidien an den Dänen und die Generalstaaten zu zahlen; sechshunderttausend Louis an Christian, eine Million französische Pfund an Holland. Freudig schwuren die Holländer, keinen Frieden mit Spanien schließen zu wollen ohne Frankreich. Brandenburgische Heere trafen ein; und plötzlich tauchten in schwarzer Attila ungarische Magnaten auf, runde Pelzmützen mit Agraffen auf dem Kopf, heftige schwarzäugige Herren, reich, mit lauter Stimme, die ihre protestantische Freiheit gegen das verschlingende Habsburg verteidigen wollten; riefen aus, wie bitter es Wallenstein ergangen sei und wie sie sich geweigert hätten, ihm Zuzug zu leisten. Die englische Delegation erhielt Briefe vom edlen Herrn Mark Antonio Padavin, dem Vertreter der venetianischen Signoria am Kaiserhof; er habe Auftrag, Vorschläge zu vermitteln nach Venedig über die von seiner Republik zu leistende Unterstützung; der tapfere geliebte Mansfelder sei tot, die dänische Majestät habe eine Schlappe erlitten; sie wollten mit Hilfe nicht zurückstehen. Aus diesen Briefen erfuhr man, daß der Bassa von Ofen und der Großtürke selber aufs stärkste gegen Habsburg zu rüsten begonnen hätten; man vertraue auf Bethlen Gabor.
Und wie vor Weihnachten die frohen Nachrichten sich häuften, fand ein feierlicher Kirchgang statt: hinter samtgekleideten Pagen und feinen Marschällen ging zu Fuß durch die strenge Luft der besiegte Pfälzer Friedrich, barhäuptig, die hellblonden gesalbten Locken neben den vollen bläßlichen Wangen über den offenen Hals spielend, in blauem bauschigen Wams, über dem goldenen breiten Wehrgehenk leicht zusammengesunken; seine blauen Augen blickten träumerisch leer. Elisabeth lächelte aus ihrem naiven Gesicht sonnig nach allen Seiten; die Gesandten ihres Bruders gingen hinter ihr, sie machte heftige ungeduldige Schritte in ihren goldenen Schuhen; ihr weiß gepudertes Haar erhob sich steif in Etagen über dem roten strotzenden Gesicht; in einem weiten grünen Kleid quoll ihr froher Leib; sie drückte die weiß bekleideten Hände geballt vor die Brust.
Die Generalstaaten, England, Ungarn, Frankreich, Brandenburger, saßen mit ihnen auf den Bänken vor dem masthohen Kreuz mit dem hängenden leinenbekleideten Heiland, hörten in dem hellen ungeheizten Raum die Predigt an über das Wort: »Und du, Kapernaum, bist du nicht in den Himmel erhoben? Du wirst in die Hölle hinuntergestoßen werden.« Nicht von der Stelle zu rücken, gelobten sie, bis Habsburg, der deutsche Kaiser und Spanien, geschlagen und vernichtet sei; sie hätten unermeßliche Zeit und würden Gottes Mühlen gut mahlen lassen. »Dahin ist es gekommen mit Deutschland,« erklärten sie, »daß fremde Herrscher zur Überwachung und Anordnung seiner inneren Angelegenheiten berufen sind. Der Bund ist gegen Habsburg geschlossen wegen Bruchs des Rechtsfriedens, Verletzung der Reichsverfassung, der beschworenen Wahlkapitulation des Kaisers. Es ist dahin gekommen, daß ein hochgeborener deutscher Fürst, geächtet, vogelfrei erklärt ohne Gericht, bei fremden Nationen hat Schutz suchen müssen. Da den benachbarten Staaten an Erhaltung des Friedens, der Verfassung und beschworenen Wahlkapitulation gelegen ist, sehen sie sich gezwungen, den rasenden unerträglichen Lauf dieser bösen Absichten und Unterdrückungen durch Aufrechterhaltung der Reichsfreiheit zu hemmen, dem unverkennbaren Ruin entgegenzutreten.«
Der Dänenkönig trieb seine Werbungen auf dreißigtausend Mann zu Fuß und achttausend Reiter; zu Hamburg erlegte England monatlich dreihunderttausend Gulden; achtzigtausend zahlten die Generalstaaten. Aus Venedig trat Graf Heinrich Matthias Thurn, der Böhme, der Hauptrebell, capo di guerra, in dänische Dienste. Fünf englisch-schottische Regimenter setzten unter Karl Morgan über den schäumenden Kanal, drei Regimenter Schotten ließen sich von Christian anwerben. Graf Ludwig von Montgommery trieb viertausend Franzosen im Marsch nach Norden. Ein schwedischer Gesandter erschien, der König Gustav Adolf versicherte den Bund seiner Sympathie; er stünde noch in Polen in Kämpfen; man möge ihm Zeit lassen, er würde rechtzeitig kommen.
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Auf die Werbungen der Obersten waren von Wallenstein vorzustrecken zwischen sechshunderttausend und eine Million Gulden. Während der Unglückstage in Ungarn waren von eigenen meuternden Truppen der Feldzeugmeister Graf Schlick und del Maestro gefangen an Bethlen Gabor abgegeben worden; ihre Auslösung erforderte hunderttausend Reichstaler. Die Ausarbeitung eines Verpflegungssatzes für die einzulagernden Truppen übernahm der Serbe Michna, der hündisch am Herzog hing; jeder einquartierten Kompagnie waren zunächst seitens der Bevölkerung siebenhundert Gulden zum Unterhalt zu reichen. De Witte spannte seine Einbildungskraft und Energie an, nützte seine Beziehungen zu Bassewi aus, an die reichen Geldquellen der portugiesischen Juden in Hamburg heranzukommen; die Herren Fernando Cardosi und Henriko Rodrigez wurden gewonnen; sie beherrschten den Handel mit ostindischem Kattun Gewürzen Rohrzucker, hatten die Hamburger Bank begründet; auch der junge Diego Taxaira wurde sondiert. Indem sie Geld auf den Namen de Wittes Bassewis und des reichen Friedländers hergaben, drangen sie darauf, daß das Unternehmen auf die größte und sicherste Basis gestellt werde; de Witte wies darauf hin, daß er, Michna und der Herzog persönlich mit ganzem Hab und Gut beteiligt wären.
Von Prag wurde das Gerücht ausgesprengt, es ginge auf das Reich zu, man werde plündern wie nie. Um die Galgen herum schlichen die Werber, in die Wunderhöfe der Bettler; ließen Regimentsspiel erklingen, stellten sich vor die Zunftstuben, Gesellenhäuser. Es gab niemand, der zu schwach war, und niemand, der verworfen war. Über die verschneiten Felder fegten sie, hoben Lebensmüde hinter Gartenhecken auf, spähten an Flußläufen entlang. Sie mieteten sich Gauklertruppen, um Menschen anzulocken, Quacksalber Feldscher Handleser liefen neben ihnen. Sie erzählten von Wunderdingen, die sich begeben sollten im kommenden Frühling und Sommer, der deutsche Kaiser ziehe aus Wien mit erstickender Macht gegen die Niedersachsen, Dänen; Wallenstein sei sein Feldherr, der halb Böhmen besitze und geschworen hätte, sie sollten ihm nicht entgehen oder er wolle in die Hölle fahren. Die Kranken, dienstlosen Söldner, Bettler rafften sich aus den Gassen, von den Kirchhöfen auf, ließen ihre Krücken und Schnappsäcke liegen, der finsteren Verstumpfung, dem Gram entrissen. Wilder sprangen sie vor der Trommel, sie waren die Herren, Totschlag und Diebstahl haschten vergeblich nach ihnen, es gab Ehren; entwischt waren sie, es gab Fahnen und wilde Federn, Pferde, Fräulein, Würfel, Wein, Fraß, Musik. Bürger und Bauern mußten verbleichen; konnten ihre Güter taxieren; die Söldner taxierten noch einmal. Mit Grauen sahen die Dörfer die Scharen von den Musterplätzen kommen, fahnenschwingend klimpernd singend säbelgegürtet buntfedrig, herrliches Geld in dem Säckel. Der römische Kaiser rief auf. Wie sie tosten, als gute Brüder taten. Daß den Bauernburschen die Herzen gegen die Rippen hämmerten, Vikar und Diakon sich erbarmten; hinaus: auf ein Jahr, nur ein Jahr. Viele Nester leer, Sensen ohne Hände, alte Männer an den Pflügen, Krieg. Wie ein heftiger Wind, der die Bäume schüttelt, reife Früchte abnimmt, hinwirft vor die Füße zum Mitnehmen. Trübe Ehen wurden zerschlagen, die Männer nahmen die Pike und Muskete, fühlten sich frei vor dem Tod. Die Türen der Frauenhäuser wurden erbrochen, die Weiber strömten den Sammelplätzen zu, wo die Mannheit auf die große Wanderschaft ging, heute alles, morgen nichts, übermorgen verfault. Mit Erschütterung drang der Trommelschlag an die Herzen der Studenten, in den Bursen, Stiften; über die Folianten blickten sie weg an die Fenster, ihre Lauten und Flöten ließen sie liegen, schlichen nicht aus den Winkeln, waren nicht lustig, nicht traurig, wagten sich nicht hervor an die eisigkühle klangdurchtobte farbenschwingende Luft; bis sie die Hände an die Ohren schlugen, wild an den Häusern der Lehrer und der Liebsten vorbeirannten, davon; tonlos vor dem Werbekorporal, blaß: »Da bin ich.« Die Mönche in den Klöstern auf dem flachen Lande horchten auf, senkten betend ihre Köpfe tiefer; draußen vor den Gittern standen die älteren Brüder und Oberen sorgenvoll, die Züge schwärmten trotzig und lachend, windgetragen, vorbei; durch die vollen Speicher Scheunen Ställe gingen die Mönche, sahen stumm im Refektorium die kostbaren Kelche Bilder, verriegelten die Gitter, beteten um den Segen Gottes.
Wallensteins Werber ritten nach Polen, Kosaken aufzubieten; in Wallonien brachen sie ein, in Lothringen, sein Geld floß nach Ungarn Kroatien Dalmatien, riß die Menschen zum Würfelspiel nach Deutschland gewaltsam, massenhaft. Er lockte die Zusammenbrechenden aus Böhmens Not her; die Werber stachelten: »Was jammert Ihr. Ihr werdet's nicht ändern! Seid Herren, rasch, rasch, Herren, mit der Pike und Muskete!« Stöhnend folgte ihnen, was den Jammer satt hatte, verfluchte sein Schicksal, seine Heimat; mit hineingerissen in ein finster freudiges niederbrechendes Ungewitter; ihre Füße schwangen. Wollten abrechnen; Deutschland war da; abrechnen, daß kein Tröpfchen Fett auf der Milch schwamm.
In den Kirchen fingen die Priester für Wallenstein zu werben an. Auf die protestierenden Zyklopen und Pelagier ging es, auf die Epikuräer, Beschützer der Säue, die Kalvinisten, Blutsäufer, Herrgottsfresser. »Was wollen sie mit dem Evangelium des Markus Lukas Matthäus Johannes? Den Heiland und sein Werk in Grund und Boden kritisieren, spintisieren, destillieren, die Quacksalber am Leib unserer heiligen Kirche. Das Evangelium ist zäh, frisch, ledern, für überscharfe spitze Zähne; die Kirche läßt es Euch gut abhängen, daß es mürbe wird, gibt's in den Rauchfang, stellt sich als gute Metzgerin dazu, hackt Euch heraus, was gut schmeckt und nährt; immer kochen wir Euch ein Süppchen, schmoren, braten, daß Euch der Magen sich wälzt. Seht hin auf die Lutheraner und Kalvinisten; sie gehen herum mit herben sauren Mienen; der Darm ist ihnen überlastet, sie können's nicht verdauen und lassen doch nicht davon. Ich will Euch purgieren, liebe Seelen, daß Ihr alle keine schmähliche Not leidet. Wer auf Erden hat das beste Himmelreich, der Lutheraner und Ketzer oder der Katholik? Nun ist es ja schon unglaublich, daß Ketzer ein besseres Himmelreich haben sollen als fromme Katholiken. Wer sagt überhaupt, daß Ketzer in den Himmel kommen, wo doch die Hölle ihnen besser ansteht? Aber nehmen wir an, gesetzt wir täten's, sie seien Christenmenschen, die unwissentlich sündigen. Sie haben noch nicht geschleckt an unsern Zuckerwaren, ihnen ist das Manna noch nicht ins Maul geloffen, das uns täglich so herzlich befriedigt, bei jeglicher Jahreszeit und Witterung; sobald wir nur die Augen aufreißen, fängt das Manna an zu fließen, ein unbeschreiblicher, erschreckender Überfluß -- nur jenen Elenden nicht, die zu faul sind, sich in ihren Betten wälzen und unser gottgefälliges Frühläuten gar als Störung ihrer lästerlichen Ruhe betrachten. So also, sage ich, ist diesen unwissentlichen Sündern entweder das Fegefeuer oder bestenfalls ein Vorraum zum Paradies bereitet. Geduldet werden sie, vielleicht nicht sehr geplagt, Behaglichkeit, etwas flauer Spaß ist alles, was ihnen gelegentlich, sonntäglich blüht. Das also wäre so der Fall, wenn es so wäre, wie es sollte und sie unwissentlich sündigten. Aber es ist gesorgt dafür, daß der Andrang im Vorraum nicht gar zu groß ist. Aus allen Ständen hat der Heiland und Herr Menschen berufen, um Raum zu schaffen. Sie haben sich nicht gescheut, die frommen Männer und echten Papisten, die Fahnenschwinger und Kreuzesträger, die Sünder und ihr schmutziges, struppiges Fell anzupacken. Sie sind es, die die Sünde wissentlich machen. Jetzt geht ein Jubel durch die Welt; es ist zu Ende mit dem lauen Zupacken, ja einen Stoß kriegen sie von rückwärts ins Steiß, der sagt: aufgepaßt! Aus Gnade und Mildtätigkeit tuen sie so die wahren Papisten, damit das Zittern und Zähneschnarren über die verdammlichen Lutherbuben komme, daß die Reue sie zusammenpreßt und wie erbärmliche lächerliche Klümpchen in den Richtstuhl und Beichtstuhl treibt, flehend, man möchte sie aufheben, ihnen das Paradies öffnen. Und wahrlich, genug Überwindung gehört dazu, sie aufzuheben. Jetzt ist nicht mehr Zeit, vom protestantischen Himmelreich zu sprechen. Der Satan ist informiert; er hat Auftrag, grimmig für Vorrat zu sorgen an Knechten Messern Kübeln Bottichen Holz Blasebälgen, auf lose Backen nicht zu vergessen, kräftige Fäuste, die Sünder anzupacken und hin und her zu schleudern, Eisen und Haken, das Feuer zu schüren.
Die Böcke laufen herum, nicht jene, auf denen Satanas und die Hexen reiten, sondern andere, heilsam, die die Sünder auf die Hörner packen, spießen, sich durch die Luft zuwerfen und so sich die Zeit vertreiben mit Ballspiel. Für die Stolzen und Übermütigen springen dürre Affen herum, die sich anklammern an ihre Röcke und Wämser von hinten, mit beiden Händen ihnen unter die Achseln greifen, mit den Beinen vorn über den Bauch, und nun kitzeln, kitzeln, daß sie lachen. Ja, jetzt können sie lachen, brüllen, sich winden, daß sie blau werden und bersten. Und vor ihnen steht ein Teufel, schlägt ihnen ins Maul, schreit: Ruhe! hält dem Affen einen Krug hin, damit er nicht verdürstet. Was ist das für ein Gelächter in der Hölle! Fürwahr ein anderes als das sanfte melodische in unserm Himmelreich. Ein Tier ist da und kriecht herum, dessen Bauch an hundert Quadratmeilen mißt. Seine Schnauze ist die eines Hundes, sein Leib weiß und fett wie eines Schweines, seine Füße grün mit knotigen kolbigen Zehen wie ein Frosch. Es sitzt da, das Untier, in einer Ecke und immer, wenn die Hölle vor ihm recht dick voll ist, bückt es sich mit einem knallenden Schnalzer, schluckt hundert Verdammte, läßt sie in Schlund und Magen herumwirbeln, da wühlen sie in Sudel, Wust, Lauge, dann würgt er sie wieder aus, holt die hundert wieder und noch zehn-, zwanzigmal, bis er satt ist, und speit sie dann auf einen Patzen hin. So spült sich das Tier den Rachen, schnappt zum Rest mit den warzigen lappigen Lippen die hundert an den Füßen, schleudert sie im Kreis, bis sie trocken sind, dann läßt es sie los.
Soll ich Euch von den Teufelsschlossern erzählen, die die Menschen schmieden, als wenn sie Schmiedeeisen wären, von den Tischlern, die die leibhaftigen Menschen zersägen und sich Stühle und Schemel aus ihnen machen, um sich darauf zu setzen bei ihren Untaten. Da müßte ja der Christ ein Narr sein, der derartiges erdulden wollte aus purer Halsstarrigkeit. Aber dumm sind meine Lutheraner nicht, sie sind mit vielen Wassern gewaschen und mit den meisten die unter ihnen, die sich Gelehrte, Prädikanten schelten und fromme Seelen verlocken. Für sie ist eine besondere Strafe erfunden, damit sie, die im irdischen Leben etwas Besonderes waren, sich auch dort dessen rühmen können. Da hängen so zierliche Seilchen von der Decke der Hölle herunter, versteht Ihr recht, Seilchen, nicht viele, denn gar so viele sind nicht so schlimm. Nicht gut kann man die Seilchen sehen, denn ein Dunst, ein Nebel, ein Wrasen wie aus einem Kochtopf steigt immer von unten auf. Und wenn die Teufel nun so einen erwischt haben, so eine abgelebte alte Prädikantenmißgeburt, die vermeinte, flugs und unversehens in den paradiesischen Vorraum zu schlüpfen, so heben sie ihn sacht auf ein bequemes Schemelchen, binden ihn an zwei Seilchen, ziehen ihn hoch und lassen nun den Wrasen gehen, verkleben ihm auch schön die Ohren mit Pech. Und täglich kommt zu einer Stunde ein Teufel, nimmt ihm das Pech aus den Ohren heraus und tut mit ihm disputieren, damit sein hoher Witz sich gar nicht abstumpft. Das scheint Euch nichts? Oh, oh! Das lebt, das sieht nichts, das hört nichts. Vom Dampf verschrumpfeln sie wie Äpfel, sie sitzen den ganzen Tag in der warmen Nässe wie Waschfrauen, tropfen, ziehen keinen Zug gute Luft und werden nicht trocken. Mögen sie sich umgucken, mögen sie in den Rauch hineinschnappen, ob's nicht wo was zu sehen gebe: ist nichts zu sehen. Sie tropfen, verschrumpfeln, verfaulen in langer Weile. Nur eine Nadel steckt in der Rücklehne des Schemels, die bohrt sich in ihre Rücken, wenn sie einschlafen wollen. Möchten nur recht viel von ihnen kommen, wären die geplagten Teufel froh genug und hätten ihre Ergötzlichkeit. Wie sie sich drehen auf ihren Schemeln, möchtet Ihr sehen, wie sie rasen, nicht trocken werden, den Dampf wegblasen wollen und unten kochen sie immer weiter, wie sie schäumen gleich den wütenden Ebern, wie sie sich anfallen in der Einsamkeit da oben an den beiden Seilchen schwebend an der Decke der Hölle, sich die Knöchel zerbeißen, sich gern umbrächten, wenn sie nur könnten. Da ist nichts in ihnen als Schäumen und Rache, Geschrei, Gewein, bis sie müde werden, und wenn sie wieder frisch sind, dann sehen sie wieder nur sich und es ist nichts.«
In den neugläubigen Landkreisen ließen die Werber die Parole »deutscher Kaiser« gehen, mit Macht suchten sie Protestanten zu gewinnen, Wallenstein hatte mit den stärksten Ausdrücken darauf gedrungen; er hatte befohlen, Anlauf- und Antrittsgeld zu verdoppeln, wenn es Lutheraner und Kalvinisten gälte. Heftig sprudelten und schäumten die frommen Kreise der Erblande dagegen, schwer konnten sich die jesuitischen Gesellschaften beruhigen. Der Herzog gab kein Wort der Erklärung; er wollte auch Lutheraner im Heer, hieß es in Prag. Von der Wiener Hofkammer und dem Geheimen Ratskolleg wurde auf des Friedländers schlaue Taktik hierin hingewiesen; er verfahre nach der allgemeinen Direktive, den Oppositionsmächten den Vorwand der Religion zu benehmen; man dürfe nicht länger sagen die garantierte Religionsfreiheit werde vom Kaiser bedroht. Der Herzog zog lutherische Offiziere in sehr großer Zahl an sich; kaiserliche Oberstpatente gab er ihnen. Die zu Bruck seinen Erklärungen beigewohnt hatten, begriffen scheu, daß sich seine finsteren furchtbaren Ideen vom Kaisertum dahinter regten: der Kaiser über Deutschland, und sonst nichts. Nichts von Kirche.