Waldmüller: Bilder und Erlebnisse

Part 2

Chapter 23,299 wordsPublic domain

Ich hatte mich nun wieder dem Porträt zugewendet, allein befangen in der damals herrschenden Manier, umschlungen von den Fesseln altherkömmlicher, auf meinem Bildungswege eingesogener Vorurteile, schwangen sich meine Leistungen durchaus nicht über das Gewöhnliche empor. Ich fühlte den Druck dieser Fesseln, aber ich fand die Kraft nicht, sie abzuwerfen. Ich hatte mich nie getraut, bei meinem Kopieren älterer Meisterwerke die Hintergründe selbst zu malen. Da ich dieses Fach nicht auf akademischem Wege studiert hatte, so hielt ich es für einen Frevel, Hand daran zu legen. Ich ließ also diese Hintergründe durch einen meiner Freunde, einen Landschaftsmaler, ausführen. Dieser gestaltete sie natürlich auf seine Manier, und so kam es, daß sie weder mit den Figuren, noch überhaupt mit dem Geiste des Originals in künstlerischem Einklange standen, -- ein Mißstand, der natürlich höchst störend vortreten mußte. Ich erkannte dies selbst, und durch diese Erkenntnis angeregt, ging ich daran, Studien nach der Natur zu machen, welche, da ich in diesem Fache durch Kopieren noch nicht irre geleitet und verdorben war, sehr gut gelangen. Jetzt war der Moment erschienen, in welchem der erste Strahl jenes Lichtes vor mir aufdämmerte, in dessen Glanz ich -- leider erst so spät -- die Wahrheit erkennen lernen sollte. Durch einen solchen Zufall mußte ich die Bahn der Erkenntnis betreten. Infolge der eben erwähnten Arbeiten und des so überraschenden Gelingens derselben, ward ich zuerst und zufällig auf die Notwendigkeit und den Nutzen der Naturstudien aufmerksam gemacht. -- Naturstudien! -- Ein Begriff, welcher mir bis dahin völlig fremd geblieben war! Bald erfolgte eine zweite Anregung dieser Art, und zwar eine entscheidende. Herr Hauptmann von Stierle-Holzmeister beauftragte mich, das Porträt seiner Mutter zu malen. Aber -- so sprach er zu mir -- malen Sie mir sie genau, so wie sie ist. Diesem Auftrage gemäß versuchte ich es nun, bei diesem Porträt die Natur mit der größten Treue wieder zu geben -- und es gelang! Jetzt war auch mit einem Male die Binde vor meinem Auge gefallen. Der einzig rechte Weg, der ewig unerschöpfliche Born aller Kunst: Anschauung, Auffassung und Verständnis der Natur hatte sich mir aufgetan; was so lang als Ahnung in meiner Seele erklang, war zum Bewußtsein erwacht, und obschon ich gerade nach dieser Erkenntnis mir um so weniger verhehlen konnte, wie weit ich bisher vom rechten Weg abgeirrt war, so stand mein Vorsatz doch fest, ihn von nun an nie mehr zu verlassen und mit aller mir zu Gebote stehenden Kraft zu streben, das Versäumte nachzuholen. Ich hatte eine doppelte Aufgabe zu lösen, eine positive und eine negative; die eine war, Neues zu erlernen, die andere, Erlerntes zu vergessen. Bekanntlich ist das letztere weit schwieriger als das erstere, und doch war es unerläßliche Bedingung, mich von der Imitation und Manier loszusagen, in welchen ich früher das Wesen der Kunst begründet glaubte. Im vorgerückten Mannesalter geschieht das Losreißen von solange genährten Vorurteilen nicht ohne die größten Anstrengungen. Ich überwachte mich indes auf das strengste und strebte rastlos, mich immer mehr auf dem Wege des Studiums der Natur zu vervollkommnen. Auch war ich fleißig daran, durch das Studium kunstliterarischer Werke meine Erkenntnis zu erheben und zu klären. Das meisterhafte Buch des trefflichen, leider uns nun schon durch den Tod entrissenen Kanonikus Speth „Die Kunst in Italien“ gab mir die lebhafteste Anregung, dieses Land auch selbst zu bereisen und seine Kunstschätze zu studieren. Ich tat es, wiederholte diese Reisen mehrere Male und sie waren von großem, wichtigen Einfluß auf meine künstlerische Wirksamkeit. Das Anschauen der zahllosen in dem schönen Italien gehäuften Werke der größten Meister erschloß meinem Sinne die ganze Größe, Herrlichkeit und Bedeutung der Kunst. Im regsten Kampfe meines Innern fühlte ich mich bei dieser Erkenntnis entmutigt und begeistert zu gleicher Zeit. Entmutigt, weil ich eben im Anschauen solcher Werke die gänzliche Mangelhaftigkeit alles bisher von mir Geleisteten erkannte, und es mir sehr problematisch erscheinen mußte, ob ich in einem Alter von 35 Jahren noch hoffen durfte, einen Standpunkt zu erreichen, wo ich den Anforderungen, wie ich sie im Sinne der jetzigen Entwicklung meiner Ansichten und Begriffe an künstlerische Leistungen stellen mußte, entsprechen könne. Begeistert hingegen fühlte ich mich eben zu dem Vorsatz, mit aller Kraft nach dem Höchsten zu ringen und nur der Wahrheit und Natur zu huldigen, wie jene großen Meister taten, deren unsterbliche Werke vor meinen Blicken glänzten. So war mir endlich die Wahrheit klar geworden. Ein ferneres Irren war unmöglich. Alle meine Studien und Bestrebungen geschahen in diesem Geiste, in dieser Richtung. Im Jahre 1830 besuchte ich Paris, um die Arbeiten der neuen französischen Schule zu studieren, deren treffliche Leistungen ein neuer Sporn für mich waren, in dem seit Jahren schon von mir versuchten Genrefach tätig zu bleiben. In diesem Jahre erhielt ich auch die Anstellung als Professor an der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien, dann als erster Kustos der dieser Akademie eigentümlich angehörigen, weiland gräflich Lambergschen Gemäldesammlung, endlich als akademischer Rat. Jene Zeit, welche die Ausübung der Berufsgeschäfte, welche mit dieser meiner Stellung verbunden waren, mir übrig ließ, benutzte ich rastlos zu steter Ausbildung, zu emsigem Fortschritt auf der betretenen Bahn. Ich wiederholte, um meine Erfahrungen zu vermehren, die Reisen nach Italien und dehnte sie auch nach Sizilien aus, wo ich ein paar Jahre hintereinander meine Ferienzeit in eifrigen Studien verlebte. Ein eigener, mein Nachdenken seit Jahren auf das lebhafteste beschäftigender Gegenstand war der Kunstunterricht. Der hier von mir geschilderte Gang meines eigenen Lebens bot mir nur allzureichen Stoff zu diesem Nachdenken. Ich hatte es an mir selbst erfahren müssen, an welchen Gebrechen die bisherige Lehrmethode kränkle, welch ein tief gefühltes Bedürfnis es sei, zu Reformen in dieser Beziehung zu schreiten, und ich glaubte überzeugt sein zu dürfen, auf dem Wege, auf welchem ich zur Erkenntnis der Wahrheit gelangt war, die Fingerzeige gefunden zu haben, wie diese Reformen auf das zweckmäßigste und fruchtbringendste zu bewerkstelligen wären. Nach mannigfachen Studien, Prüfungen und Erwägungen hatte ich mir eine Theorie über eine neue Lehrmethode gebildet, welche meiner Ansicht nach alles in sich vereint, was diesem Bedürfnis entspricht. Es kam nur darauf an, diese Theorie in der praktischen Ausführung zu bewähren. Die Resultate übertrafen selbst meine kühnsten Erwartungen. Fräulein Rosalia Amon war die erste von mir nach dieser Theorie unterrichtete Schülerin; ihre Arbeiten erregten in den Ausstellungen allgemeine Aufmerksamkeit. Auch bei den folgenden Schülern, welche ich nach dieser Methode unterrichtete, bewährte sich dieselbe in einem Maße, welches wahrhaft staunenerregend genannt werden darf. Ein vergleichender Blick auf die Vergangenheit meiner eigenen Laufbahn mit der Gegenwart und Zukunft jener nach dieser Lehrmethode unterrichteten Schüler mußte meine Überzeugungen unerschütterlich machen. Die öffentliche Meinung und das Urteil achtbarer und unparteiischer Kunstgenossen legt auf dem Standpunkte, zu welchem ich gelangte, meinen künstlerischen Leistungen einiges Verdienst bei. Von welcher Art dieses Verdienst immer sein mag, ich erwarb es nur infolge der Erkenntnis, daß die Natur die einzige Quelle und Summe unseres Studiums sein müsse, daß in ihr allein jene ewige Wahrheit und Schönheit zu finden sei, deren Ausdruck in jedem Zweige der bildenden Kunst das höchste Ziel des Künstlers sein müsse. Diese Erkenntnis in dem Schüler zu wecken, ihn zu der Befähigung, dieselbe kunstgemäß zu benützen, auf dem kürzesten, einfachsten, durch keinerlei Zwischenmittel beengten Wege zu leiten, dies allein kann das Ziel des Unterrichts sein. Daß die bisher in Übung gewesene Methode diesen Prinzipien nicht entspricht, dürfte wohl kaum geleugnet werden. Einen Beweis dafür (und es dürfte leicht werden, hundert ähnliche aufzufinden) glaube ich eben in der Darlegung meiner eigenen Laufbahn gegeben zu haben. Wie spät gelangte ich zur Erkenntnis der Wahrheit, wie lange, nachdem die Zeit der Jugend, der Kraftperiode des Schaffens und Bildens, in einer langen Reihe von Irrtümern, fruchtlosen Versuchen und verwerflichen Bestrebungen verstrichen war, und selbst da mußte nur ein Zufall mich die Wahrheit erkennen lassen! Wie manches Talent, wie viel schöner Beruf dürfte nicht vielleicht ungekannt und ungewürdigt untergehen, vergebens auf den Zufall harrend, der das Rechte zeigt? Betrachte ich dagegen die künstlerische, freudige, kräftige Entwicklung jener jungen Leute, welche auf dem Wege meiner Lehrmethode den Elementar-Unterricht empfingen, sehe ich, wie sie schon nach wenigen Monaten auf einer Stufe der Erkenntnis und der technischen Befähigung stehen, auf welche ich und so viele meiner Kunst- und Studiengenossen erst nach jahrelangem Irren in dunklen Labyrinthen gelangten, dann fühle ich in Erwägung dieses Kontrastes, es sei mir eine heilige Pflicht, in dieser Richtung den Weg zu bahnen, den Strahl des Lichtes zu verbreiten, unbekümmert, ob auch manches Auge dadurch geblendet werden möge.

(Aus der Vorrede zur 2. Aufl. von Waldmüllers Broschüre „Das Bedürfnis eines zweckmäßigen Unterrichts in der Malerei und plast. Kunst. 1847“.)

Waldmüller an die k. k. Steuerbehörde. (1855.)

Hochlöbliche k. k. Steuer-Administration!

Ich habe zwar am 13. März d. Js. mich zu Entrichtung einer Erwerbssteuer von 5 fl. C.-M. und in Raten zahlbar bereit erklärt. Ich hatte damals noch Aussichten, einige meiner in das Ausland versendeten Gemälde verkauft zu sehen, allein diese Hoffnung ist leider vereitelt worden. Zwar haben meine Bilder in Erfurt, Hannover, Dresden und Pest die vollste Anerkennung als gute Kunstleistungen gefunden, allein man hat dennoch den Ankauf abgelehnt, und zwar aus dem Grunde, weil man es vorzog, selbst schwächere Werke von einheimischen Künstlern zu aquirieren. So unangenehm nun diese vereitelte Hoffnung mich berührt, so muß ich doch gestehen, daß ich eine solche patriotische Rücksicht nur als gerecht und billig anerkennen muß. Es wäre wohl zu wünschen, daß wir österreichischen Künstler uns einer gleichen aufmunternden Berücksichtigung im Vaterlande erfreuen könnten, und ein gleichmäßiges Verfahren wie dort gegen fremdländische Kunst einträte.

Ich sehe mich daher infolge dieser vereitelten Hoffnung außer Stand gesetzt, die oben erwähnte Steuer zu entrichten.

Ich erlaube mir indessen zu bemerken, daß der vaterländischen Kunst ein schöner Hoffnungsstrahl durch eine neuerliche Verfügung Sr. k. k. apost. Majestät leuchtend geworden ist. Der Monarch hat Allergnädigst für den Dombau in Speyer die namhafte Summe von 50000 fl. C.-M. zu spenden geruht. Dieser Beweis der Geneigtheit Seiner Majestät, die Kunst zu unterstützen, ist wohl geeignet, in uns die Hoffnung zu wecken, daß auch die vaterländische Kunst sich einer gleich huldvollen Berücksichtigung zu erfreuen haben werde. Sie bedarf deren nur allzu sehr, da es gewiß ist, daß sie nur in dem Sonnenscheine solcher Huld zur Blüte und Reife und zur Ehre des Vaterlandes selbst herangedeihen könne.

Sollten sich diese schönen Hoffnungen verwirklichen und der vaterländischen Kunst Ermunterung durch Aufträge von Kunstwerken zu monumentaler Bestimmung in Kirchen oder öffentlichen Gebäuden oder zum Privatbesitze Allerhöchster Personen oder Behörden zu Teil werden, so bin ich gern bereit, als Patriot meinem Wunsch zu entsprechen, von meinem Erwerbe zu den Staatskosten beizutragen und zwar in der Weise, daß ich mich verpflichte und eidlich gelobe, von dem Ertrage aller durch die Regierung oder hohe Behörden bei mir bestellten und angekauften Werke ein Prozent abzulassen; da ich mich, ungeachtet ich bereits das 62. Lebensjahr erreicht habe, noch in ungeschwächter geistiger und körperlicher Rüstigkeit fühle, noch sehr produktiv bin, und eine solche Anerkennung für vaterländische Kunst meine Begeisterung, Neues und Würdiges zu schaffen, zu höchster Potenz steigern würde, so dürfte in dem angegebenen Falle meine Steuerabgabe sich vielleicht jährlich auf 40-60 fl. C.-M. erheben können. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen aber, wo eben die vaterländische Kunst fast ganz ignoriert wird, sehe natürlich auch ich mich trotz meiner fortgesetzten Tätigkeit in meinem künstlerischen Erwerbe auf das äußerste beschränkt. Ich schäme mich nicht, dies offen zu gestehen, denn diese Verhältnisse wirken bedauerlich nicht auf mich allein, und ich habe daher ihr Bekanntgeben nicht zu scheuen. So besitze ich gegenwärtig als Resultat eines unermüdlichen aber unbelohnten Fleißes 34 seit mehreren Jahren von mir vollendete Gemälde, welche ich weder an Private, noch an den Kunstverein verkaufen konnte. Der Gehalt in meiner Anstellung als Custos der akademischen Galerie, 800 fl., ist sehr gering.

Ich habe nie um eine Erhöhung desselben nachgesucht und es stets mit der Würde eines wahren Künstlers unvereinbar gehalten, in dieser Beziehung mich um Protektion zu bewerben, und so geschah es denn auch, daß ich bei der Reorganisierung der Akademie, wo die Stellung vieler meiner Kollegen, welche sich weder um den Unterricht, noch um die vaterländische Kunst überhaupt so verdient gemacht haben, wie dies -- ich darf es ohne Anmaßung und Unbescheidenheit sagen -- bei mir der Fall gewesen, so berücksichtigt wurde, daß sie Gehalte von 2000 bis 3000 fl. beziehen, völlig ignoriert blieb, so daß die Akademie-Diener jetzt mit der Hälfte jenes Gehaltes (400 fl.) bedacht sind, den ich beziehe. Ich weiß mich übrigens zu bescheiden, und nach diesem beschränkten Einkommen mich einzurichten: Ich verstehe das Opfer zu bringen, mir Entbehrungen aufzuerlegen und früher gewohnten Bequemlichkeiten und Genüssen zu entsagen, um mich von Schulden frei zu halten und meiner Stellung als Staatsdiener keine Unehre zu machen. So habe ich in meiner Wohnung von drei Zimmern mich und meine Gattin auf ein einziges Zimmer beschränkt und vermiete die beiden andern. So habe ich in allen Zweigen meines Hauswesens die äußerste mit dem Anstand vereinbare Beschränkung eintreten lassen, um mit Ehren zu bestehen.

Mein geringes Ersparnis aus günstigeren Zeiten habe ich zur Etablierung eines kleinen Modisten-Geschäftes für meine Gattin verwendet, um ihre Zukunft möglichst zu sichern, um nach meinem Tode dem Staate nicht zur Last zu fallen. Ich habe mich zu dieser genauen Auseinandersetzung meiner ökonomischen Verhältnisse, über deren genaue, strenge Wahrheit jederzeit die vollständige Überzeugung verlangt werden kann, verpflichtet gehalten, um mein Unvermögen, mich mit einer Erwerbssteuer zu beteiligen, in das Licht zu setzen. Ich darf noch beifügen, daß ich aus wahrhaftem Patriotismus das für mich und meine gegenwärtige Lage wirklich schwere Opfer gebracht, mich mit 100 fl., in monatlichen Raten zahlbar, bei den National-Anleihen zu beteiligen, daß ich mich also recht gern bereit finden lassen würde, auch im übrigen als ein patriotischer Staatsbürger zu steuern, aber leider stellt sich aus dem oben Angeführten heraus, daß ich in meinen jetzigen Verhältnissen im allgemeinen, und speziell in bezug auf die Kunst keinen Erwerb besitze, der mir verstattete, mich auch nur zur geringsten Steuer verstehen zu können.

Mit Hochachtung Euer Hochlöblichen Steuer-Administration Ergebenster

Kunst und Staat

(Aus den nachgelassenen Schriften Waldmüllers)

Wenn die schönen Künste die edelsten Genüsse bieten, das Leben verschönern, dem Staate, wo sie heimisch sind und gepflegt werden, Wohlstand, Ruhm und Ehre geben, die Sitten veredeln, moralisch tief wirken, zu allen Großtaten, zum Patriotismus anfeuern, dann sollte kein Staat säumen, jene nötigen Kapitalien daranzuwenden, die solche Zinsen tragen. Er wird allen anderen Staaten vorangehen und mächtig sein. Die Kunst ist reich, sie spendet nach Jahrhunderten noch ihre Gaben der Nachkommenschaft. Mozart der Unvergleichliche, Originelle, immer noch Neue (denn wahre, echte Kunst altert nicht, sie ist kein Flitter, kein Tand) dient uns zu einem eben erlebten Beispiele. Wie auch nach ihm andere Meister in anderer Kunstrichtung Beifall ernten, er bleibt unvergessen, er verschafft durch seine ausgezeichneten Werke, durch die Aufführung derselben, jene Begeisterung für das Wahre in der Tonkunst, nämlich Wahrheit in der Idee, richtige Charakteristik, ohne erst durch Effekthascherei zu gefallen. Die Ausführung nur einiger seiner Werke verschafft Armen, Dürftigen augenblicklich Abhilfe, wenn ihnen der reiche Ertrag dieser Aufführung zugewendet wird. Er aber, der große Meister, hat für seine genialen Leistungen nicht im entferntesten solchen Lohn in seinem sorgenvollen Leben erhalten. ~Ehret die Toten, aber noch mehr die Lebendigen, erspart euch eine Beschämung für alle künftigen Zeiten!~ Man sieht ja deutlich, daß der österreichische Staat wie jeder andere, zu allen Zeiten Talente besessen hat und besitzt; er ist von der Natur nicht stiefmütterlich bedacht -- aber wie viele, die nicht zufällig ans Licht gelangten, sind untergegangen, weil man der Kunst den Rücken gewendet hat.

In gleicher Ausstattung und zum gleichen Preise wie dieses Bändchen sind im Delphin-Verlag München erschienen:

Spitzweg, Reime und Bilder

Mit 24 Bildern 60 Pfennig. 37. bis 56. Tausend

~Münchener Neueste Nachrichten~: „Ein gelbes Büchlein hält man in den Händen, auf dessen Einband Emil Preetorius Spitzwegs liebvertrautes Bild gezeichnet, zu dessen Eingang Hermann Uhde-Bernays des Malers Leben geschildert. Wie viel doch so ein Büchlein von einem großen Meister erzählen kann.“

Schwind, Briefe und Bilder

Herausgegeben von Georg Jakob Wolf

Mit 26 Bildern 60 Pfennig. 20. Tausend

Wie im malerischen Werk Schwinds Romantik und Realismus sich zu einem schönen Bündnis vereinen und das treuherzig deutsche Wesen des großen Fabulierers bewirken, so stehen diese beiden Elemente auch in den Briefen des Künstlers nebeneinander; Phantasie und Gegenständlichkeit, Schwärmerei und Alltag vertragen sich auch hier, weil eine starke eigenartige und ursprüngliche Persönlichkeit hinter ihnen steht. In den Bildern wie in den Briefen blinken die funkelnden Tautropfen der Märchenseeligkeit und des erdenfrohen Humors; eine feine Minnesängerstimmung tritt hinzu und bekundet sich in einem graziösen Pagentum gelegentlich Schwinds Briefen an Frauen.

Im gleichen Verlag sind noch folgende Spitzweg-Ausgaben erschienen:

Spitzweg

Der Altmeister Münchener Kunst

von Hermann Uhde-Bernays

Billige Ausgabe mit 155 Bildern

Ein stattlicher Quartband von 168 Seiten

11. bis 20. Tausend

In biegsamem Pappband M. 4.--, in hübschem Geschenkband M. 5.50

„Es war ein guter Einfall, das große Spitzwegwerk in einer wohlfeilen Ausgabe breiteren Massen zugänglich zu machen. Es gibt kein reizvolleres Bilderbuch für erwachsene Deutsche als diese Sammlung Spitzwegscher Idyllen. In über hundert Abbildungen erhält der Leser hier eine Vorstellung des Poeten Spitzweg, der mit Pinsel und Blei dichtete. Auch der Zeichner Spitzweg ist repräsentativ vertreten. Dies alles gibt, mit Uhde-Bernays’ bescheiden zurücktretendem Text, das liebenswürdigste Buch dieses Jahres. Es ist ein Buch voll tiefem, ungestörtem Frieden -- eben deshalb ist es uns jetzt besonders wert.“ (Vossische Zeitung.)

Carl Spitzweg

Des Meisters Leben und Werk

Seine Bedeutung in der Geschichte der Münchener Kunst von ~Hermann Uhde-Bernays~

Zweite vermehrte Auflage

Mit 200 meist ganzseitigen Abbildungen

In Biedermaierpappband 14 Mark, in Halblederband (nach Entwurf von Prof. Tiemann) 18 Mark, in biegsamem Ganzlederband 18 Mark.

Die große Ausgabe des Spitzwegbuches bietet gegenüber der kleinen Ausgabe nicht nur eine wesentliche Erweiterung des biographischen Teils, sondern sie enthält außerdem die köstlichen Briefe Spitzwegs, die in ihrer humoristischen Diktion wie Wiederholungen seiner Gemälde anmuten, ferner seine Gedichte und endlich ein von Spitzweg selbst angefertigtes Verzeichnis seiner Werke. Statt 155, wie die kleine, enthält die große Ausgabe ca. 200 meist ganzseitige Abbildungen. Darunter 8 Gravüren, 4 farbige Tafeln und zahlreiche Zeichnungen aus Studienmappen und Skizzenbüchern und die besten seiner Beiträge für die Fliegenden Blätter. Dem Freunde und Verehrer Carl Spitzwegs sei die große Ausgabe warm empfohlen.

Delphin-Verlag München

Zu Christianens 100. Todestag ist erschienen

Christiane von Goethe

Ein Beitrag zur Psychologie Goethes von Etta Federn

Mit 16 Bildertafeln

In Pappband M. 3.50, hübsch gebunden M. 5.--

Dieses Buch, das von Anfang an so viel Anklang gefunden hat, gehört in jedes Haus. Als Geschenkwerk ist es infolge seiner hübschen Ausstattung ganz besonders geeignet.

„.. Es ist ein Gewinn für alle Deutschen, daß endlich eine Frau nach guter deutscher Art sich der Vielverkannten angenommen und uns von dieser menschlich hervorragenden Gestalt eine umfassende, Hirn und Herz befriedigende Lebensschilderung vermittelt hat, darin auch der Geheimrat von Goethe als Gatte und Vater nicht weniger denn als Beamter und Dichter seine gottbestimmte Rolle mit allen Ehren spielt in guten und bösen Tagen.“ (M. G. Conrad in den „Münchener Neuesten Nachrichten“.)

Eben ist erschienen

Hermann Bahr, Expressionismus

Mit 19 Tafeln

Geheftet M. 3.--, in Halbpergament M. 4.50, Vorzugsausgabe (Nr. 1-60) auf Bütten in Ganzpergament M. 16.--

„Gestern fiel das neuerschienene Buch Hermann Bahrs mit obigem Titel in meine Hand. Ich habe das Buch nicht nur gelesen, sondern es ist mein Genosse an diesem Tage geworden, ein lachender Weggesell, der mir lichte Blicke zeigte, wo einst Dunkel gewesen. Manchen Umweg führte er zwar nach meiner Ansicht, dann aber erkannte ich, daß nur über Umwege der Weg zur Erkenntnis in diesen Dingen genommen werden kann. Nur das Banale trifft das einfache Wort auf den Kopf. Höhen wollen erklommen sein im Zickzack, nicht senkrecht hinauf.

Es steht viel von Goethe in diesem Buch und von Johannes Müller, dem Physiologen, aber nichts, was nicht jeder begreifen könnte, nichts, was nicht auf das Problem zuführte. Und nebenbei fallen Worte von solcher Schärfe der Prägung, Worte, die an den Puls unserer Zeit greifen, daß man wünschte, neben Bahr wandern zu dürfen und seiner täglichen Rede Zeuge zu sein.“

(_Dr._ Rob. Corwegh in „Leipziger Tagblatt“.)

Delphin-Verlag München