Part 33
Ein mit der Post von Paris gekommener Musen-Sohn war das Herrchen, welcher mir die Ehre zugedacht, in seiner Gesellschaft und auf gemeinschaftliche Kosten die Reise fortzusetzen, und jetzt unserer Zwei, wurde es auch leichter, einen von Mannheim gekommenen, und auf Retourfuhre wartenden Lohnkutscher zu gewinnen.
Wohl hat freudiger, wie ich, kein Deutscher die große Schiffbrücke über den Rhein bei Straßburg passirt, denn mit wonnigen Gefühlen betrat ich von Neuem Deutschlands Boden. Während die Zolloffizianten bei Kehl sich mit Visitiren meiner Effekten beschäftigten, und ich von einigen Kleinigkeiten Eingangszoll zu entrichten hatte, war mein Reisegefährte um so schneller expedirt, da er außer seinem noblen Anzuge nur noch ein kleines Päckchen bei sich führte, dessen Inhalt mir unbekannt, aber doch nichts Steuerbares enthielt.
Den 7. März, Nachts 1 Uhr, in Karlsruhe angekommen, wurde von da früh 9 Uhr die Reise fortgesetzt, und von mir, wegen vorgeschütztem Mangel kleinen Geldes, für meinen Musensohn die Zeche ausgelegt. -- Wie Letzterer erzählte, war er ein Schüler der Malerkunst, welcher im Begriffe stehe, in Frankfurt einen Onkel zu besuchen, sich da zu erholen, und frische Gelder zu erheben und in Dresden das Studium fortzusetzen; er war übrigens ein fideles Haus und ein guter Gesellschafter, welcher mir noch so Manches von dem Pariser Studentenleben mittheilte.
Abends 8 Uhr trafen wir in Mannheim ein und fanden im König von Portugal Unterkommen. Von hieraus wurde, um mich eines Auftrags zu entledigen, ein Abstecher nach Frankenthal nöthig, welches Geschäft einen Tag Zeit in Anspruch nahm, und meinen Reisegefährten bestimmte, um Jugendfreunde zu besuchen, auf der Eisenbahn nach Heidelberg zu fahren, morgen aber zu rechter Zeit zurückzuseyn, und auf dem Dampfschiffe wieder vereint mit mir, die Reise nach Mainz fortzusetzen.
Gegen den Beschluß war nichts einzuwenden; doch die Zumuthung, abermals die Zeche zu erlegen, machte mich bedenklich, als aber gar noch ein baares Anlehn kontrahirt werden sollte, wurde ich stutzig und nur als die Versicherung gegeben wurde, in Frankfurt sich der Pflicht pünktlich wieder zu entledigen, und man das Ehrenwort verpfändet hatte, gab ich theilweise nach, und machte wenigstens die Fahrt nach Heidelberg möglich.
Mir selbst wurde in Frankenthal ein herrlicher Genuß. Durch Briefe aus Amerika, von meinem Freund und Kollegen in der Kupferfabrik, brachte ich den Geschwistern und der Schwiegermutter Nachricht von dem Kinde, der lieben Tochter und dem Enkelchen. Außer sich vor Freude, wußte das Mütterchen nicht, wie sie ihre Dankbarkeit beweisen sollte, nöthigte zum Kaffee und ließ die Milch dabei überlaufen; invitirte zum Wein, und vergaß über alles Fragen, solchen zu holen, welches mir um so lieber war, da ich des Guten schon genug bei den Schwägern genossen, wo ich auch übernachten mußte. -- O! hättest Du ahnen, und jetzt sehen können, alter Freund, und ihr Alle, welche Gleiches zu thun willens sind, wie es für Eltern schmerzlich ist, wenn sie so weit von den Ihrigen getrennt, sie mehr als todt beweinen, diese Wunde nie verharrscht, und bei jeder Nachricht von Neuem aufgerissen um so schmerzlicher wird, gewiß, ihr würdet vor der Ausführung, von dem unglücklichen Gedanken, Vaterland, Eltern und Geschwister zu verlassen, geheilt.
Am Morgen des 9. dieses traf ich wieder in Mannheim ein doch der Maler war noch nicht zurück, und, wie zu vermuthen stand, der Philister um das Anlehn geprellt, wenn nicht während meines Aufenthalts in dem bestimmten Gasthause zu Frankfurt, das Ehrenwort eingelöst wurde.
Bei dem Bezahlen auf dem Dampfschiffe wurde der Hund als halber Passagier in Rechnung gestellt, welche Ausgabe mir weniger unangenehm war, als daß ich solchen beständig an der Leine führen mußte, da diese Bestie einem deutschen Kameraden etwas unsanft den Gruß erwiderte, welchen der Pinscher kneffend anzubringen versucht hatte.
Die unfreundliche Witterung ließ wenig von der Gegend genießen, ebenso wurde von der Bundesfestung Mainz, welche wir um 4 Uhr erreichten, wenig gesehen, da um 5 Uhr der Eisenbahnzug nach Frankfurt abging wo ich mit diesem um 6 Uhr eintraf.
Während der Fahrt, wo ich bei meinem Nachbar, einem Frankfurter, Erkundigung wegen Gelegenheit zur Weiterreise einzuziehen suchte, wurde mir eine Herberge, in welcher in der Regel die Lohnkutscher logiren sollten, und wo man auch sonst gut aufgehoben sey, empfohlen, welches mich bestimmte, daselbst einzukehren, und den vom Maler empfohlenen Gasthof nicht zu beziehen, sondern nur Letzterem wegen des verpfändeten Ehrenworts einen Besuch abzustatten.
Am andern Morgen stattete ich sogleich dem Amerikaner Herrn Bindernagel, welcher sich zur Zeit in Bornheim aufhielt und dessen Bekanntschaft ich schon in ~New-York~ gemacht, einen Besuch ab, indem ich Briefe überbrachte. Dieser begleitete mich nach Frankfurt, und auf das dasige Polizei-Bureau, um mir daselbst den Unterschied zwischen amerikanischer und deutscher Geschäftsbedienung zu zeigen, da hier die ärmern Reisenden oft Stundenlang auf Einlaß wegen ~Visa~ warten müßten, währenddem die Herren Beamten im geselligen Diskurs ihre Zeit auszufüllen suchten. -- Er selbst auf dem Bureau bekannt, geleitete mich durch eine Nebenthür in dasselbe, wo ich dieses leider bestätigt fand. Schnell wurde ich expedirt; um so zahlreicher aber standen die Reisenden vor dem Hause, harrten des Rufes zum Einlaß und übten sich in Geduld. Da schien es mir doch, als wenn Herr Bindernagel nicht ganz Unrecht hätte; er behauptete nämlich, daß nur in Amerika der Mensch überall als Mensch geachtet, und, gleich welchem Wirkungskreise er angehöre, bei jeder Behörde freien Zutritt und auf schnelle Bedienung Anspruch zu machen habe. Dem Amerikaner geht nichts über seine Zeit, und Wehe dem Angestellten, welcher gegen seinen Nächsten eine Geringschätzung blicken ließ, oder auf einem faulen Pferde gefunden würde.
Während Beseitigung dieser Geschäfte war der Hund dem Hausknecht zur Verwahrung übergeben worden, Letzterer solchem aber aus dem Gefängnisse entwischt, zu dessen Wiedererlangung die Nachmittagszeit verwendet werden mußte und dadurch versäumt wurde, in dem Absteigequartier des Malers zu hinterlassen, wo ich zu finden sey. -- Am nächsten Morgen hatte ich den Verdruß, zu erfahren, daß dieser mit dem gestern Abend eingetroffenen Eisenbahnzuge angekommen, der Studiosus kein Schurke, sondern eingedenk seines gegebenen Wortes gewesen sey, sogleich nach mir gefragt, beim Nichtauffinden meiner Person aber vermuthet habe, daß ich bei meiner Ankunft in Frankfurt die Stadt sogleich wieder verlassen und die Reise fortgesetzt habe. -- Die vermaledeiete Bestie, der Hund, war daher abermals Ursache des erlittenen Schadens, wenn der Schuldner die Generosität nicht so weit treiben sollte, mir einmal in Weimar die Ehre seines Besuches angedeihen zu lassen, was jedoch bis zur Zeit der Niederschreibung dieses noch nicht geschehen ist. Vielleicht kommen ihm diese Zeilen zu Gesicht und erinnern ihn an den alten Reisegefährten und sein gegebenes Wort.
Am Morgen des 10. März wurde von Frankfurt aus die Reise mit der von einer Privatgesellschaft errichteten Eilfuhrgelegenheit[65] fortgesetzt. Leider war aber hier Eile mit Weile gepaart, da bei jedem aus einem Haus herausschauenden Arme, Pferde und Menschen getränkt wurden, weshalb wir erst spät in Fulda ankamen. Statt aber unverweilt den Wagen zu wechseln, hielt der Herr Wirth für räthlicher, die Passagiere die zweite Hälfte der Nacht zu beherbergen und erst am Morgen die Tour fortzusetzen.
Das zweite Nachtquartier wurde in Eisenach gehalten, und der 13. März war der mir ewig unvergeßliche Tag, an welchem ich wieder in dem lieben Weimar eintraf und im Kreis meiner Familie von den Strapazen dieser Reise mich erholen konnte.
Die Erinnerung an all’ das mannigfaltig Erlebte auf dieser Reise bleibt zurück und gewiß viele der geehrten Leser hegen beim Schluß dieser Mittheilung den Wunsch, Gleiches, wie ich, erlebt zu haben, denn hier bewährt sich so recht das Sprichwort: „Wenn Jemand eine Reise thut, so kann er was erzählen.“ Nur muß ich bedauern, keinen bessern Vortrag zu haben und nochmals um gütige Entschuldigung bitten.
+Nachschrift.+
Daß mehrere der vorstehenden Briefe nur dem wesentlichsten Inhalt nach, kürzer gefaßt den Meinen zugeschickt wurden und Vieles erst, nachdem Erstere zum Druck bestimmt, aus meinem Tagebuch und andern Druckschriften, wie dieses die mit Gänsefüßchen („“) eingeschaltenen Sätze anzeigen, ergänzt worden ist, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Da es aber häufig der Fall ist, daß Leser eines Buches die Vorrede überschlagen, so erlaube ich mir noch die Schlußbemerkung: weniger streng über den schwerfälligen, nicht immer fließenden Styl zu urtheilen, da ich selbst nur zu bald beim Beginn dieser literarischen Arbeit die Bemerkung machen mußte, daß die den Tag über von technischen Geschäften angegriffenen und zerstreuten Gedanken, des Nachts dann die ungeübte Feder nicht immer dem Aufschwung des Geistes zu folgen vermochten, was mich bestimmte, das von mir Niedergeschriebene nochmals der Ueberarbeitung eines jungen Literaten zu unterwerfen. Leider war aber von diesem das Geschäft gegen die Tendenz der Vorrede und meinen Willen aufgefaßt worden, so daß nicht eine Ueberarbeitung, sondern eine förmliche Umarbeitung Statt fand, zu welcher ich den Namen nicht hergeben konnte, indem meine gereiftern Grundsätze sich nicht mit den Romanideen eines schwärmerischen Geistes einigen wollten, und sich auch dadurch mehrere Sinn entstellende Sätze eingeschlichen hatten. -- Um nun nicht abermals Zeit zu verlieren, so sah ich mich genöthigt, dabei auf die Nachsicht der geehrten Leser vertrauend, das Werkchen schmucklos so in die Welt zu schicken, wie es von mir geboren worden ist.
=Fr. Höhne.=
Druck der Albrecht’schen priv. Hof-Buchdruckerei.
+Bei dem Verleger dieser Reisebeschreibung sind folgende Werke erschienen+:
Die Erscheinungen der Elektrizität und des Magnetismus in ihrer Verbindung mit einander.
Nach den neuesten Entdeckungen im Gebiete des Elektro-Magnetismus und der Induktions-Elektrizität. Für Freunde der Naturwissenschaften und besonders für Aerzte ausführlich dargestellt von +~D.~ I. Eydam+. Mit 60 Abbildungen.
gr. 8. 1 Thlr. 26 Sgr. 3 Pf.
Unstreitig hat kein Theil der Naturwissenschaften einen so vielseitigen und lebhaften Anklang im Publikum gefunden, wie die wunderbaren Beziehungen zwischen Elektrizität und Magnetismus, welche unter dem Namen des Elektro-Magnetismus begriffen werden, besonders seitdem dieselben angefangen haben, eine Rolle in der Mechanik zu spielen und sich unter andern die Ansicht eröffnet hat, daß durch Einführung der elektro-magnetischen Treibkraft die durch den steigenden Preis des Brennmaterials immer kostspieliger werdende bisher gebräuchlichste Maschinenkraft, der Dampf, endlich verdrängt werden wird. Ich zweifle daher nicht, daß obige Schrift, die mit besonderer Rücksicht auf die technische Anwendung des Elektro-Magnetismus und der Magneto-Elektrizität sich über alle die interessanten Erscheinungen verbreitet, welche aus dem Conflikte der magnetischen Kraft mit der elektrischen hervorgehen und zugleich eine gründliche, dem neuesten Zustande der Wissenschaft angemessenen Darstellung der Lehre von der Elektrizität und dem Magnetismus, von dem Thermo-, Photo- und Rotations-Magnetismus, der Galvanoplastik, der elektrischen Telegraphie u. s. w. enthält, sich einer willkommenen Aufnahme zu erfreuen haben werde, zumal da der Verfasser seinen Gegenstand so auffaßte, daß nicht nur der gebildete Laie, sondern auch der Physiker vom Fache Befriedigung bei Aneignung der Schrift hoffen darf. Besonders werden auch Aerzte bei Lesung derselben Gelegenheit finden, sich über die Verhältnisse der medizinischen Anwendung der Elektrizität und des Magnetismus, so wie der elektro-magnetischen und magnetelektrischen Rotations-Apparate und deren Einrichtung, wie sie in neuester Zeit gebräuchlich worden sind, sich zu unterrichten. -- Indem wir im Uebrigen auf das dem Werke vorgedruckte reichhaltige Inhaltsverzeichniß verweisen, bemerken wir nur noch, daß bei der äußern Ausstattung desselben von uns nichts verabsäumt wurde, was zur Empfehlung desselben dienen kann.
Interessante civilrechtliche Entscheidungen der höchsten deutschen und andern Spruchbehörden. Gesammelt und herausgegeben von ~Dr.~ G. v. Hellfeld.
gr. 8. 1 Thlr.
Diese Sammlung wird kein Jurist unbefriedigt aus der Hand legen. Sie enthält keineswegs eine weitläufige juristische Polemik, sondern immer nur den Kern von 25 Entscheidungen auf 14 Bogen und unter diesen besonders folgende: über ~actio in factum de syndicatu~ gegen Richter und Kollegien aus nachlässigem Handeln, oder Unterlassen; -- über den Beweis der ~condictio indebiti~ nach dem Sinne und Geiste der ~C. 25. D. de probationibus~; -- über Erbvertrag, Umfang des deutschrechtlichen ~mundii~; -- über Erbschaftsklage und Specifikation bei Universal- und Singular-Klagen; -- über Suppletoria, Dos und Paraphernal-Vermögen; -- über Perception industrieller Früchte durch den Usufruktuar; -- über Miethvertrag, Einrede des nicht erfüllten Kontrakts und Ehescheidung wegen Haß; -- über Privation wegen Ehebruches; -- ~Juramentum novorum~; -- über der Rechtskraft nicht unterliegende Dekrete, Extrajudicial-Appellation und deren Eigenthümlichkeit; über devolutive und nicht devolutive Rechtsmittel; -- über Zulässigkeit der Geschäftsführer zum Zeugenbeweis und über die Nachtheile der Zuvielforderung, nebst Register zum leichteren Gebrauche etc.
+Die+ innern Hals- und Brust-Krankheiten der Kinder.
Dargestellt von Aug. Höcker. Fol. Tabellen-Format 1 Thlr. 20 Sgr.
Wir machen bei Anzeige dieses Werks, des dem ärztlichen Publikum bereits durch seine in unserm Verlage erschienene und mit allgemeinem Beifalle aufgenommene Schrift: +Die Geschäftsführung der Staatsarznei-Wissenschaft+ etc. rühmlichst bekannten Herrn Verfassers, besonders auf das leicht Uebersichtliche der Tabellenform aufmerksam, in welcher dasselbe bearbeitet ist. Nach dem uns zugekommenen Urtheile Sachkundiger sind die einzelnen in dasselbe aufgenommenen Krankheitsformen, selbst in ihren individuellen Verhältnissen mit seltener Sorgfalt und der genauesten Sachkenntniß dargestellt und mit Hervorhebung der charakteristischen Merkmale, durch welche sie sich von einander unterscheiden, so neben einander gereihet, daß die bei den Krankheiten der Kinder so äußerst schwierige Kunst der Diagnose auf das Wesentlichste erleichtert wird. Wir glauben deshalb die Schrift, die eine fühlbare Lücke in der medizinischen Literatur ausfüllt, als eine Bereicherung derselben den Herren Aerzten mit Recht empfehlen zu können.
Fußnoten:
[1] Bei Weimar.
[2] Bei Erfurt.
[3] Hinter Erfurt.
[4] Bei Gotha.
[5] Nachdem ich fest entschlossen war, die Reise nach Amerika ohne Familie zu unternehmen, so war dabei sogleich festgestellt, mich nur auf die allernothwendigsten Ausgaben zu beschränken, um in pekuniärer Hinsicht so wenig als möglich zu opfern und dabei zu beweisen, daß der Mensch alles kann, wenn der gute Wille nicht fehlt. Ich theilte daher sogleich vom Anfang der Reise an, die Lebensweise meiner, zum Theil armen Gefährten, unter denen sich einige befanden, deren weniges Vermögen mir zur Bestreitung der Reisekosten anvertraut worden war; schlief mit ihnen auf der Streu, lebte eben so dürftig wie sie, aß Mittags nie warm, sondern erst Abends, in Gemeinschaft der ganzen Gesellschaft. Hierdurch wurde es möglich, daß erwachsene Personen täglich mit 6 gr. ~Cour.~ auslangten, und daß Familien ~pro~ Kopf 4 gr. ~Cour.~ bedurften. Als Fracht für den Zentner Effekten wurde von Weimar bis Bremen 1 thlr. 6 gr. berechnet, und um bei gutem Wege fahren zu können, zahlten außerdem die Erwachsenen 2 thlr. ~pro~ Kopf, Kinder die Hälfte.
[6] Bis weit vor die Stadt schicken die Herren Wirthe, welche Auswanderer beherbergen, diese Makler entgegen, wovon Jeder die billigste Bewirthung und das solideste Haus offerirt. Die Wahrheit solcher Anweisungen lernt man erst während des Aufenthalts kennen. Ich kann aber Auswanderern, welche ein billiges Unterkommen suchen und keine großen Ansprüche machen, den Schneidermeister Achelpohl empfehlen, wo man gut aufgehoben ist.
[7] Für Kost und Logis mit einem Bett ~à~ Person 10 gr. ~Cour.~ täglich. Bei gemeinschaftlichen Schlafen auf der Streue im großen Saale, 8 gr. ~Cour.~
[8] Friedr. Jos. Schlevogt aus Oettern bei Weimar, lebt jetzt glücklich in Baltimore und ist Besitzer einer Basket-Faktory (Korbmacherei).
[9] Einige Schiffskapitäne, an welche ich mich wegen Akkordirung zur Seereise wendete, versicherten, daß sie zur Zeit (ob dieses immer der Fall ist, weiß ich nicht, da ich das Gegentheil gehört habe) streng angewiesen wären, ohne Vorwissen der Herren Schiffsmakler, keine Zwischendeckpassagiere aufzunehmen, dieses sei jedoch nicht der Fall mit den Kajütenpassagieren.
[10] Wichelhausen.
[11] Der Grot hat 4 pf., 72 Groten werden auf einen Bremer Thaler gerechnet.
[12] Wichelhausen.
[13] Wie mir später versichert wurde, soll es wirklich gesetzlich seyn daß derjenige, welcher Auswanderer zu einem Makler bringt, für jede Person 1 Gulden in Gold als Douçeur erhält. Herr ~W.~ suchte zwar dieses zu widerlegen, als ich, Bezug darauf nehmend, um Ermäßigung des Fahrgeldes für eine unserer armen Familien bat, ließ sich dennoch aber bestimmen, statt 35 nur 30 Thaler für den Säugling anzunehmen.
[14] Wie dem gegebenen Versprechen nachgekommen war, sieht man im Lauf meiner Erzählung. Es ist daher räthlich, den Kontrakt gerichtlich zu machen, und zwar um so mehr, wenn derselbe für mehre Personen lautet. Darin ist genau zu bestimmen, was vor und während der Reise dem Passagier zu gewähren sei, und im Fall, daß die gegebene Zusage nicht gehalten würde, auf Kosten des Herrn Schiffsmaklers, in Amerika das Weitere gerichtlich verfolgen zu können.
[15] Gebot auch die Vernunft, den gewünschten Vorschuß nicht zu leisten, weil, wie ich mehrfach gehört und gelesen, im freien Amerika sich selten einer noch verpflichtet hält, überseeisch gemachte Versprechungen zu erfüllen, so folgte ich dennoch dem Drange meines Herzens und gab das Erbetene, ohne mehr als das Wort zum Unterpfand zu verlangen. Wie schändlich ich dafür belohnt worden bin, zeigt der Gang meiner Erzählung.
[16] Wichelhausen.
[17] Dieses Alles fanden wir in Bremerhaven bestätigt, wo Niemand nach einem Reisepaß oder sonstiger Legitimation fragte. Die Passagiere wurden beim Abgang des Schiffes nicht in dasselbe hinein gezählt und Keinem Quittung über gezahltes Fahrgeld abverlangt und so hatte jeder Vagabund die schönste Gelegenheit, unerkannt den Rächerhänden der Justiz zu entschlüpfen. Zwei sich auf dem Schiffe ohne Vorwissen der Makler und des Kapitäns eingeschlichene Individuen wurden von uns selbst, da sie sich unpolitischer Weise verriethen, dem Gericht übergeben.
[18] Vor Allem sind zu einer Seereise nöthig: blecherne Eß-, Trink- und Nachtgeschirre, worunter sich ein Schaffen befinden muß. Eine mit Seegras oder Stroh ausgestopfte Matratze nebst Kopfkissen und wollener Decke, welche letztere von Hause aus mitzunehmen ist, um sie auf der Landreise bis Bremen benutzen zu können. Ein Korb mit weißem Schiffszwieback, einige Pfund Waizenmehl, worin Eier sich gut aufbewahren lassen, etwas Butter, Schweizerkäse, oder einen geräucherten Schinken, auch Wurst vertritt die Stelle; Pfeffer, Salz, Kaffee, Zucker, Wein und Essig leisten ebenfalls während der Seereise gute Dienste. Sollte auch von den besonders angeschafften Lebensmitteln bei der Ankunft in Amerika noch Etwas übrig seyn, so wird dieser Rest dem Passagier trefflich zu statten kommen und dieses ist um so mehr der Fall, wenn man sogleich eine Privatwohnung bezieht, woran es nie mangelt, und sich nicht den Uebertheuerungen der Wirthe aussetzt.
[19] Wichelhausen.
[20] Eine Familie mit erwachsenen Töchtern sollte nie die Ausgabe scheuen, diese Schiedbleichen der Schlafstellen ganz zuschlagen zu lassen, wozu in Ermangelung von Bretern, Tisch- oder Betttücher verwendet werden können. Eben so rathsam ist es, den Breterboden der obern Schlafstellen mit einem Tuche zu überziehen, wo dann zwischen den Fugen dieses Bodens kein Schmutz auf die darunter Liegenden fallen kann.
[21] Warum nur Anfangsbuchstaben? Eine Reisebeschreibung hat natürlich weit mehr Glaubwürdigkeit, wenn die Namen ausgeschrieben sind; aus diesem Grunde habe ich schon vorher den Namen Wichelhausen zur öffentlichen Kunde gebracht und nenne nunmehr auch den Namen Ulrich, als dessen Agenten in Bremerhaven, und zwar auf Veranlassung folgender Umstände: Ein hiesiger Partikulier hatte Auszüge aus Höhne’s Reisebriefen und zwar gerade diese empörende Behandlung der Auswanderer an den „allgem. Anzeiger d. D.“ nach Gotha gesendet, wo sie =1840= in No. =71= und =73= abgedruckt stehen. Der Herausgeber der Dorfzeitung fand sich bewogen, bezüglich dieser Auszüge folgende Notiz in der Dorfzeitung =1840= No. =51= erscheinen zu lassen:
„Der Allg. Anzeiger enthält Abscheu erregende Mittheilungen über die Schiffe, auf welchen die armen deutschen Auswanderer nach Amerika überfahren und von den Betrügereien vor, während und nach der Ueberfahrt. Warum werden aber solche Bursche in Bremen wie W. und ihre Agenten blos mit den Anfangsbuchstaben bezeichnet, warum brandmarkt man solche Seelenkäufer nicht öffentlich? Sind die meisten Auswanderer nicht ohnehin unglücklich genug, daß man sie noch solchen Blutsaugern in die schmutzigen Hände giebt?“
Hierauf erschien nun in dem Allg. Anzeiger No. 84 desselben Jahres folgende
+=Erklärung.=+
„Eine in der Dorfzeitung vom 16. März erschienene Anzeige, welche, mit Bezugnahme auf einen Aufsatz in dem Allg. Anzeiger, einen Bremer Schiffsexpedienten, bezeichnet mit dem Buchstaben W., betrifft, zwingt mich zu der Erklärung, daß ich demjenigen die Summe von +tausend Gulden+ sofort auszahlen lassen werde, welcher mich überführen kann, mich auf eine so empörende Weise, wie dort geschildert wird oder überhaupt nur auf eine unrechtliche Weise gegen die von mir expedirten Auswanderer benommen zu haben.“
„Mein Charakter, welcher, wie ich mir schmeicheln darf, in ganz Deutschland allgemein als rechtlich und ehrliebend anerkannt ist, sollte mich freilich gegen alle Angriffe dieser Art schützen, allein Mißverständnissen ist in einem solchen Falle nicht vorzubeugen und es handelt der Einsender jenes Aufsatzes sehr unrecht, wenn er den Namen desjenigen verschweigt, welcher die Unbilde begangen, indem er dadurch den Zweck verfehlt, welchen er durch seine Bekanntmachung zu erreichen beabsichtigte.“ +Bremen+ den 19. März 1840.
Fried. Jac. Wichelhausen
Ohne an dem rechtlichen Charakter des Herrn Wichelhausen zu zweifeln, so sind die angeregten Unbilden wenigstens durch sein Komptoir begangen worden, möglich ohne sein Vorwissen, allein der Chef des Komptoirs bleibt immer dafür verantwortlich. Unverantwortlich bleibt der Umstand, daß man das Fahrgeld, welches man mit seinem Agenten besprochen und gewissermaßen accordirt hatte, in Bremen erhöhete; unverantwortlich, daß man 208 Auswanderern die accordirte Schiffskost vorenthielt, welche erst dann erfolgte, als man gerichtliche Hülfe suchte und daß wahrscheinlich Herr Ulrich 277 [*Gulden] für achttägige nicht gelieferte Schiffskost in die Tasche steckte.
Der Zweck, den man übrigens durch den Abdruck dieser Briefe in den Anzeiger beabsichtigte, wurde vollkommen erreicht, durch die bald darauf erfolgte obrigkeitliche Bekanntmachung des Bremer Senats, nach welcher dergleichen überseeische Seelentransportirungen unter eine sehr vernünftige Aufsicht gestellt wurden.
=W. H.=