Wahn und Ueberzeugung Reise des Kupferschmiede-Meisters Friedrich Höhne in Weimar über Bremen nach Nordamerika und Texas in den Jahren 1839, 1840 und 1841.

Part 25

Chapter 253,448 wordsPublic domain

„Wenn ein Farmer, ein Landmann, einer gesegneten Erndte entgegensieht, wenn ihm nichts fehlt, als Hände, sie hereinzuschaffen, diese Hände aber Geld haben, und leben wollen, sein Kapital aber zu Ende ist, und er die Gaben Gottes verfaulen sehen muß, wie muß ihn dieses betrüben und wie nachtheilig ist es für das Ganze. Kann er nun aber zu einer solchen Bank gehen, die ihn kennt, welche weiß, daß er zahlungsfähig ist, sobald er geerndtet und verkauft hat, und ihm etwas Geld vorschießt; ist das nicht lobenswerth? Auch wenn Einwanderer etwas Geld mitbrachten und wollten sich dafür ein Grundeigenthum kaufen, so konnten sie immer, wenn sonst der Platz gut, und der Verbesserung fähig war, zwei Drittheile darauf geliehen bekommen. Die Banken kündigten nicht leicht das Kapital auf, wenn sonst die Zinsen richtig bezahlt wurden, und konnten sie nach und nach davon abtragen, bis sie ihr Gut frei hatten, welches leider aber jetzt Alles gestört ist.

„Diese Banken nun sind durch alle Theile und Staaten unseres ausgedehnten Landes verbreitet und es sind deren besonders viele in neuerer Zeit durch den Umsturz der Hauptbank unseres Landes entstanden, vielleicht mehr, als das Bedürfniß erfordert; doch sie sind einmal da, gesetzlich durch unsere Regierungen erlaubt und von Bürgern gegründet, von Bürgern gleich uns, und ist es nun nicht himmelschreiend, wenn einzelne Menschen, ja leider Deutsche zum Theil selbst, ihre Landsleute mit Vorurtheilen, Verdrehungen, ja sogar den gröbsten Lügen gegen ihre Mitbürger erfüllen, und „Krieg gegen die Banken“! „Krieg gegen die Geld-Aristokraten“ -- Etwas, was sie selbst nicht einmal verstehen -- zu ihrem Feldgeschrei machen, und Bürger gegen Bürger aufhetzen? Können diese Vaterlandsfreunde, können diese gute Menschen seyn? -- Kehren wir wieder zu den Banken zurück. Diese kleineren Banken sind geeignet, den Verkehr im Innern zu beleben, aber auf das Ausland können sie nicht wirken, da sie zu unbedeutend sind. Selbst in unserm eigenen Lande nimmt man die Noten oder Wechsel entfernter Banken, die man nicht kennt, welche aber vielleicht in ihrer Gegend recht gut und sicher seyn mögen, entweder gar nicht oder mit großem Verluste, und dieses ist das Uebel, woran wir jetzt leiden.“

„Die größern Städte dieses Landes, wie ~New-York~, ~Philadelphia~, ~Baltimore~ etc. sind gleichsam wie unsere Meßorte in Deutschland zu betrachten. Die Kaufleute des Innern pflegen alle Frühling und Herbst diese Orte zu besuchen, um ihren Bedarf an Fabrik- oder Manufaktur-Waaren für ein halbes oder ein ganzes Jahr hier einzukaufen, entweder gegen baar, oder gegen Kredit, und ihre zuvor gemachten Schulden zu bezahlen; hierzu sind sie aber jetzt außer Stand gesetzt. Gold und Silber ist nun einmal so viel nicht da, und kein Präsident und keine Regierung kann uns dieses verschaffen, wie wir gesehen haben; auch würde es den hundertsten Theil nicht ausreichen, den Handel und Verkehr im Großen zu beleben. Das Wenige, was da ist, hält das allgemeine Mißtrauen zurück, jedoch wird es alsobald wieder in Umlauf kommen, so wie das Vertrauen wieder hergestellt, und wir wieder eine, von der Regierung unabhängige Hauptbank haben, nämlich wie unsere vorige war; Verbesserungen, wie sie Zeit und Erfahrung an die Hand gegeben, mit zugerechnet, welche Kapital und Kredit genug besaß, um den Handel und Wandel im Großen zu unterstützen, deren Papiere nicht allein im ganzen Lande, sondern sogar im Auslande sehr gern genommen und überall so hoch und höher noch als Silber standen. Hatten nun die Kaufleute hier oder an andern Orten etwas zu zahlen, so konnten sie immer Noten dieser Bank gegen diejenigen ihrer Gegend einwechseln, und überall damit auskommen; jetzt aber ist ihnen der Weg versperrt, und sie kommen lieber gar nicht, ehe sie 25 pCt. und darüber an ihrem Gelde verlieren. Sie haben Mangel an Waaren, und ihr Geld liegt nutzlos und wir haben Ueberfluß an Waaren, und Mangel an Geld, und können uns doch einander nicht helfen. Ist dieses eine gute Zeit zu nennen? Wollen wir noch weiter hineinrennen, oder haben wir an der Probe genug?“

„Als wir mehrere Jahre hintereinander Mißwachs und Theuerung hatten, hätten wir verhungern müssen, wenn der Handelsstand uns nicht aus entfernten Ländern Früchte und Lebensmittel zugeführt hätte; diese müssen nun aber bezahlt werden, wenn man ehrlich bleiben will. Hätten wir nun unsere Hauptbank noch gehabt, so konnten wir dieses mit Wechseln bezahlen, bis wir Gelegenheit fanden, wiederum von unsern Produkten auszuführen und diese Wechsel damit einzulösen; jetzt aber muß dieses Alles in Gold und Silber geschehen, denn unsere kleinen Noten, denen wir selbst nicht trauen, werden sie im Auslande nicht nehmen. Und nun frage man noch, warum Gold und Silber rar wird? Es wird und muß noch rarer werden, je länger wir einer Parthei anhängen, die uns leider nur schon zu lange irre geleitet hat etc.“

Ich selbst muß gestehen, daß dieser Aufsatz, welchen ich um der Kürze willen nur zur Hälfte wiedergegeben, mich mit den Banken ausgesöhnt, und für eine allgemeine, von sämmtlichen Staaten garantirte Nationalbank umgestimmt hatte. -- „Wo ist aber die Garantie?“ rufen die Gegner aus: „Was wollen die sämmtlich bankerottirten Staaten noch verpfänden?“ und, fahren sie fort: „daß eine Nationalbank, ebenso wie die jetzigen kleinen Banken, ihre sittenverderbende Macht zum Nachtheil des Volkes ausüben wird, und schon während ihres Bestehens ausgeübt hat, legt klar die Geschichte dieses Landes vor Augen und entdeckt ein Blick in den Gang und die Wirkungen des Banksystems. Aus unwiderlegbaren Thatsachen wissen wir, daß gerade der Handel der Verein. Staaten am schwankendsten gewesen ist, und die Zeiten am schlechtesten waren, als die Banken in voller Thätigkeit wirkten und mit Papier über Papier das Land überschwemmt wurde. Die Geschäfte gingen zwar, und Mancher verdiente viel. Aber was? Papier, und damit konnte er sich nur eine papierene Glückseligkeit verschaffen. Auf eine künstliche Höhe wurde Alles geschraubt, in unverhältnißmäßigen Preisen wurden alle Dinge verkauft, im Schwindel war die Sache begonnen, im Schwindel wurde sie fortgeführt und endlich bekam Alles den Schwindel und stürzte zusammen. Den Papiermühlen fehlte das Wasser und es war ihnen unmöglich, mehr Geld zu fabriziren; die Kaufleute hatten noch einige Lumpen in der Tasche und schauten mit sehnsuchtsvollen und schmachtenden Blicken nach Großbritannien, wo die Früchte ihrer Bemühungen und ihr Geld gefressen wurden; nur die Eingeweihten und Getauften der Bank blieben ruhig, schnitten zwar ein bitteres Gesicht mit, setzten aber im Stillen ihr Werk fort und dachten: wir angeln den großen Fisch als unsern Braten doch noch. So erging es schon oft unserm Lande und so wird es ihm noch oft ergehen, wenn das Bank- oder Kredit-System noch länger fortgelten sollte, bis endlich die ~Whigs~ ihre Absichten erreicht, die Oberhand gewonnen und die Masse des Volkes zu ihren Arbeitern und Knechten erniedrigt haben.“

„Die ~Whigs~ sagen uns zwar, ohne Banken könne dieses Land nicht bestehen, das Papiergeld sey zum Betreiben und Aufblühen des Handels nothwendig und befördere auf diese Art den allgemeinen Wohlstand; denn wenn Handel und Gewerbe im Aufblühen seyen, so verdiene auch der Handwerker und Arbeiter und könne sich desto leichter etwas erwerben und ein bequemes Leben verschaffen. Wenn man dieses so oberflächlich anhört, so glaubt man Anfangs, es verhalte sich allerdings so, und wird beinahe geneigt, den Banken zu huldigen. Spürt man aber dem Dinge weiter nach, so findet man, daß allerdings die Banken den großen Fabrikherren und großen Handelshäusern dienlich seyn können, daß aber auch bald die großen Fabrikherren die kleinen, die großen Handelshäuser die kleinen auffressen, und der Handwerker und Arbeiter nichts anders wird, als ein Sklave, eine bemitleidenswürdige, traurige Kreatur dieser harten Geld-Seelen, daß diese Geld-Aristokraten sie in ihren Klauen halten, und ihnen nur so viel geben, als sie bedürfen, um nicht zu verhungern etc.“

Eine andere Zeitschrift, welche diesen ernsthaften Gegenstand bespricht, zieht ihn ins Lächerliche, und bringt unter der Ueberschrift: „Schönheiten des Bankwesens“ Folgendes zur Kenntniß des Publikums:

„In der Stadt ~New-York~ hat sich unter dem allgemeinen Bankgesetze auch eine „~City-Trust-~ und ~Banking-Company~“ gebildet, die zufolge der bestehenden Bankschwindelei-Gesetze in zwölf Monaten zahlbare Postnoten ausgiebt und dieselben namentlich im Lande zahlreich auszubreiten sucht. Hinter den Worten „~promise to pay~“ steht mit ganz niedlichen, für bedachtlose Augen unsichtbaren Buchstaben: „~12 months after date~.“ Die Geschichte dieser Bank wird so erzählt: Die ~City-Trust-~ und ~Banking-Company~ deponirte anfänglich für 2000 Dollars ~Arkansas State-Stocks~ und erhielt dafür vom Kontroleur 1200 Dollar-Noten. Jetzt ging das Bankgeschäft los. Zuerst wurde für 22 Dollars eine Kiste gekauft, wofür sie die 22 Dollars in Postnoten zahlte. Der Koffermacher wußte sich davon 20 Dollars vom Halse zu schaffen und verlangte für die übrigen zwei Dollars courantes Geld, was die Kompagnie verweigerte. Dann wurde ein ehrbarer Tischler angenommen, um das Bankzimmer einzurichten. Er that es, konnte aber seine Bezahlung nicht eher erhalten, als bis er die Kompagnie durchzuprügeln drohte. Jetzt fing man an Deposit-Certifikate auszugeben, die Herr ~Ackermann~, ein Halbbruder des Kompagnie-Präsidenten ~Munson~, fleißig unterzeichnete; und hie und da gingen nun die Postnoten ins Land, um Produkte damit einzukaufen. Dies erreicht, machte sich Präsident ~Munson~ rückenfrei, dankte ab und gründete ein anderes liebes Bank-Institut, die „~North-Amerikan-Banking Co.~“ -- Diese neue Bank befindet sich eine Treppe hoch über der ~Trust-Co.~, doch wollte der Maler das ausgefertigte Schild nicht ausliefern, wenn er nicht vorher bezahlt werde. -- ~Sail ho!~“

~Sylvester’s Reporter~ und ~Counterfeit Dotektor~, machten eine Liste von 152 Banken bekannt, welche gebrochen waren. Der Betrag der zirkulirenden Noten dieser Banken betrug in der Durchschnittssumme für jede Bank 250,000 Dollars, zusammen also die ungeheure Summe von achtunddreißig Millionen Dollars, „welche sich nun nutzlos in den Händen des Volks befinden.“

Wiederum ein anderes Blatt bemerkt:

„Um betrügerisches Bankwesen zu hindern, hat die Gesetzgebung von ~Mississippi~ verordnet, daß alle diejenigen, welche von Banken borgten, dieselben mit ihren Noten abbezahlen können, gleichviel ob diese Noten noch einigen Werth haben oder nicht. Es ist dies ein sehr zweckmäßiger und durchgreifender Schritt, um die Pflanzer ~Mississippi’s~ aus den Händen der Bank-Spekulanten zu retten. Man gab so viele Noten aus, daß an Wiedereinlösung derselben nicht zu denken war. Kurz darauf brachen die meisten Banken, oder ihre Noten fielen mehr als die Hälfte im Preise; dennoch blieben die Zahlverbindlichkeiten der Schuldner an die Banken unvermindert, und es ist daher bloße Gerechtigkeit, daß diejenigen, welche eine betrügerische Masse Noten für voll ausgeben, dieselben für voll wieder zurücknehmen. Hier reduzirt sich also der ausposaunte Reichthum auf dem einfach natürlichen Wege zu seiner wahren Substanz. Wenn der verschuldete Pflanzer vor seinen Bankgläubiger tritt und ihm die schönen Bilderchen zurückgiebt, so kann er sagen: Du hast mir für 50,000 Dollars Nichts geborgt, hier hast du für 50,000 Dollars nichts wieder. Das Beste ist, alle diese Wische ins Feuer zu werfen.“

Doch damit nicht diesem Briefe ein Gleiches wiederfahre, da ich zu lange schon bei einem Gegenstande verweilte, welchen ich aber dem Auswanderungslustigen nicht vorenthalten durfte, damit solcher sehe, welche papierne Glückseligkeit seiner warte, so gehe ich zu meiner eigenen Angelegenheit im nächsten Schreiben über, und werde, wie es die Gelegenheit giebt, Landesverhältnisse einzuflechten suchen.

Zweiundvierzigster Brief.

Fortsetzung.

(+Hausbau+.)

Im Dezember 1840.

Nachdem der Brennapparat bis auf die nöthigen Dampf- und Wasserleitungs-Röhren angefertigt war, wünschte ich zu erfahren, in welcher Brennerei er aufgestellt und erprobt werden solle, worauf mir die Kunde wurde, daß ~Mr. Benson~ im Blumthal (einer Vorstadt ~New-Yorks~), ein Haus dazu gemiethet habe. Auf mein Bemerken, daß dieses nicht hinreichend sey und es rathsamer wäre, diese Probe in einer im Betriebe seyenden Branntweinbrennerei vorzunehmen, da dieses viel weniger Kosten verursache, indem das fertige Maischgut dazu benutzt werden könne, wurde mir erwidert, daß hier von Geldersparen keine Rede sey, und man nicht wünsche, daß außer den betheiligten Personen ein Anderer die Nase in das projektirte Unternehmen stecken solle. Ich möge daher nur Alles zum Brennerei-Betriebe Nöthige ordnen, das Gebäude dazu umschaffen, Fässer, Kübel und Bottiche ankaufen und jedes Mal am Ende der Woche in Rechnung bringen und das weiter nöthige Geld in Empfang nehmen.

Herr, Dein Wille geschehe! dachte ich. Jetzt war ich ganz in meiner Sphäre, und da keine Kosten gescheut wurden, so wurde Alles auf das Beste und Bequemste nach meiner Angabe eingerichtet. -- Daß es hierbei nicht ganz ohne Aerger abgehen konnte, läßt sich denken. Da mir Alles allein übergeben war, so war meine Gegenwart überall nöthig und bei mangelnder Fertigkeit der Sprache konnte ich mich oft nur undeutlich expliziren, wurde daher mitunter falsch verstanden und mußte, wenn ich den Maurern am Abend ihre nichtsnutzige Arbeit wieder zusammengetreten, oft den andern Morgen selbst mit Hand an das Werk legen und ihnen so die Sache begreiflich zu machen suchen.

Hier wurde mir auch die Ueberzeugung, daß die Maurer in Amerika, wie bei uns, wenn Arbeiten nicht verakkordirt worden sind, sich dabei nicht übernehmen; und findet auch hier die Sitte nicht Statt, während der Arbeit zu rauchen, weshalb der nasse Schwamm überflüssig wird, so erfordert doch das Wechseln der Bremen und das Ausfüttern der Backen mit Taback, seine gehörige Zeit, und es ist hier wie dort: Wurst wie Schale. --

Dagegen sieht man staunend, was der Mensch vermag, wenn er muß.

Zwei Häuser unter unserer Brennerei wurde ein nicht mehr zum Geschäft benutztes Zuckersiederei-Gebäude abgetragen, um auf dieser Stelle ein großes Wohnhaus aufzubauen. Schon die Art und Weise des Einreißens war mir neu. Nicht bedächtig, wie bei uns, wurden Sparren, Balken und Bleichen eingenommen und zum weitern Gebrauche einstweilen bei Seite gesetzt; sondern dieses große Gebäude wurde für vogelfrei erklärt, so daß mit einem Male eine Masse Menschen darüber herstürzten, und binnen kurzer Zeit nichts mehr vom Holzwerke zu sehen war. Mit wahrer Verwegenheit riskirte man dabei das Leben, denn während die Umfassungsbleichen herabgeworfen wurden, suchte unten Einer dem Andern die Stücke zu entreißen.

Auf meine geäußerte Verwunderung, daß man dieses Holz so Preis gebe, wurde mir gesagt, daß das Wegreißen und Wegschaffen des alten Bau-Materials durch bezahlte Leute mehr Arbeitslohn betragen würde, als die Sachen selbst werth seyen, daher man, um sich dieser Ausgabe zu entledigen, zwei Wege wähle, entweder man brenne so eine alte Holz-Baracke, welche einem steinernen Hause Platz machen solle, nieder, oder gebe, wie ich eben jetzt gesehen, das Gebäude zum allgemeinen Besten. Das Erstere gewähre noch den Vortheil, daß man aus der Brand-Assekuranz ein Sümmchen zu heben habe, und deshalb die täglichen Feuerunglücke, oder besser Glücksfälle, da die Sachen in verschiedenen Anstalten hoch genug versichert seyen, entständen. -- Eine nachahmungswürdige Sache!

Die Gelegenheit, einen solchen Neubau ganz von vorn herein entstehen zu sehen, kam mir recht zu Passe, und jede Stunde, welche ich bei meinen Leuten abkommen konnte, ward benutzt, mich mit der amerikanischen Manier zum Bauen bekannt zu machen.

Wie das Niederreißen, ebenso waren die Erdarbeiten von den unsrigen verschieden. Keine Schuttkarre, durch Menschen gefahren, kömmt in Anwendung, um damit das Erdreich aus der Vertiefung auf einen Haufen zu fahren, und da fest getreten, solches von Neuem aufzuhacken und zum weitern Transport auf Wagen zu laden, welche, wie bei uns, mit 1½ Bret versehen, sich besser zu Stein- als zu Schutt-Fuhren eignen, sondern man bedient sich hierzu zweckmäßiger, einspänniger zweirädriger Karren, welche rund herum gut verwahrt, das bestimmte Quantum aufnehmen müssen und solches, ohne halb auf der Straße zu verlieren, sicher auf den bestimmten Platz befördern. Die Fuhrleute, welche selbst für die nöthigen Gehülfen zum Aufladen zu sorgen haben, fahren sogleich auf den zum Ausgraben bestimmten Platz, und suchen sich mit der zunehmenden Tiefe die schräge Ausfahrt so lange zu erhalten, bis die Nothwendigkeit eintritt, selbst diesen Weg in Angriff zu nehmen, und das unmittelbare Einladen in die Karren nicht mehr möglich ist, worauf man den letzten Rückstand mit der Schaufel einander zu- und auszuwerfen sucht. Diese Arbeit geht wie Alles, äußerst schnell, da eine gehörige Anzahl Fuhrwerke die zum Aufladen angenommenen Arbeiter immer beschäftigt und der Bau-Unternehmer dabei nichts weiter zu thun hat, als die Anzahl der gethanen Fuhren zu notiren.

Bruchsteine werden wenig zum Bau verwendet, da das Behauen dieses Materials zu theuer ist, und man daher den gebrannten Backsteinen den Vorzug giebt. Eben so wenig wird Lehm, Thon oder gar schwarze Erde, wie es mitunter bei uns geschieht, als Bindungsmittel benutzt, sondern Alles mit Sandkalk gemauert. Das Löschen in Gruben vor dem Verbrauche, wie es bei uns Sitte ist, in der Meinung, daß durch das Auf- und Ausquellen der Kalkmasse das Volumen und die Güte desselben zunehme, stimmt nicht mit der Ansicht des Amerikaners überein. -- Ist ein Haufen Sand muldenförmig ausgebreitet, so kömmt der noch ungelöschte, und in Fässern verwahrt gewesene Kalk hinein, wird mit wenig Wasser benetzt, und sogleich, nach Art des Aeschermachens zum Seifenkochen, mit der übrigen Masse bedeckt. Hierdurch, während des Löschens von der Luft abgesperrt, und von einer unnöthigen Wassermasse befreit, glaubt man den Bindestoff der Kalkmasse zu erhöhen, und ist Letztere gut mit dem übrigen Sande vermischt, so hält sich diese bis zum Verbrauche fertige Substanz schmierig und gelind, wie die bei Neubauten vorräthig aufgethürmten Haufen bezeugen.

Das Trommeln auf den Gelten, um das Leerseyn derselben zu bekunden, in welcher Zeit des Füllens der Maurer in der Regel ruht, kennt man ebenfalls in Amerika nicht. Man geht hier von der Ansicht aus, daß die Handlanger nicht deshalb am Baue seyen, um die Arbeit der Maurer zu erleichtern, oder was noch schlimmer wäre, in ihrer Faulheit zu bestärken, sondern durch zweckmäßiges Eingreifen das Ganze zu fördern. Deshalb fallen auch hier die Krahne mit den Seilen zum Aufziehen der Steine und des Kalkes weg, weil schon das Abnehmen auf dem Gerüste die kostbare Zeit eines andern Arbeiter in Anspruch nehmen würde. Jeder, zum Herbeischaffen des nöthigen Materials beauftragte Gehülfe, ist daher mit einem Tragkasten versehen, welcher aus zwei 24 Zoll langen, im Spitzwinkel zusammengenagelten Bretern besteht, die an der Rückseite mit einem Boden und unter der vordern Oeffnung mit einem Stiel versehen sind. Zwanzig Backsteine füllen den Raum des Kastens und mit solchen auf der Achsel, steigt der damit Befrachtete auf der schwankenden Leiter bis in die obersten Stockwerke des Gerüstes, wo er seine Last zwischen die alle 8-10 Fuß von einander aufgestellten Sandkalk-Kasten niederlegt, oder die Letztern mit neuer Masse speist, da es den mit Mauern Beschäftigten nie an Material fehlen darf.

Nur solche Ziegelsteine, welche zum Belegen von Trottoirs gebraucht werden, haben die Größe, daß zwei genau so breit sind, wie einer lang ist. Mauer-Backsteine sind aber etwas schmäler, welches den Vortheil gewährt, daß man ein, sich dem festen Lager der Ziegel entgegenstemmendes Sandkorn in der Kalkmasse, nicht wie bei uns, mit den Fingern herauszugrübeln nöthig hat, sondern dasselbe mit dem Steine zwischen die Fuge schiebt, wo es ohne zu geniren, Platz findet.

Die Kelle, welche den Hammer mit ersetzt, ist während des Gebrauches wie in die Hand gewachsen, und der Arbeiter trägt mit derselben sogleich in der ganzen Länge der ihm angewiesenen Distanz den Sandkalk auf, legt mit der linken Hand den Ziegelstein ein, und während diese Hand wieder nach einem andern Steine greift, streicht die Kelle den an der äußern Seite vorgedrungenen Kalk ab und an die Steinseite an. Diese Manipulation geht so schnell, daß es Einem erklärlich wird, wenn man hört, daß bei solch einer Arbeit ein Mann täglich 3000 Ziegelsteine vermauern muß, um bei Akkord-Arbeit das gewöhnliche Tagelohn zu verdienen. Ja, es ist in ~New-York~ allgemein bekannt, daß bei einer Wette an der Wasserleitung ein Maurergeselle von 7-12 und von 1-6 Uhr, 4000 Ziegelsteine kunstgerecht verarbeitet haben soll. Die Entrepreneurs der Bauten stellen an beide Flügel der zu errichtenden Mauer solche Matadore an, welche genau das Loth im Auge behalten, und die längs der Front ausgespannte Schnur bei jeder Backstein-Schicht vorwärts stecken, wodurch die in der Mitte der Mauerfront angestellten Arbeiter immer genöthigt sind, gleichen Schritt zu halten; denn ein Mal zurückgeblieben, ist es keine Möglichkeit, wieder nachzukommen, und so bedingen eine Paar gute Vormänner die Geschwindigkeit, mit welcher die andern Gehülfen arbeiten müssen.

Wie leicht, und mit welcher Kühnheit, zwei und dreistockige Häuser aufgeführt werden, ist erstaunt. Nicht selten sind die Umfassungsmauern im Erdgeschoß zwei, im zweiten Stockwerk 1½ und höher hinauf gar nur einen Backstein stark, und dabei stehen die Mauern nach allen Seiten zu kerzengerade in die Höhe, welches erklären läßt, daß man ein solches Haus, welches zwischen zwei andern Gebäuden eingeklammert ist, ohne eines oder das andere Nebenhaus zu beschädigen, in die Höhe schrauben kann, wie ich weiter unten im Briefe berühren werde. -- Gewölbte Keller kommen in der Regel nicht vor, und man begnügt sich, eine Balkenlage, gleich wie in den andern Stockwerken, zu legen; werden jene bei einem Neubau verlangt, so kommen sie vor das Gebäude unter das Pflaster der Straße. Lassen dieses aber Lokal-Verhältnisse, wie Kanäle etc. nicht zu, so bringt man dieselben im Gebäude unter dem Souterrain an, da solches gewöhnlich noch zu bewohnbaren Pieçen benutzt wird. Um das nöthige Licht zu erhalten, ist längs des Gebäudes vier Fuß breit bis zur Souterrain-Tiefe ausgegraben und vor der Grube der Trottoir mit schönen eisernen Spalieren eingefaßt, womit auch die äußern Treppen versehen und verziert sind, welchen Glanz die angebrachten messingenen blanken Knöpfe noch erhöhen. -- Bei Gebäuden höherer Stände sind meist auch die Treppen, wie die Thürschwellen und Säulen, wenn nicht gar ein geschmackvoll mit Säulen verzierter Vorbau vorhanden ist, von weißem Marmor aufgeführt.