Wahn und Ueberzeugung Reise des Kupferschmiede-Meisters Friedrich Höhne in Weimar über Bremen nach Nordamerika und Texas in den Jahren 1839, 1840 und 1841.

Part 14

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Wer würde demnach wohl daran zweifeln, daß nicht Alles in Wahrheit beruhe, und so ließen sich Viele verleiten auf dem Schlachtfelde der Dinge zu harren, die da kommen sollten. Doch Alles war nur ein Scherz, mehr auf die Geldbeutel der Leichtgläubigen abgesehen[48], weil ohne diesen Kunstgriff während der Festlichkeiten in der Stadt, weder Eisenbahn noch Dampfboote gebraucht worden wären. Während Viele nun vergeblich auf dem Schlachtfelde harrten, kam General ~Jackson~ auf einem Dampfboote in ~Orleans~ an, und wurde im Triumph in einem vierspännigen Wagen auf dem Platz vor der Kathedrale abgeholt, wo die Nationalgarden in Parade aufgestellt, ihn mit Salven aus dem groben Geschütz begrüßten. Nach beendigten Honneurs wohnte man dem dazu veranstalteten Gottesdienste bei, worauf die Truppen vor dem General vorbei defilirten, und durch einige Straßen nach einem andern Platze marschirten, wo sich Alles in Wohlgefallen auflöste, und das Fest als beendigt anzusehen war.

Dem ganzen Ceremoniel fehlte vor Allem militärische Haltung und durch die verschiedene Equipirung der Truppen glaubte man mehr einen Maskenaufzug zu sehen. -- Dem Gesetze nach haben 20 Mann, welche zusammentreten, das Recht, sich einen Führer zu wählen, und sich nach eigener Wahl zu uniformiren. Demnach wird beim Ausrücken der uniformirten Nationalgarden die Gelegenheit geboten, eine lebende Mustercharte von allem Militär ~in natura~ zu sehen, denn einem Trupp Engländern folgten Franzosen, Preußen, Russen, Schotten u. s. w. Das Musikchor von 20-30 Mann, welches jede Kompagnie vor sich her marschiren läßt, ist oft stärker als das ganze Bataillon selbst, und wenn auch mitunter die Musik gut ist, verstehen die Tambours ihre Kunst um desto schlechter, deren Trommeltöne, in Begleitung einer Querpfeife, unwillkührlich an den Bärentanz erinnern. -- Vor Allem nimmt sich die Kavallerie possirlich zu Pferde aus, da, wie bekannt, der Amerikaner ein schlechter Reiter ist.

Nicht militärische Kenntniß bestimmt den einzunehmenden Grad einer Charge, sondern mehr die Bereitwilligkeit, zu welcher sich der Gewählte zur Mehrausgabe der mitunter höchst brillanten Auszeichnung der Offiziere versteht, und die Gelder nicht schont, welche ein so Glücklicher bei verschiedenen Gelegenheiten seinen Kameraden opfern muß. Wie es bei alle dem um die Disciplin steht, läßt sich denken. Jeder sieht den Beruf zum Militär als Nebensache an, weshalb es oft der Fall ist, daß beim Ausrücken Nachzügler vorkommen. Ein Gleiches war es mit dem Fahnenträger des 20 Mann starken Grenadier-Bataillons, welcher sich noch im nächsten ~Stoor~ fest machte, als seine Kameraden bereits abmarschirt waren und er nun, anstatt in der Mitte der Kompagnie zu marschiren, derselben mit der Fahne im Trabe nachzukommen suchte.

Früh am Morgen des 9. Januar wurde endlich die Wanderung angetreten. Jeder von uns war nur mit Wechsel von Leibwäsche versehen, da die Tour nur auf kurze Zeit berechnet, und auch schon beim Mangel der Kräfte der mitgenommene Zucker, Thee und Kaffee, wie das nöthige Kochgeschirr, im Fall uns keine gastfreundliche Aufnahme werden sollte, das Gehen erschwerte. Mein Begleiter dagegen, war hinlänglich mit Pulver und Blei, sowie mit den beiden Gewehren versehen.

Des Gehens entwöhnt, sehnte ich mich schon nach wenig zurückgelegten Meilen nach Ruhe, und es war beschlossen, auf nächster Plantage einzusprechen. Der Herr sey, wie versichert wurde, in ~Orleans~, und der Aufseher der Sklaven war hartherzig genug, uns die Herberge zu versagen, und verwischte so das schöne Bild gerühmter Gastfreundschaft der Amerikaner. Die nächste Plantage sey nicht weit, ward uns zur Antwort, und heute noch zu erreichen, worauf ein Neger Befehl erhielt, uns bis zur Grenze zu geleiten, und dann den richtigen Holzweg zu zeigen. -- Von diesem armen Schwarzen erfuhren wir nun, wie sie von den Launen des Gebieters die härtesten Mißhandlungen zu erdulden, und wie überhaupt eine grausame Disciplin gehandhabt werde. Zur Zeit der Aerndte gönne man ihnen wenig Ruhe, und von früh bis spät Abends der Sonnengluth ausgesetzt, unterliegen mehrere den Strapazen. Beim Abschiede reichten wir ihm ein Glas Rum, was er begierig verschluckte und dankbar dafür uns die Hände drückte, wobei er der Thränen sich nicht enthalten konnte und mich selbst zur Wehmuth stimmte. -- Schon in ~Orleans~, wo man das ganze Jahr hindurch dieser Menschenklasse nur die halbe Sonntagsruhe gönnt, ging ihr Loos mir sehr nahe, und mit wahrhaft schmerzlichen Gefühlen sah ich die armen Schwarzen mit entblößtem Haupte und niedergeschlagenem Blicke, oft nur mit einigen Lumpen bedeckt, zum Verkauf ausgestellt, oder auktionsmäßig aus einer Hand in die andere gehen, wobei man sie gleich dem Vieh betastete, um sich von dem mehr oder weniger muskulösen Körperbau zu überzeugen. Ist es nicht eine Schande für ein Volk, das Freiheit und Gleichheit immer im Munde führt, und dabei die heiligsten Menschenrechte mit Füßen tritt? Sind die Schwarzen denn nicht auch Menschen? Mit welchem Rechte unterdrückt man die geistigen Kräfte dieser Armen (Keiner darf lesen noch schreiben lernen), statt sie allseitig auszubilden, und diesem Menschengeschlecht dadurch die erhabene Stellung, zu der es, vermöge seiner geistigen Anlagen gleich dem Weißen berufen ist, zu sichern? Es ist mir versichert worden, daß es in ~Orleans~ mehrere Neger geben soll, die nur durch Gehör die englische, französische, spanische und deutsche Sprache erlernt hätten.

Gleich hinter dem Gehölz sollte, wie der jetzt zurückkehrende Neger versicherte, die nächste Plantage den Anfang nehmen, wohin zu gelangen wir nicht säumen durften, da das Dickicht der Bäume den Weg verfinsterte und zu befürchten stand, uns noch zu verirren. Bald rechts, bald links schlängelte sich der Fußpfad, welcher zuletzt nicht genau mehr zu erkennen, da er nur wenig betreten war, und wir auf das Ungewisse dem Zufalle folgen mußten. Schon befürchtete ich, wir wären irre gegangen, als Menschenstimmen sich hören ließen und der Schein eines Lichtes zu uns drang; in dieser Richtung fortgehend, führte der Weg zu einer Reihe kleiner Hütten, welche als Aufenthalt der Neger dienten. Sehr gern hätten uns die Bewohner der ersten Hütte aufgenommen, wenn es der Raum gestattet hätte, da hier aber schon zwei Familien sehr beengt untergebracht waren, welche auf ihrem Mooslager der Ruhe pflegten, so wurden wir in eine andere der Hütten, welche nur zwei Männer in sich faßte, gebracht, an deren Seite wir, von Müdigkeit erschlafft, bald dem Schlafe verfielen.

Noch pflegten wir der Ruhe, als am Morgen der Aufseher der Schwarzen, vermuthlich durch die Schlafgesellen von unserm nächtlichen Besuche unterrichtet, vor dem Lager stand, und mit barscher Stimme nach unserm Begehr fragte. Meinen Wunsch, die Utensilien und die Einrichtung der Zuckersiederei besehen zu dürfen, schlug er aus dem Grunde ab, daß an diesen jetzt außer Gebrauch gesetzten Geräthschaften nicht viel zu sehen sey, er aber auch keine Zeit und Lust habe, die verschiedenen Räume zu öffnen, und wir deshalb immerhin ungesäumt den Weg fortsetzen könnten, wo wir mehre Plantagen antreffen würden.

Dieser unvermuthete zweimalige Empfang hatte das Feuer der Reiselust merklich gedämpft und mich zum Umkehren bestimmt, wenn es mein Reisegefährde, der leidenschaftlicher Jäger war, zugegeben hätte; vielmehr suchte mich derselbe zu überzeugen, daß im Innern des Staates ~Louisiana~, wohin die Reiselustigen aus ~Orleans~ weniger wanderten, uns freundlichere Aufnahme werden würde, und der erste Tag keinen Maßstab der gemachten Erfahrungen abgeben könne. Diesem konnte ich Nichts entgegensetzen und da die schöne Witterung das Unternehmen zu begünstigen schien, so wurde von Neuem der Wanderstab ergriffen und die Schritte vorwärts gerichtet. Die, wie es schien, fruchtbarsten und mitunter schönen Landstriche, welche jedoch der Ueberschwemmung ausgesetzt sind, wie dieses an den Gesträuchen zu sehen war, wurden durchwandert, im Gehölz das noch nicht verscheuchte Wild erlegt und bei Plantagenbesitzern, welche uns gastfreundlicher aufnahmen, eingesprochen, die uns Alles zeigten und die gewünschte Auskunft ertheilten. Auch der üble Eindruck wurde gemildert, welchen oft Hunderte von Sklaven, die mit Umhacken der Erde auf den Zuckerfeldern beschäftigt waren, auf uns machte, und die erbärmlichsten Lebensverhältnisse, in welchen dieselben sich zu befinden schienen, wurden weniger von den daran Gewöhnten und nichts Besseres Kennenden, gefühlt, wie dieses auch das mitunter fröhliche und gute Aussehen dieser Menschenklasse bestätigte.

Nachdem in ~Opelousas~ der Schießbedarf ergänzt worden war, wurde der Marsch nach ~Alexandria~ fortgesetzt. Am letztern Orte bestimmte uns die nasse Witterung, das Fußreisen auszusetzen, und um mehr Ruhe zu genießen, wurde beschlossen, auf dem ~Red-~Flusse bis nach ~Natchitoches~ zu fahren, von wo aus der Retourweg durch eine andere Gegend angetreten werden sollte. Doch wie so Manches in der Welt eine andere Richtung erhält, als man sich vorgestellt hat, eben so sollte es jetzt unserm Ausfluge ergehen.

Zwei Reisende, ein Schweizer und ein verbannter Pole, von ~St. Louis~ kommend und auf dem Wege nach ~Texas~ begriffen, gesellten sich in ~Natchitoches~ zu uns, und wußten ~Texas~ so zu rühmen, daß es nichts zu wünschen übrig lasse, und bei mangelnden Arbeiten könne sich jeder guten Verdienst dort versprechen; deshalb willigten wir ein, bis dahin unsern projektirten Ausflug zu verlängern, und auf gemeinschaftliche Kosten, da, wie es schien, einer so wenig wie der andere hatte, die Fußreise fortzusetzen.

Wurde auch durch oft zu übersteigende waldige Höhen, welche menschliche Kultur noch nicht gelichtet, und zum Aufenthalte wilder Thiere dienten, wie das Reisen bei starken Regengüssen auf unwegsamen Pfaden und das Durchwaden entgegentretender Gewässer lebensgefährlich, so fühlten wir dieses doch weniger, als das Nachtquartier unter freiem Himmel bei empfindlicher Kälte auf die Tageshitze, welches in dem weniger angebauten ~Texas~, oder wegen unfreundlicher Kolonisten mitunter vorkam, und man den empfindlichen Stich der Insekten (Muskitos) blosgestellt wurde. Doch alle diese Strapazen, die eine derartige Reise immer im Gefolge hat, wurden durch mannichfaltige Begebenheiten und Abenteuer reichlich vergütet, welche die Harmonie vier gleichgestimmter Seelen noch erhöheten, und von keinem Unfall oder Krankheit unterbrochen wurden. -- Vor Allem verkürzte der Pole, beim Lagern an dem Feuer, die Zeit durch Erzählung seines Antheils am Revolutionskriege, seiner Verbannung und Schicksale in Amerika, und fehlte auch zum Mahle das Brod, so war solches immer vom Fleische der Bewohner des Waldes reichlich ersetzt.

Bis zum ~Sabine~-Flusse empfand ich außer Müdigkeit weiter keine Beschwerde, leider hatte aber während der letzten Zeit die Leib-Bandage einige schadhafte Stellen bekommen, wodurch das Gehen täglich immer schmerzhafter wurde.

Meine Klage brachte den Polen auf den glücklichen Einfall, uns beritten zu machen, welches bei den hier weidenden Pferden und Maulthieren leicht ausführbar schien. Schon am dritten Tage wurden, wie im Kriege, wo immer Gewalt vor Recht ergeht, vier Stück acquirirt, welches, auf militärisch, recht lieblich klingt, im Civil aber, gleich dem Stehlen, ein und dasselbe ist, und hier bei Todesstrafe verboten war, da es vermuthlich häufig vorkommen mochte. -- Wegen der nöthigen Zäume half schon den Tag vorher der Seiler aus, dessen Arbeiten hier mehr zum Geschirr verwendet werden, als die des Riemers. Die Reit- und Fahr-Utensilien des Farmer gleichen den polnischen auf ein Haar, weshalb sich unser Pole in dieser Hinsicht immer in sein Vaterland versetzt glaubte.

Von jetzt an sahen wir stolz wie ~Gentlemen~ von unsern Lastthieren herab, durchstreiften bequem nach allen Richtungen das Land, da überall die grüne Weide Futter und der Wald mit seinen Bewohnern aushalf, auch mitunter ein gastlicher Farmer uns beherbergte und sättigte, bei welcher Gelegenheit wir uns für neue Ansiedler ausgaben und so über Alles Erkundigung einziehen konnten, deren Resultate ich im nächsten Briefe zu schildern versuchen werde.

Sechsundzwanzigster Brief.

~+Texas+.~

Im Januar 1840.

Die sich im Jahre 1836 von Mexiko losgerissene Provinz ~Texas~, welche aber von diesem Reiche noch nicht als unabhängiger Staat anerkannt worden ist, faßt 4-500,000 engl. Q. Meilen in sich, welche erst jetzt von 15,000 Seelen bewohnt seyn sollen, so daß auf 4-5 englische Q. Meilen 1½ Person kommt, und daher noch Millionen Einwanderern Gelegenheit zum Aufenthalte bietet, ehe die Bevölkerung Deutschlands hier erreicht wird.

Das Verhältniß des weiblichen Geschlechts zum männlichen ist sehr gering, weshalb für Frauenzimmer sich immer Gelegenheit zum Heirathen darbietet, und man hier weniger als bei uns auf Schönheit und Reichthum sieht. Nicht selten fällt es vor, daß Mädchen schon im 13. Jahre in den heiligen Ehestand treten.

Das Klima, welches im Sommer heiß ist, steigt oft über 90 (Fahrenheit), wird aber fast täglich von Süd- oder West-Winden gemildert. Die Nächte dagegen sind empfindlich kalt und setzen im Winter Thau ab; obgleich zu dieser Zeit die Flüsse nie mit Eis bedeckt werden und in den Monaten Dezember, Januar und Februar Regengüsse die Stelle des Schnees vertreten.

Längs des Golfes von Mexiko ist das Land flach und ohne alle Felsen, erhebt sich aber nach und nach bis es seine Hochebenen erreicht hat. Das fruchtbarste Erdreich enthält das angeschwemmte Küstenland, welches sich vorzüglich zum Anbau des Zuckers und der Baumwolle eignen soll. An diese beinahe endlosen Ebenen schließt sich ein wellenförmiges Land an, welches immerwährend eine Abwechselung von Hügeln, Thälern, Wiesen und Wäldern bietet, und das hohe Gras, wie der wilde Roggen ebenfalls die Fruchtbarkeit des Bodens bekunden, auf dem die oft mehre Meilen entfernt voneinander gelegenen Wohnungen den Mangel menschlicher Bevölkerung anzeigen.

Die von Indianern bewohnten Hochebenen, bis wohin solche zurückgedrängt worden sind, sollen ebenfalls an Fruchtbarkeit nichts zu wünschen übrig lassen, und unerschöpfliche mineralische Schätze enthalten. Gold, Silber, Kupfer, Blei, so wie Eisenerze liegen in geringer Tiefe, und nur die tiefe Stufe der Kultur, auf welcher die Bewohner noch stehen, so wie Mangel an Fonds und nöthigen Arbeitern, verhindern den Bergbau. Wilde Pferde, Esel, Büffelochsen, Bären, Leoparden, Panther, Wölfe, wilde Schweine, Ziegen und Schaafe werden von den Indianern gejagt, und diese Thiere verbreiten sich selbst bis zur Mittel-Region herab, wo der Jäger außerdem noch Rothwild, wilde Katzen und Eichhörner in Menge antrifft. Viele bei uns noch unbekannte Wasservögel beleben die wasserreichen Gegenden, und wilde Gänse, Enten, Schwäne, Kraniche und Pelikane, durchstreifen die Gegend in großen Zügen. Geflügel aller Art belebt die Wälder und Wiesen. Rebhühner, Fasanen, Schnepfen, Paradiesvögel, Papageien, Wachteln, Tauben und wilde Truthühner wurden von uns in Menge geschossen und würzten das frugale Mahl.

Zahlreiche Flüsse, welche das Land in allen Richtungen durchschneiden, erleichtern den Verkehr und versorgen die Bewohner des Landes mit Fischen aller Art.

Die mannichfaltigsten Holzarten sind in den Wäldern anzutreffen als: Eichen, Fichten, Eschen, Buchen, Ahorn, Cypressen und Akazien stehen durch einander. Cedernholz wird in Menge angetroffen, das wie der ~Osage-Orangen-~Baum ein äußerst festes Holz liefert, welches die Indianer zu ihren Pfeilen und Bögen verwenden. Die vielen Sorten wilder Apfelbaum, Nußbäume, Kirsch-, Pfirsich- und Maulbeerbäume, beweisen, daß alle Produkte des Gartenbaues in diesem Lande gedeihen würden, obgleich bis jetzt nur wenig in diesem Zweige der Kultur gethan worden ist. Der wilde Wein rankt sich auch hier an den stärksten Stämmen bis in die Wipfel der Bäume, oder läuft ohne Stützpunkt auf der Erde umher.

Außer Zucker und Baumwolle wird gewöhnlich nur noch Mais und die süße amerikanische Kartoffel gebaut, doch ist auch der Anfang mit Taback gemacht worden und eben so mit Waizen. Die Verbreitung dieser Fruchtart wird aber erst von den nöthigen Mühlen abhängen, welche jetzt noch fehlen, da nur Handschrotmühlen aushelfen und das benöthigte Mehl aus den Vereinigten Staaten herbeigeschafft wird.

Die Viehzucht ist erst im Entstehen und nur wenig Kolonisten befleißigen sich damit im Großen, wozu die fetten Wiesen und fruchtreichen Wälder die beste Gelegenheit bieten. Das Fleisch ist übrigens nicht vom besten Geschmack und wildert sehr; Schweinefleisch dagegen ist gut und dieses Thier ist eines der ersten, welches sich der Ansiedler zu verschaffen sucht, da die Vermehrung derselben wenig, oder auch gar nichts kostet, weil dieses Thier seine Nahrung überall in den waldigen Gegenden findet.

Um die Bevölkerung möglichst schnell zu vermehren, gewährte die Regierung allen Einwanderern gegen das Versprechen, wenigstens drei Jahre im Lande zu bleiben und alle Bürgerpflichten zu erfüllen, vom 1. März 1836 an bis letzten Dezember 1838 das Recht des Anspruchs auf:

1200 ~Acres~ den Verheiratheten, 650 - - Ledigen, 320 - - Kindern über 14 Jahre.

Vom 1. Januar 1839 bis 1. Januar 1840.

640 ~Acres~ den Verheiratheten und 320 - - Ledigen,

wobei das Recht verknüpft war, selbst zu bestimmen, wo ein Jeder angewiesen und ausgemessen haben wollte, dafür aber die desfallsigen Bemühungskosten zu bezahlen hatte. Mit dem Jahre 1840 hörten alle Schenkungen auf und nur Militärdienste werden noch mit Abgabe von Ländereien belohnt, deren Zahl die Länge der Dienstzeit bestimmt.

Wer würde wohl nach solcher Schilderung des Landes nicht Lust bekommen, hier seinen Wohnsitz aufzuschlagen, wo noch besonders die angeführten Schenkungen von Grund und Boden zum Ansiedeln reizen mußten? Doch Manches spricht dagegen. Wie viele hier eingewanderte Nordamerikaner, die eben so schnell diesen Staat wieder verlassen, beweisen, wie Tausende meiner Landsleute Amerika verlassen würden, wenn ihnen die Mittel dazu nicht fehlten.

Die Zahl der neu eingewanderten Bevölkerung besteht in der Mehrheit immer nur aus Nordamerikanern aller Staaten, da die Beimischung europäischer Völker, worunter immer die Deutschen noch die Mehresten sind, nur gering ist. -- Vor Allem liefern ~Louisiana~, ~Mississippi~ und ~Alabama~ eine Menge Individuen, welche wegen unbezahlter Schulden oder sonstiger Streiche, der Justiz glücklich entwischt, hier eine Freistätte suchen. -- Dann glauben auch viele Amerikaner, hier ohne Arbeit und Beschäftigung die goldnen Berge zu finden, welche der Deutsche vergeblich in Amerika sucht; sie fallen durch getäuschte Erwartung und Faulheit der übrigen Bevölkerung zur Last und verderben die Sitten. Unruhige Geister, gelehrt sich dünkend, Doktoren, Advokaten und Theologen kommen in der Meinung, durch ihren Kopf allein reich zu werden, wozu die junge Republik am wenigsten Gelegenheit bietet, gerathen oft nothgedrungen auf Abwege und fallen Abenteurern, Spielern und Trunkenbolden in die Hände, wodurch, da Alles erst im Entstehen ist, bei mangelnder energischer Gerechtigkeitspflege, Betrug, Duelle und Meuchelmord unvermeidlich sind, daß dabei die Grenze zwischen Mein und Dein nicht immer gesichert ist, läßt sich denken.

Der moralische Zustand dieser vermischten Volksmasse steht hier noch tiefer als in den Vereinigten Staaten selbst; da alle Volksbildung fehlt, keine Schulen und Religionsanstalten vorhanden und nur Missionäre in religiöser Beziehung das Ihrige zum Seelenheil der Menschen beitragen. Sucht man auch in neuerer Zeit diesem Uebel durch Erbauung von Kirchen und Schulen abzuhelfen, so haßt doch der Amerikaner vor Allem den Zwang und lebt lieber im natürlichen Zustande fort.

Geldmachen ist auch hier der Punkt, um den sich Alles dreht und wendet und Nichts wird gescheut, diesen Zweck zu erreichen. Dabei hat das Laster der Trunksucht die höchste Stufe erreicht und die Zahl der mit geistigen Getränken Handeltreibenden, übersteigt alle Erwartung, da dieser Handel die schönste Gelegenheit bietet, auf dem kürzesten Wege reich zu werden, wozu mitunter ein fein angelegter und gescheidt ausgeführter Bankerott das Beste beiträgt. In keinem Lande werden wohl im Verhältniß der Bewohnerzahl mehr geistige Getränke konsumirt, als hier. Die Hauptursache mag wohl auch in dem schlechten Trinkwasser und in den schnell wechselnden klimatischen Witterungseinflüssen zu suchen seyn, weshalb man Branntwein als Arznei und Schutzmittel für die Gesundheit des Menschen hält. Auch lebt der größte Theil der Bevölkerung außer ehelichen Verhältnissen und ist wegen Wohnung und Kost auf die Speisehäuser verwiesen und dadurch in die Nähe geistiger Getränke versetzt, deren Reiz zu mächtig ist, wobei der Genuß durch Gewohnheit leicht zum Bedürfniß wird. Im ehelichen Verhältnisse, wo Mann und Frau beim Genuß geistiger Getränke nur zu oft aus den Schranken der Mäßigkeit treten, sucht man auch die Kinder schon frühzeitig daran zu gewöhnen, um, wie der Wahnglaube des Volkes ist, den Körper mehr gegen die Witterungsseinflüsse abzuhärten. Kein Geschäft, kein Versöhnungsakt wird abgeschlossen, ohne durch Leeren der Gläser. Mit solchen in der Hand, wird jeder empfangen, der ein Lokal betritt, wo geistige Getränke verkauft werden und gegen Anstand und Sitte würde man stoßen, wollte man keinen Bescheid thun. Da sich aber mitunter der Bekannten zu viel einstellen, so ist es häufig der Fall, daß der Mensch aufhört, Mensch zu seyn und im Zustand der Trunkenheit unter das Vieh herabsinkt. Untergräbt schon der unmäßige Genuß geistiger Getränke die Gesundheit, so muß dies in Amerika noch mehr der Fall seyn, da man sich hier nicht scheut, durch alle künstliche Mittel Wein, Bier und Branntwein stärker und berauschender zu machen, und gewissenlos werden spanischer Pfeffer, Kokoskörner, Tabacksblätter, Paradieskörner, Krähenaugen, Stechäpfel, Bilsenkraut, Opium, Belladonna und dergleichen Ingredienzien in Anwendung gebracht. So lange dieses nicht unterbleibt, kann die Gesundheit des Menschen nicht gewahrt werden und der Tod wird fort und fort seine Opfer fordern und dem gelben Fieber leichtern Eingang verschaffen, welches in den meisten Städten von Texas den Menschen in den letzten Jahren so gefährlich worden ist.

Die Witterungseinflüsse auf die Menschen, besonders der Neuankommenden, halten die Gesundheit derselben beständig im Schach und sind auch die Fieber nicht immer tödtlich, so untergraben sie doch die Gesundheit und schwächen den Körper, so daß der Mensch schnell altert und im vierzigsten Jahre mit einem Sechziger verglichen werden kann. Nur wer daselbst geboren und gleichsam schon im Mutterleibe an das Klima gewöhnt worden ist, hat von alle dem weniger zu befürchten. Schon aus dem Angeführten sollten fleißige und industriöse Einwanderer diese südlichen Länder meiden und sich nicht der Hoffnung hingeben, daß sie im Innern des Landes weniger von diesem Uebeln zu befürchten hätten. Ist dieses nun auch der Fall, so sind sie doch mehr den Ueberfällen der Indianer bloß gestellt, wie uns Familienglieder solcher Ueberfallener, welche das Skalpirmesser nicht erreicht hatte, erzählt haben. Unvermuthet stellt sich diese Mordbrennerschaar ein, überfallen die wehrlosen Kolonisten, ermorden, was ihnen in die Hände fällt und ein Schutthaufen bezeichnet den Abwesenden den Ort ihrer friedlichen Hütten. Wird auch von der Regierung Alles gethan, diese unberufenen Gäste abzuhalten, so ist doch die zu Gebote stehende Macht bei den ausgebreiteten Distrikten weit auseinander liegender Städte und einzelner Wohnungen nicht immer hinreichend.