Part 4
Als ich den andern Morgen nach der Unterredung, die ich mit Paulinen gehabt, erwachte, kam mir die ganze Sache fast traumartig vor, indessen machte ich mich zur festgesetzten Stunde wieder auf den Weg nach Neuilly, begab mich an die mir angegebene Stelle des Gartens und erwartete unter einem Säulengang vor dem gewölbten Felsen die Dinge, die da kommen würden. Ich wartete nicht lange, als eine Dame, eine andere als die, welche ich den Tag vorher in Paulinens Gesellschaft gesehen, erschien, mich freundlich willkommen hieß und mich durch eine Seitentür in das Innere des Felsens führte, in dem sich mehrere Gemächer und Galerien, unter anderen auch ein sehr schönes Bad in einem prächtigen Salon, befanden. Das Abenteuer kam mir sehr romantisch, beinahe märchenhaft vor, und ich dachte eben über den Ausgang, den es wohl haben könnte, nach, als eine in den feinsten Battist gehüllte Frauengestalt durch eine Seitentür in den Badesaal, in dem man mich warten geheißen, trat, auf mich zuging und mich lächelnd fragte, wie es mir hier gefalle. Ich erkannte sogleich Napoleons schöne Schwester, deren üppige und vollkommen plastische Formen sich bei jeder Bewegung durch die Falten ihres Gewandes ausdrückten. Sie reichte mir die Hand zum Kusse dar, hieß mich hier willkommen und auf einem schwellenden Ruhebett neben sich niederlassen. Hier war ich sicher nicht der Verführer, sondern der Verführte, denn Pauline ließ alle ihre durch das _Chiaroscuro_ noch erhöhten Reize spielen, mein Blut in Wallung und meine Sinne in Aufregung zu bringen, was ihr denn auch vollkommen gelang, und bald waren die samtnen Polster Zeugen, wie wir unsere gegenseitige Glut in namenlosen Ergießungen löschten, wobei sie sich als eine sehr erfahrene Lehrerin zeigte, denn sie wußte mehr als ich. Nachdem wir das Feuer hinlänglich gekühlt, zog Pauline die Glocke und befahl ihren eintretenden Frauen, ein Bad zu bereiten, zu dem sie mich ebenfalls einlud. In Bademäntel von den feinsten Linnen gehüllt, blieben wir beinahe eine Stunde in dem kristallhellen bläulichen Wasser, worauf sie ein köstlich erquickendes und restaurierendes Mahl in einem Seitengemach servieren ließ, bei dem wir bis zur Abenddämmerung noch miteinander zubrachten. Beim Abschied mußte ich das baldige Wiederkommen versprechen und verlebte nun manchen Nachmittag auf ähnliche Weise in Neuilly. Indessen hatte ich eben nicht Ursache, sehr stolz auf diese Eroberung zu sein, denn viele andere hatte sie schon vor mir beglückt, und noch manchem anderen schenkte sie nach mir ihre höchste Gunst, auch war mir die Dame fast zu routiniert, und es dauerte nicht lange, so empfand ich trotz all ihrer Schönheit Widerwillen statt Genuß in ihrem Umgang, da auch an eine nur einigermaßen geistreiche Unterhaltung mit Paulinen nicht zu denken war, und wenn einmal der Sinnentaumel vorüber, die tödlichste Langeweile und Gähnen dessen Stelle vertrat, dabei artete sie oft ins Gemeine aus. Wie anders war es mit einer Mars, deren Persönlichkeit immer neue Reize zu entfalten wußte, selbst Madame Bonnier war trotz ihrer Klostererziehung weit unterhaltender. Hierzu kam noch, daß ich zu jener Zeit die Bekanntschaft zweier anderer sehr liebenswürdiger junger Damen, die eine die Frau eines Generals, die andere die eines Rittmeisters, deren Männer sich beide bei der Armee in Spanien befanden, machte, und die ich bei einer Vorstellung der Iphigenia in Tauris _aux Français_, wo Talma den Orestes in der höchsten Vollendung gegeben, kennen lernte, da ich mich in derselben Loge mit ihnen befand. Auf die Iphigenia waren die Plaideurs gefolgt und gaben mir die beste Gelegenheit bei den Damen zu plaidieren, deren Ehrenkavalier ich jetzt auf eine Zeitlang wurde. Sie waren sehr muntere und liebenswürdige Geschöpfe; die Generalin zählte dreiundzwanzig, die andere erst neunzehn Jahre, beide kaum zwei Jahre verheiratet und Schwestern. -- Noch hatte ich Versailles erst im Flug gesehen, an einem Nachmittag hatte ich mit Paulinen in dem großen Park daselbst zugebracht, von einem Gebüsch in das andere wandernd.
Nun besuchte ich Versailles mehrmals in Gesellschaft meiner neuen Bekanntschaft, der beiden Offiziersdamen, namentlich auch die beiden Trianons, wovon das kleine nebst seinen Gärten Zeugen der stillen Freuden Maria Antoinettens in ihren glücklicheren Zeiten war. Sie hatte es zu einem bezaubernden Aufenthalt umgeschaffen. Ludwig XVI. hatte es ihr beim Antritt seiner Regierung geschenkt. Auch wir genossen der stillen und heimlichen Freuden im Park von Versailles gar mancherlei und besuchten das Labyrinth, das Venusboskett und andere abgelegene Orte vorzüglich gerne. Die jüngere Emilie hatte ich Alcine und die ältere, Marguerite, Armide getauft. Eine ganze Woche brachte ich einmal mit den beiden Damen in Versailles zu, während welcher wir jeden Tag vom Morgen bis in die späte Nacht in den unermeßlichen Räumen dieser Gärten umherirrten, deren Besitzer wir uns dünkten und für diese Zeit auch waren, denn niemand machte sie uns streitig, und alles stand uns offen. Wir spielten und tändelten bald an dem Bassin des Neptuns, bald in dem romantischen Boskett der Kaskaden, bald im Sternensalon, an den drei Fontänen oder Apollosbädern. Die acht Tage vergingen wie acht Stunden, wir hatten anfangs nur vierundzwanzig Stunden bleiben wollen. Wir kehrten endlich etwas gesättigt nach Paris zurück, wo uns jedoch neue Freuden und Vergnügungen erwarteten. Hier fand ich mehrere Billette von Madame Farigliano vor, die mich nach Neuilly zitierten, wo ich mich mit gehabter Unpäßlichkeit wegen meines Ausbleibens entschuldigte, was auch mein etwas angegriffenes Aussehen bestätigte, und wo ich deshalb bemitleidet ward. Das, was noch einiges Interesse für mich bei Paulinens Umgang hatte, war, daß ich über verschiedene Dinge, ihre Familie betreffend, um die ich sie öfters fragte, Auskunft von ihr erhielt. Sie sagte mir unter anderm einmal, als ich sie gefragt, wie es komme, daß der Kaiser noch nicht Rom gesehen, da diese merkwürdigste aller Städte doch ein ganz besonderes Interesse für ihn haben müsse: »Oh, mein Bruder meidet Rom, weil ihm einmal prophezeit wurde, daß er in dieser Stadt seinen Tod finden werde; und da eine ähnliche Weissagung, die man Alexander dem Großen hinsichtlich Babylons machte, eintraf, so will er einem solchen Schicksal entgehen. -- Sie sehen, große Männer haben auch ihre Schwächen; wer weiß, wo er noch stirbt, wenn er sich gleich unsterblich glaubt,« fuhr sie lächelnd fort. »Und es auch ist,« fiel ich ihr ins Wort. -- »Aber dem Tod entgeht er dennoch nicht,« versetzte sie, »und ist ihm bestimmt, in Rom zu sterben, so wird es geschehen, er mag sich stellen wie er will.« -- Wir kamen nach und nach auf andere, aber immer Napoleon betreffende Dinge zu sprechen, und Pauline meinte, ihr großer Bruder habe nicht nur sehr große Schwachheiten, sondern beginge auch ganz unverzeihliche Torheiten, die ihn noch ins Verderben stürzen würden und von denen eine der größten seine Mariage mit der Österreicherin sei. »Hundertmal besser,« fuhr sie fort, »wäre es gewesen, er hätte die Hortensia geheiratet, statt sie an seinen Bruder Louis zu verkuppeln, sein Verhältnis mit ihr war ja doch kein Geheimnis mehr, sowie daß sie von ihm in der Hoffnung war, als er diese Heirat stiftete. Daß Duroc diese Partie ausgeschlagen, ist nicht an dem, es war nie Napoleons Plan, diesem ihre Hand zu geben. Wäre Hortensias erstes Kind, für dessen Vater der Kaiser allgemein gehalten wurde, für welches er eine große Zärtlichkeit bewies und das er aus der Taufe gehoben, am Leben geblieben, so würde er es gewiß adoptiert und wahrscheinlich zu seinem Nachfolger ernannt haben; wir hätten dann keine zweite Vermählung erlebt. Was die Liebe zu den Frauen anbelangt, so ist mein Bruder so wunderlich und veränderlich wie nur einer, und wo er nur immer war, in Paris und Madrid, Wien und Berlin, Mailand und Venedig und so weiter, allenthalben mußten ihm seine Vertrauten behilflich zur Befriedigung seiner augenblicklichen Kaprizen sein, und was er auch von ehelicher Treue, häuslichem Glück, Moralität schwatzen mag, wir wissen, was wir davon zu halten haben, es ist ihm nur um den äußern Schein, er hat sich einmal in den Kopf gesetzt, der Welt diese Schwachheiten verbergen zu wollen, und doch spricht man in allen Salons davon, und Josephine kennt sie wohl, hat ihm aber nichts vorzuwerfen, beide haben sich einander gehörig gehörnt; dabei handelt mein Bruder immer nur nach der augenblicklichen Eingebung seiner Laune, bald ist er freigebig bis zur Verschwendung, bald wieder filzig geizig, freundlich oder mürrisch, anscheinend teilnehmend oder kalt abstoßend.« -- Noch einige Zeit fuhr Pauline mit der Schilderung Napoleons fort, ging dann auch auf mehrere ihrer Geschwister über und pflichtete dem Kaiser bei, >daß Joseph ein Weib unter seinen Brüdern und Karoline ein Mann unter seinen Schwestern sei<; »denn,« fuhr sie lachend fort, »mein Bruder Joseph wäre eine gute sanfte Hausfrau und meine Schwester Karoline ein tüchtiger Dragoner geworden. Lucian ist aber ein eigensinniger Starrkopf, Ludwig zu gut für die Welt, Jérôme ein Manequin, Elise aber ist zur Fürstin geboren und Bacciochi eine Null; daß man mich die Etourdie nennt, weiß ich recht gut, aber es ist nicht meine Schuld. Was wollen Sie, mein Temperament ist einmal so, und dann hat uns die Mutter alle verzogen.« Als einmal die Rede auf die unglückliche Maria Antoinette kam, erzählte sie mir, daß das plötzliche Grauwerden der Königin, von dem man so viel gesprochen, eine Fabel sei, indem sie schon längst graue Haare gehabt, die täglich mit schwarzfärbender Pomade eingerieben worden seien, die sie sich aber, einmal in der Conciergerie, nicht mehr verschaffen konnte, worauf natürlich sogleich die Haare ihre natürliche graue Farbe angenommen; dies Geheimnis habe eine ihrer Kammerfrauen ausgeplaudert. -- Ich wurde endlich in Gnaden und mit dem Wunsch einer guten Besserung und baldigen Wiederherstellung entlassen.
Als sich Napoleon nach seiner Reise zum erstenmal wieder in der großen Oper mit seiner Gemahlin sehen ließ, wurde das neue prächtige Ballett >Perseus und Andromeda< gegeben. Das Schmettern der Trompeten, das Toben der Pauken und Fanfaren, das Geschrei: »_Vive l'Empereur!_« und »_Vive l'Impératrice!_«, letzteres aber sparsamer, wollte gar kein Ende nehmen. Im Théàtre français hatte aber bald darauf das kaiserliche Ehepaar an zwei Stunden auf sich warten lassen und das Publikum deshalb seine Unzufriedenheit ziemlich laut zu erkennen gegeben. Den andern Tag enthielt das »Journal de l'Empire« einen Verweis für die Schauspieler, weil sie nicht zur gehörigen Zeit angefangen hatten; hätten sie es aber getan, würde ihnen ein ganz anderes Donnerwetter über den Kopf gekommen sein. Um diese Zeit fuhr Napoleon mit Marie Louise zum erstenmal nach Versailles, wo er ihr das Schloß, den Park, die beiden Trianons zeigte und äußerte, er wolle dies alles in seiner früheren Pracht und Herrlichkeit wiederherstellen lassen und noch neue Anlagen hinzufügen. -- Es blieb bei der Äußerung.
Der Kriegsminister gab den Neuvermählten ein großes Fest in seinem Hotel in der Straße Lille, wobei auch ein Gelegenheitsstück und ein Ball gegeben wurde. Eines der merkwürdigsten Feste war jedoch das, welches die Garden ihrem Herrn und Gebieter gaben, zu dem jeder Gardist sechs, ein Korporal zwölf, jeder Sergeant vierundzwanzig, jeder Sergeant-Major sechzig, ein Leutnant sechshundert, ein Kapitän fünfzehnhundert und die Stabsoffiziere drei- bis sechstausend Franken beitrugen. Der Marschall Bessières war, als Kommandant der Gardekavallerie, Anordner, das ungeheure Marsfeld der Hauptschauplatz desselben und zu diesem Behuf besonders hergerichtet worden. Was für Schauspiele wurden nicht seit dem Beginn der Revolution schon auf diesem einzigen Platz aufgeführt, und wer waren die Hauptakteurs? -- Auch dieses Fest begann an einem Sonntag, den 24. Juni. Wenigstens drei Vierteile der Bevölkerung von Paris wohnten demselben bei. Monate hatte man an den Zurichtungen gearbeitet. Um Mittag wurde die ganze übrige Garnison der Stadt Paris, nahe an dreißigtausend Mann, von den Garden unter Zelten bewirtet, und jetzt erschien das Marsfeld ein endloses fröhliches Lager. Um drei Uhr verschwand das Lager, und nun begannen Spiele und Tänze aller Art. In den Alleen, welche den Platz umgaben, waren Zelte mit Büfetts, die alle möglichen Erfrischungen enthielten, Marionettenbuden und so weiter aufgeschlagen. Nach sieben Uhr, nachdem bereits der Kaiser mit seiner Gemahlin eingetroffen war und nebst ihrem höchsten und hohen Gefolge in einem zu diesem Zweck errichteten Pavillon Platz genommen hatten, begannen die Wettrennen der Pferde und Wagen, welche dreimal die innere Bahn des Marsfeldes in Gegenwart von nahe an vierhunderttausend Zuschauern zurücklegten. Mehrere Wagen vollendeten in weniger als sieben Minuten ihren Kreislauf, die Pferde in noch kürzerer Frist, und die Sieger erhielten schöne Preise. -- Als es Nacht wurde, zündete Marie Louise den Dragon (ein zur Entzündung des Feuerwerks bestimmter Drachen) vermittelst einer Feuerlanze an, und augenblicklich stand ein ungeheurer Wald, den das Feuerwerk in einem weiten Halbkreis vorstellte, in Flammen, in der Tat ein wunderartiger Anblick. Zwei schöne Seiltänzerinnen, als Genien gekleidet, bestiegen nun ein auf hohen Masten gespanntes Seil und schienen so zwischen Feuer, Rauch und Wolken in den Lüften zu schweben, während Tausende von Raketen und Leuchtkugeln sie umgaben, was eine höchst magische Wirkung hervorbrachte. An einem Feuerpalast las man die Worte: »_A Napoléon et Marie Louise._« Eine große Girandole, von der Artillerie der Garde, die überhaupt das ganze Feuerwerk besorgt hatte, ausgeführt, beendigte das feurige Zauberspiel, und nun begann der Ball. Zwei unermeßliche Säle hatte die Garde zu diesem Zweck in den zwei Höfen der Militärschule aufbauen lassen; der auf der linken Seite war zum Tanz und der auf der rechten zum Bankett bestimmt, beide auf das zierlichste ausgeschmückt. In dem Tanzsaal war ein Thron für die kaiserlichen Majestäten errichtet, die königlichen mußten sich mit Fauteuils begnügen. Ringsherum waren amphitheatralische Sitze für nicht weniger als viertausend Damen auf sieben Stufen angebracht, hoch hinter diesen war wieder eine Galerie für Herren. Sechsunddreißig reich drapierte, mit Festons von Lorbeeren und Myrten umwundene _faisceaux_, die in schimmernden Stahlhelmen mit weißen Federn endigten und jede ein Wappenschild hatte, trugen des Saales Decke. Die Draperien waren von weißem Mousselin mit goldenen Bienen; an der Decke sah man die zwölf Himmelszeichen und andere allegorische Figuren. Sechs große Gemälde stellten Napoleons Vermählung, dessen Triumph, die Triumphe Trajans, Augusts, Cäsars und Alexanders Einzug in Babylon vor. Die vier letzten kontrastierten seltsam mit den beiden ersten und gaben zu manchen noch seltsameren Bemerkungen Anlaß. Schon der Kostüme wegen chokierte diese Zusammenstellung; sie waren sämtlich vom Dekorationsmaler der Großen Oper gemalt. Zweihundert kristallne Kronleuchter, an Blumengirlanden hängend, an einem jeden über fünfzig Kerzen brennend, dienten zur Beleuchtung dieses Lokals, und die zehntausend Lichter spiegelten sich millionenmal in zahllosen Spiegeln wieder.
Unter den Festen, die Napoleon selbst in St. Cloud oder den Tuilerien gab, bei denen prächtige Quadrillen aufgeführt wurden und seine Schwestern eine Hauptrolle spielten, war besonders eines durch das Kostüm berühmt, welches Pauline, Italien repräsentierend, trug und wobei sie einen leichten goldenen Helm mit schneeweißen Straußfedern, mit Agraffen von Diamanten, an deren Kiele die kostbarsten Perlen gereiht waren, auf dem Haupt hatte, dabei deckte ein kleiner Panzer von Goldschuppen mit einem brillantenen Gürtelschloß ihren Busen, eine weiße, goldgestreifte Tunika von indischem Mousseline fiel über die Knie herab, purpurne goldgestickte Halbstiefelchen deckten die Füße, und die Arme waren bloß. Man wußte nicht, sollte man eine Minerva, eine Venus oder eine Johanna d'Arc aus ihr machen, auf jeden Fall war es aber eine ideal schöne Erscheinung, besonders für die, welche sie nicht genauer kannten.
Die Reihe dieser Feste beschloß das höchst tragische, welches der österreichische Gesandte, Fürst Schwarzenberg, den 1. Juli der Tochter seines Souveräns und deren Gatten gab. Auch zu diesem hatte ich mir durch hohe Protektion eine Einladung verschafft, und Fürst Y., den das Zipperlein von den meisten Feierlichkeiten zurückgehalten hatte, wollte durchaus dieser letzten beiwohnen. Den ganzen Tag fesselten ihn jedoch unausstehliche Schmerzen an sein Ruhebett, und es wollten weder Einreibungen noch sonstige Mittel helfen, die fortwährend angewandt wurden, um ihn wenigstens für diesen Abend noch gangfähig zu machen. Einigemal versuchte er aufzustehen und zu gehen, aber die Schmerzen ließen es nicht zu, erst abends nach acht Uhr gab er alle Hoffnung auf, das Fest durch seine Gegenwart verherrlichen zu können; es tat's halt nicht, und mit Wimmern und Fluchen kroch er, nachdem er den letzten Versuch gewagt, wieder zu seinem Lager. Ich war bis zum letzten Augenblick vor dem Beginn des Festes noch bei ihm, versprach ihm einen getreuen Bericht von demselben abzustatten und suchte ihn zu trösten. -- »Sie haben gut reden,« sagte er, »Sie lassen kein Vergnügen ungenossen vorübergehen, während ich hier Jammer und Trübsal blasen muß und es vor Schmerzen kaum auszuhalten vermag.« -- »Aber was ist dabei zu machen, Durchlaucht? Sie können, sobald Sie wieder besser sind, alles nachholen und selbst die schönsten Feste geben, zu deren Verherrlichung ich nach Kräften beitragen will.« -- Ich war froh, als ich endlich zur Türe hinaus war und fuhr in die Straße Montblanc (_Chausée d'Antin_), in welcher Fürst Schwarzenberg das alte Hotel Montesson bewohnte, ein geräumiges Gebäude mit einem großen Garten und Hof. Da sich aber in demselben kein Saal befand, der die zahlreichen Gäste alle hätte aufnehmen können, hatte der Fürst einen großen Ballsaal nebst einer Galerie von Holz eigens zu diesem Fest erbauen lassen; der Saal war sehr reich mit Stoffen, Blumen und andern Verzierungen dekoriert und drapiert. Alle in Paris anwesenden königlichen und fürstlichen Personen, sowie die übrigen Gäste, weit über tausend, unter denen namentlich viele Österreicher in zwar sehr reichen, aber ziemlich geschmacklosen Kostümen, waren bereits versammelt, als die Gardegrenadiere, die für diesen Abend hier eine starke Wache lieferten, unter das Gewehr traten, _aux champs_ schlugen und dadurch die Ankunft des kaiserlichen Paares verkündeten, das von Schwarzenberg und Metternich am Eingang empfangen wurde. Man führte sie in den schön erleuchteten Garten, wo Gesänge und österreichische Nationaltänze unter Begleitung rauschender Musik von den Künstlern der Großen Oper aufgeführt wurden. Auch sah man wieder eine Nachahmung des Schlosses Laxenburg, und das Feuerwerk spielte auch hier eine Hauptrolle, zündete aber, gleichsam als wollte es ein Vorspiel zu dem furchtbaren Drama, das bald darauf folgen sollte, geben, schon ein Gerüst an, das bald anfing, in Flammen aufzulodern, die jedoch mit Hilfe der Pompiers schnell wieder gelöscht wurden. Nun begaben sich sämtliche Gäste in den Ballsaal zurück, über dessen Eingang eine Aufschrift in deutscher Sprache angebracht war, über deren Inhalt sich die Franzosen die Köpfe zerbrachen und ihre Glossen machten, selbst Napoleon schien das Deutsche nicht zu behagen, und er zuckte bei dem Anblick der ihm unverständlichen Worte die Achseln.