Vierzig Jahre aus dem Leben eines Toten. Band 2 Hinterlassene Papiere eines französisch-deutschen Offiziers

Part 45

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Der unterdessen herangekommene Karneval gewährte uns manche Unterhaltung. Ich besuchte teils in Gesellschaft Angelikas, teils mit dem Fürsten Y. inkognito verschiedene Belustigungsorte. Die Masken, die sich auf den Boulevards zeigten, vom Temple bis zur Madeleine, waren aber nicht sehr elegant, ja zum Teil sehr lumpig, und konnten sich denen zu Rom und anderen Städten Italiens nicht an die Seite stellen, sowie auch das hiesige Karnevalstreiben ein ganz anderes wie das in Italien ist. Die gemeinen Franzosen machen wohl manche witzige Späße, arten aber nur zu oft in Plattitüden und rohe Gemeinheiten aus, während die Italiener, auch die der untersten Klassen, noch immer eine gewisse Dezenz bei dieser Gelegenheit beobachten. Der _Boeuf gras_ ist der Kulminationspunkt des ganzen Festes. Ein kolossaler, bis zum Zerplatzen fettgemästeter Ochse, der Mühe hat, seine ungeheure Fleischmasse fortzubewegen, wird von einem Kinde, den Fleischerkönig darstellend, geritten und von der ausgelassensten und sonderbarsten Eskorte begleitet, die aus nachgeahmten Deputationen aus allen Weltgegenden, allen Zeiten und allen Ständen bestehen, unter denen die Bewohner des Landes auf Stelzen einherschreiten, Wilde und Chinesen, Mamelucken und Kalmücken, Mexikaner und Peruaner, Kosaken und Slovaken, Panduren und Heiducken, Mohren und Mulatten, Pierrots und Harlekins und Völker, deren Wohnsitze auf Erden gar nicht bekannt sind, sich befinden und das Kortege bilden. Gelehrte Franzosen behaupten, daß sich der Ursprung dieser grotesken Zeremonie noch von den Galliern herschreibt, die einem Stier göttliche Verehrung zollten. Während der Revolution war diese Fette-Ochsen-Prozession unterblieben, erst unter dem Kaiserreich wurde sie wieder hervorgeholt. Als im Jahre 1739 der Ochsenzug, wie es der Gebrauch, sich dem König und seiner Familie vorgestellt hatte, dann nach dem Hotel des ersten Parlamentspräsidenten begab und diesen nicht daheim fand, nahm er seine Richtung gerade nach dem Justizpalast und stieg samt dem Ochsen und den ihn begleitenden Reitern die breiten Treppen am Palais hinauf, präsentierte sich dem Herrn Präsidenten im Gerichtssaal, schritt durch alle Säle und verließ den Themistempel, die Treppe, die auf den Dauphinsplatz führt, hinabsteigend. Während dem Karneval waren alle Kneipen und Schenken zu Paris und vor den Barrieren mit Masken und seltsam kostümierten Individuen beiderlei Geschlechts angefüllt, die ein wildes tolles Treiben vollführten. Diese in die barocksten Anzüge gehüllten Menschen, die unaufhörlich durcheinander schreien und brüllen, pfeifen, mit Gläsern und Flaschen klirren, die Fäuste aufschlagen und mit Füßen stampfen, daß Wände und Tische zittern, unter dem ohrenzerreißenden Gekratze von Bierfiedlern oder dem Spielen falscher Orgeln und Heulen der Dudelsäcke, haben kaum noch durch ihre Gestalt etwas Menschliches an sich, und man ist geneigt, sie eher für eine Gattung wilder Bestien zu halten. Hier thront eine Hallendame als Venus, mit Zinnober ziegelrot das Gesicht bemalt, in einem Schlendrian aus den Zeiten Ludwig XV., dort ist ein fünfzigjähriger rußiger Schlossergeselle als Amor mit kurzen Hosen, nackten Armen und Beinen, einen halben Faßreif mit einem Strick umgehängt, einen Bogen vorstellend, nebst einer Kufe voll Gänsekiele statt der Pfeile. Apollo und ein paar Musen spielen und saufen einen giftig gebrauten Wein hinter einem Tisch, vor ihnen steht ein Trupp Amazonen, mit Hackbeilen bewaffnet, mit denen in Kampf sich einzulassen wohl nicht rätlich wäre. Eine keusche, bis über die Knie aufgeschürzte Diana ist mit einem sechs Schuh langen halben Mond versehen und beschenkt taumelnd ihren neben ihr sitzenden Endymion verschwenderisch mit den saftigsten Küssen. Jetzt tritt ein Haufen Ritter, die Götter mögen wissen, von welcher Gestalt, mit einem Trupp Kobolde ein, alle haben scheußliche Larven vor. Türken in zerlumpten alten Schlafröcken mit papiernen Turbanen und so weiter. Dies sind die Charaktermasken und Kostüme des Pariser Karnevals, denen man in den Straßen begegnet und die man in allen Guinguetten findet. Es wäre der Mühe wert, diese Physiognomien zu studieren. Eine Ronde um diese Zeit durch die Bastringues und Tanzlokale von Paris zu machen, ist wohl ergiebig und mag dem Menschenfreund wie dem Menschenkenner manches zu denken geben. Die Bälle des Tivoli _d'hiver_, der Eremitage, des Prado, Retiro und so weiter bis auf die lebensgefährlichen Sauf-, Raub- und Mordhöhlen vor den Barrieren durchstöberte ich, um das Volkstreiben der berühmten verrufenen Hauptstadt ganz kennen zu lernen. Da führt ein Lumpenmann (Chiffonier) eine Herzogin der guten alten Zeit, _dame de haut parage_, am Arm, und läßt sie von Zeit zu Zeit einen Schluck aus seiner Branntweinflasche tun, dort verliert sich ein Großsultan mit einer Grobwäscherin, der er das Schnupftuch zugeworfen, in irgendein heimliches Gemach. Die Gavotten, Kontertänze, Farandolen, alles wird durcheinander gerast. Plötzlich erscheint ein vierschrötiger Kerl im Matrosen- oder Lazzaronikostüm oder ein fast ganz nackter Wilder, der die _partie honteuse_ kaum mit einigen Blättern, die zerfetzt an ihm herabhängen, bedeckt, und kündigt schreiend einen Solotanz an, den er unter dem infernalischsten Getöse und Gebrüll ausführt. Auf den Boulevards reiten die tollsten Masken auf Eseln, Schindmähren, sitzen auf der Imperiale der Fiaker, deren Kutscher ebenfalls maskiert sind. Sogar Hunde laufen mit Masken umher. Dies waren die Lustbarkeiten des Pariser Karnevals, die auch der Fürst Y., durch meine Berichte neugierig gemacht, ein paarmal mit mir inkognito besuchte. Während der Republik war es noch viel ärger, da sah man unter anderen Nonnen auf Eseln reiten, an deren Schwanz Priester im Ornat, das Meßbuch in der Hand, gebunden waren.

Mit Angelika besuchte ich zu dieser Zeit nur die Theater, besonders die französische und italienische Oper, wo wir die Meisterstücke der ersten Komponisten in hoher Vollendung aufführen sahen, namentlich auch Mozarts >_Nozze di Figaro_<, >_La Molinara_<, Paesiellos >_Barbiero di Seviglia_< und so weiter.

Unterdessen hatte sich einige Zeit nach der Scheidung Napoleons von Josephinen plötzlich das Gerücht verbreitet, ersterer würde eine österreichische Prinzessin heiraten, dem man aber anfänglich wenig Glauben schenken wollte; ja viele Franzosen betrachteten es als unmöglich. Da aber das Gerücht bald zur unleugbaren Gewißheit wurde, machte diese Neuigkeit einen unbeschreiblichen Eindruck in ganz Frankreich und dessen Hauptstadt. Im ersten Augenblick war man vor Überraschung stumm. Als aber der erste Eindruck und die Bestürzung vorüber waren, machte sich die fast allgemeine Mißbilligung hinsichtlich dieser Ehe in den ungemessensten und unvorsichtigsten Ausdrücken Luft. »Wie,« hieß es, »und darum von der besten und liebenswürdigsten Frau geschieden, um eine österreichische ... zu heiraten. Hat die Erfahrung nicht gelehrt, was die Österreicherinnen, die auf dem französischen Thron saßen, für namenloses Unglück über Frankreich gebracht? -- Sind wir denn in Frankreich so arm an edlen Jungfrauen, die würdig wären, den französischen Kaiserthron zu zieren und der Nation Regenten zu schenken? Einer Französin hätte hundertmal eher diese Ehre gebührt, als dieser autrichienne, die Napoleons und unser Unglück machen wird.« Unglaublich ist es, welche Stimmung diese Neuigkeit unter allen Ständen hervorbrachte und selbst beim Heer. »_Une autrichienne! -- est -- il possible au monde!_« war der ewige Refrain, den einer dem anderen zurief; »eher würde ich eine französische Magd geheiratet haben.« Dabei war nichts Komischeres als die Verblendung des österreichischen Gesandtschaftspersonals zu Paris, das sich einbildete, die Franzosen fühlten sich überaus glücklich und hochgeehrt durch die Wahl des Kaisers, und die Herren trugen jetzt die Nasen um einige Zoll höher. Niemand von Napoleons Umgebung getraute sich jedoch, ihn mit dieser Stimmung des Volkes bekanntzumachen und ihn aus der beglückenden Unwissenheit deshalb zu reißen. Hätte er sie genau gekannt, so würde er schwerlich die Ehe mit Maria Louise vollzogen haben. Selbst der gemeine Soldat und der Taglöhner sprachen nur wegwerfend und verächtlich von dieser Verbindung, und als seine Mitteilung an den Senat dieserhalb bekannt wurde, in der es unter anderem hieß: »_Nos peuples aimeront cette princesse pour l'amour de nous, jusqu'à ce que témoins de toutes les vertus qui l'ont placée si haut dans notre pensée, ils l'aiment pour elle même_,« gab dies zu den bittersten Satiren, zu beißendem Spott Anlaß, der sich sogar in heimlich gedruckten Spottliedern Luft machte. Die Dankadresse des Senats, die Absendung Neufchatelles, die Trauung per procura zu Wien und so weiter, dies alles mußte Stoff zu Satire, Spöttereien und gehässigen Anmerkungen geben, die der sonst so wachsame Fouché wenn nicht gar zu nähren, doch zu ignorieren für gut fand. Ich muß gestehen, daß auch mir, der ich diese Stimmung genau kannte, nicht ganz wohl zumute bei der Sache war. Mit Josephinen schien auch Napoleons Glückstern von ihm gewichen.

Damals geschah es, daß man _aux français_ eine Orange mit einem Zettelchen auf die Bühne warf, in die Orange selbst aber hatte man einen Louisdor mit dem Gepräge Louis XVI. gesteckt. Das Publikum forderte die auf der Bühne befindlichen Akteurs zum Lesen des Billetts auf. Da diese aber Anstand nahmen, dem Begehren Folge zu leisten, so gab es einen bedeutenden Lärm und großen Tumult, der immer ärger wurde und erst endigte, als einer der Schauspieler mit dem Billett an die Rampe trat und andeutete, daß er zum Lesen bereit sei. Jetzt wurde alles stille und er las: »_Gardez le Louis et jettez l'écorce!_« Es lautete aber auch wie: »_Gardez le Louis et jettez le Corse!_« Von mehreren Seiten wurde Beifall geklatscht, der jedoch schnell verstummte und wahrscheinlich nur in aller Unschuld von Personen gezollt wurde, welche den Calembourg gar nicht verstanden hatten, oder nur aus Gewohnheit, weil man bei solcher Veranlassung immer zu klatschen pflegt, klatschten. Die Sache machte großes Aufsehen in Paris, und der Akteur, der ebenfalls in aller Unschuld das Billett gelesen hatte, erhielt einen tüchtigen Wischer und wurde entlassen.

Unterdessen dachte auch ich jetzt an eine Scheidung von meiner liebenswürdigen Angelika, der ich zwar immer sehr wohl wollte, aber die Flitterwochen waren vorüber, der Reiz der Neuheit verschwunden, und dies Zusammenleben fing an, mir lästig zu werden. Wenn man so ewig umeinander ist, bleibt die Langeweile nicht aus, und obgleich Madame Bonnier einen lebhaften Geist hatte, so machte auf der anderen Seite die Klostererziehung, wenig Welterfahrung und Mangel an wissenschaftlicher Bildung, daß ihre Unterhaltung nur dürftig und einseitig war. Als ich ihr unsere bevorstehende Trennung unter dem Vorwand, daß es der Dienst heische und ich doch vielleicht Paris bald verlassen müsse, ankündigte, war sie darüber ebenso untröstlich, als es Josephine gewesen sein soll, da ihr Napoleon eine ähnliche Eröffnung machte; auch mich hatte es einige Überwindung gekostet, der guten Frau diese Mitteilung zu machen. Ich suchte ihren Schmerz möglichst zu mildern, indem ich ihr versprach, so lange ich noch in Paris verweile, sie täglich zu besuchen, daß mir aber das fernere Beisammenwohnen große Unannehmlichkeiten und Nachteile von seiten Napoleons zuziehen würde, der mir selbst den Befehl zum Ausziehen gegeben habe. Mit meinen Verhältnissen und dem Leben überhaupt so ganz unbekannt, schenkte die gute Angelika diesen Worten vollkommen Glauben. Die Wohnung bezahlte ich drei Monate voraus und mietete mir eine andere in der Nähe des Palais Royal, besuchte aber meine Geschiedene noch oft, bis ich nach und nach seltener wurde und sie sich mehr und mehr wieder an das Alleinsein gewöhnte, doch führte ich sie bisweilen noch in die Theater und an andere öffentliche Orte und sorgte auch sonst auf das beste für sie.

Häufiger fand ich mich nun wieder bei dem Fürsten Y... ein, der mich fast in allen Dingen um Rat fragte und immer mehr Geschmack an den _Soupers fins_ fand, da er nicht oft imstande war, auszugehen, daher gerne die Theaterschönheiten bei sich figurieren und intrigieren sah und soviel als möglich mitagierte. An Präsenten ließ er es nicht fehlen, und so kam man gerne, und da die Damen wußten, daß ich dabei zu Rate gezogen wurde, so machten sie mir sogar den Hof. Monseigneur neigte sich zur Chevigny und zur Clotilde, mich aber bezauberte mehr die Mars und die Gardel, weshalb ich auch diese bei den Preisausteilungen vorzüglich begünstigte. Letztere erhielt sogar einmal einen prächtigen Wagen des Fürsten, dessen Eleganz sie sehr gerühmt und der über sechstausend Franken gekostet, zum Geschenk. Dennoch fand sie _son Altesse insupportable_ und wußte ihr immer zu echappieren, während ich sie und die Mars zu Partien in die Umgebungen von Paris einlud und ohne Vorwissen Seiner Durchlaucht in der fürstlichen Equipage abholte. Besonders gerne wählte ich das Wäldchen von Romainville, _les prés de Saint Gervais_ und Neuilly zu dem Schauplatz der galanten Abenteuer mit den Theaterfürstinnen, und dann sangen wir:

Que l'on est heureux, joyeux, Tranquille à Romainville, Ce bois charmant Pour les amants Offre mille agrémens etc.

Eines Tages kam während eines solchen Soupers beim Fürsten Y. die Sprache auf die famose Halsbandgeschichte, auf Cagliostro, dessen Zitationen der Toten und so weiter. Der Fürst äußerte, daß er ganz außerordentliche Dinge von Personen, die ihnen beigewohnt, davon gehört habe, und durch den Champagner schon ziemlich heiter gestimmt, rief er aus: »Ich wäre begierig, doch auch einmal dergleichen zu sehen.« -- »Wenn Eure Durchlaucht die Kosten bestreiten wollen,« versetzte ich, »so mache ich mich anheischig, Derselben ein ganzes Regiment Toter aus allen Zeiten erscheinen zu lassen.« -- »Ich halte Sie beim Wort,« versetzte der Fürst, der eben einen Wald seines deutschen Fürstentums an einen Pariser Juwelier für eine bedeutende Summe und für diversen Schmuck, der in die Hände der Theaterprinzessinnen fiel, verkauft hatte und daher bei Kasse war.[9]

[Fußnote 9: Als dieser Juwelier nach Offenbach reiste, um Besitz von seinem Wald zu nehmen, erklärte ihm aber der Premierminister des Fürsten, ein gewisser Geheimrat Goldner, daß Se. Durchlaucht nicht berechtigt seien, diesen Wald, der Staatsdomäne sei, zu verhandeln; der Mann geriet über diese Entdeckung zur Verzweiflung und erschoß sich.]

»Wohlan, Durchlaucht,« sagte ich nun, »um die Sache recht feierlich zu machen, werde ich ein prächtiges Nachtmahl veranstalten, bei dem all die Toten erscheinen sollen, die Sie zu sehen und mit denen Sie zu speisen wünschen.«

»Gut, wir wollen die Liste der Gäste anfertigen, es müssen ein paar Dutzend großer Toten sein, die geladen werden sollen.« In einer Gesellschaft, bei der diesmal auch Talma nebst der Mars und anderen zugegen war, kamen wir mit der Genehmigung des Fürsten überein, folgende Personen zu zitieren: den König Salomon, die Königin Saba, Alexander den Großen, Noah, den Patriarchen Abraham, die Rachel, Moses, Semiramis, Kleopatra, Aspasia, Cäsar, Alcibiades, Helena, die keusche Susanna, Karl den Großen, Diana von Poitier, Johanne d'Arc, Ludwig XI., Luther, Sixtus V., Ludwig XIV., Maria Stuart, Elisabeth von England, Heinrich IV., Papst Alexander VI., Lucretia Borgia, die römische Lucretia samt dem älteren Brutus, Friedrich den Großen, Maria Antoinette und endlich den Cagliostro selbst. Dies waren die Toten, welche die Ehre haben sollten, an dem mitternächtlichen Mahl des Fürsten Y. teilzunehmen. Die meisten davon hatte ich in Vorschlag gebracht und erteilte mir selbst das Amt eines Zeremonienmeisters bei diesem Fest, dabei machte ich zur Bedingung, daß mir die Anordnung des Ganzen überlassen bleibe und sich durchaus niemand, selbst Seine Durchlaucht nicht einmischen dürfe, sondern nur die später einlaufenden Rechnungen zu berichtigen habe. Ich bat mir acht Tage Zeit zu den Vorbereitungen aus, die mir auch bewilligt wurden, rekrutierte nun meine Toten aus dem Personal verschiedener Theater, namentlich unter den Künstlern der großen Oper, des Balletts und des französischen Theaters, und Talma, die Duchenois, die Mars, die Gardel, Klotilde, Leverd, Lainez, Beaupré, Saulnier, Vestris, Nourrit, Maillard, Laforet und andere waren mit von der Partie und hatten sich auf meine Einladung dazu verstanden, jeder eine Totenrolle zu übernehmen und dem seltsamen Fest beizuwohnen. Nach Übereinkunft mußte sich ein jeder gegen billige Vergütung, der übernommenen Rolle gemäß, möglichst historisch treu kostümieren. Haut und Gesicht mußten eine Totenfarbe haben. Ich ließ den großen Salon in der Wohnung des Fürsten Y. ganz mit schwarzem Tuch drapieren, sogar Decke und Fußboden mit solchem belegen, die Wände wurden mit aus weißem Tuch geschnittenen Totenköpfen und Totenknochen verziert, die ganze Beleuchtung wurde durch blaues spirituöses Licht veranstaltet. Die Tafel wurde ganz schwarz gedeckt, jede Stelle, auf welche Schüsseln oder Teller placiert werden sollten, war durch einen Kranz von Totenknochen bezeichnet. In der Mitte des Tisches stand ein hoher Tafelaufsatz, aus Totenköpfen und Knochen von Zucker sehr künstlich nachgebildet, bestehend. Alle Servietten waren von schwarzem Seidenzeug und hatten in der Mitte einen bekränzten Totenkopf und ins Kreuz gelegte Knochen an den vier Ecken, von Silberborden zierlich ausgeschnitten und aufgenäht. Vierundzwanzig schwarze Kandelaber mit silbernen Verzierungen standen ringsherum an den Wänden, auf denen blaue Spiritusflammen brannten, ebensoviel versilberte Lampen hingen von der Decke herab. Alle Armstühle waren schwarz überzogen, und an dem Rücken eines jeden war nach Umständen ein bekrönter oder behelmter Totenkopf angebracht, auf den für die Päpste bestimmten prangte die dreifache Krone über und Petris Schlüssel unter dem Kopf, alles in Silber. Außerdem war der Saal längs der Decke ringsherum mit schwarzen Wolken drapiert, deren Fransen Totenknochen und deren Quasten Totenköpfe vorstellten, ebenso waren die Fenstergardinen drapiert. Für die Tafel selbst hatte ich die ausgesuchtesten Leckerbissen bei den _frères provençaux_ bestellt zu fünfzig Franken per Kopf ohne Wein. Der Tischwein war Ai und Rosé, und zu Dessertweinen Tokaier, Kapwein, Schiras und Johannisberger. Ein Kaiserpunsch machte den Beschluß dieses schwelgerischen Totenmahles. Vierundzwanzig in Leichentücher gehüllte dienende Geister besorgten die Aufwartung, und eine gleiche Zahl gleichkostümierter Musikanten, welche nur Trauer- und Totenmärsche spielen sollten, machten Tafelmusik, auf einem Castrum Doloris sitzend. Das aus Zuckerwerk bestehende Dessert stellte alle möglichen Embleme des Todes vor, unter anderen eine sehr künstlich gearbeitete Gruppe tanzender Skelette. Alle Schüsseln, Teller, Flaschen und Becher waren schwarz angelaufen, und die Gläser hatten schwarze Ränder. Fürst Y., der als Sesostris dem Mahl beiwohnen sollte, hatte einen eigenen schwarzsamtnen Thronsessel, mit silbernen Sternen gesät, und ein gekrönter versilberter Totenkopf war auf der Spitze des Rückrandes angebracht.