Vierzig Jahre aus dem Leben eines Toten. Band 2 Hinterlassene Papiere eines französisch-deutschen Offiziers

Part 30

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Napoleon, der beinahe vor Ungeduld vergehen wollte, weil das unbefestigte Saragossa so lange nicht bezwungen werden konnte, hatte seinen Adjutanten, den Ingenieuroberst Lacoste, abgesandt, die Belagerung zu leiten, der nun alle Angriffe anordnete. In der belagerten Stadt sah es indessen auch nicht zum besten aus, die Munition fing an zu fehlen, die Toten lagen in vielen Gassen unbegraben, die Lebensmittel wurden immer teurer, seltener und schlechter; dennoch verloren die Einwohner den Mut nicht, die Frauen teilten sich sogar in Kompagnien ein, um den Dienst oder die Pflege der Verwundeten zu besorgen; eine Gräfin Burista war Kommandeur dieses seltsamen Regiments. Einen Ausfall, den die Spanier aus der Vorstadt auf dem linken Ufer des Ebro unternahmen, glückte ihnen so, daß sie sich, trotz der heftigsten Gegenwehr, eines Postens bemächtigten, ihn behaupteten, auch mehrere Gefangene machten, die sie im Triumph unter dem Jubelgeschrei des Volkes durch die Straßen führten. Hierbei hatte sich das von Palafox neuformierte Ulanenregiment besonders ausgezeichnet. Lacoste ließ nun Wurfbatterien errichten und von denselben unaufhörlich Bomben in die Stadt schleudern, ebenso Breschbatterien, von denen eine mit zehn Haubitzen vom größten Kaliber besetzt war; nichtsdestoweniger wütete der Kampf unter Mauern und Toren fort. Wir hatten die Nachricht erhalten, daß König Joseph, der Spanien mit einer neuen Konstitution beschenkte, in Madrid eingezogen sei, und Verdier hoffte, daß sich auf diese Nachricht Saragossa ergeben würde; aber Palafox beantwortete diese mit der Neuigkeit der Schlacht von Baylen und der, daß Dupont mit seinem fünfzehntausend Mann starken Korps kapituliert und das Gewehr gestreckt habe, was Napoleon wütend machte. Palafox wollte weniger als je von einer Übergabe reden hören. Man sprach auch viel von dem schönen Empfang, der Joseph bei seinem Einzug in Madrid geworden, erzählte sich sogar, daß er mit Steinwürfen begrüßt sei. Jetzt wurde von unserer Seite alles getan, die Stadt bald zu erobern, alle Mörser und Kanonen versah man sofort mit einem Bedarf für vierhundert Schüsse, und den 4. August spielten mit dem Grauen des Tages die Geschütze aller Batterien, welche meistens auf Kirchen und Klöster gerichtet waren, auf die jetzt ein Bomben- und Kugelregen fiel. Mönche und Nonnen verließen ihre Zellen, sich in Privathäuser flüchtend, Kranke und Wahnsinnige aus dem großen Hospital Nuestra Senora de gracia, in deren Gemächer Bomben gefallen waren, hatten sich von ihren Ketten befreit, und durch den Schrecken noch wütender gemacht, rannten sie mit tollen Geschrei durch die Straßen. Alle Reliquien, Monstranzen und andere heilige Kostbarkeiten wurden eiligst in feuerfeste Gewölbe geschafft. Aus den nahen Laufgräben unterhielten wir zu gleicher Zeit ein rollendes Gewehrfeuer auf alle, die sich blicken ließen. Als endlich mehrere Breschen durch das Kanonenfeuer praktikabel gemacht waren, rückten wir im Sturmschritt von zwei Seiten auf die Stadt los, und nun kam es auf den Trümmern der Mauern und Gebäude zum wütendsten Handgemenge. Die Kolonne, zu der wir gehörten, nahm gegen elf Uhr das Kloster Santa Ingracia, bald darauf wurde auch die Puerta del Carmen genommen, und über die Leichen ihrer Verteidiger schreitend, breiteten wir uns in den nächsten Straßen aus. Den eindringenden Truppen hatte man den Coso, die größte mitten in der Stadt gelegene Straße als Vereinigungspunkt angegeben. Wir marschierten jetzt durch die Ingracia-Straße im Sturmschritt nach diesem Punkt, wo wir Befehl erhielten, uns nach verschiedenen Richtungen zu verbreiten, um den stärksten Posten in der Stadt in den Rücken zu fallen; aber es war unmöglich, sich Bahn durch die alten, sehr engen Gassen zu brechen, welche Haufen verzweifelter Wütender, die meistens von einem Priester im Ornat, ein Kruzifix schwingend und eine geweihte Hostie in der Hand, angefeuert, sich gleich gereizten Löwen verteidigten, und dabei regnete es Steine, siedendes Wasser und Öl auf uns herab. Unser Bataillon erreichte dennoch den Magdalenenplatz, wurde aber daselbst mit Kartätschenfeuer empfangen, und wir mußten uns, wollten, wir nicht abgeschnitten werden, da aus allen Straßen bewaffnetes Volk herbeiströmte, wieder gegen die Mitte des Coso zurückziehen. Hier griff uns ein wütender Haufen, von einem Priester, der eine Kirchenfahne schwang, angeführt, ganz unvermutet an, und der Anführer unserer Kolonne wurde von einem rasenden Mönch niedergestochen. Ich übernahm jetzt das Kommando derselben und zog mich fechtend auf das Kloster Santa Fé zurück, von wo aus ich die Feinde mit Vorteil angriff und mich dann in der Kaserne Minones, die neben dem Kloster lag, festsetzte. -- Wir glaubten nun endlich die Stadt genommen und daß die Einwohner zu Kreuz kriechen würden. Dies würde sicher auch der Fall gewesen sein, wenn sich unsere Leute nicht so früh der Plünderungswut überlassen hätten und in die Häuser gedrungen wären, ohne daß es möglich gewesen, sie davon abzuhalten; die wenigsten kamen wieder lebendig heraus, sondern fanden den Tod in denselben. Ich hatte zuletzt kaum mehr zweihundert von der an tausend Mann starken Kolonne beisammen; so wie die Offiziere den Rücken drehten, liefen zehn und zwanzig in ein Haus. In einer Kirche, durch die wir bei dieser Gelegenheit zogen, erinnere ich mich ein Gemälde im Vorübergehen gesehen zu haben, das einen Heiligen darstellt, der in einer vierspännigen Galakutsche in den Himmel einfährt!

Den Moment für günstig haltend, bot Verdier, der sein Hauptquartier in dem Kloster Santa Ingracia aufgeschlagen hatte, nochmals eine Kapitulation an, auf die mit den Worten: »Krieg bis in den Tod!« durch Palafox geantwortet wurde. Zugleich ließ er auf den schiefen Turm der Stadt zwei Fahnen pflanzen, die eine blutrot und die andere weiß mit einem roten Kreuz, um den Spaniern in der Vorstadt und der Umgegend zu beweisen, daß er noch Herr der Stadt sei. Bald rückten auch neue Verstärkungen ihren Landsleuten zu Hilfe an und über die Brücke in die Stadt, aus deren Häusern man jetzt die getöteten oder noch halb lebenden Soldaten von den höchsten Stockwerken hinabwarf, wobei die Weiber, auch Kinder hilfreiche Hand leisteten, und mehr als einer dieser Unglücklichen war durch den Dolchstich einer schönen Saragosserin gefallen, mit der er den Tod umarmt und so den Moment der Ausschweifung mit dem Leben bezahlt hatte. Der Kampf in den Straßen wurde noch heftiger, und aufgetürmte Leichen bildeten nicht selten eine Brustwehr. Die Kompagnie eines Weichselregiments hatte sich hinter lauter getöteten Kapuzinern und Karmelitern verschanzt, andere machten sich Bollwerke aus in Häusern weggenommenen Matratzen. Bald sah ich ein, daß ich mich nicht lange mehr in Santa Fé würde halten können, suchte mich daher kämpfend dem Coso zu nähern und mußte dabei über ganze Haufen von Toten steigen. Hier hatten wir noch das Franziskanerkloster und dessen Kirche inne und verschanzt. -- Das Bombardement währte beständig fort sowie das Sengen, Brennen und Morden, und die klaffenden Wunden der Leichen gingen bei der großen Hitze schnell in Fäulnis über und verpesteten die Luft. -- Nach diesem furchtbaren Tag brachten wir auch noch die von den Flammen der brennenden Gebäude hellgelichtete Nacht unter den Waffen und zum Teil fechtend zu. Mit Tagesanbruch erhielten die Spanier abermals bedeutende Verstärkungen, welche durch die Vorstadt, die wir nie ganz hatten einschließen können, gedrungen waren, und die reichliche Munition für die Belagerten brachten. Dies machte, daß wir uns außerstande befanden, die Stadtteile länger zu behaupten, in deren Besitz wir waren, besonders da die Feinde die hinteren Mauern der Häuser, in denen sich unsere Leute befanden, einschlugen, in dieselben drangen und so ein Haus nach dem anderen kämpfend und mit großem Verlust geräumt werden mußte. Zugleich wurde ein furchtbares Feuer von allen Dächern und aus allen Fenstern auf die aus den Häusern flüchtenden sowie überhaupt auf alle in den Straßen sich befindenden Truppen unterhalten. Mehrere Stunden währte dieser mörderische Häuserkampf fort. Noch waren wir im Besitz des Franziskaner- und des San Diegoklosters sowie von Santa Ingracia. Jetzt erhielt Verdier die Nachricht, daß Palafox, der während der Nacht die Stadt verlassen, mit sechstausend wohlbewaffneten Aragoniern im Anzug sei. Wir mußten eiligst alle unsere auf dem linken Ufer stehenden Truppen zurückziehen und stellten eine starke Reserve auf dem Monte Torrero auf. Dies gab Veranlassung zu einer komischen und galanten Episode dieses Wettkampfes. Um unsere Kommunikation mit den noch von uns besetzten Teilen der Stadt zu unterhalten, mußten wir ein Nonnenkloster wegnehmen, dessen wir zu diesem Zweck bedurften; hier fanden wir ungefähr dreißig Schwestern nebst einer Äbtissin, die gefangen abgeführt wurden und unter denen sich zwei sehr artige Novizen und ein halbes Dutzend noch ganz junger und hübscher Nönnchen befanden. Mir wurde der Auftrag zuteil, die frommen Kinder in Sicherheit zu bringen. Nachdem ich die verzweiflungsvollen Schönen so gut als möglich zu beruhigen gesucht, eskortierte ich sie selbst, und zwar nicht ohne Gefahr, daß eine oder die andere verwundet oder gar getötet würde, denn die Kugeln hörten nicht auf zu sausen, nach dem Monte Torrero; aber trotz meiner kräftigsten Versicherungen, daß ihnen nichts zuleide geschehen solle, weinten sie dennoch unaufhörlich und schienen trostlos. Nichts half es anfänglich, daß alle Offiziere, die mit ihnen in nähere Berührung kamen, ihnen ein Gleiches versicherten. Als sie aber sahen, daß man fortfuhr, sich so artig und galant gegen sie zu benehmen und ihnen alle mögliche Aufmerksamkeit und Zuvorkommenheit erwies, fingen sie endlich an, sich in ihr Schicksal zu ergeben, ihre Tränen zu trocknen und nahmen etwas Speise und Trank zu sich. Man räumte ihnen die besten Erdhütten ein, welche die Soldaten noch besonders bequem für sie einrichteten und verwahrten, und nach zweimal vierundzwanzig Stunden waren sie schon ziemlich dieses Kampagneleben gewöhnt, besonders die Jüngeren. Sie fingen an, mit uns zu lächeln, wohl auch zu schäkern und ließen sich bald halb gezwungen, halb freiwillig ein Küßchen rauben; die meisten waren aus angesehenen spanischen Familien. Da sie sahen, daß wir keine Eisenfresser waren, und da die spanischen Nonnen überhaupt noch unendlich mehr Freiheit haben als die italienischen, auch Liebesintrigen derselben eben nicht zu den Seltenheiten gehören, so wurden sie immer vertrauter mit uns. Eine der Novizen, kaum fünfzehn Jahre alt, ein wahres Madonnengesicht, schön wie eine Verklärte, fand ich für gut, mit noch zwei jüngeren Schwestern unter meine besondere Protektion zu nehmen und ihnen ein eigenes Lokal einzuräumen; sie hatten alle getrennt und zu zwei und drei in unsere Baracken einquartiert werden müssen. Ich ließ auch Matratzen für sie herbeischaffen, die ich aus noch von uns besetzten Häusern nahm, sorgte dafür, daß ihnen immer mit den delikatesten Speisen, die zu haben waren, aufgewartet wurde, ließ sie durch meinen Burschen bedienen und übergab sie der Sorgfalt eines zurückbleibenden Unteroffiziers, wenn ich sie verlassen mußte, um an dem Kampf teilzunehmen; zum Abschied erlaubte ich mir, sie zu küssen. Den heiligen Mädchen standen die Tränen in den Augen, so oft ich sie verließ; sie baten mich, ja recht bald wiederzukommen. Da wir den dritten Tag nach der Wegnahme dieses Klosters alle Saragossa räumen mußten, um wieder Posto vor der Stadt zu nehmen, so konnte ich mich gegen zehn Uhr in der Nacht bei meinen Schützlingen wieder einfinden, die vergnügt waren, mich wiederzusehen. Die Nonnen schienen mit der Behandlung, die ihnen bis jetzt geworden, alle sehr zufrieden, und selbst die schon betagte Äbtissin schickte sich darein. Ich beredete meine drei liebenswürdigen Gäste noch zu einem Spaziergang unter die nahen Oliven, wo wir unter freiem Himmel in der schönsten spanischen Sommernacht das gestirnte Firmament bewunderten, ich aber, da alle drei hübsch und jung waren und um keinen Neid bei den anderen zu erregen, sie alle liebkoste und küßte, doch die Novize mit großer Vorliebe. So saßen oder lagen wir vielmehr alle vier recht traulich unter den Bäumen, als wir in einiger Entfernung mehrere schwarze Gestalten auf uns zuschreiten sahen, in denen wir, als sie näher kamen, noch drei Offiziere und zwei Nonnen erkannten, die ebenfalls im nächtlichen Promenieren begriffen waren; ich trat eine der meinigen einem Kameraden ab, und wir spazierten nun, ich mit der Novize und einer Schwester am Arm, unter den Oliven. Bald verloren sich die verschiedenen Paare aus dem Gesicht, und ich hatte mich mit meinen beiden Schönen wieder an einem etwas entfernteren Orte niedergelassen, wo wir uns ganz vortrefflich unterhielten, vergnügten und auf das freundschaftlichste miteinander fertig wurden. -- Ob die guten Kinder wohl alles, was zwischen uns vorfiel, gebeichtet haben mögen? -- Ich möchte es sehr bezweifeln. -- Seit Madrid hatte ich, obgleich ich kein Keuschheitsgelübde getan, doch diese gewiß strenger beobachtet als Franziskaner und Kapuziner, und zwar aus dem triftigen Grund, weil sich keine Gelegenheit gefunden, sie zu brechen. Nachdem wir uns in einem Wonnemeer von Vergnügen satt geschwelgt hatten, führte ich die guten Schwestern wieder in ihr Gemach zurück, wo die dritte in Gesellschaft ihres Begleiters sie schon erwartete. Nur ein paar Tage dauerte noch der Umgang mit den liebenswürdigen Kindern, welche auf höheren Befehl alle, samt der Äbtissin, jetzt in das Kloster eines benachbarten Städtchens gebracht wurden. Dieser Befehl kam ein wenig spät, läßt sich aber durch die weit wichtigeren Dinge, mit denen sich die kommandierenden Generäle vor allem zu befassen hatten, wohl entschuldigen. Ich gab den lieben Kindern noch das Geleit, nahm zeitlichen Abschied von ihnen, selbst der Frau Äbtissin die alte Hand küssend.

Nachdem Palafox mit seiner Verstärkung in Saragossa eingerückt war, beschränkten wir uns fast nur noch darauf, die Stadt zu bombardieren. Verdier, der selbst verwundet worden und das Kommando deshalb wieder momentan an Lefebvre abgetreten, hatte nochmals, und zwar durch gefangene Mönche, eine Kapitulation angetragen, die gleich den früheren zurückgewiesen wurde, mit dem Bedeuten, man würde sich, wenn es nötig sei, von Haus zu Haus bis zum letzten schlagen und unter dessen Trümmern begraben. Dazu kam es nicht; man murmelte seit vierundzwanzig Stunden, und die Generäle wußten es gewiß und hatten geheime Instruktionen erhalten, daß Joseph Madrid bereits wieder verlassen habe, weshalb jetzt Vorbereitungen zur Aufhebung der Belagerung gemacht wurden. Den 12. August kam endlich in der Nacht vom Hauptquartier zu Burgos der bestimmte Befehl an, die Stadt zu räumen, wenn wir schon im Besitz derselben seien, und wenn dies nicht, die Belagerung sofort aufzuheben.

Um unsern bevorstehenden Rückzug zu decken und zu verbergen, wurden jetzt noch einmal mit großer Ostentation alle Anstalten zu einem allgemeinen Angriff gemacht und die Stadt heftig bombardiert. Die Magazine, Gebäude auf dem Monte Torrero und anderen Orten, die wir inne hatten, wurden sodann angezündet. Auch das Kloster Santa Ingracia wurde mit all den Leichen seiner heiligen Märtyrer vor unserem Abzug in die Luft gesprengt, und zwar ging in der Mitternachtsstunde die furchtbare Explosion vor sich. Das mit so großer Mühe herbeigeschaffte Belagerungsgeschütz wurde in die Wellen des Ebro und die Wasser des Kanals geworfen, da wir nur das Feldgeschütz mitnehmen konnten. Auch den gefangenen Nonnen und Mönchen gab man ihre völlige Freiheit, wobei es mit den ersteren etwas bunt hergegangen sein soll. Durch einen Offizier, der die zweite, noch furchtbarere und grausamere Belagerung von Saragossa mitgemacht hatte, erfuhr ich später, daß sich manche der frommen Christusbräute in der Hoffnung befunden, aber nicht bestraft wurden, da sie Gewalttätigkeit vorgeschützt, und unter französischem Schutz niedergekommen seien.

Unser Abzug wurde nicht im mindesten durch die Belagerten beunruhigt, die sich aber des ins Wasser geworfenen Geschützes, ein halbes Hundert Kanonen, Mörser, Haubitzen, Feldschlangen und so weiter bemächtigten, das ihnen bei der zweiten Belagerung gute Dienste tat.

Was unseren Abzug so sehr beschleunigt hatte, erfuhren wir erst auf dem Marsch; es war nämlich ein spanisches Armeekorps, vierzehntausend Mann stark, zur Entsetzung Saragossas im Anmarsch und schon bei Muela angekommen. -- Wir hatten wenigstens achttausend Mann bei dieser vergeblichen Belagerung eingebüßt, die Spanier vielleicht noch mehr, denn durch das Einstürzen und Sprengen der Gebäude verloren unzählige Menschen, auch Frauen und Kinder das Leben. Unser Abmarsch wurde in der Stadt sogleich durch eine große Prozession und ein Dankfest gefeiert, wobei man besonders die Jungfrau del Pilar und Palafox hochleben ließ.

Die Belagerung von Saragossa hatte gezeigt, was die Bevölkerung einer Stadt vermag, wenn es ihr Ernst ist, dieselbe zu verteidigen; jetzt erst fing ich an, die fast fabelhafte Verteidigung mancher Städte des Altertums zu glauben. Hätte sich Magdeburg und andere preußische Festungen in dem unglücklichen Krieg von 1807 nur zum hundertsten Teil gleich der Hauptstadt Aragoniens, wie zum Beispiel Kolberg, verteidigt, so hätte Napoleon schwerlich Berlin und noch weniger Königsberg gesehen; doch die herbe und derbe Lektion mußte sein, sollte es in Preußen gut werden. Schon vierundzwanzig Stunden nach unserem Abmarsch kam das Entsatzungskorps in Saragossa an.

Der größte Teil des Belagerungsheeres schlug den Marsch über Alayon nach Tudela ein, um sich später mit der französischen Hauptarmee, die sich an den Ufern des Ebro zusammenzog, zu vereinigen. Ein kleiner Teil, bei dem auch unsere sehr zusammengeschmolzene Legion war, erhielt Befehl, den Weg nach Barcelona zu nehmen, um sich mit dem in Katalonien stehenden Armeekorps zu vereinigen, welches das Beobachtungskorps der östlichen Pyrenäen formierte und bei dem viel italienische Truppen standen. Bei der furchtbaren Stimmung und dem eingefleischten unversöhnlichen Haß der Katalonier gegen die Franzosen, der schon aus früheren Zeiten datierte, war es höchst notwendig, auch dieses Korps zu verstärken, das ebenfalls schon sehr vermindert war und namentlich bei der Belagerung von Gerona sehr gelitten hatte. Unser Marsch war wieder höchst beschwerlich und ermüdend. Wir vermieden sogar alle bedeutenden Orte, da die Bataillone meist keine dreihundert Mann mehr stark, um so mehr den Angriffen der Feinde ausgesetzt war und in ganz Katalonien nur noch Barcelona und das Fort von Figuieras in den Händen der Franzosen waren. Miquelets, in Bataillone zu zehn Kompagnien, jede hundert Mann stark, eingeteilte und wohlbewaffnete Katalonier, schwärmten zu Tausenden umher. Sie trugen runde Jacken und Federhüte, katalonische Nationaltracht. Katalonien hatte einige vierzig solcher Bataillone, Tercios de Miquelets genannt, gestellt und bewaffnet. Außerdem gab es noch eine Art Landsturm, Somatenes genannt, die sich augenblicklich, wo es not tat, zu vielen Tausenden bewaffnet erhoben, deren Einrichtung schon Jahrhunderte bestand und zu der alle Katalonier vom sechzehnten bis zum fünfzigsten Jahre gehören, sobald das Vaterland in Gefahr ist.