Vierzig Jahre aus dem Leben eines Toten. Band 2 Hinterlassene Papiere eines französisch-deutschen Offiziers

Part 29

Chapter 292,863 wordsPublic domain

Saragossa liegt in einer großen, ziemlich fruchtbaren und gut angebauten Ebene, auf der rechten Seite des Ebro, auf dessen linker sich eine Vorstadt befindet, welche durch eine steinerne Brücke mit der Stadt verbunden ist. In ihren nächsten Umgebungen sind viel Oliven- und andere Obstbäume, Gärten und Landhäuser. Das Flüßchen Huerba, eigentlich nur ein Bach, ergießt sich ganz in der Nähe in den Ebro, zwei Brücken führen über dasselbe. Saragossa beherrscht gewissermaßen die ganze Ebene, welche vom Huerba, dem Xalon, dem Gatego und dem Kanal von Aragonien bewässert wird. Die Stadt steht auf der Stelle, wo das alte, von den Karthagern gegründete Salduba lag, aus dem Augustus bei seiner Anwesenheit in Spanien eine römische Kolonie machte, der er den Namen Cäsarea Augusta beilegte. Erst unter den Sueven wurde sie der römischen Herrschaft entrissen. Als aber deren König Riciar durch Theodorich besiegt wurde, fiel sie den Goten anheim, die sie bis zum Jahre 712 behaupteten, denen sie die ganz Spanien überströmenden Sarazenen unter einem ihrer Anführer namens Tarce, der schon Murcia und Sevilla erobert hatte, wieder abnahmen. Sie blieb nun unter der Herrschaft dieser Ungläubigen, bis einer ihrer Statthalter, Ben-Alarabe, der sich der Oberherrschaft des Kalifen entziehen wollte, Karl dem Großen dieselbe unter der Bedingung antrug, daß er Gouverneur daselbst bleibe. Der Kaiser nahm den Vorschlag an und Besitz von Saragossa, nachdem er schon Pampeluna genommen. Nichtsdestoweniger fuhr sie fort, den Arabern zu gehören und hatte ihre eigenen, sich von Statthaltern zu Königen aufgeschwungenen Herrscher. Im Jahre 1118 eroberte Alphons der Streiter nach heftigem Widerstand Saragossa, machte es zur Hauptstadt des Königreiches Aragonien und sich zum König. Im sechzehnten Jahrhundert wurde es durch die Vermählung Ferdinand des Katholischen mit Isabella, Erbin der Reiche Leon und Kastilien, mit der spanischen Monarchie vereinigt. Der Umfang der Stadt mochte etwa drei Viertelstunden betragen. Sie hatte zum Teil ziemlich hohe Gartenmauern, namentlich an dem Augustiner- und anderen Klöstern, welche die Stadt umgaben. In früheren Zeiten war sie regelmäßig befestigt, aber aus ihren Werken waren längst Straßen geworden, und nur hier und da sah man noch einen alten Turm aus jenen Zeiten. Die Mauern, welche jetzt die Stadt umgaben und mit den Garten- und Klostermauern zusammenhingen, hatten nirgends über dreizehn Fuß Höhe bei drei bis Vier Fuß Dicke und waren von Backsteinen, die Vorstadt hatte gar keine Einfriedigung. Die Zahl ihrer beständigen Einwohner war ungefähr fünfzigtausend, und die ihrer Kirchen und Klöster ein halbes Hundert. Von den letzteren waren einige, wie zum Beispiel das von San Joseph, das auf der rechten Seite des Huerba lag, kleine Festen oder Burgen. Die Anhöhe Monte Torrero, welche ungefähr viertausend Schritte von diesem Kloster entfernt liegt und an der der Kanal von Aragonien vorbeifließt, beherrscht die nächste Umgebung. Die Aljaferia, ein viereckiges Schloß mit bombenfesten Gewölben und kleinen Türmen, liegt nahe an der Westseite der Stadt, vor dem Sortillo-Tor, ist mit einem tiefen Graben versehen und hat einige Bastionen. Dieses Schloß war früher ein Palast der maurischen Könige und später der der Könige von Aragonien, bis ihn die Regenten Spaniens der Inquisition überließen, die ihren Sitz in demselben aufschlug und ihre Schlachtopfer in den fürchterlichen unterirdischen Gefängnissen desselben verwahrte. Erst Philipp V. machte im achtzehnten Jahrhundert auch eine Festung aus demselben.

Unter den vielen Kirchen dieser Stadt sind sehr prächtige, die, sowie die Klöster, besonders das der Dominikaner und der Inquisitionspalast in der Stadt, große Schätze und Sehenswürdigkeiten besitzen. Diese Stadt hat auch einen sehr schief gebauten überhängenden Turm, gleich denen zu Bologna und Pisa, der sehr hoch ist und mitten auf einem freien Platz steht. Die berühmteste Kirche ist die Unserer lieben Frauen del Pilar, ein sehr prachtvolles, reiches Gebäude, das wir aber nur, sowie die meisten anderen, aus gehöriger Ferne bewundern konnten. Die Spaziergänge an den schönen Ufern des Ebro und des Huerba sind reizend und zum Teil mit Torres (Landhäusern) und Alleen versehen. Die um die Stadt herumliegenden Gärten, Huertas, sind meistens groß, hübsch und mit Geschmack angelegt. Die vielen Klöster, welche zum Teil in der Nähe der Tore liegen und aus Backsteinen erbaut sind, kann man gewissermaßen als diese verteidigende Bastionen betrachten. Die mit gelblackierten glitzernden Steinen bedeckte Kuppel der Kirche der Madonna _del Pilar_ und andere, sehen von ferne goldenen Dächern gleich.

In der Nähe von Saragossa fand am 20. August 1710 die berühmte Schlacht statt, in welcher die Truppen Philipp V. von denen Karls von Österreich, die sich um das Erbe Karl II. stritten, auf das Haupt geschlagen wurden.

Die Einwohner Saragossas, namentlich der niederen Klassen, sind ein sehr kräftiger, starker Menschenschlag, und gegen Witterung und Entbehrungen aller Art abgehärtet. Viele derselben kennen ein Bett nur dem Namen nach oder besteigen ein solches zum erstenmal, wenn sie sich verheiraten.

Es war ein Kartätschenschuß, der zuerst unter die Reihen der in Saragossa wie zu einer Parade einmarschierenden französischen Kolonne fuhr, die vordersten Glieder derselben blutig niederwarf und die Truppen zum schleunigen Rückzug aus der Stadt bewog. Lefebvre-Denouette hatte statt eines feindlichen Angriffes und der Kanonenschüsse eine bewillkommende Deputation erwartet. Er ließ zwar kurze Zeit darauf Angriffskolonnen formieren, um die Westseite der Stadt zu stürmen, auch war das Karmelitertor bald eingeschossen und genommen worden, aber dem weiteren Vorrücken standen die todbringenden Feuerschlünde entgegen, die des zu engen Raumes wegen nicht zu nehmen waren. Dabei wurde auch unausgesetzt aus den Häusern auf die Truppen gefeuert. Eine Abteilung von mehreren hundert Mann war zwar bis auf den Platz de la Misericordia über einen Teil der Stadtmauern vorgedrungen und wollte dem Feind in den Rücken fallen. Aber dieser Versuch fiel schlecht aus. Von der Übermacht umringt, fielen die meisten unter den Streichen der Spanier, nur wenigen gelang es, dem Tode für den Augenblick zu entrinnen, indem sie sich in eine Kaserne retirierten, aus der sie jedoch ebenfalls bald wieder flüchten mußten, da diese von den durch das Dach eindringenden Landleuten in Brand gesteckt wurde. Jetzt führte man einen allgemeinen Angriff, die Fahnen und Adler an der Spitze der Regimenter, gegen die Stadt aus und stürmte unter dem Ruf: »_Vive l'Empereur!_« gegen die Tore. Die Kavallerie sprengte voran, wurde aber durch das Kanonenfeuer niedergeschmettert und zurückgetrieben. Nicht besser erging es der nachrückenden Infanterie, welche dem Kartätschenhagel in den Straßen und dem Kugelregen aus den Häusern ebenfalls weichen mußte. Als es den Spaniern an Kugeln und Blei zu mangeln begann, holten Weiber und Kinder solches aus den Magazinen herbei und brachten sie ihren Gatten, Vätern und Brüdern, sogar alte Knöpfe, Nägel, Eisenblech und altes Eisen schleppten sie hinzu, damit das Kartätschenfeuer unterhalten werden konnte; ebenso Wein, Brot, Käse und Wasser zur Erfrischung der Kämpfenden, denen sie oft die Bissen in den Mund steckten, während diese luden und abfeuerten, und dabei schrieen sie unaufhörlich: »Es lebe Maria _del Pilar_!« In die meist dreistöckigen, von Backsteinen erbauten Häuser trugen sie schwere Steine, Balken, Eisen und so weiter, um es den andringenden Truppen auf die Köpfe zu werfen. Eine Fahne, die ein tödlich getroffener Unteroffizier vom zweiten Weichselregiment hatte fallen lassen, holte ein zehnjähriger Knabe, unter den Kämpfenden hinkriechend, und lief mit seiner Beute jubelnd davon. Schon lagen ganze Haufen von Toten an den Toren und noch hatten die Franzosen wenig oder gar kein Terrain gewonnen. Ein abermaliger allgemeiner, im Sturmschritt stattfindender Angriff hatte keinen besseren Erfolg und wurde mit großem Verlust zurückgeschlagen. Über dreitausend Mann, sechs Kanonen und mehrere Fahnen hatte man schon vor Saragossa, einer nicht befestigten Stadt, verloren, und die Aragonier schmückten sich mit den Waffen und Kleidern der in der Stadt gefallenen Feinde. Nach der letzten Waffentat wurde die folgende Nacht ganz Saragossa, gleichsam zum Hohn des Feindes, illuminiert, und man brachte sie betend in den Kirchen zu. Während die Franzosen den anderen Tag Streifzüge in die umliegenden Dörfer machten, diese plünderten und Subsistenzmittel requirierten, warfen die Einwohner neue Verschanzungen auf und setzten ihre Stadt in den besten Verteidigungszustand, Batterien errichtend und alle Mauern und Gebäude an derselben mit Schießscharten versehend. Sie hieben zugleich alle in der Nähe befindlichen Bäume um und machten Verhaue an allen Eingängen der Stadt, um der Reiterei das Vordringen unmöglich zu machen. Angetragene Kapitulationen wurden stolz zurückgewiesen und durch racheatmende Manifeste beantwortet, in denen es hieß: daß man alle französischen Gefangenen niedermachen würde und so weiter. Die Mönche, Geistlichen und Gerichtsspersonen machten Sicherheitsronden und Patrouillen, man tat sogar Ausfälle auf die Belagerer und nahm ihnen einige Kanonen weg. Indessen war Palafox, der einen nächtlichen Marsch nach Epila mit siebentausend Mann, bei denen auch das neuorganisierte Regiment Ferdinand VII. war, unternommen, zurückgeworfen worden und hatte dabei mehrere Kanonen verloren. Wenige Tage darauf kam Verdier mit seiner Division, nebst Belagerungsgeschütz von Pampeluna und auch unser Bataillon vor Saragossa an. Verdier übernahm nun den Oberbefehl sämtlicher Belagerungstruppen, die Belagerten erhielten aber auch von Zeit zu Zeit Sukkurs. Kurz nach unserer Ankunft fand eine furchtbare, die Erde erschütternde Explosion in der Stadt selbst statt. Das zu einem Pulvermagazin umgeschaffene Seminarium, in welches man das Pulver von Monte Torrero gebracht hatte, wurde durch Unvorsichtigkeit in die Luft gesprengt. Die Wirkung war schrecklich. Es schien, als wanke der ganze Erdboden, alle Häuser zitterten, und außer dem Seminarium lagen noch einige zwanzig Gebäude in Trümmern und ihre Bewohner unter denselben begraben. Nachdem die erschrockenen Einwohner aus den Häusern gestürzt, und erfahren hatten, was die Ursache dieser entsetzlichen Erschütterung gewesen, war ihre erste Sorge, neues Pulver anzuschaffen. Gewiß ist es, daß, wenn wir die erste Bestürzung, in die dieses Ereignis die ganze Stadt versetzt, benutzt und einen allgemeinen Sturm unternommen hätten, wir leicht Herr derselben geworden wären. So aber ließ man beinahe vierundzwanzig Stunden verstreichen, ehe man einen solchen Angriff begann. Die Einwohner hatten Zeit gehabt, sich zu sammeln und zu beruhigen, da sich noch hinlänglich Munition vorfand, und die Attacke wurde auf allen Seiten abgeschlagen. Doch nahmen wir bald darauf den von Bürgern und Bauern besetzten Monte Torrero, der die Stadt von der Südseite dominiert, nach kurzem Widerstand, da er nicht besonders gut verschanzt war. Der spanische Offizier, der daselbst kommandiert hatte, Oberst Falio, wurde auf Befehl der Junta vor ein Kriegsgericht gestellt, zum Tode verurteilt und erschossen. Auf dieser Höhe wurden nun Batterien gegen die Stadt errichtet und dieselbe von hier aus heftig bombardiert. Die meisten Bomben fielen in die Mitte der Stadt und richteten manchen Schaden an, ebenso die Batterien von San Bernardo, und das Sturmläuten von den Türmen währte nun Tag und Nacht ununterbrochen fort. Bei der Nacht bildeten die Bomben und glühenden Kugeln feurige Bogen in der Luft, ein furchtbar-schönes Schauspiel! Einige fielen in die Kirche Madonna _del Pilar_, viele auch zischend in die Fluten des Ebro, und der Schaden war nicht so groß als wir glaubten, obgleich schon weit über tausend Bomben geworfen waren. Die in die Kirchen gefallenen Kugeln hatten fast gar kein Unheil gestiftet, und die Priester machten das Volk glauben, daß man es der Madonna zu danken habe, daß so viele feurige Kugeln in den Fluß fielen. Unser Bataillon wurde zu einem Angriff gegen das Portillo-Tor verwendet, und als wir nahe daran waren, die daselbst errichteten Batterien, deren Kommandant schon gefallen war, zu nehmen, stürzten sich ganze Haufen bewaffneter Bürger auf dieselben, machten sie uns von neuem streitig und die Wegnahme unmöglich. Bei dieser Gelegenheit zeichnete sich ein kaum neunzehnjähriges hübsches Mädchen, das Augusta geheißen haben soll, durch einen selbst bei Männern seltenen Heroismus aus. Sie hatte nämlich ihrem Geliebten, der daselbst kämpfte, das Essen gebracht. Aber in dem Augenblick, als sie ankam, stürzte dieser tödlich getroffen nieder. Das Mädchen warf das Essen zu Boden und sich auf den geliebten Gegenstand, den sie fest umklammerte. Dann rafft sie sich aber wieder schnell und gefaßt auf, ihre Blicke verraten Schmerz, Zorn und Wut zugleich. Noch hält der Sterbende die brennende Lunte, mit welcher er die geladene Kanone auf uns abfeuern wollte, krampfhaft zuckend in der Hand. Sie entreißt ihm dieselbe, entzündet das Geschütz, auf das wir im Begriff waren, einzudringen, und mehr als ein halbes Dutzend der Unsrigen sinken tödlich getroffen nieder. Das Mädchen war schön, hatte besonders einen herrlichen Wuchs, ihre zornglühenden Wangen, ihre feuersprühenden Augen gaben ihr das Ansehen einer Pallas. Durch das Beispiel dieser Heroine angefeuert, eilen die erst vor Staunen starren Spanier ihr zu Hilfe. Es erhebt sich ein mörderischer Kampf um die Kanonen, und wir müssen zuletzt mit bedeutendem Verlust vor den sich immer mehrenden Haufen, in deren Mitte die neue Johanna d'Arc anfeuernd kämpft, zurückweichen, die Kanone im Stiche lassend, die nun aufs neue den Tod in unsere Reihen sendet. Das Mädchen war in der Tat sehr schön und erschien uns hier als ein höheres, wunderbares Wesen. Alles hätte ich darum gegeben, sie lebendig fangen zu können, und lange schwebte mir dieses Bild vor Augen. Auch ich hatte einen Streifschuß am linken Oberarm erhalten und zwei Kugeln waren mir durch den Hut gegangen. Hiebe und Stiche hatte ich unzählige pariert. Die Spanier erlangten nun verschiedene Vorteile und entrissen uns mehrere schon besetzte Punkte, namentlich auch ein Kloster, das wir schon genommen hatten. Erst als wir wieder unter den Oliven angekommen waren, ließ ich meine leichte Wunde verbinden. Nachdem wir uns wieder mit frischer Munition versehen hatten, die zum Teil von Calatayud geholt werden mußte, machten wir uns zu neuen Angriffen bereit. Palafox schien ein wahrer Überall und Nirgends zu sein. Bald war er in der belagerten Stadt, bald hieß es: er sei hinter unserem Rücken mit einem bedeutenden Hilfskorps im Anzuge. Bald spukte er auf dem rechten, bald auf dem linken Ufer des Ebro und so weiter, und wohin er kam, belebte er alles mit neuem Mut. Eine der größten Schwierigkeiten war, die nötigen Lebensmittel für unser Armeekorps herbeizuschaffen. Bei diesem Geschäft wurden die zunächst liegenden Städte und Orte beständig in Requisition gesetzt, die aber alle, besonders die _cinco Villas_ (fünf verbundene Städte in der Umgegend), sehr patriotisch und sehr feindlich gegen uns gesinnt waren, und kleine Detachements bisweilen zu Gefangenen machten. Ein seltsames Verteidigungsmittel hatte eine derselben, die Stadt Exea, ersonnen, als sie mit Gewalt Lebensmittel und andere Dinge liefern sollte. Zwei Kompagnien waren dahin abgeschickt worden, um die Requisition beizutreiben. Sie marschierten auch ohne den mindesten Widerstand bis in die Mitte der Stadt. Kaum aber hatten sie auf einem Platz derselben das Gewehr bei Fuß genommen, als sich plötzlich die großen Tore eines langen Gebäudes öffneten und einige zwanzig wütender Stiere heraus und auf sie lossprangen. Zu gleicher Zeit wurde aus allen Fenstern der umstehenden Häuser auf die Mannschaft gefeuert, die genug zu tun hatte, den unbändigen gehörnten Feind abzuwehren. Der größte Teil dieses aus hundertsechzig Mann bestehenden Detachements wurde getötet oder gefangen, und nur einer kleinen Zahl gelang es, das Belagerungsheer zu erreichen und den seltsamen Überfall und Kampf zu berichten. Dies war gewiß ein ganz eigenes Stiergefecht. Diese Stadt, deren Namen Exea-de-Los-Caballeros ist, und die zwölftausend Einwohner hat, liefert die vorzüglichsten Stiere zu den gewöhnlichen Stiergefechten.

Der Kampf in und um Saragossa währte ununterbrochen fort. Ein Bataillon aragonischer Freiwilliger, das kürzlich unter dem Schall der Musik einmarschiert war, machte einige glückliche Ausfälle, wobei es sogar einige unserer Batterien demolierte. Außerdem wurden wir auf unseren Flanken und im Rücken fast unaufhörlich von Guerillas beunruhigt, die sich jetzt zu zeigen begannen und die wir nur mit Mühe abwehren konnten. Bomben und Granaten wurden nur noch spärlich in die Stadt geworfen, der wir durch die Arbeiten der Ingenieure immer näher zu kommen suchten. Endlich gelang es, eine Brücke über den Ebro unterhalb Saragossa zu schlagen, und so auch auf dem linken Ufer dieses Flusses Posto zu fassen, durch welchen die Kavallerie, da er sehr seicht war, ritt. Wir suchten nun auch die Vorstadt einzuschließen und so der Stadt alle Kommunikation mit der Umgegend abzuschneiden, verbrannten die Mühlen, wodurch die Belagerten gezwungen waren, Pferdemühlen in der Stadt einzurichten, um Mehl zu haben, ebenso die Fabrikation des Pulvers innerhalb ihrer Mauern vorzunehmen, dessen sie täglich einige Zentner verfertigten. Die Mönche füllten die Bomben und machten die Patronen. Bei all dem konnten wir sie doch nicht so gänzlich einschließen, daß es ihnen unmöglich gewesen wäre, von Zeit zu Zeit Zufuhren und Verstärkungen einzulassen. Unterdessen machten unsere polnischen Truppen einen Angriff auf das Kloster Sankt Joseph, das mit vielen Schießscharten versehen war, wurden aber bei der ersten Attacke zurückgeworfen. Bei einer zweiten gelang es ihnen, dasselbe mit bedeutendem Verlust zu nehmen, wobei sie alles niedermachten, was ihnen in die Hände fiel. Noch hartnäckiger war der Kampf um das Kapuzinerkloster, wo man sich mit der größten Erbitterung von Zelle zu Zelle, bis in die Kreuzgänge, die Kirche und an den Chor um den Hochaltar herumschlug, und endlich wurde das Kloster von seinen Verteidigern, als sie sahen, daß sie es nicht behaupten konnten, in Brand gesteckt. Wir waren nun der Stadt von allen Seiten bis auf Büchsenschußweite näher gerückt. Das Schloß Aljaferia zu nehmen war uns jedoch trotz der größten Anstrengungen nicht geglückt, obgleich die Batterien bald Bresche gemacht hatten. Aber es fehlte uns hauptsächlich an den nötigen Sturmleitern. Noch mehrmals wurden Stürme auf verschiedene Tore vergeblich versucht, und bei dem Kloster der Barfüßer verloren wir viele Leute, ohne es nehmen zu können. Von dem Josephskloster aus, das jetzt in unseren Händen war, hatten wir indessen die Stadt so eingeschlossen, daß von dieser Seite alle Verbindung nach außen unmöglich war. Wütende Ausfälle, welche die Belagerten machten, um diese Kommunikation wiederherzustellen, sowie stürmische Angriffe auf die über den Ebro geschlagene Brücke wurden siegreich und mit großem Verlust von seiten der Spanier, denen die Reiterei viele Leute tötete, zurückgeschlagen.