Part 19
Von hier fuhren wir über Vietro nach Salerno, das an dem Ufer des Meeres in einer freundlichen, von heiteren Hügeln umgebenen Ebene liegt und das ich schon aus unserem ersten Feldzug in Kalabrien kannte, sowie Eboli, wo wir nächtigten, aber die Mutter ihren Schatz gleich einem Drachen bewachte. Am anderen Morgen machten wir uns in aller Frühe nach den Ruinen von Pestum auf, wohin ein ziemlich einsamer Weg führt. Nachdem wir durch eine ausgedehnte Heide gekommen waren, entdeckten wir verschiedene isoliert stehende Gebäude, die, wenn man ihnen nahe ist, kolossal und imponierend hervortreten. Erst im Jahre 1775 wurden diese schönen Ruinen einer grauen Vorzeit, vielleicht die herrlichsten der griechischen Baukunst, entdeckt. Diese unermeßlichen Säulenreihen der Tempel, die noch aus der heroischen Sagenzeit stammen und Jahrtausende, in einsamer Wüste trauernd, an sich vorübergehen, Roms Entstehung, Größe und Herrlichkeit, seinen Verfall und dessen christliche Erhebung bis auf unsere Zeiten sahen, geben manchen Stoff zu ernstem Nachdenken.
Hier endlich wurden wir durch die Gunst des Zufalls auf eine halbe Viertelstunde von der Mama getrennt, die sich auf kurze Zeit zu entfernen genötigt war. Ich benutzte diesen Umstand so gut als möglich, und dem aus Eboli mitgebrachten Führer befehlend, auf die Mutter zu warten, verirrte ich mich mit Helenchen hinter die dicken Neptunssäulen und versicherte sie bei dem Dreizack des mächtigen Weltbeherrschers meiner feurigsten Liebe, von der ich ihr, so viel es die Umstände erlaubten, die handgreiflichsten Beweise gab. Im Taumel der Wonne vergaßen wir Pestums und der Welt, bis uns endlich die kreischende Stimme der Mama aufschreckte, die, als wir unter den tausendjährigen Trümmern hervorkrochen, ausrief: »Aber Mädchen, was hast du denn, du bist ja so rot wie ein gesottener Hummer!« --
»Nichts, Mama, das Steigen über die dicken Steine des Venustempels hat mich so erhitzt.«
Ob Mama Cramer glaubte oder nicht, ist mir ein Rätsel geblieben, jedenfalls war sie so klug, zu tun, als glaubte sie es. Wir hatten wohl an drei Stunden in Pestums Ruinen verweilt und eine mitgebrachte kalte Küche unter den Vorhallen des Neptuntempels eingenommen, als wir unsere Rückreise antraten und bis Salerno fuhren, wo wir übernachtetem. Den anderen Tag trafen wir wieder wohlbehalten in Neapel ein. In meinem Hauptquartier in Giesù nuovo angekommen, erfuhr ich von meinem Bedienten, den ich zurückgelassen hatte, daß Madame Gasqui wenigstens schon zehnmal nach mir geschickt habe. Als ich hierauf zu ihr eilte, empfing sie mich mit einem artigen Donnerwetterchen, weil ich, ohne ihr etwas zu sagen, nach Pestum, und zwar mit deutschen Damen, gefahren sei. Nach einem ziemlich langen Hadern kam es endlich wieder zu einem wohlbesiegelten Frieden, und nun eröffnete mir die Dame, daß wir Voltaires »Zaïre« geben müßten, weil die Königin bei einer ihrer Hofdamen den Wunsch geäußert habe, dieses Trauerspiel von uns aufführen zu sehen. Louise wollte aber diesmal durchaus die Titelrolle spielen. Der Himmel oder das Schicksal oder der Kriegsminister, gleichviel, hatte aber beschlossen, daß ich in einem anderen Trauer- und Schauspiel auftreten würde, dessen Bühne abermals Kalabrien sein sollte. Das Bataillon erhielt Order, in vierundzwanzig Stunden nach Cosenza abzumarschieren, und der Stab des Regimentes wurde samt dem Oberst Omeara nach Castelamare verlegt. Kaum hatte ich noch soviel Zeit, mir ein paar gute Pferde zu kaufen; während meines diesmaligen Aufenthaltes hatten mir wieder Vetter Moritz und Stock die ihrigen zur Verfügung gestellt. Den Abend vor dem Ausmarsch machte ich meine Abschiedsronde, da, wo es anging, küssend und umarmend, auch Helenchen mußte mir ein Küßchen geben, auf das ich freilich das der Mama drein nehmen mußte.
Es sah neuerdings wieder sehr unruhig im südlichen Teil des Königreiches aus, obgleich man fast tagtäglich in der Hauptstadt darauf loshängte, verurteilte und hinrichtete. Als wir diesen Marsch nach Kalabrien antraten, ging es schon dem Winter zu, und die fatale Regenzeit war vor der Türe. Wir marschierten damals über Portici, Salerno und so weiter. Seit unserer ersten Expedition nach Kalabrien und nach der Schlacht bei Maida hatten sich die Engländer Reggios und des Schlosses von Scylla bemächtigt. Der Feind war abermals mit einem Armeekorps von ungefähr achttausend Mann, welches der tapfere Prinz von Hessen-Philippsthal befehligte, gelandet. General Regnier, der noch immer in Kalabrien kommandierte, hatte bei der ersten Nachricht, die er hiervon erhielt, in aller Eile so viel Truppen als möglich zusammengebracht, es waren kaum über viertausend Mann, damit das feindliche, freilich größtenteils aus Banditen und Raubgesindel bestehende Heer schon Ende Mai 1807 auf das Haupt geschlagen und so seinen Fehler bei Maida wieder gut gemacht. Selbst der Prinz von Hessen-Philippsthal hatte sich nur mit Hilfe seines schnellen Pferdes retten können und büßte beinahe seine ganze Artillerie ein, die er in Stich lassen mußte. Die ihn verfolgende französische Kavallerie verfehlte ihn nur um zwanzig Minuten. Sein Heer wurde gänzlich gesprengt und ein großer Teil desselben zu Gefangenen gemacht. Der Prinz landete mit kaum hundert Mann an den Küsten Siziliens. Dieser Sieg war sehr zur gelegenen Zeit gekommen, denn ohne ihn würde nicht nur Kalabrien, sondern sehr wahrscheinlich das ganze Königreich in Masse gegen die neue Regierung aufgestanden sein. Nun wurde gegen Reggio marschiert, dasselbe bald darauf belagert und das Schloß Scylla von der Landseite blockiert. Das letztere ist indessen außerordentlich fest, und da viel daran gelegen war, diesen, die Meerenge von Sizilien beherrschenden Punkt wieder zu besitzen, um Herr der Küste zu sein, so mußte man schweres Belagerungsgeschütz von Neapel kommen lassen, um das Fort gehörig beschießen zu können. Dies war aber zu Land ohne die außerordentlichsten Anstrengungen nicht wohl fortzubringen, weshalb man es einschiffte, wo ein Teil desselben auf der See von den Engländern weggenommen wurde.
In Cosenza angekommen, blieb das Bataillon zwei Tage daselbst, den dritten Tag marschierten wir gegen Abend nach Rogliano, wo wir den übrigen Teil der Nacht bis gegen Morgen verweilten, dann aber aufbrachen und durch ein schauerlich wildes, von steilen Felsen umgebenes Tal kamen, in dessen Umgegend jetzt der berüchtigte Banditenchef Francatrippa, der die Rolle des Fra Diavolo übernommen hatte, sein Wesen trieb. Hier mußten wir, Mann für Mann, einen ganz schmalen Felsensteig im Zickzack, wie von einem Theaterberg, zwischen steilen Felswänden hinabsteigen, wobei die bepackten Maulesel und Pferde von ihren Führern und abgestiegenen Reitern vorsichtig an der Hand geführt wurden, sodann einen Waldstrom passieren, über den nur ein sehr schmaler und geländerloser Fußsteig führte. Dann kamen wir nochmals an furchtbaren Abgründen vorüber. Diesen Tag führte ich wieder die Avantgarde des Bataillons, doch war an Seitenpatrouillen bei diesem Terrain nicht zu denken. Kaum waren ungefähr zwanzig Mann von meinen Leuten, an deren Spitze ich marschierte, auf dem schmalen Pfade an den Rand eines solchen Schlundes herangeschritten, als sich die Briganten oben auf dem Felsen zeigten und eine Decharge auf uns abfeuerten, dann gleich Gemsen wieder verschwanden, auf ihren Sandalen davonspringend. Großen Schaden hatten sie nicht angerichtet, nur ein paar Leute hatten leichte Streifschüsse erhalten. Ich ließ indessen sogleich Halt machen, und wir kletterten mit Hilfe des Gesträuchs den am Eingang der Schlucht weniger steilen Felsen hinan, hoffend, so den Briganten in den Rücken zu fallen. Aber als wir hinaufkamen, war keine Spur mehr von ihnen zu sehen. In die weg- und pfadlosen Wildnisse zwischen Klippen und Gesträuch konnten wir uns nicht wagen, ohne Gefahr zu laufen, in einen Hinterhalt des Francatrippa zu geraten. Das Terrain war hier den Briganten so günstig und uns, die wir es nicht kannten, so nachteilig, daß wir gewiß verloren gewesen wären, wenn die Bewohner desselben in Übereinstimmung gegen uns agiert haben würden, selbst wenn wir hätten bedeutendere Streitkräfte entwickeln können. Leicht war es, die Truppen in Abteilungen zu überfallen und zu vernichten. Glücklich kamen wir in Scigliano an, von wo wir nach Nicastro und von da in die Ebenen von Sanveria marschierten. Hier waren wir in der Nähe eines alten Gebäudes, das eine traurige Berühmtheit erlangt hatte, da in demselben gleich nach der verlorenen Schlacht bei Maida eine ganze Kompagnie Franzosen, die sich in dasselbe geflüchtet, von den Bewohnern der Umgegend und den sizilianischen Briganten bis auf den letzten Mann ermordet worden war. Jetzt lag wieder ein französisches Detachement in dem Gebäude; es war befestigt worden, verpallisadiert und auf mehrere Monate mit Proviant versehen. Nichtsdestoweniger trieben in der Nähe dieses Tales Francatrippa und seine Banditen ihr Wesen auf das frechste, und keine Patrouille unter zwanzig bis dreißig Mann durfte sich an Streifereien wagen, wollte sie nicht überwältigt werden. Die Aussicht von den dieses Tal umgebenden Höhen auf den Golf von St. Euphemia ist entzückend. Von hier aus sowie von Nicastro wurden fortwährend Abteilungen auf die Brigantenjagd abgeschickt, ohne daß sie sehr ergiebig gewesen wäre. An diesem geringen Erfolge war hauptsächlich das Einverständnis der Räuber mit den Einwohnern schuld, die ihnen allen Vorschub leisteten, während sie uns flohen und mit einem ewigen: »_non capisco_« oder »_non so niente_«, das zum Verzweifeln war, abspeisten, während unsere fast unerreichbaren Feinde die vollkommene Kenntnis des Terrains besaßen. Nach mehreren Tagen des vergeblichen Hin- und Hermarschierens in den den Golf umgebenden Bergen und Wäldern, brachte ich mit meinen Voltigeurs zwei Tage in dem Städtchen Pizzo zu, am südlichen Ende des Golfs, in dessen Umgegend außerordentlich viel Mais und Reis, die Hauptnahrung der Einwohner, gepflanzt wird. Das Klima ist so warm, daß selbst das Zuckerrohr hier sehr gut fortkommt und gedeiht, wie mich der Augenschein überzeugte. Das Bataillon hatte sich einstweilen in die zahlreichen Landsitze, die von Pomeranzen- und Zitronenhainen umgeben, in der Nähe von Nicastro liegen, einquartiert. Die hier vorhandenen Wälder sind seit undenklichen Zeiten der Aufenthalt von Räuber- und Banditenhorden, mit denen sich die Gutsbesitzer, wenn sie einige Sicherheit genießen wollen, verständigen und abfinden müssen, indem sie ihnen von Zeit zu Zeit nicht unbedeutende Summen einhändigen. Namentlich ist der Wald von Sankt Euphemia, und zwar mit Recht, sehr berüchtigt. In dieser Wildnis hatten auch jetzt die Briganten und ihre Banden und Spießgesellen ihr Hauptquartier aufgeschlagen und wurden noch obendrein von den Engländern und Sizilianern unterstützt und besoldet, mit denen sie beständig kommunizierten und welche in der Nacht fast gefahrlos landeten und ausschifften, was wir nicht wohl verhindern konnten, da der so nahe an der Küste gelegene Wald ein geheimnisvolles Labyrinth war, und nur die Räuber und Banditen den in dasselbe leitenden Faden in Händen hatten, auch alle Zu- und Ausgänge kannten, die außerdem durch gut verborgene, mit Gesträuch und Dornen bedeckte Gruben fast unzugänglich gemacht waren. Und so bot dieser Wald die erwünschteste Leichtigkeit und Gelegenheit, uns aufzulauern. In diesem Walde, den zu reinigen jetzt unsere Aufgabe war, hauste damals ein alter berüchtigter Kalabrese, Benincasa genannt, welcher der oberste Chef aller Banden war, die, sowie Francatrippa selbst, mit ihm in genauer Verbindung standen und seine Befehle auf das pünktlichste befolgten. Es war ein wahrer Assassinen-Fürst, ein zweiter Alter vom Berge. Schon lange Zeit vor der französischen Okkupation hatte er sein blutiges Räuber- und Mörderhandwerk in diesem furchtbaren Walde getrieben, wo ihn die Arme der elenden neapolitanischen Justiz nicht hatten erreichen können, und von wo aus er die ganze Umgegend brandschatzte. Unser Bataillon erhielt nun Befehl, diesen gräßlichen Menschen und seine Banden zu zerstreuen, auf ihren Höhlen und Mordsitzen aufzuscheuchen und sie womöglich zu vernichten. Aber vergeblich blieben alle Versuche. Die List, die ich in den italienischen Alpen und den Gebirgen von Genua angewendet hatte, die Briganten zu fangen, würde bei diesem alten schlauen Fuchs nichts gefruchtet haben, und wenig fehlte, so wäre ich bei einem Versuch, in diese Wildnis zu dringen, samt meinen Voltigeurs ein Opfer der Fallstricke des listigen und blutdürstigen Benincasa geworden. Ich hatte mich bei dem Verfolgen einiger verdächtiger Individuen verleiten lassen, zu Pferde an der Spitze der Mehrzahl meiner Kompagnie in den Wald zu dringen, und zwar da, wo sich scheinbar ein ziemlich breiter Eingang zeigte. Der Mannschaft einige Schritte voransprengend, fühlte ich plötzlich den Boden unter mir wanken und stürzte samt meinem Pferde in eine über sechs Schuh tiefe Grube, die wohl fünfzig Fuß breit war und über hundert im Umfang haben mochte und wahrscheinlich darauf berechnet war, eine Abteilung verfolgender Reiterei stürzen zu machen, die man dann in der Grube leichter zusammenschießen konnte. Da ich allein in dieselbe gestürzt war, ohne daß jedoch ich noch mein Pferd bedeutend beschädigt worden wären und meine Leute gleich herbeirannten, so hatte es, da der Sturz so glücklich abgelaufen war, keine weitere Gefahr mehr für mich, nur kostete es viele Mühe, das Pferd wieder aus der Grube zu schaffen, da sie senkrechte Wände hatte, in welche die Soldaten sogleich eine so schiefe Abdachung gruben, daß das erschrockene Tier herausgeführt werden konnte. Dieser Vorfall war ein Warnungszeichen, besser auf der Hut zu sein. Noch mehrere Versuche, die Banden aus dem Walde zu jagen, scheiterten ebenfalls, und Düret hielt es für das beste, mit dem Banditenfürst zu unterhandeln, nachdem er seine Berichte gemacht und Vollmacht dazu begehrt und erhalten hatte. Aber die Unterhandlungen zerschlugen sich, obgleich man dem Benincasa und seinen Banden große Versprechungen gemacht und bedeutende Vorteile eingeräumt hatte. Wahrscheinlich traute der alte Fuchs, der selbst nie ein Versprechen gehalten, uns nicht. Sodann trat jetzt die Regenzeit in ihrer ganzen Kraft ein und machte, daß wir wenigstens auf ein paar Monate alle ferneren Versuche gegen diese aalartigen Feinde einstellen mußten, die aber gerade deshalb um so kühner aus ihren Schlupfwinkeln hervortraten, großen Schaden zufügten und mordeten und raubten, wo sie sich die Stärkeren wußten. Ohnedies ist ein friedliches und gemächliches Leben den rohen Naturkindern der kalabrischen Wildnisse verhaßt, Gefahren, Raub und Mord ihr Element. Dabei besitzen sie eine außerordentliche Gewandtheit und Behendigkeit und wissen ihre Gewehre trefflich zu gebrauchen, jedoch immer nur aus dem Hinterhalt. In offener Schlacht taugen diese Briganten nicht und halten nicht Stich gegen wohldisziplinierte Truppen, nur die neapolitanischen Krieger fürchten sie wenig, schätzen sie gering und werden von diesen gefürchtet. Wir verließen, hauptsächlich durch den sich unaufhörlich in Strömen ergießenden Regen gezwungen, die Gegend am Golf von Sankt Euphemia und marschierten zuerst nach Monteleone, wo wir mehrere Tage weilten und Kleider und Waffen in möglichst besten Stand zu setzen suchten, denn beide hatten sehr gelitten. Wieder waren es Schuhe oder doch Sohlen, die uns am meisten not taten, und viele der Leute gingen schon fast auf bloßen Füßen. Dies war bei dem ewigen Hin- und Hermarschieren auf solchem Boden und in solchem Wetter kein Wunder. Tag und Nacht wurde patrouilliert, und alle von Neapel kommenden oder zurückkehrenden Kuriere, Adjutanten, Stabsoffiziere und so weiter mußten von einer Stadt zur anderen eine Eskorte von wenigstens dreißig Mann haben. Dies alles machte den Felddienst außerordentlich beschwerlich. Auch kam es vor, daß manche Kompagnien acht bis vierzehn Tage bei diesem Regenwetter biwakieren mußten, wie es mir selbst einmal erging, so daß wir fast ganz im Wasser und Kot lagen und schliefen. Die Lebensmittel waren dabei ebenso schlecht wie in der ersten Kampagne und mangelten manche Tage gänzlich. Viele Ortschaften waren ganz menschenleer und bis auf wenige Hütten zerstört; auch hatten wir seit unserem Abmarsch aus Neapel keinen Sold mehr erhalten, und ich hatte schon fast meine ganze Barschaft der Kompagnie vorgeschossen, ein Vorteil, den keine andere Kompagnie hatte und worum die meinige beneidet wurde. Aber ich konnte auch mit meinen Leuten den Teufel austreiben, in die Hölle wären sie mir gefolgt, während die anderen Soldaten des Bataillons, besonders Böhmen und Österreicher, knurrten und murrten, denn an Knödel war da nicht zu denken. Polenta und Reis gab es nur, und auch dieses nicht immer. Fleisch war eine seltene Kost. Viele Soldaten hatten, aus der Not eine Tugend machend, das Beispiel der Kalabresen befolgt und statt der mangelnden und ganz zerrissenen Schuhe sich Sandalen aus Ziegenfellen, oder was sie sonst haben konnten, um die Füße gewunden. Die Offiziere waren oft noch weit schlimmer daran als der gemeine Mann, der raubte und wegnahm, wo er etwas fand, was jene nicht konnten und froh waren, wenn ihnen der Soldat etwas von dem Geraubten mitteilte. Meine Leute versorgten mich jedoch trefflich und ließen mir oft Eier, Käse, Brot, Speck und dergleichen zukommen, so daß ich an Lebensmitteln nur selten Mangel litt, da sie mir immer das Beste brachten. Der französische Soldat war bei all dem Mangel und Elend doch immer lustig und guter Dinge, machte Bonmots und war unerschöpflich in Scherzen. Eine solche Munterkeit unter allen Umständen ist in der Tat ein kostbares Geschenk des Himmels. Unsere Leute und namentlich die Russen und Polen vergaßen nur dann ihr Elend, wenn sie Aquavit genug haben konnten, wonach sie in einem Dorf oder einer Meierei immer zuerst forschten. Machten sie einen solchen Fund, dann war auf kurze Zeit wieder alles gut.