Vier Jahre in Spanien. Die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang.

Part 12

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Kurze Zeit vor meiner Ankunft hatte Garcia durch Überraschung das feste Lerin genommen, bei der Annäherung Espartero’s aber, der mit sechszehn Bataillonen von Pamplona heranzog, es geräumt, da er den vorgeschobenen Platz nicht behaupten konnte. Die Bewohner der umliegenden Dörfer, erbittert über die Gräuel, mit denen die Garnison auf ihren Streifzügen sie heimgesucht, hatten die Stadt ganz ausgeplündert. Espartero fand sie am 10. Juni evacuirt und die Festungswerke zerstört, die er sogleich mit größter Thätigkeit wieder errichten ließ. Er blieb dann in dem Ebro-Thale, um das bei Estella concentrirte Carlisten-Corps zu beobachten, dem auch Uranga einige Bataillone zuführte, einen Angriff Espartero’s auf die Stadt befürchtend, zu dem die Abwesenheit der königlichen Expeditions-Truppen wohl einladen konnte.

Am 15. war Gen. Garcia mit einigen Bataillonen nach dem Dörfchen Allo in dem reichen Solana-Thale aufgebrochen, von wo aus er die zur Deckung der Arbeiten in Lerin aufgestellten Truppen beunruhigte. Am Abend marschirten wir von dort ab, gegen Westen uns richtend, und durchschnitten mehrere Stunden lang bald fruchtbare Thäler, bald auf schmalen Felswegen unwirthbare Bergrücken, wobei wir uns mit vieler Vorsicht und Anempfehlung von Stille bewegten und fortwährend Detachements zur Rechten und Linken entsendeten. Endlich machten wir Halt, und die Freiwilligen streckten compagnieweise, das Gewehr im Arm und in die bunten Decken gehüllt, zu kurzem Schlafe sich hin, während der General Meldungen empfing oder eifrig mit vier Landleuten redete, die kurz vorher zu uns gestoßen waren. Plötzlich ward mit leiser Stimme der Aufbruch befohlen, kaum hörbar durchlief dumpfes Gemurmel die Reihen, selbst die Cigarren mußten ausgelöscht werden, und nur das gleichmäßige, vage Geräusch der marschirenden Bataillone -- es waren ihrer drei vereinigt geblieben -- tönte durch die Stille der Nacht. Da ward auf geringe Entfernung ein dunkeler Gegenstand sichtbar, von dem bald das bekannte „~sentinela alerta~“, weit zurück hinsterbend, herüberschallte, und „Peralta, Peralta!“ säuselte ein leises Flüstern die Marschkolonne hinab: es war in der That die bedeutende vom Feinde befestigte Stadt Peralta, durch ganz Spanien wegen der ausgezeichneten Weine seiner Umgegend bekannt.

Der General blieb mit den Bataillonen hinter einem nahen Olivenhölzchen stehen, während zwei Grenadier-Compagnien, an deren Spitze er mich und einen andern Officier seines Stabes gestellt, von zwei Landleuten geführt vorwärts schlichen, jeden Busch, jede Vertiefung zur Deckung benutzend und oft auf dem Bauche über offene Stellen fortkriechend. Unbemerkt gelangten wir bis unter die Mauer, wo sie kaum neun Fuß hoch von dem Felsen sich erhob, in den der Graben geöffnet war; rasch wurde die mitgebrachte Leiter angesetzt -- da tönte wieder der Wache Ruf[28], längs der Mauer hin, und rechts und links, kaum dreißig Schritt entfernt, antworteten zwei Schildwachen der warnenden Stimme; regungslos schmiegten wir uns an die Mauer. Einen Augenblick später schwangen sich die beiden dazu bestimmten Grenadiere gewandt hinauf, ich folgte mit meinem Gefährten, Beide gleichfalls mit Büchsen bewaffnet und die Canana um den Leib geschnallt. „~Quien vive? Quien vive?~“ und zwei Schüsse auf beiden Seiten folgten sich; die Grenadiere erstiegen gedrängt die Mauer und sprangen sofort in die Stadt hinab, wo alsbald ungeheures Getöse von Schüssen und Geschrei, Trommelwirbel und Geläute der Glocken sich erhob. So wie eine halbe Compagnie innerhalb der Mauer formirt war, führte sie mein Gefährte, mit der Örtlichkeit vertraut, raschen Schrittes gegen das nächste Thor, dessen Wache wir unter dem Gewehre fanden. Eine Salve, die erste, welche wir gaben, von lautem ~Viva el Rey~ begleitet zerstreute sie; fünf Minuten später war das Thor mit Beilen geöffnet, und Garcia stürmte herein mit seinen Bataillonen, besetzte die Hauptstraßen, entsendete starke Patrouillen und vermehrte durch wildes Feuer die Verwirrung des Feindes. Als der Tag anbrach, fanden wir die Stadt in unserm Besitze, da die Garnison mit Zurücklassung von etwa siebenzig Gefangenen in das Fort sich geworfen hatte. Viele unserer Soldaten hatten sich plündernd durch die Häuser zerstreut, und erst nach zwei Stunden gelang es durch unerbittliche Strenge, sie wieder zu formiren und Ordnung herrschend zu machen.

Espartero befand sich wenige Meilen entfernt in Lodosa, aber er rührte sich nicht und machte eben so wenig irgend eine Bewegung gegen Uranga, der mit neun Bataillonen von los Arcos aus, vier Stunden nördlich von Lodosa, ihn beobachtete. So konnten wir drei Tage in Peralta bleiben, dessen Besatzung übrigens im Fort unbelästigt blieb und auch gegen uns keinen Schuß weiter abfeuerte. Nachdem alle Vorräthe, deren an Wein, Getreide und Öl viele sich fanden, so wie die Waffen und Pferde nach Estella geschafft waren, verließen wir die Stadt, um nach der Solana zurückzukehren. -- Ich war glücklich, da ich endlich wieder dem Feuer dieser Christinos mich gegenüber gesehen hatte.

* * * * *

Einige Tage nachher ward ich vom Gen. Garcia beordert, siebenzig Individuen der französischen Fremdenlegion, meistens Deutsche, die zu uns übergegangen waren, nach der französischen Gränze zu geleiten, da sie den Wunsch ausgesprochen hatten, nach ihrer Heimath entlassen zu werden. Das aus solchen Deserteurs gebildete Bataillon, welches mit der königlichen Expedition abmarschirt war, zeichnete sich bei jeder Gelegenheit ebenso durch ungemessene Bravour wie durch Mangel an Disciplin und durch Unordnungen, vor Allem Trunk und Diebereien, aus, was natürlich nur der Schwäche der Officiere zuzuschreiben ist, die meistens lediglich ihr pecuniäres Interesse zu fördern suchten und selbst ihren Theil von den durch die Soldaten gestohlenen Gemüsen und Obst empfingen, so daß mehrere von ihnen wegen Veruntreuung zu Festungsarbeit verurtheilt werden mußten. Die Mehrzahl derselben stammte gleichfalls von der Legion her.

Die mir anvertrauten Leute, wenn auch roh und wild, betrugen sich ganz zu meiner Zufriedenheit. Ich passirte anderthalb Stunden von Pamplona, durchkreuzte längs der Zubiri-Linie das schöne Ulzama- und Bastan-Thal, überstieg den Höhenzug der Pyrenäen und erreichte glücklich die Gränze bei Zugarramurdi, wo ich das Detachement den französischen Posten überlieferte. Nachdem ich einige Stunden im nahen Städtchen mit den Officieren der dort cantonnirenden Compagnien verplaudert, ward ich nach Spanien zurückgeleitet und mit freudigem Staunen von dem Chef des Gränzcordons begrüßt, der, da ich -- ohne Zweifel höchst unvorsichtig -- den französischen Boden betreten, überzeugt gewesen war, daß ich entweder auch die Provinzen verlassen wollte oder doch von den jenseitigen Behörden an der Rückkehr würde verhindert werden.

Langsam ging ich dann, nur von einem Burschen begleitet, auf Estella zurück. Wieder überstieg ich jenen Gebirgszug, der durch Wildheit zugleich und Anmuth sich auszeichnet, indem die Berge über zwei Drittel ihrer Höhe mit reichem Laubholze bedeckt sind und zahllose kristallhelle Quellen aus ihnen hervorsprudeln; in den Thälern aber, die vielen Mais und Roggen erzeugen, liegen vereinzelt schöne, reinliche Städte, deren Bewohner die echte Treuherzigkeit und Geradheit der Gebirgsvölker entfalteten und ganz besonders gastfrei sich mir bewiesen. Dörfer oder vereinzelte Häuser finden sich erst im Bastan wieder, wo ich auch zuerst Truppen traf, da auf dem ganzen Striche bis zu der Gränzlinie das Terrain hinlänglich gegen die Einfälle der Feinde sicherte. Schon hatte ich auch den hohen Rücken überschritten, der das Bastan- vom Ulzama-Thale scheidet, und ich ruhte vom beschwerlichen Marsche in einem der großen, ganz carlistisch gesinnten Dörfer dieses Thales, von dem oft nicht eine Stunde entfernt die feindliche Linie sich hinzog. Nachdem ich mit meinem Wirthe, einem reichen Bauer, über den Krieg und die Angelegenheiten der Provinzen, unerschöpflichen Stoff der Unterhaltung, geplaudert, suchte ich das Bett auf und schlief bald fest auf fünf oder sechs über einander gethürmten Wollmatratzen, während der Bediente in einem Winkel des an meinen Alkoven stoßenden Zimmers sein Lager ausbreitete.

Mitternacht mochte vorbei sein, als ein dumpfes Geräusch auf der Straße mich weckte; zugleich stürzte eine weibliche Gestalt mit fliegendem Haare, in ein langes weißes Hemd gekleidet und ein brennendes Licht in der Hand, in das Gemach; sie stellte sich vor mein Bett, bewegte mit ausdrucksvoller Heftigkeit die Arme, auf Thür und Fenster deutend, und verschwand lautlos, höchstes Entsetzen verrathend. Überrascht sprang ich auf. Da ertönten heftige Kolbenstöße gegen die Hausthür, der Lärm auf der Straße ward stets verworrener, und mein Thomas, der an das Fenster geeilt war, rief mit zitternder Stimme: „~por Dios, Señor, que son los christinos~!“ Ich flog an das Fenster: da stand tobend und fluchend ein Haufen Bewaffneter, deren Kopfbedeckung nur zu unzweifelhaft die verhaßten Negros erkennen ließ. In einem Sprunge hatte ich die Thür erreicht: schon wälzte der Lärm sich die Treppe herauf; ich eilte zum Fenster zurück; die kleine, kaum einen Fuß breite Öffnung, wie sie oft in den Wohnungen der navarresischen Bauern sich finden, machte Flucht unmöglich. Meine Lage, meine Gefühle waren entsetzlich. Wieder ein Gefangener! Schon standen die Feinde auf dem Vorplatze, wo die Frauen des Hauses, da der Wirth bereits durch die Hinterthür entflohen, umsonst sie aufzuhalten suchten. Ich befahl meinem Burschen, der, vor dem Kriege Mönch, zitternd mich fragte: „Werden sie uns tödten?“ sich ruhig niederzulegen, versteckte die Waffen und militairischen Kleidungsstücke unter das Bett und legte mich gleichfalls nieder, nachdem ich die Depechen, welche der Chef der Gränze als sehr wichtig für den General mir eingehändigt, oben auf den Himmel des Bettes geworfen hatte.

Der Lärm auf dem Vorplatze dauerte fort; ich unterschied die Bitten der Weiber, ihre Versicherungen, kaum verständlich im gebrochenen Castilianisch, daß in diesem Zimmer Niemand versteckt sei, worauf die Feinde mit Lachen erwiederten, daß sie ja Niemanden suchten, daß nun Alle eins seien. Da ward die Thür aufgerissen, und schweigend, die Gewehre in der Hand, traten funfzehn bis zwanzig christinosche Soldaten herein. Der Augenblick war furchtbar: halb aufgerichtet, als sei ich so eben erwacht, sah ich mit hochklopfendem Herzen auf die Eindringlinge, ungewiß, ob Tod, ob Gefangenschaft mein Loos sei. Sie stellten in Ordnung ihre Gewehre an die Wand, hängten Tornister und Lederzeug daran auf und .... verließen in ehrerbietigem Schweigen das Zimmer. Dann hörte ich sie zum Strohboden hinaufsteigen.

Ich sprang auf, den günstigen Augenblick zur Flucht zu benutzen, erstaunt und nicht meinen Augen trauend. Doch Freude strahlend trat die Wirthinn herein und erzählte weitschweifig, wie eine feindliche Compagnie, die im nahen Fort als Garnison gestanden, mit Waffen und Gepäck zu uns übergegangen sei; nur die Officiere und Sergeanten waren in Thränen zurückgeblieben, da sie umsonst durch jedes Mittel die Ausführung des rasch Beschlossenen zu hindern gesucht hatten. -- Eine Tochter des Hauses, eine unglückliche Stumme, war, so wie sie das Bett verlassen, zu mir geeilt, mich zu warnen, da sie die christinoschen Soldaten erkannt hatte, während die übrigen Frauen Alles aufboten, um mich zu retten und die gefürchteten Gäste von mir fern zu halten, in ihrer einfachen Unwissenheit aber eben dadurch mich verrathend. Am Morgen sah ich die Compagnie, dem Regimente von Ziguenza angehörend, unter dem Befehle einiger Corporale zum Abmarsch formirt: schöne, kräftige Leute, vollkommen bewaffnet und uniformirt. Da ich ein halbes Jahr später das Commando einer Compagnie im 7. Bataillon von Castilien erhielt, fand ich in ihr den größten Theil dieser Burschen wieder, die den Schrecken, den sie einst mir verursacht, durch treuste Hingebung zu vergelten suchten.

Als ich im Anfange Julis in Estella anlangte, hatte sich General Uranga mit dem Operations-Corps nach dem westlichen Vizcaya gezogen, und Espartero, eine neue Expedition fürchtend, war ihm auf das ~valle de Mena~ gefolgt, während Iriarte in der Rivera mit acht Bataillonen und der Baron das Antas mit seiner Division in Vitoria stehen blieb. Bald kehrte Espartero nach Logroño zurück und marschirte schon am 8. Juli mit zwei Divisionen über Soria auf Guadalajara, da er Ordre erhielt, Madrid gegen den Vormarsch der königlichen Expedition zu decken. Uranga beschleunigte den Abmarsch eines andern Corps, welches die gänzliche Entblößung Alt-Castilien’s von Truppen benutzen und der Armee des Königs eine Diversion machen sollte, da alle disponibeln Streitkräfte der Christinos auf sie sich geworfen hatten. Da es natürlich mein innigster Wunsch sein mußte, jetzt, da die Schwäche beider Heere in den Nordprovinzen keine bedeutenden Kämpfe erwarten ließ, dieser Division mich anzuschließen, erreichte ich, zum Generalstabe derselben bestimmt zu werden, und ward von dem General Zariategui mit Herzlichkeit aufgenommen.

Nie sah ich so hohe, freudige Begeisterung die Truppen beleben, nie fühlte ich selbst so ganz ihre Alles überwindende Macht, wie zu jener Zeit, da wir, eine kleine, aber auserlesene Schaar, den Krieg in das Innere des Königreiches tragen und den übermüthigen Feind in seinem eigenen Gebiete aufsuchen sollten. Jubelnd zogen wir Alle dahin, und an dem Tage, an dem wir nach glorreichem Siege den Ebro passirend aus unsern Gebirgen in die reichen Ebenen Castilien’s hinabstiegen, sah ich manche dunkelgebräunte Wange von einer Thräne des herrlichsten Enthusiasmus genetzt. Wenn der Krieger dasteht, fest den Choc des Feindes erwartend, da ergreift ihn ein innerer Trotz, jeder Einzelne sucht sich fester hinzupflanzen, als gälte es persönlich schweren Stoß zurückzuweisen; sein Antlitz verfinstert sich, der Mund ist fest zusammengekniffen, und vielleicht zuckt ein leichtes verächtliches Lächeln über seine Züge, wenn er die glänzenden Escadrone heranbrausen sieht, deren Ohnmacht er wohl kennt, und die er schon von der unerschütterlichen Masse abprallend in wilder Flucht aufgelöset im Geiste sieht. Rückt er aber mit Vertrauen auf seine Führer und auf sich selbst zum entscheidenden Angriff, dann strahlt das Auge des wahren Soldaten von innerem Feuer, sein Kopf hebt sich im Gefühle stolzen Muthes, sein Schritt wird elastisch, und echte Begeisterung macht das Schwierigste ihm leicht, treibt ihn, durch Gefahr und Tod Heldenruhm und Heldenehre sich zu erkämpfen und willig dem Triumphe der gerechten Sache sich selbst zum Opfer zu bringen.

[28] Er wird jede Viertelstunde von dem dazu bestimmten Posten erneuert und läuft von einem zum andern durch die ganze Chaine.

X.

Am 17. Juli 1837 war die zur Expedition nach Castilien[29] bestimmte Division bei Santa Cruz de Campezu vereinigt, von wo aus sie unter dem Mariscal de Campo -- Generallieutenant -- Zariategui den Marsch durch Alava nach dem Ebro richtete. Sie bestand in drei Brigaden aus den Bataillonen 2. und 6. von Guipuzcoa unter Brigadier Iturbe, 1. und 7. von Navarra unter Oberst Oteyza, 1. von Valencia, 6. von Castilien und 3. von Aragon, Brigade von Castilien, unter Brigadier Noboa; das Bataillon von Aragon war in Cuadro, d. h. es enthielt nur seine Officiere und Unterofficiere, um aus Rekruten completirt zu werden. Die Cavallerie bildeten die Escadrone der Legitimität, ganz aus Officieren zusammengesetzt, und 1. und 3. von Navarra; ein Ganzes von 3700 Mann Infanterie und 220 Pferden. Als Chef des Generalstabes fungirte Brigadier Elio.

Langsam durchzogen wir das reiche Alava, passirten am folgenden Tage die Heerstraße von Vitoria nach Logroño unmittelbar neben der feindlichen Festung Peñacerrada und richteten uns dann westlich parallel dem Ebro, den wir zu überschreiten bestimmt waren. Am 19. setzten wir ruhig den Marsch fort, als am Morgen unser Vortrab ein starkes feindliches Detachement entdeckte, welches sich in dem Dorfe Zambrana festsetzte, dadurch andeutend, daß es Hülfe erwarte. Auch erschienen bald zwei feindliche Bataillone und nahmen auf den Höhen neben dem Dorfe Stellung, wo sie sogleich vom 1. Bat. von Navarra, der Avantgarde, angegriffen wurden. Das Gefecht war kurz; der Feind, durch Navarra stark gedrängt und von der Höhe geworfen, dann von einigen Compagnien von Guipuzcoa, die herzugeeilt waren, in der rechten Flanke bedroht, während eine Escadron ihn links umging, zog sich rasch auf das Fort Armiñon zurück, ehe noch der Rest der Division erschienen war. Der General blieb mit seinem Stabe, den Escadronen und dem Bataillone 1. von Navarra in Zambrana, während die übrigen Truppen in zwei und eine halbe Stunde rückwärts liegenden Dörfern stehen blieben.

Es war Mittag und unendlich heiß, die Cavallerie hatte ihre Pferde abgezäumt, die Bataillone die Gewehre zusammengestellt, und die meisten Officiere suchten die Mittagsgluth zu verschlafen; ich lag halb bekleidet auf einer Matratze ausgestreckt. Da stürzten einige Leute zum General mit der Meldung, daß feindliche Cavallerie, von starken Infanteriemassen begleitet, im Trabe nahe; wir flogen zu den Fenstern und sahen die Escadrone der Christinos schon am Eingange des Ortes formirt. Es war der Portugiese Baron das Antas, der seine Division, mit dem Freicorps des Schleichhändlers Martin Barea vereinigt und verstärkt durch die Garnisonen von Vitoria und Treviño, heranführte, um die Ehre der portugiesischen Waffen zu retten, da einige Bataillone am Morgen zu weichen genöthigt waren. Die höchste Verwirrung herrschte in dem Dorfe, von allen Seiten erschallte wildes Geschrei, bald von den Trommeln übertönt, die Infanterie eilte zu ihren Gewehren, die Cavalleristen schwangen sich auf die zum Theil ungesattelten Pferde. Auch ich warf mich auf das Pferd, den Überrock und den Säbel in der Hand haltend und ohne Weste, die ich am Abend in dem Hause wiederfand. Wenn die feindliche Cavallerie sofort in den Ort eingebrochen wäre, hätte unsere Infanterie gar nicht zu den Waffen greifen können, Alles wäre wehrlos überrascht, ohne Zweifel der General mit seinem Stabe und sämmtliche Cavallerie gefangen genommen; das Zaudern des Feindes, der wohl nicht ohne Infanterie in einen besetzten Ort sich zu engagiren wagte, rettete uns, da Zariategui trotz dem feindlichen Andrängen das Bataillon in Masse formirt auf die Division zurückführen konnte, die er bereits in Bataillons-Colonnen in einer Linie aufgestellt fand.

Reißend schnell zogen die Portugiesen zum Angriffe heran, in sieben Bataillonen und drei Escadronen, 6200 Mann und 360 Pferde stark: Barea auf dem linken Flügel bedrohete die Brigade Guipuzcoa, während eine tiefe Colonne gegen unsern linken Flügel, die Brigade Castilien, sich wandte, wo Valencia an ein stark besetztes Dörfchen sich lehnte. Auf dieses warfen sich die Portugiesen mit Kraft und trieben das Bataillon bis zu den Häusern zurück; dort wurde ihr Choc mit solcher Festigkeit aufgenommen, daß sie schnell weichen mußten. Nochmals drangen die Massen zum Sturm, und nochmals wurden sie zurückgeschlagen; ein dritter Versuch hatte keinen bessern Erfolg. Das Gefecht hatte sich indessen auf der ganzen Linie ausgebreitet, ohne daß es dem Feinde gelungen wäre, irgendwo durchzubrechen. Das 7. Bataillon von Navarra bestrich von seiner Centralstellung auf einer leichten wenig vorgeschobenen Höhe die ganze vorliegende Ebene, und Iturbe mit dem 6. von Guipuzcoa vertrieb Barea’s Corps von den Hügeln, die es inne hatte, und bedrohete die linke Flanke der Portugiesen, worauf sie, da die ganze carlistische Linie eine kräftige Bewegung vorwärts machte, in Ordnung den Rückzug antraten.

Auf dem Fuße von unsern Tirailleurs verfolgt, nahm Das Antas hinter dem Flüßchen Zadorra Position und stürmte, da Iturbe über eine Brücke auf der Rechten rasch nachdringend sich isolirt hatte, mit überlegenen Massen auf die Brigade Guipuzcoa ein, die jedoch den Angriff mit Festigkeit aushielt, bis die übrigen Truppen den Fluß passiren und die Escadron 3. von Navarra herzueilen konnte. Zwar mißlang eine Charge derselben gegen ein feindliches Bataillon mit schwerem Verluste an Menschen und Pferden, da aber zuletzt auch die Brigade Navarra den Übergang erzwang und die ganze Linie wieder zum Angriff überging, entschlossen sich die Portugiesen zu neuem Rückzuge, den zwei Bataillone ihres rechten Flügels und die drei Escadrone deckten. Wiewohl heftig gedrängt, zogen sie sich, ohne unser Feuer zu erwiedern, bis zu einigen einzeln stehenden Häusern, wo sie Front gegen uns machten. Die Escadrone der Legitimität -- 50 Pferde --, der die Officiere des Generalstabes sich angeschlossen hatten, und 1. von Navarra chargirten und trafen sich mit zwei der feindlichen Escadrone; nach zwei furchtbaren Chocs, in denen ihr Oberst[30] getödtet, wurden die Portugiesen zerstreut, worauf die beiden Bataillone, da sie ihre Cavallerie geworfen sahen und unsere Tirailleurs, in die Massen hineinschießend, sie eng umzingelt hielten, das Gewehr streckten. Doch die dritte Escadron eilte herzu, befreite die Bataillone und umwickelte selbst die Hälfte der 1. von Navarra, die aber eine neue noch höhere Kraftanstrengung ihrer Gefährten rettete, wobei selbst einige Gefangene bewahrt wurden. Der Tummelplatz war mit Todten und Verwundeten, Pferden, Gewehren und Lanzensplittern bedeckt; Infanterie und Cavallerie war bei den wiederholten Chargen und dem Wechsel der Bewegungen bunt durch einander geworfen. Der Feind zog sich rasch, aber geschlossen zurück, von der wieder geordneten Cavallerie gedeckt, die auch hier den Ruf der Bravour behauptete, der sie auszeichnet. Wir verfolgten ihn bis nahe dem Fort Armiñon, dessen Geschützfeuer zur Rückkehr uns nöthigte.

Plötzlich ertönten zu unserer Rechten häufige Schüsse; ein Adjutant eilte dorthin und fand am Ufer der Zadorra, deren Wasser von Blut roth gefärbt war, einige Compagnien in lebhaftem Feuer begriffen. In der Verwirrung der Cavallerie-Chargen hatten sich viele Soldaten der beiden portugiesischen Bataillone in den Fluß geworfen und im Schilfe versteckt, wo sie nun, so wie sie zum Athemholen den Kopf über das Wasser erhoben, unsern lachend am Ufer wartenden Freiwilligen zur Zielscheibe dienten.

Der Verlust des Feindes betrug 1100 Mann, worunter 150 Gefangene, der unsere fast 500 Mann; neunhundert Gewehre und einige vierzig Pferde waren in unsere Hände gefallen. Der General schlug mich für den Orden St. Ferdinand’s erster Classe vor und ließ mir, da mein Pferd in einer der Chargen verwundet war, das des gefallenen portugiesischen Obersten, einen prachtvollen Goldfuchs, nebst dessen Waffen überreichen. -- Übrigens ist gewiß der unverzeihlichste Fehler, den ein General zu begehen vermag, der, sich überraschen zu lassen; hier war er doppelt schwer, da Zariategui bei solcher Nähe des Feindes auch nicht die geringste Vorsichtsmaßregel getroffen, selbst nicht einen Vorposten ausgestellt oder eine Patrouille entsendet hatte: Alles schlief oder kochte. Könnte aber je solcher Fehler durch Tüchtigkeit im Erkämpfen des Erfolges vergessen gemacht werden, so that es Zariategui durch die meisterhafte Leitung der Action.