Versuch einer Ethnographie der Philippinen

Part 8

Chapter 83,468 wordsPublic domain

Den Göttern wird aber viel weniger Verehrung erwiesen, als den Seelen der verstorbenen Ahnen, den Anitos. In jedem Dorfe befindet sich ein heiliger Baum, den man als Wohnsitz von Anitos ansieht. Unter diese Bäume werden Opferstöcke hingestellt, welche natürlich dem ersten vorbeistreifenden Hunde ein willkommenes Fressen bieten. Vor diesen Bäumen stehen oft (Lillo 20) Felsblöcke oder Steine in Form von Altären, auf welchen die Opfer den Anitos dargebracht werden. Am unteren Rio Agno giebt es nur hie und da Opferplätze (Semper, Erdk. XIII, 94). Der Anito-Cultus zieht wie der rothe Faden in dem Tauwerk der englischen Marine durch alle Anschauungen, Sitten, Bräuche und Lebensgewohnheiten der Igorroten. Bei jedem Anlasse werden sie angerufen und jeder Vorfall, besonders wenn er schlimmer Natur ist, ihrem Einflüsse zugeschrieben, deshalb sucht man sie sich stets gewogen zu erhalten. Vor der Aussaat des Reises wird ihnen ein grosses Opferfest abgehalten, damit sie Saaten und Felder schützen &c. Die Anitos rufen auch die Krankheiten hervor und erzeugen verderbliche Dünste in Feld und Flur. Die Igorroten des in Lepanto liegenden Ortes Cabugatan halten die Aale ihres Baches für Verkörperungen ihrer Anitos, weshalb sie ihnen nicht nur kein Leid zufügen, sondern sie selbst füttern (Lillo 21). Mitunter findet man (in Lepanto) rohe Holzbilder, welche einen stehenden oder hockenden Mann darstellen, es sind diess Bilder der Anitos. Semper traf bei den südlichen Igorroten keine derartigen Bilder. Besonders zur Nachtzeit ziehen die Anitos herum, um Schaden zuzufügen (Mas, pobl. 17).

Die Igorroten besitzen einen Priesterstand, dessen Mitglieder der Mehrzahl nach Weiber sind, wie diess bei den Tagalen und Visayern in den Zeiten der Conquista ebenso der Fall war. Der männliche Priester heisst Mambunung, in jedem Dorfe ist nur einer, der erst auf dem Todtenbett seinem Sohne die Gebetsformeln mittheilt (Semper, Erdkunde XIII, 94). Diese Mambunungs heilen auch Krankheiten, indem sie das Gesicht des Leidenden mit dem Blute eines geschlachteten Opferthieres beschmieren; als Bezahlung erhalten sie Gold und die besten Fleischstücke des Opferthieres (Semper, l. c.). Schweine, Hunde und Hühner dürfen nicht geschlachtet werden, ausser sie werden vom Mambunung eingeweiht und Theile ihres Fleisches den Göttern oder Anitos geopfert.

Meist werden alle religiösen Ceremonien durch Priesterinnen, die sogenannten "Asiteras", geleitet, es sind diess gewöhnlich alte Weiber, welche die Opfer bei den religiösen Festen, den Cañaos, zu verrichten haben. Die Anlässe zur Veranstaltung solcher sind verschiedenartigster Natur, wie: Erkrankung, plötzliches Umstehen des Viehes, eine Leichenbestattung, Hochzeiten, das Erblicken gewisser Vögel oder einer Ratte, welche den Weg kreuzt, ferner der Neubau eines Hauses oder der Aufbruch eines Kopfjägers, der Blutrache ausüben will (Lillo, 19 f.). Die Asiteras leiten das Fest, das in ein Fress- und Saufgelage ausläuft, mit dem Schlachten eines Opferthieres ein, indem sie unter Hersagen verschiedener Stossgebete und Ausrufungen mit dem Opferblute die Umstehenden oder das Anitobild besprengen. Die Asiteras geben vor, von einem Anito begeistert zu sein (Lillo 20). Zum Abhalten dieser religiösen [16] Feste, Cañaos, besitzt jedes Dorf einen kleinen Schuppen, vor dem ein offener Platz sich befindet (Lillo 24).

Das Erscheinen des Regenbogens halten die Igorroten für ein gutes Omen, kreuzt hingegen eine Schlange den Weg, so kehren sie augenblicklich um (Mas, pobl. 16). Wenn sie irgendwohin aufbrechen wollen, so zünden sie ein Feuer an, schlägt der Rauch nach der ihrem Ziele entgegengesetzten Richtung, so halten sie diess für ein sehr schlimmes Zeichen und unterlassen sofort den Zug (Mas, l. c.). Unter ihren "abergläubischen" Bräuchen verdient folgender einer Erwähnung: Wenn bei dem Neubaue eines Hauses Jemand bei der Errichtung der Grundpfeiler niest, so muss der Bau sofort unterlassen werden, sonst würde von den Betheiligten einer bald sterben müssen (Lillo 23).

Das Christenthum hat zwar bei ihnen Eingang gefunden, breitet sich aber nur langsam, wenn auch sicher, aus. Man hat schon in den vergangenen Jahrhunderten Versuche gemacht, sie zum Christenthume zu bekehren, aber P. Mozo (Misiones 80) gesteht freimüthig, dass die wenigen Igorroten, welche die Taufe nahmen, diess nur thaten, um ihre Stammesgenossen um so leichter und wohlfeiler mit Mänteln, Schweinen, Kühen und (Palm-) Wein zu versehen.

Über ihre nationalen Rechtsverhältnisse ist mir so gut wie Nichts bekannt. In zweifelhaften Fällen waren Gottesurtheile, wenn ich diesen Ausdruck hier anwenden darf, üblich. Zwei Arten derselben erwähnt Lillo (Lepanto 20). Mit einem spitzen Eisen von der Grösse und Gestalt eines kleinen Nagels werden die Köpfe der Streitenden geritzt, wer bei dieser Operation mehr Blut verliert, hat den Streit verloren. Ein anderes Mal wird ein kleiner Scheiterhaufen angezündet, worauf jeder der Streitenden ein gefesseltes Huhn in die Flammen wirft. In dem Augenblicke, wo die armen Thiere in den letzten Zügen liegen, werden sie wieder aus dem Feuer herausgezogen und der Leib geöffnet, wessen Huhn eine grössere Galle besitzt, der hat den Process verloren.

Das Jahr zählen sie nach Ernten, die Monate nach Monden, die Stunde nach dem Stande der Sonne (Lillo 44). Ihre Gesänge sind monoton und nach unseren Begriffen unharmonisch, der Kriegsgesang besteht eigentlich nur aus einem gellenden Geschrei (Lillo 24). Ihre Musikinstrumente sind nicht zahlreich, zu erwähnen wäre zunächst der Batitin, eine Trommel aus einem ausgehöhlten Baumstamme (Lillo 28), denselben Namen giebt Semper (Erdk. XIII, 93), nur mit einer geringen Modification--batiting--, den auch bei den Igorroten üblichen Gongs. Prof. Semper erwähnt an derselben Stelle auch eine Trommel, welche die Form einer Kanone besitzt und mit einem Stück Stierleder überzogen ist. Der Gong der Igorroten von Lepanto heisst la Ganza, er besteht aus Bronze. Zur besseren Handhabung ist an die Ganza ein Henkel angemacht, welcher aus dem Kinnbacken eines Feindesschädels besteht, so adjustirte Ganzas haben einen besonderen Werth (Lillo 29).

Die vornehmen Igorrotenfamilien wetteifern miteinander in Veranstaltungen von grossen Festschmäusen. Zu diesen Festen werden nur die Vornehmsten des Ortes persönlich eingeladen, die übrigen Dorfbewohner erscheinen auf das Signal von Trommelschlägen. Ehe das Gelage seinen Anfang nimmt, wird getanzt. Bei den südlichen Igorroten treten bei solchen Festen als Tänzer ein Weib mit drei bis vier Männern auf. "Das Weib dreht sich, die Arme bald weit ausstreckend, bald sie über die Brust kreuzend, wobei sie sich tief gegen die (schon bereitstehenden und mit Reisbier gefüllten) Krüge verneigt, nach einer Seite im Kreise um diese herum, in entgegengesetzter Richtung bewegen sich die Männer, deren Anführer ein breites buntfarbiges Tuch über Brust und Schultern trägt und lebhaft mit den Armen gesticulirt" (Semper, Erdk. XIII, 93). Der Tanz der Igorroten von Lepanto besteht in einem schnellen Bewegen der Beine, ohne die Füsse vom Boden zu erheben oder den Körper zu bewegen, dabei halten die Mädchen ein Tuch in den Händen, hinter welchem sie sich anscheinend zu verbergen suchen, ähnliches thut der Mann, nur fingirt er das fehlende Tuch; es tanzt immer nur ein Paar, welches rasch durch ein anderes ersetzt wird (Lillo 29).

Beim Kriegstanze ahmen die mit Schild und Lanze bewaffneten Tänzer ein Gefecht nach (Lillo, l. c.), doch beginnt diese Sitte rasch zu schwinden, da bei den den Spaniern unterworfenen Igorroten keine Kriege mehr geführt werden.

Ihre Industrie ist nur in Bezug auf Metallarbeiten und Bergbau von Belang. Sie besitzen zwar kleine Webeapparate (Lillo 42), können aber damit nur den geringsten Theil ihres Bedarfes an Baumwollgeweben decken. Aus der Rinde des mächtigen Baumes Baliti bereiten sie durch Klopfen und Dörren an der Sonne einen überaus haltbaren Stoff, welchen sie zu ihrem Kopfbunde, zu Schlafteppichen &c. verwenden (Scheidnagel 126). Im Flechten von Körben, Matten und Hüten sind sie sehr geschickt, letztere Industrie nimmt immer mehr an Bedeutung zu. Aus Holz werden verschiedene Sachen, als Tabakspfeifen, Schüsseln &c. geschnitzt. Die "Latoc" genannte Holzschüssel hat zwei Höhlungen, eine für das Salz, die andere viel grössere für die eigentliche Speise (Scheidnagel 126). Sie sind ausgezeichnete Schmiede, ihre Werkstätten liegen nie im Dorfe, sondern tief im Walde versteckt (Semper, Erdk. XIII, 92). Aus Kupfer fabriciren sie Kessel, Kochtöpfe, Tabakspfeifen, Ketten und ähnliche Dinge. Auch Felle wissen sie gut zuzubereiten, besonders verdienen die aus dem bunten Felle der Bergkatze bereiteten Tabaksbeutel Beachtung (Scheidnagel 127).

Im Bergbau übertrafen sie die übrigen Malaienstämme der Philippinen. Die reichen Kupferminen um den Mte. Datá, in Mancayan &c. werden von ihnen ergiebig ausgebeutet, ebenso die Goldgruben von Acupan, Apayao und Suyuc. Jede Familie in den erzführenden Districten hatte ihr eigenes streng abgegrenztes Schürfgebiet. "Zur Förderung des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten Stellen Feuer anzündeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten enthaltenen erhitzten Wassers, mit Zuhülfenahme eiserner Werkzeuge den Felsen zu zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem Stollen selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und erhöhte den Boden, so dass bei späterem Feuersetzen die Flamme der Holzstösse stets die Decke traf" (Santos, Informe sobre las minas de cobre, in Jagor, Reisen, p. 147). Reiche Erze wurden einfach geschmolzen, die quarzhaltigen einer sehr starken Röstung unterzogen (Jagor, l. c.). Scheidnagel (p. 98) führt die Gattungen des Goldgewinnes an: Die einfache Wäsche, Galerienbau und Zerklopfen des erzhaltigen Gesteines. Die Schmelzöfen der Igorroten bestehen aus einer runden Vertiefung im Thone und haben einen Durchmesser von 0,3 m und eine Tiefe von 0,15 m. "Eine damit in Verbindung stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte conische Röhre von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die unteren Enden zweier ausgehöhlter Fichtenstämme eingepasst waren, in denen sich zwei an ihrem Umfange mit trockenem Grase oder Federn bekleidete Scheiben abwechselnd auf- und abbewegten und die für das Schmelzen erforderliche Luft zuführten" (Jagor, l. c. 148). Der Kupferbergbau hat stark nachgelassen (Drasche, Fragm. zu einer Geol. 36), indem die reichsten Kupferminen sich jetzt im Besitze spanischer Actiengesellschaften und Capitalisten befinden, bei denen die Igorroten, die einstigen Grubenbesitzer, Taglöhnerdienste verrichten (Lillo 52). Das Goldwaschen ist noch heute in ihren Händen; in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit war der Goldhandel allein Monopol der vornehmen Familien, denen die Plebejer--wenn ich so sagen darf--alles gefundene Gold abliefern mussten (Mozo 81). Die Igorroten in der Umgebung von Suyuc bringen noch jetzt Gold im Werthe von 12 000 Dollars in den Handel (Lillo 42).

In den Zeiten der Unabhängigkeit bildete--und für die noch jetzt nicht unterworfenen Stämme gilt dasselbe--jedes Dorf einen Staat für sich (Lillo 17), wir finden also hier, wie schon Mas erwähnte (Mas, historia I, 10), dieselbe staatliche Zersplitterung wie bei den heutigen Indios civilisados in der Periode der Conquista. Der Häuptling des Dorfes gehört dem Adel an, jedoch scheint diese Würde nicht in einer einzigen Familie erblich zu sein, sondern der Tapferste--dann Mainguel genannt--oder Reichste wird Chef eines Dorfes (Lillo 17). Seine Macht ist sehr beschränkt, denn die eigentliche Regierung liegt in den Händen der gesammten Adeligen (Lillo 18). Diese werden "Bacnanes" genannt, ihnen gehört der ganze Boden und das Ackerland des Dorfstaates, in welchem gewöhnlich vier, sechs oder mehr solcher Magnatenfamilien leben. Die übrigen Dorfbewohner sind nichts anderes als Leibeigene des Adels, dessen Felder sie zu bestellen haben und denen sie sonst zu Diensten stehen; als Lohn erhalten sie dafür Speise und Trank (Lillo 18). In Lepanto werden sie Cailianes genannt (Lillo, l. c.), d. h. ebenso, wie die Plebejer in Ilócos. Die einzelnen Dorfstaaten waren beständig miteinander im Kriege begriffen.

Den ersten Versuch, die Igorroten der spanischen Krone und dem Katholizismus zu unterwerfen, unternahmen die Spanier 1660, er misslang so wie mehrere andere Expeditionen, bis es 1829 den Spaniern gelang, festen Fuss im Lande zu fassen, seitdem ist ein Igorroten-Territorium nach dem anderen durch Güte und Gewalt annectirt worden. Vom 4. bis 7. März 1880 fanden neue blutige Kämpfe mit noch unabhängigen Bergstämmen Statt, welche siegreich für die Spanier endeten.

Die unterworfenen Igorroten haben dieselbe Gemeindeverfassung und Autonomie erhalten, wie die übrigen Eingeborenen der Philippinen. Jede Ranchería (Dorf) wählt einen Gobernadorcillo oder Gemeindevorsteher, Wähler sind die vornehmsten Dorfbewohner, d. h. die Bacnanes (Lillo 34). Die Gemeindegebiete sind scharf abgegrenzt, um Zusammenstösse und Streitigkeiten bei den fehdelustigen Igorroten zu vermeiden. Sie haben ebenso die Servicios und Polos zu leisten wie die Tagalen, es ist jedoch bemerkenswerth, dass diese öffentlichen Arbeiten meist von Weibern verrichtet werden, welche ihre Männer vertreten. Nur in Bezug auf den Tribut (die Kopfsteuer) haben die Igorroten einen grossen Nachlass, sie zahlen gleichsam nur eine Taxe.

Die spanische Regierung hat auch unter ihnen Schulen gegründet, in denen die Kinder im Lesen und Schreiben der spanischen Sprache, im Rechnen und in der katholischen Religion unterrichtet werden. 1876 besass der District Lepanto 7 Schulen, welche von 562 Kindern regelmässig besucht wurden, von welchen 110 fertig spanisch lesen und schreiben konnten (Lillo 44). Einige erwachsene Igorroten von Lepanto verstehen im ilocanischen Dialekte zu schreiben, andere können wenigstens ihren Namen unterschreiben (Lillo, l. c.). Jedenfalls verdient der gute Wille der Colonialregierung alle Anerkennung.

8. Altasanen (Altasanes) und Ilamuts.

Wo diese beiden den Igorroten naheverwandten Stämme ihre Wohnsitze haben, war mir nicht möglich sicher zu ergründen. Nicht einmal der Name des ersteren Stammes ist sichergestellt, indem Mas (pobl. 14) und nach ihm Bastian (Reisen V, 272) Altabanes schreiben, während Buzeta y Bravo die Schreibweise Altasanes führt. Merkwürdigerweise scheint Dr. Bastian, durch diese verschiedene Schreibweise verleitet, Altasanes und Altabanes für zwei verschiedene Stämme zu halten (vgl. Bastian, Reisen V, 272 u. 274). Altasanen und Ilamuts verehren einen Gott Namens Cabiga und dessen Frau, welche bei Buzeta (Dicc. I, 60) Bujan, bei Mas (pobl. 14) Bujas heisst. Das ist Alles, was wir über diese beiden Stämme wissen. Ihre Wohnsitze sind jedenfalls in der Provinz Nueva Vizcaya zu suchen.

9. Bujuanos.

Die Bujuanos sind ein ebenfalls den Igorroten naheverwandter Stamm in der Provinz Isabela (Scheidnagel 35). Ihre Wohnsitze konnte ich nicht näher ermitteln.

10. Panuipuyes.

Die Panuipuyes oder Panipuyes sind Igorrotenstämme, von denen nichts weiter bekannt ist als der Name (Mas, pobl. 28; Buzeta I, 58). Wohnstätten wahrscheinlich im westlichen Nueva Vizcaya oder Isabela. Vielleicht sind sie nur ein Zweig der Mayoyaos.

11. Isinays.

Die Isinays wohnen am mittleren Rio Agno bis gegen den von den Spaniern Caraballo Sur genannten Gebirgsstock, im westlichen Theile der ehemaligen Provinz Ituy. In ihren Sitten und Bräuchen gleichen sie den Bergstämmen der nördlichen Nachbarstriche. Zwischen 1715-40 wurden sie zum Christenthume bekehrt (Mozo 40 f.). Im Jahre 1788 gab es noch 3900 wilde Isinays (Mas, pobl. 38). Sie scheinen jetzt ihren Dialekt einzubüssen und vollständig in die Pampangos und Pangasinanen einzugehen.

Mit ihnen naheverwandt scheinen die Jumangis zu sein, die seit Mozo (Misiones 58) kein neuerer Schriftsteller erwähnt.

12. Abacas.

Die kleine Nation der Abacas lebt südlich vom Bergstock Caraballo Sur, in der Umgegend von Caranglan. Ihre Sprache scheint erloschen zu sein, wenigstens machen die spanischen Censuslisten hiervon keine Erwähnung, früher besassen sie aber ein eigenes Idiom, das sich selbst von dem der ihnen sonst in Sitten ähnlichen Italonen unterschied, wie diess Fr. Antolin de Alzaga, der unter ihnen 1702 als Missionär lebte, ausdrücklich hervorhebt (Mozo 20). Von den Italonen, mit denen sie in beständigem Kriege begriffen waren, unterschieden sie sich auch durch die Polygamie, die bei ihnen üblich war (Mozo, l. c.). Sie scheinen Kopfjäger gewesen zu sein, heute sind sie friedliche Christen.

13. Italonen (Italones).

Die Italonen wohnen nördlich vom Caraballo Sur im südlichen Theile der Provinz Nueva Vizcaya, wo auch ihre grösseren Orte Lublub, Bayombon, Dupax &c. liegen. Sie sind erst seit dem Anfange des vorigen Jahrhunderts allmählich zum Christenthum bekehrt worden, das aber nur oberflächlich an ihnen haftet. Im Jahre 1702 zählten sie 52 Dörfer, welche ein nettes Aussehen hatten, ihre Hütten waren von ansehnlicher Grösse. Obwohl sie eifrige Jäger waren und der Fischfang in ihren Bächen und Flüssen reichliche Beute lieferte, so bildete dennoch Reis ihre Hauptnahrung, sie bestellten die Äcker mit Sorgfalt und waren durch Aufspeichern von Reisvorräthen in der Lage, bei etwa eintretenden Missernten der Hungersnoth vorzubeugen (Mozo 19 u. 26). Ob sie andere Hausthiere als den Hund besassen, ist mir nicht bekannt, obwohl manches darauf schliessen lässt, dass der Büffel und das Schwein wenigstens in geringer Zahl gezüchtet oder eingehandelt wurden. Aus Zuckerrohr bereiteten sie ein berauschendes Getränk, Ilang genannt (Mozo 32). Ihre Waffen waren Lanze, Waldmesser und Schild. Ihre unbändige Kriegslust, die gegen ihre sonstige Liebenswürdigkeit (Mozo 19) eigenthümlich abstach, reizte sie zu beständigen Fehden mit den Nachbarstämmen, insbesondere den Abacas und den Balugas, wobei derjenige den grössten Ruhm davontrug, der die meisten Feindesschädel heimbrachte, denn sie waren Kopfjäger (Mozo 32, 35). Diese eigenthümlichen Trophäen wurden in der Hütte sorglich aufbewahrt, nur pflegten sie vorher den Schädel seiner Zähne zu berauben, um damit den Handgriff ihres Hackmessers auszuschmücken (Mozo 22). Ihre Kriegführung beruhte hauptsächlich auf List und Überrumpelung, der offene Kampf, Mann gegen Mann, wurde so sehr als möglich gescheut; am liebsten überfielen sie den Feind in der Nachtzeit (Mozo 34). Die erlittenen Wunden, sowie andere Krankheiten heilten sie durch verschiedene Kräuter, über welche Mozo (Misiones 56) eingehend berichtet. Sie sollen auch das Blut der erschlagenen Feinde getrunken und Theile von deren Hinterhaupte und Eingeweiden roh verzehrt haben, um den Muth des Erschlagenen zu erben (Mozo 32 f.; Mas, pobl. 22). Starb ein angesehener Häuptling, so hüllten sie ihre Waffen zum Zeichen der Trauer ein, und diese Ceremonie nannten sie Magbalata.

Wie bei den Igorroten war auch bei ihnen nur Monogamie üblich, die Ehen konnten nur durch den Tod eines der Gatten gelöst werden (Mozo 19). Kebsweiber neben der Gattin zu halten, war untersagt, auch durften Blutsverwandte keine Ehen untereinander eingehen (l. c.).

Über ihre frühere Religion stehen mir nur die dürftigen Notizen des Augustiners P. Arzaga zur Verfügung. Nach diesen glaubten sie an einen einzigen Gott, der die Guten belohne und die Bösen bestrafe, doch wussten sie nicht zu sagen, in was die Belohnung bezw. Strafe zu bestehen hätte. Dieser Gott hatte nach ihrer Ansicht im Himmel seinen Wohnsitz. Auffallend ist, dass dieser Gott unbeweibt lebt, während sonst alle Bergstämme von Nord-Luzon nur Götterpaare kennen. Sie glaubten auch an die Unsterblichkeit der Seele, was den Schluss zu ziehen gestattet, dass der Ahnencultus ihnen nicht unbekannt gewesen sein mag.

Von diesen erwähnten und dargestellten Bräuchen und Sitten hat sich wenig erhalten, das Christenthum hat ihrem ganzen Leben tagalisches Gepräge verliehen.

14. Ibilaos.

Die wilden Ibilaos wohnen in den Grenzdistrikten von Nueva Vizcaya und Nueva Écija, vom Caraballo Sur gegen Norden und Nordwest ihre Sitze ausdehnend. Bei den Orten Levang, S. Fabian und Tongbon treten sie in unmittelbare Berührung mit den civilisirten Indiern. Sie streichen bis zum Caraballo del Baler hinüber.

Sie sind von kleiner Statur und geringer Körperstärke (Buzeta I, 57). Sie scheinen keinen Ackerbau zu treiben, sondern nur von der Jagd und dem Raube sich zu nähren, was vielleicht auf eine starke Beimischung mit Negritoblut zurückzuführen ist. Buzeta und Bravo bezeichnen das Leben, welches sie führen, als ein nur elendes (Buzeta, l. c.).

Wie bei den meisten Bergstämmen Luzons herrscht auch bei ihnen die Sitte der Kopfjägerei (Buzeta I, 57; Mas, pobl. 28). Sie lauern im Hinterhalte auf den Nichts ahnenden Reisenden, den sie mit sicherer Hand mit ihren Pfeilen tödten (Mas, l. c.). Es erinnert diess auffallend an die Negritos. Ihre Pfeile sollen nach Bastian (Reisen V, 274) vergiftet sein, ich weiss nicht, welcher Quelle diese Notiz entnommen ist. Auch sie schmücken ihre Waffen mit den Zähnen der erschlagenen Feinde. Ihre Zahl ist sehr gering (Mas, pobl. 28); am 2. Mai 1851 zählte man in der Provinz Nueva Vizcaya 330 erwachsene unterworfene Ibilaos (Diaz Arenas 515).

Von ihrer Religion ist Nichts bekannt; nach Semper (Erdkunde XIII, 94) "sollen" sie am Caraballo Sur Tempel besitzen, was höchst unwahrscheinlich erscheint.

Einzelne Ibilao-Stämme leben mit den Spaniern in Frieden, besonders jene der Provinz Nueva Écija (Cavada II, 464).

15. Ilongoten (Ilongotes).

Die Ilongoten, auch Ilungut oder Ylungut genannt, wohnen in den Provinzen Nueva Vizcaya, Isabela und Príncipe, streifen aber auch nach Nueva Écija herüber. Die Cordillere zwischen Baler und Casiguran ist ihr Hauptsitz. Nach einer durch die Liebenswürdigkeit des Herrn Hofrathes Dr. A. B. Meyer mir zur Ansicht geliehenen Photographie sind ihre Augen langgeschlitzt und schief gestellt. Oberlippe und Kinn haben einen Bartanflug. Das Haar wird auch von den Männern lang getragen; es wird in einen Zopf geflochten, der oft bis zu den Hüften reicht. Ihre Kleidung besteht nur aus dem auch bei den Igorroten üblichen Lendengewand. Den linken Unterarm zieren eng aneinander (spiralförmig?) gefügte Ringe, offenbar aus Metalldraht. Semper (Skizzen 138) charakterisirt sie mit folgenden Worten: "Sie gehören mit zu den wildesten Stämmen des Landes, und sie stehen mit den Christen sowohl, wie mit den nahe wohnenden Negritos in beständiger Fehde". Sie sind leidenschaftliche Kopfjäger (Mas, pobl. 28; Semper, Erdk. XIII, 251). Sie bekämpfen nicht nur die Negritos und fremden Stämme, ein Dorf gegen das andere steht feindlich auf, um die kostbare Schädelbeute zu erjagen. Auf eigenen Instrumenten werden die blutigen Trophäen heimgetragen und an der Thüre des Siegers aufgehängt. Ähnlich wie bei anderen Bergstämmen Luzons wird die Rückkehr einer siegreichen Kopfjägerbande mit grossen Festlichkeiten und Tänzen gefeiert. Semper (l. c.) nimmt die Ilongoten gegen den Vorwurf des Cannibalismus in Schutz.--Ihre Religion besteht in einem Ahnencultus (Semper, Erdk. X, 265). Über ihre Zahl ist mir nichts Näheres bekannt, am 2. Mai 1851 zählte man in Nueva Vizcaya 252 erwachsene und 255 noch im Kindesalter stehende friedliche Ilongoten. Die Ilongoten der Provinz Isabela leben im Augenblicke im Frieden mit den Spaniern, doch trauen ihnen diese nicht.

16. Mayoyaos (nebst Quianganen, Pungianen und Silipanen).