Versuch einer Ethnographie der Philippinen
Part 7
Das Haar tragen Männer und Weiber "vorn geradlinig über der Stirn und zu beiden Seiten des Gesichts abgeschnitten, so dass es fast die ganze Stirn bis zur Nasenwurzel, sowie die Ohren bedeckt"; am Hinterkopf lassen sie es oft lang wachsen und binden es in einen Knoten zusammen (Semper, Erdk. XIII, 91). Doch wechselt die Haartracht bei den einzelnen Stämmen (Lillo 30). Die Igorroten im engeren Sinne des Wortes tätowiren ihren Körper an Händen, Armen und der Brust (Lillo 31), doch beschränkt sich diese Sitte in den meisten Dörfern nur auf ein rohes Sonnenbild, welches auf die Handrückenfläche gemalt wird (Semper, Erdk. XIII, 90), insbesondere die Weiber dehnen die Tätowirung zumeist auf keinen anderen Körpertheil aus (Lillo, l. c.). Die Tätowirungsmuster auf Brust und Armen sind Combinationen gerader und krummer Linien, seltener findet man bildliche Darstellungen von Menschen und Thieren (Semper, l. c.). Die Tätowirungsmuster haben eine schmutzig-blaue Farbe und werden der Haut durch Nadelstiche beigebracht, die Nadel selbst ist in eine Farbmasse getaucht, welche aus Öl und einem Pulver, das durch Verbrennung blauer Baumwollenstoffe gewonnen wurde, zusammengesetzt ist (Lillo 31). Die Busaos-Igorroten tätowiren sich Blumengebilde auf die Arme (Mas, pobl. 25; Ilustracion, 1860, 152 und 285; Bastian, Reisen V. 273; Ilustr. del Oriente, 1878, Nr. 1, p. 4), andere Körpertheile werden nicht tätowirt. Die Buriks-Igorroten tätowiren sich den Körper in einer Weise, dass er wie mit einem Panzerhemde bedeckt erscheint, während die Arme mit schlangenartigen Mustern versehen werden (Mas, pobl. 25). Bemerkenswerth ist die Sitte, dass bei Vornehmen die Zähne mit einem breiten Goldblech bedeckt werden (Semper, Erdk. XIII, 90). Denselben Brauch fanden die Spanier bei der Eroberung des Archipels bei Tagalen und Visayern vor.
Den schmutzigen Körper und die nie gekämmten Haare verhüllen verschiedenartige Tracht und Gewandung. Bei der Feldarbeit wird von den Männern nur der Bajaque oder Baac--eine Art Schurz--getragen (Lillo 31). Der Bajaque besteht aus Baumwollenzeug oder Baumrinde (Mas, pobl. 23). Sonst wird noch ein Mantel getragen, "aus Baumwollenzeug verfertigt und ilocanischer Provenienz", da dieser "Mantel" viereckig ist, könnte er wohl besser Plaid genannt werden. Der Plaid ist lang genug, dass er doppelt um den Leib herumgeschlagen werden kann, er ist blau und weiss gestreift oder schwarz; wenn ganz von weisser Farbe, gilt er als Trauergewand (Mas, pobl. 23). Diese anscheinende Anlehnung an chinesischen Brauch liefert aber kein neues Beweismaterial für die Chinesen-Abstammungs-Hypothese, denn die Spanier fanden in den Zeiten der Conquista Weiss als Trauerfarbe im ganzen Archipel, und noch heute ist es so auf den Sulú-Inseln.
Der Kopf wird meist unbedeckt getragen (Semper, Erdk. XIII, 89), sonst tragen die Berg-Igorroten ein Zeug turbanartig um den Kopf gewunden, während die Thalbewohner mit dem Salacó das Haupt bedecken (Lillo 31). Die Tracht der civilisirten Indier (gleich der tagalischen) beginnt bereits in den Grenzdistricten die nationale zu verdrängen (Lillo, l. c.). Die Weiber tragen eine bis zu den Knieen reichende Schürze, ferner ein jackenartiges Hemd mit langen Ärmeln, welches die Brüste durch einen Schlitz erblicken lässt, beide Kleidungsstücke sind indigoblau mit weissen Streifen (Semper, Erdk. XIII, 89; Ilustr. 1860, p. 151). Die Häuptlinge tragen im Kriege einen eigenthümlichen Barigués oder Porta-itac genannten Gürtel, welcher aus kleinen blendend weissen Steinchen zusammengesetzt ist (Scheidnagel 124). Die Kleider werden nie gewaschen (Lillo 31).
Als Schmuckgegenstände dienen beiden Geschlechtern Ringe und Schnüre um Hals, Arme und Beine, sowie Ohrgehänge. Um den Hals werden mit Glasperlen und Steinen bedeckte Schnüre getragen (Semper, Erdk. XIII, 90), manche legen einen aus Kupferblech bestehenden Halsschmuck an, einige tragen förmliche Hunde-Halsbänder (Lillo 30). Die Arm- und Beinringe bestehen aus Metalldraht, Glasperlenschnüren oder Pflanzenflechtwerk (Semper, Erdk. XIII, 90); eine besondere Gattung dieser Ringe heisst Bali, wird aus Kupfer verfertigt und ist mitunter vergoldet (Scheidnagel 125). Die Ohrgehänge, welche auch von den Männern getragen werden, bestehen aus Gold, Kupfer und Hundezähnen (Lillo 30; Scheidnagel, l. c.). In Ermangelung von etwas besserem werden auch Holzpflöcke in die Ohren gesteckt. Je grösser die Ausdehnung des Ohrläppchens ist, desto grösser der Stolz.
Tabak, Geld und andere Gegenstände werden in einer Art Patronentasche aus Rohrgeflecht getragen, welche an einem Bandelier hängt (Lillo 30). Semper sah viele Igorroten, welche an einer (Glas-) Perlenkette einen Ohrlöffel und jene Kupferzange beständig mit sich trugen, welche zum Auszupfen der Barthaare dient.
Von ihren Geräthen und Waffen fällt zunächst ihre Axt Ligua (Aligua, Aliva) in die Augen, sie hat die Gestalt eines Trapezoids (Scheidnagel 124) und ist mit einer Spitze versehen, welche zum Aufspiessen des abgeschlagenen Feindeskopfes dient (Lillo 24). Dann kommt zunächst das zweischneidige Waldmesser Bujías oder Talibong (Talibon) in Betracht. Breite einschneidige Hackmesser, gleich den ilocanischen, und ebenso Bolos genannt, sind gleichfalls im Gebrauche. Der Talibong wird bei den Busaos nicht vorgefunden (Ilustr. 1860, p. 152). Zur Jagd wie zum Kriege dient als Hauptwaffe ein Wurfspiess mit eiserner Spitze, welcher Cayang genannt wird. Sie besitzen zwar auch Pfeil und Bogen, wissen aber diese Waffe nicht gut zu gebrauchen (Mas, pobl. 24). Als Schutzwaffe dient der aus Holz verfertigte Schild, Calata (Lillo 24). Sämmtliche Angriffswaffen sind aus Metall verfertigt, bezw. haben sie aus diesem verfertigte Spitzen, Eisen wird natürlich bevorzugt, kommt aber nur durch Handel in ihre Hände, weshalb in früheren Zeiten das Kupfer das Material zur Herstellung ihrer Waffen und Werkzeuge nahezu ausschliesslich hergab.
Von Transportgeräthen sind erwähnenswerth der Apirang und der Cayabang, ersterer ist ein auf dem Rücken zu tragender Korb aus Rohr und Bambus, letzterer ist gleichfalls ein Korb von vollendeter Arbeit, welchen nur Weiber tragen, er hat die Gestalt eines abgestumpften Kegels; zum Fortschaffen und Aufbewahren verschiedener Gegenstände dienen auch die Sackgattungen Upit und Sagupit, beide aus Bejuco und anderen Rohr- und Gras-Gattungen geflochten. Der Upit hat einen doppelten Boden (Scheidnagel 126).
Die Dörfer der Igorroten sind nicht klein und erscheinen noch grösser durch den Umstand, dass jedes Haus von dem anderen durch einen viereckigen Hofraum geschieden ist (Semper, Erdk. XIII, 90), dieser Hofraum ist von einem aus rohbehauenen Steinen zusammengefügten Walle umgeben. Die Hütten sind je nach der Lage des Dorfes aus verschiedenen Materialien hergestellt; wo spanisches Rohr und Cogongras noch fortkommen, werden aus ersterem die Wände, aus letzterem die Bedachung verfertigt, in den höheren Gebirgen dienen zum Hausbaue Dielen und Balken aus Fichtenholz (Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Igorroten-Hütten in den Niederungen von Lepanto haben bereits ilocanisches Gepräge (Lillo 31). Der Grundriss ist viereckig, die Zimmer sind vier Fuss hoch; zwischen der Zimmerdecke und dem Dache ist der Reis aufgehäuft; selten läuft um das Haus eine Galerie (Semper, Erdk. XIII, 90). Die Hütten haben keine Fenster und nur eine einzige niedrige Eingangsthür, zu welcher man auf einer Leiter--denn auch hier ruhen die Hütten etwas erhöht über dem Erdboden--gelangt (Lillo 31). Der Feuerherd befindet sich gewöhnlich in der Mitte des einzigen Zimmers (Semper, Erdk. XIII, 90). In manchen Gegenden umgeben die Igorroten ihre Häuser mit Bambuszäunen (Scheidnagel 75). Das Innere der Hütten starrt von Schmutz, Russ und Asche (Semper, Erdk. XIII, 90; Mas, pobl. 24; Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Früher schmückten die Igorroten das Äussere und Innere ihrer Behausungen mit den Köpfen der erlegten oder geschlachteten Thiere aus, wodurch die ganze Umgebung der Hütte durch infernalischen Gestank verpestet wurde (Mas, pobl. 20; Semper, Erdk. XIII, 94), jetzt beginnt diese Sitte zu verschwinden, wenigstens in Benguet und Lepanto.
Die Igorroten sind fleissige Ackerbauer, sie bauen Reis, Mais, Patatas, Camote und verschiedene Gemüsegattungen, ferner Tabak. Kaffee wird zwar in ihrem Lande gepflanzt, aber diese Plantagen sind im Besitze und in Verwaltung von Spaniern und Mestizen (Lillo 41). Vor dem Auftreten der Spanier scheinen sie nur Reis gebaut zu haben und diesen nicht in genügender Menge, denn zu Ende des XVII. Jahrhunderts tauschten die Igorroten in Ilócos nicht allein Schweine und Büffel, sondern auch Reis ein (Morga-Stanley 284). Lillo Gracia sagt von den Igorroten von Lepanto, dass sie beständig darnach streben, neue, ihnen unbekannte Sämereien und Pflanzen anzubauen. Hie und da, wo das schon kühlere Klima ihres Landes es zulässt, bauen sie Zuckerrohr, Mangobäume und Apfelsinen (Semper, Erdk. XIII, 72).
Bewunderungswürdig ist die Anlage ihrer Felder an steilen Berglehnen und das Berieselungssystem, welches ihren Äckern das nöthige Wasser bringt. Die schroffsten Abhänge sind durch mühseliges Aufthürmen von Felsblöcken in Terrassenfelder verwandelt worden (Semper, Skizzen 59, und in Erdk. XIII, 91; Lillo 39). Den Feldern wird das Wasser durch ausgezeichnet nivellirte Canäle zugeführt, Schluchten und Bergklüfte werden durch primitive Aquäducte überbrückt, welche aus rinnenartig ausgehöhlten Baumstämmen hergestellt sind (Lillo 40). Um fruchtbare Äcker zu gewinnen, brennen die Igorroten grosse schöne Fichtenwaldungen nieder (Lillo 46). Das Pflügen und der Terrassen- und Canalisirungs-Bau liegt den Männern ob, alle übrige Feldarbeit ist Sache der Weiber und Kinder (Lillo 32). Der Reis wird nicht geschnitten, sondern Halm für Halm ausgerissen (Semper, Erdk. XIII, 91). Nach der Ernte werden die Felder unter Wasser gesetzt und dann gepflügt. Zu letzterer Arbeit wird nur in den Niederungen der Büffel mit benutzt, in den Berghöhen arbeitet der Mensch allein (Lillo 39). Der Pflug ist eine Art Harke (Semper, l. c.). In Lepanto besteht er aus eisenbeschlagenen Stäben, welche die Erde aufreissen, worauf die Schollen durch Daraufschlagen zerbröckelt werden (Lillo, l. c.).
Von einer Viehzucht in dem bei uns üblichen Sinne des Wortes ist bei den Igorroten keine Rede. Sie besitzen zwar Büffel, Schweine (und seltener) Rinder und Pferde, aber ohne sich mit deren Zucht und Pflege zu befassen, so dass sie genöthigt sind, diese Thiere in grossen Mengen in Ilócos aufzukaufen, denn bei ihren Festschmäusen werden ungeheuere Massen Fleisch vertilgt, der Bedarf ist daher ein grosser. Die Pferde werden nur des Fleisches wegen gezogen, die wenigen, welche nicht dem Schlachtmesser verfallen, sind durch frühe Dienstleistung bald ruinirt (Lillo 41). Auch der Hund muss sein Fleisch hergeben. Da das letztere Thier, sowie das Schwein und das Huhn nur unter gewissen Ceremonien und unter priesterlicher Beihülfe geschlachtet werden können (Semper, Erdk. XIII), so ist der Schluss berechtigt, dass diese drei Thiergattungen die einzigen Hausthiere der Igorroten waren, als sie Luzon betraten und ihre jetzigen Wohnsitze einnahmen. Trotz dieser Vorliebe und religiösen Scheu Schweinen und Hühnern gegenüber sind die Igorroten von Lepanto so nachlässig und träge, dass sie, anstatt diese Thiere selbst zu ziehen, solche zu ziemlich hohen Preisen von ilocanischen Händlern einkaufen (Lillo 42). Die Hunde werden hingegen gut gepflegt und sogar Nachts in die Hütte mitgenommen, wo Menschen und Thiere sich in der Nähe des wärmenden Herdes lagern (Semper, Erdk. XIII, 90). Ställe für Büffel, Rinder und Pferde giebt es nicht, diese Thiere müssen im Freien die kühlen Nächte (in Benguet +7° R.) zubringen.
Ihre gewöhnliche Nahrung besteht in Camote, Reis, dem Fleische ihrer Hausthiere und Wildpret, letzteres wissen sie für längere Zeit zu conserviren (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). In der Bereitung der Fleischspeisen sind sie nichts weniger als heikel, für gewöhnlich braten sie das Fleisch, doch essen sie es auch im rohen Zustande, selbst die Büffelhaut wird nicht verschmäht und in lange Streifen zerschnitten noch blutig verschlungen (Semper, Erdk. XIII, 94). Ein Leckerbissen ist den Igorroten der in den Eingeweiden eines frischgeschlachteten Büffels befindliche Koth (Mas, pobl. 23). Semper (Erdk. XIII, 94) sah bei einem Festschmause, wie sie den Saft aus den Excrementen eines geschlachteten Büffels als Sauce auf rohes Fleisch auspressten. Sie geniessen das Fleisch auch im Fäulniss-Zustande (Lillo 28).
Den grössten Theil ihrer Reisernte verwandeln sie in Bundang oder Siniput, ein saures, berauschendes Bier (Semper, Erdk. XIII, 92). Ein anderer gegohrener Trank wird aus Zuckerrohr bereitet und heisst "Basig" oder "Basi".
Von den civilisirten Malaienstämmen der Philippinen unterscheiden sie sich vorteilhaft dadurch, dass sie keinen Buyo kauen, dagegen rauchen Männer und Weiber von früher Jugend an leidenschaftlich Tabak, und zwar aus Pfeifen (Lillo 30). Letztere werden von ihnen selbst fabricirt und bestehen aus Stein, Holz oder Bronze (Messing).
Sobald ein Weib Geburtswehen fühlt, eilt sie zu einem Flusse oder Bache, in dessen Wasser sie das neugeborene Kind sofort badet, dann legt sie das Kindlein in eine Art Korb, der über den Schultern festgehalten wird und geht damit heim (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). Werden Zwillinge geboren, so wird das zuletzt geborene Kind der ersten besten Familie geschenkt, die es adoptiren will; findet sich Niemand, der sich des armen Wesens erbarmt, so wird das Kind erwürgt oder lebendig begraben (Lillo 25). Dieser barbarische Brauch ist im raschen Schwinden begriffen. Das neugeborene Kind erhält den Namen desjenigen, der es zuerst beschenkt, doch werden die Namen im Leben mehrmals gewechselt (Lillo, l. c.).
Entgegen den liederlichen Sitten der Tagalen und Visayer hüten die Igorroten ängstlich die Keuschheit ihrer Mädchen. Sobald die Kinder geschlechtsreif werden, tritt eine vollständige Isolirung der Jünglinge und Mädchen ein. In jedem Dorfe giebt es zwei grosse Häuser, in dem einen bringen die Jungfrauen, in dem anderen die Jünglinge die Nacht zu; ein Greis bei den letzteren, eine Greisin bei ersteren führen die Oberaufsicht und verhindern, dass Jemand zur Nachtzeit sich hinaus- oder hereinschleiche (Lillo 27). Bei Tage werden die Jungfrauen bei jedem Ausgange von älteren Frauen ihrer Familie oder dem Vater selbst begleitet und bewacht (Lillo, l. c.). Der Fehltritt eines Mädchens wurde bei einigen Stämmen mit dem Tode (Mas, pobl. 23), bei anderen durch schwere Züchtigung bestraft (Lillo 29). Diese Strenge bewirkte, dass die Mädchen, welche ihren Trieben freie Zügel schiessen liessen, indem sie die Wachsamkeit ihrer Aufseher täuschten, vorgaben, von Affen im Walde genothzüchtigt worden zu sein (Mittheilungen des Fray Lorenzo Juan in Mas, pobl. 23). Der Verkehr mit den eingewanderten christlichen Ilocanen und Pangasinanen, sowie mit den Soldaten der Forts hat diese reinen Sitten auf vielen Punkten untergraben (Lillo 32).
Verliebt sich ein Jüngling in ein Mädchen und sind beide Eltern einem Ehebündnisse ihrer Kinder geneigt, so gestatten die Eltern der Braut dem Jünglinge, mit ihrer Tochter im Concubinate zu leben, denn es gilt vor Allem, die Fruchtbarkeit derselben zu erproben (Lillo 27). Wird die Braut binnen einer bestimmten Frist schwanger, so findet erst die Hochzeit Statt, im entgegengesetzten Falle tritt der Bräutigam zurück (Lillo, l. c.). Wer ohne Grund seine Braut verliess, wurde früher geköpft (Lillo 29). Die Hochzeit beginnt mit einem religiösen Acte: die Priesterin erscheint, und unter Anrufung der Anitos verrichtet sie in Gegenwart aller Verwandten ihren Hocuspocus. Während der ganzen Ceremonie ruht der Fuss des Bräutigams auf dem der Braut (Lillo 27). Dann folgt der Festschmaus, welcher oft 8 bis 9 Tage dauert, während dieser Zeit bleibt das Ehepaar unsichtbar (Mas, pobl. 19).
Die Igorroten kennen nur die Monogamie, und die Heiligkeit der Ehe wird ungemein hochgehalten. Die noch unabhängigen Igorroten tödten jedes ehebrecherische Weib durch Kopfabschlagen, die unter spanischer Herrschaft stehenden lassen es mit einer schweren körperlichen Züchtigung bewenden (Lillo 29). Die Ehen sind nur durch den Tod löslich (Lillo 27). Die Witwe gehört zur Familie ihres verstorbenen Gatten, ohne deren (seltene) Einwilligung sie sich nicht wieder vermählen darf, in welchem Falle sie jedes Recht auf ihre Kinder von ihrem ersten Gatten verliert, deren Vormundschaft und Schutz der Familie desselben zufällt (Lillo 27). Der Witwer darf sich erst nach sieben Jahren wieder verheirathen, während dieser ganzen Zeit fordert der gute Anstand von ihm, durch dumpfes Stillschweigen und Vorsichhinbrüten, sowie durch gänzliche Vernachlässigung der ohnehin geringen körperlichen Reinlichkeit, seine Trauer um die verstorbene Gattin zur Schau zu tragen (Lillo, l. c.).
Im Familienleben der Igorroten fällt angenehm die Hochachtung auf, welche den Greisen gezollt wird (Lillo 29), minder vortheilhaft klingt die Meldung, dass noch im Anfange dieses Jahrhunderts die Igorroten ihre Kinder gern an die guten Christen von Ilócos und Pangasinán verkauften. Die Kinder wurden von den "edlen" Indiern zu Viehhirten und Knechten aufgezogen, der Preis schwankte zwischen 20 bis 30 Pesos, nur mit grosser Mühe gelang es der spanischen Regierung, diesen schändlichen Handel mit lebendigem Menschenfleisch auszurotten (Mas, pobl. 34).
Ist ein vornehmer Igorrote verschieden, so wird eine Priesterin geholt, welche an die Leiche Fragen stellt, wie z. B.: "Warum hast du deine Verwandten und Freunde verlassen?" Dann werden alle Verwandten, auch die entferntesten, von dem Todesfalle benachrichtigt, welche auch insgesammt erscheinen; jeder tritt vor den Todten, grüsst ihn und drückt ihm die Hand, wobei er die oben erwähnte Frage der Priesterin wiederholt. Der Leichnam wird nicht eher begraben, als bis alle Blutsfreunde ihm diese letzte Ehrenbezeugung erwiesen, was oft 8 bis 9 Tage währt; bei den mehr civilisirten Igorroten wird die Leiche früher bestattet oder wenigstens auf den Friedhof gebracht (Lillo 25 f.). Während der ganzen Zeit, wo der Todte von seinen Verwandten begrüsst und besucht wird, feiert man vor dem Hause ein Cañao (Fest), d. h. es werden ungeheuere Quantitäten Fleisch und Reis verschlungen und noch viel mehr Basi getrunken. Der Aufwand ist oft so übertrieben, dass manche Familie durch ein solches Todtenfest vollständig verarmt (Lillo 26). Die Igorroten von Benguet begraben ihre Todten ohne die angeführten Ceremonien und überdiess kurze Zeit nach der Sterbestunde (Semper, Erdk. XIII, 95). In einigen Gegenden werden die Leichen über einem Feuer gedörrt (Lillo 26 u. Semper, l. c.) in anderen, wiewohl selten, auch einbalsamirt (Semper, Erdk., l. c.). Der Leichnam wird sitzend (Lillo 26, Semper, l. c.) in einen kistenartigen Sarg gesteckt, welcher, wenigstens in Lepanto, aus einem Holze verfertigt wird, das angeblich die Fäulniss verhindert (Lillo, l. c.). In Benguet bestehen die Särge, an welchen mitunter Schnitzereien angebracht sind, aus Fichtenholzbrettern (Semper, Erd. XIII, 96). In den Sarg werden Lebensmittel mitgegeben. Ein Sarg enthält oft zwei und mehr Leichen (Semper, Erdk. XIII, 96). In Benguet werden die Todten meist unter oder neben den Häusern bestattet (Semper, Erdk. XIII, 95), jedoch werden mit Vorliebe Höhlen zu Begräbnissplätzen ausgesucht (Lillo 6), was um so bemerkenswerther ist, als auch die Visayer vor der Annahme des Christenthums dieselbe Weise der Todtenbestattung ausübten. Die Höhlen werden, wo die Natur sie nicht gebildet, künstlich vermittelst des Feuers in den Felsen hineingearbeitet (Semper, Erdk. XIII, 96). Die Begräbnissstätten der Häuptlinge und Vornehmen heissen "Luddut", jede Familie hat da ihren bestimmten Platz, gleichsam ihre Familiengruft (Mas, pobl. 18). Früher geschah es mitunter, dass die Leiche (bei Leuten geringeren Standes) von den Cañao-Festgenossen aufgezehrt wurde. Mas (pobl. 19) erwähnt einen solchen Vorfall, der sich in der Igorroten-Niederlassung Baruncucureng bei dem Pueblo Tagudin noch in diesem Jahrhunderte zugetragen hat.
Jeder Mord und Todtschlag, welchen ein Fremder verübt, wird durch Blutrache gegen dessen Dorf gesühnt, falls nicht Wehrgeld erlegt wird (Mas, pobl. 18). Bei ihrem zu Gewaltthaten geneigten Sinne und dem Ruhm, den jener geniesst, der seine Hütte mit recht vielen Menschenschädeln schmücken kann, nimmt die Schlächterei unter ihnen nur dort ein Ende, wo die Autorität der spanischen Behörden volles Gewicht hat. Die Igorroten von Benguet zeichneten sich durch eine grössere Kriegslust aus als die Buriks und Busaos. Die Bewohner von Ilócos und Pangasinán waren in den Zeiten, wo die Igorroten noch unabhängig waren, beständig durch Banden dieser Kopfjäger beunruhigt. Bei einzelnen Stämmen herrschte früher der Brauch, dass, wenn ein Todter 2, 3, 4 &c. Finger der Hand ausgestreckt hielt, seine Hinterbliebenen ebensoviele Menschen tödten mussten; so nahm das Morden kein Ende (Mas, pobl. 23). In der bestialischen Wuth tranken sie mitunter das warme Blut des Unglücklichen, dem sie soeben den Kopf abgeschlagen (Mas, pobl. 22). Kehrte ein Kopfjäger mit seiner schauerlichen Beute heim, so erschienen die gesammten Bewohner des Ortes in dem Hause desselben und tanzten unter wildem Geschrei und Gejohle um die blutigen Feindesköpfe, Reis- und Zuckerrohr-Branntwein wurde in Massen vertilgt, und Tage verstrichen oft, ehe diese entsetzliche Festlichkeit endete, welche den Blutdurst und die Roheit der Igorroten in grellem Lichte offenbarte (Lillo 24). Den Krieg führten sie am liebsten im Hinterhalte, wurden sie aber vom Feinde im offenen Felde angegriffen, so wussten sie sich mit grosser Bravour zu vertheidigen. Wollten die Igorroten herannahenden Fremden erklären, dass ein Betreten ihres Gebietes gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung wäre, so legten sie Bogen und Pfeil auf den Weg und besprengten die Erde mit Blut (Mas, pobl. 44). Sie warfen auch Schanzen auf, um Feinden den Zugang in ihre Thäler zu versperren (Galvey's Tagebuch in Mas, pobl. 58).
Ihre Religion erinnert lebhaft an jene der alten Tagalen. Sie glauben an ein oberstes göttliches Wesen, welches die ganze Schöpfung regiert und nennen es "Apu" oder "Apo" oder (in Lepanto) "Lumaoig" (Lillo 21). Die Gemahlin des Apu heisst Bangan, seine Kinder sind der Sohn Ubban und die Tochter Bugan. Ausserdem giebt es zwei Untergötter: Cabigat und Suyan. Diese Gottheiten wohnen am westlichen Himmel und stehen mit den Menschen durch die Anitos im Verkehr (Lillo, l. c.). Die Namen der Götter werden in jedem Dorfe verschieden angegeben. Donnert es, so sagen sie, der Gott Cabuniang verlange Schweine [15] zum Opfer, sie kommen auch seinem Verlangen unter grossen Festlichkeiten nach (Mas, pobl. 16). Den Igorroten am Rio Agno wird die Sonne zur Gottheit, als deren Kinder die Götter Magsib und Caspök gelten, welche letzteren in Krankheitsfällen angerufen werden und auch sonst einen in Festlichkeiten bestehenden Cultus besitzen (Semper, Erdkunde XIII, 94).